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14 Methode in:

Cornelia Zeller

Softwarebasierte Aphasietherapie, page 197 - 237

Entwicklung und Erprobung des kommunikativ-pragmatischen Übungsprogramms AKOPRA

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4167-3, ISBN online: 978-3-8288-7034-5, https://doi.org/10.5771/9783828870345-197

Tectum, Baden-Baden
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14 Methode In diesem Kapitel erfolgt zunächst eine Beschreibung des Bewertungssystems für die Itembearbeitung in AKOPRA. Anschließend wird auf die in der Therapiestu die eingesetzten Diagnostika (Kapitel 14.2), das Design (Kapitel 14.3), die ein bezogenen Probanden (Kapitel 14.4) und die D urchführung der Therapiestudie (Kapitel 14.5) eingegangen. 14.1 Bewertungssystem für die Itembearbeitung in AKOPRA U m die Bearbeitung der Items von AKOPRA bewerten zu können, wurden spe zifische Bewertungskriterien entwickelt. Hierbei handelt es sich um einige modulübergreifende Kriterien, wobei für die produktiven M odule einige ergänzende Richtlinien erstellt wurden. Die Beschreibung erfolgt an dieser Stelle, da die Be wertung in dieser Version von AKOPRA durch einen Therapeuten und noch nicht automatisch durch die Applikation vorgenommen wird und somit nicht Bestandteil letzterer ist. 14.1.1 Modul 1: Sprachverständnis U m die Leistungen der Anwender bewerten zu können, werden zwei Bewer tungskriterien herangezogen, die für alle Therapiemodule gelten. Dabei handelt es sich um die Korrektheit der Lösung und die Anzahl der benö tigten Hilfsstufen. Somit wird die M aximalpunktzahl imm er dann erreicht, wenn ein Item ohne Verwendung von Hilfsstufen korrekt gelöst wurde. W ird ein Item hingegen nach benötigter Hilfsstufe korrekt gelöst, wird pro Hilfe ein Punkt von der M aximalpunktzahl abgezogen. Für fehlerhaft gelöste Items stehen modulspezifische Bewertungsrichtlinien zur Verfügung, da diese u. a. davon abhängen, ob der Anwender nach einer fal schen Lösung zu einer Hilfsstufe oder zur Lösungsvorgabe weitergeleitet wird und ob ein abgestuftes Bewertungsschema für verschiedene Fehlertypen existiert. 197 In Tabelle 36 ist das Bewertungssystem für M odul 1 zu sehen. T abelle 36: B ew ertungskriterien M o d u l 1: Sprachverständnis L e is tu n q P unktzah l Korrekt gelöst ohne Hilfsstufe 4 Korrekt gelöst nach Hilfe 1 (W iederholung von Stimulussatz und Frage) 3 Korrekt gelöst nach Hilfe 2 (Umschreibung des Zielitems) 2 Korrekt gelöst nach Hilfe 3 (Präsentation Zeichnung/Gestenvideo) 1 Lösungsvorgabe erhalten bzw. angefordert 0 D a in diesem M odul nach falscher Lösung eine W eiterleitung zur nächsten Hilfsstufe erfolgt, werden erst dann null Punkte vergeben, wenn auch nach der dritten Hilfsstufe ein Ablenker angetippt oder eine weitere Hilfsstufe angefordert wird. Das heißt, ein N utzer erhält beispielsweise drei Punkte, wenn er das Item zuerst falsch, jedoch nach der ersten Hilfe korrekt löst. 14.1.2 Modul 2: Referieren auf Objekte Für die Bewertung der Items dieses M oduls werden neben den itemübergreifenden Bewertungsrichtlinien weitere Kriterien herangezogen. D a sich diese in Ab hängigkeit der M odalitäten unterscheiden, erfolgt die Darstellung der Punkte vergabe für die einzelnen M odalitäten getrennt. Z u beachten ist, dass neben den Rohpunktwerten auch norm ierte W erte an gegeben werden. Das ist dam it zu begründen, dass die Itembewertung modul- übergreifend anhand der Korrektheit der Patientenlösung und der Anzahl der benötigten Hilfsstufen erfolgt, jedoch nicht alle M odalitäten über dieselbe An zahl an Hilfsstufen verfügen. Das führt dazu, dass die M aximalpunktzahl in Ab hängigkeit der M odalität differiert. D urch eine N orm ierung der Rohwerte wur de erreicht, dass eine erfolgreiche Referenz ohne Inanspruchnahm e von Hilfen und unabhängig von der gewählten M odalität m it 100 Punkten bewertet wird. W ichtig ist außerdem, dass eine Referenz auch dann als korrekt gewertet wird, wenn ein Anwender in einer anderen als der gewählten M odalität auf ein O bjekt referiert. Das ist m it dem kommunikativ-pragmatischen Ansatz von AKOPRA zu begründen, da hier eine erfolgreiche Inhaltsverm ittlung im Vorder grund steht und zwar unabhängig von der genutzten M odalität. 198 14.1.2.1 Mündliches Benennen In Tabelle 37 ist die Bewertungsskala für das mündliche Benennen dargestellt. T abelle 37: B ew ertungskriterien M o d u l 2: Referieren a u f O bjek te A n tw ortm odalitä t M ündliches Benennen. D ie no rm ierten W erte s in d a u f eine Stelle nach dem K om m a gerun det. Leistung Rohwerte Normierte W erte Korrekt gelöst ohne Hilfe 14 100 Gelöst mit geringer phonematischer Abweichung ohne Hilfe 13 92,9 Korrekt gelöst nach 1. Hilfe (Vereinfachung der Frage) 12 85,7 Gelöst mit geringerphonem atischerAbw eichung nach 1. Hilfe 11 78,6 Korrekt gelöst nach 2. Hilfe (Präsentation Zeichnung/Geste) 10 71,4 Gelöst mit geringerphonem atischerAbw eichung nach 2. Hilfe 9 64,3 Korrekt gelöst nach 3. Hilfe (Vorgabe Oberbegriff) 8 57,1 Gelöst mit geringerphonem atischerAbw eichung nach 3. Hilfe 7 50 Korrekt gelöst nach 4. Hilfe (Vorgabe sem antische Merkmale I (Einsilber) bzw. Vorgabe semantische Merkmale I und II (Mehrsilber)) ODER ohne Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema genannt ODER ohne Hilfe > 1/3 der Phoneme/Silben phonematisch inkorrekt, jedoch m indestens ein W ortteil verständlich 6 42,9 Gelöst mit geringerphonem atischerAbw eichung nach 4. Hilfe ODER nach 1. Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema genannt ODER nach 1. Hilfe > 1/3 der Phoneme/Silben phonematisch inkorrekt, jedoch m indestens ein W ortteil verständlich 5 35,7 Korrekt gelöst nach 5. Hilfe (Vorgabe semantische Merkmale II (Einsilber) bzw. Anlautsilbe (Mehrsilber)) ODER nach 2. Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema genannt ODER nach 2. Hilfe > 1/3 der Phoneme/Silben phonematisch inkorrekt, jedoch m indestens ein W ortteil verständlich 4 28,6 Gelöst mit geringerphonem atischerAbw eichung nach 5. Hilfe ODER nach 3. Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema genannt ODER nach 3. Hilfe > 1/3 der Phoneme/Silben phonematisch inkorrekt, jedoch m indestens ein W ortteil verständlich 3 21,4 Nachsprechen korrekt gelöst ODER nach 4. Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema genannt ODER nach 4. Hilfe > 1/3 der Phoneme/Silben phonematisch inkorrekt, jedoch m indestens ein W ortteil verständlich 2 14,3 Nachsprechen teilweise korrekt gelöst ODER nach 5. Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema genannt ODER nach 5. Hilfe > 1/3 der Phoneme/Silben phonematisch inkorrekt, jedoch m indestens ein W ortteil verständlich 1 7,1 Aufgabe/Nachsprechen falsch gelöst 0 0 W ie sich aus Tabelle 37 ergibt, wurden zusätzlich zum Punktabzug bei Verwen dung der Hilfsstufen Zwischenwertungen für spezifische Fehler eingeführt51. So erhalten die Anwender einen Punkt weniger, wenn eine geringfügige phonematische Abweichung auftritt. Diese wurde so definiert, dass bei ein- und zweisilbigen W örtern maximal ein D rittel der Phonem e nicht korrekt sein darf (ersetzt, ausgelassen, hinzugefügt, umgestellt) und bei drei- bis sechssilbigen 51 D ie folgenden A usführungen zu den Punktabzügen in den einzelnen M odalitäten beziehen sich au f die Rohpunktw erte, da erst nach den Punktabzügen norm iert wurde. Dies führte dazu, dass H ilfsstufen und Fehler interm odal unterschiedlich gewichtet werden. 199 W örtern maximal ein Drittel der Silben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich bei phonem atischen Veränderungen die Referenzleistung nicht eindeutig vollziehen lässt, jedoch der Gesprächspartner allein oder gemeinsam m it dem Sprecher aufgrund der geringfügigen Abweichung noch verhältnismäßig einfach das intendierte O bjekt erm itteln kann. Kom m t es zu Abweichungen, die m ehr als ein D rittel der Phoneme bzw. Silben betreffen und ist noch mindestens ein W ortteil verständlich, werden in Abhän gigkeit der verwendeten Hilfsstufen etwas weniger als 50 Prozent der maximalen Punkte vergeben. Die gleiche Regelung gilt auch, wenn statt des Zielwortes nur der korrekte Oberbegriff oder das korrekte T hem a genannt werden. D enn in beiden Fällen liefert der Anwender korrekte Hinweise auf das Zielobjekt. Diese können vom Gesprächspartner aufgenommen werden und bieten auf der Suche nach dem intendierten O bjekt einen wichtigen Anhaltspunkt, wobei noch einige Präzisierungsarbeit zu leisten ist. Ab der dritten Hilfsstufe gilt es jedoch zu be achten, dass die Punkte für einen passenden Oberbegriff oder ein adäquates T hem a nur dann vergeben werden, wenn es sich nicht um eine Nachsprechleis tung des in der Hilfe vorgegebenen Oberbegriffs/Themas handelt. N ull Punkte werden für falsches Lösen vergeben. Als falsch gelöst gilt, w enn bei einem W ort m ehr als ein Drittel der Phoneme bzw. der Silben fehlerhaft reali siert ist und kein verständlicher W ortteil vorliegt. Dies basiert auf der Annahme, dass bei einer so großen Abweichung typischerweise von einem Missglücken der Referenzleistung auszugehen ist. Als falsch gelöst gelten außerdem W örter ohne phonologischen oder semantischen Bezug, Neologismen und semantische Pa raphasien. Letztere werden beispielsweise im A A T m it nur einem Punkt Abzug bewertet (H uber et al., 1983). Die andersartige Einstufung semantischer Pa raphasien in AKOPRA ist dam it zu begründen, dass der A A T die sprachsystematische Leistung erfasst, wohingegen in AKOPRA die kommunikativ-pragmatische Leistung zählt. In der Alltagskommunikation erweist es sich als ineffektiv, anstatt auf das Zielobjekt auf ein O bjekt derselben semantischen Kategorie zu referie ren, da m an in der Folge zum Beispiel das falsche O bjekt erhält. M it null Punk ten wird außerdem der Fall bewertet, dass ein N utzer ohne selbständig produ zierte Lösung die Lösungspräsentation anfordert. D a die Anwender von AKOPRA über die Referenzleistung hinaus zum N ach sprechen aufgefordert werden und auch diese Leistung honoriert werden soll, besteht die Möglichkeit, über das Nachsprechen schlechte Referenzleistungen, die m it weniger als zwei Punkten bewertet wurden, zu substituieren. Insofern erhalten N utzer auch dann noch zwei Punkte, wenn sie für die Referenzleistung 200 einen oder null Punkte bekommen, jedoch eine korrekte Nachsprechleistung vorliegt. H andelt es sich um eine teilweise korrekte Nachsprechleistung, bei wel cher maximal ein D rittel der Phonem e oder Silben fehlerhaft realisiert ist, wird dies m it einem Punkt honoriert. Sobald jedoch ein größerer W ortanteil fehler haft umgesetzt ist, können keine Punkte m ehr vergeben werden. Insofern erhält ein Anwender nur dann null Punkte, wenn er weder beim Referieren noch beim Nachsprechen Punkte erzielen konnte. Diese Substitutionsmöglichkeit gilt un abhängig von der für die Referenzleistung gewählten M odalität. 14.1.2.2 Umschreiben Tabelle 38 zeigt die Punkteverteilung für das Umschreiben. T abelle 38: B ew ertungskriterien M o d u l 2: Referieren a u f O bjek te A n tw ortm odalitä t Umschreiben. D ie n o rm ierten W erte s in d a u f eine Stelle nach dem K om m a gerundet. Le is tu n g R ohw erte N orm ie rte W erte Korrekt gelöst ohne Hilfe 12 100 Unvollständig gelöst ohne Hilfe 11 91,7 Korrekt gelöst nach 1. Hilfe (Vereinfachung der Frage) 10 83,3 Unvollständig gelöst nach 1. Hilfe 9 75 Korrekt gelöst nach 2. Hilfe (Vorgabe Zeichnung/Geste) 8 66,7 Unvollständig gelöst nach 2. Hilfe 7 58,3 Korrekt gelöst nach 3. Hilfe (Vorgabe Oberbegriff) 6 50 Unvollständig gelöst nach 3. Hilfe ODER ohne Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema genannt 5 41,7 Korrekt gelöst nach 4. Hilfe (Vorgabe semantische Merkmale I) ODER nach 1. Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema genannt 4 33,3 Unvollständig gelöst nach 4. Hilfe ODER nach 2. Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema genannt 3 25 Korrekt gelöst nach Vorgabe gesamte Umschreibung ODER nach 3. Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema genannt ODER Nachsprechen korrekt gelöst 2 16,7 Unvollständig gelöst nach Vorgabe gesamte Umschreibung ODER nach 4. Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema genannt ODER Nachsprechen teilweise korrekt gelöst 1 8,3 Aufgabe falsch gelöst/Falsch gelöst nach Vorgabe gesamte Umschrei bung ODER Nachsprechen falsch gelöst 0 0 W ie in Kapitel 12.3.2 beschrieben, bestehen die vorgegebenen Umschreibungen typischerweise aus einer K om bination von semantischer Kategorie und semanti schen M erkmalen. Für die Umschreibungen der Anwender gilt jedoch, dass sich diese nicht zwangsläufig aus jenen K om ponenten zusammensetzen müssen. Hierbei wird die Umschreibung als korrekt gewertet, sofern m it dieser eindeutig auf das Zielobjekt referiert werden kann. Auch hier liegen, wie in Tabelle 38 zu erkennen, Zwischenwertungen für unvoll ständig produzierte Umschreibungen vor, für die ein Punkt abgezogen wird. Als 201 unvollständig produzierte Umschreibungen zählen diejenigen, die nicht eindeu tig auf das Zielobjekt referieren, indem beispielsweise die Angabe eines distinkti ven Merkmals fehlt. W ird hingegen nur die korrekte semantische Kategorie oder das T hem a genannt, werden hierfür knapp 50 Prozent der maximalen Punkte vergeben, die sich in Abhängigkeit der in Anspruch genom m enen Hilfsstufen weiter reduzieren. Dies ist, analog zur Bewertung beim m ündlichen Benennen, dam it zu begründen, dass in beiden Fällen Anhaltspunkte für das Zielobjekt gegeben werden. D a die Auswahlmenge möglicher Objekte bei einer unvollständigen Umschreibung ge ringer ist als bei der alleinigen N ennung von Oberbegriff oder Them a, werden unterschiedlich viele Punkte für diese Leistungen vergeben. Dabei ist zu beach ten, dass es sich bei der N ennung des korrekten Themas/Oberbegriffs nach der dritten oder vierten Hilfsstufe nicht um eine Nachsprechleistung des in der je weiligen Hilfsstufe dargebotenen Oberbegriffs oder Themas handeln darf. Des W eiteren werden null Punkte vergeben, wenn m it der Umschreibung auf ein anderes O bjekt referiert wird oder überhaupt kein Bezug hergestellt wer den kann, sodass die Umschreibung „ins Leere“ führt. D enn in beiden Fällen handelt es sich um eine ineffektive Referenz. Ebenfalls null Punkte werden ge wertet, w enn ein Anwender vorzeitig auf Lösen tippt, ohne zuvor das Item gelöst zu haben. Leistungen unter zwei Punkten können entweder über eine (sinngemäße) Reproduktion der vorgegebenen Umschreibung oder über das Nachsprechen kompensiert werden, indem diese Leistungen stattdessen gewertet werden. So kann der Anwender noch zwei Punkte erhalten, wenn ihm nach der Lösungsprä sentation eine korrekte Umschreibung gelingt. Auch hier gilt, dass die U m schreibung eindeutig auf das O bjekt referieren muss, jedoch keine exakte W ie dergabe der vorgegebenen Umschreibung erforderlich ist. Fehlt hingegen ein dis tinktives Merkmal, sodass sich die Umschreibung nicht allein auf das Zielobjekt bezieht, wird noch ein Punkt gutgeschrieben. 202 14.1.2.3 Schriftliches Benennen Tabelle 39 umfasst die Bewertungskriterien für die schriftliche Referenzmöglich keit. T abelle 39: B ew ertungskriterien M o d u l 2: Referieren a u f O bjek te A n tw ortm odalitä t Schriftliches Benennen. D ie n o rm ierten W erte s in d a u f eine Stelle nach dem K om m a gerun det. Le is tu n g R ohw erte N orm ie rte W erte Korrekt gelöst ohne Hilfe 12 100 Gelöst mit geringergraphem atischerAbw eichung ohne Hilfe 11 91,7 Korrekt gelöst nach 1. Hilfe (Vereinfachung der Frage) 10 83,3 Gelöst mit geringergraphem atischerAbw eichung nach 1. Hilfe 9 75 Korrekt gelöst nach 2. Hilfe (Einsilber: Vorgabe Graphemanzahl, Zweisil ber: + erstes Graphem, Dreisilber: + erste Silbe) 8 66,7 Gelöst mit geringergraphem atischerAbw eichung nach 2. Hilfe 7 58,3 Korrekt gelöst nach 3. Hilfe (Vorgabe Anagramm) 6 50 Gelöst mit geringer graphem atischer Abweichung nach 3. Hilfe ODER ohne Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema geschrieben ODER ohne Hilfe > 1/3 der Grapheme/Silben graphematisch inkorrekt, jedoch m indestens ein W ortteil verständlich 5 41,7 Korrekt gelöst nach 4. Hilfe (Einsilber: Vorgabe erstes Graphem, Zw eisil ber: Vorgabe erste Silbe, Dreisilber: Vorgabe erste beiden Silben) ODER nach 1. Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema geschrieben ODER nach 1. Hilfe > 1/3 derG raphem e/S ilben graphematisch inkorrekt, jedoch m indestens ein W ortteil verständlich 4 33,3 Gelöst mit geringergraphem atischerAbw eichung nach 4. Hilfe ODER nach 2. Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema geschrieben ODER nach 2. Hilfe > 1/3 der Grapheme/Silben graphematisch inkorrekt, jedoch m indestens ein W ortteil verständlich 3 25 Lösungsvorgabe korrekt abgetippt ODER nach 3. Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema geschrieben ODER nach 3. Hilfe > 1/3 der Grapheme/Silben graphematisch inkorrekt, jedoch m indestens ein W ortteil verständlich ODER Nachsprechen korrekt gelöst 2 16,7 Lösungsvorgabe mit geringer graphem atischer Abweichung abgetippt ODER nach 4 Hilfe korrekter Oberbegriff/korrektes Thema geschrieben ODER nach 4. Hilfe > 1/3 der Grapheme/Silben graphematisch inkorrekt, jedoch m indestens ein W ortteil verständlich ODER Nachsprechen teilweise korrekt gelöst 1 8,3 Aufgabe falsch gelöst/Lösungsvorgabe falsch abgetippt ODER Nachsprechen falsch gelöst 0 0 W ie in Tabelle 39 zu sehen ist, werden hier Zwischenwertungen analog zum m ündlichen Benennen angewandt. So erfolgt der Abzug von einem Punkt, wenn bei ein- und zweisilbigen W örtern maximal ein D rittel der Graphem e und bei Dreisilbern maximal ein D rittel der Silben verändert ist. W ird nur der O berbegriff bzw. das Them a korrekt eingetippt oder ist mehr als ein Drittel der Grapheme/Silben graphematisch inkorrekt, jedoch mindestens ein W ortteil verständlich, erhält der Anwender in Abhängigkeit der verwendeten Hilfsstufen maximal knapp die Hälfte der H öchstpunktzahl. 203 N ull Punkte bekom m t ein Anwender, wenn bei einem W ort m ehr als ein Drittel der Grapheme bzw. der Silben fehlerhaft realisiert ist und kein verständ licher W ortteil existiert, eine semantische Paragraphie, ein W ort ohne semanti schen oder phonologischen Bezug oder ein Neologismus produziert werden. Au ßerdem erhält ein Nutzer null Punkte, w enn er ohne eigene Produktion vorzeitig auf Lösen tippt. Erhält der Anwender weniger als zwei Punkte, ist eine Kompensation über das Kopieren des Lösungswortes oder das Nachsprechen möglich. Entsprechend werden noch zwei Punkte vergeben, wenn ein N utzer das vorgegebene W ort korrekt eingibt und einen Punkt, wenn maximal ein Drittel der Grapheme bzw. bei Dreisilbern maximal ein Drittel der Silben graphematisch verändert ist. 14.1.2.4 Gestik und Zeichnen Die Bewertungskriterien für die M odalitäten Gestik und Zeichnen wurden in insgesamt zwei Tabellen zusammengefasst, wobei sich Tabelle 40 auf die zweischrittigen und Tabelle 41 auf die dreischrittigen Gesten und Zeichnungen be zieht. T abelle 40 : B ew ertungskriterien M o d u l 2: Referieren a u f O bjek te A n tw ortm odalitä ten Gestik u n d Zeichnen (zweischrittig). Le is tu n g R ohw erte N orm ie rte w erte Korrekt gelöst ohne Hilfe 8 100 Unvollständig gelöst ohne Hilfe 7 87,5 Korrekt gelöst nach 1. Hilfe (Vereinfachung der Frage) 6 75 Unvollständig gelöst nach 1. Hilfe 5 62,5 Korrekt gelöst nach 2. Hilfe (Vorgabe begonnene Obiektzeichnung/Geste) 4 50 Unvollständig gelöst nach 2. Hilfe ODER ohne Hilfe nur Oberbegriff/Them a verm ittelt 3 37,5 Nach vorgegebener Objektzeichnung korrekt gezeichnet/nach vorgege bener Geste korrekte Geste produziert ODER nach Hilfe 1 nurO berbegriff/Them averm itte lt ODER Nachsprechen korrekt 2 25 Nach vorgegebener Objektzeichnung teilweise korrekt gezeichnet/nach vorgegebener Geste teilweise korrekte Geste produziert ODER nach Hilfe 2 nur Oberbegriff/Them a verm ittelt ODER Nachsprechen teilweise korrekt 1 12,5 Aufgabe falsch gelöst/Vorgegebene Objektzeichnung/Geste falsch repro duziert ODER Nachsprechen falsch 0 0 204 T abelle 41 : B ew ertungskriterien M o d u l 2: Referieren a u f O bjek te A n tw ortm odalitä ten Gestik u n d Zeichnen (dreischrittig) Le is tu n g R ohw erte N orm ie rte W erte Korrekt gelöst ohne Hilfe 10 100 Unvollständig gelöst ohne Hilfe 9 90 Korrekt gelöst nach 1. Hilfe (Vereinfachung der Frage) 8 80 Unvollständig gelöst nach 1. Hilfe 7 70 Korrekt gelöst nach 2. Hilfe (Vorgabe begonnene Obiektzeichnung/Geste) 6 60 Unvollständig gelöst nach 2. Hilfe 5 50 Korrekt gelöst nach 3. Hilfe (Vorgabe w eite rfo rfgeschrittene Objektzeich nung/Geste) ODER ohne Hilfe nur Oberbegriff/Them a verm ittelt 4 40 Unvollständig gelöst nach 3. Hilfe ODER nach 1. Hilfe nur Oberbegriff/Them a verm ittelt 3 30 Nach vorgegebener Objektzeichnung korrekt gezeichnet/nach vorgege bener Geste korrekte Geste produziert ODER nach 2. Hilfe nur Oberbegriff/Them a verm ittelt ODER Nachsprechen korrekt 2 20 Nach vorgegebener Objektzeichnung teilweise korrekt gezeichnet/nach vorgegebener Geste teilweise korrekte Geste produziert ODER nach 3. Hilfe nur Oberbegriff/Them a verm ittelt ODER Nachsprechen teilweise korrekt 1 10 Aufgabe falsch gelöst/Vorgegebene Objektzeichnung/Geste falsch repro duziert ODER Nachsprechen falsch 0 0 Im Gegensatz zum m ündlichen und schriftlichen Benennen gibt es typischer weise mehrere Möglichkeiten, auf ein O bjekt zeichnerisch oder gestisch zu refe rieren. Diese entstehen dadurch, dass verschiedene Ausführungen von O bjekten aus unterschiedlichen Perspektiven gezeichnet werden können und bei einigen auch die Darstellung eines Ausschnitts genügt. D arüber hinaus variiert die An zahl der zeichnerisch umgesetzten semantischen Merkmale. Auch auf Gesten trifft zu, dass diese unterschiedlich gestaltet werden kön nen, wie beispielsweise durch die N utzung verschiedener Gestentypen. H inzu kom m t, dass es in der Alltagskommunikation von verschiedenen Fak toren abhängt, ob eine Geste oder Zeichnung erkannt wird. Folglich bezieht sich das Grundprinzip der Bewertung in AKOPRA auf die Eindeutigkeit und Erkennbarkeit der produzierten Geste oder Zeichnung. W ird die Geste oder Zeichnung vom Therapeuten erkannt und kann m it dieser eindeutig auf das Zielobjekt referiert werden, erhält der Anwender die vol le Punktzahl. Ist hingegen aufgrund eines fehlenden distinktiven Merkmals keine eindeu tige Referenz auf das Zielobjekt möglich, wird ein Punkt abgezogen. Eine weitere Zwischenwertung gibt es auch für Gesten und Zeichnungen, bei welchen lediglich die semantische Kategorie oder das Them a erkennbar ist. H ier erhält der Anwender, analog zu den Skalen in den anderen M odalitäten, knapp die H älfte der M aximalpunktzahl und in Abhängigkeit der verwendeten H ilfen entsprechend weniger. 205 Eine Bewertung m it null Punkten erfolgt, sofern kein Bezug zum Zielobjekt hergestellt werden kann, die Geste oder Zeichnung auf ein anderes O bjekt refe riert oder ein Anwender ohne eigene Lösung die Lösungspräsentation anfordert. Auch hier lassen sich Punktwerte unter zwei über das (sinngemäße) Kopie ren bzw. Im itieren der vorgegebenen Zeichnung/Geste oder das Nachsprechen kompensieren. So können zwei Punkte erreicht werden, wenn ein N utzer nach der Präsentation der Geste oder Zeichnung selbst korrekt auf das O bjekt refe riert. Einen Punkt erhält er, wenn der Geste oder Zeichnung ein distinktives M erkmal fehlt, sodass zum Beispiel zwei Objekte als mögliches Referenzziel in Frage kommen. 14.1.3 Modul 3: Einfache kommunikative Handlungen: Zustim m ung und Ablehnung Für die Bewertung der Leistungen in diesem M odul gilt das in Tabelle 42 prä sentierte Bewertungsschema. T abelle 42 : B ew ertungskriterien M o d u l 3: E infache kom m unikative H an d lu n g en — Z u stim m u n g u n d A blehnung Le is tu n q P unktw erte Korrekt gelöst ohne Hilfe 4 Korrekt gelöst nach 1. Hilfe (Präsentation einer vereinfachten Frage; Ellipsen: vo ll ständige Frage) 3 Korrekt gelöst nach 2. Hilfe (Vorgabe semantische Merkmale; Ellipsen: u. a. Paraphrasedervo lls tänd igen Frage) 2 Korrekt gelöst nach 3. Hilfe (Präsentation einer vereinfachten Frage und Vorgabe derAntwortpartikeln ; Ellipsen: Präsentation einer vollständigen Frage und Vorgabe der Antwortpartikeln) 1 Falsch gelöst ODER Lösungspräsentation angefordert 0 D a die Items dieses M oduls entweder korrekt oder falsch gelöst werden können, stehen hier, wie in Tabelle 42 zu erkennen, keine Zwischenwertungen zur Ver fügung. Im Vergleich zu M odul 1 ist es in diesem M odul tendenziell schwieriger, Punkte zu erlangen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Anwender nach Antippen des falschen A ntw ortbuttons direkt zur Lösung gelangt und somit nicht die M öglichkeit hat, das Item nach Inanspruchnahm e einer Hilfestellung zu lösen. 14.1.4 Modul 4: Einzelhandlungen Die folgenden Abschnitte beziehen sich auf die Punktevergabe in den einzelnen M odalitäten von Therapiem odul 4. D a auch hier nicht alle M odalitäten über dieselbe Anzahl an Hilfsstufen verfügen, differiert die M aximalpunktzahl in Ab hängigkeit der M odalitäten. Deshalb wurde, wie in M odul 2, eine N orm ierung der Rohwerte vorgenommen, sodass eine erfolgreiche Referenz ohne Inan spruchnahm e von Hilfen und unabhängig von der gewählten M odalität m it 206 100 Punkten bewertet wird. Uber die modalitätsspezifischen Bewertungsskalen hinaus ist anzumerken, dass die Ausführung einer kom m unikativen H andlung auch dann als korrekt gewertet wird, wenn diese in einer anderen als der gewähl ten M odalität erfolgt. 14.1.4.1 Verbale Antwortmodalität In Tabelle 43 sind die Bewertungskriterien für die verbale Antwortm odalität aufgeführt: T abelle 43 : B ew ertungskriterien M o d u l 4: E inzelhandlungen A n tw ortm odalitä t Sprechen. D ie n o rm ierten W erte s in d a u f eine Stelle nach dem K om m a gerundet. Le is tu n g R ohw erte N orm ie rte W erte Korrekt gelöst ohne Hilfe 9 100 Teilweise korrekt gelöst ohne Hilfe 8 88,9 Korrekt gelöst nach 1. Hilfe (W iederholung oder Vereinfachung der S itua tionsbeschreibung und spezifisches Hinweisfoto) 7 77,8 Teilweise korrekt gelöst nach 1. Hilfe ODER ohne Hilfe m inimaler Bezug zur Situation 6 66,7 Korrekt gelöst nach 2. Hilfe (Formulierungsvorgabe) ODER nach 1. Hilfe m inimaler Bezug zur Situation 5 55,6 Teilweise korrekt gelöst nach 2. Hilfe 4 44,5 Korrekt gelöst nach 3. Hilfe (Auswahlsätze) 3 33,3 Nachsprechen korrekt (alle Inhalte verständlich vermittelt) 2 22,2 Nachsprechen teilweise korrekt (maximal 50 Prozent der Inhalte fehlen) 1 11,1 Aufgabe falsch gelöst ODER Nachsprechen falsch gelöst 0 0 D ie Lösung eines Items wird dann als korrekt bewertet, wenn die jeweilige komm unikative H andlung mithilfe einer geeigneten Äußerungsform ausgeführt wurde. Dies schließt m it ein, dass alle notwendigen Informationseinheiten, wie etwa Zeit- oder Ortsangaben, in der Äußerung enthalten sind. N ich t berücksich tigt werden etwaige phonematische oder grammatische Fehler, sofern die ausge führte H andlung dennoch verständlich ist. Ist beispielsweise ein einzelnes W ort in einem Satz für sich genom m en nicht identifizierbar, lässt sich diesem durch H inzunahm e des ganzen Satzes gegebenenfalls dennoch eine Bedeutung zuord nen, da der Satz als Kontext fungiert (Storch & W eng, 2010b). Fehlen wichtige Inhalte oder sind diese auch nach H inzunahm e des Kontextes nicht verständlich, erfolgt ein Punktabzug52 nach folgenden Kriterien: Als teilweise korrekt gelöst gilt ein Item, w enn maximal 50 Prozent der Inhalte fehlen. In diesem Fall wird, wie Tabelle 43 entnom m en werden kann, von der jeweiligen Punktzahl ein Punkt abgezogen. 52 D ie folgenden A usführungen zu den Punktabzügen in den einzelnen M odalitäten beziehen sich au f die Rohpunktw erte. 207 Sind hingegen m ehr als 50 Prozent der Inhalte nicht vorhanden, gilt dies als minimaler Bezug zur Situation, für welchen zwei Drittel der jeweils maximal zu erreichenden Punkte vergeben werden. Ein solcher minimaler Bezug kann je doch ausschließlich dann bewertet werden, w enn das Item ohne oder nur m it einer Hilfe gelöst wurde. Das ist dam it zu begründen, dass m it der zweiten Hilfs stufe die Vorgabe einiger Inhalte erfolgt und es sich bei der dritten Hilfe um eine rezeptive Leistung handelt. W ie in Kapitel 12.5.2 beschrieben, werden die Anwender auch in diesem M odul nach der eigentlichen Itembearbeitung zum Nachsprechen aufgefordert, sodass für diese Leistung ebenfalls Punkte vergeben werden können. Spricht ein N utzer die gewählte Äußerungsform (sinngemäß) korrekt nach, erhält er hierfür zwei Punkte. Ist die Nachsprechleistung teilweise korrekt, wird noch ein Punkt vergeben und bei falscher Nachsprechleistung bekom m t der Anwender keine Punkte. Diese Nachsprechleistung wird jedoch nur dann substi tuierend gewertet, falls es dem N utzer in der regulären Itembearbeitung nicht gelungen ist, m ehr als zwei Punkte zu erzielen. Somit ist einem Anwender bei korrekter Nachsprechleistung auch dann noch das Erzielen zweier Punkte mög lich, wenn er während der eigentlichen Itembearbeitung keine Punkte erreicht hat. Dies ist der Fall, wenn ein falscher Auswahlsatz selektiert wurde, die Äuße rung unverständlich ist, kein inhaltlicher Bezug zur geforderten kom m unikati ven H andlung besteht, eine andere komm unikative H andlung ausgeführt oder keine eigenständige Leistung erbracht wurde. 208 14.1.4.2 Schriftliche Antwortmodalität Tabelle 44 repräsentiert die Bewertungskriterien für die schriftliche A ntw ortm o dalität. T abelle 44 : B ew ertungskriterien M o d u l 4: E inzelhandlungen A n tw ortm odalitä t Schreiben. D ie no rm ierten W erte s in d a u f eine Stelle nach dem K om m a gerundet. Le is tu n g R ohw erte N orm ie rte w erte Korrekt gelöst ohne Hilfe 12 100 Teilweise korrekt gelöst ohne Hilfe 11 91,7 Korrekt gelöst nach 1. Hilfe (W iederholung oder Vereinfachung der S itua tionsbeschreibung und spezifisches Hinweisfoto) 10 83,3 Teilweise korrekt gelöst nach 1. Hilfe ODER ohne Hilfe m inimaler Bezug zur Situation 9 75 Korrekt gelöst nach 2. Hilfe (Lückensatz + Einsilber: Graphemanzahl, Zweisilber: Graphemanzahl und erstes Graphem, Dreisilber: G raphem an zahl und erste Silbe) ODER nach 1. Hilfe m inimaler Bezug zur Situation 8 66,7 Teilweise korrekt gelöst nach 2. Hilfe 7 58,3 Korrekt gelöst nach 3. Hilfe (Vorgabe Anagramm) 6 50 Teilweise korrekt gelöst nach 3. Hilfe 5 41,7 Korrekt gelöst nach 4. Hilfe (Einsilber: Erstes Graphem, Zweisilber: Erste Silbe, Dreisilber: Erste beiden Silben) 4 33,3 Teilweise korrekt gelöst nach 4. Hilfe 3 25 Lösungsvorgabe korrekt kopiert ODER Nachsprechen korrekt 2 16,7 Lösungsvorgabe teilweise korrekt kopiert ODER Nachsprechen teilweise korrekt 1 8,3 Aufgabe falsch gelöst/Lösungsvorgabe falsch kopiert ODER Nachsprechen falsch 0 0 Analog zur verbalen A ntwortm odalität gilt auch für die schriftliche Lösung eines Item s, dass dieses als korrekt bewertet wird, wenn die komm unikative H andlung erfolgreich ausgeführt werden kann. Löst ein Anwender ein Item ohne Hilfe o der nach der ersten Hilfsstufe, werden Paragraphien und grammatische Abwei chungen nicht in der Bewertung berücksichtigt, sofern die Äußerung dennoch zielführend ist. W erden bei einer Item bearbeitung ohne Hilfe oder nach Inanspruchnahm e der ersten Hilfe maximal 50 Prozent der notwendigen Angaben vernachlässigt, erhält der Anwender einen Punkt Abzug. Für einen minimalen Bezug, bei dem m ehr als 50 Prozent der Angaben feh len dürfen, werden analog zur verbalen A ntwortm odalität jeweils zwei Drittel der zu erreichenden Punkte vergeben. Ab der zweiten Hilfsstufe werden graphematische Abweichungen berück sichtigt, da es dann die Aufgabe des Nutzers darstellt, ausschließlich das fehlende W ort im Lückensatz zu produzieren. Aufgrund der Fokussierung auf das isolierte W ort sollte dieses verständlich sein, um ein effektives H andeln zu ermöglichen. 209 Insofern gelten ähnliche Bewertungsrichtlinien wie für das schriftliche Benennen in M odul 2 (vgl. Kapitel 14.1.2.3). So wird eine Lösung als teilweise korrekt eingestuft, wenn bei ein- und zwei silbigen W örtern maximal ein D rittel der Graphem e und bei Dreisilbern maxi mal ein D rittel der Silben verändert wurde. Für eine teilweise korrekte Lösung erfolgt, wie in Tabelle 44 ersichtlich, der Abzug eines Punktes. Führt ein Anwender eine andere komm unikative H andlung aus, ist das G e schriebene unverständlich, besteht kein inhaltlicher Bezug zum Item, ist im Lü ckenwort m ehr als ein D rittel der Graphem e/Silben fehlerhaft oder wird keine eigenständige Leistung gezeigt, werden für die reguläre Itembearbeitung keine Punkte vergeben. Jedoch können Punkte für das (sinngemäße) Kopieren oder Nachsprechen der vorgegebenen Lösung substituierend vergeben werden, wenn der Anwender für die reguläre Itembearbeitung weniger als zwei Punkte erhalten hat. 14.1.4.3 Gestik und Zeichnen D ie Bewertungsskalen für die gestische und zeichnerische M odalität entsprechen jenen für das gestische und zeichnerische Referieren auf O bjekte aus M odul 2, sodass an dieser Stelle auf eine wiederholte tabellarische Darstellung verzichtet wird. D a alle Gesten dieses M oduls in zwei Produktionsschritte eingeteilt werden konnten, gilt für die gestische Inhaltsverm ittlung die in Kapitel 14.1.2.4, Tabelle 40 dargestellte Bewertungsskala. Die Zeichnungen hingegen bestehen alle aus drei Zeichenschritten, sodass hierfür die Bewertungsskala aus Kapi tel 14.1.2.4, Tabelle 41 repräsentativ ist. Als korrekt wird eine Geste oder Zeichnung gewertet, sofern m it dieser die ge forderte komm unikative H andlung ausgeführt werden kann. Ist m it einer Geste oder Zeichnung keine ganz eindeutige Referenz möglich, sodass der Therapeut nicht weiß, ob der N utzer H andlung x oder H andlung y ausführen möchte, erfolgt der Abzug eines Punktes. Eine weitere Zwischenwertung liegt für Gesten und Zeichnungen vor, bei denen erkennbar ist, auf welches T hem a referiert wird. H ier erhält der Anwender knapp die Hälfte der jeweils zu erreichenden Punktzahl und in Abhängigkeit der verwendeten Hilfen entsprechend weniger. Eine Bewertung m it null Punkten erfolgt, wenn kein Bezug zur geforderten kom m unikativen H andlung hergestellt werden kann, m it der Geste oder Zeich nung eine andere komm unikative H andlung ausgeführt wird, die Geste oder Zeichnung nicht erkennbar ist oder der Anwender ohne eigene Lösung die Lö sungspräsentation anfordert. 210 Punktwerte unter zwei können jedoch über das (sinngemäße) Imitieren oder Kopieren der vorgegebenen Geste/Zeichnung oder das Nachsprechen kom pen siert werden. Entsprechend werden zwei Punkte gutgeschrieben, wenn es einem Anwender nach der Präsentation der Geste oder Zeichnung gelingt, die kom munikative H andlung korrekt auszuführen. Einen Punkt bekom m t der Nutzer, w enn sich die imitierte Geste oder ko pierte Zeichnung nicht exakt auf die geforderte komm unikative H andlung be zieht und es einer Nachfrage des Therapeuten bedarf, ob auf x oder y referiert wird. 14.2 Diagnostika Ziel dieses Kapitels ist es, Auskunft über die in der Therapiestudie eingesetzten Diagnostika zu geben. Hierbei handelt es sich um Instrum ente zur Beurteilung der sprachlichen und kom m unikativen Fähigkeiten sowie um ein eigens entwi ckeltes Patienteninterview zur Bewertung von AKOPRA. 14.2.1 Instrumente zur Erfassung sprachlicher und kommunikativer Leistungen Insgesamt wurden m it dem A A T (H uber et al., 1983), dem KO PS (Glindem ann & Ziegler, 2011) und dem AFKS (Arnold et al., 2009a) drei Diagnostika ver wendet, um das individuelle Leistungsniveau der Probanden zu erfassen. Dabei zielt der am Sprachsystem orientierte A A T auf die ICF-Ebene der Körperfunktion ab (Grötzbach, 2006), wohingegen sich die anderen beiden Diagnostika auf die Kom ponenten der A ktivitä t und Partizipation beziehen. Für eine detaillierte Be schreibung dieser Diagnostika siehe Kapitel 8.2 und 8.3. 14.2.2 Patienteninterview zur Bewertung der Therapie mit AKOPRA U m erfassen zu können, wie die Studienteilnehm er die Therapie m it AKOPRA bewerten, ob Erfahrung in der N utzung von Tablets vorliegt und welche M oda litäten die Betroffenen in der Alltagskommunikation einsetzen, wurde ein Befra gungsinstrum ent m it 16 Fragen entwickelt. Die Fragen, deren Reihenfolge und die Antwortkategorien sind bei den ge schlossenen Fragen fixiert, wobei wie bei einem halbstrukturierten Interview Um form ulierungen und zusätzliche Erläuterungen zur Verständnissicherung er laubt sind (Döring, Bortz & Pöschl, 2016). Ein ausreichendes Sprachverständnis ist wichtig, um reliable und valide Beurteilungen zu erhalten (Schütz, 2013). Die Fragen werden vom Therapeuten vorgelesen, wobei der Befragungsbo gen vor dem Probanden platziert wird, um die Bewertungsskala zu präsentieren und eine multim odale Aktivierung zu gewährleisten. Außerdem erfolgt so eine U nterstützung der Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistungen, die für die Be urteilung ebenfalls eine wichtige Rolle spielen (Schütz, 2013). 211 In Abhängigkeit der sprachlichen und motorischen Fähigkeiten des jeweili gen Probanden erfolgt die Kennzeichnung der gewählten Antwortkategorien und bei offenen Fragen die schriftliche Fixierung der Antworten entweder vom Probanden selbst oder vom Therapeuten. Z ur Verständnissicherung soll die M e thode des Paraphrasierens eingesetzt werden. Dabei gibt der Gesprächspartner, hier der Therapeut, den vorhergehenden Gesprächsschritt des Probanden wieder und erkundigt sich nach dessen Korrektheit (von Kanitz & Mentzel, 2012). Die Befragungsitems w urden als Fragen und nicht als Statements konzipiert (Döring et al., 2016), da diese für die Interviewsituation als geeigneter erschie nen. Bei der Form ulierung wurde auf eine einfache Satzstruktur sowie die Ver m eidung von Fachtermini und Negationen geachtet, um die Komplexität der Informationsverarbeitung möglichst gering zu halten und somit eine Anpassung an die Zielgruppe zu gewährleisten (Raab-Steiner & Benesch, 2012; Kallus, 2010). U m eine Struktur bei der Beantwortung zu bieten, sind die Fragen thema tisch geordnet (Raab-Steiner & Benesch, 2012): D en Einstieg bilden Fragen zur allgemeinen Bewertung von AKOPRA, die sich u. a. auf die Zufriedenheit m it dem Therapieprogram m und den Spaßfaktor beziehen. H ieran schließen sich Fragen zur Effektivität des Programms an, wobei beispielsweise nach der Itemschwierigkeit und nach Verbesserungen durch A- KOPRA gefragt wird. Für die Beantwortung dieser Fragen ist es erforderlich, die eigenen Leistun gen zumindest teilweise einschätzen zu können (Schütz, 2013). W eitere Fragen beziehen sich auf die Anwendbarkeit des Programms, auf Spezifika, die m it der N utzung von AKOPRA einhergehen, wie etwa die selb ständige Lösungskontrolle und das autonom e Üben, Veränderungs- und Erwei terungswünsche sowie Erfahrung in der N utzung eines Tablets. Für den hierfür z. T . benötigten Bezug auf hypothetische Situationen stellt das Rollenverständnis eine Voraussetzung dar (Schütz, 2013). Die Befragung schließt m it Fragen zur N utzung verschiedener Kom m unika tionskanäle und eines Tablets im Alltag. Diese Fragen sollen Hinweise darauf liefern, ob sich Erfahrungen im Umgang m it Tablets auf die Anwendung von AKOPRA auswirken und ob Differenzen bezüglich der M odalitätennutzung in AKOPRA im Vergleich zum Alltag vorliegen. D er Großteil der Fragen verfügt über ein geschlossenes Antwortformat, sodass bei der Beantwortung eine oder mehrere der vorgegebenen Kategorien ange kreuzt werden können (Raab-Steiner & Benesch, 2012). M ehrfachnennungen 212 sind bei einer eigenständigen und zwei weiterführenden Fragen zulässig, das heißt es dürfen eine oder mehrere der vorgegebenen Kategorien gewählt werden. Somit sind bei einem Großteil der Fragen ausschließlich Einfachnennungen er laubt (Porst, 2008). In der Fragengruppe m it Einfachnennung stehen für die Beantwortung von sechs Fragen die Ausprägungen Ja und N ein zur Verfügung, sodass ein dichotomes Antwortform at (Raab-Steiner & Benesch, 2012) und eine nominale Skala vorliegen (Porst, 2008). Für die Beantwortung der verbleibenden Fragen dieser G ruppe wurden diskret gestufte Ratingskalen als mehrkategorielles Form at ge wählt, da diese eine differenziertere Bewertung ermöglichen (Bühner, 2011; Jonkisz, M oosbrugger & Brandt, 2012). Dabei handelt es sich um ordinalska lierte Skalen, die jedoch aufgrund der Endpunktbeschriftung die Voraussetzun gen einer Intervallskala erfüllen (M ummendey, 2008). Die Skalen verfügen über jeweils fünf Stufen, wodurch eine ausreichende Differenzierung ermöglicht und einer Überforderung der Probanden entgegen gewirkt wird (Porst, 2008; M um m endey, 2008). D urch die ungeradzahlige Ska la besteht zwar die Gefahr, dass die neutrale Mittelkategorie als Ausweichvariante genutzt wird, jedoch ist den Probanden so die W ahl einer neutralen M ittelkate gorie anstatt einer gerichteten Antwort möglich (Bortz & Döring, 2006). Pro Skala sind jeweils die beiden Extrempunkte beschriftet, die Zwischenschritte sind m it Ziffern markiert, sodass es sich um endpunktbenannte Skalen handelt (M ummendey, 2008). Z ur Erleichterung der Beurteilung wurden die Endpunk te sowohl verbal etikettiert als auch m it Smileys versehen (Bortz & Döring, 2006). M it einer Ausnahme erfolgte der Einsatz unipolarer Skalen, das heißt die Bewertung verläuft von einem N ullpunkt aus in eine Richtung (Raab-Steiner & Benesch, 2012). D urch unipolare Skalen lässt sich einer Antworttendenz zur M itte vorbeugen (Kallus, 2010). Die Etikettierung der Endpunkte erfolgte m it Intensitätsangaben (Raab-Steiner & Benesch, 2012), wobei bei einigen Items eine Anpassung der verbalen Etikettierung vorgenommen wurde, um einen zur Frage äquivalenten Antwortm odus zu generieren (Kallus, 2010) und die Ver ständlichkeit zu erhöhen. Ein Beispiel für ein Item m it unipolarer Ratingskala findet sich in Abbil dung 19. 1. Macht Ihnen die Therapie mit AKOPRA Spaß? gar nicht sehr viel A bbildung 19: Beispielitem des Patientenin terview s m it un ipo larer Ratingskala 213 Für die Frage nach der Aufgabenschwierigkeit in AKOPRA wurde auf eine bipo lare Skala zurückgegriffen, da ansonsten zwei Fragen zu diesem Sachverhalt be nötigt worden wären. Bipolare Skalen zeichnen sich dadurch aus, dass die E nd punkte m it gegensätzlichen Begriffen benannt sind (Bortz & Döring, 2006). Die Skalenendpunkte für dieses Item wurden m it zu einfach und zu schwer etikettiert und ergänzend m it zwei traurigen Smileys versehen. Außerdem ist bei dieser Frage zusätzlich der mittlere W ert beschriftet und zwar m it genau richtig und einem lachenden Smiley. Beide Skalentypen w urden aufgrund der europäischen Schreibrichtung von links nach rechts verlaufend gestaltet, sodass der niedrigste Skalenwert links und der höchste rechts zu finden ist (Porst, 2008). Bei insgesamt fünf Fragen ist die Beantwortung weiterführender Fragen im freien Antwortform at vorgesehen. D a auf eine geschlossene Frage zwei offene Fragen folgen, beinhaltet die Befragung insgesamt sechs offene Fragen. Dieses Antwortform at wurde ergänzend gewählt, da es bei diesen Fragen um Begrün dungen für die zuvor angekreuzte Kategorie, um M öglichkeiten zur Verbesse rung von AKOPRA und um das Aufzählen von sprachlich/kommunikativen Fortschritten geht und deshalb die Entwicklung passender Antwortkategorien im Voraus schwierig gewesen wäre (Bortz & Döring, 2006). O b die Anwender m it diesen Fragen konfrontiert werden, hängt von der zuvor gewählten Antwortka tegorie ab, da z. B. eine Frage nach konkreten Veränderungs- und Erweiterungs vorschlägen nur dann sinnvoll ist, w enn diese prinzipiell erwünscht sind. D a die Untersuchungsergebnisse im freien Antwortform at von der Verbali sierungsfähigkeit der befragten Probanden abhängen (Porst, 2008), die bei Aphasiepatienten typischerweise beeinträchtigt ist, wurde für den Großteil der Fragen das gebundene Form at bevorzugt. Letzteres verfügt außerdem über eine höhere Objektivität (Bortz & Döring, 2006). Vor dem Einsatz des Befragungsinstruments in der Therapiestudie erfolgte ein Pretest m it zehn sprachgesunden Probanden. Diesen w urden per E-M ail neben dem Interviewleitfaden kurze Inform ationen über AKOPRA und das Studiende sign zugesandt. Basierend auf der M ethode des „lauten Denkens“ (Raab-Steiner & Benesch, 2012: 61) w urden die Probanden aufgefordert, alles aufzuschreiben, was ihnen während der Bearbeitung auffällt. A nhand dieser Anmerkungen, die sich beispielsweise auf die Verständlichkeit einzelner Fragen oder Antwortkate gorien bezogen, wurde das Befragungsinstrument noch einmal überarbeitet (Raab-Steiner & Benesch, 2012). Die Endversion findet sich in Anhang E. 214 14.3 Design Z ur Erprobung der entwickelten Prototypen von AKOPRA wurde ein Prä Posttest-Design (Issel, 2014) angewandt, das in Abbildung 20 dargestellt ist. 215 T e s tu n g 1: KOPS AFKS AAT Q- CQ > ® - N | ? g i ? 3 TT 3 Ä Tag 1 b is max. Tag 4: Jedes Modul wird einmal für maximal 50 Minuten bearbeitet A bbildung 20: D esign der T herapiestud ie T e stu n g 2: KOPS Patienten interview Modul 1: Sprachverständnis Modul 2: Referieren auf Objekte Modul 3: E infache kommunikative Handlungen - Zustimmung und Ablehnung Modul 4: Einzelhandlungen l \ |Tag 5 b is Tag 14: Jeder Proband bearbeitet mindestens ein Schwerpunktmodul| W ie in Abbildung 20 zu sehen ist, wurden vor der Therapiephase KOPS (Glin dem ann & Ziegler, 2011) und der A A T (H uber et al., 1983) durchgeführt sowie der Angehörigenfragebogen AFKS (Arnold et al., 2009a) von den Angehörigen der Probanden ausgefüllt. Das KO PS diente zur Erhebung des komm unikativ-pragm atischen Profils der Probanden (Glindem ann & Ziegler, 2011) und mithilfe der Angehörigenbe fragung konnten Inform ationen über das Kommunikationsverhalten der Pro banden in ihrem Alltag gewonnen werden (Schütz, 2010). Darüber hinaus wurde anhand des A A Ts das Vorliegen und der Schweregrad der Aphasie getestet, die Syndromklassifikation vorgenom men und die Leistun gen in den einzelnen M odalitäten untersucht (H uber et al., 1983). N ach der Therapiephase erfolgte eine erneute Testung m it KOPS , um zu überprüfen, ob die Therapie m it AKOPRA zu verbesserten Leistungen in diesem Diagnostikum führen kann. Außerdem wurde zu diesem Testzeitpunkt das Pati enteninterview zur Bewertung der Therapie m it AKOPRA im Rahm en einer Face-to-Face-Sitzung durchgeführt. Die Therapiephase umfasste maximal 14 Sitzungen m it einer jeweiligen Dauer von 50 M inuten. Die Behandlungseinheiten fanden soweit möglich hochfre quent fünfmal wöchentlich statt. W ie aus Abbildung 20 offenkundig wird, erhielten die Probanden in der ersten Therapiephase maximal 50 M inuten Therapie m it jedem M odul. W aren vor Ab lauf dieser 50 M inuten bereits alle Items eines M oduls bearbeitet oder musste die D urchführung abgebrochen werden, erfolgte ein Wechsel zum nächsten M odul. D er Abbruch eines M oduls war möglich, wenn ein Proband die Items auch m it therapeutischer Hilfe nicht lösen konnte. Diese Therapiephase der einmaligen Erprobung aller M odule erstreckte sich folglich über maximal vier Tage. H ieran schloss sich die Therapie m it einem Schwerpunktmodul an. Welches M odul für den einzelnen Probanden hierfür festgelegt wurde, war vom KO PS Ergebnis in Testung 1 abhängig: So wurde jeweils das zu jenem KO PS U ntertest korrespondierende M odul von AKOPRA als Schwerpunkt festgelegt, in welchem der Proband die besten, jedoch noch auffälligen Leistungen erzielte (weniger als 80 Prozent der Maximalpunktzahl). Eine Ausnahme bildeten zwei Probanden, da m it diesen ein Schwerpunkt m odul trainiert wurde, in welchem sie im korrespondierenden KO PS Untertest 80 Prozent oder m ehr der M aximalpunktzahl erreicht hatten. Das ist m it dem deutlich schlechteren Abschneiden in AKOPRA im Vergleich zu KO PS zu be gründen, wodurch ein Ü bungsbedarf gegeben war. Das Training m it dem Schwerpunktmodul erstreckte sich über eine Dauer von maximal zehn Therapiesitzungen. Löste ein Proband jedoch vor Beendigung 217 dieser zehn Einheiten m ehr als 80 Prozent der Items korrekt oder erzielte mehr als 80 Prozent der M aximalpunktzahl, erfolgte ein Modulwechsel. Es schloss sich dann jenes M odul an, in welchem der Proband im korrespondierenden KOPS U ntertest die zweitbesten, jedoch noch auffälligen Leistungen zeigte. M it zwei der fünf Probanden wurde die Therapiestudie nach Testung 2 nicht beendet, sondern um eine zusätzliche Therapiephase ergänzt, die sich über weitere zehn Einheiten erstreckte. Diese Entscheidung liegt darin begründet, dass sich bei beiden Probanden während der ersten Therapiephase eine gute Dy nam ik zeigte, sodass sich nach Testung 2 die Ü bung m it einem weiteren Schwerpunktmodul anbot. H iernach erfolgte Testung 3, wobei noch einmal m it KO PS getestet wurde. Außerdem wurde bei diesen Studienteilnehm ern erst im Rahm en von Testung 3 das Patienteninterview durchgeführt. U m eine exakte Auswertung zu ermöglichen, sollten von allen Diagnostik- und Therapiesitzungen audiovisuelle Aufnahmen erstellt werden. Diesen stim m ten alle Probanden unter der Bedingung schriftlich zu, dass der komplette Datensatz nach Beendigung der Auswertung nach datenschutzrechtlichen Vorgaben ver nichtet wird. 14.4 Probanden AKOPRA sollte exemplarisch an Einzelfällen erprobt werden, da die D urchfüh rung einer G ruppenstudie im Rahm en dieser Arbeit nicht umsetzbar war. Dazu wurden fün f Probanden in die Studie eingeschlossen. Es gab kein D ropout, sodass die therapeutischen M aßnahm en m it allen Teilnehm ern erfolgreich durch geführt werden konnten. Proband 1 hatte bezüglich der kommunikativ-pragmatischen Störungsschwer punkte Schwierigkeiten beim Referieren auf Personen, O bjekte und Sachverhalte sowie beim Ausführen komm unikativer Handlungen. Es kam aufgrund von Sprachverständnisstörungen zu vielen Missverständnissen. N ach der klinischsprachsystematischen Klassifizierung zeigte sich eine schwere Wernicke-Aphasie m it ausgeprägten W ortfindungsstörungen, die zu inhaltsleeren Sätzen m it Satz verschränkungen und Verdoppelungen führten. Hieraus leiteten sich die H aupt therapieziele ab, den W ortabruf, das auditive Sprachverständnis auf Satzebene und das komm unikative H andeln zu verbessern. Proband 2 litt aus kommunikativ-pragmatischer Perspektive besonders unter einer m angelnden Flexibilität in der Interaktion und ausgeprägten Unsicherhei ten in referenziellen Prozessen. N ach der klinisch-sprachsystematischen Klassifi zierung lag eine mittelschwere Amnestische Aphasie vor. Bei ihm dom inierten 218 bei relativ erhaltenem Sprachverständnis Auffälligkeiten im W ortabruf und ge ringere Beeinträchtigungen in der Schriftsprache, sodass in der Therapie effekti vere Kommunikationsstrategien erworben und geübt werden sollten. Außerdem war für diesen Probanden die W iedererlangung von Sicherheit und Selbständig keit in der Kom m unikation bedeutsam. Des W eiteren konnte Proband 3 komm unikative H andlungen nicht kontrollie ren. Er äußerte sich unverständlich und war kaum zu verbalen oder nonverbalen M itteilungen in der Lage. Klinisch-sprachsystematisch wurde seine Störung als schwere Globale Aphasie klassifiziert. D ie vergleichsweise besten Ergebnisse er zielte er in kommunikativ-pragmatischen Aufgaben zum Sprachverständnis. Letzteres stellte somit seine Ressource dar und sollte in der Therapie weiter ver bessert werden, indem einerseits am Verstehen und andererseits am Einfordern von Hilfen gearbeitet wird. Proband 4 war trotz der sprachsystematischen Klassifizierung einer schweren Globalen Aphasie in der Lage, einfache komm unikative H andlungen zu planen und auszuführen. Er wies Beeinträchtigungen in allen rezeptiven und produkti ven Leistungen (verbal und nonverbal) auf. Dabei waren m it Ausnahme des Nachsprechens die Defizite in der verbalen Sprachproduktion besonders ausge prägt. Die Schriftsprache und das Sprachverständnis konnten als potenzielle Res sourcen betrachtet werden, sodass die Therapieziele in der Verbesserung des Sprachverständnisses und der Arbeit am basalen W ortabruf unter Einbezug m ul timodaler Kommunikationsstrategien bestanden. Bei Probandin 5 manifestierten sich im Kommunikationsalltag bei einfachen H andlungen wenige Symptome. Bei komplexeren Anforderungen waren sowohl die rezeptiven als auch die produktiven Kommunikationsversuche störungsanfäl lig. G ründe hierfür lagen vor allem in Schwierigkeiten bei Leistungen unter ge teilter Aufmerksamkeit. Nach der klinisch-sprachsystematischen Klassifizierung lag eine mittelschwere Amnestische Aphasie vor. Ziel von Probandin 5 war eine Verbesserung ihrer schriftsprachlichen Leistungen m it AKOPRA. Aus diesem G rund sollte in der Therapie der Fokus auf den kom m unikativ effektiven Schriftspracheinsatz beim Ausführen von Einzelhandlungen gelegt werden. 219 W elche Ein- und Ausschlusskriterien der Probandenrekrutierung zugrunde la gen, ist in Tabelle 45 zusammengefasst. T abelle 45 : E in- u n d A usschlusskriterien für die P ro ban den der T herap iestud ie E in s c h lu s s k rite r ie n A u s s c h lu s s k r ite r ie n Vorliegen einer Aphasie als Folge eines vaskulä ren Infarkts, e iner umschriebenen Hirnblutung oder Tumorresektion Nach der Auslese Aphasie/keine Aphasie an hand des Token Tests und des AAT-Untertests Schriftsprache: W eniger als sieben alterskorrigierte Fehler im Token Test und m e hra ls 78 Punkte im Untertest Schriftsprache (Huber et al., 1983) Durchführbarkeit des Aachener Aphasie Tests: W eniger als zehn Fehlerpunkte in der ersten Aufgabengruppe im Token Test und m indestens Punktwert 1 in der Spontansprache (Ebene 1 Kommunikationsverhalten) Schwere unbehandelbare m edizinische Proble me, die eine Teilnahme am intensiven Sprachtraining verhindern Erstsprache: Deutsch Schwere unkorrigierbare Seh- oder Hörstörung nach Befundeinholung durch einen Spezialisten Alter: 18 bis 70 Jahre Schwere G liedmaßenapraxie, die eine Arbeit am Tablet nicht zulässt Teilnahme an einer anderen Interventionsstudie oder Intensivsprachtherapie in den letzten vier W ochen vor Therapiebeginn Zusätzlich zu diesen Kriterien wiesen die Probanden verschiedene aphasische Störungsprofile und Schweregrade auf. Das ermöglichte es, die Auswirkungen der spezifischen Symptome auf die Arbeit m it AKOPRA untersuchen zu können. Darüber hinaus sollte durch diese Probandenauswahl gewährleistet werden, dass jedes Therapiem odul von mindestens einem Probanden, zu dessen Stö rungsprofil die Arbeit m it diesem M odul passt, über einen längeren Zeitraum hinweg erprobt w ird53. Eine biographisch-medizinische Beschreibung der einzelnen Probanden fin det sich in Tabelle 46. 53 W ie diese Z uord nun g erfolgte und das Design der Studie insgesamt gestaltet war, ist in Ka pitel 14 .3 beschrieben. 220 Tabelle 46: M edizinisch-biographische D aten der Probanden P roband 1 P roband 2 P roband 3 P roband 4 P roband in 5 G e sch le ch t männlich männlich männlich männlich weiblich A lte r (in Jahren) 55 53 69 58 65 E rs tsp rache Deutsch Deutsch Deutsch Deutsch Deutsch H änd iqke it rechts rechts rechts rechts rechts Fam ilie ns ta nd Verheiratet, 3 Kinder Verheiratet, 2 Kinder Geschieden, keine Kinder Verheiratet, 4 Kinder Verheiratet, 5 Kinder B e ru f Finanz berater Jurist E lektroniker Ingenieur fü r Elektro technik Physiotherapeutin P o s t-o n se t-Z e it (in Wochen) 6 21 8 7 101 Läs ion M ediateilinfarkt links; Carotis-interna- Verschluss Entfernung eines pilomyxoiden Astrozytom s W HO Grad II in der lin ken Seitenventrikelwand. Nach vollständiger Tu morresektion Auftreten einer Aphasie. Ischämie im M edi astromgebiet links. Nach Stenting einer S tenose der Arteria carotis interna links subarach-noidale Blutung linkshemi sphärisch Laterale Stam m gangli enblutung links mit Ventrikeleinbruch Ischämie der Arteria cerebri media links, Arteria cerebelli posterior inferior links, A rte ria cerebri posterior links E rs te re iq n is ia ja ja ja ja A p h a s ie syn d ro m nach A LLO C bei A u fn a hm e Wernicke-Aphasie W ernicke-Aphasie Globale Aphasie Globale Aphasie Am nestische Aphasie K la s s ifiz ie ru n g nach k lin is c h e m S tö ru n g s b ild bei A u f nahm e Schwere Wernicke- Aphasie M ittelschwere Am nesti sche Aphasie Schwere Globale Aphasie Schwere Globale Aphasie M ittelschwere Amnestische Aphasie W eite re D iagnosen Agraphie Alexie Apraxie Resthemiparese rechts Störung der numeri schen Verarbeitung Zentrale Hörstörung Affektive Instabilität Alexie Apraxie Gedächtnisstörungen Homonyme Hemianop sie nach rechts Konzentrationsstörungen Resthemiparese der rechten oberen Extremi- Dysarthrophonie Dysphagie Hemiparese rechts Reaktive Depression Agraphie Alexie Apraxie Arm betonte Hemipare se rechts Störung der numeri schen Verarbeitung Agraphie Alexie Arm betonte Resthemipare se rechts Störung der numerischen Verarbeitung tat Störung der numeri schen Verarbeitung E rha ltene Therap ien Ergotherapie Kognitionstherapie Sozialtherapie Sprachtherapie Ergotherapie Kognitionstherapie Physiotherapie Psychotherapie Sozialtherapie Sprachtherapie V isuelle Therapie Sprachtherapie Physiotherapie Ergotherapie M usiktherapie Physiotherapie Sozialtherapie Sprachtherapie Osteopathie Physiotherapie Sprachtherapie W ie in Tabelle 46 zu sehen ist, wurden eine weibliche und vier männliche Pro banden zwischen 53 und 69 Jahren in die Therapiestudie einbezogen. Bei allen Probanden lagen als Erstsprache Deutsch und Rechtshändigkeit vor. Bei vier Studienteilnehm ern ist die Aphasie auf einen ischämischen oder hämorrhagischen H irninfarkt zurückzuführen, während sie bei einem Proban den in Folge einer Tum orresektion auftrat. Die post-onset-Zeit betrug zwischen sechs und 101 W ochen. Die Probanden 1, 2 und 4 w urden im Städtischen Klinikum M ünchen Bo genhausen behandelt, sodass dort auch alle Therapiesitzungen stattfanden. Proband 1 war während der ersten W oche stationär aufgenommen und wechselte danach in die Tagesklinik. Proband 2 besuchte während der gesamten D urchführung der Therapiestudie die neuropsychologische Tagesklinik, wäh rend Proband 4 für die Dauer des Therapieexperiments stationär aufgenommen war. Proband 3 wurde im Städtischen Klinikum M ünchen Harlaching behandelt, sodass die D urchführung der Therapie auf der dortigen Station für neurologi sche Frührehabilitation erfolgte. Probandin 5 befand sich während der Therapiestudie in am bulanter sprachtherapeutischer Behandlung. U m das bereits eingangs skizzierte komm unikative und sprachsystematische Pro fil der Probanden genauer darzustellen, werden in den folgenden Abschnitten die Ergebnisse der in Testung 1 durchgeführten Diagnostika aufgeführt. H ierbei handelt es sich um KO PS (G lindem ann & Ziegler, 2011), den Angehörigenfra gebogen von Arnold et al. (2009a) und den A A T (H uber et al., 1983). 223 Tabelle 47 bezieht sich auf die Ergebnisse der KOPS Testung. T abelle 47 : Ergebnisse der K O PS U ntertests m it A ngabe der G esam tsum m e, zu w elcher die Ergebnisse aller U ntertests add iert w erden. A ngegeben sind R ohw erte /M axim alpunktzahl. Untertests Proband 1 Proband 2 Proband 3 Proband 4 Probandin 5 1: Rezeptive Aufgaben zum traditionellen PACE Setting 2: Expressive Aufgaben 30/30 28/30 23/30 27/30 30/30 zum traditionellen PACE Setting 3: Basale kommunikative 22/30 26/30 0/30 15/30 30/30 Handlungen: Zustimmung / Ablehnung 30/30 30/30 7/30 24/30 29/30 4: Verm itteln personenbe zogener Angaben 5: Verm itteln von Inhalten 23/30 30/30 3/30 3/30 26/30 aus allgemeinen Bereichen 6: Komplexe kommunikati 26/30 24/30 3/30 8/30 28/30 ve Handlungen: Einzel handlungen 7: Komplexe kommunikati 15/30 24/30 0/30 0/30 19/30 ve Handlungen: Rollenspie le 0/20 19/20 0/20 0/20 17/20 8: Rekonstruktion von Wegbeschreibungen 16/20 17/20 0/20 0/20 12/20 9: W egbeschreibungen expressiv 0/20 18/20 0/20 0/20 15/20 Gesamtsumme 162/240 216/240 36/240 77/240 206/240 In den folgenden Abschnitten werden die Ergebnisse des Angehörigenfragebogens zum Kommunikationsverhalten von Schlaganfallpatienten (AFKS) (Arnold et al., 2009a) dargestellt. M it diesem Fragebogen beurteilten die Angehörigen der Pro banden deren Selbständigkeit beim Erreichen komm unikativer Ziele (Arnold et al., 2012). 224 Abbildung 21 gibt einen Überblick über die erreichten Summenscores in den beiden Subskalen Kommunikation und Schriftsprache. 100 1 2 3 4 5 Probanden ■ S ub ska la K om m unika tion « S u b s k a la S chriftsp ra ch e A bbildung 21: AFKS Sum m enscores K om m unikation (n ich tschriftliche Item s) u n d Schriftsprache. A ngegeben in Prozent der M axim alpunktzah l. H o h er U n terstü tzu n g b ed a rf en tsp rich t ho hem Sum m enscore (A rn old e t a l., 2 0 12). 2 0 % der M axim alpunk tzah l en tsp rich t keinem U nterstü tzungsbedarf. Aus welchen Einzelscores sich diese Summenscores zusammensetzen, ist in T a belle 48 für die K om m unikation und in Tabelle 49 für die Schriftsprache einge tragen. T abelle 48 : Punkteverteilung im AFKS Subscore K om m unikation . A ngegeben ist die H äufigkeit, m it der d ie einzelnen P unktw erte vergeben w urden . Proband 1 Proband 2 Proband 3 Proband 4 Probandin 5 M ühelos A A n n Q (Punktwert 1) H H U U Ö Leichte Schwierigkeiten 12 10 0 5 11 (Punktwert 2) Erhebliche Schwierigkeiten 3 5 2 5 0 (Punktwert 3) Massive Schwierigkeiten 0 0 2 5 0 (Punktwert 4) Unmöglich o o 15 4 o(Punktwert 5) 225 T abelle 49 : Punkteverteilung im AFKS Subscore Schriftsprache. A ngegeben ist die H äufigkeit, m it der die einzelnen P un k tw erte vergeben w u rd en . D e r A ngehörige von P ro b an d 4 bean tw orte te n ich t alle Item s. Proband 1 Proband 2 Proband 3 Proband 4 Probandin 5 Mühelos (Punktwert 1) Leichte 7 3 0 0 1 Schwierigkeiten (Punktwert 2) Erhebliche 2 5 0 3 6 Schwierigkeiten (Punktwert 3) Massive 0 1 0 1 2 Schwierigkeiten (Punktwert 4) 0 0 1 0 0 Unmöglich (Punktwert 5) 0 0 8 2 0 Abschließend beziehen sich Tabelle 50 und Tabelle 51 auf die Ergebnisse der AAT Testung. T abelle 50 : Ergebnisse A A T Spontansprache. A ngegeben s in d P unktw erte . Proband 1 Proband 2 Proband 3 Proband 4 Probandin 5 Kommunikationsverhalten 2 3 1 1 4 Artikulation und Prosodie 5 4 1 4 5 Autom atisierte Sprache 2 4 0 3 5 Sem antische Struktur 2 3 0 0 4 Phonematische Struktur 2 4 0 1 4 Syntaktische 2 4 o 1 4 Struktur T abelle 51 : Ergebnisse A A T U ntertests . A ngegeben s in d R ohw erte /P rozen tränge. Proband 1 Proband 2 Proband 3 Proband 4 Probandin 5 Token Test 35/38 11/79 44/19 47/10 21/63 Nachsprechen 66/22 149/99 13/9 70/23 124/66 Schriftsprache 24/32 78/86 0/5 20/30 60/61 Benennen 24/22 43/33 4/14 0/6 109/93 Sprachverständnis 67/35 105/92 35/9 53/22 99/83 N ach diesem Überblick über die Leistungen der Probanden in den verschie denen Diagnostikinstrum enten wird in den folgenden Abschnitten das Profil der einzelnen Probanden zusammengefasst: Proband 1: In KO PS löste Proband 1 zwei Untertests im Bereich Sprachverständnis unauf fällig, wobei Defizite beim Referieren auf Tätigkeiten und Objekte sowie beim Ausführen komm unikativer H andlungen deutlich wurden. Bezüglich des U nter stützungsbedarfs in der schriftlichen und nichtschriftlichen Kom m unikation be urteilte eine Angehörige, dass er alle abgefragten H andlungen ausführen könne; den Großteil der nichtschriftlichen H andlungen löse er m it leichten Schwierig- 226 keiten und jenen der schriftlichen H andlungen mühelos. Dahingegen wies Pro band 1 im A A T in allen Untertests sowie m it Ausnahme der Artikulation und Prosodie in allen Beurteilungskategorien der Spontansprache deutliche Leistungs einbußen auf. So war seine Spontansprache von einer starken Echolalie geprägt, enthielt viele inhaltsleere Floskeln und sehr viele phonematische Paraphasien. W eiterhin bildete er kurze und einfache Sätze, die nur wenige Flexionsformen und Funktionswörter beinhalteten. Eine U nterhaltung über vertraute Them en gelang ihm m it U nterstützung des Gesprächspartners, wobei er es häufig nicht schaffte, die jeweilige Sprachhandlung erfolgreich auszuführen. Proband 2: In KO PS erreichte Proband 2 90 % der M aximalpunktzahl und schnitt damit am besten ab. Schwierigkeiten zeigten sich hauptsächlich in Untertests, die pro duktive Leistungen erfordern. Darüber hinaus ergab die Befragung m it dem AFKS , dass er alle abgefragten nichtschriftlichen H andlungen ausführen könne und bei der Hälfte der schriftsprachlichen H andlungen leichte Schwierigkeiten aufweise. W eiterhin ist anhand der Leistungen in den A A T Untertests zu erken nen, dass das Benennen herausragend beeinträchtigt war, wie es sich auch in KO PS abzeichnete und für eine Amnestische Aphasie charakteristisch ist. Pro band 2 konnte sich m it geringer Hilfestellung des Gesprächspartners über nahe zu alle alltäglichen Begebenheiten austauschen, wobei die K om m unikation auf grund seiner sprachlichen Defizite erschwert war. Zu erkennen waren sehr starke W ortfindungsstörungen, viele inhaltsleere Redefloskeln, Satzabbrüche und fragmentarische Sätze, einige Stereotypien, phonematische Unsicherheiten sowie minimale Anzeichen einer Dysarthrie. Proband 3: In KO PS zeigte Proband 3 die besten Leistungen im U ntertest zum Sprachver ständnis. In den Tests zur Produktion gelang es ihm jedoch nicht, sich erfolg reich zu äußern und nach dem fünften U ntertest wurde die Testung m it KO PS beendet. W eiterhin gab ein Angehöriger im AFKS an, dass Proband 3 die M ehr zahl der abgefragten nichtschriftlichen komm unikativen H andlungen und nahe zu alle schriftlichen H andlungen nicht ausführen könne. Im A A T zeigten sich erhebliche Defizite in allen Untertests. Die Spontansprache von Proband 3 war ausschließlich von unvollständigen Äußerungen geprägt, die meist nicht ver ständlich waren und deren Illokution vom Gesprächspartner erraten werden musste. W eiterhin fiel eine sehr stark ausgeprägte Dysarthrie auf. Eine weitere Bewertung der Spontansprache war nicht möglich. 227 Proband 4: In KOPS zeigte Proband 4 Leistungsdifferenzen zwischen wesentlich besseren rezeptiven und deutlich schlechteren produktiven Aufgaben. N ach U ntertest 5 wurde die Testung abgebrochen. Im Rahm en der Befragung m it dem AFKS gab ein Angehöriger an, dass Proband 4 bei einem G roßteil der abgefragten nicht schriftlichen komm unikativen H andlungen deutliche Schwierigkeiten zeige und auch nicht alle ausführen könne. Bei den schriftsprachlichen H andlungen kreuz te er hingegen an, Proband 4 könne die Hälfte der Items m it leichten Schwierig keiten lösen. Auch in allen Untertests des A A T zeigten sich ausgeprägte Beein trächtigungen; die besten Leistungen waren in der Schriftsprache und die schlechtesten beim Benennen zu beobachten. In der Spontansprache produzierte Proband 4 ausschließlich unvollständige Äußerungen, die meist nicht verständ lich waren und deren Illokution vom Gesprächspartner erraten werden musste. Er bildete meist Ein- oder Zweiwortsätze, die kaum Flexionsformen und Funk tionswörter enthielten. D arüber hinaus waren viele sprachliche Stereotypien, ei ne flüssige Aneinanderreihung von phonem atischen Paraphasien und Neologis m en sowie minimale Anzeichen einer Dysarthrie zu beobachten. Eine Beurtei lung der semantischen Struktur war nicht möglich. Probandin 5: In KO PS erzielte Probandin 5 über 85 % der M aximalpunktzahl und wies in einigen Untertests unbeeinträchtigte Leistungen auf. Schwierigkeiten zeigten sich beim Ausführen komplexerer komm unikativer H andlungen, wie beispiels weise bei Einzelhandlungen und der Produktion von W egbeschreibungen. Eine Angehörige gab im Rahm en der Befragung m it dem AFKS an, dass Probandin 5 alle abgefragten nichtschriftlichen kom m unikativen H andlungen lösen könne, sie jedoch beim G roßteil der schriftsprachlichen H andlungen leichte Schwierig keiten aufweise. D ie Testung m it dem A A T ergab, dass die Probandin die deut lichsten Defizite in der Schriftsprache aufwies und die besten Leistungen beim Benennen. D ie Spontansprache war von einer verlangsamten Sprachproduktion und einigen sprachsystematischen Auffälligkeiten sowie wenigen semantischen Paraphasien, phonem atischen Unsicherheiten und einigen falschen Flexionsfor m en, Funktionswörtern und Satzverschränkungen geprägt. 14.5 Durchführung Ziel dieses Kapitels ist es, die D urchführung der Therapiestudie zu beschreiben. Dabei beziehen sich die folgenden Abschnitte auf die allgemeine D urchführung, während in den Unterkapiteln 14.5.1 bis 14.5.5 auf die Spezifika bei den einzel nen Probanden eingegangen wird. 228 Außer der Testung m it dem A A T (H uber et al., 1983), die im Rahm en der regulären Sprachtherapie stattfand, führte die A utorin dieser Arbeit alle Diagnos tik- und Therapiesitzungen durch und wird im Folgenden als Therapeutin be zeichnet. Die audiovisuelle Aufnahme der Diagnostik- und Therapieeinheiten erfolgte m it einer Kamera vom Typ Canon LEGRIA FS200, die auf einem Stativ befes tigt war. G enutzt w urden Tablets vom Typ Samsung Galaxy Note 10.1, auf de nen AKOPRA installiert war. U m sicherzustellen, dass der T on auch bei erhöh tem Umgebungslärm gut hörbar ist, war das Tablet per Bluetooth m it einem externen Lautsprecher vom Typ JBL Flip 2 verbunden. W ährend der Therapiesitzungen wurde das Tablet auf dem Tisch direkt vor dem Probanden platziert, um die Tabletbedienung so einfach wie möglich zu gestalten. W ährend der Bearbeitung von M odul 2: Referieren auf Objekte und M odul 4: Einzelhandlungen hatten die Probanden außerdem Papier und Stifte zur Verfügung. Die Therapeutin saß im 90 Grad-W inkel zum Probanden, sodass sie die Item bearbeitung beobachten und gegebenenfalls unterstützend eingreifen konn te. Zusätzlich trug sie bereits während den Therapiesitzungen möglichst viele Probandenreaktionen in die modulspezifischen Protokollbögen54 ein. Abbildung 22 zeigt exemplarisch das Therapiesetting. A bbildung 22: Setting der T herapiesitzung Zu Beginn der jeweils ersten Therapiesitzung m it den einzelnen M odulen wurde den Probanden zunächst das jeweilige M odul erläutert. Dies geschah nach einem standardisierten Ablaufprotokoll. Zunächst wurde erklärt, was m it der jeweiligen Applikation geübt werden soll, über welche Funktionen die einzelnen Buttons verfügen und wie sich der Aufgabenablauf gestaltet. Außerdem wurde die Item bearbeitung demonstriert und nach etwaigen U nklarheiten gefragt. Danach er folgte ein N eustart der betreffenden Applikation und der Proband wurde zur eigenständigen Item bearbeitung aufgefordert. W ährenddessen hielt sich die The- 54 D ie Protokollbögen finden sich in A nhang F. 229 rapeutin zunehm end im Hintergrund, sodass die Studienteilnehm er m it den Therapiem odulen so weit wie möglich selbständig übten. D ennoch war die T he rapeutin während aller Therapiesitzungen anwesend. A uf Rückfragen der Pro banden reagierte sie m it entsprechenden Hilfestellungen, die ad hoc oder m ithil fe der Videoaufnahm en protokolliert wurden. 14.5.1 Durchführung mit Proband 1 Proband 1 benötigte für die erste Therapiephase, in der m it jeder App für m a ximal eine Therapiesitzung geübt wurde, drei volle Behandlungseinheiten sowie 15 M inuten von Sitzung vier. Dies ist darauf zurückzuführen, dass er alle Items der M odule 1 und 3 in jeweils weniger als 50 M inuten bearbeitete. Für die Be arbeitung aller Items in den M odulen 2 und 4 genügten 50 M inuten jedoch nicht, sodass nach Ablauf der Zeit ein Abbruch erfolgte. Als Schwerpunktmodul übte Proband 1 über zehn Sitzungen hinweg m it M odul 2: Referieren a u f Objekte. Aufgrund der guten Fortschritte während dieser Therapiephase wurde nach Testung 2 eine weitere Therapiephase angeschlossen, in der er über weitere zehn Sitzungen m it M odul 4: Einzelhandlungen trainierte. N ach dieser finalen Therapiephase schloss Testung 3 die Therapiestudie ab. Bei der Bearbeitung von M odul 1 fiel auf, dass Proband 1 sehr selbständig, ohne jegliche Hilfe der Therapeutin und äußerst konzentriert m it der App agier te. Nahezu eigenständig bearbeitete er M odul 3. Bei der D urchführung der Module 2 und 4 benötigte er zu Beginn wesentlich m ehr Hilfe, die jedoch während der weiteren Therapiesitzungen deutlich reduziert werden konnte. Vor allem während der ersten Sitzung m it den M odulen 2 und 4 fiel auf, dass er alle angebotenen M odalitäten ausprobierte. Auch an die auf dem Tabletbildschirm eingeblendete Tastatur gewöhnte er sich schnell und es gelang ihm nach kurzer Einarbeitungszeit, die einzelnen Graphem e zügig zu finden. Außer dem war zu beobachten, dass Proband 1 alle M öglichkeiten ausnutzte, um von AKOPRA profitieren zu können. So zeigte er in den produktiven M odulen 2 und 4 bei vielen Items einen aktiven Um gang m it der präsentierten Lösung, in dem er diese mindestens so oft wiederholte, bis ihm eine korrekte Reproduktion gelang. Proband 1 bediente das Tablet durchgängig m it der rechten H and, wobei ihn die Resthemiparese kaum beeinträchtigte. Insgesamt arbeitete er während der gesamten Therapiephase hochmotiviert m it und kam m it AKOPRA sehr gut zurecht. Dies lässt sich u. a. an der Selb ständigkeit der Itembearbeitung, der geringen Auftretenshäufigkeit von Bedie nungsfehlern und den Leistungsfortschritten erkennen, auf welche in Kapitel 15 detaillierter eingegangen wird. Auch waren bei der Anwendung von AKOPRA keinerlei M odifikationen erforderlich. 230 14.5.2 Durchführung mit Proband 2 Proband 2 löste während der ersten Therapiesitzung alle Items der M odule 1 und 3. M it den M odulen 2 und 4 übte er hingegen für jeweils eine Therapieein heit, konnte in dieser Zeit jedoch nicht alle Items bearbeiten. Somit benötigte er für die erste Therapiephase insgesamt drei Sitzungen. W ie Proband 1 arbeitete auch Proband 2 als Schwerpunkt m it M odul 2 und zwar über die gesamte restli che Therapiezeit von zehn Sitzungen. Z u Therapiebeginn zeigte er sich allgemein und auch im Umgang m it A - KOPRA unsicher. Dies äußerte sich z. B. darin, dass er sich rückversicherte, wenn er unschlüssig war, welchen Button es als nächstes anzutippen galt. Außer dem fiel auf, dass er bei einigen Items den Finger bereits über dem korrekten Button platziert hatte, jedoch zögerte, diesen tatsächlich zu berühren. Trotz dieser anfänglichen Unsicherheit löste er die Items der M odule 1, 3 und 4 ohne oder nahezu ohne Hilfestellung. Lediglich bei der Bearbeitung von M odul 2 benötigte er während der ersten Therapiesitzung bei einem Großteil der Items therapeutische Unterstützung, welche jedoch in der Schwerpunktthe rapiephase reduziert werden konnte. Auffällig war, dass er ausschließlich in M o dul 2 verschiedene M odalitäten ausprobierte. Proband 2 bediente das Tablet m it der rechten H and. Teilweise fiel beim Antippen der Buttons ein leichter T rem or der H and auf, was ihn bei der Bedie nung des Tablets jedoch kaum beeinträchtigte. Sowohl der T rem or als auch die Unsicherheit waren am Ende der Therapiephase nicht m ehr zu beobachten. Wie Proband 1 zeigte sich auch Proband 2 während der Therapie m it AKOPRA sehr motiviert. Anwendungsmodifikationen waren nicht erforderlich. 14.5.3 Durchführung mit Proband 3 Proband 3 benötigte für die einmalige Erprobung aller Therapiem odule von AKOPRA zweieinhalb Therapiesitzungen. Diese kurze Bearbeitungszeit ist darauf zurückzuführen, dass nur für die D urchführung von M odul 4 eine volle Sitzung erforderlich war. Die Therapieitems der M odule 1 und 3 konnte er in jeweils weniger als 50 M inuten beüben, während die Bearbeitung von M odul 2 nach rund 20 M inuten abgebrochen wurde. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ihm die Lösung der Items weder selbständig noch m it therapeutischer Hilfe gelang und ein großer Leidensdruck zu beobachten war. Proband 3 ist, ebenso wie die anderen Teilnehm er der Therapiestudie, Rechtshänder, konnte das Tablet jedoch aufgrund seiner ausgeprägten rechtssei tigen Parese nur m it der linken H and bedienen. D a er den Handballen der lin ken H and häufig auf dem Tablet abstützte, wurde dieses für die Therapie um 180 Grad gedreht. So konnte verhindert werden, dass er aus Versehen die H ardkeys55 des Tablets betätigte und dadurch unerwünschte Funktionen auslöste. 55 Bei den H ardkeys handelt es sich um die fest installierten Knöpfe eines Tablets. 231 Die Selbständigkeit der App-Bedienung war zu Beginn der Therapiestudie nur in M odul 1 gegeben, wohingegen er in den anderen M odulen bei einem Großteil bzw. bei allen Items therapeutische Hilfen benötigte. Diese folgten meist auf unzulängliche Tippversuche und beinhalteten somit überwiegend die Aufforderung, einen spezifischen Button nochmals anzutippen. Als Schwerpunkte bearbeitete Proband 3 zunächst M odul 1 und anschlie ßend M odul 3. Auffällig war, dass er die verbale Produktion der A ntw ortparti keln während der Therapie m it M odul 3 nicht steigern konnte. Auch nach V or gabe des entsprechenden Anlauts oder der gesamten Partikel war es ihm meist nicht möglich, diese korrekt zu realisieren. Zum Teil verweigerte er die m ündli che Produktion und in einigen Fällen produzierte er Neologismen m it vergebli cher Selbstkorrektur und deutlich überhöhter Sprechlautstärke. Diese Artikulati onsversuche belasteten Proband 3 so sehr, dass die Arbeit m it M odul 3 abge schlossen wurde, nachdem ihm das korrekte nonverbale Lösen gelungen war. N ach Bearbeitung dieser beiden M odule konnte anhand der KOPS Testung nicht erm ittelt werden, m it welchem M odul als nächstes geübt werden sollte, da Proband 3 in beiden korrespondierenden KOPS Untertests keine Punkte erzielt hatte. Aufgrund der guten Dynam ik in den rezeptiven Leistungen und des ho hen Störungsbewusstseins wurde m it Proband 3 vereinbart, weiterhin die Sprachrezeption zu fokussieren, indem er die Auswahlsätze von M odul 4 lösen sollte. D adurch gelang es, weiterhin rezeptiv zu arbeiten, jedoch den Schwierig keitsgrad zu erhöhen. V on Beginn an wählte er ohne therapeutische Hilfe die korrekte M odalität, bei welcher Auswahlsätze als Hilfsstufe auftreten, und for derte selbständig die dritte Hilfsstufe an. U nterstützung von der Therapeutin benötigte er beim A ntippen der Lautsprecherbuttons zum A nhören der Aus wahlsätze. Bei der Arbeit m it den M odulen 1, 3 und 4 war ersichtlich, dass Proband 3 sehr positiv auf die Rückmeldungen von AKOPRA reagierte, diese als Bestäti gung seiner Leistung verstand und sich motiviert fühlte, weiter zu üben. N ach D urchführung dieser vorwiegend rezeptiven M odule wurde die T he rapie m it M odul 2 fortgesetzt. W ährend der sechs Sitzungen konnte Proband 3 nur einmal alle Items dieses M oduls bearbeiten, sodass kein Vergleich der Item bearbeitung möglich war (Fragestellung 4). Beim Benennen produzierte er nahe zu nur unverständliche Reaktionen, wobei das M it- bzw. Nachsprechen bei einund zweisilbigen W örtern teilweise gelang. Dafür genügte die W ortvorgabe durch AKOPRA jedoch nicht, sodass ein zusätzliches Vorsprechen von der T he rapeutin erforderlich war. Auch gelang ihm eine gestische Referenz nicht und beim Zeichnen war es ihm nur einmal möglich, eine vorgegebene Zeichnung zu kopieren, wobei semantische M erkmale fehlten. Folglich wurde der Schwer punkt auf die schriftliche Referenz gelegt. D a Proband 3 hierbei große Schwie rigkeiten im Um gang m it der Tablettastatur zeigte, wurde zur Arbeit m it Buch stabenplättchen übergegangen. Bei einigen ein- und zweisilbigen Items gelang 232 ihm eine erfolgreiche schriftliche Referenz, wofür er die Vorgabe des Anagramms und z. T . zusätzlich die erste Silbe benötigte. Insgesamt wurde die Therapie durch das ausgeprägte Störungsbewusstsein und den Leidensdruck erschwert. Dies war nicht nur in den Einheiten m it A- KOPRA, sondern auch in den regulären Face-to-Face-Therapien der Fall. Jedoch zeigte Proband 3 bereits zu Therapiebeginn ein ausgeprägtes Interesse an der Ar beit m it dem Tablet. Möglicherweise durch die Erfolgserlebnisse in den M odu len 1 und 3 bedingt, war eine kontinuierliche Motivationssteigerung während der Therapiephase zu verzeichnen. Angewandte M odifikationen stellten die D rehung des Tablets um 180 Grad und die Verwendung von Buchstabenplättchen in M odul 2 dar. 14.5.4 Durchführung mit Proband 4 Knapp dreieinhalb Sitzungen waren bei Proband 4 für die einmalige Erprobung aller M odule von AKOPRA nötig. Jeweils etwas weniger als eine Sitzung benötig te er für die M odule 1 und 3 und m it den M odulen 2 und 4 übte er je 50 M inu ten, wobei er es, ebenso wie die anderen Probanden, nicht schaffte, alle Items zu bearbeiten. Auch er wies eine stark ausgeprägte Hemiparese der dom inanten rechten H and auf, was eine Tabletbedienung m it links erforderte. U m zu verhindern, dass er m it dem H andballen unbeabsichtigt die Hardkeys berührte, wurde das Tablet um 180 Grad gedreht. Als Schwerpunkt bearbeitete Proband 4 bis Testung 2 die M odule 1 und 3, obwohl er in U ntertest 1 von K O PS über 80 % der M aximalpunktzahl erreicht hatte. M odul 1 wurde dennoch integriert, da Proband 4 Schwierigkeiten auf wies, sich über eine gesamte Therapiesitzung hinweg auf einen Aufgabentypen zu konzentrieren. Die parallele Bearbeitung implizierte außerdem den Vorteil, dass keine isolierte Fokussierung auf den für ihn schwierigen Aufgabentypen von M odul 3 erfolgte. Auffällig waren schwankende Leistungen in M odul 3, die sich erst gegen Therapieende auf einem im Vergleich zu Therapiebeginn höheren Niveau stabi lisierten. Die Items beider M odule bearbeitete er von Beginn an größtenteils selbständig. N achdem sich die rezeptiven Fähigkeiten verbessert hatten und auch in der regulären Face-to-Face-Therapie außerhalb der Studie eine Dynam ik in produk tiven Aufgaben aufgetreten war, wurde nach Testung 2 eine weitere Therapie phase m it zehn Sitzungen durchgeführt. Entsprechend der Leistung in der KOPS Testung wurde als Schwerpunkt hierfür M odul 2 gewählt. Z u Therapie beginn war Proband 4 vor allem auf die M odalitäten Benennen und Zeichnen fokussiert, wobei ihm hier nur selten eine erfolgreiche Referenz gelang. Beim Schreiben auf der Tablettastatur fiel auf, dass er die Graphem e lange suchte und Schwierigkeiten hatte, ein spezifisches Graphem auszuwählen und anzutippen. 233 Daraufhin wurde, wie bei Proband 3, m it Buchstabenplättchen gearbeitet. M it diesen kam er gut zurecht und es gelang ihm bei Vorgabe des Anagramms und z. T . zusätzlich der ersten Silbe zunehmend, einige W örter korrekt zu legen. Teilweise war es ihm gegen Ende der Therapiephase auch möglich, die gelegten W örter vorzulesen. Es konnte also durch die Arbeit an der Schriftsprache auch die verbale Sprachproduktion angeregt werden. W ährend der Therapie m it M odul 2 benötigte Proband 4 über die Vorgabe der Buchstabenplättchen hinaus bei einem Großteil der Items Hilfen von der Therapeutin. Diese konnten gegen Ende der Therapiestudie etwas verringert werden. Die Hilfen bezogen sich vorrangig auf Aufforderungen, einen bestimm ten Button nochmals anzutippen. Gelang ihm dies auch nach einigen Tippver suchen nicht, wurde der Button von der Therapeutin bedient. Insgesamt betrachtet zeigte sich Proband 4 motiviert, an der Therapie m it AKOPRA teilzunehmen. Er wurde jedoch durch die Komplexität seines Stö rungsbildes und durch den Leidensdruck gehemmt. D ennoch stellten sich Erfol ge ein. Die beste H andhabung von AKOPRA gelang ihm in den M odulen 1 und 3. D er vergleichsweise komplexere Ablauf in M odul 2 bereitete ihm Schwierig keiten, die jedoch durch die therapeutische Hilfe ausgeglichen werden konnten. Bei den angewandten M odifikationen handelte es sich um die D rehung des Tablets und den Einsatz der Buchstabenplättchen. 14.5.5 Durchführung mit Probandin 5 Probandin 5 benötigte für die einmalige Erprobung aller M odule von AKOPRA drei Therapiesitzungen. Innerhalb einer Sitzung bearbeitete sie alle Items der M odule 1 und 3, wohingegen für die M odule 2 und 4 jeweils eine volle Thera piestunde vonnöten war, in der sie jedoch nicht alle Items beüben konnte. Be reits in dieser Therapiephase fiel auf, dass die Probandin die Items aller Therapiemodule sehr selbständig bearbeitete. Für die Bedienung des Tablets nutzte sie ihre rechte H and, die von einer leichten Feinm otorikstörung betroffen war. Diese beeinträchtigte die Arbeit m it dem Tablet jedoch nicht. Als Schwerpunkt wurde in Abhängigkeit des KOPS Ergebnisses M odul 4 festgelegt. Im ersten Durchgang m it diesem M odul löste sie alle Items verbal und erhielt m ehr als 80 % der M aximalpunktzahl. Es wurde gemeinsam m it ihr vereinbart, an der schriftlichen Lösung der Einzelhandlungen zu arbeiten, da sie berichtete, in der Schriftsprache die größten Schwierigkeiten aufzuweisen, was sich auch im A A T (H uber et al., 1983) und der Angehörigenbefragung wider spiegelte. Somit wurde das globale Therapieziel von M odul 4, das sich auf das erfolgreiche Ausführen komm unikativer Einzelhandlungen unabhängig von der M odalität bezieht, abgewandelt. D enn dadurch, dass die Probandin alle Items, die schriftlich lösbar sind, auch in dieser M odalität vollziehen sollte, wurde A- KOPRA für eine modalitätsspezifische Therapie genutzt. D ennoch hat diese 234 Therapieform kommunikativ-pragmatischen Charakter, da es nicht darum ging, formal korrekte Lösungen zu produzieren, sondern solche, die auch m it einge schränkten schriftsprachlichen M öglichkeiten ein effektives kommunikatives H andeln ermöglichen. D a Probandin 5 die Tablettastatur zwar bedienen konnte, jedoch M ühe hat te, die einzelnen Graphem e zu finden, wurde via Bluetooth eine externe Tastatur an das Tablet angeschlossen. Diese bietet für eine hochfrequente N utzung einen höheren Komfort und wurde von der Probandin gut akzeptiert. Beim schriftlichen Lösen der Items benötigte sie vor allem zu Therapiebe ginn m ehr therapeutische U nterstützung als in der verbalen M odalität. Diese Hilfen bezogen sich vorrangig auf die Platzierung des Cursors und auf Aufforde rungen zur Bedienung eines bestim m ten Buttons. Probandin 5 war während der gesamten Therapie m it AKOPRA sehr m oti viert und kam m it den einzelnen M odulen gut bis sehr gut zurecht. Die N u t zung einer externen Tastatur und das modalitätsspezifische Ü ben zählen zu den M odifikationen, m it denen AKOPRA bei dieser Probandin durchgeführt wurde. 235

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References

Zusammenfassung

Software für Kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie – passt das wirklich zusammen? Dieser Frage geht Cornelia Zeller im vorliegenden Buch nach. In diesem Buch erhalten Sie zunächst fundiertes Wissen über das Krankheitsbild und die Behandlung von Aphasien. Anschließend geht Cornelia Zeller auf die theoriebasierte Entwicklung der Applikationen für kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie (AKOPRA) ein, die an das Kommunikativ-pragmatische Screening für Patienten mit Aphasie (KOPS) angelehnt sind. Daraufhin wird die Therapiestudie dargestellt, in der das Übungsprogramm auf seine Praktikabilität hin überprüft wurde. In diesen Kapiteln werden u.a. die Ergebnisse zur Anwendbarkeit von AKOPRA sowie zur Effektivität geschildert. Von diesem Buch können in Praxis oder Klinik tätige Sprachtherapeutinnen und Sprachtherapeuten profitieren, da neben der theoretischen Fundierung viele praktische Hinweise zur Anwendung von AKOPRA gegeben werden. Darüber hinaus können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende Anknüpfungspunkte für weitere Forschungsarbeiten finden.