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13 Fragestellungen in:

Cornelia Zeller

Softwarebasierte Aphasietherapie, page 193 - 196

Entwicklung und Erprobung des kommunikativ-pragmatischen Übungsprogramms AKOPRA

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4167-3, ISBN online: 978-3-8288-7034-5, https://doi.org/10.5771/9783828870345-193

Tectum, Baden-Baden
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13 Fragestellungen Nach der Darstellung der im Rahm en dieser Arbeit entwickelten Applikationen fü r kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie (AKOPRA) besteht das Ziel der nächsten Abschnitte darin, die Fragestellungen für die im Anschluss präsentierte Therapiestudie darzulegen. Insgesamt wurden fün f Fragestellungen formuliert. Dabei beziehen sich die erste, zweite und fünfte Fragestellung auf die Anwendbarkeit sowie die Benutzer freundlichkeit von AKOPRA, die dritte auf mögliche Zusamm enhänge m it dem Kommunikativ-pragmatischen Screening fü r Patienten m it Aphasie (KOPS) und die vierte auf die Effektivität der entwickelten Therapieapplikationen. Insgesamt ist aufgrund der geringen Probandenzahl zu beachten, dass diese Fragestellungen anhand der erhobenen D aten vorläufig beantwortet werden können, die Ergebnisse jedoch m it einer größeren Stichprobe bestätigt werden sollten. 1) Wie lösen Patienten m it verschiedenen aphasischen Symptomprofilen und Schweregraden die Items der Therapiemodule von AKOPRA? Diese Fragestellung bezieht sich auf die Anwendbarkeit des Therapieverfahrens. D enn eine gute Anwendbarkeit ist eine bedeutsame Voraussetzung dafür, dass dieses auch in der Praxis genutzt wird. Für die Beantwortung dieser Fragestellung ist es essenziell, Probanden m it verschiedenen aphasischen Ausprägungen in die Therapiestudie einzuschließen und, sofern die Abbruchkriterien nicht erfüllt werden, m it jedem Probanden stö rungsbildunabhängig alle M odule einmalig zu bearbeiten. Basierend auf der Auswertung dieser D aten sind differierende Ergebnisse bezüglich der D urch führbarkeit der einzelnen M odule, der Leistung der Probanden, der therapeuti schen Hilfe und der M odalitätennutzung zu erwarten. So ist hinsichtlich der Durchführbarkeit m it ersten Erkenntnissen dahinge hend zu rechnen, welche M odule bei welchen Störungsbildern problemlos durchführbar sind, bei welchen ein erhöhter Unterstützungsbedarf bzw. Schwie rigkeiten zu erwarten sind und bei welchen ein Bearbeitungsabbruch nahelegt werden kann. 193 Auch bezüglich der erreichten Punktwerte, der Art und Anzahl an Fehlern, der Selfmonitoring- und Nachsprechleistungen sowie der Selbständigkeit der Itembearbeitung lassen sich innerhalb der Probandengruppe differierende Er gebnisse verm uten. Hinsichtlich der M odalitätennutzung stellt sich die grundle gende Frage, ob Probanden von dieser W ahlmöglichkeit Gebrauch machen, da häufig eine Fokussierung auf die gewohnte verbale Inhaltsverm ittlung erfolgt (Nobis-Bosch et al., 2013; Schneider et al., 2014b). 2) Welche Hilfsstufen bewähren sich bei der Durchführung m it Patienten? W ie in Kapitel 12 beschrieben, wurde für alle Aufgabentypen ein mehrstufiges Hilfssystem entwickelt. Bisher gibt es für die kommunikativ-pragmatische T he rapie nur wenige etablierte Hilfen und diese w urden für die Face-to-Face- Therapie konzipiert. Für AKOPRA konnten einige Hilfen von KO PS übernom m en werden, wobei viele neu erstellt wurden. Insofern soll mithilfe der Thera piestudie untersucht werden, ob die Hilfen von den Anwendern genutzt werden und inwiefern die einzelnen Hilfsstufen die Itembearbeitung unterstützen kön nen. Z ur Beantwortung dieser Frage soll analysiert werden, wie häufig Hilfen Verwendung finden und wie oft nach den einzelnen Hilfsstufen korrekt, falsch oder nicht gelöst wird. Das Ziel dieser Untersuchung besteht in der Identifikati on effektiver und weniger bzw. ineffektiver Hilfen, um die Hilfenhierarchien beurteilen zu können. Generell ist zu erwarten, dass die in AKOPRA integrierten Hilfen effektiv sind, da die Hilfen so konstruiert wurden, dass diese bei unterschiedlichen Stö rungsursachen die Itembearbeitung unterstützen können und sukzessive mehr von der Lösung vorgegeben wird. Darüber hinaus kann angenomm en werden, dass sowohl das Nutzungsverhalten als auch die Effektivität der Hilfsstufen in nerhalb der Probandengruppe variieren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die N utzung sowie die Effektivität von den individuellen Ressourcen und Beein trächtigungen abhängen. 3) Besteht ein Zusammenhang zwischen den Ergebnissen der KO PS Testung und den Leistungen in AKO PRA? Anhand der erhobenen D aten soll untersucht werden, ob Zusamm enhänge zwi schen den Leistungen in KO PS und AKOPRA sowie zwischen der kom m unikati ven Leistungsfähigkeit gemessen m it KO PS und der Selbständigkeit bei der Be arbeitung der Therapieitems von AKOPRA vorliegen. Bezüglich des Leistungszusammenhangs soll genauer analysiert werden, ob das Ergebnis eines KO PS Untertests Hinweise auf die Leistungen im jeweils kor respondierenden M odul von AKOPRA liefern könnte und ob Parallelen im Ab bruch von Untertests in KO PS und M odulen in AKOPRA zu beobachten sind. So wurde AKOPRA in Anlehnung an das Kommunikativ-pragmatische Scree ning fü r Patienten m it Aphasie (KOPS) (G lindem ann & Ziegler, 2011) konzipiert 194 (siehe Kapitel 11.1 und 11.2). Bei AKOPRA handelt es sich um einige ausge wählte Aufgabentypen, die auch in KO PS getestet werden und zusätzlich stim men einige Hilfsstufen überein. Jedoch ist zu bedenken, dass KO PS ein Paperand-Pencil-Diagnostikum darstellt und AKOPRA ein softwarebasiertes Thera pieprogramm, der Schwierigkeitsgrad der KO PS Untersuchungsitems nicht übernom m en wurde und sich auch die Bewertungskriterien überwiegend unter scheiden. H ierauf basierend lässt sich die Annahme postulieren, dass es einen Zusam m enhang bezüglich der Leistungen und Abbrüche zwischen den K O P S Untertests und den jeweils korrespondierenden M odulen von AKOPRA gibt, jedoch auch m it Abweichungen zu rechnen ist. Folgender letzter Zusam m enhang soll bezüglich des KO PS Gesamtwertes, der ein M aß für die kommunikativ-pragmatischen Fähigkeiten darstellt und des therapeutischen Hilfsbedarfs während der Bearbeitung der Items von AKOPRA postuliert werden: Die in AKOPRA benötigte therapeutische Hilfe sinkt m it an steigendem KO PS Gesamtwert. Dies kann erwartet werden, da bessere kom m u nikativ-pragmatische Fähigkeiten die Handlungsmöglichkeiten erhöhen und somit auch von einer selbständigeren Itembearbeitung in AKOPRA ausgegangen werden kann. 4) Können durch AKOPRA Veränderungen bezüglich der Bearbeitung von The rapieitems und/oder in KO PS erreicht werden? D a das Ziel von AKOPRA darin besteht, die in den einzelnen M odulen trainier ten Fähigkeiten zu verbessern, soll untersucht werden, ob Veränderungen bei der Bearbeitung von Therapieitem s und in KO PS auftreten. D afür ist es essenziell, an die einmalige Bearbeitung aller M odule eine Schwerpunkttherapiephase anzuschließen, in der jedes M odul von mindestens einem Probanden längerfristig erprobt wird. Dabei erfolgt die Therapie m it ei nem solchen M odul, das auf das Störungsprofil und somit auf die Ressourcen und Defizite der einzelnen Probanden abgestimmt ist. Basierend auf dieser Auswahl des Therapiemoduls, dem systematischen und hochfrequenten Ü ben sowie den theoriebasierten, kleinschrittigen Hilfenhierar chien wird die Annahm e formuliert, dass sich die Probandenleistungen in den Schwerpunktmodulen verbessern. Das bedeutet konkret, dass die Studienteil nehm er am Ende der Therapiephase m ehr Items korrekt lösen und/oder weniger Hilfsstufen in Anspruch nehm en. Außerdem soll untersucht werden, wie sich die weiteren Bearbeitungsparameter, wie beispielsweise die Hilfen- und die M odali tätennutzung entwickeln. W erden Generalisierungseffekte der in AKOPRA trai nierten Fähigkeiten angenommen, können neben diesen itemspezifischen Effek ten auch Leistungssteigerungen im jeweils korrespondierenden Subtest von KO PS erwartet werden. Dahingegen ist in denjenigen Untertests von KOPS, die untrainierte Aufgabentypen testen, nicht von Leistungssteigerungen auszugehen. 195 5) Wie bewerten die Patienten der Studie die Therapie m it AKO PRA? Für die effektive Anwendung eines Therapieverfahrens spielt die Patientenzu friedenheit eine wichtige Rolle. D enn schließlich stellen Aphasiepatienten die Zielgruppe von AKOPRA dar, die von der Anwendung profitieren soll. Das Ziel dieser Fragestellung besteht in der Identifikation positiver und negativer Ele m ente der Applikationen sowie möglicher Erweiterungswünsche aus der Per spektive der Anwender. Diese Ergebnisse sollen neben denjenigen der Therapie studie die Basis für eine Beurteilung von AKOPRA darstellen. Für die Beantwortung dieser Fragestellung ist eine Probandenbefragung vonnöten, m it der vergleichbare Antworten evoziert werden können. Es ist zu erwarten, dass die Durchführbarkeit einer derartigen Befragung und der Umfang der Ergebnisse vom Störungsbild der einzelnen Probanden abhängen. D enn um die Fragen korrekt verstehen, beurteilen und beantworten zu können, bedarf es spezifischer sprachlicher und neuropsychologischer Fähigkeiten (Böhlau et al., 2013). 196

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Zusammenfassung

Software für Kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie – passt das wirklich zusammen? Dieser Frage geht Cornelia Zeller im vorliegenden Buch nach. In diesem Buch erhalten Sie zunächst fundiertes Wissen über das Krankheitsbild und die Behandlung von Aphasien. Anschließend geht Cornelia Zeller auf die theoriebasierte Entwicklung der Applikationen für kommunikativ-pragmatische Aphasietherapie (AKOPRA) ein, die an das Kommunikativ-pragmatische Screening für Patienten mit Aphasie (KOPS) angelehnt sind. Daraufhin wird die Therapiestudie dargestellt, in der das Übungsprogramm auf seine Praktikabilität hin überprüft wurde. In diesen Kapiteln werden u.a. die Ergebnisse zur Anwendbarkeit von AKOPRA sowie zur Effektivität geschildert. Von diesem Buch können in Praxis oder Klinik tätige Sprachtherapeutinnen und Sprachtherapeuten profitieren, da neben der theoretischen Fundierung viele praktische Hinweise zur Anwendung von AKOPRA gegeben werden. Darüber hinaus können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende Anknüpfungspunkte für weitere Forschungsarbeiten finden.