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U Allgemeine gesetzliche Vorschriften für die Königl. Sachs, musikalische Kapelle in:

Eberhard Steindorf

Die Konzerttätigkeit der Königlichen muskialischen Kapelle zu Dresden (1817-1858), page 902 - 903

Institutionsgeschichtliche Studie und Dokumentation

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4155-0, ISBN online: 978-3-8288-7015-4, https://doi.org/10.5771/9783828870154-902

Series: Dresdner Schriften zur Musik, vol. 11

Tectum, Baden-Baden
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U Allgemeine gesetzliche Vorschriften für die Königl. Sachs, musikalische Kapelle (Kurzfassung durch E.St.) §1 Der Generaldirektor ist der oberste Vorgesetzte, alle schulden ihm Gehorsam und Achtung. Seinen Anordnungen ist Folge zu leisten. § 2 Kapellmeister und Kirchenkomponist erhalten ihre Anweisungen direkt vom Ge neraldirektor. §3 Musikdirektor, Konzertmeister und Vizekonzertmeister sind den Kapellmeistern und dem Kirchenkomponisten untergeordnet. § 4 Kapellmeister und Kirchenkomponist wechseln sich im Kirchendienst wochenweise ab; der Musikdirektor kann einbezogen werden. §5 Der Wochendienst beginnt jeweils Sonnabend früh. § 6 Kapellmeister bzw. Kirchenkomponist treffen die Auswahl der Kirchenmusik, sofern sie der Generaldirektor nicht anordnet. § 7 Jeder Kammermusiker hat im Dienst dem dirigierenden Kapellmeister, Kirchenkom ponisten oder Musikdirektor Gehorsam zu leisten. §8 Jeder Kammermusiker hat eine Viertelstunde vor Dienstbeginn anwesend zu sein und sein Instrument in Ordnung zu bringen. Das Präludieren und Stimmen ist ohne Störung vorzunehmen und in der Kirche während der Zeremonie zu unterlassen, ebenso im Theater während der Rezitative oder während des Schauspiels sowie mit Eintritt des Dirigenten. §9 Jeder Kammermusiker hat sich beim Einstimmen nach dem Konzertmeister zu richten. §1 0 Wer ein Königl. Instrument im Königl. Dienst spielt, hat es in gutem Zustand zu er halten. Für notwendige Reparaturen ist es dem Instrumenteninspektor zu übergeben. § 1 1 Keiner darf sich ohne Erlaubnis des Kapellmeisters, Kirchenkomponisten, Musikdi rektors oder Konzertmeisters vom Dienst entfernen. § 1 2 Unvorhergesehene Verhinderung des Dienstes ist dem diensthabenden Kapell meister, Kirchenkomponisten oder Musikdirektor sofort zu melden. §13 Jeder soll sich im Dienst, besonders in der Kirche, lauter, störender Gespräche ent halten und sich um anständiges Verhalten bemühen. 902 Vor neu aufzuführenden Werken und Opern hat sich jeder Beteiligte jeglicher Äuße rung oder Beurteilung über Wert und Unwert dem Publikum gegenüber zu enthal ten. Zuwiderhandlungen werden ohne Ansehen der Person von der Generaldirek tion bis hin zu hohen Geldstrafen geahndet. §15 Bei Operndiensten bestimmt der Kapellmeister die Zahl und die Wahl der Musiker, bei Schauspielen der dirigierende Konzertmeister, beim Kirchendienst geht es nach der festgesetzten Ordnung und Reihenfolge. §16 Falls Kammermusiker am gleichen Tage für Opernprobe und Kirchendienst einge teilt sind, dürfen sie sich letzterem nicht entziehen. §17 Krankheit ist schnellstmöglich dem Kapellmeister oder dem Konzertmeister anzu zeigen. §18 Bei mangelnder Achtung oder Ungehorsam gegenüber dem diensthabenden Ka pellmeister, Kirchenkomponisten oder Konzertmeister ist der Kammermusiker sofort - je nach Beurteilung durch den Generaldirektor - unter entsprechendem Gehaltsab zug vom Dienst zu suspendieren. §19 Beleidigungen eines übrigen Kapellmitgliedes während des Dienstes werden auch gemäß § 18 bestraft. §20 Unpünktlichkeit nach §8 wird mit 6 gr. Strafe geahndet. § 2 1 Bei einer Viertelstunde Verspätung zum Dienst sind 12 gr. Strafe fällig. §22 Dienstversäumnis kostet 1 Taler. §23 Für Proben gilt als Strafmaß die Hälfte der vorgenannten Beträge. §24 Diese Strafgelder stehen unter der Kontrolle der Generaldirektion und gehen in den Unterstützungsfonds der Kapelle ein. §25 Die Generaldirektion beauftragt ein Kapellmitglied, auf Ordnung und Vollziehung der Strafen zu achten. Diese sind in dem wöchentlich vorzulegenden und von den diensttuenden Kapellmeistern zu signierenden Bericht aufzuzeichnen und am An fang jedes Monats dem Königl. Landeszahlamt schriftlich bekannt zu geben. §26 Die Generaldirektion kann jederzeit diese Vorschriften verändern, wenn es zweck mäßig und dem Königl. Dienst förderlich ist. (Gedruckt, ohne Datum und ohne Unterschrift) SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147/3, fol. 139-142 § 14 903

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Zusammenfassung

Der Sächsischen Staatskapelle Dresden wird als Opern- wie als Konzertorchester hohe internationale Anerkennung gezollt. Während die 1548 gegründete kurfürstliche Hofkapelle schon seit dem 17. Jahrhundert der Bühne verpflichtet war, bildete sie als Königliche musikalische Kapelle ihre Qualitäten auf dem Konzertpodium in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich und in erstaunlichem Umfang aus – eine Entwicklung, die bisher weitgehend unerforscht geblieben ist. Die vorliegende Dokumentation gibt, vorwiegend anhand von Presse- und Archivmaterial, einen Überblick über Daten, Programme, Interpreten, Konzertformen, Säle, Veranstalter, interne und äußere Vorgänge, künstlerische Leistungen und Bedingungen, kritische Wertungen und Publikumsresonanz in den Jahren zwischen 1817 und 1858, als die Kapellmeister Morlacchi, Weber, Wagner und Reißiger an der Spitze des Orchesters standen. Eine vorangestellte Studie weist auf die Tradition der Kapelle und das institutionelle und künstlerische Gefüge hin, in dem sich ihre Konzertaktivitäten vollzogen.