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I Wohltätigkeitskonzerte des Hofes und der Kapelle in:

Eberhard Steindorf

Die Konzerttätigkeit der Königlichen muskialischen Kapelle zu Dresden (1817-1858), page 645 - 653

Institutionsgeschichtliche Studie und Dokumentation

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4155-0, ISBN online: 978-3-8288-7015-4, https://doi.org/10.5771/9783828870154-645

Series: Dresdner Schriften zur Musik, vol. 11

Tectum, Baden-Baden
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I Wohltätigkeitskonzerte des Hofes und der Kapelle Übersicht Die künstlerischen Aktivitäten der Königlichen musikalischen Kapelle zugunsten sozi aler Anliegen verdienen höchsten Respekt. Hier schien sich in ihr eine Haltung zu of fenbaren, die der Geiger und Orchestervorstand Franz Anton Morgenroth in ebenso überzeugende wie verpflichtende Worte gefasst hat: Ihm ging es in einem Appell an seine Kollegen um die Einheit von Kunstausübung und Lebensgestaltung, um die Verbindung von hohen musikalischen Leistungen und menschlichem Handeln. (O 69) Zwischen 1817 und Sommer 1858 lassen sich etwa 130 Konzerte zu wohltätigen Zwe cken nachweisen. Abgesehen von den Aufführungen, deren Erlöse dem Orchester selbst (33 Konzerte für den Witwen- und Waisenfonds der Kapelle an Palmsonntagen von 1827 bis 1858 einschließlich dem Vorauskonzert 1826 sowie 9 an Aschermittwo chen von 1850 bis 1858) oder dem Hoftheater (6 Konzerte für den Pensionsfonds des Hoftheaters sowie 11 für den Pensionsfonds des Hoftheaterchors) zu Gute kamen, gab die Kapelle zwischen 1830 und Sommer 1858 zum Besten der Armen 42 Konzerte und außerdem 28 Wohltätigkeitskonzerte aus ganz aktuellen Anlässen, um in konkreten Situationen Leid mindern zu helfen und Unterstützung zu gewähren: für Einrichtun gen, Vereine, milde Stiftungen, Kinder, Waisen und Blinde in Dresden, für Soldaten und Ausländer, für durch Unwetter und Brände geschädigte Menschen im Vogtland und Erzgebirge und von Kamenz bis Hamburg. Ihre Solidarität reichte sogar bis zu den Bedrängten Christen in der Levante [...], damit diesen Trost werde und Labung von ihren christlichen Mitmenschen. (K 6, weitere K 7, 8, 12, 13) Ein andermal warb die Kapelle in einer eigenen Anzeige um regen Publikumszuspruch für ein Konzert zum Besten der abgebrannten Stadt Schwarzenberg: Sie wolle zur Linderung des Elends unserer verarmten Brüder beitragen, die durch den Brand alle ihre Habe verloren haben. (DrA, 2.6.1824, siehe Anmerkung zum Konzert am 6.6.1824); der Schwarzenberger Kreishauptmann dankte dem Orchester über die Presse mit bewegten Worten. (K 4) Sogar die Aspiranten der Kapelle zählten zu den hilfbedürftigen Armen, zu deren Gunsten in einem Konzert ge spielt wurde (19.8.1844). Einzelne Kammermusiker riefen in Annoncen zum Besuch von Wohltätigkeitskonzerten auf, als sei ihnen die Hilfe mit ihren Mitteln ein ganz persönliches Anliegen (zum Beispiel 22.10.1830). Ein offenbar enges Verhältnis ver band die Hofkapelle mit der Dresdner Blindenanstalt, zu deren Gunsten sie wiederholt Konzerte spielte und darin auch Zöglinge der Einrichtung mitwirken ließ. Für die vom Hofe - also „auf allerhöchsten Befehl" (zum Beispiel 22.6.1833) - ange ordneten oder speziell genehmigten Wohltätigkeitskonzerte, die zunächst in der Neu städter Kirche, dann in den Räumen des Hoftheaters und schließlich auch im Palais im Großen Garten stattfanden, gab es ein genau festgelegtes Reglement, das aus dem Schriftwechsel des Generaldirektors von Lüttichau mit dem König oder auch mit dem Ministerium des Königlichen Hauses hervorgeht. König Anton hatte 1829 angewiesen, dass jährlich ein bis zwei Schauspiele und ein bis zwei Konzerte (ad libitum mit Chor) statt zu finden hätten, deren Erlöse für einen eigens von ihm eingerichteten Hauptal mosenfonds bestimmt wurden. Als Einnahmeziel gab er 1000 Taler jährlich vor. Man 645 begann im Februar 1830 mit einem Konzert im Hoftheater als Hilfe für die Armen, de ren Not sich in jenem strengen Winter zu einer furchtbaren Höhe gesteigert hat (siehe Anmerkung zum Konzert am 12.2.1830). Die Kälte und außerdem die Unruhen in hiesi ger Residenz haben den Besuch allerdings so beeinträchtigt, dass die Einnahmen weit unter den Erwartungen blieben. (I 2) Danach fanden diese Konzerte ihren festen Platz am Aschermittwoch im Hoftheater. Aus dem erwähnten Schriftwechsel gehen für die weiteren Aktivitäten detaillierte Angaben über die Genehmigungsverfahren (I 8-10), Terminfragen (I 11, 13, 14) und die Höhe der Einnahmen (I 2, 12, 12a), ebenso der Schlüssel für die Verteilung der Mittel, auch über den Hauptalmosenfonds hinaus, hervor (I 2, 5-8). Es gab zudem Konzerte, die auf ausdrücklichen Befehl des Königs extra angesetzt wurden (siehe 22.6.1833). Der Generaldirektor beklagte, dass ihm durch diese Konzerte zunehmend Theaterabende und damit Einnahmen für die Thea terkasse verloren gingen, so dass er um eine Reduzierung der einzuspielenden Summe nachsuchte (I 2), worauf der König sein Einverständnis für nur eine Aufführung und einen Betrag unter 1000 Taler jährlich erklärte. (I 3) Es kann nicht unerwähnt bleiben, dass der König selbst enorme Summen für die Versorgung der Armen in der Stadt be reitstellte und durch Sammlungen ergänzen ließ. (I la ) So erscheint es durchaus ver ständlich, dass er auch seinen Generaldirektor und die Kapelle zu respektablen Beiträ gen aufforderte. Wahr ist aber auch, daß [1845] selbst das projectirte und bereits annoncirte Concert der Capelle zum Besten der bei der diesjährigen Frühjahrsüberschwemmung Geschä digten nicht zur Ausführung kam, angeblich weil die Intendanz das Theater fü r diesen Zweck nicht hat bewilligen wollen, und - unglaublich, aber wahr! - in Dresden kein öffentliches Local existirt, dasfür ein grosses Capell-Concert ausreichend genannt werden könnte! (C 21) Auf die Umwandlung der Aschermittwochkonzerte in Veranstaltungen zugunsten der Witwen- und Waisenkasse der Kapelle und die Verlegung der Armenkonzerte ins Palais im Großen Garten während des Sommers wird an anderer Stelle eingegangen. (E 101, E 102) Die Aschermittwochkonzerte hatten übrigens von jeher beim Publikum einen schweren Stand, lagen sie doch am Ende der anstrengenden Ballsaison der Kar nevalszeit, die vermutlich auch potenzielle Konzerthörer in gewisser Weise erschöpft haben dürfte. Nebenbei bemerkt: Die Kapelle ließ sich auch von auswärtigen und lo kalen Künstlern zur Mitwirkung gewinnen, wenn diese Wohltätigkeitskonzerte zu ge ben beabsichtigten, (siehe Inhaltsverzeichnis I./1.5) Details I I Die Wohltätigkeitskonzerte der Königlichen musikalischen Kapelle zugunsten des vom König eingerichteten Hauptalmosenfonds fanden zuerst in der Neustädter Kir che, danach am Aschermittwoch und gegen Jahresende im Hoftheater statt. Konzerte zugunsten des Singechors des Hoftheaters wurden seit dem 8.11.1847 alljährlich bis 1857 regelmäßig veranstaltet. Nach: Brescius 1898, S. 91 f. 646 I l a Seit 1828 leitete eine besondere Armenkommission [...] die Armenversorgung. Der König zahlte jährlich 14.000 Taler in die Kasse des HauptAlmosenfonds und fü r einige 1.000 Thlr. Korn, Holz und Kohlen. Etwa 14.000 Taler brachten Almosensammlungen ein, an denen sich auch Gäste der Stadt beteiligen mussten. Circa 5000 Personen konnten dadurch unterstützt werden, auch in ihrer medizinischen Versorgung. Nach: Schumann 1829, S. 57 f. 12 Mit Schreiben vom 14. Februar 1834 an König Anton setzte sich Generaldirektor Wolf Adolf von Lüttichau mit der Problematik des Haupt-Almosenfonds für Dresden aus einander, zu dessen Gunsten gemäß einer Anordnung des Königs vom 29. Juli 1829 die Königl. Anstalten, ein oder zwey Schauspiele, und ein oder zwey Concerte nach Befinden unter Zuziehung des Singechors, in einer Kirche oder im großen Opernhause veranstalten sollten; gedacht wurde an eine Summe von ca. 1000 Talern jährlich. Am 12. August 1829 schon hatte von Lüttichau auf damit verbundene Schwierigkeiten hingewiesen und vorgeschlagen, in der Adventszeit, wenn Theater und andere Ver sammlungsorte fü r Vergnügungen geschlossen wären, ein großes geistliches Oratorium oder Concert spirituel in einer der hiesigen Kirchen, namentlich der zu Neustadt aufzuführen, wel ches dann auch durch das Allerhöchste Rescript vom 30.n December 1829 allergnädigst ge nehmigt wurde. Von Lüttichau fasste zusammen, dass 1831 und 1832 (bisher durch öffentliche Ankün digungen nicht nachgewiesene - E.St.) Aufführungen von Oratorien in der Neustädter Kirche stattgefunden haben, deren Erträge an den Hauptalmosenfonds abgeliefert wurden, nachdem bereits von einem Konzert zum Besten der Armen am 12. Februar 1830 im Königl. Hoftheater 182 Taler, 9 Groschen und 6 Pfennige an den Hauptalmo senfonds abgegeben worden waren. (1830 ließ sich schlecht an, weil wegen der damali gen Unruhen in hiesiger Residenz 'keine paßende Zeit zu Aufführung von Concerten und Ora torien gewesen sei.) Im Jahre 1831 konnten 925 Taler, 16 Groschen und 6 Pfennige, im Jahre 1832 aber nur 418 Taler, 15 Groschen und 4 Pfennige zur Verfügung gestellt werden. Es habe sich jedoch gezeigt, dass Armenkonzerte in der Neustädter Kirche während der Advents- und Fastenzeit wegen des frühen Eintritts der Dämmerung gänzlich un ausführbar sowie im Sommer und Herbst wegen der vielen Gartenkonzerte zu niedri gen Eintrittspreisen wenig einträglich seien. Deshalb habe von Lüttichau 1833 zwei Konzerte im Königl. Opernhaus angesetzt, aus deren Einnahmen er dem Almosen fonds 786 Taler und 11 Groschen hatte übergeben können. Auch am 7. Februar 1834 sei bereits wieder ein Armenkonzert im Königl. Hoftheater durchgeführt worden, aus dem sich theils durch die besonderen Beiträge Ew. Königl. Majestät und Ew. Königl. Hoheit und der Königl. Hohen Familie, theils durch die Einnahme an der Casse 733 Taler und 21 Groschen als Spendenbetrag ergeben hätten; nach Abzug der Unkosten von 70 Talern, 1 Groschen und 10 Pfennigen blieben 663 Taler, 19 Groschen und 2 Pfennige, die wie 647 folgt verteilt wurden: 513 T., 19 Gr. und 2 Pf. an den Almosenfonds, 100 T. an den hiesi gen Frauenverein, 50 T. an das höchst bedürftige Taubstummen-Institut. Von Lüttichau beklagte nun, dass sich nach der königl. Zustimmung zu seinem Vor schlag vom Januar 1834 zu einer Pensions-Anstalt fü r die Mitglieder des Königl. Hofthea ters immer mehr Veranstaltungen ergäben, die keine Einnahmen für die Hoftheater kasse brächten (hinzu kämen u.a. auch fünf Benefizvorstellungen für die Sängerin Schröder-Devrient). Von Lüttichau verwies auf eine Veränderung der Verhältnisse seit 1829, da Kapelle und Hoftheater seit 1832 mit einem Jahresetat von 80.000 Talern aus der Civilliste des Königs besoldet werden, der König unabhängig davon ebenfalls aus der Civilliste dem Almosenfonds Mittel zur Verfügung stellt und dessen Bedürfnissen genüge tut. Zu sätzliche Konzerte der Kapelle für den Fonds seien deshalb nicht mehr nötig, und Lüt tichau bat den König, die Kapelle von der Pflicht zu entbinden, jährlich 1000 Taler für den Fonds einzuspielen; dadurch könnten dann mehr Vorstellungen zugunsten der Theaterkasse angesetzt werden. SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14432, Vol. 2, 1835, fol. 66/1— 66/8 13 Am 8. März 1834 antwortete der König dem Generaldirektor, dass er auch fernerhin all jährlich die Aufführung eines großem geistlichen Oratoriums oder auch eines Concerts ver lange, wobei übrigens die Wahl der Zeit und des Ortes lediglich euerem Ermessen anheim gestellt wird [ ...] und der Reinertrag, au f dessen Erhöhung thunlichst 'hinzuwirken ist, an die Armenversorgungsbehörde abzuliefern sei. Dagegen mag es bei Einer solchen jährlichen Musik fü r gedachten Zweck bewenden, wenn auch der Ertrag die nach dem Rescripte vom 29. Juli 1829 zu erzielende Summe von 1000 Talern nicht erreichen werde. SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14432, Vol. 2 ,1835, fol. 66/9 1 4 Aus dem Schreiben des Generaldirektors von Lüttichau an König Friedrich August II. vom 30. Dezember 1840 über das Armenkonzert am 23. Dezember 1840 im Königli chen Hoftheater: Die Einnahme hat unter Abzug der Unkosten in Vierhundert einige und Fünfzig Thalern bestanden. Wie gewöhnlich ging ein Teil der Summe, wie schon nach dem Armenkonzert im Früh jahr, an die hiesige Armen-Commission, 100 Taler erhielt der hiesige Frauenverein, 150 Taler der Frauenverein im Erzgebirge, einige und dreißig Thaler aber in einzelnen 'kleinen Posten an Bedürftige, namentlich in Armuth hinterlaßene Kinder ehemaliger Kapellmitglieder. Außerdem schlug Lüttichau dem König vor, 200 Taler der Witwe des Teplitzer Bür germeisters Wolfram zukommen zu lassen, die sich mit sieben Kindern in sehr 'bedräng ter Lage befindet. (Opern ihres Mannes seien in Dresden mehrfach aufgeführt worden, wobei er auch gelegentlich selbst dirigiert habe; siehe auch Institutionsgeschichtliche Studie, Abschnitt Carl Gottlieb Reißiger). SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterricht, Nr. 14436, Vol. 6,1841, fol. 1 f. 648 15 Am 14. Januar 1841 ließ König Anton mitteilen, dass er mit der Spende an den Teplitzer Bürgermeister nicht einverstanden sei: Der Ertrag solcher Armenkonzerte m öge fü r inlän dische Arme verwendet werden, wobei insonderheit die hilfsbedürftigen Hinterlassenen der bei der musikalischen Kapelle und dem Hoftheater angestellt gewesenen Personen mit zu berücksichtigen sind. Außerdem erwarte er in Zukunft eine detaillierte Übersicht über die Einnahmen und deren Verwendung an das Ministerium Unseres Königlichen Hauses. SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterricht, Nr. 14436, Vol. 6,1841, fol. 5 16 Der Hoftheaterkassierer Friedrich Schurick lieferte am 28. Januar 1841 eine Aufstellung über die Verteilung der Einnahmen aus dem Armenkonzert vom 23. Dezember 1840 in Höhe von 450 Talern: 100 Taler an den Dresdner Frauenverein, 320 Taler an den Frauenverein des Erzgebirges, je 5 Taler an sechs bedürftige Einzelpersonen (u.a. die Witwe des verstorbenen Musikdi rektors Seydelmann, die Witwe eines Taglöhners mit 11 Kindern, die Tochter des verstor benen Kammermusikers Fischer). SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14437, Vol. 7,1842, fol. III 1 7 Am 14. September 1841 übergab von Lüttichau dem Ministerium des Königlichen Hauses die Aufstellung des Hoftheaterkassierers Friedrich Schurick über die Verteilung der Ein nahmen von 501 Talern, 4 Neugroschen, 4 Pfennigen aus dem Armenkonzert vom 20. August 1841. Danach gingen 450 Taler, 4 Neugroschen, 4 Pfennige an die hiesige Armen-Versorgungsbehörde, je 5 Taler an Einzelpersonen (u.a. an die Tochter des verstorbenen Kammermusikers Fischer, an die Witwe des Theatermusikers Wirth, an den Musiker Weiß, an die Witwe Hänselmann mit elf Kindern), 26 Taler wurden als Reserve zu künftiger Vertheilung in dringenden Fällen ein behalten. SHStA, 11125, Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14436, Vol. 7 ,1842, fol. VII 18 Von Lüttichau wendete sich am 13. März 1842 an König Friedrich August II. mit der Bitte um Erlaubnis für ein Konzert in der Neustädter Kirche zugunsten der von dem Brandun glück in Hamburg Betroffenen. Am 17. März erfolgte die Genehmigung. Am gleichen Tage bat von Lüttichau darum, das Konzert im Königlichen Schauspielhaus bey erhöhten Eintrittspreisen mit Haydns länger nicht aufgeführten Jahreszeiten abhalten zu dürfen. Am 24. Mai erging der Antrag, einen Teil der Einnahmen auch für die bei dem inzwischen erfolgten Brand in Ehrenfriedersdorf Geschädigten bereitstellen zu dürfen; die Genehmi gung erfolgte am 26. Mai. Der Ertrag des Konzerts vom 1. Juni 1842 betrug lt. Schreiben von Lüttichaus vom 14. Juni 1842 403 T., 16 Ngr., 3 Pf.; die Summe wurde nach Hamburg überwiesen; von Ehrenfrieders dorf ist dabei keine Rede mehr. SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14437, Vol. 7,1842, fol. 81-83, 89, 91, 93,103 f. 649 Am 13. August 1842 äußerte von Lüttichau in einem Schreiben an Eu. Excellenz den Wunsch, zum Besten der Abgebrannten in Camenz, im Lauf der nächsten Woche, ein Concert im Hoftheater durch die Königl. Kapelle durchführen lassen zu dürfen, [ ...] Das Unglück ist dort gewiß so groß, daß jede Hilfe zweckmäßig und willkommen, u. was fü r Hamburg geschah, scheint 'hier -nicht -minder dringlich. SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14437, Vol. 7 ,1842, fol. 121 110 In der Antwort vom 14. August 1842 wurde von Lüttichau mitgeteilt, dass gegen die beabsichtigte Veranstaltung eines Concerts zum Besten von Camenz, ein Bedenken nicht vor walten 'kann. *) SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14447, Vol. 7,1842, fol. 122 *) Das Konzert hat am 17. August 1842 stattgefunden. 111 Wie von Lüttichau in einem Schreiben an König Friedrich August II. vom 7. März 1843 mitteilte, habe das diesjährige Armenkonzert am Aschermittwoch wegen der Proben zu der Oper Armide nicht stattfinden können. Da er von mehreren Seiten aufgefordert werde, die notwendigen Spenden für die milden Stiftungen doch noch zu erbringen, aber bis Ostern kein freier Tag auszumachen sei, schlug er vor, das Konzert am 11. Ap ril (Dienstag der Osterwoche) im Königlichen Hoftheater nachzuholen. Geplant wür den Aufführungen von Rossinis Stabat mater und einer Sinfonie. *) SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14438, Vol. 8,1843, fol. 76 f. *) Das Konzert hat schließlich am 9. August 1843 stattgefunden. 112 Die Einnahmen von den zum Besten der Armen gegebenen Concerten betragen in den Jahren 1833 'bis mit 1836,jedes Jahr2. Concertegerechnet, zusammen: 4945 Taler, 10 Groschen, wovon die speciellen Nachweisungen von den 'Vertheilungen derselben sich 'bei den Acten der Königl. General-Direction 'befinden. 112a 331 T., 15 Gr., 0 Pfennige Konzert am 23. Dezember 1837, davon 192 T., 10 Gr., 4 Pf. an die Dresdner Armen-Commission 38 T., 19. Gr., 8 Pf. für Kosten, Aufivand. 417/22/10 Konzert am 28. Februar 1838, davon 30 T. an den Frauen-Verein zu Meißen 250 T. an den Frauen-Verein im Erzgebirge 100 T. an den hiesigen dergl. 'Verein 37/22/10 für Kosten 349/16/- Konzert am 7. November 1838, davon 307/1/5 an die Dresdner Armen-Versorgungs-Behörde 41/15/- für Kosten, Aufivand 19 650 639/16/- 513/21/ 2661-13 440/23/ 501/22/5 Konzert am 23. Dezember 1838 unter Mitwirkung des Pia nisten Thalberg, davon 200 /-/- an Ihro Majestät der Königin fü r den Grauen-Verein im Erzgebirge 100/-/- an den hiesigen Frauen-Verein 50/-/- an die hiesige Kleinkinderbewahr-Anstalt 100/-/- an die Armen-Commission allhier zur sofortigen Vertheilung 50/-/- an den Herrn Oberhof-Marschall v. Reitzenstein Excellenz zur beliebigen 'Vertheilung 129/16/- an den Herrn Hofrath Winkler dsgl. 10/-/- dem 'verarmten Musikus Flachs Konzert am 13. Februar 1839, davon 130/-/- der hiesigen Armen-Commission 100/-/- dem hiesigen Frauen-Verein 50/-/- dem hiesigen Eiindeninstitut 150/-/- dem hiesigen Frauen-Verein und Kleinkinderbeivahr-Anstalt 83/-/- Kosten, Aufivand -/20/3 so in Depositum verbleiben Konzert am 23. Dezember 1839, incl. -/20/3 Ueberschuß vom vorigen Concert, davon 50/-/- an den Frauen-Verein im Erzgebirge 15/-/- an den Musiklehrer Partzsch 10/-/- der Frau des vormaligen Chorsängers Schwarz 8/-/- der hinterlassenen Tochter des Kammermusikus Fischer 5/-/- der Wittwe Hanselmann mit 11 Kindern 5/11/11 dem Chorsänger Lehmann 3/-/- dem armen Landarbeiter Unger 3/-/- an Pree 3/-/- an einen armen Schumacher 163/12/4 Kosten, Betrag incl. 67 T. fü r die Partitur zum Concert, fürs Abschreiben derselben u.s.w. Konzert am 4. März 1840, davon 394/8/7 an die hiesige Armen-Commission 46/14/5 Betrag der Kosten Konzert am 23. Dezember 1840, davon 100/-/- an den hiesigen Frauen-Verein 320/-/- dem 'Verein im Erzgebirge 5/-/- der Wittwe Seydelmann 5/-/- der 'Wittwe Staps 5/-/- der Tochter des verstorbenen Kammermusikus Fischer 5/-/- der sehr armen gebrechlichen Frau Bollmann 5/-/- der armen Wittwe Hanselmann mit 11 Kindern 5 / - / - dem Theater-Tagewächter Schulz 51/22/- 5 Kosten 651 308/3/5 501/4/4 728/ 4 / - Konzert am 24. Februar 1841, davon 503/28/- an hiesige Armen-Commission 100/-/- fü r erwachsene taubstumme Mädchen 50/-/- dem hiesigen Grauen-Verein 5/-/- dem 'verarmten Musikus Weiß 5/-/- dem verarmten Musikus Flachs 5/-/- der Wittwe Staps 5/-/- der Wittwe Wirthchen 54/7/- Kosten Konzert am 20. August 1841 im Palais des Königl. großen Gartens, davon 450/4/4 der hiesigen Armen-Commission 5/-/- der Tochter des verstorbenen Kammermusikus Fischer 5/-/- der Wittwe Wirthchen 5/-/- dem Musikus Weiß 5/-/- der Wittwe Hanselmann 26/-/- der General-Direction zur künftigen Vertheilung in dringenden Fällen Konzert am 29. Juli 1842, Palais im Großen Garten 232/20/7 an die Armen-Commission 75/12/8 Kosten 9944/7/3 Summa Dresden, am 14.n März 1843 Friedrich Schurick Hoftheater Kassierer. SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14438, Vol. 8,1843, fol. 78 f. Eine geistliche Musik zum Besten der Nothleidenden im Erzgebirge betrf. Die große Noth im oberen Erzgebirge, zu der sich leider auch noch an mehreren Orten der Ty phus gesellt hat, erregen überall das tiefste Mitgefühl und den Wunsch, ja wohl auch die Pflicht, durch Sammlungen und Spenden zu Linderung dieser traurigen Zustände 'beizutragen, wobey denn auch das Departement des Königlichen Hoftheaters und der musikalischen Kapelle nicht Zurückbleiben dürften. Unter den gegenwärtigen Verhältnißen, wo die dringende Noth auch die möglichste Eile gebie tet, dürfte dieses wohl am Besten durch ein im Königl. Schauspielhause zu veranstaltendes Concert geschehen. Da jedoch bereits am lß.ten des laufenden Monats die gewöhnliche große Musik zum Besten des Wittwenfonds der musikalischen Kapelle im großen Opernhause statt findet, wo das Oratorium: Elias, von Mendelssohn, aufgeführt werden wird, so ist es unmög lich, ohne großen Nachtheil fü r dieses, es vorher geschehen zu lassen, und es bleibt nur die fo l gende Woche dafür übrig. Allerdings ist in derselben vorschriftsmäßig das Theater geschlossen, eine solche Absicht dürfte aber wohl, zumal da nur ernste und geistliche Musik aufgeführt wer den würde, eine Ausnahme fü r diesen Fall rechtfertigen. 113 652 Ich wage es daher, um allergnädigste Bewilligung nachzusuchen, am Dienstage oder der M itt woche nach dem Palmsonntage, ein solches Concert zum Besten der Nothleidenden im Erzge birge im Königl. Schauspielhause veranstalten zu dürfen, wobey allerdings die Mittwoche, als vom Palmsonntags-Concert am weitesten abgelegen, wohl noch fü r den Ertrag desselben am Ersprießlichsten seyn würde, wenn nicht Ew. K önigl. M a jes tä t geruhen möchten, allergnä digst zu verstatten, daß eine solche Aufführung am ersten Osterfeyertage statt finden könnte, allerdings wohl au fdie reichlichste Einnahme zu rechnen seyn dürfte. Wolf Adolph August von Lüttichau an König Friedrich August H., 5. April 1848 SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14443, Vol. 8, fol. 57 f. 114 Mit Schreiben vom 13. April 1848 genehmigte König Friedrich August II. Unserer musi kalischen Kapelle am nächstkommenden ersten Osterfeiertage eine geistliche Musik zum Besten der Nothleidenden im Erzgebirge. *) SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14443, Vol. 8, fol. 59 *) Das Konzert fand am 24.4.1848 statt. 115 Uber die Umwandlung der Aschermittwochkonzerte aus allgemeinen Armenkonzer ten in Konzerte speziell zugunsten des Witwen- und Waisenfonds der Kapelle sowie die Verlegung dieser bisherigen Armenkonzerte auf den Sommer in das Palais des Großen Gartens siehe den Brief von Lüttichaus an König Friedrich August II. vom 9. Februar 1850 und dessen Antwort vom 14. Februar 1850. (E 101, E 102) SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, 14445, Vol. 15, fol. 27-33 653

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References

Zusammenfassung

Der Sächsischen Staatskapelle Dresden wird als Opern- wie als Konzertorchester hohe internationale Anerkennung gezollt. Während die 1548 gegründete kurfürstliche Hofkapelle schon seit dem 17. Jahrhundert der Bühne verpflichtet war, bildete sie als Königliche musikalische Kapelle ihre Qualitäten auf dem Konzertpodium in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich und in erstaunlichem Umfang aus – eine Entwicklung, die bisher weitgehend unerforscht geblieben ist. Die vorliegende Dokumentation gibt, vorwiegend anhand von Presse- und Archivmaterial, einen Überblick über Daten, Programme, Interpreten, Konzertformen, Säle, Veranstalter, interne und äußere Vorgänge, künstlerische Leistungen und Bedingungen, kritische Wertungen und Publikumsresonanz in den Jahren zwischen 1817 und 1858, als die Kapellmeister Morlacchi, Weber, Wagner und Reißiger an der Spitze des Orchesters standen. Eine vorangestellte Studie weist auf die Tradition der Kapelle und das institutionelle und künstlerische Gefüge hin, in dem sich ihre Konzertaktivitäten vollzogen.