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Einleitung in:

Eberhard Steindorf

Die Konzerttätigkeit der Königlichen muskialischen Kapelle zu Dresden (1817-1858), page 63 - 65

Institutionsgeschichtliche Studie und Dokumentation

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4155-0, ISBN online: 978-3-8288-7015-4, https://doi.org/10.5771/9783828870154-63

Series: Dresdner Schriften zur Musik, vol. 11

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
D O KUM EN TATIO N Einleitung Die Entwicklung der Konzerttätigkeit der Königlichen musikalischen Kapelle zu Dres den in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist trotz der verdienstvollen, älteren Schriften von Hans von Brescius,275 Kurt Kreiser276 und Otto Schmid277 bisher nicht systematisch und in größerem Umfang dokumentiert worden. Dafür soll durch die vorliegende Arbeit ein Anstoß gegeben werden. Sie beschäftigt sich mit dem Zeitraum zwischen dem Jahr 1817, in dem zum 1. Januar die Umwandlung der bisherigen Staatsanstalt in das vom Hofe finanzierte Königliche Hoftheater - bestehend aus Kö niglicher musikalischer Kapelle, Italienischer und Deutscher Oper sowie Schauspiel wirksam geworden ist und in dem am 17. Januar Carl Maria von Weber sein Dresdner Kapellmeister-Amt antrat, und dem Herbst 1858, als Abonnementskonzerte eingeführt wurden, die nach den bisherigen, episodenartigen Unternehmungen dieser Art erst mals von Dauer waren und bis heute kontinuierlich praktiziert werden. Damit war ein wichtiger Einschnitt in der Konzerttätigkeit des Orchesters zu registrieren, durch den seine bis dahin sehr vielfältige und verschiedenartige Konzertsaison ein stabiles künstlerisches und organisatorisches Gerüst erhielt.278 Sinn und Zweck des vorliegenden Projekts sollte sein, ein Material zusammenzu stellen und aufzubereiten, das sich im Wesentlichen in Annoncen, Berichten und Kriti ken von Dresdner Zeitungen fand (darunter die beiden ältesten Tageszeitungen - Dresdner Anzeiger und Abendzeitung mit 1600 bzw. 1400 Abonnenten um 1840), ergänzt durch einschlägige Notizen und Beiträge aus den überregionalen Publikationen Allge meine musikalische Zeitung und Neue Zeitschrift fü r Musik, die wohl vorrangig von Dresdner Korrespondenten beliefert worden sind. So ist es möglich, sich - neben der Zusammenstellung von Daten und Fakten - vor allem aus den lokalen zeitgenössi schen Zeugnissen ein doch recht plastisches und vielschichtiges Bild von der Konzert tätigkeit der Königlichen musikalischen Kapelle zu machen, von der Atmosphäre und den Verhältnissen im damaligen musikalischen Dresden, von den künstlerischen Be mühungen und Ergebnissen des Orchesters, von dessen Position im Konzertleben der Stadt sowie den öffentlichen Reaktionen darauf. Denn die Kritiker, deren Kenntnisse und Erfahrungen häufig spürbar über den lokalen Raum hinausreichten und die dem nach durchaus zu Vergleichen mit Leistungen außerhalb Dresdens befähigt waren, reflektierten die aktuelle Situation, zeigten Tendenzen auf, wiesen auf Versäumnisse hin, formulierten Anregungen und Forderungen, würdigten und „verrissen". Ergänzend wurden Akten aus dem Sächsischen Hauptstaatsarchiv hinzugezogen, die einige der Themenkreise tangieren und somit Einblicke in einige interne Vorgänge um Königshaus, Generaldirektion und Orchester erlauben. Gelegentlich gingen auch Mitteilungen aus leicht zugänglichen auswärtigen Zeitungen in die Auswertung ein (zum Beispiel Richard Wagner betreffend aus dem Kompendium Helmut Kirchmeyers279 und über Konzertmeister Franz Schubert aus den Beständen des historischen Ar chivs der Sächsischen Staatsoper Dresden). „Dresden-Literatur" wurde nicht vorrangig hinzugezogen bzw. nur dann, wenn sie sich zur Ergänzung anbot. Ebenso werden ei 63 nige sachbezogene Passagen aus Wagners Schriften zitiert. Obwohl über ca. 460 Kon zerte mit ca. 220 Komponisten und ca. 450 Interpreten Nachweis geführt und zu vielen von ihnen Kommentare ermittelt werden konnten, war Vollständigkeit bei der Erfas sung des Materials wohl kaum zu erreichen (zum Beispiel erwies sich als erschwerend, dass von manchen Zeitungen nicht mehr alle Jahrgänge komplett erhalten bzw. zu gänglich sind). Aber es sind immerhin genügend Fakten und Schilderungen verfügbar, um Einblick in Vorgänge um die Konzerttätigkeit der Königlichen musikalischen Ka pelle, in Situationen, Ereignisse, Pläne, Kämpfe, Bedingungen, Leistungen, Erfolge, auch Rückschläge, Enttäuschungen, Hindernisse und Mängel gewinnen und sich ein Urteil bilden zu können. Die zeitgenössischen Annoncen und Kritiken geben nicht durchweg über alle Pro grammpunkte der angekündigten oder besprochenen Konzerte und über deren an den jeweiligen Abenden tatsächlich gespielte Reihenfolge Auskunft; bei manchen ist gar kein Programm angegeben. Ebenso sind nicht immer alle Mitwirkenden genannt; dies betrifft vor allem die Dirigenten. Auch aus der Benennung von zwei Dirigenten auf einem Programmzettel, zum Beispiel für die Palmsonntagskonzerte, geht nicht gene rell hervor, welcher von beiden denn nun welches Werk geleitet hat. Mitunter lassen sich die Angaben aus verschiedenen Quellen zu einem Gesamtbild ergänzen. Die Zi tate aus Zeitungen und Zeitschriften beziehen sich fast ausschließlich auf die künstleri schen Leistungen der Kapelle, ihrer Dirigenten und Mitglieder; Bewertungen von Gästen und ausführlichere Beschreibungen der aufgeführten Werke ebenfalls zu erfas sen - so interessant, lesenswert und aufschlussreich sie oftmals auch sind - , hätten in diesem Rahmen zu weit geführt. Die Angaben zu den orchestralen Begleitungen konzertanter Beiträge in Schauspiel Vorstellungen, die - wie die Zwischenaktmusiken - auszuführen zu den ständigen (und, wie sich zeigt, lästigen) Verpflichtungen der Kapelle gehörten, wurden bei der Durchsicht der Zeitungen und der Theaterzettel-Bände des Hoftheaters nicht systema tisch, sondern nur beiläufig oder sporadisch erfasst. Die hier erfolgte Zusammenstel lung von über 200 Daten mit Titeln und Ausführenden bleibt also ergänzungsbedürf tig und ist eher als eine Anregung für weitere Nachforschungen zu sehen; aber sie vermag doch selbst in dieser unvollständigen Form eine gewisse Vorstellung von der Art und der Vielzahl der damit verbundenen Dienste des Orchesters zu vermitteln, die in die Gesamtbeurteilung seiner Aufgaben und Beanspruchung durch Oper, Kirche, Konzert und Kammer bisher kaum jemals angemessen beachtet oder einbezogen wor den sind. Komponisten und Gäste dieser von der Kapelle zu leistenden musikalischen Beiträge sind nicht in die entsprechenden Register zur Konzerttätigkeit unter 1.3 auf genommen worden. Eine alphabetisch geordnete Auflistung der Namen und die da zugehörigen Daten geben einen Überblick und beschließen das Kapitel „Zu Zwischen aktmusiken und der Begleitung konzertanter Beiträge in Schauspielaufführungen" (T). Bei der Betrachtung der Konzerttätigkeit der Königlichen musikalischen Kapelle ausgespart wurden (bis auf die Ausnahme vom 27.1.1833) die Hofkonzerte, das heißt jene Konzerte, welche die Kapelle oder einzelne ihrer Mitglieder, in Kammer- oder Or chesterbesetzung, bei Hofe und speziell für die Hofgesellschaft zu spielen hatten und für deren Gestaltung die jeweiligen Kapellmeister zuständig waren. Für ihre Ermitt lung war die Quellenlage bisher nicht zu klären, um wenigstens einen gewissen be 64 wertbaren Einblick in dieses Betätigungsfeld der Musiker erhalten zu können. Außer dem sind die sogenannten Festspiele aus höfischen Anlässen, ebenfalls mit musikali schen Beiträgen ausgestaltet, nicht aufgenommen worden. Diese waren zudem, wie auch die Hofkonzerte, im Allgemeinen - verglichen mit den sonstigen Konzerten einer breiten Öffentlichkeit nicht zugänglich. Im ersten Teil dieser Arbeit sind die Fakten zu den Konzerten - verschiedene Konzert formen, Daten, Konzertlokale, Programme, Mitwirkende, Anlässe und entsprechende Nachweise über Veröffentlichungen dazu in der Presse - zusammengestellt und alle in den Programmen genannten Komponisten und Interpreten in getrennten Registern mit Aufführungsdaten und, so weit möglich, mit biographischen Angaben erfasst. Der zweite Teil enthält, nach thematischen Gesichtspunkten geordnet, zeitgenössische Äußerungen zur Konzerttätigkeit der Königlichen musikalischen Kapelle. Jedem dieser Kapitel ist eine „Übersicht" - eine Zusammenschau, ein vorweggenommenes Fazit - der nachfolgenden Zitate vorangestellt, wobei, sofern es der Aufhellung von Zusammenhängen diente, Überschneidungen und auch Wiederholungen nicht immer zu vermeiden waren. Zu einigen Verfahrensweisen bei der Zusammenstellung des Materials ist darauf auf merksam zu machen, dass die Werktitel für die Programme so übernommen wurden, wie sie in den zeitgenössischen Ankündigungen und Berichten stehen; sie sind also nicht ge nerell durch die Originaltitel ersetzt bzw. vereinheitlicht worden. Deshalb können sich sowohl für fremdsprachliche als auch teilweise für deutsche Titel identischer Werke mit unter verschiedene Schreibweisen ergeben. Ebenso wurden die meist fehlenden Angaben zu Tonarten und Opuszahlen nicht ergänzt. Auch wurde der damals gebräuchliche, heute missverständliche Begriff „Musikchor" für die Mitwirkung zum Beispiel städtischer oder militärischer „Musikkorps", also Instrumentalformationen, in Kapellkonzerten beibehal ten. Die durch einen Rahmen kenntlich gemachten Konzerte waren Veranstaltungen der Königlichen musikalischen Kapelle bzw. ihrer Generaldirektion. Werktitel stehen im lau fenden Text wie auch Zitate dort und in den mit „Details" überschriebenen Abschnitten kursiv. Die Quellenangaben zu den Zitaten innerhalb dieser Teile erfolgen nicht wie üb lich per Fußnoten, sondern stehen im fortlaufenden Text. Für den Feser dürfte bei der Fülle an Verweisen eine solche Verfahrensweise praktikabler sein, da er nicht über mehr faches, sondern durch einfaches Nachschlagen direkt zur Quelle findet. Die Abkürzungen KM (Kammermusiker) und Kztmstr. (Konzertmeister) vor den Namen von Komponisten und Mitwirkenden machen Mitglieder der Königlichen musikalischen Kapelle kenntlich. Hinweise auf Fehler, die sich bei derart vielen Namen, Titeln und Zahlen unbeabsich tigt eingeschlichen haben könnten, sowie Ergänzungen sind erwünscht, werden an das Historische Archiv der Sächsischen Staatsoper Dresden erbeten und dort registriert. Abschließend gilt mein Dank Prof. Dr. Matthias Herrmann als Herausgeber, der Säch sischen Staatskapelle Dresden, deren Förderung dazu beigetragen hat, diese Publikation zu ermöglichen, und Dr. Vitus Froesch für Fayout und Redaktion der gesamten Arbeit. Außerdem danke ich für freundliche Unterstützung Janine Schütz vom Historischen Ar chiv der Sächsischen Staatsoper Dresden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Sächsi schen Fandesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, des Sächsischen Hauptstaatsarchivs Dresden und des Stadtarchivs der Fandeshauptstadt Dresden. 65

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Zusammenfassung

Der Sächsischen Staatskapelle Dresden wird als Opern- wie als Konzertorchester hohe internationale Anerkennung gezollt. Während die 1548 gegründete kurfürstliche Hofkapelle schon seit dem 17. Jahrhundert der Bühne verpflichtet war, bildete sie als Königliche musikalische Kapelle ihre Qualitäten auf dem Konzertpodium in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich und in erstaunlichem Umfang aus – eine Entwicklung, die bisher weitgehend unerforscht geblieben ist. Die vorliegende Dokumentation gibt, vorwiegend anhand von Presse- und Archivmaterial, einen Überblick über Daten, Programme, Interpreten, Konzertformen, Säle, Veranstalter, interne und äußere Vorgänge, künstlerische Leistungen und Bedingungen, kritische Wertungen und Publikumsresonanz in den Jahren zwischen 1817 und 1858, als die Kapellmeister Morlacchi, Weber, Wagner und Reißiger an der Spitze des Orchesters standen. Eine vorangestellte Studie weist auf die Tradition der Kapelle und das institutionelle und künstlerische Gefüge hin, in dem sich ihre Konzertaktivitäten vollzogen.