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G Palmsonntagskonzerte - Presse in:

Eberhard Steindorf

Die Konzerttätigkeit der Königlichen muskialischen Kapelle zu Dresden (1817-1858), page 629 - 640

Institutionsgeschichtliche Studie und Dokumentation

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4155-0, ISBN online: 978-3-8288-7015-4, https://doi.org/10.5771/9783828870154-629

Series: Dresdner Schriften zur Musik, vol. 11

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
G Palmsonntagskonzerte - Presse Übersicht Hans von Brescius hat am Ende des 19. Jahrhunderts - in seiner Festschrift zum 350 jährigen Jubiläum der Königlichen musikalischen Kapelle - über die Palmsonntags und Aschermittwochkonzerte zugunsten des Unterstützungsfonds für die Witwen und Waisen die Bilanz gezogen, dass diese zu den bedeutendsten Konzerten Deutschlands gehörten und unbestreitbar die stärkste Ausstrahlungskraft ausüben. (G 1) Er griff damit den Kernsatz eines Beitrags im Hoftheater-Tagebuch von 1876 zum fünfzigjährigen Jubiläum der Konzerte auf. (E 30) Die Presse, die unter verschiedenen Aspekten zu den Palmsonntagskonzerten Stellung bezog, bestätigte die Beurteilung von Brescius bereits für die ersten Dezennien dieser Konzertunternehmung. Da ist die Rede von den groß artigsten Musikaufführungen, welche seit Jahren in Deutschland existiren (G 19), von Ton festen, [deren] Großartigkeit, Präcision und Gediegenheit wol schwerlich übertroffen werden dürften (G 25), [von] Festtagen der kunstliebenden Welt (G 41), von einer grandiosen, musi kalischen Feier (G 20), die weit über den sogenannten, nun etwas in Mode gekommenen M u sikfesten, diesen musikalischen Schlemmereien standen (G 32), wohl weil sie nicht nur künstlerisch wahrhaft vollendete Aufführungen vorstellten (G 33), sondern darüber hin aus eben auch von einem würdigen Geiste geprägt waren (G 26) Der Glanz dieser Kon zerte bündelte und repräsentierte in Werkauswahl und Besetzung gleichsam die musi kalischen Möglichkeiten Dresdens und strahlte auf die Stadt zurück, denn keine Gele genheit bietet einen großartigem und erhebendem Eindruck dar vom Leben der Residenz. (G 28) 1858 - 32 Jahre nach ihrer Begründung - konnte man, gleichsam als zusammen fassende Würdigung, lesen: Unsere Palmsonntagsconcerte gehören seit langen Zeiten zu den Festtagen der kunstliebenden Welt; die ausgezeichneten Mittel, über welche sie gebieten, die unvergleichliche Ausführung der in ihnen zu Gehör gebrachten Werke haben ihnen einen Ruhm gesichert und eine Theilnahme erworben, welche schon Wochen vorher sich durch das allgemein lebhafte Interesse an dem Programm und die vollständige Beschlagnahme der Zuhö rerräume 'bekundet. (G 41) Für die Palmsonntags-, später auch für die Aschermittwochkonzerte verstärkte sich die Königliche musikalische Kapelle (G 9, G 16), so dass die meisten 'hier 'befindlichen In strumental- und Vocalkräfte zur Ausführung [ ...] mit freundlicher Bereitwilligkeit sich zu ver einigen pflegten. (G 18, 33, 38). Als eine solche Concentration der bedeutendsten musikali schen Kräfte der Stadt (G 40, auch G 41) machte dieser vortreffliche und reiche 'Verein deut lich, 'bis zu welcher Höhe seine Leistungen sich zu erheben vermögen (G 26), und dass er für Dresden die einzige Gelegenheit bot, größere klassische Tonwerke in quantitativ und quali tativ genügender Ausführung dem Publikum vorzuführen. (G 27, G 40) Die ausgezeichneten Mittel ermöglichten demnach eine unvergleichliche Ausführung. (G 41) Für oratorische Aufführungen standen sehr große Besetzungen zur Verfügung, wie zum Beispiel für Händels Oratorien oder - wohl ein Extremfall für Dresden um diese Zeit - für die Palmsonntags-Aufführungen von Bachs Matthäuspassion. Ein überliefertes Verzeichnis weist für 1833 eine Gesamtzahl von 342, bei der Wiederholung 1840 sogar 350 Mitwir kenden aus. (G 11-13) Dass so viele vokale und instrumentale Kräfte aus der Stadt zu- 629 sammen musizierten, spricht nicht nur für die Qualität der einheimischen „Musik chöre", sondern auch für die Integrationsfähigkeit der Kapelle, die sie alle „unter ih rem Dach" vereinigen und zu Aufführungen mit hohem Anspruch führen konnte. Für den Dirigenten war es gleichfalls eine Herausforderung, eine mehr als dreyfache Zahl fremder M usikerfür den erhabenen Zweck zu 'befeuern und in Einklang zu 'bringen. (G 12) Die Vorsteher ernteten Lob für die Programmgestaltung der Palmsonntagskonzerte, an der sie selbstverständlich neben den Kapell- und Konzertmeistern beteiligt waren. (G 33) Besonders hervorgehoben wurde, dass man ältere classische Arbeiten und selten gespielte Kompositionen auswählte. (G 17) Hierher gehören natürlich Werke eben wie etwa Bachs Matthäuspassion, für deren Aufführung man die sinnige Direction des Vor stands der Kapelle nicht sattsam genug loben konnte (G 11) oder Oratorien Händels. Abge sehen davon: Welche organisatorische Aufgabe musste hier von den verantwortlichen, ehrenamtlich tätigen Kammermusikern im Vorstand bewältigt werden! Überhaupt plädierte man einerseits dafür, in den Palmsonntagskonzerten nur Oratorien, Messen und dergleichen Stücke, die Sinfonien dagegen anderweitig zu musizieren (G 10), an dererseits hob man wiederum hervor, dass der Palmsonntag die einzige Gelegenheit sei, große Sinfonien in großer Besetzung zu hören, was man mit großem Unrecht das ganze Jahr hindurch entbehrt. (G 9) Denn nachdem die Kapelle früher an den Vortrag gro ß er selbständiger Instrumentalsätze nicht gewöhnt war, trug sie nun mit Einführung der Palmsonntagskonzerte die genialen Werke Beethoven's mit großer Energie vor. (G 14) Die Presse kritisierte Programme, die zu lang waren, und forderte, ein Konzert möge nicht länger als zwei Stunden dauern (G 9) - hatte man etwa deshalb die M at thäuspassion auf eben jene zwei Stunden gekürzt? (G 15) Über diese wenigen Hinweise hinaus wird an anderer Stelle detaillierter auf die Programmgestaltung der Kapellkonzerte, auch derjenigen am Palmsonntag, eingegangen. (F) Intensive Kritik wurde an zwei Stellen daran geübt, dass die Oratorien Haydns auch in italienischer Sprache dar geboten wurden (G 5, G 9) - lag es daran, dass Morlacchi dirigierte und es so anord nete oder dass italienische Sänger den deutschen vorgezogen wurden (F 16)? Auch vermisste man einmal, im Sinne des Publikums, im Programmblatt die deutsche Über setzung des Requiem-Textes für eine Aufführung von Mozarts Totenmesse. (G 30) Mit Kritik wurde ebenfalls die Firmierung der Palmsonntagskonzerte als Geistliche Musik bedacht, wenn das Programm eine Sinfonie enthielt. (G 9, G 10) Bemerkenswert ist eine Pressestimme, die für die Palmsonntagskonzerte die Einrichtung einer Notenbib liothek anregte, um Materialengpässe bei klassischer Literatur zu vermeiden; zum Bei spiel, wenn eine Mozart-Partitur aus Privathand besorgt und das Notenmaterial zu Beethovens 9. Sinfonie aus Leipzig geliehen werden musste und dieses in einem Zu stand dorthin zurück gegeben wurde, der das Gewandhaus für die Zukunft von der Wiederholung einer solch freundlichen Geste abhielt. (G 32) Die Anziehungskraft der Palmsonntagskonzerte war, folgt man der Presse, enorm. Sie bezog sich nicht nur auf die Kenner und Liebhaber ernster Musik in Dresden selbst (G 9), sondern auch auf viele Musikfreunde aus der Provinz (G 3) und den sich immer erneuende[n] Strom geistig bevorzugter Fremder. (G 28) Ein Lob verdienten sich die Eintrittspreise, die auch weniger Bemittelten die Theilnahme an diesen Genüssen erlaubten (G 33, E 28) - hier scheint sich also ein gebildetes und kunstsinniges Publikum (G 28), aber 630 keineswegs eine durchweg elitäre Zuhörerschaft zusammengefunden zu haben. Die Säle wurden von gut besetzt (G 3), voller als je zuvor (G 21) und stets zahlreiche(r) Theil nahme (G 33) bis zur vollkommene[n] Beschlagnahme der Zuschauerräume (G 41) frequen tiert. Schon Wochen vor dem Konzerttermin regte sich ein besonderes Interesse am Programm, wohl im Vertrauen auf die ausgezeichneten Mittel und eine unvergleichliche Ausführung. (G 41) Was den Andrang zu den Konzerten plastisch nachvollziehbar macht: 1848 ließ die Polizei - wie in den anderen Jahren auch - in den Gassen der Resi denzstadt Anschläge anbringen mit Hinweisen, welchen Weg die Equipagen und alles Fuhrwerk einzuschlagen 'hätten, damit der Fußgänger nicht in Gefahr gesezt würde. (G 31) Da zwei Wochen vor Palmsonntag keine anderweitigen Konzerte stattfinden durften (nicht einmal Quartettabende), mutmaßte man, dass mit einer solchen Anordnung Einnahmeverlusten bei eben diesen Konzerten vorgebeugt werden sollte. (G 35-37) Das Konzert am Palmsonntag, dem der Hof sein besonderes Wohlwollen entgegen brachte (G 2), muss beim Publikum einen außergewöhnlichen Status erlangt haben, der es aus dem der üblichen musikalischen Veranstaltungen heraushob. 1848 - auf dem Programm standen Händels Jephta und Beethovens Pastorale - schilderte man die ernste Haltung, mit welcher es diese Aufführung vor anderen Concerten auszuzeichnen pflegte; es wurde sogar von eine[r] Feier stiller, religiöser Erhebung (G 33) gesprochen und von dem würdigen Geist, der diesen großen Palmsonntags-Concert-Aufführungen innewohne. (G 26) Was aber mehr noch von einer geradezu persönlichen Beziehung vieler Zuhörer zu diesen Konzerten spüren lässt, ist ein Satz wie: sie seien ein werthgehaltenes, dem Publikum liebgewordenes Institut. (G 33) Aus solchen Grundhaltungen resultierte wohl auch, dass die hergebrachte Sitte in diesem Concerte Beifallsbezeugungen nicht gestattet. (G 23, 18, 34). Dies mochte 1833 für eine Aufführung wie die von Bachs Matthäuspas sion noch hingehen, über die (anstelle der befürchteten Langeweile) sogar von Vergnü gen (G 11), aber vor allem von Äußerungen der tiefsten Ergriffenheit (G 12) berichtet wurde. In späteren Konzerten jedoch beschloss dann in der Regel zumindest freundli cher Beifall (G 18), wenn nicht sogar lauter Beifall (G 34) oder rauschender, enthusiastischer Beifall (G 23) die Abende. Pressestimmen zur Programmgestaltung werden unter (F) ausgewertet. Die Anga ben in den Zeitungen über die Einnahmen aus den Palmsonntagskonzerten (G 21, 22, 24, 27) unterscheiden sich übrigens wesentlich von denen, die in den offiziellen und aktenmäßig erfassten Abrechnungen ausgewiesen wurden. (E 100) Details G l Die Palmsonntags- und Aschermittwochkonzerte zählen zu den 'bedeutendsten Konzerten Deutschlands; sie üben unbestreitbar die stärkste Ausstrahlungskraft aus. Brescius 1898, S. 93 G 2 Zum Erfolg der Palmsonntagskonzerte trugen das Wohlwollen des Hofes und die Ar beit der vier Vorsteher entscheidend bei. Nach Brescius 1898, S. 94 631 G 3 Die zwei großen Parterres [im Opernhaus am Zwinger] gaben fü r Orchester und Publikum einen außerordentlich großen Raum und die vielen Logen waren gut besetzt; denn zu diesen Aufführungen kamen auch viele Musikfreunde aus der Provinz. Heger 1894, S. 65 G 4 Aus Leipzig vermeldete der Korrespondent, dass dort am Palmsonntag das gewöhnli che Armenkonzert mit Werken von Rossini, Hummel und Beethoven stattgefunden habe. AZ, 16.5.1820 G 5 Der Rezensent monierte, dass Die Schöpfung in italienischer Sprache gesungen wurde, wodurch sie allemal verlieren muß. AMZ, Jg. 29, Nr. 4, über 29.12.1826 G 6 In Beziehung auf einen Zettel, au f welchem von dem großen Concerte die Rede ist, welches am 29. Decbr. gegeben wird, erlaube ich mir, zu meiner Verteidigung, das schätzbare Publikum mit der reinen Wahrheit bekannt zu machen. Am 17. Decbr. erhielt ich die Stimme des Tenor solo, welche ich in diesem Concerte singen sollte, und an dem nämlichen Tage, also nicht den Tag vor der Probe, welche den 22sten gehalten werden sollte, erklärte ich, daß ich nicht singen würde, wenn man diese Singstimme, die so sehr schlecht abgeschrieben war und eine Menge unleserlicher und undeutlicher Abänderungen enthielt, nicht zuvor gehörig wieder abschreiben lässt, welches man aber nicht that. - Da ich mich nun durch den erwähnten Zettel einer fa l schen B eurteilung von Seiten des Publikums ausgesetzt sehe, welches leicht schließen könnte, ich hätte blos aus Eigensinn und Laune gehandelt, so habe ich mich durch diese Zeilen öffent lich vor unverdientem Tadel zu schützen gesucht. Anton Bonfigli Königl. Sächsischer Kammersänger. DrA, 29.12.1826 - vgl. E 28 G 7 Matilde Palazzesi schrieb, dass sie auf dem Anschlagzettel für dasselbe Konzert zu Unrecht für ihre Absage der Schöpfung beschuldigt worden sei. Sie habe das Konzert am 16. Dezember 1826 zugesagt in der Hoffnung, dass es nicht mit dem Operndienst kollidieren würde. Die Kollision sei dann aber doch am 18. Dezember mit ihrer Beset zung in Vaccais Oper Peter der Große erfolgt, deren Aufführung für Anfang des neuen Jahres vorgesehen worden sei, was sie veranlasst habe, die Partie in der Schöpfung zu rück zu geben. Indem man sie trotzdem in die Bekanntmachung aufgenommen habe, habe man sie in der Öffentlichkeit wegen angeblicher Launen diskreditieren wollen. DMe, 30.12.1826, lt. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147, S. 51 - vgl. E 28 632 Im Merkur vom 4. Januar 1827 schrieb die Kapelle eine Entgegnung, die Matilde Palaz zesi am 10. Januar 1827 im DrA mit der Bemerkung konterte, dass deren Erklärung keinen Glauben verdient. Lt. SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147, S. 51 G 9 Das Orchester wird bey solchen Gelegenheiten sehr verstärkt und die Ausführung ist dann immer so, dass die Kenner so wie die Liebhaber ernster Musik in gleichem Maasse befriedigt seyn können. Man hört bey dieser Gelegenheit dann auch - was man leider, und mit großem Unrechte das ganze Jahr hindurch entbehrt - eine große Symphonie in mehreren Sätzen. Ein hoher Genuß! Kritik wurde daran geübt, dass das Konzert angesichts der Werke von Beethoven und Haydn als „Geistliche M usik" angekündigt worden war. Außerdem sei das Konzert viel zu lang, Mozart und Beethoven vollauf genug gewesen; so seien viele Besucher schon nach der Beethoven-Sinfonie gegangen. Des weiteren wurde kritisiert, dass die Auszüge aus den Jahreszeiten italienisch gesungen worden seien - es sollte wohl bezweckt werden, die singende Herrlichkeit der Italiener bey Aufführung deutscher Musik zu zeigen? Warum habe man nicht deutsche Sänger gewählt, verfüge doch Dres den über deren berühmteste [ ...] in Deutschland. AMZ, Jg. 33, Nr. 16, über 27.3.1831 G 10 Weil das Programm Beethovens 7. Sinfonie und eine Opemarie von Morlacchi enthielt, kritisierte man die Konzertbezeichnung „Geistliche Musik". Da man nirgends in den Concerten der Dresdner Kapelle eine vollständige Symphonie zu hören bekommt, so läßt man sich diese Abweichung von dem Titel der Textbücher gern gefallen. Es wurde dafür plädiert, in den Palmsonntagskonzerten Oratorien, Messen und dgl. aufzuführen, Sinfonien je doch in anderen Konzerten zu spielen. Die Palmsonntagskonzerte sollten nicht länger als zwei Stunden dauern. AMZ, Jg. 34, Nr. 19, über 15.4.1832 G 11 Dresden, den 3ten April. Einen herrlichen, mir unvergesslichen Genuss hat mir die Auffüh rung des ältesten und erhabensten deutschen Oratoriums der Bach'schen Passion nach dem Evangelium Matthäus bereitet, welche hier am Palmsonntage im grossen Opernhause zum Vortheile der Wittwen und Waisen der Königl. Kapelle trefflich gelang. Das zahlreich versam melte Publicum fand sich auf's Lebhafteste ergriffen und fand 'Vergnügen, wo gewiß 'Viele lange Weile gefürchtet hatten. Denken Sie sich aber auch die bedeutende Masse der wirkenden Künstler, ungefähr 200 Stimmen fü r Doppelchöre, 10 treffliche Solostimmen, darunter die Da men Kraus-Wranitzki und Schebest, die Tenoristen Babnigg und Schuster, die Bassisten Risse, Wächter und Zezi, und 100 wohl vertheilte Instrumente, unter diesen fü r die obligaten Solo stellen der Geige, Flöte, Clarinette und Oboe Künstler, wie Rolla, Fürstenau, Cotte und das Doppelpaar Kummer und Titz. Durch deutliche Aussprache that sich besonders Zezi in der Arie der zweyten Abtheilung, durch sinniges Eingehen in den Geist der Tondichtung die aus- G 8 633 gezeichnete Sängerin Kraus hervor. - [ . . . ] Bey der 'von Mad. Kraus gesungenen Arie mit obli gater Flöte und Clarinetten war die andachtsvolle Stille so gross, dass auch in der bedeutenden Entfernung am Ende des zweyten Saales keine Note verloren ging. Der Eindruck der Gesammtaufführung ist ein so günstiger gewesen, dass vielleicht bald nach dem Osterfeste eine Wiederholung stattfinden wird. [ ...] Der erste Doppelchor [ ...] wurde herrlich ausgeführt, so wie man denn überhaupt die sinnige Direction des Vorstands der Kapelle nicht sattsam genug loben kann. Die treffliche Leistung bewahrheitete, dass das Riesenwerk sehr sorgfältig und mit heiligem Eifer einstudiert war. AMZ, Jg. 35, Nr. 16, über 31.3.1833 G 12 Dresden, den 17ten April. Zu der diessjährigen großen musikalischen Aufführung am Palm sonntage zum Besten des Fonds der Wittwen und Waisen der Königl. Sächsischen Kapellmusiker hatte man Sebastian Bach's Passionsmusik nach dem Ev. Matthäus gewählt. [ ...] Dem Dresdner Publicum war diese hohe, 'bis zum Strengen und Herben einfache Musik, etwas völlig Neues, denn nie war 'hier etwas Aehnliches von der Königlichen Kapelle aufgeführt worden und nicht vorauszusehen, ob z.B. die Arien in ihrem so sehr eigentüm lichen Zuschnitte ansprechen würden. Indessen zeigte sich die Aufmerksamkeit des sehr zahlreichen versammelten Auditori ums ununterbrochen auf's Aeusserste gespannt, und Aeusserungen der tiefsten Rührung, so wie der lebhaftesten Theilnahme waren unverkennbar. Das 'Verdienst der 'Wahl, so wie die mancherley zu überwindenden Schwierigkeiten, gebührt den beyden Königl. Kapellmeistern Ritter Morlacchi und Reissiger. Es galt hier unverändert wiederholte Versuche - theils wegen des Tempos, das in der ganzen gestochenen Partitur (Berlin, bey Schlesinger 1830), so wie dem Vernehmen nach auch au f der Originalhandschrift im Besitze des bekannten Musikfreundes und Manuscriptensammlers Hrn. Pölchau, nur allein bey S. 53, S. 75, S. 114 angegeben ist. Da das Werk in Berlin schon mehrere M ale gegeben worden, so ist der gestochenen Partitur als Fehler anzurechnen, dass die Tempi's nicht, zu einigem Anhalten bey anderweitigen Auffüh rungen, nach dem jetzt überall bekannten Mälzel'schen Metronomen angegeben sind. Nicht minder wäre es zweckmäßig gewesen, anzugeben, was an der Stelle der nirgends mehr existie renden Gamba, der Laute und Oboi di Caccia und Oboi d'amore am passendsten fü r Instru mente zu substituiren seyn dürften. Auch wäre, zu Aufführungen in Kirchen, zu bestimmen gewesen, ob das Wort Continuo, was bekanntlich nur einen fortlaufenden Bass bedeutet, vom Orgel-Pedale allein oder von den Contrabässen allein gespielt werden soll, da bisweilen wieder jener Continuo fehlt und blos Basso dabey steht. Diese mancherley Schwierigkeiten wurden glücklich gehoben und beseitigt, wobey, wie gesagt, die Einsicht und Beharrlichkeit der beyden Herren Kapellmeister und der Eifer, Geschicklichkeit und guter Wille der Ausführenden die lauteste Anerkennung verdient. Was man in dieser Hinsicht von der Königl. Sächsischen Kapell-Musik zu erwarten berechtigt ist, weiß jeder Sachverständige, der dieses herrliche Institut, das sich eines fast hundertjährigen Ruhmes erfreut, in den schwierigsten Leistungen zu be wundern Gelegenheit hatte; allein 'hier galt es noch eine mehr als dreyfache Zahl fremder Musi ker fü r den erhabenen Zweck zu befeuern und in Einklang zu bringen. Auch dies geschah mit dem grössten Erfolge und die Ausführung war vortrefflich zu nennen. Man 'kann mit der voll kommensten 'Wahrheit sagen, dass die Kraft und Präcision der Chöre, so wie die Delicatesse und Zartheit im Vortrage und Begleitung der Arien nichts zu wünschen übrig Hessen. Und 634 hierbey sey es erlaubt, nachträglich zu erwähnen, dass doch ja Niemand diese, nun 'hundert und vier Jahre alten Arien geradehin, ohne sie wiederholt gehört zu 'haben, fü r veraltet halten möge. Sie sind nicht nur mit grösser Kunst, sondern auch mit dem tiefsten Gefühle angelegt und es wird sie Niemand, der wahren Ausdruck zu schätzen weiss, zum zweyten Male hören, ohne sie, ihrer innigen, andächtigen Tiefe, ihres Verschmähens alles unnützen Geschnirkels wegen mit wahrer Liebe im Herzen nachklingen lassen. Im Sängerpersonale wird dieses Werk in Berlin wegen Einwirkung der Singakademie - vollzähliger gegeben. Im Instrumentalen war die Dresdner Besetzung, dem 'Vernehmen nach, weit stärker. Sollte es gewünscht werden, so 'könnte ich später den lithographirten Aufriss der Stellung des Orchesters und der Sänger beyfügen, welchen Hr. Kapellmeister Morlacchi fertigen zu lassen beabsichtigt. Vor der Hand werde hier nur die Besetzung der Solostimmen, so wie die Zahl der Instrumentisten nach ihren Instru menten angegeben, und endlich den beyden Herren Dirigenten, so wie dem ganzen Personale fü r den verschafften hohen Genuss gedankt. Carl Borromäus v. Miltitz AMZ, Jg. 35, Nr. 18, über 31.3.1833 Verzeichnis der Sänger und Instrumentisten zur Aufführung der grossen Passion Sebastian Bach's in Dresden. Zur Nachricht des Freyherrn Borrom. v. Miltitz in No. 18 C o r o P r i m o . C o r o S e c o n d o . 12 Violini primi. 12 'Violini primi. 11 'Violini secondi. 11 'Violini secondi. 8 Viole. 8 Viole. 7 'Violoncelli. 7 'Violoncelli. 5 Contrabassi. 5 Contrabassi. 2 Flauti primi. 2 Flauti primi. 3 Flauti secondi. 3 Flauti secondi. 2 Oboi primi. 2 Oboi primi. 2 Oboi secondi. 2 Oboi secondi. 2 Clarinetti primi. 2 Clarinetti primi. 2 Clarinetti secondi. 2 Clarinetti secondi. 25 Soprani. 25 Soprani. 20 Contr'alti. 20 Contr'alti. 25 Tenori. 25 Tenori. 30 Bassi. 30 Bassi. 156 156 20 Soprani, Corale C a n t a n t i d i C o n c e r t o . C a n t a n t i d i c o n c e 1 Mad. Wranitzki 1 Dem Schebest. 1 M. Babbnig. 1 M. Schuster. 1 - Risse. 1 - Wächter. 1 - Zezi. 1 - Böhme. 1 - Stelzel 1 - Dem. Spittang 5 5 635 46 Totale Violini. 16 Viole. 14 'Violoncelli. 10 Contrabassi. 10 Flauti. 8 Oboi. _8 Clarinetti. 112 AMZ, Jg. 35, Nr. 19, über 21.3.1833 50 Soprani. 40 Contr'alti. 50 Tenori. 60 Bassi. 20 Corale. 10 Voci concertanti. 230 112 342 G 13 In der Wiederaufführung der Matthäuspassion am Palmsonntag 1840 musizierten wie derum 112 Orchestermusiker, und es wirkten 238 Chorsänger mit. NZfM, Jg. 12, 1840, S. 108 und S. 156 (zitiert nach Oschmann 1998, S. 42) G 14 Für das Palmsonntagskonzert 1835 war Morlacchis Vorschlag, die neueste Sinfonie von Louis Spohr zu spielen, abgelehnt worden. Die Capelle, früher an den Vortrag großer selbständiger Instrumentalsätze nicht gewöhnt, trägt jetzt die genialen Werke Beethoven's mit großer Energie vor. Jephta musizierten 98 Instrumentalisten und ein trefflich geübter Chor aus etwa 100 Sängerinnen und Sängern. NZfM, 5.5.1835, über 12.4.1835 G 15 Die Wiederaufführung der Matthäuspassion dauerte zwei Stunden. NZfM, 28.4.1840 G 16 Das Palmsonntagskonzert sei der großen Besetzung wegen eine grandiose und würdige Feier gewesen. NZfM, 15.4.1844, über 31.3.1844 G 17 Es gewähren auch diese Musikaufführungen einen ausgezeichneten Genuß, ebensowol der Ausführung selbst, als der Wahl der Musikstücke wegen, da uns hier in der Regel ältere classische Arbeiten zu Gehör 'kommen, welche außerdem selten dem Publico dargeboten werden. LpZ, 3.4.1844, über 31.3.1844 G 18 Die Palmsonntagskonzerte erweisen sich immer wieder als ein Musikfest im kleinen Maßstabe, insofern die meisten hier befindlichen Instrumental- und Vocalkräfte zur Ausfüh rung desselben mit freundlicher Bereitwilligkeit sich zu vereinigen pflegen. [Siehe auch G 33] Statutengemäß 'kommt stets ein Oratorium und eine große Symphonie zur Aufführung, und es 636 ist dies hier fast die einzige Gelegenheit, derartige Werke in genügender Besetzung zu hören, da die Dreißig'sche Singakademie sich vor Publikum gänzlich abschließt, überhaupt auch die Ora torien nur am Piano zu Aufführung bringt, und die Hartungschen Abonnements-Concerte die einzigen, in welchen uns Symphonien vorgeführt werden - vermöge der bestehenden Ver hältnisse weder die Fülle der Besetzung, noch die Präcision der Ausführung bieten können, welche wir 'hier erwarten dürfen. Das Publikum spendete - obivohl gegen die Sitte an diesem Tage - am Schlüsse der Sympho niefreundlichen Beifall. DBbl, 4.4.1844, über 31.3.1844 - zum Beifall auch G 23, G 34, S 54-56, S 62, S 76, S 85 G 19 Das Palmsonntagskonzert gehört zweifellos zu den großartigsten Musikaufführungen, wel che seit Jahren in Deutschland existiren. AMZ, 1.5.1844, über 31.3.1844 G 20 Das Konzert sei eine grandiose und würdige musikalische Feier gewesen. NZfM, Bd. 20 Nr. 32,18.4.1844 G 21 Das Haus war voller als je und die Einnahme betrug gegen 1900 Thlr. Die Generalprobe er brachte 300 Thlr. DrC, 18.3.1845, über 16.3.1845 G 22 Das Palmsonntagskonzert hätte mit 1750 Thlr. die zweithöchste Einnahme seit Beginn dieser Konzerte erbracht. DBbl, 27.3.1845, über 16.3.1845 G 23 Am Schluss brandete ein rauschender, enthusiastischer Beifall auf, während die hergebrachte Sitte in diesem Concerte Beifallsbezeugungen nach einzelnen Piecen nicht gestattet. NZfM, 19.3.1845, über 16.3.1845 G 24 Für das Palmsonntagskonzert 1846 wurden 3000 Thlr. Einnahme vermeldet. AThChr, 13.4.1846, über 5.4.1846 G 25 Die Palmsonntagskonzerte sind Tonfeste, welche in ihrer Großartigkeit, Präcision und Ge diegenheit wol schwerlich übertroffen werden dürften. LpZ, über 5.4.1846 637 Es scheint mir dieser vortreffliche und reiche Verein von Künstlern beurkunden zu wollen, bis zu welcher Höhe seine Leistungen sich zu erheben vermögen. Hinsichtlich der immer wieder auftretenden Schwierigkeiten war man zuversichtlich: Bei dem würdigen Geiste aber, der diesen großen Palmsonntags-Concert-Aufführungen bisher stets innegewohnt hat, dürfen wir mit Sicherheit annehmen, daß diese Aufgabe gewiß eine vollkommene Lösung erhalten werde. DrA, 24.3.1846, über 5.4.1846 G 27 Das Palmsonntagsconcert bietet die einzige, in Dresden gebotene Gelegenheit, größere klassi sche Tonwerke in quantitativ und qualitativ genügender Ausführung dem Publikum vorzufüh ren. Kritisiert wurden die wahrhaft marktschreierischen, anonymen Empfehlungen und Aufforderungen im DrA, die theilweise in echtem Marktschreiertone gehaltene Charlatanerie gewesen sei. Die Befürchtungen der Kapelle wegen zu geringer Einnahmen hätten sich angesichts von über2000 Thlr. nicht bewahrheitet. AZ, 16.4.1846, über 5.4.1846 G 28 Keine Gelegenheit bietet einen großartigem und erhebendem Eindruck dar vom Leben der Re sidenz, welches von einem kunstliebenden H of und einem gebildeten und kunstsinnigen Publi cum, wozu der sich immer erneuende Strom geistig bevorzugter Fremden zu zählen sein möchte, bewegt wird, als die großen Musikaufführungen unserer Kgl. Kapelle am Palmsonntag im Saale des alten Operhauses. DrA, 9.4.1846, über 5.4.1846 G 29 Der Rezensent wird Anlass finden [...], über den hier waltenden Charlatanismus in der Kunst von gewisser Seite her, über die maasslose Eitelkeit, zu deren Vehikel die Tonkunst hier nicht selten erniedrigt wird, sich nach Gebühr einzulassen! AMZ, Jg. 48, Nr. 35, September 1846 G 30 Bei der Aufführung des Mozart-Requiems vermisste man eine deutsche Textunterle gung, zumal in der Zeit der Gymnasialreform, und hier in der Heimath der Ubersetzungsfabrication. KZ, 8.4.1847, über 28.3.1847 G 31 Dem Publikum verkündete ein Polizeianschlag an den Straßenecken wie in anderen Jahren umständlich, welchen Weg die Equipagen und alles Fuhrwerk einzuschlagen hätten, damit der Fußgänger nicht in Gefahr gesezt würde. MfgL, 17.4.1847, über 28.3.1847 G 26 638 Diese hiesigen Koncerte [gemeint sind die Palmsonntagskonzerte] stehen, wie wir aus eige ner Erfahrung versichern können, in der künstlerischen Ausführung weit über den sogenann ten, nun etwas aus der Mode gekommenen Musikfesten, diesen musikalischen Schlemmereien. Deshalb werden folgende Wünsche an die Generaldirektion formuliert: - Die besten Sängerinnen und Sänger müssen in den Konzerten auftreten. - Für die Kapelle sollte eine Bibliothek eingerichtet werden. Ein Kunstinstitut dieser Art hat eine Musikbibliothek nöthig, damit es nicht überallher Noten zusammenborgen braucht, und sogar die Partitur einer Mozart'schen Sinfonie zur Aufführung aus dem Privatbesitz herbeiholt, wie erst kürzlich geschah. Die Leipziger Koncertdirektion hat, wie wir von dort hören, veranlasst durch den mit Rotstift durchwirkten Zustand der zum vorjährigen hiesigen Palmsonntagskoncert überlassenen Stimmen von Beethoven's neunter Sinfonie, jetzt be schlossen: in Zukunft keine Stimmen mehr zu verborgen. - Neue Pauken sollten angeschafft und dafür neue Spieler engagiert werden. DrTgbl, 30.3.1847, über 28.3.1847 G 33 Die Palmsonntagskonzerte seien ein mit vollem Recht werthgehaltenes, dem Publikum lieb gewordenes Institut, [ ...] eine wahrhaft angemessene Vorbereitung au f die beginnende heilige Woche. [ . . .] Als eine Feier stiller, religiöser Erhebung 'hat sie das Publikum auch zu 'betrachten sich gewöhnt. Das lehrte nicht nur seine stets sehr zahlreiche Theilnahme, sondern mehr noch die ernste Haltung, mit welcher es diese Aufführung vor anderen Concerten auszuzeichnen pflegte. Sie seien würdige Veranstaltungen wegen der reichen Vereinigung der tüchtigsten, künstlerischen Kräfte der Residenz, die wahrhaft vollendete Aufführungen böten, wegen der sorgfältigen Programmauswahl, wegen ihres Zweckes zur Förderung des Unterstüt zungsfonds für die Witwen und Waisen der Kapelle, denn die Kammermusiker seien wahrlich nicht so gestellt, um fü r die Ihrigen Nothpfennige in irgend ausreichender Weise zu rücklegen zu können. Außerdem seien die Eintrittspreise so gehalten, daß auch den weni ger Bemittelten die Theilnahme an diesen Genüssen möglich wird. DMgbl, 14.4.1848, über 16.4.1848 G 34 Die Aufführung erzielte eine solche Wirkung, dass nach dem Allegretto und Final der in diesen Räumen und besonders an diesem Tage gewöhnlich schweigende Beifall von allen Seiten laut erschallte. NZfM, 9.5.1848, über 16.4.1848 G 35 Die gern gehegte Erwartung des musikalischen Publicums, daß die angekündigte Extra-Quartett-Akademie [gemeint war ein Kammerkonzert Lipinskis] mit dem Beethoven'schen Sep tett noch vor Ostern stattfinden werde, findet in ihrer Erfüllung dem Vernehmen nach durch das Statut der Königl. Kapelle einige Schwierigkeit, vierzehn Tage vor dem Palmsonntagsconcerte kein anderes Concert zu geben oder darin mitzuwirken. Es bedarf aber wohl 'keiner Frage, daß dieser Brauch den einzigen praktischen Zweck 'hat, seitens des Kapellinstituts in dieser Zeit G32 639 eine musikalische Aufführung zu vermeiden, welche ihrem Wesen nach in eine Konkurrenz mit dem Palmsonntagsconcert treten und auf den Besuch desselben einen schwächenden Einfluß ausüben könnte. Dies auch einer Quartett-Akademie aufzuerlegen, wird indeß 'keinem vernünftigen Urtheil einfallen, und jenes Statut hierauf auszudehnen, hieße offenbar, ihm einen Zopf andrehen. DrJ, 23.3.1852 G 36 Verwiesen werden muss im Zusammenhang mit G 35 auf ein sächsisches Gesetz aus dem Jahre 1843, das drei Wochen vor Ostern außer im Theater öffentliche Konzert Veranstaltungen untersagte. AMZ, 26.4.1844 G 37 Siehe auch bei Presse - Konzertwesen, wo noch einmal eine Bekräftigung dieser Ver ordnung bekannt gegeben wird. DrZ, 7 .11 .1848 -B 32 G 38 Nach einem Lob für das Programm wurde festgestellt, dass der Palmsonntag der ein zige Tag sei, an dem sich in Dresden verschiedenen Corporationen angehörende musikalische Kräfte zu einem Ganzen vereinigen. Die Veranstalter seien verpflichtet, dies auch auszu nutzen. SCZ, 5.4.1854, über 9.4.1854 G 39 Die Wiederholung des Messias für den Witwen- und Waisen-Fonds in einer Kirche wird angeraten, da sich seit der Zerstörung des alten Opernhauses dessen regelmäßige Ein nahmen wesentlich vermindert 'haben müssen. DrJ; DrN, 7.4.1857, über 5.4.1857 G 40 Das Lob galt dem Palmsonntagskonzert, dem einzigen Concert Dresdens, in welchem unter Concentration der bedeutendsten musikalischen Kräfte größere Tonwerke in wahrhaft großarti ger Weise aufgeführt werden. SCZ, 30.3.1858, über 28.3.1858 G 41 Unsere Palmsonntagsconcerte gehören seit langen Zeiten zu den Festtagen der kunstliebenden Welt; die ausgezeichneten Mittel, über welche sie gebieten, die unvergleichliche Ausführung der in ihnen zu Gehör gebrachten Werke haben ihnen einen Ruhm gesichert und eine Theilnahme erworben, welche schon Wochen vorher sich durch das allgemein lebhafte Interesse an dem Programm und die vollständige Beschlagnahme der Zuhörerräume 'bekundet. DrN, 30.3.1858, über 28.3.1858 640

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References

Zusammenfassung

Der Sächsischen Staatskapelle Dresden wird als Opern- wie als Konzertorchester hohe internationale Anerkennung gezollt. Während die 1548 gegründete kurfürstliche Hofkapelle schon seit dem 17. Jahrhundert der Bühne verpflichtet war, bildete sie als Königliche musikalische Kapelle ihre Qualitäten auf dem Konzertpodium in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich und in erstaunlichem Umfang aus – eine Entwicklung, die bisher weitgehend unerforscht geblieben ist. Die vorliegende Dokumentation gibt, vorwiegend anhand von Presse- und Archivmaterial, einen Überblick über Daten, Programme, Interpreten, Konzertformen, Säle, Veranstalter, interne und äußere Vorgänge, künstlerische Leistungen und Bedingungen, kritische Wertungen und Publikumsresonanz in den Jahren zwischen 1817 und 1858, als die Kapellmeister Morlacchi, Weber, Wagner und Reißiger an der Spitze des Orchesters standen. Eine vorangestellte Studie weist auf die Tradition der Kapelle und das institutionelle und künstlerische Gefüge hin, in dem sich ihre Konzertaktivitäten vollzogen.