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E Palmsonntags- und Aschermittwochkonzerte in:

Eberhard Steindorf

Die Konzerttätigkeit der Königlichen muskialischen Kapelle zu Dresden (1817-1858), page 523 - 593

Institutionsgeschichtliche Studie und Dokumentation

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4155-0, ISBN online: 978-3-8288-7015-4, https://doi.org/10.5771/9783828870154-523

Series: Dresdner Schriften zur Musik, vol. 11

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
E Palmsonntags- und Aschermittwochkonzerte Übersicht Zur Gründung des Unterstützungsfonds fü r die Witwen und Waisen von Mitgliedern der Königlichen musikalischen Kapelle und des Palmsonntagskonzerts, 1826 Zur sozialen Absicherung ihrer Familien richteten die Mitglieder der Dresdner Hofka pelle im Jahre 1712 eine Casse zur Versorgung der Musicorum Wittben und Waisen ein, die vermutlich in der Zeit des Siebenjährigen Krieges aufgelöst wurde. (E 1) Kapellmeister Francesco Morlacchi nahm in außerordentlich verdienstvoller Weise den Gedanken an eine solche Einrichtung mit einem Brief an die Kapellmitglieder vom 10. April 1826 wie der auf. (E 3) Er stellte fest, daß dieser ausgezeichnete Künstler-Verein, der durch Unterstützung fü r jeden braven durch Dresden reisenden Virtuosen so wie für andere bey besonderen Unglücks fällen eintretende milde Zwecke sich stets so theilnehmend gezeigt hat, auch jährlich irgend einer Leistung Zeit und Mühe widme, welche zu seinem eigenen Besten berechnet sey, und daher schlage ich Ihnen die Errichtung einer Caße zum Besten armer Wittwen verstorbener Königl. Sächsl. Kammer-Musiker, fü r welche die allergnädigst ausgesetzt werdenden Pensionen nicht ausreichen, so wie für die Wittwen pensionierter Mitglieder der Königl. musikalischen Kapelle, und endlich zur Unterstützung gänzlich hilfsbedürftiger einzelner Mitglieder selbst, vor. Morlacchi hielt es für erforderlich, dass zur Gründung und Unterhaltung einer solchen kapelleigenen „Sozial kasse" alljährlich ein Konzert im Großen Opernhaus am Zwinger gegeben werde. Nach dessen Zerstörung durch den Brand im Jahre 1849 fanden die Konzerte ab 1850 in Sem pers 1841 eröffnetem Königlichen Hoftheater statt, was auch beim Publikum volle Ak zeptanz fand. (E 101, S 64) Es traf sich, dass König Friedrich August I. das seit 1730 in der Karwoche übliche Passionsoratorium 1825 letztmalig aufführen ließ und damit dieser na hezu einhundertjährigen Tradition ein Ende setzte. (E 2, 5, 9) So ergab sich fast von selbst, das neu ins Leben zu rufende Konzert in dem soeben gewonnenen Freiraum anzusetzen die Idee des Palmsonntagskonzerts war geboren. Wie aus dem Bericht über eine General versammlung am 23. Oktober 1828 hervorgeht, gab den eigentlichen Anstoß zu einer all gemeinen Konferenz über das Thema Pensionsfond ein Konzert zum Besten der Nothleidenden in Hainichen in der Neustädter Kirche, über das leider keine weiteren konkreten Nachweise zu finden waren. (E 47) Morlacchi legte der Kapelle nahe, vier Mitglieder aus ihren Reihen zu wählen, mit denen er den Plan - wie ein Institut in 'Wirksamkeit treten 'könne - im Detail besprechen wolle und die das Anliegen Generaldirektor von Lüttichau nahebringen soll ten, damit dieser schließlich die Einwilligung des Königs erreichen möge. Morlacchi sah den Nutzen dieser Unternehmung, in das er kollegialerweise Carl Maria von Weber nach dessen erwarteter Rückkehr aus London ausdrücklich einbeziehen wollte, nicht nur hin sichtlich des Intereßes [ ,..] fü r unseren Kunst-Verein, sondern [darüberhinaus] auch hinsichtlich des Ruhmes desselben. Übrigens hat Generaldirektor von Lüttichau am 12. Mai 1826, sehr korrekt, Weber schriftlich darüber informiert, dass der König dieses Jahr das gewöhnliche Ora torium zu Ostern nicht gewollt hat, und wie es scheint fü r immer, und er deshalb beantragt habe, solches künftig alljärlich am 1. Osterfest zur Stiftung einer Wittwenversorgungskasse fü r die Königl. Kapelle aufführen zu lassen. Lüttichau ging von Webers Einverständnis aus und sagte ihm zu, nach seiner Rückkehr den Plan mit ihm zu besprechen. (E 9) 523 Die Erwartungen an das Projekt sollten sich über die Jahrzehnte hin - finanziell und künstlerisch - vollinhaltlich erfüllen: 1876 konnte man im Hoftheater-Tagebuch lesen, daß den Musikfreunden Dresdens in dem langen Zeitraum von fünfzig Jahren alljährlich ein großes Concert geboten worden ist, welches zu den bedeutendsten Deutschlands gehört. (E 30) Am Rande: Interessant ist, dass die AZ 1820 davon berichtete, in Leipzig habe am Palmsonntag das übliche Armenkonzert stattgefunden; die Woche vor Ostern schien man also auch außerhalb Dresdens als geeignet für ein solches betrachtet zu haben. (G 4) Als Ergebnis eines sehr bald erfolgten Gesprächs zwischen Francesco Morlacchi und jenen vier gewählten Kapellmitgliedern wurden folgende Punkte als Grund lage für die Einrichtung eines Unterstützungsfonds festgehalten: die Genehmigung des Königs für das Projekt zu erbitten, die Verwahrung des Fonds in einer der Kö nigl. Caßen und jährlich ein Konzert im Großen Opernhaus zu beantragen, die Zu sage der Generaldirektion zu erlangen, das dabey benöthigte Theater-Personale [ ...] unentgeldlich zu verwilligen, eine jährliche Revision der von den Vorständen vorzu legenden Rechnungen vorzunehmen und sich in der Frage der sichersten und zins günstigsten Anlage des Kapitals beraten zu lassen. (E 4) Unmittelbar darauf muss eine Orchesterversammlung die Beschlüsse gefasst haben, die als Ausgangspunkt für ein festes, alsbald zu formulierendes und in eine verbindliche Form zu bringen des Regelwerk dienen konnten (E 6): Die Unterstützungskasse für die Witwen und W aisen der Kammermusiker wird gegründet und für diese alljährlich unter der Leitung der Kapellmeister in einem Konzert am Palmsonntag irgend ein klaßisches musikalisches M eisterwerk aufgeführt. (Der König sprach 1826 von einer geistlichen M usik - E 8; gemäß den Statuten von 1854 sollten stets klassische, oder nur musikali sche Werke von hoher künstlerischer Gediegenheit erklingen - E 20/Anfüge A, § 1). Die Einnahmen müssen unter Abzug der Kosten zinsgünstig angelegt werden. W eiter hin hielt man fest: Solange der Hauptfonds nicht 10.000 Taler umfasst, können we der dieser noch die Zinsen angegriffen werden. Alle Einnahmen gehen in den Haupt fonds ein, künftige Auszahlungen erfolgen nur aus den Zinsen. Die Kapelle wählt einen Vorstand, dem vier Kammermusiker angehören (E 6) und deren einzelne M itglieder spezielle Aufgaben zu erfüllen haben (siehe E 47); ihm steht das Recht der Anordnung zu. Bei den Beratungen über die Verteilung von Unterstützungsgeldem übernimmt der Generaldirektor den Vorsitz. Die Kapellversammlung stimmt je weils darüber ab, ob auch einem in Not geratenen Kollegen geholfen werden kann (was tatsächlich praktiziert wurde - E 63). Es werden nur Witwen unterstützt, de ren Ehegatten bei ihrem Tode aktive oder pensionierte Kapellmitglieder waren; üb rigens werden zunächst Witwen von lebenslang an der Hofoper engagierten Sän gern gleiche Rechte wie den Kammermusikern eingeräumt - eine interessante Re miniszenz an die alte Kapelle, die aus einem Instrumental- und einem Vokalchor bestanden hatte. (E 11/Pkt. 6) Jedes Kapellmitglied, das aus der Kapelle austritt, verliert ebenso wie seine Angehörigen alle Rechte an der Kasse. Sofern es zu einer Auflösung des Orchesters käme, würde der Fonds dieser Caße unter die sämmtlichen sich dann vorfindenden activen oder pensionierten M itglieder derselben, nach Verhältniß 524 ihrer Dienstjahre vertheilt werden. In der Woche nach Ostern erhält der Generaldi rektor von den Vorständen eine Uibersicht des Zustandes der Caßen-Verhältnisse und über die zur Verteilung anstehende Summe, die dann am Ende eines Jahres ausge zahlt wird. (E 6) Die ganze Angelegenheit wurde durchaus überlegt, konsequent und sehr zügig vorangetrieben, denn man ließ, wohl unmittelbar anschließend, ein Regulativ mit nachstehenden Festlegungen folgen: Die Vorstände stellen mit Zuzie hung der Herren Kapellmeister die Konzertprogramme zusammen (den Kammermu sikern stand also nach dieser Formulierung durchaus auch in inhaltlicher Bezie hung ein bestimmender Part zu). Sängerinnen und Sänger der Hofoper und der Kö nigl. Singe-Chor werden um ihre Mitwirkung gebeten. Freikarten zu den Konzerten gibt es nicht, auch nicht für Verwandte und Freunde der Mitwirkenden, in den Ge neralproben wird dagegen den Frauen und Kindern der Theilnehmer der freye Zutritt er laubt. Die Texte zu den W erken werden gedruckt und an das Publikum zum Besten der Anstalt verkauft. Die Kapellmeister verabreden sich, wer von ihnen welche Werke des Programms dirigieren wird, und sie legen die Besetzung der Solopartien fest. (E 7) Den Beschluss der Orchesterversammlung und das Regulativ fügte Generaldi rektor von Füttichau seinem umfangreichen Schreiben an König Friedrich August I. bei. Dies geschah für einen höfisch-bürokratischen Beam tenapparat erstaunlich schnell und dazu überaus wohlwollend bereits am 14. April 1826, nur vier Tage nach Morlacchis Brief an die Kapelle. (E 3) Von Füttichau trug dem Dienstherrn das Vorhaben vor und bat um Zustimmung sowie Bereitstellung des Großen Opern hauses. (E 5) Er sprach davon, dass die Kapelle beabsichtige, anstelle des wegfal lenden Oratorii am Charsonnabende [ . . .] wenigstens einmal im Jahre eine geistliche oder andere große [an anderer Stelle: mindestens ernste] M usik mit dem Gesammtverein der Kräfte des musikalischen Instituts aufzuführen, zu dem Zweck, sich selbst zu üben und diesen Genuß zu bereiten, als auch in solch einer Leistung vor dem Publico aufzutreten und einen Unterstützungs-Fonds fü r die Königl. musikalische Kapelle selbst zu begründen. Nachdem er die Details dargelegt hatte, wem wie geholfen werden sollte, kam er auf den W unsch nach einer sicheren Anlage der Konzerterlöse zu sprechen und be antragte, die jährlich zu dem Capital-Fonds eingehenden Gelder vielleicht in einer der Landes-Caßen Ew. Königl. M ajestät auf- und anzunehmen und mit den landesüblichen Intereßen allergnädigst zu verzinßen. Im Falle einer positiven Entscheidung werde die Kapelle einen ausführlichen Plan zur Organisation dieses Instituts ausarbeiten. Vier W ochen später, am 13. Mai 1826, stimmte der König der Gründung des Fonds zu, äußerte jedoch Bedenken, den verbleibenden Uberschuß der Einnahme zu Unse ren Caßen nehmen und daselbst verzinsen zu lassen. Er stellte dem Generaldirektor frei, dies der Kapelle mitzuteilen. (E 8) Also verständigte dieser am 22. Mai sämmtliche M itglieder der König. Sächßl. musikalischen Kapelle über die Entscheidung des Königs und kündigte an, es werde nunmehr der aus Ihrer M itte ernannte Committee über die ferner zu nehmenden M aasregeln und vollkommene Ausbildung des Plans zu einer solchen Anstalt, sich beschäftigen, und zu seiner Zeit Ihnen das 'Weitere mitgetheilt werden. (E 10) 525 Punctationen und Statuten Als Mitglieder des Vorstands, des genannten Committee[s], hatte die Kapelle die Geiger Carl Traugott Schmiedel und Franz Anton Morgenroth sowie die Cellisten Johannes Eisert und Friedrich August Kummer gewählt. (E 11) Sie fanden sich - Beginn eines intensiven Arbeitsprozesses während der kommenden Monate - am 17. Juli 1826 in der Wohnung Schmiedels zusammen und entwarfen eine Punctation, die vorläufig zwölf Schwerpunkte eines zukünftigen Regelwerks fixierte ( E i l ) und den Ausgangs punkt für nachfolgende Ausarbeitungen zu Inhalt und Durchführung des Projekts bil dete. Ein zweiter Entwurf der Punctation, unterschrieben von Franz Anton Morgen roth, wurde schon am 22. Oktober 1826 vorgelegt und umfasste 32 Punkte. (E 12) Eine offenbar verbindliche, ausführlicher formulierte Punctation mit 31 Punkten erschien am 11. November 1826, also rechtzeitig vor dem ersten Konzert für den Unterstüt zungsfonds am 29. Dezember 1826. Sie trägt über 100 Unterschriften von Kapellmeis tern und Kammermusikern aus dem Jahre 1826 und aus späterer Zeit. (E 13). Dieser jüngsten Punctation wurde im Oktober 1828 eine kurze Ergänzung angefügt. (E 14) Am 5. Dezember 1827 folgte eine sechs Paragraphen umfassende Instruction fü r die fremden Künstler und Künstlerinnen welche hierorts mit Unterstützung der Königl: Kapelle Concert geben wollen (E 16), weil deren Konzerte bemerkenswerterweise als zusätzliche Einnahmequelle an die Bestrebungen des Unterstützungsfonds für die Witwen und Waisen angebunden wurden. Am 18. Dezember 1827 schließlich genehmigte General direktor von Lüttichau die ersten, in insgesamt 14 Punkten verhältnismäßig knapp ge fassten Statuten des zur Begründung eines Wittwen Fonds von der Königl. musikalischen Ca pelle errichteten Instituts. (E 15). Ergänzungen hierzu gab es 1829 (E 17), mit einem zwölf Punkte umfassenden Reglement im November 1830 (E 56, E 79) und um die Jahres wende 1831/1832. (E 18) 1832 erschienen die Statuten im Druck. (E 81) 1835/36 wurden sie erneut aufgelegt. (E 86) Am 24. November 1853 nahm die Kapelle die revidierten Statuten an, die nunmehr 135 Paragraphen umfassten. (E 20) Diese bezogen sich auf die früheren Punctationen, Reglements und Statuten, arbeiteten die Erfahrungen der vergangenen 25 Jahre ein und ersetzten alle bis dahin gültigen Bestimmungen. (E 20, A/§1) Am 6. April 1854 bestätigte König Friedrich August II. den Komplex Grundbe stimmungen mit dem Bemerken, dass an diesen ohne seine Zustimmung keine Ände rungen vorgenommen werden dürften. (E 22) Am 10. April 1854 traten diese Statuten in Kraft (E 20, A/§1), im Juli 1854 wurden sie im Druck veröffentlicht. (Anm. E 20 - Anm. E 22) Ihre nächste Druckfassung erschien dann 28 Jahre später, im Juli 1882. (siehe Anm. E 22 und Statuten 1911) Es zeigt sich, dass das Projekt und seine inhaltli che, organisatorische und ökonomische Ausgestaltung, das zu allererst in der Verant wortung der Kapelle lag, weit über die Veranstaltung eines jährlich stattfindenden Konzerts und Verteilung von Hilfen aus einem Fonds hinausging: Kollegialität, Diszi plinarisches nach innen, soziales Engagement nach außen, Einbeziehung von Konzert veranstaltern, von Formalitäten bis zur Entrichtung von „Gebühren" etc. Nachstehend sei ein ausführlicher Überblick über dieses umfangreiche, sehr detailliert ausgearbeitete Regelwerk gegeben, um inhaltliche Anliegen und praktische Aus gestaltung des Unterstützungsfonds deutlich zu machen. Die Statuten von 1854 (E 20) sind in folgende Abschnitte untergliedert: 526 Grundbestimmungen A. Zweck und Ziel des Unterstützungsfonds, allgemeine Bestimmungen über denselben und dessen Erwerbsquellen - §§ 1-11 B. Direction und Administration des Instituts - §§ 12-15 C. Theilhaber des Instituts, deren Aufnahme, Pflichten und Rechte sowie Bestimmungen der Fälle, in welchen Wiederausschluß erfolgen kann - §§ 16-33 D. Bestimmungen über die zu gewährenden Unterstützungen, ingleichen Festsetzung der Fälle, wo Kürzungen oder gänzliches Erlöschen eintritt - §§ 34-46 E. Plenarversammlungen - §§ 47-57 F. Vorsteher des Unterstützungsfonds, deren 'Wirkungskreis, Pflichten und Befugnisse - §§ 58-75 G. Schlußbestimmungen - §§ 76-78 Anfüge A. Die großen Musikaufführungen fü r den Unterstützungsfonds - §§ 1-13 B. Die von fremden (außerhalb der Königl. Kapelle stehenden) Künstlern, Vereinen etc. unter Assistenz der Königl. Kapelle hierorts gegeben werdenden Konzerte - §§ 14-33 C. Konzertbestimmungen fü r die der Königl. Kapelle zugehörigen Mitglieder - §§ 34-43 D. Allgemeine Bestimmungen - §§ 44-57 In den einzelnen Abschnitten wurden - hier zusammengefasst wiedergegeben - fol gende Festlegungen getroffen (die Angaben in Klammern verweisen auf vorausgegan gene Punktationen und Statuten, die das erste Regulativ von 1826 weitergeführt und aktualisiert haben und in denen diese Punkte bereits so oder ähnlich angesprochen worden waren): A. Der Zweck des Fonds besteht in der Unterstützung von Witwen und Waisen verstor bener Kapellmitglieder, eventuell auch von Theilhabern. (E 20/§ 76) Die Mittel dazu kommen aus den Einnahmen der Palmsonntagskonzerte und Konzerten zugunsten von Stiftungen, aus den Gebühren, die Veranstalter von Konzerten zu zahlen haben, die die Kapelle zur Mitwirkung gewonnen haben, zum Beispiel für Musikalische Aka demien (E 12/2, 13/1, 13/2), des weiteren aus Strafgeldern, die gegen Kammermusiker verhängt werden (siehe auch U § 24), aus Schenkungen und dergleichen. Der Haupt fonds, der im Königlichen Hauptzahlamt aufbewahrt wird, ist unantastbar. Auszah lungen erfolgen nur aus den Zinserträgen. (E 11/3, 12/3, 12/9, 12/10, 13/3, 13/9, 13/10, 13/11, 13/12) Die Höhe der Auszahlungsbeträge richtet sich nach der Höhe der Zinsen und der Anzahl der Empfänger (E 11/8, 12/13, 13/12, 13/13). Auf folgende frühere Re gelungen nehmen die Statuten von 1854 keinen Bezug: Die Kammermusiker zahlen einen Jahresbeitrag in den Fonds (E 17), und vor dem Pensionsalter ausscheidende Kammermusiker können gegen Entrichtung eines Pauschalbetrages Mitglieder der Pensionskasse bleiben. (E 18) Auch von der 1830 beschlossenen Grabeskasse, aus der im Todesfall Hinterbliebene eine erste Unterstützung erhalten sollten (E 78, 87, 89), ist keine Rede mehr. 527 B. Die Leitung des Unterstützungsfonds obliegt der Generalversammlung, die mit min destens Zweidrittel-Mehrheit beschließt (E 81), und den vier von ihr gewählten Vor stehern. Oberste Autorität kommt dem Generaldirektor zu. Die Programmgestaltung erfolgt in Absprache zwischen den Kapell- und Konzertmeistern und wird gemeinsam mit den Vorständen verabschiedet, (siehe auch Anfüge A) Schriftliche Arbeiten über nimmt der Theatersekretär. Die Kassengeschäfte führt der königliche Hoftheater-Cassirer; beiden stehen gleiche Anteilsrechte am Fonds zu wie den Kammermusikern. (E 12/28, E 13/28) C. Theilhaber sind auf Lebenszeit angestellte Kapellmeister, Konzertmeister und Kam mermusiker, die auf die Statuten verpflichtet werden; außerdem, wie unter B. erwähnt, der Theatersekretär und der Kassierer. In den Statuten von 1854 fehlt der Passus, dass lebenslang angestellte Sängerinnen und Sänger des Hoftheaters die gleichen Rechte wie Kammermusiker genießen (E 11/6, 12/21, 13/21); ausgeschlossen worden waren früher schon Hoforganisten, Kirchensänger, Zeremoniensänger und Ripienisten. (E 94, E 95) Außerordentliche Teilhaber können aufgenommen werden, sofern dadurch Vorteile für den Fonds zu erwarten sind. Witwen von Aspiranten, sofern diese zehn Jahre für den Fonds gewirkt haben, erhalten die Hälfte der Summe, die Hinterbliebene von Kammermusikern bekommen. Die Kammermusiker sind zur Teilnahme an den Generalversammlungen, zur Mitwir kung in allen Konzerten zugunsten des Fonds (E 13/8), zur Unterstützung des Vor stands (das betrifft auch Pensionäre) und zur Anzeige von Eheschließungen ver pflichtet. Alle sind gleichberechtigt. D. Die Generalversammlung beschließt über die Höhe der Zahlungen. Es werden die Formalien (E 12/15, E 13/15) und der Zeitpunkt für die Auszahlungen festgelegt (E 11/1, 11/2, 11/5, 12/17, 12/18, 12/22, 13/18, 13/22, 78, 83) sowie Aspekte für den Ver lust der Ansprüche wie Wiederheirat der Witwen, Erreichen des Mindestalters der Waisen, Fälle von Bestrafungen und selbstverschuldetem Elend. Zudem geht es um Ehescheidung, Heirat mit großem Altersunterschied und auf dem Sterbebett. (E 11/10, 12/12, 12/14, 12/20, 12/25, 12/26, 13/19, 13/25, 13/26 und 18 - E 12/23, 13/23, 65, 81, 82, 88; Unterstützung für Kammermusiker in Notfällen (E 11/9, 12/24, 13/24) und Unter stützung von Waisen (E 12/19, E 13/20). E. Die Plenarversammlungen werden von den Vorständen einberufen, vom Generaldi rektor - vertretungsweise von einem Kapell- oder einem Konzertmeister - geleitet und protokolliert. Die Teilnahme ist Pflicht, die Abstimmungsmodalitäten werden geregelt. Der Generaldirektor bestimmt, welche Beschlüsse der Zustimmung des Königs bedür fen. F. Die vier Vorsteher bilden zusammen mit den Kapellmeistern, deren Stellvertretern und den Konzertmeistern die Concert Direction (E 15/A), die für die künstlerischen Be lange verantwortlich zeichnet. Außerdem liegt in ihren Händen die Administration 528 (E 15/B), das heißt die Organisation. Sie werden nach strikten Regeln von der General versammlung für vier Jahre gewählt werden, registrieren alle Personalangelegenhei ten, kontrollieren die Einnahmen (E 12/27) - es werden zwei Kassenprüfer gewählt und veranlassen die Auszahlungen. Alle Teilhaber dürfen jederzeit die Kassenbücher einsehen. Die Vorsteher sind verantwortlich für das Notenmaterial, das für die Kon zerte benötigt wird, können die Mitglieder zur Mitarbeit heranziehen und führen über alle Vorgänge Buch. (E 12/17, 13/26, 13/27) Ihnen obliegen die Verhandlungen mit den Veranstaltern von Konzerten, die eine Beteiligung der Kapelle anstreben, und sie klä ren diese über die Richtlinien des Instituts auf. Sie müssen dies je nach Herkunft des Künstlers gemäß früherer Bestimmung (E 15/B 9) in deutscher, italienischer und fran zösischer Sprache tun können. Die Vorsteher sind weisungsberechtigt, aber solidarisch dem Ganzen gegenüber. Bei Bedarf können sie sich von den musikalischen Leitern, von Rechts- und Kassenexperten beraten lassen. G. Bei ausreichendem Zinsbestand kann Mitgliedern, die in Not geraten sind, geholfen werden. Bei Auflösung der Kapelle wird der Fonds an alle Mitglieder und Pensionäre verteilt. (E 12/19, E 13/29) Anfüge A. Aufgeführt werden sollen klassische oder andere Werke von hoher künstlerischer Qualität. (E 12/1) Kapell- und Konzertmeister verabschieden gemeinsam mit den Vor stehern das Palmsonntags-Programm drei Monate vor Ostern und legen es dem Gene raldirektor zur Genehmigung vor. (E 11/10, 12/31, 15) Sie bestimmen die Solisten, die Orchesteraufstellung und weitere künstlerische Erfordernisse. Die Kapellmeister ver ständigen sich untereinander darüber, welche Werke sie im Konzert dirigieren wer den. (E 13/1) Die Vorsteher übernehmen die organisatorischen Aufgaben, sind zustän dig für Einladungen und öffentliche Ankündigungen sowie für das Notenmaterial. Sie führen über die Mitwirkung der Kammermusiker in Proben und Konzerten eine Dienstliste. (E 13/8). Die Generalversammlung ahndet Verfehlungen. Für Eintritts preise und Freikarten werden Regelungen getroffen. B. Kammermusiker wirken in Konzerten fremder Künstler mit, sofern die Genehmigung des Generaldirektors vorliegt und der Dienst es erlaubt. Sie spielen ohne Honorar (E 12/5), da die fremden Künstler Beiträge in den Fonds zu zahlen haben. (E 11/7, 12/4, 13/4) Die Kapelle steht nur fremden Künstlern mit außergewöhnlicher Qualität zur Verfügung. (E 12/4, E 90; siehe eine Ablehnung O 245) Der Konzertgeber muss die Vorsteher über seine Absichten informieren sowie den Dirigenten, eventuelle Kapellsolisten wie auch die zu beteiligenden Kammermusiker persönlich einladen. (E 12/5, E 13/5) Für Musikalische Akademien wird ein Orchester mit bis zu 34 Kammermusi kern bereitgestellt. (E16/§ 5: 29 Kammermusiker; R 35 zeigt eine namentliche Beset zungsliste von 1829) Die Kapelle kann nur für Ouvertüren und die Begleitung von Sängern und Instrumentalsolisten in Anspruch genommen werden, jedoch nicht für Sinfonien. Beabsichtigt der Konzertveranstalter, eigene Werke aufzuführen, benötigt er 529 das Einverständnis der Orchestermitglieder und hat wegen des zu erwartenden Mehr aufwands an Proben mit erhöhten Gebühren für den Fonds zu rechnen. Kommt der Konzertgeber zu Einnahmen aus öffentlichen und Wohltätigkeitskonzerten, muss er Abgaben an den Fonds entrichten, bei Armenkonzerten nicht. Kammermusiker dürfen in Sänger- und Musikerformationen außerhalb der Kapelle nur als Solisten, nicht als (Tutti-)Aushilfen mitwirken. Zwei Wochen vor Palmsonntag ist ihnen jegliche Mitwir kung in Konzerten außerhalb der Kapelle untersagt. (E 20/Anfüge B, § 33, E 81, G 35, B 20, B 32) (Als 1852 auf Grund dieses Paragraphen eine Extra-Quartett-Akademie Lipinskis mit dem Beethoven'schen Septett im Programm nicht stattfinden konnte, schrieb das DrJ: Es 'bedarf aber wohl 'keiner Frage, daß dieser Brauch den einzigen praktischen Zweck hat, seitens des Kapellinstituts in dieser Zeit eine musikalische Aufführung zu vermeiden, welche ihrem Wesen nach in eine Konkurrenz mit dem Palmsonntagsconcert treten und au f den Besuch desselben einen schwächenden Einfluß ausüben könnte. Dies auch einer Quartett-Akademie aufzu erlegen, wird indeß keinem vernünftigen Urtheil einfallen, und jenes Statut hierauf auszudeh nen, 'hieße offenbar, ihm einen Zopf andrehen. - G 35) C. Pro Winterhalbjahr können vier bis fünf von Kapellmitgliedem veranstaltete Konzerte stattfinden. (E 56) Der Generaldirektor muss sie gemeinsam mit Kapellmeistern, Kon zertmeistern und Vorstehern prüfen, besonders nach Maasgabe der Qualität, und ge nehmigen. (E 56) Der Eingang der Anmeldungen, für den präzise Fristen festgelegt sind (E 56), bestimmt die Reihenfolge. Ein Kammermusiker darf alle zwei Jahre eine Musikalische Akademie geben. Falls er das aber in aufeinander folgenden Jahren zu tun beabsichtigt, hat er erhöhte Gebühren in den Fonds einzuzahlen; auch für Akade mien von Mitgliedern der Quartett-Vereinigungen werden Richtlinien erlassen. (E 56) Die Beiträge in den Fonds sind genau aufgeschlüsselt. (E 12/6/7, E 13/6/7) Angehörige von Kammermusikern können, angemessene Leistungen vorausgesetzt, zu gleichen Bedingungen wie Kapellmitglieder spielen. D. Sängerinnen und Sängern der Hofoper wird, wenn sie von der Kapelle in Musikali schen Akademien und Abschiedskonzerten (E 81) unterstützt werden, der Beitrag für den Fonds erlassen, sofern sie bereits dreimal in Palmsonntagskonzerten mitgewirkt haben. (E 81) Die am Unterstützungsfonds teilhabenden Kammermusiker und die Di rigenten sind zur Mitwirkung verpflichtet; Verweigerung kann mit Ausschluss aus dem Fonds bestraft werden. Die Ehre und Würde des Instituts sind zu wahren, Verlet zungen seines Ansehens sind anzeigepflichtig. Der Konzertmeister teilt die Kollegen zum Dienst ein. Wer von diesen begründet ein Konzert nicht spielen möchte, wirkt stattdessen in der Schauspielmusik mit und zeigt damit seine Arbeitsbereitschaft. Notwendige Veränderungen der Anordnungen unter Anfüge A -D können mit Be schluss der Vollversammlung und Bestätigung durch den Generaldirektor vorge nommen werden. 530 Die Autoren dieser Fassung der Statuten hatten Wert darauf gelegt, dass der disciplinarische Theil der Gesetze nicht nur etwas sorgfältiger als vordem ins Auge zu fassen sei, son dern dass, da es zwar vereinzelt stehende, aber immerhin unerfreuliche Erscheinungen [...] gegeben habe, auch den moralischen Interessen des Instituts durch entsprechende, nöthigenfalls ins außerdienstliche Leben hinübergreifende Bestimmungen thunlichst nachgegangen werde. So vertraten sie die Ansicht, dass fü r die Zukunft unter den Mitgliedern ein Ausschuß zu erwählen sei, in dessen Befugnis es liege, weiterhin alles Das anzuordnen und näher festzusetzen, was zur Wahrung und Hebung der sittlichen Interessen der Gesammtheit dienen 'könne. (E 21) Was die Verzinsung des Stammkapitals betrifft, entschied man sich 1826 dafür, es in König. Sächßl. 4. Procent gebendefo) Staatspapiere(n) anzulegen. (E 13/Pkt. 13). 1833 ge nehmigte der Generaldirektor, 7.000 Taler in Preußische Staatsschuldscheine zu 4 % Zinsen umzuwandeln. (E 71) 1839 richtete man einen Reservefonds ein für den Fall, dass die notwendigen Auszahlungen den Zinsertrag übersteigen würden. (E 89, E 93) Im Laufe der Jahre wechselte die Summe, welche die Witwen am Ende eines Jahres ausgezahlt bekamen: 1830 wurde sie auf 50 Taler festgesetzt (E 78), 1840 auf 75 Taler erhöht (E 90), 1854 wieder reduziert auf 60 Taler (E 20/§ 35). Fremde Künstler hatten für den Fall, dass sie mit der Königlichen musikalischen Ka pelle musizieren wollten, seit 1826 einen Beitrag von 25 Talern in den Fonds einzu zahlen (E 13); dieser wurde erweitert um ein Billett, das sie pro Mitwirkendem zur Verfügung stellen mussten (E 16 § 3), und stieg bis 1854 auf eine Summe von 30 bis 50 Taler, abhängig vom Eintrittspreis. (E 20/Anfüge B, § 25) Wollten Komponisten eigene Werke aufführen, betrug die finanzielle Verpflichtung in jedem Falle 50 Taler. (E 20/Anfüge B, § 27) Kammermusiker zahlten als Veranstalter einer Musikalischen Akademie mit der Kapelle 15 Taler, Kammerensembles 5 Taler, mit Gesang im Pro gramm 7 Taler und 12 Groschen. Beiträge konnten auf Antrag auch erlassen werden (E 82, E 90), Anträge auf Erlass aber ebenso abgelehnt werden. (O 242, O 244) Die ersten Konzerte Die sehr gute Dokumentation der ersten Konzerte gibt einen Begriff von dem Auf wand, der von den Verantwortlichen für die Durchführung betrieben werden musste. Im Dezember 1826 entfaltete Kammermusiker und Vorsteher Franz Anton Morgenroth geschäftige Aktivitäten zur organisatorischen Vorbereitung des ersten, für den 27. (E 23), dann schließlich 29. (E 26) Dezember angesetzten Konzerts zugunsten des neu gegründeten Fonds. Am 1. Dezember verschickte er für die Aufführung von Haydns Schöpfung (Aufführung in italienischer Sprache) schriftliche Einladungen an die ge dachten Mitwirkenden (E 23), darunter - neben einigen Chören aus der Stadt -auch an die Damen und Herren des Königlich italienischen und deutschen Hofopern Personals. Als bald erhielt er von der Dreyssigschen Singakademie eine wohlbegründete, negative Antwort. (E 24), bei der es auch blieb, als er dieser am 10. Dezember mit Kompromiss angeboten entgegenzukommen und sie mit dem Hinweis auf die voraussichtliche Anwesenheit der Allerhöchsten und hohen Persönlichkeiten zu locken versuchte. (E 26) Morgenroth richtete am 7. Dezember an Generaldirektion und Kapelle die Bitte, die 531 Kosten so gering wie möglich zu halten. (E 25) Am 18. Dezember gab er einen An schlagszettel (E 27) in die Öffentlichkeit mit allen Angaben (E 28) zu Konzertlokal, An fangszeit, Mitwirkenden, Eintrittspreisen, dem offiziellen Zugang für das Publikum ins Große Opernhaus und dessen festlicher Beleuchtung. Eine kuriose Kontroverse in der Presse löste sein Hinweis auf die Absage der vorgesehenen Solisten Matilde Palazzesi und Antonio B(u)onfigli aus (E 28, G 6-8). Von vornherein aber und auf Jahr zehnte hinaus konnte die Kapelle auf Teilnahme und Unterstützung durch Mitglieder von Chören und Musikkorps („Musikchören") städtischer Kantoren bzw. Musikdi rektoren, und schließlich auch der Dreyssigschen Singakademie zählen. Am 26. De zember versicherte sich Morgenroth der Hoforganisten und einiger Kammermusiker, die an der Aufführung praktisch nicht beteiligt waren, zur Erledigung anfallender Aufgaben bei der Generalprobe, auch, um - im übergeordneten Sinne - das Interesse des gesummten Kapellvereins gütigst wahrzunehmen. (E 29) Natürlich ging es in der Vorbereitung auch darum, die Anteilnahme des Hofes nicht nur wach zu halten, sondern ihn für die Übernahme unvermeidlicher Unkosten zu gewinnen. Dieser Part fiel von Amts wegen Generaldirektor von Lüttichau zu, der sich bereitwillig in den Dienst der Sache stellte und sich mit Schreiben vom 15. De zember 1826 an den König wandte. (E 31) Zunächst bat er um Erlaubnis, das erste Konzert für den Witwen- und Waisenfonds schon für den 29. Dezember 1826 ansetzen zu dürfen, da der Palmsonntag des laufenden Jahres ja längst verstrichen war. Dann wünschte er sich Zustimmung dafür, dass das Untere-Theater-Personale das Konzert im Rahmen des Dienstes zur Verfügung stehen könne und die Kosten für die Hofnotisten zur Herstellung des Aufführungsmaterials sowie für alle technischen Erfordernisse unter die außerordentlichen Ausgaben fü r die Königl. musikalische Kapelle [ ...] aufgenommen und zu seiner Zeit mit 'berechnet werden dürfen - also dass sie der König übernimmt. Seine detaillierte Auflistung enthält u.a. die Beleuchtung des Zwingers, der Allee und des Stadt. Polizey-Collegio sowie des Zuschauerraums und des Orchesters, die Heizung, die Reinigung und Einrichtung des Saales, der Orchesteraufbau, die Bezahlung der Lo genschließer und Billett-Abnehmer und der Feuer-Wächter. In seinem Bescheid vom 24. Dezember 1826 (E 32) - da hängten also die Anschlagszettel bereits seit einer Woche allenthalben aus - genehmigte der König den Konzerttermin und bewilligte die Zah lung der vom Generaldirektor veranschlagten ohngefehr 100 Thaler für die anfallenden Unkosten. Er wird sich dann in den nächsten Jahren - trotz allmählich ansteigender Beträge - weiter genau so großzügig beteiligen. (E 37, 41, 42, 44, 45) Für das erste Konzert an einem Palmsonntag am 8. April 1827 begann Vorsteher Franz Anton Morgenroth am 4. Februar mit den Vorbereitungen, indem er sich um die Beschaffung des Notenmaterials für die geplante Aufführung von Friedrich Schneiders Oratorium Das Weltgericht bemühte (E 33, 37, 41, 42), wiederum das deutsche Opempersonal und Chöre zur Mitwirkung einlud (E 34, E 35), wobei die Dreyssigsche Sing akademie erneut absagte (E 36), und das Vorhaben im DrA bekannt machte. (E 39) Wieder ergab sich ein Problem im Solistenensemble: Die Sopranistin Sophia Seconda sagte ihre Teilnahme ab, weil ihr die Generaldirektion kürzlich ihren Opernvertrag gekündigt hatte. (E 38) Die Akten halten die Vergabe von immerhin 33 Freikarten fest, darunter - sehr ehrenwert - auch eine für Frau Capellmeister Weber. (E 40) Was die Ein 532 ladungen bzw. Veröffentlichungen betrifft, wurde für die Palmsonntagskonzerte der nachfolgenden Jahre in ähnlicher Weise wie 1827 verfahren. (E 43, E 49) Für das Jahr 1830 ist die Kontaktaufnahme Morgenroths mit der Witwe des einstigen Hofkapell meisters Johann Gottlieb Naumann erwähnenswert: Von ihr erbat er das Material zu dessen Meisterstück, dem Vater unser, das die Kapelle mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln, groß und würdig aufzuführen gedachte. (E 49) Im März 1831 baten die Vorsteher die Kapellmeister, Musikdirektoren und Kon zertmeister um ihre Meinung, wie hinsichtlich der bevorstehenden Generalprobe und wohl auch in weiteren Jahren - verfahren werden soll: mit oder ohne Publikum; falls mit, zu welchen Preisen. Wer bekommt Freikarten, wie sollte mit Kapellmitgliedem und deren Angehörigen verfahren werden, wann und wo würde die Ausgabe der Karten erfolgen, in welchen Teilen des Saales könnte man Publikum platzieren? Mor lacchi und Reißiger plädierten für den Ausschluss des Publikums mit Ausnahme von Angehörigen der Kapellmitglieder und, worüber extra zu entscheiden gewesen wäre, Fremden und Musikliebhabem. Die Rastrellis wollten, ein wichtiger sozialer Aspekt, die Generalprobe für die Armen öffnen, ebenso Morgenroth und Konzertmeister Rolla, die zudem Leute aus der Provinz nicht ausschließen mochten (E 58) - eine Fülle von Fragen, mit denen sich die Kammermusiker ehrenamtlich auseinander setzen, Rege lungen finden und schließlich durchsetzen mussten. Der Generaldirektor vertagte die Entscheidung. (E 59) Die der Kapelle gehörenden Notenmateriale lagerten, wie 1827 festgelegt, in einem Schrank, der im Saal des Zwingergebäudes stand und für den die Vorsteher den Schlüs sel hatten; in diesem Saal fanden auch die Proben statt. (E 15/B, Pkt. 14) 1847 regte das DrTgbl die Einrichtung einer kapelleigenen Musikbibliothek an, damit ein Kunstinstitut dieser Art [ ...] nicht überall Noten zusammenborgen braucht, und sogar die Partitur einer Mozart-Sinfonie zur Aufführung aus dem Privatbesitz herbeiholt. Auch habe die Leipziger Koncertdirektion veranlasst, [ ...] in Zukunft keine Stimmen mehr zu verborgen, nachdem sie das für Wagners Palmsonntags-„Neunte" 1846 zur Verfügung gestellte Material in ei nem mit Rotstift durchwirkten Zustand zurück erhalten hatte. (G 32) Wie aus dem Jahr 1854 zu erfahren ist, lagerte das Notenmaterial des Unterstützungsfonds zu dieser Zeit in einem Schrank in der Hofkirche, zu dem wiederum nur die Vorsteher Zugang hat ten. (E 20/§ 69) Übrigens hat auch Wagner in anderem Zusammenhang angeregt, eine Bibliothek für Konzertmaterial anzulegen. (A 6) Aus Protokollen von Generalversammlungen und aus Aktenbeständen Im Zusammenhang mit dem Witwen- und Waisenfonds ging 1828 ein Schreiben nicht näher bezeichnet, aber offenbar verfasst von den Vorstehern - an den König mit dem Anliegen, wie mit Entlassungen von Kammermusikern infolge Krankheit und Alter (bei eintretender Unbrauchbarkeit) verfahren werden solle. Es wird dafür plädiert, Pensionierungen bei Weiterzahlung des vollen Gehalts vorzunehmen, wofür sich be reits Carl Maria von Weber eingesetzt habe. Da die Witwen-Pension nur 50 Taler betrage, die die Existenz nicht absicherten, greife zwar der Fonds ein, die Regelung für bereits pensionierte Kammermusiker jedoch möge, so lautete der Antrag, auch auf de 533 ren Witwen ausgedehnt werden. (E 46) Durch Beschluss der Generalversammlung wurde 1840 die Witwen-Pension von bisher 50 auf 75 Taler erhöht. (E 90, E 101) Ebenso sollten die Witwen, wie im Oktober 1841 beraten, von der Generaldirektion Freikarten für Theateraufführungen bekommen können. (E 91) In den Generalversammlungen standen neben Finanz- und Organisations- immer wieder auch Vorstandsfragen im Vordergrund. So zum Beispiel legte man nach der Wahl 1828 besondere Verantwortlichkeiten für jeden Vorsteher fest: für Belange des Saales, die Verpflichtung erforderlichen Personals von außerhalb der Kapelle, die Verteilung der Eintrittskarten sowie die Korrespondenz und das Notenmaterial. (E 47) Dass sich Kapellmeister Francesco Morlacchi als Begründer der Palmsonntagskon zerte auch weiterhin für deren Angelegenheiten interessierte und bis ins Detail enga gierte, offenbart nicht nur seine schriftliche Mahnung vom Oktober 1829 zur wahren Eintracht und gegenseitigen Anerkennung sowie Vermeidung aller Handlungen und Äuße rungen, die dem Institut schaden könnten (E 77), sondern auch ein Brief, den er im Ap ril 1830 der Generalversammlung zur Kenntnisnahme und Beratung übergab. (E 52) Darin sprach er ganz praktische Dinge an, die seiner Überzeugung nach einer Rege lung bedurften: zum Beispiel die dringend erforderliche Unterstützung der Vorsteher durch Kapellkollegen hinsichtlich des Notenmaterials, des Verkaufs und der Kontrolle der Eintrittskarten und des Einlasses in den Saal sowie der Korrespondenz; außerdem sprach er Fragen des Vorverkaufs an, der Neugestaltung der Eintrittskarten, der Kon trolle der Einnahmen und der Freikartenvergabe, des Besuchs der Generalproben durch Angehörige und Fremde, die Anzahl der Logenschließer und die Beobachtung der Eingangstüren nach Konzertbeginn zur Verhinderung von missbräuchlichem Zu tritt. Morlacchi nahm damit für sich das Recht und die Pflicht in Anspruch, Alles das, was ich meinerseits fü r das Emporkommen und Gedeihen unseres Wittwenfonds vortheilhaft und nüzlich erachte, mitzutheilen und vorzuschlagen. Mehrfach wurde in Versammlungen auf diesen bemerkenswerten Brief Bezug genommen, der den geschätzten Kapell meister so gar nicht „abgehoben" von den Dingen des Alltags, sondern durchaus sehr vertraut mit diesen zeigt. (E 53-55, 57) In einer ausführlichen schriftlichen Mitteilung, vermutlich vom Herbst 1833, legte Morlacchi den Kapellmitgliedem seine betont kon servativen Grundsätze für die Programmgestaltung der Palmsonntagskonzerte dar, in denen er den Schwerpunkt auf längst als classisch anerkannte Werke legte, also Compositionen verstorbener Meister, deren Ruhm sie überlebt hat. Dabei ging es ihm vor allem darum, den R uf unserer Concerte auf den höchsten Grad zu bringen, den Unterstützungs fonds zu vermehren und die Ehre der Kunst mit dem Interesse des Instituts zu vereinigen. (F 4a) Seine Ansichten lösten Diskussionen aus (F 4d), fanden aber in einer Kapellversammlung im März 1834 die Zustimmung der Kammermusiker. (F 4b) 1840 hat sich Morlacchi noch einmal über die Aufgaben des Vorstands zu Wort gemeldet. (E 90) Es ging in den Versammlungen über die erwähnten Punkte hinaus um die Senkung der Beleuchtungskosten, die Reduzierung des Schließerpersonals (E 60), um die Ge währung eines Vorschusses aus den Konzerteinnahmen für einen Kammermusiker (E 63), um Konditionen für die Mitwirkung der Kapelle in Konzerten von Opernsolis ten in Relation zu deren Beteiligung in Palmsonntagskonzerten (E 64), um die Vergü tung des Theaterchors für seine Palmsonntags-Mitwirkung (E 97), um Erziehungsbei 534 hilfen für Kinder nach dem Tod des Vaters (E 98), um die Beitragspflichten der Kinder von Kammermusikern, die Konzerte mit der Kapelle geben. Ein Beschluss sagt aus, dass ein Hoftrompeter dem Unterstützungsfonds keinesfalls beitreten könne, da er nicht wirklich zur Kapelle gehöre. (E 70, E 83) Vermerkt ist der Antrag auf einen jährli chen Mitgliedsbeitrag der Kammermusiker für den Fonds (E 77) und ein Beschluss über eine Grabkasse, der auch die Kapellmeister angehören sollten und Aspiranten bei treten konnten, aus der Hinterbliebene von Mitgliedern eine Beihilfe für die Bestattun gen erhalten sollten. (E 78, 87, 89) Auch wurden Pensions-Regelungen für Witwen von Aspiranten getroffen. (E 89, 93) 1844/1845 beriet man über den Ausschluss der Hoforganisten, Kirchensänger, Ripienisten, Assistenten und Zeremoniensänger aus der Mitgliedschaft. (E 94, E 95) Die vorstehenden Abschnitte sollen einen bewusst begrenzten, aber beispielhaften Einblick dahingehend ermöglichen, wie die Kammermusiker ihre Anliegen diskutier ten und regelten. Öffentliche Generalproben Die Generalproben zu den Palmsonntagskonzerten, die im Allgemeinen am vorange henden Sonnabend, 18.00 Uhr, stattfanden, waren von Anfang an Zuhörern zugäng lich; zumindest scheint zunächst den Frauen und Kindern der Theilnehmer der freye Ein tritt erlaubt gewesen zu sein. (E 7/Pkt. 6) Schon im Dezember 1826 machten die Vorste her von ihrem Recht Gebrauch, sich Helfer - am Programm nicht beteiligte Kammer musiker, Hoforganisten - für einen geordneten Ablauf zu organisieren. (E 29) Auf den Anschlagzetteln finden sich allerdings keine Hinweise auf öffentliche Generalproben. Das Thema tauchte am 30.4.1830 wieder auf, als in einer Finanzabrechnung die Ein nahmen aus der Generalprobe extra ausgewiesen worden sind. (E 50) 1845 wusste die DrZ, dass in der Generalprobe gegen 300 Thaler eingekommen waren. (S 6) Für Palm sonntag 1846 ist in der NZfM eine Gesamtsumme aus Generalprobe und Konzert ver meldet. (E 69) Diese zusätzlichen Einnahmen spielten im Hinblick auf die finanzielle Ausstattung des Fonds auf Dauer doch eine beachtenswerte Rolle. Unter dem bereits erwähnten Datum 30.4.1830 hat sich das Protokoll einer Kapellversammlung (E 52) erhalten, aus dem hervorgeht, dass es in der Frage der General proben durchaus sehr unterschiedliche Meinungen gab: Morlacchi wandte sich zum Beispiel gegen den Verkauf verbilligter Eintrittskarten, da dies den Einnahmen der Konzerte selbst schade. Wer preiswert in die Probe komme, heißt es in einem Regle ment von 1830, bezahle danach nicht viel mehr Geld für die eigentliche Aufführung. (E 56/Pkt. 9) Angehörige von Mitwirkenden (Erwachsene für vier, Kinder für zwei Groschen) sollten demnach ebenso Einlass erhalten wie einige bekannte und ausgezeich nete Dilettanten (für acht Groschen), sofern diese bereits Karten für das Konzert hätten. (E 56/Pkt. 10) Im März 1831 stellte sich das Problem erneut (E 58, E 59): Der Vorstand fragte bei Kapellmeistern, Musikdirektoren und Konzertmeistern an, wie denn diesmal verfahren werden solle, und man diskutierte über Preisregelungen, Platzverteilungen und Vorverkaufsmodalitäten. Morlacchi wollte niemand außer Mitgliedern der Ka pelle und des italienischen und deutschen Opernpersonals sowie deren Angehörige 535 (bei freiem Eintritt) zulassen; Reißiger konnte sich - ebenso wie Konzertmeister Rolla und Vorstand Morgenroth - Ausnahmen bei ausgewählten Fremden und Musiklieb habern vorstellen. Musikdirektor Rastrelli wünschte freien Zugang für Arme, aber auch für zahlende Vermögende. Die NZfM berichtete 1840 darüber, dass der kleinere Saal im Großen Opernhaus dem Publikum in den öffentlichen Generalproben zur Ver fügung gestellt worden sei. (C 12) In den 1854 veröffentlichten Statuten wurde das Problem wohl endgültig geklärt: Das Publikum zahlt zur Generalprobe ermäßigte Preise (zweimaliges Hören fördere das Verständnis), Freikartenregelungen treffen die Vorstände. (E 20/Anfüge A, §§ 11 und 12) Annoncen brachten zunächst nur sporadisch Ankündigungen, zum Beispiel für 1845, ab 1852 dann alljährlich. Während 1841 be richtet wurde, dass die Generalprobe stark besucht war (S 52), liest man über ein Ärger nis um die Generalprobe zur Matthäuspassion 1833, weil Kennern und Musikfreunden, die zum Teil von auswärts angereist kamen, ganz gegen die Gewohnheit und ohne vorherige Ankündigung der Zutritt verwehrt wurde, obwohl Viele durch individuelle Begünstigung Eingang fanden und Hunderten von weniger Angesehenen der Besuch gestattet wurde. (S 89) Aschermittwochkonzerte zugunsten des Kapell-Pensionsfonds Von 1835 bis 1849 gab die Königliche musikalische Kapelle mit wenigen Ausnahmen alljährlich am Aschermittwoch ein Konzert zum Besten der Armen, zunächst im Königli chen Hoftheater/Moretti-Theater, ab 1844 in Gottfried Sempers erstem Hoftheater-Bau. Nach dem Brand, der am 6. Mai 1849 das große Opernhaus am Zwinger vernichtete, mussten die Palmsonntagskonzerte mangels eines anderen geeigneten Saales von 1850 an in das neue Hoftheater umziehen. Einen diese Idee befürwortenden Antrag der Vorsteher reichte Generaldirektor von Lüttichau am 9. Februar 1850 bei König Fried rich August II. ein mit dem Bemerken, das Hoftheater sei die beste und in jeder Hinsicht geeignetste Lokalität fü r Haltung des Palmsonntags-Concerts um so mehr, als auch bis jetzt an diesem Tage keine Vorstellung darinn stattgefunden hat, und [immer auf die Finanzen be dacht!] der Theater-Casse also durch dessen Benutzung dazu keine Einnahme entzogen wird. (E 101) Natürlich hatte man längst erkannt, dass wegen der geringeren Platzkapazität dieses Hauses die Erlöse für den Unterstützungsfonds zukünftig weitaus niedriger als bisher ausfallen würden, was sich in der Praxis bestätigte (G 39), und über einen Aus weg nachgedacht. Man sah ihn darin, den König ab sofort (also überaus kurzfristig) um die Erlaubnis für ein zweites Konzert im Hoftheater zugunsten des Fonds zu bitten und dazu den Aschermittwoch nutzen zu dürfen, der ja bisher schon mit einem Kon zert für soziale Zwecke in Anspruch genommen worden war. Der Generaldirektor konnte auch dieses Ersuchen insofern unterstützen, als eben am Aschermittwoch grundsätzlich nicht Theater gespielt und somit der Theaterkasse keine finanziellen Einbußen entstehen würden. Verbunden wurde die Eingabe mit dem Kompromissvor schlag, das Konzert für die Armen fortan vom Aschermittwoch auf den Sommer und aus dem Hoftheater ins Palais des Großen Gartens zu verlegen. (E 101) Der König er teilte am 14. Februar 1850 sein Einverständnis zu allen angesprochenen Punkten schneller war dies wohl kaum möglich (E 102) - allerdings hatte bereits zwei Tage zu 536 vor das erste Aschermittwochkonzert zugunsten des Fonds im Hoftheater stattgefun den. Diese Regelung wurde in den folgenden Jahren bestätigt und beibehalten. (E 103 106, 108, 109) Auch in der Dresdner Presse findet sich 1850 eine Reaktion auf den neuen Spielort (C 32), auf den Kurt Kreiser bereits 1918 hingewiesen hatte, ohne jedoch auf die zugrunde liegenden, hier aktenkundig belegten Vorgänge näher einzugehen. (E 107) Finanzielle Bilanz Die Einnahmen für den Unterstützungsfonds entwickelten sich über die Jahre sehr po sitiv, und das bei Eintrittspreisen, die auch weniger Bemittelten die Theilnahme an diesen Genüssen ermöglichten. (G 33) In der Generalversammlung im Oktober 1828 konnte bereits auf einen Kassenstand von etwa 3000 Talern verwiesen werden - ein lobenswer ter Anfang. (E 47) Regelmäßige Zwischenbilanzen informierten über Einnahmen und Ausgaben. So wurde für die Monate seit Beginn der Konzerte für den Fonds im De zember 1826 bis März 1827, also vor dem ersten eigentlichen Palmsonntagskonzert, eine Einnahme von fast 1300 Talern registriert. Interessant ist, dass der Kasse in diesem Zeitraum immerhin mehr als 200 Taler aus den Pflichtbeiträgen einheimischer und fremder Künstler für Musikalische Akademien „mit Unterstützungen der Königlichen musikalischen Kapelle" sowie eines Streichquartetts aus Kapellmusikern zuflossen. Dem standen Ausgaben in sehr bescheidenem Umfang für die Mitglieder des Theater chors, für die Noten, den Kapelldiener sowie Buchdrucker und Buchbinder in Höhe von insgesamt ca. 230 Talern gegenüber. (E 48) Nach den Einnahmen von 1830 und einem Kassenstand von ca. 5500 Talern (E 50) beschloss die Generalversammlung, mit der Auszahlung von Unterstützungen zu beginnen und den Witwen jährlich 50 Taler zukommen zu lassen. (C 78) Diese Summe wurde 1840 erhöht und 1849 erneut disku tiert. (E 90, E 99) Die Abrechnung vom Juni 1833, in der nun auch Zinsen ausgewiesen wurden, zeigten ein Anwachsen des Fonds auf über 8500 Taler (C 50, 51, 66), diejenige von Ostern 1834 auf etwa 9400 Taler. (C 68) Das Vermögen des Unterstützungsfonds betrug 1850 ca. 28.800 Taler (E 101), nach einer Übersicht aus dem Jahr 1852 zum Ende 1851 etwa 30.770 Taler; bis dahin waren insgesamt schon etwa 15.400 Taler ausgezahlt worden. (E 100) Als Durchschnittseinnahmen wurden von 1826 bis 1844 pro Jahr etwa 1347 Taler, von 1845 bis 1849 etwa 1473 Taler, von 1850 bis 1851 etwa 1238 Taler aus gewiesen (E 100); das bedeutete zwischen 1826 und 1851 eine jährliche Durch schnittseinnahme von rund 1350 Talern. Übrigens verlangte der König 1853, über den Stand des Unterstützungsfonds, die Anzahl der unterstützten Witwen, die Höhe des Unterstützungsbetrages und der Konzerteinnahmen laufend informiert zu werden. (E 106) Und auch dies geschah: 1843 übergab Giuseppe Decavanti, seit 1811 Hofopern-, seit 1825 Hofkirchensänger, dem Unterstützungsfonds eine größere Spende, verbunden mit der Bitte, ihm die für den Betrag anfallenden Zinsen auszuzahlen. (E 92) 537 Details E l Im Jahre 1712 stifteten die Kapellmitglieder eine „Casse zur Versorgung der Musikorum Wittben und Waisen". Die Theilhaber mußten von jedem 100 Thlr. ihres Gehaltes eine gewisse Summe in die Kasse zahlen, aus welcher die Hinterlassenen eine Unterstützung von 12 Thlr. erhielten. Der König genehmigte durch Rspt. vom 27. Juli 1712 die ihm durch den Kapell meister Schmidt überreichten Statuten und bewilligte außerdem jeder Wittwe nach dem Tode des Mannes noch 3 Monate Gnadengehalt, doch wurde letzterer den Kapellmitgliedern in den ersten Monaten ihrer Anstellung von der Besoldung abgezogen. Im Jahre 1753 änderten die Kapellmitglieder diese Statuten der Unterstützungskasse und erhöhten die frühere Pension von 12 Thlr. au f30 Thlr. Wahrscheinlich löste sich die Kasse während des 7jährigen Krieges auf, da sie seit jener Zeit spurlos verschwunden ist. Fürstenau 1861, Bd. 2, S. 90 E 2 Am Dresdner Hofe war es üblich, alljährlich - erstmals nachweisbar 1730 - in der Karwoche ein Oratorium in italienischer Sprache aufzuführen. Als erste Werke werden Jan Dismas Zelenkas Serpente del Bronzo am 7.4.1730 und Antonio Caldaras Morte e Sepoltura di Gesü Cristo, vermutlich am 8.4.1730, genannt. Zunächst fanden diese Auffüh rungen am Karfreitag und/oder am Karsamstag statt, seit 1763 jedoch im Allgemeinen am Karsamstag. Sie galten als Höhepunkte der katholischen Kirchenmusik in Dresden. Die letzte Aufführung eines Karsamstag-Oratoriums erfolgte mit Franceso Morlacchis Isacco im Jahre 1825. Nach: Landmann 1995, S. 21 ff. E 3 Der Kapellmeister Morlacchi an die Herren Mitglieder der Königl. Sächsl. musikalischen Ka pelle. Seit 16 Jahren, wo Sr. Königl. Majestät geruht haben, als Kapellmeister mich mit der Leitung der Königl. musikalischen Kapelle zu beehren, und wo ich mir es eifrigst habe angelegen seyn laßen, so viel in meinen Kräften steht, zu Erhaltung des hohen Rufs derselben mit beizutragen und jedem Einzelnen möglichst beizustehen, habe ich den innigsten Wunsch gehegt, daß dieser ausgezeichnete Künstler-Verein, der durch Unterstützung fü r jeden 'braven durch Dresden rei senden Virtuosen so wie fü r andere bey besonderen Unglücksfällen eintretende milde Zwecke sich stets so theilnehmend gezeigt hat, auch jährlich irgend einer Leistung Zeit und Mühe widme, welche zu seinem eigenen Besten 'berechnet sey, und daher schlage ich Ihnen die Errichtung einer Caße zum Besten armer Wittwen ver storbener Königl. Sächsl. Kammer-Musiker, fü r welche die allergnädigst aus gesetzt werdenden Pensionen nicht ausreichen, so wie fü r die 'Wittwen pensio nierter Mitglieder der Königl. musikalischen Kapelle, und endlich zur Unter stützung gänzlich hilfsbedürftiger einzelner Mitglieder selbst, vor. Um jedoch eine solche Caße zu begründen, ist es nöthig, jährlich ein Concert am Palmsonntage im Saal des großen Opernhauses und unter Mitivirkung der ganzen musikalischen Kapelle zu geben. 538 Sind Sie mit diesem Plan /: den ich übrigens, so bald mein hochgeschätzter College, der Herr Kapellmeister von Weber, zurückkommt, ihm nicht nur vorlegen, sondern auch über die nähern Details mit ihm mich verstehen werde .7 so schlage ich Ihnen andurch vor, Vier M itglieder aus Ihrer M itte selbst zu wählen, welche in Auftrag der übrigen bey der General-Direction diese A ngelegenheit zur Unterstützung und allerunterthänigsten Vortrag an Sr. M ajestät den König in Antrag bringen. Dieser Comißion von M itgliedern der Königl. musikalischen Kapelle werde ich den nähern Plan vorlegen, wie ein Institut in 'Wirksamkeit treten "könne, das nicht nur hinsichtlich des Intereßes sehr vortheilhaft fü r unseren Kunst-Verein, sondern auch hinsichtlich des Ruhmes desselben von wesentlichem Nutzen seyn würde. Und so würden Sie gew iß noch die Stunde segnen, wo durch Ihre Bemühung der Grund stein zu einem Gebäude gelegt worden wäre, das mit der Zeit die tröstende Hoffnung so Vieler armen Wittwen seyn wird, die vielleicht mit zahlreichen Kindern nur hauptsächlich in ihm die M ittel finden , den eindringenden Stürmen des Schicksals nicht zu unterliegen. Dresden, am lO.ten April 1826 Franz M orlacchi *) SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 1 f. - *) nur die U nterschrift ist auto graph E 4 A bschrift Zur Begründung fü r Einrichtung eines Unterstützungsfonds Zur Begründung einer solchen A nstalt bedarf es: - 1. der Allerhöchsten Genehmigung Sr. M ajestät des Königs zu Errichtung dieser An stalt und zur Aufbewahrung des Fonds in einer der Königl. Caßen: - 2. der Erlaubniß jährlich ein solches Concert im Saale des großen Opernhauses zu veranstalten. - 3. der Bitte an die General-Direction, das dabey benöthigte Theater-Personale, als: Caßirer, Billett-Abnehmer, Logenschließer pp. unentgeldlich zu verwilligen. - 4. einer gleichen Bitte an dieselbe, alle Jahre eine Revision der Rechnungen, wie sie ihr von den vier 'Vorstehern dieser Anstalt werden überreicht werden, zu veranstalten: - 5. sich darüber zu vereinigen, wie das zu hoffende Capital am sichersten und besten zinnsbar angelegt werden "könne. Dresden im M onath April 1826 SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 3 - SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147/2, fol. 47 539 E 5 Sr. Königl. Majestät von Sachsen Die Begründung einer Unterstützungs-Caßefür die Königl. musikalische Kapelle betr. Nebst 1. Beilage sub A. *) Als Ew. Königl. Majestät in diesem Jahre allergnädigst beschloßen hatten, die sonst gewöhnli che Aufführung des Oratorii am Charsonnabendefür diesmal und daher wohl auchfür künftig wegfallen zu laßen, ward es den Mitgliedern Ew. Königl. Majestät musikalischen Hofkapelle wünschenswerth, au f eine andere Art wenigstens einmal im Jahre eine geistliche oder andere große Musik mit dem Gesammtverein der Kräfte dieses musikalischen Instituts aufzuführen, um dadurch sowohl sich selbst zu üben und diesen Genuß zu 'bereiten, als auch in einer solchen Leistung vor dem Publico aufzutreten. Hieran schloß sich alsdann der Gedanke, eine solche ge meinschaftliche Leistung zum Besten irgend einer milden Anstalt zu unternehmen, und end lich kam man darinn überein, daß solches fü r nichts zweckmäßigeres und der Sache näher lie gendes, als zu Begründung eines Unterstützungs-Fonds fü r die Königl. musikalische Kapelle selbst, und besonders fü r die Wittwen der verstorbenen wirklichen oder pensionierten Mitglie der derselben bestimmt werden 'könne. Es ist mir daher von einer Deputation von Mitgliedern der Königl. musikalischen Kapelle, wel che dieselben aus ihrer M itte erwählt, im Namen Aller, der sub A anliegende vorläufige Ent w urf zu einem solchen Unterstützungs-Fonds, nebst dem dazu gehörenden Regulative u.s.w. übergeben worden, mit der Bitte, solchen Ew. Königl. Majestät allerunterthänigst zu aller gnädigster Genehmigung vorzulegen und ihn mit meinem 'Vorworte zu versehen. Was nun zuvörderst den Zweck eines solchen Vereins betrifft, so scheint mir derselbe eben so achtbar als wünschenswerth. Zwar beglückt die Gnade Ew. Königl. Majestät jede bedürftige Wittwe eines Königl. Kammer-Musici, so wie die hinterlaßenen Waisen derselben stets mit ei ner Pension, Erziehungsbeihülfe oder sonstigen allergnädigsten Unterstützung, und den Dank aller dadurch Begnadigten und die frohe Aussicht der Uibrigen au f eine solche dereinstige Hülfe fü r ihre Hinterlaßenen wird stets in den Herzen aller wohnen. Nicht selten trifft es sich aber auch, daß bey eintretenden besonderen Umständen der Bedrängniß, Krankheitsfällen, an haltendem Unvermögen zu arbeiten, sehr zahlreichen Familien und sonst, diese Allerhöchste Gnade nicht ausreichend ist, indem solche nicht allzu sehr in Anspruch genommen werden kann. In solchen Fällen nun würde jener Unterstützungs-Fonds der musikalischen Kapelle sehr willkommen eintreten, dem Uibel abzuhelfen, bleibende oder wenigstens fü r den Moment aus reichende Hülfe verleihen, und so das drückende Bedürfniß zu erleichtern suchen. Seine 'Wirk samkeit ist aber nächstdem auch auf einzelne Mitglieder der Kapelle selbst berechnet, welche sich durch Krankheits- oder andere Unfälle in augenblicklicher Bedrängniß befinden, und wo eine kleine Unterstützung rettend und wohlthätig sein könnte. Indem sonach der Zweck eines solchen Vereins wohl nun ein sehr w ünschensw erter genannt werden dürfte, auch bey mehrern musikalischen Vereinen Deutschlands wie anderer Länder sich bereits ähnliche Institute in der erfreulichsten Wirksamkeit 'befinden, würde das Mittel dazu vorgeschlagenermasen, die jährliche Ausführung einer großen geistlichen oder mindestens ernsten Musik in einem Lokale seyn, wo der größere Raum auch eine größere Einnahme verstattete. 540 Dazu dürfte aber nun freilich keines sich vor der Hand mehr eignen, als der Saal des großen Opernhauses, der bereits sich ganz zu Ausführung solcher großen musikalischen Leistungen vorgerichtet befindet, und von Ew. Königl. Majestät auch bereits zu ähnlichen Zwecken mil der Absichten der Königl. musikalischen Kapelle allergnädigst vergönnt worden ist. Wenn ich es daher wage das allerunterthänigste Gesuch Ew. Königl. Majestät musikalischer Kapelle zu Allerhöchster Genehmigung und zugleich um allergnädigste Vergönnung dieses Saales zu Aufführung einer jährlich zu unternehmenden großen geistlichen oder ernsten Musik mit meiner unvorgreiflichsten Empfehlung zu unterstützen, so veranlaßt mich dazu die wohlthätige Absicht der daraufzu 'begründenden Anstalt und die Überzeugung von der Gnade Ew. Königl. Majestät fü r alles, was au f Wohlthats-Anstalten gerichtet ist, welche hier noch überdiesfür die Kunst selbst von vielem Werth seyn wird. Durch eine solche Musikaufführung hoffen nun die Mitglieder der musikalischen Kapelle eine jährliche Einnahme zu erhalten, welche zu einem Fonds reservirt endlich sie in den Stand set zen wird, die Zinßen davon zu dem Eingangs angegebenen Zwecke zu 'verwenden. Aber auch 'hier richten sie wieder ihren Blick au f Ew. Königl. Majestät, als dem Allerhöchsten Beförderer eines solchen wohlthätigen Unternehmens. Bey angenommener Gewinnung und sich fortsetzendem Anwachs eines solchen Capitals ist es nemlich vor allen Dingen wesentlich nothwendig, daß solches au f eine sichere Art untergebracht werde. Und so geht denn auch das allerunterthänigste Gesuch Ew. Königl. Majestät musikalischer Kapelle hierbey dahin, dass Allerhöchst Dieselben geruhen möchten, die jährlich zu dem Capital-Fonds eingehenden Gel der vielleicht in einer der Landes-Caßen Ew. Königl. Majestät auf- und anzunehmen und mit den landesüblichen Intereßen allergnädigst zu verzinßen. Geruhten Ew. Königl. Majestät, als warum die musikalische Kapelle zu Ew. Königl. M a jestät landesväterlicher Gnade fleht, diese Bitten allergnädigst zu erhören, so wird dieselbe dann, au f diese Grundpfeiler Allerhöchster Milde gestützt, einen ausführlichen Plan zur Orga nisation dieses Instituts ausarbeiten, und solchen Ew. Königl. Majestät zu Allerhöchster Ge nehmigung vorlegen. Dresden, am 14. April 1826 Wolf Adolph August von Lüttichau an König Friedrich August I. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/2, fol. 39-42 - *) siehe nachstehend E 6 E 6 A. Sämmtliche Mitglieder der Königl. Sächßl. musikalischen Kapelle haben sich aus eigenem An triebe vereint, mit Genehmigung Sr. Majestät des Königs, eine Caße zu Unterstützung fü r arme Wittwen und Waisen von Königl. Sächßl. Kammer-Musikern im Fall die denselben von Sr. Majestät allergnädigst bewilligte Pension nicht zu ihrem nothdürftigen Lebensunterhalt ausreicht, zu 'begründen. Um dieser Caße einen Fonds zu verschaffen, ist die Königl. Sächßl. musikalische Kapelle unter der Anführung der Herren Kapellmeister entschloßen, alljährlich am Sonntage Palmarum ein großes Concert zu geben, in welchem jedes M al irgend ein klaßisches musikalisches Meister werk aufgeführt werden soll. Die Einnahme 'bey diesem Concerte soll, nach Abzug der unumgänglich dabey nöthigen Kosten, au f eine vollkommen sichere Art, zinnsbar untergebracht werden. 541 So lange bis nicht ein Haupt-Fonds von 10.000 Th. gebildet worden, sollen weder Capital noch Zinnsen von diesem Ertrage angegriffen werden können, sondern in einer Königl. Caße aufbe wahrt werden. Erst nach Bildung eines Haupt-Fonds von 10.000 Th. tritt das Recht ein, zum Besten der Wittwen und Waisen über die dann gefällig werdenden Zinnsen dieses Fonds zu disponiren, dagegen die Einnahmen der fortzugebenden Concerte selbst stets wieder zu dem Fonds geschla gen werden sollen. Die Königl. musikalische Kapelle wird selbst vier Mitglieder als Vorsteher dieser Anstalt unter sich per plurima vota erwählen, und diesen wird das Recht der Anordnung zustehen. Damit in Zukunft die Vertheilung dieser Unterstützungsgelder mit der größten U nparteilich keit vor sich gehe, wird die Königl. musikalische Kapelle den jedesmaligen Königl. Herrn General-Director ersuchen, bey diesen Vertheilungen den Vorsitz, und im Falle der Stimmengleich heit eine entscheidende Stimme zu führen. Sollte irgend ein Mitglied der Königl. musikalischen Kapelle selbst durch irgend einen Un glücksfall in solche bedrängten Umstände gerathen, daß es selbst einer solchen Unterstützung au f das dringendste bedürfte, so soll die Sache der Abstimmung aller Mitglieder der Königl. musikalischen Kapelle vorgelegt, und die Unterstützungs-Summe nach dem Befinden der Caßen-Verhältniße regulirt werden. Damit eine Wittwe das recht erhalte, au f Unterstützung aus dieser Caße Ansprüche zu ma chen, ist es nothwendig, daß der Ehegatte derselben an seinem Tode noch wirkliches, oder min destens pensionirtes Mitglied der Königl. musikalischen Kapelle gewesen sey. Jedes Mitglied der Königl. musikalischen Kapelle, das nach irgend einer Dienstleistung in der selben, sie sey so lang dauernd als sie wolle, aus derselben tritt und ein anderes Geschäft über nimmt, oder sich ohne Pension zu erhalten zurückzieht, oder entfernt, verliert sein recht au f diese Caße, und mithin dessen Wittwen oder Kinder alle Ansprüche daran. Könnte je der Fall eintreten, daß die Königl. musikalische Kapelle gänzlich aufgelöst würde, so wird der Fonds dieser Caße unter die sämmtlichen sich dann vorfindenden activen oder pensionirten Mitglieder derselben, nach Verhältniß ihrer Dienstjahre vertheilt. Jedesmal in der vollen Woche nach Ostern übergiebt die vorgedachte Vorsteherschaft dieser Caßenanstalt der General-Direction eine Uibersicht des Zustandes der Caßen-Verhältnisse und des Betrages der Summe, welche an die Bedürftigen vertheilt werden 'kann. Die 'Vertheilung tritt dann mit dem 23ten Decemberjedes Jahres ein. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/2, fol. 43-45 E 7 Regulativ 1. Die vier Vorsteher bestimmen mit Zuziehung der Herren Capellmeister diejenigen musikal. Kunstwerke, welche in dem jedesmaligen Concerte aufgeführt werden sollen. 2. Alle Sängerinnen und Sänger (in b.: Sänger und Sängerinnen) in Sr. K. Maj. (in b: Sr. Königl. Majestät) Diensten werden ersucht werden, sich der Theilnahme an diesem Insti tute bey den Concert-Aufführungen nicht zu entziehen. 3. Derselbe Fall wird mit dem Königl. Singe-Chor eintreten. 4. Am Tage der Concertaufführung ist es 'keinem Mitgliede der Königl. musikalischen Kapelle erlaubt, 'Verwandten oder Freunden ohne Billets den Eintritt in den Saal zu verschaffen. 542 5. Daher auch an Niemand, wer es auch sey, Freibillets werden ausgegeben werden. 6. Am Tage der General-Probe wird dagegen den Frauen und Kindern der Theilnehmer der freye Zutritt erlaubt. 7. Der Text der Musikstücke wird gedruckt und ebenfalls zum Besten der Anstalt verkauft werden. 8. Die Herren Capellmeister werden sich unter sich wegen Eintheilung des Concerts, Bestim mung der Sänger und Sängerinnen, sowie der Direction der Musik selbst verständigen. Dresden im Monath April 1826 a.) SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 4 b.) SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/2, fol. 46 (als Anhang zum Vorigen E 6) E 8 An den Hofmarschall von Lüttichau Die von den Mitgliedern der musikalischen Kapelle beabsichtigte Gründung einer Unterstüt zungs-Anstalt fü r ihre Nachgelassenen 'betr. Da nach unserm unterthängsten Vortrage vom 14ten vorigen Monats die Mitglieder Unserer musikalischen Kapelle den Wunsch 'hegen, durch die Einnahme von einer, alljährlich aufzufüh renden großen geistlichen Musik einen Fonds zu 'bilden, aus welchem ihre Nachgelassenen, und nöthigen falls, selbst noch lebende Mitglieder der Kapelle in besonders dringenden Fällen un terstützt werden sollen, so wollen Wir zwar geschehen laßen, daß zur jedesmaligen Aufführung jener geistlichen Musik der Saal in Unserm großen Opernhause eingeräumt werde, tragen je doch Bedenken, den verbleibenden Uberschuß der Einnahme zu Unsern Caßen nehmen und daselbst verzinsen zu laßen. Wir stellen auch anheim, (solches den) *) Mitgliedern Unserer musikalischen Kapelle (zu eröff nen) *), und verbleiben auch übrigens Pillniz, am 13. M ai 1826 König Friedrich August I. Graf von Einsiedel (folgt weitere Unterschrift) SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc, 15147/2, fol. 51 - * ) durchgestrichen E 9 Am 12. Mai 1826 schrieb Generaldirektor Wolf Adolph August von Lüttichau an den für die Uraufführung des Oberon in London weilenden Kapellmeister Carl Maria von Weber: Da der König dieses Jahr das gewöhnl. Oratorium zu Ostern nicht gewollt hat, und wie es scheint fü r immer, so habe ich darauf angetragen, solches künftig alljährl. am 1. Osterfest zur Stiftung einer Wittwenversorgungskasse fü r die K. Kapelle aufführen zu lassen, 'habe aber -noch keine Resolution. Gewiss sind Sie mit dem Zweck einverstanden und werde ich Ihnen den Plan dazu nach Zurückkunft zur Begutachtung mittheilen, um es dann zweckmäßig einzurichten, im Fall K.M. die allerhöchste Genehmigung dazu gibt. Nach: Proelss 1879, S . 3 f . - Siehe auch Morlacchi, E 3 543 Als von Lüttichau am 12. Mai 1826 seinen Brief an Weber schrieb, erwähnte er nicht, dass die Aktion bereits in vollem Gange war. Morlacchi hatte der Kapelle seine Vor schläge am 10.4.1826 zukommen lassen, bereits vier Tage später unterrichtete der Ge neraldirektor den König über den Vorgang, noch im April wurden vom Orchester erste Festlegungen für die Durchführung getroffen. (E 4-7) E 10 Es gereicht mir zu wahrem Vergnügen Ihnen andurch eröffnen zu können, daß Sr. Königl. Majestät durch Allerhöchstes Rescript vom löten d.M. Ihren Wunsch, durch die Einnahme von einer alljährlich aufzuführenden großen geistlichen Musik einen Fonds zu bilden, aus welchem Ihre Nachgelaßenen, und nöthigen Falles selbst noch lebende Mitglieder der Kapelle, in beson ders dringenden Fällen unterstützt werden sollen, genehmigt, und erlaubt haben, daß zu der jedesmaligen Aufführung jener geistlichen Musik der Saal in dem Königl. großen Opernhauße eingeräumt werde. Indem ich Ihnen diese Allerhöchste Gnade hiermit eröffne, wird nunmehr der aus Ihrer Mitte ernannte Comittee über die ferner zu nehmenden Maasregeln und vollkommene Ausbildung des Plans zu einer solchen Anstalt, sich beschäftigen, und zu seiner Zeit Ihnen das Weitere mitgetheilt werden. Dresden, am 22.n May 1826 von Lüttichau An sämmtliche Mitglieder der Königl. Sächßl. musikalischen Kapelle Nolberg Ludwig Tietz Franz Carl Hunt Franz Anton Schubert Franz Schmidt Franz Poland Johann Christian Friedrich Castelli SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 5 E i l Entwurf einer Punctation Verhandelt Dresden dem 17ten July 1826 (Zusammenfassung, Zitate kursiv) Die gewählten Vorsteher der Königl. musikalischen Kapelle - Johannes Eisert, Carl Traugott Schmiedel, Friedrich August Kummer und Franz Anton Morgenroth - ver sammelten sich in Schmiedels Wohnung zur Beratung über Francesco Morlacchis Vor schlag vom April 1826 *) und eines Entwurfs für eine Art Punctation mit folgendem Er gebnis: 544 1. An die Generaldirektion ergeht die Bitte, den Witwen, die unterstützt werden, ihre königliche Pension nicht zu entziehen. 2. Alle Witwen, deren Ehemänner nach dem ersten Konzert sterben, partizipieren schon zu gleichen Teilen an dem Fonds. 3. Die Unterstützungszahlungen erfolgen aus den Zinsen des Stammkapitals. 4. Es soll - bis das Stammkapital groß genug ist - eine kleinere, disponible Summe vorhanden sein, um auch dann zahlen zu können, wenn die Zinsen nicht ausrei chen. 5. Jede Witwe soll anfangs jährlich 50 Taler als Zuschuss zur königlichen Pension bekommen. 6. Die Witwen der auf Lebenszeit angestellten Sänger genießen die gleichen Rechte wie die der Kapellmitglieder. 7. Um dem Fonds einen höchstmöglichen Zufluss zu garantieren, muss jeder Künst ler, der ein Konzert veranstaltet und dabei die Kapelle in Anspruch nimmt, 20 Ta ler an den Fonds abführen. 8. Die Einnahmen werden in Königlich Sächsischen Staatspapieren angelegt, die in der Königlichen Hauptkasse deponiert werden; die Zinsen sollen halbjährlich er hoben werden können. 9. Bedürftige Kapellmitglieder erhalten bei Krankheit und Unglücksfällen ohne eige nes Verschulden nach individueller Prüfung des Bedarfs mit Genehmigung des gesamten Kapell-Vereins eine Unterstützung. 10. Uber musikalische Anordnungen und die Zahlungen aus dem Fonds beraten sich die Vorsteher mit Kapellmeister Morlacchi. Bei keiner Einigung wird die Angele genheit dem Generaldirektor zur Entscheidung vorgetragen. 11. Jedes Kapellmitglied ist diskussions- und stimmberechtigt; die Mehrheit der Stim men entscheidet. 12. Nach Abstimmung mit dem Generaldirektor und dessen Bestätigung werden vorstehende Punkte gültig. Dresden am 17ten July 1826 Eisert. Schmiedel. Kummer. Morgenroth. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 15 und fol. 6 - * ) E 3 E 12 Entwurf einer Punctation fü r die Mitgl. der Königl. musikal. Kapelle zur Stiftung eines Wittwen und Unterstützungs Fonds (in zusammengefasster Form, Zitate kursiv) 1. Die Königl. musikal. Kapelle gieht zur Gründung eines Wittwen und Unterstützungs Fonds unter Anführung Francesco Morlacchis und gütiger Mitwirkung der Konzert meister alljährlich am Palmsonntag ein großes Vocal und Instrumental Concert, in welchem jedes mal irgend ein classisch musikalisches Meisterwerk aufgeführt werden soll. 545 2. Das erste Konzert soll in der zweiten Novemberhälfte 1826 stattfinden *), alle weiteren dann am Palmsonntag. 3. Alle Einnahmen des Konzerts fließen nach Abzug der notwendigen Kosten von 1827 an fünf Jahre lang in den Fonds, damit baldigst Kapital gebildet werden kann. 4. Um den Zufluss in den Fonds zu erweitern, muss jeder auswärtige Künstler, der in Dresden mit Unterstützung der Kapelle auftritt, von 'heute an im voraus 20 Taler in den Fonds einzahlen; dem Künstler muss in jedem Falle ein bedeutender R uf vorangegangen seyn. 5. Die Kapellmitglieder spielen mit dem auswärtigen Künstler ohne Honorar. Dieser hat, wenn er 20 Taler eingezahlt hat, nicht das Recht auf deren Mitwirkung, son dern muss sie anstandsmäßig einladen. 6. Jedes Kapellmitglied, das ein Konzert fü r eigene Rechnung veranstaltet, muss von der Einnahme 10 Taler in die Kasse zahlen. 7. Die Mitglieder der seit mehreren Jahren 'bestehenden Quartett Gesellschaft sollen eben falls von den acht in jedem Winter gegebenen Akademien 10 Taler einzahlen. 8. Alle diese Summen dienen der Vermehrung des Haupt Fonds. 9. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen Kapital und Zinsen nicht angerührt wer den. 10. Nach fünf Jahren können an die sich vorfindenden Wittwen aus den Zinsen, dem Fonds entsprechend, Gelder ausgereicht werden. (Anmerkung: Falls sich bis dahin bedürftige Witwen melden, sollen sie durch den gesammten musikalischen Kapell-Verein privatim entschädigt werden.) 11. Nach fünf Jahren fließen alle Einnahmen dem Hauptfonds zu, und die sich immer weiter vermehrenden Zinsen werden an die Witwen verteilt. 12. Alle Einnahmen sollen nach Abzug der Unkosten zinstragend angelegt werden. 13. Deshalb sollen Königl. Sächs. Staatspapiere gekauft und bei der Königl. Haupt kasse deponiert werden. 14. Uber die gerechte Verteilung der Mittel entscheidet das Plenum unter Vorsitz des Generaldirektors. 15. Der Ehegatte der antragstellenden Witwe muss tätiges oder pensioniertes Mitglied der Kapelle gewesen sein. 16. Jedes Mitglied, das - aus welchem Grunde auch immer (außer durch Pensionie rung) - die Kapelle verlässt, verliert seinen Anspruch. 17. Alle Witwen, deren Männer nach dem ersten Konzert sterben, das zugunsten des Fonds gegeben worden ist, haben Anspruch auf Unterstützung. 18. Die Unterstützungssumme wird vorerst auf jährlich 50 Taler festgesetzt und ist als Zuschuss zur Königlichen Pension zu verstehen. 19. Zu den Waisen: Jungen bis zum Alter von 14 Jahren, sofern sie ein Handwerk ler nen, und ebenfalls Mädchen, sofern sie anderweit versorgt seyn 'können, erhalten 'ver hältnismäßige Unterstützung. 20. Bei großer Vermehrung des Hauptfonds und wachsenden Zinserträgen kann die Auszahlungssumme erhöht werden. 21. Die Witwen der auf Febenszeit angestellten Sänger haben die gleichen Rechte wie die der Kapellmitglieder. 546 22. Geht eine Witwe ins Ausland oder zu Verwandten, erhält sie auch die volle Unter stützung. 23. Bei Wiederverheiratung erlischt der Anspruch. 24. Auch in Not geratene Kapellmitglieder können nach Zustimmung des Plenums Unterstützung erhalten, wenn ein zuvor an die Generaldirektion gestellter Unter stützungsantrag abgelehnt worden war. 25. Die Auszahlung erfolgt zweimal jährlich postnumerando zu Ostern und Michaelis. 26. In der Woche nach Ostern geben die Vorsteher einen Kassenbericht an den Generaldirektor und nennen die Summe, die verteilt werden kann; beides wird dem Plenum zur Kenntnis gegeben. 27. Die Vorsteher führen über Einnahmen und Ausgaben ein Kassenbuch und stehen für Richtigkeit und Ordnung einerfür alle und alle fü r einen. 28. Der Kassenschreiber der Königl. Theaterkasse übernimmt unentgeltlich auf Lebenszeit die Ausstellung von Verträgen, Rechnungen und aller einschlägigen Be richte; seine Witwe genießt dafür die gleichen Rechte wie die Witwen der Kapell mitglieder. 29. Bei eventueller Auflösung der Kapelle wird der Fonds an die Mitglieder entspre chend ihrer Dienstjahre verteilt. 30. Alle diese Punkte sind vorläufig angenommen. Ergänzungen und Änderungen bedürfen der Zustimmung des Plenums. 31. Die musikalischen Anordnungen für die Konzerte treffen die vier Vorsteher zusam men mit dem Kapellmeister und den Konzertmeistern. 32. In der vorstehenden Weise und mit Genehmigung des Generaldirektors sollen diese Punkte Gültigkeit erhalten. Dr. am 22ten October 1826 Franz Anton Morgenroth SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 14157/5, fol. 27 f. *) es fand schließlich am 29. Dezember 1826 statt E 13 Punctation zur Begründung der von Sr. Königl. Majestät durch allerhöchstes Rescript vom löten May 1826 genehmigten Stiftung eines Unterstützungs-Fonds fü r die Wittwen der Mitgl. der Königl. Sächßl. musikalischen Kapelle 1. (Das Palmsonntagskonzert) Die Königl. musikalische Kapelle veranstaltet zu Begründung dieses Wittwen-Unterstützungs-Fonds alljährlich unter der Aufführung der Königl. Herren Kapellmeister und Mitwirkung der Herren Concertmeister, am Sonntage Palmarum ein großes Vocal- und Instrumental-Concert, im Saale des großen Opernhaußes, in welchem jedes Mal irgend ein klassisches musikalisches Werk aufgeführt werden soll. 2. (Terminierung des ersten Konzerts für den Fonds) Um jedoch so 'bald wie möglich den Anfang mit Begründung dieses Fonds zu machen, soll das erste dieser Concerts noch im Laufe dieses Jahres statt finden, die folgenden aber stets an den gedachten Taimen-Sonntagen. 547 3. (10.000 Taler für den Fonds) Die Hauptabsicht ist fürs erste, einen Fonds von 10.000 Thalern zu bilden, und es sollen zu dem Ende, während fü n f ganzen Jahren, vom ersten großen Concert an gerechnet, alle Einnahmen, sie mögen fließen woher sie wollen nebst den Capitals-Zinnßen, zu diesem Fonds geschlagen und nichts davon anders wohin verwendet werden. Die Mitglieder der Königl. musikalischen Kapelle sind jedoch dahin einverstanden, nach A blauf dieser fü n f Jahre, eine anderweite allgemeine Conferenz zu halten, wo die desfallsigen Rechnungen vorgelegt und die fernere Gebahrung hinsichtlich dessen durch Stimmmehrheit entschie den werden soll. 4. (Beiträge fremder Künstler zum Fonds für ihre Konzerte, in denen Kapellmitglieder mitwirken) Um diesem Fonds den möglichen Zufluß zu verschaffen, hat jeder frem de Künstler, wel cher mit Unterstützung der Königl. musikalischen Kapelle in Dresden ein öffentliches Concert zu seinem Vortheile giebt, von Michaelis dieses Jahres an gerechnet, die Summe von 25 Rth. praenumerando an diesen Wittwen-Unterstützungs-Fond zu zahlen. 5. (Genehmigung für Konzerte fremder Künstler und Einladungen dazu an Kapellmitglieder) Dadurch, daß der frem de Künstler diese Summe von 25 Th. an den gedachten Fonds be zahlt, erkauft er sich jedoch nicht das Recht, daß die Königl. musikalische Kapelle ver pflichtet sey, ihn bey seinem Concerte zu unterstützen, sondern er hat sich zuvörderst nicht nur die Erlaubniß dazu von der General Direction zu erbitten, und die Herren Kapell- und Concertmeister davon in Kenntniß zu setzen, sondern auch, da sich die einzelnen Mitglieder nicht besonders Honoriren lassen, jedes derselben anstandmäßig einzuladen. 6. (Beiträge von Kapellmitgliedem zum Fonds bei deren eigenen Konzerten) Jedes Mitglied der Königl. musikalischen Kapelle, welches ein Concert fü r eigene Rech nung veranstaltet, ist von lsten October dieses Jahres an verbunden, ebenfalls 15 Th. zu dem Fonds 'beizutragen 7. (Beiträge von Quartetten und Quintetten einheimischer Künstler und Kapellmitglieder zum Fonds) Wenn einheimische Künstler und Mitglieder der Königl. musikalischen Kapelle eine öffentliche Quartett- oder Quintettmusik unter Zuziehung anderer Mitglieder der Königl. musikalischen Kapelle aufführen wollen, 'haben sie 5 Th. fü r jede dergleichen Aufführung zum Fonds zu zahlen. Tritt Gesang bey einer solchen öffentlichen Aufführung mit ein, ohne daß jedoch die Zahl der Instrumente vermehrt wird, so wird diese Leistung fü r eine musikalische Akademie ge achtet und dafür 7 Th. 12 Gr. zum Unterstützungsfonds gezahlt. Bey weiterer Ausdeh nung einer solchen musikalischen Aufführung finden dann die bey Concerten eintretenden Bestimmungen statt. 8. (Verpflichtung der Kapellmitglieder zur Konzert-Mitwirkung) Jedes Mitglied der Königl. musikalischen Kapelle ist verbunden, durch sein Spiel bey die sen Concerten mitzuwirken, und ist fortlaufende Ordnung in tabellarischer Übersicht zu führen. Jedes Mitglied der Königl. musikalischen Kapelle ist verpflichtet, so wie ihn die Reihe trifft, bey diesen von fremden Künstlern oder den Mitgliedern der Königl. musikalischen Kapelle 548 gegeben werdenden Concerten durch sein Spiel mitzuwirken, widrigenfalls er der Theilnahme an den Vortheilen des Unterstützungs-Fonds verlustig geht. Damit jedoch kein Mitglied vor dem ändern belästigt werde, soll von den 'Vorstehern der Anstalt eine tabella rische Übersicht über die schon statt gefundenen oder noch zu präsentirenden Leistungen jedes Einzelnen gehalten, und darnach die fortlaufende Ordnung gleichmäßig regulirt werden. 9. Der Fonds ist in den ersten 5. Jahren auf keine Weise zu vermindern. Alle wie vorgedacht zum Unterstützungs-Fonds fließenden und zur Begründung eines Stamm-Capitals von 10.000 Th. bestimmten Einnahmen werden zum Capital geschlagen, dazu die davon gefäl ligen Zinßen ebenfalls gebracht, und somit während der ersten fü n f Jahre in keiner Weise etwas davon gemindert, oder davon anderweit disponirt. 10. (Weitere Beratung über den Fonds nach fünf Jahren seines Bestehens) Nach fü n f Jahren tritt wie erwähnt eine anderweite allgemeine Berathung der Königl. musikalischen Kapelle ein, entweder wegen sofortiger Unterstützungsleistung aus dem vorhandenen Fonds, oder dessen fernerer intakten Erhaltung bis zur Errichtung der Summe von 10.000 Th. zu entscheiden. In 'beiden Fällen werden aber auch fü r die Zukunft und so lange dieser Unterstützungs-Fonds besteht, nur die Zinßen deßselben zu Unter stützungen verwendet, das Capital selbst aber au f keine Weise angegriffen. 11. Alle Einnahmen fließen auch nach den 5. Jahren ausschließlich dem Fonds zu, und nur die Zinßen sind zu Unterstützung disponibel - dergestalt, daß die sämmtlichen vorspecificirten Einnahmen von Concerten u.s.w. oder andere, sie mögen Namen 'haben wie sie wollen, als unantastbar stets dem Haupt-Fonds Zuwachsen, und nur die Zinßen von dem dadurch gesammelten und sich stets mehrenden Capitale zu dem Zwecke der Unterstützung ange wendet werden 'können. 12. (Absicht einer sicheren, zinsträchtigen Anlage) Sämmtliche Einnahmen sollen nach Abzug der unumgänglich nothwendigen Kosten auf eine vollkommen sichere Art zinßbar untergebracht werden. 13. (Ankauf von Staatspapieren und Deponierung beim Königl. Amt) Zu dem Ende sollen davon Königl. Sächßl. 4. Procent gebende Staatspappiere angekauft und bey dem hiesigen Königl. Amte verwahrlich deponirt werden. 14. (Beratung im Plenum unter Vorsitz des Generaldiretors über die Verteilung der Unterstützungsgelder) Damit in Zukunft die 'Vertheilung der Unterstützungs-Gelder mit der größten U n partei lichkeit vor sich gehe, wird die Königl. musikalische Kapelle sich jedes Mal in pleno ver sammeln, über diese Angelegenheiten abstimmen, und den jedesmaligen Herrn General- Director ersuchen, bey diesen Zusammenkünften den Vorsitz zu übernehmen, und im Falle der Stimmengleichheit eine entscheidende Stimme zu führen. 15. (Recht auf Unterstützung) Damit eine Wittwe das Recht erhalte, au f Unterstützung aus diesem Fonds Anspruch zu machen, ist es erforderlich, daß der Ehegatte derselben bey seinem Todte noch wirkliches oder mindestens pensioniertes Mitglied der Königl. musikalischen Kapelle gewesen sey. 16. (Verlust auf Unterstützungs-Rechte) Jedes Mitglied der Königl. musikalischen Kapelle, welches nach irgend einer Dienst leistung in derselben, sie sey so lange dauernd gewesen, als sie immer wolle, aus derselben 549 tritt und ein anderes Geschäft übernimmt, oder sich ohne Pension zu erhalten zurückzieht, oder entfernt, oder gar in solcher Art daraus entfernt wird, verliert seine Ansprüche au f diesen Fonds, und mithin auch deßen Wittwe. 17. (ab 1.10.1826 treten die Ansprüche in Kraft) Alle Wittwen dagegen, deren Männer nach dem lsten October dieses Jahres mit Todte abgehen, haben Ansprüche au f diesen Unterstützungs-Fonds und erhalten eintretenden Falls diese Unterstützung ohne Ausnahme zu gleichen Theilen. 18. (Unterstützungs-Summen für Witwen) Die Unterstützungs-Summe, welche eine Wittwe bekommt, wird fü r jetzt dergestalt festgesetzt, daß sie au f keinen Fall sich höher als bis zu 50 Th. erstrecken könne. 19. (Eventuelle Erhöhung der Unterstützung) Sollte jedoch der Haupt-Fonds mit der Zeit noch 'bedeutender anwachsen, und dadurch das Zinßen-Quantum beträchtlich vermehrt werden, die Zahl der Theilnehmerinnen aber nicht in gleichem Grade angestiegen seyn, so bleibt es einer allgemeinen Berathung der Königl. musikalischen Kapelle freigestellt, nach Befinden auch diese Unterstützungs-Summe zu vergrößern. 20. (Unterstützung für Waisen) Sollten Vater und Mutter mit Todte abgehen, unmündige Kinder aber Zurückbleiben, so erhalten dieselben bis zum 14ten Jahre, wo Knaben ein Handwerk erlernen und Mädchen sich anderweit versorgen können, eine verhältnißmäßige Unterstützung aus dem Fonds. 21. (Sänger-Witwen) Die Wittwen der au f Lebenszeit angestellten Sänger genießen mit denen der Mitglieder der Königl. musikalischen Kapelle ganz gleiche Rechte. 22. (Unterstützung auch im Ausland) Sollte eine Wittwe ins Ausland sich begeben, um daselbst bey ihren Anverwandten zu leben oder sonstige 'Vortheile zu genießen, so soll derselben diese Unterstützung auch fe r ner unverkürzt verabfolgt werden. 23. (Wiederverheiratung) Dagegen verliert jede Wittwe, welche sich wieder verheirathet, alle Ansprüche an diesem Fonds. 24. (Unterstützung für Kapellmitglieder) An diesem Fonds sollen auch die Mitglieder der Königl. musikalischen Kapelle, wenn sie durch besondere Unglücksfälle in so bedrängte Umstände gerathen sollten, daß sie einer Unterstützung au f das dringendste bedürfen, eine solche erhalten, jedoch nur dann, wenn au f vorher geschehenen Antrag an die Königl. General-Direction der musikalischen Ka pelle keine Gratification aus Königl. Cassen bewilligt worden oder solche nicht hinreichend seyn sollte. Auch muß eine solche Angelegenheit stets zur Abstimmung aller Mitglieder der Königl. musikalischen Kapelle vorgelegt, und die Unterstützungssumme nach dem Er gebnisse der Cassenverhältniße regulirt werden. 25. (Auszahlungsmodus) Die Vertheilung der Unterstützungs-Gelder an die Wittwen geschieht halbjährig, und zwar postnumerando zu Ostern und Michaelis. 550 26. (Meldung des Kassenstandes an die Generaldirektion) Jedesmal in der vollen Woche nach Ostern übergeben die Vorsteher des Unterstützungs Fonds der General-Direction eine Übersicht des Zustandes der Caßenverhältniße, und des Betrags der Summe, welche vertheilt werden kann, und setzen davon, daß dieses gesche hen, den gesammten Kapellverein in Kenntniß. 27. (Buchführung, Kontrollen) Die Vorsteher führen über die sämmtlichen Einnahmen und Ausgaben ein Caßenbuch als Controlle, und es steht hinsichtlich der Ordnung einerfür alle und alle fü r einen. 28. (Kassenschreiber) Damit dieses Rechnungsgeschäft aber in gehöriger Ordnung und Pünktlichkeit nach Caßenform geführt werde, übernimmt der bey der Königl. Hoftheater-Caße als Caßenschreiber angestellte Hr. Schurigk nicht nur die Fertigung der Rechnungen und Extracte, sondern auch aller in dieses Fach einschlagenden Anzeigen, Notizen u.s.w. unentgeldlich auf Lebenszeit, wogegen ihm bewilligt worden, daß nach seinem Todte seine Wittwe an dem Unterstützungs-Fonds ganz in der Art und mit vollen Rechten der Witt wen wirklicher Kapellmitglieder Antheil nehmen solle. 29. (Auflösung der Kapelle) Könnte je der Fall eintreten, daß die Königl. musikalische Kapelle gänzlich aufgelöst würde, wird dieser ganze Fonds unter die sämmtlichen sich vorfindenden activen oder pensionirten Mitglieder derselben, nach Verhältniß ihrer Dienstjahre, vom 1. October die ses Jahres an gerechnet, vertheilt. 30. (Gültigkeit der §§) Zusätze und Änderungen sind nach Abstimmung möglich. Alle §§ gelten fürjetzt. 31. (Beratung und Beschlussfassung über Konzertvorhaben) Über die musikalischen Anordnungen berathschlagen die 'vier 'Vorsteher dieser Anstalt mit den Herren Kapell- und Concertmeistern, und wird hinsichtlich dieser gemeinschaftlichen Beschlüsse das bereits genehmigte Regulativ zum Grunde gelegt, wonach das Nöthige bey den zu gebenden großen Concerten besorgt wird. Dresden, a m l l . November 1826 (Linke Hälfte der Seite auf einer freien Fläche:) gez. Lüttichau Unterzeichner Franz [Francesco] Morlacchi G[iuseppe] Rastrelli C. [Carl] G. [Gottlieb] Reißiger Ant: [Giuseppe Antonio] Rolla Ludwig Tietz Franz Carl Hunt Franz Schmidt Franz Dunkel [Franz] Anton Schubert Johann 'Fraugott Roth sen. Franz Poland [Friedrich] August Wenzel Friedrich August Kummer sen. Carl Gotthelf Kummer 551 Christian Gotthelf Steudel Johann Christian Gottlob Listing Franz Löchl [?] [Johann Christian] Friedrich Castelli Carl Kühnei Carl Gottlieb Taschenberg [Johann] Carl August Sedelmeyer Gottlob Roth Johann Gottlieb Kotte Johann G. [Gottlob] Peschke sen. Carl G. [Gottlob)] Peschke jun. Anton Johann Hänsel Carl Gabler Johann Gottlieb Lauterbach sen. Friedrich 'Wilhelm Lauterbachjun. Christian Albert Beyer August Friedrich Pauli Johann Friedrich Richter Anton Bernhard Fürstenau Friedrich Franz J.G.Schulze [?] Carl [Gottlob] Kretzschmar [Christian] Gottlob Fischer Ferdinand Wilhelm Kummer Carl [Gottlieb] Listing Christian Ludwig Taschenberg Ignaz Schubert August Lind Joseph Besozzi [Johann] Traugott Mitzscherling Gottlieb Peschel Gustav Peschel Carl Gotthelf von der Ahee [Friedrich] L[udwig]. Horac Carl Gottfried Salomon Kummer Heinrich Salomon Gotthilf Heinrich Kummer Justus Johann Friedrich Dotzauer Giovacchino Benincasa Alexander August Klengel Anton Blasius Weiß J. [Johann] G. [Gottlob] Limberg Franz Xavier Püschel Johann Georg Klemm Christian Friedrich Schurigk Joseph Rastrelli Joseph Rudolph Lewy Richard Wagner Julius Rühlmann Carl Gottschalk Heinrich Löwe August Richter Friedrich Queißer Arno Kabisius Friedrich Lorenz Christian Gottlieb Wustlich Anton August Spies Carl Gottlieb Koprasch Franz Adolph Mayer Karl Stelzig Gottfried Zillmann Ferdinand [August] Schwarz [Carl] Julius Herfurth Gebr. Haase [Ludwig Friedrich Leopold Haase und August Wilhelm Haase] 552 Franz [Anton] Morgenroth Johannes Eisert Friedrich August Kummer Carl 'Fraugott Schmiedel Carl Gottfried Theodor Winkler Seit dem 1. Novbr. 1827 sind nun 'hinzugekommen Rudolph Theodor Hiebendahl Franz Suchänek Carl Tietz Heinrich Wilhelm Müller Adolph Kühne Johann Poland August Richter Franz Schröter Johann Gottlieb Queißer Moritz Fürstenau SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 29 E 14 Ein Anhang zur Punctation vom Ilten Novbr: 1826 vom 23. Oktober 1828 regelt die Mo dalitäten für die Ablösung der Vorsteher, da diese nur vier Jahre im Amt sein sollen. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 128 f. (82 f.) E 15 Statuten des zur Begründung eines Wittwen Fonds von der Königl. musikalischen Capelle errichteten Instituts. (in Zusammenfassung, Zitate kursiv) Das ganze Institut wird unter Oberaufsicht des jedesmaligen General Directors geleitet durch die Concert Direction und 'verwaltet durch die Administration. A. Die Concert Direction besteht aus a.) den Kapellmeistern oder ihren Stellvertretern, b.) den beiden Konzertmeistern, c.) aus den von den Mitgliedern der Kapelle gewählten (vier) Kammermusikern (Vorstehern). B. Die Administration besteht aus den vier gewählten Vorstehern. Johann Gottlieb Adam Simon Winterstein Joseph Jauch Franz Schubert Joseph [?]* Carl Gottfried Schmerbitz Friedrich August Dominik Johann Samuel Pfeiffer Albert von Böhm [Johannes] Eisert Johann 'Fraugott Edel -38 (13-27) - ]* nicht lesbar 553 A. Die Pflichten der Concert Direction 1. Sie wählt die Werke für das Programm aus, und zwar 2. unter Berücksichtigung des Zwecks des Instituts, d.h. einer vorteilhaften Einnahme. 3. Sie organisiert alles, was zur musikalischen Aufführung gehört. 4. Sie prüft, ob es notwendig ist, Chorsänger und weitere Musiker hinzu zu ziehen und entscheidet darüber. 5. Der das Konzert leitende Kapellmeister besetzt die Solopartien und bestimmt, wer zur Mitwirkung eingeladen werden soll. B. Die Pflichten der Administration 1. Sie organisiert alles Erforderliche außerhalb der musikalischen Aufführungen so wie die innere Einrichtung des Instituts und dessen Förderung. 2. Sie benötigt für ihre Tätigkeit im Einzelnen nicht die Zustimmung der Kapelle, soll aber alles nach ihrem besten Wissen und Gewissen zum Besten des Instituts tun und steht für ihre Anordnungen selbst ein. 3. Beschlüsse der Vorsteher über neue Regelungen sind von der Concert Direction, in besonders wichtigen Angelegenheiten von der gesamten Kapelle zu bestätigen. 4. Die Administration bestimmt, wer von den Vorstehern welche Aufgaben über nimmt; jeder arbeitet dann eigenverantwortlich. 5. Beschlüsse können nur nach eingehender Diskussion und Prüfung gefasst werden, bei besonderer Wichtigkeit ist zu protokollieren, und alle vier Vorsteher haben zu unterschreiben. 6. Ist die Administration zur Berichterstattung bei der Generaldirektion und den Ka pellmeistern vorgeladen, soll ebenfalls protokolliert und das Protokoll von allen vier Vorstehern unterschrieben werden. 7. Die Vorsteher achten auf die Einhaltung der Punctation und sind darin der gesam ten Kapelle verantwortlich. 8. Bei divergierenden Ansichten stimmen die Vorsteher ab; bei Stimmengleichheit entscheidet der Generaldirektor. 9. Gastierende Künstler und Virtuosen, die mit der Kapelle auftreten wollen, holen als erstes die Genehmigung der Generaldirektion ein, dann wenden sie sich - und zwar vor jeglicher öffentlicher Ankündigung - an die Vorsteher, die in der Lage sein müssen, in deutscher, italienischer und französischer Sprache über die Richt linien des Instituts und die Vorgehensweise zu informieren. 10. Der Zettel mit den Namen der mitwirkenden Kapellmitglieder, entsprechend § 8 der Punctation *), wird durch einen der Vorsteher mit dem dirigirenden ersten Vio linspieler besprochen und von dem Vorsteher, der mit dem (gastierenden) Künstler verhandelt hat, unterzeichnet. Die Vorsteher überwachen die vorschriftsmäßige Einladung der Kapellmitglieder gemäß § 5 *) der Punctation. Bei Differenzen im Konzertverlauf wenden sich die Kapellmitglieder an die Vorsteher. 11. Bei der technischen Einrichtung der Konzerte verantworten die Vorsteher die Aus gaben, die für die Bezahlung der benötigten Personen erforderlich sind. 12. Die Belege für die Ausgaben sind noch in der Konzertwoche zu prüfen und zu signieren; erst dann kann die Auszahlung erfolgen. 554 13. Kassenbücher und die das Institut betreffenden Schriften werden vom 1. Vorste her verwahrt und müssen allen Kapellmitgliedern jederzeit zugänglich sein. 14. Die der Kapelle gehörenden Musikalien und die Eintrittskarten werden in einem Schrank in dem Saal des Zwingergebäudes, wo die Proben gehalten werden, verwahrt. Einer der Vorsteher bekommt dafür einen Schlüssel. gesehen und genehmigt, den 18ten Dez 1827 Lüttichau SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 81-85 (51-55) * ) E 1 3 E 16 Instruction fü r diefremden Künstler und Künstlerinnen welche hierorts mit Unterstützung der Königl: Kapelle Concert geben wollen. (in Zusammenfassung, Zitate kursiv) Die Unterzeichneten Vorsteher der Königl: musikalischen Kapelle geben sich hiermit die Ehre, die reisenden Herren Instrumental Virtuosen so wie Sänger und Sängerinnen, welche hieselbst ein Concert mit Unterstützung der Königl: Kapelle zu geben beabsichtigen, au f folgende §§ mit Genehmigung Eines Hochlöblichen General Directorii, die in den Statuten derselben aufge nommen sind, aufmerksam zu machen, und um deren Berücksichtigung ganz ergebenst zu bit ten. §1 Jede(r) reisende Künstler(in), der/die hier öffentlich mit der Kapelle konzertieren möchte, muss die Genehmigung beim Generaldirektor der Königl. musikalischen Ka pelle einholen und sich persönlich den Kapell- und Konzertmeistern vorstellen. §2 Der Konzertgeber muss die Vorsteher acht Tage vor dem Veranstaltungstermin von seiner Absicht in Kenntnis setzen. Diese laden gelegentlich eines Kirchendienstes die Kapellmitglieder in Anwesenheit des Künstlers zur Mitwirkung ein. Vorher darf das Konzert nicht annonciert werden. §3 Der Konzertgeber zahlt 25 Taler in den Witwen- und Waisen-Fonds und offeriert den Kapellmitgliedem bei der Probe nach altem Brauch ein Entree Billet zu ihrer Disposition, da diese ohne Honorar spielen. §4 Die Vorspieler der 1. Violinen übernehmen die Leitung des Konzerts, wenn der Ka pellmeister dazu nicht bereit ist. Der Konzertgeber muss mit dem Konzertmeister, der gerade der Reihe nach zu spielen hat, das Nötige besprechen. § 5 Diegewöhnliche Besetzung des Orchesters besteht aus folgenden Instrumenten: 5 Violinen I, 5 Violinen II, 2 Violen, 2 Violoncelli, 2 Kontrabässe 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte 2 Hörner, 2 Trompeten 555 1 Paar Pauken Insgesamt also 29 Musiker Sollten noch Instrumente gebraucht werden, zu welchen in der Kapelle 'keine Personen an gestellt sind, muss sich der Konzertgeber an den Stadtmusikus wenden. § 6 Der gastierende Künstler hat mit ohngefähr folgenden Kosten zu rechnen: 1.W itw en-und Waisenfonds 25Taler 2. Saalmiete inklusive Beleuchtung 30 Taler 3. Druck der Konzertzettel 4 Taler 4. Zettelträger 1 Taler 5. Billets-Abnehmer 16 gk 6. Kassierer 16 gk 7. Orchesteraufbau 6 Taler 8. Kapelldiener 6 Taler 9. SubscriptionvonlOO Billets 6 Taler 6 gk 79.TH 14 gk Dresden 5. Dcbr. 1827 Die Vorsteher der Königl. musikalischen Kapelle, gegengezeichnet von Generaldirektor von Lüttichau SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 87-89 (47-49), fol. 91-93, fol. 94-96 Text in französischer Sprache, fol. 96-98 Text in italienischer Sprache E 17 Aus Ergänzungen der Statuten, 15. Oktober 1829 Wenn die Kapelle in Konzerten fremder oder einheimischer Künstler mitwirkt, beträgt der Beitrag in die Witwen- und Waisenkasse bei einem Kartenpreis bis zu 1 Taler 25 Taler, bei darüber liegendem Eintritt 30 Taler. Jedes Kapellmitglied zahlt vom 1. Januar 1830 an bis zu seiner Pensionirung oder Entlassung von jedem Hundert Thaler seiner Besoldung - „8 gk - " mithin 1/3. pro Cent derselben in den Fonds ein, dies soll halbjährlich geschehen. Genehmigt, den 30ten Nov. 1829. 'Von Lüttichau SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 165 f. (104 f.) E 18 Aus Ergänzungen zu den Statuten, Ende 1831 oder Anfang 1832 Wer aus der Kapelle ausscheidet, aber weiter Mitglied des Unterstützungsfonds blei ben und seine Ansprüche erhalten will, muss innerhalb von sechs Monaten 100 Taler in die Kasse einzahlen. Auch bei unzureichendem Kassenstand (zum Beispiel infolge schlechter Zinsen oder Epidemien) steht den Witwen und Waisen Unterstützung zu, aber es kann sein, dass sie einige Zeit auf Auszahlung warten müssen. Eine Witwe verliert ihre Ansprüche, wenn sie wegen liederlichen Lebenswandels oder großer Verbrechen belangt wird. Heiraten Mitglieder im Alter von über 60 Jahren eine Frau unter 30 Jahren, gibt es Abzüge. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 254 f. (133 f.) 556 Die Einrichtung einer Notenbibliothek für die Kapellkonzerte wurde in den Statuten (E 15/B, Pkt. 14), aber auch anderweit (A 6, G 32) angesprochen. E 20 Gesetzliche Bestimmungen der durch Allerhöchsten Rescript vom 13. Mai 1826 genehmigten Stiftung eines Unterstützungsfonds fü r die Wittwen und Waisen der Mitglieder der Königl. musikalischen Kapelle. Dresden, 1854 (in Zusammenfassung, Zitate kursiv) Grundbestimmungen A. Zweck und Ziel des Unterstützungsfonds, allgemeine Bestimmungen über denselben und des sen Erwerbsquellen § 1 Die folgenden Bestimmungen für die 1826 gegründete Unterstützungs-Casse tre ten am 10. April 1854 in Kraft und ersetzen die bisher gültigen. § 2 Zweck ist die Versorgung der hinterlassenen Wittwen und Waisen verstorbener Kapellmitglieder. § 3 In Korrespondenz mit § 76 kann erwogen werden, auch Versorgungsregelungen zugunsten der Theilhaber zu treffen. § 4 Erwerbsquellen a.) Erträge aus den Palmsonntagskonzerten b.) Netto-Einnahmen sonstiger, mit königlicher Genehmigung stattfindender Konzerte zugunsten der Stiftung c.) Beiträge (im Sinne von Gebühren) aus anderen hierorts stattfindenden, mit öffentlichen Ankündigungen und gegen Eintrittsgeld abgehaltenen Konzer ten, Akademien und Soireen, die vom Veranstalter praenumerando einzuzah len sind, sofern Kapellmitglieder, die Teilhaber des Unterstützungsfonds sind, mitwirken. § 5 Die §§ der Anfüge müssen bis auf Widerruf befolgt werden. § 6 Die jährlichen Einnahmen werden nach Abzug der Unkosten gemäß §§ 8, 9 und 10 verwendet. § 7 Einnahmen aus Schenkungen, Vermächtnissen, Strafgeldern usw. fließen auch in den Unterstützungsfonds. § 8 Der Hauptfonds wird verzinslich angelegt und vom Königl. Hofzahlamt aufbe wahrt. Er ist unantastbar. Für Zahlungen dürfen nur die Zinsen verwendet werden. Das angelegte Kapitalvermögen darf niemals für Unterstützungszah lungen angegriffen oder vermindert werden, so lange die Königl. Kapelle als solche besteht. § 9 Die Unterstützungsleistungen richten sich nach der Summe der Zinsen und der Anzahl der Empfänger. § 10 Außerordentliche Zuschüsse zu den jährlichen Unterstützungen erfolgen nur, wenn die Zuflüsse in den Hauptfonds nach § 4 jährlich mehr als 500 Taler betra gen und die regelmäßige Unterstützung (nach § 35 pro Jahr 60 Taler je Witwe und Waise) gedeckt ist. § 11 Um den Hauptfonds gegen momentane Bedrängnis abzusichern, wird ein Reservefonds angelegt. E1 9 557 B. Direction und Administration des Instituts § 12 Sie bestehen teils aus den vier Vorstehern und teils aus der Generalversamm lung, zu der die Gesamtheit der Theilhaber gehört. Die oberste Leitung obliegt dem Generaldirektor bzw. seinem Stellvertreter; er präsidiert allen beratenden und Beschluss fassenden Versammlungen; ihm müssen jährlich oder auf Verlangen alle Berichte vorgelegt werden; er genehmigt über die bestehenden Beschlüsse hinausgehende Maßnahmen und Entscheidungen. § 13 Die Königl. Kapellmeister und Konzertmeister (oder deren Stellvertreter) verständigen sich untereinander über ihre Mitwirkung und die Programme. § 14 Die schriftlichen Arbeiten wie Protokolle und Korrespondenzen sowie rechtskundlichen Beistand leistet der Theatersekretär, der dafür volles Anteils recht als außerordentlicher Theilhaber genießt (siehe auch §§ 16/17). § 1 5 Kassen- und Rechnungsführung sowie einschlägige Arbeiten übernimmt der Königl. Hoftheater-Cassirer, nach dessen Tod seiner Witwe und seinen Kindern gleiche Anteilsrechte wie Kapell-Hinterbliebenen zustehen. C. Theilhaber des Instituts, deren Aufnahme, Pflichten und Rechte sowie Bestimmungen der Fälle, in welchen ~Wiederausschluß erfolgen 'kann § 16 Theilhaber sind alle in den Personallisten des Unterstützungsfonds verzeichneten Mitglieder der Königl. musikalischen Kapelle. Aufgenommen werden können außerdem a.) auf Lebenszeit angestellte Kapellmeister, Konzertmeister und wirkliche Musikdirektoren der Königl. musikalischen Kapelle, b.) alle auf Lebenszeit angestellten Königl. Kammermusiker, c.) der Hoftheatersekretär (siehe § 14), d.) der Hoftheater-Kassierer (siehe § 15). § 17 Falls dem Institut daraus Vorteile erwachsen (siehe §§ 14/15), können außerordentliche Theilhaber aufgenommen werden; dies muss von 9/10teln der Vollversammlung beschlossen und durch den Generaldirektor genehmigt werden. § 18 Der außerordentliche Theilhaber ist nicht im Konzert, sondern auf einem speziellen Gebiet tätig. § 19 Nach zehnjähriger Tätigkeit und ständiger Mitwirkung für den Fonds erhalten Witwen von Aspiranten die Hälfte des Betrages, den Witwen von Kammermu sikern bekommen. § 20 Kapellmitglieder, die sich zur Aufnahme in den Verein eignen, werden durch die Vorsteher in die Personallisten eingetragen und müssen sich auf die Statuten verpflichten. § 21 Der Aufzunehmende bestätigt den Erhalt des Statuts und sagt zu, den in diesen Gesetzen enthaltenen Bestimmungen und Verpflichtungen allenthalben treu und gewis senhaft nachzukommen. § 22 Die Aufnahme wird durch das Einschreiben in die Personallisten vollzogen. Dasjenige Kapellmitglied wird lebenslang ausgeschlossen, das Anmeldung und Leistungen für den Fonds länger als ein Jahr hinauszögert. 558 § 23 Jeder Theilhaber fördert die Interessen des Instituts nach Kräften. Falls er seine Pflichten verletzt oder dem Institut schadet, kann er mit einer Strafe bis zu 20 Talern oder mit Ausschluss zur Verantwortung gezogen werden. § 24 Mitglieder im aktiven Kapelldienst sind zur Mitwirkung in Konzerten zuguns ten des Instituts verpflichtet. Bei Weigerung erfolgt nach dreimaliger Verwar nung der Ausschluss. § 25 Alle Mitglieder sind zur Teilnahme an der Generalversammlung verpflichtet. § 26 Wer als Vorsteher gewählt ist, muß das Amt antreten. Jeder ist verpflichtet, dem Vorstand behilflich zu sein. § 27 Dem Vorstand ist die Verehelichung mit Angabe der Altersverhältnisse anzuzei gen. § 28 Das Mitglied verliert seine Teilhabe durch Streichung aus der Liste, Ausschei den aus dem Dienstverhältnis oder Entlassung aus dem Dienstverhältnis ohne Pensionszahlung. § 29 Die Pensionierung schmälert den Anspruch auf Teilhabe nicht. Der Pensionär sollte bei Bedarf offen für die Beteiligung an der Geschäftstätigkeit sein. § 30 Ein Ausgeschlossener kann bei der Generalversammlung in Berufung gehen. § 31 Alle Theilhaber sind gleichberechtigt; es gibt weder Bevorzugung noch Benachteiligung. § 32 Durch Einzeichnung in die Liste erwirbt der Theilhaber das Recht auf Zahlung an seine Witwe. § 33 Hinterlässt der Theilhaber keine Witwe, geht der volle Betrag an seine ehelichen Kinder, bis das jüngste 18 Jahre alt ist. D. Bestimmungen über die zu gewährenden Unterstützungen, ingleichen Festsetzung der Fälle wo Kürzung oder gänzliches Erlöschen eintritt. § 34 Die Generalversammlung setzt die Höhe der Zahlungen und Almosen nach Kassenlage fest. Der Vorstand kann mit Genehmigung der Generalversamm lung Geldspenden bis zulO Talern ausreichen. § 35 Der Unterstützungsbeitrag für Witwen wird jetzt auf 60 Taler pro Jahr festge legt. § 36 Außerordentliche Unterstützungszuschläge von Jahr zu Jahr können bei entsprechender Kassenlage gewährt werden. §37 Witwen müssen den Tauf- und den Trauschein, Waisen den Taufschein vorle gen. § 38 Die Auszahlung erfolgt postnumerando quartalsweise. § 39 Bei glaubhaften obrigkeitlichen Zeugnissen erfolgt die Auszahlung auch ins Ausland, wenn die Witwe nicht wiederverheiratet ist bzw. die Waisen nicht an derweitig versorgt sind. Inländische Empfänger müssen solche Nachweise am Jahresende vorlegen. § 40 Die Abtretung der Unterstützungsgelder vor der Verfallszeit ist unzulässig. § 41 Der Anspruch erlischt bei Ableben des Empfängers, bei Witwen im Falle von Wiederverheiratung, bei Kindern mit Erreichen des gesetzlichen Mindestalters oder anderweitiger Versorgung wie Adoption oder beruflicher Anstellung. 559 § 42 Bei entehrender Bestrafung kann die Generalversammlung einer Witwe die Unterstützung entziehen; ebenso wenn sie schuldhaft in Bedrängnisse gerät, die die Erziehung der Kinder gefährden. In beiden Fällen muss die Generalver sammlung die Sorge um Unterhalt und Erziehung der Kinder bedenken. § 43 Wenn ein Mitglied erst auf dem Sterbebett oder während seiner letzten Lebens tage heiratet, hat die Witwe keinen Anspruch. § 44 Bei Heirat eines Pensionärs müssen zwei Theilhaber bezeugen, dass diese nicht auf dem Sterbebett erfolgt ist. § 45 Bei Ehescheidung erlischt der Anspruch der Frau. § 46 a.) Bei Eheschließung darf die Frau höchstens zehn Jahre jünger sein, wenn sie den sofortigen Anspruch auf die volle Zahlung geltend machen will, b.) Ist die Frau 10 bis 15 Jahre jünger, werden 2/15tel des Jahresbetrages gekürzt, bei noch größerem Abstand erfolgen entsprechend höhere Abzüge. E. Plenarversammlungen §47 Das Plenum tagt jährlich einmal unter dem Vorsitz des Generaldirektors oder seines Stellvertreters. Es nimmt Rechenschaftsberichte entgegen und entscheidet über die Bewilligung von Unterstützungen, über Anträge, Beschwerden und Streitfälle. § 48 Für jeden Theilhaber besteht die Pflicht zur Teilnahme, schriftliche Entschuldigungen werden nur ausnahmsweise entgegengenommen. Zuwider handlungen werden mit Strafen zwischen 20 und 40 Neugroschen geahndet. § 49 Bei unterschiedlichen Meinungen erfolgt Abstimmung; Beschlüsse sind bindend für alle. § 50 Für Abstimmungen ist eine 2/3-Anwesenheit erforderlich. § 51 Die Abstimmung erfolgt mit weißen (ja) und schwarzen (nein) Kugeln. § 52 Für Abstimmungen ist die absolute Mehrheit notwendig; bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. Änderungen der Statuten sind nur bei einer Mehrheit von 9/10teln möglich. In praktischen Fragen sind nur aktive Kammermusiker stimmberechtigt. § 53 Der Generaldirektor entscheidet, wann abweichende Beschlüsse der Genehmi gung des Königs bedürfen. § 54 Bei dringenden Angelegenheiten sind zusätzliche Plenarsitzungen möglich. § 55 Plenarversammlungen werden durch die Vorsteher einberufen. Mit der allgemeinen Einladung wird die Tagesordnung bekannt gegeben. § 56 Können sowohl der Generaldirektor als auch sein Stellvertreter nicht anwesend sein, übernimmt ein Kapellmeister oder ein Konzertmeister den Vorsitz. In die sem Falle muss der Generaldirektor unverzüglich über die Ergebnisse infor miert werden. § 57 Das Protokoll einer Generalversammlung wird in der nächsten Plenarsitzung verlesen und bestätigt. 560 F. Vorsteher des Unterstützungsfonds, deren "Wirkungskreis, Pflichten und Befugnisse § 58 Die Wahl der vier Vorsteher erfolgt per Stimmzettel mit relativer Mehrheit. Die Vorsteher bilden die Administration und sind verantwortlich für die Einhal tung von Bestimmungen und rechtsgültigen Beschlüssen sowie die Förderung der Vereinsinteressen. § 59 Die Vorsteher werden für vier Jahre gewählt; jährlich scheidet einer von ihnen (niemals mehrere) aus. § 60 Bei plötzlichem Rücktritt eines Vorstehers, für den triftige Gründe vorliegen müssen, erfolgt die sofortige Wahl eines neuen Vorstehers. § 61 Der Gewählte ist zur Annahme der Wahl verpflichtet, es sei denn, er hat triftige Gründe dagegen vorzubringen. Uber 60-jährige können die Wahl ablehnen. Die Wiederwahl eines Vorstehers ist erst vier Jahre nach Ablauf seiner vorangegan genen Wahlperiode möglich. § 62 Die Vorsteher führen die Personallisten und sind verantwortlich für die Registrierung aller Personalangelegenheiten (z.B. Hochzeiten, Todesfälle). § 63 Die Vorsteher berufen die Plenarsitzungen ein. § 64 Sie können außerordentliche Generalversammlungen in eigener Verantwortung ansetzen und, falls nicht anders möglich, erst nachträglich die Bestätigung durch den Generaldirektor einholen. § 65 Die Vorsteher sind verantwortlich für den Ankauf und Umtausch der Staatspa piere und die Auszahlung aller Unterstützungen. Die notwendigen Belege muss gegebenenfalls ein Kapellmeister contrasigniren. § 66 Die Generalversammlung wählt aus ihren Reihen zwei Kassenprüfer. § 67 Alle Kassenbücher und Akten stehen jedem Mitglied zur Einsichtnahme offen. § 68 Die Vorsteher kontrollieren die Konzert-Einnahmen. § 69 Das Notenmaterial des Unterstützungsfonds wird gestempelt und in der Hofkirche abgelegt. Den Schlüssel zum Notenschrank verwahren die Vorsteher. § 70 Die Vorsteher teilen sich in die Aufgaben und führen darüber Journal. § 71 Jeder Vorsteher steht für die von ihm vorgenommenen Zahlungen ein. § 72 Die Vorsteher können Mitglieder zur Mitarbeit heranziehen. § 73 Die Vorsteher verhandeln namens der Kapelle die Konzerte, auch mit Personen von außerhalb, und sind verpflichtet zur Einhaltung der Bestimmungen. § 74 Sie sind für alles dem Ganzen solidarisch verpflichtet und müssen keinen Widerspruch gegen ihre Anordnungen dulden. Auftretende Widersetzlichkeiten werden im Plenum verhandelt. § 75 In Zweifelsfällen beraten sich die Vorstände mit den Kapell- und Konzertmeis tern bzw. mit den Rechts- und Kassenbeiständen. Darüber ist Protokoll zu füh ren. 561 G. Schlußbestimmungen § 76 Wenn der Fonds so angewachsen ist, dass von den Zinsen jeder Witwe jährlich 150 Taler gezahlt werden können, liegt es in der Entscheidung der Mitglieder, ob der Zweck des Vereins, die hinlängliche Versorgung der Wittwen und Waisen, erreicht ist und mit Allerhöchster Genehmigung eine erweiterte Wirksamkeit des In stituts zu Gunsten der theilhabenden Mitglieder möglich wäre, durch Vorschüsse - Unterstützung in Fällen außerordentlicher Bedrängnis freie Verteilung der Jahreseinnahme an alle Mitglieder. § 77 Bei einer eventuellen Auflösung der Kapelle erfolgt die Aufteilung des Fonds an alle Mitglieder und Pensionäre je nach deren entsprechenden Anteilsansprü chen. § 78 Es besteht - mit Zustimmung des Generaldirektors, der Generalversammlung und Allerhöchster Genehmigung - das Recht auf Veränderungen und Ergän zungen dieser Statuten. Anfüge A. Diegroßen Musikaufführungen fü r den Unterstützungsfonds § 1 Am Palmsonntag sollen alljährlich stets klassische, oder nur musikalische Werke von hoher künstlerischer Gediegenheit zur Aufführung gebracht werden. § 2 Kapellmeister, Konzertmeister und die vier Vorsteher beginnen alljährlich um Weihnachten mit der Beratung über das Programm, legen es drei Monate vor Ostern fest und tragen es dem Generaldirektor, der ein Einspruchsrecht hat, zur Genehmigung vor. § 3 Der dirigierende Kapellmeister entscheidet über Solistenbesetzung, Orchesteraufstellung und alle weiteren Notwendigkeiten für die Aufführung. § 4 Die Königl. Kapellmeister verständigen sich darüber, wer von ihnen welches Werk dirigiert. Bei mehreren Werken ist die Beteiligung beider Kapellmeister wünschenswerte §5 Sollte die Kassenlage ein zweites Konzert erfordern, bedarf es der Genehmigung Vorgesetzter Stellen. § 6 Die vier Vorsteher kümmern sich um Einladungen, öffentliche Ankündigungen, die Musikalien, die Anordnung der Beleuchtung und alle anderen mit der Auf führung verbundenen Erfordernisse. § 7 Jedes Kapellmitglied, das Theilhaber ist, ist zu thätiger Mitwirkung in diesen Concerten und den dazu gehörigen Proben auf das Strengste verpflichtet. Kapellmitglieder werden nur bei Angabe triftigster Gründe entschuldigt und gehen straf frei aus, wenn sie einen honorarfreien Ersatz stellen. § 8 Das Mitglied, das dem Palmsonntagskonzert nur unzulänglich beiwohnt, wird in der Generalversammlung zur Verantwortung gezogen. § 9 Nach wiederholter Pflichtverletzung und dreimaliger Verwarnung folgt der Ver lust aller Anteilsrechte. § 10 Die Eintrittspreise für das Königl. Schauspielhaus bewegen sich auf der bisher üblichen Höhe. 562 §11 Zur Generalprobe zahlt das Publikum ermäßigte Preise. Zweimaliges Hören kann das musikalische Verständnis fördern. § 12 Freibilletts für Generalproben und Konzerte legen die Vorsteher fest. § 13 Die Vorsteher führen darüber Journal. B. Die von fremden (außerhalb der Königl. Kapelle stehenden) Künstlern, Vereinen etc. unter As sistenz der Königl. Kapelle hierorts gegeben werdenden Konzerte. § 14 Bei hier stattfindenden öffentlichen Konzerten gegen Eintrittsgeld, in denen mehr als zwei Kapellmitglieder mitwirken, müssen vom Konzertgeber praenumerando Beiträge in die Witwen- und Waisenkasse gezahlt werden. § 15 Da Kapellmitglieder ohne Honorar spielen, gilt der Beitrag nicht als Bezahlung für ihre Mitwirkung. § 16 Die Königl. Kapelle unterstützt gern Konzertveranstalter. Grundsätzlich wird aber festgelegt, dass dies nur Künstlern mit ausgezeichneten Fähigkeiten zu steht, sofern es der Dienst erlaubt. § 1 7 Ohne Genehmigung des Generaldirektors ist eine Mitwirkung von Kapellmitgliedern nicht möglich. § 18 Wenn diese Genehmigung vorliegt, muss sich der Veranstalter an die Vorsteher wenden, die alles weitere veranlassen. § 1 9 Öffentliche Ankündigungen mit Erwähnung einer Kapell-Mitwirkung sind erst nach der Zusage der Vorsteher möglich. § 20 Der Konzertgeber muss den Dirigenten persönlich einladen. § 21 Er muss auch die solistische Mitwirkung von Kapellmitgliedern mit diesem per sönlich absprechen. § 22 Der Konzertgeber muss sich für die Einladung der übrigen Kapellmitglieder an einem ihrer Dienstorte (Kirche oder Theater) einfinden und von den Vorstehern den anwesenden Musikern persönlich vorstellen lassen. § 23 Bei vollstimmigem Orchester steht im Allgemeinen folgende Besetzung zur Verfü gung: 5 'Violinen I, 5 'Violinen II, 2 'Violen, 2 'Violoncelli, 2 Kontrabässe 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte 2 (resp.) 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen 1 Paar Pauken (insgesamt 32 bis 34 Musiker) Sollte der Veranstalter Instrumente benötigen, die von Kapellmitgliedern nicht gespielt werden, muss er sie sich auf eigene Kosten selbst besorgen. § 24 Die Mitwirkung der Kapelle beschränkt sich in allen diesen Concerten lediglich au f die Aufführung der 'betreffenden Concert-Ouvertüren und au f das Accompagnement der darin vorkommenden Solosätze und Gesangnummern, und können demnach Sympho nien niemals darin aufgeführt werden. § 25 Bei Konzerten mit voller Orchesterbesetzung (siehe § 23) sind folgende Beiträge praenumerando in die Witwen- und Waisenkasse zu zahlen: bei einem Subscriptionspreis nicht über 1 Taler 30 Taler bis 2 Taler 40 Taler über 2 Taler 50 Taler 563 § 26 Außerdem ist jedem mitwirkenden Kapellmitglied ein Freibillett zu geben, so fern das Konzert nicht einem wohltätigen oder öffentlichen Zweck dient. § 27 Ist der Konzertgeber Komponist und stellt eigene Werke vor, können die Vor stände des zu erwartenden höheren Zeitaufwandes wegen nicht ohne Mit gliederbefragung Zusagen. Außerdem muss der Veranstalter auch bei einfachen Kartenpreisen 50 Taler in die Witwen- und Waisenkasse zahlen. § 28 Nimmt der Veranstalter in einem Konzert, einer Akademie oder Soiree etc. nur einige Kapellmitglieder in Anspruch, gilt: Wirken mehr als zwei Kapellmitglie der in einem Werk (konzertierend, begleitend, in Quartetten oder Quintetten, in Eingangs-, Ausfüllungs- oder Schlussnummern) mit, hat der Veranstalter praenumerando die Hälfte der festgesetzten Orchesterbeiträge in die Kasse einzu zahlen. § 29 Die Mitwirkung einzelner Kapellmitglieder muss der Veranstalter persönlich mit den Musikern verhandeln; Vorsteher braucht er in diesem Fall nicht hinzu zuziehen § 30 Falls die Kapelle für öffentliche oder wohltätige Konzerte herangezogen wird, gilt: Wird die Einnahme verwendet a.) zur Ansammlung zinstragender Unterstützungsfonds b.) für andere gemeinnützige Unternehmungen wie zur Ausführung von Denkmälern, Bauten etc., hat der Veranstalter 30 Taler in die Witwen- und Waisenkasse zu zahlen. Nur thatsächliche Armenkonzerte, deren Einnahmen direkt den Hilfsbedürftigen zugute kommen (Brände, Theuerung etc.) bleiben beitragsfrei. § 31 Im Falle von a.) und b.) des § 30 dürfen die Beiträge nie ermäßigt werden. In außerordentlichen Fällen entscheiden die Mitglieder nach Einzahlung des fälligen Betrags, ob die eingezahlte Summe als freiwillige Beisteuer dem angegebenen Zweck zur Verfügung gestellt wird. § 32 Einzelne Kapellmitglieder dürfen in Konzerten von Musiker- und Sängercorporationen außerhalb der Kapelle nur als Solisten, nicht als Verstärkung eines Ensembles mitwirken. Die Vorsteher können Ausnahmen genehmigen. Nur bei kirchenmusikalischen Feierlichkeiten und Gottesdiensten ist jedem Mitglied die Beteiligung freige stellt. § 33 14 Tage vor Palmsonntag wird keinem Kapellmitglied die Mitwirkung in einem anderen Konzert bewilligt. C. Konzertbestimmungen fü r die der Königl. Kapelle zugehörigen Mitglieder § 34 Von Kapellmitgliedem dürfen während eines Winters in der Regel vier, in Aus nahmefällen fünf Konzerte veranstaltet werden. § 35 Jedes Mitglied muss als erstes zwischen Ostern und Michaelis die Genehmigung der Generaldirektion einholen; danach hat er die Vorsteher zu informieren. § 36 Die Reihenfolge der Konzertansetzungen entspricht der Reihenfolge der Anmeldungen. 564 § 37 Ein Kapellmitglied darf nur alle zwei Jahre ein Konzert zum eigenen Vortheile in Dresden veranstalten. Will er schon nach einem Jahr wieder ein Konzert geben, muss er wie fremde Konzertgeber den vollen Beitrag in die Witwen- und Wai senkasse zahlen. § 38 Das Kapellmitglied, das im laufenden Jahr eine Kunstreise unternommen hat, kann auch noch in Dresden nur dann konzertieren, wenn sich für dieses Jahr weniger als vier andere Kapellmitglieder angemeldet haben. § 39 Auch für Kapellmitglieder gelten die Bestimmungen unter B. hinsichtlich der Beiträge für die Witwen- und Waisenkasse: § 40 Allerdings wird stets nur die Hälfte der Beiträge anderer Veranstalter fällig, also bei voller Orchesterbegleitung bis zu einem Taler Eintritt 15 Taler, bei höheren Preisen auch erhöhte Beitrage gemäß der Tabelle in § 25. § 41 Für kleinere Besetzungen mit oder ohne Gesang zahlen sie 7 Taler 15 Neugroschen. § 42 Bei Trios, Quartett- und Quintettakademien von Kapellmitgliedem beträgt der Beitrag 5 Taler, mit Gesang 7 Taler 15 Neugroschen. § 43 Angehörige von Kapellmitgliedem, die unversorgt und noch im elterlichen Hause sind und hinreichende künstlerische Befähigung nachgewiesen haben, erhalten die Unterstützung der Kapelle unter den gleichen ermäßigten Bedin gungen wie Kapellmitglieder. D. Allgemeine Bestimmungen § 44 Einem Mitglied des Sängerpersonals gewährt die Kapelle Unterstützung gratis, wenn es mindestens dreimal in Konzerten für den Unterstützungsfonds mitge wirkt hat. Nach nur ein- bis zweimaliger Mitwirkung zahlt es einen Beitrag ge mäß §§40 und 41. § 45 Die Zahlung kann nur ausnahmsweise und nach einem Beschluss der Mitgliederversammlung erlassen werden. § 46 Jedes am Unterstützungsfonds theilhabende active Kapellmitglied ist zur Mitwirkung an den unter B. und D. genannten Konzerten aufs Strengste verpflichtet. § 47 Dirigenten unterliegen der gleichen Verpflichtung. Sie stimmen sich untereinan der über die Leitung der Konzerte ab. § 48 Wer sich der Teilnahme verweigert oder entzieht, wird auf das Strengste zur Ver antwortung gezogen, im Wiederholungsfälle vom Unterstützungsfonds ausge schlossen. § 49 Gleichmäßige Dienstverteilung wird vom dirigirenden Concertmeister [ ...] nach Ordnung und Reihenfolge der mitwirkenden Mitglieder geregelt. § 50 Bei Ungleichheiten wendet sich das betroffene Kapellmitglied an den Kapellmeister oder die Vorsteher. § 51 Wenn ein Kapellmitglied aus triftigen Gründen ein Konzert nicht spielen will, soll es nach Befinden durch Übernahme des Schauspieldienstes etc. an den Concertabenden seinen guten 'Willen zeigen. § 52 Darüber hinaus muss ein Mitglied, das einem Fremden einen Quartettabend oder ein Konzert mit Begleitung arrangirt oder vermittelt, prompt den fälligen Beitrag einzahlen. 565 § 53 Die Mitglieder verzichten bei Konzerten zu öffentlichen oder wohltätigen Zwecken auf Freibilletts. § 54 Der Verkauf von Freibilletts durch Kapellmitglieder wird streng geahndet. § 55 Wenn bei einem Kapellmitglied eine die Ehre und Würde des Instituts verletzende Hal tung beobachtet werden sollte, entscheidet ein Ausschuss, der aus den vier Vorstehern und drei ausgewählten Kammermusikern besteht, mit Unterstützung der General direktion über eine Rüge bzw. die Beseitigung des Ubelstandes. § 56 Jedes Mitglied ist verpflichtet, alles, was dem Ansehen der Kapelle schaden könnte, anzuzeigen. § 57 Schlussbestimmungen Sollten in den Anordnungen unter A. bis D. zeitgemäße Veränderungen notwen dig sein, werden diese nach Beratung und Beschlussfassung sowie Genehmigung durch die Generaldirektion vorgenommen. SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, 14429, fol. 150 ff. (Titelseite, S. 1-27, Druck der Königlichen Hofdruckerei von C. C. Meinhold und Söhne) E 21 Die vorstehenden Gesetzlichen Bestimmungen von 1854 übernehmen die Hauptgrundsätze der bisherigen Regelungen, richten sie auf die aktuellen Verhältnisse in der Mitte der 1850er Jahre aus und arbeiten die bis dahin gemachten praktischen Erfahrungen sowie die im Laufe der Jahre erfolgten, z.T. in verstreuten Akten liegenden Ergänzungen ein. Sie bringen die vielseitigen inhaltlichen Aspekte in eine sinnvolle Ordnung. Für die königli che Bestätigung sollte des Guten und Zweckmäßigen so viel, - des Mangelhaften und Unhaltba ren so wenig als möglich zur 'Vorlage gebracht werden. Deshalb wurden in einem Teil die Fundamentalbestimmungen festgeschrieben, die ohne königliche Genehmigung nicht ver ändert werden durften. Der andere Teil sollte an Administrativbestimmungen, 'Verordnungen in Bezug auf das Concertwesen etc. etc. all das zusammenfassen [...], was seiner inneren Natur nach wandelbar, nur auf so lange Geltung 'beanspruchen 'kann, als nicht die Gesammtheit der Teil haber darin andenveite Bestimmungen auf dem vorschriftsmäßigen Wege festzusetzen nöthig findet. Es war demnach zum Beispiel der disciplinarische Theil der Gesetze nicht nur etivas sorgfältiger als vordem ins Auge zu fassen, sondern es hatten gewisse, zwar sehr vereinzelt stehende, aber im merhin unerfreuliche Erscheinungen zu der gemeinsamen Erkenntniß geführt: wie wünschenswerth es sei, wenn auch nach dieser Seite hin mit Nachdruck vorgeschritten und den moralischen Interessen des Instituts durch entsprechende, nöthigenfalls ins außerdienstliche Leben hinüber greifende Bestimmungen thunlichst nachgegangen würde. So wurde in die Statuten ein Passus aufgenommen, daß für die Zukunft unter den Mitglie dern ein Ausschuß zu erwählen sei, in dessen Befugnis es liege, weiterhin alles Das anzuordnen und näher festzusetzen, was zur Wahrung und Hebung der sittlichen Interessen der Gesammtheit dienen könne. Die Fassung der im Juli 1854 durch Druck veröffentlichten Statuten war in einer Kapellversammlung am 24. November 1853 beschlossen worden. Das Ministerium des Königli chen Hauses hatte sich danach zu mehrfachen höchst schätzenswerthen Verbesserungsanmer kungen in Bezug auf Kürze und Präcision der gegeben Bestimmungen huldvollst herbeigelassen. Der König hat sie durch Reskript vom 6. April 1854 bestätigt (siehe nachstehend E 22). Statuten 1911, S. 5-8 566 Von Gottes Gnaden, Friedrich August, König von Sachsen etc. etc. Bester Rath, lieber getreuer. Nachdem Uns der von euch, mittels unterthänigsten 'Vortrags vom 26. December vorigen Jahres, eingereichte Entwurf der gesetzlichen Bestimmungen über den im Jahre 1826 begründeten, bereits zu einer nicht unbeträchtlichen Höhe angewachsenen und segensreich wirkenden Unterstützungsfond fü r die Wittwen und Waisen Unserer musika lischen Kapelle vorgelegt worden ist, Wir auch, was die darunter begriffenen „Grundbestim mungen" Gezeichneten allgemeinen Vorschriften anlangt, solche in der Weise, wie die Beilage besagt, und dergestalt genehmigt haben, daß hiervon ohne Unsere Zustimmung eine Aenderung nicht vorzunehmen ist, so lassen wir Euch diese Beilage wieder zugehen, damit sothane gesetzliche Bestimmungen nunmehr zum Druck gebracht werden, finden auch kein Bedenken, denselben gegenwärtigen Rescript vor- oder nachdrucken zu lassen. Hiernach ist von euch das Weitere zu besorgen und daran Unser Wille und Meinung zu voll bringen, die Wir euch -mit Gnaden gewogen verbleiben. König Friedrich August II. am 6. April 1854 an Generaldirektor von Lüttichau Zitiert nach: Statuten 1911, S . l l (Die nächste Druckfassung der Statuten wurde im Juli 1882 veröffentlicht; sie ist ent halten in: Statuten 1911, S. 17 ff.) E 23 Einladungstexte zur Mitwirkung im Konzert im Dezember 1826, verfasst von Vorsteher Franz Anton Morgenroth Da die Königliche musikalische Kapelle den 27ten dieses Monats*) die erste große Vocal- und Instrumental Akademie, und zwar Haydn's Schöpfung mit italienischem Texte, zur Gründung eines Unterstützungs Fonds fü r die Wittwen der in Zukunft mit dem Tode abgehenden Kapell Mitglieder, mit Allerhöchster Genehmigung, im hiesigen großen Opernhause, unter der Auf führung des Herrn Kapellmeisters Morlacchi zu geben gesonnen ist; so ersuchen die Unter zeichneten 'Vorsteher im Nahmen des ganzen Kapellvereins, - die Herren und Damen der ehemaligen Dreyssigschen Singe Academie hiermit ganz ergebenst: gedachte Kapelle, bei diesem wohlthätigen Zwecke, durch Ihre Talente gütigst zu unterstüzzen. Die Gewährung dieser Bitte wird von derselben geiviß jederzeit dank bar anerkannt werden. Dresden, den lten December 1826 Die 'Vorsteher der Königl. musikalischen Kapelle An die Herren 'Vorsteher der ehemaligen Dreyssigschen Singe-Academie. sowie an - die Herren und Damen des Königlich italienischen und deutschen Hofopern Personals hiermit ganz ergebenst...die Herren Musik Directoren 'hiermit ganz ergebenst: gedachte Kapelle bei diesem wohlthätigen Zweck durch das unter Ihrer Leitung stehende Singe Chor, gütigst... An die Herren Musik Directoren Aghte, M ende und Schwarze hieselbst. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 39 (4) *) später geändert in 29.12.1826 (E 28) E 22 567 Obwohl ein Teil der Mitglieder interessiert wäre, sagte die Dreyssigsche Singakademie ihre Mitwirkung ab, weil die Probenzeit (auch wegen der eingeschlossenen Weih nachtstage) zu kurz sei, der Text auf italienisch gelernt werden müsse und es außer dem keine finanziellen Mittel für die Anschaffung eines Chormaterials in italienischer Sprache gäbe. Die Akademie wäre aber erfreut, sich zukünftig dem verehrlichen Kapell- Vereine gefällig bezeugen zu können. Unterzeichnet am 5. Dezember 1826 von Karl Friedrich Böhme, Friedrich Kaufmann, Carl Gottfried Mühle und Carl Gottfried Küster SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 40 f. (6 f.) E 25 Mit Schreiben vom 7. Dezember 1826 appellierte Franz Anton Morgenroth an die Ge neraldirektion sowie an die Mitglieder der Kapelle und des Theaters, die Kosten zum Nutzen des Fonds so gering wie möglich zu halten, das Personal im großen Opernhaus kostenfrei zur Verfügung zu stellen und richtig zu instruieren, auch, dass dieses den Anweisungen der Vorsteher folgen möge, sowie die Noten für die „Schöpfung" auf italienisch in der benötigten Anzahl kopieren zu lassen. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 44 (8) E 26 Franz Anton Morgenroth signalisierte am 10. Dezember 1826 in einem Schreiben an die Dreyssigsche Singakademie die Möglichkeit einer Verlegung des Konzerts auf den 29. Dezember, um noch Zeit zu gewinnen, bot an, das italienische Chormaterial zur Verfügung zu stellen und wies hin auf die zu erwartende Anwesenheit der Aller höchsten und 'hohen Persönlichkeiten. SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 151547/5, fol. 42 (9) E 2 7 Am 18. Dezember 1826 erschien ein Anschlag über die erste Akademie des neu ge gründeten Fonds unter der Leitung Francesco Morlacchis. Als Solisten waren hier an gekündigt Matilde Palazzesi, Adelaide Schiasetti, Antonio Buonfigli, Celestino Salvadori und Alfonso Zezi sowie als weitere Mitwirkende die Chöre der Musikdirektoren Friedrich Wilhelm Aghte, Friedrich Mende und Ferdinand Schwarz sowie des Stadt musikus Johann Gottlieb Zillmann. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 48 (17) E 28 Wortlaut des Anschlagzettels Freitag, den 29. Dezember 1826 wird mit Allerhöchster Erlaubniß von der Königl. Kapelle zu Begründung eines Unterstützungs-Fonds fü r die Wittwen und Waisen E2 4 568 derselben im Saale des grossen Opernhauses die Schöpfung von Haydn mit italienisch unterlegtem Texte, unter der Leitung des Herrn Kapellmeisters Ritters Morlacchi gegeben. Nachdem Sigra. Palazzesi und Sigr. Bonfigli zwar die Mitwirkung versprochen und die ihnen zugesendeten Parten übernommen, am Abende vor der erste Probe aber dieselben wieder zu rückgesandt haben [... nicht lesbar wegen eines Knicks in der Akte...], haben Sigra.Schiasetti und Sigr. Rubini und Zezi die Gefälligkeit gehabt, auch jene Soloparthien mit zu übernehmen. Die Aufführung geschieht daher durch diese, so wie durch das sämmtliche Personal der Königl. Kapelle und des Königl. Sänger-Chors, desgl. durch theilweise Mitwirkung der Sänger- und Musik-Chöre der hiesigen Herren Cantoren und des Stadt-Musikus. Eintrittspreise Logen des 1. Saals, 1. Rang Mittelloge des 2. Saals, 2. Rang Seitenlogen und Parterrelogen, 1. Rang 2. Rang Im unteren Theile des Saals, dem Orchester gegenüber 1. Platz mit belegten Nummern 2. Platz 3. Platz Die Logen des 3. Ranges bleiben gänzlich geschlossen. Der Eingang findet einzig und allein nur über die bedeckte Freitreppe im Zwinger statt. Der Saal wird, wie 'bey den Redouten, durch Lampen erleuchtet. Einlaß ¥2 5, Anfang 6, Ende % 9 SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5. fol. 50 (12) Stellungnahmen von Palazzesi und Bonfigli in eigener Sache zu diesem Anschlagzettel siehe G 6 ,G 7 *) Groschen E 29 Mit Schreiben vom 26. Dezember 1826 forderte Franz Anton Morgenroth im Namen der Vorsteher die Hoforganisten Klengel und Schubert sowie die Kammermusiker Roth sen. und jun., außerdem auch Carl Joseph Haudeck und Joseph Schubert auf, sich - da sie im Konzert nicht mitwirken - zur Generalprobe am 28. Dezember, nachmittags 5 Uhr, für die Übernahme irgend eines kleinen Amtes einzufinden und überhaupt das In teresse des gesammten Kapellvereins gütigst wahrzunehmen. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 45 (10) Thlr gl*) 1 16 16 8 1 16 8 569 E3 0 Nicht zum kleinsten Theile ist es ihr [der für die Konzerte verantwortlich gewählten Ka pellmitglieder] Verdienst, daß den Musikfreunden Dresdens in dem langen Zeitraum von fünfzig Jahren alljährlich ein großes Concert geboten worden ist, welches zu den bedeutendsten Deutschlands gehörte. HTT, 1876, S. 70 f. (zum 50-jährigen Bestehen des Pensionsfonds) E 31 An Sr. Königl. Majestät von Sachsen Den Wittwen-Unterstützungs-Fond der Königl. Sächßl. musikalischen Kapelle betr. Nebst 1. Kosten-Berechnung Nachdem Ew. Königl. Majestät den von der Königl. musikalischen Kapelle entworfenen Plan zur Begründung eines Fonds zur Unterstützung von Wittwen und Waisen aus ihrer Mitte durch allerhöchstes Rescript vom 13. May dieses lahres allergnädigst genehmigt und zu bewil ligen geruht haben, daß zu diesem Zwecke alljährlich am Palmsonntage die Aufführung eines klassischen Musikwerkes in dem Saale des großen Opernhauses statt finde, 'hat der Kapellen Verein, da diese Zeit fü r heuer verstrichen, es aber doch sehr wünschenswerth ist, daß wo mög lich noch in diesem Jahre der Anfang damit gemacht werde, diese Allerhöchste Gnade in 'Wirk lichkeit treten zu laßen, gebeten, bey Ew. Königl. Majestät mich dafür allerunterthänigst zu verwenden, daß der Königl. musikalischen Kapelle allergnädigst erlaubt werden möchte, zum Besten des gedachten Fonds, Freitags am 29ten December dieses Jahres die Schöpfung von Haydn im Saale des großen Opernhauses aufzuführen, und ich verhehle nicht diesen Wunsch gegenwärtig Ew. Königl. Majestät allerunterthänigst vorzutragen. Zugleich scheint es mir im Gefolge der bereits von Ew. Königl. Majestät fü r diesen wohlthätigen Zweck bezeugten allerhöchsten Gnade angemessen, wenn Seiten der General-Direction der musikalischen Kapelle und Theater, nicht nur das Untere-Theater-Personale dazu angehal ten werde bey diesen Musik-Aufführungen so weit nöthig Dienst zu leisten, sowie den Hofnotisten aufgegeben, die fü r diese Musiken etwa nöthigen Noten- und Stimmenabschriften zu fertigen, sondern daß auch die nöthigen Beleuchtungs- Reinigungs- und andere die Herstellung des Saales 'betreffende Kosten mit übertragen würden. Nach submißest beigefügtem ohngefähren Kosten-Anschlag würde die dazu nöthige Summe fü r diesesmal an 100 Th. betragen, künftig aber, wenn am Palmsonntage das Concert statt findet, in Rücksicht der beßeren Jahreszeit, an Heitzung und Straßen-Beleuchtung 10 'bis 20 Th. dabey erspart werden können, und ich wage es daher bey Ew. Königl. Majestät darauf allerun terthänigst anzutragen: daß die fü r Reinigung, Beleuchtung und sonstige Herstellung des Saales zu den Aufführungen der musikalischen Kapelle fü r den Wittwen-Unterstützungs-Fond auflaufenden fü r diesmal 100 Th. betragenden Unkosten, unter die außerordentlichen Ausgaben fü r die Königl. musika lische Kapelle, so wie künftig nach ebenfalls jedes Mal vorhergegangener allerunterthänigster Anfrage und darauf erfolgter Allerhöchster Genehmigung mit aufgenommen und zu seiner Zeit berechnet werden dürfen. Dresden, am 15ten December 1826 W olfAdolph August von Lüttichau 570 Die Kosten fü r Einrichtung des Saales im Großen Opernhauße, zu dem auf den 29ten Decem ber zu 'haltenden Concert, 'können ohngefähr in folgendem bestehen: 4. Th. fü r die äußere Beleuchtung im Zwinger und in der Allee, vom Städt. Polizey- Collegio, 40. fü r Oel- und 'Wachs-Erleuchtung des Saals und Orchesters, 14. fü r das 'Vorrichten, Aufstellen und Wiederaufheben der Lampen, 14. fü r Heitzung, mit Instandsetzung der Oefen und Aufsicht beym Heitzen Tag und Nacht, 8. fü r Reinigung und Arrangement im Saale und Logen, 8. den Theater-Zimmerleuten fü r das Aufbauen und Wiederwegnehmen des Or chesters, 5. den Billett-Abnehmern und Logenschließern, 2. den Feuer-Wächtern, 5. im Allgemeinen 100 Th. Summa SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147/2, fol. 93-95 E 32 Wir wollen aufEuern unterthänigsten 'Vortrag vom 15ten dieses Monats geschehen laßen, daß der Saal im großen Opernhause zu dem Concerte, welches, mit Unserer Genehmigung, die Mitglieder der musikalischen Kapelle au f den 29ten dieses Monats zu Gründung eines Un terstützungs-Fonds fü r ihre Wittwen und Waisen aufzuführen gedenken, auf Unsre Kosten eingerichtet und der au f ohngefehr 100 Thaler angegebene Betrag derselben unter den außeror dentlichen Ausgaben fü r die musikalische Kapelle mit verrechnet werde. Wir überlaßen auch, fü r noch das Weitere zu besorgen und verbleiben Dresden, am 24. Decbr. 1826 König Friedrich August I. an Wolf Adolph August von Lüttichau SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/2, fol. 96 Zum 1. P alm son n tagskonzert am 8. A pril 1827 E 33 Franz Anton Morgenroth richtete am 4. Februar 1827 an Kapellmeister Friedrich Schneider in Dessau die Bitte um Solo-, Chor- und Orchesterstimmen für das Orato rium „Das Weltgericht". Die Partitur sei schon in Morlacchis Händen. Schneider schickte Material am 11. Februar 1827, und zwar 2 VI. I, 3 VI. II, 2 Via, 3 Bässe. Aus Halberstadt folgten am 18. Februar 1827 weitere Stimmen. SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 151447/5, fol. 57-60 (13-16) E 34 Am 3. März 1827 lud Franz Anton Morgenroth die Dreyssigsche Singakademie sowie die Chöre der Musikdirektoren Ferdinand Schwarz und Friedrich Mende zur Mitwir kung ein. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 151457/5, fol. 61 (17) 571 Außerdem erging eine Einladung an die Damen und Herren des Königl. deutschen Hofopempersonals; das ausführliche Circulare Unterzeichneten die KM Johannes Eisert, Friedrich August Kummer, Franz Anton Morgenroth und Carl Traugott Schmie del. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 62 (18) E 36 Die Dreyssigsche Singakademie sagte am 14. März 1827 ihre Mitwirkung ab, begrün det in den Verhältnissen der Akademie selbst und eines großentheils ihrer Mitglieder. Außer dem stünde ihr übliches Gründonnerstagsoratorium zugunsten der Armen im Wege. Die Vorstände der Singakademie bedauerten die Absage um so mehr, je ehrenvoller es fü r die Akademie seyn würde, in Verbindung mit so ausgezeichneten Künstlern zur Aufführung eines großen musikalischen Werkes nach Kräften beitragen zu 'können. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 64 f. (19 f.) E 3 7 Am 20. März 1827 erging eine Mitteilung der Generaldirektion an die Vorsteher, dass der König zu dem Aufivande, welche die Beleuchtung und sonstige Einrichtung des Saales [ ...] verursacht hat, einen aus der Hoftheater-Caße zu erhebenden Beitrag von Einhundert Thalern bewilligt habe. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 77 (34) E 38 Am 27. März 1827 sagte Sophie (Sophia) Seconda ihre Mitwirkung ab, da sie nach der mir erst in diesen Tagen geschehenen Aufkündigung meines Contractes, so fort eine Reise we gen eines anderweit zu suchenden Engagements antreten müsse. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 66 (22) E 39 Die Königliche musikalische Kapelle giebt sich die Ehre, einem verehrten Publico hier mit ganz ergebenst anzuzeigen, daß die alljährige, von Seiner Königlichen Majestät, zum Beßten des Un terstützungs-Fonds fü r die Wittwen und Waisen der wirklichen Kapell-Mitglieder, Allergnä digst genehmigte Aufführung einer großen Vocal- und Instrumental-Akademie den 8ten April d.J., als am Sonntage Palmarum, abends 6 Uhr, im Saale des Königl. großen Opernhauses hie selbst stattfinden soll. Es wird in derselben „das "Weltgericht von August Apel und Friedrich Schneider," unter der Leitung des Herrn Kapellmeisters Ritters Morlacchi, gegeben, wobei die Damen Devrient und Veltheim, so wie die Herren Bergmann, Meyer und Risse die Soloparthien mit gütiger Bereitwilligkeit übernommen haben. Eingetretener Umstände wegen ist die Altsolo- Parthie der Demoiselle H auff bei dem Hof-Theater-Singe-Chor übertragen worden. Die Herren Musik-Directoren Aghte, Schwarze und Mende werden durch die, unter ihrer Lei tung stehenden Singe-Chöre, so wie der Herr Stadtmusikus Zillmann das Ganze gefälligst un terstützen. E35 572 Das Nähere werden die besonderen Concert-Anschlagszettel 'bestimmen. Dresden, am 30. März 1827. Die Königl. musikalische Kapelle DrA, 31.3.1827, über 8.4.1827 E 40 Freikarten gingen an Hr. Devrient (2), Dem. 'Veltheim (2), Dem. H anf(2), Mad. Müller-Bachmann (1), Hr. Bergmann (2), Hr. Risse (2), Hr. Mayer (2), Frau Capellmeister Weber (1), Dem. Schiasetti (2), Hr. Zezi (1), Hr. Oboist Langer (2), Hr. Hauptmann von Zeschau (2), Hr. Eisenstuck (2), an Hofbeamte und die Herren Cantores (6), Hr. Zillmann (2), in der Harmonie (2) SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 76, (38) E 41 In einem Brief vom 29. April 1827 dankte Generaldirektor von Lüttichau dem König für seine Unterstützung des Konzerts zugunsten des Witwen- und Waisenfonds im Dezember 1826, indem er die zusätzlichen Kosten von 109,23 Talern übernommen hat (die ursprünglich veranschlagte Summe von 100 Tlr. war demnach etwas überschritten worden). Zugleich bat er darum, dass er auch die zusätzlich angefallenen Kosten für das Palmsonntagskonzert am 8. April 1827 in Höhe von 179,02 Talern - oder wenigstens einen Theil - übernehmen möge. Je huldvoller Ew K önigl. M a jes tä t sich nun bereits bisher fü r dieses zum Besten armer Wittwen und Waisen zu 'begründende Institut bezeugt haben, um so größer ist die Hoffnung Ew. K önigl. M a jestä t musikalische Kapelle, daß A llerhöchst D ie selben auch diesesmal allergnädigst dieselbe dabey unterstützen und dadurch neue Wohlthaten über sie verbreiten werden. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/2, fol. 128 f. E 42 Am 14. Juni 1827 antwortete König Anton, dass er 100 Thaler beitragen werde. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/2, fol. 130 Zum P alm son n tagskonzert am 30. M ärz 1828 E 43 Franz Anton Morgenroth schrieb Anzeigentexte für eine Leipziger Zeitungsredaktion sowie für AZ, M und DrA. Daßelbe zu der öffentlichen Bekanntmachung au f besondern halben Bögen, an die Straßen Ecken aufzuhängen SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 103 (30) Circulare an die Herren und Damen des Königl. Deutschen Hofopern Personals. Diese Einladung erfolgte am 24. März 1828, also nur 6 Tage vor dem Konzert! SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15247/5, fol. 104 (31) 573 Am 23. April 1828 schrieb Generaldirektor von Lüttichau wiederum an den König, ob dieser für die Mehrkosten von 176,14 Talern aufkommen oder wenigstens erneut 100 Ta ler beisteuern werde. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 151547/2, fol. 278 Mit Schreiben vom 3. Mai 1828 sagte König Anton 150 Taler zu. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, 151547/2, fol. 280 Generaldirektor von Lüttichau gab diese Nachricht am 8. Mai 1828 An die Vorsteher der Pensions- und Unterstützungsanstalt der Königl. Sächß. musikalischen Kapelle weiter. SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 112 (72) - SHStA, 10026 Geh. Kabinett, 15147/2, fol. 280 E 45 Auch für das Palmsonntagskonzert am 12. April 1829 erbat Lüttichau am 5. Mai 1829 ei nen Zuschuss des Königs zu den Mehrkosten von 200,04 Talern. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 151547/2, fol. 362 f. .. .worauf ihm 150 Taler zugesichert wurden. SHStA, 10026, Geh. Kabinett, 151547/2, fol. 364 E 46 Ein nicht unterzeichnetes und nicht genau datiertes Schreiben (vermutlich des Vorstands) vom September 1828 ging Zum Hohen Geheimen Cabinett mit Anrede an den König Angesprochen wurde die Angst vor Arbeitsunfähigkeit von Kammermusikern durch Krankheit, Altersschwäche oder unglückliche Ereignisse, die eine Entlassung mit oder ohne Gnadengehalt nach sich ziehen würden. Die Gehälter seien so bemessen, dass kein Nothgroschen für die Zeit danach beiseite gelegt werden kann. Hoffnungen erweckt hätten die directen Äußerungen und Versicherungen des ehemaligen Königl. Kapellmeisters von Weber, wel che wir von dem 'Wahrheitsliebenden Mann nicht als bloße eigenmächtige Beschwichtigungsworte eines Privaten aufnehmen durften; sie hatten die Aussicht auf Weiterzahlung des vollen Ge halts als Pension bei eintretender Unbrauchbarkeit eröffnet. Diese Aussicht wurde bestätigt durch die Regelung für den Ruhestand des Bratschisten Joseph Schubert und des Waldhomisten Christian Gottlob Fischer unter Beibehaltung ihres vollen Gehalts. Die Zusage der Generaldirektion, ebenso bei dem Klarinettisten Roth d.j. zu verfahren, sei nicht eingehalten worden und habe unsere obige allerunterthänigste Hoffnung in ihrer Grundfeste erschüttert. Deshalb erfolge dieses Gesuch, künftige Pensionierungen nur noch bei vollem Gehalt vorzunehmen. Musikerwitwen erhielten 50 Taler Pension. Da diese Summe für die Existenz nicht aus reiche, helfe der Unterstützungsfonds. Die königliche Pension greife aber nicht bei Wit wen bereits pensionierter Kapellmitglieder; hier hätte Weber ebenfalls Abhilfe angedeu tet. Deshalb möge die Pensionsregelung auch auf Witwen pensionierter Kammermusiker ausgedehnt werden. Wir beharren unter den devotesten Dankesgefühlen mit tiefster Ehrfurcht und in treuester Unter würfigkeit Ew. Königl. Maj. allerunterthänigst gehorsamste... SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 116-118 E 4 4 574 E 4 7 Zur Generalversammlung am 23. Oktober 1828 - Vorstandsfragen In seiner Niederschrift protokollierte Franz Anton Morgenroth einleitend über die Wahl der jetzigen Vorsteher durch die Kapelle im Jahre 1826. Er erinnerte an die Initiative Morlacchis, die sich an das Konzert zum Besten der Nothleidenden in Hainichen in der Dresden-Neustädter Kirche angeschlossen und zu einer allgemeinen Konferenz geführt habe, wonach der Unterstützungsfonds gegründet und die Statuten beschlossen worden seien sowie die Wahl der Vorsteher Carl Trau gott Schmiedel (zuständig für die Verteilung der Billetts), Johannes Eisert (zusammen mit dem Oberinspektor zuständig für alle den Innenraum des Saales betreffenden An gelegenheiten), Fr(iedrich August) Kummer (zuständig für die Verpflichtung des exclusiven Personals) und Franz Anton Morgenroth (zuständig für Korrespondenz, Be schaffung der Notenmateriale und deren Kopien und Verteilung) erfolgt sei. Der Unterstützungsfonds sei bisher auf ca. 3000 Taler angewachsen - ein lobenswerter Anfang. Es habe aber auch tadelnde Ausstellungen gegenüber der Arbeit der Vorsteher gegeben, die aber um Besserung bemüht gewesen seien. Es sei schon die Frage nach Neuwahlen gestellt worden. Die Vorsteher hielten, heißt es, nicht an ihren Ämtern fest und hätten ihren Rücktritt und Neuwahlen vorgeschla gen. Sie würden in dem Bewusstsein ausscheiden, ihr Bestes im Dienst an der Sache gegeben zu haben. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 124-126 Ein Protokoll zu dieser Generalversammlung von der Hand Karl Theodor Winklers liegt ebenfalls vor. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 120-123 (77-79) E 48 Summarischer Extract über Einnahmen und Ausgaben aus den Rechnungen von denen von der Königl. musikalischen Kapelle im Königl. Opernhaus zum Besten des Unterstützungs-Fonds fü r die Wittwen und Waisen derselben gegebenen 4.Concerte, und sonst dahin geflossenen Einnahmen Einnahmen vom 1. Konzert am 29. Dezember 1826 und sonstige Einnahmen vom 1.10.1826 bis Ende März 1827 1. Vom 1.10.1826 bis Ende März 1827 eingenommene Beträge von einheimischen und fremden Künstlern, die mit der Kapelle konzertierten 2. aus 6 Quartett-Akademien der KM Peschke, Schmiedel, Lindner und Dotzauer vom 1.10.1826 bis Ende März 1827, a 5,00 Taler 3. Einnahmen Konzert 29.12.1826 4. Zuschuss des Königs für Beleuchtung und Einrichtung des Opernhauses 1.289 T. 50 Gr. 175 Taler 30 Taler 974 Taler 60 Groschen 109 T. 23 Gr. 575 Ausgaben 1. Für die 34 Mitglieder des Theaterchors 2. Buchdrucker und Buchbinder 3. Notenkopien 4. Kapelldiener Köhler 5. Übrige Ausgaben Kassenstand Einnahmen 1. Vom Palmsonntagskonzert am 8. April 1827 plus Bestand 2. 2 Quartett-Akademien der KM Peschke usw. 3. Zuschuss des Königs für Beleuchtung usw. 4. Zuschuss des Generaldirektors Credit Cassenschein 5. aus g. Grunde von Schmiedel Kassenstand Ausgaben 1. Für die 33 Mitglieder des Theaterchors 2. Buchdrucker und Buchbinder 3. Solo-Chorsänger und Garderobier gesamt 4. Kapelldiener Köhler 5. Sonstiges 6. Beleuchtung usw. Kassenstand Einnahmen 1. vom Palmsonntagskonzert am 30. März 1828 2. Fremde Künstler 3. Z insenvonO stem 1827 bis dato Kassenstand (Ausgaben für 1828 sind nicht angegeben) Einnahmen 1. vom Palmsonntagskonzert am 12. April 1829 2. Fremde Künstler 3. Zinsen Alle Ausgaben Kassenstand Dresden, 6. Juni 1829 gez. Friedrich Schurigk SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 150-154 (89-‘ 25 T. 80 Gr. 35 T. 11 Gr. 19 T. 12 Gr. 14 T. 12 Gr. 9 T. 233 T. 18 Gr. 1.055 T. 11 Gr. 1.107 T. 20 Gr. 1.055 T. 11 Gr. 10 T. 100T. 79 T. 1 T. 16 Gr. 2.353 T. 52 Gr. 44 T. 35 T. 20 Gr. 20 T. 14 T. 16 Gr. 19 T. 20 Gr. 179 T. 20 Gr. 353 T. 52 Gr. 2.000 T. 990 T. 40 Gr. 107 T. 12 Gr. 60 T. 3.000 T. 1.265 T. 12 Gr. 325 T. 80 T. 607 T. 14 Gr. 4.222 T. 21 Gr. 576 Zum Palmsonntagskonzert am 4. April 1830 Franz Anton Morgenroth teilte am 6. Februar 1830 der Witwe Johann Gottlieb Nau manns mit, dass beabsichtigt sei, des 'Verewigten Meisterstück: sein Vater unser, noch ein mal mit allen, der Königl. Kapelle zu Gebote stehenden Mitteln, groß und würdig aufzuführen. Er bat sie um das Aufführungsmaterial. Frau Naumann antwortete am 12. Februar 1830, sie sei von der Nachricht um so ange nehmer überrascht, je seltener jetzt Naumanns Werke zur Aufführung gelangen, und je mehr sein Name in den Hintergrund gedrängt ist. Sie verwies darauf, dass die Noten in einem Schrank auf dem Boden des Hauses von Herrn Kaskel lägen und bat Morgenroth, sie von dort aus in persönliche Obhut zu nehmen. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 175 bzw. 177 (58 bzw. 60) E4 9 E 50 Aus der Abrechnung des Kassenstandes am 30. April 1830 Bestand 4.222 T. 21 Gr. Einnahmen Aus elf Konzerten mit einheimischen und fremden Künstlern 185 T. Einnahme des vergangenen Palmsonntagskonzerts 1.335 T. 36 Gr. (davon 102 T. 02 Gr. aus der Generalprobe, 44 T. 14 Gr. aus dem Verkauf der Gesangstexte und 154 Taler von den allerhöchsten und 'hohen Herrschaften Zinsen 120 T. Gesamtausgaben 300 T. 23 Gr. Aktueller Kassenstand 5.562 T. 22 Gr. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 201 (108) E 51 Aus der Abrechnung des Kassenstandes nach dem Palmsonntagskonzert am 31. März 1833 Bestand 7.756 T. 23 Gr. Zinsen 1832/1833 255 T. Beiträge aus anderen Konzerten 125 T. Einnahmen aus dem Palmsonntagskonzert 1.097 T. 18 Gr. Zuschuss des Königs 150 T. Zufällige Einnahmen 13 T. 13 Gr. 9.398 T. 79 Gr. plus 300 T. 9.698 T. 79 Gr. Ausgaben 1.131 T. 16 Gr. es bleiben 8.546 T. 13 Gr. 2.6.1833 SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 276 Siehe auch SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Vol. 1,1831-1833, fol. 241-245 577 E 51a Die Dreyssigsche Singakademie sagte am 1.3.1834 für das Palmsonntagskonzert am 23.3.1834 die Mitwirkung von 19 Sopranen, 9 Altistinnen, 7 Tenören und 10 Bässen zu. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 294 (94) Aus Protokollen und Beiträgen von Konferenzen und Generalversammlungen zum Unterstützungsfonds (Zusammenfassungen, Zitate kursiv) E 52 In einer Konferenz am 30. April 1830 wurde ein Brief von Kapellmeister Morlacchi vorgetragen mit Schlussfolgerungen aus bisherigen Erfahrungen und daraus resultie renden Vorschlägen: 1. Zur Verhinderung von Missbräuchen bei den Konzerten sollten den vier gewählten Vorstehern, die allein mit dieser Aufgabe überfordert seien, weitere Vorsteher aus den nicht am Programm beteiligten Kapellmitgliedern an die Seite gestellt werden, davon 2 . zwei zur Beaufsichtigung der Musikalien, zwei zur Unterstützung des Kassierers und der Kontrolle der Eintrittskarten, zwei zur Bewachung der großen Eingangsthüre, einer zur Beaufsichtigung der kleinen Eingangstüre, damit dort nur an der Auffüh rung Beschäftigte eintreten können, einer zur Erledigung der Korrespondenz. 3. Der Vorverkauf soll drei Tage vor dem Konzert beginnen mit getrennten Zeiten für Saal A und B. 4. Es sollen Karten nur gegen Barzahlung ausgegeben und Bestellungen vermieden wer den. 5. Zur Erleichterung und Beschleunigung des Kartenverkaufs sollen Kassierer und zwei Vorstände Zusammenarbeiten. 6. Es werden Neugestaltung und praktikablere Handhabung der Billetts vorgeschlagen. 7. Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf müssen tagtäglich in Anwesenheit der vier Vorsteher gezählt werden. 8. Die Zahl der Freikarten soll eingeschränkt werden. 9. Der Verkauf verbilligter Karten für die Generalprobe wirkt sich schädlich auf die Ge samteinnahme aus (wer für weniger Geld in die Generalprobe gehen kann, kauft keine Karte mehr für das Konzert selbst). 578 Die Generalproben sollen den Angehörigen der Mitwirkenden zugänglich sein und einigen bekannten ausgezeichneten Dilettanten und Kennern, die Karten für das Konzert selbst vorweisen und dazu noch 8 Groschen erlegen müssen. 1 1 . Die Kammermusiker sollen für erwachsene Familienmitglieder Karten zu vier Gro schen, für Kinder zu zwei Groschen erwerben können. 12. Die Logen können auch von weniger als 36 Logenschließern betreut werden. Es ist darauf zu achten, dass die Besucher tatsächlich den von ihnen erworbenen Platz aufsuchen. Es fällt auf, dass im Saal A im Allgemeinen mehr Menschen sitzen als Kar ten für diesen verkauft wurden. Große und kleine Eingangstür müssen auch nach Beginn des Konzerts besetzt bleiben, um Missbrauch durch später kommende Besucher zu verhindern. Der Kapellmeister empfiehlt im Schlussabsatz die Beratung der vorstehenden Punkte, indem ich, als Gründer dieses wohlthätigen Instituts, mich stets verbunden halte, Alles das, was ich meinerseits fü r das Emporkommen und Gedeihen unseres Wittwenfonds vortheilhaft und nützlich erachte, mitzutheilen und vorzuschlagen. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 151547/5, fol. 203-207 E 53 Morlacchi als Verfasser dieser Punkte wurde in einem Protokoll Morgenroths vom 1. Oktober 1830 bestätigt. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 209 E 54 In einer Niederschrift vom 1. Oktober 1830 dankte Morgenroth Kapellmeister Morlac chi für seine Vorschläge und räumte ein, dass leider Missbräuche vorgekommen seien und in Zukunft vermieden werden müssten. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 209-213 (114-118) E 55 Protokoll vom 4. November 1830 Als Reaktion auf den Brief Francesco Morlacchis vom 30. April 1830 wurde u.a. be schlossen, dass - die Vorsteher vier bei den Konzerten nicht beteiligte Musiker zu ihrer Unterstüt zung verpflichten - der Vorverkauf drei Tage vor dem Konzert beginnt; die weiteren Vorschläge zum Kartenverkauf werden nicht angenommen, - den Vorstehern das ihnen bisher bewiesene Vertrauen auch weiterhin geschenkt wird, - Freibilletts beschränkt ausgegeben werden, - eine Billettregelung für Angehörige getroffen wird. (Protokollant war Karl Theodor Winkler) SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 219 f. (112 f.) 10. 579 E 56 Reglement über die jährlich den Mitgliedern der Königl. Sächßl. musikalischen Kapelle, unter Aßistenz der letzteren, verstatteten Concerte und Quartette In den vergangenen Jahren hätten zu viele Konzerte stattgefunden, was stärkere Be lastungen und weniger Erfolg bedeutete. Festgelegt wurde deshalb: 1. Während des Winters (zwischen Michaelis und Ostern) können unter Mitwirkung der Kapelle von den wirklichen Mitgliedern 4, in außerordentlichen Fällen 5 Konzerte gegeben werden. 2. Interessenten melden schriftlich ihre Absicht nach Ostern bis 14 Tage vor Michae lis beim Generaldirektor an. 3. Wer die Frist nicht einhält, hat keine Genehmigung zu erwarten. 4. Generaldirektor, Kapellmeister, Musikdirektor, Konzertmeister und Vorsteher prüfen und entscheiden vor Michaelis über die Bewerbungen nach Maasgabe der Virtuosität der Bittsteller und der übrigen Umstände. 5. Das Fos bestimmt die Reihenfolge, Tauschen ist bei Bedarf möglich. 6. Eine erneute Bewerbung ist nach einem Jahr Pause möglich. 7. Wer nach dem 1. Oktober eine Kunstreise antritt, kann nicht berücksichtigt wer den. 8. Einem Mitglied kann die Erlaubnis für nicht mehr als 4 Quartettakademien pro Winter erteilt werden. 9. Die Unternehmen der Quartette müssen sich ebenfalls bis 2 Wochen vor Michaelis bewerben, die Entscheidung darüber wird wie unter Punkt 4 gefällt. 10. Wer einem Quartett vorsteht, ist im nächsten Jahr nicht von einem Konzert mit der Kapelle ausgeschlossen Dresden, den 12. November 1830 Lüttichau SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 221-223 (119-121) E 57 Der Vorsteher Carl Traugott Schmiedel setzte sich in einer Niederschrift vom 20. De zember 1830 noch einmal sehr detailliert und kritisch mit den Vorschlägen von Ka pellmeister Morlacchi auseinander. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 225-232 E 58 Am 7. März 1831 ergeht ein Schreiben der Vorstände an Kapellmeister, Musikdirekto ren und Konzertmeister mit der Bitte um Meinungsäußerung zu nachstehenden Punkten: (Zusammenfassung, Zitate kursiv) ob bei der Generalprobe zum nächsten Concert [Palmsonntag, 27. März 1831]/«r das Publi kum Einlaß seyn soll oder nicht, weil die Unterzeichner nicht entscheiden können, was für die Kasse am besten wäre. Soll das Publikum ohne Ausnahme 'keinen Eintritt 'haben, gibt es folgende Vorschläge: 580 1., Für Mitglieder der sämmtlichen Kapelle und des italienischen und deutschen Opern-Personals bleibt wie bisher der ls te Rang offen. 2., Jedes Mitglied erhält ein Freybillet fü r die Generalprobe, welches Sonnabend, d. 26.d.M. früh von 9. bis 3.Uhr Nachmittags, in der Vorhalle des großen Opernhau ses abgeholt werden muß. 3., A uf Verlangen kann noch ein zweytes Rillet eben dahin gegen Erlegung von 2 gk verabreicht werden. Das Publikum könnte unter folgenden Bedingungen Zugang erhalten: 1. Eine Karte im Saal A, Parterre, für 8 Groschen 2. Eine Karte im Saal B, Parterre, für 4 Gr. 3. Eine zusätzliche Karte oder mehrere zu 4 Gr. für Kapellmitglieder im Par kett des Saales B 4. Dies solle, wie bei der Aufführung, kontrolliert werden Unterschrieben haben Carl Traugott Schmiedel, Johannes Eisert, Carl Gottlob Peschke und Friedrich August Kummer. Anmerkungen: Francesco Morlacchi plädierte für den Ausschluss des Publikums ohne Ausnahme, aber für freien Eintritt von Familienangehörigen der Kapellmitglieder. Carl Gottlieb Reißiger schloss sich Morlacchis Meinung an, war aber für Ausnahmen zugunsten von Fremden und Musikliebhabern, über deren Auswahl die Kapellmeister und Vorsteher befinden sollten. Vincenzo und Giuseppe Rastrelli plädierten für die Zulassung des Publikums - zu gunsten von Armen, die sich den Besuch der Aufführung nicht leisten könnten und von Reichen, damit diese die Gelegenheit sie zweimal zu genießen, erhielten. Franz Anton Morgenroth und Giuseppe Antonio Rolla wollten die Generalprobe für Fremde aus der Provinz und Unbemittelte hieselbstfür 4 oder 8 gk. zugänglich machen, was auch der Kasse zugute käme. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 233 f. (127 f.) E 59 Generaldirektor von Lüttichau entschied, dass in diesem Jahr (1831) wie immer verfah ren und danach neu beraten werde. (ohne Datum) SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 235 (129) E 60 Eine Anordnung der Vorsteher vom 7. März 1831 betraf die zukünftige Herstellung und Kontrolle der Billetts, die Kontrolle der hohen Beleuchtungskosten, die Reduzie rung der Logenschließer von 36 auf 21 (wobei drei Kapellmitglieder auf den Rängen zusätzlich mit der Aufsicht beauftragt würden), die Aufsicht eines Kapellmitglieds an der Thüre, welche zum Orchester führt. Unterzeichner waren Carl Traugott Schmiedel, Johannes Eisert, Carl Gottob Peschke und Friedrich August Kummer. SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 207 (139) 581 E61 Auf dem Anschlag für Palmsonntag, 27. März 1831, stehen neben dem Programm und den Solisten, den Chören der Musikdirektoren Mende, Otto und Schwarz, des Stadt musikus Zillmann sowie des Königl. Sängerchor(s) auch Sänger der Königl. Musikalischen Kapelle und das Königl. deutsche und italienische Hof-Opernpersonal. SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 239-241 Die Einnahme des Palmsonntagskonzerts am 27. März 1831 beträgt mit 1166 Talern 15 Groschen insgesamt 18 T. 13 Gr. weniger als 1830. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 242 f. E 63 Friedrich Wilhelm Lauterbach bittet mit Schreiben vom 25. März 1831 aus dem Ertrag des Palmsonntagskonzerts 1831 wegen Krankheit einen Vorschuss von 20 Talern. (Er schreibe zur Zeit eine Oper für Prinzessin Maria Amalia ab.) SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 244 (74) E 64 Das Protokoll vom 26. Juni 1832 hält u.a. fest, dass die Kapelle in Konzerten von Dresdner Opemsängern/Opernsängerinnen ohne Honorar mitwirkt, sofern diese in Palmsonntagskonzerten ebenfalls ohne Honorar gesungen haben. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 151547/5, fol. 261 (136) E 65 Aus dem Protokoll vom 10. Oktober 1833 Ausführlich diskutiert wurde die Frage, wie mit Zahlungen aus dem Fonds verfahren werden soll, wenn ein 60-jähriger Kammermusiker eine unter 30-jährige Frau geheira tet hat und verstirbt. *) Sofern Kinder von Kammermusikern mit der Kapelle spielen, müssen auch 15 Taler Beitrag in den Fonds gezahlt werden. **) SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 270 f., 274 (140) * ) E 8 1 - **) E 20/Anfüge C, § 43 E 62 E 66 Aus dem Kassenbericht vom 2. Juni 1833 Kassenstand vor dem Palmsonntagskonzert 1833 Zinsen aus dem zurückliegenden Jahr Beiträge von einheimischen und fremden Künstlern Einnahmen aus dem Palmsonntagskonzert 1833 Zuschuss des Königshauses für Palmsonntag 1833 Anderweitige Einnahmen 1.097 T. 18 Gr. 150 T. 13 T. 13 Gr. 9.398 T. 7 Gr. 300 T. 7.756 T. 23 Gr. 255 T. 125 T. gesamt plus für von KM Peschke besorgte 600 Stühle 582 Ausgaben 1.151 T. 16 Gr. Pensionen 200 T. Einrichtung und Beleuchtung des Opernhauses 201 T. 12 Gr. für angeschaffte Gerätschaften, u.a. 600 Stühle u.a. 475 T. ergibt als neuen Kassenstand: 8.546 T. 15 Gr. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 276 (139) E 67 Der König bewilligt 150 T. zur Deckung der Unkosten des Palmsonntagskonzerts 1833. SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14431,1831-1833, fol. 245 E 68 Einnahmen aus dem Palmsonntagskonzert 1834 1.486, 16 'Taler Ein Summarischer Extract über Einnahmen und Ausgaben.. .au f das Jahr von Ostern 1833 'bis dahin 1834 weist aus: Einnahmen: Kassenstand einschließlich Staatspapieren 8.246 T. 15 Gr. 9 Pf. Zinseinnahmen 305 T. Einnahmen von konzertveranstaltenden Künstlern 260 T. Einnahme Palmsonntag 1834 1.486 T. 16 Gr. Aus Staatsschuldscheinen 259 T. 12 Gr. Bestand neu 10.557 T .19 Gr. 9 Pf. Ausgaben: Ausgezahlte Pensionen 291 T. 16 Gr. Übrige Kosten 268 T.21 Gr. 6 Pf. Für Kauf von Staatsschuldscheinen 293 T .6 Pf. Verbleiben per Ostern 1833 9.704 T. 4 Pf. SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts 14432, Vol. 2,1834-1835, fol. 101-103 E 69 Einnahme aus dem Palmsonntagskonzert 1846 2016 Taler und 9 Pfennige (bisheriger Einnahmerekord) Brescius 1898, S. 97 Hauptprobe und Aufführung hätten angeblich 2000 Taler erbracht. NZfM, 17.5.1846, über 5.4.1846 E 70 Am 16. Oktober 1833 schrieben die Vorsteher an Generaldirektor von Lüttichau, dass der Hoftrompeter Eduard Wolffram nicht Teilhaber des Unterstützungsfonds werden könne, da er nicht wirklich Kapellmitglied sei. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 277 (142) 583 Generaldirektor von Lüttichau genehmigte die Umwandlung von 7.000,00 Talern in Preußische Staatsschuldscheine zu 4 % Zinsen. (Resolution vom 6. November 1833) SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 282 (147) E 72 Mit Schreiben vom 7. März 1834 sagte der Vorstand der Dreyssigschen Singakademie die Mitwirkung von 10 Sopranistinnen, 9 Altistinnen, 7 Tenören und 10 Bassisten für die Aufführung des „Messias" am 23. März 1834 zu. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 5147/5, fol. 294 (94) E 73 Nachträglich angefertigte Auszüge aus Protokollen von Konferenzen und Generalver sammlungen zum Unterstützungsfonds (in Korrespondenz zu den vorstehenden Protokollen) SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, Vol. 1 ,1826-1834 E 74 Acta (betr.?) den Unterstützungsfonds fü r die Wittwen und Waisen der K.S. musikalischen Kapelle. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/Vol. I., 1826-1834, fol. 1-6 Auszug aus Protokollen der General-Versammlungen der Mitgl. der Königl. music. Kapelle, den Wittwen und Waisenfonds betrf Angelegt den 5. Dzbr. 1832 von Kammermus: Hiebendahl 'Vorsteher (Zusammenfassungen, Zitate kursiv) E 75 23. Oktober 1828,15.00 Uhr Vorsteher Franz Anton Morgenroth berichtete über die Entstehungsgeschichte des Fonds, den Fortgang und neue Erfahrungen. Für die Vorsteher wurde eine Amtszeit von vier Jahren beschlossen. Informiert wurde über das Schreiben des Königs zur unentgeltlichen Bereitstellung eines Platzes für den Bau eines Konzertgebäudes. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 1 Gesamtes Protokoll von Karl Theodor Winkler unter SHStA, Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 120-123 (77-80) E 76 10. Juni 1829, 15.00 Uhr Gesprächsgegenstand war die Verzinsung der zu erwerbenden Sächsischen Staatspa piere. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 1 E 71 584 E 77 15. Oktober 1829 Francesco Morlacchi mahnte schriftlich zur wahren Eintracht und gegenseitigen Anerken nung, so wie Vermeidung aller Handlungen und Äußerungen, die dem Institut schaden könnten. Morgenroth stellte den Antrag, dass 1/3% von Hundert des Jahresgehalts als Mitglieds beitrag in den Fonds eingezahlt werde. Künstler, die überhöhte Eintrittspreise ver langten, müssten auch erhöhte Beiträge zahlen. Abgaben von Künstlern an den Unterstützungsfonds: a.) Konzerte in einem Privatlokal Billett bis 1 RTh. 25 RTh. *) bis 2 RTh. 30 RTh. *) über 2 RTh. 50 RTh. *) b.) Konzerte im Kleinen Theater gewöhnliche Preise 25 RTh. +) erhöhte Preise 50 RTh. +) C-) Konzerte im großen Opernhaus immer SO RTh. +) Bei Kapellmitgliedem solle - proportionirt - ähnlich verfahren werden. *) von der Generaldirektion genehmigt - +) von der Generaldirektion abgelehnt SHStA, 10026 Geh. Kabinett, 15147/5, fol. 1 E 78 30. April 1830,16.30 Uhr Es wurde darüber beraten, ob mit der Unterstützung von Witwen und Waisen schon begonnen oder bis zu einem Fonds-Vermögen von 10.000 RTh. gewartet werden sollte. Beschlossen wurde daraufhin, dass Witwen ab Ostern 1830 pro Jahr 50 RTh. erhalten sollten. Francesco Morlacchi schlug Verbesserungen für den Kartenverkauf vor. Es erfolgte der Beschluss über eine Grabekasse: Bei Todesfall eines Kapellmitglieds würden dann die Hinterbliebenen bzw. für die Bestattung Zuständigen einen Betrag von 50 RTh. erhalten. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 1 E 79 4. November 1830 Anstelle von Franz Anton Morgenroth wurde Carl Traugott Schmiedel in das Amt ei nes Vorstehers gewählt. Die Beratungen wurden in einen einstimmig gefassten Beschluss von 12 Paragraphen gefasst und betreffen u.a. die Möglichkeit der Vorsteher, aus den nicht beschäftigten Kammermusikern vier Gehilfen für den Kartenverkauf hinzu zu ziehen, die Beschrän kung der Freibilletts, die Teilnahme von Verwandten und weiterem Publikum an den Generalproben, die Anzahl der Logenschließer. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 1 585 E 80 3. November 1831 Wie immer stand zunächst die Erörterung von Finanzfragen an erster Stelle. Zur Verlesung kam ein von vielen Kammermusikern unterzeichnetes Schriftstück mit der Bitte an die Generaldirektion, die Kapelle künftig bei Vorstellungen von Seiltänzern, Gymnastikern u.s.w. 'vom Dienst zu verschonen. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 2 E 81 26. Juni 1832,15.00 Uhr Hofrat Winkler macht au f die Aufrechthaltung des angewiesenen Bauplatzes aufmerksam. Folgende Beschlüsse wurden gefasst: Für gültige Bestimmungen seien die Stimmen von 2/3 der Mitglieder nötig. Die Statuten sollen im Druck erscheinen. 14 Tage vor Palmsonntag solle kein Kapellmitglied bei Privatconc: assistiren. Wenn Sänger der Oper mindestens dreimal unendgeldlich in Konzerten mitgewirkt hätten, werde die Kapelle bei ihrer Verabschiedung ohne Gebühr spielen. Wenn ein 60-jähriger Kammermusiker eine 30-jährige Frau heiraten würde, erhielte diese weniger Witwengeld. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 2 E 82 22. Oktober 1832,15.00 Uhr Anstelle von Friedrich August Kummer wurde Johann Christian Friedrich Castelli zum Vorsteher gewählt. Die geplante Uniformierung der Kapelle wurde diskutiert und in einem Bittschreiben an den König um Erlaß der [dafür] noch zu leistenden Zahlungen ersucht. Fr. Fillippowitz wurde der Beitrag in die Unterstützungskasse erlassen (betr. Konzert am 5. Oktober 1831). Vorst: Schmiedel gibt beruhigende Nachricht wegen des Bauplatzes. Verehelichungen und Wiederverehelichungen seien anzuzeigen; bei einer Vereheli chung auf dem Totenbett bestünden keine Ansprüche auf eine Pension. SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 2 E 83 10. Oktober 1833,15.00 Uhr Der Antrag des Hoftrompeters Wolfram auf Aufnahme in den Unterstützungsfonds wurde abgelehnt (er war als Hoftrompeter kein Kapellmitglied). Generaldirektor von Lüttichau wurde gebeten, den Hoftrompeter Wolffram hiernach hochgeneigtest weiter zu bescheiden. Für Konzerte der Kinder von Kammermusikern müssten 15 RTh. Beitrag in die Kasse eingezahlt werden. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 277 586 E 84 5. Mai 1834,15.30 Uhr Verlesung eines Aufsatzes des Kapellmeisters M orlacchi.(verm utlich F 4a) Gelder werden, bis sie verzinsbar angelegt werden können, in der Theaterkasse auf bewahrt. Beschluß, die beiden Orchester, im Großen Garten und Neust: Kirche, welche die Kapelle ei gen tüm lich besitzt, im Inventarium nachzutragen. SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 277 E 85 9. Februar 1835,15.30 Uhr Uber die Druckvorlage der Statuten und die Einbeziehung von Vorschlägen Morlacchis wurde abgestimmt. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 151547/5, fol. 2 E 86 25. Oktober 1836 Der Generaldirektor genehmigte die Statuten. Beschluß, das in der Neust: Kirche aufbewahrte Orchester [gemeint sind wohl die Instru mente] zu verkaufen. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 3 E 8 7 10. November 1837 Die Beiträge der Kapellmeister zur Grabekasse [ ...] müssten auf ein gewisses Quantum festgelegt werden. Johann Gottlieb Kotte wurde als Vorsteher für Johann Christian Friedrich Castelli ge wählt. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 151547/5, fol. 3 E 88 8. Mai 1838 Die Mitglieder sollten durch ein Circular darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Statuten hinsichtlich Wiederverheiratungen strikt einzuhalten sind. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 3 E 89 16. Mai 1839,15.00 Uhr Es sollte ein Reservefonds bis zu 400 Rth. gebildet werden, weil evtl. die Ausgaben einmal die Zinsen übersteigen könnten. Die Anzahl der Violinen bei Konzerten müssten per Statut festgelegt werden. Aspiranten könnten der Grabekasse beitreten, dem Unterstützungsfonds nicht. Die Witwe eines Aspiranten erhalte bei dessen Tod eine einmalige Hilfe von 30 Th. SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 3 587 E 90 19. November 1840,15.00 Uhr Jährlich sollte nur ein Vorsteher wechseln. Giuseppe Rastrelli trug eine Schrift Morlacchis zu den Obliegenheiten und Pflichten der Vorsteher vor. Den beiden Klarinettisten Wohllebe wurde der Konzertbeitrag erlassen (Konzert am 29. Februar 1840). Künftig soll nur noch Künstlern von ausgezeichnetem R uf in Musikalischen Akademien assistiert werden dürfen. Die Pensionen für Witwen wurden von 50 auf 75 Th erhöht. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 3 E 91 21. Oktober 1841,15.00 Uhr Zinsen aus dem Reservefonds können zur Unterstützung verarmter Künstler verwen det werden. Für die Frauen der Kammermusiker sollen beim Generaldirektor Freikarten im Theater beantragt werden können. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 4 E 92 24. März 1843, 9.00 Uhr Der Kirchensänger Giuseppe Decavanti habe dem Unterstützungsfonds 1.200 Th. ge schenkt, möchte aber bis zu seinem Tode die Zinsen daraus ausbezahlt bekommen. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 4 E 93 11. Oktober 1843,15.00 Uhr Da sich in diesem Jahr höhere Ausgaben als die Einnahmen ergeben hätten, würde der Reservefonds in Kraft treten, um die Auszahlung von jeweils 75 RTh. zu gewährleisten. In die Statuten wurde aufgenommen: Wenn ein Musiker länger als 15 Jahre Aspirant war, erhält dessen Witwe 50 % der üblichen Pension. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 151547/5, fol. 4 E 94 11. Dezember 1844,15.00 Uhr Es wurde über eine Revision der Statuten beraten, u.a. über den Ausschluß der Hoforga nisten, Kirchensänger, Ripienisten und Assistenten. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 4 - siehe E 95 E 95 11. Dezember 1845 Beratung über die Revision der Statuten; u.a. Ausschluss der Hoforganisten, Kirchen sänger, Ripienisten, Assistenten, Zeremoniensänger. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 151547/5, fol. 4 f . - siehe E 94 588 E 96 18. November 1846,15.00 Uhr Da das Grab Francesco Morlacchis keinen Denkstein habe und der Verwüstung anheim gegeben sei, werde der Pensionsfonds die notwendigen Kosten übernehmen, um dies in Ordnung zu bringen. Hofrat Winkler verhandele darüber mit der dortigen Majestät. Nicht beschlossen wurde ein Antrag Franz Anton Morgenroths, dass die Zinsen aus dem Kapital auch zur Unterstützung bedürftiger Kapellmitglieder eingesetzt werden mögen. Weitere Erörterungen über die Revision der Statuten. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 5 E 97 16. Mai 1848,15.00 Uhr Dem Theatersingechor w irdfür die am Palmsonnt: geleistete Assistenz, die gewöhnliche 'Vergü tung, jedoch ohne Konsequenz fü r die Zukunft bewilligt. SHStA, 10026, Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 5 E 98 25. Januar 1849,15.00 Uhr Beim Todesfall eines Kammermusikers erhält das Kind bis zum 18. Lebensjahr aus dem Unterstützungsfonds eine Erziehungsbeihilfe nach Analogie der 'bei Königl. Pensionen geltenden Norm. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 5 E 99 11. Oktober 1849 Diskussion über den Betrag von 75 Talern für die Witwen. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 6 E 100 Übersicht der Einnahmen des Witwen- und Waisenfonds aus dem Jahre 1852: Die Brutto-Einnahmen der Palmsonntagskonzerte im Großen Opernhaus am Zwinger in den fünf Jahren von 1845 bis einschließlich 1849 betrugen pro Jahr im Durchschnitt 1473 Thaler, 14 Neugroschen, 6 3/5 Pfennige Die Brutto-Einnahmen des Jahres 1850 im Hoftheater betrugen 1521 Th., 5 Ngr. ,3 P f. Davon am Aschermittwoch 372 Th., 18 Ngr. , 5 P f und am Palmsonntag 1148 Th., 16 Ngr. , 8 P f Die Brutto-Einnahmen des Jahres 1851 im Hoftheater betrugen 740 Th., 11 Ngr. ,9 P f. Davon am Aschermittwoch 477 Th., 6 Ngr., 4 Pf. Davon am Palmsonntag 1263 Th., 4 Ngr., 8 Pf. 589 Das Vermögen des Kapellen-Wittwen-Unterstützungs-Fonds, beträgt mit Schluß des Jahres 1851 30.773 Th., 4 N g r .,2 P f. nachdem 'bis dahin 15.420 Th., 21 Ngr., 5 Pf. Unterstützungen gezahlt worden sind. Dresden d. 19. Juni 1852 Friedrich Schurick Der durchschnittliche Reinertrag von den Palmsonntags-Concerten beträgt seit deren Begrün dung am 26. December 1826 'bis mit Schluß des Jahres 1844 1347 Th., 29 Gr., 5 Pf. Der Reinertrag von den im vormaligen Königl. großen Opernhause gegebenen Concerten, beträgt in den Jahren 1845 'bis -mit 1849 im Durchschnitt 949 Th., 12 Ngr., 9 2/5 Pf. Von den im Königl. Hofschauspielhause in den beiden Jahren 1850 und 1851 gegebenen zwei Concerten in jedem Jahre, beträgt derselbe im Durchschnitt 1238 Th, 8 Ngr. 7 V2 Pf. SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14447, Vol. 17, fol. 14-16 E 101 Die großen musikalischen Akademien zum Besten des Wittwen-und Waisen-Unterstützungsfonds bey der Königl. musikalischen Kapelle fanden, nach der dazu erhaltenen Allerhöchsten Bewilligung, seither alljährlich am Palmsonntage im Saale des großen Opernhauses statt, und hatten 'bis zu der vorjährigen letzten Musikaufführung dieser Art, bereits ein Stammcapital von 28.792 Thalern, 17 Neugroschen, 3 Pfennigen eingetragen, wovon seit einigen Jahren jeder Wittwe eines Kammermusikus jährlich 75 Thaler als Unterstützung gezahlt werden konnten. Durch den am 6.n May vorigen Jahres stattgefundenen Brand des großen Opernhauses ist nun aber dieses Lokal zerstört und dadurch diesem Institut ein außerordentlicher Verlust und Nachtheil zugefügt worden, da nicht nur keine Räumlichkeit in Dresden sich vorfindet, welche eine so große Anzahl von Menschen fü r dergleichen Zwecke faßt, sondern auch der Umstand, daß in der Regel dieser Saal nur ein einziges Mal im Jahre geöffnet ward, viell dazu mit beitrug, einen zahlreichen Besuch 'herbeizuziehen. ln dieser Bedrängniß hat sich denn die Vorsteherschaft dieses Instituts an mich gewendet, und um meine submisseste Bevorwortung nachgesucht, daß ihr allergnädigste Unterstützung zu Theil werden möchte, um wenigstens so viel als möglich diese Nachtheile fü r einen Fond zu mindern, der bis jetzt so wohlthätigen Einfluß au f das Schicksal der Hinterlassenen von Kapellmitgliedern gehabt 'hat, und noch ferner zu 'haben verspricht. Für jetzt, und bis vielleicht künftig einmal ein großer Concertsaal eingerichtet werden dürfte, bietet nun wohl das Königliche Schauspielhaus, besonders nach den darinnen fü r Concerte ge troffenen 'Vorrichtungen, die beste und in jeder Hinsicht geeignetste Localität fü r Haltung des Palmsonntags-Concerts um so mehr, als auch 'bis jetzt an diesem Tage 'keine 'Vorstellung darinn stattgefunden hat, und der Theater-Casse also durch dessen Benutzung dazu keine Einnahme entzogen wird. Ich wage es daher submissest um die allergnädigste Einwilligung nachzusu chen: daß von jetzt an, bis au f weitere Allerhöchste Entschließung, der Königlichen musikalischen Kapelle das Hoftheater zu Haltung ihres Palmsonntags-Concerts zum Besten der ~Wittwen und Waisen derselben, huldreichst überlassen werde. 590 Leider aber ergiebt Berechnung und Erfahrung, daß die ansehnlichen Einnahmen 'von mehr als 1.200 Thalern, welche bisher aus den Palmsonntags-Concerten und Proben im großen Opernhause zur Casse des Unterstützungs-Institus geflossen sind, durch diese allergnä digste Bewilligung in keinem M aase erreicht werden können, und selbst im glücklichsten Falle mit wenigstens 6 - 700. Thalern hinter den früheren Einnahmen zurückstehen wer den. Um nun jene wesentlichen zum Fortbestehen des Instituts in der bisherigen Art nöthigen Bedürfniße wenigstens annähernd zu decken, haben die Vorsteher desselben unterthänigst gebeten, daß außer dem Palmsonntag-Concert, noch ein Concert in jedem Jahre im Königl. Schauspielhause veranstaltet werden möchte, indem sie hoffen dürften, dadurch die benöthigte Entschädigung zu erlangen. Die Realisierung dieser Aussicht wäre nun allerdings wohl im Interesse dieser wohlthätigen Anstalt zu wünschen, au f der anderen Seite erfordert es aber meine Pflicht, darauf bedacht zu seyn, daß von den Tagen, wo Vorstellungen im Hoftheater verstattet sind, keiner ohne die dringendste Ursache zu anderem Zwecke bestimmt, und der Hoftheater-Casse dadurch die darauf gewiesene Einnahme entzogen werde. Nun ist aber bisher stets am Tage nach Fastnacht, der sogenannten Aschermittwoch, das Theater fü r dramatische Veranstaltungen geschlossen geblieben, und es hat lediglich an diesem Tage ein Concert darinn stattgefun den, welches zum Besten der Armen veranstaltet worden. In Anbetracht der 'bedrängten Lage jenes wohlthätigen Instituts selbst, dürfte es daher wohl ganz im Sinne der bisherigen Einrichtung seyn, wenn diese Concert-Aufführung diesmal zum Besten des Unterstützungsfonds der Kapelle geschähe, als wodurch fü r den Palmsonn tag schon eine Einnahme gewonnen, und beide Concerte dann den M aasstab fü r künftig geben können. Was nun aber das Concert fü r die Armen betrifft, so könnte solches, statt an diesem Tage einzutreten, au f die Zeit des Sommers verschoben und im Saale des großen Gartenpalais gehalten werden, wodurch auch dieser Anforderung Genüge würde geleistet werden. Ew. K ön igl. M a je s tä t Allerhöchste Entschließung hierüber habe ich nun submissest entgegenzusehen. W olf Adolph August von Lüttichau an König Friedrich August II., 9. Februar 1850 SHStA., 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14445, fol. 27-32 E 102 Wir wollen geschehen lassen, daß, nachdem das große Opernhaus durch den am 6. M ai vorigen Jahres stattgefundenen Brand zerstört worden ist, Unserer musikalischen Kapelle bis zu anderer Anordnung das Hoftheater zu Haltung ihres PalmsonntagsConcerts zum Besten des Unterstützungsfonds derselben überlassen, auch den Ertrag des an der gestrigen Aschermittwoch veranstalteten Concerts diesem Fond überweisen und dagegen das Concert fü r die hiesigen Armen im Laufe des Sommers im Palais des großen Gartens gehalten wer den und machen euch solches au f euren desfallsigen Vortrag vom 9n dieses M onats in Gna den 'bekannt... König Friedrich August II. an Generaldirektor von Lüttichau, 14. Februar 1850 SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14445, Vol. 15, fol. 33 - Siehe auch Brescius 1898, S. 95 591 E 103 Mit Schreiben vom 18. Februar 1851 an den König beantragte Generaldirektor von Lüttichau, die Regelung aus dem Jahre 1850 hinsichtlich des Aschermittwochkonzerts für die Kapelle und eines Armenkonzerts im Sommer im Palais des Großen Gartens beibehalten zu dürfen. Mit Schreiben vom 27. Februar 1851 gab der König dafür sein Einverständnis. SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14446, Vol. 16, fol. 39-41 E 104 Der gleiche Vorgang wiederholte sich mit Antrag Lüttichaus vom 17. Januar 1852 und der Genehmigung des Königs vom 20. Januar 1852. SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14447, Vol. 17, fol. 13, 21 E 105 Da nun die Bedürfnisse 'bey diesem Fond durch Absterben zahlreicher M itgliederjenes Instituts immer mehr ansteigen und die Unterstützungen an die Wittwen ohne diese huldreichste Be willigung eines zweiten Concerts außer des Palmsonntags, in dem bisherigen Maase fortdau ernd nicht würden erhalten werden können, so haben die Vorsteher dieser Anstalt um gleiche allergnädigste Uiberlassung der Einnahmen eines an der nächstkommenden Aschermittwoche zu haltenden Concerts submissest gebeten, und ich wage es daher, mich dafür allerunterthänigst zu verwenden. Das alljährliche Concert fü r die Armen wird dann im Laufe des Sommers wie bisher im Lokale des Palais im großen Garten stattfinden. Wolf Adolph August von Lüttichau an König Friedrich August II., 12. Januar 1853 SHStA, 11125 Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14448, Vol. 18,1853, fol. 25 f. E 106 Die Bestätigung durch den König erfolgte am 28. Januar 1853. Damit verbunden war die Auflage, das Armenkonzert wie angekündigt im Sommer durchzuführen und ihn über den finanziellen Stand des Unterstützungsfonds, die Anzahl der unterstützten Witwen und die Höhe des Unterstützungsbetrages sowie die Höhe der in den Kon zerten erzielten Einnahmen zu informieren. SHStA, 11125, Min. des Kultus und öff. Unterrichts, Nr. 14448, Vol. 18,1853, fol. 27 E 107 Die Aschermittwochkonzerte zugunsten des Witwen- und Waisenfonds der Kapelle entstanden 1850 in der Nachfolge der Armenkonzerte zur Fastnacht. Nach: Kreiser 1918, S. 71 E 108 19. Februar 1851 Hofrath Winkler eröffnet, daß auf Vortrag Sr. Excellenz, Sr. Maj: der König auch dieses Jahr den Aschermittwoch zur Abhaltung eines Concert's fü r den Wittw: Unters: Fonds allergn: 'be willigt 'habe. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 6 592 E 109 12. Januar 1852,15.00 Man beschließt, Sr. Excellenz um Bewilligung des Aschermittwochkonzerts zum Besten des Fonds zu 'bitten. SHStA, 10026 Geh. Kabinett, Loc. 15147/5, fol. 6 593

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References

Zusammenfassung

Der Sächsischen Staatskapelle Dresden wird als Opern- wie als Konzertorchester hohe internationale Anerkennung gezollt. Während die 1548 gegründete kurfürstliche Hofkapelle schon seit dem 17. Jahrhundert der Bühne verpflichtet war, bildete sie als Königliche musikalische Kapelle ihre Qualitäten auf dem Konzertpodium in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich und in erstaunlichem Umfang aus – eine Entwicklung, die bisher weitgehend unerforscht geblieben ist. Die vorliegende Dokumentation gibt, vorwiegend anhand von Presse- und Archivmaterial, einen Überblick über Daten, Programme, Interpreten, Konzertformen, Säle, Veranstalter, interne und äußere Vorgänge, künstlerische Leistungen und Bedingungen, kritische Wertungen und Publikumsresonanz in den Jahren zwischen 1817 und 1858, als die Kapellmeister Morlacchi, Weber, Wagner und Reißiger an der Spitze des Orchesters standen. Eine vorangestellte Studie weist auf die Tradition der Kapelle und das institutionelle und künstlerische Gefüge hin, in dem sich ihre Konzertaktivitäten vollzogen.