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B Zur Situation des Dresdner Konzertlebens im Umfeld der Königlichen musikalischen Kapelle in:

Eberhard Steindorf

Die Konzerttätigkeit der Königlichen muskialischen Kapelle zu Dresden (1817-1858), page 428 - 440

Institutionsgeschichtliche Studie und Dokumentation

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4155-0, ISBN online: 978-3-8288-7015-4, https://doi.org/10.5771/9783828870154-428

Series: Dresdner Schriften zur Musik, vol. 11

Tectum, Baden-Baden
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B Zur Situation des Dresdner Konzertlebens im Umfeld der Königlichen musikalischen Kapelle Übersicht In Dresden gab es außerhalb der vom Hof und von der Königlichen musikalischen Kapelle veranstalteten bzw. von ihr mitgestalteten Konzerte eine Fülle und Vielfalt täglicher musikalischer Angebote. Der DA war Woche für Woche voll von entspre chenden Annoncen. Eingeladen wurde in öffentliche (Bier-)Gärten (B 16) und in ver schiedene Lokale der Stadt; man musizierte u.a. auf der Brühlschen Terrasse, im Gro ßen Garten (B 1), auf dem Linckeschen Bad (zur Atmosphäre siehe C 77, C 78), im Ita lienischen Dörfchen, in Findlaters Weinberg, im Feldschlösschen, im Gewandhaus, in Brauns Hotel oder in Restaurationen von Brauereien (zum Beispiel Waldschlösschen, Mantteuffelsches Brauhaus, Bergkeller oder Polnisches Brauhaus). Das Publikumsinte resse muss teilweise sehr groß gewesen sein. (S 105) Die Programme bestanden meist aus bunt und vielseitig zusammengestellten „Nummern"; die Anzeigen in den Zeitun gen, die oft auch die aufzuführenden Werke ankündigten, belegen es. Sie enthielten aber auch Sinfonien, Ouvertüren und Opemarrangements, manche sogar ausschließ lich diese. Schon 1823 hieß es zum Beispiel: ...au f Symphonien und Ouvertüren ist man freylich bey diesen Gartenkonzerten beschränkt. (B 16), da Sinfonien von der Königlichen musikalischen Kapelle bis dahin kaum dargeboten wurden. Man kann sich Dresden regelrecht als „klingende Stadt" vorstellen, wenn - ebenfalls 1823 - zu lesen war: Hier hört man eine neue Symphonie von Beethoven oder Ries, und dort vom jenseitigen Ufer der Elbe herüber vernimmt man die Töne einer Symphonie von Pleyel oder Gyrowetz. (B 16) Es musizierten hauptsächlich das Stadtmusikkorps (die Stadtkapelle) und - mitunter in Kooperation mit diesem oder eigenständig (B 11) - mehrere (die Rede ist von vier) Mi litärkapellen (B 11), die zumindest zeitweise sogar das Privileg besaßen, zu ihrer Qua lifizierung unter Vorzugsbedingungen die Italienische Oper zu besuchen. (B 11a) Man che Konzerte konnten bis zu drei, ja sogar fünf, sieben oder gar acht Stunden dauern. (B 9, B 16, C 78, K 23) Über fehlende Hörerschaft brauchte man nicht zu klagen. Der Zugang des Publikums gestaltete sich mehr als günstig: Weibliche Besucher waren in der Überzahl (man sprach für derartige Konzerte von einem Verhältnis von 20:1 zwi schen Frauen und Männern - B 2); Damen (und ihre Kinder) hatten schließlich freien Eintritt; Herren dagegen mussten immerhin einen Groschen zahlen. (B 16) Die Zuhörer verhielten sich während der Musikdarbietungen wohl mehr als „leger": Die amüsante Schilderung eines Freiluftkonzerts im Großen Garten ist aus dem Jahre 1836 erhalten (S 105) - ob sie verallgemeinerbar ist, bleibe dahingestellt. Einige Namen der maßgeblichen Dirigenten und Orchester, die derart in der Breite wirkten, seien im Folgenden genannt. Kapellmeister der Stadtkapelle von 1816 bis 1843 war Johann Gottlieb Zillmann. Die Angaben über die Anzahl seiner Musiker schwanken zwischen 25 (B 5) und 40 (B 5a). Sie waren beauftragt und be fugt, die Instrumentalmusik an Sonn- und Feiertagen in den großen evangelischen Kirchen des Stadtzentrums (vornehmlich Frauen- und Kreuzkirche) auszuführen und repräsentative Veranstaltungen des Rates und besondere gesellschaftliche An 428 lasse musikalisch auszugestalten. (B 5) Seit den 1820er Jahren richtete Zillmann zu dem regelmäßige Konzerte in Gaststätten ein, in denen er seit 1827 auch sinfonische Literatur spielte (u.a. Beethovens Sinfonien Nr. 1 bis 8, M ozart und Haydn) - und zwar dem Vernehmen nach -mit dem ihm zu Gebot stehenden Orchester sehr vorteilhaft. (B 16) Eine anerkennenswerte Tat Zillmanns war zweifellos 1842 die Dresdner Erst aufführung von Franz Schuberts Großer C-Dur-Sinfonie, nur drei Jahre nach der Leipziger Uraufführung und immerhin acht Jahre vor der ersten Wiedergabe durch die Königliche musikalische Kapelle (siehe Konzerte der Kapelle, 13.2.1850). Zill mann kam sogar dem W unsch breiter Publikumskreise nach, auf der Brühlschen Terrasse Konzerte ohne Tabakrauch zu geben - offenbar eine bemerkenswerte Neue rung. (B 5) Sein Nachfolger Johann W ilhelm Hartung - er amtierte von 1843 bis 1858 und war zuvor M ilitär-M usikdirektor gewesen - veranstaltete Abend- und wohl gut frequentierte Frühkonzerte (morgens ab 5.00 Uhr im Großen Garten, also außerhalb der Stadt!; siehe auch B 1) sowie Extra- und historische Konzerte, ebenso Abonnementsreihen, in denen zeitweilig fü r Dresden die einzige Gelegenheit geboten war, größere Instrumentalcompositionen kennen zu lernen, obgleich sie bereits 1845 of fenbar auf Grund der Erfahrung, dass der Sinn fü r tüchtige, classische M usik hier bei Weitem mehr affectirt, als wirklich vorhanden ist, wieder eingestellt werden mussten. (S 28, F 25) Hartungs Interpretationen fanden in der technischen Bewältigung (zum Beispiel in einem Falle von Beethovens „Siebter") auch öffentliche Anerkennung, wenngleich sie in Betreff der geistigen Auffassung zu trivial [...] , zu handwerksmäßig er schienen (B 6) und weder die Fülle der Besetzung, noch die Präzision der Ausführung bie ten können, die wir 'hier erwarten dürfen. (G 18) Benjamin Heinrich Gottlob Meyer, bis 1851 M usikdirektor des zur Zivilkapelle um gestalteten Musikkorps der Kommu nalgarde, ließ sich u.a. zweimal wöchentlich am Feldschlösschen hören und spielte im W interhalbjahr sechs Sinfoniekonzerte im Abonnement. (B 10) Sein Nachfolger von 1851 bis 1858, Raban Hugo Hünerfürst, führte die von Zillman eingeführte Pra xis der Soirees musicales ohne Tabakrauch fort und ergänzte diese Bestrebung zur Kultivierung der Veranstaltungen durch Konzerte ohne Gastronomie, in denen er zudem scharf gegen die bis dato wohl allgemein üblichen Unterhaltungen des Pub likums während der Aufführung vorging - bis hin zu der Drohung, das Konzert abzubrechen. Seine Konzerte übten sogar eine gewisse Anziehungskraft auf promi nente Künstler aus, wie zum Beispiel auf Henryk Wieniawski, Marie W ieck oder die Dreyssigsche Singakademie, die mit ihm auftraten. Übrigens entzog Hünerfürst den Damen das Privileg des freien Eintritts. (B 7) Musikdirektor Heinrich Gustav Kunze, 1844 bis 1868 an der Spitze des Leib-Infanterie-Regiments Dresden, pflegte ein umfängliches sinfonisches Repertoire. Er ließ auf Elbdampfern sowie zu Mas senkonzerten mit bis zu 130 Musikern aufspielen. (B 8) Anton Markert, Musikdi rektor des 2. Linien-Infanterie-Regiments von 1844 bis 1848, gab - wie auch Har tung - Konzerte morgens von 5.00 bis 8.00 Uhr im Großen Garten. Außerdem enga gierte er sich für Armenkonzerte, obgleich seine eigenen Musiker, gleich wie die voraufgegangenen Generationen ihres Standes, dringend selbst der Unterstützung bedurft hätten. (B 9, K 23) Natürlich veranstalteten auch einheimische und auswär tige Künstler Konzerte, für die sie diese Orchester zur Mitwirkung heranzogen. 429 Immerhin verfügten die Mitglieder der genannten Orchester über eine solche Qua lität, dass sie - oder wenigstens eine ganze Reihe von ihnen - zu den großen Konzer ten der Königlichen musikalischen Kapelle, etwa an den Palmsonntagen, hinzugezo gen werden konnten. Unterstrichen wird diese Feststellung auch durch die Bemerkung von Moritz Hauptmann aus dem Jahre 1843, dass die Sinfonie in den Dresdner Bier und Kaffeegärten [ ...] zu so tüchtiger Aufführung gelangte, als man sie sonst unter freiem Himmel wohl selten hören wird. (B 12) Schon zwanzig Jahre früher, 1823, hatte die über regionale AMZ anerkennend geschrieben: Unter den acht bis zehn vorzüglichen öffentli chen Gärten haben die meisten zwey bis drey Mal wöchentlich Concert, welches gar nicht schlecht, sondern oft vortrefflich ist. (B 16) Und 1845 schrieb wiederum die gleiche Musik zeitschrift, dass diese Konzerte eine bei Weitem größere Beachtung verdienten als ihnen zugestanden würde. (B 29) Besonders qualifizierten Musikern gelang sogar der Sprung in die Hofkapelle, wie etwa aus der Zillmann'schen Kapelle dem Posaunisten Adolf Julius Rühlmann und dem Hornisten Friedrich August Moschke. (B 5, siehe auch Schreiber 2003) Der soziale Status der Stadtkapellen-Musiker und anderer musikali scher Korporationen freilich muss erbärmlich, ja katastrophal gewesen sein, sowohl hinsichtlich der dienstlichen Inanspruchnahme als auch der Entlohnung; ein beträcht licher Teil der Einnahmen, die sie erspielten, floss in die Hände der Lokalbesitzer und in die Taschen der Kapellmeister. Es war das Verdienst des Königlichen Kam mermusikers Theodor Uhlig, die Öffentlichkeit 1848 in einem Zeitungsartikel scho nungslos auf die Zu- oder besser gesagt: Missstände aufmerksam gemacht zu haben. (K 23) Jahrzehntelang wurden in Dresden Diskussionen über Abonnementskonzerte ge führt, vor allem darüber, dass die Königliche Kapelle keine zu Wege brachte. Die Mu sikdirektoren Zillmann (B 4), Hartung (B 4, B 6), Kunze (B 8) und Meyer (B 10) veran stalteten zwar entsprechende Reihen auch teilweise mit für ihre Besetzungen bearbei teter sinfonischer Literatur, aber es schien - bei aller Anerkennung - anspruchsvollere Musikfreunde der Stadt zu schmerzen, dass man Concertmusik nur in den Caffee- und Biergärten aufsuchen könne (B 16, D 18), dass das Publikum - natürlich ebenso ein Sei tenhieb auf die Königliche musikalische Kapelle - im wesentlichen Symphonien und Ouvertüren [ ...] nur aus Zweigroschenconcerten mit und ohne Rauch kenne (F 59), dass die Sinfonie eben mehr in den Bier- und Kaffeegärten zu Hause sei als im Dresdner Concertsaale, den es im übrigen in der immer wieder geforderten und erforderlichen Ausprä gung ja gar nicht gab. Trotzdem wurde Bedauern geäußert, als Hartung seine Abon nementskonzerte einstellte, in denen fü r Dresden die einzige Gelegenheit geboten war, grös sere Instrumentalcompositionen kennen zu lernen. (F 25) Das Fehlen eines Konzertsaales gehörte nach wie vor zu den größten Hindernissen, um in Dresden ein gutes Concert zu machen. (B 18) Wenn die Königliche musikalische Kapelle außerhalb der von der Gene raldirektion oder ihr selbst veranstalteten Konzerte, zum Beispiel in Musikalischen Akademien, spielte, war ihr die Aufführung von Sinfonien untersagt. (E 20/Anfüge B, § 24) Ihre Bemühungen um Abonnementskonzerte scheiterten 1821/1822 ebenso wie 1848/1849. (D) Dazwischen, und die Kapelle war gar nicht einmal allein und gezielt angesprochen, wurde das Fehlen eines größeren Concertinstituts (D 18) bemängelt und die Hoffnung artikuliert, daß künftig ein ordentliches Abonnementsconcert zu Stande käme. Die vielen guten Mittel, die wir dazu 'haben, würden es sehr erleichtern und alle Musikfreunde innigst wünschen lassen. (B 17) 430 Umso bedauerlicher, dass auch dem hoch anerkennenswerten Versuch, den Ferdi nand Hiller Ende des Jahres 1845 mit tatkräftiger Unterstützung von Robert und Clara Schumann sowie eines repräsentativ zusammengesetzten Gremiums (B 25) und mit anspruchsvollen Programmen im Hotel de Saxe startete, Erfolg von längerer Dauer versagt geblieben ist. Das ihm zur Verfügung stehende Orchester setzte sich aus Mit gliedern der Stadtkapelle, des Musikkorps der Kommunalgarde und freiberuflichen Musikern zusammen. (B 4) Kammermusiker durften nicht zur Verstärkung eines En sembles außerhalb der Königlichen musikalischen Kapelle mitwirken, es sei denn - mit Genehmigung des Generaldirektors - als Solisten (B 38), aber auch das - wohl zum Schutz der Palmsonntagskonzerte - nicht in den 14 Tagen vor Ostern (nur in der Kir chenmusik war ihnen eine Beteiligung jederzeit freigestellt - E 20/Anfüge B, § 32 f.). Hoftheater und Kapelle sollen sogar gegen Hillers Vorhaben opponiert haben. (B 13, B 29) Es herrschte bei dessen Musikern ein Mangel an guten Instrumenten (B 26), und mit der Anzahl von drei Proben erreichte Hiller zwar eine künstlerisch wenigstens befrie digende Leistung, aber von einer vollendeten Produktion konnte, gerade im Vergleich mit der Königlichen musikalischen Kapelle, keine Rede sein. (B 25, B 29) Schließlich führten der Rückgang der Besucherzahlen (B 27) und daraus folgende finanzielle Probleme (B 31) dazu, dass die Konzertreihe eingestellt werden musste. (B 28) Die missglückten Bemühungen Hillers zeigten: Letztendlich konnte sich neben der Königlichen musika lischen Kapelle in Dresden kein anderes Orchester mit höherem Anspruch etablieren und so behaupten, dass es dauerhaft Publikum anzuziehen und künstlerisch zufrieden zu stellen vermochte. (B 2) Trotz aller vielseitigen, beinahe tagtäglichen konzertanten Aktivitäten drang, wohl einfach durch den Mangel besonderer Ereignisse im alltäglichen Musikbetrieb, relativ wenig, zeitweise gar nichts von der Dresdner musikalischen Szene nach außerhalb; der Schluss liegt nahe: Dies war nicht eine Frage der Quantität, sondern, im Durchschnitt, der Qualität. 1823 ging die Klage, dass man über Leistungen in der Kirchen- und Concertmusik, ingleichen der mancherley Musikvereine und Singakademien [ ...] von allen diesen schönen Sachen aus unserer guten Stadt wenig oder nichts melden kann. (B 16) Zwanzig Jahre später stellte Moritz Hauptmann (Kapellgeiger von 1812 bis 1815) ganz ähnlich bedauernd fest, es bleibe merkwürdig genug, daß aus einem Orte wie Dresden, einer Stadt, die au f so bedeutendes Renommee Anspruch macht, so gar wenig durch musikalische Blätter bekannt wird. (B 12) Daraus folgte Kritik auf breiter Front. Schon 1823 - nach Einstel lung der Abonnementskonzerte der Kapelle - wurde beklagt, dass den hiesigen Mu sikliebhabern alle Schätze der Concertmusik [ ...] verborgen bleiben sollen! (B 14, D 13), dass Concertmusik eigentlich bei uns nicht existiert (B 15) und - noch 1843 - die eigentliche Con certmusik daselbst nie zu 'recht blühendem Dasein gediehen sei. (B 12) Die Nachrichten vom Ende der 1830er und aus den 1840er Jahren sind widersprüchlich, denn sie lassen obwohl man ja eigentliche Concertmusik vermisste - eher auf zu viele als zu wenige Konzerte schließen: 1837 war zu lesen, zu häufige Konzerte ermüden und leeren den Beu tel (B 18), und noch 1855 schrieb man ganz ähnlich, dass die Beutel der Kunstliebhaber tagtäglich durch die ausgezeichneten Kräfte des Hoftheaters (sei es Schauspiel, sei es Oper) be droht werden. (B 36) Woher sollten also selbst interessierte Leute das Geld für die vielen Konzerte nehmen? In der Wintersaison 1843/1844 hieß es: Die feinsten und geschmack AM vollsten Konzerte jagen einander, und die Anschlagszettel prangen mit ausgezeichneten und berühmten Namen aus der Ferne wie aus der Heimat (B 19); nicht weniger als 36 Konzerte wurden in jener Saison gezählt. (B 21) Im Winterhalbjahr 1850/1851 lautete der Kom mentar zu den gezählten 25 Konzerten: schrecklich, aber wahr (B 33), unterstrichen durch das negative Fazit: An großen Musikaufführungen sind wir sehr arm, vor allem deshalb, weil die Hofkapelle wegen dienstlicher Uberbeanspruchung nichts ihren tüchtigen Kräften Entsprechendes zusätzlich leisten könne. (B 22) Und: Wer seine Briefe nach musi kalischen Ereignissen datiert, der hat [ ...] in Dresden Gelegenheit, nach Olympiaden zu rech nen. (B 35) Und weiter: Während in anderen Städten das Musikleben blühe, ist es bei uns in Dresden [1844] noch ganz still und todt. [ ...] Unsere Neugroschenkonzerte an den öf fentlichen Orten mit obligatorischem Tassen- und Bierkrügelchengeklirr [ ...] haben ungestör ten Fortgang. (B 23) Ein ganz ähnliches Resümee von 1852 lautete: Es sieht in Dresden traurig aus mit guten Concerten. Städte wie Berlin, München, Wien, Stuttgart, Leipzig u.a. hätten der sächsischen Residenz den Rang so abgelaufen, daß man das Versäumte kaum mehr nachholen kann. Die Bekanntschaft mit der neuern Instrumental- und Kammermusik ist fast gänzlich vernachlässigt. [ ...] Die Zweigroschenconcerte bei Bier und Tabak tragen dem Zeitgeist mehr Rechnung, als die Dresdner Kapelle. (B 34) Für die Concert- und Kammermusik sei mit wenigen Ausnahmen wenig oder gar nichts geschehen. [ ...] Die große Zahl der all jährlich [ ...] hier stattfindenden Virtuosenconcerte [...], die Concerte in den hiesigen geschlos senen Gesellschaften [ ...] oder gar die Neugroschenconcerte an öffentlichen 'Vergnügungsorten vermochten dem fühlbaren Mangel [ ...] eines größeren Concertinstituts nicht abzuhelfen. (B 29) Übrigens wurden Veranstalter kritisiert, weil sie in ihren Annoncen oftmals mehr an Programminhalten ankündigten als sie halten könnten, dass sie - um Publi kum anzulocken - prominente Künstler annoncierten, die dann nicht kämen, oder weil sie durch nicht gerechtfertigte, erhöhte Eintrittspreise das Ansehen ihrer Gäste aufzu werten versuchten und damit das Publikum hinters Licht führten. (B 24) Angegriffen wurde zudem die einseitige Richtung au f leere Technik und blendende Virtuosität [...], wel che das Publikum zu einer geivissen Blasiertheit gebracht hat. (B 30) Die Folge war: Die Säle lichten sich mehr und mehr [...] Die Lust am Concertbesuch 'hat sich bei uns, wie überall, gar sehr vermindert, und zum großen Theile tragen die Schuld daran - die Concertgeber selbst. (B 30) Hingewiesen sei auf ein Landesgesetz vom 21.10.1843, das auch auf das Konzert wesen Dresdens seine Auswirkungen hatte. Es untersagte allgemein verbindlich jegli che Veranstaltungstätigkeit ab drei Wochen vor Ostern; für das Theater blieb diese Anordnung auf die Karwoche begrenzt. (B 20) Eine Verordnung vom 28.10.1848 be schränkte dann den Zeitraum au f die Charwoche einschließlich des Palmsonntags, au f die Bußtage und die Vorabende derselben (B 32); das Palmsonntagskonzert der Königlichen musikalischen Kapelle allerdings durfte stattfinden. Über die parallel erfolgten - zugegeben eingeschränkten - Konzertaktivitäten der Königlichen musikalischen Kapelle und deren künstlerisches Gewicht im Musikleben der Residenzstadt wie etwa den Palmsonntags- und Aschermittwochkonzerten, den Abonnements-, Wohltätigkeits- und anderen Konzerten sowie ihre Beteiligung an Mu sikalischen Akademien, aber auch über die meist durch die Umstände erzwungenen Schwierigkeiten und Versäumnisse auf diesem Gebiet und die Kritik daran wird an anderer Stelle berichtet. (D, E, I, O) 432 D etails B l Im Großen Garten besitzt die mittlere große Wirtschaft einen schönen Musiksaal, worin im Winter wöchentlich dreimal sehr gut besuchte Conzerte gehalten werden. Im Sommer spielt das Musikchor unter einem dazu erbauten Pavillon im Freien. Es wird dort von Konzerten am Sonntag, Montag und Donnerstag berichtet. Im Sommer findet sonntags von 5.00 Uhr bis 7.00 Uhr ein sehr gut besuchtes Frühconzert statt. Nach: Schumann 1829, S. 73 B 2 In der Bevölkerung [Dresdens] trat zwischen der männlichen und der weiblichen Bewohner schaft ein gewisses Mißverhältnis hervor: in Gesellschaften und im Theater war das 'Verhältnis der Frauen zu Männern vier zu eins, in Konzerten sogar zwanzig zu eins. Kummer 1938, S. 41 (Letzteres zielt vermutlich auf Gartenkonzerte u.a.) B 3 Bestrebungen um dauerhafte, „seriöse" Abonnementskonzerte gingen mehrfach an mangelndem Publikumsinteresse ein (Hofkapelle 1820/21, Ferdinand Hiller 1845/46); neben der Hofkapelle konnte sich letztendlich auf Dauer und mit nur annähernd ver gleichbarer Qualität kein anderes Orchester in der Stadt behaupten. Nach: Kreiser 1918, S. 75/ 77, Härtwig 1970, S. 10, siehe auch B 16 B 4 Abonnementskonzerte veranstaltete in den 1840er Jahren zum Beispiel Johann Wil helm Hartung, zunächst Militärmusikdirektor, dann Dresdner Stadtmusikdirektor von 1843 bis 1858. (Dieser Titel wurde 1843 eingeführt und ist aus der 1804 eingerichteten Position eines Kapellmeisters der Stadtmusici hervorgegangen.) Stadtkapellmeister von 1816 bis 1843 war Johann Gottlieb Zillmann. Das Hiller'sche Orchester bestand aus Mitgliedern des Stadtmusikkorps und des Kommunalgarden-Musikkorps sowie freiberuflich tätigen Musikern. Nach: Härtwig 1970, S. 10, siehe auch B 29 B 5 Johann Gottlieb Zillmanns Stadtkapelle besaß das alleinige Recht der städtischen Mu sikausübung. Sie hatte den Auftrag, die Instrumentalmusik an Fest-, Sonn- und Feier tagen in der Frauen-, Sophien- und Kreuzkirche auszuführen, spielte bei repräsentati ven Ratsveranstaltungen, bei Hochzeiten und anderen bürgerlichen Anlässen. Zill mann bemühte sich außerdem, mit seiner Stadtkapelle eine Art regelmäßiges Kon zertwesen in Gaststätten zu etablieren. Dabei nahm er seit 1827 auch Sinfonien und Ouvertüren (u.a. Beethoven, Sinfonien Nr. 1-8, Mozart, Haydn, Weber) in seine an sonsten recht bunten Programme auf. Seine Kapelle zählte 25 Mitglieder, die er bei Be darf durch Militärmusiker ergänzte, (aber siehe auch B 5a) Einige seiner Orchestermu siker waren so kompetent, dass sie Aufnahme in die Hofkapelle fanden, wie zum Bei 433 spiel der Oboist Carl Gotthelf Kummer, der Posaunist Adolf Julius Rühlmann und der Hornist Friedrich August Moschke. Auf der Brühlschen Terrasse führte Zillmann üb rigens auf Verlangen des Publikums Concerte ohne Tabakrauch ein. Nach: Zänsler 1996, S. 35-39 B 5a 1829 sollen Zillmanns Stadtkapelle etwa 40 Mitglieder angehört haben. Nach: Schumann 1829, S. 70 B 6 Johann Wilhelm Hartung hatte schon als Militär-Musikdirektor Abonnementskonzerte durchgeführt. Er veranstaltete seit 1843 auch Extrakonzerte, Abend- und Frühkonzerte (ab 5.00 Uhr morgens!), historische und andere Konzerte. Seine Leistungen, einschließlich der Aufführungen von Sinfonien, fanden in der Öffentlichkeit Anerkennung, wenn auch mit Einschränkungen (Beethovens „Siebte" war in der technischen Ausführung 'befriedigend, aber in Betreff der geistigen Auffassung zu trivial, [...], zu handwerksmäßig.) Beiblätter der Correspondenz und Nachrichten der Abendzeitung, 4.4.1864, zitiert nach Zänsler 1996, S. 50 B 7 Raban Hugo Hünerfürst veranstaltete u.a. Soirees musicales ohne Tabakrauch und ohne Spei senangebot; er soll abgebrochen haben, wenn das Publikum auch nur flüsterte. Er schaffte den Brauch ab, dass Damen freien Eintritt hatten. Die Leistungen seiner Kapelle waren so anerkannt, dass auch Künstler wie zum Beispiel Henryk Wieniawski oder Marie Wieck und die Dreyssigsche Singakademie mit ihr musizierten. Nach: Zänsler 1996, S. 84 f. B 8 Militärkapellmeister Heinrich Gustav Kunze spielte in den 1840er bis 1860er Jahren eben falls Sinfonien von Haydn, Mozart, Beethoven, Kalliwoda, Mendelssohn Bartholdy, Schumann, Spohr u.a. Er führte Konzertfahrten auf Elbdampfem und auch Massenkon zerte mit bis zu 130 Musikern ein. Nach: Zänsler 1996, S. 126 B 9 Militärkapellmeister Anton Markert fiel in der zweiten Hälfte der 1840er Jahre durch seine Frühkonzerte (5.00 - 8.00 Uhr) im Großen Garten und durch seine Armenkonzerte auf. Nach: Zänsler 1996, S. 129 B10 Militärkapellmeister Benjamin Heinrich Gottlob Meyer spielte zweimal wöchentlich im Feldschlößchen, im Winter sechs Sinfoniekonzerte als Abonnementsreihe (u.a. Beethovens Sinfonien Nr. 1-8, Mozart, Haydn). Nach: Zänsler 1996, S. 81 f. 434 Uber die soziale Lage der M usiker in den städtischen Kapellen siehe I 23 B 11 Seit etwa 1830 arbeiteten vier M ilitärkapellen regelmäßig mit den Stadtkapellen zusammen. Diese M usikkorps gaben aber auch zahlreiche eigene Konzerte, z.T. m it Arrangements sinfonischer Literatur. Nach: Zänsler 1996, S. 113 B 11a Erwähnt werden die M usikchöre der A rtillerie und des jedes Jahr 'hier stehenden Infante rieregiments, deren Personale der Eintritt in die italienische Oper erleichtert wird, um an den Leistungen der Capelle sich ein M uster zu nehmen. Schumann 1829, S. 70 B 12 [ .. .] bleibt es aber merkwürdig genug, daß aus einem Orte wie Dresden, einer Stadt, die au f so bedeutendes musikalisches Renommee Anspruch macht, so gar wenig durch musi kalische Blätter bekannt wird. Die eigentliche Concertmusik ist aber daselbst nie zu recht blühendem Dasein gediehen. Die Sinfonie sei mehr in den Bier- und Kaffeegärten zu Hause als im Dresdner Concertsaale. Auch gelangte sie dort zu so tüchtiger Aufführung, als man sie sonst unter freiem Himmel wohl selten hören wird. M oritz Hauptmann, 1843, zitiert nach Zänsler 1996, S. 39 - Zur Publikum ssituation siehe S 105 B 13 Von der Kapelle nemlich ist jede M itwirkung abgelehnt und auch die Sängerinnen und Sänger der Oper haben sich jeder thätigen Theilnahme an diesen Concerten [gemeint sind die Hillerschen Abonnementskonzerte, zutreffend aber auch für Konzerte der Stadtkapelle] entzogen - wie man behauptet, entziehen müssen au f Befehl des Intendan ten, was möglich und selbst wahrscheinlich ist. Doch w ollte man behaupten, die Kapelle werde nun endlich wieder von künftigem W inter ab sich dazu entschließen, selbst einen Cyclus von Abonnementconcerten zu veranstalten, die zweifellos bedeutenden Anklang finden würden, zumal dieselbe imstande wäre, die Preise möglichst billig zu stellen, da sie die bedeutenden Ausgaben fü r Direction, M usiker und Virtuosenleistungen nicht haben würde, während ihr doch gewiß eine bedeutende Summe fü r ihren W ittwenpensionsfonds bliebe. [ . . .] Daß aber die Kapelle ihrer Ehre und der Kunst es schuldig ist, jenes Project nun end lich zur Ausführung zu bringen, kann einem ernstlichen Zweifel nicht unterliegen. Viel leicht kommt dann endlich - wie gewöhnlich fün fzig Jahre später - Dresden auch dahin, sein ständiges großes Concert zu haben. W anderer Treumund 1846, S. 334-336 B 10a 435 Nachdem die Abonnementskonzerte der Königlichen musikalischen Kapelle der Sai son 1821/1822 keine Fortsetzung gefunden hatten, stellte die Presse fest: Es scheint nun einmal im Rathe der Götter beschlossen, dass alle Schätze der neueren Concertmusik uns ver borgen bleiben sollen! AMZ, Jg. 25, Nr. 1, Januar 1823; siehe auch D 1-13 B 15 Da Concertmusik eigentlich bei uns nicht existiert [...] AMZ, Jg. 25, Nr. 33, August 1823 B 16 Es wird beklagt, dass man über musikalische Leistungen in der Kirchen- und Concertmu sik, ingleichen der mancherley Musikvereine und Singakademien [ ...] von allen diesen schönen Sachen aus unserer guten Stadt wenig oder nichts melden 'kann [...]. Man könne Concertmu sik nur in den Caffee- und Bier-Gärten aufsuchen. Unter den acht bis zehn vorzüglichen öf fentlichen Gärten haben die meisten zwey bis drey Mal wöchentlich Concert, welches gar nicht schlecht, sondern oft sogar vortrefflich ist; namentlich zeichnet sich der Stadtmusikus mit dem ihm zu Gebot stehenden Orchester sehr vortheilhaft aus. [ ...] Hier hört man eine neue Sym phonie von Beethoven oder Ries, und dort vom jenseitigen Ufer der Elbe 'herüber 'vernimmt -man die Töne einer Symphonie von Pleyel oder Gyrowetz. Denn au f Symphonien und Ouvertüren ist man freylich bey diesen Garten-Concerten beschränkt. Es gab auch Orchesterarrange ments von Opemausschnitten. Die Konzerte dauerten z.T. von 15.00 bis 20.00 Uhr. Der Eintritt kostete in der Regel nur - Einen Groschen! Und überdies sind alle Damen frey. AMZ, Jg. 25, Nr. 46, November 1823 B 17 Wenn die seit einigen Jahren im Hotel de Pologne abgehaltenen Quartett-Akademien eingestellt werden, könnte dies ein Anlass sein, daß künftig ein ordentliches Abonnementsconcert zu Stande 'käme. Die vielen guten Mittel, die wir dazu haben, würden es sehr er leichtern und alle Musikfreunde innigst wünschen lassen. AMZ, Jg. 29, Nr. 18, Mai 1827 B 18 Die gar zu 'häufigen Concerte ermüden und leeren die Beutel. Um in Dresden ein gutes Concert zu machen, gehört eine Vereinigung von Umständen dazu, die man an ändern Orten gar nicht kennt. Ein wesentliches Hindernis ist der Mangel eines grossen Saales, denn der schöne in der Harmoniegesellschaft ist schwer zu 'bekommen. AMZ, Jg. 39, Nr. 17, April 1837 B 19 Uber die Dresdner Wintersaison 1843/1844: Die feinsten und geschmackvollsten Konzerte vielfacher Art jagen einander, und die Anschlagszettel prangen mit ausgezeichneten und be rühmten Namen aus der Ferne wie aus der Heimat. MfgL, 3.1.1844 B 14 436 Es wird auf ein Landtagsgesetz vom 21.10.1843 hingewiesen, dass ab drei Wochen vor Ostern keine öffentlichen Veranstaltungen stattfinden dürfen, außer im Theater, in der Karwoche aber auch dort nicht. AMZ, 26.4.1844; siehe B 32 B 21 Vom 23. September 1843 bis 14. Mai 1844 werden in Dresden 36 Konzerte (einschließ lich der Abendunterhaltungen der 'Virtuosen) gezählt. NZfM, 10.6.1844 B 22 An größeren Musikaufführungen sind wir sehr arm [...] und doch wäre es in dem vorliegenden Falle so unmöglich nicht, da es wahrlich an tüchtigen Kräften nicht mangelt: Da ist unsere mit Recht gerühmte Capelle [...], die aber wegen ihres umfangreichen und ermüdenden Dienstes kaum in der Lage sei, Zusätzliches zu leisten. NZfM, 13.6.1844 B 23 Während anderswo (zum Beispiel in Berlin und in Leipzig) das Musikleben blüht, ist es in unserem guten Dresden noch ganz still und todt. [ ...] Unsere Neugroschenconcerte an den öffentlichen Orten mit obligatorischem Tassen- und Bierkrügelchengeklirr [ ...] haben natürlich ihren ungestörten Fortgang. NZfM, 7.11.1844 B 24 An vielen Konzerten in der Stadt wird kritisiert: - pomphafte Ankündigungen eines großen Vocal- und Instrumentalconcerts, und in Wirk lichkeit bestehe es aus solistischen Virtuosennummern und Gesangsvorträgen am Klavier - Ankündigung von Künstlern als Zugmittel, die dann nicht kämen oder gar nicht verfügbar seien - erhöhte Eintrittspreise als Wertsteigerung für Solisten, wobei die geweckten Erwar tungen nicht selten künstlerisch unterboten würden - Zuspätkommende im Publikum - das Erzwingen von (auch ganz bestimmten) Zugaben durch das Publikum AMZ, Jg. 47, Nr. 41, Oktober 1845 B 25 Aufruf zu den Abonnementskonzerten unter der künstlerischen Leitung von Ferdi nand Hiller und Robert Schumann: Einladung zu Abonnementskonzerten in Dresden Bei dem unverkennbaren Reichthum Dresden's an musikalischen Mitteln jeder Art 'hat -man das Fehlen eines fü r und durch sich bestehenden Instituts, dessen Hauptaufgabe die Vorfüh- B 20 437 rung eigentlicher, höherer Concert-Musik wäre, schon vielfach beklagt, und die große Vorliebe Dresdens fü r Musik überhaupt lässt auch fü r Concerte dieser Art, wie sie in allen 'bedeutenden Städten Deutschland's bereits bestehen, ein reges Interesse des Publikums mit Zuversicht er warten. Die Unterzeichneten glauben daher in dieser Voraussetzung die Initiative ergreifen und zur Theilnahme an demgemässen Abonnements-Concerten auffordern zu dürfen. Sechs derselben werden den Cyclus der Wintersaison 'bilden, und aus dem Gebiete der hö heren Instrum entalmusik Symphonien, Ouvertüren und andere grössere Ensemblestücke classischer M eister, wie auch bedeutende Kompositionen der neueren und neuesten Zeit umfassen. Demnächst sollen diese Concerte allerdings auch das virtuose Element vertre ten und die Vocalmusik keineswegs ausschließen. G raf W. von Baudissin Dr. Jul. Becke Generalmajor von Einsiedel Stadtrath Dr. Hertel M usikdirektor Ferdinand H iller Consul C. Kaskel Kammerherr von Koenneritz-Nöthnitz Fürst Kasimir Lubomirsky H ofrath Lucius H ofmusikalienhändler C. F. M eser Hof- und Justizrath Dr. M üller Advokat Robert Schmieder Dr. Robert Schumann Fr. Wieck (Die ersten Konzerte werden für 1.11., 25.11. und 9.12.1845 angekündigt.) DrA, 18.10.1845 und 23.10.1845 B 26 In einem H iller'schen Abonnem entskonzert wird bei den Bläsern M angel guter In strum ente und künstlerischer Behandlung konstatiert, in welcher Hinsicht wir durch die Königl. Kapelle zu sehr verwöhnt sind. NZfM, 29.1.1846 B 27 Es wird eine sehr verminderte Theilnahme für Hillers Abonnementskonzerte festge stellt, begründet in den hohen Eintrittspreisen und in der Ausweitung der Kon zertzahl von sechs auf acht pro Saison. NZfM, 3.10.1848 438 Einzelne Kapellmitglieder dürfen in Konzerten von Musiker- und Sängercorporationen außerhalb der Kapelle nur als Solisten, nicht als Verstärkung eines Ensembles mitwirken. Die Vorsteher können Ausnahmen genehmigen. E 20/Anfüge, § 32 (siehe B 29) B 29 Der Verfasser stellt fest, Kapelle und Oper würden gegen die Errichtung eines Kon zertinstituts opponieren. Die Hiller'schen Abonnementskonzerte fänden im Hotel de Saxe statt. Das Orchester bestehe aus ausgewählten Mitgliedern der Dresdner Musikchöre, Kapellmitglieder seien nicht vertreten. Für die Konzerte gebe es drei Proben, das reiche für eine künstle risch wenigstens befriedigende Leistung, aber es könne von einer vollendeten Produktion keine Rede sein. Der Verfasser klagt über das Fehlen eines größeren Concertinstituts. [ ...] Für die Concertund Kammermusik sei mit wenigen Ausnahmen wenig oder gar nichts geschehen. Dass wir die grosse Zahl der alljährlich [ ...] hier stattfindenden Virtuosenconcerte nicht als einen Ersatz dafür ansehen konnten, dass die Concerte in den hiesigen geschlossenen Gesell schaften [...], oder gar die Neugroschenconcerte an öffentlichen Vergnügungsorten diesem fühlbaren Mangel nicht abzuhelfen vermochten (obwohl letztere eine bei Weitem grössere Be achtung verdienten): das versteht sich wohl von selbst. AMZ, Jg. 47. Nr. 47, November 1845; siehe auch B 20 B 30 Die Säle lichten sich mehr und mehr, was fü r die Concertgeber in keiner Hinsicht ein Vortheil. [ ...] sei. Die Lust am Concertbesuch hat sich bei uns, wie überall, gar sehr vermindert, und zum grossen Theile tragen die Schuld daran - die Concertgeber selbst. [ ...] die einseitige Richtung auf leere Technik und 'blendende 'Virtuosität, welche die überwiegende Mehrzahl cultivirt, und welche das Publikum zu einer gewissen Blasiertheit gebracht hat. AMZ, Jg. 49, Nr. 37, Juli 1847; siehe auch P 7 , P 8 B 31 Die Hiller'schen Abonnementskonzerte werden nicht fortgesetzt, weil sie sich finan ziell nicht tragen. NZfM, 22.11.1848 B 32 Verordnung, das Abhalten von Koncertmusiken während der innedachten Zeiten 'betreffend. Die Ministerien des Kultus und öffentlichen Unterrichts und des Innern haben im Einver ständnisse mit den in Evangelicis beauftragten Staatsministern beschlossen und verordnen hierdurch: Das in § 2 der Verordnung, die Beobachtung der geschlossenen Zeiten in polizeilicher Hinsicht betreffend, vom 21. Oct. 1843 ausgesprochene Verbot des Abhaltens von Koncertmusiken an öffentlichen Orten während der in § 1 derselben 'Verordnung näher Gezeichneten geschlossenen B 28 439 Zeiten soll ins künftige au f diejenigen Zeiten, während welcher nach § 5 besagter Verordnung auch theatralische Vorstellungen nicht stattfinden dürfen, und demnach au f die Charwoche einschließlich des Palmsonntags, au fd ie Bußtage und die 'Vorabende derselben beschränkt sein. Die Verordnung vom 21. Oct. 1843 wird insoweit, als im Vorstehenden etwas Anderes verord net worden, aufgehoben. Dresden, d. 28. Oct. 1848 DieM inisterien des Kultus und öffentlichen Unterrichts und des Innern von der Pfordten Oberländer Eppendorf DrZ, 7.11.1848; siehe auch B 20 B 33 Der Rezensent zählte zwischen 25. Oktober 1850 und 13. April 1851 insgesamt 25 Kon zerte in Dresden - schrecklich, aber wahr. NZfM, 9.5.1851 B 34 Es sieht in Dresden traurig aus mit guten Concerten. Berlin, München, Wien, Stuttgart, Leip zig, Düsseldorf, Bremen und Cöln 'haben der sächsischen Residenz den Rang so vollständig ab gelaufen, daß man das Versäumte kaum mehr nachholen 'kann. Die Bekanntschaft mit der neu ern Instrumental- und Kammermusik ist fast gänzlich vernachlässigt, wenn wir einige wenige unsystematische, rein experimentelle Versuche abrechnen Die Zweigroschenconcerte bei Bier und Tabak tragen dem Zeitgeist mehr Rechnung, als die Dresdner Kapelle. NZfM, 17.12.1852 B 35 Wer seine Briefe nach musikalischen Ereignissen datiert, der hat, wie ich früher bemerkte, in Dresden Gelegenheit, nach Olympiaden zu rechnen. NZfM, 27.5.1853 B 36 In Dresden fänden zur Zeit tatsächlich nicht wenige Konzerte statt, wenn man bedenkt, daß die Beutel der Kunstliebhaber tagtäglich durch die ausgezeichneten Kräfte des Hoftheaters (sei es Schauspiel, sei es Oper) bedroht werden. NZfM, 14.12.1855 B 3 7 Zur permanent geführten Klage über den fehlenden, einer Kulturstadt wie Dresden angemessenen Konzertsaal, die durch die Jahrzehnte die öffentliche Diskussion durch zieht, siehe unter C. B 38 Im Winter 1840/1841 spielten als Solisten mit dem Stadtmusikkorps u.a. die Kammer musiker Friedrich Queißer (Trompete), Carl Christian Eisner (Horn) und Joseph Dominick (Viola) sowie Moritz Fürstenau (Flöte), Kapellmitglied erst ab 1842. NZfM, 9.4.1841 440

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Zusammenfassung

Der Sächsischen Staatskapelle Dresden wird als Opern- wie als Konzertorchester hohe internationale Anerkennung gezollt. Während die 1548 gegründete kurfürstliche Hofkapelle schon seit dem 17. Jahrhundert der Bühne verpflichtet war, bildete sie als Königliche musikalische Kapelle ihre Qualitäten auf dem Konzertpodium in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich und in erstaunlichem Umfang aus – eine Entwicklung, die bisher weitgehend unerforscht geblieben ist. Die vorliegende Dokumentation gibt, vorwiegend anhand von Presse- und Archivmaterial, einen Überblick über Daten, Programme, Interpreten, Konzertformen, Säle, Veranstalter, interne und äußere Vorgänge, künstlerische Leistungen und Bedingungen, kritische Wertungen und Publikumsresonanz in den Jahren zwischen 1817 und 1858, als die Kapellmeister Morlacchi, Weber, Wagner und Reißiger an der Spitze des Orchesters standen. Eine vorangestellte Studie weist auf die Tradition der Kapelle und das institutionelle und künstlerische Gefüge hin, in dem sich ihre Konzertaktivitäten vollzogen.