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Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge in:

Laura S. Flöter

Der Avatar - die Schatten-Identität, page 385 - 444

Ästhetische Inszenierung von Identitätsarbeit im phantastischen Rollenspiel

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4150-5, ISBN online: 978-3-8288-7008-6, https://doi.org/10.5771/9783828870086-385

Tectum, Baden-Baden
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Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge Um die Authentizität der Fragebögen zu erhalten, wie sie von den Teilnehmenden nach der Bearbeitung zurückgesendet worden sind, werden die ausgefüllten Fragebögen im Folgenden ohne Korrektur von Grammatik und Orthographie, Layout, Satzspiegel oder Ähnlichem abgedruckt. 385 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 1 Fragebogen Blanko Das Eigenleben des Avatars problemzentriertes Interview per e-Mail Laura Flöter Universität Duisburg-Essen LauraFloeter@gmx.de 5 Hallo zusammen! Wie Du ja weißt, schreibe ich meine Doktorarbeit zum Thema phantastische (pen-andpaper-)Rollenspiele – der Spielercharakter, wegen der Neutralität des Begriffes bei mir einfach 'Avatar', ist dabei einer der wichtigsten Aspekte. Um seinen Status als 10 ästhetisches Produkt (aka 'Kunstwerk') zu bestimmen, untersuche ich u.a. sein 'Eigenleben', d.h. die Eigendynamik, die ein Charakter beim Spielen entfaltet. Vielleicht hast Du es selber schon erlebt: Dein (pen-and-paper-)Charakter entwickelt sich oder handelt ganz anders, als Du es eigentlich geplant hast. Ich versuche, dieses Phänomen zu beschreiben und dann zu analysieren. Grundlage sind natürlich 15 empirische Erhebungen – also die Erfahrungen der Spieler selbst. Meine Studie soll allerdings nicht repräsentativ sein – an diesem Punkt geht es für mich erst einmal darum, das Phänomen 'Eigenleben des Avatars' nachzuweisen und meine Ergebnisse daran zu veranschaulichen. Daher bitte ich Dich, diesen Fragebogen für mich auszufüllen – einfach in der Datei, 20 am besten andersfarbig – und bis zum 1. März 2012 an mich zurückzusenden. Die Daten werden natürlich anonym behandelt und dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Anonymisiere Deine Antworten einfach, indem Du nur den ersten Buchstaben Deines 25 Vornamens angibst. Und bitte antworte ausführlich – diese Daten sind Material für Grundlagenforschung. Je detaillierter die Antworten ausfallen, desto genauer kann das befragte Phänomen beschrieben werden, und desto höher ist die Qualität der Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 386 Ergebnisse. Wenn Dir zu einer Frage nichts einfällt, lass sie einfach aus. Wenn Dir etwas unklar ist, kannst Du mir jederzeit eine e-Mail schreiben. Danke! 30 Das Eigenleben des Avatars – Fragen Zur Erschaffung und Funktion (D)eines Avatars 1. Woher nimmst Du die Ideen und Inspiration, einen Charakter zu erschaffen 35 und zu spielen? 2. Hast Du schon einmal einen Charakter erschaffen und dann doch bald wieder abgelegt? Wenn ja, bitte beschreibe, warum Du keine Freude am Spiel mit diesem Charakter hattest. 3. Welche Aspekte erscheinen Dir an (D)einem Charakter wichtig? 40 4. Welcher Aspekt Deines Charakters ist Dir am wichtigsten – und warum? Zur Beziehung von Spieler und Avatar 5. Welchen Zweck erfüllt Dein Charakter aus Deiner Sicht – ist er ein Instrument im Spiel, oder erfüllt er einen Selbstzweck? Bitte beschreibe Deine Sicht! 45 6. Welche Bedeutung hat Dein Charakter für Dich persönlich? 7. Ist der Tod eines Charakters für Dich schon einmal schmerzhaft gewesen? Wenn ja, warum – und wie bist Du damit umgegangen? Zur Entwicklung des Avatars im und durch das Spiel 50 8. Hat Dein Charakter schon einmal eine größere Veränderung im Spiel erfahren, auf die Du keinen Einfluss hattest – wenn ja, wie hast Du das empfunden? Hat es Dich gestört, und wie bist Du damit umgegangen? 9. Wonach entscheidest Du generell, ob und wie ein Charakter sich verändert? 10. Hast Du ein 'Ziel' für jeden Charakter? Wenn ja, wie bewegst Du ihn darauf 55 zu? Der Avatar – Alter Ego oder imaginäre Person? 11. Empfindest Du Deinen Charakter als von Dir unabhängige 'Person'? 12. Wenn ja: Inwiefern ist sie anders als Du? 60 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 387 13. Wenn nein: Inwiefern ist Dein Charakter von Dir abhängig – empfindest Du ihn als einen Teil von Dir? Wenn ja – welcher Teil könnte das sein? Zum Eigenleben (D)eines Avatars 14. Hat sich Dein Charakter schon einmal anders verhalten oder entwickelt, als Du 65 es geplant bzw. erwartet hast? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erfahrungen! 15. Würdest Du sagen, dass Dein Charakter ein Eigenleben hat? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erlebnisse! 16. Woher, glaubst Du, kommt dieses 'Eigenleben'? 70 17. Wenn nein, was ist er dann? Als was würdest Du Deinen Avatar beschreiben? Sonstiges – Vorschläge, Anmerkungen, Ideen 18. Ich plane, auf der Basis dieses Fragebogens auch einen Fragebogen für ein 'Charakterinterview' zu entwickeln, um dessen 'Eigenleben' zu 75 veranschaulichen, zu beschreiben und zu dokumentieren. Welche Fragen könnten Deines Erachtens diesen Zweck erfüllen? Schreibe einfach auf, was Dir dazu einfällt. 19. Hast Du weitere Ideen für Fragen? Gibt es sonst noch Aspekte, die Du bei der Thematik wichtig fändet, abzufragen? Bitte notiere Deine Ideen und 80 Vorschläge! Vielen Dank für Deine Teilnahme!! Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 388 2 Fragebogen Teilnehmer AH Das Eigenleben des Avatars problemzentriertes Interview per e-Mail Laura Flöter Universität Duisburg-Essen LauraFloeter@gmx.de 5 Hallo zusammen! Wie Du ja weißt, schreibe ich meine Doktorarbeit zum Thema phantastische (pen-andpaper-)Rollenspiele – der Spielercharakter, wegen der Neutralität des Begriffes bei mir einfach 'Avatar', ist dabei einer der wichtigsten Aspekte. Um seinen Status als 10 ästhetisches Produkt (aka 'Kunstwerk') zu bestimmen, untersuche ich u.a. sein 'Eigenleben', d.h. die Eigendynamik, die ein Charakter beim Spielen entfaltet. Vielleicht hast Du es selber schon erlebt: Dein (pen-and-paper-)Charakter entwickelt sich oder handelt ganz anders, als Du es eigentlich geplant hast. Ich versuche, dieses Phänomen zu beschreiben und dann zu analysieren. Grundlage sind natürlich 15 empirische Erhebungen – also die Erfahrungen der Spieler selbst. Meine Studie soll allerdings nicht repräsentativ sein – an diesem Punkt geht es für mich erst einmal darum, das Phänomen 'Eigenleben des Avatars' nachzuweisen und meine Ergebnisse daran zu veranschaulichen. Daher bitte ich Dich, diesen Fragebogen für mich auszufüllen – einfach in der Datei, 20 am besten andersfarbig – und bis zum 1. März 2012 an mich zurückzusenden. Die Daten werden natürlich anonym behandelt und dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Anonymisiere Deine Antworten einfach, indem Du nur den ersten Buchstaben Deines 25 Vornamens angibst. Und bitte antworte ausführlich – diese Daten sind Material für Grundlagenforschung. Je detaillierter die Antworten ausfallen, desto genauer kann das befragte Phänomen beschrieben werden, und desto höher ist die Qualität der Ergebnisse. Wenn Dir zu einer Frage nichts einfällt, lass sie einfach aus. Wenn Dir etwas unklar ist, kannst Du mir jederzeit eine e-Mail schreiben. Danke! 30 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 389 Das Eigenleben des Avatars – Fragen Zur Erschaffung und Funktion (D)eines Avatars 1. Woher nimmst Du die Ideen und Inspiration, einen Charakter zu erschaffen 35 und zu spielen? Vorwiegend erhalte ich meine Ideen aus der Literatur, welche ich selber lese. Meist sind das Trivialromane die im keltischen Raum spielen und viel mit der Mystik und den Legenden Irlands und Schottlands zu tun haben. Den ein oder anderen Namen habe ich ebenfalls aus Büchern oder Filmen. Dabei überlege ich mir aber auch immer, 40 wie der Avatar so abgeändert werden kann, dass er für mich spielbar wird. Meine bevorzugten Quellen sind, natürlich „The Lord of the Rings“, Nora Roberts-Romane, Trudi Canavan, und Celtic-Sagas. Wobei ich mir meine Inspiration auch aus jedem anderen Buch oder Film nehme, das oder der mir gefällt. 2. Hast Du schon einmal einen Charakter erschaffen und dann doch bald wieder 45 abgelegt? Wenn ja, bitte beschreibe, warum Du keine Freude am Spiel mit diesem Charakter hattest. Tatsächlich gibt es einen Charakter, den ich gespielt habe, und der mir nach ca. einem Jahr nicht mehr gefallen hat. Hierbei handelt es sich um meinen ersten Charakter. Ursprünglich angedacht als Hexe hat sie sich sehr schnell in die Schiene des ordinären 50 Magiers drängen lassen. Damit war sie den Regeln unterworfen, die in den Regelwerken zu dem Char- Konzept stehen. Da ich zur damaligen Zeit auch noch nicht so viel Erfahrung hatte, und mich von den Regeln habe leiten lassen, ist Evaine Nibenore (Meisterschülerin von Andor Larethiel) schnell in einen Status abgerutscht, in dem ich keine Lust mehr hatte, sie weiter zu spielen. Zu Anfang will ja jeder 55 LARPer etwas ganz mächtiges und besonderes spielen. Aber ich habe bemerkt, wie schön und aufregend das spielen eines einfachen und durchschnittlichen Charakters sein kann. Der hat viel mehr von mir, und es macht Spass Seiten an mir zu entdecken, die ich noch nicht kannte. 3. Welche Aspekte erscheinen Dir an (D)einem Charakter wichtig? 60 Am aller wichtigsten ist mir die Authentizität.Hierbei geht es mir natürlich auch um die Kleidung oder die Ausstaffierung des Charakters angefangen mit dem Zelt bis hin zu den vielen kleinen Utensilien, die sie mit sich herumträgt. Meistens mache ich mir Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 390 die Kleidung selbst, wodurch sie Individuell wird und ich die Stoffe und Farben, den Schnitt und das Muster selbst bestimmen kann. Diese Kleidung hat niemand sonst, 65 wodurch der Char schon etwas besonderes wird. Es sind die Kleinigkeiten, die mir Spass machen, sowohl sie zu entwickeln und her zu stellen als auch sie zu benutzen und ihren Nutzen im Spiel zu sehen. 4. Welcher Aspekt Deines Charakters ist Dir am wichtigsten – und warum? Eigentlich habe ich die Frage ja schon oben beantwortet. Aber es gibt noch einen sehr 70 entscheidenden Punkt, der mir sehr wichtig ist. Obwohl ich es gerne habe, dass der Charakter viel von mir hat, so ist es am schönsten, wenn er Charakterzüge zeigt, die ich an mir noch nie entdeckt habe. Einer meiner Charaktere hat zum beispiel eine ausgeprägte Abneigung gegen Alchemisten. Dies begründe ich mit einer Erfahrung in der Charaktervorgeschichte. Und es bestätigt sich, wann immer ich auf einen 75 Alchemisten treffe . Derselbe Char ist darüber hinaus sehr ungehobelt und frech. Tja, das bin ich zwar auch, aber nicht in dem übertriebenen Maße. Das macht echt Spass. Zur Beziehung von Spieler und Avatar 5. Welchen Zweck erfüllt Dein Charakter aus Deiner Sicht – ist er ein Instrument 80 im Spiel, oder erfüllt er einen Selbstzweck? Bitte beschreibe Deine Sicht! Natürlich bekleidet der Charakter eine Aufgabe im Spiel, denn als ich selbst kann ich mich in der Spielwelt ja nicht bewegen. Er ist eine Art Medium, durch das ich agiere. Aber er erlaubt mir auch, mich selbst besser kennen zu lernen oder Dinge zu tun, die ich selbst nie tun würde. 85 6. Welche Bedeutung hat Dein Charakter für Dich persönlich? Meinen Persönlichen Nutzen ziehe ich aus der Tatsache, dass der Charakter nicht „Ich“ ist. Das heisst, ich mache Urlaub von mir selbst. Ich gebe meine Identität beim Check in ab und erhalte sie erst beim Check out wieder. Ich brauche mich nicht mit Problemen herum zu schlagen, die mich in meinem OT-Leben beschäftigen. Das ist 90 sehr entspannend. Dazu die Tatsache, dass wir in eine Spielwelt eintauchen, die dem europäischen Mittelalter sehr ähnlich ist, wodurch die Errungenschaften der Technik unseres realen Zeitalters in den Hintergrund gestellt werden. Und das ist der Punkt an dem ich jedem widersprechen will, der mir sagt, dass ein Eintauchen in eine phantastische Welt ja auch mit online-Rollenspielen machbar ist. Hierbei sitze ich 95 nämlich am Computer und nutze ihn zum Spielen. Es ist nicht real, nicht für mich. Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 391 Deswegen liebe ich das LARP so sehr und auch meine Charaktere, seien sie noch so voller Fehler. 7. Ist der Tod eines Charakters für Dich schon einmal schmerzhaft gewesen? Wenn ja, warum – und wie bist Du damit umgegangen? 100 Vor Wut gezittert. So könnte man es beschreiben, wie ich mich gefühlt habe als mein Lieblingscharakter vor kurzem starb. Ich habe es nach außen heruntergespielt und mir direkt auch schon Gedanken gemacht, wie ich ihn trotzdem noch weiterspielen kann. Dabei war ich noch nicht einmal so wütend auf die ORGA, da sie nichts dafür kann. In der LARP-Zeit schrieb mal jemand, dass jeder Char einen heldenhaften Tod haben 105 solle, um dem Spieler die Befriedigung zu geben, dass er einen guten Abschluss gemacht hätte. Mein Char ist still vor sich hin gestorben, weil sich niemand gekümmert hat. Kein Heiler kam und sie wurde rund heraus ignoriert. Als guter LARPer habe ich das Prinzip: Spiel es aus, in dem Moment sehr ernst genommen. Ich war hilflos in dem Moment und konnte mich nicht mehr bemerkbar machen. Gott sei Dank gibt es einen 110 Char in meiner Gruppe, der sich mit Wiederbelebungen auskennt, und sich sofort bereit erklärt hat, es bei nächster Gelegenheit mit meinen Char zu versuchen. Ich vertraue dem Spieler, dass es ein spektakuläres Ritual wird. Aber leider war das Spiel für mich an diesem Abend gelaufen. Robyne Callahan... komm zurück... bitte! 115 Zur Entwicklung des Avatars im und durch das Spiel 8. Hat Dein Charakter schon einmal eine größere Veränderung im Spiel erfahren, auf die Du keinen Einfluss hattest – wenn ja, wie hast Du das empfunden? Hat es Dich gestört, und wie bist Du damit umgegangen? Hier kann ich nur wieder den Tod meines Lieblingscharakters anführen. Ich hatte zwar 120 eine gewisse Einflussnahme, die wäre aber komplett meinem Spielstil entgegen gelaufen. Ich hätte sie nicht sterben lassen müssen. Ich hätte sagen können: Hey egal, dass ihr die Eingeweide und das Blut aus dem Körper quellen. Und das schon seid einer geschlagenen halben Stunde. Ich tue es als Alptraum ab, und lebe weiter. Oder ich entwickele einfach ein bisschen REGI, merkt ja keiner. Oder ich tue einfach so, als 125 sei sie noch bei Bewusstsein, und ruft um Hilfe. Oder Ich tue so, als sei sie erst kurz vorher gefallen, und vergesse die letzte halbe Stunde, die ich auf dem kalten Tavernenfußboden verbracht habe. … Aber was wäre ich dann für ein Spieler gewesen: Ein Powergamer, mit einem Menschcharakter ohne magische Fähigkeit. Echt, das will doch keiner. Wie ich damit umgegangen bin, naja ich bin in dem Moment, da ich dies 130 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 392 hier schreibe, dabei, damit um zugehen. Es ist noch nicht zu Ende, und ich werde es dir mitteilen, wenn ich es geschafft habe, der (Fantasie-) Welt besten Kartenlegerin wieder zum Leben erweckt zu haben. 9. Wonach entscheidest Du generell, ob und wie ein Charakter sich verändert? Meisten läuft das nicht willentlich ab, sondern der Situation angepasst. Ich weiss ja 135 vorher nicht, in welche Situationen ich geraten werde. Also kann ich die Szenarien nicht in meinem Kopf vorher schon durchspielen. Es gibt zwar ein grobes Konzept nach dem ich den Char handeln lasse, aber das sind sehr allgemeine Gesichtspunkte, wie die Persönlichkeit, das Verhalten und die Abneigungen und Vorlieben. Ich denke, dass uns diese Tatsache von Bühnen- oder Filmschauspielern unterscheidet: Wir haben 140 keinen Drehplan, geschweige denn ein Textmanuskript haben. Natürlich gibt es auch noch andere Unterschiede, aber das ist der wichtigste, wie ich finde. 10. Hast Du ein 'Ziel' für jeden Charakter? Wenn ja, wie bewegst Du ihn darauf zu? Ein grobes Ziel habe ich für jeden meiner Chars. Leider ändert sich das aber auch 145 immer wieder. Vielleicht ist das ja normal, dass wenn sich der Spieler in seiner Persönlichkeit oder seinem Habitus ändert, sich auch das Ziel für den Char ändert. Aber ein paar Sachen ziehen sich durch. Natürlich will man der (Spiel-) Welt seinen Stempel aufdrücken, und bekannt sein. Einige der Spieler, die ich kenne, haben das schon geschafft. Und das will ich auch schaffen. Ich habe auch schon die ein oder 150 andere Idee, wie ich das hin bekomme. Da kommt mir dann aber so etwas wie ein leichter Anfall von Tod sehr ungelegen. Das ist dann der Moment, in dem ich meinen Char frage: Was hast du denn da schon wieder angestellt. ;-) Der Avatar – Alter Ego oder imaginäre Person? 155 11. Empfindest Du Deinen Charakter als von Dir unabhängige 'Person'? Ja. Und das aus einem sehr einfachen Grund: Ich habe gesehen, was aus einem Spieler werden kann, wenn er das Spiel zu ernst nimmt, und es in die OT-Welt mit hinüber nimmt. Man sollte sich bei aller Liebe zum Spiel immer darüber im klaren sein, das es nur ein SPIEL ist. Ich rede zwar gerne in der Ich - Perspektive, wenn ich von einem 160 meiner Charaktere rede, aber ich denke, dass ich Fantasie und Realität durch das LARP noch besser zu unterscheiden gelernt habe. Geht man nämlich davon aus, dass der Char real ist, und übernimmt seine Gepflogenheiten in die OT-Welt, so muss man auch davon ausgehen, dass das alle anderen auch so machen, sonst wäre ein normales Leben Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 393 nicht mehr möglich. Und das ist einigen Spielern passiert. Der Grund ist einfach: Sie 165 waren mit ihrem OT-Leben unzufrieden, und haben sich deswegen einen Char gebaut, der es einfacher im Leben hat. 12. Wenn ja: Inwiefern ist sie anders als Du? Anders. Naja, anders ist sie insofern, als dass sie sich in einer Fantasie-Welt bewegt. In dieser Welt gibt es Orks, Drachen, Elfen, Zwerge und andere Fabelwesen. Das ist 170 normal in dieser Welt. In unserer nicht. Und da ist der Unterschied. Es wäre natürlich toll, wenn es diese Wesen auch in unserer Welt gäbe und es gab ja auch eine Zeit in der die Menschen daran geglaubt haben, und es für sie Realität gewesen ist. Anders. Anders ist mein Charakter auch, weil sie in vielen Situationen auf eine Art und Weise reagieren kann, die mir mit unseren moralischen und ethischen Werten in 175 der westlichen Welt des 21. Jahrhunderts nicht zur Verfügung stehen. Sie kann morden, und die kann stehlen. Sie kann betrügen und die Zukunft vorher sagen. Für das eine kann man in der realen Welt ins Gefängnis kommen, für das andere in die Geschlossene Anstalt. Einerseits ist es das, was mir an der LARP-Welt so gefällt, andererseits ist es auch das, was meinen Char so anders macht. 180 13. Wenn nein: Inwiefern ist Dein Charakter von Dir abhängig – empfindest Du ihn als einen Teil von Dir? Wenn ja – welcher Teil könnte das sein? Ich habe zwar die letzte Frage mit Ja beantwortet, will hier aber auch noch betonen, dass mein Char durchaus ein Teil von mir ist. Sie ist meiner ureigensten Fantasie entsprungen und deswegen ein Teil von mir. 185 14. Hat sich Die Charakter schon einmal anders verhalten oder entwickelt als du es geplant oder erwartet hast? Wenn ja inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erfahrungen! Hier möchte ich noch einmal auf einen ersten Charakter zu sprechen kommen.In Regelwerken gibt es das Char-Konzept „Hexe“ nicht. Und von dem Prinziep 190 DKWDDK wusste ich noch nicht genug, um es mir hier zu nutze machen zu können. Ich weiss nicht, ob die Frage auf eine solche Antwort abzielt, da es sich hier um eine OT- Einflussnahme handelt. Aber aufgrund der Regeln, die es festgeschrieben zu LARP gibt, und nach der ich das LARP-Spielen gelernt habe, musste ich diesen Char ändern, sodass er in das System passte. Vielleicht ist das auch einer der Gründe 195 weswegen mir das Spiel mit ihr nicht mehr so gut gefallen hat. 15. Würdest Du sagen, dass Dein Charakter ein Eigenleben hat? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erlebnisse! Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 394 Ein Eigenleben hat einer meiner Charaktere sicherlich entwickelt. Manchmal reagiert sie auf Personen, Personengruppen oder Situationen so, wie ich es nicht von ihr 200 erwarten würde, und wie ich es nicht für sie vorgesehen haben. Aber hier möchte ich auch nochmal auf den großen Unterschied zwischen uns und professionellen Schauspielern zu sprechen kommen. Ich kann nicht alles planen. Und durch dieses Eigenleben gewinnt der Charakter an Tiefe und wird auch für den Spieler interessanter. 16. Woher, glaubst Du, kommt dieses 'Eigenleben'? 205 Natürlich aus mir selbst. Und da liegt das Problem. Denn wie kann ein Char auf eine Art und Weise reagieren, die ich nicht vorgesehen habe, wenn es doch ich bin, die reagiert. Aber die Reaktionen sind oft so spontan, und passen einfach oft so gut in die Situation, dass es nicht anders möglich wäre als so zu reagieren. Und das ist dann der Moment in dem ich wieder meinen Charakter frage: Was hast du dir dabei nur 210 gedacht? ;-) 17. Wenn nein, was ist er dann? Als was würdest Du Deinen Avatar beschreiben? Sonstiges – Vorschläge, Anmerkungen, Ideen 18. Ich plane, auf der Basis dieses Fragebogens auch einen Fragebogen für ein 215 'Charakterinterview' zu entwickeln, um dessen 'Eigenleben' zu veranschaulichen, zu beschreiben und zu dokumentieren. Welche Fragen könnten Deines Erachtens diesen Zweck erfüllen? Schreibe einfach auf, was Dir dazu einfällt. - Frage nach der Persönlichkeit des Charakters. 220 - Frage nach den Zeilen, die der Charakter sich im Leben gesteckt hat. - Beschreibe Situationen, und frage danach, wie der Charakter reagieren würde. - Was liebt der Charakter in seinem Leben, - Was hasst er? - Welche Erfahrungen hat er in seinem Leben schon gemacht? 225 - Welche Erfahrungen waren Gute, und welche waren Schlechte? 19. Hast Du weitere Ideen für Fragen? Gibt es sonst noch Aspekte, die Du bei der Thematik wichtig fändet, abzufragen? Bitte notiere Deine Ideen und Vorschläge! - Vor dem Charakterinterview solltest du den Spieler nach seiner eigenen 230 Persönlichkeit und seinen eigenen Zielen im Leben befragen um einen Unterschied herausfiltern zu können Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 395 - Vielleicht befragst du auch noch andere Personen aus dem Umkreis des Spielers, wie er OT auf sie wirkt. 235 Vielen Dank für Deine Teilnahme!!! Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 396 3 Fragebogen Teilnehmer AV Das Eigenleben des Avatars problemzentriertes Interview per e-Mail Laura Flöter Universität Duisburg-Essen LauraFloeter@gmx.de 5 Hallo zusammen! Wie Du ja weißt, schreibe ich meine Doktorarbeit zum Thema phantastische (pen-andpaper-)Rollenspiele – der Spielercharakter, wegen der Neutralität des Begriffes bei mir einfach 'Avatar', ist dabei einer der wichtigsten Aspekte. Um seinen Status als 10 ästhetisches Produkt (aka 'Kunstwerk') zu bestimmen, untersuche ich u.a. sein 'Eigenleben', d.h. die Eigendynamik, die ein Charakter beim Spielen entfaltet. Vielleicht hast Du es selber schon erlebt: Dein (pen-and-paper-)Charakter entwickelt sich oder handelt ganz anders, als Du es eigentlich geplant hast. Ich versuche, dieses Phänomen zu beschreiben und dann zu analysieren. Grundlage sind natürlich 15 empirische Erhebungen – also die Erfahrungen der Spieler selbst. Meine Studie soll allerdings nicht repräsentativ sein – an diesem Punkt geht es für mich erst einmal darum, das Phänomen 'Eigenleben des Avatars' nachzuweisen und meine Ergebnisse daran zu veranschaulichen. Daher bitte ich Dich, diesen Fragebogen für mich auszufüllen – einfach in der Datei, 20 am besten andersfarbig – und bis zum 1. März 2012 an mich zurückzusenden. Die Daten werden natürlich anonym behandelt und dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Anonymisiere Deine Antworten einfach, indem Du nur den ersten Buchstaben Deines 25 Vornamens angibst. Und bitte antworte ausführlich – diese Daten sind Material für Grundlagenforschung. Je detaillierter die Antworten ausfallen, desto genauer kann das befragte Phänomen beschrieben werden, und desto höher ist die Qualität der Ergebnisse. Wenn Dir zu einer Frage nichts einfällt, lass sie einfach aus. Wenn Dir etwas unklar ist, kannst Du mir jederzeit eine e-Mail schreiben. Danke! 30 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 397 Das Eigenleben des Avatars – Fragen Zur Erschaffung und Funktion (D)eines Avatars 1. Woher nimmst Du die Ideen und Inspiration, einen Charakter zu erschaffen 35 und zu spielen? Ich beginne meistens mit einem der vorhandenen Character-Konzepte der Spielwelt/des Regelwerkes – bisher habe ich nur sehr wenige Spiele gespielt, bei denen der Charakter komplett frei gewählt werden konnte. Dazu kommt dann meist irgend eine Grundidee zur Richtung, in die es gehen 40 soll – sicherlich zu einem guten Teil irgendwo aus schon bekannten Geschichten oder Filmen, aber ich könnte nicht sagen woher genau. Wirklich Fleisch am Knochen erhält er erst beim Spielen, wenn ich beginnen muss, zusätzliche Hintergrundgeschichten zu entwickeln. In letzter Zeit entstand dies öfters in dem ich mit einem Mitspieler/einer Mitspielerin 45 zusammen einen gemeinsamen Hintergrund überlegt habe. 2. Hast Du schon einmal einen Charakter erschaffen und dann doch bald wieder abgelegt? Wenn ja, bitte beschreibe, warum Du keine Freude am Spiel mit diesem Charakter hattest. Einerseits habe ich viele verschiedene Spielsysteme ausprobiert, dabei habe ich 50 jede Menge Charaktere erschaffen, die ich nur einmal spielte. – Einige Charaktere haben sich auch einfach als nicht zu mir passend herausgestellt, bspw. dass sie Eigenschaften hatten, die ich so wenig habe, dass ich sie nicht darstellen kann. – Eigentlich hatte ich bisher nur 2-3 Charaktere, an die ich mich noch richtig erinnere – und die auch Tiefe hatten. 55 3. Welche Aspekte erscheinen Dir an (D)einem Charakter wichtig? Ich muss mich in ihn hineinversetzen können, und ihn auch mit meinen Fähigkeiten spielen können (einen intriganten, heimtückischen Charakter könnte ich einfach nicht darstellen). 60 4. Welcher Aspekt Deines Charakters ist Dir am wichtigsten – und warum? Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 398 Zur Beziehung von Spieler und Avatar 65 5. Welchen Zweck erfüllt Dein Charakter aus Deiner Sicht – ist er ein Instrument im Spiel, oder erfüllt er einen Selbstzweck? Bitte beschreibe Deine Sicht! Welchen Zweck erfüllt er für mich? Nun einerseits gibt er mir die Möglichkeit, am Spiel teilzunehmen aber auch eine Geschichte um ihn und seine „Gefährten“ zu spinnen. 70 6. Welche Bedeutung hat Dein Charakter für Dich persönlich? Ich denke, meine alten Charaktere tragen viel von mir in sich – und interessanter Weise, wenn ich an alte Charaktere zurück denke, sehen die sehr viel anders aus, als die heutigen… Von daher sind sie irgendwie ein Teil von mir, und nach intensiven 75 Spielabenden läuft der Kopf auch noch in Character weiter, so dass ich teilweise danach meinen Charakter weiter ausgestalten mag. 7. Ist der Tod eines Charakters für Dich schon einmal schmerzhaft gewesen? Wenn ja, warum – und wie bist Du damit umgegangen? Bisher sind nur Charaktere verstorben, zu denen ich keine so innige 80 Verbindung hatte. Es gib 1-2 Charaktere, die sehr intensiv ausgestaltet waren, und leider nicht mehr bespielt werden. An diese denke ich ab und zu zurück und würde sie gerne wieder hervornehmen. Zur Entwicklung des Avatars im und durch das Spiel 85 8. Hat Dein Charakter schon einmal eine größere Veränderung im Spiel erfahren, auf die Du keinen Einfluss hattest – wenn ja, wie hast Du das empfunden? Hat es Dich gestört, und wie bist Du damit umgegangen? Bisher eigentlich nicht, vor Allem da wir selten so lange dieselbe Geschichte gespielt haben, dass das wirklich hätte passieren können. – Ich denke, ich 90 würde mich zuerst einen gewissen Grad weit dagegen sträuben – wobei das der Charakter vermutlich genau so sehen würde – nach einmal darüber schlafen würde ich dann wohl versuchen, den neuen Charakter-Zug zu integrieren… 9. Wonach entscheidest Du generell, ob und wie ein Charakter sich verändert? Danach, ob ich Lust darauf habe ;). Eigentlich bis zu einem gewissen Grad, 95 wie es sich im Spiel entwickelt – und vermutlich in ähnlichem Grad mit steigendem Verständnis der Spielewelt verändert sich auch der Charakter. Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 399 10. Hast Du ein 'Ziel' für jeden Charakter? Wenn ja, wie bewegst Du ihn darauf zu? Eigentlich nicht, von Überleben mal abgesehen. 100 Der Avatar – Alter Ego oder imaginäre Person? 11. Empfindest Du Deinen Charakter als von Dir unabhängige 'Person'? Nicht wirklich. Er ist ein Teil von mir, aber er kann Dinge tun, die ich nicht kann, und was ihm zustösst, geschieht nur indirekt auch mir – auch wenn ich 105 anschliessend durchaus in der ersten Person von seinen Abenteuern erzähle ;). 12. Wenn ja: Inwiefern ist sie anders als Du? Er kann vieles tun, das ich nicht kann – bei P&P noch mehr als bei LARP. Und er lebt in einer ganz anderen Welt als ich. – Aber irgendwie ist das nicht die Antwort auf die Frage J 110 13. Wenn nein: Inwiefern ist Dein Charakter von Dir abhängig – empfindest Du ihn als einen Teil von Dir? Wenn ja – welcher Teil könnte das sein? Ich erlebe seine Abenteuer aus erster Hand – ich kann nachher berichten, was er erlebt und dabei gedacht hat – die anderen Spieler können nur berichten, wie sie meine Darstellung von ihm wahrgenommen haben. Somit ist er ein Teil von 115 mir, von meiner Fantasie und von dem, was ich „erlebt“ habe – auch wenn es nur fiktiv war. Zum Eigenleben (D)eines Avatars 14. Hat sich Dein Charakter schon einmal anders verhalten oder entwickelt, als Du 120 es geplant bzw. erwartet hast? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erfahrungen! Nun, er entwickelt sich sicher in eine andere Richtung als ich am Anfang des Spieles erwartet hätte – zumindest der eine (aktuelle) Charakter, der in einem längeren Abenteuer spielt. – Er beginnt, andere Ansichten über die Welt zu 125 erhalten, und teilweise verändert sich auch sein Hintergrund leicht – oder wird in andere Richtungen ausgebaut als ich erwartet hätte, je näher ich ihn kennenlerne. 15. Würdest Du sagen, dass Dein Charakter ein Eigenleben hat? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erlebnisse! 130 ich kann die Frage nur mit der Antwort auf 16 beantworten Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 400 16. Woher, glaubst Du, kommt dieses 'Eigenleben'? Ich denke, der Charakter entwickelt eine Art Eigenleben, durch dass er mit den anderen Charakteren und den Charakteren des Spielleiters interagiert. Dadurch lernt er, wie auch ich, andere Dinge/Ansichten/… kennen und entwickelt sich 135 dann auch entsprechend. Bspw. dadurch, dass der Grossteil der Gefährden problemlos mit Dämonen zusammenarbeiten, beginnt er auch daran zu zweifeln, ob seine strikte Ablehnung richtig ist. 17. Wenn nein, was ist er dann? Als was würdest Du Deinen Avatar beschreiben? Ich verstehe gerade nicht, zu was das nein gehört J. 140 Mein Charakter ist eine fiktive Person, die meiner Fantasie – wie auch derer der Mitspieler und des Spielleiters – entsprungen ist, und nun beginnt, sich seinen Weg durch seine Welt zu suchen. Sonstiges – Vorschläge, Anmerkungen, Ideen 145 18. Ich plane, auf der Basis dieses Fragebogens auch einen Fragebogen für ein 'Charakterinterview' zu entwickeln, um dessen 'Eigenleben' zu veranschaulichen, zu beschreiben und zu dokumentieren. Welche Fragen könnten Deines Erachtens diesen Zweck erfüllen? Schreibe einfach auf, was Dir dazu einfällt. 150 - Eine alte Frage dazu ist: wie erzählst du über die Erlebnisse deines Charakters – waren es deine eigenen, oder die von jemand anderem? - Wenn du einen „vorgefertigten“ Charakter spielen sollst – gegenüber einem selbst erstellten – verändert dies deine Identifikation und deine Darstellung des Charakters? 155 - Wie sehr ähneln sich deine verschiedenen Charaktere untereinander? - Hattest du es schon einmal, dass ein Charakter dich verändert hat – oder dass du etwas von einem deiner Charaktere gelernt hast? 19. Hast Du weitere Ideen für Fragen? Gibt es sonst noch Aspekte, die Du bei der Thematik wichtig fändet, abzufragen? Bitte notiere Deine Ideen und 160 Vorschläge! Vielen Dank für Deine Teilnahme!!! Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 401 4 Fragebogen Teilnehmer CD Das Eigenleben des Avatars problemzentriertes Interview per e-Mail Laura Flöter Universität Duisburg-Essen LauraFloeter@gmx.de 5 Hallo zusammen! Wie Du ja weißt, schreibe ich meine Doktorarbeit zum Thema phantastische (pen-andpaper-)Rollenspiele – der Spielercharakter, wegen der Neutralität des Begriffes bei mir einfach 'Avatar', ist dabei einer der wichtigsten Aspekte. Um seinen Status als 10 ästhetisches Produkt (aka 'Kunstwerk') zu bestimmen, untersuche ich u.a. sein 'Eigenleben', d.h. die Eigendynamik, die ein Charakter beim Spielen entfaltet. Vielleicht hast Du es selber schon erlebt: Dein (pen-and-paper-)Charakter entwickelt sich oder handelt ganz anders, als Du es eigentlich geplant hast. Ich versuche, dieses Phänomen zu beschreiben und dann zu analysieren. Grundlage sind natürlich 15 empirische Erhebungen – also die Erfahrungen der Spieler selbst. Meine Studie soll allerdings nicht repräsentativ sein – an diesem Punkt geht es für mich erst einmal darum, das Phänomen 'Eigenleben des Avatars' nachzuweisen und meine Ergebnisse daran zu veranschaulichen. Daher bitte ich Dich, diesen Fragebogen für mich auszufüllen – einfach in der Datei, 20 am besten andersfarbig – und bis zum 1. März 2012 an mich zurückzusenden. Die Daten werden natürlich anonym behandelt und dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Anonymisiere Deine Antworten einfach, indem Du nur den ersten Buchstaben Deines 25 Vornamens angibst. Und bitte antworte ausführlich – diese Daten sind Material für Grundlagenforschung. Je detaillierter die Antworten ausfallen, desto genauer kann das befragte Phänomen beschrieben werden, und desto höher ist die Qualität der Ergebnisse. Wenn Dir zu einer Frage nichts einfällt, lass sie einfach aus. Wenn Dir etwas unklar ist, kannst Du mir jederzeit eine e-Mail schreiben. Danke! 30 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 402 Das Eigenleben des Avatars – Fragen Zur Erschaffung und Funktion (D)eines Avatars 1. Woher nimmst Du die Ideen und Inspiration, einen Charakter zu erschaffen 35 und zu spielen? Aus Filmen und Büchern oder Videospielen. Je nach gespieltem Genre. z.B: Shadowrun ist eine schlechte Welt. Alle sind böse, und die Charaktere leben in dieser Welt. Wenn ich nun einen Charakter erschaffe, stelle ich mir ersteinmal die 40 Frage, wie würde ich zu dieser Welt stehen. Angepasst, konfarm, egal, kritisch, dagegen? Und denke über die Rollenspielerischen Konsequenzen nach. Will ich einen Charakter spielen, der sich dadurch auszeichnet ersteinmal alles in Frage zu stellen oder einen, der das System nicht in Frage stellt. Meistens ist es ja in der fantastischen Literatur so, dass solche Stereotypen dort bedient werden. Und aus diesem Fundus 45 bediene ich mich dann. In Welten, in denen ich mich nicht auskenne, stelle ich mir einfach die Frage, was würde ich gern spielen und passt es. Da Krieger eigendlich immer passen, bzw. jede Welt ihre Kriegerkaste besitzt, ist der Krieger meist der Charakter um 50 fremde Rollenspielwelten zu erkunden. 2. Hast Du schon einmal einen Charakter erschaffen und dann doch bald wieder abgelegt? Wenn ja, bitte beschreibe, warum Du keine Freude am Spiel mit diesem Charakter hattest. 55 Ja, mehrfach sogar. Die Charaktere waren zu extrem, was ihre Ansichten anging, entwickelt worden, und fügten sich zu schlecht in die Spielwelt ein. 3. Welche Aspekte erscheinen Dir an (D)einem Charakter wichtig? 60 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 403 Der wichtigste Aspekt, meiner Meinung nach, ist Plausibilität. Gäbe es den Charakter wirklich, macht es Spass, diesen Teil der Spielwelt mit Leben zu erfüllen? Agiert er „echt“? Einen Charakter zu spielen, der mit seinem Handeln einfach nicht in die Welt 65 passt, und der sich irgendwie falsch anfühlt, macht auf kurz oder lang einfach keinen Spass. 4. Welcher Aspekt Deines Charakters ist Dir am wichtigsten – und warum? 70 Lennert: Der Charakter passt in die Welt. Er ist mit einer Menge Hintergrund ausgestattet, die ihn in die Welt einfügen, ihn zu einem Teil der Welt machen. Wenn man Lennert spielt, spielt man nicht irgendeinen Helden, sonder jemanden, der in Aventurien zu Hause ist. Jemanden, der eine Meinung zu verschiedenen politischen und sozialen Situationen hat. Jemand der über Ereignisse reden kann, 75 als Teil des ganzen, nicht als Außenstehender. Er f ühlt sich beim Spiel lebendig an und als eigenständiges Wesen. Zur Beziehung von Spieler und Avatar 5. Welchen Zweck erfüllt Dein Charakter aus Deiner Sicht – ist er ein Instrument 80 im Spiel, oder erfüllt er einen Selbstzweck? Bitte beschreibe Deine Sicht! Rollenspiele dienen meiner Meinung nach dazu. Fremde Welten zu erkunden, Abenteuerliche Situationen zu erlebe, die ich in meinem Leben nicht erleben kann und will. 85 Der Avatar dient als Instrument dies zu bewerkstelligen. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist es auch reizvoll die Entwicklung des Charakters mitzuverfolgen. Frei nach dem alten DSA-Motto: Was ich tun würde weiß ich ja, aber was würde mein Charakter tun. 90 6. Welche Bedeutung hat Dein Charakter für Dich persönlich? Prinzipiell eine hohe. In meiner Gruppe werden Charaktere über einen sehr langen Zeitraum gespielt. Sie entwickeln sich in dieser Zeit sehr stark, knüpfen Verbindungen untereinander und zu Anderen. Sie entwickeln eine eigene Geschichte, 95 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 404 einen eigenen Mythos, eine ganz eigenen Charakter. Nachdem man einen Charakter über so viele Jahre begleitet hat, wächst er einen sehr an Herz, und gewinnt natürlich eine hohe Bedeutung. 7. Ist der Tod eines Charakters für Dich schon einmal schmerzhaft gewesen? 100 Wenn ja, warum – und wie bist Du damit umgegangen? In unserer Gruppe wird eigendlich nie, oder nur sehr selten gestorben. Tode, die bisher vorkamen waren gewolt und dienten als dramaturgisches Element. 105 Zur Entwicklung des Avatars im und durch das Spiel 8. Hat Dein Charakter schon einmal eine größere Veränderung im Spiel erfahren, auf die Du keinen Einfluss hattest – wenn ja, wie hast Du das empfunden? Hat es Dich gestört, und wie bist Du damit umgegangen? 110 Meiner Meinung nach verändern sich Charaktere zwangsläufig während des Spiels. Von jungen Erststufer zum erfahrenen Helden durchläuft der charakter ja schon eine Entwicklung, an der ich teilhabe, die sich aber auch selbstständig entwickelt. Generell finde ich solche Entwicklungen sehr positiv, es stellt doch den gewissen Reiz da zu erkunden, wie sich ein Charakter entwickelt. 115 9. Wonach entscheidest Du generell, ob und wie ein Charakter sich verändert? Gar nicht. Generell habe ich zwar eine Charakteridee, aber das Spiel entwickelt sich ja erst beim Spielen. Wenn ich z.B. einen mächtigen Drachenritter spielen will, 120 während meiner Abenteuer aber nur mit Elfen zu tun habe, dann ergibt sich eben nicht die Chance auf einen Drachenritter. Vielleicht ist der Charakter ja doch eher ein Diplomat oder einen Weltengänger oder oder oder. 10. Hast Du ein 'Ziel' für jeden Charakter? Wenn ja, wie bewegst Du ihn darauf 125 zu? Wie oben erläutert. Ich denke man sollte offen sein für alles, da die Welt in der wir spielen den Charakter definiert nicht ich. Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 405 130 Der Avatar – Alter Ego oder imaginäre Person? 11. Empfindest Du Deinen Charakter als von Dir unabhängige 'Person'? Klar. Ganz sicher sogar. Ich glaube, als ich angefangen habe zu spielen war das noch nicht so. Ich glaube, zu Beginn einer Rollenspielkariere spielt man meistens 135 sich selbst, mit Schwert und Zauber. Aber je länger man spielt, desto eigenständiger wird der Charakter, deshalb heißt der Spass ja Rollenspiel, weil man halt ne Rolle spielt. Ich glaube jüngeren Spielern fällt es schwer loszulassen, den Charkter einfach mal den Charakter sein lassen. Über die Zeit lernt man dann, dass die Situationen im RP nicht immer so schwarz-weiß sind wie der Charakter, und 140 dann wird es interessant. Ich möchte dies an einem Beispiel erläutern: Ich spiele einen Krieger. Der Krieger ist ein alter Veteran und Schlachtengestählt. Ein aufrechter, rechtschaffender Bursche. Ein bischen altbacken, vielleicht sogar reaktionär, aber mit dem Herz am rechten Fleck. So, nun wurde eine, für den Charakter, wichtige Person entführt. Während der Rettungsmission stellte sich 145 heraus, dass mein Charkter die entführte Person nur im Tausch gegen ein mächtiges, böses Artefakt wiedererlangen konnte. Nun musste sich der Charakter entscheiden: Rette ich das Mädchen oder rette ich das böse Artefakt vor den Bösen. Was ich getan hätte weiß ich ja, aber wie entscheidet sich ein Recke, der seit 50Jahren für das Gute, das Reich, die 150 Gerechtigkeit kämpft? 12. Wenn ja: Inwiefern ist sie anders als Du? Das kommt auf den Charakter an. z.B. Ich spiele seit fast 20 Jahren einen Elfen, der 155 Kerl ist mehr auf das Gleichgewicht der Welt aus als auf persöhnlichen Ruhm, und so entscheidet sich der Charakter auch. Mein Krieger ist sehr autoritätsgläubig, ich kann auf Autoritäten gar nicht. Mein Vampir ist ein Partyholic und Jungfrauenverführer. Ich habs lieber gemütlich und lebe seit Entdeckung meiner Männlichkeit eigendlich immer in festen Beziehungen. 160 13. Wenn nein: Inwiefern ist Dein Charakter von Dir abhängig – empfindest Du ihn als einen Teil von Dir? Wenn ja – welcher Teil könnte das sein? Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 406 Nitten de neinen, nä nä nä... 165 Zum Eigenleben (D)eines Avatars 14. Hat sich Dein Charakter schon einmal anders verhalten oder entwickelt, als Du es geplant bzw. erwartet hast? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erfahrungen! 170 Meiner Erfahrung nach entwickeln sich Charaktere immer anders als man will, ich glaube soetwas wie eine „fertige“ Charaktergeschichte gibt es nicht. Eigendlich ergibt sich immer etwas Anderes als das Geplante. Ich will eine „guten“ Charakter darstellen, schwupp di wupp muss ich mich unmoraslischen 175 Entscheidungen bäugen und so weiter... 15. Würdest Du sagen, dass Dein Charakter ein Eigenleben hat? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erlebnisse! 180 Wie oben schon erklärt. Das Eigenleben entwickelt sich im Laufe der Jahre. Zu Anfang ist der Avatar eben genau das, eine gesteuerte Einheit, aber das gibt sich dann im Laufe der Jahre. Heute gibt es Sachen die meine Charaktere getan haben, auf die Ich nicht sehr stolz bin, mein Charakter aber schon. Hier wieder ein Bei- Achtung gleich kommt es- Spiel: Bei meinem Vampire-Charakter hat sich im 185 Laufe der Zeit ein Hass gegen Technokraten und die Tremere erspielt. Das war nie geplant und auch nie gewollt. Vor ein paar Jahren hat er mit einem Mit-Avatar ein Gilde-Haus der Tremere platt gemacht. Ich persönlich halte Massenmord für kein probates Mittel der Argumentation, Mein Charakter aber fand das epic! 190 16. Woher, glaubst Du, kommt dieses 'Eigenleben'? Durch das Spiel selbst. Wenn man jung ist, gibt man seinen Charakter ungern aus der Hand. Aber im Laufe der Zeit stellt man dann fest, das es eigendlich ganz reizvoll ist, den Charakter auch zu entdecken, ihm ein Eigenleben zu zugestehen. 195 Man entdeckt die Faszination von: Ich spiele einen Charakter, wozu ist er fähig (emotional und sozial). Mich selber kenne ich, ich weiß wozu ich fähig bin, Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 407 und was ich nicht kann. Das muss ich nicht immer und immer wieder unter Beweiss stellen. Aber was tut der Charakter, wie erlebt er seine Welt... 200 17. Wenn nein, was ist er dann? Als was würdest Du Deinen Avatar beschreiben? Hä? Duum? 'de Eigenleben, ja! Sonstiges – Vorschläge, Anmerkungen, Ideen 205 18. Ich plane, auf der Basis dieses Fragebogens auch einen Fragebogen für ein 'Charakterinterview' zu entwickeln, um dessen 'Eigenleben' zu veranschaulichen, zu beschreiben und zu dokumentieren. Welche Fragen könnten Deines Erachtens diesen Zweck erfüllen? Schreibe einfach auf, was Dir dazu einfällt. 210 Ich würde sich den Charakter ersteinmal vorstellen lassen. Ihn erzählen lassen womit er seine Brötchen so verdient. Und dann mal nachfragen was er so von verschiedenen Dingen hält. Ob er vielleicht manchmal das Gefühl hat, dass sein Schcksal vorbestimmt ist, ob er glaubt, dass es eine höhere Macht gibt, die alles 215 steuert, ob er an Gott glaubt und so weiter. 19. Hast Du weitere Ideen für Fragen? Gibt es sonst noch Aspekte, die Du bei der Thematik wichtig fändet, abzufragen? Bitte notiere Deine Ideen und Vorschläge! 220 Wie alt sind die Leute und wie lang spielen sie schon. Ich glaube, dass sowas recht wichtig ist. Erst mit wachsender Lebens-und Rollenspiel Erfahrung wächst auch das Verständnis für den Charakter, oder gibt es Naturtalente? 225 Vielen Dank für Deine Teilnahme!!! Bitte!!! Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 408 5 Fragebogen Teilnehmer GS Das Eigenleben des Avatars problemzentriertes Interview per e-Mail Laura Flöter Universität Duisburg-Essen LauraFloeter@gmx.de 5 Hallo zusammen! Wie Du ja weißt, schreibe ich meine Doktorarbeit zum Thema phantastische (pen-andpaper-)Rollenspiele – der Spielercharakter, wegen der Neutralität des Begriffes bei mir einfach 'Avatar', ist dabei einer der wichtigsten Aspekte. Um seinen Status als 10 ästhetisches Produkt (aka 'Kunstwerk') zu bestimmen, untersuche ich u.a. sein 'Eigenleben', d.h. die Eigendynamik, die ein Charakter beim Spielen entfaltet. Vielleicht hast Du es selber schon erlebt: Dein (pen-and-paper-)Charakter entwickelt sich oder handelt ganz anders, als Du es eigentlich geplant hast. Ich versuche, dieses Phänomen zu beschreiben und dann zu analysieren. Grundlage sind natürlich 15 empirische Erhebungen – also die Erfahrungen der Spieler selbst. Meine Studie soll allerdings nicht repräsentativ sein – an diesem Punkt geht es für mich erst einmal darum, das Phänomen 'Eigenleben des Avatars' nachzuweisen und meine Ergebnisse daran zu veranschaulichen. Daher bitte ich Dich, diesen Fragebogen für mich auszufüllen – einfach in der Datei, 20 am besten andersfarbig – und bis zum 1. März 2012 an mich zurückzusenden. Die Daten werden natürlich anonym behandelt und dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Anonymisiere Deine Antworten einfach, indem Du nur den ersten Buchstaben Deines 25 Vornamens angibst. Und bitte antworte ausführlich – diese Daten sind Material für Grundlagenforschung. Je detaillierter die Antworten ausfallen, desto genauer kann das befragte Phänomen beschrieben werden, und desto höher ist die Qualität der Ergebnisse. Wenn Dir zu einer Frage nichts einfällt, lass sie einfach aus. Wenn Dir etwas unklar ist, kannst Du mir jederzeit eine e-Mail schreiben. Danke! 30 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 409 Das Eigenleben des Avatars – Fragen Zur Erschaffung und Funktion (D)eines Avatars 1. Woher nimmst Du die Ideen und Inspiration, einen Charakter zu erschaffen 35 und zu spielen? Früher waren vor allem Filme und Bücher eine große Quelle, später dann auch einfaches Ausprobieren. Ab einem gewissen Punkt hat man meines Erachtens ein Gefühl dafür bekommen, welchen Charaktertyp, welche Charaktermerkmale etc. man 40 verkörpern möchte. Das Ausprobieren hat man hier natürlich immer noch, aber häufig drängen sich dann je nach eigener Lebenssituation andere Verhaltensmuster in den Charakter, so dass eine sehr reale Quelle für das Spielen eines --harakters für mich dann auch die eigene Persönlichkeit ist. 45 2. Hast Du schon einmal einen Charakter erschaffen und dann doch bald wieder abgelegt? Wenn ja, bitte beschreibe, warum Du keine Freude am Spiel mit diesem Charakter hattest. Sehr häufig. Ich würde sogar sagen die überwiegende Mehrheit meiner erschaffenen 50 Charaktere habe ich relativ bald wieder abgelegt. Über meinen gesamten Spielzeitraum bleibt eigentlich nur eine Handvoll von Charakteren übrig, die ich wirklich intensiv gespielt habe. Die Gründe dafür sind vielfältig. Manchmal muss halt aus praktischen Gründen ein neuer Char erschaffen werden, weil alle anderen zu hochstufig sind und der Spielleiter 55 auf einer Convention lieber niedrigstufe Charaktere möchte oder diese Charakterklasse in diesem Abenteuer nicht möchte o.ä. mehr. Solche Einwegcharaktere werden von mir dann auch nach dem einen Abenteuer i.d.R. gar nicht mehr gespielt, oder nur, falls der gleiche Spielleiter wieder ähnliche Char-Vorstellungen hat. Ein anderer wichtiger Grund ist auch einfach das Ausprobieren. Gerade in der 60 Findungsphase habe ich viel mit Charakterkonzepten experimentiert - unterschiedliche Persönlichkeiten und Klassenkombination und dergleichen. Wenn sich ein Char dann Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 410 im Spiel nicht gut anfühlt (im Spiel lebendig wird) oder nicht in die Gruppe passt, dann wird er entweder angepasst, oder abgelegt. 65 3. Welche Aspekte erscheinen Dir an (D)einem Charakter wichtig? An einem Charakter ist mir wichtig, dass ich und auch die anderen Mitspieler Spaß haben. Der Char sollte Züge haben, die ich gerne verkörpern möchte, aber auch in die Spielgruppe passen. Häufig geht es einher, dass der Spaß an meinem Charakter die 70 Gruppe positiv beeinflusst, da gelebte Charaktere das Spiel bereichern. Es kann allerdings auch sein, dass der Spaß an meinem Char von den anderen nicht geteilt wird – sei es weil das Konzept nicht gut in die Gruppe passt oder das Machtlevel zu unterschiedlich ist. In dem Fall ist meiner Meinung nach die Gruppenverträglichkeit der entscheidendere Faktor. 75 Davon abgesehen ist natürlich die emotionale Bindung zum Char überaus wichtig, die sich bei mir häufig erst durch langfristiges Spielen einstellt. 4. Welcher Aspekt Deines Charakters ist Dir am wichtigsten – und warum? 80 Ich habe nicht nur einen Charakter, sondern mehrere. Bei jedem einzelnen gibt es unterschiedliche Aspekte, die mir bei diesem Char am wichtigsten sind. Wenn ich aber einen übergreifenden Aspekt finden müsste, dann wäre es wohl der Spaß, den ich in der Gruppe haben kann. 85 Zur Beziehung von Spieler und Avatar 5. Welchen Zweck erfüllt Dein Charakter aus Deiner Sicht – ist er ein Instrument im Spiel, oder erfüllt er einen Selbstzweck? Bitte beschreibe Deine Sicht! Die Frage setzt meines Erachtens eine Frage über die Funktion oder Form des Spiels 90 voraus. Wenn wir aber auf der reinen spielerischen Spielebene bleiben, dann ist der Char aus meiner Sicht in erster Linie ein Instrument, das den Zugang zur Spielewelt ermöglicht. Das heißt nicht, dass der Char nicht auch außerhalb des Spielens einen Zweck haben kann. Da das Eintauchen in die Welt nicht ohne passenden Charakter erfolgen kann, ist meines Erachtens dies auch die primäre Funktion des Charakters. 95 Ein Charakter ohne Spielbezug erscheint mir mehr wie ein imaginärer Freund. Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 411 6. Welche Bedeutung hat Dein Charakter für Dich persönlich? In erster Linie ein Zugang zur Spielewelt, in der dann dem Charakter entsprechend 100 agiert werden kann. Eine Rolle in die man schlüpft, um etwas anderes erleben zu können. Verkörperung bestimmter Eigenschaften, die ich mir vielleicht an mir selbst stärker ausgeprägt wünschen würde oder die ich für wünschenswert halte. Der Charakter kann die Möglichkeit geben, aus dem Alltag auszubrechen und in einer einfacheren, spannenderen und sicher-erlebnisreichen Welt Geschichten zu erleben. 105 Er gibt die Möglichkeit, stellvertretend für einen selbst außergewöhnliches zu erleben. Dieses Gefühl des Erlebens ist natürlich dann am Stärksten, wenn ein hoher Identifikationswert mit dem Charakter besteht, was durch eine ausgearbeitete Hintergrundgeschichte und über Zeit entsteht. 110 7. Ist der Tod eines Charakters für Dich schon einmal schmerzhaft gewesen? Wenn ja, warum – und wie bist Du damit umgegangen? Wenn Charaktere von mir gestorben sind, dann waren das durchweg solche, an denen ich nicht gehangen habe. Keiner meiner wichtigen Charaktere ist je gestorben. 115 Zur Entwicklung des Avatars im und durch das Spiel 8. Hat Dein Charakter schon einmal eine größere Veränderung im Spiel erfahren, auf die Du keinen Einfluss hattest – wenn ja, wie hast Du das empfunden? Hat es Dich gestört, und wie bist Du damit umgegangen? 120 Grundsätzlich halte ich Einflüsse durch den Char von außen, gerade solche auf die ich keinen Einfluss habe, für spannend und wichtig. Ein Teil des Reizes der Entwicklung eines Charakters ist auch zu sehen, wie der Charakter auf solche unerwarteten Situationen reagiert und was sich daraus für das Wesen des Chars ergibt. Schließlich 125 ist für das emotionale Erleben einer aufregenden Spielewelt meines Erachtens wichtig, als Spieler nicht über jeden Aspekt volle Kontrolle zu haben. Das Ungewisse macht einen Teil des Spiels aus, auch beim Charakter. Allerdings hängt dies auch vom Entwicklungsstadium des Chars ab. Ein sehr alter und schon reichlich entwickelter Charakter sollte solche Veränderungen nicht ohne 130 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 412 Absprache von außen bekommen, da das Konzept bereits feststeht. Ein noch weniger lang gespielter Charakter hingegen, der eher noch in einer Findungsphase ist, sollte durchaus auch ungefragt von außen gefordert werden um bei dem Entwicklungsprozess zu helfen. 135 9. Wonach entscheidest Du generell, ob und wie ein Charakter sich verändert? Bei manchen Charakteren habe ich von Anfang an eine ungefähre Vorstellung, in welche Richtung sich der Charakter entwickeln soll. Bei anderen habe ich eine sehr konkrete Vorstellung, und bei manchen noch gar keine. Abhängig davon, wie konkret 140 meine Vorstellungen sind, nehme ich mehr oder weniger Anregungen aus Büchern etc., aber vor allem auch aus dem praktischen Spiel auf. Diese ergeben sich dann aus Interaktionen mit anderen SCs oder Herausforderungen, denen sich der Char im Spiel stellen musste. 145 10. Hast Du ein 'Ziel' für jeden Charakter? Wenn ja, wie bewegst Du ihn darauf zu? Für manche ja, aber nicht für jeden. Und selbst wenn man mit einem Ziel für einen Char anfängt, kann sich dieses auch durch das Spiel ändern. Wenn ich ein Ziel habe, 150 versuche ich das durch das Spiel zum Ausdruck zu bringen und umzusetzen. Sollte das nicht reichen, setze ich mich mit dem Spielleiter auseinander um gemeinsam zu gucken, wie das Ziel für meinen Char in Welt/Gruppe(In-&Outtime)/Abenteuer passt und wie man es dann gemeinsam umsetzen kann. 155 Der Avatar – Alter Ego oder imaginäre Person? 11. Empfindest Du Deinen Charakter als von Dir unabhängige 'Person'? Ja und nein. Bei einer Gewichtung würde ich allerdings deutlich stärker zu „abhängig“ tendieren. 160 12. Wenn ja: Inwiefern ist sie anders als Du? Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 413 Die Person des Charakters ist insofern anders als ich, als ich über einen ganz anderen Erfahrungshintergrund verfüge, wenn man Hintergrundgeschichte, Umwelt und 165 Abenteuer als erlebte Erfahrungen des Charakters akzeptiert. Dadurch und aus anderen Gründen kann ich durch diese Person Dinge tun, die mir sonst nicht möglich wären. Allerdings nur im Rahmen dessen, was der Charakter mir für Möglichkeiten bietet. Der Charakter ist daher natürlich nicht personenidentisch mit mir. Selbst wenn er Aspekte/Eigenschaften/Ideen von mir verkörpern sollte, hat er doch indirekt seinen 170 eigenen Willen, da ich mein Spiel den Eigenheiten und Umständen des Charakters anpasse und nicht so reagiere wie ich persönlich in der gleichen Situation reagieren würde. Je stärker ausgeprägt Hintergrundgeschichte und Umwelt/Spielwelt des Charakter sind, desto stärker könnte man den Charakter als unabhängig von mir sehen. 175 13. Wenn nein: Inwiefern ist Dein Charakter von Dir abhängig – empfindest Du ihn als einen Teil von Dir? Wenn ja – welcher Teil könnte das sein? Der Char kann nur abhängig von mir existieren, da nur ich diesen Char so 180 ‘führen‘ kann wie er geführt werden muss um tatsächlich dieser Char zu sein. Ohne mich ist dieser Charakter nicht dieser Charakter. Der Char braucht mich als Spieler um ihm Leben einzuhauchen. Zum Eigenleben (D)eines Avatars 185 14. Hat sich Dein Charakter schon einmal anders verhalten oder entwickelt, als Du es geplant bzw. erwartet hast? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erfahrungen! Sehr selten. In der Regel habe ich relativ schnell eine klare Vorstellung vom Wesen 190 meines Charakters und bin dann nicht von irgendwelchen Entwicklungen überrascht. 15. Würdest Du sagen, dass Dein Charakter ein Eigenleben hat? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erlebnisse! 195 Mein Charakter hat insofern ein Eigenleben, als dass sich seine Entwicklung auch unabhängig vom Spielgeschehen in meinem Kopf entwickelt. Er braucht also nicht Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 414 zwangsläufig die Erfahrungen des aktiven Spiels um zu handeln. Aber dieses „Eigenleben“ existiert nur abhängig von mir als Spieler bzw. von mir als Denkendem. Salopp gesagt wache ich nicht morgens auf und lese in der Zeitung, was mein 200 Charakter über Nacht im Nachbardorf getan hat. Das Leben des Chars existiert nur wenn ich es weiß und wenn andere Spieler es durch das Spiel erfahren. 16. Woher, glaubst Du, kommt dieses 'Eigenleben'? 205 17. Wenn nein, was ist er dann? Als was würdest Du Deinen Avatar beschreiben? Mein Spielercharakter ist für mich genau das: ein Charakter für den Spieler. Es gibt einen recht großen überlappenden Bereich zwischen dem Char und seinem Spieler, wobei der Großteil des Chars dem Spieler entspricht aber nicht umgekehrt. Der Char 210 ist der Weg in eine andere Welt, ein anderes, häufig einfacheres und klareres Ich. Sonstiges – Vorschläge, Anmerkungen, Ideen 18. Ich plane, auf der Basis dieses Fragebogens auch einen Fragebogen für ein 'Charakterinterview' zu entwickeln, um dessen 'Eigenleben' zu 215 veranschaulichen, zu beschreiben und zu dokumentieren. Welche Fragen könnten Deines Erachtens diesen Zweck erfüllen? Schreibe einfach auf, was Dir dazu einfällt. 19. Hast Du weitere Ideen für Fragen? Gibt es sonst noch Aspekte, die Du bei der Thematik wichtig fändet, abzufragen? Bitte notiere Deine Ideen und 220 Vorschläge! Vielen Dank für Deine Teilnahme!!! Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 415 6 Fragebogen Teilnehmer JR Das Eigenleben des Avatars problemzentriertes Interview per e-Mail Laura Flöter Universität Duisburg-Essen LauraFloeter@gmx.de 5 Hallo zusammen! Wie Du ja weißt, schreibe ich meine Doktorarbeit zum Thema phantastische (pen-andpaper-)Rollenspiele – der Spielercharakter, wegen der Neutralität des Begriffes bei mir einfach 'Avatar', ist dabei einer der wichtigsten Aspekte. Um seinen Status als 10 ästhetisches Produkt (aka 'Kunstwerk') zu bestimmen, untersuche ich u.a. sein 'Eigenleben', d.h. die Eigendynamik, die ein Charakter beim Spielen entfaltet. Vielleicht hast Du es selber schon erlebt: Dein (pen-and-paper-)Charakter entwickelt sich oder handelt ganz anders, als Du es eigentlich geplant hast. Ich versuche, dieses Phänomen zu beschreiben und dann zu analysieren. Grundlage sind natürlich 15 empirische Erhebungen – also die Erfahrungen der Spieler selbst. Meine Studie soll allerdings nicht repräsentativ sein – an diesem Punkt geht es für mich erst einmal darum, das Phänomen 'Eigenleben des Avatars' nachzuweisen und meine Ergebnisse daran zu veranschaulichen. Daher bitte ich Dich, diesen Fragebogen für mich auszufüllen – einfach in der Datei, 20 am besten andersfarbig – und bis zum 1. März 2012 an mich zurückzusenden. Die Daten werden natürlich anonym behandelt und dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Anonymisiere Deine Antworten einfach, indem Du nur den ersten Buchstaben Deines 25 Vornamens angibst. Und bitte antworte ausführlich – diese Daten sind Material für Grundlagenforschung. Je detaillierter die Antworten ausfallen, desto genauer kann das befragte Phänomen beschrieben werden, und desto höher ist die Qualität der Ergebnisse. Wenn Dir zu einer Frage nichts einfällt, lass sie einfach aus. Wenn Dir etwas unklar ist, kannst Du mir jederzeit eine e-Mail schreiben. Danke! 30 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 416 Das Eigenleben des Avatars – Fragen Zur Erschaffung und Funktion (D)eines Avatars 1. Woher nimmst Du die Ideen und Inspiration, einen Charakter zu erschaffen 35 und zu spielen? Die Ideen sind einfach da. Sowieso denke ich mir ständig Geschichten, oder Personen aus. Wenn ich einen Rollenspielcharakter erschaffe gibt es zunächst Vorgaben, durch die bespielte Welt (oder manchmal sinnlose Vorgaben wie wenn manche DSA Spieler ihre Körpergröße, Haarfarbe etc. 40 AUSWÜRFELN! (absurd)). Meistens weiß ich schon, was für einen Charakter der Avatar haben soll (will ich eine „böse“ d. h. Person mit tragischem Hintergrund und ungewöhnlichen oder keinen Moralvorstellungen spielen oder eine zweifelnde Fanatikerin, oder...), dann kommen Klasse, gesellschaftliche Position, Alter, Geschlecht und (ganz wichtig) die 45 persönliche Geschichte des Charakters und seine Bekannten. Ausgehend von diesem Gerüst wächst und verändert sich dann der Charakter. Manche Eigenschaften passen nicht und werden weggelassen, andere fehlen und kommen hinzu. Es entsteht ein Gefühl für die Persönlichkeit des Avatars. Im Spiel durch die Erfahrungen, die der Avatar macht ändert sich diese 50 Persönlichkeit weiter. Die Ideen sind also wie ein Baum, wachsen immer weiter. Inspirationen sind die Geschichten die ich kenne, oder Lieder oder ein Gedicht und die Vorstellungen und Gefühle, die in mir daraus entstehen. 2. Hast Du schon einmal einen Charakter erschaffen und dann doch bald wieder 55 abgelegt? Wenn ja, bitte beschreibe, warum Du keine Freude am Spiel mit diesem Charakter hattest. Ja. zB. Für das Spiel mit einer DSA Gruppe erschuf ich den Magier Seferino. Und es entstand einfach kein Gefühl für den Charakter. Ich konnte mich nicht einfühlen und eine rolle spielte sicher auch das Geschlecht. Es war unspassig 60 die mit Weiblichkeit einhergehende Bewunderung durch Männer aufzugeben und stattdessen immder der stärkste und tollste sein zu müssen. Allgemein gibt man wohl Charaktere auf die nicht interessant sin oder keinen Spass zu spielen Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 417 machen, weil ihre Eigenschaften den eigenen zu unähnlich sind. Nein, wenn sie Eigenschaften haben, die einen selbst nicht interessieren. Mir würde ein 65 dummer Charakter zB keinen Spass machen (Interesse durch Übereinstimmung). Andererseits spiele ich auch gerne Charaktere die unmoralisch sind oder einen Psychischen Knacks haben (Interesse durch Andersartigkeit). 70 3. Welche Aspekte erscheinen Dir an (D)einem Charakter wichtig? Ich finde wichtig, dass ein Avatar keine Helden- oder Bösewicht-Spielfigur sein sollte, zweidimensional mit Fähigkeiten und Eigenschaften ausgestattet. Sondern eine komplexe Figur, mit Erlebnissen, Ängsten, Schwächen, Stärken und Widersprüchen. Sehr wichtig sind mir auch die Beziehungen der 75 gespielten Figuren untereinander und wie diese sich entwickeln. Man kann Rollenspiel auch dazu nutzen verschiedene Beziehungskonstellationen nachzufühlen und zu erleben, die im echten Leben unmöglich oder unangenehm wären, oder einfach um zwischenmenschliche Vorgänge zu bewerten, und durchleben. 80 4. Welcher Aspekt Deines Charakters ist Dir am wichtigsten – und warum? Komplexität. Sonst ist er langweilig. Und Beziehungen zu anderen Charakteren (so.) und auch das er ein interessantes leben hat mit moralischen 85 Zwiespälten (so.) zuletzt vielleicht auch einmal ein Held zu sein und bewundert werden oder ein fieser Bösewicht. Macht haben. Machtlos sein. Wunderschön. Hässlich. Also das mein Avatar mir die Möglichkeit gibt verschiedene Persönlichkeiten anzuprobieren und die spannenden auszuleben. 90 Zur Beziehung von Spieler und Avatar 5. Welchen Zweck erfüllt Dein Charakter aus Deiner Sicht – ist er ein Instrument im Spiel, oder erfüllt er einen Selbstzweck? Bitte beschreibe Deine Sicht! Ein Zweck ist, er ist mein Gefäß, mein Weg in die Spielwelt. Auf jedenfall ist er eine Möglichkeit der Selbstverwirklichung und auch dazu da als 95 Kunstobjekt mit kreativität geschaffen zu werden. Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 418 6. Welche Bedeutung hat Dein Charakter für Dich persönlich? Ein spannendes Spielzeug. Macht mir Spaß und ich bin auch stolz darauf, als meine Schöpfung. Und dann, ist er ja ein Aspekt von mir. Durch den ich mit 100 meinen Freunden interagiert habe. Aus diesen gemeinsamen Erlebnissen und Gefühlen entsteht schon eine starke Bindung zu manchen Charakteren. Meist die lange und gut bespielten. 7. Ist der Tod eines Charakters für Dich schon einmal schmerzhaft gewesen? 105 Wenn ja, warum – und wie bist Du damit umgegangen? Es ist noch kein P&P Charakter von mir gegen meinen Willen gestorben. Aber als Mellie ihren Shadowrun Charakter sterben ließ, war das traurig. Ihr Charakter und meiner waren Herz-Freundinnen und die Traurigkeit meines Charakters habe ich auch empfunden. 110 Zur Entwicklung des Avatars im und durch das Spiel 8. Hat Dein Charakter schon einmal eine größere Veränderung im Spiel erfahren, auf die Du keinen Einfluss hattest – wenn ja, wie hast Du das empfunden? Hat es Dich gestört, und wie bist Du damit umgegangen? 115 Ja das ist vorgekommen. Das ist wie im echten Leben, wenn einem Dinge passieren auf die man keinen Einfluss hat. Der Charakter ändert sich, reagiert und passt sich an. Das kann dann auch dazu führen, das der Charakter keinen Spaß mehr macht, oder nicht mehr spielbar ist. 120 9. Wonach entscheidest Du generell, ob und wie ein Charakter sich verändert? Ob es eine in-time nachvollziehbare Ursache der Veränderung gibt (emotional im Charakter oder auch oben genannte äußere Ursachen). Die Art der Veränderung muss auch wieder logisch nachvollziehbar sein. Wie reagiert die Persönlichkeit des Avatars auf die Änderung, wie das Umfeld? Aus den 125 möglichen Änderungen suche ich dann die spannenste, spassigste aus. 10. Hast Du ein 'Ziel' für jeden Charakter? Wenn ja, wie bewegst Du ihn darauf zu? Nein. Kein Ziel wohin ich ihn entwickeln will. Die Charaktere aber, die haben 130 natürlich Ziele. Das spannende ist ja das unbekannte, die Interaktion mit Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 419 Geschichte und Spielern, wenn ich Sachen vorher festlege oder alles bekannt ist, dann ist es weniger interessant. Dann kann nur noch spannend sein eben emotional Anteil zu nehmen. 135 Der Avatar – Alter Ego oder imaginäre Person? 11. Empfindest Du Deinen Charakter als von Dir unabhängige 'Person'? Ja. Nein. Beides 12. Wenn ja: Inwiefern ist sie anders als Du? 140 Der Charakter ist eine Figur. Hat andre Fähigkeiten, Persönlichkeitsmerkmale, lebt sogar in einer anderen Welt und hat andere Probleme. 13. Wenn nein: Inwiefern ist Dein Charakter von Dir abhängig – empfindest Du ihn als einen Teil von Dir? Wenn ja – welcher Teil könnte das sein? 145 Klar, ist er ein Teil von mir. Meine Schöpfung und meine Phantasie. Wenn er spricht, bin ich es, die spricht, es sind meine Wort, ich habe sie mir ausgedacht. Eine Geschichte die ich erzähle ist auch meine Erfindung. Ein teil meiner Gedanken. 150 Zum Eigenleben (D)eines Avatars 14. Hat sich Dein Charakter schon einmal anders verhalten oder entwickelt, als Du es geplant bzw. erwartet hast? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erfahrungen! Ja, diese unbeabsichtigten Änderungen geschehen dann durch Spielleiter und 155 die anderen Spieler. Das macht ja den Spaß aus beim spielen. 15. Würdest Du sagen, dass Dein Charakter ein Eigenleben hat? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erlebnisse! Nein. Also doch. Aber dieses Eigenleben geschieht in mir. Ist Teil meiner 160 Pyche, den Charakter gibt es ja auch nur in mir. 16. Woher, glaubst Du, kommt dieses 'Eigenleben'? Unterbewusste psychische Prozesse?? 17. Wenn nein, was ist er dann? Als was würdest Du Deinen Avatar beschreiben? 165 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 420 siehe oben Sonstiges – Vorschläge, Anmerkungen, Ideen 18. Ich plane, auf der Basis dieses Fragebogens auch einen Fragebogen für ein 'Charakterinterview' zu entwickeln, um dessen 'Eigenleben' zu veranschaulichen, zu beschreiben und zu dokumentieren. Welche Fragen 170 könnten Deines Erachtens diesen Zweck erfüllen? Schreibe einfach auf, was Dir dazu einfällt. 19. Wie wäre es mit einem Punktefragebogen zu ein paar konkreten Fragestellungen. Dann könntest du auch quantitative Statistik machen...und damit angeben :) 175 20. Hast Du weitere Ideen für Fragen? Gibt es sonst noch Aspekte, die Du bei der Thematik wichtig fändet, abzufragen? Bitte notiere Deine Ideen und Vorschläge! 180 Vielen Dank für Deine Teilnahme!!! Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 421 7 Fragebogen Teilnehmer NB Das Eigenleben des Avatars problemzentriertes Interview per e-Mail Laura Flöter Universität Duisburg-Essen LauraFloeter@gmx.de 5 Hallo zusammen! Wie Du ja weißt, schreibe ich meine Doktorarbeit zum Thema phantastische (pen-andpaper-)Rollenspiele – der Spielercharakter, wegen der Neutralität des Begriffes bei mir einfach 'Avatar', ist dabei einer der wichtigsten Aspekte. Um seinen Status als 10 ästhetisches Produkt (aka 'Kunstwerk') zu bestimmen, untersuche ich u.a. sein 'Eigenleben', d.h. die Eigendynamik, die ein Charakter beim Spielen entfaltet. Vielleicht hast Du es selber schon erlebt: Dein (pen-and-paper-)Charakter entwickelt sich oder handelt ganz anders, als Du es eigentlich geplant hast. Ich versuche, dieses Phänomen zu beschreiben und dann zu analysieren. Grundlage sind natürlich 15 empirische Erhebungen – also die Erfahrungen der Spieler selbst. Meine Studie soll allerdings nicht repräsentativ sein – an diesem Punkt geht es für mich erst einmal darum, das Phänomen 'Eigenleben des Avatars' nachzuweisen und meine Ergebnisse daran zu veranschaulichen. Daher bitte ich Dich, diesen Fragebogen für mich auszufüllen – einfach in der Datei, 20 am besten andersfarbig – und bis zum 1. März 2012 an mich zurückzusenden. Die Daten werden natürlich anonym behandelt und dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Anonymisiere Deine Antworten einfach, indem Du nur den ersten Buchstaben Deines 25 Vornamens angibst. Und bitte antworte ausführlich – diese Daten sind Material für Grundlagenforschung. Je detaillierter die Antworten ausfallen, desto genauer kann das befragte Phänomen beschrieben werden, und desto höher ist die Qualität der Ergebnisse. Wenn Dir zu einer Frage nichts einfällt, lass sie einfach aus. Wenn Dir etwas unklar ist, kannst Du mir jederzeit eine e-Mail schreiben. Danke! 30 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 422 Das Eigenleben des Avatars – Fragen Zur Erschaffung und Funktion (D)eines Avatars 35 1. Woher nimmst Du die Ideen und Inspiration, einen Charakter zu erschaffen und zu spielen? Irgendwann kommt mir einfach eine Idee, manchmal durch einen Film oder ein Buch, manchmal von alleine. Wenn sich diese Idee über lange Zeit in meinem Kopf 40 festsetzt (meistens bis ich einen neuen Charakter brauche), setze ich sie nach den Regeln in Werte um. Die Idee, etwas zu bestimmtes zu spielen ist eigentlich immer vor dem Erschaffen da. 2. Hast Du schon einmal einen Charakter erschaffen und dann doch bald wieder 45 abgelegt? Wenn ja, bitte beschreibe, warum Du keine Freude am Spiel mit diesem Charakter hattest. Ja - und nein! Bei meinem Pen & Paper-Charakteren hatte ich eigentlich (bisher) immer Spaß am Spiel. Abgelegt habe ich trotzdem schon welche, weil der Charakter, 50 so wie ich ihn mir vorgestellt hatte, nicht in die Gruppe der anderen Charaktere passte. Und ihn dann so zu verändern, dass er harmoniert, hätte mein Verständnis und meine Vorstellung des Charakters zerstört. Dann lege ich die Charaktere zur Seite und erwarte eine Gelegenheit/ eine andere Charaktergruppe um ihn zu spielen. Bisher kam immer immer die Gelegenheit dazu... 55 3. Welche Aspekte erscheinen Dir an (D)einem Charakter wichtig? & (zusammen/ gleiche Antwort) 60 4. Welcher Aspekt Deines Charakters ist Dir am wichtigsten – und warum? Ich sehe keinen Aspekt des Chars wichtiger als den anderen. Wichtig ist für mich, das der Char in sich stimmig ist und meinen Vorstellungen, zumindest bei Erschaffung, so genau wie möglich entspricht. Ein klein wenig variiert es natürlich je 65 nach Gruppe, die spielt. Ist es eine Gruppe, die sehr viel würfelt, muß man sich nicht so viele Gedanken um "zwischenmenschliches" machen; in einer Gruppe mit viel Rollenspiel will der Char auch im Hintergrund gut überlegt sein. Zur Beziehung von Spieler und Avatar 70 5. Welchen Zweck erfüllt Dein Charakter aus Deiner Sicht – ist er ein Instrument im Spiel, oder erfüllt er einen Selbstzweck? Bitte beschreibe Deine Sicht! Für mich ist mein Char Ausdruck von etwas, das ich meiner Meinung nach nicht bin 75 oder nicht sein kann. Man kann im "realen" Leben nicht z.B. hoffnungslos naiv und flatterhaft sein ohne Probleme zu bekommen. Auch sind dem Körper Grenzen gesetzt, die ich durch meinen Char überwinden kann. Mit ihm kann man sich auch mal Fehler erlauben, die ansonsten fatale Folgen hätten. Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 423 80 6. Welche Bedeutung hat Dein Charakter für Dich persönlich? Für mich ist mein Char immer wie ein kleiner Urlaub. Einfach die Probleme/Widrigkeiten des normalen Lebens hinter sich lassen. Zudem ist er aber auch ein Mittel um Dinge zu erleben, die sonst nicht möglich wären. 85 7. Ist der Tod eines Charakters für Dich schon einmal schmerzhaft gewesen? Wenn ja, warum – und wie bist Du damit umgegangen? Schmerzhaft ist das falsche Wort... Traurig, ja. Es steckten schließlich viele 90 Erlebnisse mit anderen Charakteren/ Spielern, viele Erinnerungen, viele Stunden Spaß und nicht zuletzt auch viel Arbeit in einem guten, langjährigen Charakter. Aber wenn der Tod des Charakters "gut dargestellt" ist, in einer schönen Situation passiert ist - kurz: ein schöner Tod war, macht es mir trotzdem Freude, auch den Tod meines Chars zu erleben. Der Char stirbt schließlich nicht einfach zu hause im Bett an 95 Altersschwäche. Wie der Tod auch aussieht, es ist die Konsequenz der Handlungen des Chars/ Spielers. Ich habe ein bißchen für mich um den Char getrauert, aber um weiterhin Spielspaß zu haben, habe ich einen neuen Char erschaffen. Der bringt mir neue, andere 100 Erfahrungen... Zur Entwicklung des Avatars im und durch das Spiel 8. Hat Dein Charakter schon einmal eine größere Veränderung im Spiel erfahren, auf 105 die Du keinen Einfluss hattest – wenn ja, wie hast Du das empfunden? Hat es Dich gestört, und wie bist Du damit umgegangen? JA! Die Veränderungen am Char haben mir noch nicht einmal soviel ausgemacht. Diese Veränderungen waren zumeist so, das sie irgendwie zu dem Char passten, oder 110 auf Dauer rückgängig zu machen waren. Es kam auch schon zu Veränderungen, die die Handlungen des Chars ausgelöst haben; hätte er aber anders gehandelt, wäre es charakterunlogisch gewesen. Schlimmer empfand ich einen Eingriff auf das persönliche Umfeld des Chars, ohne gefragt zu werden. Es ist surreal, das ich mich so darüber geärgert habe, weil es keinen direkten Einfluss auf meinen Char und das 115 Spiel mit ihm hat. Mit gemeinsamer Überlegung mit anderen Spielern haben wir dieses Ereignis für ungeschehen erklärt. 9. Wonach entscheidest Du generell, ob und wie ein Charakter sich verändert? 120 Ich entscheide das gar nicht, oder zumindest selten bewußt... die Veränderungen ergeben sich im Spiel. Der Char lernt und macht Erfahrungen, dadurch verändert er sich von alleine. Immer ein kleines bißchen mehr. 10. Hast Du ein 'Ziel' für jeden Charakter? Wenn ja, wie bewegst Du ihn darauf zu? 125 Am Anfang des Chars habe ich noch kein Ziel. Auch das ergibt sich beim Spiel mit den anderen Chars/Spielern. Man könnte es als Ziel bezeichnen, dass ich möchte, das der Char etwas kann, was für die Gruppe von Wert ist. Aber das muß sich halt erst Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 424 ergeben, auch wenn ich als Spieler die anderen Chars kenne. Ich baue mir keinen 130 Char um eine Fähigkeit auf... Der Char muß " selbst darauf kommen". Der Avatar – Alter Ego oder imaginäre Person? 11. Empfindest Du Deinen Charakter als von Dir unabhängige 'Person'? 135 Nicht vollständig unabhängig. Der Char macht zwar seine Erfahrungen, aber ich entscheide schließlich, wie er handelt. Und wenn ich als Spieler etwas nicht weiß, kann der Char es zwangsläufig auch nicht wissen. 140 12. Wenn ja: Inwiefern ist er anders als Du? Der Char kann Dinge, die ich als Spieler niemals können werde. Sei es durch körperliche, gesellschaftliche oder andere Einschränkungen. 145 13. Wenn nein: Inwiefern ist Dein Charakter von Dir abhängig – empfindest Du ihn als einen Teil von Dir? Wenn ja – welcher Teil könnte das sein? Ich entscheide, was der Char tut. der Char kann nur so intelligent, so praktisch, so humorvoll, schlagfertig etc. sein, wie ich als Spieler es bin. Insofern ist er ein Teil 150 von mir, es ist meine Phantasie, die ihn zum Leben erweckt. Zum Eigenleben (D)eines Avatars 14. Hat sich Dein Charakter schon einmal anders verhalten oder entwickelt, als Du es 155 geplant bzw. erwartet hast? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erfahrungen! Da ich die Entwicklung meines Chars nicht plane, kann ich auch nichts erwarten. Die Entwicklung ist ein Zusammenspiel aus Erfahrungen und den anderen Chars. Mit 160 dem Verhalten sieht das schon anders aus. Fast bei jeder Spielsitzung "muß" sich mein Char anders verhalten als ich es erwartet habe. Ich habe oft einige Tage vor dem Spielen "Kopfkino". Dann war in der letzten Sitzung eine Situation, meist zu Ende hin, wo ich mir schon Tage vor der nächsten Sitzung überlege, wie mein Char darauf reagiert, was er sagt etc. Aber oft (nicht immer) wird es dann doch anders, 165 weil die anderen Chars anders reagieren oder etwas anderes sagen, wie ich dachte. Aber das macht für mich unter anderem den Reiz des Rollenspieles aus; man kann es nicht planen! 15. Würdest Du sagen, dass Dein Charakter ein Eigenleben hat? Wenn ja, inwiefern? 170 Bitte beschreibe Deine Erlebnisse! Ja, hat er. Der Char trifft in seinem Leben Entscheidungen, die vollkommen logisch sind (aus Sicht des Chars). Im "realen" Leben, als "normaler" Mensch, würde ich aber vollkommem anders entscheiden. 175 16. Woher, glaubst Du, kommt dieses 'Eigenleben'? Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 425 Ich denke, dieses Eigenleben kann sich nur entwickeln, wenn man sich in gewisser Weise mit seinem Char identifiziert. Und man muß vom normalen Leben abschalten 180 können und sich in den Char hineinfallen lassen können. Man muß sich auf die (andere ?) Denkweise und die Fähigkeiten des Chars einlassen. Und ganz wichtig ist die Gruppe, mit der man spielt!!! Man muß die gleichen Interessen am Spiel haben, sollte gut harmonisieren. (" Auf einer Wellenlinie sein") Es muß meines Erachtens Vertrauen in der Gruppe bestehen, ansonsten kann man sich nicht in den Char und 185 das Spielgeschehen hineinversetzen. 17. Wenn nein, was ist er dann? Als was würdest Du Deinen Avatar beschreiben? ----- 190 Sonstiges – Vorschläge, Anmerkungen, Ideen 18. Ich plane, auf der Basis dieses Fragebogens auch einen Fragebogen für ein 'Charakterinterview' zu entwickeln, um dessen 'Eigenleben' zu veranschaulichen, zu 195 beschreiben und zu dokumentieren. Welche Fragen könnten Deines Erachtens diesen Zweck erfüllen? Schreibe einfach auf, was Dir dazu einfällt. 200 ----- 19. Hast Du weitere Ideen für Fragen? Gibt es sonst noch Aspekte, die Du bei der Thematik wichtig fändet, abzufragen? Bitte notiere Deine Ideen und Vorschläge! 205 Ich habe nicht viel Ahnung von solchen Fragebögen... Aber du solltest versuchen, die Fragen so zu formulieren, das die Person kürzer darauf antworten kann. Ich denke, auf einer Ausstellung/ Messe/ Con haben die Leute nicht die Zeit und/oder Lust, sich eine Stunde oder länger mit einem Fragebogen zu beschäftigen. Zum Teil könntest du die Fragen vielleicht auch zusammenfassen, weil die Antworten sich 210 quasi überschneiden. (Frage 3+4, Frage 5+6) Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 426 8 Fragebogen Teilnehmer RW Das Eigenleben des Avatars problemzentriertes Interview per e-Mail Laura Flöter Universität Duisburg-Essen LauraFloeter@gmx.de 5 Hallo zusammen! Wie Du ja weißt, schreibe ich meine Doktorarbeit zum Thema phantastische (pen-andpaper-)Rollenspiele – der Spielercharakter, wegen der Neutralität des Begriffes bei mir einfach 'Avatar', ist dabei einer der wichtigsten Aspekte. Um seinen Status als 10 ästhetisches Produkt (aka 'Kunstwerk') zu bestimmen, untersuche ich u.a. sein 'Eigenleben', d.h. die Eigendynamik, die ein Charakter beim Spielen entfaltet. Vielleicht hast Du es selber schon erlebt: Dein (pen-and-paper-)Charakter entwickelt sich oder handelt ganz anders, als Du es eigentlich geplant hast. Ich versuche, dieses Phänomen zu beschreiben und dann zu analysieren. Grundlage sind natürlich 15 empirische Erhebungen – also die Erfahrungen der Spieler selbst. Meine Studie soll allerdings nicht repräsentativ sein – an diesem Punkt geht es für mich erst einmal darum, das Phänomen 'Eigenleben des Avatars' nachzuweisen und meine Ergebnisse daran zu veranschaulichen. Daher bitte ich Dich, diesen Fragebogen für mich auszufüllen – einfach in der Datei, 20 am besten andersfarbig – und bis zum 1. März 2012 an mich zurückzusenden. Die Daten werden natürlich anonym behandelt und dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Anonymisiere Deine Antworten einfach, indem Du nur den ersten Buchstaben Deines 25 Vornamens angibst. Und bitte antworte ausführlich – diese Daten sind Material für Grundlagenforschung. Je detaillierter die Antworten ausfallen, desto genauer kann das befragte Phänomen beschrieben werden, und desto höher ist die Qualität der Ergebnisse. Wenn Dir zu einer Frage nichts einfällt, lass sie einfach aus. Wenn Dir etwas unklar ist, kannst Du mir jederzeit eine e-Mail schreiben. Danke! 30 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 427 Das Eigenleben des Avatars – Fragen Zur Erschaffung und Funktion (D)eines Avatars 1. Woher nimmst Du die Ideen und Inspiration, einen Charakter zu erschaffen 35 und zu spielen? Ich spiele seit Jahren, und mag es daher, immer mal wieder neue Herausforderungen anzunehmen und Charaktere und auch Wesenszüge zu spielen, die ich vorher noch nicht ausgespielt habe. Die Ideen orientieren sich dabei an einer Mixtur aus vorhergegangenen Erfahrungen wie Charaktere anderer Mitspieler, Charakteren aus 40 Filmen und Büchern aber auch an den Geschichten von und über DSA. 2. Hast Du schon einmal einen Charakter erschaffen und dann doch bald wieder abgelegt? Wenn ja, bitte beschreibe, warum Du keine Freude am Spiel mit diesem Charakter hattest. Nein, eigentlich nur, wenn es keine Möglichkeit gab, ausschweifend mit dem Avatar 45 zu spielen und ihm dadurch neues Leben zu geben. (Wäre es nicht besser, hier in den Fragen immer das Wort „Avatar“ zu nutzen? Sonst kommt man mit Charakter == Persönlichkeit und Charakter == Avatar durcheinander) 3. Welche Aspekte erscheinen Dir an (D)einem Charakter wichtig? Dass er mit Leben und mit einem eigenen, persönlichen Charakter gefüllt wird. Also 50 darum, wie er nach außen erscheint, wie er aufgenommen wird, wie er reagiert – und wie er sich entwickelt, welche Sachen ihn prägen werden, und wie das wiederum seinen Charakter prägt. 4. Welcher Aspekt Deines Charakters ist Dir am wichtigsten – und warum? Seine Persönlichkeit – sein „Charakter“ eben. 55 Zur Beziehung von Spieler und Avatar 5. Welchen Zweck erfüllt Dein Charakter aus Deiner Sicht – ist er ein Instrument im Spiel, oder erfüllt er einen Selbstzweck? Bitte beschreibe Deine Sicht! Es entwickelt sich – am Anfang ist ein Avatar immer erst mal nur ein Instrument. Er 60 ist nicht mit Leben gefüllt, und daher weitestgehend unwichtig. Das Spiel muss, soll in die Gänge kommen, dafür wird er genutzt. Im Laufe der Zeit entwickelt ein Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 428 Charakter ein Eigenleben, und das macht ihn stärker zum Selbstzweck. Schlussendlich ist aber das Ziel noch immer, mit dem Avatar zu spielen und Spaß am Spiel zu haben. 6. Welche Bedeutung hat Dein Charakter für Dich persönlich? 65 Das ist abhängig davon, welcher Avatar es ist. Meine ersten Avatare erinnern mich an die ersten Jahre als Spieler, mein letzter Avatar, den ich die letzten zwei Jahre gespielt habe, ist dafür aber der „bewussteste“, weil ich bei ihm am stärksten auf den Charakter und die Wesensbildung geachtet habe und mich daher am intensivsten und damit besten mit ihm identifizieren kann. 70 7. Ist der Tod eines Charakters für Dich schon einmal schmerzhaft gewesen? Wenn ja, warum – und wie bist Du damit umgegangen? Einer meiner Avatare ist bisher „entrückt“ worden, als er starb. Das war eine einschneidende Erfahrung, da ich den Avatar jahrelang geführt hatte. Schmerzhaft war es nicht, es ist und bleibt für mich ein Spiel. Ein wenig wehmütig war ich aber. 75 Zur Entwicklung des Avatars im und durch das Spiel 8. Hat Dein Charakter schon einmal eine größere Veränderung im Spiel erfahren, auf die Du keinen Einfluss hattest – wenn ja, wie hast Du das empfunden? Hat es Dich gestört, und wie bist Du damit umgegangen? 80 Ein Avatar wurde mit einer Macht und damit mit einer Pflicht ausgestattet, die ich nicht vorhersehen konnte und die ich nicht hätte ablehnen können. Das war einschneidend – da es sich aber gut in das Abenteuer einfügte und stimmig gestaltet war, passte es einfach. Bei anderen Avataren anderer Spieler hatte ich aber schon einmal das Gefühl, dass 85 Änderungen bewusst hervorgebracht wurden, um dem Avatar gegen den Willen des Spielers zu beeinflussen, ohne dass es im Abenteuer erkennbar notwendig gewesen wäre. Das stört, weil da Meisterwillkür vermutet wird. 9. Wonach entscheidest Du generell, ob und wie ein Charakter sich verändert? Das gibt das Spiel, das erlebte Abenteuer vor. Abhängig davon, wie die Abenteuer sich 90 entwickeln, welche Einflüsse ich bei dem Avatar sehe, verändert dies den Avatar. 10. Hast Du ein 'Ziel' für jeden Charakter? Wenn ja, wie bewegst Du ihn darauf zu? Es gibt kein großes Ziel, nur kleine Ziele (diese oder jene Fähigkeit/den Zauber/dieses Ritual). Diese lassen sich meist ins Spiel einbetten, nur dann verfolge ich sie auch. 95 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 429 Der Avatar – Alter Ego oder imaginäre Person? 11. Empfindest Du Deinen Charakter als von Dir unabhängige 'Person'? Die Grenze ist schwierig zu ziehen, und hängt davon ab, als was „unabhängige Person“ definiert ist. Daher kann ich hier leider keine klare Antwort geben. 100 12. Wenn ja: Inwiefern ist sie anders als Du? Der Avatar ist anders als ich, da viele Wesenszüge anders sind als meine: in meinem Falle sind es südländisches Aufreißertum, der Hang nach waghalsigen Manövern sowie ein fester Glaube. 13. Wenn nein: Inwiefern ist Dein Charakter von Dir abhängig – empfindest Du 105 ihn als einen Teil von Dir? Wenn ja – welcher Teil könnte das sein? Es finden sich Teile von mir wieder: im Kern ist mein Avatar „ein Guter“, könnte nicht Quälen, folgt nicht blindlinks, teilt aber auch meine charakterlichen Schwächen (Harmoniebedürftigkeit, schnelles Verständnis für die Fehler anderer, Glaube an das Gute). 110 Zum Eigenleben (D)eines Avatars 14. Hat sich Dein Charakter schon einmal anders verhalten oder entwickelt, als Du es geplant bzw. erwartet hast? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erfahrungen! 115 Da ich die Entwicklung nicht plane, sondern hingegen es sehr genieße, dass ich die Entwicklung treiben lassen kann, dass ich keine Ziele habe, sondern mich überraschen lasse, ist die Frage nicht zu beantworten. 15. Würdest Du sagen, dass Dein Charakter ein Eigenleben hat? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erlebnisse! 120 Ein Eigenleben ist vielleicht eine starke Formulierung, was aber hervortritt, sind charakterliche Eigenheiten, die ich als Mensch nie hätte. Ein Beispiel ist die Art des Avatars, mit waghalsigen Manövern sich selbst und seine Fähigkeiten zur Schau zu stellen. So habe ich vorher noch nie einen anderen Avatar gespielt. Das macht aber Spaß, und bringt Wesensmerkmale hervor, die ich in der Realität niemals hätte. 125 16. Woher, glaubst Du, kommt dieses 'Eigenleben'? Ich vermute, dass ich gerne auch mal anders wäre, als ich bin, und dass ich diese fremden Wesenszüge dabei auslebe und genieße. Der Avatar wird so also teilweise zum Abbild einiger erträumter Eigenschaften, teilweise zum Negativ meiner Wesenszüge. 130 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 430 17. Wenn nein, was ist er dann? Als was würdest Du Deinen Avatar beschreiben? Da Eigenleben eine starke Formulierung ist: ich würde es in letzter Instanz nicht als Eigenleben betrachten. Der Avatar ist und bleibt eine Figur, die von mir weitestgehend bewusst gespielt wird. Ich probiere diverses damit aus, er ist und bleibt aber eine Figur unter meiner Kontrolle. 135 Sonstiges – Vorschläge, Anmerkungen, Ideen 18. Ich plane, auf der Basis dieses Fragebogens auch einen Fragebogen für ein 'Charakterinterview' zu entwickeln, um dessen 'Eigenleben' zu veranschaulichen, zu beschreiben und zu dokumentieren. Welche Fragen 140 könnten Deines Erachtens diesen Zweck erfüllen? Schreibe einfach auf, was Dir dazu einfällt. - Spannend ist die Frage, warum ein Avatar anders handelt, als der Spieler. Ich würde die Spieler das fragen, und Ursachen nennen lassen. Eine ursache könnte ja die Lebensgeschichte des Avatars sein, oder sein Glauben, oder die 145 mangelnde Bildung. - Ich würde insbesondere nach Situationen fragen, in denen der Spieler anders gehandelt hätte als der Avatar – und warum der Avatar dann aber so gehandelt hat. 19. Hast Du weitere Ideen für Fragen? Gibt es sonst noch Aspekte, die Du bei der 150 Thematik wichtig fändet, abzufragen? Bitte notiere Deine Ideen und Vorschläge! - Ich würde das Wort „Charakter“ überall vermeiden, und generell nur von „Avatar“ sprechen, sonst führt es zu sprachlicher Verwirrung. - Die Formulierung des Eigenlebens kann auch so aufgefasst werden, dass nach 155 Menschen gesucht wird, deren Avatar sich ihrer Kontrolle entzogen hat. Das klingt schon creepy. Ich würde den Fragebogen da etwas entspannter formulieren, um niemanden abzuschrecken. Oder gibt es Spieler, die das Eigenleben des Avatars als unangenehm empfinden? - Spannend wäre eventuell noch zu wissen, wie die Leute spielen: ob sie sich bei 160 jeder Handlung bewusst fragen, wie ihr Avatar agieren würde. Und zur Kontrolle vielleicht auch die Frage, ob die Spieler immer wieder das Gefühl bekommen, dass der Avatar sich immer wieder an den eigenen Charakter des Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 431 Spielers angleicht. Oder generell zu erfragen, in wie weit die Spieler glauben, dass der Avatar vor allen Dingen eine Projektion des eigenen Charakters ist. 165 Vielen Dank für Deine Teilnahme!!! Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 432 9 Fragebogen Teilnehmer MP Das Eigenleben des Avatars problemzentriertes Interview per e-Mail Laura Flöter Universität Duisburg-Essen LauraFloeter@gmx.de 5 Hallo zusammen! Wie Du ja weißt, schreibe ich meine Doktorarbeit zum Thema phantastische (pen-andpaper-)Rollenspiele – der Spielercharakter, wegen der Neutralität des Begriffes bei mir einfach 'Avatar', ist dabei einer der wichtigsten Aspekte. Um seinen Status als 10 ästhetisches Produkt (aka 'Kunstwerk') zu bestimmen, untersuche ich u.a. sein 'Eigenleben', d.h. die Eigendynamik, die ein Charakter beim Spielen entfaltet. Vielleicht hast Du es selber schon erlebt: Dein (pen-and-paper-)Charakter entwickelt sich oder handelt ganz anders, als Du es eigentlich geplant hast. Ich versuche, dieses Phänomen zu beschreiben und dann zu analysieren. Grundlage sind natürlich 15 empirische Erhebungen – also die Erfahrungen der Spieler selbst. Meine Studie soll allerdings nicht repräsentativ sein – an diesem Punkt geht es für mich erst einmal darum, das Phänomen 'Eigenleben des Avatars' nachzuweisen und meine Ergebnisse daran zu veranschaulichen. Daher bitte ich Dich, diesen Fragebogen für mich auszufüllen – einfach in der Datei, 20 am besten andersfarbig – und bis zum 1. März 2012 an mich zurückzusenden. Die Daten werden natürlich anonym behandelt und dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Anonymisiere Deine Antworten einfach, indem Du nur den ersten Buchstaben Deines 25 Vornamens angibst. Und bitte antworte ausführlich – diese Daten sind Material für Grundlagenforschung. Je detaillierter die Antworten ausfallen, desto genauer kann das befragte Phänomen beschrieben werden, und desto höher ist die Qualität der Ergebnisse. Wenn Dir zu einer Frage nichts einfällt, lass sie einfach aus. Wenn Dir etwas unklar ist, kannst Du mir jederzeit eine e-Mail schreiben. Danke! 30 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 433 Das Eigenleben des Avatars – Fragen Zur Erschaffung und Funktion (D)eines Avatars 1. Woher nimmst Du die Ideen und Inspiration, einen Charakter zu erschaffen 35 und zu spielen? - Meistens ergeben sich meine Figuren aus dem vorhandenen Spiel. Ich leite des öfteren für meine gruppe und bin auf diese Art schon zu neuen Characteren gekommen. Ein Bösewicht wird zum Helden, eine Nebenfigur nimmt plötzlich soviel Phantasie ein, dass ihre Lebendigkeit zunimmt und sie immer 40 „farbiger“ wird, bis sie sich letzlich eine feste Rolle im sozialen Gefüge der Gruppe und der Weltordnung erkämpft hat. 2. Hast Du schon einmal einen Charakter erschaffen und dann doch bald wieder abgelegt? - Das ist mir bisher nur ganz am Anfang meines Rollenspieldaseins passiert. 45 Damals war ich noch nicht so sicher in meinen Vorlieben und habe ein paar Chars nur mal ausprobiert bevor ich mich entschied. 3. Wenn ja, bitte beschreibe, warum Du keine Freude am Spiel mit diesem Charakter hattest. - Ich war noch zu unsicher und wusste nicht ganz was mir Spaß machen würde. 50 Mittlerweile spiele ich meine Chars über lange Zeiträume und die Chars werden nur dann abgelegt wenn ein besonderes Ereignis in der Welt oder in der Chargeschichte mich dazu „zwingt“. D.h. Wenn der Char sein Schicksal erfüllt und somit „fertig“ gespielt ist oder wenn er stirbt, oder aus irgendeinem andren Grund unspielbar wird. Das ist meist eine sache des Gefühls. 55 3. Welche Aspekte erscheinen Dir an (D)einem Charakter wichtig? - ich muss mich mit ihnen identifizieren können. So fremd mir Geschlecht und Rolle auch sein mögen: jeder Char besitzt irgendeine Eigenschaft die ich auch auf mich projizieren kann und die es mir sehr leicht macht einen Draht zu der Figur aufzubauen. 60 4. Welcher Aspekt Deines Charakters ist Dir am wichtigsten – und warum? - Am wichtigsten ist wohl das Eigenleben und die Dynamik. Mein Char kann, darf und muss vielleicht auch dazu in der Lage sein sich im Laufe seines Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 434 Daseins zu verändern. Es ist mir wichtig dass der Char mit Eigenleben entwickelt und so lebendig wie möglich wird. Ich möchte ja nicht nur die Figur 65 spielen und steuern sondern ihr zusehen wie sie wächst und sich verhält. Zur Beziehung von Spieler und Avatar 5. Welchen Zweck erfüllt Dein Charakter aus Deiner Sicht – ist er ein Instrument im Spiel, oder erfüllt er einen Selbstzweck? Bitte beschreibe Deine Sicht! 70 Mein Char ist auf keinen Fall mein Instrument. Mein Char ist eine PERSON jemand der aus meinen Kopf entsprungen ist und ein alternatives Leben führt. Es macht mir wesentlich mehr Spaß dem Char dabei zu folgen und seiner inneren Logik nachzugehen als ihn hölzern wie eine Marionette durch das Spiel zu steuern, als säße ich vor einem Computer. 75 6. Welche Bedeutung hat Dein Charakter für Dich persönlich? -Ganz ehrlich? Ich liebe ihn!^^ jeder meiner Chars ist mein persönliches Baby, ein lebendig gewordener Characterzug, der sein Eigenleben entwickelt hat und durch eine alternative Realität läuft und diese mit seinen Handlungen beeinflusst. Wenn meine Charactere etwas Großartiges tun bin ich stolz, wenn 80 sie etwas Schlimmes tun tut mir das leid. Alles folgt der inneren Logik des Characters. Ich könnte eine Figur kaum so beeinflussen, dass sie etwas bestimmtes nicht tut oder eben tun muss, das würde mein Spielgefühl und meine Immersion zu sehr beeinträchtigen. 7. Ist der Tod eines Charakters für Dich schon einmal schmerzhaft gewesen? 85 Wenn ja, warum – und wie bist Du damit umgegangen? - Der Tod gehört dazu. Wenn die Geschichte eines Chars erzählt war, ihr Schicksal sich erfüllte oder das Ende einer langen Queste schließlich im Tod des Chars gipfelte, so hab ich das immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge hingenommen. Der Tod ist etwas auf das wir im Leben kaum 90 einfluss haben, warum sollte ich dann im Spiel das anders machen? Wenn mein Char sich in tödliche Gefahr begibt, wäre es natürlich sehr traurig wenn er stirbt, aber meistens hat der Tod eines Chars ja auch was mit Aufopferung für eine Gute Tat zu tun, deswegen kann man auch beim Dahinscheiden eines Chars stolz und glücklich sein. 95 Zur Entwicklung des Avatars im und durch das Spiel Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 435 8. Hat Dein Charakter schon einmal eine größere Veränderung im Spiel erfahren, auf die Du keinen Einfluss hattest – wenn ja, wie hast Du das empfunden? Hat es Dich gestört, und wie bist Du damit umgegangen? 100 - Solche Veränderungen sind mir schon sehr oft untergekommen. Gestört hat mich das nie, ich freue mich immer, wenn sich eine Dynamik entwickelt die auch ohne meine Kommandos auskommt. Selbst wenn die Veränderung nicht in meinem Sinne ist muss ich eben schauen wie ich damit zurecht komme. Wenn das Spielgefühl so stark beeinträchtigt wird dass der Char für mich 105 unspielbar wird, dann ist das eben so. 9. Wonach entscheidest Du generell, ob und wie ein Charakter sich verändert? - Garnicht. Veränderungen ergeben sich aus dem Spiel. Der Char entscheidet selbst was er tut und wohin er sich entwickelt. Alles folgt der inneren Logik des Chars. Seinen Erfahrungen die er bisher gemacht hat, seinen Träumen, 110 Erinnerungen und Wünschen. 10. Hast Du ein 'Ziel' für jeden Charakter? Wenn ja, wie bewegst Du ihn darauf zu? - Nunja. Es gibt schon eine gewisse Vorstellung davon wie es mal sein könnte wenn der Held „groß“ geworden ist. Ein gewisses Wunschdenken, was schön 115 wäre und wohin man irgendwann mal will, aber letztlich ist das nicht meine Entscheidung. Meistens deckt sich dieser Wunsch und die Vorstellung ohnehin mit der Charlogik und ist somit fest in der Figur verankert. Aber sollte sich alles anders entwickeln als gedacht, lasse ich mich auch geren überraschen. 120 Der Avatar – Alter Ego oder imaginäre Person? 11. Empfindest Du Deinen Charakter als von Dir unabhängige 'Person'? - Absolut. Meine Charactere sind nicht ich. 12. Wenn ja: Inwiefern ist sie anders als Du? - Meine Charactere haben sehr unterschiedliche Lebenseinstellungen, 125 Characterzüge, emotionale Beweggründe. Sie mögen andre Dinge als ich und finden andre Dinge wichtiger oder eben weniger wichtig als ich. In gewisser weise sind sie natürlich Teile von mir und auch abhängig, da ich diejenige bin die sie ins Leben gerufen hat und ich diejenige bin über die die Figuren mit ihrer Umwelt kommunizieren. Ein Teil von mir sind sie nur in der Weise, dass 130 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 436 ich die Schöpferin der Figur bin. Dass sich gewisse Eigenschaften von mir in ihnen spiegeln, ansonsten sind sie völlig andre Personen. 13. Wenn nein: Inwiefern ist Dein Charakter von Dir abhängig – empfindest Du ihn als einen Teil von Dir? Wenn ja – welcher Teil könnte das sein? - 135 Zum Eigenleben (D)eines Avatars 14. Hat sich Dein Charakter schon einmal anders verhalten oder entwickelt, als Du es geplant bzw. erwartet hast? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erfahrungen! 140 - Ohje....da gab es tausend Dinge, deswegen beschreibe ich nur eine Situation stellvertretend. Ein von mir erdachter Bösewicht sollte die Gruppe quälen und zum absoluten Antagonsiten werden. Hassenwert und gemein. Schließlich hat er sich aber völlig anders entwickelt. Im Laufe des Spiel gewann er immer mehr Facetten hinzu, ein Character aus meiner Gruppe beschäftigte sich sehr 145 intensiv mit ihm und so kamen nach und nach seine Motive und auch seine weichen Seiten zutage, denn kein Mensch ist NUR böse. Das ist einfach nicht möglich. Jeder noch so fiese Typ hat menschliche Seiten und diese brachte die Gruppe eben zum Klingen, so dass sich der Bösewicht schließlich bekehrte und zum Teil der Heldengruppe wurde. Er verliebte sich sogar! DAS hätte ich 150 garnicht planen können. 15. Würdest Du sagen, dass Dein Charakter ein Eigenleben hat? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erlebnisse! Mein Character bewegt sich fast autark von mir. Wenn ich meine Erlebnisse schildern wollen würde müsste ich einen Roman scheriben^^. Er trifft seine 155 Entscheidungen, sucht sich eine Kleidung selbst aus und hat einen bestimmten Geschmack was Essensgewohnheiten und Geschlechtsverkehr betrifft. Eigentlich alles! 16. Woher, glaubst Du, kommt dieses 'Eigenleben'? - Es entspringt der inneren Logik des Chars. Die Figur ist, wie jeder Mensch, 160 die Summe seienr Erfahrungen, Erinnerungen, Vorlieben und Abneigungen, Gefühle, Wünsche und so weiter. All das ergibt ein Personenprofil welches selbständig arbeitet und wirkt ohne dass ich groß eingreifen muss und will. 17. Wenn nein, was ist er dann? Als was würdest Du Deinen Avatar beschreiben? Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 437 ------------ 165 Sonstiges – Vorschläge, Anmerkungen, Ideen 18. Ich plane, auf der Basis dieses Fragebogens auch einen Fragebogen für ein 'Charakterinterview' zu entwickeln, um dessen 'Eigenleben' zu veranschaulichen, zu beschreiben und zu dokumentieren. Welche Fragen 170 könnten Deines Erachtens diesen Zweck erfüllen? Schreibe einfach auf, was Dir dazu einfällt. - Eben persönliches: Was isst du gern? Welche Musik magst du?.... - 19. Hast Du weitere Ideen für Fragen? Gibt es sonst noch Aspekte, die Du bei der 175 Thematik wichtig fändet, abzufragen? Bitte notiere Deine Ideen und Vorschläge! Hat sich Dein Charakter schon einmal anders verhalten oder entwickelt, als Du es geplant bzw. erwartet hast? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine 180 Erfahrungen! Und Würdest Du sagen, dass Dein Charakter ein Eigenleben hat? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erlebnisse! Sind einander sehr ähnlich. Vielleicht nochmal differenzieren. 185 Das wars! Und ich hoffe es war hilfreich! Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 438 10 Fragebogen Teilnehmer TF Das Eigenleben des Avatars problemzentriertes Interview per e-Mail Laura Flöter Universität Duisburg-Essen LauraFloeter@gmx.de 5 Hallo zusammen! Wie Du ja weißt, schreibe ich meine Doktorarbeit zum Thema phantastische (pen-andpaper-)Rollenspiele – der Spielercharakter, wegen der Neutralität des Begriffes bei mir einfach 'Avatar', ist dabei einer der wichtigsten Aspekte. Um seinen Status als 10 ästhetisches Produkt (aka 'Kunstwerk') zu bestimmen, untersuche ich u.a. sein 'Eigenleben', d.h. die Eigendynamik, die ein Charakter beim Spielen entfaltet. Vielleicht hast Du es selber schon erlebt: Dein (pen-and-paper-)Charakter entwickelt sich oder handelt ganz anders, als Du es eigentlich geplant hast. Ich versuche, dieses Phänomen zu beschreiben und dann zu analysieren. Grundlage sind natürlich 15 empirische Erhebungen – also die Erfahrungen der Spieler selbst. Meine Studie soll allerdings nicht repräsentativ sein – an diesem Punkt geht es für mich erst einmal darum, das Phänomen 'Eigenleben des Avatars' nachzuweisen und meine Ergebnisse daran zu veranschaulichen. Daher bitte ich Dich, diesen Fragebogen für mich auszufüllen – einfach in der Datei, 20 am besten andersfarbig – und bis zum 1. März 2012 an mich zurückzusenden. Die Daten werden natürlich anonym behandelt und dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Anonymisiere Deine Antworten einfach, indem Du nur den ersten Buchstaben Deines 25 Vornamens angibst. Und bitte antworte ausführlich – diese Daten sind Material für Grundlagenforschung. Je detaillierter die Antworten ausfallen, desto genauer kann das befragte Phänomen beschrieben werden, und desto höher ist die Qualität der Ergebnisse. Wenn Dir zu einer Frage nichts einfällt, lass sie einfach aus. Wenn Dir etwas unklar ist, kannst Du mir jederzeit eine e-Mail schreiben. Danke! 30 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 439 Das Eigenleben des Avatars – Fragen Zur Erschaffung und Funktion (D)eines Avatars 1. Woher nimmst Du die Ideen und Inspiration, einen Charakter zu erschaffen 35 und zu spielen? Meine Inspiration beziehe ich zumeist aus Filmen und Büchern. Aber auch Charakterkonzepte von anderen Spielern geben mir ab und zu eigene Ideen. Dabei handelt es sich dann aber nicht um Kopien. Ich verwende das dann höchstens als Anregung oder verwende einzelne kleine Aspekte. 40 2. Hast Du schon einmal einen Charakter erschaffen und dann doch bald wieder abgelegt? Wenn ja, bitte beschreibe, warum Du keine Freude am Spiel mit diesem Charakter hattest. Ja, es handelte sich dabei um einen Drow Magier, der zuerst als NSC verwendet 45 wurde und den ich dann noch auf zwei Veranstaltungen als SC weitergespielt habe. Eingestampft habe ich ihn dann, weil mir das Drow-Spiel an sich mit seinen Intrigen und allem was dazu gehört keinen Spass mehr gemacht hat. Ausserdem bin ich der Meinung, daß man eine Rolle, wenn man sie sich ausgesucht hat, auch konsequent spielen sollte, und das wäre mit dem Drow auf normalen 50 Veranstaltungen nicht möglich gewesen. 3. Welche Aspekte erscheinen Dir an (D)einem Charakter wichtig? Gewandung, Ausrüstung und die Persönlichkeit des Charakters, seine Fähigkeiten spielen (mittlerweile) nur noch eine untergeordnete Rolle. Wahrscheinlich, weil ich 55 verstanden habe dass mehr Fähigkeiten nicht unbedingt schöneres Spiel bedeuten. 4. Welcher Aspekt Deines Charakters ist Dir am wichtigsten – und warum? Am wichtigsten ist mir, dass die oben genannten Aspekte ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Zu diesem Zweck werden auch oder gerade im wahrsten Sinne des Wortes 60 suboptimale Gewandung und Ausrüstung ein Makel in der Persönlichkeit genutzt und akzeptiert. Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 440 Zur Beziehung von Spieler und Avatar 5. Welchen Zweck erfüllt Dein Charakter aus Deiner Sicht – ist er ein Instrument 65 im Spiel, oder erfüllt er einen Selbstzweck? Bitte beschreibe Deine Sicht! Sowohl als auch. Zum einen ist für mich natürlich der Charakter das Instrument, durch welches ich als Spieler am Spiel teilnehme, zum anderen erfüllt der Charakter natürlich auch eine Rolle im Spiel und eine Funktion innerhalb der Gruppe im Spiel. 70 6. Welche Bedeutung hat Dein Charakter für Dich persönlich? Ich identifiziere mich bis zu einem gewissen Masse mit meinem Charakter und freue mich mit ihm über positive Erlebnisse und leide mit ihm bei negativen Erlebnissen. 75 7. Ist der Tod eines Charakters für Dich schon einmal schmerzhaft gewesen? Wenn ja, warum – und wie bist Du damit umgegangen? Mir ist noch nie ein Charakter gestorben. 80 Zur Entwicklung des Avatars im und durch das Spiel 8. Hat Dein Charakter schon einmal eine größere Veränderung im Spiel erfahren, auf die Du keinen Einfluss hattest – wenn ja, wie hast Du das empfunden? Hat es Dich gestört, und wie bist Du damit umgegangen? Bis jetzt habe ich noch keine solche Veränderung erfahren, aber sollte das einmal 85 passieren, denke ich, dass es mich doch sehr stören würde, wenn das ohne vorherige Absprache mit mir passiert. 9. Wonach entscheidest Du generell, ob und wie ein Charakter sich verändert? Zum einen natürlich danach, wie ich mir im Vorfeld die Entwicklung meines 90 Charakters vorstelle, aber auch danach, was er im Spiel erlebt. Da mache ich mir dann auch oft Gedanke darüber, wie sich das Erlebte auch meinen Charakter mittel- und langfristig auswirkt. 10. Hast Du ein 'Ziel' für jeden Charakter? Wenn ja, wie bewegst Du ihn darauf 95 zu? Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 441 Ja. Ich versuche, im Spiel in Eigeninitiative aktiv auf diese Ziele hinzuarbeiten und versuche auch, sich bietende Gelegenheiten zu nutzen. Der Avatar – Alter Ego oder imaginäre Person? 100 11. Empfindest Du Deinen Charakter als von Dir unabhängige 'Person'? Ja und nein ;-) 12. Wenn ja: Inwiefern ist sie anders als Du? 13. Wenn nein: Inwiefern ist Dein Charakter von Dir abhängig – empfindest Du ihn als einen Teil von Dir? Wenn ja – welcher Teil könnte das sein? 105 Ich bin der Meinung dass die Fragen 12 und 13 zusammen beantwortet werden sollten. Zum einen sind meine Charaktere immer von mir als Person abhängig, weil sie alle auch ein oder mehrere Charakterzüge und Eigenschaften meiner Person haben. Nicht jeder Charakter die gleichen, aber es sind immer welche da. Auf der anderen Seite sind andere Aspekte jedes meiner Charaktere auch immer 110 grundverschieden von mir als Person. Zum Eigenleben (D)eines Avatars 14. Hat sich Dein Charakter schon einmal anders verhalten oder entwickelt, als Du es geplant bzw. erwartet hast? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine 115 Erfahrungen! Ja. Es passierte in einer Situation, als gerade eine gute Freundin des Charakters gestorben war. Ein umstehender Spieler äußerte eine abfällige Bemerkung. In dem Moment ist mein Charakter auf diesen Spieler losgegangen. In dieser Situation handelte rein der Charakter und nicht der Spieler. Das Spiel war vollkommen intuitiv 120 und in keinster Weise geplant. In dem Moment WAR ich im wahrsten Sinne des Wortes der Charakter. 15. Würdest Du sagen, dass Dein Charakter ein Eigenleben hat? Wenn ja, inwiefern? Bitte beschreibe Deine Erlebnisse! 125 In manchen Situationen ja. Siehe Antwort Frage 14 16. Woher, glaubst Du, kommt dieses 'Eigenleben'? Ich glaube, das passiert, wie weiter oben bereits beschrieben, wenn man so intensiv im Spiel ist, dass der Charakter eigenständig und ohne vom Spieler gelenkt zu werden handelt. 130 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 442 17. Wenn nein, was ist er dann? Als was würdest Du Deinen Avatar beschreiben? Sonstiges – Vorschläge, Anmerkungen, Ideen 18. Ich plane, auf der Basis dieses Fragebogens auch einen Fragebogen für ein 135 'Charakterinterview' zu entwickeln, um dessen 'Eigenleben' zu veranschaulichen, zu beschreiben und zu dokumentieren. Welche Fragen könnten Deines Erachtens diesen Zweck erfüllen? Schreibe einfach auf, was Dir dazu einfällt. Fragen zum „Werdegang“ und Lebenslauf des Charakters und zu seiner Motivation 140 und seinen Zielen. 19. Hast Du weitere Ideen für Fragen? Gibt es sonst noch Aspekte, die Du bei der Thematik wichtig fändet, abzufragen? Bitte notiere Deine Ideen und Vorschläge! Fragen, gerade im Bereich der PnP Charaktere nach der Visualisierung, ob ja oder nein 145 und wenn ja mit welchen Mitteln, wenn nein, warum nicht. Vielen Dank für Deine Teilnahme!!! 150 Anhang – Die ausgewerteten Fragebögen in alphabetischer Reihenfolge 443

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Zusammenfassung

Im Spektrum der zeitgenössischen Popkultur nimmt das Phantastische derzeit eine hervorgehobene Position ein. Die Popularität einschlägiger Literatur-, Film- oder Spiele-Formate legt davon Zeugnis ab. Auch in der Formierung entsprechender Fan-Szenen kommt die Faszination durch das Phantastische zum Ausdruck: Eine solche Zugehörigkeit ist nicht selten integral für das Identitätsgefühl von Szenegängern.

In diesem Zusammenhang sind szenekulturelle Artefakte von tragender Bedeutung. So beschreiben viele Spieler phantastischer Rollenspiele ihren Avatar als Aspekt ihrer Selbst – in ebenso großem Maße aber auch als ‚eigenständige‘ Persönlichkeit. Darin scheint ein hohes Maß an Gestaltungsfähigkeit und Imaginationsvermögen auf – entsprechend groß ist die emotionale Bedeutung der imaginären Spielfigur.

Ausgehend von einer Bestimmung des phantastischen Rollenspiels als ästhetische Praxis wird der Avatar als ästhetisch überformte Inszenierung von Identität begriffen. Eine empirische Erhebung veranschaulicht die theoretischen Hintergründe und akzentuiert den Bezug zur Szene-Kultur, innerhalb derer sich diese ästhetische Ausdrucksform artikuliert. Darin verdeutlicht sich zugleich, inwiefern und auf welche Weise das phantastische Rollenspiel seine Spieler befähigt, in der Komplexität unserer Lebensgegenwart ein funktionales Selbstverständnis zu gestalten.