Jürgen Wegmann

Der Wetzlarer Dom - Epitaphien und Grabplatten

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4142-0, ISBN online: 978-3-8288-7003-1, https://doi.org/10.5771/9783828870031

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Jürgen Wegmann Der Wetzlarer Dom – Epitaphien und Grabplatten Jürgen Wegmann Der Wetzlarer Dom – Epitaphien und Grabplatten Übersetzungen der Epitaphien und Grabplatten von der lateinischen in die deutsche Sprache von Karl Becker Tectum Verlag Jürgen Wegmann Der Wetzlarer Dom – Epitaphien und Grabplatten © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2018 eISBN 978-3-8288-7003-1 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4142-0 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlaggestaltung: Tectum Verlag, unter Verwendung von Fotografien von Herbert H. G. Wolf, Wetzlar Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnbdnb.d-nb.de abrufbar. Inhalt Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IX 1 . Grabplatten und Epitaphien als Ausdruck einer Trauerkultur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 2 . Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele . . . . . . . . . 5 2.1 Philosophie des Todes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 2.2 Der Umgang mit den Toten im Wechsel der Jahrhunderte . . . . 11 3 . Bedeutung der Epitaphien und Grabplatten im Spiegel der Jahrhunderte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 3.1 Wesen der Epitaphien und Grabplatten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 3.2. Inhalte der Epitaphien und Grabplatten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 3.3. Die geschichtliche Entwicklung der Epitaphien – dargestellt am Beispiel des Wetzlarer Doms . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 4 . Der Wetzlarer Dom – ein kurzer historischer Aufriss . . . 25 4.1 Die Zeit vor der Reformation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 4.2 Die Zeit nach der Reformation bis zum Ende des 18. Jahrhunderts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 5 . Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 6 . Rundweg zur Besichtigung der Epitaphien . . . . . . . . . . . . 53 7 . Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 7.1. Erläuterungen zur Dokumentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 7.2. Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten . . . 66 V Literaturverzeichnis: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259 Bücher und Aufsätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259 Internetquellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 260 Der Autor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263 VI Inhalt VII Abbildungsverzeichnis 1 Wetzlarer Dom und alte Lahnbrücke ....................................... 28/29 2 Standorte der Epitaphien im Rundweg ......................................... 55 3 Liste der Epitaphien, geordnet nach dem Rundweg ............... 56–61 4 Epitaph von Richolf Reige ............................................................. 68 5 Epitaph von Anselm Hun (Foto aus 1967) ..................................... 71 6 Epitaph von Anselm Hun ............................................................... 73 7 Epitaph von Johannes von der Kraen ........................................... 75 8 Epitaph von Cuno von Rückingen ................................................. 78 9 Rückseite des Epitaphs von Nycolas von der Krae (Foto aus 1982) .............................................................................. 80 10 Epitaph von Nycolas von der Krae ................................................ 81 11 Epitaph von den Eheleuten Ludwig und Pamelia Pussel .............. 85 12 Epitaph von Philip Bicken dem Älteren ......................................... 88 13 Epitaph von Heydenreich von Dernbach ...................................... 91 14 Epitaph von Lisa Stommel geb. Schutzbar genannt Milchling ...... 95 15 Epitaph von Philip von Bicken dem Jüngeren ............................... 97 16 Epitaph von Caspar Drekol.......................................................... 100 17 Giebel des Epitaphs von Johannes Klotz .................................... 103 18 Epitaph von Johannes Klotz ........................................................ 104 19 Epitaph von Dorothea Schwartz .................................................. 109 20 Epitaph von Philip Gwenden ....................................................... 114 21 Epitaph von Anna Elisabeth Gwenden ........................................ 117 22 Epitaph von Johannes Theis ....................................................... 119 23 Epitaph von Johannes Konrad Hertstein ..................................... 123 24 Epitaph von Jakob Hert ............................................................... 126 25 Epitaph von Johannes und Catharina Willems ............................ 131 26 Epitaph von Margareth und Johannes Hirshorn .......................... 133 27 Epitaph von Wilhelm und Anna Gertraud Cauly ......................... 136 28 Epitaph von H. Johannes Servatius Dietrich ............................... 141 29 Epitaph von Adam Quintin von Herberstein ............................... 143 30 Epitaph von Johann Georg Weller .............................................. 147 31 Epitaph von Johann Friedrich Pausch ......................................... 149 32 Epitaph von Erich Mauritius ......................................................... 154 33 Epitaph von Johann Friedrich Schultze ....................................... 160 34 Epitaph von Johannes Eichrodt ................................................... 163 VIII Der Wetzlarer Dom – eine ökumenische Besonderheit 35 Epitaph von Hulderich von Eyben ............................................... 165 36 Epitaph von Juliane Schlosser ..................................................... 169 37 Epitaph von Gotthard Johann Marquart und Anna Katharina Mohr ................................................................... 173 38 Epitaph von Anna Maria Eva Lieb ............................................... 176 39 Epitaph von Friedrich Schrag ...................................................... 180 40 Epitaph von Franz Richard ........................................................... 182 41 Epitaph von Wilhelmine Henrietta von Ludolf ............................ 185 42 Epitaph von Christoph Gottfried Freiherr von Geismar .............. 189 43 Epitaph von Maria Franziska von Heeser .................................... 193 44 Epitaph von Georg Ernst Winckler und Anna Elisabeth Winckler ....................................................................... 197 45 Epitaph von Joachim Georg von Plönnies .................................. 204 46 Epitaph von Maria Ursula Bonn ................................................... 206 47 Epitaph von Johann Melchior Cramer und Johann Arnold Heinrich Joseph von Clausbruch ........................ 210 48 Maria Anna Seraphina von Clausbruch ....................................... 211 49 Epitaph von Friedrich Kasimir von Gemmingen .......................... 215 50 Epitaph von Johann Christoph von Schmitz ................................ 220 51 Epitaph von Johann Stephan von Speckmann ............................ 222 52 Epitaph von Anton Gerlach von Schwartzenfels.......................... 225 53 Epitaph von Johann Franz Aegidius zu Schönbach und Maria Anna von Borie .................................................................. 232 54 Epitaph von Gerard Georg Wilhelm Franz Xaver Freiherr von Vogelius ................................................................... 236 55 Epitaph von Maria Margareta von Ortmann ................................ 239 56 Epitaph von Valentin Ferdinand Freiherr von Gudenus .............. 241 57 Epitaph von Heinrich Christoph und Auguste Christiane Elisabethe Rotberg ...................................................................... 245 58 Epitaph von Johann Peter von Ortmann ..................................... 250 59 Epitaph von Dorothee Charlotte und Heinrich Johann Vergenius .......................................................... 253 60 Epitaph von Elisabeth von Ruland ............................................... 256 Rechte: 1 thauwald-pictures, #105311512, www.fotolia.de | 2, 3 Jürgen Wegmann, Wetzlar | 5 Christa Benedum, Gießen | 9 Friedrich Karl Azzola, Trebur | 4, 6, 7, 8, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60 Herbert H. G. Wolf, Wetzlar Vorwort Betritt man den Wetzlarer Dom, so fallen dem Besucher sofort zahlreiche Gedenktafeln ins Auge, die in der gesamten Kirche verteilt sind. Auf den ersten Blick erscheint eine Systematik in der Anordnung nicht erkennbar. Aufwändig gestaltete Tafeln wechseln sich mit einfachen Texttafeln ab. Unterschiedlichste Materialien wie Rotsandstein, Lahnmarmor, Holz, Lavastein und Schalstein sind vertreten. Bei näherem Hinsehen kann man auf den Tafeln biblische Motive, Jahreszahlen, figürliche Darstellungen und Namen ausmachen. Die Platten im Dom werden als Gedenktafeln erkennbar. Sie umfassen eine Zeitspanne von rund vier Jahrhunderten und reichen von 1362 bis 1792. Während es sich bei mittelalterlichen Tafeln zum Teil um ursprüngliche Bodengrabplatten handelt, sind die Tafeln, die sich ab dem Ende des 17. Jahrhunderts datieren lassen, überwiegend Epitaphien. Bei Epitaphien handelt es sich um Gedenktafeln, die keinen räumlichen Bezug zum eigentlichen Standort des Grabes der Verstorbenen haben. Auch bei den im Wetzlarer Dom heute aufgestellten Grabplatten besteht kein Bezug mehr zur Begräbnisstätte. Insofern können wir heute vereinfachend bei allen 53 Gedenktafeln an den Innen- und Außenwänden des Wetzlarer Doms von Epitaphien sprechen. Alle Epitaphien dienen der Nachwelt als Erinnerung an die Verstorbenen. Sie repräsentieren eine Erinnerungskultur über die Jahrhunderte und zeigen uns den tiefen Glauben der Menschen in dieser Zeit. Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele, der im christlichen Abendland über 2000 Jahre alt ist, spiegelt sich in jeder der Gedenktafeln wider. Gleichzeitig zeigen sie aber auch eine Veränderung der Trauerkultur über die Jahrhunderte. Neben einer allgemeinen Beschreibung über die Bedeutung der Epitaphien seit dem 14. Jahrhundert enthält das Buch einen Dokumententeil, in dem jede der 53 Epitaphien im Detail aufgelistet und beschrieben wird. Neben einer bisher nicht vorhandenen vollständigen Bild dokumentation sind auch die 37 lateinischen Texte in ihrer Übersetzung an das heutige Sprachverständnis angepasst worden. IX Neben der Dokumentation sind alle 53 Epitaphien zu einem Rundweg im und um den Dom herum zusammengefasst. Neben der Auflistung nach dem Sterbejahr im Dokumententeil findet der Leser einen Weg, der ihm die Epitaphien und seine Personen sukzessive näherbringen. Die ausführliche Dokumentation ruht auf mehreren Schultern. Besonderen Dank schulde ich Karl Becker, der mit seinem umfassenden fachlichen und zeitlichen Engagement für jede Epitaphie eine zeitgemä- ße Übersetzung angefertigt und die Texte des Buches fachkundig lektoriert hat. Weiterhin hat Herbert H. G. Wolf die im Dokumententeil abgebildeten Epitaphien fotografiert und bearbeitet. Herr Karl-Heinz Zimmermann hat eine exakte Gesteinsbestimmung für jede Epitaphie vorgenommen. Lena Wegmann hat sich sehr akribisch den Texten gewidmet und für eine bessere Lesbarkeit gesorgt. Die Zusammenarbeit mit allen Unterstützern war für mich eine große Freude, da jeder sich außerordentlich für die Sache der Epitaphien engagiert hat. Danken möchte ich auch den beiden Pfarrern der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde, Björn Heymer und Peter Kollas, die mir jederzeit den Zugang zum Wetzlarer Dom ermöglichten. Wetzlar im Juli 2018 Jürgen Wegmann X Vorwort 1 1. Grabplatten und Epitaphien als Ausdruck einer Trauerkultur Der Wetzlarer Dom als eine der ältesten Simultankirchen Deutschlands zählt insgesamt 53 Grabplatten und Epitaphien. Die Zeitspanne der Platten reicht von 1362 bis 1792. Allen Platten gemeinsam ist das Gedenken an die Verstorbenen, die namentlich auf den Grabplatten und Epitaphien aufgeführt sind. Keine der Gedenkplatten befindet sich noch an ihrem historischen Standort. Durch umfangreiche Renovierungsarbeiten in der Zeit von der ersten Datierung einer Gedenkplatte aus dem Jahre 1362 bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts kam es immer wieder zu Verlagerungen der Grabplatten und Epitaphien. Daher kann man heute bei allen Gedenkplatten von Epitaphien sprechen. Epitaphien sind dadurch charakterisiert, dass sie losgelöst vom eigentlichen Grab des Verstorbenen einen separaten Platz zum Gedenken an diesen einnehmen. Bei näherer Betrachtung der Epitaphien kann man feststellen, dass es sich bei den Verstorbenen, denen man ein „Denkmal“ im Wetzlarer Dom gesetzt hat, unabhängig von dem Todesjahr, um Bürger der Stadt Wetzlar handelt, die zu Lebzeiten eine besondere Stellung in der Stadt einnahmen. So findet man z. B. Ritter, Geistliche katholischer und evangelischer Konfession, Assessoren, Prokuratoren des Reichskammergerichts sowie deren Angehörige. Das sogenannte „gemeine“ Volk der Bauern und Handwerker fand keinen Platz auf einem Epitaph im Wetzlarer Dom. Diesem Personenkreis blieb der vor dem Dom auf der Südseite gelegene Friedhof als Begräbnis- bzw. Gedenkstätte vorbehalten, der 1757 aufgegeben wurde. Auch ein Teil der heute im Wetzlarer Dom aufgestellten Epitaphien hatte ursprünglich seinen Standort als Grabplatte auf dem Friedhof an der Südseite des Doms. Ein besonderer Friedhof, der den Stiftsangehörigen vorbehalten blieb, lag auf der Nordseite des Doms. Auch dieser Friedhof wurde aufgegeben. Die Auswahl der heute noch erhaltenen 53 Epitaphien lässt keine nachvollziehbare Struktur erkennen. Offensichtlich hat man diejenigen Epitaphien aufgestellt, die noch vorhanden waren oder die man bei den umfangreichen Renovierungsarbeiten immer wieder gefunden hat. Eine größere Anzahl der Grabsteine vom Friedhof hat sicher auch den Weg in die Fundamente Wetzlarer Häuser gefunden. Auch die Platzierung entzieht sich einer erkennbaren Struktur. So sind das Sterbedatum und die gesellschaftliche Rolle des Verstorbenen kein Ordnungskriterium. Wenn sich die Verantwortlichen bei der heute vorzufindenden Platzierung etwas gedacht haben, so sind diese Überlegungen verloren gegangen. Wenn auch vereinzelt die Meinung vertreten wird, dass die Epitaphien des Wetzlarer Doms nicht von kunsthistorischer Bedeutung seien,1 so geben die zum Teil aufwändig gestalteten Bild- und Textdarstellungen ein sehr interessantes Zeugnis für eine Trauerkultur über rund 430 Jahren in Wetzlar. Dem Besucher des Wetzlarer Doms wird auffallen, dass eine Vielzahl der Epitaphien stark abgenutzt und somit im Textteil nur mit Schwierigkeiten lesbar ist. Darüber hinaus enthalten gerade die Epitaphien der Reichskammergerichtsangehörigen2 häufig umfangreiche Texte, die in lateinischer Sprache verfasst worden sind. Auch die Setzung der Texte auf dem Epitaph erscheint aus heutiger Sicht merkwürdig. So haben Steinmetze einzelne Wörter so auf den Epitaphien platziert, dass sie mitten im Wort auf unterschiedliche Zeilen zu lesen sind. Einige Epitaphien aus der Zeit des Reichskammergerichts sind auch nicht frei von Rechtschreibfehlern. Offensichtlich waren die Steinmetze nicht immer der lateinischen Sprache mächtig. Gemeinsam ist allen Epitaphien, dass sie ein Ausdruck für eine individuelle Trauerkultur sind. Die 53 Epitaphien geben einen guten Einblick über die Entwicklung einer Trauerkultur durch rund vier Jahrhunderte. Gleichwohl ist einschränkend darauf hinzuweisen, dass man 1 Stellvertretend für diese Meinung: vgl. O. Peter: Kunstwerke aus fünf Jahrhunderten, Wetzlar 1999, S. 39. 2 Vgl. dazu auch J. Wegmann: Der Wetzlarer Dom – ein Haus für zwei Konfessionen, Baden-Baden 2017, S. 67–78. 2 Grabplatten und Epitaphien als Ausdruck einer Trauerkultur durch die Epitaphien nur eine Sichtweise auf privilegierte Bürger bekommt. Die Platzierung der Grabplatten oder Epitaphien im Wetzlarer Dom war ausschließlich der oberen Bürgerschicht vorbehalten. Es war auch, und dies kann man gut an den Epitaphien der Reichskammergerichtsangehörigen festmachen, eine Frage des Geldes. Die oftmals sehr aufwändig gestalteten Epitaphien konnten sich nur eine geringe Zahl von wohlhabenden Wetzlarer Bürger leisten. Unabhängig von dem Wohlstand der Verstorbenen eint sie doch der gemeinsame Glaube an eine Existenz der Seele nach dem Tod. Fast alle Epitaphien geben Zeugnis für eine tiefe Frömmigkeit. Die von Gloël3 auch als „schwülstige“ Texte auf den Epitaphien der Reichskammergerichtsangehörigen bezeichneten umfangreichen Angaben über die bzw. den Verstorbene(n) lassen erkennen, dass die Auftraggeber der Epitaphien den Verstorbenen einen Weg in das Jenseits durch die Nennung bedeutender Verdienste zu Lebzeiten sichern wollte. Diese Form der Trauerkultur reicht weit in die Vergangenheit zurück. So lassen sich die Überlegungen über eine Unsterblichkeit der Seele für das christliche Abendland bis zu den antiken Griechen zurückverfolgen. Um zu verstehen, wie die Angehörigen die Verstorbenen auf den Epitaphien des Wetzlarer Doms in Erinnerung halten wollten, ist daher ein kleiner historischer Streifzug über die Entwicklung des Glaubens an die Unsterblichkeit der Seele hilfreich. 3 Vgl. H. Gloël: Die alten Wetzlarer Grabsteine und Epitaphien, Wetzlar 1925. 3 Grabplatten und Epitaphien als Ausdruck einer Trauerkultur 5 2. Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele 2.1 Philosophie des Todes Die Frage, die die Menschheit seit Tausenden von Jahren umtreibt ist zugleich die Suche nach einer menschlichen Seele: Ist der Tod das endgültige Ende der menschlichen Existenz oder gibt es etwas, was nach dem Tod noch weiter existiert? Existiert etwas, was unser irdisches Dasein in körperloser Form unsterblich macht. In der Philosophie der griechischen Antike stehen sich zwei konträre Positionen gegenüber: die dualistische und die monistische Anthropologie. Bei der dualistischen Sichtweise, die erstmals von Sokrates vertreten wurde, ist der Mensch eine Verbindung aus zwei Substanzen; zum einen der menschliche Organismus, die körperliche Substanz, und zum anderen die immaterielle Substanz, die Seele. Epikur vertritt die gegenteilige Auffassung. Nach seiner Sichtweise endet das Leben des Menschen vollständig mit dem endgültigen Ausfall der körperlichen Funktionen.4 Der Tod betrifft uns nicht. Wenn wir noch am Leben sind, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod kommt, sind wir nicht mehr am Leben. Die Philosophie versucht seit über 2000 Jahren hierauf eine Antwort zu geben. Die Bandbreite der Antworten reicht von der philosophischen Begründung für die Unsterblichkeit der Seele bis zur völligen Ablehnung einer weiteren körperlosen Existenz nach dem Tod. Erstmals in der antiken griechischsprachigen Überlieferung begegnete uns ein Nachdenken über die Unsterblichkeit der Seele. Noch weiter zurück reichen die ersten Zeugnisse der Auseinandersetzung mit dem Tod, z. B. durch Grabbeigaben, und einem möglichen Weiterleben im Jenseits. Paläontologen schließen aus dem Fund von Ganzkörper- 4 Vgl. H. Wittwer (Hrsg.): Der Tod, Stuttgart 2014, S. 11. bestattungen um 30.000 v. Chr. dass bereits in dieser Zeit Jenseitsvorstellungen existierten.5 Die Bestattung des ganzen Körper war für ein Weiterleben im Jenseits unabdingbare Voraussetzung. Sie war zudem in dieser Zeit nur für privilegierte Personen üblich. Darauf weisen kostbare Beigaben in den Gräbern hin, die man gefunden hat. Auch der Totenkult der Ägypter fasziniert noch heute. Die zahlreichen Funde mumifizierter Leichname geben Zeugnis für einen sehr aktiven Totenkult und die Vorstellungen über ein Leben über den Tod hinaus. Der Weg zum ewigen Leben war allerdings nicht einfach. Die gefährliche Reise durch die Unterwelt musste zunächst bewältigt werden, bis man vor dem Totengericht des Osiris stand. Vor diesem Gericht musste der Verstorbene überzeugend darlegen, dass er ein rechtschaffenes Leben geführt hat. Wenn die Anhörung vor dem Totengericht nicht erfolgreich verlief, kam der Tote in die Verdammnis, wo er gepeinigt und gefoltert wurde. Wurde die Prüfung vor Osiris erfolgreich bestanden, so konnte der Tote sein ewiges Leben im Jenseits weiter führen. Die Toten waren dann ihren Göttern nahe. Das Jenseits war eine Sphäre des ewigen Lebens.6 Eine weitere Quelle für Trauervorgänge und Trauerverarbeitung ist in dem ca. 2800 v. Chr. entstandenen Gilgamesch-Epos aufgeführt. Gilgamesch war ein Herrscher im heutigen Irak, dem damaligen Sumer. Er trat gegenüber seinen Untertanen äu- ßerst brutal auf. Man überlegte, und dies war eine Besonderheit, wie man dem Herrscher helfen könnte. Niemand dachte an Rebellion gegenüber dem Tyrannen. Man kam zu dem Schluss, der Herrscher brauche einen Freund. Auf der Suche nach einem Freund stieß man auf Enkidu, der seit Jahren im Wald ein Einsiedlerleben führte. Mit einer List schaffte man es, dass Gilgamesch Enkidu kennen und schätzen lernt. Beide bestanden zusammen zahlreiche Abenteuer. Beim letzten Abenteuer starb Enkidu. Gilgamesch war traurig und verstört über den Tod seines Freundes. Er hatte große Angst vor dem eigenen Tod und suchte nach einem Kraut, dass ihm das ewige Leben sichern sollte. Ein alter weiser Mann riet ihm, sich täglich am Leben zu erfreuen, da das ewige Leben ausschließlich den Göttern vorbehalten sei. Die Lösung bestand 5 Vgl. H. Ullrich: Totenriten und Bestattung im Paläolithikum, in: F. Horst, H. Keiling (Hrsg.): Bestattungswesen und Totenkultur in ur- und frühgeschichtlicher Zeit, Berlin 1991, S. 23–34, hier S. 25. 6 Vgl. J. Assmann: Tod und Jenseits im Alten Ägypten, München 2001. 6 Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele somit in einem hedonistischen Leben im Diesseits, da der Weg ins Jenseits für Sterbliche verschlossen blieb.7 Bei Homer stellt sich in seiner Ilias, einer Beschreibung des Trojanischen Krieges, das Schattenreich des Todes so bedrückend dar, das der griechische Held des Trojanischen Krieges, Achill, lieber lebendiger Feldarbeiter wäre als toter Held. Der Tod ist das Ende des körperlichen Lebens. Über diese Aussage herrscht Einigkeit in allen Religionen, unabhängig davon, ob sie an die Seelenwanderung, an die Unterwelt als das Reich der Toten oder an die Auferstehung glauben.8 Weiter Einigkeit herrscht darüber, dass der körperliche Tod unumkehrbar ist. In den meisten Kulturen wurde und wird der Tod nicht als das Ende des Daseins verstanden. Der Tod wird als Übergang zu einer anderen Form der Existenz begriffen. Im Christentum ist der Tod nur das vorläufige Ende des Lebens. Die noch heute offizielle katholische Lehre geht davon aus, dass am Tag des Jüngsten Gerichts alle Gläubigen auferstehen werden. Unterschiede zu der evangelischen Lehre bestehen nur in der Abfolge des Übergangs zur Wiederauferstehung. So gibt es bei den evangelischen Christen kein Fegefeuer. Im Ergebnis lehren beide Konfessionen, dass sich am Tage der Auferstehung die Jenseitsvorstellungen der Gläubigen im ewigen Leben widerspiegeln werden. Es bleibt allerdings der Zweifel für viele Menschen: Was geschieht mit mir in der Zeit von meinem Tod bis zur Auferstehung? So verwundert es nicht, wenn die Philosophie die grundsätzliche Frage nach dem Wert der Sterblichkeit diskutiert. Wie lässt sich in einem Gedankenspiel ein unendliches, unsterbliches Leben gestalten oder ist die Sterblichkeit eine notwendige Bedingung für ein attraktives menschliches Leben? Literarisch wurde diese Frage durch zwei bekannte Autoren im letzten Jahrhundert bearbeitet. Simone de Beauvoir beschreibt in ihrem Roman „Alle Menschen sind sterblich“9, die Geschichte von Raimondo Fosca, der im 13. Jahrhundert durch einen Trank seine Unsterblichkeit erlangte. Fosca bleibt über die Jahrhunderte hindurch unsterblich. Eindrucksvoll wird diese erlangte Unsterblichkeit als Fluch beschrieben. 7 Vgl. A. Langenmayr: Trauer und Trauerverarbeitung aus psychologischer Sicht, in M. Herzog (Hrsg.): Totengedenken und Trauerkultur, Stuttgart 2001, S. 23– 40, hier S. 24 f. 8 Vgl. H. Wittwer, a. a. O., 2014, S. 9. 9 Vgl. S. de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich, 42. Auflage, Hamburg 2017. 7 Philosophie des Todes Er verliert seine Frauen, seine Kinder und all jene, die ihn immer nur eine Zeitspanne des Lebens begleiteten; nur er muss ständig weiterleben. Fosca resigniert an seiner Unsterblichkeit. Mehrere Rollen, die er über sechs Jahrhunderte ausfüllt, bringen keine Erlösung. Über diese Jahrhunderte reift die Erkenntnis, dass die Sehnsüchte wie auch die Hoffnungen der Menschen unerfüllbar sind. Gleichwohl bringt seine Ewigkeit, die die Gnade des Todes nicht kennt, bei ihm die Erkenntnis, dass die Sterblichen ihr vergängliches Leben mit Sinn zu füllen haben. Jorge Luis Borges10, erzählt ebenfalls eine Geschichte über einen Unsterblichen und seine Resignation über die Situation nicht sterblich zu sein. Während de Beauvoir ihren Fosca alleine als Unsterblichen unter all den Sterblichen lässt, zeigt Borges die Problematik der Unsterblichkeit am Beispiel der Bewohner einer ganzen Stadt auf. Die Erzählung spielt zur Zeit der Herrschaft des römischen Kaisers Diokletian (284– 312 n. Chr.). Der Legionär Marcus Flaminius Rufus war auf der Suche nach der Stadt der Unsterblichen. Als er sie gefunden hatte, fand er auch den Fluss in dem das Wasser für die Unsterblichkeit floss. Er trank von dem Wasser und erlangte Unsterblichkeit. Rufus stellte mit Erstaunen fest, dass die Bewohner vor der Mauer der Stadt wie die Tiere dahinvegetierten und keiner Sprache mächtig waren. Die unsterblichen Bewohner dämmerten untätig vor sich hin, zeigten kein Interesse an ihrer Umwelt oder ihren Gefährten. Borges lässt Homer in seiner Erzählung als einen der Unsterblichen auftreten. Dieser erzählt Rufus, dass die unsterblichen Bewohner zu der Einsicht gelangt seien, dass es sich nicht lohne bei der unendlich zur Verfügung stehenden Zeit für irgendetwas tätig zu sein. Dem Leiden einer ständigen Wiederholung können die Bewohner nur durch Flucht in den halb bewusstlosen Dämmerzustand entkommen. Beide Geschichten zeigen die Unmöglichkeit eines erfüllten Lebens in der Unsterblichkeit auf. Die Endlichkeit des Lebens ist ein Segen für jedes menschliche Leben.11 Der alte Traum der Unsterblichkeit ist ein Wunsch, an dem niemand festhalten kann, wenn er sich die Folgen dieses Schritts im Detail vor Augen führt. Wenn unser Leben nicht end- 10 Vgl. J. L. Borges: Der Unsterbliche, in: Das Aleph, 10. Auflage, Frankfurt 2014, S. 11–28. 11 Vgl. M. Kreuels: Über den vermeintlichen Wert der Sterblichkeit, Berlin 2015, S. 13. 8 Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele lich wäre, dann wär all unser Tun und Handeln bedeutungslos.12 Unser Tod ist die Begründung für die Existenz einer jeden Religion. Erst diese Erkenntnis führt dazu, dass für die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens der Moment kommt, wo sie sich mit der Frage des Todes auseinandersetzen. Die Anlässe für eine solche Befassung mit dem eigenen Tod kann der Tod eines geliebten Menschen sein, der zum Nachdenken über die eigene Sterblichkeit anregt. Aber auch eine Krankheit oder ein runder Geburtstag in fortgeschrittenem Alter kann dazu führen, dass man sein Leben bilanziert und sich damit befasst, wie man die knapper werdende Zeit verbringen möchte. Für viele Menschen existiert offensichtlich ein starkes Bedürfnis, an einer Fortexistenz nach dem körperlichen Tod zu glauben.13 Sehr eindrucksvoll wird dieser Sachverhalt von den antiken Philosophen Platon und Sokrates erläutert. Platon ein Schüler des Sokrates hat die Argumente für die Existenz der Seele in seinem Werk Phaidon14 niedergeschrieben. Hierin schildert er den Abend vor dem Tod seines Lehrers Sokrates, der zum Tode durch den Schierlingsbecher verurteilt wurde. Diese Form der Hinrichtung durch Trinken eines Saftes aus dem gefleckten Schierling, war im antiken Griechenland eine übliche Strafe. Sokrates, der selbst keine Schriften der Nachwelt hinterlassen hatte, versammelte am Abend vor seinem Tod seine Schüler, unter anderem auch Phaidon, um im Angesicht seines eigenen Todes die Existenz einer Seele philosophisch zu begründen. Ihm ging es um die Beschaffenheit der Seele, ihre Abgrenzung zum Körper und um ihr Schicksal nach dem Tod. Er betrachtete die individuelle Seele eines jeden Menschen als unzerstörbar und sah in ihr den Träger der Kenntnisse, Fähigkeiten und Erinnerungen des Menschen. Beim Tod trennt sich die Seele vom Körper. Es bestehe kein Grund zur Todesfurcht, denn der Tod bedeutet nur Zerstörung des jeweiligen Körpers, die Person aber ist die Seele, die immer intakt erhalten bleibt. Die Überzeugung Sokrates war es, dass das Schicksal der Seele nach dem Tod von ihrem Verhalten während des Lebens abhänge. Hierbei sei eine philosophische Lebensführung die op- 12 Vgl. H. Wittwer: Risiken und Nebenwirkungen der Lebensverlängerung, in: H. J. Höhn (Hrsg.): Welt ohne Tod – Hoffnung oder Schreckensvision, Hannover 2003, S. 19–58, hier: S. 34. 13 Vgl. H. Wittwer (Hrsg.): Philosophie des Todes, Stuttgart 2009, S. 14. 14 Vgl. Platon: Phaidon, in: H. Wittwer (Hrsg.): Der Tod, a. a. O., 2014, S. 31–55. 9 Philosophie des Todes timale Lebensform. Diese Sichtweise war der Grund zu einer gelassenen Haltung und einem heiteren, unbeschwerten Sterben. Der von Platon niedergeschriebene Dialog zwischen Sokrates und seinen Schülern wirkt von der Antike bis heute nach und beeinflusst auch die theologische Diskussion über eine mögliche individuelle Fortexistenz nach dem Tod. Bis zum frühen Mittelalter galt der Tod im christlichen Abendland als ein Übergang in eine bessere Welt. Begründet wurde diese mit dem Glauben der christlichen Auferstehung, die einen öffentlichen Umgang mit dem Sterben und dem Tod förderte. Anders als die heutige Befassung mit dem Tod, die das Sterben und den Tod an den Rand des öffentlichen Bewusstseins drängt, wurde früher im Beisein der Familie, der Freunde und der Nachbarn gestorben. Aufgrund der Katastrophen des Spätmittelalters, die sich in Kriegen, Hungersnöten und Seuchen ausdrückten, änderte sich die Sichtweise auf den Tod. Nunmehr wurde die Vorbereitung auf das eigene Sterben und den Tod als äußerst dringlich angesehen. Es entwickelte sich eine „Kunst des Sterbens“ (ars moriendi). Eine gute christliche Vorbereitung des Lebens im Hinblick darauf, dieses Leben gut abzuschließen, prägte das spätmittelalterliche Leben. Der Tod wurde nicht mehr als das natürliche Ende gesehen, sondern als unerwartet und schnell eintretend betrachtet. Der Tod wurde, insbesondere nach dem Dreißigjährigen Krieg, zum Schauspiel. Dies drückte sich in Trauergebräuchen, Trauerbekleidung und einem in vielen Ausprägungen auftretenden Gedenken aus. Zahlreiche Gedenktafeln, Denkmäler, aufwändig gestaltete Gräber, Grabplatten und Epitaphien geben ein Zeugnis dafür ab. 10 Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele 2.2 Der Umgang mit den Toten im Wechsel der Jahrhunderte Der Umgang mit den Toten änderte sich seit der christlichen Zeitrechnung. Obwohl die Menschen eine Vertrautheit mit dem Tod hatten, hielten sie die Toten abseits. Die Toten wurden außerhalb der Städte bestattet. Das Aufkommen des Märtyrertums im 3. Jahrhundert sowie der Volksglaube, dass man nur am Jüngsten Tag auferstehen werde, wenn man ein angemessenes und unversehrtes Grab erhalte, änderte die Einstellung zum Tod und zu seinen Ausdrucksformen. Eine möglichst räumliche Nähe des eigenen Bestattungsortes zu den Reliquien von Märtyrern sollte die Wiederauferstehung am Jüngsten Tag absichern. Märtyrer wurden als Heilige angesehen, die einen Platz im Himmel sicher hatten. Ausdruck fand diese enge Verbindung auch auf den Grabinschriften, so z. B. „… dessen Gebeine in diesem Grabe ruhn, hat das Verdienst erworben, den Gräbern der Heiligen nahe zu sein …“ oder „Unter dem Schutz der Märtyrer muß man die ewige Ruhe suchen; der sehr Heilige Vincent und die Heiligen, seine Gefährten und ihm Ebenbürtigen, wachen über diesen Platz und verbannen die Finsternisse, indem sie den Schimmer des wahren Lichts verbreiten.“15Diese im 6. Jahrhundert auftretende Form der Bestattung lag räumlich aber immer noch vor den Toren der Städte. Über den Gräbern der Märtyrer wurden kleinere Kapellen errichtet. Verwaltet wurden diese Grabstätten meist von Ordensgemeinschaften, die auch die immer größer werdenden Pilgerscharen betreuten. Neben den Friedhofskapellen wurden zunehmend auch Kirchen innerhalb der Stadtmauern erbaut. Diese unterschieden sich allerdings dadurch, dass sich in den Kirchen zunächst keine Gräber befanden. Umgekehrt wurden die Friedhofskapellen von Toten geradezu überschwemmt.16 Die Dualität zwischen Friedhofskapelle und Kirchen im Zentrum führte zu einer Änderung der Bestattungskultur seit der Antike. Das alte Bestattungsverbot innerhalb der Stadtmauern und die Angst, die die Toten ausgelöst hatten, existierte nicht mehr. Etwa zu Beginn des 15 P. Arie’s. Geschichte des Todes, 13. Auflage, München 2015, S. 48. 16 Vgl. ebenda, S. 50. 11 Der Umgang mit den Toten im Wechsel der Jahrhunderte 7. Jahrhunderts lässt sich diese Veränderung feststellen.17 Die Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern wurden aufgegeben. Sie verfielen und wucherten zu. Gelegentliche Wiederbenutzung in Zeiten der Pestepidemien änderte nichts an dem grundsätzlichen Wandel. Die außerhalb der Stadtmauern liegenden Friedhöfe wurden durch Grabstellen ersetzt, die räumlich direkt neben den innerstädtischen Kirchen lagen. Allerdings galt bis weit in die Neuzeit hinein, dass namentlich identifizierbare Totenruhestätten im Einzelgrab nur für Angehörige der Mittelund Oberschicht, Sammelgräber indes für die Armen die Regel waren. Eine Grabstätte in der Kirche war für die Armen undenkbar. Die Bestattung der Toten im Umfeld der Reliquien der Heiligen und die über diesen Reliquien errichteten Kirchen wurden zu einem Spezifikum der christlichen Zivilisation. Begräbnisstätten vor und in den Kirchen waren Orte, die auf geweihtem und heiligem Grund die Gebete für die Seelen der Verstorbenen aufnahmen. Im Mittelalter festigte sich weiter die Vorstellung, dass die Gebete der Lebenden für die Toten umso wirksamer seien, je näher sie an dem Grabe des Märtyrers gesprochen würden.18 Gleichwohl gab es immer noch einen Zwiespalt zwischen dem Kirchenrecht und der Alltagspraxis. Die Konzilien haben jahrhundertelang eine strikte Trennung zwischen dem Innenraum und dem geweihten Raum im Umkreis der Kirche vorgeschrieben. Die Gläubigen hatten ihre Grablegungen außerhalb der Kirche vorzunehmen. Ausschließlich Priester, Bischöfe, Mönche und privilegierte Laien durften ihre letzte Ruhestätte im Kircheninnenraum finden. Dieses Verbot der Bestattung in Kirchen für Nicht-Kleriker wurde im Laufe der Jahrhunderte sukzessive aufgehoben. Anfangs versuchte man noch den Chorraum von Bestattungen freizuhalten: „Kein Leichnam darf in der Nähe des Altars bestattet werden, wo der Leib und das Blut des Herrn bereitet oder dargeboten werden, es sei denn die Leiber der Heiligen Väter.“19 Diese kirchenrechtlich geforderte Trennung wurde aber nicht stringent eingehalten. Privilegien der Macht, des Reichtums und des Geldes trugen dazu bei, dass man bis zum 18. Jahrhundert Grabstätten von Nicht-Klerikern auch in den Kircheninnenräumen zuließ. Kirchen waren teilweise mit Grabstätten „zugepflastert“. 17 Vgl. P. Arie’s, a. a. O., S. 52. 18 Vgl. ebenda, S. 58. 19 Ebenda, S. 64. 12 Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele Der mangelnde Platz in Kirchen und auf den Friedhöfen führte um das 14. Jahrhundert dazu, dass man die mehr oder minder ausgebleichten Gebeine aus den Gräbern entnahm, um Platz für neue zu schaffen. Die Gebeine wurden in den Kellern, den Dachstühlen, den Galerien der Kirchen aber auch in speziell errichteten Gebeinhäusern, sog. Ossuarien, aufgebahrt. Eine spezielle Bestattungspraxis wurde für die Personen eingeführt, die sich eine Bestattung in den Kirchen bzw. in den Beinhäusern nicht leisten konnten. In Gemeinschaftsgräbern wurden bis zu 1000 Leichname bestattet. Diese Gemeinschaftsgräber blieben geöffnet und wurden erst bei Erreichen der Kapazität notdürftig mit Erde geschlossen. Häufig wurde dann direkt daneben das nächste Gemeinschaftsgrab ausgehoben. Solche Gemeinschaftsgräber waren nicht allein den Pestepidemien oder Hungersnöten geschuldet, sondern lange Zeit geübte Bestattungspraxis für die ärmere Bevölkerung. Einen bildhaften Ausdruck über die unterschiedlichen Bestattungsrituale zeigen auch die Epitaphien und Grabplatten des Wetzlarer Doms. Die beiden auf der Süd- und Nordseite befindlichen Friedhöfe wurden Mitte des 18. Jahrhunderts aufgegeben. Ebenso verlor die Michaelskapelle ihre Bedeutung als Beinhaus. Was geblieben ist, sind die 53 Epitaphien und Grabplatten, die heute das Innere des Wetzlarer Doms schmücken. 13 Der Umgang mit den Toten im Wechsel der Jahrhunderte 15 3. Bedeutung der Epitaphien und Grabplatten im Spiegel der Jahrhunderte 3.1 Wesen der Epitaphien und Grabplatten Während bei den Grabdenkmälern und Grabplatten der Ober- und Mittelschicht bereits im frühen Mittelalter kunstvolle Erinnerungsstätten geschaffen wurden, kamen Epitaphien erst Anfang des 14. Jahrhunderts im Bürgertum mittelalterlicher Städte auf. Der Begriff „Epitaph“ ist griechischen Ursprungs und bedeutet „zum Grab bzw. Begräbnis gehörig“. Epitaphien wurden zumeist in Stein gefertigt und in der Regel in der Kirche aufgehängt. Als Textsprache wurde überwiegend Latein verwendet. Gelegentlich setzte sich aber auch die Volkssprache im deutschen Raum durch. Die Gestaltung der Epitaphien war sehr vielschichtig. Prunkvolle Gedenktafeln wurden neben schlichten Epitaphien platziert. In den meisten Fällen handelt es sich um Unikate. Wenn sich auch durch die Jahrhunderte unterschiedlich aufwändige Gestaltungen unterscheiden lassen, so spiegeln sich einzelne Zeitabschnitte in einer gewissen Einheitlichkeit der optischen Gestaltung in den Epitaphien wider. In der gesellschaftlichen Stellung des Verstorbenen drückte sich früher auch die jeweilige Platzierung aus. So war dem Klerus der Chorbereich vorbehalten. Gegen eine hohe Gebühr konnte sich ein kleiner Kreis von Adligen und wohlhabenden Bürgern einen Platz im Innenraum der Kirche sichern. Die Preise für die Platzierung der Adligen und wohlhabenden Bürger waren zum Teil gestaffelt. Je näher die Platzierung an den Chorbereich heranreichte, umso höher fiel die Gebühr aus. Epitaphien verblieben im Besitz der jeweiligen Familie und waren nur der Obhut der Kirche übergebene Objekte. Die heutige Anbringung der Epitaphien in den Kirchen ist in den meisten Fällen nicht mehr der ursprüngliche Standort. Eine direkte Verbindung zu den dazugehörigen Grabstellen ist somit nicht mehr möglich. Ebenso verhält es sich mit den Grabplatten, die heute auch keinen direkten Bezug mehr zu der historischen Grabstätte haben. Zerstörungen, Renovierungen und Neugestaltungen der Kircheninnenräume über Jahrhunderte hinweg, lassen meist keine Bezüge mehr zur Grabstätte zu. Zum Teil ist aber auf den ehemaligen Grabplatten noch erkennbar, dass diese in früheren Zeiten im Boden eingelassen waren. Die massiven Abnutzungen der Schriften und bildlichen Motive zeugen von den Gebrauchsspuren durch Fußspuren zahlreicher Gottesdienstbesucher. Durch den direkten Verlust des Bezugs zur ursprünglichen Grabstätte lassen sich auch diese Grabplatten heute als Epitaphien einordnen. Allerdings ist bei der Interpretation der Texte, Wappen und Bildmotive immer darauf zu achten, dass es sich ursprünglich um eine Grabplatte handelte. Durch die räumliche Trennung von der eigentlichen Begräbnisstätte nahmen die Epitaphien den Charakter von „Ersatzgrabmälern“ an. Epitaphien wurden in den Kirchen angebracht und waren aufgrund eines so exponierten Standortes ausschließlich der Ober- und Mittelschicht vorbehalten. Ihre Präsenz in den Kirchenräumen verschaffte den Epitaphien eine tiefe Verbundenheit bei den öffentlichen Gottesdiensten. Die Gläubigen feierten ihre Gottesdienste umgeben von den sichtbaren Erinnerungstafeln der Toten. Die Menschen sahen darin eine Verbundenheit mit der Gemeinschaft der Heiligen und der Gläubigen. Diejenigen, an die man sich erinnerte waren so auch nach ihrem Tod nicht dem Vergessen ausgesetzt.20 Zeichen der Erinnerung gaben den Familien die Möglichkeit, der Verstorbenen zu gedenken. Gleichzeitig bekam die Öffentlichkeit die Gelegenheit, für die Toten zu beten. Sie standen stellvertretend für ein Gedenken an alle Toten. Die Gestaltung der Erinnerung und auch die Absichten, die damit verbunden waren, haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Epitaphien, die im 14. Jahrhundert beim Bürgertum mittelalterlicher Städte auftraten, boten einen großen Spielraum für eine sehr individuelle 20 Vgl. C. Berger-Zell: Abwesend und doch präsent, Wandlungen der Trauerkultur in Deutschland, Göttingen 2013, S. 132. 16 Bedeutung der Epitaphien und Grabplatten im Spiegel der Jahrhunderte Gestaltung als Erinnerung an den Toten. An den Inhalten der Epitaphien lassen sich deutlich die Veränderung des Glaubens und die Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft in den Jahrhunderten erkennen. Vor der Reformation herrschten biblische Motive vor. Der Verstorbene war Teil des religiösen Bildes. Mit der Reformation änderte sich dies. Das Porträt des Verstorbenen war nicht mehr Teil des religiösen Bildes. Das Leben des Verstorbenen wurde zum Teil umfangreich mit Wort und Bild kunstvoll in ein religiöses Leben eingebunden. Das Ziel von protestantischen Epitaphien war es, den Betrachter zu trösten, ihn zu ermahnen und ihn in seinem Glauben zu stärken. Ein Epitaph sollte Bekenntnis ablegen, dass Christus auferstanden war und damit eine Gnade bewirkte, die ein ruhmvolles Totengedenken für den Betrachter darstellte. Die soziale Repräsentation des Verstorbenen in einem Kircheninnenraum schuf ein Gedenken an den Verstorbenen, dass zeitlich über seinen Tod hinausging. Die protestantische Betrachtung stellte die Leistungen des Verstorbenen zu seinen Lebzeiten in den Vordergrund und schaffte somit Trost für die Hinterbliebenen. Die katholische Betrachtung stellte hingegen die Sorge um das Seelenheil in den Mittelpunkt. Gegen Ende des späten 17. Jahrhunderts steht die Person der Verstorbenen im Mittelpunkt des Epitaphs. Biblische Bilder fehlen, eine personenbezogene Darstellung rückt in den Mittelpunkt. Emotionalität, Beziehungen, Trauer, Lobpreisungen, die Gelehrsamkeit und die Bildung des Verstorbenen werden zum Teil in „schwülstigen“ Texten auf dem Epitaph aufgeführt. Die Verbreitung des Rufes von den Taten des Verstorbenen zeigen starke Anlehnungen an antike Texte.21 Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts dauerte diese Form des Gedenkens an die Verstorbenen an. Danach erfolgte ein Umdenken in der Form des Gedenkens an die Verstorbenen. Sie gehörten nicht mehr, wie seit dem Mittelalter, zur sozialen Gemeinschaft mit den Lebenden und den Toten. Man lagerte das Totengedenken auf die häufig am Rande der Stadt befindlichen Friedhöfe aus. 21 Vgl. C. Berger-Zell, a. a. O., S. 133–136. 17 Wesen der Epitaphien und Grabplatten 3.2. Inhalte der Epitaphien und Grabplatten Epitaphien und auch Grabplatten verzeichneten bis zum 14. Jahrhundert zumeist eine Identitätsangabe über den Verstorbenen, also den Namen, seine gesellschaftliche Stellung und das Todesdatum. Das Geburtsjahr bzw. das Alter findet man bei Epitaphien aus dieser Zeit kaum. Bei späteren Epitaphien und Grabplatten wurde dann ein an Gott gerichtetes Gebet für die Seele des Verstorbenen aufgenommen. Solche Gebete waren anonym an die Kirche gerichtet, ohne jemanden direkt anzusprechen. Dies änderte sich später. Nun trat eine direkte Ansprache an die Vorübergehenden in den Vordergrund. So z. B. durch Formulierungen wie „… halte ein Wanderer…“, „… Wanderer, traure und lies …“, „… bleibe stehen, Wanderer …“, „… ihr guten Leute, die ihr hier vorüberkommt, werdet um Gottes willen nicht müde, zu beten. Für die Seele des Leichnams, der hier unten ruht.“ So wurden die Vorübergehenden zu einem Dialog mit dem Verstorbenen aufgefordert, um sich mit dem Verstorbenen und seinem Seelenheil, aber auch mit ihrer eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Dies ist die alte christliche Tradition des „memento mori“, d. h. sich seiner eigenen Sterblichkeit immer bewusst zu sein. Der Vorübergehende wird eingeladen, den Tod zu bedenken und Einkehr zu halten.22 Der Vorübergehende ist hier nicht nur als Angehöriger, Freund oder Vertrauter des Verstorbenen gemeint, der ihn gekannt hat, seinen Tod beklagt und beweint. Der Gesprächspartner ist jeder Vorübergehende, d. h. auch jeder Fremde, der die Kirche aufsucht. Die Kirche als öffentlicher Ort steht Jedem offen. Daher liegt eine Begründung in der Platzierung der Epitaphien an einem öffentlichen Ort darin, dass der Verstorbene Jedermann für sein Seelenheil einnehmen möchte. Gerade der Kircheninnenraum und hier insbesondere die Nähe zum Altar laden die Besucher zum Gebet ein. Mit seinem Epitaph möchte der Verstorbene möglichst nahe bei den Betenden sein, um an den Gebeten für seine Barmherzigkeit im ewigen Leben teilzuhaben. Umfangreiche Lebensgeschichten auf den Epitaphien, insbesondere im 18. Jahrhundert, sollten den Vorübergehenden zum Verweilen veranlassen und einen Kreislauf von Ansehen und Andenken schaffen. 22 Vgl. P. Arie’s, a. a. O., S. 280–282. 18 Bedeutung der Epitaphien und Grabplatten im Spiegel der Jahrhunderte 3.3. Die geschichtliche Entwicklung der Epitaphien – dargestellt am Beispiel des Wetzlarer Doms Epitaphien erfuhren einen Wandel in der Text- und der Bilddarstellung während der Jahrhunderte. Deutlich ablesen lässt sich dieser Wandel an den Grabplatten und Epitaphien des Wetzlarer Doms. Wenn auch keine absolute Stringenz durch die Jahrhunderte von 1362 bis 1792 erkennbar ist, so zeigen die 53 Beispiele einen guten Querschnitt in der Entwicklung der Texte, Bilder und auch der Materialien.23 So beginnt alles mit dem Epitaph des Schöffen Richolf Reige (1), der 1362 verstarb. Seine Gedenktafel ist äußerst schlicht gehalten und enthält wenig Text. Die beiden weiteren Epitaphien aus dem 14. Jahrhundert, die des Anselm Hun (2) und Johannes von der Kraen (3), zeichnen sich durch eine lebensgroße figürliche Darstellung des Verstorbenen aus. Die Textpassagen sind auch hier eher kurz gehalten. Allen Epitaphien aus dem 14. Jahrhundert gemeinsam ist die Nennung des Sterbejahres. Aus dem 15. Jahrhundert sind insgesamt 5 Epitaphien vorhanden. In diesem Jahrhundert wurden Epitaphien mit einer großen Bildsprache versehen. Aufwendig gearbeitete Steinmetzarbeiten stellen die figürlichen Arbeiten in den Vordergrund. Erstmals tauchen auch persönliche Lobpreisungen der Verstorbenen auf den Gedenktafeln auf. Jede der 5 Epitaphien aus dieser Zeit weist eine Besonderheit auf. So zeigt das Epitaph des Cuno von Rückingen (4), der 1400 verstorben ist, die lebensgroße Figur eines Klerikers sowie sehr schöne weitere plastische figürliche Darstellungen. Das Epitaph des Nicolas von der Krae (5) aus dem Jahr 1428 ist ein Unikat, da es das Einzige ist, das ursprünglich sehr aufwändig in seiner figürlichen und textlichen Darstellung mit Blei ausgefüllt war. Das Epitaph des Ehepaars Ludwig und Palmenia Pussel (6) ist durch eine sehr aussagekräftige bildliche Bibeldarstellung charakterisiert. Auch dies ist eine Darstellung, die so nur einmal im Wetzlarer Dom auftritt. Zwei weitere Epitaphien, die in das 15. Jahrhundert fallen, 23 Vgl. dazu auch den umfangreichen Dokumentationsteil der 53 Epitaphien in Kapitel 7. Bei den einzelnen Epitaphien ist jeweils die laufende Nummer aus dem Dokumentationsteil angeführt. 19 Die geschichtliche Entwicklung der Epitaphien zeigen ebenfalls ausgeprägte figürliche Darstellungen. Während das Epitaph von Philip von Bicken dem Älteren (7) eine großflächige Ritterfigur mit Tierfiguren abbildet, zeigt das Epitaph des Heydenreich von Dernbach (8) ein kunstvoll und sehr aufwendig ausgestaltetes Relief. Die Texte sind auf allen 5 Epitaphien des 15. Jahrhunderts äußerst knapp gehalten. Erstmals findet man bei den Epitaphien 7 und 8 auch den Text in deutscher Sprache. Bei den 5 Epitaphien aus dem 16. Jahrhundert dominieren ebenfalls die Bildmotive. Bei dem Epitaph von Lisa Stommel (9) ist die Besonderheit der Darstellung die Schrift und der zwei Wappen, die in Kupfer ausgeführt sind. Weitere Motive auf der sonst freien Platte sind über die Jahrhunderte verwischt und mit einer glättenden Putzschicht versehen. Auch auf den Epitaphien des Philip von Bicken dem Jüngern (10) und Dorothea Schwarz (13) überwiegen die Bildmotive. Hinzu kommt bei diesen Epitaphien ein deutscher Text. Das Epitaph des Caspar Drekol (11) besticht durch seine sehr plastische Steinmetzarbeit der Figur. Darüber hinaus wurde die Schrift neben dem Sterbedatum, dem Namen und der gesellschaftlichen Stellung mit Ortsangabe um eine Lobpreisung ergänzt. Erstmals findet man bei dem Epitaph des Johannes Klotz (12) mit dem Sterbejahr 1588 einen sehr ausführlichen Text in lateinischer Sprache. Umfangreiche Lobpreisungen über das untadelige Leben des Johannes Klotz füllen die Hälfte des Epitaphs. Diese Form der grenzenlosen Lobpreisung im 17. und 18. Jahrhundert bei den Epitaphien des Wetzlarer Doms ist bei den Angehörigen des Reichskammergerichts mehrfach zu finden. Das 17. Jahrhundert weist insgesamt 16 Epitaphien aus und zeigt gegenüber den Jahrhunderten vorher eine deutlich größere Textlastigkeit, die auf Kosten der bildhaften Darstellung geht. Die Personen spielen nur noch bei wenigen Epitaphien als Bilddarstellung eine Rolle. Von den 16 Epitaphien aus dem 17. Jahrhundert zeichnen sich nur noch 3 Epitaphien durch markante Bilder aus, so das Epitaph des Johannes Theis (16), der 1651/1681? verstorben ist. Dieses Epitaph hat ein Alleinstellungsmerkmal. Es zeigt einen knienden Mann in zeitgemäßer Kleidung vor dem gekreuzigten Herrn. Darüber hinaus sind die Bibeltexte in deutscher Sprache verfasst. Ebenfalls ein Bildmotiv zeigt das Epitaph des Johannes Konrad Hertstein (17), der 1652 verstorben ist. In 20 Bedeutung der Epitaphien und Grabplatten im Spiegel der Jahrhunderte Lebensgröße ist hier der Verstorbene abgebildet. Die Ränder sind mit einem lateinischen Text versehen. Das dritte Bildmotiv aus dem 17. Jahrhundert gehört Adam Quintin von Herberstein (23), der 1674 verstorben ist. Dieses Epitaph zeigt einen aufrecht stehenden Anführer eines Reiterregiments in ausgeprägt herrischer Haltung. Die übrigen Epitaphien lassen sich in zwei unterschiedliche Darstellungsformen gliedern. Zum einen sind es Gedenksteine überwiegend in Sandstein mit großem Textanteil, und zum anderen treten gegen Ende des 17. Jahrhunderts erstmals kunstvoll gestaltete Gedenktafeln für die Angehörigen des Reichskammergerichts auf. Die Epitaphien, die sich durch große Textteile bzw. auf Bildmotive mit Familienwappen auszeichnen, gehören Philip Gwenden (14), verstorben 1605, seiner Ehefrau Anna Elisabeth Gwenden (15), verstorben 1611, Jakob Hert (18), verstorben 1658, Johannes und Catharina Willems (19), beide 1665 verstorben, Margarethe und Johannes Hirshorn (20), beide 1668 verstorben, Wilhelm Cauly (21), verstorben 1670/1671?, H. Johannes Servatius Dietrich (22), verstorben 1673, Johann Georg Weller (24), verstorben 1683, Johann Friedrich Pausch (25), verstorben 1689 und Johann Friedrich Schultze (27), verstorben 1691. Das erste Epitaph, das einem Assessor des Reichskammergerichts gewidmet ist, gehört zu Erich Mauritius (26), der 1691 verstorben ist. Dieses Epitaph zeigt in seinen heroischen und zum Teil sehr „schwülstigen“ Texten eine Richtung auf, die bei späteren Epitaphien der Reichskammergerichtsangehörigen zum Standard gewählt wird. Das zweite Epitaph eines Angehörigen des Reichskammergerichts ist noch etwas zurückhaltender formuliert und gehört zu Johannes Eichrodt (28), der 1697 verstorben ist. Mit dem dritten Epitaph eines Assessors des Reichskammergerichts wird dem 1699 verstorbenen Hulderich von Eyben (29) gedacht. Hier wird die mit Erich Mauritius begonnene Tradition der Lobpreisungen fortgeführt. Von den 16 Epitaphien aus dem 17. Jahrhundert sind die Texte von 10 Gedenktafeln in deutscher Sprache verfasst worden. Die meisten Epitaphien verzeichnet das 18. Jahrhundert. Insgesamt findet man im Wetzlarer Dom 24 Epitaphien aus diesem Jahrhundert. 22 der Epitaphien lassen sich den Angehörigen des Reichskammergerichts zuordnen. Dieser Umstand ist dem Sitz des Reichskammergerichts in Wetzlar von 1689 bis 1806 zu verdanken. In den Epitaphien der 21 Die geschichtliche Entwicklung der Epitaphien Reichskammergerichtsangehörigen spiegelt sich das elitäre Standesdenken seiner Angehörigen wider. Die Ausgestaltung der Gedenktafeln ähnelt sich teilweise. Eindeutig dominierend sind die umfangreichen Textteile. Die Bildteile umfassen überwiegend die Familienwappen sowie einen Totenkopf mit gekreuzten Knochen, der für die Vergänglichkeit des Lebens steht. Ein großer Teil der Personen, denen man mit den Epitaphien gedenkt, stellt sich mit großen persönlichen Lobpreisungen dar. Die Texte wirken in unserer Zeit häufig stark überzogen. Hochgestochene Textpassagen mit zum Teil pathetischen Inhalten hinterlassen für die heutige Zeit einen etwas befremdlichen Eindruck. Gleichwohl muss man sich die Rolle der Angehörigen des Reichskammergerichts vor Augen halten. Das ausgeprägte Standesdenken sowie die Abgrenzung zum Rest der Wetzlarer Bevölkerung in der damaligen Zeit begründeten diese persönlichen Lobpreisungen. Zudem war es auch nur einer vermögenden Schicht vorbehalten, eine Gedenktafel im Wetzlarer Dom aufzustellen. Das Epitaph der 1710 verstorbenen Juliane Schlosser (30), Ehefrau eines Visitators, zeichnet sich durch eine äußerst aufwändige Steinmetzarbeit aus. Angaben zum Ehemann und einige kurze Angaben zu Juliane Schlosser bestimmen den Textteil. Dieses Epitaph ist typisch für weitere Epitaphien, die jeweils einer Ehefrau oder den Kindern von Assessoren, Prokuratoren und Advokaten gewidmet sind. Der Textteil des Ehemanns überwiegt gegenüber dem Textteil der Verstorbenen. Dem 1710 verstorbenen Gotthard Johann Marquart (31) und seiner Ehefrau ist ein eher schlichtes Epitaph gewidmet. Auch hier bestimmt ein umfangreicher Textteil mit Angaben über die Familie die Gedenktafel. Anna Maria Eva Lieb (32), 1711 verstorben, war die Ehefrau eines Visitators. Kurze Textteile zum Ehemann und den Kindern bestimmen das Epitaph. Das Epitaph von Friedrich Schrag (33), der 1718 verstorben ist, enthält einen umfangreichen Textteil mit persönlichen Daten und einem sehr heroischen Text. Die optische Gestaltung ist eher schlicht gehalten. Bei dem 1721 verstorbenen Franz Richard (34), handelt es sich um eine Gedenktafel, die aus den Epitaphien der Reichskammergerichtsangehörigen herausragt. Die Besonderheit besteht darin, dass hier der 22 Bedeutung der Epitaphien und Grabplatten im Spiegel der Jahrhunderte Kammerrichter, als oberste Instanz des Reichskammergerichts, seinem Diener ein Denkmal setzt. Der Text ist schlicht gehalten. Epitaph Nr. 35 ist der 1724 verstorbenen Wilhelmine Henrietta von Ludolf gewidmet. Das Denkmal setzten ihr die Eltern. Der umfassende Textteil enthält sachliche, wie auch lobende Texte über das kurze Leben der Tochter. Eine Reihe weiterer Epitaphien von Assessoren sind von der textlichen und bildhaften Darstellung ähnlich aufgebaut. Der Textteil würdigt die Assessoren mit einer überwiegend großen Fülle an Berichten über das Leben bzw. über die besonderen Leistungen. Darüber hinaus sind alle Epitaphien durch aufwändige Steinmetzarbeiten charakterisiert und aus Lahnmarmor hergestellt. Hierzu zählen: • Christoph Gottfried Freiherrr von Geismar(36), verstorben 1725 • Joachim Georg von Plönnies (39), verstorben 1733 • Friedrich Kasimir von Gemmingen (42), verstorben 1744 • Johann Christoph von Schmitz (43), verstorben 1747 • Johann Stephan von Speckmann (44), verstorben 1751 • Anton Gerlach von Schwartzenfels (45), verstorben 1752 • Johann Franz Aegidius von Borie zu Schönbach (46), verstorben 1753 • Gerard Georg Wilhelm Franz Xaver Freiherr von Vogelius (47), verstorben 1754 • Valentin Ferdinand Freiherr von Gudenus (49), verstorben 1758 • Johann Peter von Ortmann, (51), verstorben 1775 Ebenfalls in diese Kategorie fällt ein Epitaph, dass zwar Maria Anna Seraphina von Clausbruch (41) gewidmet ist, aber als späteren Zusatz im unteren Teil noch den Ehemann Johannes Melchior Cramer von Clausbruch und den Sohn Johannes Arnold Heinrich Joseph von Clausbruch, beides Assessoren, mit aufnimmt. Weitere Epitaphien, die die Textteile in den Vordergrund stellen, sind den Ehefrauen, einer Mutter und Kindern von Reichskammergerichtsangehörigen gewidmet. So 1727 Maria Franziska von Heeser (37), 1734 Maria Ursula Bonn (40), 1757 Maria Margareta von Ortmann (48), 1776 und 1778 Dorothee Charlotte und Heinrich Johann Vergenius (51) und 1787 Elisabeth von Ruland (53). 23 Die geschichtliche Entwicklung der Epitaphien Einem Arzt und seiner Ehefrau wurde 1755 und 1767 ein Epitaph mit umfangreichen Textteilen gewidmet. Das Epitaph von Auguste Christiane Elisabethe und Heinrich Christoph Rotberg (50) ist insofern von besonderer Bedeutung, da es in deutscher Sprache verfasst wurde. Diese Abgrenzung gegenüber den Assessoren, die ausschließlich in lateinischer Sprache gewürdigt wurden, relativiert das Standesdenken durch den ausschließlich für die Reichskammergerichtangehörigen zuständigen Kameralarzt. Ebenfalls aus der Masse der Epitaphien der Assessoren ragt die Gedenkplatte des Buchdruckers und Buchhändlers Georg Ernst Winckler (38) und seiner Ehefrau Anna Elisabeth Winckler heraus. Dieses Epitaph ist aus Lahnmarmor gearbeitet und mit umfangreichen Texten in deutscher Sprache versehen. Ende des 18. Jahrhunderts endet dann die Tradition der Epitaphien. Zum einen verliert das Reichskammergericht seine Bedeutung in Wetzlar und zum anderen erfährt die Trauerkultur eine Wandlung. Schlichtere Grabplatten auf den Friedhöfen stehen ab Anfang des 19. Jahrhunderts im Vordergrund. Das Aufstellen von Epitaphien in den Kir chen innenräumen verliert an Bedeutung. 24 Bedeutung der Epitaphien und Grabplatten im Spiegel der Jahrhunderte 25 4. Der Wetzlarer Dom – ein kurzer historischer Aufriss 4.1 Die Zeit vor der Reformation Der Stadtschreiber Johann Philipp Chelius berichtete 1664, dass am 6. Oktober 897 der heutige Dom zu Wetzlar als Salvatorkirche (Kirche, die dem Heiland gewidmet war) geweiht wurde. Unabhängig von dem historischen Beleg reicht die Historie des Doms bis in die Zeit um 800 zurück. Vor der Weihe in 897 existierte bereits ein Vorgängerbau am heutigen Standort. Ausgangspunkt der Besiedlung des Domberges waren zwei wesentliche Faktoren. Zum einen verlief eine aus dem Rhein-Main-Gebiet kommende und nach Westfalen weiterführende Heerstraße durch eine Furt über die Lahn. Zum anderen wurde diese Straße durch eine fränkische Feste gesichert, die um 800 an der Stelle der in 897 geweihten Kirche stand. Erbaut wurde diese Feste vermutlich durch Mitglieder des rheinfränkischen Grafengeschlechts der Rupertiner oder deren Erben, den Konradinern.24 Reste dieser ersten Kirche sind unter dem heutigen Chor im Ostteil nachgewiesen worden. Bei umfangreichen Renovierungsarbeiten von 1904 bis 1910 sowie Ausgrabungen im Dom zu Anfang der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden diese Reste entdeckt. Den Angaben des Stadtschreibers Chelius zufolge, soll ein konradinischer Bischof, Rudolf von Würzburg, auf Veranlassung seines Bruders Gebhard II. die Kirche als Salvatorkirche am 6. Oktober 897 geweiht haben. Der Salvatorkirche folgte eine spätromanische Stiftskirche. Dem Bau dieser Stiftskirche ging die Gründung eines Marienstifts zu Beginn des 10. Jahrhunderts durch die konradinischen Herzöge Udo und Hermann 24 Vgl. E. Sebald: Der Dom zu Wetzlar, Königstein im Taunus 1989, S. 7. voraus. Das Marienstift nahm im Laufe der folgenden Jahrhunderte eine bedeutende Rolle für den Dom und für die Stadt Wetzlar ein. Das zu Beginn des 10. Jahrhunderts als Kollegiatstift gegründete Stift verfügte von Beginn an über umfangreichen Landbesitz und weiteren Einnahmequellen, die es ermöglichten, eine größere Anzahl von Stiftsangehörigen zu ernähren. Die Mitglieder des Kollegiatstifts, auch als Stiftskapitel bezeichnet, lebten als klerikale Gemeinschaft, ohne einer Ordensgemeinschaft anzugehören. Insofern unterschieden sie sich deutlich von den Mönchsgemeinschaften. Die von den Stiftsgründern eingebrachten Ländereien bildeten die Lebensgrundlage der Stiftsangehörigen. Während die Anzahl der Mönche in einem Kloster in der Regel nicht beschränkt war, war die Anzahl der Stiftsmitglieder abhängig von den Einnahmen des Stifts. So war es seit dem 12. Jahrhundert üblich, den Anteil der Stiftsherren an den Einnahmen des Stifts festzusetzen (sog. Pfründe). Durch die Aufgabe der Stiftsmitglieder, für das Seelenheil der Stifter und ihrer Angehörigen zu beten, waren Zustiftungen die Regel. Damit konnten Familien, die Gelder stifteten, sicherstellen, dass die Stiftsmitglieder durch ihre ständige Gebetsfürsorge für ein gottesfürchtiges Leben der Betroffenen sorgten. Neben den sog. Pfründen für ihre Tätigkeit gab es als weitere Einnahmequelle noch sog. Präsenzgelder. Diese Einnahmequelle entstand zu Beginn des 13. Jahrhunderts und sollte die Stiftsmitglieder dazu „motivieren“, möglichst zahlreich an den Totenoffizien, einer besonderen Form des Stundengebets für Verstorbene, persönlich teilzunehmen.25 Das Marienstift nahm von der Gründung zu Beginn des 10. Jahrhunderts bis zur Auflösung im Jahre 1803 eine zentrale und bedeutende Rolle in der Stadt Wetzlar ein. Die Stiftsherren haben über die Jahrhunderte hinweg das Auf und Ab der Stadt Wetzlar aktiv mitgestaltet. Durch die dominante Lage des heutigen Doms auf dem Domberg war die Rolle des Stifts auch weithin sichtbar. Die Hinterlassenschaft der Stiftsherren, der Wetzlarer Dom, ist auch heute noch das markanteste Bauwerk der Stadt. Die Entwicklung des Gebäudes verlief parallel mit der Entwicklung des Marienstifts. Schon bald nach der Weihe der Kirche im Jahre 897 wurde die Stiftskirche erweitert. Sichtbar aus dieser Zeit ist einer der heute noch vorhandenen 25 Vgl. E. Sebald, a. a. O., S. 5. 26 Der Wetzlarer Dom – ein kurzer historischer Aufriss Kirchentürme, der sog. Heidenturm. Der davor liegende Heidenhof entstand im Zuge des späteren gotischen Umbaus. Die bis dahin vorhandene Kirche wurde im heutigen Chorteil im Osten erweitert und symbolisierte mit zwei markanten Türmen im Westteil ein weithin sichtbares Symbol für die Bedeutung des Marienstifts. Der kleine Marktflecken Wetzlar, der aus einer Ansammlung von Häusern bestand, erlangte die besondere Aufmerksamkeit des Kaisers Friedrich Barbarossa. Im Jahre 1180 erhielt Wetzlar die Rechte einer freien Reichsstadt.26 Damit war die zunehmende Bedeutung der Stadt und für des Marienstifts für die nächsten Jahrhunderte vorgezeichnet. Dies sollte sich auch in dem erweiterten Kirchenbau ausdrücken. Mit dem Bau des bis in die heutige Zeit erhaltenen Doms wurde um 1230 begonnen.27 Weder das Datum der Grundsteinlegung noch das Datum der Weihe sind überliefert. Der Beginn des Baus im gotischen Baustil wird in engem Zusammenhang mit der rechtlichen Aufteilung der Kirche in eine Stiftskirche und in eine Pfarrkirche gebracht. Die Stadt verfügte im 11. und 12. Jahrhundert über keine eigene Stadtkirche. Daher fungierte die Stiftskirche bereits zu dieser Zeit auch als Pfarrkirche. Die Pfarrkirche war aber von Anbeginn dem Stift inkorporiert, d. h., sie befand sich im Besitz des Marienstifts und somit flossen die Einnahmen aus der Pfarrkirche dem Marienstift zu. Der Bau der gotischen Kirche zog sich über Jahrhunderte hin. Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts konnten mit dem Bau des hölzernen Spitzhelms auf dem Südturm die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Es dauerte somit über 260 Jahre bis die Kirche in dem heute noch präsenten gotischen Baustil fertiggestellt wurde. Geprägt war diese lange Zeit der Bauarbeiten auch durch die Frage der Finanzierung dieses für die Stadt Wetzlar äußerst ehrgeizigen Bauwerkes. Wetzlar erlebte bis zum Jahr 1400 einen wirtschaftlichen Aufschwung. So resultierte der Wohlstand aus dem Eisenerzbergbau und der Eisenverarbeitung sowie aus der günstigen Verkehrslage. Die heute noch existierende Brücke, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde, ermöglichte zudem einen ungehinderten Übergang über den Fluss. 26 Vgl. H. Gloël: Der Dom zu Wetzlar, Wetzlar 1925, S. 3. 27 Vgl. E. Sebald, a. a. O., S. 22. 27 Die Zeit vor der Reformation Abb. 1: Wetzlarer Dom und alte Lahnbrücke Der erste Bauabschnitt dauerte von 1230 bis 1250 und betraf den Chor.28 Miteinbezogen in diesen Bauabschnitt war auch die heutige Stephanuskapelle, die früher dem Heiligen Petrus geweiht gewesen sein muss und in Quellen aus dieser Zeit als Peterskapelle bezeichnet wird.29 Der Chorbereich war geprägt durch zwei Laufgänge, die heute nur noch als Fragmente erhalten sind. 28 Vgl. E. Sebald, a. a. O., S. 20. 29 Vgl. ebenda, a. a. O., S. 21. 28 Um auch während der Bauphase die Kirche für Gottesdienste zu nutzen, baute man die neue Kirche, die gegenüber dem romanischen Vorgängerbau größer ausgelegt war, um diesen Vorgängerbau herum. Nach Fertigstellung der neuen Kirche wurden die Mauern der alten Kirche beseitigt. Direkt nach Fertigstellung des Chorbereiches wurde der Beschluss gefasst, die ganze Kirche zu erweitern. So wurde im Jahr 1255 mit dem Bau des südlichen Querhauses und dem Seitenschiff begonnen. Auch die heute noch als Repliken am frühgotischen Südportal aufgestellten Skulpturen wurden in dieser Zeit geschaffen. Durch den Bau des südlichen Querhauses und des Seitenschiffs wurde der Raum für die Gottesdienste der Gemeinde längere Zeit erheblich beeinträchtigt, da nur das Mittel- und das Nordschiff zur Verfügung standen. 29 Die enorme Ausweitung des gotischen Kirchenbaus gegenüber dem bestehenden romanischen Vorgängerbau schränkte die Kapazität des auf der Nordseite befindliche Stiftsfriedhof und des auf der Südseite liegende Gemeindefriedhofs ein. Der Südbau des Doms wurde wohl um das Jahr 1270 vollendet. Die Pläne des Stifts sahen nach seiner Fertigstellung die Neugestaltung der Nordseite vor. Zur Finanzierung dieses weiteren für die Stadt Wetzlar monumentalen Bauwerks wurden auch Gelder aus dem damals üblichen Ablasshandel herangezogen. 1278 wurde die wegen der Erweiterung des Chors abgerissene Nikolauskapelle erneut errichtet. Bevor der Neubau der Nordseite in Angriff genommen wurde, trat eine Pause von rund 22 Jahren ein. Der Grund für die Verzögerung wird in einem Streit zwischen dem Stift und der Stadt Wetzlar über die Wahl der Dombauherren gesehen. Bezieht man die 22 Jahre Baupause mit ein, so wurde ab 1292 mit dem Neubau der Nordseite begonnen. Schon 15 Jahre später, im Jahre 1307, wurden Gottesdienste im nördlichen Querschiff gefeiert. Zudem wurden 1307 und 1308 in der Stiftskirche mehrere Altäre gegründet und dotiert. Da das frühgotische Südschiff mit Altären schon besetzt war, müssten die neuen Altäre ihren Platz im nördlichen Querschiff gefunden haben.30 Gleichwohl war im Jahr 1307 noch nicht der gesamte Nordteil fertiggestellt. Hierfür wurden weitere 25 Jahre benötigt. Damit war um das Jahr 1332 ein weiterer bedeutender Teil der gotischen Kirche fertiggestellt. Ein besonderes Merkmal der Nordseite war der Kreuzgang, der im Laufe der Baugeschichte in drei Baustilen vorhanden war. So wird ein romanischer Kreuzgang im Jahre 1239 erwähnt, ihm folgten ein frühgotischer und dann ein hochgotischer Kreuzgang, der 1307 erwähnt wird.31 Von diesen Bauten sind heute nur noch Spuren in der nördlichen Domfassade erkennbar. Kurz nach der Fertigstellung der Nordseite ist der Lettner (lat. lectorium, Lesepult) entstanden. Um 1340 wurde so der Chorbereich, der den Stiftsangehörigen vorbehalten war, vom übrigen Teil der Kirche, die der Gemeinde zur Verfügung stand, durch eine Trennwand separiert. Nachdem man den Bau des Südflügels, des Mittelschiffs und des Nordflügels bis 1332 fertiggestellt hatte, stand der Bau des gotischen Westbaus 30 Vgl. H. Gloël (b), a. a. O., S. 38. 31 Vgl. ebenda. 30 Der Wetzlarer Dom – ein kurzer historischer Aufriss an. Der Plan ging von zwei imposanten Kirchentürmen und einem besonderen Westportal sowie einem Südportal des Turmes aus. Durch den Abriss der beiden romanischen Türme und den geplanten Bau der beiden gotischen Türme sollte ein eindrucksvoller Abschluss des Kirchenbaus erreicht werden. Diese gewollte Monumentalität der Kirche sollte die Bedeutung der Stadt Wetzlar weit ins Land sichtbar machen. Der Stadtschreiber Chelius berichtete 1664 davon, dass man im Jahr 1336 mit dem Bau des gotischen Westbaus begonnen habe. Dieses Datum ist umstritten, da diese Zeit recht ungünstig aus der Sicht der Stadt Wetzlar war. Die Stadt hatte 1334 durch eine große Feuerbrunst einen immensen Schaden erlitten. Der Kaiser erließ daraufhin für 10 Jahre die Reichssteuer.32 Andere Quellen berichten, dass man bis zum Jahr 1360 die Fundamente des Süd- und des Nordturms fertiggestellt hatte.33 Man ging zu diesem Zeitpunkt immer noch davon aus, beide Türme zu bauen. Dann muss bis Beginn der 80er Jahre des 14. Jahrhunderts eine Baupause gewesen sein. Kurz danach wurde weitergebaut und das Untergeschoß des Westbaus bis zum Jahr 1385 fertiggestellt. Es ist ein Wunder, dass bis zum Jahr 1385 weitergebaut wurde. Denn nach der Blütezeit Wetzlars im 13. Jahrhundert folgte ab Mitte des 14. Jahrhunderts ein großer Niedergang in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. Dies ist nur dadurch erklärbar, dass der Großteil der Baulasten nicht unmittelbar von der mittellosen Stadt zu tragen war. Eine besondere Baukasse, die von Vertretern des Stifts und des Rates verwaltet wurde, speiste die Kasse aus den Einkünften des Marienstifts und aus der Hälfte der Einnahmen der Pfarrei.34 Aus dieser Notzeit der Stadt erklärt sich der Umstand, dass in den folgenden Jahren davon Abstand genommen wurde, den geplanten Nordturm zu vollenden. Obwohl die Gelder knapp waren, schufen die Baumeister mit dem Westportal und dem Südportal des vollendeten Turmes besondere Zeugnisse gotischer Baukunst. Die beiden Portale gehören mit zu den eindrucksvollsten Bauleistungen des Wetzlarer Doms. 1399 und 1404 führten zwei Erlasse des Erzbischofs von Trier die besondere Schönheit der Kirche und des Westportals an. Sie berichteten von einem prächtig errichteten königlichen Bau und nannten die Kir- 32 Vgl. H. Gloël (b), a. a. O., S. 44. 33 Vgl. E. Sebald, a. a. O., S. 57. 34 Vgl. H. Gloël (b), a. a. O., S. 61. 31 Die Zeit vor der Reformation che eine Königstochter.35 Das zweite Geschoss des Südturms wurde erst 100 Jahre später fertiggestellt. An zwei Stellen des Turms ist die Jahreszahl 1486 vermerkt. Anhand der Lokalisierung dieser Jahreszahl des auf der Südmauer des Doms aufsitzenden Treppentürmchens konnte man den Baufortschritt bis in diese Höhe feststellen. Es fehlte somit noch das dritte Geschoss. Dieses wurde Anfang des 16. Jahrhunderts fertiggestellt. Da die Blütezeit Wetzlars Mitte des 14. Jahrhunderts vorbei war, ist es umso beeindruckender, dass es zu dieser Zeit gelungen ist, das dritte Geschoss des Südturms fertigzustellen. Stadt und Stift sahen sich zur Finanzierung der Fertigstellung des dritten Geschosses genötigt, Wetzlarer Bürger durch die Lande zu schicken, um Gelder für den Kirchenbau zu erbitten. Auch der Ablasshandel wurde wieder als Finanzierungsquelle eingesetzt. Das Stift veräußerte zudem eine Reihe von Grundstücken, um den Erlös zur Finanzierung des Südturms zu verwenden.36 Die Mittel reichten jedoch nur zur Fertigstellung des Südturms, während der Nordturm bis heute nur bis zum ersten Geschoss fertig gestellt wurde. Mittlerweile sind über 500 Jahre vergangen, in denen der Wetzlarer Dom über nur einen weit in die Landschaft aufragenden gotischen Kirchturm und einen sich in den Hintergrund duckenden romanischen Nordturm verfügt. Die fehlenden Gelder zur Vollendung haben auch ihre Spuren in der unvollendeten Skulpturenausschmückung der Westfassade und dem Tor zur Südseite hinterlassen. Der unvollendete Dom zu Wetzlar und seine wechselvolle Baugeschichte sind ein eindrucksvoller Beleg für die wechselhafte Geschichte der Stadt Wetzlar bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Zeiten des Wohlstandes wechselten sich mit Zeiten des Niedergangs ab. Dieser Wechsel setzte sich auch in den folgenden 500 Jahren, die mit der Reformation ihren Anfang nahmen, fort. Die Spuren, die das Marienstift bis zum Beginn der Reformation im Dom hinterlassen hat, sind auch bei den Epitaphien und Grabplatten sichtbar. Von dem ersten Epitaph in 1362 bis 1527, 10 Jahre nach Beginn der Reformation durch die Veröffentlichung der 95 Thesen des Martin Luther, sind 11 Epitaphien im Wetzlarer Dom platziert. Darunter befinden sich einige Stiftsangehörige. Die größte Anzahl an Epitaphien ist allerdings in die Zeit der Reformation bis 1792 einzuordnen. 35 Vgl. ebenda. 36 Vgl. H. Gloël, a. a. O., S. 64. 32 Der Wetzlarer Dom – ein kurzer historischer Aufriss 4.2 Die Zeit nach der Reformation bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Die Beendigung bzw. Einstellung der Bauarbeiten am Dom zu Wetzlar fallen in die Zeit des Beginns der Reformation in Europa. Während die Reformation durch die Person Martin Luther erstmals ein charismatisches Bild bekam und die Kritik an der bestehenden Kirche sich auch aufgrund des Buchdrucks rasant verbreitete, muss man für die freie Reichsstadt Wetzlar festhalten, dass dieser Sturm der Reformation zunächst nur als ein laues Lüftchen wahrgenommen wurde. Erst durch das offizielle Bekenntnis des Stadtrates zum evangelischen Glauben im Jahr 1542 trat eine neue Situation für beide Konfessionen ein. Das Jahr 1542 wird erstmals vom Stadtschreiber Chelius im Jahr 1664 angeführt. In diesem Jahr soll der Stadtpfarrer Anton oder Antoni öffentlich in der Stiftskirche das Augsburger Glaubensbekenntnis gepredigt haben. Das Augsburger Bekenntnis wurde von Philipp Melanchthon zusammen mit Martin Luther verfasst und im Jahr 1530 auf dem Augsburger Reichstag Kaiser Karl V. als Glaubensbekenntnis von evangelischen Fürsten und Reichsstädten präsentiert. In diesem evangelischen Bekenntnis wurde der Versuch unternommen eine gemeinsame Glaubensgrundlage mit der katholischen Kirche zu beschreiben sowie Missstände beim Namen zu nennen. Während das Bekenntnis von der katholischen Kirche abgelehnt wurde, ist es heute Teil der Bekenntnisse der lutherischen Landeskirchen in Deutschland. Festzuhalten ist, dass es sich bei dem Wetzlarer Dom um eine der ältesten, auch heute noch in Nutzung befindlichen Simultankirche Deutschlands handelt. Nach dem öffentlichen Bekenntnis der Stadt Wetzlar als protestantische Stadt blieben nur noch die Stiftsherren und ihr Gesinde katholisch. Eine katholische Gemeinde existierte somit für lange Zeit nicht mehr in Wetzlar. Dem Stift stand nur noch der Chor zur Verfügung. Der andere Teil, Haupt, Süd- und Nordschiff, wurden von der evangelischen Gemeinde genutzt. Noch immer verfügte das Stift über umfangreichen Besitz an Güter-, Natural- und Geldeinkünften; viele Familien waren dem Stift nach wie vor wirtschaftlich verpflichtet. Auch gewährte Sonderrechte, wie z. B. eine eigene Gerichtsbarkeit und Steu- 33 Die Zeit nach der Reformation bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erbefreiung, blieben zum großen Teil in Kraft.37 Bemerkenswert bleibt, dass die Frage des Eigentums an der Kirche nicht weiter diskutiert wurde. Das Stift blieb bei aller Dominanz der evangelischen Bürgerschaft und der zunehmenden Bedeutungslosigkeit des Stifts der Eigentümer des monumentalen Bauwerkes. Mit dem „Prager Fenstersturz“ im Mai 1618 begann der Dreißigjährige Krieg. In Wetzlar dürften die Vorkommnisse 1618 in Prag kaum zur Kenntnis genommen worden sein. Evangelischer Rat und katholische Stiftsherren waren nach wie vor noch mit kleinlichen Streitereien befasst. Es wurde auch nicht leichter, als 1621 der Dreißigjährige Krieg Wetzlar erreichte. Zum ersten Mal erlebte Wetzlar militärische Einquartierungen in seinen Mauern. Spanische Soldaten besetzten bis 1631 Wetzlar. Im November 1631 näherte sich das Schwedenheer der Stadt Wetzlar. Sie wurde kampflos von den Spaniern geräumt. Mit den Schweden kehrte eine neue Ordnung ein. Die evangelische Bürgerschaft schöpfte neue Hoffnung. Im November 1634 zogen wieder kaiserliche Truppen in Wetzlar ein. Verbunden mit der Niederlage der Schweden trat auch eine Wendung im Dreißigjährigen Krieg ein. Aus dem Krieg der Konfessionen wurde ein Krieg der Nationen. Diese Veränderung brachte der Stadt Wetzlar für die kommenden Jahre ständig wechselnde Besatzungen. Der Westfälische Frieden von 1648 brachte endlich etwas Ruhe nach den 30 Jahren andauernden Schrecken des Krieges. Gleichzeitig war der Wetzlarer Dom aufgrund der unterlassenen Sanierung wegen des Dreißigjährigen Krieges in einem desolaten baulichen Zustand. Auch die Bedeutung der freien Reichsstadt Wetzlar nahm in den kommenden Jahren weiter ab. Nicht nur der Dreißigjährige Krieg, auch Naturkatastrophen und Seuchen hatten den Bürgern zugesetzt. So wurde eine Blütezeit wie im 13. Jahrhundert bis dato nicht mehr erreicht. Gegen Ende des so schwierigen 17. Jahrhunderts flackerte ein Hoffnungsschimmer auf. Die freie Reichsstadt Wetzlar wurde von 1689 bis 1806 Sitz des obersten Gerichts für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Ein Umstand, der für 117 Jahre der Stadt wieder Ansehen und Wohlstand verschaffte. Bereits Ende des Jahres 1689 trafen die ersten Kammergerichtsfamilien ein. Somit stieg auch die Anzahl der katholischen Familien an. 37 Vgl. A. Schoenwerk, a. a. O., S. 226. 34 Der Wetzlarer Dom – ein kurzer historischer Aufriss Ein besonderes Privileg der Mitglieder des Reichskammergerichts war die Befreiung von allen Personalabgaben und bürgerlichen Lasten sowie die Befreiung von Steuern auf Lebensmittel und Zölle. Schoenwerk spricht in diesem Zusammenhang von der Bildung eines eigenen Juristenstaates auf dem Gebiet der freien Reichsstadt Wetzlar.38 Dieser Umstand war ein ständiger „Stachel im Fleisch“ des Rates der Stadt. Unabhängig von den Querelen mit dem Rat der Stadt führte der Einzug des Reichskammergerichts in Wetzlar für die Bürgerschaft zu einem rapiden Aufschwung. So brachten über 1000 Personen des Gerichts einschließlich ihrer Familien sowie über die Jahre des Sitzes eine größere Anzahl von Visitationsangehörigen Ansehen und Wohlstand in die Stadt. Sehr bewusst wurde eine Distanz zwischen den Reichkammergerichtsangehörigen und dem Rest der Bevölkerung gepflegt. Die Bürgerschaft nahm nicht teil an der vornehmen Welt der Reichskammergerichtsangehörigen und ihrer Familien. Dennoch zog sie ihren Nutzen daraus. Sie profitierte von einer regen Bautätigkeit, die auch heute noch die Wetzlarer Altstadt prägt. Große Palais und Herrenhäuser erinnern uns an diese besondere Zeit in Wetzlar. Neue Zünfte fanden ihren Absatz, so die Perückenmacher, Knopfmacher, Barbiere und Buchbinder. Zahlreiche kulturelle Veranstaltungen prägten das bürgerliche Leben. Auch gab es große Verbesserungen auf den Gebieten der Hygiene, des Brandschutzes, der Sicherheit und des Schulwesens. Die Bildung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, auf der einen Seite die Reichskammergerichtsfamilien und auf der anderen Seite die landwirtschaftlich und handwerklich geprägte Bürgerschaft, führte zu einem materiellen Zweckbündnis. Dies brachte aber auch keine Annäherung. Was sich auch in der Nutzung des Wetzlarer Doms widerspiegelte. Die Klagen der Reichskammergerichtsangehörigen über unhaltbare hygienische Zustände machte auch vor dem Friedhof auf dem Kirchenvorplatz vor der Südseite des Doms nicht Halt. Die Behauptung einer Überbelegung und das Aufsteigen übler Gerüche störten das Wohlempfinden der Kameralen und ihrer Familien. So kam es 1757 zu einer Verlegung des Friedhofs, 500 m in östlicher Richtung vom Dom entfernt, vor das Wöllbachertor. 38 Vgl. A. Schoenwerk, a. a. O., S. 263. 35 Die Zeit nach der Reformation bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Nachdem im Jahre 1689 die ersten Mitglieder des Reichskammergerichts ihren Wohnsitz in Wetzlar genommen und der Rat der Stadt alle Forderungen akzeptiert hatte, wurde auf Anordnung des Kaisers im Mai 1693 die Eröffnung des Reichskammergerichts offiziell vollzogen. Die Blütezeit des Reichskammergerichts kann man heute nicht nur alleine an den zum Teil prachtvollen Altstadtpalais ablesen. Auch im Dom haben die Reichskammergerichtsangehörigen mit ihren Epitaphien ihre Spuren hinterlassen. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation im Jahre 1806 endete auch die Zeit des Reichskammergerichts in Wetzlar. Der Umstand der Aufhebung des Reichskammergerichts brachte gleichzeitig ab 1806 einen Verlust von rund 1000 Einwohnern mit sich.39 39 Vgl. A. Schoenwerk, a. a. O., S. 280 f. 36 Der Wetzlarer Dom – eine ökumenische Besonderheit 37 5. Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen Einige der Epitaphien des Wetzlarer Doms geben interessante Informationen über die Verstorbenen preis. Zum einen kann man dies an den teilweise sehr schönen Bildmotiven ablesen und zum anderen beinhalten die Texte oft eine Fülle an Informationen über das gottesfürchtige Leben der Verstorbenen. Darüber hinaus ragen einzelne Verstorbene durch ihre außergewöhnlichen beruflichen Aktivitäten bzw. durch ihre weiten Reisen aus der Fülle der übrigen Verstorbenen heraus. Ebenso zeichnet sich eine Gruppe, hier die der Angehörigen des Reichskammergerichts, durch ein sehr ausgeprägtes Standesdenken aus. Weitere Besonderheiten der Epitaphien des Wetzlarer Doms lassen sich anhand einzelner Gruppen von Verstorbenen, geordnet nach der gesellschaftlichen Stellung, erläutern. Ein Beispiel für eine etwas missglückte Restaurierung zeigt das Epitaph von Anselm Hun (2).40 Der rote Sandstein hat aufgrund seines Alters deutliche Abnutzungsspuren. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass die Gesichtspartie und auch die Haltung der Hände im Schoß des Ritters erst in neuerer Zeit nach einer im letzten Drittel des letzten Jahrhunderts vorgenommenen Restaurierung missglückt sind. Die restaurierte Gesichtspartie wirkt auf den Betrachter äußert künstlich konstruiert, die Hände im Schoß verdecken den in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts noch sichtbaren Schwertknauf. So hat diese misslungene Restaurierung in der jüngeren Zeit etwas bewirkt, was die natürliche Abnutzung über 600 Jahre nicht geschafft hat: einen Verlust der Authentizität der Abbildung des Ritters Anselm Hun. 40 Vgl. auch die Nummerierung im Dokumentationsteil. Kanoniker Eine Gruppe von drei Epitaphien zeigt Kanoniker des Marienstifts. Das Marienstift, das zu Beginn des 10. Jahrhunderts gegründet wurde, war die zentrale kirchliche Institution in Wetzlar bis zum Beginn der Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts. Erst 1803, durch den Niedergang des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, endete nach über 800 Jahren diese Institution in Wetzlar. Kanoniker, die stellvertretend für diese Zeiten mit ihren Epitaphien im Wetzlarer Dom abgebildet sind, standen an der Spitze des Stifts. Ihre Bedeutung für Wetzlar und für den Wetzlarer Dom nahm zwar mit der Reformation ab, allerdings führte die Blütezeit des Stifts über 500 Jahre zu einem Wohlstand, der den Bau des Wetzlarer Doms in seiner heute noch erhaltenden Form erst ermöglichte. Johannes von der Kraen (3), Cuno von Rückingen (4) und Nycolas von der Krae (5) stehen stellvertretend für diese Blütezeit. Ritter Zwei weitere Epitaphien, die heute nebeneinander im Südschiff platziert sind, zeigen Vater und Sohn als Abkömmlinge eines Rittergeschlechts aus den Jahren 1485? und 1503?.41 Die bildhaften Darstellungen von Philip von Bicken dem Älteren (7) und dem Jüngeren (10) ähneln sich. Beide Epitaphien zeigen aufrecht stehende Ritter in Rüstungen. Gemeinsam ist Vater und Sohn, dass beide zu ihren Füssen zwei Tierfiguren zeigen. Bei dem Vater sind zwei Löwen erkennbar. Bei dem Sohn ist nur noch ein Löwe erkennbar. Philip von Bicken der Jüngere war laut Eheabredung vom 21. Januar 1461 mit Heilwig von dem Bongart verheiratet. Diese war eine Tochter des Ritters Godart von dem Bongart, der zusammen mit Bernhard von Breidenbach und Graf Johann zu Solms 1483/1484 eine Pilgerreise ins Heilige Land nach Jerusalem unternahm.42 Solche Pilgerfahrten waren im 15. Jahrhundert eine gängige Übung der Adligen, um auf den Spuren Christi zu wandeln und sich am Heiligen 41 Die genauen Sterbedaten sind nicht mehr exakt ermittelbar. 42 Vgl. Philipp von Bicken der Jüngere, vor 1503 (1510?), Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 8.9.2008). 38 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen Grab in Jerusalem zum Ritter schlagen zu lassen. Darauf weist auch ein weiteres Epitaph im Wetzlarer Dom explizit hin. Auf dem Epitaph des Heydenreich zu Dernbach (8) ist auf dem linken Rand der Text enthalten „… er ist zu Sankt Katharinen am Berge Sinai gewesen.“ Quellen zufolge kehrte er 1443 von seinem Besuch in das Heilige Land nach Wetzlar zurück.43 Pilgerfahrten ins Heilige Land Eine Pilgerfahrt war zur damaligen Zeit kein Einzelfall. Übertragen auf die heutige Zeit des Tourismus kam es ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu einem „Pauschaltourismus“ nach Jerusalem zur Grabeskirche und zum Katharinenkloster auf dem Sinai. Pilgerfahrten in das Heilige Land waren zu einer regelrechten Massenbewegung geworden. So beschreibt Konrad Grünemberg44 in seinem Tagebuch seine Reise nach Jerusalem im Jahr 1486. Am 22. April 1486 bricht er zusammen mit seinem Knecht Kaspar Gaisberg vom Bodensee nach Venedig auf. Dort besteigen beide ein Schiff, das sie nach Jaffa bringt. Danach geht es auf Eseln weiter bis nach Jerusalem, wo er nach Zahlung eines angemessenen Betrages am Heiligen Grab zum Ritter geschlagen wird. Grünemberg hat sich sehr gründlich auf seine Reise vorbereitet: Er schließt einen Vertrag mit einem Reeder, der die Reise schon acht Mal unternommen hat, er plant Führungen und Besichtigungen, erstellt akribisch Gepäck- und Proviantlisten, die zu einem späteren Zeitpunkt als „Reiseführer“ und Merkzettel für nachfolgende Reisende dienen könnten. Die Tatsache, dass er beschließt, sich auf die Fahrt nach Jerusalem zu begeben, zeigt seine Frömmigkeit, aber auch seinen Mut. Reisen in diesen Zeiten waren ein hochriskantes Unterfangen: Die Wege waren schlecht, überall lauerten Räuber, wilde Tiere, fremde Söldner; die Herbergen waren schmutzig, die Verpflegung knapp und schlecht und Krankheiten an der Tagesordnung. 43 Vgl. A. Schoenwerk, a. a. O., S. 219. 44 Vgl. Konrad Grünemberg: Von Konstanz nach Jerusalem – Eine Pilgerfahrt zum Heiligen Grab im Jahre 1486, Osnabrück 2015. 39 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen Auch der Reisebericht des Eberhard von Brambach und Albrecht Graf von Löwenstein45 von ihrer Pilgerfahrt ins Heilige Land in den Jahren 1561/1562 gibt Zeugnis für diesen „Pauschaltourismus“. Wenn auch über die Pilgerfahrt des Heydenreich zu Dernbach keine weiteren schriftlichen Nachweise erhalten sind, so können die Reiseberichte des Konrad Grünemberg, des Eberhard von Brambach und des Albrecht Graf von Löwenstein einen Eindruck über die beschwerliche und gefährliche Pilgerfahrt vermitteln. Mit ein Grund für den ansteigenden Pilgerstrom ab Mitte des 15. Jahrhunderts waren die zahlreichen Reiseberichte der vielen glücklich und wohlbehalten wieder in die Heimat zurückgekehrten Pilger. Die Motive der Pilger waren sehr vielschichtig. So bot die Pilgerfahrt die Möglichkeit, Handelsbeziehungen auszubauen, für andere war es die Erfüllung eines Gelübdes oder der Dank für ein gewährtes Anliegen. Auch die Auferlegung als Buße oder Strafe konnte eine Rolle für die Pilgerfahrt spielen.46 Ebenso übten „Berufspilger“ gegen angemessene Bezahlung für Dritte die Pilgerfahrt aus. Aber auch der Ablasshandel brachte viele Pilger dazu, ihre Sündenstrafen durch eine Wallfahrt zu verringern. Adlige hatten zudem noch eine besondere Motivation. Sie konnten sich in der Grabeskirche in Jerusalem zum Ritter vom Heiligen Grab schlagen lassen. Dies verschaffte den Pilgern nach ihrer Rückkehr in die Heimat hohes Ansehen. Die damit verbundenen Zeichen, wie z. B. das Jerusalemkreuz, schmückten nach dem Tod der Pilger ihre Grabsteine und Epitaphien. Die sehr persönlichen Reiseberichte zählen nicht nur die Mitreisenden und die täglichen Vorkommnisse auf, sie enthalten auch eine detaillierte Aufzählung über die, die auf der Pilgerfahrt den Tod fanden. Eine genaue Beschreibung der Heiligen Stätte gehörte zu jedem Reisebericht. Hierbei bezog man sich gerne auf die Texte aus älteren Reiseberichten. Die Reisegruppen waren zumeist sehr bunt zusammengesetzt. Neben Adligen mit ihren Dienern gehörten auch Bürgerliche, Mönche und Nonnen dazu. Die Nationalitäten waren zum Teil bunt gemischt. Die Pilger kamen aus allen Richtungen nach Ve- 45 Vgl. S. Kern: Mit aufgespannten Segeln im Namen Gottes nach Jerusalem, in : Susanne Kern: Steinernes Mosaik des Todes, Regensburg 2017, S. 514–529. 46 Vgl. ebenda, S. 514. 40 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen nedig, dem Ausgangspunkt der Schiffsreise ins Heilige Land. Schon zur damaligen Zeit wurde die Schiffsreise im Detail vertraglich festgelegt und häufig notariell beglaubigt.47 Einen besonderen Raum nahmen dabei die Regelungen über die Verpflegung ein. „So sollen die Pilger allwegen morgens ein Gläslein voll Moluasier oder Muscateller ungemischt / mit samtt einer Biscoten … alle tag zweymal zu essen geben / nemlich / morgens und nachts / und an Fleischtagen gut frisch Fleisch /gesottens und gebratens / ehrlich / als wenn sie in einer Herberg weren … sollten sie den Bilgrin Parmason Keß geben …und guten Wein under die Mahlzeit geben / als Roten und Weissen / auf der ganzen Reyß sowie in der Wochen einmal weisse Tischtücher.“ Die Fahrt dauerte mehrere Wochen. Sie ging an Dubrovnik vorbei, es folgten Heraklion auf Kreta und schließlich Jaffa. Eine Eigenart war das Anbringen von Graffiti an den Mauern und Steinen der besuchten historischen Stätten. Noch heute lassen sich z. B. in der Grabeskirche in Jerusalem die Nachweise solcher Besuche aus dem Mittelalter besichtigen. Auch damals war diese „Erinnerungskultur“ nicht von jedem gerne gesehen. In Jaffa angekommen warteten die Pilger auf ihren „Reiseführer“. Dieser gehörte dem Franziskanerorden an, dessen Mönche für die Begleitung und die seelsorgerische Betreuung der Pilger verantwortlich waren. Zusammen mit den venezianischen Reedern und den muslimischen Behörden hatten sie diese Pauschalpilgerreisen fest im Griff.48 Jeder Pilger bekam eine feste Begleitperson, da er sich nicht alleine auf den Heiligen Stätten bewegen durfte. In Jerusalem hatte man dann unter der Führung eines Franziskanerpaters ein strammes Besichtigungsprogramm zu bewältigen. Es war streng verboten, irgendwelche Reliquien zu entwenden. Gleichwohl war es gängige Praxis, sich an den Gesteinen zu bedienen. Auch zur damaligen Zeit herrschte schon ein reger Handel mit gefälschten Reliquien vor Ort. Am Ende des Aufenthalts in Jerusalem stand dann der Ritterschlag. Dieser fand in nächtlicher Stunde in der Grabeskirche nach einer festgelegten Zeremonie statt. Zuvor mussten die Auserwählten einen größeren Geldbetrag an den Franziskanerorden zahlen. 47 Vgl. S. Kern, a. a. O., S. 520. 48 Vgl. ebenda, S. 524. 41 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen Ein Teil der in Jerusalem zum Ritter des Heiligen Grabes geschlagenen Pilger reiste dann noch zum Katharinenkloster auf den Sinai. Hier pilgerte man zum Grab der Heiligen Katharina von Alexandrien, besuchte den Ort des „brennenden Dornbuschs“ und die Stelle, an der Moses Wasser aus dem Felsen schlug. Ein Fläschchen Öl aus dem Katharinenkloster wurde mit nach Hause genommen und in der Heimat als Reliquie der Kirche vermacht. Die Rückreise vom Sinai ging zumeist über Kairo und Alexandria. Dort bestieg man ein Schiff nach Venedig, um nach der Ankunft den weiteren Heimweg anzutreten. Kanzler Ein weiteres Epitaph aus dem Jahr 1588 von Johannes Klotz (12) grenzt sich mit seiner ausführlichen Textdarstellung von den Epitaphien des 16. und auch des 17. Jahrhunderts ab. Durch die ausführliche Lebensbeschreibung wie auch durch die umfassenden Lobpreisungen ist es seiner Zeit voraus. Erstmals findet man Hinweise auf die Verwandten des Verstorbenen, die als Stifter dieses Epitaphs aufgeführt sind. Diese Art von umfangreichen Texten ist erst 100 Jahre später wiederzufinden. Zahlreiche Epitaphien der Angehörigen des Reichskammergerichts lehnten sich daran an. Auch die Bildmotive dieses Epitaphs sind im Wetzlarer Dom ein Unikat für diese Zeit. Handwerker Ein außergewöhnliches Bildmotiv zeigt auch das Epitaph des Johannes Theis (16). Der vor dem gekreuzigten Christus niederkniende Mann zeigt Johannes Theis. Die Besonderheit an dem Bildmotiv ist die Kleidung des Knienden. Diese gehört in die Zeit des Sterbejahrs um 1651. Weiterhin erwähnenswert ist der Text, der in deutscher Sprache auf dem Epitaph aufgetragen ist. Es ist nicht klar, welche gesellschaftliche Stellung Johannes Theis einnahm. Wegen des im Wappen aufgeführten Hobels vermutet man, dass hier einem Tischler oder Schreiner gedacht wird. Weitere Quellen, die dies bestätigen liegen nicht vor. 42 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen Evangelische und katholische Geistliche Eine besondere Gruppe von Epitaphien ist den katholischen und evangelischen Geistlichen gewidmet. So findet man 2 Epitaphien von katholischen (11 + 17) und 4 Epitaphien von evangelischen (18 + 21 + 24 + 27) Geistlichen im Wetzlarer Dom. Während sich die Epitaphien der beiden katholischen Pfarrer durch großflächige Bildmotive, die den Verstorbenen zeigen, auszeichnen, enthalten die Epitaphien der evangelischen Pfarrer überwiegend Texte. Interessant ist ein Vergleich der Epitaphien des katholischen Pfarrers Johann Conrad Hertstein (17) und des evangelischen Pfarrers Jakob Hert (18). Beide liegen mit ihren Sterbejahren dicht beieinander (Herstein 1652, Hert 1658), zeigen aber deutliche Unterschiede in der Gestaltung ihrer Epitaphien. Dem großen Bildnis des katholischen Pfarrers steht ein schlichtes Textfeld des evangelischen Pfarrers gegenüber. Diese bildhafte Schlichtheit setzt sich in allen Epitaphien der evangelischen Pfarrer fort. Hier drückt sich besonders plastisch die Sichtweise der katholischen und evangelischen Kirche in den Epitaphien aus. Jakob Hert führt im Textfeld noch seine Ehefrau und seine 8 Kinder mit auf. Bei Wilhem Cauly (21) werden in sachlicher Form sein Lebensweg und der Lebensweg seiner Ehefrau beschrieben. Das Epitaph des evangelischen Pfarrers Johann Georg Weller (24) beschreibt kurz seinen Lebensweg. In dem Epitaph des evangelischen Pfarrers Johann Friedrich Schultze (27), der 1691 verstorben ist, kann man bereits einen Trend in der textlichen Gestaltung ausmachen, der sich im nächsten Jahrhundert bei fast allen Epitaphien fortsetzt: eine Würdigung der Person, die das ehrenvolle und fromme Leben eines Jeden in den Mittelpunkt stellt. Die in den vorigen Jahrhunderten geübte Praxis einer sachlichen Information tritt in den Hintergrund. Kinder Eine weitere Gruppe von Epitaphien ist Kindern gewidmet. Insgesamt finden wir 4 Epitaphien. Auf dem Epitaph von Johannes und Catharina Willems (19) wird in einem sehr kurzen sachlichen Text der beiden Kinder gedacht, die beide am 28. April 1665 verstorben sind. Der gemeinsame Todestag deutet auf einen Unfall hin. Ebenfalls zeitlich relativ nah 43 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen beisammen liegt das Todesdatum der beiden Kinder Margareth und Johannes Hirshorn (20). Beide Kinder sind 1668 im Alter von 7 bzw. 10 Jahren verstorben. Das Todesdatum lässt die Schlussfolgerung zu, dass beide an einer Krankheit gestorben sein könnten. Weitere Informationen lassen sich dem sachlichen Text des Epitaphs nicht entnehmen. Ein Epitaph, dass Wilhelmine Henrietta von Ludolf (35) gewidmet ist, ehrt die Tochter eines Assessors am Reichskammergericht, die mit 28 Jahren unverheiratet verstorben ist. Der Text auf der Gedenkplatte ist ganz im Stil der Epitaphien der Reichskammergerichtsangehörigen gehalten. Neben kurzen Angaben zur Person wird die Tochter für ihre Frömmigkeit umfassend gelobt. Das letzte Epitaph in der Reihe der Gedenkplatten verstorbener Kinder weist wieder auf eine mögliche Krankheit hin. Dorothee Charlotte und Heinrich Johann Vergenius (52) sind 1776 mit 6 ½ und 1778 mit 11 ½ Jahren verstorben. Der Text enthält ausschließlich die Namen, das Geburts- und das Sterbedatum. Ehefrauen und Mütter Als weitere Gruppe, denen mit einem Epitaph gedacht wird, lassen sich 14 Ehefrauen und 2 Mütter zusammenfassen. Hierbei ist zu unterscheiden, ob der Ehefrau ein eigenes Epitaph gewidmet ist oder ob sie bei ihrem verstorbenen Ehemann mitaufgeführt wird. Den beiden Müttern lässt sich jeweils ein eigenständiges Epitaph zuordnen. So wird der 1599 verstorbenen Dorothea Schwartz (13) und der 1757 verstorbenen Maria Margareta von Ortmann (48) gedacht. Für beide gilt, dass ihr Epitaph eine Verbindung zu jeweils einem anderen Epitaph aufweist. So ist Dorothea Schwartz die Mutter von Anna Elisabeth Gwenden (15), die wiederum die Ehefrau von Philipp Gwenden (14) ist. Maria Margaretha von Ortman ist die Mutter von Johann Peter von Ortmann (51). Beide Epitaphien sind im Hauptschiff des Wetzlarer Doms an der Nordseite nebeneinander angebracht. Die Sterbedaten der Ehefrauen, denen ein eigenes Epitaph gewidmet ist, reichen von 1502 bis 1787. Insgesamt sind 8 solcher Epitaphien vorhanden. Hierzu zählen Lisa Stommel (9), Anna Elisabeth Gwenden (15), Juliane Schlosser (30), Anna Maria Eva Lieb (32), Maria Franziska von Heeser (37), Maria Ursula Bonn (40), Maria Anna Seraphina von Claus- 44 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen bruch (41), Elisabeth von Ruland (53). Die Epitaphien der Ehefrauen von Angehörigen des Reichskammergerichts (ab Juliane Schlosser) sind im aufwändigen Text-und Bildstil der Assessoren des Reichskammergerichts gehalten. Diese Ehefrauen hatten ihren festen Platz im Hierarchiegebilde des Reichskammergerichts, der dann am Ende ihres Lebens einen angemessen Ausdruck im Epitaph gefunden hat. Über die Ehefrauen, derer zusammen mit ihrem Ehemann mit einem gemeinsamen Epitaph gedacht wird, wird zumeist mit einem sachlichen Text über ihr Leben und ihren Tod berichtet. Hierzu zählen Sabina Hert (18), Anna Gertraud Cauly (21), Anna Katharina Mohr (31), Anna Elisabeth Winckler (38), Maria Anna von Borie (46) und Auguste Christiane Elisabethe Rotberg (50). Angehörige des Reichskammergerichts Eine weitere Gruppe, die einen großen Raum mit ihren Epitaphien einnimmt, ist durch die Zugehörigkeit zum Reichskammergericht charakterisiert. Der Sitz des Reichskammergerichts, dem höchsten Gericht des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation von 1689 bis 1806, führte für die Stadt zu Ansehen und Wohlstand. Wenn auch Anfangs die Angehörigen des Reichskammergerichts wenig Begeisterung für die Wahl der Stadt Wetzlar aufbringen konnten, hat man sich dann doch 117 Jahre lang in Wetzlar aufgehalten. Gleichzeitig profitierten die Wetzlarer Bürger von dem Wohlstand der Reichskammergerichtsangehörigen und ihrer Familien. 45 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen Das elitäre Standesdenken der Reichskammer gerichts angehörigen und ihrer Familien Das Standesdenken drückte sich nicht nur gegenüber den übrigen Bürgern der Stadt Wetzlar aus. Auch innerhalb des Reichskammergerichts teilte sich eine weitere Klassengesellschaft auf. Im Jahre 1798 hat Johann Niklas Becker49 eine treff ende Einteilung der Klassengesellschaft des Reichskammergerichtes vorgenommen. Er identifi ziert mehrere Klassen, die jede für sich einen eigenen Standeskosmos ausmachen und selten miteinander in Berührung traten. So waren in der ersten Klasse die Kammerrichter, die Präsidenten und die Assessoren vereint. Diese bildeten quasi den Adelsstand der Reichskammergerichtsangehörigen. Die zweite Klasse setzte sich aus den Advokaten und Prokuratoren zusammen. Gleichwohl, so merkt er an, konnten die Einnahmen der Advokaten und Prokuratoren das Vielfache der Einnahmen der Mitglieder der oberen Klasse ausmachen. Sie hatten aber so gut wie keine Chance den elitären Standesdünkel der ersten Klasse zu durchbrechen. Jede der Klassen lebte für sich in der freien Reichsstadt Wetzlar. Was beide Klassen gemeinsam hatten, war die Abgrenzung gegenüber den Bürgern der Stadt Wetzlar. Gesellschaft liche Verbindungen zu den Bürgen fanden so gut wie nicht statt. Die Hierarchie des Reichskammergerichts hat folgende Stufen: Das höchste Amt hatte der Kammerrichter inne, er war der Stellvertreter des Kaisers und musste katholisch und von hohem Adel sein. Ihm folgten in der Hierarchiestufe seine beiden Vertreter, die Reichskammergerichtspräsidenten. Sie rekrutierten sich zumeist aus Assessoren. Seit dem Augsburger Religionsfrieden musste einer katholisch und einer evangelisch sein.50Danach folgten die Assessoren. Sie waren die Richter, die die Urteile sprachen. Danach kamen die Prokuratoren und Advokaten. Advokaten waren Parteienvertreter, die die Schrift sätze für die Mandanten entwarfen, sie wirkten außergerichtlich. Die Prokuratoren vertraten hingegen die Mandanten vor Gericht, sie waren die eigentlichen Prozessbevollmächtigten der streitenden Partei- 49 Vgl. A. Baumann: Manifestation von Standesdünkel? Die Grabmäler der Reichskammergerichtsangehörigen im Wetzlarer Dom, in: Reiner Sörries (Hrsg): Kultur des Todes, Kassel 2007, S. 9–20, hier S. 9. 50 Vgl. ebenda, S. 10. 46 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen en. Diese konnten aber auch die Aufgaben der Advokaten wahrnehmen. Im Laufe der Zeit setzte sich durch, dass die Prokuratoren auch häufi ger die Aufgaben der Advokaten übernahmen. Die Ausbildung war gleich, beide mussten ein akademisches Studium absolvieren und den Grad eines juristischen Doktors oder Lizentiaten erwerben. „Am Gericht klagen konnten Fürsten, Grafen und Reichsritter aber auch Untertanen. Allerdings waren deren Klagemöglichkeiten durch sog. Appellationsprivilegien ihrer Herrschaft eingeschränkt.“51 Das Reichs kammergericht war nur für zivilrechtliche Streitigkeiten zuständig, wie z. B. bei Fällen die Erbschaft en, Schulden, gebrochene Verträge, Abgaben, Fronen, Pfändungen, Versicherungen, Landfriedensbruch, Grenzstreitigkeiten und Religionskonfl ikte. Der Standesdünkel zwischen den Richtern und Anwälten setzte sich in der Zeit des Reichskammergerichtes in Wetzlar von 1689 bis 1806 ständig fort. Die Richter hatten gegenüber den Advokaten und Prokuratoren Disziplinargewalt, die sie auch umfassend wahrnahmen. So waren gesellschaft liche Kontakte zwischen den Hierarchiestufen der Reichskammergerichtsangehörigen verpönt.52 Baumann fasst diesen Standesdünkel und die Abschottung von Seiten der Richter in der Frage zusammen, ob sich dies auch in der Wahl der Grabstätte bzw. dem Standort für die Epitaphien ausdrückte.53 Allein die Tatsache, dass ein Epitaph im Wetzlarer Dom platziert ist, zeigt das Privileg der Reichskammergerichtsangehörigen. Durch die übliche Bezahlung an die Kirchengemeinde bei einer Platzierung einer Gedenkplatte oder sogar einer Grablegung im Dom wurde die Besonderheit dokumentiert. Bezüglich der Wahl des Standortes kann man heute keine Wertung mehr vornehmen, da sich kein Epitaph bzw. Grabplatte mehr am ursprünglichen Ort befi ndet. Interessant ist, dass sich im Wetzlarer Dom keine Gedenkplatte eines Kammerrichters oder eines Präsidenten befi ndet. Diese wurden in ihrer Heimatstadt in der Familiengrabstätte beerdigt. Was man fi ndet, sind 15 Epitaphien von Assessoren und 2 Epitaphien von Prokuratoren. 51 A. Baumann, a. a. O., S. 9. 52 Vgl. ebenda, S. 10. 53 Vgl. ebenda, a. a. O., S. 10. 47 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen Zwei weitere Epitaphien gehören zum Arzt der Reichskammergerichtsangehörigen (50) und eine große Besonderheit, zu einem Diener eines Kammerrichters (34). Das erste Epitaph, das einem Assessor gewidmet ist, gehört Erich Mauritius (26). Die Textstellen des Epitaphs für Erich Mauritius, der 1691 verstorben ist, vermitteln einen sehr guten Eindruck darüber, wie man sachliche und emotionale Informationen über das Leben eines Assessors auf einer Gedenkplatte präsentiert. Diese Art des überbordenden Lobs setzte sich nahezu bei allen weiteren Epitaphien der Assessoren und Prokuratoren fort. Mauritius selber wurde bekannt durch juristische Studien und Schrift en über Hexenprozesse. Der Richter, der über Hexen urteilte Die von Mauritius 1664 an der Tübinger Universität vorgelegte Dissertation behandelte die Hexerei und Hexenprozesse. Er selber hatte einen unerschütterlichen Glauben an Hexen und an die Macht des Teufels. Eine gerichtliche Verfolgung der Hexen sah er als unabdingbar an. Seine Schrift en über die Hexen behandelten grundsätzlich juristische Sachverhalte. So war es üblich, die Beschuldigten aufgrund von zwei oder drei Zeugenaussagen einer sog. „peinlichen Befragung“, also der Folter zu unterziehen. Widerstand der Beklagte dieser Tortur, ohne seine Schuld zu bekennen, hatte das Gerichtsurteil auf Freispruch zu lauten.54 Allerdings stellte Mauritius die übliche Praxis der Schuldfähigkeit in Frage. Ein Indiz für die Schuldhaft igkeit von Beklagten wurde aus der sog. Wasserprobe abgeleitet. Daneben gab es eine weitere Untersuchungsmethode nach einer Schuldfähigkeit, die sog. Nadelprobe. Bei der Wasserprobe dominierte die gebundene Wasserprobe. Hierbei wurden dem Beklagten die rechte Hand an den linken Fuß und die linke Hand an den rechten Fuß gebunden. Dann wurde der Beklagte, meist von einem Boot aus, vom Scharfrichter ins Wasser geworfen. Zur Bergung wurde ein Sicherheitsstrick an dem Beschuldigten 54 Vgl. S. Lorenz: Erich Mauritius († 1691 in Wetzlar) – ein Jurist im Zeitalter der Hexenverfolgung, Schrift enreihe der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung, Heft 27, Wetzlar 2001, S. 19. 48 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen befestigt. Ging der Delinquent unter, war er unschuldig, schwamm er jedoch, dann war er schuldig.55 Dass dabei in den meisten Fällen die Beschuldigten, die untergingen, ihr Leben ließen, wurde in Kauf genommen. Immerhin hatte die Justizbehörde dann den Beweis, dass die Beschuldigten unschuldig war. Bei der Nadelprobe, die Mauritius ebenfalls ablehnte, untersuchte das Gericht den Beschuldigten auf Hexenmale. Dies war nach allgemeinem Verständnis der Beweis für einen Vertragsschluss mit dem Teufel, der dies durch das „Hexenmal“ auf dem Körper des Beschuldigten dokumentierte. Stach der Scharfrichter mit einer Nadel in das Mal und der oder die Beklagte zeigte keinen Schmerz und es fl oss kein Blut, dann war dies ein „juristisches“ Indiz für die Schuldfähigkeit. Dabei wurden auch Werkzeuge eingesetzt, die zum Betrug an den Opfern dienten, denn bei ihnen wich bei Druck die Nadel in den Schaft zurück, sodass weder Schmerz noch Blutfl uss entstehen konnten. Einen großen Teil seiner Dissertation widmete Mauritius der sog. Besagung. Darunter versteht man die Anschuldigung Dritter gegen- über dem oder der Beklagten. Mauritius erkannte die Gefahr der Willkürlichkeit einer solchen Besagung und lehnte sie mit juristischer Argumentation ab. Eine solche „Anschwärzung“ könne nicht zu Verurteilung, Folter oder Inhaft ierung führen. Diese Meinung war in Juristenkreisen im 17. Jahrhundert allerdings strittig. 1665 wechselte Mauritius an die Universität Kiel, wo er die erste Professur an der Juristenfakultät übernahm. Auch hier war er mit juristischen Gutachten im Zusammenhang mit Hexenprozessen befasst.56 Seine Gutachten zeigen, dass er auch in Kiel den Glauben an Hexen nicht ablegte, aber auch im Interesse der Beschuldigten zur Vorsicht und Mäßigung bei der Schuldfrage riet. Diese Sichtweise verhinderte aber nicht, dass 1671 aufgrund einer juristischen Stellungnahme von Mauritius 12 Personen wegen Hexerei zur sog. Feuerstrafe herangezogen, d. h. verbrannt wurden.57 Diese Personen hätten nach der „peinlichen Befragung“ gestanden, dass sie Gott verlassen haben, um sich dem Teufel zu ergeben und Schaden an Mensch und Vieh anzurichten. 55 Vgl. S. Lorenz, a. a. O., S. 21. 56 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 29. 57 Vgl. ebenda, S. 29. 49 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen Der schwäbische Kreis präsentierte ihn 1671 zum Assessor am Reichskammergericht in Speyer. 1689 fl üchtete er vor den französischen Truppen von Speyer nach Frankfurt am Main, um ein Jahr später nach Wetzlar überzusiedeln.58 Dort ist er dann am 1. September 1691 gestorben. Der Assessor Erich Mauritius war laut Lorenz59 der einzige Richter des Reichskammergerichts, der sich intensiv mit Fragen der Hexerei befasste. 1697 folgte das zweite Epitaph eines Angehörigen des Reichskammergerichts. Der Prokurator Johannes Eichrodt (28) war zunächst Advokat in Speyer und wurde dann Prokurator. Sein Epitaph enthält die Inschrift „… und so kehrte er, der schon längst Asche gewesen war, zur Asche zurück.“ Die Deutung dieser Inschrift könnte darauf hinweisen, dass Eichrodt den erzwungenen Wechsel nach Wetzlar nicht gut verkraft ete und ihm der elitäre Standesdünkel der Assessoren in seinen letzten Lebensjahren schwer zu schaff en gemacht hatte.60 Ein sehr schön gestaltetes Epitaph ist dem Assessor Hulderich von Eyben (29) gewidmet, der 1699 verstorben ist. Auch auf diesem Epitaph sind wieder umfassend löbliche Textstellen über den Ruhm und die unzähligen Verdienste des Verstorbenen aufgeführt. Das zweite Epitaph eines Prokurators gehört Gotthart Johann Marquart (31), der 1710 verstorben ist. Auch Marquart war zunächst als Advokat in Speyer und dann ab 1690 als Prokurator in Wetzlar tätig. Sein Epitaph, das auch seiner Ehefrau gewidmet ist, ist textlich und in seiner Bilddarstellung sehr schlicht gehalten und hebt sich daher von den sonst üblichen Epitaphien der Assessoren deutlich ab. Die weiteren Epitaphien der Assessoren des Reichskammergerichts, die sich in ihren Bildmotiven ähneln aber sich auch in der textlichen Gestaltung zwischen sachlichen Informationen und zum Teil umfassenden Lobpreisungen unterscheiden, betreff en Friedrich Schrag (33), Christoph Gottfried von Geismar (36), Joachim Georg von Plönnies (39), Johann Melchior Cramer und Johann Arnold Heinrich Joseph von Clausbruch (41), Friedrich Kasimir von Gemmingen (42), Johann Chris- 58 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 36. 59 Vgl. S. Lorenz, a. a. O., S. 36. 60 Vgl. ebenda, S. 17. 50 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen toph von Schmitz (43), Joahnn Stepan von Speckmann (44), Anton Gerlach von Schwartzenfels (45), Johann Franz Aegidius von Borie (46), Gerard Georg Wilhelm Franz Xaver Freiherr von Vogelius (47), Valentin Ferdinand Freiherr von Gudenus (49) und Johann Peter von Ortmann (51). Drei dieser Assessoren heben sich durch einige Besonderheiten aus der Fülle der Assessoren heraus. So ist das Epitaph des Friedrich Kasimir von Gemmingen trotz der herausragenden Stellung des Verstorbenen textlich auf das notwendigste beschränkt. Das weitverzweigte Rittergeschlecht Gemmingen gehörte zu den ältesten und angesehensten Familien der Reichsritterschaft. Weniger bedeutende Assessoren erwecken daher durch die aufwändige Gestaltung und den oft großen Lobpreisungen den Eindruck, dass ihre Angehörigen die Verstorbenen noch einmal nach ihrem Tod besonders in den Mittelpunkt stellen wollten. Über den Verstorbenen Assessor Johann Christoph Schmitz (43) ist aus Sekundärquellen bekannt, dass er durch drei für ihn äußerst vorteilhafte Ehen seine Reichskammergerichtskarriere nachhaltig förderte. Und letztlich zeigt sich bei dem Assessor Johann Stephan von Speckmann (44), dass sich das am Reichskammergericht vorherrschende Standesdenken auch einmal durchbrechen ließ. Dieser Assessor war einer der wenigen, der es, trotz erheblicher Widerstände, vom Prokurator zum Assessor schaffte. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation im Jahre 1806 endete auch die Zeit des Reichskammergerichts in Wetzlar. Im Jahre 1791 endet die Praxis, mit Epitaphien im Wetzlarer Dom an die Verstorbenen zu erinnern. 51 Der Wetzlarer Dom – Besonderheiten der Epitaphien, Grabplatten und Personen 53 6. Rundweg zur Besichtigung der Epitaphien Alle 53 Epitaphien sind neu erfasst und in eine zeitgemäße Übersetzung im 7. Gliederungspunkt dargestellt. Diese Dokumentation ist historisch nach dem Sterbejahr gegliedert. Das älteste Epitaph von Richolf Reige stammt aus dem Jahr 1362 und befindet sich an der nördlichen Außenwand, direkt neben dem Außeneingang der evangelischen Sakristei. Ein weiteres Epitaph jüngeren Datums von Elisabeth von Ruland aus dem Jahr 1787 ist direkt daneben platziert. Links vom Südeingang zum Chorbereich befindet sich ein weiteres Epitaph aus dem Jahr 1484. Im Heidenhof61 befinden sich 10 weitere Epitaphien, die in die Zeit von 1385 bis 1751 zu datieren sind. Im Inneren des Doms sind 40 weitere Epitaphien in chronologischer Unordnung platziert. Eine Besichtigung nach dem jeweiligen Todesjahr würde vom Besucher ein ständiges Suchen und Querlaufen im Dom, im Heidenhof und um den Dom herum erfordern. Da sich dieses Buch an den interessierten Besucher und nicht an den ausgebildeten Historiker richtet, wird hier ein Rundweg angeboten, der es dem Besucher ermöglicht, über die Ordnung des historischen Sterbejahrs hinaus einen vorgegebenen Weg zu beschreiten, der ihn zielgerichtet an jedes Epitaph heranführt. Insofern sind in diesem Buch zwei unterschiedliche Aufzählungen relevant. Einmal gibt es im Dokumentationsteil eine Aufzählung nach dem historischen Sterbejahr. Hierbei gilt, dass bei einigen Epitaphien mehrerer Personen gedacht wird und sich damit die Zahl der Personen gegenüber der Zahl der Epitaphien um 12 erhöht. Die 53 Epitaphien enthalten insgesamt 65 Personen, denen hier ein Denkmal gesetzt wurde. Bezieht man noch die 8 Kinder mit ein, die auf dem Epitaph des evangelischen Pfarrers Jakob Hert mitaufgeführt sind, erhöht sich die Anzahl auf 73 Personen. 61 Vgl. zur Bedeutung des Heidenhofs die Erläuterungen in: J. Wegmann, a. a. O., S. 25 f. Zum anderen ist eine zweite Nummerierung nach einem vorgegebenen Weg vorgenommen worden. Wobei sich dieser Rundweg nach vier unterschiedlichen Standorten aufgliedert. Der erste Standort befindet sich im Dom, der zweite Standort führt nach draußen zur Südseite des Doms durch die Außentür des Chorbereiches, der dritte Standort ist der Heidenhof und der vierte Standort liegt im Außenbereich auf der Nordseite neben der evangelischen Sakristei. Zunächst betritt man den Wetzlarer Dom durch das heutige Hauptportal an der Südseite, wendet sich nach dem Eintritt nach links und geht weiter unter der Empore der Orgel an der Westseite entlang und kann danach die Epitaphien auf der Nordseite bis zum Eingang der evangelischen Sakristei besichtigen. Dann wendet man sich nach links in das Nordschiff, dort kann man auf der Westseite, dann auf der Nordseite und sodann auf der Ostseite des Nordschiffs eine Reihe unterschiedlichster Epitaphien betrachten. Durch die Eingangstür der Stephanuskapelle gehend kann man das Epitaph im Innenbereich über der Eingangstür besichtigen. Wenn man sich nach der Stephanuskapelle wieder nach links wendet, gelangt man in den Chorbereich, wo man in Höhe der Eingangstür zur katholischen Sakristei ein weiteres Epitaph sehen kann. Direkt gegenüber, auf der Südseite des Chorbereichs befindet sich ein weiteres Epitaph. Durch einen offenen Durchgang gelangt man in den Vorraum zum Chorbereich, in die frühere Muttergotteskapelle. Hier ist ein Epitaph direkt gegenüber der Eingangstür zu sehen. Danach wendet man sich kurz nach außen und verlässt den Dom durch die Tür zum Eingangsbereich des Chores, hin zum zweiten Standort. Dort kann man in der linken Wand ein schmuckvolles eingemauertes Epitaph besichtigen. Danach betritt man den Dom wieder durch die Eingangstür zum Chorbereich. Man befindet sich dann wieder in der ehemaligen Muttergotteskapelle. Wenn man sich dann in das Südschiff begibt, so wird man direkt rechts an der Innenwand ein sehr schmuckvolles Epitaph sehen. Links im Südschiff, an der Ostwand, an der Südwand und an der Westwand befinden sich weitere Epitaphien. Nach Verlassen des Südschiffs kann man vor dem Eintritt in die Johanneskapelle weitere Epitaphien anschauen. Nach dieser Besichtigung im Dom kann man sich als dritten zentralen Ort im Heidenhof zehn weitere Epitaphien anschauen. Der vierte Ort, wo sich zwei weitere Epitaphien befinden, liegt auf der Außenseite im Norden des Doms. Der so beschriebene Weg ist in dem nachstehend abgebildeten Grundrissplan des Wetzlarer Doms durchgehend nummeriert (von 1 bis 53). 54 Rundweg zur Besichtigung der Epitaphien 52 Abb. 2: Standorte der Epitaphien im Rundweg 18 9 8 7 6 5 4 3 2 1 17 34 53 52 12 11 10 19 16 15 13 14 24 20 23 22 21 29 28 27 26 25 36 35 30 31 33 32 41 40 39 38 37 46 45 44 43 42 51 50 49 48 47 Abb. 2: Standorte der Epitaphien im Rundweg 55 Rundweg zur Besichtigung der Epitaphien Ei ne Z uo rd nu ng z u de n je w ei lig en E pi ta ph ie n na ch d er N r. de s R un dw eg s u nd d er D ok um en ta tio n, d em S te rb ej ah r, de m N am en u nd d er g es el lsc ha ftl ic he n St el lu ng e nt hä lt na ch st eh en de T ab el le . G es el lsc ha ft lic he S te llu ng Eh ef ra u vo n Jo ha nn B on n, A dv oc at us fi sc i am R K G A ss es so r a m R K G H of ra t u nd A rc hi va r b ei K am m er ric ht er F ro be ni us Fe rd in an d vo n Fü rs te nb er g Ev an ge lis ch er P fa rr er K an zl er v on O be rh es se n Eh ef ra u vo n Jo ha nn M el ch io r C ra m er vo n C la us br uc h A ss es so r a m R K G , S oh n vo n Se ra ph in a un d M el ch io r C ra m er v on C la us br uc h A ss es so r a m R K G , S oh n vo n Se ra ph in a un d C ra m er v on C la us br uc h A ss es so r a m R K G M ut te r d es A ss es so rs a m R K G J oh an n Pe te r vo n O rt m an n A ss es so r a m R K G Eh ef ra u de s ka is er lic he n Po st m ei st er s A ns el m Fr an z Jo se ph v on L öh r A ss es so r a m R K G A ss es so r a m R K G H es si sc he r V og t d es F ür st en z u H es se n Eh ef ra u vo n Ph ili pp G w en de n Ev an ge lis ch er P fa rr er Eh ef ra u vo n Ja ko b H er t A ss es so r a m R K G Eh ef ra u vo n Re ch ts be is ta nd J oh an ne s H er m an n H ar tz he im N am e M ar ia U rs ul a B on n A nt on G er la ch v on Sc hw ar tz en fe ls Fr an z Ri ch ar d Jo ha nn G eo rg W el le r Jo ha nn es K lo tz M ar ia A nn a Se ra ph in a vo n C la us br uc h Jo h. M el ch io r C ra m er vo n C la us br uc h Jo h. A rn ol d H ei nr ic h Jo se ph v on C la us br uc h C hr is to ph G ot tf rie d vo n G ei sm ar M ar ia M ar ga re ta vo n O rt m an n Jo ha nn P et er vo n O rt m an n M ar ia F ra nz is ka vo n H ee se r Er ic h M au rit iu s Jo ac hi m G eo rg v on Pl ön ni es Ph ili pp G w en de n A nn a El is ab et h G w en de n Ja ko b H er t Sa bi na H er t Va le nt in F er di na nd Fr ei he rr v on G ud en us Ju lia ne S ch lo ss er St er be ja hr 17 34 17 52 17 21 16 83 15 88 17 34 17 40 17 92 17 25 17 57 17 75 17 27 16 91 17 33 16 05 16 11 16 58 16 71 17 58 17 10 N r. de r D ok um en ta tio n 40 45 34 24 12 41 41 41 36 48 51 37 26 39 14 15 18 18 49 30 N r. de s Ru nd w eg s 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 56 Rundweg zur Besichtigung der Epitaphien Ei ne Z uo rd nu ng z u de n je w ei lig en E pi ta ph ie n na ch d er N r. de s R un dw eg s u nd d er D ok um en ta tio n, d em S te rb ej ah r, de m N am en u nd d er g es el lsc ha ftl ic he n St el lu ng e nt hä lt na ch st eh en de T ab el le . G es el lsc ha ft lic he S te llu ng Eh ef ra u vo n Jo ha nn B on n, A dv oc at us fi sc i am R K G A ss es so r a m R K G H of ra t u nd A rc hi va r b ei K am m er ric ht er F ro be ni us Fe rd in an d vo n Fü rs te nb er g Ev an ge lis ch er P fa rr er K an zl er v on O be rh es se n Eh ef ra u vo n Jo ha nn M el ch io r C ra m er vo n C la us br uc h A ss es so r a m R K G , S oh n vo n Se ra ph in a un d M el ch io r C ra m er v on C la us br uc h A ss es so r a m R K G , S oh n vo n Se ra ph in a un d C ra m er v on C la us br uc h A ss es so r a m R K G M ut te r d es A ss es so rs a m R K G J oh an n Pe te r vo n O rt m an n A ss es so r a m R K G Eh ef ra u de s ka is er lic he n Po st m ei st er s A ns el m Fr an z Jo se ph v on L öh r A ss es so r a m R K G A ss es so r a m R K G H es si sc he r V og t d es F ür st en z u H es se n Eh ef ra u vo n Ph ili pp G w en de n Ev an ge lis ch er P fa rr er Eh ef ra u vo n Ja ko b H er t A ss es so r a m R K G Eh ef ra u vo n Re ch ts be is ta nd J oh an ne s H er m an n H ar tz he im N am e M ar ia U rs ul a B on n A nt on G er la ch v on Sc hw ar tz en fe ls Fr an z Ri ch ar d Jo ha nn G eo rg W el le r Jo ha nn es K lo tz M ar ia A nn a Se ra ph in a vo n C la us br uc h Jo h. M el ch io r C ra m er vo n C la us br uc h Jo h. A rn ol d H ei nr ic h Jo se ph v on C la us br uc h C hr is to ph G ot tf rie d vo n G ei sm ar M ar ia M ar ga re ta vo n O rt m an n Jo ha nn P et er vo n O rt m an n M ar ia F ra nz is ka vo n H ee se r Er ic h M au rit iu s Jo ac hi m G eo rg v on Pl ön ni es Ph ili pp G w en de n A nn a El is ab et h G w en de n Ja ko b H er t Sa bi na H er t Va le nt in F er di na nd Fr ei he rr v on G ud en us Ju lia ne S ch lo ss er St er be ja hr 17 34 17 52 17 21 16 83 15 88 17 34 17 40 17 92 17 25 17 57 17 75 17 27 16 91 17 33 16 05 16 11 16 58 16 71 17 58 17 10 N r. de r D ok um en ta tio n 40 45 34 24 12 41 41 41 36 48 51 37 26 39 14 15 18 18 49 30 N r. de s Ru nd w eg s 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 57 Rundweg zur Besichtigung der Epitaphien Ei ne Z uo rd nu ng z u de n je w ei lig en E pi ta ph ie n na ch d er N r. de s R un dw eg s u nd d er D ok um en ta tio n, d em S te rb ej ah r, de m N am en u nd d er g es el lsc ha ftl ic he n St el lu ng e nt hä lt na ch st eh en de T ab el le . G es el lsc ha ft lic he S te llu ng To ch te r d es P ro ku ra to rs J oh an n G eo rg V er ge ni us So hn d es P ro ku ra to rs J oh an n G eo rg V er ge ni us G es el ls ch af tli ch e St el lu ng z w ei fe lh af t A ss es so r a m R K G A ss es so r a m R K G Pr ok ur at or a m R K G Eh ef ra u vo n G ot th ar d Jo ha nn M ar qu ar t Sc hö ffe Eh ef ra u Ri tt er K an on ik er d es M ar ie ns tif ts A ss es so r a m R K G Eh ef ra u vo n Jo ha nn F ra nz A eg id iu s vo n B or ie zu S ch oe nb ac h Eh ep aa r A ss es so r a m R K G K at ho lis ch er P fa rr er Ri tt er Eh ef ra u vo n Vo gt E be rh ar d St om m el Ri tt er N am e D or ot he e C ha rlo tt e Ve rg en iu s H ei nr ic h Jo ha nn Ve rg en iu s Jo ha nn es T he is G er ar d G eo rg W ilh el m Fr an z X av er F re ih er r vo n Vo ge liu s Fr ie dr ic h Sc hr ag G ot th ar d Jo ha nn M ar qu ar t A nn a K at ha rin a M oh r Jo ha nn F rie dr ic h Pa us ch A nn a M ar ia E va L ie bi n A ns el m H un Jo ha nn es v on de r K ra en Jo h. F ra nz A eg id iu s vo n B or ie z u Sc ho en ba ch M ar ia A nn a vo n B or ie Lu dw ig u nd P am el ia Pu ss el H ul de ric h vo n Ey be n C as pa r D re ko l H ey de nr ei ch v on D er nb ac h Li sa S to m m el g eb . Sc hu tz ba r g en an nt M ilc hl in g Ph ili p vo n B ic ke n de r J ün ge re St er be ja hr 17 76 17 78 16 51 – 16 81 ? 17 55 17 18 17 10 16 91 16 89 17 11 13 72 – 13 83 ? 13 96 17 53 17 46 14 84 16 99 15 27 14 90 ? 15 02 15 03 ? N r. de r D ok um en ta tio n 52 52 16 47 33 31 31 25 32 2 3 46 46 6 29 11 8 9 10 N r. de s Ru nd w eg s 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 58 Rundweg zur Besichtigung der Epitaphien Ei ne Z uo rd nu ng z u de n je w ei lig en E pi ta ph ie n na ch d er N r. de s R un dw eg s u nd d er D ok um en ta tio n, d em S te rb ej ah r, de m N am en u nd d er g es el lsc ha ftl ic he n St el lu ng e nt hä lt na ch st eh en de T ab el le . G es el lsc ha ft lic he S te llu ng To ch te r d es P ro ku ra to rs J oh an n G eo rg V er ge ni us So hn d es P ro ku ra to rs J oh an n G eo rg V er ge ni us G es el ls ch af tli ch e St el lu ng z w ei fe lh af t A ss es so r a m R K G A ss es so r a m R K G Pr ok ur at or a m R K G Eh ef ra u vo n G ot th ar d Jo ha nn M ar qu ar t Sc hö ffe Eh ef ra u Ri tt er K an on ik er d es M ar ie ns tif ts A ss es so r a m R K G Eh ef ra u vo n Jo ha nn F ra nz A eg id iu s vo n B or ie zu S ch oe nb ac h Eh ep aa r A ss es so r a m R K G K at ho lis ch er P fa rr er Ri tt er Eh ef ra u vo n Vo gt E be rh ar d St om m el Ri tt er N am e D or ot he e C ha rlo tt e Ve rg en iu s H ei nr ic h Jo ha nn Ve rg en iu s Jo ha nn es T he is G er ar d G eo rg W ilh el m Fr an z X av er F re ih er r vo n Vo ge liu s Fr ie dr ic h Sc hr ag G ot th ar d Jo ha nn M ar qu ar t A nn a K at ha rin a M oh r Jo ha nn F rie dr ic h Pa us ch A nn a M ar ia E va L ie bi n A ns el m H un Jo ha nn es v on de r K ra en Jo h. F ra nz A eg id iu s vo n B or ie z u Sc ho en ba ch M ar ia A nn a vo n B or ie Lu dw ig u nd P am el ia Pu ss el H ul de ric h vo n Ey be n C as pa r D re ko l H ey de nr ei ch v on D er nb ac h Li sa S to m m el g eb . Sc hu tz ba r g en an nt M ilc hl in g Ph ili p vo n B ic ke n de r J ün ge re St er be ja hr 17 76 17 78 16 51 – 16 81 ? 17 55 17 18 17 10 16 91 16 89 17 11 13 72 – 13 83 ? 13 96 17 53 17 46 14 84 16 99 15 27 14 90 ? 15 02 15 03 ? N r. de r D ok um en ta tio n 52 52 16 47 33 31 31 25 32 2 3 46 46 6 29 11 8 9 10 N r. de s Ru nd w eg s 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 59 Rundweg zur Besichtigung der Epitaphien Ei ne Z uo rd nu ng z u de n je w ei lig en E pi ta ph ie n na ch d er N r. de s R un dw eg s u nd d er D ok um en ta tio n, d em S te rb ej ah r, de m N am en u nd d er g es el lsc ha ftl ic he n St el lu ng e nt hä lt na ch st eh en de T ab el le . G es el lsc ha ft lic he S te llu ng K am m er he rr u nd R at d es K ai se rs K at ho lis ch er P fa rr er A rz t d es R ei ch sk am m er ge ric ht s Eh ef ra u vo n H ei nr ic h C hr is to ph R ot be rg To ch te r d es A ss es so rs a m R K G G eo rg M el ch io r A ss es so r a m R K G A ss es so r a m R K G Ev an ge lis ch er P fa rr er Ev an ge lis ch er P fa rr er K an on ik us d es M ar ie ns tif ts K an on ik us d es M ar ie ns tif ts B uc hd ru ck er u nd B uc hh än dl er Eh ef ra u vo n G eo rg E rn st W in ck le r M ut te r d er A nn a El is ab et h G w en di n K an on ik us o de r D ek an d es M ar ie ns tif ts D ek an a m W et zl ar er C ol le gi as tif t K in de r d es J oh an n W ill em s To ch te r u nd S oh n vo n Jo ha nn a Re in ha rt u nd Jo ha nn es H irs ho rn Pr ok ur at or a m R K G A ss es so r a m R K G Sc hö ffe Eh ef ra u vo n Pr ok ur at or J oh an n A lb er t R ul an d N am e A da m Q ui nt in v on H er be rs te in Jo ha nn C on ra d H er ts te in H ei nr ic h C hr is to ph Ro tb er g A ug us te C hr is tia ne El is ab et he R ot be rg W ilh el m in e H en rie tt a vo n Lu do lf Fr ie dr ic h K as im ir vo n G em m in ge n Jo ha nn C hr is to ph v on Sc hm itz Jo ha nn F rie dr ic h Sc hu ltz e W ilh el m C au ly N yc ol as v on d er K ra e N yc ol as v on d er K ra e G eo rg E rn st W in ck le r A nn a El is ab et h W in ck le r D or ot he a Sc hw ar tz C un o vo n Rü ck in ge n H . J oh an ne s Se rv at iu s D ie tr ic h Jo ha nn es u nd C at ha rin a W ill em s M ar ga re th u nd Jo ha nn es H irs ho rn Jo ha nn es E ic hr od t Jo h. S te ph an v on Sp ec km an n Ri ch ol f R ei ge El is ab et h vo n Ru la nd St er be ja hr 16 74 16 52 17 67 17 55 17 24 17 44 17 47 16 91 16 70 / 16 71 14 28 14 28 17 28 17 32 15 99 14 00 16 73 16 65 16 68 16 97 17 51 13 62 17 87 N r. de r D ok um en ta tio n 23 17 50 50 35 42 43 27 21 5 5 38 38 13 4 22 19 20 28 44 1 53 N r. de s Ru nd w eg s 35 36 37 38 39 40 41 42 43 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 60 Rundweg zur Besichtigung der Epitaphien Ei ne Z uo rd nu ng z u de n je w ei lig en E pi ta ph ie n na ch d er N r. de s R un dw eg s u nd d er D ok um en ta tio n, d em S te rb ej ah r, de m N am en u nd d er g es el lsc ha ftl ic he n St el lu ng e nt hä lt na ch st eh en de T ab el le . G es el lsc ha ft lic he S te llu ng K am m er he rr u nd R at d es K ai se rs K at ho lis ch er P fa rr er A rz t d es R ei ch sk am m er ge ric ht s Eh ef ra u vo n H ei nr ic h C hr is to ph R ot be rg To ch te r d es A ss es so rs a m R K G G eo rg M el ch io r A ss es so r a m R K G A ss es so r a m R K G Ev an ge lis ch er P fa rr er Ev an ge lis ch er P fa rr er K an on ik us d es M ar ie ns tif ts K an on ik us d es M ar ie ns tif ts B uc hd ru ck er u nd B uc hh än dl er Eh ef ra u vo n G eo rg E rn st W in ck le r M ut te r d er A nn a El is ab et h G w en di n K an on ik us o de r D ek an d es M ar ie ns tif ts D ek an a m W et zl ar er C ol le gi as tif t K in de r d es J oh an n W ill em s To ch te r u nd S oh n vo n Jo ha nn a Re in ha rt u nd Jo ha nn es H irs ho rn Pr ok ur at or a m R K G A ss es so r a m R K G Sc hö ffe Eh ef ra u vo n Pr ok ur at or J oh an n A lb er t R ul an d N am e A da m Q ui nt in v on H er be rs te in Jo ha nn C on ra d H er ts te in H ei nr ic h C hr is to ph Ro tb er g A ug us te C hr is tia ne El is ab et he R ot be rg W ilh el m in e H en rie tt a vo n Lu do lf Fr ie dr ic h K as im ir vo n G em m in ge n Jo ha nn C hr is to ph v on Sc hm itz Jo ha nn F rie dr ic h Sc hu ltz e W ilh el m C au ly N yc ol as v on d er K ra e N yc ol as v on d er K ra e G eo rg E rn st W in ck le r A nn a El is ab et h W in ck le r D or ot he a Sc hw ar tz C un o vo n Rü ck in ge n H . J oh an ne s Se rv at iu s D ie tr ic h Jo ha nn es u nd C at ha rin a W ill em s M ar ga re th u nd Jo ha nn es H irs ho rn Jo ha nn es E ic hr od t Jo h. S te ph an v on Sp ec km an n Ri ch ol f R ei ge El is ab et h vo n Ru la nd St er be ja hr 16 74 16 52 17 67 17 55 17 24 17 44 17 47 16 91 16 70 / 16 71 14 28 14 28 17 28 17 32 15 99 14 00 16 73 16 65 16 68 16 97 17 51 13 62 17 87 N r. de r D ok um en ta tio n 23 17 50 50 35 42 43 27 21 5 5 38 38 13 4 22 19 20 28 44 1 53 N r. de s Ru nd w eg s 35 36 37 38 39 40 41 42 43 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 Abb. 3: Liste der Epitaphien, geordnet nach dem Rundweg 61 Rundweg zur Besichtigung der Epitaphien 63 7. Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom 7.1. Erläuterungen zur Dokumentation In diesem Gliederungspunkt werden alle 53 Epitaphien und Grabplatten beschrieben. Bereits 1925 hat Heinrich Gloël eine umfassende Beschreibung der Epitaphien des Wetzlarer Doms vorgelegt.62 Veröffentlicht wurden die Beschreibungen und Übersetzungen der Texte in den Mitteilungen des Wetzlarer Geschichtsvereins. Oda Peter hat 1999 in der Broschüre „Der Dom zu Wetzlar – Kunstwerke aus fünf Jahrhunderten 8 Epitaphien beschrieben. 2008 sind im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen 24 Epitaphien des Wetzlarer Doms umfassend beschrieben worden. Hierbei wurden die Epitaphien der Reichskammergerichtsangehörigen allerdings ausgeklammert. Vergleicht man diese drei Beschreibungen, so fallen zum Teil unterschiedliche Interpretationen bezüglich der Personen, der Übersetzungen und der Jahreszahlen auf. In der nachfolgend dargestellten Dokumentation wird auf diese Unterschiede hingewiesen. Soweit dies möglich und auch plausibel ist, werden diese unterschiedlichen Interpretationen einer neuen Bewertung unterzogen. Da es sich nicht immer um Informationen handelt, die historisch durch authentische Dokumente belegt sind, bleibt ein Rest an Unsicherheit bei der detaillierten Beschreibung der Epitaphien. Um eine Einheitlichkeit in der Dokumentation der Epitaphien des Wetzlarer Doms zu gewährleisten, werden die 53 Epitaphien im Folgenden nach den gleichen Ordnungskriterien beschrieben. 62 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O. Das erste Ordnungskriterium ist das Sterbejahr der Verstorbenen. Die hier gewählte Nummerierung weicht bewusst von der Nummerierung des Rundweges ab, um eine stringente Ordnung, unabhängig vom Standort, bei der Dokumentation beizubehalten. So beginnt die Dokumentation mit dem ältesten Epitaph aus dem Jahr 1362 und endet mit einem Epitaph aus dem Jahre 1787. Durch die Praxis, neben dem Andenken an einen Verstorbenen auch weiteren, später verstorbenen Familienmitgliedern zu gedenken, weisen einzelne Epitaphien die Namen mehrerer Verstorbenen auf. Insofern enthält Epitaph Nr. 41 neben der Ehefrau, der das Gedenken gewidmet ist, auch den später verstorbenen Ehemann und den in 1792 verstorbenen Sohn. Daher reicht der Zeitraum des Gedenkens der Epitaphien im Wetzlarer Dom von 1362 bis 1792. In der Dokumentation wurde immer das Sterbejahr für den Verstorbenen gewählt, dem das Epitaph als erstes gewidmet ist. Danach folgen der Name bzw. die Namen, die auf dem Epitaph vermerkt worden sind. Zum Teil sind die Namen in lateinischer Schrift ausgeführt, die dann einer deutschen Interpretation angepasst wurden. Die gesellschaftliche Stellung des Verstorbenen wird als nächstes aufgeführt. Hierbei konnte ein großer Teil der gesellschaftlichen Stellung der Verstorbenen direkt dem Epitaph entnommen werden. Wo dies nicht möglich war, wurde die gesellschaftliche Bedeutung in anderen Quellen recherchiert. Die gleiche Vorgehensweise wurde bei der Zuordnung zur Konfession gewählt. Wobei es sich bei den Epitaphien vor Beginn der Reformation im Jahre 1517 einfach gestaltete. Bei einem Teil der Verstorbenen konnte auch aus dritten Quellen keine Konfession zugeordnet werden. Diese sind daran erkennbar, dass sie mit dem Vermerk „k. A.“ (keine Angabe) versehen worden sind. Um dem Leser eine praktische Hilfe für die Besichtigung der Epitaphien zu geben, wurde der in Gliederungspunkt 6 beschriebene Rundweg bei der Dokumentation mit berücksichtigt. Für jedes Epitaph ist die Nummer des Rundweges angegeben. Weiterhin wurde die Sprache, in der die Texte auf den Epitaphien verfasst worden sind, aufgenommen. Hierbei wurde zwischen Texten in deutscher und lateinischer Sprache unterschieden. Unter dem Begriff „deutsche Sprache“ wurden auch die Texte in der jeweiligen Fassung ihres Jahrhunderts zusammengefasst. Insgesamt sind 37 Epita- 64 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom phien in lateinischer Sprache verfasst. Hierbei findet sich die Mehrzahl lateinischer Epitaphien in der Zeit des Reichskammergerichtes. Das Material der Gedenktafeln wurde in einer Vor-Ort-Besichtigung mit einem Steinmetz zusammen überprüft. Hierbei ergaben sich detailliertere Zuordnungen im Vergleich zu den Zuordnungen aus dem Jahre 1925 von Gloël.63 Ebenfalls überprüft wurde die Größe aller 53 Epitaphien. Auch hier ergaben sich einige Abweichungen gegenüber den Angaben bei Gloël. Dies ist zum Teil auf Zerstörungen der Platten von 1925 bis heute zurückzuführen. Besonderen Anteil an diesen Zerstörungen hatte die Bombardierung des Wetzlarer Doms zum Ende des 2. Weltkrieges. Für jedes Epitaph ist in einer Grundrissdarstellung des Wetzlarer Doms der Standort angegeben. Unter der Rubrik „Anmerkungen“ folgen weitere Erläuterungen, die über die Angaben des Textes auf dem Epitaph hinausgehen. Die Anmerkungen sind, je nach vorgefundener Quelle, mal knapp gehalten bzw. umfangreicher ausgeführt. Nach diesen Anmerkungen folgt ein aktuelles Bild eines jeden Epitaphs, das in einer mehrtägigen Fotosession im Wetzlarer Dom von einem Berufsfotographen erstellt worden ist. Somit liegen erstmals in digitaler Form Fotos von den Epitaphien vor, die in hochauflösender Qualität das Lesen der Texte anhand der Fotos ermöglichen. Die Inschriften auf den Epitaphien sind dann in einem nächsten Schritt dokumentiert. Grundlage dafür waren die Vor-Ort-Besuche im Wetzlarer Dom sowie die gute Lesbarkeit der Texte auf den hochauflösenden Fotos. Die Originaltexte sind als direkte Übernahme hier aufgeführt. Fehler oder Beschädigungen wurden dabei kenntlich gemacht. Um insbesondere die umfangreichen lateinischen Texte in eine heute zeitgemäße Übersetzung zu bringen, wurde jedes Epitaph neu übersetzt. Diese umfangreiche und zum Teil auch wegen Zerstörungen nicht immer einfache Arbeit, wurde von einem Fachmann für die lateinische Sprache durchgeführt. 63 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O. 65 Erläuterungen zur Dokumentation 7.2. Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Im Folgenden werden die 53 Epitaphien und Grabplatten, geordnet nach dem Sterbejahr der Verstorbenen, im Detail erläutert. Um die Vergleichbarkeit der sich über einen Zeitraum von rund 430 Jahren erstreckenden Gedenktafeln zu ermöglichen, wurde eine einheitliche Beschreibung gewählt. 66 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom 57 Todesjahr: Standort: Stand: Konfession: Nr. des Rundwegs: Sprache: Material: Größe in cm (Breite x Höhe): Anmerkungen: Bei der Gedenktafel des Richolf Reige, einem Schöffen, handelt es sich um eine hochrechteckige Grabplatte, die 1906 im Rahmen der umfassenden Renovierungsarbeiten von 1904 bis 1910 unter dem Fußboden des Wetzlarer Doms gefunden wurde. Der Stein weist erhebliche Abnutzungsspuren auf. Der obere Rand ist verloren gegangen. Im unteren Drittel wurde ein längliches Stück ergänzt. Da es sich offensichtlich um eine Bodengrabplatte handelt, sind im Laufe der Jahrhunderte viele Dombesucher über diesen Stein gelaufen.64 Daher ist auch die Schrift, die auf den Rändern der Grabplatte vorhanden ist, nur noch bruchstückhaft zu entziffern. Richolf Reige starb am 5. Oktober 1362. Gloël vermerkt, dass er von 1346 als Schöffe tätig war.65 Die Grabplatte ist heute an der Außenwand der Nordseite des Wetzlarer Doms aufgestellt. Das Wappenschild mit Querbalken ist nicht mehr erkennbar. Über dem Wappenschild erkennt man noch einen achtzackigen Stern. Die Grabplatte von Richolf Reige ist die älteste Gedenktafel des Wetzlarer Doms. Der Text ist in der Schriftart „Gotische Majuskel“ verfasst. Diese Schriftart zeichnet sich durch die ausschließliche Verwendung von Großbuchstaben aus. 64 Vgl. O. Peter, a.a.O., S. 41. 65 Vgl. H. Gloël (a), a.a.O., S. 4. 1 1362 Richolf Reige Schöffe katholisch 52 Basaltlava 80 x 176 Latein Todesjahr 1362 Standort Richolf Reige Stand Schöffe Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 52 Sprache Latein Material Basaltlava Größe in cm (Breite x Höhe) 80 x 176 Anmerkungen Bei der Gedenktafel des Richolf Reige, einem Schöffen, handelt es sich um eine hochrechteckige Grabplatte, die 1906 im Rahmen der umfassenden Renovierungsarbeiten vo 1904 bis 1910 unter dem Fußboden des Wetzlarer Doms gefunden wur er Stein weist rhebliche Abnutzungsspuren auf. Der obere Rand ist verloren gegangen. Im unteren Drittel wurde ein länglich s Stück ergä zt. Da es sich offensic tlich um ine Bodengrabplatte handelt, sind im Laufe der Jahrhunderte viele Dombesucher über diesen Stein gelaufen.64 Daher ist auch die Schrift, die auf den Rändern der Grabplatte vorhanden ist, nur noch bruchstückhaft zu entziffern. Richolf Reige starb am 5. Oktober 1362. Gloël vermerkt, dass er von 1346 als Schöffe tätig war.65 Die Grabplatte ist heute an der Außenwand der Nordseite des Wetzlarer Doms aufgestellt. Das Wappenschild mit Querbalken ist nicht mehr erkennbar. Über dem Wappenschild erkennt man noch einen achtzackigen Stern. Die Grabplatte von Richolf Reige ist die älteste Gedenktafel des Wetzlarer Doms. Der Text ist in der Schriftart „Gotische Majuskel“ verfasst. Diese Schriftart zeichnet sich durch die ausschließliche Verwendung von Großbuchstaben aus. 64 Vgl. O. Peter, a. a. O., S. 41. 65 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 4. 67 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten 1 Abb. 4: Epitaph von Richolf Reige Originaltext Texte rudimentär an den Rändern: unten: MICHAEL O links: RICHOLF DES EVIS ET SC REIGE DCS rechts: DNI MCCCLX II FIA QUARTA POST Übersetzung Im Jahre des Herrn 1362, am vierten Sonntag nach Michaelis, starb der Bürger und Schöffe Richolf, der Reige genannt wurde. 69 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1372–1383? Standort Anselm Hun Stand Ritter Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 25 Sprache Latein Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 100 x 202 Anmerkungen Dieses Epitaph wurde von Gloël mit dem Todesdatum 1300 identifiziert. Gloël leitet das Todesjahr aus einer Inschrift rechts unten auf dem Epitaph ab.66 Dieses Datum ist aber nicht mehr vollständig erhalten und bildet lediglich die Schrift „M CCC“ ab. Urkunden weisen darauf hin, dass ein Anselm Hun am 20. März 1346 als Wetzlarer Bürger genannt wird. Weiter wird er zusammen mit seiner Ehefrau Adelheid am 1. November 1363 im Zusammenhang mit einem Geschäft, bei dem beide ihr Haus, den Hof und die Scheune als Unterpfand einsetzten, erwähnt. Am 16. Feb ruar 1372 wurde ein Anselm Hun letztmalig als Schwager des Wetzlarer Schöffen Heinrich Snauhart bezeugt.67 Das Todesdatum 1300 ist somit falsch und Anselm Hun verliert damit seine Bezeichnung als ältestes Epitaph des Wetzlarer Doms. Ein exaktes Todesdatum ist nicht belegt. Struck vermutet einen Zeitraum von 1372 bis 1383.68 Die Darstellung von Anselm Hun auf dem Epitaph mit Schwert und Helm lässt auf eine Abstammung aus niederem Adel schließen. Urkundlich ist er allerdings nur als Bürger aufgeführt. Das Epitaph wurde mehrfach restauriert. Hierbei 66 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 4. 67 Vgl. Anselm (Anshelmus) Hun, gestorben zwischen 1372 und 1383, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 18.8.2008). 68 Vgl W. H. Struck: Das Marienstift zu Wetzlar im Spätmittelalter, Marburg 1969, S. 365. 2 70 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom wurden die Schäden nur oberflächlich ausgebessert. Deutlich erkennbar ist dies bei einem Vergleich des Zustandes auf einem Foto von 196769 und heute. Abb. 5: Epitaph von Anselm Hun (Foto aus 1967) Die Gesichtspartie wirkt stark künstlich. Weiterhin verdecken die gro- ßen Handschuhe den Schwertknauf. Auch der Rock mit seinen Falten und das Wams wirken nach der Restauration gekünstelt. Die Figur hat nach der Restaurierung erheblich an Authentizität eingebüßt. Der Verstorbene ist in Lebensgröße in statischer Haltung dargestellt. Er hält mit beiden Händen, die durch große Handschuhe bedeckt sind, ein Schwert, das genau in der Körpermitte platziert ist. Auf der linken 69 Vgl. Vgl. Anselm (Anshelmus) Hun, gestorben zwischen 1372 und 1383, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 18.8.2008). 71 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Seite ist ein Dolch zu erkennen. Der lange Rock lässt aufgrund des Faltenwurfs auf eine einfache Gestaltung schließen. Wenn man mit etwas Abstand vor der Figur steht, fällt eine gewisse Steifheit in der Körperhaltung auf. Insgesamt sind die Ecken durch je ein Wappen ausgefüllt. Über dem Haupt ist ein Topfhelm platziert. Die Inschrift verläuft auf den abgeschrägten Rändern links von oben nach unten und setzt sich dann rechts von unten nach oben fort. Das Wappenschild links oben enthält drei symmetrische Sterne, rechts oben sind drei Hühner auf einem Sparren erkennbar, links unten ist das Wappen mit den drei Hühnern nochmals zu sehen, allerdings in gespiegelter Form. Das Wappen rechts unten ist nicht mehr erkennbar. Abgeleitet von dem Namen Hun könnten sich die beiden Wappen mit den Hühnern erklären. Das Wappen mit den drei Sternen könnte das der Wetzlarer Schöffenfamilie Snauhart sein.70 Originaltext Linker und rechter Rand (Fragmente): Anshelmus dictus Hun sub anno MCCC Übersetzung Anshelmus genannt Hun im Jahre 13?? 70 Vgl. W.-H. Struck, a. a. O., S. 245. 72 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 6: Epitaph von Anselm Hun Todesjahr 1396 Standort Johannes von der Kraen Stand Kanoniker des Marienstifts Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 26 Sprache Latein Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 100 x 190 Anmerkungen Bei Johannes von der Kraen handelt es sich um einen Kanoniker des Marienstifts. Deutlich zu erkennen ist die betende Haltung sowie weitere Merkmale, die auf die sakrale Tätigkeit des Verstorbenen hinweisen. So ist an der linken Hand ein länglicher Stoffstreifen erkennbar, der über den Arm des Geistlichen gelegt ist. Hierbei handelt es sich um eine sog. Manipel. Bei einer Manipel handelt es sich um ein liturgisches Gewand, das der Priester während der Messfeier trägt. Eine Manipel steht symbolisch für ein Zeichen der Buße. Der Kanoniker steht auf zwei Tieren, bei denen es sich möglicherweise um zwei Hunde handelt. Durch Oberflächenschäden kann die genaue Tierart nicht mehr mit Sicherheit gedeutet werden. Weitere Schäden weist auch das Gesicht des Verstorbenen auf. Über dem Kopf befindet sich ein Baldachin, der im mittleren Bereich ebenfalls Zerstörungen aufweist. Gut erkennbar sind die spitz zulaufenden Fialen, d. h. spitz zulaufende Türmchen an den Seiten des Epitaphs. Die Inschrift verläuft auf den abgeschrägten Rändern. Auf der rechten Seite ist die Schrift noch gut erkennbar, links hingegen nur noch Rudimente im oberen Bereich.71 Unten sind noch in Ecken zwei Wappenschilde erkennbar. Auf der linken Seite sieht man 71 Vgl. Johann(es) von der Krae 1396, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 25.8.2008) 3 74 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 7: Epitaph von Johannes von der Kraen einen schreitenden Löwen auf einem wellenförmigen Balken, rechts ist nur noch sehr schwach eine Krähe über einem Wellenbalken zu erkennen. Dieses Wappen steht für den Namen von der Krae(n). Johannes von der Kraen verstarb am 21. April 1396.72 Der Verstorbene wird urkundlich 1386 als Johannes von der Crawe, Kanoniker zu Wetzlar, erwähnt. Er hatte einen Bruder, Nicolas von der Krae, dessen Epitaph ebenfalls im Wetzlarer Dom, im Heidenhof, zu sehen ist. Die Eltern des Johannes von der Krae waren die Eheleute Dietrich und Elisabeth von der Krae zu Grünberg.73 Der Text ist als „Gotische Majuskel“ ausgeführt. Früher war der Stein in der Stephanuskapelle, seit 1925 befindet er sich am heutigen Standort. Originaltext74 Gotische Umschrift, oben abgeschnitten: ANNO D(OMI)NI M CCC XC VI XI K(A)L(ENDAS) Mai O(BIT) JOH(NNE)S VO(N) D(ER) KRAEN CANO(N)IC(US)HUI(US) HIC SEP(UL)TUS Übersetzung Im Jahre des Herrn 1396 am 21. April starb der Kanonikus dieser Kirche Johannes von der Kraen, der hier begraben liegt. 72 Gloël ging fälschlicherweise vom Todesjahr 1393 aus. 73 Vgl. Johann(es) von der Krae 1396, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 25.8.2008). 74 Vgl. ebenda. 76 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1400 Standort Cuno von Rückingen Stand Kanonikus oder Dekan des Marienstifts Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 46 Sprache Latein Material Grauer Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 105 x 192 Anmerkungen Bei dieser Grabplatte ist nicht abschließend zu klären, um welche Person es sich handelt. Gloël schreibt, er glaube den Namen Cuno von Ruckingen zu erkennen.75 Die umlaufende Schrift ist stark beschädigt. Bis auf der unteren rechten Randseite ist keine weitere Schrift zu erkennen. Den Zeitraum für das mögliche Todesjahr leitet Gloël daraus ab, dass es sich entweder um den Dekan Cuno von Ruckingen handelt, der von 1365– 1385 Dekan war, oder um den Kanonikus Cuno von Ruckingen der in den Jahren 1383 und 1397 als Kustos tätig gewesen sein soll. Abschließend zu klären sind diese Annahmen nicht. Einer anderen Quelle ist zu entnehmen, dass es sich nach den wenigen Buchstabenresten und den vier Wappen bei dem Verstorbenen um Cuno von Rüdigheim, auch von Rückingen genannt, handeln könnte, der 1367 bis 1399 erwähnt wird und zuerst Kanoniker und dann Kustos des Marienstifts Wetzlar war. Sein Todestag ist urkundlich mit dem 15. August 1400 überliefert.76 Wie man der 75 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 5. 76 Vgl. Cuno von Rüdigheim (auch von Rückingen) 1400, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 25.8.2008. 77 4 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 8: Epitaph von Cuno von Rückingen figürlichen Darstellung entnehmen kann, handelt es sich um einen Geistlichen. Dies ergibt sich aus dem abgebildeten Kelch, den die Person in Händen hält. Weiterhin sind im oberen Bereich zwei betende Engel erkennbar. Jede Ecke der Platte ist mit einem Wappen ausgeschmückt. Oben rechts ist ein Rautenkranz abgebildet. Auf der linken oberen Seite sind drei Getreidegarben im Wappen. Unten rechts kann man zwei Schwäne erkennen und unten links handelt es sich um zwei gezinnte Querbalken. Der Text ist in der Schriftart „Gotische Majuskel“ ausgeführt. Originaltext: [........ C]UNO D(E) RUD[........] 79 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten 68 Todesjahr: Standort: Stand: Konfession: Nr. des Rundwegs: Sprache: Material: Größe in cm (Breite x Höhe): Anmerkungen: Die Grabplatte des Nycolas von der Krae ist insofern etwas Besonderes, da sie die einzige Grabplatte im Wetzlarer Dom ist, die ursprünglich in ihren Konturen mit Blei ausgefüllt war. Neben der lebensgroßen Figur eines Geistlichen war auch die Schrift mit Blei ausgefüllt. Soweit die Schrift noch lesbar ist, ist die Bleiausfüllung auch noch vorhanden. Die figürliche Darstellung hingegen enthält nur noch wenige Fragmente der Bleiausfüllung. Da diese Grabplatte nicht in eine Wand eingefasst ist, kann man auf der Rückseite noch ein großes Kreuz erkennen. Abb. 9: Rückseite des Epitaphs von Nycolas von der Krae (Foto aus 1967) Deutlich erkennbar ist noch der Kelch, den die Figur in den Händen hält. Weiterhin ist noch in Fragmenten ein Baldachin über dem Kopf der Figur erkennbar. Gloël geht davon aus, das es sich bei dem Verstorbenen Nycolas von der Krae um einen Verwandten des Nicolas von der Krae aus Grünberg 5 1428 Nycolas von der Krae Kanonikus des Marienstifts katholisch 43 Sandstein 105 x 217 Latein Todesjahr 1428 Standort Nycolas von der Krae Stand Kanonikus des Marienstifts Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 43 Sprache Latein Material Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 105 x 217 Anmerkungen Die Grabplatte es Nycolas v n der Krae ist insofern twas Besonderes, da sie di einzige Grabpla te im Wetzlarer Dom ist, die rspr nglich in ihren Kontur mit Blei ausgefüllt war. Neben der lebensgroßen Figur eines Geistlichen war auch die Schrift mit Blei ausgefüllt. Soweit die Schrift noch lesbar ist, ist die Bleiausfüllung auch noch vorhanden. Die figürliche Darstellung hingegen enthält nur noch wenige Fragmente der Bleiausfüllung. Da diese Grabplatte nicht in eine Wand eingefasst ist, kann man auf der Rückseite noch ein großes Kreuz erkennen. Abb. 9: Rückseite des Epitaphs von Nycolas von der Krae (Foto aus 1967) 80 5 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 10: Epitaph von Nycolas von der Krae Deutlich erkennbar ist noch der Kelch, den die Figur in den Händen hält. Weiterhin ist noch in Fragmenten ein Baldachin über dem Kopf der Figur erkennbar. Gloël geht davon aus, das es sich bei dem Verstorbenen Nycolas von der Krae um einen Verwandten des Nicolas von der Krae aus Grünberg handelt, der von 1380 Kanonikus und von 1385 bis 1412 Dekan des Wetzlarer Domstifts war.77 Der Verstorbene selber war Kanoniker des Marienstifts. Ab 1382 war er Dekan des Stifts.78 Auf der lesbaren Inschrift ist zu entnehmen, dass sich Nycolas von der Krae die Platte 1385 für seine Grabstätte anfertigen ließ. Urkundlich erwähnt ist ein Jahresgedächtnis für ihn, seinen Bruder und seine Eltern im Jahr 1428. Somit kann das Datum seines Todes auf das Jahr 1428 datiert werden. Der Text ist in der Schriftart „Gotische Minuskel“ ausgeführt. Originaltext79 Hunc locum sepulturae sibi elegit Kanonikus Nycolas von der Krae ao 1385, cuius anima vivit in Christo. Übersetzung Diesen Ort des Begräbnisses erwählte sich der Kanonikus Nikolaus von der Krae im Jahre 1385. Seine Seele möge leben in Christus! 77 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 4. 78 Vgl. Nikolaus von der Krae der Jüngere († 1428), gesetzt 1385, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 15.9.2008). 79 Der unvollständige lateinische Text wurde von Gloël ergänzt. Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 4. 82 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1484 Standort Ludwig und Palmenia Pussel Stand Ehepaar Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 28 Sprache Latein Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 90 x 85 Anmerkungen Eine Grabplatte für ein Ehepaar mit dem Namen Ludwig und Palmenia Pussel ist links an der Außenwand des südlichen Eingangsbereichs zum Chor angebracht. Gestorben sind beide 1484. Beide lassen sich von 1442 bis zu ihrem Todesjahr urkundlich nachweisen. Es ist zu vermuten, dass diese Grabplatte ursprünglich auf einem Grab angebracht war, das sich direkt auf dem Friedhof auf der Südseite des Wetzlarer Doms befand. Nachdem der Friedhof 1757 aufgeben wurde, ist die Platte an der Außenmauer zum Eingang zum Chorbereich platziert worden. Während viele Grabsteine bei der Aufgabe des Friedhofs ihren Weg in das Mauerwerk der Wetzlarer Häuser gefunden haben, ist diese Platte offensichtlich wegen der eindrucksvollen Gestaltung als Epitaphienschmuck erhalten geblieben. Auf dem Epitaph sind die Namen und das Todesjahr am oberen Rand, in einer dreizeiligen Inschrift, zu erkennen. Anstatt einer figürlichen Darstellung der Verstorbenen ist die Verkündigung Marias sehr plastisch dargestellt. Obwohl das Epitaph einer starken Verwitterung ausgesetzt war, ist eine sehr schöne Komposition in bildlicher Darstellung erkennbar. Die Körperhaltung Marias und des Erzengel Gabriel symbolisieren eine tiefe Frömmigkeit. Die Reliefplatte zeigt den Erzengel Gabriel mit einem Stab in der Hand, der Maria die Geburt Christi ankündigt. Über Maria, die betend der Ankündigung lauscht, schwebt als 6 83 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Taube der Heilige Geist. Im Hintergrund von Maria und dem Erzengel ist eine Bank zu erkennen, auf der Blumen stehen. Hierbei handelte es sich wohl um marianische Blumen. Diese Blumen werden als Symbol für Marias Jungfräulichkeit gesehen. Das am Rande des Epitaphs erkennbare aufgeschlagene Buch symbolisiert die Frömmigkeit Marias. Originaltext80 a(nno) • d(omi)ni • 1484 • obieru(n)t • lodwicus • / puiszel • et • palmenia • e(i)us • vx(or) • a(n)i(m)e • / r(e)q(ui)e(s)ca(n)t • in • pace • ame(n) • Übersetzung Im Jahre des Herrn 1484 starben Ludwig Pussel und Palmenia, deren Seelen in Frieden ruhen mögen, Amen 80 Vgl. Ludwig Pussel und seine Frau Palmenia 1484, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 28.8.2008). 84 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 11: Epitaph von den Eheleuten Ludwig und Pamelia Pussel Todesjahr 1485? Standort Philip von Bicken der Ältere Stand Ritter Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 34 Sprache Deutsch Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 95 x 38 oberer Teil 100 x 200 unterer Teil Anmerkungen Dieses Epitaph weist eine ähnliche figürliche Darstellung auf, wie das Epitaph direkt links daneben. Dies ist auch verständlich, da es sich hier um den Vater des Philipp von Bicken dem Jüngeren handelt. Auch das Epitaph von Philip von Bicken dem Älteren weist einige Zerstörungen auf. So sind der Helm und ein Teil des Gesichts nur noch rudimentär erkennbar. Weiterhin fehlt auch ein Teil der oberen Hälfte des Gedenksteins. Heute ist dies durch die Lücke hinter dem Kopf erkennbar. Bei der Figur fehlt die linke Hand. Die Figur des Ritters mit Harnisch und spitzen Waffenschuhen ist sonst noch gut erhalten. Unten sind zwei Löwen erkennbar auf denen der Ritter steht. Inschriften sind noch links und rechts am umlaufenden Rand erkennbar. Eine Besonderheit ist der Text auf dem oberen, von der Gedenkplatte losgelösten Stein. Der Text in Zeile 1 wiederholt sich in der darunter liegenden Zeile: „mitwochen nach vale(n)tini ist v(er)scheid“. Eine Erklärung für diese Besonderheit lässt sich nicht finden. Neben dem Text auf den Rändern sind in Kniehöhe die Worte „henc“ und „hayger“ zu entziffern. Wappen sind nicht mehr erhalten. Die Haltung des Ritters zeigt nach rechts. Die Haltung der linken Hand lässt vermuten, dass der Ritter ein Schwert gehalten hat. Der Kopf lässt noch einen Helm und einen Kinnschutz erkennen. 7 86 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Aus den Inschriften lässt sich entnehmen, dass das Denkmal einem Mann aus der Familie von Bicken zuzuordnen ist. Verstorben ist Philipp von Bicken der Ältere im Februar (… nach valentini…). Das Todesjahr ist nicht mehr vollständig lesbar. Die ursprüngliche Annahme, dass 1400 das Todesjahr gewesen sein soll, ist nicht haltbar. Die Jahresangabe „M CCCC“ ist nicht vollständig. Urkundlich erwähnt wird Philipp von Bicken der Ältere als Sohn des Ritters Konrad von Bicken und seiner Frau Bertha von Schönborn. Ein möglicher Todestag könnte in Kombination mit den Inschriftenresten der 16. Februar 1485 gewesen sein. Darauf deuten auch die Beziehungen zum Marienstift hin. Im Nekrologium des Stifts zum 4. Mai 1485 ist ein Jahresgedächtnis für den Edelknecht Philipp von Bicken, seine Frau Lise von Gudenberg und für seine Eltern, Ritter Konrad von Bicken und dessen Frau Bertha, ver zeichnet.81 Von den vier Wappen beiderseits des Kopfes und der Knie sind nur die Namensbeischriften erhalten geblieben: links oben von Bicken, rechts oben von Schönborn, links unten vom Hain und rechts unten von Haiger. Der fragmentarische Text ist als „Gotische Minuskel“ ausgeführt. Früher lag der Stein zunächst im Keller unter der katholischen Sakristei und war dann im sog. Archivraum des Heidenturms eingemauert. 81 Vgl. Philipp von Bicken der Alte 1485 (?), Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 8.9.2008). 87 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 12: Epitaph von Philip Bicken dem Älteren Originaltext82 Inschrift (rudimentär) auf dem oberen, rechten und linken Seitenrand: Inschrift auf oberem Steinstück: mittwochen nach valentin ist verscheid mittwochen nach valentin ist verscheid (Schriftzug doppelt) bicken schonbor(n) [.................]s von bicken her czv hene de(m) got gn(a)de im iar nach krist gebvrt [m cccc ........] off In Höhe der Knie die Namen: henc und hayger Übersetzung Mittwoch nach Valentin ist verschieden. Am Rand der großen Steinplatte steht: von Bicken Herr zu Hens(?), dem Gott Gnade im Jahr 1400 nach Christi.... Neben dem Knie die Namen: henc und haygar, An anderer Stelle die Namen: bicken und schonbor. 82 Vgl. Philipp von Bicken der Alte 1485 (?), Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 8.9.2008). 89 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1490 Standort Heydenreich von Dernbach Stand Ritter Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 31 Sprache Deutsch Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 92 x 154 Anmerkungen Das Epitaph des Heydenreich von Dernbach weist zwei Besonderheiten auf. Zum einen wird berichtet, dass Heydenreich von Dernbach im 15. Jahrhundert zum Katharinenkloster auf der Halbinsel Sinai gepilgert ist und zum anderen, dass das Epitaph das eigentliche Todesdatum offen lässt. Dies stärkt die Vermutung, dass das Epitaph von Heydenreich zu Dernbach noch zu seinen Lebzeiten angefertigt wurde. Schoenwerk83 zufolge kehrte Heydenreich von Dernbach 1443 aus dem Heiligen Land vom Besuch des Katharinenklosters zurück. Am 16. Januar und am 10. Februar 1434 lässt sich zusammen mit seinem Bruder Johann, beide als Söhne des verstorbenen Bernhard, ein Heydenreich von Dernbach urkundlich nachweisen. Derselbe Heydenreich von Dernbach ist es, der am 16. Juni 1428 als Amtmann zu Gleiberg erscheint. Am 25. Juni 1490 wird Heidenreich als verstorben erwähnt. Im Nekrologium des Marienstifts Wetzlar ist zum 10. März das Jahresgedächtnis für einen Heidenreich (Heydenricus) von Dernbach, seine Eltern und seine Großeltern, verzeichnet.84 Sein Epitaph wurde demzufolge 1443 oder später angefertigt. Darauf weist die Inschrift von der Pilgerfahrt Heidenreichs hin. Da das Todesdatum auf dem Epitaph 83 Vgl. A. Schoenwerk, a. a. O., S. 219. 84 Vgl. Heidenreich von Dernbach, Epitaph zwischen 1443 und 1490 gefertigt, Wetzlar, in: Grab-denkmäler (Stand: 28.8.2008). 8 90 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 13: Epitaph von Heydenreich von Dernbach offen bleibt, muss das Epitaph vor 1490 angefertigt worden sein. Das Wappenschild zeigt drei Kleeblätter. Auf einem Helm sind zwei große Pfauenfedern angebracht. Rings um den Helm und um das Wappenschild ranken sich Pflanzen. In der linken oberen Ecke befindet sich ein Schwert mit einem Schwertgurt. Das darunter liegende mit sechs Speichen und an seiner Lauffläche mit Dornen versehene Rad steht als Symbol für die Pilgerfahrt.85 Die Gedenktafel für Heydenreich von Dernbach befand sich früher in der Muttergotteskapelle. Die Texte sind in der Schriftart „Gotische Minuskel“ ausgeführt. Originaltext86 Umlaufende Schrift: Hie lijt heydenrich von derenbach • biddet got wolle eme barmherczig sin der ist geuist czu s(en)te katherin(en) • berge synai.... Unterkante oberer Rand: 14 Übersetzung Hier liegt Heydenreich von Dernbach, (er) bittet, Gott wolle ihm barmherzig sein; er ist zu Sankt Katharinen am Berge Sinai gewesen … Unterkante oberer Rand: 14 85 Vgl. O. Peter, a. a. O., S. 47. 86 Vgl. Heidenreich von Dernbach, Epitaph zwischen 1443 und 1490 gefertigt, Wetzlar, in: Grab-denkmäler (Stand: 28.8.2008). 92 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom 78 Todesjahr: Standort: Stand: Konfession: Nr. des Rundwegs: Sprache: Material: Größe in cm (Breite x Höhe): Anmerkungen: Das Epitaph würdigt Lisa Stommel, geborene Schutzbar, genannt Milchling. Lisa Stommel war die Ehefrau des Junkers Eberhard Stommel, der Vogt zu Wetzlar und Gleiberg war. Sie verstarb am 25. Februar 1502. Lisa Stommel hatte einen Bruder mit Namen Friedrich, der Kanoniker und Scholastiker des Marienstifts Wetzlar war. „Möglicherweise war Lisa vor ihrer Eheschließung mit Eberhard Stommel schon einmal verheiratet gewesen, denn am 4. März 1502 - also kurz nach dem auf der Grabplatte genannten Todestag - bekundete der Adlige Friedrich von Göns, dass seine Mutter Lysa Milchling nun verstorben sei und er deshalb nicht persönlich vor dem Hofgericht in Marburg erscheinen könne.“ 87 Lisa Stommel fand ihre letzte Ruhe im Dom. Die beiden Wappen zeigen links im Schild ein Dreieck mit doppelter Grundlinie und einem sechseckigen Stern und rechts ein Kleeblatt. Das linke Wappen kann der Familie Stommel, das rechte Wappen der Familie Schutzbar zugeordnet werden. Das Besondere an dem Epitaph sind die Kupfereinfassungen des Textes sowie der Wappen. Es ist zu vermuten, dass die heute glatte Oberfläche ursprünglich mit weiteren Motiven bzw. Texten versehen war. 87 Lisa Stümmel (Stommel) geb. Schutzbar genannt Milchling 1502, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 9.9.2008). 9 1502 Lisa Stommel geb. Schutzbar genannt Milchling Ehefrau von Vogt Eberhard Stommel katholisch A. 32 Roter Sandstein 105 x 200 Latein Todesjahr 1502 Standort Lisa Stommel geb. Schutzbar genannt Milchling Stand Ehefrau von Vogt Eberhard Stommel Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 32 Sprache Latein Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 105 x 200 Anmerkungen Das Epitaph würdigt Lisa Stommel, geborene Schutzbar, genannt Milchling. Lisa Stommel war die Ehefrau des Junkers Eberhard Stommel, der Vogt zu Wetzlar und Gleiberg war. Sie verstarb am 25. Februar 1502. Lisa Stommel hatte einen Bruder mit Namen Friedrich, der Kanoniker und Scholastiker des Marienstifts Wetzlar war. „Möglicherweise war Lisa vor ihrer Eheschließung mit Eberhard Stommel schon einmal verheiratet gewesen, denn am 4. März 1502 – also kurz nach dem auf der Grabplatte genannten Todestag – bekundete der Adlige Friedrich von Göns, dass seine Mutter Lysa Milchling nun verstorben sei und er deshalb nicht persönlich vor dem Hofgericht in Marburg erscheinen könne.“87 Lisa Stommel fand ihre letzte Ruhe im Dom. Die beiden Wappen zeigen links im Schil ein Dreieck mit doppelter Grundlinie und ei em sechs ckig n Stern und ch s ein Kl eblatt. Das link Wappen ka n der Familie Stommel, das rechte Wappen der Familie Schutzbar zugeordnet werden. Das Besondere an dem Epitaph sind die Kupfereinfassungen des Textes so- 87 Lisa Stümmel (Stommel) geb. Schutzbar genannt Milchling 1502, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 9.9.2008). 9 93 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten wie der Wappen. Es ist zu vermuten, dass die heute glatte Oberfläche ursprünglich mit weiteren Motiven bzw. Texten versehen war. Originaltext Ringsherum laufende Inschrift in Kupfer: An(n)o d(omi)ni m ccccc ii xxv me(n)sis febr(uarii) obijt lisa schutzspe(r)n d(i)c(t)a milchli(n)g uxor do/ micelli ebe(r)hardi sto(m) mels aduocati in wezfla(r) et glipu(r)g c(uius) a(n)i(m)a r(equiescat) i(n) pace a(men) Übersetzung Im Jahre des Herrn 1502 am 25. Februar verstarb Lisa Schutzbar genannt Milchling, Gattin des Junkers Eberhard Stommel, Vogt zu Wetzlar und Gleiberg Ihre Seele ruhe in Frieden.88 88 Gloël entzifferte auf dem oberen Rand als Todesjahr 1501. Vgl. Gloël (a), a. a. O., S. 6. 94 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 14: Epitaph von Lisa Stommel geb. Schutzbar genannt Milchling Todesjahr 1503? Standort Philip von Bicken der Jüngere Stand Ritter Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 33 Sprache Deutsch Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 90 x 180 Anmerkungen Das Epitaph zeigt einige Zerstörungen. So fehlen oben und unten einige Teile der Platte. Die Inschriften sind nur noch bruchstückhaft auf der rechten Randseite enthalten, links fehlen sie vollständig. Ebenfalls nicht mehr vorhanden ist das rechte untere Bein unterhalb des Knies. Der rechte Arm weist starke Beschädigungen auf. Der linke Arm fehlt nahezu völlig. Bei dem im rechten Fußbereich noch in Teilen vorhandenen Löwen fehlt das Hinterteil. Bei der auf einem nicht mehr vorhandenen zweiten Löwen auf der linken Seite und einer aufliegenden Tatze des rechten Löwen kann man die ursprünglichen Größenverhältnisse des Epitaphs gut abschätzen. Die gesamte linke Seite muss in der Grö- ße des rechten Löwens noch mindestens 55 Zentimeter breiter gewesen sein. Der abgebildete Ritter ist in bewegter Haltung dargestellt. Die noch erkennbaren Teile des Helms werden als spätgotische Schaller bezeichnet.89 Hierbei handelt es sich um einen spätmittelalterlichen Helmtypus. Gut erkennbar ist auch der noch gut erhaltene Kinnschutz. Die noch vorhandenen Fragmente des linken Arms deuten darauf hin, dass dieser ein Schwert gehalten haben könnte, das auf dem Löwen aufgesetzt war. Das im rechten unteren Drittel noch erhaltene Wappen ist das 89 Vgl. Philipp von Bicken der Jüngere, vor 1503 (1510 ?), Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 8.9.2008). 10 96 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 15: Epitaph von Philip von Bicken dem Jüngeren Wappen einer Familie von Breidenbach und zeigt ein geviertes Schild mit Doppelhaken und Wolfseisen, das wie ein „Z“ ausgeführt ist. 90 Das Wappen in der rechten oberen Ecke zeigt ein Wappenschild mit einem laufenden Wolf, das einer Familie von Gudenberg bzw. Wolf von Gudenberg zugeordnet werden kann.91 Es ist anzunehmen, dass auch auf der fehlenden rechten Seite zwei Wappen ausgeführt waren. Die noch identifizierbare Inschrift erwähnt einen Ritter Philip von Bicken. Ein Todesdatum ist nicht mehr zu entziffern. Die zwei noch vorhandenen Wappen lassen darauf schließen, dass die Mutter des Verstorbenen eine Wolf von Gudenberg und die Großmutter mütterlicherseits eine von Breidenbach war. Philip von Bicken der Jüngere war ein Sohn Philip von Bicken des Alten, dessen Epitaph direkt neben dem Epitaph Philips von Bicken dem Jüngeren platziert ist. Philipp von Bicken der Jüngere heiratete 1461 Heilwig von dem Bongart. Die Ehefrau war eine Tochter des Ritters Godart von dem Bongart. Dieser war Amtmann zu Königsberg und Hohensolms. Urkundlich festgehalten ist, dass zum 26. November 1503 ein Jahresgedächtnis für den Ritter Philip von Bicken, für seine Ehefrau und für die Eltern im Dom abgehalten wurde. Demnach kann das Todesdatum auf das Jahr 1503 datiert werden.92 Der fragmentarische Text ist in der Schriftart „Gotische Minuskel“ ausgeführt. Früher war der Stein im sog. Archivraum des Heidenturms eingemauert. Originaltext Inschrift (rudimentär) am rechten Seitenrand: [.....] und ueste [..........] her philips uon bicken ritter dem got gnat Übersetzung Herr Philips von Bicken, Ritter, dem Gott Gnade schenken möge. 90 Vgl. Philip von Bicken der Jüngere, vor 1503 (1510 ?), Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 8.9.2008). 91 Vgl. ebenda. 92 Vgl. ebenda. 98 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1527 Standort Caspar Drekol Stand Katholischer Pfarrer Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 30 Sprache Latein Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 96 x 215 Anmerkungen Caspar Drekol war Pfarrer in Hermannstein und in einem anderen Ort, der auf dem Epitaph nicht mehr lesbar ist. Er war auch Vikar des Marienstifts am Wetzlarer Dom sowie seit 1470 Priester. 1519 feierte Caspar Drekol sein Priesterjubiläum. Er ist am 15. März 1527 gestorben. Auf den Rändern des rechteckigen Steins kann man eine umlaufende Inschrift lesen. Im Figurenfeld erkennt man einen Geistlichen mit einem Kelch. Um seinen Kopf rankt sich ein Spruchband mit Inschrift. In den unteren Ecken sind zwei Wappenschilde zu sehen. Das linke Wappenschild ist nicht mehr erkennbar. Auf dem rechten Wappenschild sieht man drei Gegenstände, die sog. Schnurloten ähneln sollen.93 Das priesterliche Gewand ist sehr plastisch ausgearbeitet. Deutlich erkennbar sind die Faltenwürfe im unteren Teil des Gewands sowie die ausgefransten Stoffstreifen der Stola. Auffällig sind die geschlossenen Augen, die als Zeichen des Todes gedeutet werden können. Auch die eingefallenen Gesichtszüge lassen diese Deutung zu. Die Texte sind in der Schriftart „Gotische Minuskel“ ausgeführt. 93 Vgl. Caspar Drekol (Drekul) 1527, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 25.8.2008). 11 99 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 16: Epitaph von Caspar Drekol Originaltext94 Umlaufende Inschrift des Epitaphs: Anno d(omi)ni M D xx • vii / die xv • me(n)sis marcii obiit venerabil(is) vir d(omi)n(u)s caspar(us) / drekol pleb[anus ???? ???. en et herma(n)stey(n) et h(uius) eccl(esiae) vicar(ius) c(uius) a(n) i(m)a req(ui)escat i(n) pace Spruchband um den Kopf: Anno • 1470 sacerdos Jvbilarius Anno 1519 Übersetzung Umlaufende Inschrift des Epitaphs: Im Jahre des Herrn 1527, am ? Tag des Monats März, starb der ehrwürdige Herr Caspar Drekol, Pfarrer [in ......] und Hermannstein und Vikar dieser Kirche, dessen Seele in Frieden ruhe. Auf verschlungenen Spruchbändern über dem Kopf des Priesters steht: Im Jahr 1470 Priester, Jubilar im Jahre 1519. 94 Vgl. Caspar Drekol (Drekul) 1527, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 25.8.2008). 101 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1588 Standort Johannes Klotz Stand Kanzler von Oberhessen Konfession evangelisch Nr. des Rundwegs 5 Sprache Latein Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 150 x 300 Anmerkungen Das Epitaph von Dr. Johannes Klotz, dem Kanzler von Oberhessen, zeichnet sich durch einen umfassenden Textteil aus. Der Textteil gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil enthält überwiegend sachliche Informationen, der zweite Teil bezieht sich auf Lobpreisungen des Verstorbenen. Weitere Textstellen sind im oberen Teil unter dem flachen Giebel aufgeführt und lauten: „Was ist das Leben eines Menschen? Dies ist der Lebensweg: wenn wir zu leben anfangen, hören wir auf zu leben.“ Johannes Klotz (Clotz), Dr. jur., wurde am 4. Dezember 1545 in Wetzlar als Sohn des Ratsherrn Anton Klotz und der Catharina, geb. Netz, genannt von Leun geboren. Er wurde 1559 an der Universität Marburg immatrikuliert. Er war kurzzeitig Student in Wittenberg, ab 1565 studierte er wieder in Marburg. 1566 wurde Johannes Klotz Magister. 1567 machte er eine Reise nach Frankreich und war dann zwei Jahre am Reichskammergericht in Speyer tätig. 1572 wurde er von den vier Landgrafen zum Rat und Beisitzer des Hofgerichts bestellt. 1573 bestellte ihn Landgraf Ludwig d. Ä. zu seinem Rat. Am 10. Mai 1574 heiratete er in Marburg Elisabeth Hering, die Tochter des Bürgermeisters Philipp Hering zu Marburg, mit der er 7 Kinder hatte. 1575 erfolgte eine erneute Bestallung als Hofrat und Diener des Landgrafen, am 13. Februar 1581 wurde er von Landgraf Ludwig zum Kanzler berufen. Dieses Amt führte er bis zu seinem 43. Lebensjahr aus. Johannes Klotz verstarb am 5. August 1588 in Wetzlar. Der in der Inschrift benannte Bruder Siegfried 12 102 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Klotz, ebenfalls Dr. jur., wurde nach dem Tode Johannes zuerst Kanzler des Landgrafen Ludwig IV. von Hessen-Marburg und dann des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel in Marburg.95 Die Eltern von Johannes Klotz gaben das Renaissancedenkmal in Auftrag. Das Denkmal zeichnet sich durch eine umfassende figürliche Darstellung aus. In der linken unteren Ecke sind die Initialen „HB“ aufgeführt. Hierbei könnte es sich um den Bildhauer Hermann Bockelmann aus Marburg handeln. Im oberen Teil sind zwei Frauengestalten zu sehen, die die Stärke (fortitudo) und die Standhaftigkeit (constantia) symbolisieren. Beide Figuren sind leicht beschädigt. Auf der linken Seite ist ein Obelisk vorhanden, der auf der rechten Seite fehlt. Die Texttafeln mit dem sachlichen und dem lobenden Inhalt werden flankiert von 95 Vgl. Dr. Johann Klotz (Clotz) 1588, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 2.9.2008). Abb. 17: Giebel des Epitaphs von Johannes Klotz 103 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 18: Epitaph von Johannes Klotz zwei säulenartigen Hermen. Über und unter den Hermen sind jeweils Wappen enthalten, oben links im Schild ein schräggestellter Stamm mit vier Trieben, auf dem Helm eine männliche Gestalt, die das Schildbild geschultert hält. Unten links kann man einen Hering als Wappen der Ehefrau: im Schild als einen gekrümmten Fisch erkennen. Auf dem Helm sieht man eine weibliche Gestalt mit zwei Schwanzflossen in den Händen, oben rechts vielleicht Netz genannt von Leun als Wappen der Mutter. Im Schild ist ein Rautengitter, auf dem Helm zwei Flügel, die mit dem Schildbild belegt sind und unten rechts im Schild sind ein Stierkopf, auf dem Helm zwei gebogene Hörner, zu sehen. Der Sockel schließt links mit einem bärtigen Männergesicht und rechts mit einem Frauengesicht mit Kopfbedeckung ab. Der frühere Standort (1925) war an der Westwand des nördlichen Seitenschiffes. Die Schrift auf dem Epitaph ist im Schriftgrad „Kapitalis“ ausgeführt. Originaltext IUSTITIA FORTITUDO VITA QUID EST HOMINIS VIAVITA EST. VIVERE QUANDO INCIPIMUS QUANDO VIVE RE DESINIMUS D.O.M.S. JOHANNI CLOTZ IURIS UTRIUSQUE DOCTORI ET SUPERIORIS HASSIAE CANCELLARIO FILIO AC FRATRI LONGE CHARISSIMO FIDELISSIMOQUE AETATIS SUAE FERE QUADRAGESIMO 105 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten TERTIO, CHRISTI VERO ANNO MIL LESIMO, QUINGENTESIMO, OCTO GESIMO OCTAVO MENSE AUGUSTO DIE QUINTO, HORA PRIMA PO MERIDIANA WETZFLARIAE IN PATRIA, QUAE ILLI FUIT DUL CISSIMA, PIE DEFUNCTO ANTONIUS CLOTZ URBIS HUIUS SE NATOR ET CHATHARINA NETZIN DI TA DE LEUN PARENTES ET SIGE FRIDUS CLOTZ IURIS DOCTOR AC CANCELLARII MUNERIS SUC CESSOR FRATER MOESTISSIMI AMORIS AC MEMORIAE ERGO POSUER OCCIDIS HEU NOSTRAE LUX NATE DECUSQUE SENECTAE FRATER AMORE PIO CONSILIOQUE PARENS. HEI TUA NOBISCUM CONIUNX TE LUGET ADEMPTUM TEQUE PATREM LUGENT PIGNORA CHARA DUO VIVIDA, SED VIRTUS LUCTUM SOLATUR ACERBUM TE NOVISSE DEUM , TE DIDICISSE MORI NON IN NOS PIETAS TUA NON TUA SANCTA VOLUNTAS NON AMOR IMMEMORES NOS SINIT ESSE TUI. ADDITUS ES COELO, SIMUL HUIC DEUS ADDIER OLIM CONSPECTUQUE SUO NOS VELIT USOUE FRUI Schreibfehler bzw. Abweichungen vom klassischen Latein 106 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Übersetzung Oben im flachen Giebel: Was ist das Leben eines Menschen? Dies ist der Lebensweg: wenn wir zu leben anfangen, hören wir auf zu leben. Den Giebel umgeben zwei verstümmelte Gestalten: fortitudo – die Stärke constantia – die Standhaftigkeit Darunter: Dem Doktor beider Rechte und Kanzler von Oberhessen Johannes Klotz, dem liebsten und treuesten Sohn und Bruder, der beinahe 43 Jahre alt im Jahre Christi 1588 am 5. Tage des Monats August in der ersten Stunde nachmittags in seiner Vaterstadt Wetzlar, die er sehr geliebt hatte, gottesfürchtig gestorben ist – ihm errichteten also seine Eltern Anton Klotz, Ratsherr dieser Stadt, und Katharina Netz, genannt von Leun, sowie sein Bruder Siegfried Klotz, Doktor der Rechte und sein Nachfolger im Kanzleramt, in trauernder Liebe zum Gedächtnis dies Denkmal. Unter dem Sims steht: Ach, Sohn, Licht und Zierde unseres Alters, du Bruder, der in treuer Liebe und gutem Rat wie ein Vater war; o weh, mit uns trauert deine Gattin um dich, der ihr entrissen wurde; um dich, den Vater, trauern zwei Unterpfänder der Liebe (= zwei liebende Kinder). Aber unseren bitteren Schmerz tröstet deine lebensnahe Tatkraft, dass du Gott kennst, dass du zu sterben gelernt hast. Nicht deine Frömmigkeit gegenüber uns, nicht deine gottgefällige Gesinnung, nicht deine Liebe lässt es zu, dass wir dich vergessen. Du bist dem Himmel hinzugefügt worden und sobald Gott uns in gleicher Weise aufgenommen hat, wolle er, dass wir uns immer an seinem Anblick erfreuen. 107 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1599 Standort Dorothea Schwartz Stand Mutter der Anna Elisabeth Gwenden Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 45 Sprache Deutsch Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 85 x 204 Anmerkungen Ein großer Sandstein mit deutschem Text würdigt eine Ehefrau, die am 20. März 1599 verstarb. Auf der Platte ist der Text ausschließlich am Rand aufgeführt. Ein großer Teil der ursprünglichen Textstellen ist nicht mehr lesbar. Erkennbar ist, dass es sich auf eine Ehefrau bezieht. Der Name ist nicht mehr lesbar. Die Ehefrau konnte durch die Identifizierung der Wappen ihrer Anonymität enthoben werden.96 Die je zwei Wappen im oberen und im mittleren Teil sind ebenfalls auf dem Epitaph der Anna Elisabeth Gewend, geborene Schwartz, enthalten. Der Anordnung der Wappen auf dem Epitaph der Dorothea Schwartz lässt sich entnehmen, dass diese Platte für die Mutter der Anna Elisabeth Gewend angefertigt worden ist. Dorothea Schwartz war zweimal verheiratet. Aus der zweiten Ehe sind vier Töchter bekannt: 1. Margarethe, seit 1578 verheiratet mit Ludwig Eisenberger; 2. Anna Dorothea, verheiratet mit dem landgräflich hessischen Kanzler Siegfried Klotz; 3. Maria, die 1583 als Patin im Kirchenbuch Wetzlar erscheint und 4. Anna Elisabetha, verheiratet mit Philipp Gewend. Das Epitaph fällt durch eine auffällige Gestaltung mit sechs Wappen und Blumenornamenten auf. Oben links ist ein Wappen mit einem springenden Bock zu sehen. Das rechte Wappen, das mit einem Ring 96 Vgl. Dorothea Schwartz 1599, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 5.9.2008). 13 108 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 19: Epitaph von Dorothea Schwartz mit dem linken Wappen verbunden ist, enthält im oberen Teil eine nach links blickende Mondsichel. Der untere Teil des linken Wappens ist nicht mehr erkennbar. Zwei Wappen in der Mitte des Epitaphs sind durch einen vollständigen Kranz ummantelt. Das linke Wappen enthält auf einem Querbalken drei Muscheln und wird durch einen Helm mit zwei V-förmigen Balken überkrönt. Auf diesen Querbalken ist links eine Muschel erkennbar, rechts wiederholt sich das Motiv aus der Mitte des Wappens mit drei Muscheln. Das linke Wappen enthält einen nach links springenden Bock. Auch dieses Wappen ist mit einem Helm überkrönt, der auf seiner Spitze einen springenden Bock enthält. Im unteren Teil sind zwei weitere Wappen aufgeführt. Das linke Wappen enthält Weinreben, das Motiv des rechten Wappens zeigt einen züngelnden Löwen. Die Verbindung aller Wappen wird durch Blumen ornamente dargestellt. Originaltext (Am Di) nstag den zwantzigstien Martii Im Jar Christi Unseres einigen mitlers und Seligmachers geburt 1599 entschlief in dem herrn seliglichen die ehefrau weitere Texte sind verwischt Übersetzung Am Dienstag, den 20. März, im Jahre Christi unseres einigen Mittlers und Seligmachers Geburt 1599, entschlief im seligen Herrn die Ehefrau 110 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1605 Standort Philip Gwenden Stand Hessischer Vogt des Fürsten zu Hessen Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 13 Sprache Latein Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 90 x 200 Anmerkungen Philip Gwenden starb am 6. März 1605. Geboren wurde er im September 1555. Auf der Grabplatte ist das erreichte Alter auf den Tag genau vermerkt: 49 Jahre, 5 Monate und 7 Tage. Der Verstorbene war hessischer Vogt des Fürsten von Hessen. Die Eltern von Philip Gwenden waren Johannes und Juliane Gwenden. Johannes Gwenden stand im Dienst des Grafen von Solms. Er lebte in Langsdorf bei Lich. Philip Gwenden wurde in Marburg an der Universität immatrikuliert. Als Vogt zu Wetzlar regierte und richtete er als Vertreter des Fürsten von Hessen in Wetzlar im Namen seines Landesherren. Im Kriegsfalle hatte er auch die Verteidigung zu organisieren. Philip Gwenden war mit Anna Elisabeth Schwartz verheiratet. Das Ehepaar hatte fünf Kinder:97 1. Dorothea, die um 1610 einen Georg Raab heiratete und das Haus in Langsdorf erbte. 97 Vgl. Philipp Gewend 1605, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 5.9.2008) 14 111 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten 2. Elisabeth, geboren am 19. August 1588 in Wetzlar, heiratete in Wetzlar am 16. August 1608 Hermann Schomler aus Siegen, nassauischer Rat und Stadtschultheißen zu Siegen. 3. Philipp Jacob, geboren am 17. Juni 1594 in Wetzlar, weiteres unbekannt. 4. Margaretha, geboren am 30. Januar 1596 in Wetzlar, die in erster Ehe am 6. Dezember 1613 in Wetzlar den aus Laubach stammenden hessischen Kanzler Dr. Georg Terhell heiratete und nach dessen 1624 erfolgtem Tod am 30. Mai 1626 den fürstlichen Rat zu Darmstadt Adam Leuth heiratete. 5. Anna Maria, die in erster Ehe 1623 mit Dr. Martin Leuth, Kammermeister zu Darmstadt, und in zweiter Ehe mit Dr. jur. Martin Schickhard, gräflich nassau-katzenelnbogischem Rat und Advokat zu Frankfurt, verheiratet war. Bei der Grabplatte handelt es sich um eine hochrechteckige Platte. Im oberen Rand sind drei Buchstaben erkennbar: „CBF“. Hierbei handelt es sich vermutlich um die Initialen des Bildhauers der Grabplatte. Direkt darunter befinden sich zwei Wappen. Das linke Wappen zeigt einen schräggestellten Flößerhaken und zwei Sechssterne, das rechte Wappen einen Pfeil und einen Löffel, die sich beide überkreuzen. Die Textplatte zeigt am oberen und am unteren Ende jeweils ein Engelsköpfchen. Originaltext VIRTUTE ERUDITIONE ET LINGUARUM COGNITIONE PERVARIAS EUROPAE REGIO NES PEREGRINANDO COMPA RATA PRAESTANTIS VIRI DO MINI PHILLIPI GWENDEN ILLUSTRISS HASSIAE PRINCI PUM IN URBE HAC IMPERIALI 112 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom ADVOCATI VULGO VOIGTEN CUM VIXISSET ANNOS XLIX MENSES V DIES VII PRIDIE NONAS MARTII ANNO MDCV IN SERIA INVOCATIONE ET CONSTANTI FIDE IN CHRIS TUM MERITORUMQUE EIUS PROFESSIONE PIE ET PLACIDE REBUS HUMANIS EXEMPTI COR PUS SUB HOC LAPIDE RECONDI TUM EST ANIMA AD CHRISTUM REDEMTOREM IPSIUS TRANSLATIA Schreibfehler: TRANSLATA, statt TRANSLATIA Übersetzung Der vortreffliche Mann Herr Philip Gwenden, der sich durch seine Reisen in die verschiedensten Gegenden Europas Tüchtigkeit, Gelehrsamkeit und Kenntnisse der Sprachen erworben hatte, war in dieser Reichsstadt allgemein bekannt Vogt des durchlauchtigsten Fürsten von Hessen. Nachdem er 49 Jahre, 5 Monate und 7 Tage gelebt hatte, schied er am 6. März des Jahres 1605 mit andächtigem Gebet, in festen Glauben an Christus und im Bekenntnis von dessen Wohltaten fromm und friedlich aus dem irdischen Leben. Sein Leib ist unter diesem Stein begraben, seine Seele ist zu Christus, ihrem Erlöser, übergegangen. 113 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 20: Epitaph von Philip Gwenden Todesjahr 1611 Standort Anna Elisabeth Gwenden Stand Ehefrau von Philip Gwenden Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 14 Sprache Deutsch Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 90 x 200 Anmerkungen Anna Elisabeth Gwenden, geborene Schwartz, ist am 23. August 1611 verstorben. Geboren wurde sie im Juli 1611. Das erreichte Alter wird auf der Grabplatte mit 43 Jahren und 6 Wochen angegeben. Die Verstorbene war mit dem Vogt Philip Gwenden verheiratet. Beide Grabplatten sind heute im Wetzlarer Dom direkt nebeneinander im Nordschiff an der Westwand platziert. Während sich die Abstammung von Anna Elisabeth Gwenden aufgrund von Urkunden auf den Vater, dem nassauischen Rat Dr. Jakob Schwartz und seine Ehefrau Dorothea Schwartz, geb. von Cöln, nachweisen lässt, bleibt der Zusatz Rulssin auf der Grabplatte ungeklärt. Ebenfalls im Wetzlarer Dom befindet sich die Grabplatte der Mutter von Anna Elisabeth Gwenden. Anna Elisabeth Gwenden hatte fünf Kinder, die bei dem Ehemann, Philipp Gwenden aufgeführt sind. Die Grabplatte ist ein schönes Beispiel für die Gestaltung von Wappen auf einer Gedenktafel für die Zeit zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Insgesamt sechs Wappen zieren die Platte. Mittig sind zwei Wappen platziert. Bei dem linken Wappen handelt es sich um das Wappen der Familie Gwenden. Zu sehen sind ein schräg gestellter Flößerhaken und zwei Sechssterne. Auf dem Helm, der das Wappen überkrönt, sind zwei 15 115 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Flößerhaken abgebildet. Das rechte Wappen gehört zur Familie Schwartz und zeigt einen Querbalken mit drei Muscheln. Das Motiv der Muscheln ist auch oberhalb des Wappens überkrönenden Helms zweimal zu erkennen. In den Ecken sind vier weitere Wappen erkennbar. Links oben wiederholt sich das Wappen der Familie Schwartz, rechts oben ist das Wappen der Familie Cöln, das für die Mutter der Verstorbenen steht, erkennbar. Das Motiv zeigt zweimal einen aufgerichteten Bock. Das Wappen links unten zeigt im Schild und auf dem Helm ein Kleeblatt. Eine Zuordnung zu einer Familie ist wegen fehlender Angaben nicht möglich. Das Wappen rechts unten lässt sich der Großmutter der Verstorbenen zuordnen. Es zeigt im Schild eine Mondsichel. Dieses Motiv wiederholt sich auf dem Helm.98 Originaltext Oberer Rand: ANNO DOMINI MDCXI DEN Rechter Rand: XXIII AUGUSTI STARB DIE EHRENREICHE TUGENTSAME FRAWE Unterer Rand: ANNA ELISABETH GWEN Linker Rand: DIN GEBORENE SWARTZIN VON RULSSIN IHRES AL. XLII JAR VI WOCH ITA Übersetzung Im Jahr des Herrn 1611 am 23. August starb die ehrenreiche und tugendsame Frau Anna Elisabeth Gwendin geborene Schwartzin von Rulssin, im Alter von 43 Jahren, 6 Wochen und 1 Tag. 98 Vgl. Anna Elisabetha Gewend 1611, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 5.9.2008). 116 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 21: Epitaph von Anna Elisabeth Gwenden Todesjahr 1651–1681? Standort Johannes Theis Stand zweifelhaft Konfession evangelisch Nr. des Rundwegs 19 Sprache Deutsch Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 70 x 150 Anmerkungen Das Epitaph von Johannes Theis ist ein schönes Beispiel für eine bildhafte Darstellung des Gedenkens an einen Verstorbenen. Über Johannes Theis ist wenig bekannt. Die einzige persönliche Information bezieht sich auf das Alter und das Todesjahr. Über das Todesjahr besteht keine Einigkeit. Gloël interpretierte die Jahreszahl am linken Rand als 1681.99 Andere Quellen hingegen gehen von 1651 aus.100 Theis soll im Alter von 71 Jahren gestorben sein. Die übrigen Textstellen beziehen sich auf zwei Bibelstellen. Der Text ist in deutscher Sprache verfasst, die den Einfluss der Reformation und der lutherischen Bibelübersetzung widerspiegeln. Auf dem Epitaph ist ein betender Mann zu sehen, der vor einem Kreuz mit dem gekreuzigten Christus kniet. Auffällig ist, dass die linke Fläche im Bildteil frei gehalten ist. Eine Erklärung dafür ist nicht vorhanden. Interessant ist weiterhin, dass das Portrait des Verstorbenen in zeitgemäßer Darstellung angefertigt worden ist. Erkennbar ist dies am Mantel, dem Mantelkragen und dem Spitzbart.101 Das Wappen zeigt im oberen Bereich einen Stierkopf der zwischen seinen Hörnern einen Hobel aufweist. 99 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 12. 100 Vgl. Johannes Theis, gesetzt 1651, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 10.9.2008). 101 Vgl. O. Peter, a. a. O., S. 47 f. 16 118 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 22: Epitaph von Johannes Theis Originaltext Umlaufender Rand: KOMPT HER ZU MIR ALLE DIE IHR MÜHSELIG UND BELADEN SEIT ICH WILL EUCH ERQUICKEN MATTHAEI AM XI CAP. AO 1651/1681? Betender Mann vor Gekreuzigtem: LEBEN WIR SO LEBEN WIR DEM HERN STERBEN WIR SO STERBEN WIR DEM HEREN DARUM WIR LEBEN ODER STERBEN SO SINT WIR DES HERN RÖM AM 14 CAP JOHANES THEIS SEINES ALTERS IN DEM 71 JAR Todesjahr nicht eindeutig 120 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Übersetzung Inschrift: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen. Ich will euch erquicken. Matth. am XI cap. Ao 1651/1681?. Unter dem Relief: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Röm.am 14. cap. Johann Theis seines Alters in dem 71. Jahr. 121 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1652 Standort Johannes Konrad Hertstein Stand Katholischer Pfarrer Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 36 Sprache Latein Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 70 x 150 Anmerkungen Johannes Conrad Hertstein stammt aus Andernach und war von 1632 bis 1652 Dekan des Marienstifts am Wetzlarer Dom. Er ist am 4. Oktober 1652 im Alter von 66 Jahren verstorben. Er wurde 1585/86 in Andernach als Sohn des Hans Jakob Hertstein und Veronica, geb. von Koblenz geboren. Nach einer anderen Quelle soll er am 24. September 1652 in Wetzlar verstorben sein.102 Diese zwei abweichenden Sterbedaten sind offensichtlich auf unterschiedlichen Kalenderangaben zurückzuführen. Der in der Inschrift genannte Todestag basiert auf dem in 1582 von Papst Gregor XIII. eingeführten neuen Kalender; während das Todesdatum 24. September 1652 auf dem alten Kalender basiert. Das Epitaph ist nicht mehr vollständig, der untere Rand mit einer Inschrift fehlt. Erkennbar ist dies auch an dem nur zu drei Viertel noch sichtbaren Wappenschild. Im Hintergrund der figürlichen Darstellung ist ein Rundbogen erkennbar. Der Verstorbene hält einen Kelch in der Hand. Das sakrale Gewand des Stiftsdekans ist sehr plastisch ausgearbeitet. Die reliefartige Darstellung des Kopfs mit Spitz- und Oberlippenbart, die Anlage der Frisur und schließlich die Gesichtsbildung mit den Faltenangaben bezeugen ein aus- 102 Vgl. Johann Conrad Hertstein (Herstein) 1652, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 10.9.2008). 17 122 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 23: Epitaph von Johannes Konrad Hertstein drucksvolles Porträt. Das Wappenschild zeigt in der Mitte ein Schild. Der übrige Raum ist quadriert und zeigt links oben und rechts unten je 3 Balken, rechts oben und links unten je einen sitzenden Bären. Die Texte sind in der Schriftart „Kapitalis“ ausgeführt. Die Gedenkplatte war früher in der Stephanuskapelle platziert. Originaltext103 REVEREND(VS) ADM(ODVS) NOBILIS • AC • EXIMI(VS) D(OMI)N(V)S • IO(HANN)ES • CONRAD(VS) HERSTEIN • ANDERNAC(VS) DECA[NVS ....] [NEC] NON AEDILIS HVI(VS) ECCL(ES)IAE OBIIT A(NNO) M DC LII VIXIT ANNO[S] LXVI / ANNO • 1652 • 4 • t(en) • 8BRIS •104 . Übersetzung Der hochehrwürdige, sehr vornehme und vortreffliche Johannes Konrad Hertstein aus Andernach, Dekan und dazu Kirchmeister dieser Kirche, starb am 4. Oktober des Jahres 1652. Er lebte 66 Jahre. 103 Vgl. Johann Conrad Hertstein (Herstein) 1652, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 10.9.2008). 104 Die letzten Worte ANNO 1652 4 t(en) • 8BRIS • wurden nachträglich eingefügt. 124 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1658 Standort Jacob Hert 1671 Sabina Hert, Ehefrau Stand Evangelischer Pfarrer Konfession evangelisch Nr. des Rundwegs 15 Sprache Latein Material: Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 90 x 155 Anmerkungen Auf dem Epitaph des Jacob Hert sind auch die Ehefrau sowie alle acht Kinder des Ehepaars aufgeführt. Im Mittelteil des Epitaphs sind ausschließlich sachliche Texte enthalten. Auf den Randseiten sind Texte angeführt, die über den rein sachlichen Inhalt hinausgehen. So ist im oberen Teil, der von einem Totenkopf mit einem Knochen begrenzt ist, der Text enthalten: „Denke daran, dass du stirbst“. Im unteren Teil steht: „Der Friede ist die beste Ruhe“. Auf der rechten Seite steht der Bibelvers: „Das Lamm Gottes nimmt hinweg die Sünden der Welt“ und auf der linken Seite: „Das Wort Gottes ist das Wort des Lebens“. Jacob Hert starb 1658 im Alter von 72 Jahren. Er war 45 Jahre lang Pastor der evangelischen Kirche. Ab 1620 war er zweiter Pfarrer und ab 1625 Oberpfarrer in Wetzlar. Seine Ehefrau Sabina starb 1671 im Alter von 74 Jahren. Die Angaben über das Todesjahr und das Alter der Ehefrau sind auf dem Epitaph nachträglich hinzugefügt worden. Bei den acht Kindern handelt es sich um Johann David, der ebenfalls Pastor war. Er wurde am 14. Juni 1618 in Wetzlar geboren und war ab 1644 Pfarrer in Niederkleen. Er starb am 22. Dezember 1688. Bei Johann David hat der Steinmetz beim Vornamen 18 125 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 24: Epitaph von Jakob Hert Johann einen falschen Buchstaben eingemeißelt. Auf der Grabplatte ist deutlich ein „M“ für „J“ erkennbar. Weiter handelt es sich um Anna Elisabeth, die mit dem Magister Wisch verheiratet war. Der Magister Philipp Heinrich Wisch, der in Wetzlar geboren wurde, war von 1641 bis 1659 Schullehrer, von 1659 bis 1671 zweiter und von 1671 bis 1687 erster Pfarrer in Wetzlar, wo er am 27. März 1687 starb. Das dritte Kind war Johann Hermann der 1651 im Alter von 27 Jahren verstarb, dann folgen Johann Philipp, Johann Anton, der 1635 im Alter von 3 Jahren verstarb, Johann Konrad und Georg Balthasar. Auffällig an dieser Grabplatte ist, dass relativ viel rein sachlicher Text über die große Familie des evangelischen Pastorenhaushalts aufgenommen wurde.105 In dieser Hinsicht ist dies im Dom ein Unikat. Die eigentliche Grabplatte des Oberpfarrers Jacob Hert wird einer im heutigen Stadt- und Industriemuseum platzierten Platte zugeschrieben.106 Originaltext Oberer Rand: MEMENTO MORI Rechter Rand: AGNUS DIE TOLLIT PECCATA MUNDI Unterer Rand: PAX OPTIMA REQVIES Linker Rand: VERBUM DEI EST VERBUM VITAE M JACOB HERT LIND PAST ECCL HUI EVANG P AOS 45 OB AO 1658 AET 72 SABINA UXOR FIL DNI PHIL GROSII PRAET KIRCHAIN OB AO 1671 AET 74 COHA BIT IN UNO CONIUGIO AOS 43 LIBERI 8 105 Vgl. Jacob Hert und Familie, zwischen 1658 und 1666 angefertigt, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 9.9.2008). 106 Vgl. Jacob Hert 1658 (?), Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 12.9.2008). 127 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten ELISAB OB 1617 MOH DAVID PAST CLEENSIS AN: ELISAB UXOR DNI M.P.H. WISCHII JOH HER MAN OB AO 1651 AET 27 AN JOH PHIL JOH ANTON OB AO 1633 AET 3 ANN JOH CONRAD GEORG BALTHS Schreibfehler: MOH statt JOH Übersetzung Denke daran, dass du stirbst. Magister Jacob Hert aus Linden, 45 Jahre lang Pastor dieser evangelischen Kirche, starb im Jahre 1658 im Alter von 72 Jahren. Seine Gattin Sabina, Tochter des Herrn Philipp Gros, Amtmann in Kirchhain, starb im Jahre 1671 im Alter von 74 Jahren. Sie lebte 43 Jahre lang in einer einzigen Ehe und hatte 8 Kinder. Elisabeth starb im Jahre 1617, Johann David war Pastor in Kleen, Anna Elisabeth war die Ehefrau des Herrn Magister P.H. Wisch, Johann Hermann starb im Jahre 1651, 27 Jahre alt, Johann Philipp, Johann Anton starb im Jahre 1635 im Alter von 3 Jahren, Johann Konrad, Georg Balthasar. Der Friede ist die beste Ruhe. An der rechten und linken Seite steht: Das Lamm Gottes nimmt hinweg die Sünden der Welt. Das Wort Gottes ist das Wort des Lebens. 128 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1665 oder 1668? Standort Johannes und Catharina Willems Stand Kinder des Johann Willems Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 48 Sprache Deutsch Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 80 x 185 Anmerkungen Auf dieser Grabplatte wird an zwei Kinder erinnert, die beide am 28. April 1665 verstorben sind.107 Eine andere Deutung des Todesjahrs nimmt Lagis vor. Lagis geht von 1668 als Todesjahr aus.108 Auf der Grabplatte ist die letzte Zahl des Todesjahrs nur schwer zu entziffern. Bei den beiden Kindern handelt es sich um Johannes und Catharina Willems. Weiter aufgeführt ist der Vater der Kinder, Johanis Willems. Über das Alter der Kinder sowie über den Grund des Todes der beiden Kinder am gleichen Tag ist auf der Grabplatte nichts vermerkt. Eine Schlussfolgerung für den gleichen Todestag könnte sein, dass beide Kinder einem Unfall zum Opfer gefallen sind. Der Text auf der Grabplatte ist in deutscher Schrift. Die Platte enthält im oberen Drittel drei Engelsköpfe über denen ein Wappen mit zwei Eichhörnchen enthalten ist. Das Wappen wird im oberen Bereich durch zwei Helme begrenzt, aus denen jeweils Federn herausragen. Die gesamte Komposition des Wappens wird durch zwei Schafe als 107 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 10. 108 Vgl. Johannes und Catharina Wilhelm (Willem) 1668, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 10.9.2008). 19 129 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Wappenhalter jeweils rechts und links umrandet. Im unteren Bereich nach dem Textfeld ist ein Engel mit großen Flügeln zu erkennen. Originaltext IHS ANO 1665/1668? DEN 28 APRILIS SEINDT IN Gott verschieden JO HANNES und CATHARINA DES EHRHAHREN JOHANIS WILLEMS liebe kinder Deren Seelen Gott Gnädig seye Amen Letzte Zahl ist nur schwer zu entziffern Übersetzung IHS: Jesus Hominum Salvator: Jesus Erlöser der Menschen Am 28. April des Jahres 1665/1668? sind Johannes und Katharina, die lieben Kinder des ehrbaren Johann Willems, in Gott verschieden. Ihren Seelen sei Gott gnädig. Amen. 130 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 25: Epitaph von Johannes und Catharina Willems Todesjahr 1668 Standort Margareth und Johannes Hirshorn Stand Kinder von Johan na Reinhardt und Johannes Hirshorn Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 49 Sprache Deutsch Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 98 x 185 Anmerkungen Diese Grabplatte würdigt zwei Kinder, die beide 1668 verstorben sind. Zunächst wird Margareth, der Tochter von Johannes Hirshorn und Johanna Reinhardt gedacht, die im 7. Lebensjahr verstorben ist. Noch im selben Jahr verstarb der Bruder Johannes im Alter von 10 Jahren. Der Text auf der Platte ist in deutscher Sprache. Im oberen Teil halten zwei Engel einen Kranz in deren Mitte sich ein Wappen mit einem springenden Hirschen befindet. Das Wappen wird von einem Helm gekrönt, aus dem ebenfalls ein Hirsch entspringt. Das Textfeld wird umrahmt von jeweils einem Engelskopf in jeder der Ecken. Unterhalb des Wappens befindet sich ein Feld, das einer Herzform ähnelt und ein kleines Kreuz enthält. 20 132 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 26: Epitaph von Margareth und Johannes Hirshorn Originaltext AO MDCLXVIII den VII may ist im Herrn Gottselig Entschlafen das viel Ehr und tugengsam jungfräulein Margareth Hirshornin seines alt im siebendt Jahr den 10 May selbiges Jahres ist der Erbare Jüngling Johannes Hirshorn seines alters im 10 Jahr gottselig ver= schieden beyde Johannes Hirs horn und Johanna Reinhard tin Liebe Kinder deren seelen gott gnade. Amen Übersetzung Am 7. Mai des Jahres 1668 ist die sehr ehrbare und tugendsame Jungfrau Margarethe Hirshorn im Alter von sieben Jahren im Herrn gottselig entschlafen; am 10. Mai desselben Jahres ist der ehrbare Jüngling Johannes Hirshorn im Alter von 10 Jahren gottselig verschieden. Beide, deren Seelen Gott gnädig sei, sind liebe Kinder von Johannes Hirshorn und Johanna Reinhardt. Amen. 134 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1670/1671? Standort Wilhelm Cauly 1676 Anna Ger traud Cauly, Ehefrau Stand Evangelischer Pfarrer Konfession evangelisch Nr. des Rundwegs 42 Sprache Deutsch Material Lahnmarmor Größe in cm (Breite x Höhe) 64 x 98 Anmerkungen Der Magister Wilhelm Kaul (Cauly) wurde am 10. Oktober 1588 in Amöneburg geboren, er studierte in Marburg und Gießen, wurde 1636 als Prediger in Wetzlar berufen und führte dieses Amt 32 Jahre aus. Er starb 1670 im Alter von 82 Jahren. Verheiratet war er mit Anna Gertraud, geb. Schüler, die 1604 als Tochter des ältesten Schöffen und Ratsverwandten Johannes Schüler zu Wetzlar geboren wurde. Sie verstarb 1676 im Alter von 72 Jahren. Aus der 48 Jahre dauernden Ehe gingen 3 Söhne und 5 Töchter hervor. Die einzig noch lebende Tochter ließ dieses Epitaph setzen. Anderen Quellen zufolge soll Wilhelm Kaul am 10. Oktober 1588 in Mardorf geboren worden sein. Sein Vater Philipp Kaul war Schöffe, Ratsverwandter und 1585 Schultheiß zu Amöneburg. Am 13. Oktober 1623 heiratete Wilhelm Kaul in Wetzlar Anna Gertraud Schüler. Von 1624 bis 1635 war er zunächst Pfarrer in Hartenrod und von 1636 bis 1671 Pfarrer in Wetzlar. Laut Kirchenbuch starb er, im Widerspruch zur Inschrift, am 15. Februar 1671.109 109 Vgl. Wilhelm Kaul (Caulius) und seine Frau Anna Gertraud, gest. 1670/71 und 1676, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 10.9.2008). 21 135 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 27: Epitaph von Wilhelm und Anna Gertraud Cauly Originaltext Ehren Mahl Deß wohl Ehrwüdig großachtbar und wohlgelahrten H.M. Wilhelm Caudy welcher in Ao 1588 d. 10 t 8bris in Chur Main tzischer statt Amoeneburg gebohren folgents zu marburg ʋ Gießen erlangten wissenschaft in A O 1630 zu einem hiesigen or tes Alterer prediger vocirt ʋ nach wohl verrichtem 32 jährigem Kir chenampf ʋ lebenslaufin A O 1670 seines alters 82 jahr anhero beygesetzt worden deßen Eheliebste Frauw Ana Gertraudt Schüleri weiland Hr. Johanis Schüler hießigen orts gewesenen, ältisten Schöpf en ʋ Rahts verwandten 5. eheleibliche Tochter so A O 1604 gebohren mit derselben in der Ehe gesessen, 48 jahr zusamen erzeuget 3 Söhn ʋ 5. Töchter wovon noch eine anietzo Hr.Bernhardt Grassings Ehe liebste so lang als gott gefällig am leben ʋ zum ehrengedächtnis beyder selig gemelter Eltern dieses anhero setzen laßen starb in A O. 1676 ihres alters 72 jahr Beyder seel Leich Text Lucae c 2 V: 29 Herr nun lässest du deinen diener im friede fahren etc. 2 Timoth c. 4. V: 7 Ich habe einen gutten Kampf gekämpft ich hab den lauff vollendet ich habe glauben gehalten Übersetzung Ehrentafel des sehr ehrwürdigen, überaus achtbaren und wohlgelehrten Herrn Magister Wilhelm Cauly, der am 10. Oktober Anno 1588 in der kurmainzischen Stadt Amoeneburg geboren wurde. In der Folge eines in Marburg und Gießen absolvierten Studiums wurde er Anno 1630 hier zu einem weiteren Prediger berufen und ist nach gleichermaßen 32-jährigen wohl verrichteten Kirchenamt wie auch Lebenslauf Anno 1670 im Alter von 82 Jahren hier beigesetzt worden. Seine allerliebste Ehefrau 137 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Anna Gertrud Schüler, die vormals Anno 1604 als 5. eheliche Tochter des Herrn Johannes Schüler geboren wurde, war mit eben jenem 48 Jahre verheiratet; sie hatten zusammen 3 Söhne und 5 Töchter, von denen noch eine – jetzt die Eheliebste des Herrn Bernhard Grassing – so Gott es gefällt am Leben ist und zum Ehrengedächtnis beider selig verstorbenen Eltern dieses Denkmal hat hier setzen lassen. Sie starb Anno 1676 im Alter von 72 Jahren. Der Text für beide selig Verstorbenen: Lukas Kap. 2 Vers 29: Herr nun lässt Du Deinen Diener in Frieden fahren. Timotheus Kap. 4 Vers 7: Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt. 138 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1673 Standort H. Johannes Servatius Dietrich Stand Dekan am Wetz larer Collegialstift Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 47 Sprache Latein Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 85 x 152 Anmerkungen Am 23. April 1673 verstarb H. Johannes Servatius Dietrich. Dietrich war ab 1635 Kantor und ab 1652 Dekan am Wetzlarer Collegiatstift. Dieses Stift wird auf der Grabplatte als „Kirche des Reichs“ bezeichnet.110 Im oberen Viertel des Sandsteins ist in der Mitte ein Kelch zu sehen. Der Kelch wird umrahmt von drei Kreuzen und vier Sternen. Um den Stein herum sind Rankenornamente enthalten. Die Schrift ist in „Kapitalis“ ausgeführt. Die Schrift ist stark verwittert und nur noch eingeschränkt erkennbar. 110 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 11. 22 139 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Originaltext AO DONI 1673 23. APRIL PIE IN DOMINO OBIIT ADMIR[ ]NDUS DNUS D JOES SERVATIU S DIETRICH HUIUS IMPERIALIS ECCLESIAE DECANUS ET SINGULARIS BENEFACTOR CUIUS ANIMA REQUIESCAT IN PACE AMEN Bei Gloël noch lesbar111 Übersetzung Im Jahre des Herrn 1673 am 23. April starb fromm im Herrn der hochwürdige Herr Johannes Servatius Dietrich, Dekan und besonderer Wohltäter dieser Kirche des Reiches. Seine Seele ruhe in Frieden. Amen 111 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 11. 140 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 28: Epitaph von H. Johannes Servatius Dietrich Todesjahr 1674 Standort Adam Quintin von Herberstein Stand Kammerherr und Rat des Kaisers Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 35 Sprache Latein Material Roter Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 85 x 190 Anmerkungen Der in Rüstung aufrecht stehende Adam Quintin Graf von Herberstein verstarb laut Kirchenbuch im Jahre 1674. Auf dem Epitaph ist er in kräftiger Statur, ursprünglich auf einem Sockel stehend, dargestellt. Das Haar ist sehr sorgfältig frisiert, die Gesichtszüge, Augen, Mund, Oberlippenund Kinnbart sind porträthaft dargestellt. Sein Kopf und der rechte Ellenbogen überschneiden den Inschriftenrand. Über dem Rüstungsharnisch ist eine Schärpe erkennbar. Die rechte Hand ist mit angewinkelten Fingern auf dem Oberschenkel aufgelegt. An einem Gurt ist ein Degen befestigt, der hinter der Figur verläuft und links unten endet. Die linke Hand hält einen Kommandostab. Dieser Stab symbolisiert den Verstorbenen als Führer eines Reiterregiments. Auf der rechten Seite sind Reitersporen an den Stulpenstiefeln erkennbar. In der rechten oberen Ecke sieht man das Wappen des Verstorbenen. Das Epitaph hatte früher seinen Platz in der Stephanuskapelle.112 Die Schrift auf dem Epitaph ist in „Kapitalis“ ausgeführt. 112 Vgl. Adam Quintin Graf von Herberstein 1674, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 10.9.2008). 23 142 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 29: Epitaph von Adam Quintin von Herberstein 143 Originaltext113 ADAMUS QUINTINUS • S(ACRI) • R(OMANI) • [I(MPERII)] / COMES • AB • HERBERST[EIN SA]CR(AE) • CAES(AREAE) • M(AIESTA)TIS • CAMERARIUS, CONSILIARIUS LEGI= / [ONIS DUX] EQUES[TRIS .........] REQUIESCAT IN PACE Übersetzung Adam Quintinus von Herberstein, Graf des Heiligen Römischen Reiches, Kammerherr und Ratsherr der heiligen kaiserlichen Majestät, Anführer eines Reiterregiments (der folgende Text ist nicht zu entziffern). Am Ende heißt es: Er ruhe in Frieden. 113 Vgl. Adam Quintin Graf von Herberstein 1674, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 10.9.2008). 144 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1683 Standort Johann Georg Weller Stand Evangelischer Pfarrer Konfession evangelisch Nr. des Rundwegs 4 Sprache Deutsch Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) + Holzrahmen Größe in cm (Breite x Höhe) 85 x 115 Anmerkungen Das Epitaph des Magisters Johann Georg Weller ist eine Holztafel mit vergoldetem barockem Zierrahmen. Die Inschrift ist gold auf schwarzem, marmoriert bemaltem Grund. Weller ist am 24. Mai 1683 im Alter von 39 Jahren verstorben. Er hat Philosophie und Theologie in Gießen und Jena studiert. Geboren wurde Weller in Atzbach, einem kleinen Ort zwischen Wetzlar und Gießen. Johann Georg Weller war als evangelischer Pfarrer tätig. Das Epitaph ist in deutscher Sprache und in schlichter Form ausgeführt. Die Schrift ist überwiegend in „Fraktur“, einzelne Worte in „Kapitalis“ ausgeführt. 24 145 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Originaltext Ehren Mahl. Weil: dem Wohl ehrwürdigen hoch wohlgelahrten he M. JOHANN GEORG WELLER wohl verdienten mit Prediger Welcher in AO 1644; 28 octob zu atzbach gebohren wegen in Philosophia et Theo logia zu Gießen und Jena erlangten wissenschaft [ ]eehrn AO 1667 zu einem mit Prediger anhero vociret und nach am 24 May AOi 1683. rüh mlich geschlossenen amtß und lebenslauf an hero zur ruhe befördert worden Phil V v. 23 Ich habe lust abzuscheiden und bey Christo zu Sein welches auch viel besser were Übersetzung Denkmal für den hochwürdigen, sehr gelehrten Herrn Magister Johann Georg Weller, dem sehr verdienten Prediger, welcher am 28. Oktober des Jahres 1644 in Atzbach geboren wurde und nach einem wissenschaftlichen Studium der Philosophie und Theologie in Gießen und Jena im Jahre 1667 ehrenvoll hier zum Mit-Prediger bestellt wurde. Nach einem ruhmvoll abgeschlossenen Amts- und Lebenslauf wurde er hier am 24. Mai 1683 zur Ruhe beigesetzt. Phil. V, Vers 23: Ich habe Lust zu sterben und bei Christus zu sein – dies wäre auch viel besser. 146 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 30: Epitaph von Johann Georg Weller Todesjahr 1689 Standort Johann Friedrich Pausch Stand Schöffe Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 23 Sprache Deutsch Material Lahnmarmor Größe in cm (Breite x Höhe) 80 x 160 Anmerkungen Die Grabplatte des Friedrich Pausch ist schlicht gehalten. Der Text ist in deutscher Sprache. Johann Friedrich Pausch verstarb am 13. März 1689 mit 76 Jahren. Der Text auf der Grabplatte enthält rein sachliche Informationen. So erfahren wir, dass der Verstorbene zweimal verheiratet war. In erster Ehe neun Jahre mit Katharina Schielerfuß, die einen gemeinsamen Sohn und Tochter gebar. In zweiter Ehe war er 36 Jahre mit Margaretha Stockin verheiratet, mit der er zwei Söhne hatte. Johann Friedrich Pausch, so ist es vermerkt, war 12 Jahre lang im Rat der Stadt und 16 Jahre lang Schöffe. Sein Sohn Johannes Pausch hat ihm diese Ehrentafel setzen lassen. Neben dem Textteil ist im oberen Teil das Wappen der Familie Pausch zu sehen. Hierbei handelt es sich um die Abbildung einer Brezel im unteren Teil und um drei Rosen. Das Wappen wird durch einen Helm gekrönt, aus der drei Rosen herausragen. 25 148 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 31: Epitaph von Johann Friedrich Pausch Originaltext Al Hier Ruhet im Herrn der wohlehrenwerte großachtbar und Wohlweise herr Johann Friedrich Pausch gewessener Rahtes Schöpff allhier welcher in ao 1613 den 4. Febr. gebohren in erster ehe mit Fr. Catharina Schirlenfußin gelebet 9 jahr auch durch Gottes segen zusamen gezeuget einen Sohn und Eine Tochter so aber Beyde im H. entschlafen. In Zweyter ehe mit fr. Margarethta Stockin gesessen 36 Jahr erzeuget zwen söhn wovon einer schon lengst gestorben der ander aber so lang es gott gefelig annoch im Leben. Ist mit Kirchen senior gewessen 1 Jahr Im Rahtstandt 12. Jahr im schöpffenstuhl 16 Jahr im Witwenstand 10 Jahr gestorben anno 1689 den 13 Marty seines gantzen alters 76 jahr deßen Nachgelassener Sohn Johannes Pausch Auch Rahtschöpff allhier ihm dießes Ehrengedächnus in ao 1701 Anhero setzen lassen Leichtex der 73. Psalm V. 25 26 Herr wenn Ich Nur dich hab 150 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Übersetzung Hier ruht im Herrn der ehrenvolle, sehr achtbare und weise Herr Johann Friedrich Pausch, der hier Ratsschöffe war, der am 4. Februar des Jahres 1613 geboren wurde, der in erster Ehe mit Frau Katharina Schielerfuß 9 Jahre zusammen gelebt hatte, auch durch Gottes Segen mit ihr einen Sohn und eine Tochter gezeugt hatte, die aber beide im Herrn entschlafen waren. In zweiter Ehe war er mit Frau Margaretha Stockin 36 Jahre lang verheiratet, mit der er zwei Söhne hatte, von denen der eine schon vor langer Zeit gestorben ist, der andere aber, so es Gott gefällt, noch am Leben ist. Er ist 1 Jahr lang Kirchensenior, 12 Jahre lang im Ratsstand, 16 Jahre lang im Schöffenstuhl und 10 Jahre lang im Witwenstand gewesen. Gestorben ist er im Alter von 76 Jahren am 13 März 1689. Sein nachfolgender Sohn Johannes Pausch, der auch Ratsschöffe hier war, hat ihm im Jahre 1701 dieses Ehrendenkmal setzen lassen. Als Leichentext steht der 73 Psalm, Vers 25 und 26: Herr, wenn ich nur Dich habe. 151 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1691 Standort Erich Mauritius Stand Assessor am Reichskammer gericht Konfession evangelisch Nr. des Rundwegs 11 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 150 x 250 Anmerkungen Das erste Epitaph eines Reichskammergerichtsangehörigen gehört dem Assessor Erich Mauritius, der 1691 verstarb. Dies ist insbesondere bedeutsam, da das Gericht seine Arbeit zu diesem Zeitpunkt in Wetzlar noch nicht aufgenommen hatte.114 Ebenso war der endgültige Verbleib des Reichskammergerichts in Wetzlar zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt. Erich Mauritius wurde am 10. August 1632 in Itzehoe geboren. Sein Vater übte das Amt eines Vizekanzlers der Herzogtümer Schleswig und Holstein aus. Mauritius studierte Jura an den Universitäten Wittenberg, Frankfurt/Oder, Gießen und Tübingen. In Tübingen wurde er 1654 mit 22 Jahren zum Licentiaten promoviert. Danach nahm er das Amt eines Erziehers der Zöglinge einer Seitenlinie der Herzöge von Schleswig-Holstein in Plön auf und bereiste in dieser Zeit mit seinen Zöglingen Paris und Wien, wo er einige Jahre lebte. Später schlossen sich Bildungsreisen nach England, Italien und den Niederlanden an. Auf dem Epitaph sind noch weitere Länder aufgeführt, die er bereiste, so Ungarn, Schott- 114 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 11. 26 152 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom land und Belgien. 1659 kam er nach Heidelberg. 1660 wurde er von der juristischen Fakultät Tübingen zum Professor des Staats- und Lehnrechtes berufen. In dieser Zeit wurde Mauritius bekannt durch seine juristischen Studien und Schriften über Hexenprozesse. 1664 legte er an der Tübinger Universität eine vielbeachtete Dissertation zur Hexerei und den Hexenprozessen vor. Interessant dabei ist sein unzweifelhafter Glaube an Hexen und an die Macht des Teufels. 1665 wechselte Mauritius an die Universität Kiel, wo er die erste Professur an der Juristenfakultät übernahm. Auch hier war er mit juristischen Gutachten im Zusammenhang mit Hexenprozessen befasst.115 Seine Gutachten zeigen, dass er auch in Kiel den Glauben an Hexen nicht ablegte, aber auch im Interesse der Beschuldigten zur Vorsicht und Mäßigung bei der Schuldfrage riet. Der schwäbische Kreis präsentierte ihn 1671 zum Assessor am Reichskammergericht in Speyer, wo er ein Jahr später seine Arbeit als Richter aufnahm. Kurz danach ernannte ihn Kaiser Leopold zum kaiserlichen Rat. 1689 flüchtete er vor den französischen Truppen von Speyer nach Frankfurt am Main, um ein Jahr später nach Wetzlar überzusiedeln.116 Dort ist er am 1. September 1691 gestorben. Der Assessor Erich Mauritius war laut Lorenz der einzige Richter am Reichskammergericht, der sich intensiv mit Fragen der Hexerei befasste. Das Epitaph wird rechts und links durch korinthische Säulen begrenzt. Im oberen Bereich ist ein Wappen abgebildet, das im Zentrum einen stehenden Ritter mit Schild und Lanze zeigt. Im unteren Bereich ist ein Totenkopf zu sehen, der an der Seite von zwei Engelsköpfen begrenzt wird. 115 Vgl. ebenda, a. a. O., S. 29. 116 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 36. 153 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 32: Epitaph von Erich Mauritius Originaltext SISTE VIATOR GRADUM NIGRO ENIM HOC MARMORE CANDOR VEL IPSE CONDITUR ILLUSTRIS AC MAXIME STREUNUUS DN: ERICUS MAURITIUS. IC. VIR MULTAE ERUDITIONIS FAMA LONGE CONSPICUUS IN ALMIS GERMANIAE ACADEMIIS TUBNGENSI ET KILONIENSI IURIS QUONDAM ANTECESSOR UNDIQUAQUE CELEBERRIMUS S. CAES. MAJEST. CONSILIARIUS ET IN SUPREMO S. IMPERII IUDICIO CAMER SENATOR ET ASSESSEOR CIRCULI SUECI LEGATUS PERPETUUS AD SUMMA QUAEQUE EX ILLUSTRI MAURITIORUM FAMILIA NATUS ITZEHOAE HOLSATOR A.O.R. MDCXXXII. D.XVI. AUG LUSTRATISQUE AUSTRIAE PANNONIAE ITALIA GALLIAE ANGLIAE SCOTIAE BELGII FINIBUS SUMMIS IUGITER MUNIIS CUM INTEGRITATE ET PRUDENTIA SUMMA PERFUNCTUS PIE TANDEM ET PLACIDE VITA DEFUNTUS HEIC WEZFLARIAE A.O.R. MDCXCI D. XIII SEPTEMB AETATIS. LIX. D. XXIIXX POSTEROS EX SE NULLOS POSTERITATI VERO SCRIPTA RELIQUIT CEDRO DIGNISSIMA QUEIS VEL AEVO COAEVA FAMA SUPRA TANTI VIRI RUINAS STAT NUNQUAM RUITURA QUI TRANSIS HAEC HABE ET HAVE 155 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Übersetzung Bleibe stehen (Hemme den Schritt), Wanderer, denn unter diesem schwarzen Marmor ist sogar die Redlichkeit selbst begraben, nämlich der angesehene und besonders tüchtige Dr. Erich Mauritius, ein durch den Ruf großer Gelehrsamkeit weithin ausgezeichneter Mann und einstmals Professor der Rechtswissenschaft an deutschen Universitäten in Tübingen und Kiel, Rat seiner kaiserlichen Majestät, Senator und Assessor am höchsten Kammergericht des Heiligen Reiches und ständiger Gesandter beim Schwäbischen Kreis. In Itzehoe in Holstein ist er aus dem Geschlecht der Mauritier am 16. August 1632 für die höchsten Aufgaben geboren worden, und nachdem er die Länder Österreich, Ungarn (Pannonien), Italien, Frankreich (Gallien), England, Schottland und Belgien bereist hatte, verwaltete er seine hohen Ämter sogleich mit größter Sorgfalt und Klugheit und starb schließlich fromm und friedlich hier zu Wetzlar am 13. September des Jahres 1691, 59 Jahre und 28 Tage alt und ohne eigene Nachkommen; dafür aber hinterließ er der Nachwelt Schriften, die der Unvergänglichkeit überaus würdig waren, und durch die ein gleichbleibender Ruhm über den Tod eines solch bedeutenden Mannes hinaus niemals vergehen wird. Der du vorübergehst, behalte dies im Gedächtnis und lebe wohl. 156 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1691 Standort Johann Friedrich Schultze Stand Evangelischer Pfarrer Konfession evangelisch Nr. des Rundwegs 41 Sprache Latein Material Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) 68 x 110 Anmerkungen Johann Friedrich Schultze war Pfarrer der Wetzlarer evangelischen Kirchengemeinde von 1684 bis zu seinem Tod am 10. März 1691. Er wurde 38 Jahre alt. Johann Friedrich Schultze war zum Zeitpunkt seines Todes sieben Jahre verheiratet. Er hinterließ seine Witwe, eine Tochter und einen Sohn. Eine besondere Erwähnung auf seinem Epitaph findet seine Herkunft. Johann Friedrich Schultze war der Sohn eines Pfarrers und stammte aus dem kleinen Dorf Betkus bei Jüterborg in Sachsen. Diesem Umstand wird gleich im ersten Satz des Epitaphs Rechnung getragen: „… daß hier ein Sachse liegt.“ Er studierte Theologie in Wittenberg. Bevor er vom Rat und der Bürgerschaft Wetzlars nach Wetzlar berufen wurde, verwaltete er ein Pfarramt in der Nähe von Tübingen. Das Epitaph ist einfach gestaltet und enthält im oberen Teil lediglich einen Engel. 27 157 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Originaltext LUGE VIATOR ET LEGE SAXUM HOC SAXONEM HIC SITUM DOCET. VIR EHEU! INTER NOS FUIT PLURIMUM REVERENDUS M. JOH. FRIDERICUS SCHULZIUS PASTOR ECCLES EVAINGEL PRIMARIUS INPRIMIS MERITUS IN SAXONIA NATUS IN PAGO BETKUS, PROPE IUTREBOCUM ANNO MDCLII DIE “28 MARTII PATRE ILLIUS LOCI PAROCHO , A QUO ADALMAN STUDIORUM MATREM WITTEBERGAM MISSUS, UBI FAUSTIS AVUNCULI AUSPICIIS CELEBERRIMI D DEUTSCHMANNI EXIMIE SUCCREVIT EXPEDITO DEHINC VARIO ITINERE TUBINGAM QUOQUE SALUTAVIT UNDE REVERTENS IN VICINIA PASTORATU FUNCTUS PAULO POST PUTA ANNO 1684 5 DECEMBRIS SUFFRAGIO SENATUS ET CIVITATIS NOSTRAE UNANIMO DIAC POST PASTOR CONSTITU CONSENS CCILAT OVO OFFICIO RITE ET SANCTE SEPTEM ANNOS IUGITER FUNCTUS PROH ANNO 1691 DIE 10. MARTII OMNIUM PLANCTU PLACIDE DEFUNCTUS ANNO AETAT XXXVIII. RELICTA VIDUA MAESTISSIMA CUM QUA SEPTENNI E CONIUGIO FILIAM GENUIT ET FILIUM UTRUMQUE CUM IPSO BEATUM MEMORIA EIUS ESTO IN PACE TEXTUS 2 TIM 4 V 7 ET 8 Ich habe einen guten Kampf gekämpft Der lateinische Text ist an einigen Stellen merkwürdig und zum Teil unvollständig. 158 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Übersetzung Wanderer, trauere und lies, dieser Stein tut kund hier liegt ein Sachse. Ach, unter den Seinen war er ein sehr ehrwürdiger Mann. M. Johann Friedrich Schulzius, der überaus verdiente Oberpfarrer der evangelischen Kirche, geboren in Sachsen im Dorf Betkus in der Nähe von Jüterbog am 28. März des Jahres 1652; in jenem Ort war sein Vater Pfarrer, von dem er zur Universität Wittenberg geschickt worden war, wo er unter der erfolgreichen Leitung seines Onkels, des hochberühmten Herrn Deutschmann, außerordentliche Fortschritte machte. Nachdem er daraufhin verschiedene Reisen unternommen hatte, suchte er auch Tübingen auf. Von dort kehrte er zurück und verwaltete in der Nachbarschaft das Pfarramt. Bald darauf wurde er am 5. Dezember 1684 durch einen einstimmigen Beschluss des Rats und unserer Bürgerschaft als Diakon, sodann als Pfarrer eingesetzt, ein Amt, das er gewissenhaft und auf rechte Weise 7 Jahre lang in einem fort versah. Ach, am 10. März des Jahres 1691 ist er zur allgemeinen Trauer im Alter von 38 Jahren sanft entschlafen. Er ließ eine tieftraurige Witwe zurück, mit der in 7-jähriger Ehe eine Tochter und einen Sohn gezeugt hat; mit ihm selbst ruhen beide in der Ewigkeit. Die Erinnerung an ihn bleibe in Frieden! Text: 2. Timotheus 4, Vers 7 und 8 Die letzte Zeile ist in deutscher Sprache gehalten: Ich habe einen guten Kampf gekämpft. 159 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 33: Epitaph von Johann Friedrich Schultze Todesjahr 1697 Standort Johannes Eichrodt Stand Prokurator am Reichskammer gericht Konfession k.A. Nr. des Rundwegs 50 Sprache Latein Material Marmor Größe in cm (Breite x Höhe) 100 x 200 Anmerkungen Im Jahre 1697 wurde dem Prokurator Johannes Eichrodt ein Epitaph gesetzt. Eichrodt wurde 1634 geboren. Er war 1659 Advokat am Reichskammergericht in Speyer und wurde zwei Jahre später Prokurator. Die Inschrift auf seinem Epitaph enthält die etwas erklärungsbedürftige Formulierung „… und so kehrte er, der schon längst Asche gewesen war, zur Asche zurück.“ Laut Baumann, ist davon auszugehen, dass die Auftraggeber des Epitaphs hiermit andeuten wollten, dass Eichrodt seinen Wechsel von Speyer nach Wetzlar nicht gut verkraftet habe und er 1697 als gebrochener Mann gestorben sei.117 Möglicherweise spielten hierbei zwei Faktoren eine Rolle: zum einen das in Wetzlar am Reichskammergericht ausgeprägte Standesdenken der Assessoren und ihre praktizierte Abgrenzung gegenüber dem Stand der Advokaten und Prokuratoren und zum anderen, die neue Rolle von Eichrodt, sich im hohen Alter als Prokurator in Wetzlar gänzlich neu etablieren zu müssen. Das Wappen und ein Totenkopf nehmen rund die Hälfte der Grabplatte ein. Das Wappenschild zeigt drei Eicheln. Über dem überkrönenden Helm ist eine weitere Eichel abgebildet. 117 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 17. 28 161 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Originaltext SISTE GRADUM. CINERES IN FURORE GALLICO SPIRAE EXCITATOS HORRUIT ET AUFUGIT PRAENOB ET CONSULTM D JOES EICH RODT IUR U L CAM IMP. ADVOCET SENIOR ET ILLOS LICET A NULLA VIOLENTIA EXCITATOS HIC SUB HOC LAPODE INVENIT AO AETAT SUAE LXIII IN QUINTUM MENSE CURREN TE NIMIRUM XIII FEBRUARII ANNI 1697 NEC MIRUM QUI IAMDUDUM CINIS FUERAT IN CINEREM REVERSUS TU DIC UT LENITER REQUIESCAT GLORIOSIOR PAULO POST RESUSCITANDUS AMEN Übersetzung Halte den Schritt an! Vor dem durch französische Kriegswut in Speyer angerichteten Aschenhaufen floh schaudernd der hochwohlgeborene und überaus rechtskundige Herr Johannes Eichrodt, Lizentiat beider Rechte, Advokat und Senior des Reichskammergerichts; er fand jene Asche – wenn auch von keiner Gewalttat verursacht – hier unter diesem Stein, als das 63. Jahr seines Lebens im 5. Monat ankam, und zwar am 13. Februar des Jahres 1697. Dies ist freilich nicht verwunderlich, er, der schon längst Asche gewesen war, kehrte zur Asche zurück. Du bete, dass er in Frieden ruhen möge und bald darauf glorreicher wiedererweckt werden möge. Amen. 162 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 34: Epitaph von Johannes Eichrodt Todesjahr 1699 Standort Hulderich von Eyben Stand Assessor am Reichskammer gericht Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 29 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 175 x 275 Anmerkungen Dem zweiten Assessor118, dem mit einem Epitaph im Wetzlarer Dom gedacht wurde, war der Assessor Hulderich von Eyben. Er verstarb 1699. Das Epitaph wurde von seinen trauernden Angehörigen gesetzt. Eyben wurde 1629 geboren, er stammte aus Ostfriesland. Er studierte an den Universitäten in Rinteln, Marburg und Gießen. In Gießen erlangte er die Doktorwürde und erhielt eine juristische Professur. Im Jahre 1669 wurde er herzoglich-braunschweigisch-lüneburgischer Rat. Dieses Amt übte er in Helmstedt aus. 1678 wurde er vom niedersächsischen Kreis als Assessor nach Speyer entsandt. Von Kaiser Leopold wurde er 1688 in die freie Reichsritterschaft aufgenommen. Am Reichskammergericht in Wetzlar wirkte er von 1690 bis zu seinem Tode 1699. Er galt als einer der vornehmsten und kenntnisreichsten Richter des Reichskammergerichts. Auf seinem Epitaph wird er als „Priester der Themis“ verehrt. Themis ist in der griechischen Mythologie die Tochter des Uranos und der Gaia und gehört zum Göttergeschlecht der Titanen. Sie gilt als Göttin der Gerechtigkeit und der Ordnung sowie der Philosophie. Im oberen Teil des Epi- 118 Bei dem ersten Assessor handelt es sich um Erich Maurtius, vgl. Nr. 26. 29 164 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 35: Epitaph von Hulderich von Eyben taphs sind zwei Wappen ausgeführt. Das linke Wappen zeigt einen Adler, das rechte Wappen einen Löwen sowie eine Lilie und zwei Rosen. Neben dem linken Wappen ist der Name „Von Eyben“ und neben dem rechten Wappen „Schmieden von Lode Hof“ aufgeführt. Originaltext MONUMENTUM HOCCE VIRI MENTE AC GENTE GENIO ET GENERE ILLISTRIS DOMINI HULDERICI AB EYBEN OSTFRISII QUEM ACADEMIA PRIMUM GISSENA HINC JULIA THEMIDOS MYSTAM MULTOS PER ANNOS UENERATAE SUNT INDE AUGUSTISSIMI ET SUMMI PER GERMANIAM CAMERALIS JUDICII COLLEGIO NOMINE CIRCULI SAXONIAE INFERIORIS ADSCRIPTUM ET A S CAESAREA MAIESTATE CONSILIARII HONORE ORNATUM IMMEDIATI QUOQUE EQUESTRIS ORD AD RHENUM SODALITATI INSERTUM DE ECCLESIA ET REPUBLICA PER OMNEM VITAM EGREGIE MERITUM DEO DEMUM JUBENTE MORS SEPTUAGINTA 166 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom CIRCITER ANNOS NATUM OCTAVO KAL AUGUSTI ANNO AERAE CHRISTIANAE MDCXCIX PLACIDE EVOCAVIT HONORI ET MERITIS INNUMERABILIBUS LUGENTES STATUERUNT LIBERI ET GENERI Schreibfehler Übersetzung Dieses Denkmal setzten seine trauernden Kinder und Schwiegersöhne dem Ruhm und den unzähligen Verdiensten des Herrn Hulderich von Eyben aus Ostfriesland, eines Mannes, der durch Verstand und Abstammung gleichermaßen herausragend war, den zuerst die Akademie in Gie- ßen, darauf die in Helmstedt als Priester der Themis viele Jahre hindurch verehrt haben. Sodann wurde er im Namen des niedersächsischen Kreises in das Kollegium des vortrefflichsten und höchsten deutschen Kammergerichts aufgenommen, er wurde von seiner kaiserlichen Majestät mit dem Titel eines kaiserlichen Ratgebers geehrt, auch in die Kameradschaft des reichsunmittelbaren rheinischen Ritterstandes eingereiht und machte sich sein ganzes Leben lang um Kirche und Staat besonders verdient. Auf Gottes Geheiß rief ihn schließlich im Alter von ungefähr 70 Jahren am 25. August des Jahres 1699 der christlichen Zeitrechnung der Tod sanft ab. 167 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1710 Standort Juliane Schlosser Stand Ehefrau des Johannes Hermann Hartzheim Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 17 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 85 x 140 Anmerkungen Juliane Schlosser war die Ehefrau von Johannes Hermann Hartzheim. Hartzheim war Delegierter beim Reichskammergericht und Rechtsbeistand der Stadt Köln. Er war im Jahre 1710 zu einer Visitation im Wetzlar. Seine Ehefrau, die ihn begleitete, verstarb am 18. März 1710. Das vom Ehemann in Auftrag gegebene Epitaph hebt sich von den anderen Epitaphien der Angehörigen des Reichskammergerichts aus dieser Zeit ab. So enthält es im oberen Teil eine Figur, die man als Engel deuten kann. Darüber hinaus ist der Stein sehr aufwändig mit Ornamenten auf der gesamten Platte versehen. Im unteren Bereich ist ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen auf die Platte aufgesetzt worden. 30 168 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 36: Epitaph von Juliane Schlosser Originaltext Inspice Via tor et lege Posthumi Amoris Con jugalis reliquias Quas Praenob. Clariss: Dnus D. JOHANNES HERMAN NUS HARTZHEIM Reipub Colon Syndicus ejusdem; ad Camerae Imp Visitationem Subdelegatus Lectissime Conjugi JULIANAE SCHLOS SEREN In Comitatu D. Mariti 18 Maritii Anno 1710 pie in Dno defunctae in hoc tem plo sepultae posuit Hujus memoria sit in be ne diticione Corpus in Requie Anima in Pace Schreibfehler 170 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Übersetzung Schaue, Wanderer, in Trauer auf das letzte Zeichen der ehelichen Liebe, das der hochwohlgeborene und hochangesehene Herr Johannes Hermann Hartzheim, Rechtsbeistand der Stadt Köln und zugleich ihr Unterdelegierter bei der Visitation des Reichskammergerichts, seiner vortrefflichsten Gemahlin Juliane Schlosser gesetzt hat, die als Begleiterin ihres Herrn Gemahl am 18. März des Jahres 1710 fromm im Herrn gestorben ist und in dieser Kirche bestattet wurde. Das Gedenken an sie sei im Segen, ihr Leib in Ruhe und ihre Seele in Frieden. 171 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1710 Standort Gotthard Johann Marquart 1691 Anna Kathari na Mohr, Ehefrau Stand Prokurator am Reichskammer gericht Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 22 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 85 x 140 Anmerkungen Das Epitaph von Gotthard Johann Marquart enthält auch ein Gedenken an die Ehefrau Anna Katharina Mohr. Das Epitaph wurde von drei ihrer Kinder in Auftrag gegeben. Gotthard Johann Marquart starb 1710. Er war 40 Jahre zunächst als Advokat und dann als Prokurator am Reichskammergericht tätig, zuerst in Speyer, von 1690 an in Wetzlar. Er wurde 65 Jahre alt. Seine Ehefrau gebar 6 Kinder und verstarb im Jahre 1691. Sie wurde nur 38 Jahre alt. Das Epitaph ist im Vergleich zu den anderen Epitaphien der Reichkammergerichtsangehörigen schlicht gehalten. 31 172 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Originaltext HOC PIETATIS MONUMENTUM PARENTIBUS OPTIMIS FIDIS THALAMI ET POST FATA ET IN URNA VICINA SOCIIS VIRO GOTTHARDO JOHANNI DE MARQUART QUI 173 Abb. 37: Epitaph von Gotthard Johann Marquart und Anna Katharina Mohr GENUS A MAIORIBUS NOBILE V. MAY MDCXLV ACCEPTUM POSTERIS NOVA CAESAREA GRATIA AUCTUM TRANSMISIT MULTIS IMP. STATIBUS PER XL ANNOS A CONSILIIS ET CAUSIS IN CAMERA IMPERIALI ORANDIS CHARUS MENTISQ MAXIMIS MOTIBUS IMMOTAE ERAT. MORTUO DXXVII IVL AO MDCCX ET PIENTISSMAE MATRI ANNAE CATHARINAE MOHRIAE E PROSAPIA ASSESSORUM CAMERAE MOHRII ET A GULCHEN NATA SPIRAE AO MDCLIII DIE V MAY SEX LIBERORUM GENETRICI PRAEMATURE MDCXCI D XXV AUG A SUIS ADVOCATAE TRES POSUERE LIBERI TRISTES Übersetzung Den besten Eltern und treuen Ehegatten, die nach ihrem Tode in benachbarten Urnen lagen, dem Herrn Gotthard Johann von Marquart, der seine vornehme Herkunft am 5. Mai 1645 von den Vorfahren erbte, der den vielen Reichsständen 40 Jahre lang mit seinem Rat und durch die Führung von Prozessen am Reichskammergericht unentbehrlich war und bei sehr bedeutenden Fällen standhaft blieb, der am 27. Juli des Jahres 1710 starb, sowie der überaus frommen Mutter Anna Katharina Mohr, die aus der Familie der Kammer-Assessoren Mohr und von Gülchen stammte und zu Speyer am 5. Mai 1653 geboren wurde; sie brachte 6 Kinder zur Welt und musste am 25. August 1691 all zu früh von ihrer Familie Abschied nehmen. Ihnen setzten drei Kinder voll Trauer dies Denkmal der Liebe. 174 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1711 Standort Anna Maria Eva Lieb Stand Ehefrau Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 24 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 126 x 168 Anmerkungen Anna Maria Eva Lieb folgte ihrem Ehemann zur Visitation des Reichskammergerichts von Mainz nach Wetzlar. Mit nicht einmal 32 Jahren verstarb sie am 6. Februar 1711. Sie hinterließ ihrem Ehemann vier Kinder. Das Epitaph ist oval gehalten und enthält im oberen Bereich zwei Wappen, die mit Helmen an der Spitze geziert sind. Das linke Wappen enthält drei Sterne auf einem Querbalken in der Mitte. Das rechte Wappen stellt ein geteiltes Schild dar, das links mit einem Stern und einem Herz und rechts mit einem Pfeil und zwei Sternen versehen ist. Im unteren Teil ist in den Marmor ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen eingearbeitet. Der Text des Epitaphs ist sachlich gehalten. 32 175 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 38: Epitaph von Anna Maria Eva Lieb Originaltext HOC SUB TUMULO PRAEMATURE EREPTA E THALAMO ELEGIT SIBI REQUIEM AETERNAM PRAENOB ET CLARMA DOMINA ANNA MARIA EVA LIEBIN NATA SPALERIN PRAENOB ET CLAR.S.UM DOMINUM MARITUM AD VISITATIONEM CAMERA IMPERIALIS MOGUNTIA WETZLARIAAM SECUTA VISITATA ET IPSA A DOMINO PARUIT MANDATO CUM CLAUSULA ANNO MDCCXI FEBR DIE VI ANTE ANNOS XXXII NATA COELO TAMEN IAM TUM MATURA. SUPERSTES INTERIM IN LECTISSIMA PROLE QUATERNA QUAM IN TOTIDEM AMORIS CONIUGALIS TESSERAS MARITONOMINE ET OMINE AMANTISSIMO MORIENS RELIQUIT AB INTESTATO Besonderheit des Steinmetz, steht für Clarissima bzw. Clarissimum Übersetzung Unter diesem Grabstein erwählte sich die viel zu früh der Ehe entrissene hochangesehene und überaus edle Frau Anna Maria Eva Lieb geborene Spaler die ewige Ruhe. Sie folgte ihrem vortrefflichen und sehr edlen Herrn Gemahl zur Visitation des Reichskammergerichts von Mainz nach Wetzlar, wo sie selbst vom Herrn heimgesucht wurde und seiner schlussendlichen Weisung am 6. Februar 1711 gehorchte, erst 32 Jahre, dennoch schon damals reif für den Himmel. Inzwischen lebt sie weiter in den vier vortrefflichen Kindern, die sie als ebenso viele Zeichen der ehelichen Liebe dem überaus liebenden Ehegatten – sein Name (Lieb) besagt alles – sterbend ohne Testament hinterließ. 177 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1718 Standort Friedrich Schrag Stand Assessor am Reichskammer gericht Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 21 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 116 x 106 Anmerkungen Friedrich Schrag, gestorben 1718, wurde ein Epitaph gewidmet, das heute nicht mehr vollständig erhalten ist. Ursprünglich wurde die ovale Gedenkplatte durch einen Bronzekranz umgrenzt.119 Schrag war von 1699 bis 1718 Assessor. Er stammte aus Straßburg, wurde 1647 geboren und vom Schwäbischen Kreis dem Reichskammergericht zugeordnet. Auf seiner Gedenkplatte wurde er als „Papinianus“ seiner Zeit geehrt. Papinianus (* 142; † 212) war ein römischer Jurist und Beamter in Diensten des Kaisers Septimius Severus. Die spätantike Nachwelt hat Papinianus als den größten römischen Juristen gewürdigt. Schrag war einer von vier Assessoren, der den vollkommenen Stillstand des Reichskammergerichts in der Zeit von 1704 bis 1711 miterlebte. In dieser Zeit ruhte die Arbeit des Reichskammergerichts aufgrund eines internen Streits unter den Assessoren vollständig. Erst durch eine Visitation, die Kaiser Joseph I. veranlasste, konnte dieser Streit beigelegt werden.120 119 Vgl. H. Gloël, a. a. O., S. 18. 120 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 13. 33 178 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Originaltext AETERNITATI SACRUM ET MEMORIAE VIRI DUM VIVERET ILLUST. ET EXCELLENTISS. DNI FRIDERICI SCHRAGII S CAESAR. MAI. CONSILIARII ET AUGUSTISS CAMERAE IMP. IUDICII ASSESSORIS GRAVISS QUI CLARISS PARENTIBUS ARGENT A. MDCXLVII PROGNATUS NON MULTO POST OBITUM OMN. MULIEB. VIRTUTE ORNA- TISS CONIUGIS DOMINAE ANNAE CATHARINAE SCHRAGIAE NATAE SPORIAE WETFLARIAE A. MDCCXVIII DENATUS EXUVIAS PROXIMO ABHINC TUMULO ANIMAM COELO FAMAM ORBI CONCREDIDIT SALUTA HOSPES ET MULTUM VENERARE CINERES ILLUSTRES FUIT SAECULI SUI PAPINIANUS HE ICTUS VERUS NEC PERSO- NATUS VIXIT INTEGRA SEMPER ET PROBATA VIRTUTE CANDIDUS ET CONSTANTER VERAX GLORIAE MAGIS CAPAX QUAM AVID VERBO VERUS ET IN CURIA ET EXTRA CURIAM CURIUS MORTUS EST PIUS JUSTUS PLACIDUS ABI VIATOR ET UT EANDEM ELOGII LINEAM MEREARIS BENE VIVERE ET BENE MORI CURA Nicht vollständig vom Steinmetz ausgearbeitet Übersetzung Geweiht der Ewigkeit und der Erinnerung an einen Mann, der zu seinen Lebzeiten ein sehr angesehener und vortrefflicher Mensch war, Herr Friedrich Schrag, Rat seiner kaiserlichen Majestät, ein sehr tüchtiger Assessor am überaus wichtigen Reichskammergericht, der als Sohn sehr berühmter Eltern in Straßburg im Jahre 1647 geboren wurde und nicht lange nach dem Tode seiner mit allen weiblichen Tugenden geschmück- 179 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten ten Gattin Frau Anna Katharina Schrag geborene Spor in Wetzlar im Jahre 1718 starb und seinen Leib dem hier nächsten Grab, seine Seele dem Himmel und seinen Ruhm der Nachwelt hinterließ. Grüße, Wanderer, und verehre sehr seine edle Asche. Er war der Papinianus seiner Zeit. Oh weh? Er war ein wahrer Sonnenstrahl, nicht nur zum Schein, er lebte in reiner und immer bewährter Tugend, unbefleckt und ganz wahrhaftig, den Ruhm eher annehmend als begierig danach, ehrlich im Wort, gewissenhaft in und außerhalb der Ratsversammlung. Gestorben ist er fromm, gerecht und friedlich. Gehe weiter, Wanderer, und um dieselbe Grabinschrift zu verdienen, sorge dafür, rechtschaffen zu leben und tugendhaft zu sterben. Abb. 39: Epitaph von Friedrich Schrag 180 Todesjahr 1721 Standort Franz Richard Stand Hofrat und Haus archivar Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 3 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 90 x 155 Anmerkungen Dieses Epitaph im Wetzlarer Dom hat eine besondere Bedeutung, die sich nicht in die übrigen Epitaphien einordnen lässt. Hierbei handelt es sich um das Epitaph von Franz Richard, der am 20. Februar 1721 verstorben ist. Diese Gedenktafel hatte der Kammerrichter Frobenius Ferdinand Fürst von Fürstenberg für seinen Diener, dem Hofrat und Hausarchivar, anfertigen lassen. Franz Richard war kein Funktionsträger des Reichskammergerichts. Insofern ist dieses Epitaph etwas Besonderes. Die Hochachtung des Kammerrichters, die der höchste Funktionsträger am Reichskammergericht (von 1718–1722) seinem Diener gegenüber durch ein Epitaph im Wetzlarer Dom entgegenbrachte, muss sich auf ein besonderes Verhältnis oder auf besondere Verdienste beziehen. In welcher Form sich dieses Verhältnis ausdrückte bzw. worin die besonderen Verdienste bestanden, ist nicht überliefert. Das Epitaph enthält im oberen Bereich ein Wappen, auf dem ein Sparren mit drei Sternen abgebildet ist. Über dem Wappen ist ein Helm zu sehen, der durch zwei Hörner mit einem Stern in der Mitte überhöht wird. 34 181 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 40: Epitaph von Franz Richard Originaltext D.O.M.S. FRANCISCO RICHARD CONSILIARIO SUO AULICO ET DOMUS SUAE ARCHIVARIO VIRO IN PAUCIS INTEGRO FIDELI ERUDITO qui WETZLARIAE XX. FEBRUARY MDCCXXI PIE IN DOMINO deFunctus hic Sepultus iacet FROBENIUS FERDINANDUS PRINCEPS de Fürstenberg judex Camerae Imperalis Domestico optimo Lugens posuit Requiem eternam dona ei Domine et Lux perpetua luceat ei Amen. Übersetzung D.O.M.S. (Deo Optimo Maximo Sacrum). Dem besten und höchsten Gott geweiht. Seinem Hofrat und Hausarchivar Franz Richard, einem unbescholtenen, zuverlässigen, gelehrten Manne wie nur wenige, der am 20. Februar 1721 fromm im Herrn in Wetzlar verstorben ist und hier begraben liegt, seinem besten Hausverwalter also, hat Frobenius Ferdinand Fürst von Fürstenberg, Richter am Reichskammergericht, in Trauer dies Denkmal gesetzt. Herr, schenke ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm. Amen. 183 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1724 Standort Wilhelmine Hen rietta von Ludolf Stand Tochter des Assessors am Reichskammer gericht Georg Melchior von Ludolf Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 38 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 80 x 120 Anmerkungen Wilhelmine Henrietta von Ludolf, Tochter des vielfach geachteten Assessors Georg Melchior von Ludolf, verstarb mit 28 Jahren am 7. Februar 1724 unverheiratet. Das Epitaph setzten ihr die Eltern. Im Text wird Wilhelmine Henrietta Ludolf als aufrichtige, seelenreine und bescheidene Jungfrau bezeichnet. Ihre Tugendhaftigkeit und ihr eifriges Studium werden in hohem Maße gelobt. Der Text dieses Epitaphs reiht sich in die Reihe des überschwänglichen Lobs einer Vielzahl von Epitaphen der Reichskammergerichtsangehörigen ein. Im oberen Teil des Epitaphs ist ein Wappen mit Querbalken und zwei Kleeblättern enthalten. Das Wappen hat im oberen Bereich eine Krone, über der eine junge Frau steht, die ein Kleeblatt in der linken Hand hält. Im unteren Bereich ist im Stein ein Totenkopf mit zwei gekreuzten Knochen eingearbeitet. 35 184 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 41: Epitaph von Wilhelmine Henrietta von Ludolf Originaltext VIRGINI CLARISSIMAE WILHELMINAE HENRIETTAE FILIAE GEORGII MELCHIORIS de LUDOLF Imperialis Camerae Assessoris natae 31. Mart. MDCXCVI. Quam ob pietatem non fucatam, animi integritatatem et modestiam virtutesque reliquas sexu dignas Artium etiam liberalium lInguarum et Musices studium non Vulgare Lugent Parentes deplorant Sorores, Dolent Amici Amicaeque, desiderant Musarum Chori, Cumprimis Vero Collegium Religiosarum nobili Genere Virginum MARIAE WERDENSIUM Cui Magnae Britanice Regis, Elect Brunsvic. Beneficio erat adscripto posteaquam Dei Patris Coelestis Consilio Qua erat Salvatorem Christum fiducia Constanti, ad societatem beatorum; Chorumque Angelicum recepta fuit 7. Febr. MDCCXXIV Monumentum hocce Posuere Parentes. 186 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Übersetzung Die Eltern der hochwohlgeborenen Frau Wilhelmine Henriette, Tochter des Reichskammergerichtsassessors Georg Melchior von Ludolf, die am 31. März 1696 geboren wurde, setzten ihr dieses Denkmal. Diese betrauern die Eltern wegen ihrer aufrichtigen Frömmigkeit, der Lauterkeit ihres Herzens, ihrer Bescheidenheit sowie ihrer anderen Tugenden, die würdig ihres weiblichen Geschlechtes waren, auch wegen ihrer nicht alltäglichen eifrigen Beschäftigung mit den freien Künsten, den Sprachen und der Musik; sie beweinen die Schwestern und beklagen die Freunde und Freundinnen, die Liederchöre sehnen sie zurück, vor allem aber auch das Kollegium der gottesfürchtigen Jungfrauen aus adligem Stand im Marienstift zu Verden, in das sie durch ein Privileg des Königs von Großbritannien und Kurfürst von Braunschweig aufgenommen worden war. Durch göttlichen Ratschluss des himmlischen Vaters war sie im unerschütterlichen Vertrauen auf Christus, den Erlöser, am 7. Februar 1724 in die Gemeinschaft der Seligen und in den Chor der Engel aufgenommen worden. 187 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1725 Standort Christoph Gott fried Freiherr von Geismar Stand Assessor am Reichskammer gericht Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 7 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 90 x 160 Anmerkungen Christoph Gottfried von Geismar war in der Zeit von 1712 bis 1725 Assessor am Reichskammergericht.121 Er verstarb am 10. Dezember 1725 im Alter von 63 Jahren. Von Geismar war Mitglied des reichsunmittelbaren Ritterstands des oberrheinischen Kreises. Sein Epitaph wurde von seiner Ehefrau in Auftrag gegeben. Der Text des Epitaphs zählt seine Stellungen und seine „hartnäckige“ Konsequenz bei der Rechtsprechung auf. Auf dem oberen Drittel ist das Familienwappen derer von Gemmingen angebracht. Den unteren Teil des Epitaphs ziert ein Totenschädel mit zwei gekreuzten Knochen. 121 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 20. 36 188 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 42: Epitaph von Christoph Gottfried Freiherr von Geismar Originaltext HOC MONUMENTUM SEPULCHRALE AMOR CONIUGALIS POSUIT, PIUS IN CINERES, PERILLUSTRI AC PRAENOBILI D. CHRISTOPH. GODEFR. L.B. DE GEISMAR EX RIPEN, CONDICTO MOSBACH DE LINDENFELS IMMED. EQUEST. ORD. CIRC. SUP. RHENI, DNO HAER. IN NIRSTEIN ET CAES.ET REG. MAIEST. CONS. IMPER. CAM. ASSESSORI, VIRO IN OMNI SCIENTIARUM GENERE VERSATIISSIMO, TENACISSIMO IURIS QUEM ASTRA TERRIS INVIDA FATO SUBMISERE X. DECEMB: ANNO MDCCXXV POSTQUAM VIXERAT DEO SIBI AC PROXIMO ANNOS LXIII. R.I.P. 190 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Übersetzung Dieses Grabdenkmal errichtete die über den Tod hinaus treue Liebe der Ehegattin dem hochachtbaren und hochwohlgeborenen Herrn Christoph Gottfried L.B. von Geismar aus Ripen, genannt Mosbach von Lindenfels, Mitglied des reichsunmittelbaren Ritterstandes des oberrheinischen Kreises, Erbherrn von Nierstein, Ratsherr seiner könig lich-kaiserlichen Majestät, Assessor des Reichskammergerichts, also einem Manne, der erfahren war in jeder Art von Wissenschaft, der überaus beharrlich am Recht festhielt, den die Gestirne, die die Erde um ihn beneideten, am 10. Dezember 1725 dem Lebensschicksal unterwarfen, nachdem er in Gott für sich selbst und den Nächsten 63 Jahre lang gelebt hatte. Er ruhe in Frieden. 191 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1727 Standort Maria Franziska von Heeser Stand Ehefrau des kaiserlichen Postmeisters Anselm Franz Joseph von Löhr Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 10 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 108 x 175 Anmerkungen Während die überwiegende Zahl der Epitaphien der Reichskammergerichtsangehörigen aufwendig gestaltet wurde und sich das ausgeprägte Standesbewusstsein in den Gedenktafeln widerspiegelt, gibt es einige wenige Epitaphien, die sich auf besondere Schicksale der Verstorbenen beziehen. Standesschranken spielten in diesen Fällen keine Rolle. So zählt die 1727 verstorbene Maria Franziska von Heeser zu diesem Personenkreis. Geehrt wird die Ehefrau des Hofrats zu Mainz und kaiserlichen Postmeister zu Wetzlar Anselm Franz Joseph von Löhr. Frau von Heeser, die am 24. Mai 1727 im Alter von nur 28 Jahren im Wochenbett verstarb, folgte nach langen schweren Ringen ihrem verstorbenen Töchterchen. Die Ehe mit dem Hofrat und Postmeister dauerte nur ein Jahr. Das Epitaph ist aufwendig gestaltet und zeigt im oberen Bereich zwei Wappen. Auf dem linken Wappenschild sind drei Lilien und auf dem rechten Wappenschild das Christuslamm mit einer Fahne abgebildet. Über den die Wappenschilde überkrönenden Helme sind links eine Person mit einem Schwert und rechts ein paar Engelsflügel erkennbar. Im unteren Bereich ist ein Totenkopf mit zwei gekreuzten Knochen erkennbar. 37 192 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 43: Epitaph von Maria Franziska von Heeser Originaltext SISTE VIATOR VICTIMAM SPECTA CONIUGALIS UTI AMORIS ITA HONORIS. HABES QUIPPE HIC PRAENOBILIS CLARISSIMI AC CONSULTISSIMI DNI. D. PHLIPPI. NICOLAI. DE HEESER SERENISSIMI PRINCIPIS NASSOVICO-HADAMARIENSIS CANCELLARIAE DIRECTORIS QUONDAM GRAVISSIMI FILIAM LECTISSIMAM MARIAM FRANCISCAM DE HEESER QUAE DUM PRAENOBILI AC CLARISSIMO DOMINO ANSELMO FRANCISCO JOSEPHO DE LÖHR CONSILIARIO ELECTORALI MOGUNTINO AULICO, AC POSTAE IMPERIALIS WETZFLARIAE MAGISTRO, CONIUGI SUO AMANTISSIMO, PRIMITIAS AMORIS SOCIALIS AC FIDEI CONIUGALIS PIGNUS SOLLICITA REDDERE GEMUIT: ECCE PONDERI IMPAR LUCTAE CEDENS DIUTURNIORI OCCUMBIT PUERPERA MATER CUM FILIA PROLEM IPSAM PAULO POST PLACIDE SECUTA ANNO MDCCXXVII DIE XXIV MAII. ANNOS AETATIS COMPLEVIT PAUCOS XXVIII UNICUM CONNUBIO, AST VEL SOLUM COELO DIGNUM R.I.P. 194 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Übersetzung Halte ein, Wanderer, und schaue auf die aufopferungsvolle Liebe und Achtung einer Ehefrau. Denn du siehst hier Maria Franziska von Heeser, vortrefflichste Tochter des hochwohlgeborenen, hochangesehenen und hochgelehrten Herrn Philipp Nikolaus von Heeser, des ehemals sehr tüchtigen Kanzleidirektors des durchlauchtigsten Fürsten von Nassau-Hadamar; damals, als diese dem hochwohlgeborenen und hochangesehenen Herrn Anselm Franz Joseph von Löhr, dem erwählten Hofrat zu Mainz und kaiserlichem Postmeister zu Wetzlar, ihrem allerliebsten Gatten, den Erstling ihrer gemeinsamen Liebe und Unterpfand ihrer ehelichen Treue in unruhiger Sorge gebären wollte, klagte sie unter Schmerzen: da starb die junge Mutter, der die Leibesfrucht zu schwer war, dem allzu langen Ringen unterliegend samt ihrem Töchterchen, indem sie ihrem Kinde selbst bald darauf am 24. Mai des Jahres 1727 friedlich nachfolgte. Sie vollendete nur wenige Jahre ihres Lebens, nämlich 28, ein einziges im Ehestand, aber dies allein war sogar des Himmels würdig. Sie ruhe in Frieden 195 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1728 Standort Georg Ernst Winckler 1732 Anna Elisa beth Winckler, Ehefrau Stand: Buchdrucker und Buchhändler Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 44 Sprache Deutsch Material Lahnmarmor Größe in cm (Breite x Höhe) 103 x 209 Anmerkungen Georg Ernst Winckler war Buchdrucker und Buchhändler. Er druckte für das Reichskammergericht zahlreiche juristische Werke und Schriften. Weiterhin war er der erste Drucker, der die erste Wetzlarer Zeitung druckte. Das Epitaph wurde 1925 in den umfangreichen Erläuterungen von Gloël122 nicht dem Wetzlarer Dom, sondern dem alten Friedhof au- ßerhalb des Friedhofs im Rosengarten zugeordnet. Daher erhöht sich aktuell auch die Anzahl der Epitaphien von ursprünglich 52 auf nunmehr 53 Denkmäler, da sich das Epitaph von Georg Ernst Winckler im Heidenhof des Wetzlarer Doms befindet. Das Epitaph muss innerhalb Wetzlars mehrmals den Standort gewechselt haben. So ist vermerkt, dass der Gedenkstein früher außen am Haupteingang des Doms angebracht gewesen sein soll. Neben Georg Ernst Winckler ist auch seine Ehefrau Anna Elisabeth Winckler, geborene Klunck auf dem Epitaph aufgeführt. Georg Ernst Winckler wurde am 16. August 1656 geboren und verstarb am 10. Oktober 1727 mit 72 Jahren. Seine Ehefrau wurde 79 Jahre alt, sie ver- 122 Vgl. Gloël (a), a. a. O., S. 66. 38 196 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 44: Epitaph von Georg Ernst Winckler und Anna Elisabeth Winckler starb am 25. November 1732. Beide hatten drei Söhne und eine Tochter. Der Gedenkstein hat im oberen Teil zwei Wappen. Das linke Wappen enthält die Initialen W, das rechte Wappen einen Doppeladler. Im unteren Teil sind zwei Totenköpfe mit gekreuzten Knochen zu sehen. Schäden im Stein insbesondere im unteren Drittel des Textfeldes machen den Text nur schwer lesbar. Gloël lag 1925 offensichtlich ein noch besser lesbarer Text vor. Originaltext123 LEICHENTEXTE 1 HIOB XIX 25 26 ICH WEIS DAS MEIN ERLÖSER LEBT PSALM XXV 1.2.3. NACH DIR HERR VERLANGET MICH HERR GEORG ERNST WINCKLER, BUCHDRUKCER UND BUCHHAENDLER ALLHIER UND DESSEN EHELIEBSTE FRAU ANNA ELISABETHA WINCK LERIN GEBOHRNE KLUNCKIN SIND VON CHRISTEHRLICHEN ELTERN GEBOHREN ER DEN VI. AUGUSTI MDCLVI ZU OELS IN SCHLESIEN SIE DEN XIII OCTOBRIS MDCLIII ZU HERBOHRN IM DILLENBUR- GISCHEN WO SELBST AUCH BEYDE DEN XII. AUGUSTI MDCLXXXVI IN DEN HEILIGEN EHESTAND GETRETEN 123 Heute nicht mehr lesbarer Text durch die Angaben bei Gloël ergänzt. Vgl. H. Glo- ël (a), a. a. O., S. 66. 198 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom SIND ANNO MDCXCIV SIND SIE VOM E. E. STADTRATH NACH WETZLAR BERUFEN WORDEN UND HABEN ALLHIER DIE ERSTE BUCHDRUCKEREY AUFGERICHTET. IHRE EHE WARE MIT DREY SOEHNEN UND EINER TOCHTER GESEGNET. ZWEY SOEHNE SIND IN IHRER ZARTEN KINDHEIT GESTORBEN EINEN SOHN UND DIE EINE TOCHTER HABEN SIE IN DER WELT HINTERLASSEN VON DIESEN ZWEY KINDERN HABEN SIE XIX ENCKEL ERLEBET VON WELCHEN IX ALLBEREIT DORT IN DER TRIUMPHIEREN- DEN X ABER NOCH HIER IN DER STREITENDENE KIRCHE SIND ES IST DEN X OCTOBRIS MDCCXXVII LXXII JAHRE, I MO- NATH III WOCHEN UND VI TÄGE ALT, SIE AM XV NOVEMBERIS MDCCXXXII LIX JAHRE XI MONATH UND III TAEGE ALT GESTORBEN. SIE HABEN XLII JAHRE , II MONAHT UND III TAEGE IN DEM EHESTAND MITEINANDER GELEBT GOTT VERLEYE IHNEN EINE FROELICHE AUFERSTEHUNG ZUM EWIGEN LEBEN: AMEN Die Zahlenangaben sind nicht immer exakt aufgeführt. Der Text ist zum Teil nur noch schwer lesbar. Übersetzung Leichentext: Hiob XIX 25, 26. Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. 2. Psalm XXV 1,2,3. Nach dir Herr verlangt mich. Herr Georg Ernst Winckler, Buchdrucker und Buchhändler allhier, und dessen eheliebste Frau Anna-Elisabeth Winckler, geborene Klunck; sie sind von christlichen, ehrlichen Eltern geboren worden: Er am 6. August 1656 in Oels in Schlesi- 199 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten en, sie am 13. Oktober 1653 in Herborn bei Dillenburg, wo beide selbst auch am 12. August 1686 in den Stand der heiligen Ehe getreten sind. Im Jahre 1694 sind sie vom Stadtrat nach Wetzlar beordert worden und haben hier die erste Buchdruckerei errichtet. Ihre Ehe war mit drei Söhnen und einer Tochter gesegnet. Zwei Söhne sind in ihrer zarten Kindheit gestorben, einen Sohn und eine Tochter haben sie der Welt hinterlassen. Von diesen zwei Kindern haben sie 19 Enkel erlebt. Von denen sind 9 Enkel in der triumphierenden Kirche (Jenseits) und 10 in der streitenden Kirche (Diesseits). Er ist am 10. Oktober 1728 im Alter von 72 Jahren, 1 Monat, 3 Wochen und 6 Tagen gestorben. Sie ist am 15. November 1732, 59 Jahre, 11 Monate und 3 Tage alt gestorben. Sie haben 42 Jahre, 2 Monate und 3 Tage im Ehestand miteinander gelebt. Gott verleihe ihnen eine fröhliche Auferstehung zum ewigen Leben: Amen. 200 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1733 Standort Joachim Georg von Plönnies Stand Assessor am Reichskammer gericht Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 12 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 100 x 175 Anmerkungen Joachim Georg von Plönnies war in der Zeit von 1724 bis 1731 Assessor am Reichskammergericht in Wetzlar. Er dankte 1731 ab und starb 2 Jahre später am 31. März 1733. Joachim Georg von Plönnies wurde 66 Jahre alt. Sein Epitaph enthält eine Reihe von Huldigungen, die die Bedeutung dieses Assessors widerspiegeln. Der Bezug zur Themis, die zum Göttergeschlecht der Titanen gehört und als Göttin der Gerechtigkeit und Ordnung sowie der Philosophie gilt, streicht auch nach seinem Tode die besondere Bedeutung des Assessors Joachim Georg von Plönnies heraus. Eine weitere Textpassage sticht besonders hervor: „…ließ das Schicksal aus Neid gegen das Vaterland …unter der Trauer der Erde … unterliegen.“ Dies ist insbesondere bedeutsam, da sich der Text öffentlich gegen sein Vaterland richtet. Es ist nicht bekannt, welches Schicksal sich damit verbindet. Das Epitaph enthält im oberen Teil ein Wappen mit Schrägbalken und drei Sternen, im Hintergrund ist ein Doppeladler erkennbar. Im unteren Teil des Epitaphs ist ein Totenschädel zu sehen. 39 201 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Originaltext D.O.M. STA VIATOR, ET QUIS QUIS ES, LEGE QUIS HOC DORMIAT SUB TUMULO EST ILLE PER=ILLUSTRIS, AC PRAENOBILIS D. IOACHIMUS GEORGIUS DE PLONNIES MAGNUS AVITO SANGUINE, MAJOR SUA LUCE, MAXIMUS INTAMINATA VIRTUTE, QUEM AMPLISSIMIS, QUOAD VIXIT, HONORIBUS AC NUPERRIME CAES, ET REG. MAJEST CONSILIARII OFFICIO NECNON IMPER CAM. ASSESSORATU NUNC VITA FUNCTUM VIRUM OMNI SCIENTIA EXCULTUM SACRAE THEMIDIS COLUMNAM FATA PATRIAE IN VISA ANNO AETATIS LXVI ET XI MENS A.O. R. MDCCXXXIII DIE 31. MARTII, 202 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom PLANGENTE SOLO, PLAUDENTE POLO OPPRESSERE NUNC ABI VIATOR NEC PLORA SED Ne laedant te fata necis, Lachesisque furores. Sic Vive; ut vixit quem lapis iste tegit. Übersetzung D.O.M. Deo Optimo Maximo. Dem besten und höchsten Gott. Bleibe stehen, Wanderer, und wer auch immer du bist, lies, wer unter diesem Grabmal schläft. Es ist jener sehr angesehene und hochwohlgeborene Herr Joachim Georg von Plönnies, bedeutend durch ererbtes Blut, bedeutender durch das Licht des Geistes, sehr bedeutend durch seine unbefleckte Tugend. Diesen Mann, der, solange er lebte, mit den höchsten Ehren ausgezeichnet war und noch vor kurzem das Amt eines Rats der kaiserlichen und königlichen Majestät und das eines Assessors am Reichskammergericht verrichtete, der mit allem Wissen ausgestattet war, ihn, der eine Säule der ehrwürdigen Themis war, ließ das Schicksal aus Neid gegen das Vaterland im Alter von 66 Jahren und 11 Monaten im Jahre 1733 am 31. März unter der Trauer der Erde, aber zur Freude des Himmels unterliegen. Nun, Wanderer, gehe weiter und weine nicht, sondern, damit dich nicht das Schicksal des Todes und das Wüten der Parze verletze, lebe so, wie der gelebt hat, den dieser Stein bedeckt. 203 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 45: Epitaph von Joachim Georg von Plönnies Todesjahr 1734 Standort Maria Ursula Bonn Stand Ehefrau von Dr. Johann Bonn, von 1711–1735 Fis kal advokat am Reichs kammergericht Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 1 Sprache Latein Material Lahnmarmor (Steinbruch Unica) Größe in cm (Breite x Höhe) 45 x 65 Anmerkungen Im Jahre 1734 verstarb Maria Ursula Bonn, Ehefrau des Dr. Johann Bonn. Dr. Johann Bonn war von 1711 bis 1735 Fiskaladvokat am Reichskammergericht. Fiskaladvokaten wurden vom Kaiser direkt ernannt und hatten damit eine Sonderstellung unter den Angehörigen des Reichskammergerichts. Durch die kaiserliche Ernennung war es zwingend notwendig, dass die Fiskaladvokaten auch in reformatorischen Zeiten immer katholisch waren. Maria Ursula Bonn verstarb im Alter 65 Jahren. Interessant auf dem in lateinischer Schrift gehaltenen Epitaph sind die exakten Zahlenangaben über die Dauer der Ehe mit Johann Bonn, genau 31 Jahre, 3 Monate und 20 Tage dauerte diese Ehe. Weitere exakte Zahlenangaben beziehen sich auf die Lebensdauer. Deutlich in diesem Zusammenhang ist auch die unterschiedliche Sichtweise der deutschen Übersetzung. So übersetzte Gloël 1925 den ersten Satz des Epitaphs mit den Worten: „Siehe, eine Opfer der Ehe…“.124 Weitere Interpretationen dieses merkwürdig anmutenden Satzes bleibt Gloël schuldig. Die der heutigen Zeit angemessenere Übersetzung des ersten Satzes lautet: „ Siehe die über jedes Lob 124 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 21 f. 40 205 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 46: Epitaph von Maria Ursula Bonn erhabene und sich für die Ehe aufopfernde Maria Ursula Bonn …“. Diese Übersetzung ist selbsterklärend. Das Epitaph ist eher schlicht gehalten und verfügt über keine weiteren schmückenden Ornamente oder figürlichen Darstellungen. Originaltext ECCE VICTIMA CONIUGALIS MARIA URSULA BONN NATA DE PUNTIFES OMNI ELOGIO MAIOR DI JOAN BONN J U LIC SACR CAESAR MAIEST CONSILIAR E T CAMER IMPER FISCI ADVOCATI PER ANNOS 31 MENS 3 DIES 20 CONIUX DULCISSIMA, NUNC DESIDERATISSIMA MARITUM LIBEROS, ET AMICOS LUGENTES RELIQUIT. 4 TA 7 BRIS 1734 ANNO AETATIS 65 MENS 2 DIER 20 R.I.S.P. 207 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Übersetzung Siehe die über jedes Lob erhabene und sich für die Ehe aufopfernde Maria Ursula Bonn geborene von Puntifex, 31 Jahre, 3 Monate und 20 Tage lang heißgeliebte Gattin des Herrn Johann Bonn, Lizentiat beider Rechte, welcher Rat der Heiligen kaiserlichen Majestät und Advokat für das Finanzwesen am Reichskammergericht war. Jetzt hat sie – schwer vermisst – den Gatten, die Kinder und die Freunde am 4. September 1734 im Alter von 65 Jahren, 2 Monaten und 20 Tagen trauernd zurückgelassen. Sie ruhe in heiligem Frieden. 208 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1734 Standort Maria Anna Seraphina von Clausbruch 1740 Johann Melchior Cramer von Clausbruch (Ehemann) 1792 Johann Arnold Heinrich Joseph von Clausbruch (Sohn) Stand Ehefrau von Johann Melchior Cramer von Clausbruch Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 6 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 95 x 170 Anmerkungen Maria Anna Seraphina von Clausbruch verstarb 1734. Ihr ist ein Epitaph gewidmet das von ihrem Ehemann, dem Assessor Melchior Cramer von Clausbruch in Auftrag gegeben wurde. Der Text auf dem Epitaph bezieht sich mehrfach auf den Vornamen Seraphina. Seraphina ist die weibliche Form von Seraphin. In der Bibel werden die sechsflügeligen Engelsgestalten an Gottes Thron, aus einer Vision Jesajas, als Seraphim bezeich- 41 209 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten net. Sie bilden die höchste Stufe in der Hierarchie der Engelswesen. Insgesamt 15 Jahre war Anna Maria Seraphina von Clausbruch verheiratet. Mit 38 Jahren verstarb sie sehr früh, 6 Jahre später ihr Gatte am 30. April 1740. Johann Melchior Cramer von Clausbruch war kurkölnischer Assessor. Zuvor war er Rat und Kommissar des kurkölnischen Hofgerichts.125 1792 verstarb der gemeinsame Sohn, Johann Arnold Heinrich Joseph von Clausbruch, der 33 Jahre Assessor am Reichskammergericht in Wetzlar war. Auch ihm ist auf diesem Epitaph ein kurzer Text gewidmet. Johann Arnold Heinrich Joseph von Clausbruch ist der letzte Verstorbene, dem im Wetzlarer Dom ein Epitaph gewidmet worden ist. Abb. 47: Epitaph von Johann Melchior Cramer und Johann Arnold Heinrich Joseph von Clausbruch (unterer Einschub) Im oberen Teil des Epitaphs sind zwei Wappen enthalten. Das linke Wappen zeigt einen aufrecht stehenden Löwen und einen Storch, das rechte Wappen sechs Sterne. Auf jedem Wappen sind jeweils Helme mit einer Krone aufgesetzt. Der untere Textteil, der dem Ehemann und dem Sohn gewidmet ist, zeigt im Zentrum einen Totenkopf mit zwei gekreuzten Knochen. 125 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 13. 210 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 48: Maria Anna Seraphina von Clausbruch Originaltext D.O.M. CASTRUM DOLORIS MONUMENTUM AMORIS SUB QUO PERILLUSTRIS DOMINAE D. MARIA ANNA SERAPHINA NATA DE SOLEMACHER ILLUSTRE SERAPHICI IN DEUM ARDORIS VINDICANDI EIUSDEM HONORIS EXIMII IN PAUPERES AMORIS EXEMPLUM PERILLUSTRIS ET GENEROSI DOMINI D JOANNIS MELCHIORIS CRAMER DE CLAUSBRUCH IMPERIALIS CAMERAE ASSESSORIS ANNIS XV LECTISSIMA CONJUX POST VITAE MORTALIS EXEMPLI IMMORTALIS ANNOS 38 MENSES 8 DIES 20 VII JUNII MDCCXXXIV MORTE FELICI SUBLATA AD VITAM FELICIOREM TRANSLATA IN HOCCE SERAPHICI ORDINIS TEMPLO COMMUNI LUCTU TUMULATA 212 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom IN PACE REQUIESCIT AD SERAPHIM SERAPHINA VOLAT, NEMPE ADDIDIT ALAS MITIS IN AFFLICTOS ET SERAPHINUS AMOR SEX POST CONJUGEM ANNIS 30. APR. 1740 MORTUUS MARITUS ILLIQUE APPOSITUS, R.I.P. POSTREMO PARENTIBUS ADDITUR FILIUS JOH. ARNOLD HENR. JOS. IMP. CAMERAE. PER 33 ANNOS ASSESSOR .OBIIT 12 XBRIS AO 1792 REQUIESCAT IN PACE Übersetzung Eine Festung des Schmerzes und ein Denkmal der Liebe, unter dem die sehr angesehene Frau Maria Anna Seraphina, geborene von Solemacher ruht, ein leuchtendes Vorbild einer seraphinischen Liebesglut zu Gott, auch im Bewahren ihrer Ehre und in der außerordentlichen Liebe zu den Armen. 15 Jahre lang war sie die vortrefflichste Gattin des sehr angesehenen und hochherzigen Herrn von Clausbruch, des Assessors am Reichskammergericht. Nach 38 Jahren, 8 Monaten und 20 Tagen ihres vergänglichen Lebens, eines Abbildes des unvergänglichen Lebens, starb sie am 7. Juni 1734 eines seligen Todes. Nach dem Übergang in ein besseres Leben wurde sie unter großer Trauer in dieser Kirche des seraphinischen Ordens beigesetzt und ruht in Frieden. Seraphina entfliegt zu Seraph. Ihr haben eine seraphische Liebe und ein gütiges Herz für Bedrängte Flügel verliehen. Darunter steht: 6 Jahre nach der Gattin, am 30. April 1740 wurde der tote Ehegatte an ihrer Seite beigesetzt. Zuletzt wurde der Sohn Johann Arnold Heinrich Joseph, 33 Jahre lang Kammergerichtsassessor, an der Seite der Eltern begraben. Er starb am 12. Dezember 1792. Er ruhe in Frieden. 213 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1744 Standort Friedrich Kasimir Freiherr von Gemmingen Stand Assessor am Reichskammer gericht Konfession evangelisch Nr. des Rundwegs 39 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 120 x 230 Anmerkungen Friedrich Kasimir Freiherr von Gemmingen wurde am 22. Okober 1694 auf Burg Guttenberg am Neckar geboren. Er verstarb am 25. Juni 1744 in Wetzlar. Friedrich Kasimir Freiherr von Gemmingen war verheiratet mit Eleonore Charlotte von Woellwarth. Beide hatten 2 Kinder, Karl Friedrich Reinhard (1739–1822) und Henriette Friederike Sophie (1740–1802). Das weitverzweigte Rittergeschlecht von Gemmingen gehörte zu den ältesten und angesehensten Familien der Reichsritterschaft. Aus dem Geschlecht der von Gemmingen gingen vier Reichskammergerichtsbeisitzer und zwei Reichskammergerichtspräsidenten hervor. Der Familienverband der von Gemmingen ist ein gutes Beispiel für die Kameraltradition Familienangehörige zu protegieren. Friedrich Kasimir von Gemmingen studierte von 1712 bis 1717 in Halle und in Gießen Jura, 1718 war er Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar, als Assessor wirkte er nur drei Jahre, von 1741 bis zu seinem Tode im Jahr 1744.126 126 Vgl. S. Jahns: Das Reichskammergericht und seine Richter, Bd. 2, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 647 ff. 42 214 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 49: Epitaph von Friedrich Kasimir von Gemmingen Das Epitaph ist durch eine Vielzahl von Wappen geschmückt. Der Text ist eher schlicht gehalten. Auffällig ist, dass sich keine Angaben zum Geburtsjahr bzw. Todesjahr auf dem Epitaph befinden; dies war eher ungewöhnlich. Über dem Textfeld erhebt sich Wappen der Familie von Gemmingen. Von links oben nach unten sind dann folgende Wappen mit Nennung der Familien aufgeführt: von Gemmingen, Göler von Revensburg, von Grumbach, von Warnstaett, von Gemmingen und von Menzingen. Von rechts oben nach unten beginnt die Aufzählung mit von Gemmingen, von Neipperg, von Gemmingen, von Hallweil, von Helmstätt mit dem Krähenhals und von Gemmingen. Die untere Reihe enthält die Wappen von Truchses, von Pommersfelden, von Preuss, von Trebitz, von Blick, von Rotenburg und von Greck von Kochendorf. Das Wappen der Familie von Gemmingen ist sechsmal aufgeführt. Originaltext BEATIS MANIBUS VIRI PERILLISTRIS ET UNDIQUAQUE INCOM PARABILIS DO FRIDERICI CASIMIRI DE GEMMINGEN DYNASTAE IN GUTTENBERG ET NIEDERST ASSESSORIS CAMERAE IMP. LONGE MERITISSIMI P.M. SACRUM Übersetzung Den glückseligen Totengeister des vortrefflichen und in jeder Hinsicht unvergleichlichen Herrn Friedrich Kasimir von Gemmingen, Herrn in Guttenberg und Niedersteinach und sehr verdienten Assessors des Reichskammergerichts nach seinem Tode geweiht. 216 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1747 Standort Johann Christoph von Schmitz Stand Assessor am Reichskammer gericht Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 40 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 92 x 177 Anmerkungen Johann Christoph von Schmitz war von 1740 bis 1747 Assessor am Reichskammergericht. Geboren wurde er in Münster. Überliefert ist, dass er durch drei für ihn vorteilhafte Ehen seine Karriere förderte.127 Gegen seine Zulassung als Assessor wurden erhebliche Bedenken geäußert, da er mit zahlreichen Assessoren verwandt war. So konnte er seine Tätigkeit als Richter erst mit 56 Jahren aufnehmen. Bereits 1729 hatte er sich um das prestigeträchtige kaiserliche Assessorat bemüht. Seine Ernennung fiel zum damaligen Zeitpunkt einer Intrige zum Opfer. So musste er noch 11 weitere Jahre auf das Amt warten. Sein Epitaph enthält eine Besonderheit. So wird sein Geburtsjahr klausuliert auf dem Epitaph angeführt: „Dem tausendsten Jahr füge 600 und viermal je zwanzig Jahre hinzu, dann hast du sein Geburtsjahr.“ Das Todesjahr ist nicht auf dem Epitaph aufgeführt. 127 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 14. 43 217 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Im oberen Teil des Epitaphs befindet sich ein Wappen mit einem Anker und drei Schrägbalken. Aus dem überkrönenden Helm ragt eine Hand heraus, die einen Pfeil hält. Im unteren Bereich ist ein Totenkopf mit zwei stilisierenden Knochen, die überkreuzt sind, abgebildet. Originaltext EPITAPHIUM SISTE HOMO DISCE VIAM CARNIS, TU QUISQUIS ET ORBEM IUDICIO PACAS; SISTITO DISCE PAVE DEXTRA POLIS CEDROS CONFRINGENS FORTIA TERRAE BRACHIA PROSTERNIT IUDICAT AEQUA VIROS TRISTIA FATA! SAGITTA CADIT PERIT ANCHORA FORTIS. VIXIT IS HEU NATIS: ENTEGIT URNA VIRUM PERILL AC GENEROS DOM D JOANN. CHRISTOPH DE SCHMITZ CAM IMP ASS DIGNISSIMUM ANNO MILLESIMO SEXCENTOS QUATTUOR ADDE VICENOSQUE QUATER TUM TIBI NATUS ERAT HIS TIBI CONSTABIT SERIES CONFECTA DIERUM QUEIS SIBI PRAECLARUS VIXIT ET IMPERIO NAM SUB FRANCISCO TREVIRORUM PRAESULE RIMANS SCRINIA PRIMAS TIBI IURA MOSELLA TULIT HIC CUM FULGERET MOGONORUM MITRA ET ABIBAT DANS LEGES RHENO QUID DEDIT INSTRA TIBI ? BAVARIAE DONO MOX GAUDET WETZA VALENTI JURE ET IUSTITIA CONDECORATA VIRO GAUDET SERTENNIS DOLOR HEU O SAXA TACETE! DESINIT IMPERIO VIVERE VIVE POLO. 218 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Übersetzung Gedenktafel Halt an, Mensch, und lerne den Weg des Fleisches kennen, du, der du auch die Erde durch deinen Richterspruch friedlich machst, halte an, erkenne und erzittere! Die rechte Hand zerbricht dem Himmel die Zedern und streckt der Erde die starken Arme hin. Gerecht spricht sie das Urteil über die Menschen. O traurige Schicksale! Der Pfeil fällt, es geht der starke Anker verloren. Ach, dieser Mann lebte für seine Kinder, siehe, nun verbirgt ihn die Urne. Es war der hochangesehene und edelmütige Herr Johann Christoph von Schmitz, der überaus verdiente Assessor des Reichskammergerichts. Dem tausendsten Jahr füge 600 und viermal je 20 Jahre hinzu, dann hast du sein Geburtsjahr. Dadurch wird eine vollendete Reihe von Tagen für dich zustande kommen, in denen der Vortreffliche für sich und für das Reich gelebt hat. Denn unter Erzbischof Franz von Trier durchforschte er die Archive und brachte dir, Mosel, die ersten Rechtssatzungen. Er ging fort, als die Mitra in Mainz erstrahlte, und gab dem Rhein Gesetze. Was gab er dir, Instra? Bald erfreut sich die Wetz an dem Geschenk Bayerns, geschmückt mit kraftvollem Recht und mit Gerechtigkeit durch den Mann. Sie freut sich sieben Jahre lang; O Schmerz! O schweigt ihr Steine! Er hört auf, für das Reich zu leben, so lebe dem Himmel. 219 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 50: Epitaph von Johann Christoph von Schmitz Todesjahr 1751 Standort Johann Stephan von Speckmann Stand Assessor am Reichskammer gericht Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 51 Sprache Latein Material Lahnmarmor (Steinbruch Wirbelau) Größe in cm (Breite x Höhe) 90 x 190 Anmerkungen Johann Stephan von Speckmann war einer der wenigen, die vom Prokurator zum Assessor aufgestiegen sind. Der Kurfürst von Böhmen präsentierte ihn beim Reichskammergericht. Er war dort von 1726 bis 1751 Assessor. Dies ist insofern bemerkenswert, da sich der Standesdünkel der Assessoren trotz der erheblichen Widerstände gegen diese Ernennung nicht durchsetzen konnte. Erwähnenswert ist auch das Epitaph. Es zeichnet sich durch kurze Faktentexte aus. Die in dieser Zeit übliche Lobpreisung der Assessoren ist hier nicht zu finden. Der Gedenkstein ist auch nur in der oberen Hälfte des Textfeldes beschriftet, der Rest ist frei. Johann Stephan von Speckmann starb 1751. Er wurde 75 Jahre alt. Das im oberen Viertel des Epitaphs abgebildete Wappen ist das Familienwappen. Im Wappenschild sind ein Baum und ein Sparren abgebildet. Das Motiv des Baums wiederholt sich oberhalb des abgebildeten Helms. Am unteren Rand ist ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen zu sehen. 44 221 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 51: Epitaph von Johann Stephan von Speckmann Originaltext PERILLUST. ET: GENEROS S. DOM. D. JOHANES. STEPHANUS DE. SPECKMANN S.R.I. AC: REGNI BOHEM. EQUES ET INDIGENA PRAESENTATUS A. S.C. ET REG. MAI. CAROLO. VI QUA. ELECT. BOHEM. IMPER. CAM. IUD. ASSESSOR P.ANNOS 25 INATUS. VIL AUG. MDCLXXVI. OBIT VI DECEMB. MDCCLI R.I.P. Übersetzung Der hochangesehene und edelmütige Herr Johannes Stephan von Speckmann, alteingesessener Ritter des Heiligen Römischen Reiches und des Königreichs Böhmen, von seiner kaiserlichen und königlichen Majestät Karl VI. wie auch Kurfürst von Böhmen 25 Jahre lang präsentierter Assessor am Reichskammergericht, geboren am 6. August 1676, gestorben am 6. Dezember 1751. Er möge ruhen in Frieden. 223 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1752 Standort Anton Gerlach von Schwartzenfels Stand Assessor am Reichskammer gericht Konfession evangelisch Nr. des Rundwegs 2 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 110 x 175 Anmerkungen Assessor Anton Gerlach von Schwarztenfels verstarb am 21. März 1752. Geboren wurde von Schwartzenfels am 5. Juli 1712 in Gotha. Er lebte nur knapp 40 Jahre. Von Schwartzenfels entstammte aus altem Adel. Dies verschaffte ihm eine besondere Stellung innerhalb der Assessoren des Reichskammergerichts. Er hatte in Jena und in Halle studiert. Vor seiner Tätigkeit in Wetzlar als Richter, hatte er den Posten als königlich großbritannischer kurbraunschweigischer Hof- und Justizrat bei der bremisch-verdischen Regierung in Stade inne.128 Sein Epitaph zeichnet sich durch eine außerordentlich „blumige“ Sprache aus. So empfing er von den Eltern den Glanz der Geburt und von der Natur außerordentliche Gaben des Körpers und des Geistes. Sein Leben war geschmückt durch Frömmigkeit, reinen Lebenswandel, angenehme Sitten, Gelehrsamkeit und unermüdlichen Fleiß. Weiterhin war er redlich, bescheiden, gerecht, treu und aufrichtig. Selbst seine Lebensdauer von 40 Jahren reicht aus, um die wichtigsten Anliegen ruhmvoll auszuführen und die ihm anvertrauten Bereiche herrlich auszuschmücken. Er hinterließ seine Ehefrau 128 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 14. 45 224 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 52: Epitaph von Anton Gerlach von Schwartzenfels Friderike Charlotte von Uffel und zwei Kinder, die um den besten Gatten und unvergleichlichen Vater trauerten. Das Epitaph weist in seiner schlichten Gestaltung eine weitere Besonderheit auf. Obwohl Anton Gerlach von Schwartzenfels von altem Adel abstammte, ziert das Epitaph kein Wappen. Dies unterscheidet dieses Epitaph von den meisten anderen Grabdenkmälern/Epitaphien der Reichskammergerichtangehörigen. Originaltext D.O.M.S. MORTALE QUIDQUID HABUIT HIC DEPOSUIT VIR PERILLUSTRTIS ATQUE GENEROSISSIMUS ANTONIUS GERLACHIUS DE SCHWARTZENFELS, SUPREMI JUDICII CAMERAE IMPERIALIS QUAE WETZLARIAE EST ASSESSOR MERITISSIMUS DYNASTA IN UHLSTAEDT, A PARENTIBUS NATALIUM SPLENDOREM, A NATURA CORPORIS ANIMIQUE DOTES, EASQUE EXIMIAS ACCEPIT ALLAS OMNES PIETATE VITAE INTEGRITATE, MORUM DOCTRINAE QUE SUAVITATE, INDEFESSA INDUSTRIA ORNAVIT; AUXIT. QUID PLURA, PROBITAS, MODESTIA, JIUSTITIA, INTEMERATA FIDES ET CANTOR SI POSSENT MORI, PRO EO QUO JILLI FUERE JUNCTA, QUOAD VIXIT CONSTANTI FOEDERE VELINT SUB EODEM CUM EO MONUMENTO CONDI AST CUM MORTALIS IMMUNIA SINT FATI EUM EJUSQUE NOMEN SORTIS SUAE 226 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom REDDENT PARTICIPEM ANNOS VIXIT XXXIX MENSES IX HEBDOMATES II DIES V NATUS ENIM GOTHAE MDCCXII. III NON: JULY.DENATUS WETZLARIAE MDCCLII. XI CALEND. APRILIS TAM BREVE TEM= PORIS SPATIUM, QUO ALII VIX VIVERE INCIPIUNT, JLLI AD MAXIMAS RES LUA= DABILITER GERENDAS, DEMANDATAMQUE SPARTAM EGREGIE ORANDAM SUFFECIT FRIDERICA CHARLOTTA DE UFFEL VIDUA ET LIBERI SUPERSTITES OPTIMUM MARITUM PARENTEMQUE INCOMPARA= BILEM MOENENTES L L H M F F Unterstreichung: auf dem Epitaph nicht mehr lesbar Schreibfehler:129 ALLAS für ILLAS, LUADABILITER für LAUDABILITER, MOENENTES für MOERENTES Übersetzung Hier hat der sehr angesehene und hochwohlgeborene Herr Anton Gerlach von Schwartzenfels abgelegt, was er an Sterblichem besaß. Er war ein überaus verdienter Assessor des höchsten Reichskammergerichtes zu Wetzlar und Oberherr von Uhlstädt. Von den Eltern empfing er den Glanz der Geburt, von der Natur diese außerordentlichen Gaben des Körpers und des Geistes. All jene (Gaben) schmückte und vermehrte er durch Frömmigkeit, reinen Lebenswandel, angenehme Sitten und Gelehrsamkeit sowie durch unermüdlichen Fleiß. Darüber hinaus, wenn Redlichkeit, Bescheidenheit, Gerechtigkeit, unverfälschte Treue und Aufrichtigkeit sterben könnten, möchten doch all jene (Gaben), die mit ihm während seines Lebens in beständigem Bunde vereint waren, unter demselben Denkmal mit ihm bestattet werden; aber weil sie von sterblicher 129 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 26. 227 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Bestimmung frei sind, werden sie ihn und seinen Namen mit ihrem Schicksal verbinden. Er lebte 39 Jahre, 9 Monate, 2 Wochen und 5 Tage lang. Denn in Gotha wurde er am 5. Juli 1712 geboren, er starb in Wetzlar am 21. März 1752. Ein so kurzer Zeitraum, während dem andere kaum zu leben anfangen, genügte jenem, um die wichtigsten Anliegen ruhmvoll auszuführen und den ihm anvertrauten Bereich herrlich auszuschmücken. Seine Witwe Friederike Charlotte von Uffel und die zurückbleibenden Kinder trauern um den besten Gatten und den unvergleichlichen Vater. L. L. H. M. F. F. ? Keine Angabe zur Übersetzung 228 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1753 Standort Johann Franz Aegidius von Borie zu Schönbach 1746 Maria Anna von Borie, Ehefrau Stand Assessor am Reichskammer gericht Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 27 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 133 x 200 Anmerkungen Einer der bedeutendsten Richter war der kurmainzische Assessor Johann Franz Aegidius von Borie. Das Epitaph enthält neben den umfangreichen Lebenslauf des Assessors auch Angaben zur Ehefrau Maria Anna von Borie, die 1746 verstorben war. Borie selbst verstarb am 5. Juni 1753. Borie stammte aus einer angesehenen Bierbrauerfamilie aus Savoyen, die im 16. Jahrhundert nach Mainz umgesiedelt war. Borie hat in Mainz, in Löwen und Gießen Jura studiert und wurde in Freiburg zum Lizentiaten promoviert. Im Jahr 1743 wurde Borie in den Adelstand erhoben.130 Das Epitaph wurde von den Kindern und Enkeln der beiden Verstorbenen aufgestellt. Die beiden Wappen im oberen Bereich des Epitaphs zeigen das väterliche (Krone und Schrägfluß) und großväterliche (springender Löwe und Ritter) Wappen.131 Im unteren Bereich sind zwei Totenköpfe mit gekreuzten Knochen zu sehen. 130 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 13. 131 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 24. 46 229 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Originaltext ANIMAS QUIDEM DEUS ASSUMPSIT. OSSA AUTEM HIC QUIESCUNT CONJUGUM PERILLUSTRIS ET GENEROSI DOMINI JOHANNIS FRANCIS CI AEGIDII DE BORIE A SCHOENBACH QUONDAM CONSILIARII AULICI CONSIILARI INTIMI ET PRAEFECT FEU DORUM NECNON ABLEGATI AD CIRCULUM SUEUICUM SERE NISSMAE DOMUS BADENO BADENSIS ANNIS XV DEIN CONSI LIARII CAESAREO REGII ET AUSTRIACI IN CONSILIO REGIMINIS ET CAMERAE SUPERIORIS AUSTRIAE OENOPONTI ATQUE DIRECTORIS LAND GRAVIATUS NELLENBURGICI ANNIS VIII DEMUM AB EMINENTISSIMO ELECTORE MOGUNTINO AD AUGUSTAM CAMERAM IMPERIALEM PRAESENTATI ASSESSORIS ANNIS XXIV COOPTATUS EST AD CONSOR TIUM NOBILITATIS IMMEDIATAE ANNO MDCCXLIII DIE XXIV SEPT IN CASTRO FRIEDBERG NECNON PERILLUSTRIS AC GENEROSAE DOMINAE MARIAE ANNA DE BO RIE NATAE JACOBI DE EHRENCRON OBIIT IPSE ANNO MDCCLIII DIE V TA JUNII IPSA VERO ANNO MDCCXLVI DIE XIX ma APRILIS WETZLARIAE. MONUMENTUM AUTEM HOC TRISTES POSUERUNT LIBERI ET NEPOTES LAETAM IN NOVISSIMO DIE RESURRECTIONEM EXSPECTANTES AVITUM SCUTUM GENTILITIUM PATERNUM POSUERE SUPRA. 230 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Übersetzung Die Seelen hat zwar Gott zu sich geholt, die Gebeine der Ehegatten aber ruhen hier: einmal von dem hochangesehenen und edlen Herrn Johann Franz Aegidius von Borie zu Schoenbach, der einst 15 Jahre lang Hofrat, Geheimer Rat und Lehensverwalter sowie Abgesandter des durchlauchtigsten Hauses Baden-Baden beim schwäbischen Kreis, sodann 8 Jahre lang kaiserlich-königlicher und österreichischer Rat in der Regierung und der Kammer von Oberösterreich zu Innsbruck sowie Direktor der Landgrafschaft Nellenburg und schließlich 24 Jahre lang ein von dem sehr bedeutenden Kurfürsten von Mainz hervorgehobener Assessor am ehrwürdigen Reichskammergericht war; am 24. September 1743 wurde er in der Burg Friedberg in die Gesellschaft des reichsunmittelbaren Adelstandes aufgenommen; zum anderen (ruhen hier auch die Gebeine) der sehr ehrenwerten und edlen Frau Maria Anna von Borie, geborene Jakobi von Ehrencron. Er selbst starb am 5. Juni des Jahres 1753, sie starb am 19. April 1746 in Wetzlar. Dieses Denkmal stellten in Erwartung einer frohen Auferstehung am jüngsten Tage die trauernden Kinder und Enkel auf. Das großväterliche und das väterliche Familienwappen brachten sie oben (am Denkmal) an. 231 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 53: Epitaph von Johann Franz Aegidius von Borie zu Schönbach und Maria Anna von Borie Todesjahr 1755 Standort Gerard Georg Wilhelm Franz Xaver Freiherr von Vogelius Stand Assessor am Reichskammer gericht Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 20 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 100 x 195 Anmerkungen Ein weiterer ranghoher Richter war Gerard Georg Wilhelm Franz Xaver Freiherr von Vogelius, der 1755 verstarb. Vogelius wurde vom Kurfürsten Clemens August von Köln als Assessor zum Reichskammergericht nach Wetzlar abgesandt. Geboren in Paderborn, verstarb Vogelius im 48. Lebensjahr an den Folgen eines Schlaganfalls. Vogelius stammt aus einer bedeutenden Familie aus der Zentralbeamtenschaft Fuldas und Paderborns. Kaiser Karl VII. ernannte ihn zum kaiserlichen Reichshofrat und erhob ihn in den Adelsstand. Der Nachfolger Kaiser Franz I., setzte alle von Kaiser Karl VII. ernannten Reichshofräte wieder ab. So verlor Vogelius diesen Titel nach kurzer Zeit. Vogelius hatte den Ruf, sehr gelehrt und in seiner praktischen Tätigkeit als Richter sehr erfahren zu sein. Auch dieser Umstand führte dazu, dass er erneut vom Kaiser für ein Amt als Reichshofrat vorgeschlagen wurde. Aufgrund seiner Krankheit musste er davon Abstand nehmen. Das Denkmal wurde von seiner Witwe, seinen Brüdern und seinen Kindern errichtet. Im oberen Bereich des 47 233 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Epitaphs ist ein Wappenschild zu sehen, das in der Mitte einen Vogel abbildet. In den weiteren vier Feldern sind Blumen erkennbar. Über dem Wappenschild sind eine Krone sowie ein Helm ausgeführt. Auf der Spitze des Helms wiederholt sich das Vogelmotiv. Im unteren Bereich ist ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen zu sehen. Originaltext D.O.M. EXCELLENTISSIMO ET ILLUSTRI DOMINO GERARDO GEORGIO WILHELMO FRANCISCO XAVERIO LIBERO BARONI DE VOGELIUS DOMINO IN POEMSEN WANDSCHICHT BROICK ZI ZI CLEMENTIS AUGUSTIE ELECTORIS COLONIENSIS ETC. CONSILIARIO INTIMO ET CANCELLARIO CAROLI SEPTIMI ROMANORUM IMPERATORIS CONSILIARIO IMPERIALI AULICO CAMERAE DEIN IMPERIALIS ASSESSORI JUSTITIAE SACERDOTI AC CATHOLICAE RELIGIONIS PRO- PUGNATORI EXIMIO IN FLORIDAE AETATIS ANNO XLVIII INCHOATO COMMUNI OMNIUM LUCTU MAGNA REI PUBLICAE LITTERARIAE IACTURA IN IPSO PIETATIS CHRISTIANAE EXERCITIO DIE 1 MA NOVEM- BEIS APOPLEXIA TACTO ET SEPTIMA EIUSDEM MENSIS DIE E VIVIS EREPTO CUM SUI MEMORIAM IN VIVENTIUM ANIMIS 234 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom ALTE INSCULPTAM RELIQUISSET HOC PRO POSTERITATE MONUMENTUM EXSCULPSERUNT FLENTES TANTI VIRI VIDUA FRATRES LIBERI AC UNA CUM IPSO VASTISSIMAM IURIS PRUDENTIAM HOC SUB TUMULO SEPELIERUNT ANNO AERA CHRISTIANAE MDCCLV DIE NONA NOVEMBRI. R.I.P. Übersetzung Der vortrefflichste und edle Herr Gerhard Georg Wilhelm Franz Xaver Freiherr von Vogelius, Herr zu Poemsen, Wandschicht, Broick und weiteren, Geheimer Rat und Kanzler des Kurfürsten Clemens August von Köln, kaiserlicher Hofrat des römischen Kaisers Karl VII., dann Assessor am Reichskammergericht, Priester der Gerechtigkeit und starker Vorkämpfer der katholischen Religion, der im blühenden Alter zu Beginn des 48. Lebensjahres, unter allgemeiner Trauer zum Verlust der Literatur des Landes, in unmittelbarer Ausübung der christlichen Frömmigkeit am 1. November von einem Schlaganfall getroffen und am 7. Tag desselben Monats aus dem Leben gerissen wurde, hat – in den Herzen der Lebenden tief verwurzelt – das Andenken an sich zurückgelassen. Dieses Denkmal haben trauernd die Witwe, die Brüder und die Kinder des so bedeutenden Mannes für die Nachwelt errichtet. Zugleich mit ihm selbst begruben sie die umfassende Kenntnis des Rechts unter diesem Grabmal am 9. November des Jahres 1755 der christlichen Zeitrechnung. Er ruhe in Frieden. 235 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 54: Epitaph von Gerard Georg Wilhelm Franz Xaver Freiherr von Vogelius Todesjahr 1757 Standort Maria Margareta von Ortmann Stand Mutter des Asses sors am Reichs kammer gericht Johann Peter von Ortmann Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 8 Sprache Latein und Deutsch Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 95 x 185 Anmerkungen Maria Margarete von Ortmann war die Mutter des Assessors Johann Peter von Ortmann, der ebenfalls durch ein Epitaph im Wetzlarer Dom geehrte wurde. Frau von Ortmann verstarb am 13. Januar 1757 im Alter von 87 Jahren. Der Text auf dem Epitaph ist kurz und enthält im oberen Teil eine Inschrift in deutscher Sprache. Die übrigen Textstellen sind in Latein verfasst. Unter dem deutschen Text sind zwei Wappen zu sehen. Auf der linken Seite ist das Wappen der Familie von Ortmann und auf der rechten Seite das Wappen der Familie von Laurenberg. Auf dem Wappen der Familie von Ortmann sind ein Kreuz im oberen Teil und zwei Fische im unteren Teil zu erkennen. Über dem Wappen ist ein Helm eingearbeitet auf dessen Spitze sich das Wappen wiederholt. Das Wappen der Familie von Laurenberg enthält ein Dreieck. Das Motiv innerhalb des Dreiecks ist nicht mehr erkennbar. Auch dieses Wappen wird von einem Helm gekrönt, auf dem eine Frauengestalt steht. Weitere vier Wappen befinden sich an den Ecken der Gedenktexte. Unter den Wappen sind die Namen der dazugehörigen Familien aufgeführt: links oben von Laufenberg, rechts 48 237 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten oben Langen, links unten Laub und rechts unten Hanseler. Im unteren Bereich befindet sich ein Totenkopf mit zwei gekreuzten Knochen.132 Originaltext O HERR mein, die Wunden dein laß Uns nicht verlohren seyn. DEO CLEMENTISSIMO & MERITIS JESU CHRISTI CONFIDENS Hic Iacet MARIA MARGARETA VIDUA ab ORTMANN NATA DE LAUVENBERG. Aetatis 87 ObiitT 14 Januarii 1757. Übersetzung Überschrift in Deutsch: Oh Herr mein, die Wunden dein, laß uns nicht verloren sein. Darunter Text in Latein: 132 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 28 f. 238 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Hier liegt im Vertrauen auf den gütigsten Gott und auf die Wohltaten Jesu Christi die Witwe Maria Margareta von Ortmann, geborene von Laufenberg. Sie starb am 14. Januar 1757 im Alter von 87 Jahren. Abb. 55: Epitaph von Maria Margareta von Ortmann 239 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1758 Standort Valentin Ferdinand Freiherr von Gudenus Stand Assessor am Reichs kammer gericht Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 16 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach), oben heller Sandstein Größe in cm (Breite x Höhe) oben: 65 x 85 unten: 90 x 170 Anmerkungen Valentin Ferdinand Freiherr von Gudenus war Assesssor am Reichskammergericht. Er verstarb im Alter von 87 Jahren am 9. März 1758. Auf seinem Epitaph ist vermerkt, dass er dreimal verheiratet war. Das erste Mal mit Theresia Freiin von Wachtendock, das zweite Mal mit Frederike vom Holtz und das dritte Mal mit Auguste Freiin von Elstern. Seine drei Ehefrauen überlebte er. Von Gudenus hatte durch seine Familie sehr enge Beziehungen zum Mainzer Hof. Er wurde vom Mainzer Kurfürsten Lothar Franz Graf von Schönborn protegiert. Obwohl er beste Beziehungen zum Mainzer Kurfürsten hatte, wurde er vom katholischen fränkischen Reichskreis als Assessor nach Wetzlar an das Reichskammergericht gesandt. Einen Namen machte er sich allerdings weniger als Jurist. Er war vor allem als Historiker und Quelleneditor tätig.133 Sein Epitaph ließ sein Erbe, Philipp Franz Freiherr von Gudenus, anfertigen. Ungeklärt 133 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 14. 49 240 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 56: Epitaph von Valentin Ferdinand Freiherr von Gudenus bleibt die Form seines Epitaphs. Durch den weißen Helmaufsatz auf der eigentlichen Gedenkplatte hebt sich dieses Epitaph von allen anderen Gedenksteinen im Wetzlarer Dom deutlich ab. Der weiße Aufsatz aus hellem Marmor zeigt links einen Helm mit Federbusch und Handschuhen. Eingearbeitet ist auch das Wappen der Familie von Gudenus. Wobei das Motiv des Wappenschildes zweimal zu sehen ist. Zu erkennen sind ein Ritter mit Lanze, ein Turm und zwei Balken. Auf der Platte aus dunklem Marmor sind im oberen Bereich drei Wappen aufgeführt. Die Bedeutung dieser Wappen bleibt ungeklärt. Originaltext BEATAM RESURRECTIONEM EXSPECTANS HOC SUB MARMORE QUIESCIT VALENTINUS FERDINANDUS S.R.I. BARO DE GUDENUS SUPREMI CAMERAE IMPEIALIS IUDICII ADSESSOR VIR PRISCAE FIDEI ET RECTI TENAX JUSTITIAE INALTERATE DISTRIBUENDE ZELO ET LITTTERARUM QUARUMCUNQUE ELEGANTIA ETATE SUA NULLI SECUNDUS QUI CUM EX TRIBUS CONIUGUS I.C. THERESIA BARONE DE WACHTENDONCK II. C FRIDERICA VOM HOLTZ IN ALFDORFF RELICTA AB ET IN MENTZINGEN III. C. AUGUSTA BARONE AB ELSTERN RELICTA BARONE DE STEIN IN ALTENSTEIN PROLES SUSCEPISSET QUIDEM SED IMPUBERES TUMULASSET MORTALIS ESSE DESIIT 242 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom A.D. MDCCLVIII VII ID MARTII AETATIS VERO SUE LXXXVII MENS VIII DIES XVIII PATRUO SUO POSUIT HAERES PHILIPPUS FRANCISCUS BARO DE GUDENUS LEGIONIS PEDESTRIS ELECTORALIS MOGONAE TRIBUNUS Schreibfehler: SUAE, statt SUE Übersetzung In der Erwartung einer seligen Auferstehung ruht unter diesem Marmorstein Valentin Ferdinand Freiherr von Gudenus, Assessor am höchsten Kammergericht des Reiches, ein Mann von bewährter Zuverlässigkeit, der festhielt am Rechten, im Eifer, die Gerechtigkeit unbeirrt zu verbreiten und in der Feinheit (Gewähltheit) all seiner Schriften zu seiner Zeit von keinem übertroffen zu werden. Obwohl er zwar von drei Ehefrauen Nachkommen geschenkt bekommen hatte, 1. von der Gattin Theresia Freiin von Wachtendonck, 2. von der Gattin Frederike vom Holtz in Alfdorff, verwitwete von und zu Mentzingen, 3. von der Gattin Augusta Freiin von Elstern, verwitwete von Stein zu Altenstein, hatte er sie alle noch unmündig begraben müssen. Da er vergänglich war, starb er am 9. März 1758 im Alter von 87 Jahren, 8 Monaten und 18 Tagen. Seinem Onkel setzte dies Denkmal sein Erbe Philipp Franz Freiherr von Gudenus, Hauptmann im Fußregiment des kurfürstlichen Mainz. 243 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1767 Standort Heinrich Christoph Rotberg 1755 Auguste Christiane Elisa bethe Rotberg, Ehefrau Stand Arzt des Reichs kammer gerichts Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 37 Sprache Deutsch Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 120 x 250 Anmerkungen Ein besonderes Epitaph ist dem Arzt des Reichskammergerichts gewidmet. Heinrich Christoph Rotberg, der 1767 verstarb, war von 1740 bis 1766 der für die Reichskammergerichtangehörigen und deren Familien zuständige Arzt. 1766 schied Rotberg aus gesundheitlichen Gründen aus diesem Amt aus. Neben Heinrich Christoph Rotberg wird auch seiner Ehefrau, Auguste Christiane Elisabeth Rotberg, gedacht, die 1755 verstarb. Ärzte des Reichskammergerichts hatten eine Ausnahmestellung. Zum einen waren sie aufgrund ihrer Tätigkeit nicht von dem Standesdenken der Reichskammergerichtsangehörigen betroffen, und zum anderen waren auch sie als sog. Kameralärzte durch eine eigenständige Gerichtsbarkeit und Abgabenfreiheit privilegiert.134 Seit 1584 verfügte das Reichskammergericht über eigene Kameralärzte. Vorher waren die Angehörigen des Gerichts auf ortsansässige Ärzte angewiesen. Auf 134 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 17. 50 244 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 57: Epitaph von Heinrich Christoph und Auguste Christiane Elisabethe Rotberg Bitten des Kammerrichters, der Präsidenten und der Assessoren gewährte der Kaiser schließlich eigene Ärzte für die Reichskammergerichtsangehörigen und deren Familien. Eine Besonderheit zeichnet dieses Epitaph aus. Während die meisten Epitaphien der übrigen Reichskammergerichtsangehörigen in lateinischer Sprache sind, ist der Text des Kameralarztes Rotberg und seiner Ehefrau in deutscher Sprache verfasst. Das Epitaph zeigt im oberen Bereich zwei Wappen. Das linke Wappenschild enthält einen Querbalken, das rechte Wappenschild einen Baum. Am unteren Ende der Gedenkplatte steht M. Johannes Schmit von Ob. Der Name ist durch je ein Kreuz eingerahmt. Eine Erklärung für diesen Namen gibt es nicht. Originaltext NICHT VERGAENGLICHES ERTZ UND MARMOR SONDERN TUGEND WAHRE EHREVRCHT VOR GOTT UND THAETIGE LIEBE GEGEN DEN NAECHSTEN ERHALTEN DIEJENIGE SO SIE AUSGEÜBET, AUCH NACH IHREM TODE, IN GESEGENETEM ANDENCKEN DER AM 18 AUGUST 1767 IM 72 JAHRE SEINES VERDIENSTVOLLEN ALTERS SELIG VERSTORBENE WEILAND WOHLGEORENE HERR, HERR HEINRICH CHRISTOPH ROTBERG HOCH FÜRSTLICHE ORANIEN NASSAUISCHER HOFRATH UND ERSTER CAMERAL MEDICUS ZU WETZLAR UND SEIN ZAERTLICHST GELIBTE TUGENDHAFTE EHEGATTIN 246 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom DIE AUCH WOHLGEBORNE FRAU; FRAU AUGUSTE CHRISTIANE ELISABETHE ROTBERG GEBORENE GAERTNERIN GESTORBEN DEN 9. DECEMBER 1755, IM 47 JAHR IHRES ALTERS DEREN GEBEINE HIER VEREINIGT RUHEN BEZEICHNETEN EINEN JEDEN TAG IHRES RÜHM LICHEN LEBENS MIT GOTT SELIGEN UND GUTHAETIGEN HANDLUNGEN, UND ERWARTETEN DIE BELOHNUNG DAFÜR, NICHT AUF DIESER ERDE, SONDERN IN JENEN LANDEN DER VERHEISUNG, IN WELCHE SIE NUN EINGEGANGEN SIND. IHRE HINTERLASSENE KINDER BEWEINEN IN IHNEN DEN VERLUST DER BESTEN UND LIEBREICHSTEN ELTERN UND DIE SO WÜRDIGER ASCHE SCHULDIGE VER= EHRUNG KINDLICHE LIEBE UND DANCKBARKEIT IST ES, WELCHE IHNEN DAS ANDENCKEN DER SELBEN HEILIG UND BIS AUF JENE ZEIT DER WIEDERVEREINIGUNG UN= VERGESLICH MACHEN WIRD DA AUCH SIE IN STAUB UND ASCHE WERDEN VERKEH RET WERDEN Unten am Fuß steht: M Johannes Schmitt von O.B. 247 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Übersetzung Nicht vergängliches Erz und Marmor, sondern Tugend, wahre Ehrfurcht vor Gott und tätige Liebe gegen den Nächsten erhalten diejenigen, so sie ausgeübet, auch nach ihrem Tode in gesegnetem Andenken. Der am 18. August 1767 im 72. Jahre seines verdienstvollen Alters selig verstorbene, vormals wohlgeborene Herr, Herr Heinrich Christoph Rotberg, großfürstlicher Hofrat von Nassau-Oranien und erster Kameralarzt zu Wetzlar sowie seine zärtlichst geliebte, tugendhafte Ehegattin und wohlgeborene Frau, Frau Auguste Christiane Elisabethe Rotberg, geborene Gärtner, gestorben am 9. Dezember 1755 im 47. Jahre ihres Lebens, deren Gebeine hier vereinigt ruhen, sie beide schmückten jeden Tag ihres rühmeswerten Lebens mit gottseligen und mildtätigen Handlungen und erwarteten die Belohnung dafür nicht auf dieser Erde, sondern in jenen Landen der Verheißung, in welche sie nun eingegangen sind. Ihre zurückgelassenen Kinder beweinen in ihnen den Verlust der besten und allerliebsten Eltern. Und die der so würdigen Asche schuldige Verehrung, ihre kindliche Liebe und Dankbarkeit sind es, die ihnen das Andenken an dieselben heilig und bis zu jener Zeit der Wiedervereinigung unvergesslich machen wird, da auch sie einst in Staub und Asche verwandelt werden. 248 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1775 Standort: Johann Peter von Ortmann Stand Assessor am Reichs kammer gericht Konfession katholisch Nr. des Rundwegs 9 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 100 x 200 Anmerkungen Johann Peter von Ortmann war von 1750 bis 1775 Assessor am Reichskammergericht. Er wirkte somit 25 Jahre als Assessor. Von Ortmann ist 1775, mit 67 Jahren verstorben. Der Text seines Epitaphs ist besonders kurz gehalten. Von Ortmann wurde vom österreichischen Kreis nach Wetzlar als Assessor entsandt. Überliefert ist, dass er eine besondere Sensibilität in Standesfragen am Reichskammergericht an den Tag legte. Sein Epitaph enthält fünf Wappen. Im oberen Bereich ist das Wappen der Familie von Ortmann abgebildet (vgl. auch das Epitaph der Mutter Maria Margareta von Ortmann, das direkt neben dem Epitaph von Johann Peter von Ortmann platziert ist). Die übrigen vier Wappen sind jeweils in den Ecken des Textfeldes zu sehen. Die dazu gehörige Familie ist namentlich unter den Wappen aufgeführt: links oben von Ortmann, rechts oben von Laufenberg, links unten Jünglein von Born und rechts unten von Langen. Im unteren Bereich befindet sich ein Totenkopf mit zwei gekreuzten Knochen.135 135 Vgl. H. Gloël (a), a. a. O., S. 28 f. 51 249 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 58: Epitaph von Johann Peter von Ortmann Originaltext D.O.M. QUI VIXIT IN CARITATE DEI ET PATIENTIA CHRISTI PERILLUSTRIS AC GENEROSUS DOMINUS. DOMINUS JOHANNES PETRUS AB ORTMANN CAMERAE IMPERIALIS PER ANNOS XXV ASSESSOR DIGNISSIMUS AETATIS ANNO LXVII MAGNO. SPIRITU. VIDENS. ULTIMA XII MARTII MDCCLXXV VIVERE DESILIT R.I.P. Übersetzung Gott dem Besten und Größten. Der sehr angesehene und edle Herr Johannes Peter von Ortmann, der in der Liebe Gottes und im Leiden Jesu Christi gelebt hat und 25 Jahre lang ein überaus verdienter Assessor am Reichskammergericht war, hat im 67. Lebensjahr, als er im letzten Atemzug das Ende schaute, am 12. März 1775 aufgehört zu leben. Er ruhe in Frieden. 251 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Todesjahr 1776 + 1778 Standort Dorothee Charlotte Vergenius 1778 Heinrich Johann Vergenius Stand Tochter und Sohn des Prokurators Johann Georg Vergenius Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 18 Sprache Latein Material Lahnmarmor schwarz (Stein bruch Schupbach) Größe in cm (Breite x Höhe) 62 x 87 Anmerkungen Auf ein tragisches Schicksal weist auch das Epitaph von zwei verstorbenen Kindern hin, das der Vater, der Advokat und spätere Prokurator Johann Georg Vergenius, anfertigen ließ. So verstarb die Tochter Dorothee Charlotte am 30. März 1776 mit 6 ½ Jahren. Zwei Jahre später verstarb ihr Bruder, Heinrich Johannes Vergenius im Alter von 11 ½ Jahren. So musste die Familie innerhalb von 19 Monaten den Tod beider Kinder betrauern. Das Epitaph enthält im oberen Drittel ein Wappen mit Justitia, der römischen Göttin der Gerechtigkeit. Im unteren Teil des Epitaphs ist eine Blume mit geknickten Blüten erkennbar. 52 252 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Abb. 59 Epitaph von Dorothee Charlotte und Heinrich Johann Vergenius Originaltext DOROTHEE CHARLOTTE VERGENIUS GEBOREN DEN XXVI NOVEMBER MDCCLXIX. GESTORBEN DEN XXX MAERZ MDDLXXVI. HEINRICH JOHANN VERGENIUS GEBOREN DEN VII JENNER MDCCLXVII. GESTORBEN DEN VIII AUGUST MDCCLXXVIII. Übersetzung Dorothee Charlotte Vergenius, geboren den 26. November 1769, gestorben den 30. März 1776. Heinrich Johannes Vergenius, geboren den 7. Januar 1767, gestorben den 8. August 1778. 254 Dokumentation der Epitaphien und Grabplatten im Wetzlarer Dom Todesjahr 1787 Standort Christine Maria Elisabeth von Ruland Stand Ehefrau von Prokurator Johann Albert Ruland Konfession k. A. Nr. des Rundwegs 53 Sprache Latein Material Lahnmarmor Größe in cm (Breite x Höhe) 85 x 225 Anmerkungen Das Epitaph der Christine Maria Elisabeth von Ruland gedenkt der 61-jährigen Ehefrau des angesehenen Advokaten und späteren Prokurators Johann Albert Ruland, der in Duisburg, Köln und Marburg studierte und in Gießen promoviert wurde. Johann Albert Ruland verstarb 1775. Beide Söhne der Eheleute sind früh verstorben, sodass die Eheleute keine Erben hinterließen. Es ist zu vermuten, dass die in Wetzlar sehr angesehene Familie der Verstorbenen, die Anwaltsfamilie Frech, diesen Gedenkstein setzen ließ.136 Der Text ist in deutscher Sprache und umfasst etwa 1/3 der gesamten möglichen Textfläche. Der Rest ist frei. Lediglich im oberen Teil ist ein einfaches Kreuz enthalten. 136 Vgl. A. Baumann, a. a. O., S. 18. 53 255 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Abb. 60: Epitaph von Elisabeth von Ruland Originaltext HIER RUHEN IN FRIEDEN DIE GEBEINE DER WEIL HOCHWOHLG. FRAU CHRIST: MAR: ELISAB: V: RULAND GEBOHR: FRECH GEB: D. 12. AUG. 1726 GEST. D. 10. AUG. 1787 Übersetzung Hier ruhen in Frieden die Gebeine der weil hochwohlgeborenen Frau Christine Maria Elisabeth von Ruland geborene Frech, geboren den 15. August 1726, gestorben den 10. Januar 1787. 257 Detaillierte Beschreibung der Epitaphien und Grabplatten Literaturverzeichnis: Bücher und Aufsätze P. Arie’s: Geschichte des Todes, 13. Auflage, München 2015. J. Assmann: Tod und Jenseits im Alten Ägypten, München 2001. A. Baumann: Manifestation von Standesdünkel? Die Grabmäler der Reichskammergerichtsangehörigen im Wetzlarer Dom, in: Reiner Sörries (Hrsg.): Kultur des Todes, Kassel 2007, S. 9–20. S. de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich, 42. Auflage, Hamburg 2017. C. Berger-Zell: Abwesend und doch präsent, Wandlungen der Trauerkultur in Deutschland, Göttingen 2013. J. L. Borges: Der Unsterbliche, in: Das Aleph, 10. Auflage, Frankfurt 2014, S. 11–28. H. Gloël (a): Die alten Wetzlarer Grabsteine und Epitaphien, Wetzlar 1925. H. Gloël (b): Der Dom zu Wetzlar, Wetzlar 1925. K. Grünemberg: Von Konstanz nach Jerusalem – Eine Pilgerfahrt zum Heiligen Grab im Jahre 1486, Osnabrück 2015. S. Jahns: Das Reichskammergericht und seine Richter, Bd. 2, Köln , Weimar, Wien 2003. S. Kern: Mit aufgespannten Segeln im Namen Gottes nach Jerusalem, in: Susanne Kern: Steinernes Mosaik des Todes, Regensburg 2017, S. 514–529. M. Kreuels: Über den vermeintlichen Wert der Sterblichkeit, Berlin 2015, S. 13. A. Langenmayr: Trauer und Trauerverarbeitung aus psychologischer Sicht, in: M. Herzog (Hrsg.): Totengedenken und Trauerkultur, Stuttgart 2001, S. 23–40. 259 S. Lorenz: Erich Mauritius († 1691 in Wetzlar) – ein Jurist im Zeitalter der Hexenverfolgung, Schriftenreihe der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung, Heft 27, Wetzlar 2001. O. Peter: Kunstwerke aus fünf Jahrhunderten, Wetzlar 1999. Platon: Phaidon, in: H. Wittwer (Hrsg.): Der Tod, Stuttgart 2014, S. 31– 55. E. Sebald: Der Dom zu Wetzlar, Königstein im Taunus 1989, S. 7. W. H. Struck: Das Marienstift zu Wetzlar im Spätmittelalter, Marburg 1969. H. Ullrich: Totenriten und Bestattung im Paläolithikum, in: F. Horst, H. Keiling (Hrsg.): Bestattungswesen und Totenkultur in ur- und frühgeschichtlicher Zeit, Berlin 1991, S. 23–34. J. Wegmann: Der Wetzlarer Dom – ein Haus für zwei Konfessionen, Baden-Baden 2017. H. Wittwer: Risiken und Nebenwirkungen der Lebensverlängerung, in: H. J. Höhn (Hrsg.): Welt ohne Tod – Hoffnung oder Schreckensvision, Hannover 2003, S. 19–58. H. Wittwer (Hrsg.): Philosophie des Todes, Stuttgart 2009. H. Wittwer (Hrsg.): Der Tod, Stuttgart 2014. Internetquellen Philipp von Bicken der Jüngere, vor 1503 (1510?), Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 8.9.2008). Philipp von Bicken der Alte 1485 (?), Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 8.9.2008). Heidenreich von Dernbach, Epitaph zwischen 1443 und 1490 gefertigt, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 28.8.2008). Caspar Drekol (Drekul) 1527, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 25.8.2008). 260 Literaturverzeichnis Anna Elisabetha Gewend 1611, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 5.9.2008). Philipp Gewend 1605, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 5.9.2008). Adam Quintin Graf von Herberstein 1674, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 10.9.2008). Jacob Hert und Familie, zwischen 1658 und 1666 angefertigt, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 9.9.2008). Jacob Hert 1658 (?), Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 12.9.2008). Johann Conrad Hertstein (Herstein) 1652, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 10.9.2008). Anselm (Anshelmus) Hun, gestorben zwischen 1372 und 1383, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 18.8.2008). Wilhelm Kaul (Caulius) und seine Frau Anna Gertraud, gest. 1670/71 und 1676, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 10.9.2008). Dr. Johann Klotz (Clotz) 1588, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 2.9.2008). Nikolaus von der Krae der Jüngere († 1428), gesetzt 1385, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 15.9.2008). Johann(es) von der Krae 1396, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 25.8.2008). Ludwig Pussel und seine Frau Palmenia 1484, Wetzlar. in: Grabdenkmäler (Stand: 28.8.2008). Cuno von Rüdigheim (auch von Rückingen) 1400, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 25.8.2008). 261 Literaturverzeichnis Dorothea Schwartz 1599, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 5.9.2008). Lisa Stümmel (Stommel) geb. Schutzbar genannt Milchling 1502, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 9.9.2008). Johannes Theis, gesetzt 1651, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 10.9.2008). Johannes und Catharina Wilhelm (Willem) 1668, Wetzlar, in: Grabdenkmäler (Stand: 10.9.2008). 262 Literaturverzeichnis Der Autor Jürgen Wegmann, Dr., ehrenamtliche Tätigkeit beim Dominformationsdienst des Wetzlarer Doms, Autor zahlreicher Fachbuchveröffentlichungen sowie von Büchern über Ethik, Wirtschaft und Philosophie, Interesse an der historischen Entwicklung des Wetzlarer Doms und seiner Bedeutung für die ehemals freie Reichsstadt Wetzlar, Autor des Buches Der Wetzlarer Dom – ein Haus für zwei Konfessionen, Tectum Verlag, Baden-Baden 2017. 263 Das erste Buch des Autors zum Wetzlarer Dom Jürgen Wegmann Der Wetzlarer Dom – ein Haus für zwei Konfessionen Eine der ältesten Simultankirchen Deutschlands 144 Seiten, 14,8 x 21 cm, gebunden, zahlreiche Farbfotografi en 24,95 € ISBN 978-3-8288-3427-9 ePDF 978-3-8288-6823-6 Der Wetzlarer Dom ist eine der ältesten Simultan kirchen Deutschlands. Nicht zuletzt die beiden unterschiedlichen Türme geben Hinweise auf die Vielfalt der Baustile sowie auf eine bewegte Ver gangenheit von Kirche und Stadt. Es waren die Reformation und der Status der Stadt Wetzlar als freie Reichsstadt, die zuletzt dazu geführt haben, dass die katholische und die evangelische Gemeinde in Wetzlar sich den Dom noch bis heute teilen. Jürgen Wegmann zeichnet die Entwicklung des Doms in seiner Funktion als Simultankirche auf der Grundlage von historischen Quellen eindrucksvoll nach. Geschichten, Anekdoten und Erzählungen zeigen dabei das gegenseitige – und nicht immer einfache – Miteinander der katholischen und der evangelischen Gemeinde im Kirchen alltag auf. Ergänzt werden diese im Buch markierten Episoden durch weiteres Bildmaterial, um so dem interessierten Leser einen noch besseren Einblick in die Simultanität des Doms zu vermitteln.

Zusammenfassung

Im Wetzlarer Dom zeugen 50 Grabplatten und Epitaphien, die in der Kirche platziert sind, und drei, die sich an den Außenwänden der Süd- und Nordseite befinden, von einer über vier Jahrhunderte währenden Trauerkultur. Alle Gedenkplatten sollten der Nachwelt zur Erinnerung an die Verstorbenen dienen. Durch die exponierte Platzierung in und um den Dom ist der Personenkreis der Verstorbenen auf Ritter, Schöffen, Kanzler, Geistliche katholischer und evangelischer Konfession, Assessoren, Prokuratoren des Reichskammergerichts sowie deren Angehörige begrenzt.

Jürgen Wegmann erläutert die 53 Gedenkplatten aus der Zeit von 1362 bis 1792 ausführlich und erweckt die Personen und ihre Lebensgeschichten so wieder zum Leben. Die oftmals nur noch schwer lesbaren, zum Teil umfangreichen Texte in deutscher und lateinischer Sprache wurden in eine heute lesbare Form gebracht. Fotografien der Epitaphien runden die Erläuterungen ab. Dem Leser werden damit erstmals das umfangreiche historische Bild- und Textmaterial der Epitaphien und Grabplatten des Wetzlarer Doms sowie die Verstorbenen selbst in einer Fassung präsentiert, die bisher Verborgenes offenlegt.

References
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Zusammenfassung

Im Wetzlarer Dom zeugen 50 Grabplatten und Epitaphien, die in der Kirche platziert sind, und drei, die sich an den Außenwänden der Süd- und Nordseite befinden, von einer über vier Jahrhunderte währenden Trauerkultur. Alle Gedenkplatten sollten der Nachwelt zur Erinnerung an die Verstorbenen dienen. Durch die exponierte Platzierung in und um den Dom ist der Personenkreis der Verstorbenen auf Ritter, Schöffen, Kanzler, Geistliche katholischer und evangelischer Konfession, Assessoren, Prokuratoren des Reichskammergerichts sowie deren Angehörige begrenzt.

Jürgen Wegmann erläutert die 53 Gedenkplatten aus der Zeit von 1362 bis 1792 ausführlich und erweckt die Personen und ihre Lebensgeschichten so wieder zum Leben. Die oftmals nur noch schwer lesbaren, zum Teil umfangreichen Texte in deutscher und lateinischer Sprache wurden in eine heute lesbare Form gebracht. Fotografien der Epitaphien runden die Erläuterungen ab. Dem Leser werden damit erstmals das umfangreiche historische Bild- und Textmaterial der Epitaphien und Grabplatten des Wetzlarer Doms sowie die Verstorbenen selbst in einer Fassung präsentiert, die bisher Verborgenes offenlegt.