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7. Auswertung der Daten in:

Judith Böddeker

Der Einsatz von Vokabellernstrategien in Alphabetisierungskursen, page 151 - 176

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4141-3, ISBN online: 978-3-8288-6995-0, https://doi.org/10.5771/9783828869950-151

Tectum, Baden-Baden
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Auswertung der Daten In Kapitel 7 werden die Ergebnisse der Strategieerprobung in den Alphabetisierungskursen mithilfe von Methoden der deskriptiven und induktiven Statistik ausgewertet. Insgesamt wurden drei unterschiedliche Leistungsmessungen durchgeführt: Dabei entspricht durchgehend Testform A Aufgabe 1 in der LFK, Testform B Aufgabe 2 in der LFK und Testform C Aufgabe 3 in der LFK. Zunächst wird überprüft, ob die Testformen A, B und C, wie bei der Erstellung beabsichtigt, tatsächlich ansteigende Schwierigkeitsgrade aufweisen (s. Kapitel 7.1). Für jede Testform und jede Strategie sind die arithmetischen und gewichteten Mittelwerte der Testergebnisse aller TN in der Tabelle in Abbildung 29 und zusätzlich in dem Diagramm in Abbildung 30 dargestellt. In den darauffolgenden Abbildungen (Abbildung 31 – 34) werden die Ergebnisse differenzierter dargestellt: Für jede Testform und jede Strategie wird die Verteilung der Messergebnisse (Punkteverteilung) als Boxplot gezeigt; zusätzlich wurden für jeden TN gewichtete Mittelwerte aus den einzelnen Testformen berechnet (nachfolgend Testform ABC genannt) und deren Verteilung für jede Strategie als Boxplot abgebildet (s. Kapitel 7.2 – 7.2.4). Die letzte Darstellung (Abbildung 35 – 38) ist die differenzierteste: Sie zeigt für jede Strategie die Häufigkeitsverteilung von Testform ABC (s. Kapitel 7.3 – 7.3.4.). In Kapitel 7.4 wird anhand eines Signifikanztests überprüft, ob ein signifikanter Unterschied über die getesteten Lernstrategien besteht. Die Kapitel 7.5 – 7.6.2 geben die wichtigsten Ergebnisse der Reflexionsbögen und der Interviews wieder. Die Auswertung in den nachfolgenden Kapiteln basiert auf den Testergebnissen (Rohdaten), s. Anhang B. 7. 151 Ansteigender Schwierigkeitsgrad der drei Testformen Um zu überprüfen, ob ein messbarer ansteigender Schwierigkeitsgrad in den Testformen vorliegt, wurde ein Signifikanztest80 durchgeführt. Das Resultat zeigt einen signifikanten Unterschied in allen Testformen bezogen auf die Leistung. Das heißt, die Testformen haben mit hoher Wahrscheinlichkeit einen ansteigenden Schwierigkeitsgrad (Testform A = leicht, Testform B = schwieriger, Testform C = am schwierigsten). Punkteverteilung und Mittelwerte der Strategien Es sind für alle Strategien die arithmetischen Mittelwerte aus den drei Testformen gebildet worden und in Abbildung 29 dargestellt. Diese Mittelwerte beinhalten also alle gemessenen Testergebnisse und reduzieren im Vergleich zu den einzelnen Testformen die probandenspezifischen Zufallsschwankungen. Daher können aus ihnen am ehesten Aussagen über die Effektivität der verschiedenen Lernstrategien abgeleitet werden. WBK VH KK SGS Testform A 89 90 94 98 Testform B 86 79 94 91 Testform C 61 67 77 84 Arithmetischer MW: 79 79 88 91 Gewichteter MW: 72 74 84 88 Mittelwerte der Punktzahlen in Prozent aller TN für die Testformen A, B, C 7.1 7.2 Abbildung 29: 80 Der Mittelwert der erreichten Punkte über alle Lernstrategien ist offenbar nicht normalverteilt, wie den empirischen Häufigkeitsverteilungen in Anhang C.1 zu entnehmen ist. Daher ist der Friedman-Test der geeignete Signifikanztest: Er wird bei Untersuchungen von drei oder mehr abhängigen Stichproben angewandt und ist das nichtparametrische Pendant zur einfaktoriellen Varianzanalyse für abhängige Stichproben bei Verletzung der Normalverteilungsannahme (vgl. Zöfel 2001: 174 ff.; Bühner/Ziegler 2009: 466 ff.). Die Ergebnisse des Friedman-Tests sind in Anhang C.2 zu finden. 7. Auswertung der Daten 152 Es ist zu erkennen, dass die Strategien „Vokabelheft“ (VH) und „Wort- Bild-Karten“ (WBK) ähnlich effektiv sind (jeweils 79 Prozentpunkte); die Strategie „Karteikarten“ (KK) ist merklich besser (um 9 Prozentpunkte); die selbst gewählte Strategie (SGS) ist noch etwas effektiver (3 Prozentpunkte mehr als Karteikarten). Testform C enthielt die Aufgaben mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad, was zu unterschiedlicheren Ergebnissen als in Testform A und B führte, sodass Testform C als die differenzierendste Testform betrachtet werden kann. Es ist also naheliegend, Testform C bei der Ermittlung eines Durchschnittswerts aller Testformen am stärksten zu gewichten, um höhere Differenzierung zu erzielen und weiterhin probandenspezifische Zufallsschwankungen zu reduzieren: Diesem Ansatz folgend wurde ein gewichteter Mittelwert berechnet. Die Gewichtung für jeden TN aus den einzelnen Testformen fand wie folgt statt: Da in Aufgabe 1 und Aufgabe 2 der LFK jeweils maximal 5 Punkte erreicht werden konnten und insgesamt über alle Aufgaben maximal 25 Punkte, wurden diese beiden Aufgaben mit jeweils 5/25 gewichtet. In Aufgabe 3 lag ein wesentlich höherer Schwierigkeitsgrad vor und die TN konnten dagegen bis zu 15 Punkte erzielen (s. Kapitel 6.4.1.2). Daher beträgt die Gewichtung 15/25. Die Ergebnisse zeigen, dass mit dem Vokabelheft um durchschnittlich 2 % bessere Ergebnisse erzielt wurden als mit den Wort- Bild-Karten, die Verbesserung mit Karteikarten im Vergleich zu Vokabelheft beträgt deutliche 10 %, die Verbesserung mit der selbst gewählten Strategie im Vergleich zu Karteikarten 4 % (s. Abbildung 29). Die Effektivitätsdifferenzen zwischen den Lernstrategien werden mit dem gewichteten Mittelwert deutlicher sichtbar als mit dem arithmetischen Mittelwert. 7.2 Punkteverteilung und Mittelwerte der Strategien 153 Am Rande sei ergänzend auf folgende Details hingewiesen, die auch der Abbildung 30 entnommen werden können. Mittelwerte der Strategien pro Testform Es ist zu sehen, dass in Testform A alle getesteten Strategien einen sehr hohen Mittelwert im Vergleich zu den anderen Testformen erreicht haben. Die durchschnittlich höchste Punktzahl wurde in Testform A mit der selbst gewählten Strategie erzielt, nämlich 98 %. Es zeigt sich außerdem, dass bei allen Strategien die Mittelwerte der Testformen A und B höher sind als die Mittelwerte der Testform C, was mit großer Wahrscheinlichkeit auf den höchsten Schwierigkeitsgrad der Aufgaben in Testform C zurückzuführen ist. Weiterhin wird deutlich, dass innerhalb der drei von der Lehrkraft festgelegten Strategien „Karteikarten“ in Testform C mit einem Mittelwert von 77 % am besten abschneidet. Dagegen weisen Wort-Bild-Karten bei dieser Testform mit 61 % den geringsten Mittelwert auf, mit einer deutlichen Differenz von 16 % zu Karteikarten. Vokabelheft liegt mit 67 % etwas über Wort-Bild-Karten und 10 Prozentpunkte unter den Karteikarten. Die Abbildung lässt außerdem erkennen, dass die selbst gewählte Strategie mit 84 % den höchsten Mittelwert in Testform C verzeichnet und ganze 23 % über Wort-Bild-Karten liegt. Abbildung 30: 7. Auswertung der Daten 154 Punkteverteilung der Testform A In der folgenden Abbildung werden die Ergebnisse der Strategien „Vokabelheft“, „Wort-Bild-Karten“, „Karteikarten“ und der selbst gewählten Strategie für Testform A mittels Boxplots81 präsentiert. Anzahl der Punkte in Prozent bei Testform A für jede Lernstrategie 7.2.1 Abbildung 31: 81 Ein Boxplot besteht aus dem Minimum = Punktzahl in Prozent des schwächsten Lerners, dem unteren Quartil = höchste Punktzahl unter den schwächsten 25 % der Lerner, dem Median = höchste Punktzahl unter den schwächsten 50 %, dem oberen Quartil = höchste Punktzahl unter den schwächsten 75 % und dem Maximum = Punktzahl in Prozent des besten Lerners. Die Angabe dieser fünf Werte führt zur graphischen Darstellung durch den Boxplot, mit dem sich verschiedene Verteilungen sehr gut vergleichen lassen (vgl. Fahrmeir et al. 2007: 67). Wenn unteres Quartil, Median, oberes Quartil und Maximum bei 100 % zusammenfallen, ist optisch keine Box sichtbar. Weitere Informationen zu Boxplots vgl. Nagel et al. (1996). 7.2 Punkteverteilung und Mittelwerte der Strategien 155 Abbildung 31 zeigt, dass bei der Strategie „Wort-Bild-Karten“ die minimal erreichte Punktzahl bei 20 % liegt. Unteres Quartil, Median, oberes Quartil und Maximum fallen bei 100 % zusammen. Also haben die besten 75 % der TN volle Punktzahl. Die Strategie „Vokabelheft“ ist die einzige Strategie, bei der unteres Quartil, Median, oberes Quartil und Maximum nicht zusammenfallen, sondern nur Median, oberes Quartil und Maximum bei 100 %. Die besten 75 % der TN haben zwischen 80 % und 100 % der Punkte erreicht. Im Vergleich zu Wort-Bild-Karten und zu Vokabelheft liegt das Minimum bei Karteikarten höher, nämlich bei 40 %. Auch hier bekamen die besten 75 % der TN 100 % der Punkte. Die selbst gewählte Strategie schnitt am besten ab. Der schwächste TN erreichte 67 % der Punkte. Die besten 75 % der TN erzielten 100 %. Insgesamt erreichen in Testform A der LFK alle Strategien sehr gute Werte. Diese Tendenz war zu erwarten, weil Aufgabe 1 im Vergleich zu den anderen die leichteste ist. Die TN mussten in dieser Aufgabe nicht schreiben (s. Kapitel 6.4.1.1). 7. Auswertung der Daten 156 Punkteverteilung der Testform B Abbildung 32 zeigt die Ergebnisse der Strategien „Vokabelheft“, „Wort- Bild-Karten“, „Karteikarten“ und der selbst gewählten Strategie für Testform B anhand von Boxplots. Anzahl der Punkte in Prozent bei Testform B für jede Lernstrategie Aus dieser Abbildung geht hervor, dass die Strategie „Karteikarten“ am erfolgreichsten abgeschnitten hat: Die schwächsten 25 % der Lerner konnten zwischen 40 % und 100 % der Punkte erzielen. Die besten 75 % der TN haben alle die volle Punktzahl erreicht. Bei den Strategien „Wort-Bild-Karten“ und „Vokabelheft“ erreichten die schwächsten 25 % der TN maximal 80 Prozentpunkte. Die besten 75 % erzielten 80 bis 100 Prozentpunkte. Wort-Bild-Karten und Vokabelheft unterscheiden sich nur durch ein etwas unterschiedliches Minimum: 20 % bei Wort-Bild-Karten und 0 % bei Vokabelheft. 7.2.2 Abbildung 32: 7.2 Punkteverteilung und Mittelwerte der Strategien 157 Die selbst gewählte Strategie zeigt eine zu den Karteikarten sehr ähnliche Verteilung. Unterschiedlich ist das Minimum, es ist bei der erstgenannten mit 33 % etwas geringer. Außerdem ist das untere Quartil mit 90 % etwas kleiner. Punkteverteilung der Testform C Abbildung 33 gibt die Ergebnisse der Strategien „Vokabelheft“, „Wort- Bild-Karten“, „Karteikarten“ und der selbst gewählten Strategie für Testform C mittels Boxplot wieder. Anzahl der Punkte in Prozent bei Testform C für jede Lernstrategie In Testform C unterscheiden sich bei jeder Lernstrategie unteres Quartil, Median und oberes Quartil deutlich voneinander – diese fallen in den vorherigen Ergebnissen zusammen. Die Ergebnisse der Testform C unterscheiden sich demzufolge durch eine höhere Streuung von den Ergebnissen der Testformen A und B. 7.2.3 Abbildung 33: 7. Auswertung der Daten 158 Es ist zu erkennen, dass die besten Ergebnisse erzielt wurden, wenn die TN selbst eine der drei Strategien wählen durften, mit der sie neu eingeführte Wörter lernten. In diesem Fall erhielten die schwächsten 25 % der Lerner bereits zwischen 33 % und 73 % der zu erreichenden Punkte. Median, oberes Quartil und Maximum fallen bei 100 % zusammen. Von den drei getesteten Strategien ohne Selbstauswahl schnitt erneut Karteikarten am besten ab: Hier liegt das Minimum bei 33 % der möglichen Punkte. Die schwächsten 25 % der TN erreichten zwischen 33 und 60 Prozentpunkte. Vokabelheft hat den gleichen Median wie Karteikarten, bei 87 %. Allerdings fallen die Ergebnisse durch ein geringeres Minimum und ein kleineres unteres Quartil schlechter aus als bei Karteikarten. In dieser Testform haben wieder die Wort-Bild-Karten am schlechtesten abgeschnitten: Die höchste Punktzahl unter den schwächsten 25 % liegt mit 26 % am niedrigsten von allen Strategien. Auch der Median ist mit 73 % am niedrigsten. Der Vergleich der Abbildungen 31 – 33 zeigt: In Testform A erreichen sehr viele bis fast alle TN maximale Punktzahl. In Testform B treten häufiger auch mittlere Punktzahlen auf und in Testform C wird schließlich das gesamte Leistungsspektrum ausgeschöpft, wobei immer noch relativ viele TN im oberen Leistungsbereich angesiedelt sind. Daher ist bereits bei deskriptiver Analyse der Daten anzunehmen, dass der Differenzierungs- und Schwierigkeitsgrad der Testformen von A über B bis C steigt. Gewichtete Mittelwerte der Testform ABC Im nächsten Schritt wurde mit gewichteten Mittelwerten gearbeitet (vgl. Drosg 2006; Sedlmeier/Renkewitz 2013), um probandenspezifische Zufallsschwankungen zu reduzieren und alle gewonnenen Informationen über die Leistung jedes TN in eine Leistungskennziffer zu überführen: Für jeden Probanden wurde aus den drei Einzelmessungen (Testform A, B und C) der gewichtete Mittelwert berechnet (A:B:C wie 5:5:15 = 1:1:3 gemäß erreichbarer Maximalpunkte, s. Abbildung 34). 7.2.4 7.2 Punkteverteilung und Mittelwerte der Strategien 159 Anzahl der Punkte in Prozent bei Testform ABC für jede Lernstrategie In dieser Testform fallen, wenn überhaupt, nur oberes Quartil und Maximum zusammen (bei der selbst gewählten Strategie und beim Vokabelheft). Daher differenzieren sich die TN in Testform ABC noch etwas stärker als in Testform C. Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass auch hier die selbst gewählte Strategie am besten abschnitt und ebenso unter den Strategien ohne Selbstauswahl Karteikarten die besten Ergebnisse erzielten. Bei beiden liegt das Minimum bei 39,8 % der zu erreichenden Punkte. Das untere Quartil ist bei der selbst gewählten Strategie mit 79,8 % jedoch höher als bei Karteikarten und die höchste Punktzahl unter den schwächsten 75 % beträgt schon 100 %. Bei Wort-Bild-Karten und Vokabelheft ist das Minimum dagegen mit 20 % deutlich niedriger. Wort-Bild-Karten ist auch in dieser Testform die Strategie mit dem geringsten Lernerfolg. Die höchste Punktzahl unter den schwächsten 25 % der Lerner ist hier am niedrigsten (43,8 %) sowie auch die höchste Punktzahl unter den schwächsten 50 % mit 83,8 % der zu erreichenden Punkte. Abbildung 34: 7. Auswertung der Daten 160 Häufigkeitsverteilung der Testform ABC Im Folgenden ist für jede einzelne Strategie die Häufigkeitsverteilung der klassierten Daten (Klassenbreite = 10 %) von Testform ABC abgebildet. Dadurch ist eine noch differenziertere Darstellung der Punkteverteilung der TN pro Strategie möglich. Die Querachse zeigt die Anzahl der erreichten Punkte in Prozent. Auf der Hochachse sind die relativen Häufigkeiten abzulesen. Häufigkeitsverteilung der Ergebnisse von Wort-Bild-Karten Relative Häufigkeitsverteilung der Punkte in Prozent (Lernstrategie WBK), Testform ABC, N = 29 In Abbildung 35 ist zu erkennen, dass etwas mehr als 40 % der TN zwischen 90 % und 100 % der Punkte erreichten. Die TN mit weniger Punkten verteilen sich zu ungefähr gleichen Anteilen auf Punkte zwischen 20 % und 89,99 %. 7.3 7.3.1 Abbildung 35: 7.3 Häufigkeitsverteilung der Testform ABC 161 Häufigkeitsverteilung der Ergebnisse von Vokabelheft „Meine Lernwörter“ Relative Häufigkeitsverteilung der Punkte in Prozent (Lernstrategie VH), Testform ABC, N = 25 Wie der Abbildung zu entnehmen ist, hat der Anteil der leistungsstärksten 10 % um ca. 10 % zugenommen im Vergleich zur Lernstrategie „Wort-Bild-Karten“. Die übrigen TN verteilen sich immer noch auf Prozentpunkte zwischen 20 und 89,99, aber etwas ungleichmäßiger als bei Wort-Bild-Karten, mit Maxima am unteren Ende und im Mittelfeld (s. Abbildung 36). 7.3.2 Abbildung 36: 7. Auswertung der Daten 162 Häufigkeitsverteilung der Ergebnisse von Karteikarten Relative Häufigkeitsverteilung der Punkte in Prozent (Lernstrategie KK), Testform ABC, N = 25 Abbildung 37 zeigt, dass der Anteil der stärksten 10 % gleich geblieben ist, jedoch hat sich das darunterliegende Feld (von 20 bis 89,99 Prozentpunkte) deutlich nach oben verschoben. 7.3.3 Abbildung 37: 7.3 Häufigkeitsverteilung der Testform ABC 163 Häufigkeitsverteilung der Ergebnisse der selbst gewählten Strategie Relative Häufigkeitsverteilung der Punkte in Prozent (Lernstrategie SGS), Testform ABC, N = 19 Der Anteil der stärksten 10 % liegt bei 68,4 %. Die darunterliegenden Häufigkeiten verteilen sich ungleichmäßig auf den Bereich von 30 bis 90 Prozentpunkten (s. Abbildung 38). Signifikanztest für die verschiedenen Lernstrategien Zur Überprüfung eines signifikanten Effekts der Lernstrategien auf das Lernergebnis wurde der Friedman-Test82 für vier Gruppen (die drei Strategien und die selbst gewählte Strategie) durchgeführt.83 Dafür wurden die gewichteten Mittelwerte (wie in Kapitel 7.2.4) der je- 7.3.4 Abbildung 38: 7.4 82 Da für fast alle Stichproben die Tests auf Normalverteilung eine Verletzung der Normalverteilungsannahme anzeigen (s. Anhang D.1), ist der Friedman-Test hier der geeignete Signifikanztest, s. Fußnote 80. 83 S. Anhang D.2. N = 14 (ergibt sich aus der Anzahl der TN, die an allen Strategiephasen teilgenommen haben.) 7. Auswertung der Daten 164 weiligen Strategie verwendet. Es zeigt sich, dass gemäß Signifikanztest ein signifikanter Unterschied über die verschiedenen Lernstrategien besteht.84 Damit wird auf inferenzstatistischer Ebene die Vermutung unterschiedlicher Lerneffektivität der Strategien bestätigt, welche sich bereits aus der deskriptiven Analyse (s. Boxplots, Kapitel 7.2) ergibt. Reflexionsbögen Wie in Kapitel 6.4.2 erwähnt, wurden Reflexionsbögen eingesetzt, um zu ermitteln, mit welcher der eingesetzten Strategien TN in Alphabetisierungskursen gerne neue Wörter lernen. Die Reflexionsbögen der TN ergaben, dass alle Strategien der Mehrheit der TN gefallen haben (s. Abbildung 39). Wort-Bild-Karten Vokabelheft Karteikarten IIIII IIIII IIIII II IIIII IIIII IIIII IIII IIIII IIIII IIIII IIIII III IIIII IIIII IIII IIIII Auswertung Reflexionsbögen der TN Insgesamt wurde am liebsten mit dem Vokabelheft „Meine Lernwörter“ neuer Wortschatz gelernt. Bei dieser Strategie wurde kein einziger trauriger Smiley angekreuzt und 19 TN markierten den lachenden Smiley. An zweiter Stelle stehen die Wort-Bild-Karten, die 17 Mal mit einem lachenden Smiley bewertet wurden, aber auch vier Mal mit einem traurigen Smiley. Die Karteikarten waren von den drei Strategien die unbeliebtesten, aber auch sie wurden mit 15 lachenden Smileys und nur 5 traurigen Smileys trotzdem positiv bewertet. 7.5 Abbildung 39: 84 p-Wert: 0,049. 7.5 Reflexionsbögen 165 Interviews Nach dem Testen aller Strategien wurden mit den TN und den Kursleitern Interviews durchgeführt, die innerhalb der VHS Marburg bzw. der Räumlichkeiten des Vereins Arbeit und Bildung e.V. stattfanden. Darin wurden Inhalte zum Lernen mit den drei Strategien erfragt. Den TN stand ein Dolmetscher zur Seite, der das Gesagte auf Deutsch übersetzte. Im Folgenden werden zunächst Ausschnitte aus den Teilnehmerinterviews aufgeführt, die das Arbeiten mit den Lernstrategien aus Teilnehmersicht erfassen. Die Fragen wurden wie angegeben gestellt und in ähnlichem Wortlaut formuliert. Jeder Spiegelstrich repräsentiert die Antwort eines TN in dem Interview. Zur besseren Lesbarkeit wurden gefüllte Pausen wie „äh“ oder „em“ sowie Wörter entfernt, die das Verständnis des Satzes erschweren, ohne den Sinn der Aussage zu verändern. Dabei ist zu beachten, dass einige Dolmetscher das Gesagte in der dritten Person Singular (er/sie hat gesagt...) und andere Dolmetscher die direkte Übersetzung anwandten und in der Ich-Form antworteten. Anschließend folgen Ausschnitte aus den Kursleiterinterviews, die wichtige Informationen zum Arbeiten mit Lernstrategien aus Kursleitersicht aufführen. Teilnehmerinterviews Für die folgende Wiedergabe wurden jene Antworten aus den Interviews ausgewählt, die häufig genannt wurden oder inhaltlich bemerkenswert sind. Wenig aussagekräftige Auskünfte werden nicht aufgeführt. Warum wollen Sie Deutsch lernen? – Die Sprache ist der Schlüssel für alles. – Nach Arzt gehen oder ein Problem. – Mit Leute Kontakt machen. – Ich Kontakt. 7.6 7.6.1 7. Auswertung der Daten 166 – Weil ich schreiben lernen will, weil ich lesen lernen will, ein bisschen. – Zum Beispiel, damit die Leute auch, die möchten auch, die erwarten von mir, dass ich auch selbstständig dann hier in Deutschland auch unter die Leute gehen kann, einfach mit denen reden kann dann auch. – Das ist doch die erste und wichtigste Sprache. Gibt es denn Situationen, in denen Sie außerhalb vom Unterricht auf Deutsch lesen/schreiben müssen? – Zum Beispiel, wenn ich Briefe zugeschickt bekomme per Post, es ist halt sehr schwer zu verstehen. – Wenn ich irgendwelche offiziellen Briefe bekomme. – Sie muss nicht. – Zum Beispiel, wenn die Ausländerbehörde und mir ein Brief schreibt, erwarten die, dass ich das auch verstehe. – Zum Beispiel beim Einkaufen, da muss man ja die Schilder vielleicht lesen, den Preis lesen und wissen, was für ein Produkt das ist. – Er meint eigentlich auch nur, wenn er irgendwohin muss und seine eigene Adresse sucht, dann muss er ja auch lesen. – Zum Beispiel, wenn er auf Facebook ist. Er sagt auch mit vielen Fehlern, aber benutzt er natürlich das Schreiben auch. Oder auch, wenn er halt dann Hausaufgaben macht. Wie lernen Sie am besten neuen Wortschatz? – Okay, er sagt, dadurch, dass ihm das Schreiben ja sowieso schwerfällt, ist es einfach am besten für ihn mit Bildern zu lernen. – Ich glaube, ohne Bilder zu lernen wäre besser, weil du dich mehr anstrengst, um zu wissen was er/sie sagt. – Ohne Bilder ist es wie ein Diktat. – Die Bilder sind notwendig. Also stell dir vor, für mich würde ich fast nicht wissen. – Also zum Verständnis ist mit Bildern besser. 7.6 Interviews 167 – Wenn ein schwieriges Wort…versuche ich… Mein visuelles Gedächtnis ist besser entwickelt… so versuche ich einige Male es aufzuschreiben, dieses Wort zu markieren und dann wird es besser gespeichert und gemerkt. – Also versuche ich alles aufzuschreiben. – Es gibt ein Bild und Übersetzung – visuelles Gedächtnis schon. Es wird schon dieses Bild im Kopf gespeichert. Und dann merkst du dir sehr gut. – Zum Beispiel, ich schreibe auf ein Zettel, Notizen, notiere mir und hänge das an der Wand. – Mit den Bildern, also Vokabeln und Bilder. Welche dieser 3 Strategien kannten Sie schon? – Nein, kannte keine. – Okay. Sie meint, diese Methode (Wort-Bild-Karten) gibt es auch im Lehrbuch. – Er kannte durch die Volkshochschule halt nur das Vokabelheft, also Karteikarten und Memory gar nicht und von der Volkshochschule hat er sich dann selber Notizen gemacht und aufgeschrieben, aber ohne Bilder natürlich. – Nein, neu. – Sie hat diese Methoden hier gelernt. – Na z. B. Memory kannte ich schon und Vokabelheft dieses, das Heft dieses, wusste ich. Und diese Karteikarten kannte ich vorher nicht. – Ich bin ja nicht zur Schule gegangen, von daher weiß ich nicht, wusste ich nicht. Welche dieser Strategien macht Ihnen am meisten Spaß? – Memory. Bequem. Nicht schreiben. – Karteikarten. Ist wie ein Spiel. Und sie hat viel Spaß, wenn sie mit Karteikarten lernt. – Vokabelheft. Weil mir die Wörter besser im Kopf hängenbleiben. – Die Karteikarte. 7. Auswertung der Daten 168 Mit welcher dieser Strategien lernen Sie Wörter am besten? Warum? – Vokabelheft. Das sind 3 Dinge in einem. Einmal das Deutsch aufgeschriebene, das Bild dazu und dann die Muttersprache. Dann tut manchmal Umknicken und sofort (...) Ich weiß, was das bedeutet. – Wort-Bild-Karten: die spielerische Methode ist die zugänglichste. Wenn sogar jemand nicht lernen will, wenn es ein Spiel ist, ist man interessiert, wie Kinder. – Vokabelheft. Dann schreibst du für dich auf, konzipierst und wenn du es brauchst, kannst du ein zweites, drittes Mal da schauen. – Vokabelheft. Wir hatten im Kurs damit angefangen, sie hat sich gar nicht wirklich getraut, viel mit den anderen Strategien zu arbeiten, deswegen nutzt sie es so einfach. – Memory an der ersten Stelle, die beste. An der zweiten Stelle dieses Vokabelheft. Und an der letzten diese Karten. – Vokabelheft. Muttersprache, Deutsch und ja, gut. – Okay, sie meinte, wenn sie das Bild sieht und danach das Wort, dann sie merkt das schon, das heißt Karteikarten. – Vokabelheft. Mit einem Überblick sehe ich, was geschrieben wird und das Bild. Das bringt mir viel. Bei den Memorys muss ich das Bild und das passende Wort zusammensuchen und das ist sehr schwer. – Wort-Bild-Karten. Nun ja, eine spielerische Strategie, so lernt man leichter. Ergänzend wurde zu dieser Frage angegeben, dass Wörter besser behalten werden können, wenn diese nicht nur in der Muttersprache, sondern auch auf Deutsch geschrieben werden. – Wenn man auf Somalisch schreibt, vergisst man das, wenn man in der Muttersprache schreibt. Aber wenn man auf Deutsch schreibt, bleibt das länger im Kopf. 7.6 Interviews 169 Mit welcher Strategie würden Sie zu Hause lernen? – Vokabelheft. Na, zugänglicher, hast geschrieben und ist bei der Hand, um zu lernen. – Vokabelheft. Kann man mitnehmen. – Nein, ich habe keine Zeit. – Sie meinte, wenn sie Zeit hat, dann sie wird die Karteikarte verwenden. – Nein. – Vokabelheft. Also, zu Hause lerne ich, schreibe ich auch und die Wörter, die ich gelernt habe hier. Zu Hause aufschreiben dann auch nochmal lesen. – Vokabelheft. Also sie benutzt es zu Hause. Welche dieser Strategien mögen Sie nicht? Warum? – Memory. Weil sie am Anfang gar nicht verstanden hatte, also wie das so funktioniert, das Memory. – Bei Memory ist das so, da muss ich das Bild und das passende Wort zusammensuchen und das ist sehr schwer. – Karteikarten. Er sagt, dass er das Prinzip nicht richtig verstanden hatte. – Vokabelheft. Ich verstand nicht manchmal und ich kann nicht alleine. – Also alle sind zum Lernen, es ist wichtig, ich mag sie, weil ich wirklich Deutsch lernen will. – Okay, sie meinte ein bisschen Vokabelheft. – Sie hat nicht direkt geantwortet, aber sie meinte, bei Wort-Bild- Karten kann man nicht überall anwenden, weil es kostet viel Zeit ein Bild und das gleiche Wort zu finden. – Und mit Vokabelheft, wenn man die Wörter, wenn man zum Beispiel wiederholt, dann ist es auch ein bisschen langweilig. 7. Auswertung der Daten 170 Kursleiterinterviews In den folgenden Ausschnitten der Kursleiterinterviews werden Antworten zu bestimmten Themenbereichen, die sich auf das Arbeiten mit Lernstrategien in- und außerhalb des Klassenraums beziehen, aufgezeigt. Benutzen die TN generell Lernstrategien im Unterricht? Insgesamt wurde festgestellt, dass TN einfache Lernstrategien im Kurs anwenden, z. B. neuen Wortschatz laut vorsprechen, mit dem Finger einzelne Buchstaben von Wörtern nachziehen, in die Muttersprache übersetzen, ein Wort abschreiben und mit Bildern arbeiten. – Aber sie übertragen das [Geschriebene] in ihre Sprache, sobald sie schreiben können. – Sie übersetzen das Wort. Schreiben sich das dann in ihrer Sprache, in ihrer Schrift da drüber. – Ja, also es gibt hier verschiedene Teilnehmer, die sich den neuen Wortschatz notieren in ihr Heft, aber es gibt halt auch diese Gruppe der älteren Teilnehmer, denen der neue Wortschatz eigentlich egal ist. – Ich arbeite halt oft mit diesem Igel und biete Wortfelder dann an. Also das, ich schreibe hierhin Krankheit und Kinderkrankheiten. Dann geht es los: Masern, Windpocken, so zum Beispiel. – Also in der Mitte steht das Wort, dann einmal sollen sie es selber abschreiben. – Und was ich dann noch zudem habe, das sind diese Kinderbücher, die ich auch immer mal nehme, die auch gut ankommen. Haben wir hier hinten so einen ganzen Schwung. – Nachsprechen. Das schon, ja. Nutzen die TN die getesteten Strategien selbstständig? Eines der Hauptprobleme ist laut der Dozenten, dass generell von vielen Lernern sehr wenig Eigeninitiative ausgeht, um Lernstrategien anzuwenden, wenn sie nicht explizit aufgefordert werden. 7.6.2 7.6 Interviews 171 – Ich könnte natürlich, wenn ich das wollte, zwingen, indem ich sage, nein und jetzt machen wir aber das. Und dann machen sie das ja auch. Aber von alleine machen sie es nicht. – Selbstständiges Lernen ist kaum, ja, vorhanden bis auf die genannten Teilnehmer, die ich jetzt eben zitiert habe. – Aber zu Hause nacharbeiten tun sie auch nicht, das erfahre ich dann immer, wenn ganz alte Begriffe, Worte, Vokabeln, die längst/ die immer wieder kommen... Da sind sie völlig überrascht, ja, was ist denn das. – Sie verlangen auch nicht danach [nach Lernstrategien]. Eine Dozentin erwähnte zudem, dass manche TN gar nicht das Ziel haben, viele neue Wörter zu lernen, sondern Kontakt mit Menschen zu knüpfen, die in derselben Situation sind wie sie. – Eigentlich lernen sie ihn [den Wortschatz] nicht. Ihnen genügt das so, hierher zu kommen, ein bisschen miteinander zu reden. – Ja. Aber er kommt, ich weiß auch gar nicht, warum er kommt, denn er lernt im Grunde nicht, hat keinen Lernzuwachs, hat er nicht. Hat er einfach nicht. – Ja und es hat mehr so eine soziale Komponente. Lernen die TN auch außerhalb des Unterrichts? Diese Frage wurde von allen Kursleitern verneint. Als ein Grund kam die zum Teil sehr chaotische Heftführung zur Sprache, die die Dozenten als ein Problem beim eigenständigen Wortschatzlernen empfanden (s. Kapitel 6.3.3). – Die fangen vorne an, die fangen hinten an, die fangen in der Mitte an... Die finden das auch nicht wieder... Immer wieder und immer wieder... Merkt gar nicht, dass er das schon hundertmal geschrieben hat. – Alles durcheinander. Da finde ich natürlich auch nichts. – Dass man das Schriftbild visuell so gestaltet, dass man das auch wirklich sofort erfassen kann zu Hause und nicht erst, wer weiß wo, herumblättert... Man findet ja nichts wieder und dann kann man sich auch nicht erinnern, ja, was war denn das jetzt, ja? 7. Auswertung der Daten 172 Wenden die TN die getesteten Strategien außerhalb des Klassenraums an? Die Problematik, dass viele TN die Strategien nicht außerhalb des Klassenraums anwenden, wurde bereits in den Teilnehmerinterviews angesprochen. Die Lehrkräfte bestätigten dies. – Wenn ich dabei bin, funktioniert das. Aber sie machen zu Hause nichts. – Von den Teilnehmern nicht. Nur wenn ich sie [die Lernstrategien] bringe, dann wird es halt gemacht, aber sie müssen angeleitet werden. – Ein direktes Vokabelheft nicht. Sie benutzen dann dazu das normale Heft, das sie immer dabei haben. Meistens steht es auf Arabisch dahinter. Verstehen die TN die Strategien? Die Frage, ob die TN verstehen, wie sie die Strategien anwenden müssen, wurde dennoch bejaht. Der Grund, warum die Strategien so wenig selbstständig verwendet werden, liegt laut Dozentenaussagen also nicht daran, dass die TN deren Anwendung nicht begreifen. – Doch die verstehen das System. Ich denke schon. Ja. Aber das sind sie nicht gewöhnt. Eine Erklärungsmöglichkeit für die Nicht-Anwendung der Strategien ist laut einer Dozentin folgende: – Vielleicht muss man damit auch groß werden, ich weiß es nicht. Oder einfach nicht offen genug oder flexibel genug. 7.6 Interviews 173 Hatten Sie den Eindruck, dass die TN positiv/negativ auf die getesteten Strategien reagiert haben? In diesem Punkt waren die Antworten übereinstimmend. Laut den Dozenten funktionierte insgesamt das Arbeiten mit den Lernstrategien erfolgreich und die Strategien waren gut im Kursraum einsetzbar. – Also ich finde, die haben das doch alle positiv angenommen. Es war noch niemand dabei, der, also, auch wenn man so in die Gesichter geguckt hat, das fanden sie doch alle gut auch. – Auf die Strategien bezogen, finde ich, hat alles gut funktioniert. Eine Dozentin sagte auch, dass sie denkt, die TN haben gern mit den Strategien gearbeitet, weil die Materialien den Aspekt des Haptischen hatten, die TN das Material für die Strategien anfassen, fühlen und gleichzeitig damit arbeiten konnten. – Weil es auch so ein bisschen was Praktisches ist. Eine Dozentin fand jedoch, dass das Arbeiten mit den Karteikarten etwas schwierig für manche TN war. – Ich hatte so das Gefühl bei diesen Vokabelkästchen, dass sie da nicht so gut mit umgehen konnten und das nicht verstanden haben, was jetzt wohl so das Ziel ist. Dagegen gefielen einer anderen Dozentin gerade die Karteikarten mit dem Kastensystem gut. – Ja, das ist so was Handfestes. – Ich kenne das ja nun alles auch mit diesen ganzen Lernkarteien und so weiter... Also du bist fertig, dann geh an deinen Kasten und dann... Dann kann man in seinem eigenen Lerntempo sich dann damit beschäftigen. Welche der getesteten Strategien war bei den TN am beliebtesten? Im Vergleich zu den TN-Aussagen wurde von einer Dozentin vermutet, dass mit den Wort-Bild-Karten am liebsten gearbeitet wird. 7. Auswertung der Daten 174 – Ich habe mir das durch den Kopf gehen lassen und ich bin darauf gekommen, dass es wahrscheinlich das einfachste für sie ist. Das Wort erkennen, das Wort zum Bild zuordnen, da ist das Erfolgserlebnis am schnellsten da. Ich denke, daran liegt es. Ein Grund für die Beliebtheit der Wort-Bild-Karten wurde darin vermutet, dass man bei dieser Strategie nicht schreiben muss und für viele der TN die Priorität darauf liegt, Deutsch sprechen zu lernen und nicht zu schreiben. Andere Dozenten wollten sich nicht festlegen, welche Strategie bei den TN am beliebtesten war. – Nein. Also kann ich so nicht sagen. Jeder lernt ja anders und es soll ja auch jeder so nach seiner Fasson lernen können. Ist es ein hoher Aufwand, die eingesetzten Lernstrategien selbst zu erstellen? In diesem Punkt waren sich alle Dozenten einig, dass es ein recht gro- ßer Aufwand ist, die Materialien für den Einsatz der Strategien selbst zu erstellen. – Wenn ich das jetzt alles selbst anfertigen und kopieren müsste, mir da Zeichnungen raussuchen müsste, die dann zu dem dazu passen, ist schon viel Aufwand, würde ich sagen. – Es ist in der Tat aufwändig. Das zu erstellen, ja, das ist schon aufwändig. Mehrere Lehrkräfte wiesen jedoch auch auf den Aspekt hin, dass im Vergleich zu früher heutzutage bereits viele Strategien in den Lehrwerken enthalten sind (s. Kapitel 5.3). – Also ich bin das doch schon gewöhnt, ja? Ich bin ja nun auch schon älter und habe vor 40 Jahren studiert und so. Da war das noch üblich, also auch im Referendariat, also wir haben eigentlich das meiste selber erstellt. Das kam so Mitte der siebziger, Anfang der achtziger Jahre auf, dass die Verlage dann nachgezogen haben. Und heute ist es ja so, man muss ja nur einen Katalog aufschlagen. Das 7.6 Interviews 175 ist ja eine Freude, ja? Man kann ja aus dem Vollen schöpfen, es gibt ja alles. – Das kann ich jetzt nicht so sagen, weil ich das selbst noch nicht gemacht habe. Bei den meisten Lehrwerken gibt es ja Kärtchen dazu, die man dann ausschneiden muss. Das mach ich dann natürlich. 7. Auswertung der Daten 176

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Zusammenfassung

Die anhaltende Zuwanderung von Flüchtlingen, die oft über gar keine oder nur wenige Schriftsprachkenntnisse verfügen, macht es erforderlich, den Lernern schnellstmöglich Lesen und Schreiben beizubringen. Die Vermittlung von geeigneten Lernstrategien kann dabei unterstützen, diese Fertigkeiten innerhalb und außerhalb des Kurses zu trainieren. Judith Böddeker erprobt im Rahmen ihrer Studie erstmals drei Vokabellernstrategien in Basis-Kursen für nicht (lateinisch) alphabetisierte Migranten. Die Potentiale für den Einsatz von Vokabellernstrategien werden aufgezeigt. Die Autorin stellt dar, welche Schwierigkeiten und Besonderheiten beim Arbeiten mit Lernstrategien innerhalb dieser Zielgruppe auftreten und welche der getesteten Strategien den größten Lernerfolg verzeichnet. Der Leser erhält didaktisch-methodische Anregungen für den Unterricht.