5. Fallbeschreibung in:

Alexander Mattisseck

Filme als Medien der psychologischen Beratung, page 25 - 42

Eine tiefenpsychologische Fallstudie

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4135-2, ISBN online: 978-3-8288-6990-5, https://doi.org/10.5771/9783828869905-25

Series: Tectum - Masterarbeiten

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Fallbeschreibung Die Klientin ist 27 Jahre alt und schließt gerade ihr Studium der Sozialpädagogik ab. Sie beklagt sich bei der Kontaktaufnahme über Männerprobleme, da sich die Studentin nicht endgültig von ihrem Ex-Freund lösen kann und beide immer wieder zueinander finden, obwohl er früher häufig fremdgegangen ist. Trotz Trennung haben sie immer wieder Affären miteinander. Dabei möchte sie eigentlich andere Männer kennenlernen, wofür sie aber viel zu schüchtern ist und sich vor Kränkungen fürchtet. Sie beschreibt sich zu Anfang in ihrer jetzigen Situation als „gelähmt“. Erstgespräch Ihr Ex-Freund war ihren Schilderungen zufolge bereits zu Schulzeiten ein Draufgänger, allseits beliebt und er konnte schon damals jede Frau haben. Nebenbei wird erwähnt, dass er ihrem Vater sehr ähnlich ist, welcher ebenso eine beeindruckende Person ist und immer wieder andere fasziniert. Alles begann vor vielen Jahren, als der Ex mit der Klientin etwas trinken gehen wollte und die zwei sich daraufhin anfreundeten. In der Folgezeit übernachtete er häufig bei ihr und beide wurden beste Freunde, bis sie schließlich Sex hatten und die Klientin ihn überzeugen konnte, ein Paar zu werden. Daraufhin betrog er sie immer wieder, bis sie schließlich für mehrere Jahre mit ihm den Kontakt abbrach. 5. 25 Doch als sie sich vor 12 Monaten wiedersahen, hatten sie sofort Sex und ihr Ex-Freund betrog seine damalige Freundin mit ihr. Selbst in den Jahren, in denen kein Kontakt herrschte, ging die Klientin kaum auf Dates und hatte wenige One Night Stands, geschweige denn eine feste Beziehung. Wenn sie sich jetzt sehen, kapseln sie sich von der Welt ab und bauen „Luftschlösser“, in welchen von der Zukunft und all dem, was schön wäre – wie vom Beruf oder der eigenen Familie –, geträumt werden kann. Die Außenwelt wird vergessen. Es ist wie eine Blase für sie, die nichts mit der Realität zu tun hat. Diese Luftschlösser wurden mit ihm bereits zu Schulzeiten gebaut. Er ist immerhin wie ein „Bruder“ für sie und beide pflegen eine besondere Innigkeit. In einem kurzen Einschub erklärt die Studentin, dass sie perfektionistisch sowie brav ist und stets gute Noten bekommt. Überhaupt muss sie sich im Studium weniger anstrengen als andere. Auch äußert sie den Wunsch, von einem Mann erobert zu werden, und dass dies ihre ideale Traumvorstellung wäre. Allerdings sind die Ansprüche an einen Mann äußerst hoch. Ihr Ex kommt solchen noch am nächsten. Eben diese geordnete sowie anspruchsvolle Welt kann die Klientin nur mit ihm verlassen. Die Studentin führt weiter aus, dass sie immer seine Anwesenheit genießt, obwohl er schon immer verletzend und abwertend war. Insbesondere äußerlich genügt sie nicht seinen körperlichen Idealen – wobei sie kurz anmerkt, selber mit anderen Frauen „hart ins Gericht“ zu gehen und deren Äußeres nach strengen Maßstäben zu beurteilen. Seitdem der Kontakt wieder aufgenommen wurde, telefonieren sie fast täglich zwei Stunden miteinander und sehen sich häufig. 5. Fallbeschreibung 26 Zweite Sitzung Innerhalb der zweiten Sitzung wird zu Anfang konkreter auf die Familienverhältnisse eingegangen. Die Klientin beschreibt sich zunächst als ein „Papa-Kind“. Ihre Mutter ist dagegen die beste Freundin, während ihr jüngerer Bruder das „Sorgenkind der Familie“ darstellt. Die Familie wird als „eng für sich“ und unbeschwert geschildert, wobei Vater, Mutter und Bruder mehrere Stunden weg in einer anderen Stadt leben. Es stellt sich heraus, dass die Studentin dennoch drei- bis viermal am Tag Kontakt mit den Eltern hat. Ihren Vater beschreibt sie als intelligent und wortgewandt, zudem weit gereist sowie als einen direkten Menschen. Er ist zum „Aufschauen“. Selbst ihre Freundinnen sind anscheinend von ihm beeindruckt und er ist ganz klar „der Familien-Führer“. Die Mutter ist weniger intellektuell, aber aufopferungsvoller und emotionaler. Die Eltern pflegen eine sehr innige Beziehung zueinander. Ihr jüngerer Bruder dagegen ist eher das „Mama-Kind“. Die zwei Geschwister hatten sich früher häufiger gestritten und schließlich für zwei Jahre den Kontakt abgebrochen, als die damalige Freundin des Bruders diesen in die Isolation trieb. Seine Freundin vereinnahmte ihn, sie zogen zusammen, er verlor mit der Zeit alle Freunde und flog durch das Abitur. Mittlerweile lebt der Bruder wieder bei den Eltern. Die Klientin weiß nicht, ob sie „wütend“ auf ihn sein oder doch „Mitleid“ haben soll. Schließlich hat die Klientin früher ihrem Bruder auch „nachgeeifert“, da dieser sehr „attraktiv“ sowie „kreativ“ veranlagt ist und sein Laissez-faire-Stil ein wenig Eifersucht bei der Studentin hervorruft. Ihr Bruder ist eigentlich auch eine beeindruckende Persönlichkeit, die sich allerdings gehen lassen hat. Es stellt sich im weiteren Verlauf heraus, dass es eigentlich die Mutter war, welche das Übernachten des Ex-Freundes etablierte. Als der Ex eines Tages von seiner eigenen Mutter aus Zweite Sitzung 27 dem Haus geworfen wurde, sammelte die Mutter der Klientin diesen betrunken an einer Bushaltestelle auf und ließ ihn bei der Familie übernachten. Des Weiteren offenbart sich, dass die Klientin auch eigentlich nicht mehr mit ihren Eltern über den Ex reden darf. Die junge Studentin widersetzt sich dem aber, indem sie ihn immer wieder vor der Familie erwähnt. Auch schützt die Klientin ihn vor ihren Eltern, indem sie nicht von seinen „Fehlern“ oder „Fehltritten“ erzählt. Sie äußert darüber hinaus, dass sie insgeheim glaubt, dass ihre Familie den Ex- Freund mag. Es gefällt ihnen wohl nur nicht, wenn sie sich vor ihm „klein macht“. Beim genaueren Nachfragen, wie sich denn das Klein-Machen ihrerseits ausgestaltet, berichtet die Studentin, wie er einst auch einmal vor ihren Augen eine andere küsste und sie daraufhin immer auf ihn aufpassen sowie hinterherrennen musste, wenn er zu betrunken war, damit er ihr eben nicht fremdgeht. Doch als das Verhältnis zu ihm weiter ausgeleuchtet wird, zeigt sich nicht nur eine häufige Erfahrung von Kränkungen durch den Ex, sondern gleichzeitig auch eine gewisse Erhabenheit ihm gegenüber. Sie „weiß, dass er sich nicht in eine andere verlieben wird“, und sie kann ihm durch ihr gutes Studium sowie die guten Noten imponieren. Generell hat sie eine Zukunft und er eher weniger. Der Ex-Freund kommt aus einer kaputten Familie und bekommt kaum etwas hin. Die Klientin vermutet daraufhin, dass ihr Vertrauen ihm gegenüber insgeheim aus einer Art Kontrolle resultiert. Wenn er beispielsweise von neuen oder anderen Liebschaften erzählt, weiß sie immer, wie das ausgehen wird. Sie hält auch eine Art „Mutter-Rolle“ inne und er darf immer zu ihr zurückkommen. 5. Fallbeschreibung 28 Dritte Sitzung Die dritte Sitzung beginnt direkt mit der Klage und Schuldzuweisung, dass ihre Mutter eine „Über-Mutter“ ist. Die Klientin beschwert sich, dass sie nie zur „Selbstständigkeit erzogen“ wurde und ihre Eltern eine unglaubliche „Zweisamkeit“ vorgelebt haben und sie eben nichts anderes kennt. Ihre Eltern pflegen „eine gewisse Freundschaft“ und diese möchte sie auch mit ihrem zukünftigen Partner haben. Die Klientin „will nicht alleine sein“. Es wäre für sie schrecklich, wenn die Eltern und der kleine Bruder weg wären. Die Studentin braucht jemanden, an den sie sich „wenden kann“, der ihr Rückversicherung und Liebe gibt. Seit der Trennung von ihrem Ex-Freund ist sie ihrer Einschätzung nach auch „mehr Kind geworden“. Die Klientin pflegt in den letzten Jahren wieder vermehrt Kontakt zu den Eltern. Sie hat zwar einiges geschafft: Auszug aus dem Elternhaus und bald ist das Studium abgeschlossen. Dennoch fühlt sie sich eher wie ein „Kind“. Die Studentin fährt fort und schildert erneut, dass sie nicht alleine sein kann. Deshalb möchte sie auch eine „junge Mutter“ werden oder sich auch einen Hund als eine Art „Kinderersatz“ holen. Als das Thema „Alleine-Sein“ weiter vertieft wird, verspürt sie plötzlich ein „drückendes Gefühl“ auf der Brust. Es ist zugleich auch ein „beängstigendes Gefühl“. Sie fürchtet, von der Welt isoliert zu sein, wenn Familie und Ex nicht mehr da sind, und ein Leben alleine bestreiten zu müssen. Die Studentin fährt fort und erläutert ihre Befürchtung beispielhaft an ihren Freundschaften. Auch wenn sie einige Freunde hat, merkt sie, dass nicht die gleiche Innigkeit wie bei Familie und Ex vorhanden ist. Die Studentin will oft nicht einmal von Freundinnen umarmt werden. Diese tiefe Verbundenheit kommt auch nicht einfach so zustande. Ihr Ex ist seit Kindheitstagen eine besondere Person in ihrem Leben und deshalb „drängt“ sie ihn Dritte Sitzung 29 immer wieder in die Familie. Der „innere Kreis muss klarkommen“. Die Probleme des Bruders haben der Klientin dabei so sehr zugesetzt, dass sie sich von ihm „abkapselte“. Es offenbart sich, dass ihr Bruder mittlerweile den Familienfrieden stört. Den „Eltern geht es super schlecht“ und sie haben derweil angefangen, häufiger zu streiten. Die Studentin macht sich ein wenig Sorgen, dass der Familienfrieden gefährdet ist. Während sie dies beschreibt, fühlt sich die Klientin zugleich an ihre schlimmen Fieber-Krämpfe aus Kindheitstagen erinnert. Diese waren für ihre Mutter eine sehr belastende Erfahrung und stimmten sie damals panisch. Vierte Sitzung Die Studentin beklagt sich innerhalb der vierten Sitzung erneut über das, was ihre Eltern vorgelebt haben. Vater und Mutter sind aufeinander fokussiert und ein „sehr eingespieltes Team“. Auch mögen beide die gleichen Sachen, haben die gleichen Vorstellungen vom Leben und wollen generell das Gleiche. Die Klientin beschreibt weiter, dass ihr Ex durch sie auch so eine Familie erhalten hat und dadurch eine Fürsorglichkeit erfahren kann, welche er aus seiner eigenen Familie nicht oder nur kaum kennt. Im Gegenzug konnte sich die Klientin ihrer Meinung nach durch ihn von der Familie „wegentwickeln“ und etwas Eigenes haben, auch wenn ihr Ex eigentlich wie eine „Selbstverletzung“ ist. Dabei wollen ihre Eltern nur, dass sie ein liebes braves Mädchen ist, das alles hinbekommt. Doch als erneut das Alleine-Sein angesprochen wird, schildert die Klientin, dass das Leben spontan und die Zukunft offen ist. Gerade das mache sie „nervös“. Durch die Luftschlösser, welche mit dem Ex gebaut werden, kann sie sich aber an etwas „festhalten“. 5. Fallbeschreibung 30 Sie fährt fort, dass es sie insgeheim stört, wie sie in eine „Kinder-Rolle“ gefallen ist. Sie hängt an den Eltern und hätte eigentlich ins Ausland gehen sollen. Das Erwachsenwerden wird von ihr ausgeklammert. Sie „definiert“ sich stattdessen über andere, also über Leute, die sie bewundert. Beispielsweise über einen Professor an der Uni, welcher es schaffte, sie für Pädagogische Psychologie zu faszinieren. Er ist eine „schillernde Person“ und sie würde sich gerne eine „Scheibe von ihm abschneiden“. Die Klientin fährt fort und schildert, wie es eigentlich für sie „okay“ ist, bei anderen „schillernden“ Leuten im Schatten zu stehen. Denn sie fürchtet zu versagen, wenn sie etwas selber gestaltet oder umsetzt. Die Studentin berichtet weiter, wie schrecklich ihr letzter Umzug sowie das Verfassen der Bachelorthesis waren. Bei beidem hatten die Eltern nicht geholfen und sie hatte richtig „gelitten“. Es war, wie ein „Zusammenbruch“. Doch im Endeffekt ging ihr Umzug dann auch ohne Eltern vonstatten und sie bekam in ihrer Thesis eine 1,0, wobei sie meint, dass gute Noten bei ihr Standard sind. Die Mutter freut sich zwar über alles, aber ihr Vater erwartet eben solche Leistungen. Allerdings „prahlt“ die Studentin nicht mit den guten Noten und erzählt eigentlich nur ihrem Ex sowie ihren Eltern von diesen. Die Klientin vergleicht sich daraufhin mit ihrer eigenen Mutter. Auch diese braucht Rückversicherung und ist ein besorgter Mensch. Ihre Mutter war damals jung, als sie ihr erstes Kind, also die Klientin, bekommen hat, wobei der Vater früher viel auf Geschäftsreisen musste und die Klientin als Kind häufig krank war, was der Mutter enorm zusetzte. Fünfte Sitzung Sie kommt direkt vom Feiern in die Sitzung. Es ist morgens und sie hatte keinen wirklichen Schlaf. Die Studentin beginnt Fünfte Sitzung 31 gleich euphorisch von ihrem nächtlichen Abenteuer zu berichten: Ihre Freundin hatte sie im Club gezwungen, mit einem Mann zu sprechen. Dieser küsste im Verlauf des Abends die Klientin. Er hat eben „klar formuliert, wo es langgeht“. Sie verabschiedete sich dann um acht Uhr morgens von ihm und telefonierte sofort mit ihrem Ex. Dieser wollte dabei „haarklein“ wissen, was sich abgespielt hat. Die Klientin schildert weiter, dass der Mann aus dem Club ein Triumph ist, welchem sie ihrem Ex-Freund „unter die Nase reiben“ kann. Der Neue ist blonder, bärtiger und hat „schönere Augen“. Auch will der Mann Schriftsteller werden. Sie zieht damit gezielt ihren Ex auf und will Neid wecken. Die Klientin teilt darüber hinaus ihrem Ex mit, dass sie zufälligerweise eines seiner „Mausis“, bzw. eine andere Liebschaft von ihm im Club getroffen hat und diese „ätzend“ findet. Sie schildert des Weiteren innerhalb der Sitzung, dass selbst, wenn ihr Ex-Freund mit anderen flirtet, er sich immer für sie entscheiden wird. Diese Geschichte wird allerdings erst später wieder innerhalb der Sitzungen hervorgehoben und erst einmal zurückgestellt. Vom Gespräch mit dem Ex richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Vater. Wie ihr Ex-Freund ist auch ihr Vater immer für sie da gewesen, wenn er nicht gerade auf Geschäftsreisen war. Diese Reisen zogen sich dabei häufig wochenlang. Ihre Mutter hatte damals zur Unterstützung ein Au-pair-Mädchen und alle drei machten sich dann ohne Vater eine „Auszeit“. Es offenbart sich, dass sie bis zum Alter von zehn Jahren häufig im Bett der Eltern übernachtete oder, als der Bruder geboren wurde, auch bei ihm im Bettchen schlief. Das macht die Studentin teilweise jetzt noch bei Mama und Papa, wenn sie ein kleines Nickerchen braucht. Dabei erfährt die Klientin immer ein tolles „Gefühl von Klein-Sein“, welches sie zugleich als eine „Verweigerung von Autonomie“ beschreibt. 5. Fallbeschreibung 32 Die Klientin beschreibt des Weiteren, wie sie sich bereits als kleines Kind immer Sorgen um den Vater gemacht hat. Sie hatte immer Angst, dass ihm auf seinen Reisen etwas passiert. Zwar gab sich ihre Mutter Mühe, wenn er weg war, aber erst wenn der Vater von seinen Reisen zurückkam, konnte die Familie „eng“ miteinander sein. Schließlich war die Klientin früher häufig krank und ihre damals junge Mutter war ihrer Einschätzung nach schlichtweg überfordert. Aus Erzählungen der Familie weiß die Studentin, dass sie als kleines Kind schreckliche Fieberkrämpfe hatte. Auch ihr Bruder hatte solche und die Klientin konnte als kleines Mädchen damals selbst miterleben, wie schrecklich Fieberkrämpfe sein können. Als ihr Bruder unter diesen litt, war der Vater wieder einmal unterwegs und ihre Mutter brach in Panik aus. Sie schrie zur Klientin: „Hol das Telefon“ und die ganze Situation lief „in Zeitlupe ab“. Es herrschten „Panik und Schock“. Ihre Mutter ist eben sehr emotional und impulsiv. Der Vater schafft es im Gegenzug immer alle zu beruhigen. Egal ob Mutter, Bruder oder die Klientin selbst. Als beispielsweise die Studentin eine 2,0 in einer Prüfung bekam, hatte sie Angst, dass ihr Vater enttäuscht sein würde. Schließlich hatte sie ja von ihm gelernt, immer gut zu sein, und erwartet dies auch eigentlich. Aber da beruhigte er sie und gab ihr Rückversicherung, dass alles gut ist. Die Studentin hat generell Angst davor, ihren Vater zu enttäuschen und dass, wenn sie keine Rückversicherung erhält, sich ein „emotionaler Strudel“ in ihr auftut. Sie erinnert sich daraufhin an eine Zeit, in welcher ihre Eltern ohne sie in den Urlaub gefahren sind, als sie noch jünger war. Die Klientin wurde damals bei der Oma abgeliefert und sie bekam daraufhin „Gürtelrose“. Überhaupt „ging das gar nicht“, wenn ihre Eltern weg oder nicht da waren. Sie fürchtete früher, dass Mama und Papa sie dann verlassen könnten. Deshalb weinte sie auch häufig als kleines Kind, wenn sie beispielsweise in die Fünfte Sitzung 33 Schule musste. Und obwohl das ihre Mutter sicherlich genervt hatte, durfte die Klientin dann auch manchmal daheim bleiben. Sechste Sitzung Die Studentin erscheint wieder recht aufgeregt zur Sitzung. Sie erzählt, dass sie sich mit dem Neuen noch einmal privat getroffen hat und beide miteinander im Bett gelandet sind. Allerdings hatte er sich seitdem nicht mehr gemeldet. Die Klientin schildert, wie sehr aufgelöst sie ist und wie sehr ihr der Neue gefallen hat. Während ihren Erzählungen merkt sie dabei selber an, dass gerade in ihr auch eine sehr abweisende Art steckt, welche sie andere Menschen auch gerne spüren lässt. Zum Beispiel zeigt eine ihrer Freundinnen depressive Züge und muss ständig Probleme mitteilen. Das nervt die Klientin so sehr, dass sie auf Distanz geht. Überhaupt wäre der „Verlust der Freundschaft nicht tragisch“. Selbst zu ihrem Ex kann sie abweisend sein. Als er damals vor ihren Augen eine andere küsste, nahm sie ihn an die Hand und ging von den anderen Leuten weg. Die Klientin schrie ihn dann an, während sie zugleich weinte. Er versuchte sich dabei zu erklären und sie hat ihm eine „geknallt“. Es stellt sich heraus, dass ihre Beziehung auch jetzt noch „recht körperlich“ ist und beide „kabbeln“ viel miteinander. Selbst in aller Öffentlichkeit „klatschen“, „beißen“ und „kratzen“ sie sich. Sie streiten generell viel, besonders wenn ihr Ex von seinen anderen Affären berichtet. Des Weiteren schildert die Studentin, dass sie, als sie im Club eines der Mausis von ihrem Ex traf, auf diese zugegangen ist und nicht umgekehrt. Sie sagte dieser Frau daraufhin, dass beide den Ex kennen und die andere wollte sich sofort mit ihr anfreunden. Dabei wollte die Klientin keinen Körperkontakt mit ihr und sie „zog die Hand bestimmt 5. Fallbeschreibung 34 zurück“. Immerhin „gewährte“ sie schließlich der anderen dann doch noch ein Foto mit ihr. Die Studentin holt weiter aus: „Sie musste nett zu mir sein.“ Das Mausi wollte nun mal, dass die Klientin dem Ex sagt, wie toll sie doch ist. Und überhaupt wissen die Freunde vom Ex- Freund, dass diese sich mit ihr gut stellen müssen. Die Studentin erzählt daraufhin von einer Freundin, welche sie immer umarmen möchte. Sie kann und will das nicht annehmen und es entstehen dann immer Gefühle der „Gereiztheit“ bei ihr. Auch macht es sie direkt aggressiv, wenn andere Menschen keinen Kleidungsgeschmack haben. Es reicht manchmal auch schon aus, Leute nur in der S-Bahn zu sehen, um Gefühle der Gereiztheit zu verspüren. Witzelnd schildert die Klientin, wie sie eigentlich auch schon wegen des neuen Typen „Amoklaufen könnte“, da er sich nicht mehr bei ihr gemeldet hatte. Siebte Sitzung Die siebte Sitzung knüpft direkt zu Beginn an die letzte an. Die Klientin meint, dass es vermutlich schon an ihrem Gang erkennbar ist, wenn sie etwas stört. Generell ist sie „super schnell genervt“. Das tritt immer bei Stress, Langeweile und „am häufigsten bei anderen Menschen“ auf. Sie fühlt dann immer, wie etwas in der Halsgegend aufsteigt. Wenn diese innere Reizung verspürt wird, weichen sogar die eigenen Eltern aus. Die Studentin berichtet, wie sie ihre Familie besuchte, als sie damals die Bachelorthesis schrieb. Die Klientin war dabei vom Verhalten so anstrengend für die eigenen Eltern, dass diese sie zurückschicken, bzw. rausschmeißen wollten. Selbst Vater und Mutter sagten dann zu ihr: „Reiß dich mal zusammen.“ Die Klientin meint, dass ihre aufgelöste Art Situationen häufig verschärft. Aber eben diese kann sie nur bei ihren Eltern Siebte Sitzung 35 zeigen, da sie so anstrengend ist und ihre Freunde abstoßen würde. Sie fährt daraufhin mit weiteren Geschichten fort, in welchen es sich um das Gereizte ihrerseits dreht und wie sie dann mit anderen Menschen umgeht. Die Studentin erzählt beispielsweise vom ersten festen Freund und wie sie ständig „arschig“ zu ihm war oder auch, wie sie insgeheim Verachtung gegenüber zwei ihrer Freundinnen empfindet, weil diese „schwach sind“. Sie bezieht sich dabei auf eben die zwei Freundinnen, von welchen in der letzten Sitzung berichtet wurde. Die Klientin meint daraufhin, dass ihr die generelle Genervtund Gereiztheit inzwischen bewusst geworden ist und dass sie plötzlich das „totale Bedürfnis“ hat, alleine zu sein, sowie den Drang zu Reisen verspürt, um zu „erfahren, wer man ist“. Ein „Für-Sich-Sein“ hört sich jetzt nicht mehr so schlimm an. Gerade das Gereizte macht sie zu einem schwierigen Menschen. Besonders anderen fällt das auch auf und die Studentin schildert weiter, wie ihre Art Menschen abwehrt. Achte Sitzung Es wird nun gemeinsam der Film American Beauty (USA, 1999) angeschaut. American Beauty dreht sich um ein Vorstadt-Idyll, in welchem verschiedenste Protagonisten in ihren Situationen festhängen und jeder für sich einen Weg heraus sucht. Dies spitzt sich im Laufe des Filmes allerdings so weit zu, dass der Hauptprotagonist Lester, gespielt von Kevin Spacey, den Tod findet. Dieser verliebt sich zu Beginn in die blonde Klassenkameradin (Mena Suvari) seiner Tochter (Thora Birch), während seine Frau (Annette Bening) Karriere und ein perfektes Heim anstrebt und im Laufe der Geschichte auf eine Affäre mit ihrem 5. Fallbeschreibung 36 ärgsten Konkurrenten (Peter Gallagher) eingeht. Lester fängt darüber hinaus an Drogen zu nehmen, kauft, ohne die Frau zu fragen, ein neues Auto, erpresst seinen ehemaligen Arbeitgeber und beginnt mit Sport. Seine Tochter scheint sich bereits zu Anfang des Filmes der Familie entfremdet zu haben und entwickelt zugleich Interesse an dem Nachbarssohn (Wes Bentley). Dieser wiederum verkauft Lester immer mal wieder Drogen und muss sich im selben Zug durch sein eigenes Elternhaus manövrieren, da sein Vater (Chris Cooper) äußerst streng sowie strikt das Haus und ihn führt bzw. dies zumindest versucht. Der militante Vater tritt dem Verhältnis zwischen Lester und seinem Sohn mit der Zeit immer skeptischer entgegen, bis er letztendlich vermutet, dass die beiden eine homosexuelle Affäre haben. Die blonde Klassenkameradin hingegen bemerkt recht schnell Lesters Interesse an ihr und inszeniert ein Spielchen mit ihm, was natürlich Lesters Tochter stört, da die zwei Mädchen miteinander befreundet sind. Die ganze Situation findet ein Ende, als Lester sein Objekt der Begierde tatsächlich haben könnte und sich letztendlich doch nicht darauf einlässt, um dann allerdings fälschlicherweise vom militanten Vater erschossen zu werden. Auch findet sich final eine Auseinandersetzung zwischen Lesters Tochter, der blonden Klassenkameradin und dem Nachbarssohn, in welcher sich Lesters Tochter für den Jungen entscheidet, obwohl ihre Freundin diesen ablehnt und als einen seltsamen Menschen erachtet, während der Nachbarssohn zugleich ihre Ängste und Oberflächlichkeiten entlarvt. Darüber hinaus planen Lesters Tochter und der Nachbarssohn gegen Ende, in eine andere Stadt zu gehen. Die Klientin ist während des Filmes sehr ruhig. Selbst bei lustigen Momenten ist kein Lachen zu hören. Sie erscheint nach dem Film recht sprachlos. Als die Klientin um ihre ersten Eindrücke gebeten wird, meint sie, dass der Film bereits zu Schulzeiten von ihr geschaut wurde. Allerdings dachte sie, dass Achte Sitzung 37 die blonde Klassenkameradin von Lesters Tochter „mehr Platz“ einnehme. Beim ersten Schauen empfand sie ihn als traurig, aber jetzt irgendwie nicht mehr. Die Tüten-Szene im Film – eine Szene, in der nur eine sich im Wind spielerisch mitbewegende Plastiktüte gezeigt wird – hat etwas Tristes und doch zugleich Schönes. Selbst Lesters Tod am Ende des Films wirkt nicht mehr schlimm. „Er hat davor gelebt.“ Der Nachbarssohn erscheint nun auch wie eine faszinierende Person, da er durch sein Selbstbewusstsein beeindrucken kann. Er steht während des gesamten Filmes für sich ein. Bei Lesters Frau fühlt sie sich dagegen gleich an sich selbst erinnert. Auch die Frau scheint eine Selbst-Malträtierung, wie die Klientin mit dem Ex, zu vollziehen. Die Klassenkameradin von Lesters Tochter beschreibt sie als „bewundernswert“ und schön. Zugleich ist diese allerdings auch unglaublich unsicher. Die Klassenkameradin meint mehrmals im Film, dass sie bedeutsam sein möchte, und dabei fühlt sich die Klienten sehr „angesprochen“. Sie möchte selber jemand Besonderes sein. Auch wirkt Lesters Tochter sympathisch. Vor allem weil diese am Ende des Filmes sich selbst annimmt. Doch plötzlich setzt eine Beunruhigung bei der Studentin innerhalb der Sitzung ein. Sie denkt an die Szene, in der Lesters Frau sagt: „Du kannst dich nur auf dich selbst verlassen.“ Plötzlich empfindet sie die Wegentwicklung der Kinder von ihren Eltern als tragisch. Sie stellt sich vor, wie ein Leben ohne Eltern und Bruder wäre. Es breitet sich wieder eine Panik bei ihr aus. Ein Leben ohne Familie wäre „einsam“ und die „Hölle“. Lester hat zwar im Film beeindruckt, aber sie fragt sich, was passiert wäre, wenn er nicht den Tod gefunden hätte? Er starb schließlich am Höhepunkt, bevor er sich Sorgen machen konnte. Doch bei genauerer Betrachtung eröffnet sich ihr, dass die Familien vielleicht doch etwas gewonnen haben. Schließlich wolle Lesters Frau seinen Tod nicht wirklich und der Schmerz 5. Fallbeschreibung 38 sowie die Nähe zu ihm werden im Film deutlich. Sie beschreibt weiter, wie die Mutter auf irgendeine Art und Weise wieder zur Familie gefunden hat. Auch der Nachbarsfamilie scheint sich etwas Neues eröffnet zu haben. Der Nachbarssohn und Lesters Tochter haben sich schließlich gefunden. Neunte Sitzung Die Klientin wirkt in dieser Sitzung wie geläutert. Gleich zu Anfang beschreibt sie, dass sie immer ein „Drama macht“ und dass sie es gerne in dieser Dramatik auch „übertreibt“. Die Studentin nimmt sich die Charaktere des Spielfilmes zum Vorbild und schildert, wie in der Geschichte eine Art „Ausbruch“ von den Protagonisten geschafft wird. Insbesondere der Nachbarssohn und die Tochter haben sich gefunden sowie weiterentwickelt. Die Klientin führt daraufhin aus, dass auch in ihr irgendetwas raus will. Dass etwas ausbrechen möchte. Sie möchte eigentlich selbst den Ausbruch wagen und ihre Sachen packen und Neues erfahren. Ihre Eltern würden das wohl gut finden und unterstützen. Sie schildert weiter, wie sie Lester und seine Frau in sich vereint. Die Mutter im Film quält sich selber, dargestellt in der Szene, als sie sich selbst ohrfeigt. Gleichzeitig will Lesters Frau immer perfekt sowie ordentlich sein. Die Klientin führt weiter aus, dass Lester im Gegenzug eine Besessenheit entwickelt hat. Er will „jetzt auf einmal alles“ und stößt eigentlich seine Familie so weg wie sie häufig ihre Freunde wegstößt. Wie Lester an der Klassenkameradin seiner Tochter hängt, hängt auch die Studentin an ihrem Ex. Aber dabei sind weder Lester noch seine Frau wirklich frei oder autonom – genauso wie die blonde Klassenkameradin und der Vater vom Nachbarssohn. Auch die Klientin hat ein Problem mit Autonomie bzw. Selbst- Neunte Sitzung 39 ständigkeit. Die Studentin beschreibt, wie sie sich an Familie und Ex-Freund hängt und dabei immer Rückversicherung sowie Kontakt zu diesen braucht. Die Klientin findet nun das junge Pärchen, also den Nachbarssohn und Lesters Tochter, am sympathischsten. Die Studentin wäre jetzt gerne wie das Pärchen, da beide am Ende des Filmes planen wegzugehen, aber sie ist eher wie Lester und seine Frau. Selbst die blonde Klassenkameradin erscheint nicht mehr so toll. Diese leidet schließlich auch an Zwängen – sie will ständig begehrt werden, während sie in Wirklichkeit nur ordinär ist. Die Klientin beschreibt, wie sie Probleme mit dem Verlassen und Alleinesein hat. Gerade der Nachbarssohn ist der freieste, obwohl er zugleich den meisten Regeln unterliegt. Die Szene mit der Plastiktüte tritt jetzt in den Vordergrund. Der Nachbarssohn bewegt sich im Film wie die Plastiktüte im Wind. Er trickst den Vater aus und macht das, was er möchte und kann. Auch kämpft er nicht gegen die blonde Klassenkameradin an, er lässt sie sein und nähert sich einfach nur Lesters Tochter an, bis sie eine besondere Innigkeit erfahren, ohne gegeneinander zu kämpfen oder sich krampfhaft festzuhalten. Die Klientin schildert daraufhin, wie ihr Bruder vor wenigen Tagen eine Ausbildungsstelle gefunden hat, indem er einfach in einen Handwerksbetrieb gegangen ist und nachgefragt hat. Gerade sein Laissez-faire-Stil erinnert sie an die Plastiktüten- Szene. Einfach was „machen und Mut“ haben. Zehnte Sitzung Innerhalb des letzten Gespräches meint die Klientin direkt, dass sie über die Szene mit der Plastiktüte nachgedacht hat. Das Prinzip der sich im Wind mitbewegenden Tüte könnte in jeglicher Situation im Alltag helfen. Überhaupt stimmt sie das 5. Fallbeschreibung 40 äußerst „positiv“. Nach dem letzten Gespräch hat sich die Klientin selber wie die Plastiktüte gefühlt. „Die Tüte ist für sich“ und fliegt spielerisch umher. Diese klammert nicht und lässt Sachen auf sich zu kommen. Eben dies bringt die Studentin nicht zustande. Die Klientin schildert des Weiteren, wie sie sich dagegen immer „Sachen ans Bein bindet“, wobei sie nach der letzten Sitzung nicht einmal im Laufe des Tages ihre Mutter angerufen hatte, was für sie sehr ungewöhnlich ist. Selbst der Kontakt mit dem Ex hat sich auf zweimal die Woche reduziert, seitdem der Film geschaut wurde. Es ist für sie ein erster Schritt aus ihrer Familienidylle heraus. Ihr fallen plötzlich verschiedenste Situationen im Alltag ein, in welchen sie nicht klammern müsste und eher einen lockeren Umgang – so wie die im Wind schwebende Tüte – für sich ausprobieren könnte. Dies fängt bereits bei Kleinigkeiten wie dem Essen an. Häufig achtet sie sehr penibel auf das, was sie essen sollte und was nicht. Überhaupt findet sie, dass sich generell „Stress“ und „Panik“ bei ihr abbauen müssten. Die Klientin schildert des Weiteren, wie nach dem vorherigen Beratungsgespräch ihr Kopf frei war und dass ihr auffiel, als sie etwas in Gedanken reizte, wie sich ihr Körper bzw. ihr „Kiefer direkt anspannte“. Sie bezieht sich dabei auf einige Kommilitoninnen, welche sie nicht sonderlich mag. Die Studentin beschreibt, wie sie mit diesen insgeheim in Konkurrenz steht, aber statt sich hineinzusteigern, ließ sie ihre innere Gereiztheit vorbeiziehen. Sie stellt daraufhin eine Analogie zum Nachbarssohn aus dem Film her: Auch er hätte sich mit der blonden Klassenkameradin anfeinden können, doch stattdessen lässt er sie vorbeiziehen und konzentriert sich auf Lesters Tochter. Gerade dadurch finden die zwei letztendlich zueinander und können wahre Innigkeit erfahren. Die Klientin äußert, wie sie mehr „im Moment sein“ möchte. Ihr schwebt ein Urlaub alleine vor. Allerdings gibt sie auch zu, dass sie sonst Zehnte Sitzung 41 gerne ihren Ex-Freund dabei gehabt hätte, aber dies hält sie für keine gute Idee. Wären er oder auch die Eltern dabei, würden sich nur ihr zwanghaftes Klammern und ihre Besessenheit wieder äußern, welche im Film durch Lester und seine Frau dargestellt sind. Schließlich will sie mehr Selbstständigkeit entwickeln und sich ausprobieren. Es wird noch einmal hervorgehoben, dass ihre Familien-Enge sowie die Besessenheit vom Ex einen Teufelskreis bilden. Ihre Selbstständigkeit lässt sich nicht durch das krampfhafte Klammern und Festhalten erreichen. 5. Fallbeschreibung 42

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References

Zusammenfassung

Aus tiefen- und kulturpsychologischer Sicht lässt sich der Spielfilm als ein Medium begreifen, das Grundkomplexe des alltäglichen Lebens behandelt. Ein guter Film bindet das Publikum in eine gestalthafte Gefühlsgeschichte ein und versinnbildlicht Motive, die einen jeden Menschen im Leben bewegen, aber auch herausfordern. Wird dieser Logik gefolgt, erscheint es sinnvoll und vielversprechend, gerade dieses Medium in der tiefenpsychologischen Beratung einzusetzen. Egal ob in Einzel-, Gruppen-, Familien- oder Organisationsberatung – Filmen wohnt ein Potenzial inne, das sich theoretisch und methodisch gesichert einsetzen lässt. Diesem Buch geht es darum, eine ausführliche Falldarstellung aus einer Einzelberatung zu präsentieren, die prototypisch den Einsatz von Spielfilmen veranschaulicht. Zuvor findet sich auch eine theoretische und methodische Einbettung, die deutlich macht, dass der Einsatz von Spielfilmen keineswegs abwegig ist. Der Film als Kultur-medium kann auch bei Beratungsanliegen dabei helfen, persönlichen Problemen und Konflikten Gestalt zu verleihen, diese durchzuspielen, einer Bearbeitung zugänglich zu machen und final einen Ausweg aus den destruktiven Mustern zu versinnbildlichen. Der Spielfilm ist kein Wundermittel, aber ein Medium, das beim richtigen Einsatz dabei hilft, seelische Blockaden aufzulösen und neue Entwicklungen anzustoßen.