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3) Das Wesen in:

Günter Alexander

Das Wesen der Begriffe, page 67 - 102

Eine Studie zu G.W.F. Hegels "Wissenschaft der Logik"

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4128-4, ISBN online: 978-3-8288-6969-1, https://doi.org/10.5771/9783828869691-67

Tectum, Baden-Baden
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3) Das Wesen A) Das Wesen als Reflexion in ihm selbst Betrachten wir die ersten Schritte der Logik, zeigt sich, daß das unbe stimmte Sein zu Nichts wird und erst die Hypothese über das Werden einen Zeitpunkt bestimmt, an dem sich dem Denken ein Dasein präsentiert. Die ses Dasein erhält nach dem Versuch, sich seiner zu versichern, eine Dauer als temporale Komponente, die als Qualität verstanden werden kann. Da sein ist Veränderung. Am Ende der Bewegung der Quantitäten hingegen steht ein System aus drei qualitativ bestimmten Quanta, von denen jedes als in Ruhe vorgestellt werden kann, sodaß die je beiden anderen durch ihre Flucht ins Unendliche mit ihren gegenläufigen Verhältnissen einen Kontext aufspannen. Denken wir uns einen Raum mit drei Inertialsystemen und setzen eins in Ruhe, bewegen sich die beiden anderen in gegenläufi gem Verhältnis. Für Ortsveränderungen gilt (s/t//t/s) > (t/s//s/t). Für rein quantitative Verhältnisse gilt vor einem ruhenden Hintergrund z.B eine B e wegung von (1/2 // 2) > (2 II 1/2). Das Sein pulsiert nicht mehr, sondern oszilliert an seinen Grenzen. Gleiches gilt auch für rein quantitative Ver hältnisse. Auf einem Schachbrett stehen 4 Felder unten links in Relation zu 8 Fel dern oben rechts. Aus Sicht der 4 steht die 8 in Relation zu 56. Aus Sicht der 8 steht die 4 in Relation zu 60: 8/56 (7x) > 60/4 > > 4/60 (15x) > 56/8 Die Eckpunkt bewegen sich gleichsam im Verhältnis von 7/15 und 15/7auseinander. Ich möchte dennoch bei dem Verhältnis s/t und t/s blei ben, weil die Relation von verschiedenen Begriffen im folgenden eine ent scheidende Rolle spielt. Bei einem reinen Zahlenverhältnis wird die bedeu tende Bewegung gegenläufiger Bestimmtheiten nicht deutlich. Jeder Kontext aus drei Inertialsystemen besitzt durch einen ruhenden Pol einen Anker im Sein. Versucht man, sich die Bewegung zu veranschau lichen, stelle man sich vor, daß bei einem Dreieck ein Eckpunkt durch Dre hung um die gegenüberliegende Seite auf eine Fläche gesetzt wird. Die beiden anderen Punkte bilden dann eine Strecke, deren Eckpunkte ausein anderstreben und im weiteren Verlauf zu einer Geraden parallel zur Ebene werden. Diese Strecke ist dann ein erstes Bild des Wesens. 68 B) Der Schein Das unbestimmte Sein des Anfanges ist durch das Wesen, das im ge spannten Verhältnis zweier Gegenstände besteht, die quantitative Verhält nisse zueinander besitzen, zu einem in Ruhe versetzten Hintergrund ge worden. Als widerspruchslose Kulisse, aus der heraus je zwei beliebige Stellen durch ihre quantitativen Verhältnisse in den Vordergrund treten und dann zum Wesentlichen werden, ist es nicht wesentlich. Aber es muß sich durch Vermittlung über das Wesen in den Vordergrund spielen können. Denn es ist das noch verborgene Absolute. Dem Denken bleibt nichts üb rig, als zu versuchen, sich des Wesens zu versichern. Wenn das Denken sich die Eckpunkte vergegenwärtigt, findet es zwei gegenläufige Paare von Quantitäten oder Bestimmtheiten. Extrapoliert es die Quanta oder die Verhältnisse (s/t//t/s) und (t/s//s/t) findet es beide in Ruhe. Vor dem Sein ist das Wesen zum Dasein geworden. Damit ist (und es ist kein einfaches Wortspiel) das Sein gewesen. Das unbestimmte Sein des Anfanges wird zum unbestimmten Wesen der Gegenwart. Es spielt hier keine Rolle, ob man sich die Grenzen des Wesentlichen als kontinuierlich oder diskontinuierlich in Bewegung vorstellt. Das Wesen expandiert mit den unterschiedlichen Geschwindigkeiten seiner Eckpunkte. Auf diesem hier als Strecke vorgestellten Wesentlichen findet sich die Erscheinung. Das Wesen ist bei seinem ersten Auftritt eine Strecke vor dem Hinter grund eines unwesentlichen Seins. Die Eckpunkte der Strecke bewegen sich in entgegengesetzte Richtung mit ihren entsprechenden Relativge schwindigkeiten oder oszillieren gegenläufig in ihren unterschiedlichen quantitativen Verhältnissen. Ich möchte im folgenden bei dem Beispiel der Ortsveränderung bleiben, weil die Kombination von verschiedenen B e stimmtheiten, hier Raum und Zeit, später Farbe/Form, Gewicht/Masse etc. die Bewegung des Denkens deutlicher werden läßt als es bei ungegen ständlichen quantitativen Verhältnissen der Fall wäre. Das Denken findet die Eckpunkte am Wesen im ersten Takt als von Ruhe in Bewegung und im nächsten Moment von Bewegung in Ruhe übergegangen. Einmal als Ortsveränderung, das andere Mal als zeitliche Veränderung wie Wachstum/Vergänglichkeit. Es findet für jeden der Punkte eine kontinuierliche Bewegung, die ins Unendliche extrapolierbar bleibt. Nach jeder Verlagerung eines beliebigen Ql in den Hintergrund 69 durch Drehung der Seite eines Dreiecks um die je gegenüberliegende Seite, findet sich eine fiktive Abbildung des Ankers auf die Strecke. Das in den Hintergrund versetzte qualitativ bestimmte Quantum erscheint damit im Vordergrund. Das Sein ist Schein. Der Schein besteht z.B. aus einer Grup pe Felder als Quantum in der Mitte des Schachbretts zwischen den begren zenden Quantitäten oder aus einem Inertialsystem, das in Ruhe befindlich vorgestellt wurde. Damit geht das Denken zur Reflexion über. C) Die Reflexion Das Denken findet den Schein als Projektion aus dem Hintergrund des Seins auf die Strecke eines expandierenden Wesens. Beide Eckpunkte ste hen in einer doppelt gegenläufigen Beziehung zueinander. Sie entfernen sich konstant mit z.B. doppelter bzw. halb so großer Geschwindigkeit von einander (1/2)—(2/1). Und ihre Bestimmtheiten stehen zudem in einem ge genläufigen Verhältnis (s/t)—(t/s). Jedes Mal, wenn das Denken sich sei nes Wesens versichern will, findet es zwei vom Schein des Ankers be stimmte Strecken. Von den Eckpunkten aus reflektiert das Denken auf den Anker und teilt so das Wesen in Strecken auf. Die reflektierende Bewe gung ist somit, als absoluter Gegenstoß in sich selbst zu nehmen. ... Die Bewegung wendet sich als Fortgehen unmittelbar in ihr selbst um, und ist nur so Selbstbewegung, -... ,"62 Durch die Bewegung der Eckpunkte des Wesens entsteht für den auf die Strecke projizierten Anker eine fiktive Bewegung in Richtung auf den je weils langsameren Eckpunkt zu. Diese Bewegung zeigt wieder die gegen läufige Beziehung von (Ruhe/Bewegung/ZBewegung/Ruhe). Damit setzt sich der Anker selbst in bestimmte Verhältnisse zu den Eckpunkten, die das Wesen bilden. Richtet das Denken seine Aufmerksamkeit auf die fiktive Bewegung reflektiert es äußerlich. Das Denken findet zunächst das Wesen als leeren Raum zwischen zwei Punkten, in dem sich eine dritte Stelle findet, auf der etwas erscheint. Bei der fiktiven Ortsveränderung des Ankerscheins bilden sich zu den Eck punkten gleichgerichtete und gegenläufige Verhältnisse. Gilt für den Anker ein Übergang von Ruhe in Bewegung, steht er zur linken Ecke, die gerade 62 [WDL] SJ252 70 von Bewegung in Ruhe übergegangen ist, in einem gegenläufigen und we sentlichen Verhältnis. Gleichzeitig zeigt die rechte Ecke gleichgerichtet zum Anker einen Übergang von Ruhe zu Bewegung. Beide Teilstrecken sind bestimmt durch die gleichgerichteten und gegenläufigen Verhältnisse ihrer Eckpunkte. Damit bildet eine Teilstrecke die wesentlichen Verhältnis se nach und die andere zeigt ein unwesentliches Verhältnis gleichgerichte ter Paare Bestimmtheiten. D) Identität, Unterschied, Gegensatz und Widerspruch Die setzende Reflexion findet nach Extrapolation den dritten Punkt in Ruhe zwischen zwei anderen, die das Wesen ausmachen. Die äußere be merkt die Relativbewegung der Mitte, die durch die verschiedenen Verhält nisse der Eckpunkt entsteht. Die bestimmende Reflexion konzentriert sich auf die zwei Teilstrecken, die durch die setzende und die äußere Reflexion in den Mittelpunkt des Interesses treten. Eine Momentaufnahme des Wesens zeigt eine Strecke mit drei Stellen, von denen die Eckpunkte in gegenläufigem Verhältnis zueinander stehen. Der Punkt dazwischen findet sich zu beiden Punkten immer in gegenläufi gem und gleichgerichtetem Verhältnis: (+- II +- II -+) >> (-+ II -+ II +-) M itjedem Versuch, sich zu versichern, tauschen die Eckpunkte ihre Be stimmtheitspaare und die Beziehung des inneren Punktes oszilliert entspre chend. Über zwei Phasen hinweg reproduzieren sich die Verhältnisse und bilden eine stabile Beziehung. Das Wesen ist in der Bewegung der Oszilla tion mit sich identisch und gleichzeitig in Einheit mit seinem bestimmten Unterschied. Die Identität präsentiert sich dem Denken als Einheit der Dif ferenz. Das Denken findet im Verlaufe der Oszillation an den Teilstrecken ihren Unterschied als gleichgerichtet oder gegenläufige Beziehung zu den be grenzenden Punkten. Es ist das vollständige Wesen in seiner Identität, das den absoluten Unterschied in sich darbietet. Beide Teilstrecken unterschei den sich "darin"63, daß sie sich mit jeder Bewegung des Denkens unter schiedlich zueinander setzen. "Es kann ebenso gesagt werden, der Unter - 63 [WDL] SJ266 71 schied als einfacher ist kein Unterschied; er ist diß erst in Beziehung auf die Identität."64 Die Auseinandersetzung des Denkens mit einer Umgebung, die sich eigenwillig gegenläufig zu jeder Erwartung präsentiert, ist von so großer Bedeutung, daß Hegel an dieser Stelle betont: "Diß ist als die w e sentliche Natur der Reflexion und als bestimmter Urgrund aller Thätigkeit und Selbstbewegung zu betrachten."65 Die Identität bietet sich dar und zeigt ihre Unterschiedlichkeit an zwei Teilstrecken. Aus Sicht der beiden Teilstrecken besteht genau darin der Unterschied, daß sie gegenläufige und gleichgerichtete Bestimmtheitspaare aufweisen. Das Wesen präsentiert sich dem Denken als Identität von Iden tität und Differenz. Wenn das Denken sich auf die Bewegung des Scheins konzentriert, findet es die Eckpunkte als von seiner Oszillation gesetzte Unterschiede. Die passive Darbietung des Wesens ist zu einer aktiven Set zung übergegangen, die nun aus der Perspektive des Scheins stattfindet. Hat das Denken den Unterschied bemerkt, vergegenwärtigt es sich die beiden Teilstrecken als verschieden voneinander. Die eine zeigt in gegen läufiger Beziehung die Merkmale des Wesens. Die andere zeigt zwei Stel len mit gleichgerichteten Bestimmtheitspaaren. Beide Teilstrecken erwei sen sich auf verschiedene Arten gleich und ungleich zu sein. Sie sind ver schieden in Bezug auf das Ganze des Wesens und verschieden in ihrer Ver teilung der Bestimmtheitspaare. Blickt das Denken nun über die Unter schiedlichkeit auf die Identität des Ganzen, zeigt sich eine fiktive Bewe gung des Scheins. Aufgrund der mit unterschiedlicher Geschwindigkeit fliehenden Eckpunkte entsteht eine fiktive Bewegung des Scheins in Rich tung auf den langsameren Punkt. Das Denken findet an der Veränderung des Wesens durch die fiktive Bewegung der Mitte nach jeder Phase die Verschiedenheit der Teilstrecken. Als Teile des Ganzen und der sich wie derholenden Choreographie ihrer Zusammensetzung sind die Teilstrecken gleich. Als sich auf sich beziehende zeigen sie sich veränderlich und un gleich. Wenn wir uns abwechselnd in eine der Teilstrecken hineinversetzen würden, könnten wir ihre Verschiedenheit von der anderen nicht bemerken. Für uns ergänzt die andere das Ganze zur Identität und ist mit uns darin 64 [WDL] S J2 6 6 65 [WDL] S J2 6 6 72 gleich. Wenn es in der Welt nur zwei Gegenstände gäbe, die in festgeleg tem Takt nichts anderes können, als die Perspektive zueinander zu wech seln, wäre es ihnen nicht möglich, eine Verschiedenheit zwischen sich zu bemerken. Der Satz, zwei Gegenstände sind nur dann verschieden, wenn sie sich beide von einem gemeinsamen Dritten unterscheiden, ist daher nicht so selbstverständlich, wie es uns scheint. Die Vorstellung von ver schiedenen Dingen ist uns im Alltag so geläufig, daß wir die Notwendig keit sie auf ein gemeinsames Drittes zu beziehen, nicht mehr bemerken. Wir meinen zu wissen, daß zwei verschiedene Dinge unabhängig von allen Umständen individuell verschieden seien. Hat das Denken die 'Verschie denheit an der fiktiven Bewegung der Mitte gefunden, tritt diese in den Mittelpunkt des Interesses und es ergibt sich der Gegensatz. Die Ortsveränderung der Mitte zeigt sich nun, wie die Eckpunkte, über zwei Phasen hinweg mit gegenläufigen Paaren von Bestimmtheiten Sl(s/t//t/s) -- S2(s/t//t/s) -- S3(t/s//s/t). Das Denken findet an der Mitte selbst wesentliche Verhältnisse zu den Rändern. Richtet sich das Interesse auf die Relativbewegung aller drei Punkte zueinander, ergeben sich zwei wesentliche Verhältnisse für beide Teilstrecken. Das Wesen zeigt in sich selbst den Gegensatz: (s/t) -- (t/s) II (s/t) -- (t/s) > > (t/s) -- (s/t) II (t/s) -- (s/t) Die Identität hat sich bestimmt als zwei Teilstrecken, die beide wesent lich sind. Gegensätzlich sind sie darin, daß sie beide einer Identität ange hören und sich bei jeder taktvollen Flucht der Eckpunkte veränderlich zei gen. Wenn das Denken die fiktive Bewegung der Mitte auf beide Teilstre cken bezieht, trennen sich sich und bilden beide für sich Strecken, bei de nen sich die Eckpunkte gegenläufig zueinander verhalten. Dabei expan diert die rechte Seite und die linke Strecke wird dadurch kürzer. Wenn das Denken versucht, sich diese gegenläufigen Verhältnisse zu vergegenwärti gen, kommt es zum Widerspruch. Die Identität des Wesen mit sich selbst besteht in der oszillierenden ge genläufigen Beziehung der fliehenden Eckpunkte zueinander. Jeder Ver such, sich ihrer durch Extrapolation zu versichern, führt zu dem System e i ner Strecke mit zwei Eckpunkten, in deren Mitte eine dritte Stelle den Schein als Projektion des früheren Seins auf das Wesen zeigt. Die Einheit beider Teilstrecken macht das Wesen in seinem Unterschied aus. Absolut 73 ist der Unterschied, weil sich an ihm zwei Teilstrecken mit gegenläufigen und gleichgerichteten Bestimmtheiten zeigen. Bemerkt das Denken die Re lativbewegung der Mitte (in meinem Beispiel nach links auf den langsame ren Eckpunkt zu), findet es an der Veränderung der Streckenlängen die Verschiedenheit der Unterschiede innerhalb der Identität des Wesens. Stellt es sich die Veränderung beider Teilstrecken vor Augen, spaltet sich das Wesen auf, obwohl es hinter den beiden Teilstrecken den gemeinsamen Kontext für die Gegensätze stellt. Eine Formalisierung der Bewegung mag so aussehen: S l(+ -)------- S2(+-)-------- S3(-+) > > Sl(-+) - S 2 ( - + ) -------------S3(+-) S l(+ -/-+ )------- S2(+-/-+)----------------- S3(-+/+-) [Sl(+-) -- S2(-+)] [ S2(+-)---------------S3(-+)] Gerade durch den Gegensatz kommt die gegenläufige Beziehung der Bestimmtheitspaare in der Mitte in den Blick. Wenn wir uns vorstellen, daß sich das Denken nur die Relativbewegung der Mitte vergegenwärtigt, verliert die Fluchtbewegung der Eckpunkte ihre Bedeutung für das A uf spannen des Kontextes. Die Ortsveränderung der Mitte setzt die Ränder als Gegensätze zueinander. Wenn dies geschieht wird die Beziehung der R än der zueinander zu einem einfachen Gegensatz. Es gilt z.B .: Sl(+) — S2(-+) — S3(-) Über zwei Phasen hinweg oszillieren die Ränder des Kontextes gleich zeitig mit gegensätzlichem Gehalt. Im Vordergrund verändert ein Punkt seinen Ort, der nach der Projektion auf die Strecke des Wesens nur Schein gewesen ist. Nun ist er selbst als gegensätzliche Einheit gegenläufiger Be stimmtheitspaare zum Wesen geworden. Das Wesen mußte erscheinen. Die Bewegung der Reflexionsbestimmungen begann mit einem Kon text, der sich zwischen zwei Punkten aufspannt, die in gegenläufigen Ver hältnissen zueinander stehen. Zwischen ihnen findet sich die Projektion e i nes dritten Punktes, der sich zu den Eckpunkten in gegenläufigem und gleichgerichteten Verhältnissen stellt. Die Darbietung eines Kontextes mit seinen Rändern unter Einschluß eines gemeinsamen Dritten geht über zu einem gemeinsamen Dritten, das seinen Kontext mit gegenläufigen Be stimmtheiten setzt. Für eine oszillierende Mitte stellen sich die Ränder stets gleichzeitig in zueinander gegensätzliche Verhältnisse. Obwohl man sie sich einander fliehend vorstellen muß, bilden sie einen in sich ruhenden 74 Kontext. Diese Überlegungen finden ihr Gleichnis in der modernen Physik und der Seltsamen Femwirkung. Denken wir uns eine Lichtquelle am unteren Rand einer Seite dieses Buches. Nach kurzem Weg (nach oben) trifft ein Lichtstrahl auf ein Gerät, das ihn in zwei gegenläufig polarisierte Teilstrahlen trennt, sodaß die Ebe nen ihrer Schwingungen senkrecht zueinander stehen. Das Ganze bildet gleichsam ein Y. Am linken oberen Ende des Y befinde sich ein Gerät, durch das die Ebene des linken Teilstrahls um 90° gekippt wird. Dann stellt man fest, daß sich die Ebene des rechten Strahls gleichzeitig verän dert, sodaß beide wieder gegenläufig zueinander stehen. Nach den Grundsätzen der klassischen Physik sollte der rechte Strahl die Information, daß am Ort der Drehung des linken etwas geschehen ist, erst nach einer gewissen Zeitspanne erhalten, da sich jede Information nur mit Lichtgeschwindigkeit der Umgebung mitteilt. Doch wie sich zeigen läßt, stellen sich beide Strahlen immer genau gleichzeitig in gegenläufige Verhältnisse zueinander.66 Wir werden (an der Wechselwirkung) noch se hen, daß sich aus Hegels Logik weitere Bezüge zur modernen Physik her stellen lassen.67 Die Bewegung der Reflexionsbestimmungen hatte die Funktion das fliehende Wesen einzuhegen und das Wesen des Wesens auf den projizier ten Schein zu übertragen. Die gleichzeitige Oszillation der Ränder des Kontextes schafft die Voraussetzung für die Manifestation der Mitte als wesentliche Beziehung eines Bestimmtheitspaares. In der gegenläufigen Bewegung der oszillierenden Paare bleiben sie jedoch Gegensätze. Das Sein ist nun über den Schein zum Wesen geworden und präsentiert sich durch die gleichzeitige Oszillation an den Rändern des Kontextes als Grund. 66 s. [Bell (2008)] 61 Nimmt man die Seltsame Fernwirkung als Basis, gibt es von jedem Teilstrahl aus zu sätzlich eine Information, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet, s.u. Spekula tionen zurKosmologie 75 E) Der Grund Von der linearen Seitwärtsbewegung eines Seins (in meiner Vorstellung nach rechts) zu einem Nichts geht es zur Quantität, die einen Kontext stellt, der sich dem Denken nun als Wesen vis-ä-vis gegenüberstellt. Auf grund der nach allen Seiten offenen Grenzen eines nur quantitativ be stimmten Kontextes bedarf es einer Einhegung durch die inverse Bewe gung der Reflexion an gegenläufigen Bestimmtheitspaaren in qualitativ be stimmten, quantitativen Verhältnissen. Die Bewegung der Reflexionsbe stimmungen führt dann zu einer wechselseitig aufeinander bezogenen gleichzeitigen Beziehung von positiven und negativen Verhältnissen. Vor dem Hintergrund einer Oszillation von je horizontal und vertikal polari sierten Eckpunkten bildet sich im Vordergrund eine ineinander gegenläufig verschränkte Beziehung. Diese innere Beziehung ist die Form. Die Form, in der sich das Wesen darbietet, besteht in nichts als der ge genläufigen Beziehung einer Stelle mit gleichen Bestimmtheitspaaren. Die Form ist das Wesen des Wesens. Eingebettet ist die Form in einen Kontext, der im Hintergrund durch die Oszillation zweier Eckpunkte bestimmt ist, die jeder für sich je positive und negative Bestimmungen aufweisen. Die Bewegung der Form ist daher erst geschlossen, wenn zwei Phasen vorüber sind, in denen die Eckpunkte als (+) — (-) und (-) — (+), und die Form selbst als (-/+) und (+/-) oszillieren. Das innere Bestimmtheitspaar steht immer in gegenläufigem Verhältnis zu den Eckpunkten. Das gespannte Verhältnis der Eckpunkte im Hintergrund bildet die Basis für die konkrete Auseinandersetzung eines Gegenstandes mit sich selbst im Vordergrund. Dem Denken präsentiert sich der Hintergrund stets gleichzeitig in einem von zwei Zuständen, während die Oszillation der Bestimmtheitspaare im Vordergrund informativ ist und sich in der Zeit dem Kontext mitteilt. Über zwei Phasen hinweg gleichzeitig oszillierende Enden bilden mit ihrer Selt samen Femwirkung den Kontext für die M aterie. Der Grund zeigt sich doppelt als Grund (gleichzeitig) und Begründetes (in der Zeit) und hat sich damit vom Hintergrund, von dem aus der Schein auf das Wesen projiziert wird, emanzipiert. "Er (der Grund, G.A) ist das Wesen, das in seiner Negativität mit sich identisch ist."68 Durch die Basis hinter der vordergründig oszillierenden Form erhält der Grund ein Sub- 68 [WDL] SJ294 76 strat.69 "Die Formbestimmungen dagegen sind nun die Bestimmungen als an dem Wesen."70 Die Form ist "inwohnende Reflexion."71 Das Denken findet die Materie als gespanntes Verhältnis eines Paars von Bestimmtheiten gleicher Art im Hintergrund, durch das die vorder gründige Auseinandersetzung von Gegenständen mit gegenläufigen Be stimmtheitspaaren erst möglich wird. Der in seinen Grenzen positiver und negativer Bestimmungen oszillierende Hintergrund bildet eine formlose Identität.72 Im Vordergrund wird eine Stelle durch die Oszillation gegenläu figer Bestimmtheiten zu einem Substrat. Aufgrund ihrer gemeinsamen Ge schichte sind alle Bestimmungen, die als positiv oder negativ auftreten, auf immer gleiche Bestimmtheitspaare (s/t//t/s), (Fa/Fo//Fo/Fa), etc. oder auch (R/B//B/R) bezogen. Der aktiven Oszillation des Bestimmtheitspaares im Vordergrund steht eine passive (weil gleichzeitige) Oszillation der Eck punkte des Grundes gegenüber. Die abstrakte Materie des im Hintergrund gespannten Verhältnisses der Eckpunkte verleiht dem Substrat im Vorder grund sein Bestehen. Materie und Form besitzen die gleichen inhaltlichen Bestimmungen. Während die Eckpunkte sich gemäß (+//...//-) stets gegen läufig zueinander stellen, entsteht im Vordergrund in je zwei Takten z.B. ein formelles Substrat oder eine kontinuierlich vorstellbare Ortsverände rung. Gleiches gilt für alle Bestimmtheitspaare, die den Kontext aufspan nen können. Die Auseinandersetzung zweier Eckpunkte mit gleichen, aber gegenläu fig angeordneten Bestimmtheiten verweist auf eine gemeinsame Basis, aus der die Beziehung des Substrates im Vordergrund hervorgeht. Sie ist ein beiden Gegenständen gemeinsames Drittes, das sich mit seiner gegenläufi gen Beziehung gleichartiger Bestimmtheiten als ungegenständlicher H in tergrund zeigt. Die Form ist eine (aktiv oszillierende) vordergründige M a nifestation einer (passiv oszillierenden) hintergründigen Basis. Ein Musterbeispiel für das Verhältnis von Materie und Form ist die Gra vitation. Zwei Massen, die sich gegenseitig anziehen, müssen vorgestellt werden als Gegenstände mit zwei Bestimmtheitspaaren in gegenläufigem 69 [WDL] S J295 70 [WDL] S J195 71 [WDL] S J2 9 6 72 [WDL] S J2 9 7 77 Verhältnis. Die aktive Auseinandersetzung erfolgt daher an einer dritten Masse im Vordergrund aus dem oszillierenden Verhältnis (Gewicht/Masse// Masse/Gewicht). Die Materie im Hintergrund entspricht einem Gravitati onsfeld, das der Manifestation der Form zugrundeliegt. Das Gewichtsver hältnis der Probemasse zu den Rändern entspricht dem Verhältnis der M as sen, die den Kontext aufspannen. Hegels Begriff der Materie entspricht da mit dem Feldbegriff der modernen Physik.73 Gleiches gilt für das Konzept des kürzlich berühmt gewordenen Higgs-Teilchens. Wenn ein Elementar teilchen sich in einem Kontext bewegt, der zwischen zwei Polen gespannt vorgestellt werden kann, die gemäß der Seltsamen Femwirkung stets ohne zeitliche Verzögerung oszillierend vorgestellt werden können, denke man sich ein weiteres Teilchen, das aus der fluktuierenden Energie des gespann ten Raumes heraus entsteht und einem Elementarteilchen seine Masse ver leiht. Diese Vergegenständlichung des Elementarteilchens erfolgt stets dis kontinuierlich, so daß man sagen könnte, das Elementarteilchen bekommt seine Masse, verschwindet wieder, und erhält emeut seine Masse. Diese Bewegung entspricht der Unschärferelation, die vorgibt, daß man Ort und Impuls niemals gleichzeitig bestimmen kann.74 Alle Vemunftbegriffe wie Form, Masse, Wert, Eigentum oder Willkür spannen einen Kontext, vor dem sich physische, physikalische Gegenstän de, Waren, Rechtssachen und Menschen in einer Zeit präsentieren, die not wendig ist, um einmal die (noch getrennt gegensätzliche) Oszillation ihrer Bestimmtheitspaare zu zeigen. Die Gegenstände im Vordergrund sind aber nur Substrate und noch keine Substantialitäten oder gar Substanzen75 73 "The mass o fthe Electron certainly derives in part from the accompanying electromagnetic field. Or even completely? [Weyl (2009)] S.171 s.a. [Capra (1991)] S.212/13 Unglaublicher philosophischer Dilettantismus. Wenn jem and das Gefühl hat, sein Buch "werde nicht vora mir sondern durch mich geschrieben" (S .l) und Skifahren für eine Meditationstechnik hält (S.36), hat er von garnichts eine Ahnung (außer Physik). 74 Die bekannte Interpretation der Unschärferelation, daß die Unmöglichkeit der Be stimmung darauf beruhe, daß WIR mit unzureichenden, weil grobschlächtigen Mittel hinschauen müssen, ist ungenau. Ebenso problematisch ist die in der W ahrscheinlich keit versteckte Kausalmechanik: "Exakt 60 %"! 75 Das ewige Muster für die Unterscheidung von Verstandesbegriffen mit Eigenschafts charakter und Vemunftbegriffen mit Feldcharakter ist und bleibt das Gedankenexpe riment Newtons. Denken wir uns zwei Massen im leeren Raum und in Ruhe zueinan der. Die Massen ziehen sich an. Trennen wir sie mit einem starren Stab. Wenn G ravi tation eine Eigenschaft wäre, könnte man meinen, daß die größere Masse an der klei neren stärker zieht, als die kleinere an der größeren. Wenn auf die Enden eines Stabes 78 Die Materie besteht aus einem Feld, das von gleichzeitig gegenläufigen Bestimmtheitspaaren an den früheren Eckpunkten des Wesens aufgespannt wird. Es sorgt dafür, daß das oszillierende Verhältnis einer Stelle in der Mitte sich manifestiert. Betrachten wir die Bewegung der Mitte in Bezug auf die Eckpunkte, zeigt sich jeweils ein Verhältnis zweier Paare B e stimmtheiten auf ein zu beiden gegenläufiges. Finden wir auf der linken Seite ein (+) und auf der rechten ein (-) stellt sich innen ein (-/+) in gegen läufiger Beziehung zu den Eckpunkten. Nach jeder weiteren Phase kehren sich die Vorzeichen der Eckpunkte um und die Mitte geht über zu (+/-). In diesem Verhältnis treten nun beide Bestimmtheiten getrennt auf. Sie wer den zu Inhalten. Obwohl sich formal durchaus ein schon ein substantielles Verhältnis einstellt, findet das Denken nur zwei Bestimmtheiten in wechselnder Rela tion zu den Rändern des Kontextes. Beide inhaltlichen Bestimmtheiten können aus der Perspektive der Mitte als Materien angesehen werden. E i nige Beispiele: Setzen wir die Zeit als Materie, entsteht die Vorstellung von räumlichen Veränderungen durch das Altem (Wachstum als Ruhe/Bewegung, Verwel ken als Bewegung/Ruhe). Nehmen wir den Raum als Basis, treten Zeitver hältnisse auf, die verschieden schnelle Ortsveränderung zeigen. Nehmen wir Form als Materie an, wird Farbe zum Zeichen eines Zustandes. Farblo sigkeit führt entsprechend zu geometrischen Formen. Als aufeinander be zogene Gegensätzlichkeit finden sich die Komplementärfarben. Nehmen wir die Farbe als Materie wird Form zur Eigenschaft und es drohen die Fallen des empiristischen Sensualismus (Berkeley). Nehmen wir Masse als Materie und denken wir uns den Grund als Gravitationsfeld, tritt das Ge wicht eines Körpers in die Mitte und bestimmt die Größenverhältnisse der Massen an den Rändern. Gewicht als Grund für die inhaltliche Bestim mung von Masse verführt dazu, Masse als Eigenschaft anzusehen. Umge kehrt führt die Beziehung zweier Gewichte auf eine Masse zur Waage. Ist die Materie ein Wert, bestimmt ein Preis das Verhältnis zweier Waren. Preis als Maß für einen Wert führt zur Illusion, das z.B. die Stärke eines Bedürfnisses den Wert einer Ware bestimmt. Eigentum setzt Besitzverhält mit verschieden großer Stärke gedrückt wird, setzt er sich in Bewegung. Da er dies niemals machen wird, ist Masse (Gravitation) kein Verstandesbegriff mit Eigen schaftscharakter. s.fNewton (1988)] S. 69 79 nisse. Besitz führt in Bezug auf Eigentum zu Rechtsstreitigkeiten. Willkür erzwingt Intentionalität. Intentionalität als Materie läßt Verstöße gegen Sittlichkeit als rechtswidrig erscheinen.76 In allen Fällen zeigt sich, daß die Aufwertung eines Verstandesbegriffes zu einem Vemunftbegriff zu spezifi schen Problemen führt. Versteht man die Materie ursprünglich als Feld zwischen den Eckpunk ten des Kontextes, gilt die Mitte durch den Widerspruch als ihre Manifesta tion in einem Substrat. Durch das eigenständige Bestehen des Substrates in der geschlossenen Bewegung zweier gegenläufiger Bestimmtheitspaare entstehen Relationen zu den immer einzeln für sich gespannten Eckpunk ten. Eine Materie läßt sich rückblickend als Inhalt auf je einen der Eck punkte beziehen, weil Mitte und Gegenüber ins gleichgerichtete Verhältnis der je anderen Bestimmtheit treten. Man sieht sogleich, daß diese Bezie hung von Grund und Begründetem für jede inhaltlich bestimmte Materie tautologisch bleibt. Ein Kontext aus Formen präsentiert nur Farben, Masse setzt nur Gewichte, Werte verweisen nur auf Preise, Eigentum setzt nur Rechtssachen und Willkür erzwingt Intentionalität etc. Es bedarf einer an deren Strategie. Die Reflexion über die Verhältnisse des absoluten Grundes führt das Denken zu wichtigen Einsichten, aber nur tautologischen Bestimmungen. Im Ergebnis zeigt sich, daß die wesentlich gespannte Beziehung zwischen zwei Eckpunkten auf je zwei Inhalten beruht. Jeden der Inhalte kann das Denken für sich als Materie auffassen, auch wenn es in der Folge zu ver wirrenden Resultaten führt, wenn der Eigenschaftscharakter eines Verstan desbegriffs zuerst gewählt wird. Das Denken macht die gleiche Erfahrung an allen sinnvollen Bestimmtheitspaaren. Daher hindert nichts das Denken daran, eine Relation zu einer beliebigen dritten Bestimmtheit zu setzen. Ich wähle Gewicht, Masse und Wert und Preis als Beispiele. Die Materie spannt einen wesenhaften Kontext von einem Eckpunkt S1(G/M) zu dem anderen Eckpunkt S3(M/G). Von da aus entstehen Rela tionen zur Mitte S2(G/M) Dies ist die tautologische Beziehung des for 16 In frühen Gesellschaften führte jeder auch ein unabsichtlicher Akt der W illkür (Tabu bruch) zum Ausschluß aus dem Kollektiv. Den Fanatismus der Sittengesetzgeber zeigt sich sehr schön an dem Spruch: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er mal die Wahrheit spricht. Hier führt ein Verstoß im Rahmen sittlicher Praxis, analog zu gesetzwidrigem Handeln, zum Ausschluß aus dem Kollektiv, s.u. Grundla gen der E thik 80 mellen Grundes. Wenn das Denken nun eine weitere Bestimmtheit (Vs) an 52 findet, sind sogleich die anderen Bestimmtheiten gleicher Kategorie als Materien an S1 und S3 gesetzt.77 Findet das Denken ein P an S2 sind an S1 ein W und an S3 ein P gesetzt.78 Nach der Bitte, sich dieser Verhältnisse versichern zu dürfen, tauschen alle Bestimmtheiten ihre Rollen und das Denken findet an S1 (M/G)(P/W), an S3 (G/M)(W/P) und an S2 (M/G) (W/P). Man sieht, daß zwischen S1 und S3 doppelt gegenläufige, materiel le Verhältnisse entstehen. An S2 stehen sich immer zwei gleichgerichtete Bestimmtheitspaare gegenüber. Bezieht man nun beide Bestimmtheitspaare an allen Stellen in die B e wegung ein, zeigen sich an je zwei Stellen S1 und S3 materielle Verhältnis se und an S2 die gleichgerichtete Beziehung zweier Paare. S1 und S3 wer den zu zwei Gründen für die Paare an Sl. Damit ist der Begriff des Grun des vollständig entwickelt. Die gleichgerichteten Paare an S2 sind von Sl und S3 auf direkte und indirekte Weise begründet. Neben dem tautologischen Verhältnis der Begründung des Gewichtes durch die Masse findet sich auch die Begründung von Wert und Preis durch Masse und Gewicht und umgekehrt. Nun sind die Bedingungen für das Unbedingte vorhanden. Der Grund ist vollständig, wenn sich eine stabile, sich selbst reprodu zierende und begründende Relation zwischen drei Stellen einstellt. Vonje zwei Stellen aus wird ein und dieselbe dritte mit gleichgerichteten B e stimmtheitspaaren verschiedener Kategorie bestimmt. Die Stellen Sl und 53 gelten als Gründe für die Bestimmung von S2. Relativ sind beide Unbe dingte als an einer Stelle je einzeln auf ein einziges je anderes Bestimmt heitspaar anderer Kategorie bezogen. Und als gegenläufige bilden sie der Form nach eine substantielle Einheit. Das relativ Unbedingte entsteht aus der Bewegung des Grundes als Paar von Bestimmtheiten verschiedener Kategorie in gleichgerichteter Relation an S2. An S2 gilt (G/M//P/W) und (M/G//W/P). Betrachtet man die Bewe gung als Schwingung zweier Gründe, findet sich zu jedem unmittelbar be gründeten Bestimmtheitspaar immer ein zweites, das nur mittelbar als be gründet gilt. Da sich die Bewegung über viele Phasen hinweg stabil w ie 77 (Vs)=Verstandesbegriff, (Vn)=Vemunftbegriff 78 Setzt man an S l ein P und an S3 ein W verläuft die weitere Entwicklung an S l, weil sich doppelt gegenläufige Bestimmtheiten an S2 und S3 bilden. Bleibt man bei der gegenläufigen Beziehung bleibt die Entwicklung in der Mitte an S2. 81 derholt, entstehen getrennt substantielle Verhältnisse aus (Vs/Vn//Vn/Vs). Der sich an S2 kreuzende, substantielle Schein macht das absolut Bedingte aus. Die Beziehung des Grundes als absolut Unbedingtes auf die Begrün dung emanzipiert sich und zeigt stabile Verhältnisse, in denen weiter die Form wuchert.79 An jedem gut begründeten Bestimmtheitspaar findet sich ein indirekt begründetes zweites anderer Kategorie. Setzt die Masse einen phk. Gegen stand, findet sich mittelbar begründet eine Ware und umgekehrt. Die Be wegung gleicht einem Wechselstromkreis mit einem Kondensator an S2. Betrachtet man nur die Schwingung an S2 fällt auf, daß sich zwischen zwei Bestimmtheitspaaren gleicher Kategorie jeweils substantielle Verhältnisse bilden. Das Unbedingte bildet selbst eine reproduktionsfähige, stabile B e ziehung und macht die Be-Gründung vergessen. Beginnt das Denken, sich auf ein substantielles Verhältnis zu konzentrieren, geht die Sache in die Existenz über. Die Begründung verliert ihre Bedeutung und die oszillieren de Mitte wird grundloses Unmittelbares.80 Ein begründetes (G/M) setzt sich ein (W/P) gegenüber. Dann geht die Bewegung zur anderen Seite über und ein (P/W) setzt sich ein (M/G). "Wenn alle Bedingungen einer Sache vorhanden sind, so tritt sich in die Existenz."81 F) Die Existenz Das Denken findet an einer Stelle des Kontextes ein gut begründetes Paar Bestimmtheiten, dem ein anderes anderer Kategorie in gegenläufigem Verhältnis gegenübersteht. Sogleich verlagert sich die Bewegung auf die andere Seite und das andere Paar steht mit vertauschten Bestimmtheiten dem ersten gegenüber, dessen Bestimmtheiten ebenfalls die Rollen ge tauscht haben. S2 (G/M//W/P) geht über zu S2 (P/W//M/G). Die Existenz ist bestimmt als gegenläufige Beziehung zweier Bestimmt heiten gleicher Kategorie (G/M//M/G) und/oder (P/W//W/P). Beide Paare zusammen wären schon eine Substanz. Aber die Existenz bildet sich nur aus der mittelbar begründeten Beziehung beider. Ein S2(G/M) steht in B e ziehung zu einem S1(P/W)//S3(W/P) und ein S2(P/W) in Beziehung zu e i 79 [WDL] S J319 80 [WDL] SJ321 81 [WDL] SJ321 82 nem S1(M/G)//S3(G/M). Daher ist die Existenz kein direktes substantielles Verhältnis und bleibt an die Bewegung des Grundes gebunden. Aber die Quasi-Substanzen werden Dinge. Und die Dinge haben Eigenschaften. Aus der Bewegung heraus, aus derje zwei Stellen als Grund ihreje ge genläufigen Bestimmtheitspaare auf eine dritte Stelle übertragen, entstehen zwei Paare von gegenläufigen Bestimmtheiten verschiedener Kategorie (G/M//W/P)//(P/W//M/G). Es handelt sich um den "haltlosen Gegenstoß seiner in sich selbst."82 Man sieht sofort, daß in dieser Beziehung substanti elle Verhältnisse bestehen. Diese durch Vermittlung getrennten Verhältnis se bilden die wesentliche Existenz des Dinges. "Aber das Ding-an-sich und sein vermitteltes Sein sind beide in der Existenz enthalten und beide selbst Existenzen; das Ding-an-sich existiert und ist die wesentliche, das vermit telte Sein aber die unwesentliche Existenz des Dinges."83 Es sind daher zwei Dinge vorhanden, die sich beide auf eine gemeinsame Stelle bezie hen. Daran zeigen sich nun die Eigenschaften. Ebenso wie das Sein über das fliehende Wesen den Schein wesentlich werden ließ, hat sich die Mitte nun zu einer Existenz bestimmt. Im Grunde ist die Beziehung zweier Bestimmtheiten nur zu einer Beziehung zweier Bestimmtheitspaare gereift. Vergegenwärtigt sich das Denken aus der B e wegung heraus die vier ineinander verschachtelten Bestimmtheitspaare und bildet aus ihnen zwei substantielle Einheiten, führt die Erwartung an die Repräsentation der gleichen Bestimmtheiten zur Enttäuschung. Die Ex trapolation von (P/W//W/P) führt zur Darbietung von G oder M, auf (G/M//M/G) folgt unweigerlich P oder W. Jedes Ding, das sich durch ein Bestimmtheitspaar in die Existenz flüchtet, bietet stets eine seinerje ande ren Bestimmtheiten als Eigenschaft dar. Beispiele: Diese Ware hat Gewicht (oder Masse) oder Dieser phk. Gegenstand hat einen Preis (oder einen Wert). Diese Darbietung unterscheidet sich von echten Substanzen, die selbst die Ursache ihrer Darbietung sind. Aufgrund seiner verschachtelten Herkunft wird das Ding-an-sich nicht zu einer causa sui. Mit der Darbie tung einerje anderen Bestimmtheit als Eigenschaft tritt das Ding-an-sich in Wechselwirkung mit sich selbst und anderen Dingen (von denen es noch keine anderen gibt, als die beiden Eckpunkte).84 82 [WDL] S J328 83 [WDL] S J327 84 Das klassische Ding-an-sich (Kant) ist ein Gespenst hinter der 1) synthetischen Pro- 83 In der Mitte eines aufgespannten Kontextes findet das Denken jedes Mal, wenn es eine Existenz aus zwei gegenläufigen Bestimmtheitspaaren gleicher Kategorie konstruiert, und die Beziehung hypothetisch extrapo liert, eine vereinzelte Bestimmtheit der je anderen Kategorie. Diese Be stimmtheit kann nun auf zwei wesentliche Arten in den Kontext eingebettet sein. Ein G an S2 mag sich zwischen G/M an S1 und M/G an S3 oder zw i schen W/P und P/W finden. Aber immer steht die Eigenschaft in einem gleichgerichteten und einem gegenläufigen Verhältnis zu den oszillieren den Rändern. Es findet sich immer zu einem Eckpunkt eine Kontinuität und zu einem anderen eine Reflexion. "Dieser ihr Unterschied und ihre B e ziehung ist Eine Reflexion und Eine Kontinuität derselben."85 Im Verlauf der Bewegung über viele Phasen hinweg bieten sich alle B e stimmtheiten des Dings als vereinzelte Eigenschaften in der Mitte zw i schen oszillierenden Rändern. Es liegt nahe, sich durch diese analytische Bewegung das Ding als bestehend aus einzelnen Eigenschaften vorzustel len. Zumal sich alle Eigenschaften auf eine prekäre geistige Verbindung zweier Bestimmtheitspaare gleicher Kategorie beziehen und dadurch au thentischer erscheinen als das Ding selbst. "Damit ist die Dingheit in die Eigenschaft übergegangen."86 Am Ding-an-sich zeigen sich alle vier Bestimmtheiten als einzelne zw i schen oszillierenden Eckpunkten, die einmal der gleichen und ein anderes Mal einer anderen Kategorie angehören können. Alle vereinzelten Be stimmtheiten gelten als Eigenschaften (mit allen Problemen, die es mit sich jektion seiner sinnlich erfahrbaren Eigenschaften auf eine Stelle des Kontextes, 2) seinen per Gesetz in es hineingelegten Wirkungen und 3) seiner zweckmäßigen Rolle in gesellschaftlichen Kontexten. "Der Ball ist (1) rund." "Weil er (2) rund ist, rollt er besser als ein Würfel." Und in sportlichen Ballspielen ist er (3) ebenso ein ritueller Gegenstand, wie ein Altar in der Kirche. Bei Hegel ist es nur der in sich verschlunge ne Bezug zweier Bestimmtheitspaare, die für sich Existenzen bilden und sich auf eine gemeinsame Stelle beziehen, der das Ding-an-sich ausmacht. Damit vermeidet Hegel die Verlagerung aller Verantwortung für das Denken über Dinge in das Bewußtsein des Betrachters. Kant kann die Autonomie der gegnerischen Instanz, die sich in den Dingen offenbart, nicht anerkennen. H inter der Leinwand, auf die uns unser Wahr nehmungssystem aus den Sinnesdaten ein Weltbild vor Augen stellt, kann man nichts erkennen. Es ist der Herrschaftsbereich des Gottes der Protestanten, in dem es aus schließlich verborgen und streng kausalmechanisch zugeht. 85 [WDL] S J333 86 [WDL] S J333 84 bringt, einen Vemunftbegriff als Eigenschaft zu sehen). Findet sich nun M oder G zwischen (G/M)//(M/G) wird aus dem Eigenschaftscharakter der Bestimmtheit wieder eine Materie. Findet sich hingegen M oder G zw i schen (W/P//P/W) gilt sie als freischwebend. Porös sind die Bestimmthei ten nicht allein, weil sie alle an einer Stelle auftreten, sondern eher weil sie zwischen Bestimmtheiten anderer Kategorie an gleicher Stelle erschei nen.87 Durch die Erscheinung einer Bestimmtheit zwischen Eckpunkten mit gegenläufigen Bestimmtheiten findet der Übergang statt von einer Eigen schaft zu einer Materie. "Diese (die Eigenschaft G.A.) ist somit nunmehr befreit von der unbestimmten und kraftlosen Verbindung, die das Eins des Dinges ist; sie ist das, was das Bestehen derselben ausmacht, eine selbstän dige Materie."88 Ein Vemunftbegriff wie Masse oder Wert ist immer schon Materie. Eigenschaften werden Materien, wenn sie als Manifestation vor einem hintergründigen Kontext erscheinen. Das Erscheinen einer einzelnen Bestimmtheit zwischen oszillierenden Eckpunkten ist daher "die mit sich identische Negation nur gegen die positive Continuität des Stoffes."89 Denken wir uns die gegenläufige Beziehung von (G/M) und (M/G) an S1 und S3, dann finden wir an S2 (G/M) als gut begründet. Dies (G/M) steht in mittelbarer Beziehung zu einem (W/P) an S2 (der anderen Seite des Kondensators im Wechselstromkreis). Gleiches gilt im nächsten M o ment für ein (P/W) an S2, das a n S l und S3 seinen Kontext findet, und sei ner mittelbaren Relation zu einem (M/G). Die gesamte Konstruktion schwingt. Jede ideelle Vorstellung eines Substrates (G/M//M/G) an S2 führt zur Darbietung eines W oder P an S2. Die Bildung des Substrates führt zur Trennung der Bestimmtheiten. Betrachten wir die Bewegung an S2 über vier Phasen hinweg, zeigt sich: 1) (G/M) mit einem (P/W) gegenüber 2) (W/P) mit (M/G) gegenüber 3) Wieder ein (G/M), das 4) um sein (M/G) ideell ergänzt werden kann. Wenn das Denken ein geistiges Substrat aus (G/M//M/G) konstruiert, kann nach dem Versuch, sich zu vergewissern, ein P oder W auftreten. Das 87 s.a. [WDL] S J337 88 [WDL] S J3 3 4 89 [WDL] S J335 85 Ding bleibt gleichsam für einen Moment bei sich selbst. Obwohl es damit seine geistige Existenz behauptet, ist jede Bestimmtheit, die folgt, wieder gut begründet und als freischwebend vorgestellt. Nun schwingt die Bewe gung zur Gegenseite. Das Denken bildet im Geiste ein (P/W//W/P) und es findet sich am Ding selbst ein G oder M. Ü berje zwei Phasen hinweg e r scheint an der Stelle des existierenden Dinges ein Paar Bestimmtheiten verschiedener Kategorie.90 Die Konstruktion eines Dinges aus der Bewegung an S2 ist eine geisti ge Leistung des Denkens. Jede einzelne Eigenschaft, die sich dann an dem gedachten Ding findet, hat authentischen Charakter. Damit wird die einzel ne Bestimmtheit, die sich auf die Stelle bezieht, zu einer Materie. "Beides, die Eigenschaften und die Materien sind dieselben Inhaltsbestimmungen, nur daß sie dort Momente, in ihre negative Einheit als in eine von ihnen selbst unterschiedene Grundlage, die Dingheit, reflektierte sind, hier selb ständige verschiedene, deren jedes in seine eigene Einheit mit sich reflek tiert ist."91 Betrachtet man nur die Bewegung an S2 oszillieren dort gleichberech tigt zwei Bestimmtheiten verschiedener Kategorie. Beide erweisen sich stets gleichzeitig als gut begründet und freischwebend. Damit ist die Be wegung "in die Identität zurückgegangen."92 Das Gesetz der Erscheinung lautet einzig, daß immer zwei Bestimmtheiten an allen Stellen auftreten müssen. Wenn zwei Bestimmtheiten der gleichen Kategorie auftreten wür den, wäre das Denken zur Extrapolation der Bewegung verführt. Wenn zwei Bestimmtheiten verschiedener Kategorie auftreten, findet es das Ge setz. Zwei Bestimmtheiten, die aus der Bewegung der doppelt gegenläufi gen Begründung hervorgehen gelten als wesentlich verbunden.93 90 Das Denken könnte nun auch die Bewegung an den Eckpunkten zur ideellen Konsti tution eines Substrates nutzen. Damit würden auch die gegenständlichen Grenzen des Kontextes als Punkte bestimmt, an denen immer zwei Bestimmtheiten verschiedener Kategorie in Erscheinung treten. Da die Beziehung zwischen S2, S3 einerseits und S1 andererseits immer ein Paar Bestimmtheiten zeigt, das gleichgerichtet ist, findet sich aber nur ein guter Grund. Ein P an S2 könnte sich in Relation zu S1 P und S3 P finden. In diesem Falle wäre P aber immer noch indirekt durch G/M//MG begründet und freischwebend. 91 [WDL] S J3 3 8 92 [WDL] S J3 4 4 93 [WDL] S J3 4 6 Bei Hegel finden sich bei jeder Ortsveränderung Raum und Zeit m it einander verknüpft. Sie bestehen aber hier (noch) voneinander unabhängig. Daher können und müssen sie für sich bestehend vorgestellt werden. ([WDL] S J3 4 6 ) Sie 86 Ruhig ist das Reich der Gesetze nur, weil jede doppelte Bewegung der Begründung als in sich geschlossen gelten muß.94 An allen Stellen können nun in Folge P/G, P/M, W/G, W/M, G/P, G/W, M/P, M/W. auftreten. Als Gesetz verstanden wird die Oszillation zu einer Bewegung analog von Sein und Nichts. Die oszillierende Formation an S2 bildet nach zwei Phasen immer ein ruhiges Reich von Gesetzen. Das Denken vergegenwärtigt sich ein Paar von Bestimmtheiten verschiedener Kategorie und muß versuchen, sich sei ner zu versichern. Entgegen seiner Erwartung präsentieren sich gegenläu fig zwei andere Bestimmtheiten. In diesem Reich ist jedes zweite B e stimmtheitspaar authentischer als jedes affirmativ vergegenwärtigte erste, weil es dem gescheiterten Versuch entstammt, sich zu versichern. Die B e stimmtheiten der ersten Phase bilden zusammen mit dem Grund, dem sie entstammen, die An-sich-Seiende und die der zweiten die erscheinende Welt, die von der Erscheinung auf den Grund zurückverweist. Auf jedes P/G folgt W/M, auf jedes P/M folgt W/G und so fort. Beide beziehen sich negativ aufeinander.95 Alle Paare stehen immer in doppelt begründeter B e ziehung zum gleichzeitig doppelt gegenläufig konstituierten Kontext aus (G/M//W/P) -- (M/G//P/W). Einige Beispiele: Was in der einen Welt Geschwindigkeit und Dynamik (s/t), ist in der an deren die Ruhe und Dauer z.B. eines Tages (t/s). Gilt in der einen Welt Fa/G und bezieht sich auf einen Edelstein, findet sich in der anderen Welt M/Fo nur eine geformte Masse z.B. eine Sandburg. Findet sich in der einen Welt Fa/M als Impuls eines Photons und damit die Strahlung, ergibt G/Fo die Dichte als Masse pro Volumen. Was in der einen Welt Preis pro Kilo, gilt in der anderen Welt als Wert pro Masse: Einzelhandel gegen Produkti vität. Bei der Beziehung Eigentum/Preis gelten Vertragsverhandlungen. Die Relation von Wert/Besitz führt zum Gewohnheitsrecht. Die Beziehung Intention und Farbe führt zur Kunst oder zur Warnung an der Ampel. Tre ten Form und Willkür in Relation findet sich der Vandalismus von Psycho pathen oder Islamisten, die Kunstwerke zerstören. Man mag Beispiele für gelten nicht als Formel für die Geschwindigkeit. Die Zeit als Punkt hat Eigenschafts charakter, als Dauer ist sie ein Vemunftbegriff. Der Raum als Punkt ist Eigenschaft, als Strecke ein Vernunftbegriff. 94 [WDL] S J3 4 7 95 [WDL] S J3 4 8 87 alle möglichen Kombinationen aus den grundlegenden Begriffen Fa,Fo, G, M, P, W, B, E, I und Wk finden. Entgegen Hegels Beispielen darf man sich die beiden Welten nicht dia metral entgegengesetzt denken. Es steht nicht Gewicht gegen Masse oder Preis gegen Besitz. Es handelt sich immer um die Verbindung von Begrif fen. Die Notwendigkeit der Paarbildung und Oszillation illustriert aber auch das Beispiel des Magneten als (+/-)(-/+) statt simpel (+ II -).96 Bedeu tendere Beispiel für die Begriffsverwirrung finden sich später an Paaren gleicher Kategorie wie Besitz/Eigentum und Intentionalität und Willkür. Das Reich der Gesetze oszilliert und präsentiert in steter Folge eine ansich-seiende und eine erscheinende Welt. "Die Erscheinung ist das, was das Ding-an-sich ist, oder seine Wahrheit."97 Das Ding ist eine geistige Konstruktion, die das Denken aus der Bewegung der Manifestation be gründeter Materien heraus leistet. Aus diesem Grund ist die Erscheinung gegenüber der Existenz grundlegender.98 Vor einem Grund, der aus zwei doppelt gegenläufig gespannten Bestimmtheitspaaren besteht (G/M//W/P) — (M/G//P/W), die in jeder Phase gleichzeitig die Rollen tauschen, zeigt sich ein gleichgerichtetes Paare (G/P), das auf zwei voneinander getrenn ten Seiten mit (M/W) oszilliert. Ich habe diese Bewegung mit einem Wech selstromkreis verglichen, in den ein Kondensator eingebaut ist. Wenn das Denken aus zwei Bestimmtheitspaaren gleicher Kategorie, die in zwei Phasen zueinander gegenläufig auftreten, eine Existenz postu liert, zeigt sich im nächsten Moment auf der Gegenseite eine andere Be stimmtheit als Eigenschaft. In je zwei Phasen erscheinen auf diese Weise auf beiden Seiten zwei Bestimmtheiten verschiedener Kategorie, die dann im Takt ebenfalls ihre Rollen tauschen. Mit der Erfahrung, daß die ver schiedenen Materien am Ding ebenso oszillieren wie die Bestimmtheiten an den Eckpunkten des Kontextes, verschwindet die geistige Konstruktion des Dinges hinter seinen Eigenschaften. Alle drei Punkte bilden nun ein Ganzes und einige Teile. 96 [WDL] SJ351 Dies entspricht dem Komplementaritätsprinzip von Niels Bohr: contraria suntcomplementa. s. [Capra(1991)] S.161 91 [WDL] S J323 98 [WDL] S J323 88 G) Das wesentliche Verhältnis Das wesentliche Verhältnis besteht in der Relation eines Bestimmtheits paares zu den Rändern seines Kontextes. Betrachtet man nun die gesamte Bewegung von der Bedingung bis hierher und bezieht je zwei Bestimmt heitspaare ein, ergibt sich eine komplexe, verschlungene und doppelt ge genläufige Bewegung: 1) Sl (G/M//W/P) -- S2 (P/G) -- S3 (M/G//P/W) 2) Sl (M/G//P/W) -- S2 (W/M) -- S3 (G/M//W/P) Eine Bestimmtheit am mittleren Paar kann zwischen seinen angestamm ten Bestimmtheiten bestehen (Materie) oder zwischen zwei Bestimmthei ten anderer Kategorie (freie Materien). Denken wir uns den Grund zwi schen seinen Eckpunkten als ein Ganzes, bilden die Beziehungen zur Mitte seine Teile. Man sieht wieder eine ineinander verwobene, doppelt gegen läufige Bewegung der Teile zueinander. Wenn die Bewegung mit zwei mittleren Bestimmtheiten gleicher Art (Vs/Vs) oder (Vn/Vn) beginnt, stehen sie gleichzeitig immer zu den Eck punkten in gleichgerichteter und gegenläufiger Beziehung. Die inneren B e stimmtheiten stellen sich dabei jeweils nach links und rechts gegenläufig auf. Das Ganze schwingt gleichsam über Kreuz oszillierend. Das Ganze besteht 1) aus dem gespannten Hintergrund, vor dem sich die Manifestation der Mitte abspielt. Es ist die an-sich-seiende Welt. 2) An der Darbietung aus dem Hintergrund heraus zeigen sich die Teile als vier Strecken zwischen drei Punkten, die sich durch ihre Oszillation gegenein ander absetzen. Vergegenwärtigt sich das Denken die Darbietung der Teile im Vordergrund, entsteht wieder ein Bild des Ganzen. Wenn das Denken das Ganze von oben überblickt, findet es an den Eckpunkten seines Kon textes Verhältnisse, die der Bedingung entsprechen. "Das Ganze und seine Teile bedingen sich gegenseitig."" Der Unterschied zur ersten Bedingung besteht darin, daß nun die mittleren Paare nicht mehr ineinander verwoben zur Existenz werden. Galt in der ersten Bedingung noch für S2 (G/M//P/W)//(W/P//M/G) für eine Bewegung über zwei Phasen hinweg, gilt nun: (P/G) > (W/M). Das Ganze besteht nun aus allen drei Stellen und ihren Beziehungen zu einander. Es wäre immer falsch, zu sagen, ein Ganzes bestünde insgesamt " [WDL] SJ356 89 aus allen seinen Teilen. Dabei handelt es sich um eine unzulässige Vereinnahmung des immer gegenläufig plazierten Bestimmtheitspaares und sei nen wechselnden Relationen. Ebenso kann ein einzelnes Teil niemals als ein Ganzes angesehen werden. Es braucht immer drei Punkte, die zueinan der in gleichgerichtete und gegenläufige Verhältnisse treten. Keines ist ohne das andere. Durch die Bewegung des Ganzen und seiner Teile findet das Denken in der Mitte eine Oszillation, die asymmetrisch ist. Die Paare (G/P) (M/W) an S2 trennen sich nach ihren einzelnen Bestimmtheiten. Jede einzelne B e stimmtheit weiß sich durch die Bewegung in das Zentrum der Aufmerk samkeit zu rücken. Die stetige Enttäuschung, die das Denken erfährt, wenn es hofft, daß sich nur ein einziges Mal alle Verhältnisse wiederholen, läßt eine Kraft vermuten, die hinter dem Ganzen steht. Die Bewegung des Ganzen und seiner Teile bleibt mechanisch. Das Denken liest an der oszillierenden Bewegung der drei Stellen und der wechselnden Bestimmung der Mitte seine Auffassungen ab. Wenn die je weilige Mitte als Teil einesjeden Ganzen bestimmt ist, richtet sich die Auf merksamkeit auf die Oszillation an S2. Über viele Phasen hinweg präsen tiert sich die Mitte immer mit zwei Bestimmtheiten, die sich entgegen der Erwartung des Denkens darbieten. Auf jeden Versuch, sich eines G/P zu versichern, folgt ein M/W. Diese Bewegung ist analog zum Beginn der Lo gik. Daher bleibt das G/P ein Sein und das M/W übernimmt die Rolle des Nichts. Da das Denken kein Werden unterstellen kann, bleibt nur die Hy pothese von einer Kraft, die dafür sorgt, daß sich immer eineje andere B e stimmtheit in den Mittelpunkt zu stellen weiß. Diese Kraft erhält die Mitte nicht aus sich heraus, sondern nur durch die gespannte Beziehung der Rän der, die den Kontext stellen. "Daher erscheint die Kraft der Mitte durch fremde Gewalt eingedrückt."100 Aufgrund der Bestimmung der Mitte als Teil ist die Bewegung der B e stimmtheiten an Ort und Stelle bedingt. Die Stelle existiert sogar in reine rer Form als unter den Verhältnissen der ersten Bedingung. Wenn die ge genläufige Darbietung einer Bestimmtheit in der Mitte als Äußerung einer Kraft aufgefaßt wird, entstehen wieder Relationen zu den Rändern des Kontextes. Sie werden sollizitiert. 100 [WDL] SJ360 90 Bestimmt man die Darbietung einer Bestimmtheit in der Mitte als be dingte Äußerung einer Kraft, werden alle anderen Bestimmtheiten zu Po tentialen. Es gibt sie als Potentiale an sich und in der gespannt gegenläufi gen Relation an den Rändern des Kontextes. Damit werden nun alle Be stimmtheiten des Ganzen in die Bewegung einbezogen. Auch Grund und Materie (gemäß dem Feldbegriff der Physik) sind als Potentiale bestimmt. Wenn (vereinfacht) gilt G — G — M, finden sich zwei Gewichte in Relation zu einer Masse (Freier Fall, Waage). Gilt dagegen: G — M — M kann durch ein Gewicht das Massenverhältnis zweier Körper be stimmt werden. Da jedoch eine Stelle erst in die Mitte treten muß, damit die Darbietung einer ihrer Bestimmtheiten als Äußerung einer Kraft erfah ren wird, gelten die gleichzeitig gegenläufigen Präsentationen an den Rän dern nicht als Bewegung der Kraft. Der Kontext bleibt immer ein Potenti al. Betrachtet man nur die Bewegung der Mitte, zeigt sich sogleich, daß Kraft und Potential an Ort und Stelle bestehen und oszillieren. Gilt G in der Mitte als Äußerung einer Kraft, werden alle anderen G und M im Kon text (und auch alle anderen Bestimmtheiten) zu Potentialen und umge kehrt. Damit kommt das bekannte Problem von Endlichkeit und der Un endlichkeit wieder ins Spiel. Wenn die unerwartete Darbietung einer Bestimmtheit als Äußerung ei ner Kraft vorgestellt wird, ist sie endlich. Als Potential, das auf seinen Auf tritt gewartet hat, läßt sie sich retrospektiv ins Unendliche extrapoliert den ken. Hat sich die Kraft geäußert, läßt sie sich solange ins Unendliche wirk sam vorstellen, bis sie ins Glied zurücktritt und einem anderen Potential Platz macht. Wandelt sich ein Potential in eine Kraft, ist es endlich. Doch die ins Glied zurückgetretene Bestimmtheit kann als Potential wieder un endlich geduldig vorgestellt werden. Man sieht wieder, daß ohne die me thodische Voraussetzung einer gegenläufigen, in sich geschlossenen Bewe gung des Denkens alle Fallen der klassischen Metaphysik drohen. Wenn man sich nur eine Kraft vergegenwärtigt und den Rücktritt der je anderen Bestimmtheit außer Acht lässt, ergeben sich die bekannten Ver hältnisse von Punkt und Strecke, die wir zu Beginn an Dasein und Qualität gefunden haben. Gleiches gilt für den momenthaften Rückzug einer B e stimmtheit in die Potentialität und ihr vermeintliches Weiterbestehen im 91 Hintergrund. Man sieht, daß das Verhältnis der Mitte zu den Rändern zu ei nem Verhältnis von Innen und Außen übergeht. Die Kraft ist meiner Meinung nach der einzige Begriff in der ganzen hegelschen Philosophie, der wirklich spekulativ scheint. Obwohl wir ein überraschendes Ereignis, auf das sich unsere Aufmerksamkeit richtet, un serer Umgebung zuschreiben müssen, würden wir kaum sagen, daß die Vergegenwärtigung eines Gegenstandes im stillen Umfeld eines Arbeits zimmers auf eine Einwirkung von außen zurückzuführen ist. Nur wenn wir uns klarmachen, daß der erste Eindruck immer nur affirmativ ist und sich erst nach Vergewisserung die Sache ganz anders darstellt, könnte der Rückschluß auf die autonome Darbietung einer gegnerischen Instanz ge lingen. Der blaue Gegenstand, auf den wir unsere Aufmerksamkeit freiwil lig richten, wird erst nach dem Versuch, sich des blau zu versichern und durch die unerwartete und kraftvolle Darbietung seiner runden Form für uns zum Ball. Und dann erweist er sich in seinem Eigensinn, mit dem er uns immer unerwartete Seiten zeigt (z.B. wenn er einen Abhang hinunter tanzt), als autonom. Diese Autonomie der gegnerischen Instanz wird bald das Absolute heißen. Wenn das wesentliche Verhältnis von Kraft und Potential verstanden ist, ergibt sich das Verhältnis des Äußeren und Inneren von alleine. In einem von zwei gegenläufigen Bestimmtheitspaaren der gleichen Kategorie auf gespannten Kontext präsentiert sich kraftvoll eine Bestimmtheit, die durch ihre Präsenz alle Bestimmtheiten an allen anderen Stellen zu Potentialen werden läßt. Damit verallgemeinert sich die Beziehung von der Bewegung zweier Paare auf alle Bestimmtheiten, die im Kontext Vorkommen können. Jede Darbietung von G macht aus allen anderen Fa, Fo, G, M, P, W, B, E, Wk und I Potentiale, die sich beijeder Gelegenheit kraftvoll in den Vorder grund spielen können. Damit ist auch das Gesetz der Erscheinung aufgeho ben, das fordert, daß auf jede Bestimmtheit G eine ihr entsprechende ande rer Kategorie z.B. P folgen muß. Wenn auf G jede beliebige andere Be stimmtheit (auch M) folgen kann, sieht sich das Denken unvermittelt mit seiner Wirklichkeit konfrontiert. Es gilt nur das Prinzip, daß an ein und derselben Stelle niemals ein und dieselbe Bestimmtheit zweimal hinterein ander auftreten kann. Damit steht das Denken dem Absoluten gegenüber. 92 H) Die Wirklichkeit a) Das Absolute; Auslegung, Attribut und Modus Nach der distanzierten Begleitung der linearen Seitwärtsbewegung des Seins zum Nichts und über die Hypothese des Werdens zu Dasein und Qualität steht das Denken nun der Wirklichkeit wieder vis-ä-vis gegenüber. Jede Darbietung einer Bestimmtheit wird als Äußerung einer Kraft verstan den, durch die alle anderen Bestimmtheiten im Kontext zu Potentialen wer den. Selbst wenn wir unser Augenmerk auf eine beliebige Stelle richten, gilt die überraschend folgende Darbietung einer immer anderen Bestimmt heit als Äußerung einer Kraft. Die Wirklichkeit scheint stets in der Lage zu sein, eine beliebige Bestimmtheit als überraschendes Geschehen kraftvoll ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen. Dabei besitzt jede Darbietung eine zweiphasige Form. Die Wirklichkeit oszilliert und das Denken beglei tet die Bewegung, die für es rein mechanischen Charakter besitzt, distan ziert als teilnehmender Beobachter. Die Oszillation ist für das Denken eine Eigenschaft der Wirklichkeit. Daher kann es hinter ihr eine gegnerische In stanz vermuten, die für die Schwingung, die allem Geschehen formal zu grunde liegt, verantwortlich scheint. Aber es muß versuchen, sich seiner Eindrücke zu versichern, indem es darum bittet, sie wiederholt sehen zu dürfen. Wie wir gesehen haben, ist es nicht möglich, daß an ein und derselben Stelle zweimal die gleiche Bestimmtheit erscheint. Die Wirklichkeit prä sentiert sich widerspenstig, obwohl die Oszillation in geordneten Bahnen zu verlaufen scheint. Es ist so ihre Art, sich nicht nur oszillierend sondern auch entgegen jeder Erwartung darzubieten. Ohne die Unterstellung, daß eine gegnerische Instanz hinter der stets verlockenden Unmöglichkeit steht, sich ihrer über ihre Taten zu versichern, wäre die Wirklichkeit nur so unberechenbar wie eine Naturkatastrophe oder das Verhalten eines Orga nismus. Die Wirklichkeit hindert mit ihrer oszillierenden Autonomie auch die Hybris, die einen Akteur befallen könnte, wenn er meint, er hätte genau das getan, was er hätte tun müssen, wenn er das unerwartete Geschehen, das er gerade vor Augen hat, hätte herbeiführen wollen. 93 Die Anerkennung der Autonomie des Absoluten ist ein Antidot gegen Hybris und Verzweiflung, die jeden reformierten Akteur erfaßt, wenn er sich dem fortgesetzten Scheitern all seiner Intentionen stellt. b) Die Wirklichkeit Der Realitätsbezug unseres Denkens im Allgemeinen zeigt sich auf ver schiedene Weise. Die meiste Zeit des Tages versichern wir uns unserer Umgebung zum Zwecke des Handelns. Um eine Absicht zu verwirklichen, vergegenwärtigen wir uns einen Kontext, in den hinein wir handeln wol len. Wir entwerfen ein Bild von einer in naher Zukunft gewollten Verände rung und provozieren eine Entscheidung über die Prämissen, die wir zur Verwirklichung unserer Absicht gewählt haben. Damit ist die Bewegung noch nicht geschlossen. Wir müssen uns ein Bild von den Folgen unseres Tuns machen und es in Beziehung setzen zu den Ursachen, die für es ver antwortlich scheinen. Auf der Grundlage dieser Interpretation kommentie ren wir das Geschehen noch einmal mit einer Geste und entlassen es so in eine Welt, die sich uns dann wiederum ein wenig verändert darbietet. Unser Realitätsbezug in Handlungskontexten zeigt sich in der Form des Kommentars. Am weitesten verbreitet ist eine Geste auf der Grundlage un serer Deutung von Ursache und Wirkung, durch die wir zum Ausdruck bringen wollen, daß wir im Prinzip in der Lage sein sollten, das Geschehen exakt zu reproduzieren, auch wenn es einen erheblichen experimentellen Aufwand erfordern sollte. Diese Form der Hybris treibt die gesellschaftli che Entwicklung in Europa und der Welt seit der Reformation voran. In gewohnter Umgebung aktualisieren wir unseren Gesamteindruck mit einer Routine, die die Geste des Kommentars an eine willkürliche Hand lung annähert. Sind wir gewohnt zerstreut, scheitern wir an der statischen Momentaufnahme, die sich dann darbietet. Wie im Alltag häufig zu beob achten, insbesondere dann, wenn eine Handlung scheitert, versichern sich viele Akteure der Folgen ihres Handeln durch einen veritablen Fluch. Der Fluch ist ein Akt der Willkür, d.h. der Relation von Ursache und Wirkung fehlt eine Erwartung an den Zustand der Welt, die sich einen Moment spä ter in neuer Frische darbietet. Die Folgen bestehen aus einer ebenso stati schen Momentaufnahme der Welt, in die intentional zu handeln nicht mög- 94 lieh ist, bevor nicht ein neuer Handlungskontext absichtsvoll geschaffen wurde. Nach jedem Kommentar, der ein Geschehen nur in Andeutung reprodu zieren will, kehren wir in eine rudimentär-ästhetische Haltung zurück, die wir durch weitere Kommentare aufrechterhalten können. Neben den Anfor derungen, die an ein Gelingen einer Handlung gestellt sind, können wir uns auf diese Weise eine Zeit lang vom Geschehen in der Welt distanzieren und uns kontemplativ zurückziehen und nachdenken, oder die Welt als zweckfreien Gegenstand der Kunst betrachten und künstlerisch interpretie ren. Begeben wir uns hingegen auf den Weg des logischen Denkens, müssen wir die Welt immer wieder sich selbst überlassen, um gleichzeitig in engem Dialog frei von allen sonstigen Irritationen ihrer autonomen Entwicklung zu folgen. Daher besteht der Inhalt des Kommentars nicht aus unserer In terpretation von Ursache und Wirkung, sondern in der freien Anerkennung der Autonomie einer gegnerischen Instanz, dem Absoluten. Doch die B e wegung des Denkens in Nachbarschaft seiner Welt ist noch einseitig von der Widersetzlichkeit des Absoluten abhängig. Ein Dialog, der erst ge schlossen ist, wenn beide eigenständig einen Beitrag geleistet haben, kommt (noch) nicht zustande. Dem Denken präsentiert sich eine Bestimmtheit kraftvoll im Zentrum der Aufmerksamkeit und alle anderen Bestimmtheiten im Hintergrund des Kontextes werden zu Potentialen. Dem Wunsch, sich der Darbietung versi chern zu dürfen, indem das Absolute seine Präsentation wiederholt, wird nicht entsprochen und es zeigt sich an gleicher (oder an anderer Stelle) eine beliebige andere Bestimmtheit. Da die Bewegung nach zwei Phasen als geschlossen gilt, weil auf die Darbietung von Kraft/Potential immer der Übergang von Potential/Kraft folgt, gilt jede Stelle als von mindestens zwei Bestimmtheiten verschiedener Kategorie bestimmt. Daher kann sich das Denken auf eine Stelle konzentrieren, an der die Bewegung als ge schlossen vorgestellt werden kann. Damit existiert eine Stelle rein formal. Es bleibt jedoch die Möglichkeit, daß zwei verschiedene Bestimmtheiten gleicher Art Vs/Vs oder Vn/Vn auftreten. In einem nächsten Schritt richtet sich die Aufmerksamkeit des Denkens daher (wie aus dem bisherigen ge wohnt) auf eine Stelle, an der eine Folge beliebiger Bestimmtheiten aber 95 verschiedener Art (Vs/Vn) auftritt. Es mag G/W sein oder auch P/E. Wenn jedoch zwei passende Paare Bestimmtheiten auftreten (s/t) oder (P/W), geht die Stelle durch die Bedingung in die wirkliche Existenz über und al les wird relativ notwendig. Es ist in der Abfolge zufällig kombinierbarer Paare Bestimmtheiten for mal möglich und notwendig, daß sich aus einem ersten nur formal Wirkli chen ein real Wirkliches aus zwei Bestimmtheiten gleicher Kategorie her ausbildet. An jeder Stelle des Gesamteindruckes können sich Paare Be stimmtheiten finden, die sich nicht fremd sind, sondern gemäß der Reflexi onsbestimmungen eine gegensätzliche Einheit von Positivem (Verstand) und Negativem (Vernunft) bilden. Auf die Konstitution einer Stelle aus zwei Bestimmtheiten gleicher Kategorie kann wieder jede beliebige B e stimmtheit folgen (außer der zuletzt dargebotenen). Auf jede Folge G/M > P wartet das Denken wieder auf G/M oder P/W. Aber es liegt im Bereich des Möglichen, daß eine Serie von G/M > G/M > G/M erscheint. Daher kann das Denken analog zum Werden des Anfanges wieder eine Hypothese aufstellen, eine Erwartung hegen und zur absoluten Notwendigkeit gelan gen. Mit relativer Notwendigkeit gelangt das Denken nur zur Begleitung ei ner Folge von gleichgerichteten Paaren von Bestimmtheiten gleicher Kate gorie. Erst wenn es aus der Folge G/M > G/M > G/M die Erwartung an ein nun folgendes G hat, kann die jeweils zweite Bestimmtheit M auch wieder als erste auftreten. Immer dann, wenn sich im Denken die Vorstellung einer gegenläufigen Folge von Bestimmtheiten gleicher Kategorie anbahnt, d. h. wenn auf (G/M) ein M folgt und die reflektierte Ergänzung um G mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, entsteht dem Denken die reflek tierte Identität beider Bestimmtheiten, durch die jeder Stelle ein eigenes Werden zugeschrieben werden kann.101 Aus dem Chaos der zufälligen Kombinationen von Bestimmtheiten in der oszillierenden Bewegung des Äußeren und Inneren entsteht dem Den ken der Begriff von einem substanziellen Gehalt an einer Stelle seines Ge samteindruckes. Die Substanz entsteht aus der gegenläufigen Bewegung zweier Bestimmtheiten gleicher Kategorie, von denen eine immer Eigen schaftscharakter besitzt und aus der Einheit von Sinnlichkeit und Verstand 101 [WDL] SJ390 96 hervorgegangen ist. Die andere Bestimmtheit stammt aus der Vernunft und bezeichnet keine Eigenschaft der einzelnen Stelle, sondern kommt immer nur in der materiellen Relation zu mindestens zwei Stellen zum Tragen. Findet das Denken an einer Stelle eine Folge gegenläufiger Bestimmtheits paare gleicher Kategorie entsteht ihm die Vorstellung von einem nach au ßen hin in sich geschlossenen Organismus. Ein blindes und lichtscheues Wesen, dessen Attribute nun zu Akzidenzien werden.102 In der chaotischen Mannigfaltigkeit des Kontextes, den das autonome Absolute dem Denken präsentiert, bietet die Substanz als einzige mit abso luter Notwendigkeit Halt. Nur dann, wenn sich ein Paar Bestimmtheiten in geschlossener Bewegung gegenläufig darbietet, wird die Stelle, an der dies geschieht, zu einer Substanz. Alle anderen Bezüge von Bestimmtheiten un tereinander bieten dem Denken keinen weiteren Halt in der autonomen Mannigfaltigkeit, als die sich das Absolute präsentiert. Damit geht das Denken zum wesentlichen Verhältnis über. c) Das absolute Verhältnis Immer dann, wenn sich an einer Stelle eine gegenläufige Bewegung zweier Bestimmtheiten gleicher Kategorie einstellt, formt sich eine Sub stanz. Die Bewegung entspricht dem Beginn der Logik mit Sein, Nichts und Werden. Nur ist das Nichts nun ein gegenläufiges Paar Bestimmthei ten, sodaß das Werden die Substanz selbst vorstellt. Wenn gilt (G/M//M/G), und die Bewegung als in sich geschlossenes, kontinuierliches Bestehen vorgestellt wird, erscheint jede Bestimmtheit, die nun folgt akzidentiell. Damit verändert sich der Charakter der Be stimmtheiten. Wenn gesagt wird, die Substanz aus (blau/rund//rund/blau) sei lK g schwer, verlieren die Bestimmungen der Farbe und Form ihren Charakter als Bestimmtheiten des Kontextes. Da es ebenso möglich ist, daß eine der Bestimmtheiten, die die Substanz bilden, als Akzidenz auftritt, folgt die Aussage: Diese Substanz, ein phs. Gegenstand (Farbe/Form), ein phk. Körper (Gewicht/Masse), eine Ware (Wert/Preis), eine Rechtssache (Besitz/Eigen tum) oder ein Mensch (Intentionalität/Willkür) hat Fa, Fo, G, M, P, W, B 102 [WDL] SJ391/92 97 oder E. Da die Bestimmtheiten als Teile der gegenläufigen Bewegung, als integrale Komponenten der Substanz und als freie Bestimmtheiten des Kontextes einen Doppelcharakter bekommen, übt die Substanz je nach ih rer Zusammensetzung auf ihre Umgebung eine Macht aus: die Kausalität. Das Verhältnis von Substanz und Akzidenz liest das Denken an der Prä sentation des Absoluten ab. Damit ist die Darbietung als Äußerung einer Kraft aus Potentialität auf eine Substanz selbst übergegangen. Jede Sub stanz aus (Vs/Vn//Vn/Vs) besitzt nun die Kraft, aus sich selbst heraus eine Bestimmtheit ihrer selbst darzubieten. Aber solange eine Bestimmtheit an derer Kategorie folgt, bleibt die Akzidenz der Substanz äußerlich. Jede Substanz entsteht für das Denken aus der in sich reflektierten B e ziehung gegenläufiger Paare von Bestimmtheiten gleicher Kategorie. Wenn nun gilt (G/M//M/G) und es folgt akzidentiell ein G oder M wird die Sub stanz zur Ursache für die Darbietung einer wesentlichen Komponente ihrer selbst. Der Ball ist Ursache für die Darbietung seiner Farbe oder Form, die Ware für ihren Preis oder Wert, der physikalische Gegenstand für sein Ge wicht oder seine Masse. Die Rechtssache präsentiert sich als Besitz oder Eigentum. Ein Mensch zeigt Intentionalität oder Willkür. Die Substanz ist erst einmal nur Substantialität, weil sich ihre Reflexion nur auf phs. Gegenstände mit Farbe, Form, Waren mit Preis, Wert oder phk. Gegenstände mit Gewicht und Masse bezieht. Nur dann, wenn die A kzi denz Komponente der Substantialität ist, wird die Substanz zur Ursache der Darbietung ihrer selbst und gewinnt als Causa sui Wirklichkeit. Daher kann Hegel sagen, daß die Wirkung nichts enthält, was nicht auch in der Ursache vorhanden ist - und umgekehrt.103 Vergegenwärtigt sich das Denken nun die Wirkung ohne Bezug zu ihrer Ursache, verschwindet diese und die Bewegung zur Konstitution der Substantialität muß erneut durchlaufen werden. Die Ursache erlischt in ihrer Wirkung aber nur dann, wenn das Denken in Gegenwart der Wirkung die jeweils zweite Komponente der Substantialität hinzunimmt, denn sonst wäre die erste Wirkung nur akzidentiell.. Damit geht die Bewegung zur be stimmten Kausalität über. 103 [WDL] SJ398 98 Das Denken vergegenwärtigt sich die Wirkung und findet nach Verge wisserung an gleicher Stelle die zweite Komponente der Substantialität. Auf diese Weise wird die Substanz endlich. Es gilt: (G/M//M/G) >> G > M. Die erste Wirkung besitzt Eigenschaftscharakter ist punktuell und dieje zweite Komponente scheint entweder relational (Ort) oder einen Moment zu dauern (Impuls) und gilt analog zur Qualität des Anfanges innerhalb ei ner kurzen Zeitpanne als veränderlich. Diese Bewegung bezeichnet Hegel als analytischen Satz oder tautologische Betrachtung, weil die Substanz aus (Preis/Wert//Wert/Preis) als Ursache die Darbietung von Wert/Preis (oder Preis/Wert) wirkt.104 Doch mit dieser Bewegung geht das Verhältnis von Ursache und Wir kung auf ein einzelnes Bestimmtheitspaar über. Das fixierte Gewicht ist Ursache für die Darbietung der Masse eines phk. Gegenstandes und umge kehrt. Die erste Wirkung wandelt sich damit zur Ursache und die je zweite Bestimmtheit wird Wirkung. Durch diese Beziehung wandelt sich eine vollkommene Substanz zurück zu einem Ding, das aus einem Paar Be stimmtheiten G/M besteht. Dieses Ding ist Substrat, ohne in der gegenläu figen Bewegung mit sich selbst ins Verhältnis zu treten. Diesem Substrat inhärieren nun Ursache und Wirkung. Die bestimmte Kausalität besteht aus einer Substanz (G/M//M/G). D ie ser Organismus ist Ursache für die Darbietung eines Bestimmtheitspaares seiner selbst: (G/M) oder (M/G). Da die Wirkung gegenläufige und gleich gerichtete Paare zuläßt, die beide füreinander Ursache und Wirkung sind, könnte auch ein Paar anderer Kategorie folgen. Wenn auf (G/M//M/G) ein P folgt, ist dieses P Ursache für die Präsentation eines folgenden W. Und wieder ist eine Möglichkeit gegeben, daß gleichgerichtete oder gegenläufi ge Paare (P/W) oder (W/P) zu einer Substanz werden. Wenn eine zweite Substanz entsteht, wirkt diese auch zurück auf die erste und eine Ware wird Ursache für die Darbietung eines physikalischen Gegenstandes. Durch diese reflektierte Bestimmung der ersten Substanz wird jede erste Bestimmtheit, auf die eine passende zweite folgt, Ursache für die Bestim mung aller Stellen im Kontext. Wenn nun gilt: (G/M//M/G) >> G > M), ist die Substanz (phk. Ggstd.) über ihre Wirkung G Ursache für die Präsentation aller M im gesamten 104 [WDL] SJ399 99 Kontext. Oder die Wirkung G wandelt sich zur Ursache für die Darbietung aller M. Wählt das Denken ein M im Kontext, wird dieses M Ursache für die Darbietung aller G und es findet sich an der ersten Substanz ebenfalls wieder ihr M. Betrachtet man die Bewegung en detail fällt auf, daß von S 1 G1(M1) eine Relation entsteht zu einem S2 M2(G2). An S2 entsteht durch Ursache und Wirkung ein G2(M2) und wirkt zurück auf S1 mit M l (Gl). Die erste Substanz an S1 ist durch die Bewegung selbst Ursache für die Entstehung einer zweiten Substanz an S2. Beide treten in eine mechani sche Beziehung und bestimmen sich beide als Substanzen, die nun in eine Wechselwirkung treten können (und müssen). Ich möchte die Entwicklung noch einmal an dem Musterbeispiel einer Ortsveränderung erläutern: Wenn ein Gegenstand seinen Ort verändert, gilt: (R/B//B/R) als Basis für die Hypothese von einer kontinuierlichen Ortsveränderung. Diese Vor stellung scheitert und der Gegenstand vollzieht eine veritable Vollbrem sung, definiert eine Punkt in Zeit und Raum und präsentiert sich nach dem erneuten Scheitern, sich dieser seiner Ruhe zu versichern, als in den Gren zen eines Zeit-Raumes ein weiteres Stück Wegs vorangekommen (und/oder gealtert). Wenn wir das plötzliche Innehalten als Wirkung der bewegten Substanz verstehen, die wiederum Ursache für die Ausstrahlung in den ge samten Kontext ist, zeigen sich dort alle Stellen als ebenfalls in Ruhe oder relativ zu S1 als gradlinig gleichförmig ortsverändemd. Wenn das Denken nun ein S2 wählt, um sich der Ortsveränderung zu versichern, hält S2 plötzlich inne und alles andere um S2 herum ruht ebenfalls (und altert) oder bewegt sich (wie S l) als Inertialsystem. Die Ruhe von S2 wird Ursa che für die Ortsveränderung von Sl. Jeder Versuch, sich nach dem Wechsel der Perspektive der Verhältnisse am Ort des Gegenüber zu versichern, scheitert und es konstituiert sich eine verschränkte Beziehung zwischen zwei Gegenständen, die sich beide wechselseitig als Substanzen konstituie ren.105 Damit mag es zur Wechselwirkung kommen. Wirkung und Gegenwirkung konstituieren Substanzen in wechselseitig verschränkten Relationen. Hegel kritisiert daher zu recht die lineare Extra polation von Ursachen und Wirkungen in Vergangenheit und Zukunft.106 Ebenso ist die Vorstellung verfehlt, daß die Macht der Ursache allein den 105 s. o. Exkurs: Die spezielle Relativitätstheorie S.62 106 [WDL] S J4 0 0 100 Gegner zu einem passiv Leidtragenden machen würde. Jede Ursache ist immer in eine andere Substanz übergegangen.107 Betrachtet man die Bewegung, zeigt sich, daß immer eine Substanz ak tiv und gleichzeitig eine andere passiv ist. Dann wechselt die passive in eine aktive Haltung und wirkt zurück auf eine dann passive. Diese Bewe gung muß in sich geschlossen sein, bevor der Weltlauf auch nur einen ein zigen Schritt vorankommt. Es fällt auf, daß sich beide Substanzen niemals gleichzeitig in demselben von zwei möglichen Zuständen befinden können. Anders als in den Theorien der klassischen Mechanik lassen sich diese Zu sammenhänge am besten an der modernen Physik darstellen. Denken wir uns einen ideal-elastischen Stoß zweier identischer Kugeln. Nach den Vorstellung der klassischen Mechanik treffen sich beide an e i nem einzigen, unendlich klein vorgestellten Punkt und interagieren gleich zeitig in unendlich klein vorgestelltem Zeitraum. Es ist kein Platz für die Ansicht, daß es sich dabei um einen Dialog handelt, der eine gewisse Zeit braucht und sich je nach Perspektive auf zwei verschiedene Kontexte be zieht. Doch in der modernen Physik wird die Interaktion von der folgenden Formel beschrieben:108 p l *q2 - q l *p2 = h / 2rc*i Der Impuls (p l) eines ersten Akteurs setzt auf gegnerischer Seite einen Kontext (q2). Die Initiative geht auf den anderen Akteur über, der durch seinen Impuls (p2) einen ihm gegenüberstehenden Kontext (q l) setzt. Man kann die linke Seite der Gleichung als gegenläufige Bewegung lesen. Noch während beide Kugeln aufeinanderzulaufen setzen sie wechselseitig d iejeweils gegnerischen Kontexte. Das kleinste Maß für die Interaktion ist das Plancksche Wirkungsquantum (h) und die kleinste Dauer entspricht einem Zeitmaß, das man dem Umfang des Einheitskreises (2rc*i) als Drehung um 360° zuordnen kann. Dieser Drehung entspricht eine Wellenlänge elektro magnetischer Strahlung beliebiger Frequenz. Gilt in der klassischen Physik Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel, ist es in der modernen Physik am un wahrscheinlichsten überhaupt, daß beide Kugeln nach der Interaktion sich im gleichen Winkel fliehen. 107 [WDL] S J4 0 6 108 Wichtigste Quelle zur Geschichte der Quantenmechanik und der Formel mit den p's undq 's ist [Waerden(1968)]. 101 Die Wechselwirkung ist ein Antidot gegen die Hybris, die jeden Akteur erfaßt, wenn er trotz allem Scheitems stets festzustellen meint, daß er das, was er nicht gewollt hat, mit erstaunlicher Präzision hätte erreichen kön nen, wenn er es sich vorgenommen hätte. Daraus schließt er, daß es zu je dem Set an Prämissen ein fiktives Abbild geben müsse, daß das Ergebnis nach kausalmechanischen Umsetzung aller Voraussetzungen exakt vorweg nimmt. In Wirklichkeit setzt sich jeder Akteur, der eine aktive Haltung ein nimmt, einen Kontext entgegen. Dieser Kontext wird aus sich heraus (Den ken) oder nach Provokation (Handeln) aktiv und entscheidet autonom über das, was er dem Akteur darbietet. Bei dieser Aktion bleibt dem Akteur nur die Rolle des passiven Zuschauers. Nach der autonomen Entscheidung der gegnerischen Instanz wird der Akteur wieder aktiv und kommentiert auf seine Weise das Geschehen. Diese Bewegung muß in sich geschlossen sein, bevor der Weltlauf nur einen einzigen Schritt vorankommt. Die Freiheit, die Hegel hier beschwört, besteht 1) in dem Schwebezu stand, in dem der Akteur während der Interaktion verbleibt und 2) in der autonomen Verarbeitung und Kommentierung eines Geschehens, über das er keine Macht besitzt, und in das er dennoch eingebunden bleibt. Damit endet die objektive Logik und das Modell für die Interaktion in der Wech selwirkung wird zum Muster für die Bewegung des Begriffs.

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References

Zusammenfassung

G.W.F. Hegels „Wissenschaft der Logik“ ist einer der schwierigsten Texte der philosophischen Literatur. Mit seiner Interpretation der dialektischen Methode hat Günter Alexander den Schlüssel für den Zugang zu Hegels Hauptwerk gefunden. Da die Methode konsequent unterhalb des sprachlichen Zugriffs arbeitet, leistet die Studie zum Werk Hegels auch eine Kritik sprachanalytischer und kommunikationstheoretischer Ansätze in der gegenwärtigen kulturwissenschaftlichen Forschung. Menschen irren, wenn sie glauben, daß sie denken, wenn sie sprechen. Zuweilen hat man Hegels Logik auch als Ethik gelesen. Daher lag es nahe, eine Anwendung auf das Thema selbst zu versuchen. Günter Alexander zeigt in dem Aufsatz „Grundlagen der Ethik“, daß eine Selbstgesetzgebung (Kant) und Rechtfertigungsrituale wie z. B. in der Diskursethik (Habermas) überflüssig sind. Die Weltformel aller Ethik lautet: „Unser Interesse an tugendhaftem Handeln liegt auf der gleichen Ebene wie unser Interesse am Gelingen einer Handlung.“ Mit seinen „Spekulationen zur Kosmologie“ wendet Günter Alexander die dialektische Methode auf einige philosophische Probleme der Physik an. Den Abschluß bildet ein kleines „Märchen vom Gelde“, in dem die Ursachen für die gute und die schlechte Inflation gefunden werden.