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Christiane Schurian-Bremecker, Der schmale Grat zwischen Forschung und Prostitution. Empirische Sozialforschung in einem tabuisierten Feld in:

Carina Angelina, Stefan Piasecki, Christiane Schurian-Bremecker (ed.)

Prostitution heute, page 95 - 112

Befunde und Perspektiven aus Gesellschaftswissenschaften und Sozialer Arbeit

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4106-2, ISBN online: 978-3-8288-6966-0, https://doi.org/10.5771/9783828869660-95

Tectum, Baden-Baden
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95 Der schmale Grat zwischen Forschung und Prostitution. Empirische Sozialforschung in einem tabuisierten Feld Prof. Dr. habil. Christiane Schurian-Bremecker Der schmale Grat zwischen Forschung und Prostitution Abstract Ways of socially dealing with prostitution are extremely varied. It ranges from a “taboo” attitude to a quiet approach and further to an affirmative form. These social approaches have their impact on the scientific community and often influence reports, information and descriptions in one way or another. In addition, access to research and information in this difficult area of study is not easy. Against this background, questions like the following arise: How can data actually be collected in the field of prostitution?  What happens if interrogators and interviewees meet? What about situations where people with different backgrounds and in fundamentally different situations talk to each other? Is the data that is collected relevant or valid at all? And to what extent do the researches that deal with prostitution play a role in social work? These and other questions are addressed and discussed in the following article. Einführung Ein Hotel am Meer in der Nähe von Mombasa, die Sonne brennt heiß, am Pool liegen deutsche Männer, Afrikanerinnen halten die Hand von deutschen Männern, manche Paare tauschen Zärtlichkeiten aus, andere unterhalten sich, wieder andere dösen leicht im gleißenden Sonnenlicht. Mein Auftritt: Ich ziehe mir einen Bikini an, begebe mich in die Situation der Feldforscherin, gehe auf die Männer zu, bitte sie um ein Interview. Anfangs steht man mir skeptisch ge- 96 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute genüber. „Das machen wir nicht; alles wird verdreht, wir geben kein Interview.“ Schließlich ist man bereit, meine Fragen zu beantworten. Die Situation ist gespannt, die Männer haben Bedenken, meine Fragen zu beantworten, sprechen aber schließlich doch offen und unverblümt über ihre sexuellen Kontakte mit den Afrikanerinnen. Sie tauen immer mehr auf, sie gefallen sich in der Rolle des sexuell potenten Mannes. Sie genießen die Situation, die geprägt ist durch ein gegenseitiges Nehmen und Geben. Ich, die Forscherin am Strand von Mombasa, bekomme Informationen. Sie, die Sextouristen, gefallen sich in der Rolle von Männern, die die Situation beherrschen, die eine Frau, deren Dienste sie nicht kaufen können, ausnutzen und erniedrigen. „Du hast auch eine schöne Haut“, ich werde angefasst, betatscht, lenke schnell ab, um ein anderes Thema anzusprechen … Die obige Szene beschreibt eine Situation der empirischen Forschung im Feld der Prostitution.19 Vor dem Hintergrund der Schilderung dieser Befragung taucht ein Bündel von Fragen auf. Wie werden eigentlich Daten im Feld der Prostitution erhoben? Was passiert, wenn Fragende und Befragte aufeinandertreffen? Was entsteht in Situationen, in denen Menschen mit differenten Hintergründen und in grundlegend unterschiedlichen Situationen miteinander sprechen? Sind die Daten, die erhoben werden, überhaupt weiterführend bzw. valide? Und inwieweit spielen diese Forschungen eine Rolle in der Sozialen Arbeit? Diesen und anderen Fragen soll in dem folgenden Beitrag nachgegangen werden. Wie hier bereits anklingt, wirkt sich der gesellschaftliche Diskurs in Bezug auf den Umgang mit der käuflichen Lust auch auf die wissenschaftliche Bearbeitung des Themas aus. Dies ist zunächst Gegenstand der Erörterung. Es folgen Überlegungen hinsichtlich des Erwerbs 19 Transkript eines offenen Interviews mit Sextouristen in Kenia; vgl. hierzu auch Schurian-Bremecker (1989: 253ff.). 97 Der schmale Grat zwischen Forschung und Prostitution der wissenschaftlichen Daten im Gegenstandsbereich. Wie und unter welchen Rahmenbedingungen wird die Realität konstruiert? Dies leitet zu den Schwierigkeiten über, die entstehen, wenn sich Wissenschaftler im Feld der Prostitution tummeln. Hier steht die Frage im Vordergrund, inwieweit bzw. unter welchen Prämissen die Forschung in der Lage ist, sich dem Phänomen der Prostitution anzunähern. Der Artikel schließt mit einem Votum für einen spannungsreichen, aber verstehenden Zugang zum Forschungsfeld, auch und gerade in der Sozialen Arbeit. Zunächst nähern wir uns dem Thema, indem wir einen Ausflug in die Mentalitätsgeschichte des prostitutiven Geschehens unternehmen. Prostitution als Mentalitätsgeschichte Bereits in früheren Jahrhunderten interessierte man sich für die Sexualmoral und das Sexualverhalten. Nach Eder (2002: 10) seien aber nur wenige historische Abhandlungen, die sich dezidiert mit diesem Thema befassen, existent. Das historische Wissen über den Umgang der Menschen mit Sexualität sei anfangs durch eine besondere Form der Darstellung geprägt, die „Sittengeschichte“ (Eder, 2002: 10). Die Zeitgenossen, so Eder, wären vor allem an der „Geschichte der Prostitution und der venerischen Krankheiten“ (Eder, 2002: 10) interessiert gewesen. Zu beobachten ist eine Spannung zwischen einem voyeuristischen Blick auf Sexualität, im übelsten Fall auf krankhafte und abartige sexuelle Praktiken, und einer rigiden Moral, die sich strikt von jeder Form der Prostitution distanziert. Die Sicht auf das prostitutive Gewerbe sei, so Kienitz (1984: 12), vor allem durch den kirchlichen Einfluss, die Einwirkung staatlicher Justiz, medizinischer Lehrmeinungen sowie literarische (Selbst-)darstellungen, geprägt gewesen. Es würde zu weit führen die einzelnen Phasen der Rezeptionsgeschichte im Hinblick auf das Sexualverhalten und die Prostitution darzustellen.20 Bemerkenswert ist jedoch, dass bereits hier der Einfluss gesellschaftlicher Wer- 20 Vgl. hierzu die ausführliche Darstellung bei Eder 2002: 10ff. und Kienitz 1984: 12ff. 98 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute te und normativer Vorstellungen auf die Rezeption des Prostitutionsgeschehens deutlich wird. In diesem Sinne ist Kranitz zuzustimmen, die darauf verweist, wie sehr „makrohistorische und strukturgeschichtliche Gesichtspunkte den Blick der Alltags- und Sozialgeschichte der Sexualität“ (1984: 12f.) bestimm(t)en. Hinzuzufügen wäre, dass dies für den Bereich der Prostitution in ganz besonderem Maße zutraf und immer noch zutrifft. Es stellt sich nun die Frage, wie sich vor dem Hintergrund der historischen Sicht, der gegenwärtige Blick auf das prostitutive Geschehen ausfällt und wie die normativen Vorstellungen die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema beeinflussen. Tabu-Thema Prostitution Trotz einer weitgehenden Liberalisierung der Prostitution in Deutschland mit einem neuen Prostitutionsgesetz vor mehr als zehn Jahren, trotz immer wiederkehrender aktueller Debatten in den öffentlichen Medien und trotz vermehrter Forschung im Bereich der Prostitution ist die wissenschaftliche Bearbeitung des Themas noch immer recht problematisch. Es stellt sich die Frage, warum dies so ist. Nach wie vor ist Prostitution ein tabuisiertes Thema in unserer Gesellschaft21 und als unmittelbare Folge daraus, findet das prostitutive Geschehen weitgehend im Verborgenen statt. Damit hängt eine Vielzahl von Schwierigkeiten zusammen, die sich auch auf die Forschungen im Feld der Prostitution auswirken. Zudem stellt sich das Prostitutionsgeschehen im gesellschaftlichen Diskurs durchaus different dar. So reicht die Diskussion von dem naturgegebenen, ältesten Gewerbe der Welt über einen sittenwidrigen Vorgang bis hin zu dem Standpunkt, der Prostitution mit sexueller Ausbeutung gleichsetzt und in der grundsätzlichen Frage mündet, 21 Dies gilt nach wie vor, auch vor dem Hintergrund, dass aktuell kritisiert wird, dass durch das ProstG 2002 die Schwelle zum Milieu gesunken ist und eben auch vermehrt „wellnessartige Großbordelle“ entstanden sind (vgl. Albert u. Wege, 2015). 99 Der schmale Grat zwischen Forschung und Prostitution ob diese überhaupt freiwillig ausgeübt werden könne.22 Dies alles geschieht vor einem Hintergrund, der empirisch nur unzureichend abgesichert ist. So fehlen auch heute noch, wie Ruhne bereits im Jahr 2008 (72) konstatierte, grundlegende Eckdaten wie beispielsweise die genaue Zahl der Prostituierten oder auch die ihrer Kunden. Zwar gibt es mittlerweile einige Studien, die über selektive Einblicke und ausgewählte, regionale Forschungen hinausgehen, doch ist das Thema insgesamt immer noch mit vielen Unsicherheiten belegt.23 Fest steht jedoch, dass die Situation von Prostituierten in der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor sehr heterogen ist. Immer wieder sind die häufig inakzeptablen Arbeitsbedingungen von Prostituierten in der Diskussion. Grund genug einmal nachzufragen und den Blick auf die aktuellen Geschehnisse und hier konkret auf die Art und Weise zu richten, wie Daten im tabuisierten Bereich der Prostitution erhoben werden. Daten sind in der Regel die Ausgangsbasis für Bewertungen, für Einordnungen und letztendlich für den Umgang mit den in der Prostitution beteiligten Menschen, seien es Freier oder Prostituierte. Blickwechsel hin zur Konstruktion von Realität Das Geschehen rund um die Prostitution ist ein weites Feld, welches in unterschiedlichen Disziplinen mit differentem Brennpunkt betrachtet wird. Im vorliegenden Kontext ist bewusst der Fokus gewählt, der die Blickrichtung wechselt und den Schwerpunkt auf die Entstehung der wissenschaftlichen Daten legt. Dies ist insofern ungewöhnlich, da hier eine Verschiebung vom Objekt des Interesses hin zur Generierung des Geschehens geschieht, letztendlich der Konstruktion einer Realität. Damit werden Entstehungs- und Rahmenbedingungen, die den All- 22 Vgl. hierzu die Ausführungen von Gerheim (2013) zu den vier nachfragefokussierten Machtdiskursen. 23 Zum aktuellen Stand der Forschung vgl. Gerheim 2012: 13–26. 100 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute tag und die Akteure in den Blick nehmen, besonders thematisiert.24 Intendiert ist damit die Förderung einer sachlichen Auseinandersetzung mit der Prostitution. Zudem sollte diese Art des empirischen Zugangs einen Baustein liefern, um die Prostitution aus der gesellschaftlichen Grauzone zu holen und im besten Fall zu einem besseren Verständnis von Prostituierten beitragen. Prostitution ist wie erwähnt ein komplexes soziales Geschehen, welches sich oftmals einfachen Erklärungsmustern entzieht. Dies ist ursächlich den äußerst vielschichtigen, schwer zu fassenden und in ganz unterschiedlichen Bereichen verorteten Tätigkeiten, die im Prostitutionsgeschehen eingebunden sind, geschuldet. Albert und Wege (2015: 1) verweisen zu Recht darauf, dass es um Fragen von Sexualität, Intimität, ethischen Normen und Werten und individuellen Zugängen im Kontext der Geschlechterverhältnisse gehe. Auch sie beklagen, dass die Thematik an sich nur schwer zu fassen sei, oftmals tabuisiert und in höchstem Maße durch individuelle Zugänge vorherbestimmt. Daraus folge, die eigene Haltung der/des Forschenden im Hinblick auf das Forschungsfeld zu offenbaren. Nur so können die generierten Forschungsergebnisse in einem breiteren Kontext adäquat eingeordnet werden. Was aber macht den Zugang zum Feld so schwer und welche Stolpersteine treten am Rande der Forschungstätigkeit auf? Diesen Fragen soll im Folgenden nachgegangen werden. Stolpersteine in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema Prostitution fristet im wissenschaftlichen Kontext ein eher randständiges Dasein. Dies hänge ursächlich, so die Analyse Ruhnes, mit einer „deutlich erschwerten Zugänglichkeit des Feldes“ (2008: 73) zusammen. Der Feldzugang im Bereich der Prostitution ist in der Tat nicht einfach. Prostituierte, Freier, und all die im Prostitutionsgeschehen eingebun- 24 Ähnlich verfährt Girtler, siehe hierzu die Ausführungen zur Girtler’schen Milieustudie (2004: 20ff.). 101 Der schmale Grat zwischen Forschung und Prostitution denen Personen, sind im Allgemeinen vorsichtig in ihrer Kommunikation nach außen. Man fürchtet ablehnende gesellschaftliche Haltungen, die dann durch wissenschaftliche Analysen abgesichert werden.25 Dies bedingt einen besonderen Zugang des Forschenden zum Feld. Wie sich dieser Zugang in der persönlichen Perspektive einer Forscherin anfühlen kann, haben wir im einleitenden Abschnitt gelesen. Die Frage, die sich nun stellt, lautet: Treten die dort geschilderten Befindlichkeiten öfter auf, d. h. sind sie der Forschung im Prostitutionsgeschehen immanent und welche Probleme gibt es abseits von individuellen Befindlichkeiten? Persönliches Gepäck der Forschenden Neben den Schwierigkeiten, die sich aufgrund einer eingeschränkten Zugangsmöglichkeit zum Feld ergeben, also auf Seiten der Beforschten liegen, gibt es Barrieren, die persönliche Dispositionen des oder der Forschenden betreffen. Ein wichtiger Aspekt qualitativer Forschung – und wenn wir im Feld der Prostitution unterwegs sind, halten wir uns überwiegend im Bereich der qualitativen Forschung auf – betrifft die Person des Forschenden selbst. Diese ist im Forschungsprozess nicht „unsichtbar“. Ihre Rolle im Forschungsfeld, ihre Interaktion mit den Probanden, ihre Voreinstellungen in Form bestimmter Normen und Werte, ja auch ihre Ängste und persönlichen Verunsicherungen spielen in der Forschungsinteraktion und damit auch im Forschungsprozess selbst eine bedeutsame Rolle. Girtler (1985) thematisiert diese Spannungen anschaulich, in der sich der oder die Forschende befindet, indem er oder sie seine oder ihre persönlichen Erlebnisse, Gefühle und Verstrickungen im prostitutiven Wiener Milieu schonungslos offenlegt und zum Thema macht. Eine offene Darstellung ist wichtig, reicht aber nicht aus. Subjektive Empfindungen müssen reflektiert und expliziert werden. Breuer (2003) ist zuzustimmen, wenn er feststellt, 25 Vgl. hierzu die Forschungen im Bereich des Sextourismus von Schurian- Bremecker (1989: 253ff.). 102 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute dass die Subjektivität jeder menschlichen Erkenntnis eine Tatsache sei, sie sollte nicht als Mangel im Forschungsdesign missverstanden werden. Vielmehr sollte es, so die Ausführungen Breuers, darum gehen, die Subjektivität für den Prozess der Erkenntnisgewinnung produktiv nutzbar zu machen. Hinzuzufügen wäre, dass dies ganz besonders im Hinblick auf das mit vielen Tabus belegte Thema der Prostitution gilt. Daraus folgt, dass am Beginn jeder Feldforschung in diesem Bereich zunächst eine sorgfältige Explikation der eigenen wissenschaftlich-theoretischen und eben auch alltagsweltlichen, d. h. die aus der persönlichen, sozialen, lebensgeschichtlichen Eigenerfahrung stammenden Vorstellungen und ethischen Maßstäbe vom Untersuchungsfeld stehen sollte. Die Sicht auf das Forschungsfeld prägt dieses in entscheidendem Maße. Das Bewusstmachen der Eingebundenheit in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext mit seinen spezifischen Werten und Normen macht die Präsuppositionen dann handhabbarer. In diesem Sinne erinnert Ruhne daran, dass das prostitutive Geschehen einerseits als tabuisierter „weitgehend unbekannter und schon deshalb eher fremder Gesellschaftsbereich“ (2003: 73) wahrgenommen würde. Andererseits gelte Prostitution als ein soziales Problem, welches, so Ruhne, nicht nur Neugierde, sondern „überwiegend Ängste, Ablehnung und Kontrollbedürfnisse“ (2003: 73) hervorzurufen scheine. Dies beruhe auf allgemeinen gesellschaftlichen Wahrnehmungsmustern, von denen durchaus auch Forschende geprägt seien. Dem ist zuzustimmen, denn bereits der Zugang zum Feld wird durch die eigenen Präsuppositionen geprägt, die Befragung als solche ebenfalls. Jeder Wissenschaftler und jede Wissenschaftlerin, der oder die sich ins Gebiet der Prostitution begibt, sollte sich dessen bewusst sein. Eingeschränkte Zugangsmöglichkeit zum Feld Der Zugang zum Feld stellt eine weitere Klippe dar, die erst überwunden werden muss, Raum, d. h. ein Gebiet, wo das prostituive Geschehen angesiedelt ist, ist in diesem Kontext in zweierlei Hinsicht maß- 103 Der schmale Grat zwischen Forschung und Prostitution geblich. Zum einen meint Raum eine Örtlichkeit, die erst überwunden werden muss. Ein Platz, der der Forscherin, dem Forscher in der Regel fremd ist. Ganz konkret müssen Forschende hier den eigenen Wohlfühlbereich verlassen und sich in unbekannte Gegenden begeben. Das Verlassen des Gewohnten ist immer mit dem Einlassen auf Neues verbunden und bedeutet eine besondere Anstrengung. Der andere Raum bezieht sich auf öffentlich zugängliche Plätze. Prostitution findet im öffentlichen Raum statt, der zwar häufig abgelegen ist oder spezifische Strukturen aufweist – z. B. das Frankfurter Bahnhofsviertel, die Hamburger Reeperbahn etc. –, aber trotzdem handelt es sich, wie Albert und Wege ausführen, um ein öffentliches Gebiet, welches einer „hohen Überwachung und Regulierung“ (2015: 14) unterliege. Orte der Prostitution unterscheiden sich im Allgemeinen von den sie umgebenden Örtlichkeiten. Sie „wirken auf Menschen, die sich nur selten hier aufhalten, oftmals fremd und tendenziell verunsichernd“, wie Ruhne (2008: 74) anmerkt. Die Autoren verweisen zudem darauf, dass Räume der Prostitution dem ständigen Wandel unterlägen. Durch die spezifischen örtlichen Gegebenheiten werden erste Schritte des Forschenden ins Feld erschwert. Hinzu kommen Unsicherheiten und Ängste, die je nach Geschlechterzugehörigkeit schwächer oder stärker ausfallen. Forscherinnen agieren hier im Vorwissen darum, dass bestimmte Orte bzw. Situationen persönliche Ängste schüren und setzen Vermeidungsmechanismen in Gang.26 Forscherinnen unterliegen darüber hinaus geschlechterspezifischen Besonderheiten, die ganz eigene Konstellationen und Situationen hervorrufen. Entweder sie begibt sich mit „Haut und Haaren“27 ins Feld, 26 Dieses Verhalten konnte die Verfasserin persönlich beobachten; so vermied sie es im Zuge der empirischen Feldforschung über Sextourismus in Kenia, Diskotheken, in denen Prostituierte und Sextouristen verkehrten, zu bestimmten Zeiten, die unsicher erschienen, aufzusuchen; vgl. hierzu Schurian-Bremecker (1989: 253ff.). 27 Siehe hierzu das Eingangszitat. 104 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute um Misstrauen und Zurückhaltung zu zerstreuen. Dann besteht allerdings die Gefahr, dass die Forscherin Teil der Situation wird, in der sie agiert. Dies birgt nicht zu unterschätzende Probleme und Schwierigkeiten, bis hin zu Übergriffen der Freier.28 Auf der anderen Seite muss die oft vorgefundene Skepsis und Ablehnung gegenüber einer empirischen Forschung im Bereich der Prostitution überwunden werden, da diese den Zugang zum Feld nicht nur erschweren, sondern ganz und gar unmöglich machen kann.29 Prostitutives Gewerbe ist besonders auf diskretes Verhalten bedacht. Forschungstätigkeiten bergen die Gefahr, Dinge ans Tageslicht zu befördern, die im Verborgenen bleiben sollten. Hinzu kommen Kontrollmaßnahmen von Polizei und Ordnungsbehörden und eine, wie oftmals von Freiern betont würde30, so Ruhne (2008: 75), tendenzielle Berichterstattung der Medien, die ein distanziertes Verhalten auf Seiten der Freier und der Prostituierten hervorrufe. Zwischen Engagement und Distanzierung Die Gewinnung von Interviewpartnern im Bereich der Prostitution stellt folglich eine nicht zu unterschätzende Aufgabe dar. Der Zugang zum Feld muss vorbereitet sein, Ressentiments auf Seiten der Probanden sollten wahrgenommen und entsprechend der weiteren empirischen Vorgehensweise angepasst worden sein. Daher erfordert gerade der Beginn der empirischen Forschung eine hohe Präsenz des oder der Forschenden im Feld. Mehr noch, der Einsatz vertrauensbildender Maßnahmen bringt es mit sich, ein Engagement zu entwickeln, wel- 28 Dieses Verhalten wird im Eingangszitat beschrieben, wo es im Zuge der empirischen Feldforschung über Sextourismus in Kenia zu übergriffigem Verhalten einiger Sextouristen kam; vgl. hierzu auch Schurian-Bremecker (1989: 253ff.). 29 Auch dies kann im Eingangszitat nachvollzogen werden; vgl. hierzu auch Schurian-Bremecker (1989: 253ff.). 30 Hier kann ebenfalls auf die Gespräche mit den Sextouristen in Kenia verwiesen werden; vgl. Schurian-Bremecker (1989: 253ff.). 105 Der schmale Grat zwischen Forschung und Prostitution ches über das normale Maß vertrauensbildender Maßnahmen zu Beginn einer empirischen Forschungsphase weit hinausgeht. Zu beachten ist hierbei insbesondere, dass der oder die Forschende immer auch das Feld verändert. Dies geschieht allein durch seine oder ihre physische Präsenz. Zudem ist der oder die Forschende in der Regel bestrebt, sich in die bestehenden Strukturen dergestalt einzubringen, dass er oder sie vorgefundene Situationen möglichst wenig verändert und in Bestehendes nicht oder möglichst nicht eingreift. Förderlich für den Zugang zum Feld sind Gatekeeper. Oft sind es Beratungsstellen, die bereits seit geraumer Zeit in Erscheinung treten und in Kontakt mit den Prostituierten stehen. Zugleich sei es nutzbringend, so Girtler (1985), möglichst lange Zeiträume im Feld zu verbringen. Dies bewirke eine forschungsspezifische Aneignung des Raums, indem sich die Probanden an eine veränderte Situation gewöhnten und diese mit der Zeit als alltäglich betrachteten. Eine Kontaktaufnahme mit z. B. Prostituierten würde so langsam vorbereitet und münde bestenfalls in eine vertrauensvolle Atmosphäre, die sich auch in aufrichtigen Interviews bemerkbar mache. Daraus folgt, dass in der Anlage und Durchführung eines Interwies die Person des oder der Forschenden eine besondere Rolle spielt. Dies gilt nicht nur im Hinblick auf die technische Durchführung eines Interviews, sondern auch und gerade im Hinblick auf die Herstellung einer offenen, vertrauensvollen Atmosphäre. In der Regel bedeutet dies für den oder die Forschenden, nicht nur das Interview selbst zu führen, d. h. im gesamten Forschungsprozess präsent zu sein, sondern darüber hinausgehende Gespräche, die z.  T. vom eigentlichen Thema ab weichen können, zuzulassen. Erst so wird sichergestellt, dass vertrauensbildende Maßnahmen greifen und Informationen eruiert werden, die für den Forschungsprozess förderlich sind. Friebertshäuser führt aus, dass auf diese Weise Einblicke in „ansonsten verschlossene, fremde Lebenswelten“ (1997: 503) gewonnen werden könnten. 106 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute Diese ganz besondere Nähe zum Feld, die intensive Kontakte mit Menschen, die sich z. T. in schwierigen Situationen befinden, einschließt, birgt einerseits die Möglichkeit, besondere und wichtige Forschungsergebnisse zutage zu fördern. Andererseits besteht gerade hier die Gefahr, dass der oder die Forschende sich zu weit ins Feld wagt und eine Vermischung der Grenzen stattfindet. Empathie bewirkt dann nicht nur ein Verstehen, ein Eintauchen in fremde Lebenswelten. Sie kann unter Umständen dazu führen, den objektiven Beobachterplatz zu verlassen, mehr noch, sich in vorhandene Situationen einzubringen, um bestehende Strukturen und individuelle Lebensschicksale zu verbessern. Der persönliche Einsatz des oder der Forschenden trägt somit das Dilemma in sich, wenn dieser zu intensiv wird, den forschenden Platz zu verlassen und die Ergebnisse der Feldstudie so zu verfälschen. Das eingangs angeführte Zitat beschreibt schonungslos die Erlebnisse jenseits der Datenrekrutierung. Es werden Erlebnisse, Gefühle und individuelle Befindlichkeiten, und zwar jenseits des üblichen wissenschaftlichen Geschehens, offengelegt. Man mag die Stirn runzeln über so viel Offenheit. Aber wenn es um die Einordnung von empirisch erhobenen Daten geht, ist jede weitere Information wertvoll und dieses ungewöhnliche Vorgehen durchaus zu rechtfertigen. Zugleich zeigt sich in dieser Situation ganz deutlich die Spannung zwischen persönlicher Teilnahme und objektivem Berichtswesen. Im ethnologischen Forschungsbereich, in dem die Forschenden schon immer unter dieser Ambivalenz gelitten haben, ist schon früh auf diese Gefahr hingewiesen worden. Amann und Hirschhauer (1997) fordern in diesem Zusammenhang ein ausgewogenes Verhalten zwischen Einbringen bzw. Empathie in den Forschungsgegenstand und ein Beibehalten von Befremdung andererseits. Nur so könne eine möglichst objektive Wahrnehmung des Feldes erfolgen und eine sachliche Einordnung der unter diesen Bedingungen gewonnenen Ergebnisse stattfinden. Neben der Beobachtung von persönlichem Engagement und Distanzierung sei daher die Offenlegung der spezifischen Forschungssituation unabdingbar. 107 Der schmale Grat zwischen Forschung und Prostitution Qualitativ-rekonstruktive Forschungsmethoden in der Sozialen Arbeit Um das prostitutive Geschehen aus der Ecke der tabuisierten Vorgänge zu holen, lohnt es sich, den Alltag und die Sichtweise aller Beteiligten zu erfragen und offenzulegen. Wenn einzelne Fälle, die mit ihren biographischen Werdegängen ganz spezielle, individuelle Schicksale beschreiben, in den Blick genommen werden, ist dies im Sinne einer offenen, vorurteilsfreien Gesellschaft, die sich nicht scheut, auch unbequeme Wege zu gehen. In der Sozialen Arbeit ist diese Zugangsweise nicht neu, aber, so der Eindruck, in Vergessenheit geraten. Erst seit den 1990er-Jahren ist wieder eine Zunahme qualitativ-rekonstruktiver Forschungsmethoden in der Sozialen Arbeit zu beobachten. Hoff sieht darin die Antwort auf eine ansteigende Ausdifferenzierung und Pluralisierung der Lebenswelten, denn diese vermittelten einen „verstehenden Zugang zur wachsenden Komplexität sozialer Handlungspraxen und individueller Handlungsmuster“ (2012: 87). Sie verweist darauf, dass trotz einer Zunahme qualitativer Studien im Bereich der Sozialen Arbeit und einer intensiven methodischen Debatte, z.  B. bei Giebler (2008) und Bock und Miethe (2010), ethnographische Forschungszusammenhänge, die in der klassischen Alltagsbeobachtung spezifischer Milieus verortet seien, immer noch eine Randstellung einnähmen. Dies ist in der Tat verwunderlich, denn eine Verbindung zwischen Ethnographie und Sozialer Arbeit lässt sich nicht nur in einer Annäherung nachweisen, die ins fremde Milieu eintaucht, sondern steht auch, wie oben bereits angedeutet, in einem entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhang, in welchem sich, so Hoff, „sozialwissenschaftliche Ethnographie als modernes Verfahren der Feldforschung im Kontext bürgerlicher Sozialreform und der frühen Sozialen Arbeit herausbildet“ (2012: 88). Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass etwa die, bereits in den 20er- und 30er-Jahren von Robert Park begründete stadtsoziologische Perspektive, die Lebenswelt marginalisierter Bevölkerungsgruppen in den Fokus rückt. Studien wie diese seien, so Hoff, in Verbindung mit den in die- 108 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute sen Lebenswelten tätigen Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen entstanden. Zinnecker (2000: 382) spricht sogar von einem eigenen ethnographischen Forschungsstrang, der sich auf die Untersuchung des Fremden in der eigenen Kultur beziehe. Dieser habe es sich zur Aufgabe gemacht, durch den Feldzugang Missstände in prekären sozialen Milieus offenzulegen und damit Argumente für politische Reformen zu sammeln. Bei Jahoda, Lazarsfeld und Zeisl (1975), die die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf die Bevölkerung in einem Ort nahe Wiens systematisch untersuchten, ist klar nachzulesen, wie synchron zur Datenerhebung eine Teilnahme der Forschenden am Leben der Probanden stattfand, bis hin zur Entwicklung konkreter Hilfsangebote für die Untersuchten. Da stellt sich die Frage, inwieweit die persönlichen Interaktionen im Feld auf die erhobenen Daten Einfluss genommen haben könnten. Die Aufarbeitung einer objektiv nachvollziehbaren Datenerhebung im Feld und einer subjektiven Teilnahme am Leben der Betroffenen steht in der Sozialen Arbeit jedoch erst am Anfang.31 Umso wichtiger ist es, jede Subjektivität, die einer empirischen Feldforschung innewohnt, persönlich zu reflektieren und offen zu benennen. Nur so ist es machbar, mögliche Einflüsse bei der Erhebung von Daten auf die Forschungszusammenhänge zu verifizieren und zu berücksichtigen. Plädoyer für eine qualitativ ausgerichtete, sozialpädagogische Forschung im prostitutiven Milieu Abschließend bleibt die Frage, ob eine qualitativ ausgerichtete Forschungsmethodik überhaupt in der Lage ist, zu einer weiten Durchdringung des Themas beizutragen. Auch wenn die Methoden der empirischen Feldforschung, wie teilnehmende oder verdeckte Beobachtung, Gruppendiskussion, offenes Interview, um nur einige zu nennen, in diesem Sinne durchaus umstritten sind, tragen sie ein weiterführendes Potential in sich. Der Ansatz der empirischen Feldforschung im 31 Hier ist die Ethnologie sehr viel weiter, vgl. dazu z. B. die selbstreflexiven Ausführungen bei Nigel Barley. 109 Der schmale Grat zwischen Forschung und Prostitution Sinne einer teilnehmenden Beobachtung bzw. der Durchführung von offenen Interviews verspreche „Plausibilität und Lebendigkeit“, führt Schmidt-Lauber (2007: 243) aus. Damit nähere sich der Forscher oder die Forscherin dem gelebten Alltag in einer zwar in manchen Fällen wissenschaftlich umstrittenen Form, so Schmidt-Lauber, dafür aber eines „gesellschaftlich, medial wie künstlerisch seit der Jahrtausendwende hoch gefragten Konzeptes“ (2002: 243). Der Einblick in diese besonderen kulturellen und sozialen Wirklichkeiten ist durch ein Verfahren von empathischem oder gerade nicht empathischem, im Falle des im Eingangszitat geschilderten Gesprächs mit den Sextouristen, geradezu widerwilligem Erleben gekennzeichnet. Damit gehe nach Hitzler zwar die Gewinnung „relativer Unabhängigkeit gegenüber den anerkannten sittlich-moralischen Imperativen einer Gesellschaft“ (2008: 28) einher. Zugleich aber würde der oder die Forschende in relative Unsicherheit im Hinblick auf normativ-verlässliche und damit existierende entlastende Gewissheiten und Routinen gestürzt. Wenn sich die Soziale Arbeit heute in ihrem Selbstverständnis, wie Rauschenbach und Thole (1998: 22) ausführen, als angewandte Wissenschaft bzw. als Handlungswissenschaft versteht, dann ist die Forschung im Milieu unabdingbar. Um Handlungsoptionen entwickeln zu können, ist der oder die Forschende geradezu angehalten, aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaften hinaus in die Lebenswelten zu gehen. Nur so ist es möglich sozialpädagogische Forschung nicht nur zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn einzusetzen, sondern die so gewonnenen Ergebnisse, wie es Wensierski und Jakob (1997: 14) ausdrücken „an die sozialpädagogische Praxis und das sozialpädagogische Handeln zurückzubinden: als Evaluations- und Reflexionsinstrument, als Handlungsanleitung oder als Entwicklungs-, Planungs- und Innovationsinstrument“. Speziell im tabuisierten Bereich der Prostitution, das haben die bisherigen Forschungen gezeigt, ist ein solches Vorgehen hilfreich und weiterführend. 110 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute Literatur Albert, M., Wege, J. (2015). Soziale Arbeit und Prostitution: Professionelle Handlungsansätze in Theorie und Praxis. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Amann, K., Hirschhauer, S. (1997). Die Befremdung der eigenen Kultur. Ein Programm. In: K. Amann, S. Hirschhauer (Hrsg.), Die Befremdung der eigenen Kultur. Zur ethnographischen Herausforderung soziologischer Empirie (S. 7–52). Frankfurt/Main: Suhrkamp. Bock, K., Miethe, I. (2010). Handbuch Qualitative Methoden in der Sozialen Arbeit. Opladen & Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich. Barley, N. (2001). Traumatische Tropen. Notizen aus meiner Lehmhütte. (8. Aufl.). München: Klett-Cotta. Breuer, F. (2003). 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Zusammenfassung

Ebenso skandalisiert wie verharmlost ist die Praxis gewerblichen Geschlechtsverkehrs immer wieder Gegenstand kontroverser gesellschaftlicher Debatten. Undeutlich bleibt dabei oft, was genau gemeint ist und über wen gesprochen wird. Die rechtliche Lage, die sozioökonomische Position, die Profiteure und die Benachteiligten eines sich ständig verändernden Milieus müssen nämlich ebenso berücksichtigt werden wie die Orte von Prostitution und das Geschlecht der Betroffenen. Dieser Sammelband möchte gegenwärtige Strömungen und Auffassungen sichtbar machen, Ursachen und Motive von Prostitution argumentativ aufbereiten, die Nachfrageseite und ihre Rolle im Prostitutionssystem beleuchten, den Einfluss medialer Sujets nachzeichnen und auch die Probleme benennen, die im Rahmen der Feldforschung entstehen. Zudem stellt der Band wichtige Beratungs- und Ausstiegsangebote vor, die insbesondere in Deutschland und Schweden verfolgt werden. Neben sozialwissenschaftlichen Blickwinkeln und sozialarbeiterischen Interventionsmöglichkeiten bei von Gewalt betroffenen Menschen in der Prostitution stehen vor allem Betroffene mit ihren Erfahrungen im Mittelpunkt. Stimmen aus der Praxis der Sozialen Arbeit prägen den abschließenden Schwerpunkt des Buches und berichten von den Erfahrungen aus der täglichen und praktischen Arbeit im Milieu.