Content

Manuela Schon, Prostitution als Spielfeld zur Reproduktion männlicher Herrschaft in:

Carina Angelina, Stefan Piasecki, Christiane Schurian-Bremecker (Ed.)

Prostitution heute, page 57 - 74

Befunde und Perspektiven aus Gesellschaftswissenschaften und Sozialer Arbeit

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4106-2, ISBN online: 978-3-8288-6966-0, https://doi.org/10.5771/9783828869660-57

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
57 Prostitution als Spielfeld zur Reproduktion männlicher Herrschaft Manuela Schon Abstract This essay explains why prostitution can and should be analyzed as a field contributing to the production of male domination. The essay references to basic findings in the work of the French sociologist Pierre Bourdieu. Whereas Bourdieu did not write extensively about the practice of prostitution, his book “Masculine Domination”, published on year 2001, offers a lot of starting points that can be applied on this social field. Various research in sociology, psychotraumatology and women`s studies support the hypothesis that prostitution is an individual and collective social practice, which gives men habitual certainty and assures them of their superiority in the social hierarchy. Spaces that exclude women – like the field of prostitution, unless women are prostituted women – provide a way to evolve male bonding strategies. Although prostitution follows the rules of a capitalist market, the field cannot be reduced to its economical characteristics. The circulation of women among men points to an accumulation of symbolic capital. Not only does this have implications for those involved in the field of prostitution itself, but also the effects transcend into other social fields and affect all women (and men) in society. The interdependency of the internalized dispositions of the dominated woman and the dominating man is inscribed in the bodies of the players within the field. Einführung “This is a man’s world”. Mit diesem Titel landete der amerikanische RnB-Sänger James Brown 1966 einen internationalen Hit, der seitdem vielfach gecovert wurde. In seinem Werk „Die männliche Herrschaft“ 58 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute ging der französische Soziologe Pierre Bourdieu von der Annahme aus, dass der Geschlechterhierarchie eine „konstitutive Bedeutung für die Entstehung und Reproduktion gesellschaftlicher Ordnung“ zukommt (Jäger et al 2013: 18). Für ihn ist die „männliche Herrschaft, und die Art und Weise wie sie aufgezwungen und erduldet wird“ das Musterbeispiel für sein Konzept der symbolischen Gewalt, „denn sie funktioniert wie eine gigantische symbolische Maschine zur Ratifizierung der männlichen Herrschaft, auf der sie gründet“ (Bourdieu 2016: 8). In der gesellschaftlichen Debatte wird Prostitution häufig als „Sexarbeit“, als „Beruf wie jeder andere“, betrachtet und nicht selten sogar in den Kontext sexueller Befreiung der Frau sowie der Befreiung von angestaubten und überkommenen Moralvorstellungen gesetzt. In diesem Framing wird positiv Bezug genommen auf zentrale Begriffe der sogenannten zweiten Welle der Frauenbewegung (1960er-Jahre), wie zum Beispiel die „sexuelle Selbstbestimmung“, wodurch Prostitution als frei gewählte und selbstbestimmt ausgeführte Tätigkeit erscheint. Dies steht im starken Kontrast zu der Annahme der „Second Waver“, die in der Prostitution den Ausdruck der patriarchalen Geschlechterordnung ausmachen und in ihr ein „Exempel, für die Situation der Frau, wie sie im Grunde besteht“ (Millett 1981: 105) sehen. Prostitution ist kein geschlechtsneutrales Phänomen: Die Konsumenten sind in aller Regel männlich, die prostituierten Personen in aller Regel weiblich. Selbst wenn eine zunehmende Nachfrage (von Männern) nach Transpersonen und mann-männlicher Prostitution zu verzeichnen ist, bleibt die Frau, die einen Mann (oder eine andere Person) für sexuelle Handlungen bezahlt, die Ausnahme, auch wenn Angebote kommerzialisierter Sexualität für diese in einer Marktnische existieren. Ein 1992 in Berlin eröffnetes Bordell für Frauen musste bereits nach etwas mehr als einem halben Jahr schließen. Der Focus titelte hierzu: „Frauen wollen nicht Freier sein. Die Kundinnen bleiben aus“ (Focus 1993). 59 Prostitution als Spielfeld zur Reproduktion männlicher Herrschaft Meine These lautet, dass in der Prostitution eine individuelle und kollektive Praxis gesehen werden kann, in der Männer sich gegenseitig – unter Nutzung von Homosozialität in frauenexklusiven Räumen – ihrer gesellschaftlichen Überlegenheit gegenüber Frauen versichern und untereinander habituelle Sicherheit vermitteln. Diese These soll im Folgenden unter Rückgriff auf zentrale Annahmen von Bourdieu begründet werden. I. Subjekt-Objekt-Differenz in der Prostitution Manche der Mädels sind ja lieb, aber die meisten sind einfach nur Löcher zum Ficken. In dem Moment wo sie mein Geld genommen hat, hat sie ihre Rechte aufgegeben.18 Der gesellschaftlich konstruierte Antagonismus von männlich und weiblich spiegelt sich Bourdieu zufolge in der Sexualität wider. Er definiert den Geschlechtsakt als „Form von Herrschaft, von Aneignung, von Besitz“ (2016: 39) und als „auf die Penetration und den Orgasmus ausgerichteter Eroberungsakt“ (ebd.: 40), dem die Homologien Akteur/ Instrument, oben/unten, aktiv-penetrieren/passiv-penetriert werden und herrschen/beherrscht werden entsprechen. Er betrachtet Prostitution demnach als einen Gewaltakt unter Abwesenheit gegenseitiger Anerkennung (ebd.:190f) und sieht in ihr „das Streben nach Lustgewinn mit der nackten Ausübung der Macht über die auf Objektstatus reduzierten Körper“ (ebd.: 33f.). Grubman Black bestätigt diesbezüglich ein Besitz- und Anspruchsdenken der Freier: Ein Freier ist ein Mann, der glaubt, aufgrund seines Geschlechtes und seines Geldes Anspruch auf Sex auf Nachfra- 18 Alle Eingangs-Zitate sind exemplarische, wortwörtliche Freierzitate. Sie stammen aus Freierstudien, Freierforen oder Zeitungsartikeln. Auf eine detaillierte Quellenauflistung wird an dieser Stelle verzichtet, kann jedoch gerne angefragt werden. 60 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute ge zu haben. Egal ob er schüchtern ist oder nicht, egal ob er sie seine Freundin oder eine Hure nennt oder ob er Grenzen und Regeln einhält oder nicht, glaubt er, dass er einen weiblichen Körper zur sexuellen Benutzung kaufen kann (zit. n. Hughes 2004: 20). Ein solches Anspruchsdenken wird auch 2015 in einem Positionspapier der Menschenrechtsorganisation Amnesty International formuliert. Dort werden sexuelles Begehren und sexuelle Handlungen als „fundamentales Menschenrecht“ definiert. In dem Papier heißt es: Jene zu kriminalisieren, die ihre Bedürfnisse nicht auf eher traditionellem Wege erfüllen können oder wollen und deshalb Sex kaufen, dürfte ein Verstoß gegen das Recht auf Privatheit darstellen und die Rechte auf freie Entfaltung und Gesundheit unterlaufen. (Amnesty International 2015). Auf der Basis der Konstruktion von Sex als unvermeidlichem Bedürfnis, auf der Ebene von Essen und Trinken, wird Prostitution als unausweichlich definiert, weshalb die Forderung nach legaler Prostitution und durch sie die Verfügbarmachung von Frauen für bedürftige Männer als logische Folge erscheint. In der „Simulation des Orgasmus“ (faking orgasm) manifestiert sich die Macht des Mannes, denn der weibliche Orgasmus dient zur Bestätigung seiner Männlichkeit, seiner Macht „Genuss zu bereiten“. So berichtet zum Beispiel die ehemalige Prostituierte Huschke Mau davon, wie Freier sie zum Orgasmus zwangen: „Wenn ich will, dass du einen Orgasmus kriegst, kriegst du einen, der Kunde ist König“ (Mau 2016). Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Freier sich selbst Attribute der Dominanz zuschreiben und der You-do-what-I-say-sex ihnen das Gefühl gibt der „Boss“ zu sein und die totale Kontrolle zu haben (Farley et al. 2011: 38f.). Auch Bourdieus These vom „weiblichen Körper [als] bewertbarem und austauschbarem Gegenstand“ (Bourdieu 2016: 80) wird durch die Reduktion des Wertes der Frauen auf ihre Funktion, ihren Körper 61 Prostitution als Spielfeld zur Reproduktion männlicher Herrschaft (bzw. Vagina, Brüste, Mund und Anus) (Farley 2007: 9) und die von ihnen ausgeführten sexuellen Handlungen deutlich. Ihre individuellen Persönlichkeiten spielen keine Rolle, sie werden durch die Freier entmenschlicht und zu ihrer entpersonalisierten Masturbationsfantasie, einem Objekt, in das diese sich entleeren können (Farley et al. 2011: 39). Sowohl aus Freiersicht als auch aus Sicht der Prostitutionsstätten-Betreiber zählt ausschließlich, ob die prostituierte Frau ihren Zweck erfüllt, sprich die sexuellen Wünsche der Freier befriedigt bzw. in der Lage ist, die tägliche Miete zu generieren. Insofern lässt sich der Prostitutionsmarkt wie folgt charakterisieren: Freier stellen die Nachfrage, Händler kümmern sich um das Angebot und Frauen sind das objektifizierte Angebot (Hughes 2000: 10). II. Prostitution als Konsumhandlung Mit einer Prostituierten zusammen zu sein, ist wie einen Becher Kaffee zu trinken – sobald du fertig bist, schmeißt du sie/ihn raus. Ich gehe gerne auswärts Essen. Mal in ein schickes Restaurant und mal zum Schnellimbiss. Genauso halte ich es beim Ficken. Ich komme nach Deutschland für die Prostituierten – es ist wie bei Aldi. Nach Bourdieu ist die Konsum- und Freizeitsphäre sehr bedeutend für die Reproduktion von Klassenstrukturen, die Demonstration von symbolischer Überlegenheit und die Etablierung von Hierarchien (Grauel 2010: 2). Konsumnachfrage ist nichts, das angeboren ist, sondern muss sozial konstruiert werden: „Menschen müssen zu der Vorstellung erzogen werden, dass sie ein bestimmtes Produkt wollen oder brauchen“ (O`Connell Davidson 2006: 12f.). In Bezug auf die Prostitution bedeutet das, dass einem Mann erst beigebracht werden muss, dass die Inanspruchnahme Spaß haben signalisiert oder dass sie einen 62 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute Marker für seine soziale Identität als „echter Mann“ ist (Pape 2012: 22). Den ansozialisierten Wunsch von Männern, mit anderen rivalisieren zu wollen und den Wunsch zu entwickeln, die Bewunderung anderer für die Beherrschung auf sich zu ziehen, bezeichnet Bourdieu als Libido dominandi (1997b: 2015). Pornographie kann als Marketing-Tool für Prostitution verstanden werden, da u. a. durch sie sozial akzeptables und zu erwartendes Sexualverhalten definiert wird (Guinn u. DiCaro 2007: 14). Eine Vergleichsstudie zeigt, dass 52 % der Freier, aber nur 20 % der Nicht-Freier Pornographie mit ihren Sexualpartnerinnen imitieren. Außerdem konsumieren Freier eine größere Bandbreite an Pornographie. Pornographie wird von einigen Freiern in ihre Prostitutionserfahrung eingebaut, in vielen Bordellzimmern flimmern den ganzen Tag Pornos über den Bildschirm, und 46–48 % der in einer Studie interviewten Freier geben an, dass sie Prostitution für Praktiken nutzen, die sie von ihrer Partnerin nicht erfragen wollen oder die die Partnerin ablehnte (Durchslag u. Goswarni 2008: 6). Der Konsumcharakter der prostituierten Frau wird auch deutlich, wenn man sich Folgendes vor Augen führt: Bordelle bestellen ihre Ware wie aus einem Versandkatalog nach den gewünschten und nachgefragten Anforderungen der Freier. Menschenhändler sprechen mitunter eine Händlergarantie aus und nehmen das Produkt zurück, wenn es den Ansprüchen der Konsumenten nicht genügt. Die zahlreichen Freierforen ähneln Produktbewertungsportalen, in denen Hygieneartikel, HiFi-Geräte oder Filme von den Konsumenten bzw. Konsumentinnen bewertet werden. Hier werden Ratings erstellt, gemessen an detaillierten Schilderungen der äußeren Erscheinung (Form des Hinterns, Echtheit und Festigkeit der Brüste, Hygiene, …), des sexuell erbrachten Engagements (lustlos, voll Porno, …) und der Ausführungsqualität der sexuellen Handlungen („Das Blasen war kurz, intensiv, aber nicht tief und mit zu viel Zahneinsatz“) etc. (eigene Recherchen, ausführliche Lektüre in sogenannten Freierforen) 63 Prostitution als Spielfeld zur Reproduktion männlicher Herrschaft III. Prostitution als Einsetzungsritus Ich wollte nicht der eine sein, der aus dem Rahmen fällt. Ich brauchte auch eine Kriegsgeschichte zum Erzählen. [Es ist] so wie dein erster Schluck Bier: Hier ist deine erste Nutte. Während die prostituierten Frauen (Personen) in hohem Maße von mehreren Ungleichheitsmechanismen betroffen sind (sex, class, race), trifft dies für Freier nicht zu. Die Gruppe der Freier konstituiert sich aus unterschiedlichen Nationalitäten, Ethnien oder Lebensstufen. Ihr Alter reicht von 15 bis 90 Jahren (Raymond 2004: 1167f.). Sie kommen aus der Arbeiterklasse, der Mittelschicht oder sind Akademiker, Geschäftsleute, Anwälte, Ärzte oder Politiker. Sie sind ledig, verheiratet oder in festen Partnerschaften. Es handelt sich bei ihnen nicht um marginalisierte, sondern um „gewöhnliche“ Männer (ebd.: 1169f.), und damit bei der Nutzung der Prostitution eindeutig um eine kollektive kulturelle Praxis. Kollektive Muster sind für die Konstitution von Männlichkeit von enormer Bedeutung, denn nach Bourdieu muss die „Zugehörigkeit zur Gruppe der „wahren Männer“ durch andere Männer“ beglaubigt werden (2016: 88): Männer müssen deshalb in die sozialen Spiele „die den Mann wirklich zum Mann“ machen investieren, um „als Mann würdig zu bleiben“. Der Habitus als verinnerlichte klassen- und geschlechtsspezifische Existenz- und Lebensbedingung wird zu einer Orientierung in der sozialen Welt, auf dessen Grundlage Handlungsstrategien subjektiv entwickelt werden. Einsetzungsriten kommt dabei eine bedeutsame Rolle zu, zum einen in Bezug auf die Trennung zwischen Jungen und Männern, zum anderen in Bezug auf die Trennung zu den Frauen. Sie markieren so einerseits das Überschreiten der Schwelle zur Männerwelt und andererseits die Ablösung des Jungen von der Mutter, der (nicht zwangsläufig, aber häufig) durch den Vater „in die Welt der Männer“ und damit die „symbolischen Kämpfe“ eingeführt wird (Bourdieu 2016: 50f.). 64 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute Dieser gesellschaftlich-kulturelle Druck „ein Mann zu sein“, die Funktion der Prostitution zur Validierung der Männlichkeit sowie die Einführung in die Prostitution durch die Väter werden von zahlreichen Freiern beschrieben (Durchslag u. Goswarni 2008: 13). In einer norwegischen Studie in Bezug auf Seeleute, die Prostitution genutzt hatten, berichteten alle, dass sie bereits als Minderjährige zu Freiern wurden und das Verhalten der älteren Männer kopierten. Teilweise wurde Prostitution von den älteren für die jüngeren organisiert. Eine Minderheit gab an, dass sie sich dem entziehen wollte, aber von den älteren Männern gezwungen wurde (Hughes 2004: 13). IV. Validierung der Männlichkeit in der homosozialen Männergemeinschaft 33 J. schlank, kurze Haare und behaart sucht ebenso gepflegte und niveauvolle Herren für gemeinsame Bordell- und Hurenbesuche. Habe vor am Samstag 17.10. vormittags hinzufahren. Vielleicht mag ja jemand mir die Maus vorbesamen?? Obwohl rechtlich unzulässig, da auf öffentlichem Boden, weist ein Hinweisschild an der Hamburger Herbertstraße darauf hin, dass Frauen dort keinen Zutritt haben. Solche Hinweisschilder finden sich auch in zahlreichen Eingangsbereichen von Bordellen. Ruhne schreibt dazu: „Frauen haben hier lediglich Zutritt, wenn sie bereit sind, die Stigmatisierung und Ausgrenzung als Prostituierte auf sich zu nehmen, [und…] ihren Status als „anständige“, „solide“ Frauen aufzugeben oder doch wenigstens in Frage stellen zu lassen“ (2008: 2529). Stuttgarter Streetworkerinnen berichten davon, wie sie von den Freiern nach ihrem Preis gefragt werden, obwohl sie für die Freier ersichtlich Sozialarbeiterinnen sind (eigene Recherchen). Homosozialität – die wechselseitige Orientierung der Personen desselben Geschlechts – ist nach Lipman-Blumen eine Beziehungsform, die grundsätzlich stärker von Männern als von Frauen genutzt wird (1976 65 Prostitution als Spielfeld zur Reproduktion männlicher Herrschaft zit. n. Meuser 2011: 13). Kennzeichnend ist „die räumliche Separierung exklusiv männlicher Sphären, zu denen Frauen der Zutritt verwehrt wird“ (Meuser 2011: 14). In diesen Männerräumen sind die sonstigen Anstandsregeln gegenüber Frauen außer Kraft gesetzt, was es ermöglicht, sich wechselseitig der Differenz zu Frauen zu vergewissern und untereinander Solidarität zu stiften (Meuser 2011: 16). Jeffreys beschreibt Stripclubs als klassische Orte für homosoziale Männergemeinschaften: „Der Boom der Stripclubs kann als Gegenangriff gesehen werden, in dem Männer ihr Recht, sich für und durch männliche Dominanz zu vernetzen, erneut bekräftigen und dies ohne die irritierende Gegenwart von Frauen – es sei denn diese sind nackt und dienen ihrem Vergnügen“ (Jeffreys 2014: 125). Besucht man Rotlichtviertel, sieht man zahlreiche Männer wie sie zu zweit oder in Gruppen Bordelle betreten oder verlassen. Wenngleich Anonymität (gegenüber der Partnerin) für viele Freier eine große Rolle spielt, erfüllt dieser gemeinsame Konsum oder der Konsum von Prostitution unter den Augen von anderen Männern den Zweck des male bonding. Auch der Austausch in Freierforen dient diesen Zweck (Månsson 2004: 7). Eine gängige Praxis über die sich in Freierforen regelmäßig ausgetauscht wird, ist die der Vorbesamung: Prostitution wird ohne Kondom praktiziert und die Freier lösen sich ab und nehmen sexuelle Handlungen an einer Frau vor, die noch das Sperma vom Vorgänger in sich trägt. Durch den Ausschluss von (nichtprostituierten) Frauen aus dem männlichen Spielfeld ergibt sich die Tatsache, dass diese kaum eigene Einblicke in die Prostitution erhalten und kaum als Subjekte eingreifen können, weshalb Ruhne zu dem Schluss kommt: „[Hieraus] könnte sich demnach als wesentlicher Faktor der (Re-)Produktion eines heute zwar gewandelten, aber keineswegs aufgehobenen und weiterhin von deutlichen Machtungleichheiten durchzogenen Geschlechterverhältnisses erweisen“ (2008: 2530). 66 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute V. Prostitution als „Reminiszenz an die guten alten Zeiten“ Die westlichen Frauen haben sich mit der Emanzipation selbst in den Fuß geschossen. Aufgeklärte Männer lassen sich nicht mehr von Westemanzen erpressen, es gibt doch viel bessere Alternativen! Einheimische Prinzessinnen können auch bei guter Behandlung so richtig schön scheiße sein. Tja, selbst schuld, wer seine Zeit mit ihnen verplempert. Nach dem essentialistischen Bild von Weiblichkeit gilt die Emanzipation der Frauen in der „westlichen Welt“ als unnatürlich, die weibliche Erfüllerin männlicher Bedürfnisse als natürlich (Månsson 2004: 7). Rassistische und ethnische Stereotypisierungen spielen deshalb eine große Rolle in der Bewerbung der Prostitution: asiatische Frauen werden als „exotisch“, „liebend“ und „unterwürfig“, afrikanische Frauen als „wild“ und lateinamerikanische Frauen als „frei“ und „einfach“ dargestellt (ebd.). Frauen aus Osteuropa gelten als „weniger emanzipiert“ oder „billig und willig“ (Geisler 2004: 32; Theurer 2014: 67). Die heutigen Sextourismus-Zentren sind häufig aus der Militärprostitution heraus entstanden und dienen als Orte, an denen Statusverluste kompensiert werden können. Sie unterstützen bei der Entwicklung einer aggressiven Maskulinität. Jeffreys sagt – in Anlehnung an die bourdieusche Spielmetapher – die „aus dem Kriegsdienst entlassenen Sexkrieger [kehren] auf ihre Spielplätze zurück“ (2014: 131). Prostitution dient so als „Reminiszenz an die guten alten Zeiten“: Der gefühlte Verlust der traditionellen männlichen Überlegenheit dient der Rückkehr zur „alten Ordnung“, in der der (weiße) Mann die Herrschaftsposition innehatte. Frauen aus „Entwicklungsländern“ werden aufgrund dieser Sichtweise als repräsentativ für diese alte Ordnung angesehen (Ben-Israel u. Levenkron 2005: 23). 67 Prostitution als Spielfeld zur Reproduktion männlicher Herrschaft VI. Prostitution als verleiblichte Geschichte Diejenigen, die ich kenne, haben kein Selbstwertgefühl und fühlen sich deshalb weniger wie ein Mensch, sondern mehr wie ein Gebrauchsgegenstand. Eingeritten ist Caryl schon lange, viele viele Jahre. … [Ich] war schon bei 2 Massenbesamungen, habe auch genügend Bilder reingestellt. Ich würde dieser kleinen Hure auch gerne mal meinen Ferrari in den Arsch rammen. Ok, am liebsten sogar noch etwas jüngeres, denn die jungen Stuten sind noch nicht so eingeritten. Nach Bourdieu ist der Habitus ein Produkt der sozialisatorischen Prägungs- und Konditionierungsprozesse und die Verinnerlichung der objektiven Kräfteverhältnisse (Bourdieu 1993: 102). Häufig wird Prostitution isoliert als Versuch der Verbesserung der ökonomischen Lebenssituation betrachtet. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass Prostitution für prostituierte Frauen zu einem sozialen Aufstieg führt. Sie sind gesellschaftlich stigmatisiert und können tatsächlich kein Vermögen in der Prostitution erarbeiten. DeRiviere errechnet die lebenslangen Kosten ehemaliger prostituierter Frauen und kommt zu dem Ergebnis, dass bereits während der Tätigkeit in der Prostitution die Hälfte der Frauen auf wohlfahrtsstaatliche Unterstützung angewiesen ist. Ein Großteil des Geldes (37,2 %) geht an Zuhälter und Betreiber, den Konsum von Alkohol und Drogen (46,4 %) und die Teilnahme an Entzugsprogrammen (8,5 %). Am Ende bleibt den Frauen nur rund 8 % der Einnahmen zum Selbstbehalt. Da durch die Prostitutionstätigkeit im Vergleich zu anderen Tätigkeiten Ausbildung und Fortbildung fehlen, werden die Zukunftspotentiale auf dem Arbeitsmarkt beträchtlich beeinträchtigt. Zusammen mit den gesundheitlichen und psychischen Folgen ergeben sich für jede Frau durch die Tätigkeit in der Prostitution durchschnittliche Nettokosten im sechsstelligen Bereich, auf die gesamte Lebenszeit betrachtet 68 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute (DeRiviere 2006: 377f.). Geisler konstatiert für die von ihr untersuchten migrierten Prostituierten ähnliches: „Im Herkunftsland müssen die Frauen nach ihrer Rückkehr in materieller, psychischer und gesellschaftlicher Hinsicht oftmals mit schlechteren Situationen als vorher fertig werden“ (2004: 32). Ein (eingeschränkter) Aufstieg in der Feldhierarchie kann in der Regel also nur dann gelingen, wenn die Tätigkeit als Madam/Hausdame übernommen und selbst an der Prostitution anderer verdient wird. Wenn Prostitution ganz offensichtlich kein Weg aus der Armut ist und nach Farley et al. neun von zehn Frauen sich den Ausstieg aus der Prostitution wünschen (2003: 56), dann müssen auch andere Faktoren entscheidend sein, denn dies widerspricht einem Habitus, der kollektiv allen Frauen zu eigen ist und für die Prostitution vulnerabel macht. Dennoch bedarf es nach Bourdieu „Dispositionen der Unterwerfung“, um sich auf die Spielregeln eines Feldes einzulassen. Traumatherapeutinnen wie Ingeborg Kraus oder Michaela Huber sprechen von „Trauma als Voraussetzung für und Folge von Prostituierung“ (Kraus 2015) und von Prostitution als „Reinszenierung erlebter Traumata.“ (Huber 2014) Studien weisen eindeutig in diese Richtung. Nach Farley et al. waren 63 % der von ihnen befragten Frauen in ihrer Neun-Länder-Studie in der Kindheit oder dem Erwachsenenleben vor ihrem Einstieg in die Prostitution Opfer sexueller Gewalt geworden. Bei 49 % lag häusliche Gewalterfahrung vor (2003: 56). Die ehemalige Prostituierte Rosen Hicher äußerte sich diesbezüglich wie folgt: „Es schien mir eine völlig natürliche Sache zu sein, was ich da tat. Ich wusste genau, wo ich hingehe. Und es schien mir völlig normal zu sein, dort zu bleiben“ (Trauma und Prostitution 2015). Und die verstorbene Domina Ellen Templin: „Eine Frau, die sich prostituiert, hat Gründe dafür. In erster Linie seelische. Hier im Studio sind alle in ihrer Kindheit missbraucht worden. Alle“ (Abolition 2014). 69 Prostitution als Spielfeld zur Reproduktion männlicher Herrschaft Wenn man von Bourdieus Annahme vom Habitus als „verleiblichter Geschichte“ ausgeht, dann findet sich in der Gewalt-Vorerfahrung ein wesentlicher Erklärungsansatz für die Entstehung von den der Prostitution zugrundeliegenden Dispositionen. Conclusio Der Prostitutionsmarkt ist zweifelsohne ein kapitalistischer Markt, der einer Profitlogik folgt, und in dem zahlreiche Akteurinnen und Akteure auf vielfältige Weise eingebunden sind. Es handelt sich um einen Markt, in dem jährlich Milliarden Euros umgesetzt werden und in dem nach immer neuen Profitmöglichkeiten gesucht wird. Es handelt sich um eine Industrie, die ständig expandiert. Der schwedische Kriminalinspektor Simon Häggström von der Stockholmer Prostitution Unit weist zu Recht darauf hin, dass es den Händlern nicht um Sex geht, sondern dass ihre Motivation darin liegt, mit der Ware Frau Geld zu verdienen. Der Ökonom John Meynard Keynes konstatierte 1936, dass jegliche Produktion darauf hinausläuft, die Konsumentinnen und Konsumenten zufrieden zu stellen (1936: 46). Auch deshalb darf die Analyse eines so geschlechtsspezifischen Phänomens wie der Prostitution nicht auf ihre ökonomische Ebene verkürzt werden. Gerheim tut somit Recht daran, wenn er Prostitution dem Raum männlicher Lebensstile zuordnet (2012: 151). Im Feld der Prostitution wird, wie dargelegt, ökonomisches Kapital in symbolisches Kapital in Form von sozialer Anerkennung und Prestige transformiert. Bourdieu wies daraufhin, dass die Gefahr besteht, dass dort, wo die männliche Herrschaft „bei vielen Gelegenheiten als etwas [erscheint], dass man verteidigen oder rechtfertigen muss“ (2016: 155), sich diese unter anderen Vorzeichen in modernisierter Form konstituiert. Die hier vertretene These lautet, dass Prostitution ein individuelles und kollektives Muster ist, welches nicht mit der männlichen Herrschaft 70 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute bricht und gleichzeitig von ihr abhängig ist, um die männliche Herrschaft zu festigen – und zwar für alle Frauen, nicht nur für jene, die in der Prostitution tätig sind. Dies deshalb, weil Prostitution meines Erachtens genau jene Funktion erfüllt, die niedrigere Position der Frau in der Geschlechterhierarchie aufrechtzuerhalten. Freier wie Nicht-Freier, also alle Männer, profitieren von der Prostitution, da diese eine Sicherungsfunktion in Bezug auf ihren übergeordneten Status darstellt. Durch die Prostitution wird dem männlichen Kollektiv ein unbeschränkter Zugriff auf den weiblichen (oder verweiblichten) Körper ermöglicht. Deshalb möchte ich hier der ehemaligen Prostituierten Huschke Mau zustimmen, wenn sie sagt: Prostitution steht nicht außerhalb dieser Gesellschaft, sie wird von ihr hervorgebracht und auch benötigt, um das traditionelle Rollenbild immer und immer wieder zu zementieren (Mau 2016). Literatur Abolition 2014 (2014). Interview mit einer Domina. Zugriff am 13. Januar 2018 unter http://abolition2014.blogspot.de/2014/05/interview-miteiner-domina.html. Amnesty International (2015). Decriminalization of Sex Work: Policy Background Document, Entwurf. Zugriff am 13. Januar 2018 unter https://de.scribd.com/doc/202126121/Amnesty- Prostitution-Policy-document. Ben-Israel, H. und Levenkron, N. (2005). The Missing Factor. Clients of Trafficked Women in Israel`s Sex Industry, Jerusalem: Hotline for Migrant Workers. Bourdieu, P. (1993). Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft, Frankfurt am Main: Suhrkamp. Bourdieu, P. 2016 [1998]. Die männliche Herrschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp. 71 Prostitution als Spielfeld zur Reproduktion männlicher Herrschaft DeRiviere, L. (2006). A Human Capital Methodology for Estimating the Lifelong Personal Costs of Young Women Leaving the Sex Trade, in: Feminist Economics, 12.3, 367-402 Durchslag, R. und Goswarni, S. (2008). Deconstructing The Demand for Prostitution: Preliminary Insights From Interviews With Chicago Men Who Purchase Sex, Chicago: Chicago Alliance Against Sexual Exploitation. Farley, M. (2007). Renting an Organ for 10 Minutes. What Tricks Tell Us About Prostitution, Pornography and Trafficking. In: Guinn, D. (Hrsg.): Pornography: Driving the Demand for International Sex Trafficking, Los Angeles: Captive Daughters Media. Farley M., Schuckmann, E., Golding, Jacqueline M., Houser, K., Jarrett, Laura, Qualliotine, P., Decker, M. (2011). Comparing Sex Buyers with Men Who Don`t Buy Sex: “You can have a good time with servitude” vs. “You`re supporting a system of degration”. Paper presented at Psychologists for Social Responsibility Annual Meeting, Boston. Geisler, A. (2004). Hintergründe des Menschenhandels in die Prostitution mit Frauen aus Osteuropa, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 52/53, S. 27–32. Gerheim, U. (2012). Die Produktion des Freiers. Macht im Feld der Prostitution, Eine soziologische Studie, Bielefeld: Transcript. Grauel J. (2010). Soziale Differenzierung durch moralischen Konsum? Zugriff am 13. Januar 2018 unter http://www.soeb.de/fileadmin/redaktion/ downloads/werkstatt_2010_1_grauel.pdf. Grubman Black, S. (o.J.). Deconstructing John. Paper presented at Demand Dynamics Conference, Chicago. Guinn, D. und DiCaro, J. (Hrsg.) (2007). Pornography: Driving the Demand of International Sex Trafficking, Bloomington: Xlibris. Huber, M. (2014). Trauma und Prostitution aus traumatherapeutischer Sicht. Zugriff am 13. Januar 2018 unter https://www.michaela-huber.com/ files/vortraege2014/trauma-und-prostitution-aus-traumatherapeutischer-sicht.pdf Hughes, D. M. (2000). The “Natasha” Trade. The Transnational Shadow Market of Traffickin in Women, in: Journal of International Affairs 53 (2), S. 625–651. 72 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute Hughes, D. M. (2004). Best Practices to Adress the Demand Side of Sex Trafficking. Zugriff am 13. Januar 2018 unter http://www.popcenter.org/ problems/trafficked_women/PDFs/Hughes_2004a.pdf Jäger, U. , Tomke, K., Maihofer, A. (2012). Pierre Bourdieu: Die Theorie männlicher Herrschaft als Schlussstein seiner Gesellschaftstheorie, in: Kahlert, H. und Weinbach, C. (Hrsg.): Zeitgenössische Gesellschaftstheorien und Genderforschung, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 15–36. Jeffreys, S. (2014). Die industrialisierte Vagina. Die politische Ökonomie des globalen Sexhandels, Hamburg: Marta Press Verlag. Keynes, J. M. (1936). The General Theory of Employment, Interest and Money, New York: Macmillan Cambridge University Press. Kraus, I. (2015). Trauma als Voraussetzung für und Folge der Prostituierung, Zugriff am 13. Januar 2018 unter http://www.trauma-and-prostitution. eu/2016/02/17/trauma-als-voraussetzung-fuer-und-folge-derprostituierung/ Lipman-Blumen, J. (1976). Towards a Homosexual Theory of Sex Roles, in: Signs 1, S.15–31. Månsson, S. A. (2004). Men`s Practices in Prostitution and Their Implications for Social Work. Zugriff am 13. Januar 2018 unter http://prostitution. procon.org/sourcefiles/mens-practices-in-prostitution-and-theirimplications-for-social-work.pdf. Mau, H. (2016). Der Freier. Warum Männer zu Prostituierten gehen und was sie über diese denken, in: Wochenzeitung Kritische Perspektive. Zugriff am 13. Januar 2018 unter http://kritischeperspektive.com/kp/2016-34der-freier/. Meuser, M. (2001). Männerwelten. Zur kollektiven Konstruktion hegemonialer Männlichkeit. Schriften des Essener Kollegs für Geschlechterforschung 1. Jg 2011, Heft II. Millet, K. (1981). Das verkaufte Geschlecht. Die Frau zwischen Gesellschaft und Prostitution, Basel: Kiepenheuer & Witsch. O’Connell Davidson, J. (2006). Männer, Mittler, Migranten. Marktgesetze des „Menschenhandels“. In: Osteuropa, 56. Jg. 6/2006, S. 7–20. Pape, S. (2012). Weinkonsum. Eine Studie zu soziokulturellen Determinanten und Lebensstilen im Feld des Weines, Wiesbaden: Springer Fachmedien. 73 Prostitution als Spielfeld zur Reproduktion männlicher Herrschaft Raymond, J. G. (2004). Prostitution on Demand. Legalizing the Buyers as Sexual Consumers, in: Violence Against Women 10.10, S. 1156–86. Ruhne, R. (2006). Körper unter Kontrolle. Prostitution als „soziales Problem“ in der Geschlechterordnung, in: Rehbert, Karl-Siegbert (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft, Frankfurt am Main: Campus. Theurer, S. (2014). „Frauenhandel“ aus Bulgarien und Rumänien in Deutschland. Working Paper 07, Marburg: Philipps Universität Marburg. Trauma und Prostitution (2015). Trauma als Voraussetzung für und Folge der Prostituierung. Zugriff am 13. Januar 2018 unter http://www.trauma-and-prostitution.eu/2016/02/17/trauma-alsvoraussetzung-fuer-und-folge-der-prostituierung/.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Ebenso skandalisiert wie verharmlost ist die Praxis gewerblichen Geschlechtsverkehrs immer wieder Gegenstand kontroverser gesellschaftlicher Debatten. Undeutlich bleibt dabei oft, was genau gemeint ist und über wen gesprochen wird. Die rechtliche Lage, die sozioökonomische Position, die Profiteure und die Benachteiligten eines sich ständig verändernden Milieus müssen nämlich ebenso berücksichtigt werden wie die Orte von Prostitution und das Geschlecht der Betroffenen. Dieser Sammelband möchte gegenwärtige Strömungen und Auffassungen sichtbar machen, Ursachen und Motive von Prostitution argumentativ aufbereiten, die Nachfrageseite und ihre Rolle im Prostitutionssystem beleuchten, den Einfluss medialer Sujets nachzeichnen und auch die Probleme benennen, die im Rahmen der Feldforschung entstehen. Zudem stellt der Band wichtige Beratungs- und Ausstiegsangebote vor, die insbesondere in Deutschland und Schweden verfolgt werden. Neben sozialwissenschaftlichen Blickwinkeln und sozialarbeiterischen Interventionsmöglichkeiten bei von Gewalt betroffenen Menschen in der Prostitution stehen vor allem Betroffene mit ihren Erfahrungen im Mittelpunkt. Stimmen aus der Praxis der Sozialen Arbeit prägen den abschließenden Schwerpunkt des Buches und berichten von den Erfahrungen aus der täglichen und praktischen Arbeit im Milieu.