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Cathrin Schauer-Kelpin, Anna Ciecior, Unsichtbar in Deutschland? Sexuelle Ausbeutung von Frauen am Beispiel der Arbeit von KARO e. V. in:

Carina Angelina, Stefan Piasecki, Christiane Schurian-Bremecker (Ed.)

Prostitution heute, page 209 - 218

Befunde und Perspektiven aus Gesellschaftswissenschaften und Sozialer Arbeit

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4106-2, ISBN online: 978-3-8288-6966-0, https://doi.org/10.5771/9783828869660-209

Tectum, Baden-Baden
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209 Unsichtbar in Deutschland? Sexuelle Ausbeutung von Frauen am Beispiel der Arbeit von KARO e. V. Cathrin Schauer-Kelpin und Anna Ciecior Sexuelle Ausbeutung von Frauen am Beispiel der Arbeit von KARO e. V. Seit 1994 engagiert sich KARO e. V. gegen Zwangsprostitution, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung von Kindern. Ziel des Vereins ist es, Kindern, Jugendlichen und Frauen, die physische, psychische und/oder sexuelle Gewalt erfahren haben, Schutz und Hilfe anzubieten. Opfern steht psychosoziale, traumapädagogische und gesundheitliche Beratung zur Option. Exemplarisch ist die Streetworkarbeit in den Prostitutionsmilieus der deutsch-tschechischen Grenzregionen und in Plauen. Den Prostituierten werden Unterstützung, (Gesundheits-)Beratung und Ausstiegshilfen angeboten. Im Schutzhaus des KARO e. V. finden bis zu 20 Menschen Zuflucht und Hilfe – 241 Frauen und 117 Kinder konnten seit 2009 unterkommen. Der Verein unterhält Beratungsstellen und Schutzwohnungen in Plauen und Cheb, sowie seit 2008 eine Babyklappe in Plauen. Neun angestellte Mitarbeiter-/innen widmen sich den Aufgaben des Vereins. Ungeborene Kinder auf dem Strich Marcella59 kam hochschwanger in die Schutzeinrichtung des KARO e. V. Zu Beginn verließ sie ihr Bett kaum, so anstrengend waren die Monate auf dem Straßenstrich für ihren Körper gewesen. Trotz Schwangerschaft war Marcella bei jedem Wetter auf dem Strich und schaffte Tag und Nacht an. Ihr Zuhälter hatte sie drogenabhängig gemacht. Ihre Schwangerschaft bemerkte sie erst im 6. Monat. Jegliches Gefühl für ihren Körper und ihre Bedürfnisse musste sie verdrängen. 59 Der Name der Frau wurde anonymisiert und Teile der Geschichte leicht ver- ändert. 210 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute Die Gewalt und Kontrolle durch ihren Zuhälter sowie die fehlende Krankenversicherung erlaubten keine Vorsorgeuntersuchungen und keine Vorbereitung auf die Geburt und das Leben mit einem Kind. Als Marcella bei uns ankam, mussten wir als erstes mit ihr in die Rettungsstelle fahren. Sie berichtete von Schlägen ihres Zuhälters Diese waren überall auf ihren Körper sichtbar, auch auf den Bauch. Wegen ihres akuten behandlungsbedürftigen Gesundheitszustandes musste zunächst eine gynäkologische Untersuchung organisiert und bezahlt werden. Marcella hatte dort dann die erste Untersuchung während der Schwangerschaft und war erleichtert, dass bei dem ungeborenen Kind trotz des täglichen Drogenkonsums und der Gewalt zumindest vorerst alles in Ordnung schien. Sie war damals bereits im achten Schwangerschaftsmonat. Dieses Schicksal steht beispielhaft für osteuropäische sich prostituierende Frauen in Deutschland. Marcella ist nicht die einzige schwangere Frau, die sich in Deutschland prostituieren muss. Einige Freier zahlen sogar mehr Geld für eine hochschwangere Frau. In der Prostitution gibt es für einen Großteil der Frauen keine Trennung zwischen Arbeitsort und Wohnung. Dadurch ist es strukturell unmöglich, dass die Schwangere ihre Bedürfnisse und Rechte als werdende Mutter durchzusetzen vermag. Wir treffen regelmäßig Frauen, die keine Vorsorgeuntersuchungen erfahren haben, die Bedeutung des Mutterschutzes nicht kennen und auch nicht durchsetzen könnten oder die es für selbstverständlich halten, dass sie bis zur Geburt ihres Kindes anschaffen gehen. Meistens müssen sie sich auch kurz nach der Geburt des Kindes wieder prostituieren. Diese hohe körperliche Belastung hat langfristige gesundheitliche Folgen. Diese Kinder haben meist ebenfalls keine Krankenversicherung in Deutschland. 211 Sexuelle Ausbeutung von Frauen am Beispiel der Arbeit von KARO e. V. Streetwork und Ausstiegshilfen Durch Streetwork in Form der aufsuchenden Sozialarbeit werden die Frauen in ihrem Lebensumfeld kontaktiert. Insbesondere sind die angemieteten Wohnungen für Prostituierte oder andere bordellähnliche Einrichtungen Ziele der Sozialarbeiter/-innen. Das Verteilen von Präventionsmaterialien wie Kondomen, Gleitgel, Spritzen und Schwangerschaftstests sowie mehrsprachigen Flyern, welche über unsere Beratungs- und Hilfsangebote informieren, ermöglicht einen ersten Zugang zu den Frauen in den Wohnungen. Das Problem ist häufig nicht die Offenheit der Frauen, sondern deren meist engmaschige Kontrolle durch Verwandte, sog. Freunde oder Angehörige des Prostitutionsmilieus. Der Cousin, Neffe oder Partner kann zudem sehr brutal werden, wenn er Angst bekommt, dass seine Einnahmequelle abhandenkommen könnte. Aus Sicherheitsgründen führen wir die sozialarbeiterische Arbeit in Form von Streetwork daher immer mindestens zu zweit durch. Bei Besuchen geht es anfangs darum, Vertrauen aufzubauen. Erfahrungsgemäß äußern beim ersten Kontakt nur wenige Betroffene konkrete Ängste, Zwangslagen oder den Wunsch nach Schutz. Ein Vertrauensverhältnis ist nur durch regelmäßige Kontakte möglich. Auf Grund der hohen Fluktuationsrate der Prostituierten in verschiedenen Clubs und Wohnungsbordellen in ganz Deutschland oder sogar im Ausland, ist die Verteilung von Notfallkarten ein Mittel, um jene zu erreichen, die nur kurze Zeit da sind. Dafür sind mehrsprachige Flyer und eben Notfallkarten sinnvoll. Regelmäßige Szeneanalysen und Recherchen über Prostitutionsstätten sind darüber hinaus notwendig. Doch nicht in jedes Bordell oder in jede Wohnung erhalten Streetworker überhaupt Eintritt. Sozialarbeiter/-innen, die Frauen beim Ausstieg aus der Prostitution unterstützen, sind mit Menschen konfrontiert, welche häufig über gar keine Teilhabe an der Gesellschaft verfügen und zudem mit hohen persönlichen Belastungen zu kämpfen haben. Das bedeutet, dass 212 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute eine Zielgruppe mit multiplen Belastungs- und Problemlagen angetroffen wird. Fehlende Krankenversicherung sowie persönliche Faktoren wie Traumatisierungen, akute Gewalterlebnisse, ein fehlendes soziales Netzwerk, fehlende materielle Unterstützung, fehlende Freizeitaktivitäten und die vollständige Nicht-Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Deutschland machen die Frauen zu potentiellen Opfern von Ausbeutung und erschweren den Schritt in ein gewaltfreies Leben enorm. Um schnelle Hilfe in Notsituationen 24 Stunden am Tag zu leisten, existiert ein ständig erreichbares Notruftelefon. Weiterhin werden regelmäßig Sprachmittlerinnen beim Streetworkeinsatz und in Beratungsgesprächen eingesetzt. Im Kontext der Selbstbemächtigung (vgl. Gahleitner et al. 2014: 263) wird versucht, die Prostituierten über Hilfsstrukturen, Behörden und sozialrechtliche Strukturen in Deutschland aufzuklären. Durch Case Management und der grenzüberschreitenden Netzwerkarbeit werden Frauen bei Bedarf an Behörden, Polizei und Hilfseinrichtungen vermittelt, gegebenenfalls auch die Rückführung ins Herkunftsland vorbereitet. Beratung und Betreuung beinhalten neben einer bedarfsmäßigen Krisenintervention und praktischer Unterstützung die Möglichkeit, die Betroffenen bei Ämter- und Behördengängen zu begleiten, Anträge zu stellen, sie bei einer alternativen Jobsuche zu unterstützen und andere Schritte zu tätigen, die notwendig sind, um ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben zu beginnen. Unterstützung für schwangere Frauen und Mütter mit ihren Kindern Insbesondere schwangeren Frauen und Müttern wird nach der Geburt des Kindes eine unkomplizierte Aufnahme im Schutzhaus ermöglicht. So soll sichergestellt werden, dass diese sich in Ruhe um die Bedürf- 213 Sexuelle Ausbeutung von Frauen am Beispiel der Arbeit von KARO e. V. nisse ihres Körpers und ihres Babys kümmern können. Erkrankungen, Komplikationen und Kindesmisshandlung können so vorgebeugt werden. Dass dies nötig ist, zeigt sich u. a. darin, dass die Sozialarbeiter/-innen immer wieder schwer traumatisierte Kinder, die starke Entwicklungsverzögerungen aufweisen, betreuen. Eine gewaltfreie und entwicklungsfördernde Erziehung der eigenen Kinder muss häufig von den Frauen erst erlernt werden. Viele Kinder sind ebenso traumatisiert wie ihre Mütter; Erziehungsprobleme sind vorprogrammiert. Niederschwellige Erziehungsberatung, spiel- sowie traumapädagogische Angebote für die Kinder und eine Entlastung der Mütter sind dann wichtig. Fast immer ist der Bedarf an Unterstützung und Alltagsbegleitung sehr groß. Umso dringlicher wäre eine schnelle und intensive zusätzliche Hilfe. Das zuständige Jugendamt sollte hier tätig werden. Leider ist dies jedoch unrealistisch, da ein Antrag auf Hilfen zur Erziehung in unserer Region in der Regel mehrere Wochen dauert. Um das Kindeswohl zu gewährleisten, wird in der Schutzeinrichtung eine engmaschige Betreuung in einem relativ hoch strukturierten Arbeitsfeld mit klaren Grenzen und Regeln geleistet. Wird gegen Regeln wie Gewalt- oder Drogenfreiheit verstoßen und kann die Gefahr nicht sicher abgewendet werden, werden dahingehende Beobachtungen an das Jugendamt weitergeleitet. Manchmal ist eine Unterbringung in einem Heim oder einer Pflegefamilie leider der einzige Weg, die körperliche und seelische Unversehrtheit des Kindes zu gewährleisten. Doch auch danach wird den Müttern die Möglichkeit geboten, einen Weg zu finden, der das gemeinsame Leben mit ihrem Kind zum Ziel hat. Regelmäßige Nahrungsaufnahme, geregelte Tagesstrukturen, Schlafzeiten und konstruktive Freizeitbeschäftigungen sind Dinge, die für viele Frauen in ihrer Vergangenheit undenkbar waren. Diese müssen völlig neu erlernt werden. Das erfordert eine zeitintensive Betreuung. Diese erfordert wiederum Personal, welches häufig knapp ist. Seelische Wunden, die sich z. B. in Misstrauen, emotionaler Verrohung und 214 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute Aggressionen äußern können, machen den Neuanfang schwer. Allein, ohne Familie, Freunde und gesellschaftliche Anbindung haben die Betroffenen die ersten Monate nur die Mitarbeiterinnen und die anderen Bewohnerinnen als Ansprechpartnerinnen für ihre vielfältigen Sorgen und Nöte. Zugang zu Entschädigung und Sicherung des Lebensunterhalts sind oft nicht gesichert. Trotz einer langen Aufenthaltsdauer in der Schutzeinrichtung ist, eine zeitlich unbegrenzte Nachsorge und Beratung sinnvoll. Seelische Krisen und Phasen emotionaler Niedergeschlagenheit, Bindungsstörungen und die Herausforderung, das mühsam aufgebaute stabile individuelle Leben zu erhalten, fordern das konstante Vorhandensein einer vertrauten Ansprechperson. Beratungen werden so über viele Jahre immer wieder regelmäßig oder unregelmäßig fortgeführt. Der Rückhalt und das entstandene Vertrauen in die Mitarbeiterinnen des Vereins sind für viele Frauen unglaublich wichtig. Hintergrund: Armuts- und Elendsprostitution Die Prostitution im sog. „grauen Bereich“ (vgl. Gugel 2011: 14) kann – wie bereits mehrfach in diesem Band dargelegt – als Armuts- und Elendsprostitution beschrieben werden. Selten ist die Entscheidung zur Prostitution wirklich „bewusst und rational“. Denn welche langfristigen, gesundheitlichen Risiken auf körperlicher wie seelischer Ebene eingegangen werden, ist nur für wenige Frauen wirklich vorhersehbar. Viele können aufgrund von sexuellem Missbrauch in der Kindheit ihre körperlichen Bedürfnisse und Gefühle abspalten und sich somit emotional betäuben. Die 18-jahrige deutsche Prostituierte Anna60 sagte einmal zu uns: „Für mich ist die Prostitution kein Problem, ich fühle sowieso nichts beim Sex“. Sie wurde in der Schutzeinrichtung von KARO e.  V. betreut, da ein Freier sie seit Monaten stalkte und Anna mehrfach verbalen und körperlichen 60 Aus Gründen der Anonymität wurde der Name geändert. 215 Sexuelle Ausbeutung von Frauen am Beispiel der Arbeit von KARO e. V. Übergriffen durch diesen ausgesetzt war. Zudem war sie hoch verschuldet. Außerdem hatte Anna eine massive Essstörung und musste aufgrund der Bedrohungen in ein Frauenhaus in eine andere Stadt vermittelt werden. Bei Zwangsprostitution greift rechtlich gesehen das Opferschutzgesetz (vgl. Bundesgesetzblatt 1986). Laut diesem haben Betroffene zwar Anspruch auf Leistung, jedoch können sie oft die nötigen Nachweise wie Personalausweis oder Wohnsitz nicht erbringen und wenn doch, wird die Leistung erst nach einer langen Wartezeit gewährt. In der Prostitution im grauen Bereich ist die rechtliche Situation weitaus problematischer, da sich hieraus keinerlei Anspruch auf Leistung nach dem Opferschutzgesetz ergibt, denn nach der aktuellen Prostitutionsgesetzgebung fallen sie in die Kategorie „freiwillige Prostitution“. Somit sind die Betroffenen auf die Hilfe und Unterstützung von NGOs angewiesen, die sich jedoch meist rein über Spenden finanzieren müssen und deshalb nicht viel Geld zur Unterstützung dieser Frauen zur Verfügung haben. Das spezifische Hilfeangebot von KARO e. V. Für die Organisationen ergeben sich die Herausforderungen, den betroffenen Personen erstmals einen geschützten Ort außerhalb des Milieus zu ermöglichen, um mit ihnen in Ruhe ihre individuellen Beweggründe und Problemlagen vor dem Hintergrund von Lebenswelt und Biographie herauszuarbeiten und ihre rechtliche Situation abzuklären. Daraus müssen nun sinnvolle Alternativen für ein existenzsicherndes und gewaltfreies Leben erarbeitet werden. Dies kann in Beratungsstellen wie KARO e. V. erfolgen. Der Verein bietet Aufklärung und Beratung zu Themen wie Gesundheit, Strukturen und Abläufe in deutschen Behörden und die Darlegung möglicher Hilfsangebote durch den Verein oder andere Ein- 216 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute richtungen. Da viele Frauen nur bruchstückhaft oder gar nicht die deutsche Sprache beherrschen, bedarf es oft Sprachmittler-/innen, die auf die spezifischen Anforderungen der Frauen eingehen können. Unsere Mitarbeiter/-innen vermitteln und begleiten die Betroffenen zu Ärzt/-innen, Anwält/-innen und Behörden und unterstützen sie bei der Beantragung von Dokumenten oder ggf. dem Stellen von Strafanzeigen. Ein weiteres Hauptziel ist es, den Frauen Sicherheit und Stabilität zu vermitteln. Hierfür ist häufig ein geschütztes Umfeld bspw. in einer Schutzeinrichtung notwendig, damit die Personen erstmals zur Ruhe kommen und Abstand gewinnen können. Da diese in der Regel nach dem Ausstieg aus der Prostitution über kein Einkommen oder Erspartes verfügen, gibt es die Option der Anmietung einer eigenen Wohnung oft nicht. In der Schutzeinrichtung von KARO e. V. gibt es Beratungsgespräche, Angebote zur konstruktiven Freizeitgestaltung, traumapädagogische Angebote, Anleitung zum Erlernen hauswirtschaftlicher Kompetenzen, Begleitung zu Behördengängen sowie Unterstützung bei der Suche nach kostenfreien Sprach- und Integrationskursen. Außerdem ist die umfassende Unterstützung bei der Integration in den Arbeitsmarkt von großer Bedeutung. Arbeit ermöglicht den Betroffenen nicht nur finanzielle Unabhängigkeit und Kontrolle über ihr Leben. Sie sehen im Idealfall dadurch auch eine gewaltfreie Möglichkeit, außerhalb der Prostitution Geld zu verdienen um ihre Familien oder Kinder im Herkunftsland zu unterstützen. Ziel ist es, eine „normale“ Alltagsstruktur aufzubauen, zu festigen und die multidimensionalen Problemlagen wie auch die Ressourcen der Frauen zu erkennen und zielgerichtet zu intervenieren. Ist dann der Neustart in eine eigene Wohnung mit einem regelmassigen Einkommen vollzogen, ist es wichtig, weiterhin als Ansprechperson in Kontakt zu bleiben. Alltägliche Belastungen des Lebens in Zusammenhang mit der Arbeitsstelle, der Herkunftsfamilie, dem 217 Sexuelle Ausbeutung von Frauen am Beispiel der Arbeit von KARO e. V. Wohnen, notwendigen Arzt- und Behördengängen sowie dem Aufbau sozialer Beziehungen bergen im Leben vieler Frauen ein Konfliktpotential, welches ihre Belastungsgrenze und ihre Bewältigungsmöglichkeiten schnell übersteigt. Dann ist rechtzeitige Beratung und praktische Hilfe erforderlich. Literatur Bundesgesetzblatt (1986). Erstes Gesetz zur Verbesserung der Stellung des Verletzten im Strafverfahren (Opferschutzgesetz). Zugriff am 08.02.2018 unter https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start. xav?start=%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl186s2496.pdf %27%5D#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl186s2496. pdf%27%5D__1507815864200. Gahleitner, S. B., Baierl, M., Hensel, T., Kühn, M., Schmid, M. (2014). Traumapädagogik in psychosozialen Handlungsfeldern. Ein Handbuch für Jugendhilfe, Schule und Klinik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Gugel, R. (2011). Das Spannungsverhältnis zwischen Prostitutionsgesetz und Art. 3 II Grundgesetz: Eine rechtspolitische Untersuchung. Münster: LIT Verlag.

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Zusammenfassung

Ebenso skandalisiert wie verharmlost ist die Praxis gewerblichen Geschlechtsverkehrs immer wieder Gegenstand kontroverser gesellschaftlicher Debatten. Undeutlich bleibt dabei oft, was genau gemeint ist und über wen gesprochen wird. Die rechtliche Lage, die sozioökonomische Position, die Profiteure und die Benachteiligten eines sich ständig verändernden Milieus müssen nämlich ebenso berücksichtigt werden wie die Orte von Prostitution und das Geschlecht der Betroffenen. Dieser Sammelband möchte gegenwärtige Strömungen und Auffassungen sichtbar machen, Ursachen und Motive von Prostitution argumentativ aufbereiten, die Nachfrageseite und ihre Rolle im Prostitutionssystem beleuchten, den Einfluss medialer Sujets nachzeichnen und auch die Probleme benennen, die im Rahmen der Feldforschung entstehen. Zudem stellt der Band wichtige Beratungs- und Ausstiegsangebote vor, die insbesondere in Deutschland und Schweden verfolgt werden. Neben sozialwissenschaftlichen Blickwinkeln und sozialarbeiterischen Interventionsmöglichkeiten bei von Gewalt betroffenen Menschen in der Prostitution stehen vor allem Betroffene mit ihren Erfahrungen im Mittelpunkt. Stimmen aus der Praxis der Sozialen Arbeit prägen den abschließenden Schwerpunkt des Buches und berichten von den Erfahrungen aus der täglichen und praktischen Arbeit im Milieu.