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Deborah da Silva, Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt betroffenen Frauen in der Prostitution in:

Carina Angelina, Stefan Piasecki, Christiane Schurian-Bremecker (ed.)

Prostitution heute, page 127 - 154

Befunde und Perspektiven aus Gesellschaftswissenschaften und Sozialer Arbeit

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4106-2, ISBN online: 978-3-8288-6966-0, https://doi.org/10.5771/9783828869660-127

Tectum, Baden-Baden
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127 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt betroffenen Frauen in der Prostitution Deborah da Silva Abstract There is a high risk for women in prostitution to become victims of violence. Violence in this context is referred to as physical, sexual and psychological abuse. Therefore, it is important for social workers to engage with the topic of violence and to identify the appropriate opportunities for taking action in support of the affected women. Using qualitative research and literature review, four essential factors for social workers dealing with women in prostitution were identified: 1. Many women in prostitution have a high acceptance of violence. They believe that violence is an inevitable part of prostitution and so they need to endure it. Social workers can raise awareness about violence as that which violates human dignity. This way they can empower women to not accept violence easily. 2. The affected women can be encouraged to perceive and respect their personal limits. Particularly women who are affected by pimp violence and partner violence need to find help to develop their self-esteem and autonomy in order to find the courage to walk out of such relationships. 3. If there is a situation of acute violence, a crisis intervention should quickly be made. In this case, immediate measures, such as finding a shelter for the woman and if necessary also for her children, should be taken. 4. Counselling centres need to develop a network with interdisciplinary professionals and authorities. To prevent discrimination by the police, doctors or psychotherapists, advice centres need contacts who are informed about the prostitution milieus. 128 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute Social workers are able to provide support possibilities for women in prostitution after traumatic experiences and give them hope. The social worker and the affected woman can work out a new life perspective together. Einführung Frauen38 in der Prostitution gelten „[…] in Bezug auf Gewalt [als] hochgradig gefährdete Gruppe“ (BMFSFJ 2004a: 26). Das hohe Gewaltrisiko bezieht sich sowohl auf Beziehungspartner/-innen als auch auf Täter/-innen im Arbeitskontext. So zeigen sich männliche Beziehungspartner39 als die größte und Freier als die zweithäufigste Tätergruppe (vgl. ebd.: 26).   Die überdurchschnittlich hohe und massive Gewaltbetroffenheit bei einer beachtlichen Anzahl von Frauen in der Prostitution, die im Folgenden herausgestellt wird, macht deutlich, dass Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die in Beratungsstellen für Frauen in der Prostitution tätig sind, einer Sensibilität im Umgang mit von Gewalt betroffenen Frauen bedürfen. So weist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) darauf hin, dass das Augenmerk künftig nicht mehr einzig auf den schlechten hygienischen und gesundheitlichen Rahmenbedingungen in der Prostitution liegen darf. Erfahrungen von Gewalt sollten – besonders nach Erkenntnissen verschiedener Studien – auch im Bereich der sogenannten freiwilligen Prostitution als belastender Faktor wahrgenommen werden (vgl. BMFSFJ 2007: 10). 38 Die ausschließliche Verwendung der weiblichen Form bietet sich an, da der Schwerpunkt des Artikels auf der weiblichen Prostitution liegt. Frauen stellen unumstritten den größten Teil der Prostituierten dar. Dennoch soll darauf hingewiesen werden, dass es auch männliche Prostituierte gibt (vgl. Löw u. Ruhne 2011: 22). 39 Da es sich in der folgenden Studie (BMFSFJ 2004b) fast ausschließlich um männliche Beziehungspartner handelt, wird im Folgenden nur die männliche Sprachform verwendet. 129 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt Betroffenen Im Folgenden wird zunächst anhand einer Studie des BMFSFJ auf die Gewalterfahrungen von Frauen in der Prostitution in Deutschland eingegangen sowie auf die Gewaltfolgen. Für die Soziale Arbeit wirft dies die Frage auf, wie mit in der Prostitution tätigen Frauen, die in unterschiedlichen Lebensbereichen von Gewalt betroffen sind, umgegangen werden kann. Zur Beantwortung der Frage beziehe ich mich auf bereits vorhandene Literatur sowie auf die Ergebnisse von drei qualitativen Interviews mit Sozialarbeiterinnen, die ich in verschiedenen Beratungsstellen in Deutschland durchgeführt habe. Gewalterfahrungen und Gewaltfolgen In Anlehnung an die umfassendste deutsche Prävalenzstudie des BM- FSFJ von 2004, welche Gewalt gegen Frauen in Deutschland untersuchte, wird der Gewaltbegriff im Folgenden in sexuelle Belästigungen, psychische Gewalt und Aggressionen sowie körperliche und sexuelle Gewalt unterteilt. Neben der repräsentativen Studie wurden auch spezifische Gruppen befragt, u. a. Frauen in der Prostitution. Im Unterschied zur Hauptstudie erzielte diese Befragung keine Repräsentanz. Dennoch wird durch die Stichprobe ein Einblick in die Gewalterfahrungen möglich gemacht. Die erlebten Handlungen beziehen sich auf Erlebtes nach dem 16. Lebensjahr und umfassen Gewalterfahrungen inner- und außerhalb des Arbeitskontextes (vgl. BMFSFJ 2004b: II 26). Es folgt an dieser Stelle ein kurzer Einblick in die genannte Studie, welche die Relevanz der Gewaltthematik verdeutlicht. Gewaltbetroffenheit 89 % aller befragten Frauen in der Prostitution gaben konkrete Formen sexueller Belästigung an, welche häufig als mehrmals erlebt benannt wurden. Viele der genannten Formen sind bedrohliche Formen mit der Tendenz zu Körperkontakt oder zur Erpressung sexueller Hand- 130 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute lungen (siehe Tabelle). Alle Erscheinungsformen wurden deutlich häufiger von Frauen in der Prostitution genannt, als in der repräsentativen Studie (vgl. BMFSFJ 2004b: II 29ff.). Eine Handlung psychischer Gewalt und Aggressionen haben mindestens 81 % der befragten Frauen in der Prostitution erlebt. Darunter fallen zum Beispiel Demütigungen oder Drohungen (siehe Tabelle). Aus diesem Teil der Studie ergibt sich nicht, ob die genannten Handlungen im Kontext der Prostitutionstätigkeit erfahren wurden. Diese Vermutung liegt allerdings nahe, da die Werte sehr viel höher liegen, als in der repräsentativen Studie (vgl. ebd.: II 32). Mindestens eine Form körperlicher Gewalt durchlebten 83 % der Frauen (siehe Tabelle). Allerdings wurden fast alle Handlungen mehrmals erlebt (vgl. ebd.: II 33). Die Täter/-innen der körperlichen Gewalt sind bei 77 % der Frauen die (Ex-)Partner und zu 48 % jemand aus dem Arbeitsumfeld, am häufigsten Freier und Zuhälter. 40 % der Frauen nannten Personen aus der Familie und 30–34 % der Täter-/innen sind den Frauen unbekannt oder flüchtig bekannt, was auch Personen im Arbeitskontext miteinschließen kann. Fast alle Frauen erlitten die körperliche Gewalt durch männliche Täter. Unter sexueller Gewalt werden hier alle sexuellen Handlungen verstanden, die gegen den Willen durch Drohung oder körperlichen Zwang erbracht wurden. 56 % der Frauen hatten mindestens eine Form sex ueller Gewalt erfahren (vgl. ebd.: II 35f., siehe Tabelle). 64 % der Täter/-innen sexueller Gewalt sind aus dem Arbeitskontext der Frauen. Mit Abstand werden am häufigsten Freier genannt. 60 % der Täter/-innen sind (Ex-)Partner, 30 % Unbekannte, 23 % flüchtig bekannte Personen, 20 % Freunde und Bekannte, Nachbarn und Familie (vgl. ebd.: II 40ff.). 131 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt Betroffenen Abbildung 1: Erlebte Gewalthandlungen nach dem 16. Lebensjahr (vgl. BMFSFJ 2004b: II 29ff.) % von Befragten, die mindestens eine Situation erlebt haben Häufige Formen (% von Befragten, die folgende Situationen mindestens einmal erlebt haben) sexuelle Belästigung 89 % Nachpfeifen, schmutzige Bemerkungen oder Angestarrt-Werden (74,5 %), ungutes Gefühl durch sexuelle Anspielungen (65,3 %), gegen den eigenen Willen betatscht oder geküsst werden (55,1 %), u. a. psychische Gewalt und Aggressionen 81 % Lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt (67,4  %), schwere Beleidigungen, Einschüchterungen oder aggressives Anschreien (66,3 %), massive Drohungen oder Angst eingejagt bekommen (59,6 %), Erpressungen oder der Zwang etwas gegen den eigenen Willen zu tun (52,8 %), u. a. physische Gewalt 83 % Wütendes Wegschubsen, leichtes Ohrfeigen und schmerzhaftes Treten (57–63 %), Bedrohung durch eine Waffe (34 %), gewürgt werden (28 %), verprügelt oder mit Fäusten geschlagen werden (jeweils 39 %), Morddrohungen (37 %), u. a. sexuelle Gewalt 56 % Erlebte Vergewaltigung (46 %), Versuch einer Vergewaltigung (33 %), Zwang zu intimen Körperberührungen (33 %) oder zu anderen sexuellen Praktiken (29 %), u. a. 132 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute Risikofaktoren Die Straßenprostitution ist häufig mit einem besonders hohen Risiko verbunden. Das Erbringen sexueller Dienstleistungen an abgelegenen Orten führt dazu, dass die Frauen hilflos ausgeliefert sind, wenn Gewalt von einem Freier ausgeübt wird. Sie stehen in der Gefahr, dass sie um ihr Geld betrogen, misshandelt oder sogar vergewaltigt werden (vgl. Dortmunder Mitternachtsmission 2016: 39). Aber auch Geschäftsführende in der Indoorprostitution wie z.  B. Bordellbetreiber/-innen wissen um ein hohes Risiko. Sie berichten von Frauen, die z.  B. im Zimmer festgebunden wurden oder massiven Gewaltakten bis hin zu Tötungsdelikten durch Freier ausgesetzt waren (vgl. Büschi 2011: 108). Migrantinnen, Minderjährige und drogenabhängige Frauen in der Prostitution sind zusätzlich besonderen Gefahren ausgesetzt (vgl. Albert u. Wege 2011: 17). Migrantinnen mit mangelnden oder fehlenden Sprachkenntnissen kennen oftmals ihre Rechte nicht und können ihre Grenzen gegenüber Freiern nur schwer durchsetzen (vgl. Wege 2015b: 25). Zudem stellt die soziale Isolation und Ausgrenzung vieler Frauen ein weiteres Gewaltrisiko dar (vgl. Hornberg 2008: 40). Drogenabhängige Frauen haben aufgrund des Beschaffungsdrucks ein immenses Risiko Opfer von Freiergewalt zu werden (vgl. Schrader 2015: 59). Die mangelnde Lebenserfahrung, Gutgläubigkeit und Lenkbarkeit Minderjähriger und junger Frauen treibt sie häufig in emotionale Bindungen zu Zuhältern, die sie stark kontrollieren. Es besteht zudem die Gefahr, in emotionale Abhängigkeiten von sogenannten Loverboys zu geraten, welche junge Mädchen durch eine Liebesbeziehung in die Prostitution führen, um schließlich finanziell von ihnen zu profitieren (vgl. Dortmunder Mitternachtsmission 2016: 57f.). Gewalt in unterschiedlichen Kontexten Es wird zwischen Gewalt im Arbeitskontext und Gewalt außerhalb der Prostitution unterschieden (vgl. BMFSFJ 2004b: II 37). 133 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt Betroffenen Unter Gewalt im Arbeitskontext wird die Gewalt, die von Freiern ausgeht, definiert, aber auch von Zuhältern, Arbeitskolleginnen sowie Betreiberinnen und Betreibern von Prostitutionsstätten (vgl. BMFSFJ 2004b: II 72). In Bezug auf Freiergewalt gibt es „[…] offensichtlich einen Nachfragemarkt, auf dem Menschen ihre sexuellen Machtfantasien ausleben […]“ (Schrader 2015: 62) und die Vulnerabilität der Frauen ausnutzen (vgl. ebd.). Häufig haben die Frauen Lebenspartner, Freundinnen und Freunde, Bekannte oder Zuhälter, welche eine vermeintliche Schutzfunktion einnehmen, um die Frauen vor gewalttätigen Freiern zu schützen. Problematisch ist allerdings, dass diese nicht selten vom Lohn der Frauen profitieren und zudem Druck ausüben, um eine höhere Arbeitsbereitschaft der Frauen zu erzielen. Häufig wird dabei psychische Gewalt angewendet, wie z. B. die Androhung von Schlägen, Liebesentzug oder auch direkte körperliche Gewalt (vgl. Dortmunder Mitternachtsmission 2016: 40; Interview 3, Z.129ff. zit. n. da Silva 2017: 7). Beinahe zwei Drittel der Täter/-innen sexueller Gewalt kamen aus dem Arbeitskontext der Frauen. Fast die Hälfte der erfahrenen körperlichen Gewalt wurde ebenso im Arbeitskontext erlebt (vgl. BMFSFJ 2004b: II 67). Für Außenstehende, dazu zählen auch Fachkräfte der Sozialen Arbeit, ist es äußerst schwierig zu definieren, ab wann ein Partner auch eine Zuhälterfunktion einnimmt (vgl. Brückner 2002: 49; BMFSFJ 2004b: II 5; Interview 1, Z. 400ff. zit. n. da Silva 2017: 8). Partnerschaften von Frauen in der Prostitution sind durchschnittlich häufiger und schwerer gewaltbelastet als von Frauen außerhalb des Prostitutionsmilieus. Ein möglicher Zusammenhang zur Prostitutionstätigkeit könnte darin bestehen, dass Partner aufgrund der körperlichen Verfügbarkeit ihrer Partnerin für andere Männer aggressiv, eifersüchtig und gewalttätig werden. Aber auch besondere Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse können dabei eine Rolle spielen 134 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute (vgl. BMFSFJ 2004b: 541). Aus dem Bereich der häuslichen Gewalt ist bekannt, dass verschiedene Phasen in einer Misshandlungsbeziehung durchlebt werden. In einem Wechselspiel baut sich zunächst eine Spannung auf, daraufhin wird akute Gewalt ausgeübt und schließlich kommt es zu einer ‚liebevollen‘ Versöhnung. Es entsteht eine psychodynamische Verstrickung, welche dazu führen kann, dass die betroffenen Frauen in der gewaltvollen Beziehung bleiben. Wird dieser Zyklus wiederholt durchlaufen, entstehen Selbsthass und Hilflosigkeit (vgl. Fliß u. Igney 2008: 310). Von Sozialarbeiter/-innen wird zudem als großes Problem die strukturelle Gewalt in Bordellen wahrgenommen, dies sind etwa unrechtmä- ßige Vorgaben, wie z. B. das Bordell nur auf Erlaubnis verlassen zu dürfen (vgl. Interview 1, Z. 232ff. zit. n. da Silva 2017: 8; Niesner 2014: 7). Gesundheitliche und soziale Folgen Die gesundheitliche und psychische Verfassung vieler Frauen in der Prostitution zeigt sich als äußerst prekär (vgl. BMFSFJ 2004a: 26). Die Frauen stehen aus mehrfachen Gründen unter hohen Belastungen, welche auch im Zusammenhang mit der Prostitutionstätigkeit auftreten (vgl. Wege 2015b: 24). Traumatisierungen, Gewalterfahrungen, mangelnde soziale Beziehungen und Netzwerke begünstigen ebenso die Verschlechterung des Gesundheitszustandes (vgl. Albert u. Wege 2011: 12). Die physischen und psychischen Gewalterfahrungen stellen dementsprechend neben weiteren Belastungen einen zusätzlich beschwerlichen Umstand dar. 135 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt Betroff enen Abbildung 2: Gesundheitliche Folgen von Gewalt gegen Frauen (Gig-net 2008: 51) Folgen körperlicher Gewalt können körperliche Verletzungen und Beeinträchtigungen sein. Gewaltbetroff ene Frauen leiden durch psychische Anspannung, Angst und Verunsicherung häufi g unter somatischen Folgen (vgl. Gig-net 2008: 51f., siehe Abbildung). Diese Beschwerden bestätigen sich auch in der genannten Studie. Besonders häufi ge somatische Beschwerden, welche die Befragten in den vorherigen zwölf Monaten erlitten hatten, waren Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Magen-/Darmprobleme, übermäßiges Schwitzen, Kraft losigkeit, Atemprobleme und Hautprobleme bzw. Allergien (vgl. BMFSFJ 2004b: II 63). Folgen von körperlicher und sexueller Gewalt können zudem Unterleibsschmerzen, eingeschränktes Lusterleben, schmerzhaft e Menstruationsprobleme sowie Menstruationsstörungen sein (vgl. Gig-net 2008: 59). Die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit 136 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute durch Stress und Gewalttraumata können sich in besonders gravierendem Maße ausdrücken: Depressionen, Angst- und Panikattacken, traumatische und posttraumatische Belastungsstörungen, selbstverletzendes Verhalten und Suizidalität, Nervosität, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Verlust von Selbstachtung und Selbstwertgefühl (vgl. Gig-net 2008: 52, siehe Abbildung). Die Hälfte aller befragten Frauen in der Prostitution hatte häufig oder gelegentlich Anzeichen für Depressionen, ein Viertel der Frauen hatte Selbstmordgedanken, fast ein Drittel Angstanfälle oder Panikattacken und jede siebte Frau hatte Selbstverletzungsabsichten (vgl. BMFSFJ 2004b: II 65). Nach einer in neun Ländern durchgeführten Studie, darunter auch Deutschland, erfüllen 68 % aller befragten Frauen in der Prostitution Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung (vgl. Farley et al. 2003: 44). Wenn eine Frau mit Gewalt konfrontiert wird, kann dies auch zu Bewältigungsstrategien führen, welche die Gesundheit gefährden. Beruhigende, berauschende oder realitätsverändernde Substanzen wie Nikotin, Alkohol, Medikamente und Drogen können dem Verdrängen oder Vergessen der Erfahrungen dienen (vgl. Gig-net 2008: 52, siehe Abbildung). Tatsächlich weist ein nicht geringer Teil der Frauen in der Prostitution Merkmale von Alkoholismus und Suchtgefährdung auf. Medikamente, Schmerzmittel und Psychopharmaka werden sehr oft, Drogen wie Haschisch, LSD, Heroin oder Ecstasy seltener zur Bewältigung der Prostitutionstätigkeit konsumiert (vgl. BMFSFJ 2004b: II 66). Die Beziehung zum eigenen Körper kann darüber hinaus durch Gewalterfahrungen grundlegend gestört werden. Wenn Grenzen regelmäßig überschritten werden, können diese nicht mehr formuliert werden und ein Gespür für die eigenen Grenzen geht verloren (vgl. Gig-net 2008: 52). In der letzten Konsequenz kann Gewalt bis hin zum Tod führen, als Folge von physischen Verletzungen, Tötung, Mord oder Selbsttötung (vgl. Gig-net 2008: 52f., siehe Abbildung). 137 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt Betroffenen Psychische, soziale und berufliche Beeinträchtigungen können außerdem zu einem sinkenden Lebensstandard führen. Das Risiko erneut in Lebensumstände zu gelangen, die einer von Gewalt betroffenen Frau eine Opferrolle zuschreiben, steigt (vgl. Dutton, 2002: 87). Trauma, PTBS und posttraumatische Reaktionen Ein Trauma entsteht, wenn eine bedrohliche Situation die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt. Das Gefühl der Hilflosigkeit bewirkt eine „dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis“ (Fischer u. Riedesser 1998 zit. n. Igney 2008: 19). Ob und wie intensiv eine Gewalterfahrung ein Trauma auslöst, hängt von der Brutalität der Gewalthandlung als auch von inneren und äußeren Ressourcen der Betroffenen ab (vgl. Lehmann 2016: 30). „Um das Bewusstsein für das traumatische Erleben oder dessen Folgen abzuschwächen […]“ (Dutton 2002: 93), entstehen Vermeidungsreaktionen. Die Geschehnisse werden verharmlost, verleugnet oder gezielt Situationen vermieden, die zur Verbalisierung der Erlebnisse auffordern. Eine weitere Vermeidungsreaktion ist die Affektverflachung. Erlebnisse werden distanziert, mit eingefrorenen Gefühlen oder aus einer Sicht geschildert, als hätten sie eine andere Person betroffen (vgl. Dutton 2002: 93). Während der traumatischen Erfahrung kann es zu peritraumatischen Dissoziationen als Strategie in einer unentrinnbaren Situation kommen. Die Person kann „[…] sich von der Wirklichkeit eines psychischen und somatischen Unerträglichkeitserlebens [ablösen].“ (Fiedler 2008: 61). Sie spaltet die Erlebnisse aus ihrem Bewusstsein ab (vgl. ebd.: 61). Dies kann einerseits zu der Vorstellung führen, das Trauma nicht real erlebt zu haben und andererseits sich entweder an das gesamte Traumageschehen oder nur an einzelne Anteile nicht erinnern zu können (vgl. ebd.: 65). Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) entstehen als „eine verzögerte Reaktion auf belastende Ereignisse mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß“ (ebd.: 117). Kennzeich- 138 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute nend ist das Wiedererleben traumatischer Ereignisse in Form von Flashbacks, Nachhallerinnungen oder Träumen. Die betroffenen Personen erleben ein anhaltendes Gefühl von Betäubtheit und emotionaler Stumpfheit gegenüber anderen Menschen. Sie sind häufig teilnahmslos gegenüber ihrer Umgebung und vermeiden Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma hervorrufen könnten (vgl. ebd.: 117). Umgang mit einer von Gewalt betroffenen Frau Haltung gegenüber einer betroffenen Frau Für eine von Gewalt betroffene Frau ist es überaus bedeutsam, dass ihrer Schilderung Glauben geschenkt und sie in ihrer Einschätzung der Situation ernstgenommen wird (vgl. Gig-net 2008: 151). Wer einen Bericht traumatischer Erlebnisse hört, kann von Gefühlen wie Ohnmacht, Hilflosigkeit, unterdrückter Wut und Angst betroffen sein, die sich z. B. durch Zweifel an der Aussage der betroffenen Frau oder einer wahrnehmbaren Verunsicherung äußern können (vgl. Heynen 2000: 191). Aus diesem Grund ist es für Berater/-innen äußerst wichtig, sich mit Gewalt, den eigenen Bewältigungsstrategien und einer Reflexion der eigenen Geschlechtervorstellungen auseinanderzusetzen (vgl. Gignet 2008: 151). Eine Beraterin oder ein Berater sollte eine parteiliche Position gegen- über der betroffenen Frau einnehmen, um sie in ihrer Selbstbestimmtheit zu stärken (vgl. ebd.: 152; Interview 2, Z. 207ff. zit. n. da Silva 2017: 17). Unabhängig davon, was der Gewalt vorausgegangen ist, sollte eine klare Stellungnahme gegenüber Gewalt als Unrecht deutlich werden (vgl. Gig-net 2008: 152; Interview 1, Z.100f. zit. n. da Silva 2017: 17). Eine Haltung der Akzeptanz dessen, welche Schritte die Frau gehen möchte, ist auch dann vonnöten, wenn sie in einer bedrohlichen Situation bleiben möchte (vgl. Interview 2, Z. 64ff. u. Interview 3, Z.54f. zit. n. da Silva 2017: 17; Gig-net 2008: 154). Die Unterstützung 139 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt Betroffenen ist darüber hinaus nicht davon abhängig, ob sich die Klientin für einen Ausstieg aus der Prostitution entscheidet (vgl. Interview 2, Z. 212 zit. n. da Silva 2017: 17). Herausforderung der Verbalisierung/Auseinandersetzung mit Gewalt Obwohl Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter bemerken, dass einige Frauen offensichtlich Gewalt erleben, verbalisieren die betroffenen Frauen diese Problematik nur selten gegenüber den Beraterinnen und Beratern (vgl. Interview 1, Z. 76f., 655ff. u. Interview 2, Z. 41f., Z. 61 zit. n. da Silva 2017: 17). Viele sind einen gewissen Gewalttenor in ihrer Umwelt gewohnt (vgl. Interview 2, Z. 278 zit. n. da Silva 2017: 17). Sie empfinden die Gewalt als normal und akzeptieren sie (vgl. Interview 1, Z.659f. und Interview 2, Z. 278 zit. n. da Silva 2017: 17). Wenn eine Frau kein Unrechtsempfinden hat, ist es ihr zunächst nicht möglich, sich mit dem Erlebten auseinanderzusetzen (vgl. Heynen 2000: 175). Zudem dient die Dissoziation als Überlebensstrategie (siehe Abschnitt Trauma, PTBS und posttraumatische Reaktionen, S. 137f). Für viele Betroffene bleibt nur die Möglichkeit einer Verdrängung der Erlebnisse, um nicht an sie erinnert zu werden und den Alltag zu überstehen (vgl. Heynen 2000: 176; siehe Artikel Angelina „Motive und Ursachen für die Ausübung der Prostitution“: 33ff.). Es besteht außerdem die Vermutung, dass die von außen nur schwer definierbaren Zusammenhänge zwischen Zuhälter und Partner ebenso zu einem Verschweigen beitragen (vgl. Interview 1, Z. 656ff. zit. n. da Silva 2017: 17). Umgang bei Anzeichen von Gewalt ohne Verbalisierung Wenn Anzeichen von Gewalt wahrnehmbar sind, die Betroffene aber nicht darüber spricht, hat sie ihre Gründe dafür (vgl. Interview 2, Z. 111 und Interview 3, Z. 81 zit. n. da Silva 2017: 18). Es ist die Entscheidung der betroffenen Frau, ob sie darüber sprechen möchte und diese Entscheidung muss von der Beraterin oder dem Berater akzep- 140 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute tiert werden (vgl. Gabriel 2004: 74). Dennoch ist auch aus dem Bereich der häuslichen Gewalt bekannt, dass zwar die wenigsten Frauen von sich aus über ihre Gewalterfahrungen sprechen, jedoch zu einem Gespräch bereit sind, wenn sie z. B. von medizinischen Fachkräften darauf angesprochen werden. Die Frauen öffnen sich, wenn ihnen Verständnis für ihre Situation entgegengebracht wird (vgl. BMFSFJ 2003: 14). Da Frauen in der Prostitution einer vulnerablen Personengruppe angehören (vgl. Wege 2015b: 418), muss in dieser Hinsicht behutsam vorgegangen werden. Wurde die betroffene Frau durch ihre Gewalterfahrung traumatisiert, kann sie ein Eingeständnis der Erfahrung vorübergehend noch mehr belasten und die Befürchtung hervorrufen, den Alltag nicht mehr selbst bewältigen zu können (vgl. Heynen 2000: 235). Dies geschieht vor allem bei unsicheren Lebensumständen (vgl. Glowatzki u. Düver-Glawe 2008: 243). Dazu gehört zum Beispiel die existenzielle Unsicherheit durch einen unrechtmäßigen Aufenthaltsstatus oder eine fehlende Arbeitserlaubnis (vgl. Interview 1, Z. 272 zit. n. da Silva 2017: 18). Nehmen Sozialarbeiter/-innen Anzeichen wahr, die auf Gewalterfahrungen hindeuten, muss zunächst ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Besteht dieses, können sie sensibel nachfragen, ob alles in Ordnung sei. Sie können auf Wahrnehmungen eingehen, z. B. dass sie traurig wirke (vgl. Interview 1, Z.172ff. u. Interview 2, Z. 95ff. zit. n. da Silva 2017: 18). Ein direktes Ansprechen auf Gewalt sollte vermieden werden (vgl. Interview 2, Z. 92f. zit. n. da Silva 2017: 19). Neben der Gefahr, dass eine Frau ein Wiedererleben des traumatischen Ereignisses erfahren kann, muss in der Arbeit mit Frauen in der Prostitution die Gegebenheit Beachtung finden, dass Sozialarbeiter/-innen häufig nicht wissen, wer dem Gespräch zuhört; selbst eine Beraterin oder ein Berater weiß nicht immer, ob es sich um Zwangsprostitution handelt und ein Zuhälter im Nebenraum mithört, welcher sie daraufhin in eine andere 141 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt Betroffenen Stadt bringt. In diesem Fall wäre der Betroffenen nicht geholfen (vgl. ebd.: Z. 92ff.). Bewusstseinsbildung Frauen in der Prostitution können einer Personengruppe mit niedrigem Status zugeordnet werden, welche die eigenen Gewalterfahrungen nur eingeschränkt als Unrecht anerkennen und sich selbst eine hohe Mitschuld zuschreiben. Dies trifft besonders auf junge, zurückhaltende Mädchen zu, aber auch auf selbstbewusste Frauen, die sich trotz Warnungen auf eine spätere Täterin bzw. einen späteren Täter in irgendeiner Form einlassen (vgl. Heynen 2000: 278). Viele Frauen in der Prostitution haben ein sehr negatives Selbstbild und leben in der Annahme, dass Gewalterfahrungen zur Prostitutionstätigkeit dazu gehören und sie diese hinnehmen müssten (vgl. Interview 1, Z. 218ff. zit. n. da Silva 2017: 19). Die Beraterinnen und Berater können sowohl durch eine kontinuierliche Stärkung des Selbstbildes der Frauen als auch durch die Ermutigung, keine Gewalt hinnehmen zu müssen, erreichen, dass eine betroffene Frau an ihrem negativen Selbstbild zweifelt und sich an eine Beratungsstelle wendet (vgl. ebd.: Z. 127ff.). Ein elementarer Bestandteil in der Arbeit mit von Gewalt betroffenen Frauen, als auch allgemein mit Frauen in der Prostitution, besteht darin, die Frauen darin zu bestärken, ihre Grenzen zu wahren und auf ihre Bedürfnisse zu achten (vgl. Heynen, 2000: 225; Interview 1, Z.180ff. zit. n. da Silva 2017: 19). Wenn einer Frau bewusst wird, dass sie sich nicht mit der Gewalt abfinden muss, ist bereits ein erster gro- ßer Schritt getan (vgl. Interview 3, Z.170 zit. n. da Silva 2017: 19). Psychosoziale Beratung In psychosozialen Beratungen wird auf die individuellen Fragen und Probleme der betroffenen Frau eingegangen. Es können verschiedene Handlungsoptionen aufgezeigt werden. Bei Angst vor Nachstellungen 142 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute kann über Schutzplätze gesprochen werden. Ein wesentlicher Aspekt bildet sich vor allem in stabilisierender, verstehender Unterstützung ab. Der Betroffenen soll ermöglicht werden, wieder neue Kraft zu finden (vgl. Gabriel 2004: 79). Krisenintervention Bei einer akuten Gewaltsituation bedarf es einer Krisenintervention. Befindet sich die betroffene Frau in einer akuten Bedrohung oder wirkt sehr verängstigt, sollte sie und gegebenenfalls ihre Kinder zunächst an einen sicheren Ort begleitet werden, bevor weitere Schritte folgen (vgl. WIBIG 2004: 317). Einen Schutzraum können die Beratungsstellen für Frauen in der Prostitution bieten, welche oftmals nur von Frauen betreten werden dürfen (vgl. Interview 3, Z. 166f. zit. n. da Silva 2017: 20). Den Frauen werden Informationen zum Platzverweis und dem Gewaltschutzgesetz (GewSchG) aufgezeigt (vgl. WIBIG 2004: 43). Das GewSchG bietet seit 2002 innerhalb und außerhalb des Hauses einen zivilgerichtlichen Schutz vor Gewalt. Nach §1–4 GewSchG haben Nachstellungen, Verfolgung, Drohung, Telefonterror usw. für die Täter/-innen Konsequenzen, auch wenn es sich um nahestehende Personen wie Ehepartnerinnen und Ehepartner handelt. Nach §1–2 GewSchG kann die Täterin oder der Täter der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden sowie ein Näherungs- oder Kontaktverbot erhalten. Darüber hinaus hat die Beruhigung der Betroffenen und eine erste Stabilisierung Priorität (vgl. Gig-net 2008: 163). Je früher eine Kontaktaufnahme nach der erfahrenen Gewalt geschieht, z. B. zu einer Beratungsstelle, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Bewältigungsprozess positiv verläuft (vgl. Gig-net 2008.: 164f.). 143 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt Betroffenen Stärkung der betroffenen Frau Langjährige Opfer von Gewalt sind oft verunsichert und haben ein instabiles Selbstbewusstsein (vgl. Gig-net 2008: 153). Die besondere Problematik bei von Gewalt betroffenen Frauen, die zudem in der Prostitution tätig sind, liegt darin, dass viele – darunter speziell sehr junge Frauen – sich selbst durch häufige Erfahrungen der Ablehnung nicht akzeptieren (vgl. Interview 3, Z.100ff. zit. n. da Silva 2017: 21). Das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung kann wachsen, wenn die betroffene Frau darin bestärkt wird, ihren Erinnerungen, Wahrnehmungen und Empfindungen zu vertrauen und danach zu handeln. Vor allem bei Partner-, aber auch bei Zuhältergewalt ist es von enormer Bedeutung, ihre Autonomie zu fördern und sie in aktiven Ansätzen zu bestärken (vgl. Hagemann-White 2016: 25f.). Dabei kann es eine Hilfe sein, die betroffene Frau das Beratungsziel selbst bestimmen zu lassen. Das Aufzeigen der Stärken und Kompetenzen ist ein weiterer entscheidender Faktor, um eine neue Handlungsfähigkeit zu gewinnen. Einer Betroffenen kann es bereits helfen, wenn ihr signalisiert wird, dass die Beraterin oder der Berater weiß, was für eine Überwindung es kostet, über die Gewalterfahrungen zu sprechen und dass sie damit bereits einen enorm wichtigen Schritt geleistet hat (vgl. Gabriel 2004: 75). Eine außerordentlich wichtige Aufgabe der Sozialarbeiterin bzw. des Sozialarbeiters besteht darin, die Klientin in ihrem Handeln positiv zu bestärken (vgl. Interview 3, Z.121ff. zit. n. da Silva 2017: 21). Selbstschutz Es macht immer Sinn den Männern zu zeigen, ich kann mich wehren. […] ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass die Männer durchaus da mal einen Schritt nach hinten tun, weil sie dann merken, oh das hat ja Konsequenzen für mich, die durchaus gravierend sein können (Interview 1, Z. 287ff. zit. n. da Silva 2017: 22). 144 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute Beraterinnen und Berater können die betroffenen Frauen darin bestärken, dass sie etwas bewirken können, wenn sie sich gegen Grenzverletzungen wehren (vgl. Gabriel 2004: 79; Interview 1, Z. 287ff. zit. n. da Silva 2017: 22). Frauen, die bereits länger im Kontakt mit Beratungsstellen stehen, können zur Teilnahme eines Selbstverteidigungskurses der Polizei und an Sportverbände vermittelt werden. Diese helfen, neben nützlichen Verteidigungsstrategien auch Selbstbewusstsein aufzubauen (vgl. Interview 3, Z. 274ff. zit. n. da Silva 2017: 22). Dieses Angebot kann auch für Frauen hilfreich sein, die bereits von Gewalt betroffen waren, um sich Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskompetenzen anzueignen (vgl. Heynen 2000: 278). Zudem empfiehlt es sich den Klientinnen nahezulegen, ohne Zuhälter zu arbeiten. Befindet sich eine Frau bereits in Zuhälter-Strukturen, ist dies allerdings schwierig (vgl. Interview 2, Z. 241ff. zit. n. da Silva 2017: 23). Eine Frau in der Straßenprostitution kann dazu angeregt werden, gegenüber einem Freier deutlich zu machen, dass sowohl sie als auch die Kollegin, sich sein Autokennzeichen eingeprägt haben. Potentielle Gewalttäter können so abgeschreckt werden (vgl. Dortmunder Mitternachtsmission 2016: 40). In der Wohnungsprostitution können Frauen über Kameras sehen, wer vor ihrer Tür steht. Sie sollten darauf achten, welchen Eindruck ein Freier macht; dieser Eindruck kann allerdings auch täuschen. Ein verlässlicher Schutz ist nicht gegeben (vgl. Interview 2, Z. 241ff. zit. n. da Silva 2017: 23). Ressourcen Wege bezeichnet Frauen in der Prostitution als „Überlebenskünstlerinnen“ (2015b: 28). Sie sind häufig belastenden Situationen ausgesetzt, können ihre Ressourcen jedoch einsetzen, wenn sie von außen die Möglichkeit dazu bekommen. Als Beraterin oder Berater besteht 145 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt Betroffenen die Aufgabe darin, den Frauen wieder Selbstbewusstsein und Würde für ihre Lebensumstände zu geben (vgl. Wege 2015b: 28). Dabei ist es von Bedeutung, in den Beratungsgesprächen die Ressourcen der betroffenen Frauen herauszufinden und mit diesen zu arbeiten. Negative Denkmuster und Erfahrungen können gemeinsam reflektiert und neu gedeutet werden (vgl. Wege 2016: 95). Innere Ressourcen können sein, dass die betroffene Frau ihrer Fähigkeit vertraut, eine Lösung zu finden, dass sie in dem Glauben lebt, ein Recht auf ein Leben ohne Gewalt zu haben sowie das Vertrauen, eigene Ziele erreichen zu können (vgl. Dutton 2002: 116). Zur Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen ist neben den persönlichen Ressourcen das soziale Umfeld von zentraler Bedeutung (vgl. Heynen 2000: 186). Etwa 90 % der Frauen verheimlichen ihre Tätigkeit und so nehmen die Kontakte außerhalb des Prostitutionsmilieus stark ab (vgl. Wege 2015b: 25). Viele Klientinnen sind sozial isoliert und einsam (vgl. BMFSFJ 2004b: II 51), sodass Freundinnen im Prostitutionsmilieu für sie von essentieller Bedeutung sind (vgl. Interview 1, Z. 605ff. zit. n. da Silva 2017: 23). Besuche in der Heimat verhelfen zu neuer Energie (vgl. ebd.: Z. 602f.). Dennoch kann hinterfragt werden, inwiefern die Familie als Ressource wahrgenommen werden kann, wenn sie „[…] das zulässt, dass eine Frau […] ihre Kinder zurücklässt und ins Ausland geht, um ihren Körper zu verkaufen, um für ihre Familie Geld zu verdienen […]“ (Interview 2, Z. 478ff. zit. n. da Silva 2017: 24). Interventionen und Herausforderungen in unterschiedlichen Gewaltkontexten Freiergewalt Wenn Frauen Opfer von massiver Gewalt werden, hängt ihr weiteres Vorgehen stark davon ab, wer die Täterin oder der Täter ist: Handelt es sich um eine unbekannte Person, wenden sich Betroffene des Öf- 146 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute teren an Bekannte und Familienangehörige oder nehmen professionelle Hilfen in Anspruch (vgl. Heynen 2000: 220). Dementsprechend sind Frauen in der Prostitution bei Freiergewalt am ehesten bereit, Anzeige zu erstatten oder ggf. auch selbst die Polizei zu rufen (vgl. Interview 1, Z. 92ff., Z.187ff. zit. n. da Silva 2017: 24). Bei Freiergewalt handelt es sich z. B. um erzwungene sexuelle Handlungen bis hin zur Vergewaltigung oder um weitere Gewalttaten wie das Einsperren einer Straßenprostituierten (vgl. ebd.: Z. 225ff.). Obwohl die Bereitschaft sich zu wehren bei Freiergewalt am höchsten ist, gibt es viele Frauen, die z. B. nach einer Vergewaltigung eines Freiers nicht zur Polizei möchten, um das Geschehene nicht noch einmal aufrollen zu müssen (vgl. Interview 2, Z. 191f. zit. n. da Silva 2017: 25). Als wichtigste und am häufigsten gewünschte Intervention bei Freiergewalt zeigt sich eine Begleitung zur Polizei (vgl. Interview 3, Z. 247ff. und Interview 1, Z. 448ff. zit. n. da Silva 2017: 25). Partnergewalt Frauen, die durch ihren Partner Gewalt erfahren, leben zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme mit der Beratungsstelle häufig noch in einer nicht abgeschlossenen bedrohlichen Situation (vgl. Dutton 2002: 91). Wegen der großen Abhängigkeit der Frauen ist es für sie essentiell, dass die Trennung vom Partner keine Vorbedingung für eine Beratung darstellt (vgl. Gig-net 2008: 153). In einem Beratungsgespräch wird gemeinsam nach einer Lösung gesucht. In wenigen Fällen ist der Partner zu einer Paartherapie (vgl. ebd.: 173; Interview 1, Z. 333f. zit. n. da Silva 2017: 25) oder einer Therapie, um seine Aggressionen in den Griff zu bekommen, bereit (vgl. Interview 1, Z. 334f. zit. n. da Silva 2017: 25). Andernfalls muss mit der Klientin erarbeitet werden, ob sie sich trennen möchte. Eine Trennung ist nur möglich, wenn sie sich dazu bereit fühlt (vgl. ebd.: Z. 337ff.). Auch wenn die Betroffene keine Trennung wünscht, sehen die Sozialarbeiter/-innen bei einer dauerhaften Gewalttätigkeit des Partners, die Lösung in einer Trennung (vgl. 147 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt Betroffenen ebd.: Z. 352ff.). An dieser Stelle rückt die Stabilisierung und Stärkung der betroffenen Frau wieder in den Mittelpunkt. Eine Beraterin bzw. ein Berater kann durch Gesprächsführung die Klientin in ihrer Stabilisierung soweit unterstützen, bis sie bereit ist, sich von ihrem Partner zu trennen (vgl. ebd.: Z. 351f.; Gabriel 2004: 78). Dennoch muss es die Beraterin oder der Berater aushalten können, wenn sich die Klientin, selbst in lebensbedrohlichen Umständen, nicht trennen möchte (vgl. Interview 2, Z. 64ff. zit. n. da Silva 2017: 25) oder zu ihrem Partner zurückkehrt. Es ist von Bedeutung, ihr sowohl Akzeptanz entgegenzubringen als auch zu vermitteln, dass sie in der Beratungsstelle erneut Unterstützung finden wird, wenn sie doch von ihrem Partner weggehen möchte (vgl. Interview 1, Z. 348 zit. n. da Silva 2017: 25). Möchte sich eine Klientin von ihrem Partner trennen, muss mit ihr besprochen werden, an welchem Ort sie unterkommen kann, ob sie in der Prostitution bleiben möchte oder nicht, und ob für sie eine Anzeige in Frage kommt (vgl. ebd.: Z. 373ff.). Besteht eine Ehe, kommen rechtliche Fragen zum Scheidungsverfahren und ggf. zum Unterhalt, Sorgerecht für die Kinder und Umgangsregelungen auf. Zudem sind die Informationen zu zivilrechtlichen Maßnahmen zum Schutz vor weiterer Gewalt sowie zu einer Strafanzeige wichtige Elemente der Beratung (vgl. Gig-net 2008: 156). Zuhältergewalt Ähnlich wie bei Partnergewalt, besteht auch bei Zuhältergewalt keine große Offenheit, gegen die Gewalt vorzugehen (vgl. Interview 1, Z. 467f. und Interview 2, Z. 200ff. zit. n. da Silva 2017: 26). Die Gewalt von Zuhältern liegt häufig in psychischer Form vor. Es wird viel Druck ausgeübt bis hin zu immensen Drohungen (vgl. Interview 1, Z. 257 und Interview 2, Z. 172f. zit. n. da Silva 2017: 26). Die betroffenen Frauen wollen ihren Zuhälter nur bei extremer Gewalt verlassen (vgl. Interview 1, Z. 96 zit. n. da Silva 2017: 26). Möchte die betroffene Frau in der Prostitution bleiben, kann die Beraterin bzw. der Be- 148 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute rater sie beständig ermutigen, sich von ihrem Zuhälter zu lösen (vgl. Interview 3, Z. 133f. zit. n. da Silva 2017: 27). Will die Betroffene aus der Prostitution aussteigen, können Sozialarbeiter/-innen Möglichkeiten für ein neues Leben aufzeigen, welche der Klientin zuvor nicht bewusst waren (vgl. Wege 2015b: 28). Unter Zuhältern bestehen häufig kriminelle Strukturen, die einen flie- ßenden Übergang zum Menschenhandel sichtbar werden lassen (vgl. Interview 2, Z. 168ff. zit. n. da Silva 2017: 27). Dessen sollten sich Beraterinnen und Berater bei Zuhältergewalt bewusst sein, um angemessen reagieren zu können. Bei Verdacht auf Zwangsprostitution empfiehlt sich die Vermittlung an eine Beratungsstelle für Betroffene von Menschenhandel. Strukturelle Gewalt in Bordellen Bei struktureller Gewalt in Bordellen – dazu gehören unrechtmäßige Vorgaben wie etwa der Verzicht auf Kondome – versuchen Beraterinnen und Berater eine vermittelnde Position zwischen den Klientinnen und den Bordellbetreibenden einzunehmen. Ungeachtet dessen möchten die Klientinnen dies in den meisten Fällen nicht, weil sie Angst vor den Konsequenzen haben wie z. B., dass sie ihr dort gemietetes Zimmer verlieren (vgl. Interview 1, Z .241ff. zit. n. da Silva 2017: 27). Weitervermittlung und Begleitung Da Frauen in der Prostitution oftmals nicht über gesunde und selbständige Bewältigungsstrategien verfügen, laufen Weitervermittlungen an spezifische Angebote mit höheren Schwellen häufig ins Leere. Für einen positiven Verlauf eines Beratungsprozesses empfiehlt es sich, die Klientinnen über einen längeren Zeitraum von einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter begleiten zu lassen (vgl. Wege 2015a: 418). 149 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt Betroffenen Da viele Frauen in der Prostitution einen Migrationshintergrund haben, kennen sie sich mit rechtlichen Wegen in Deutschland nicht aus. Oftmals besteht auch ein allgemeines Misstrauen gegenüber dem System in Deutschland (vgl. Interview 2, Z. 192ff. zit. n. da Silva 2017: 27). Misshandlungserfahrungen verfestigen zudem diese Zweifel (vgl. Dutton 2002: 104). Auch von Seiten verschiedener Fachkräfte bestehen Unsicherheiten sowohl im Umgang mit Frauen in der Prostitution (vgl. Wege 2015a: 417) als auch mit Gewaltbetroffenheit (vgl. Hornberg et al. 2008: 42; Interview 3, Z. 203ff. zit. n. da Silva 2017: 27). Ein Netzwerk an interdisziplinären Fachkräften, die für die Thematik Prostitution sensibilisiert sind und sich auch mit der Gewaltthematik auskennen, sind für Beratungsstellen elementare Bausteine. So können Diskriminierung und Stigmatisierung vermieden werden und das Vertrauen zur Fachkraft kann aufseiten der Betroffenen leichter geweckt werden. Dazu gehört ein/e Ansprechpartner/-in bei der Polizei um ggf. Strafanzeige zu erstatten oder auch, um sich erst einmal anonym beraten zu lassen (vgl. Interview 1, Z. 451f. und Interview 3, Z. 243f. zit. n. da Silva 2017: 27). Gleichzeitig ist die Kooperation mit Schutzunterkünften, wie z. B. Frauenhäusern sehr wichtig, sodass eine Betroffene ggf. Schutz finden kann. Andere Schutzunterkünfte, etwa Angebote von Kirchen, sind mancherorts eine weitere Möglichkeit, um Frauen zu unterstützen, die ohne Aufenthaltsgenehmigung auch bei massiver Gewalt keine Finanzierung eines Frauenhausplatzes erhalten (vgl. Interview 1, Z. 107ff. zit. n. da Silva 2017: 28). Gewalterfahrungen können körperliche und somatische Beschwerden auslösen, die eine medizinische Versorgung erfordern. Kontakte zum Gesundheitsamt, zu Ärztinnen und Ärzten sowie zu Gynäkologinnen und Gynäkologen sind von großer Bedeutung. Auf die in vielen Fällen fehlende Krankenversicherung haben die befragten Beratungsstellen reagiert und sich erfolgreich für kostenlose Sprechstunden sowie 150 Angelina, Piasecki, Schurian-Bremecker (Hg.) : Prostitution heute kostenlose Medikamente eingesetzt (vgl. Interview 1, Z. 474f. und Interview 2, Z. 412ff. zit. n. da Silva 2017: 29). Befindet sich eine Klientin in sicheren Lebensumständen und fühlt sich in der Lage ihre Gewalterfahrungen mit Hilfe einer Psychotherapeutin oder eines Psychotherapeuten zu besprechen, ist für Beratungsstellen die Zusammenarbeit mit psychotherapeutischen Fachkräften wichtig (vgl. Interview 1, Z. 297f. und Interview 2, Z. 295f. und Interview 3, Z. 190f. zit. n. da Silva 2017: 29). Jedoch sind lange Wartezeiten, die häufige Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Mittelschicht (vgl. Wege 2015a: 417), mangelnde Sprachkenntnisse oder die fehlende Finanzierung einer Therapie ohne Krankenversicherung hohe Schwellen, die ein häufiges Scheitern der Weitervermittlung an psychotherapeutische Fachkräfte zur Konsequenz haben (vgl. Interview 1, Z. 524f. zit. n. da Silva 2017: 30). Wege zeigt auf, dass einige Themen, die dem psychiatrischen Bereich zuzuordnen sind, durch Berufserfahrung im Beratungskontext, Weiterbildung in Gesprächsführung, aber auch den Mut, sensible Inhalte anzusprechen, auf einer sozialtherapeutischen Beratungsebene behandelt werden können (vgl. Wege 2015b: 417). Lebensgeschichten können durch Biographiearbeit oder künstlerische Malworkshops reflektiert und in die Gegenwart eingegliedert werden. Neue, ungewohnte Methoden bieten Zugang zum Ausdruck von Gefühlen und Erlebnissen und ermöglichen Betroffenen damit die Auseinandersetzung mit ihren traumatischen Erlebnissen, auch bei einer gescheiterten Weitervermittlung an psychotherapeutische Fachkräfte (vgl. Wege 2015b: 417). Ausblick Kontinuierliche Bestärkung in der Selbstfürsorge und der eigenen Grenzachtung sind wichtige Komponenten der aufsuchenden Arbeit. Eine Auseinandersetzung mit den eigenen Gewalterfahrungen wird vielen Betroffenen aufgrund des weiterhin bestehenden Gewalt- 151 Sozialarbeiterische Perspektiven im Umgang mit von Gewalt Betroffenen risikos in der Prostitution erst nach einem Ausstieg aus der Prostitution möglich. Während sich die Klientinnen gegen Freiergewalt noch am ehesten zur Wehr setzen, stellen sowohl der Umgang mit Partnergewalt als auch Zuhältergewalt sowie die schwer definierbaren Zusammenhänge zwischen Partner und Zuhälter eine noch größere Herausforderung dar. Die geringe soziale Einbindung vieler Frauen zeigt deutlich die Signifikanz der aufsuchenden Arbeit von sozialarbeiterischen Fachkräften im Prostitutionsmilieu und ihre Unterstützung in Krisensituationen. Beraterinnen und Berater können auf dem Weg zu einem neuen Selbstbewusstsein und einer neuen Würde für die Lebensumstände unterstützen. Soziale Arbeit im Bereich der Prostitution bedeutet die Auseinandersetzung mit der Gewaltthematik, selbst wenn diese seitens der Betroffenen selten verbalisiert wird. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter haben die Möglichkeit, Klientinnen zu bestärken, keine Gewalt zu akzeptieren. Sie können den Betroffenen nach traumatisierenden Erfahrungen neue Hoffnung schenken und mit ihnen gemeinsam neue Lebensperspektiven erarbeiten. Literatur Albert, M., Wege, J. (2011). Soziale Arbeit und Prostitution – Handlungsbedarf und Entwicklungsmöglichkeiten in einem tabuisierten Berufsfeld. In: Soziale Arbeit. 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References

Zusammenfassung

Ebenso skandalisiert wie verharmlost ist die Praxis gewerblichen Geschlechtsverkehrs immer wieder Gegenstand kontroverser gesellschaftlicher Debatten. Undeutlich bleibt dabei oft, was genau gemeint ist und über wen gesprochen wird. Die rechtliche Lage, die sozioökonomische Position, die Profiteure und die Benachteiligten eines sich ständig verändernden Milieus müssen nämlich ebenso berücksichtigt werden wie die Orte von Prostitution und das Geschlecht der Betroffenen. Dieser Sammelband möchte gegenwärtige Strömungen und Auffassungen sichtbar machen, Ursachen und Motive von Prostitution argumentativ aufbereiten, die Nachfrageseite und ihre Rolle im Prostitutionssystem beleuchten, den Einfluss medialer Sujets nachzeichnen und auch die Probleme benennen, die im Rahmen der Feldforschung entstehen. Zudem stellt der Band wichtige Beratungs- und Ausstiegsangebote vor, die insbesondere in Deutschland und Schweden verfolgt werden. Neben sozialwissenschaftlichen Blickwinkeln und sozialarbeiterischen Interventionsmöglichkeiten bei von Gewalt betroffenen Menschen in der Prostitution stehen vor allem Betroffene mit ihren Erfahrungen im Mittelpunkt. Stimmen aus der Praxis der Sozialen Arbeit prägen den abschließenden Schwerpunkt des Buches und berichten von den Erfahrungen aus der täglichen und praktischen Arbeit im Milieu.