Content

6 Schlussbetrachtung in:

Paula Hollekamp

Kapitalmobilisierung für nachhaltige Entwicklung, page 73 - 74

Über die Subventionierung privater Investitionen

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4116-1, ISBN online: 978-3-8288-6964-6, https://doi.org/10.5771/9783828869646-73

Series: Wirtschaftspolitische Forschungsarbeiten der Universität zu Köln, vol. 64

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
73 6 Schlussbetrachtung Die Mobilisierung privater Investitionen durch Blended Finance wird von einigen Akteuren als ein wichtiger Schritt zur Umsetzung der SDGs angesehen177, von anderen wiederum als eine potentielle Verschwendung von Ressourcen in der Entwicklungszusammenarbeit.178 In der vorliegenden Arbeit wurde zunächst der Versuch unternommen, einen möglichen Beitrag von Blended Finance zur Erreichung der SDGs darzustellen und zu analysieren. Dieser könnte insbesondere durch positive externe Effekte begründet sein, die durch realisierte Investitionen in Entwicklungsländern entstehen, durch die entwicklungsrelevante Effekte ausgelöst werden und eine Kapitalmobilisierung gelingen kann. Die derzeitige Anwendung von Blended Finance zielt aber kaum auf Bereiche und Regionen ab, in denen externe Effekte schwerpunktmäßig vermutet werden. Stattdessen werden Blended Finance Maßnahmen insbesondere so eingesetzt, dass sie möglichst hohe Leverage-Ratios erzielen. Beides ist kaum miteinander vereinbar, weshalb Geberregierungen in einem Zielkonflikt stehen. Weiterhin wurden verschiedene Ansätze und Maßnahmen zur Mobilisierung privater Investitionen im Vergleich zueinander bewertet. Dabei wurden in Bezug auf die hergeleiteten Kriterien Additionalität, potentieller Mobilisierungseffekt, statische Effizienz und dynamische Effizienz jeweils unterschiedliche Vorzüge und Schwierigkeiten der Maßnahmen herausgearbeitet. Insgesamt kommt es stark auf den vorliegenden Kontext sowie die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen an. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden die Maßnahmen aus theoretischer Sicht überprüft und miteinander verglichen. Um weitere Schlüsse über deren Eignung ziehen zu können, könnten vergleichende empirische Studien einen wichtigen Beitrag liefern. Sowohl in Bezug auf den Einsatz verschiedener Maßnahmen, als auch zu der allgemeinen Anwendung von Blended Finance gibt es nur wenig verfügbare und vergleichbare Daten. Die Einführung von einheitlichen Reportig-Standards könnte hilfreich sein, die Datengrundlage zu verbessern und weitere Erkenntnisse über die Wirksamkeit und eine sinnvolle Anwendung von Blended Finance zu erzielen. In Bezug auf die verschiedenen Maß- 177 Vgl. z.B. ReDesigning Development Initiative (Hrsg.) (2015), S. 3. 178 Vgl. z.B. European Network on Debt and Developmet (Hrsg.) (2014), S. 18. 74 nahmen wäre eine branchenspezifische Analyse sehr interessant. Erkenntnisse darüber, in welchen Branchen und spezifischen Anwendungssituationen welche Maßnahmen besonders wirkungsvoll sein können, wären für die weitere Anwendung von Blended Finance sicherlich sehr wertvoll. Es wurde ebenfalls verdeutlicht, dass Blended Finance nur einen sehr spezifischen Beitrag zur Erreichung der SDGs leisten kann. Um die ambitionierten Entwicklungsziele bis 2030 erfolgreich umzusetzen, bedarf es großer nationaler sowie internationaler Anstrengungen und des Ausschöpfens einer Vielzahl von spezifischen Maßnahmen, die auf unterschiedliche Teilbereiche der SDGs ausgerichtet werden müssen.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die internationale Staatengemeinschaft hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2030 die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) weltweit umzusetzen. Die bisher zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel für die Implementierung der SDGs bleiben jedoch insbesondere in Entwicklungsländern weit hinter den benötigten Mitteln zurück. In Anbetracht dieser erheblichen Finanzierungslücke kommt der Idee, private Akteure stärker in die Finanzierung der SDGs einzubinden, eine immer größere Aufmerksamkeit zu. Ein viel diskutierter Vorschlag besteht darin, öffentliche Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit dafür einzusetzen, zusätzliches privates Kapital zu mobilisieren. Paula Hollekamp geht der Frage nach, inwieweit durch die Subventionierung privater Investitionen finanzielle Mittel zur Umsetzung der SDGs mobilisiert werden. Dabei geht sie insbesondere auf die Rolle von externen Effekten ein, die mit der Realisierung von Investitionsprojekten einhergehen können. In einem weiteren Schritt untersucht die Autorin, mit welchen Ansätzen und durch welche Maßnahmen eine Kapitalmobilisierung umgesetzt werden kann. Konkret werden Maßnahmen zur Abfederung von Risiken, vergünstigte Inputs und resultatabhängige Förderungen vergleichend gegenübergestellt und analysiert.