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Teil XII Im Aufbau-Verlag in:

Wolfgang Harich

Frühe Schriften, page 1579 - 1648

Teilband 3: Der Weg zu einem modernen Marxismus

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4125-3, ISBN online: 978-3-8288-6959-2, https://doi.org/10.5771/9783828869592-1579

Series: Schriften aus dem Nachlass Wolfgang Harichs, vol. 1.3

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Teil XII Im Aufbau-Verlag 1580 Teil XII 1581Im Aufbau-Verlag Brief an Heinz Kamnitzer219 (14. November 1950) Lieber Genosse Kamnitzer! Wie ich von Max Schroeder hörte, willst Du den Thomas-Münzer-Band zusammen mit Gen. Prof. Meusel herausgeben, und zwar in der Weise, dass Meusel den einleitenden Essay schreibt und Du die Auswahl besorgst. Wir haben dieses Projekt hier im Verlag besprochen, finden es ausgezeichnet und wären froh, den entsprechenden Band in unsere Sammlung aufnehmen zu können. Ich möchte Dich bitten, mir nun mitteilen zu wollen, bis zu welchem Termin die ganze Arbeit (Einleitung und Auswahl) fertig gestellt sein kann, damit wir disponieren können. Sobald ich Deine Antwort in Händen habe, werde ich mir erlauben, Dir einen Vertragsentwurf zuzuschicken. Mit den herzlichsten Grüßen bin ich Dein stets getreuer 219 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 14. November 1950. Adressiert an Heinz Kamnitzer, Berliner Humboldt-Universität. Heinz Kamnitzer (2. v. l.) bei 70. Geburtstag Erich Honeckers 1582 Teil XII Brief an Heinz Kamnitzer220 (10. Januar 1951) Lieber Genosse Kamnitzer! Im Auftrage der Verlagsleitung des Aufbau-Verlages erlaube ich mir, Dich höflichst da rauf aufmerksam zu machen, dass bis zur Stunde noch nicht der unterschriebene Vertrag über die Thomas-Münzer-Ausgabe, den wir Dir am 28. November 1950 zugeschickt haben, bei uns eingegangen ist. Ich bitte Dich sehr darum, uns möglichst bald den Vertrag zurückzusenden. Der Verlag hatte Dir bereits einen Vorschuss von 500,– DM am 20. Dezember 1950 gezahlt und es ist deshalb um so dringender, dass wir den Vertrag als Unterlage in Händen haben. Was Deine Arbeit über Lessing betrifft, so ist sie sehr gut und wir wären prinzipiell bereit, sie zum Lessing-Gedenktag als Broschüre zu veröffentlichen. Allerdings scheint mir die vorliegende Fassung, die 24 Seiten umfasst, für eine Broschüre quantitativ dann doch ein wenig zu dürftig zu sein. Ich hörte jedoch von dem Genossen Caspar, dass Du auch eine umfangreichere Fassung geschrieben hast. Ich bitte Dich, mir diese so schnell wie möglich zuzustellen, damit wir hier möglichst bald eine definitive Entscheidung fällen können. Mit den herzlichsten Grüßen bin ich Dein Brief an Paul Rilla221 (25. September 1951) Sehr verehrter Herr Rilla! Gestatten Sie bitte, dass ich das Ergebnis unserer gestrigen Unterredung noch einmal schriftlich fixiere und Ihnen Vorschläge bezüglich der in Angriff zu nehmenden Arbeiten unterbreitete, wie sie sich aus unserer Besprechung ergeben. Wir waren uns über folgende Punkte einig: 220 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 10. Januar 1951. Adressiert an Heinz Kamnitzer, Berliner Humboldt-Universität. 221 (AH) 3 Blatt, maschinenschriftlich, 25. September 1951. 1583Im Aufbau-Verlag 1) Der Verlag besorgt die Munckersche Ausgabe und stellt sie Ihnen zusammen mit dem Registerband von 1924 so bald wie möglich zur Verfügung. 2) Für unsere Entlastung bei allen möglichen laufenden Arbeiten steht seitens des Verlages Herr Dahnke zur Verfügung, der sich bei Ihnen in der kommenden Woche melden wird. 3) Der Plan der Ausgabe wird auf sieben Bände erweitert. Band I: Gedichte, Fabeln und Erzählungen und ausgewählte Jugenddramen. Band II: Klassische Dramen vollständig und von den dramatischen Fragmenten Samuel Henzi, Faust, Spartacus. Band III: Auswahl aus den frühen Schriften zur Theater- und Literaturkritik (bis inklusive Berliner Literaturbriefe und mit Ausnahme der theologischen und philosophischen Jugendschriften, die wir an die Spitze von Band VI stellen). Band IV: Hamburgische Dramaturgie. Band V: Laokoon mit Auswahl aus dem Anhang, Briefe antiquarischen Inhalts, Wie die Alten den Tod gebildet, eventuell Auswahl von ästhetischen Schriften aus dem Nachlass. Band VI: Theologische und philosophische Schriften I (inklusive Jugendschriften). Band VII: Theologische und philosophische Schriften II. 4) Klarheit besteht bereits über Band II und IV. Bei Band I muss noch entschieden werden, welche Jugenddramen zusätzlich zu den dreien, über die wir uns einig sind, aufgenommen werden sollen, wobei auch die Frage der ungefähren Gleichmäßigkeit des Umfangs der Bände eine Rolle spielt. Ferner müssen bei Band I einige Gedichte ausgeschieden werden. Bei Band V ist noch zu entscheiden, in welcher Form wir den Anhang zum Laokoon veröffentlichen, und welche ästhetischen Schriften aus dem Nachlass – soweit Platz vorhanden ist – aufgenommen werden sollen. Bei Band VI und VII lassen wir uns von der Absicht leiten, so vollständig wie möglich zu sein, werden aber aus Platzgründen auf einige Stücke verzichten müssen, über die wir uns noch nicht schlüssig sind. Die größten Schwierigkeiten bereitet Band III. 5) Sie sind bereit, eine Einleitung zu der gesamten Ausgabe und Vorbemerkungen zu den einzelnen Komplexen zu schreiben. Mit der Lieferung dieser Arbeiten, die während der Herstellung der Ausgabe erfolgen soll, kann der Verlag in den Monaten Dezember 1951, Januar 1952 rechnen. 6) Ich übernehme die Verantwortung für die philologische usw. Bearbeitung. Dazu gehören a) die Fußnoten, b) die Anmerkungen zu jedem Band. Die Fußnoten sollen 1584 Teil XII enthalten: Erläuterungen von Worten, die seit Lessings Zeiten einen Bedeutungswandel durchgemacht haben, Erläuterung von Namen, die dem heutigen Leser unbekannt sind, Übersetzung fremdsprachiger Zitate, Quellen-Angaben bei Zitierung anderer Autoren durch Lessing, Varianten von inhaltlich wesentlicher Bedeutung, Verdeutschung heute ungewöhnlicher Fremdwörter, Hinweise auf Texte, die aus unserer Ausgabe fortgelassen sind. Die Anmerkungen zu jedem Band geben Aufschluss über die Erstdrucke, über Besonderheiten unserer Textwiedergabe (Kürzungen usw.) und über die benutzten philologischen Vorarbeiten. Für die Übersetzung fremdsprachiger Zitate verpflichtet der Verlag Herrn Dr. Schubringk von der Akademie der Wissenschaften. Ich bin verpflichtet, Ihnen den Apparat, bevor er in Satz geht, jeweils vorzulegen. Von diesen Resultaten unserer Besprechung ausgehend, halte ich es für richtig, die folgenden Arbeiten in Angriff zu nehmen: 1) Vorbereitung der Drucklegung der Bände I, II und IV. Ich beabsichtige, bis zum 15. Oktober Band II und bis zum 1. November die Bände I und IV – soweit es sich um die vorliegenden Lessingschen Texte handelt – in Satz zu geben. Vorschlag zur Disposition des Bandes II übersende ich Ihnen in der Anlage. Die Fragen, die bei Band I noch offen stehen, müssten bis Ende Oktober geklärt werden. Was Band IV angeht, so wäre bis Ende Oktober zu klären, ob ein Namensverzeichnis zur Hamburgischen Dramaturgie gegeben werden soll. 2) Zur Vorbereitung von Band I: Ich lese selbst bis Ende Oktober die Jugenddramen Lessings und beauftrage gleichzeitig mit derselben Aufgabe Herrn Dahnke. Wir beide werden Ihnen dann mitteilen, welche Jugenddramen wir außer Freigeist, Junger Gelehrter, Juden für die relativ wertvollsten halten. Zu dem gleichen Zeitpunkt werden wir Ihnen auch Vorschläge bezüglich der Fortlassung einzelner Gedichte Lessings unterbreiten. 3) Zur Vorbereitung von Band IV: Ich beginne gleich mit der Arbeit am Fußnoten-Apparat zur Hamburgischen Dramaturgie. 4) Ich beauftrage Herrn Dr. Schubringk mit der Übersetzung fremdsprachiger Zitate zunächst aus denjenigen Werken Lessings, die unter allen Umständen in unserer Ausgabe aufgenommen werden. 1585Im Aufbau-Verlag 5) Sie sind so liebenswürdig und setzen mich über Beanstandungen, die sich auf die Disposition des II. Bandes beziehen, bis Mitte Oktober in Kenntnis. Ich werde mir erlauben, mich etwa in 14 Tagen wieder bei Ihnen zu melden, bevor ich die Texte zu Band II in Satz gebe. Mit den besten Grüßen Ihr stets getreuer Brief an Max Schroeder222 (18. November 1951) Lieber Max! Ich habe übers Wochenende das Lotte in Weimar-Manuskript von Herrn Hilscher gelesen und mein Eindruck ist folgender: 1) Vorausgesetzt, dass es sich bei dem Verfasser um einen jungen Menschen handelt, sollten wir uns unbedingt seiner annehmen. Er scheint ein für heutige Verhältnisse ungewöhnlich umfangreiches und gediegenes literarisches Wissen zu haben und hat sich in einer Atmosphäre, die zum allzu bequemen Hantieren mit allzu allgemeinen soziologischen usw. Kategorien verführt, einen erfreulich soliden Philologenfleiß bewahrt. Nach dem Girnus-Geschwafel war es geradezu ein Genuss, diese um hieb- und stichfeste Nachweise bemühte Analyse zu lesen. Allerdings darf Hilscher, um etwas Rechtes zu Stande zu bringen, so nicht weitermachen, sonst wird er ein Philologe à la Düntzer (»Hier irrt Goethe«)223. Er muss noch lernen, zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem zu unterscheiden, und er muss sich mit dem Marxismus beschäftigen. Gelingt es ihm, dies zu tun und gleichzeitig seine Akribie zu pflegen und auszubauen, so kann er ein hervorragender Literaturhistoriker werden. Was ihm nottut, ist meines Erachtens ein Studium in Berlin bei gleichzeitigem Umgang mit Genossen, die im Stande sind, ihm wesentliche Gesichtspunkte zu vermitteln. Ich halte es im Übrigen für sehr wahrscheinlich, dass er sowohl für die literarhistorische Kommission der Aka- 222 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 18. November 1951. Adressiert an »Max Schroeder, Aufbau-Verlag«. 223 (AH) Goethe hatte festgehalten, dass er von allen Frauen am meisten Lili Schönemann geliebt hätte. Der Philologe Heinrich Düntzer kommentierte dies in einer der bekanntesten Fußnoten der Literaturgeschichte wie folgt: »Hier irrt Goethe.« Es sei vielmehr, der Dichter habe sich getäuscht, Friederike Brion gewesen. 1586 Teil XII demie der Künste als auch für die Herausgabe von Klassiker-Ausgaben in unserem Verlag schon jetzt überaus wertvolle Hilfsdienste leisten könnte. Ihm selbst wäre meines Erachtens mit einer solchen Arbeit freilich nur dann gedient, wenn er gleichzeitig Gelegenheit hätte, Philosophie, politische Ökonomie und Geschichte zu studieren. 2) Für einen Abdruck im Aufbau-Verlag kommt Hilschers Studie nicht in Frage. Die Arbeit ist eine sympathische, in vielem richtige Verteidigung Thomas Manns und seines Goethe-Bildes, ist aber in der Behandlung der wesentlichen Fragen (Problematik der Befreiungskriege, Goethes Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen usw.) sehr flach und durchforscht dafür Nebensächliches mit einem feierlichen Ernst, der halb komisch, halb rührend wirkt. Ich nenne als Beispiele: a) Die mit gravitätischem Philologenernst betriebene Verteidigung der Erwähnung erotischer Intimitäten in Lotte in Weimar auf den Seiten 39–44, wo der authentische Charakter der entsprechenden Stellen umständlich belegt wird – mit dem resümierenden Bemerken: Die Psychologie habe »den enormen Anteil der erotisch-sexuell-gefärbten Sphäre in der Gedankenwelt eines jeden Menschen« nachgewiesen, »deshalb sage ich: Sollte Goethe nicht zum pathologischen Fall werden, durfte bei der Darstellung der Gedankenspule in Lotte in Weimar da rauf einfach nicht verzichtet werden. Thomas Mann entledigt sich der Aufgabe immerhin mit feinem Takt, und wenn auch engstirnige, prüde Moralisten die Nase rümpfen, so wird der Wissende da rin die dazugehörige naturhafte Seite eines gigantischen Vollmenschentums sehen.« b) Die Ausführungen über Goethes Verhältnis zu Eltern und Verwandten auf den Seiten 62 ff., wo Hilscher zunächst beteuert: »Als eine unerlässliche ethische Forderung wird sicher den meisten Menschen des Christengebot erscheinen: Du sollst Deinen Vater und Deine Mutter ehren!«, um dann in Briefen und Tagebüchern Goethes »furchtbar bestätigt« zu sehen, dass dieser Vater und Mutter nicht geehrt habe (S. 64). Resümee: »Wollen wir diese kalte, liebestötende Haltung auch nur ein wenig milder und verständlich machen, so sind wir etwas in Verlegenheit« usw. (S. 66). Derlei Kindlichkeiten gibt es in der Arbeit viele. Wenn es sich um die Arbeit eines älteren Menschen handelte, wäre es ein ziemlich hoffnungsloser Fall. Wenn der Verfasser ein junger Mensch ist, so sind es harmlose, leicht überwindbare infantile Reste eines begabten und vor allem bemühten, überaus fleißigen jungen Intellektuellen, von dem 1587Im Aufbau-Verlag wir zweifellos in Zukunft noch wertvoller Arbeiten zu erwarten haben und der jede Förderung und Aufmerksamkeit verdient. Mit besten Grüßen! Brief an Bruno Kaiser224 (23. November 1951) Werter Genosse Kaiser! Ihren Brief und den Durchschlag Ihrer Rezension über meine Heine-Ausgabe habe ich erhalten. Bei der Feststellung einer Reihe von Fehlern, die den Wert der Ausgabe beeinträchtigen, haben Sie Recht. Ich werde diese Fehler bei der Vorbereitung einer zweiten, verbesserten Auflage zu gegebener Zeit auszumerzen versuchen. Vo raus set zung ist allerdings, dass bis dahin das von Ihnen angeführte neuere Forschungsmaterial über Heine für mich erreichbar ist, was mir in manchen Fällen als zweifelhaft erscheint. Ich werde mich jedoch darum bemühen und werde mir dabei auch erlauben, an Sie mit der Bitte um eine präzisere Kritik an meiner Ausgabe heranzutreten. In einigen Punkten muss ich Ihrer Kritik widersprechen. 1) Sie unterstellen, dass der Aufbau-Verlag eine Heine-Ausgabe hätte herausgeben wollen, die das Gesamtwerk des Dichters umfasst. Dies trifft nicht zu. Es kann Ihnen nicht entgangen sein, dass in der Ausgabe (Vorbemerkung, Anmerkungen) wiederholt da rauf hingewiesen wird, dass es sich um eine Auswahl handelt. Es kann Ihnen auch nicht verborgen geblieben sein, dass ich in den Anmerkungen zu Bd. III, IV, V und VI diejenigen Werke Heines, die in meiner Ausgabe fehlen, unter Hinweis auf frühere Gesamtausgaben, in denen sie zu finden sind, angeführt habe. Der Leser wird also von mir über die Lücken der Ausgabe nicht nur informiert, sondern es wird ihm auch Aufschluss da rü ber gegeben, wo er bei Bedarf das Fehlende finden kann. Sie aber behaupten, »dass der große Versuch des Aufbau-Verlages nicht gelungen ist, der Versuch, 224 (AH) 5 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 23. November 1951, adressiert an »Herrn Dr. Bruno Kaiser, Marx-Engels-Lenin-Institut beim ZK der SED«. Kaisers Antwortbrief an Harich, vom 27. November 1951 (2 Blatt, maschinenschriftlich), ist ebenfalls erhalten. Kaiser wies alle Einwände Harichs zurück. Sein Brief endet damit, dass er noch einmal ausführte, dass er in Harichs Heine-Edition »Belege dafür (sehe), wie wir unser großes Kulturerbe nicht verwalten dürfen«. Harichs Einleitung in die Heine-Edition, die im Folgenden auch thematisiert wird, ist neu abgedr. in: Band 5, S. 326–338. 1588 Teil XII für Deutschland und die Welt (!) eine Heine-Ausgabe zu besorgen, die einwandfrei und zuverlässig das Gesamtwerk (!) des Dichters unter Auswertung aller wissenschaftlichen Forschungsergebnisse vereinigt«. Diesen Versuch hat der Aufbau-Verlag nicht gemacht, er ist also auch nicht misslungen. 2) Die Aufgabe, die mir vom Aufbau-Verlag gestellt wurde, bestand da rin, in möglichst kurzer Zeit eine brauchbare Heine-Ausgabe in 5–6 Bänden zusammenzustellen, die – ohne vollständig zu sein – alle wesentlichen Werke des Dichters enthält. Wenn Sie diese Aufgabenstellung und deren Erledigung innerhalb eines Dreivierteljahres als »Leichtfertigkeit« bezeichnen und mir Mangel an Legitimation vorwerfen, so steht Ihnen ein solches Urteil frei. Ich bin niemals mit der Prätention aufgetreten, ein perfekter Heine-Philologe zu sein. Wenn Sie aber Ihre Vorwürfe mit dem Bemerken begründen, dass »Walzel seinerzeit mit einem ganzen Stab hochqualifizierter Mitarbeiter mehrere Jahre für die Fertigstellung seines Insel-Heine benötigt« hätte, »der dennoch – außer in den von Jonas Fränkel bearbeiteten Bänden – reichliche Mängel aufweist«, so beweisen Sie damit, dass Sie unserer Situation verständnislos gegenüberstehen. Weder verfügen wir über den von Ihnen gewünschten »Stab hochqualifizierter Mitarbeiter«, den man jahrelang mit der Vorbereitung einer neuen historisch-kritischen Heine-Ausgabe beschäftigen könnte, noch können wir es uns leisten, die Veröffentlichung einer neuen Heine-Ausgabe, für die ein dringendes gesellschaftliches Bedürfnis besteht, noch jahrelang hinauszuschieben. 3) Auf Seite 2 Ihres Manuskripts loben Sie »die fleißige Arbeit des Herausgebers, durch die die drei verschiedenen Fassungen der Handschrift und der deutschen und französischen Ausgaben leicht zu vergleichen und gegenseitig zu ergänzen sind. Einen so übersichtlichen Text gab es bisher kaum.« Dieses Lob freut mich, aber es ist nicht ganz fundiert. Erstens handelt es sich um vier verschiedene Fassungen: 1) Augsburger Allgemeine Zeitung, 2) deutsche Buchausgabe, 3) französische Ausgabe, 4) Originalmanuskript. Zweitens war die Arbeit so fleißig nun wiederum nicht, denn was ich tat, war weiter nichts als eine Übernahme von Leistungen Strodtmanns und Lachmanns (worauf ich in den Anmerkungen hinweise). Und drittens besteht in Ihrer Rezension ein innerer Widerspruch, wenn Sie einerseits die Textbearbeitung der Lutetia loben, und mir andererseits vorwerfen, dass ich »neben Elster und Walzel eine völlig veraltete Reclam-Ausgabe für die Texte benutzt« hätte. Bei dieser « völlig veralteten Reclam-Ausgabe« handelt es sich gerade um die von Lachmann, der ich die Varianten der franzö- 1589Im Aufbau-Verlag sischen Ausgabe der Lutetia entnommen habe. Den übersichtlichen Text, den es bisher kaum gab, gab es bisher durchaus, und zwar in der völlig veralteten Reclam-Ausgabe. 4) Mit der Auffassung, dass meine Ausführungen über Heines Platen-Polemik zu lang geraten und umfangmäßig nicht in richtiger Proportion zu dem sonstigen Inhalt meiner Vorbemerkung stehen, haben Sie zweifellos recht. Ich glaube aber, dass die Kritik an Platen und die Stellungnahme für Heine notwendig sind. Über die Argumente, mit denen ich die positive Einschätzung der Platen-Polemik begründe, sagen Sie in Ihrer Rezension – abgesehen von der Bemerkung über die Verdienste Herweghs – so gut wie nichts. Ich hätte solche Fehler gemacht wie diesen: Die Abhängigkeit von Platens Stil habe Herwegh verhindert usw. Welche Fehler den noch – außer diesem bestimmten, der meines Erachtens keiner ist? Zu bestreiten, dass Platen und Börne zu unserem Erbe gehören, liegt mir fern. Aber innerhalb unseres Erbes gibt es Wertdifferenzen, und da Mehring nicht entschieden genug hervorgehoben hat, wie sehr Heine gegen Platen und gegen Börne im Recht war, ist es unsere Pflicht, diesen Fehler zu korrigieren. 5) Sie erklären, die Fehler, die ich Mehring »vorrechnete«, hätten ihren Ursprung »zumeist« da rin, dass Mehring im Jahre 1911 über bestimmtes Material noch nicht verfügt hätte. Zumeist? Der erste Fehler ist die unzulängliche Würdigung von Zur Geschichte der Religion und Philosophie usw. Das Material hierüber ist Engels’ Ludwig Feuerbach. Der zweite Fehler – die unzulängliche Stellungnahme zur Platen-Polemik – hatte mit bestimmtem Material usw. absolut nichts zu tun. Ebenso ist der dritte Fehler (Einschätzung Gutzkows und der Gegensätze zwischen Heine und dem Jungen Deutschland) primär eine politische und weltanschauliche Frage (Liberalismus und Demokratie). Bleibt also das Material zum vierten Fehler: Der Brief von Marx an Engels vom 17. Januar 1855 (Bemerkung über die »retrospektive Aufklärung«). Mir scheint, dass Mehring den Briefwechsel zwischen Marx und Engels seit 1910 gekannt hat. Was bleibt also übrig von Ihrem Material und Ihrem »zumeist«? Mehrings Selbstkritik aus Grünbergs Archiv kenne ich freilich nicht. Ich habe sie aber auch aus Ihrer Rezension nicht kennen gelernt. Sie erwähnen sie, lassen es aber offen, ob sie sich überhaupt auf die vier Fragen bezieht, die in meiner Vorbemerkung zur Debatte stehen – was ich für ausgeschlossen halte. Im Übrigen: Wenn Sie schreiben, dass es sich nicht um Fehler Mehrings, sondern um meine Fehler handelt, so vergessen Sie, zu erwähnen, dass ich mich in allem Grundsätzlichen an das Vorwort zur Moskauer deutschen Ausgabe von 1937 bis 1940 halte, gegen deren Herausgeber Sie logischerweise genau den gleichen Vorwurf erheben müssten. Wa rum tun Sie das eigentlich nicht? 1590 Teil XII 6) Die sowjetische Heine-Forschung, die 1949 in der SU erschienene zwölfbändige Ausgabe, die Arbeiten Prof. Metallos’ usw. sind mir leider nicht zugänglich. Ebenso war für mich die berichtigte Ausgabe der Memoiren von 1925 nicht erreichbar, als ich die Druckvorlage meiner Ausgabe – terminmäßig gebunden an den Produktionsplan des Verlages – in Satz geben musste. Ebenso bin ich nicht in der Lage gewesen, die neuen, nach 1920 in Zeitschriften verstreut erschienenen Publikationen Heinescher Nachlassgedichte zu beschaffen bzw. mir auch nur einen Überblick da rü ber zu verschaffen. Wenn Sie mir dies vorwerfen, so deshalb, weil Sie immer von der falschen Vo raus set zung ausgehen, ich hätte eine historisch-kritische Gesamtausgabe auf dem Niveau der letzten philologischen Leistungen im internationalen Maßstab veranstalten wollen. Meine Aufgabe war aber eine viel bescheidenere, und ich bin der Überzeugung, dass für die Zwecke, die die neue Ausgabe zu erfüllen hat, die vorliegenden Ausgaben, die ich benutzt habe, als philologische Grundlage vollständig genügen. Es handelt sich um die Ausgaben von Strodtmann, Elster, Lachmann, Walzel und um die Hesse-Beckersche. (Soviel ich weiß, bringt zum Beispiel die berichtigte Ausgabe der Memoiren von 1925 gegenüber der Engelschen von 1884 inhaltlich nichts wesentlich Neues.) 7) Ein großer Teil Ihrer Einwände bezieht sich auf Kleinigkeiten. Sie gehen dabei so weit, dass Sie mir sogar Druckfehler ankreiden (zum Beispiel N. statt A. Strodtmann; oder: der Titel der französischen Ausgabe der Lutetia sei falsch wiedergegeben, wobei es sich ebenfalls um einen Druckfehler – Lutece statt Lutèce – handelt.) 8) Dass Heine mit dem Lied vom freien Rhein das Rheinlied von Becker gemeint haben soll, ist möglicherweise richtig, und ich gebe zu, diese Möglichkeit nicht bedacht zu haben. Aber es ist meines Erachtens nicht richtig, apodiktisch zu erklären, dass dieser Schlager von 1870/1871 im Jahre 1840 – wo er entstand (auf Grund des drohenden Kriegsausbruchs Frankreich-Deutschland nach der Übernahme der Pariser Regierung durch Thiers) – völlig unbekannt gewesen wäre. Die übrigen Fußnoten zum politischen Bekenntnis von 1855 sind meines Erachtens absolut richtig und auch notwendig, insbesondere die Richtigstellung der Begriffe bei dem Wort »Kosmopolitismus«. 9) Was die neu formulierten Titel betrifft, die ich im Übrigen in den Anmerkungen als solche angegeben habe, so sind sie ebenfalls durch den Charakter der Ausgabe gerechtfertigt. Der chronologische Aufbau innerhalb der Prosabände hätte in Band IV dazu geführt, dass der Band mit einem nichtssagenden Vorwort zur französischen Ausgabe der Lutetia endet, in Band V wäre plötzlich mitten zwischen Titeln, die etwas Inhaltsbe- 1591Im Aufbau-Verlag zogenes aussagen, eine Vorrede zum ersten Band des Salon erschienen. Um dies zu vermeiden, habe ich die neuen Titel Politisches Bekenntnis 1855 und Über die Vaterlandsliebe gewählt, die das Wesentliche des Inhalts klar zum Ausdruck bringen, für Nichtkenner einen stärkeren Anreiz zum Lesen in sich bergen, und die deshalb keine Verfälschung darstellen, weil eine Fußnote gleichzeitig den ursprünglichen Titel mitteilt. 10) Dass bei der neu bearbeiteten Übersetzung des Politischen Bekenntnisses von 1855 an vier Stellen wichtige, für das Verständnis notwendige Worte fehlen, müssen Sie mir nachweisen. Ich halte dies für ausgeschlossen. Wie gesagt, diese Gegeneinwände sollen nicht besagen, dass ich die Ausgabe selbst für fehlerfrei hielte. Ich beurteile sie aber als einen wirklichen Fortschritt gegenüber früheren Klassikerausgaben, die bei uns erschienen sind (Goethe-Ausgabe von Wiegler, 1948, Heine-Auswahl von Rudolf Kurz usw.), bin ebenso überzeugt, dass in einigen Jahren die Möglichkeit bestehen wird, eine endgültige Heine-Gesamtausgabe in aller Ruhe und Gründlichkeit vorzubereiten, durch die die jetzige Ausgabe als unzulänglich überholt sein wird. Was ich an Ihrer Rezension am meisten vermisse, ist aber, dass Sie auf das Wichtigste eingehen: Auf Heine und seine Bedeutung für unsere Zeit. Mit besten Grüßen Brief an den Aufbau-Verlag, Heine-Edition225 (10. Januar 1952) Betrifft: Heine-Ausgabe Werte Genossen! Ich habe in den vergangenen Wochen die Kritik des Genossen Dr. Bruno Kaiser, die dieser an der von mir bearbeiteten Heine-Ausgabe übte, sorgfältig geprüft und dabei festgestellt, dass sie – abgesehen von geringfügigen Einzelheiten – für die beabsichtigte Verbesserung der Ausgabe völlig unergiebig ist. Sie ist es vor allem im Hinblick auf 225 (AH) 3 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 10. Januar 1952, adressiert an den »Aufbau-Verlag, Gen. Erich Wendt, Gen. Walter Janka, Gen. Max Schroeder«. 1592 Teil XII angebliche neue Forschungen, die ich nicht berücksichtigt hätte. Genosse Kaiser hat mir zum Beispiel vorgeworfen, ich hätte nicht die Ausgabe von Fritz Strich beachtet. Die Nachprüfung ergab, dass in der Ausgabe von Strich von neuen Forschungsergebnissen und dergleichen nicht die Rede sein kann, da sie textlich auf den auch von mir benutzten Ausgaben von Elster und Walzel fußt und lediglich ein neuartiges Prinzip der Anordnung aufweist, das aber für uns nicht in Frage kommt (Aufnahme der Erstdrucke in chronologischer Reihenfolge, so dass zum Beispiel alle Teile des Buches der Lieder doppelt erscheinen). Mit der von Kaiser vermissten neueren Edition der Memoiren verhält es sich folgendermaßen: Der erste Herausgeber der Memoiren, Eduard Engel, hat 1884 einige verstümmelte Stellen des Manuskripts sinngemäß durch eigene Worte ergänzt, während der Herausgeber der neuen Ausgabe von 1925, Loewenthal, die Memoiren manuskriptgetreu, also mit verstümmelten Sätzen, veröffentlicht hat. Meines Erachtens wäre es töricht, wenn wir uns unter diesen Umständen an die neue Ausgabe halten würden. Der Leser hätte von einer solchen »Akribie« wenig Nutzen. Eine Kennzeichnung der von Engel ergänzten Worte und Satzstellen stelle ich anheim, halte sie aber für überflüssig; sinnvoll wäre sie nur in einer Ausgabe mit großem Lesarten-Apparat. Mit den anderen Hinweisen von Genossen Kaiser steht es nicht viel besser: Dass die benutzte Reclam-Ausgabe »völlig veraltet« sei, trifft nachweisbar nicht zu. Abgesehen von den Willkürlichkeiten der Anordnung ist sie textlich ziemlich einwandfrei, und in den Fällen, in denen sie es nicht ist, wurde die neuere Ausgabe von Walzel (Insel-Verlag) herangezogen, die auch von der neuesten (Strich) in keinem Punkt übertroffen wird, dafür aber hinter der benutzten Reclam-Ausgabe insofern zurückbleibt, als sie die französischen Lesarten der Prosa-Werke vermissen lässt. Ich kann also nur empfehlen, an den bisherigen – und von Kaiser zu Unrecht beanstandeten – Druckvorlagen festzuhalten. Am Sonntag, den 6. Januar, habe ich Genossen Kaiser in seiner Wohnung aufgesucht, um von ihm Ratschläge für die Verbesserung der Ausgabe zu erbitten. Die Unterredung war ebenfalls nahezu ergebnislos. Sie bezog sich auf die folgenden Punkte: 1) Ich bat darum, mich über neuere Forschungen zu informieren. Genosse Kaiser konnte mir lediglich sagen, dass ein (ihm dem Namen nach unbekannter) Philologe einen Teil von Heines Nachlass 1933 in die USA gebracht hätte, und dass dieser Mann 1593Im Aufbau-Verlag seit einiger Zeit sukzessive in amerikanischen Fachzeitschriften einzelne Nachlass-Stücke publiziere. Er zeigte mir die Kopie eines Entwurfs zu einer Vorrede zum vierten Band des Salon, erschienen in der amerikanischen Zeitschrift Philological Quarterly, eine fragmentarische, unausgeführte Arbeit, deren wesentliche Gedanken in anderen Werken Heines, besser formuliert, wiederkehren und deren Abdruck in unserer Ausgabe überhaupt nicht in Frage kommt. Genosse Kaiser gab dies selbst zu, erklärte überdies, dass es unmöglich sei, einen Überblick über diese Art von Nachlasspublikationen zu gewinnen, und dass eine Wiedergabe der verfügbaren Stücke einen rein zufälligen Charakter haben würde. Inhaltlich sei das, was er selbst von diesen Publikationen gesehen hätte, nicht sehr interessant. Es wäre aber »schön«, wenn man ein internationales (!) Forscherkollektiv organisieren könnte, das den zerstreuten Nachlass Heines systematisch erfassen und in einer großen historisch-kritischen Gesamtausgabe vereinigen würde. 2) Aussprache über die Ausgabe von Fritz Strich. Genosse Kaiser blieb dabei, dass sie wesentliche textkritische Neuerungen enthalte. Da er die Ausgabe nicht in seiner Biblio thek hat, konnte ich ihm nicht das Gegenteil nachweisen, sondern ihn nur dazu anregen, noch einmal die Einleitung von Strich zu lesen, in der dieser selbst erklärt, dass er sich ohne eigene Textkritik ausschließlich an die Ausgaben von Walzel und Elster halte. Es war offensichtlich, dass Genosse Kaiser über den Charakter der Ausgabe von Strich nicht richtig informiert ist und sie wahrscheinlich seit langem nicht in der Hand gehabt hat. 3) Sowjetische Forschungen. Ob die in der Sow jet uni on jüngst erschienene Heine-Ausgabe neues Material enthält, wusste Genosse Kaiser nicht. Er wies jedoch wiederum auf die Heine-Biographie von Prof. Metallos hin, die im Manuskript vorliege, und empfahl, dass wir sie anfordern und von Frl. v. Schultz (!) übersetzen lassen sollten. Wahrscheinlich sei da rin einiges zu finden, was sich für unsere Ausgabe als wertvoll erweisen werde. 4) Aussprache über die Forschungen von Hirth. Die Auskünfte des Genossen Kaiser erschöpften sich in dem Hinweis, dass Hirths Ausgabe des Briefwechsels nicht umgangen werden dürfe (was ich schon wusste), dass man aber im Übrigen mit der Übernahme Hirthscher Forschungsergebnisse vorsichtig sein müsse, da dieser nicht nur persönlich ein Schwein (nämlich Agent des »Deuxième Bureau«), sondern auch als Philologe ein Hochstapler sei. 1594 Teil XII 5) Lesarten von Gedichten. Hierzu wusste Genosse Kaiser nur zu bemerken, dass man – um gänzlich einwandfrei zu arbeiten – die Handschriften einsehen müsse. Er selbst habe einmal eine Fassung des Gedichts an Herwegh (Herwegh, Du eiserne Lerche) gefunden, in der es »blüht« statt »lebt« heißt (»blüht der Frühling« statt »lebt der Frühling«). Im Gegensatz zu allen anderen Herausgeber habe er »blüht« als »legitim empfunden« und daher das Gedicht in dieser Version in seinen Herwegh-Band aufgenommen. Derartige Entscheidungen könnten aber nur auf Grund der Handschriften von Fall zu Fall gefällt werden, wobei dann jeweils alle Umstände berücksichtigt werden müssten. Die Frage, ob sich dabei wesentliche Veränderungen gegenüber den vorliegenden Ausgaben von Strodtmann bis Walzel als notwendig erweisen würden, musste er verneinen. Trotzdem wäre es »schön«, wenn usw., siehe oben! 6) Genosse Kaiser wollte mir eine Faksimile-Ausgabe des Wintermärchens zur Verfügung stellen, die wegen der gestrichenen Strophen bemerkenswert wäre. Ich wies dieses Anerbieten aber dankend zurück, a) weil mir diese gestrichenen Strophen aus der Ausgabe von Elster bereits bekannt sind und zur Verfügung stehen, b) weil ihrer Wiedergabe in unserer Ausgabe nicht in Frage kommt, da sie bedeuten würde, dass wir beide Gedichtbände mit einem vollständigen Lesarten-Apparat versehen müssten. Die positive Ausbeute des Besuchs war recht mager: Sie besteht in einem Band der Hoffmann und Campe-Ausgabe mit textgetreuer Wiedergabe der Aphorismen, die in unserer Ausgabe in der alten Strodtmannschen Fassung erschienen sind, in einer Übersetzung von Teilen der Vorrede zur französischen Ausgabe der Lutetia, die Genosse Kaiser aber selbst als unzuverlässig bezeichnete (es handelt sich um die mir bis dahin unbekannte Übersetzung von Karpeles), und in dem Rat, noch einmal die Bibliographien von Dietrich und Körner anzusehen, in denen vielleicht noch wertvolle Hinweise zu finden seien. Ich werde nun die Vorbereitung der neuen Auflage unserer Heine-Ausgabe unter Benutzung aller verfügbaren Hilfsmittel in Angriff nehmen und dabei so sorgfältig verfahren, wie es nur möglich ist. Das wenige, was von den Einwänden des Genossen Kaiser richtig und brauchbar ist, werde ich dabei beachten. Den Plan für die neue Ausgabe übersende ich in der Anlage. 1595Im Aufbau-Verlag Brief an den Aufbau-Verlag, Klassisches Erbe226 (10. Januar 1952) Betrifft: Klassisches Erbe Philosophie Werte Genossen! Nachdem die Arbeit an der Auswahl der geschichtsphilosophischen Schriften J. G. Herders abgeschlossen ist, möchte ich Euch weitere Projekte vorschlagen, von denen ich das eine oder andere im Verlauf des Jahres 1952 realisieren könnte. Es handelt sich durchweg um Aufgaben, die sowohl hinsichtlich der Einleitung, als auch der Auswahl wesentlich leichter zu bewältigen sind als das halbtheologisch-halbmaterialistische Ungetüm Herder. Ich denke an die folgenden Möglichkeit: 1) Holbach, Système de la nature. Die »Bibel« des französischen Materialismus. Es existiert eine deutsche Übersetzung von 1843, aus der ich einmal größere Teile gelesen habe, die in ausgezeichnetem Deutsch geschrieben sind. Die Übersetzung erschien mehr als 70 Jahre nach der Publikation des Werkes in Frankreich, zu einer Zeit, als in Deutschland im Zusammenhang mit der bürgerlichen Opposition des Vormärz der philosophische Materialismus aufkam, ist also auch in dieser Hinsicht interessant. Die Einleitung zu schreiben, kann nicht schwer sein, da Holbach eine eindeutige, unkomplizierte Erscheinung der Geschichte der Philosophie ist, und da unser Verhältnis zu ihm im Wesentlichen bereits geklärt ist (durch eine Fülle von marxistischen Äußerungen, angefangen von der Heiligen Familie bis zu dem Essay von Plechanow). Das Buch ist allerdings ein Wälzer, für den wir zwei Bände benötigen würden. Kürzungen würde ich wegen der Rarität in diesem Fall nicht empfehlen. (Bei deutschen Klassikern ist das etwas anderes, von ihnen liegen verfügbare Gesamtausgaben vor.) 2) Lukrez, De rerum natura. Das Hauptwerk des Materialismus zur Zeit der römischen Antike. Ich würde empfehlen: Eine zweisprachige, snobistische Ausgabe Lateinisch und Deutsch. Als deutsche Übersetzung die sprachlich wunderschöne Hexameter-Nachdichtung von Goethes Freund Knebel. Dazu in Fußnoten an den entsprechenden Stellen, wo Knebel um des Sprachrhythmus willen willkürlich verfährt, die wörtliche Übersetzung auf Grund der wohl bis heute noch nicht übertroffenen philologischen Leistungen von C. Lachmann und Hermann Diels. In der Einleitung käme es da rauf 226 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 10. Januar 1952, adressiert an den »Aufbau-Verlag, Gen. Erich Wendt, Gen. Walter Janka, Gen. Max Schroeder«. 1596 Teil XII an, kurz die Entwicklung des Materialismus von Demokrit zu Epikur und die Stellung Lukrez’ innerhalb der epikureischen Schule zu umreißen, was keinesfalls schwierig ist. Außerdem müsste ein Wort über die Wirkung gesagt werden, die Lukrez auf die Renaissance-Denker und die Aufklärung des 18. Jahrhunderts ausübte. Etwas komplizierter ist die Aufgabe der Kommentierung, aber auch hierüber existieren solide Vorarbeiten, die nur »kritisch angeeignet« werden brauchen. 3) Ludwig Feuerbach, Ausgabe der wichtigsten Schriften in einem Band: Thesen zur Reform der Philosophie, Grundsätze der Philosophie der Zukunft, Das Wesen des Christentums – also diejenigen Werke, die bei der Entstehung des Marxismus eine wesentliche Rolle gespielt haben. In der Einleitung: Abriss der Entwicklung Feuerbachs, Hinweis auf die Wirkung, die er nicht nur auf Marx und Engels, sondern zum Beispiel auch auf Gottfried Keller, Richard Wagner usw. ausgeübt hat, also Behandlung derjenigen Zusammenhänge, die in der Schrift von Engels nicht erwähnt werden. Im Anhang: Abdruck sämtlicher Äußerungen von Marx, Engels, Lenin, Stalin über Feuerbach, inklusive der Engelsschen Broschüre. – Etwas heikel und schwierig ist die Frage des Einflusses, den Feuerbach auf die großen Russen 19. Jahrhunderts ausübte. Einerseits ist hier nur wenig Material zugänglich, andererseits haben unsere sowjetischen Freunde eine gewisse Aversion dagegen, dass ideengeschichtliche Zusammenhänge zwischen Hegel-Feuerbach einerseits und den russischen Materialisten andererseits betont werden, Zusammenhänge, die als Infragestellung des autochthonen Charakters des russischen Materialismus missverstanden werden könnten. Die Einleitung müsste also sehr sorgfältig geschrieben und genau geprüft werden. Das Projekt würde meines Erachtens die relativ längste Zeit benötigen. 4) La Mettrie. Falls Hollitscher, nachdem er den Termin bereits mehrfach weit überschritten hat, auch das neuerliche Termin-Angebot des Genossen Janka nicht erfüllen sollte, wäre ich bereit, die Einleitung zu schreiben. Die vorliegende deutsche Übersetzung der philosophischen Werke La Mettries habe ich bereits gelesen. Die Aufgabe ist nicht schwierig, da La Mettrie – wie Holbach – eine völlig eindeutige und unkomplizierte Erscheinung ist. Ich glaube, die Einleitung und die druckfertige Manuskriptvorlage der entsprechenden Werke in jedem Fall bis zum September 1952 liefern zu können. Selbstverständlich könnte ich nur die eine oder die andere Aufgabe übernehmen. Falls der Verlag sich für Lukrez entscheiden sollte, würde ich mir Ratschläge (die zu honorieren wären) bei Prof. 1597Im Aufbau-Verlag Stroux holen, mit dem ich vor längerer Zeit bereits einmal über dieses Projekt gesprochen habe. Mit bestem Gruß! Brief an Tilly Bergner227 (31. Januar 1952) Sehr geehrte Frau Bergner! Der Aufbau-Verlag übermittelte mir mit der Bitte um Stellungnahme a) Ihr Schreiben vom 14. Januar 1952, b) den Durchschlag Ihres Schreibens vom 15. November 1951, c) ein Begleitschreiben des Amtes für Literatur und Verlagswesen, unterzeichnet von Herrn Kienast. Zu Ihrer Beschwerde möchte ich Folgendes erklären: 1) In der verhältnismäßig kurzen Zeit, in der ich den Druck der Heine-Ausgabe vorbereiten musste, gelang es mir weder, das französische Original des Lutetia-Vorwortes von Heine aufzutreiben, noch eine vollständige Übersetzung des Vorwortes außer der Ihren (in dem Heine-Lesebuch von Walther Victor) zu finden. Ich entschloss mich daher, Ihre Übersetzung zu übernehmen. Als ich bei Herrn Victor deswegen anfragte, erklärte er mir sein Einverständnis, unter der Vo raus set zung, dass ich a) meine Bitte nochmals schriftlich an ihn richte, b) sein Heine-Lesebuch als Quelle und Sie als Übersetzerin in der Vorbemerkung des Herausgebers oder in den Anmerkungen nennen würde. Bei dieser Gelegenheit machte ich Herrn Victor da rauf aufmerksam, dass der Auszug aus dem Lutetia-Vorwort, der sich bei Mehring findet, an einer wesentlichen Stelle – bei dem Wort »Kosmopolitismus« – von Ihrer Übersetzung abweicht. Er erklärte mir, dass Kosmopolitismus die legitime Übersetzung des Heineschen Textes sei, dass er aber an dieser Stelle, um Missverständnisse zu vermeiden, das – zugegeben unkorrekte – »bekennen sich zur ganzen Menschheit« vorgezogen hätte. Ich setzte ihn davon in Kenntnis, dass ich hier die wörtliche Übersetzung des Heineschen Textes für richtiger hielte. Es schien mir besser zu sein, das Wort, das übrigens damals keine negative Bedeutung hatte, zu bringen, aber in einer Fußnote zu kommentieren. 227 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 31. Januar 1952. Adressiert an »Frau Tilly Bergner«, Berliner Privatadresse. 1598 Teil XII Bei diesem Gespräch mit Herrn Victor wusste ich aber noch nicht, dass Ihre Übersetzung noch eine Reihe anderer Unkorrektheiten enthält. Das stellte ich erst kurz danach fest, als meine Bemühungen um das Original des Lutetia-Vorwortes endlich erfolgreich waren. Zu dieser Zeit war aber Ihre Übersetzung schon in Satz. Ich habe daher versucht, die Schwächen Ihrer Übersetzung durch entsprechende Fahnenkorrekturen auszumerzen. Dass ich Ihnen hier von keine Mitteilung machte, ist – wie ich zugeben muss – ein bedauerlicher Fehler. 2) Zu den Korrekturen selbst, die Sie beanstanden, möchte ich im Einzelnen folgendes sagen. (Es folgt eine Reihe von einzelnen Vergleichen von Wörtern oder Satzteilen, hier irrelevant, AH.) 3) In der Fußnote zu dem Wort »Kosmopolitismus« habe ich nicht gegen Sie polemisiert, sondern versucht, zu erläutern, was Heine unter diesem Wort (das er faktisch gebraucht hat) verstand, und warum die Bezeichnung der Kommunisten als Kosmopoliten nicht zutrifft. Indem ich nochmals mein Bedauern aussprechen, dass ich mich wegen der Korrekturen nicht rechtzeitig mit Ihnen ins Benehmen setzte, verbleibe ich mit den besten Grüßen Ihr sehr ergebener Tilly Bergner im Gespräch mit Jan Dobraczynski, 1954 1599Im Aufbau-Verlag Internes Gutachten zu Alfred Meusel: Über Reformation und Bauernkrieg228 (25. März 1952) Betrifft: Alfred Meusel: Über Reformation und Bauernkrieg Zu den folgenden Äußerungen muss ich bemerken, dass ich weder Historiker, noch genauer Kenner der Reformation und des Bauernkrieges bin. Vor der Lektüre der vorliegenden Arbeit von Prof. Meusel habe ich jedoch nochmals die folgenden einschlägigen Werke gelesen: a) Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg; b) Franz Mehring, Deutsche Geschichte vom Ausgang des Mittelalters (erster Abschnitt, Über Reformation usw.); c) Karl Kautsky, Das Zeitalter des Humanismus und der Reformation in Thomas More und seine Utopie; d) Karl Kautsky, Die deutsche Reformation und Thomas Münzer in Vorläufer des neueren Sozialismus. Prof. Meusels Arbeit besteht aus vier in sich geschlossenen Teilen: Im ersten Teil wird kurz die dem Bauernkrieg um ein halbes Jahrhundert vorausgehende Bewegung des Pfeiffers von Niklashausen geschildert. Im Anschluss da ran werden die hauptsächlichen ökonomischen Ursachen der Bauernrebellionen erörtert und die besonderen strategischen und taktischen Schwierigkeiten der ganzen Bewegung auseinandergesetzt (Problem der Gutgläubigkeit, Strategie und Taktik der Herrschenden usw.). Dabei wird teilweise auf Ereignisse vorgegriffen, deren konkrete Darstellung erst in den späteren Teilen erfolgt. Der zweite Teil behandelt den Verlauf der ganzen Reformation – vom ersten Aufbegehren gegen den Ablasshandel bis zur Unterdrückung des Bauernkrieges –, aber so, dass die Entwicklung Luthers und seiner Reformation im Vordergrund steht, während die Bauernbewegung und der Ritterkrieg, die den Ausgang der Reformation bestimmen, selbst noch nicht in ausführlicher Darstellung erscheinen, sondern nur als bewegende Kräfte von der Reformation her gesehen werden. Der dritte Teil behandelt die Bewegung der Ritter. Die Arbeit gipfelt im vierten Teil: Thomas Münzer und die Volksreformation. Das eigentliche Thema wird also sehr sorgfältig dadurch vorbereitet, 228 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 25. März 1952, adressiert an »das Lektorat des Aufbau-Verlages«. 1600 Teil XII dass es zunächst von drei verschiedenen Seiten her angegangen und dann erst als solches behandelt wird. Soweit ich es beurteilen kann, handelt es sich hier um eine ganz hervorragende Arbeit. Prof. Meusel hat eine tief durchdachte, wahrhaft marxistische Analyse der Zusammenhänge gegeben. Er steht klar und eindeutig auf dem Boden der bäuerisch-plebejischen Bewegung, wird aber dabei – ohne im Mindesten in »linke« Vulgarisierungen auszugleiten – der historischen Größe und Bedeutung Luthers völlig gerecht. Er fördert eine Fülle von noch unbekanntem oder nicht genügend beachtetem Material zu Tage, das außerordentlich aufschlussreich ist, und polemisiert an gewissen Punkten mit köstlich trockenem Witz gegen die bürgerlichen Darstellungen der Reformation (vor allem gegen Ranke). Ein besonderer Vorzug der Arbeit besteht da rin, dass sie – ohne inhaltliche Verflachung – sehr leicht und volkstümlich geschrieben ist, ja, streckenweise erzählenden Charakter annimmt (so bei der Darstellung des Pfeiffers von Niklashausen oder bei der Darstellung von Luthers Verhör durch den Reichstag zu Worms). Der Umfang der Arbeit (192 Schreibmaschinenseiten) sprengt zwar den Rahmen einer Einleitung, aber es ist gleichzeitig zu bewundern, mit welcher Disziplin und souveränen Stoffbeherrschung die Fülle und Kompliziertheit der Vorgänge auf so knappem Raum übersichtlich und verständlich gemacht wurde. Im Grunde gibt Meusel nämlich eine komplette Darstellung der ganzen Reformation und des Bauernkrieges, wobei er sich allerdings auf das Historische beschränkt und auf die Widerspiegelung der Bewegung in Kunst und Literatur nicht eingeht. Ich schlage dem Verlag vor: 1) Die Arbeit, so wie sie ist, zu akzeptieren und von einer weiteren Prüfung abzusehen, die sie schon deswegen erübrigt, weil Prof. Meusel als einer der führenden marxistischen Historiker der DDR ohnehin anerkannt ist; 2) die Arbeit entweder als gesonderten Band in einer zweibändigen Ausgabe oder als einleitenden Essay zu einer einbändigen Ausgabe zu veröffentlichen, je nachdem, wie umfangreich die von Prof. Kamnitzer bearbeiteten Texte sind; 3) die Arbeiten möglichst umgehend in Satz zu geben, auf jeden Fall aber vor der Goethe-Publikation von Girnus, damit wenigstens die ersten beiden Publikationen unserer Erbe-Sammlung ein gewisses Niveau aufweisen. Die Text-Edition von Prof. Kamnitzer, die schon seit Monaten fertig vorliegen soll, wurde angefordert. Sie ist von Meusel gebilligt. 1601Im Aufbau-Verlag Zur Tschernyschewski-Edition229 (10. April 1953) In der Anlage überreiche ich: 1) Das durchkorrigierte und stilistisch bearbeitete Tschernyschewski-Manuskript von Lukács.230 Es müssen nur noch a) die Zitate, die Lukács aus Tschernyschewskis Dissertation anführt, mit unserer Übersetzung verglichen und eventuell neu formuliert werden, b) es muss die Schreibweise der Namen in Übereinstimmung gebracht werden: Düwel schreibt Belinski und Tschernyschewski, Lukács schreibt: Belinskij und Tschernyschewskij (das Letztere ist nach meiner Meinung richtig). Diese beiden Korrekturen können aber von Düwel selbst vorgenommen werden. 2) Ich überreiche das Manuskript von Düwel mit ein paar Randbemerkungen. Im Ganzen finde ich die Arbeit recht gut. Sie stellt eine wertvolle und notwendige Ergänzung des Lukács-Essays durch ihre historischen und biographischen Angaben dar. Ich halte jedoch an folgenden Stellen eine Überarbeitung für nötig: Seite 2: Die russische Arbeiterbewegung trat nicht erst Anfang des 20. Jahrhunderts auf, sondern entwickelte sich bereits in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts (siehe KPdSU). Seite 3: Ich empfehle die Einfügung des an den Rand geschriebenen Hinweises auf die westeuropäische Aufklärung, damit besonders die Klassenposition der russischen revolutionären Demokraten klarer wird. Seite 4: Was hier steht, sollte meines Erachtens nicht weggelassen, sondern nur besser formuliert werden. (Im Manuskript ist es durchgestrichen.) Seite 6: Daten des Krimkriegs angeben! Seite 8: Unklarheit über das Verhältnis der Liberalen zur Bourgeoisie und umgekehrt. Seite 9: Erhebliche Unklarheit über das Verhältnis zwischen der liberalen Bourgeoisie und dem Zarismus. Düwel scheint sich hier und überhaupt durch die Tatsache, dass die revolutionären Demokraten zeitweilig ihre Hauptangriffe gegen die Liberalen richteten, zu der Annahme verleiten zu lassen, dass nicht der Zarismus, sondern die Liberalen der Hauptfeind des Fortschritts waren, ja, Zarismus und liberale Bourgeoisie einfach in einen Topf zu werfen. An dieser Stelle macht er sogar den Zarismus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Instrument der liberalen Bourgeoisie; dieser, so schreibt er, hätte die riesige Maschine des zaristischen Staates zur Verfügung gestan- 229 (AH) 3 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 10. April 1953. Adressiert an »Lektorat des Aufbau-Verlags, zu Händen Max Schroeder«. 230 (AH) Siehe ergänzend die entsprechenden Briefe Harichs an Lukács, abgedr. in: Band 9. Dort alle weiteren Hinweise, der größere Kontext usw. 1602 Teil XII den. So geht es nicht. Die russische liberale Bourgeoisie war gegen den Zarismus, namentlich in der Zeit, die Düwel behandelt. Sie war nur aus Furcht vor den Massen derart unfähig zur Führung der Revolution und derart kompromissbereit, dass sie schließlich objektiv das System der Selbstherrschaft befestigte. Seite 10: Der Sozialismus Tschernyschewskis sollte schon hier als vormarxistischer einschränkend gekennzeichnet werden. Marx und Engels sprechen von einem »sozialistischen Lessing«231; sie selbst waren nicht Lessings, auch nicht sozialistische. Seite 10: Die Zeitschrift Der Zeitgenosse sollte wenigstens einmal – bei ihrer ersten Erwähnung – mit ihrem russischen Titel, unter dem sie bekannt ist, genannt werden. Seite 11: Wieder die Unklarheit mit den Liberalen. Als ihre Hauptgegner betrachten Tschernyschewski und Dobroljubow selbstverständlich nicht die Liberalen, sondern die zaristische Selbstherrschaft, die Aristokratie und – ideologisch – den orthodoxen Obskurantismus, die mystizistisch-romantischen Tendenzen usw. Wenn sie zeitweilig ihre Hauptangriffe auf die Liberalen konzentrierten, so deshalb, weil diese mit ihren Kompromissen den Hauptfeind entscheidend stützten. Dies muss unterschieden werden. Seite 13: Vorsichtiger dosieren das, was über die Annäherung Tschernyschewskis an den Standpunkt des wissenschaftlichen Sozialismus gesagt wird. 231 (AH) In dem Artikel Dobroljubow – der »sozialistische Lessing«. Anlässlich des Erscheinens seiner Werke in deutscher Sprache, erschienen in der Täglichen Rundschau am 5. Februar 1950 (Neuabdr. in: Band 1.2, S. 1210–1214), hatte Harich geschrieben: »In einem Artikel, der im Oktober 1874 im Leipziger Volksstaat erschien, bezeichnete Friedrich Engels Tschernyschewski und Dobroljubow als ›zwei sozialistische Lessings‹. Bei anderer Gelegenheit, in einem Brief an E. Papritz, erklärte Engels, die literarhistorische und kritische Leistung dieser beiden russischen Denker stünde ›unendlich höher als alles, was Deutschland und Frankreich auf dem Gebiete der offiziellen historischen Wissenschaft hervorgebracht haben‹. Diese Urteile wurden vor einem Dreivierteljahrhundert gefällt. Aber erst jetzt, durch Initiative des sowjetischen ›Verlages für fremdsprachige Literatur‹, werden Dobroljubows Werke in deutscher Übersetzung herausgebracht. (N. A. Dobroljubow, Ausgewählte philosophische Schriften, Moskau 1949.) In der dazwischenliegenden Zeitspanne hat die russische Literatur des 19. Jahrhunderts in Deutschland beträchtliche Resonanz gewonnen. Sie wird von vielen geliebt, von einigen missverstanden, von allen bewundert. Ihre Kenntnis jedenfalls gehört hierzulande längst zur selbstverständlichen Allgemeinbildung. Die Geburtshelfer und Wegbereiter dieser gewaltigen Literatur aber, die russischen revolutionären Demokraten des 19. Jahrhunderts, die Klassiker der russischen materialistischen Philosophie, Belinski, Tschernyschewski, Dobroljubow, blieben bis auf den heutigen Tag bei uns nahezu völlig unbekannt. Und wenn Tschernyschewski wenigstens in der Neuen Zeit, dem theoretischen Organ der alten deutschen Sozialdemokratie, gelegentlich gewürdigt wurde, so waren – was Dobroljubow anbetrifft – Marx und Engels bislang die einzigen Deutschen, die seine Bedeutung richtig einschätzten.« (Ebd., S. 1210.) 1603Im Aufbau-Verlag Seite 14: Alle Gebiete der Wissenschaft hat Tschernyschewskis geistiges Ringen nicht erfasst, so viel ich weiß. Er war kein Aristoteles seiner Zeit, sondern etwas ganz anderes – sehr viel mehr und sehr viel weniger! Seite 15: Wieder die Unklarheit in Bezug auf den Liberalismus. Es ist nicht wahr, dass der Hauptangriff Tschernyschewskis gegen Hegel gerichtet war. (Siehe Seite 21 des Manuskripts, wo aus Düwels Ausführungen klar hervorgeht, inwieweit Tschernyschewski von Hegel beeinflusst war.) Seite 16: Unklarheit in der Kennzeichnung dessen, was Tschernyschewskis »anthropologisches Prinzip« war. Hier eine konkrete Erklärung zu geben, wäre um so nötiger, als Lukács in seinem Essay die Kenntnis der Bedeutung dieses Begriffs stillschweigend voraussetzt. Seite 17: Was in dem durchgestrichenen Absatz steht, sollte nicht fehlen. Es sollte nur viel, viel besser formuliert werden. Seite 17: Tschernyschewski war natürlich nicht »vielleicht der überhaupt größte fortschrittliche Denker bis Marx und Engels«. Er war derjenige, der ihnen unter den vormarxistischen Denkern an Erkenntnis, an teilweiser Übereinstimmung der Methode usw. am nächsten kam. Das war für Aristoteles nicht möglich. Trotzdem war Aristoteles größer. Das Wort »groß, größer, größte« ist also der Sache nicht angemessen. Seite 18: Die kritische, realistische Tendenz der russischen Literatur hat nicht in Gogel ihren Höhepunkt erreicht, sondern mit der »Gogolschen Periode« (Belinski) ihren – allerdings sehr, sehr bedeutend – Anfang genommen. Ostrowski, Tolstoi usw. stehen höher als Gogol. Seite 20: Düwel schreibt, dass Tschernyschewski aus Rücksicht auf die Zensur in der Hauptsache gegen Vischer polemisiert, aber in Wahrheit Hegels Ästhetik gemeint habe. Er formuliert dies so, dass man annehmen muss, die Hegelsche Ästhetik wäre durch die zaristischen Behörden gegen Polemiken geschützt worden. In Wahrheit verhielt es sich genau umgekehrt: Dass Hegel der russischen Reaktion als verdächtig und gefährlich galt und deshalb nicht erwähnt werden durfte. Dies ergibt sich auch ganz klar aus den Tatsachen, die Düwel auf den Seiten 21, 25 erwähnt! Zweitens: Der Hauptangriff richtet sich nicht gegen Hegel, sondern gegen die liberalen, auf dem Standpunkt des Idealismus verharrenden, im Übrigen auf den Ästhetizismus von Kant zurückgreifenden Hegel-Epigonen wie vor allem Fr. Th. Vischer. Dabei wird Hegel natürlich mit kritisiert, aber gleichzeitig übernimmt Tschernyschewski auch viele Einsichten Hegels. Drittens: Einen l’art pour l’art-Standpunkt kann man nicht mit, sondern nur gegen Hegels Ästhetik, durch Verfälschung von Hegels Ästhetik begründen, wie es Fr. Th. Vischer getan hat. Was Düwel auf Seite 20 schreibt, ist also durchaus schief. – Mir scheint im 1604 Teil XII Übrigen, dass die Darstellung der philosophischen Problematik Tschernyschewskis ganz dem Essays von Lukács überlassen bleiben sollte, jedenfalls in all den Punkten, die sich auf ästhetische Fragen beziehen. Seite 21: Was hier über den Inhalt der Dissertation Tschernyschewskis gesagt wird, beweist durchschlagend die Unsinnigkeit der These, dass Tschernyschewskis Polemik sich in der Hauptsache nicht gegen Vischer, sondern gegen Hegel gerichtet hätte. Seite 24: Zusammenhang! Der Übergang von der apolitischen Haltung Feuerbachs zum Fehlen des Praxis-Gedankens bei ihm ist etwas abrupt. Es handelt sich um zwei verschiedene Dinge. Besser wäre es, zunächst das Marx-Zitat über Feuerbach aus dem Brief an Ruge vom 15. März 1843 anzuführen: »Feuerbachs Aphorismen sind mir nur in dem einen Punkt nicht recht, dass er zu sehr auf die Natur und zu wenig auf die Politik hinweist. Das ist aber das einzige Bündnis, wodurch die jetzige Philosophie eine Wahrheit werden kann.« (MEGA, I, 1/2, S. 308.) Beim Praxis-Gedanken, auf den Düwel dann zu sprechen kommt, handelt es sich um ein ganz anderes Problem. Seite 25: Die Zitierung der elften Feuerbach-These rückt Tschernyschewski wieder zu eng an Marx heran. Seite 30: Der Abschluss wäre besser, wenn er nüchterner wäre. Meine Überzeugung ist, dass alle angeführten Mängel sich sehr leicht ausmerzen lassen. Stilistische Korrekturen habe ich in einigen Fällen bereits gleich im Manuskript vorgenommen. Internes Verlags-Gutachten zu: Auguste Cornu: Die Jugend von Marx und Engels232 (20. Mai 1953) Das Buch Die Jugend von Marx und Engels von Auguste Cornu behandelt die gesellschaftlichen und ideologischen Entstehungsbedingungen des Marxismus in Deutschland, die Jugendentwicklung von Marx und Engels bis 1844 und ihre Werke von den frühsten Jugendschriften bis zu den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten von Marx. Das Buch ist das Resultat einer zwanzigjährigen Erforschung der Entstehungsgeschichte des Marxismus durch den jetzt 65 Jahre alten französischen Kommunisten Auguste Cornu, der sich mit großer Liebe und Sorgfalt in die Geschichte und Kultur Deutsch- 232 (AH) 3 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 20. Mai 1953. Handschriftlich adressiert an Walter Janka. 1605Im Aufbau-Verlag lands hinein gearbeitet hat und als aufrichtiger Freund der deutschen Arbeiterbewegung geehrt zu werden verdient. Es kann in diesem Gutachten nicht auf irgendwelche Einzelheiten eingegangen werden. Es sollen hier nur die wichtigsten positiven und negativen Momente in aller Knappheit, aber auch in aller Deutlichkeit zur Orientierung genannt werden. Positiv ist das Buch vor allem deswegen, weil es ein außerordentlich umfangreiches und interessantes Tatsachenmaterial ausbreitet, das man in dieser Vollständigkeit in keiner bisherigen Darstellung dieser Epoche der Geschichte der Philosophie findet. Der Verfasser geht zum Beispiel auf der einen Seite auf alle Details der Umgebung, in der Marx und Engels gelebt haben, ein und erklärt (um nur ein Beispiel dafür zu nennen) bei der Behandlung von Marx’ Geburtsort Trier, was es zum Beispiel mit der Porta Nigra auf sich hat. Auf der anderen Seite behandelt er sehr detailliert all die geistigen Strömungen, mit denen Marx und Engels in ihrer Jugend Berührung hatten, zum Beispiel die literarische Bewegung des Jungen Deutschland, die Gegensätze, die in der damaligen juristischen Fakultät der Berliner Universität zwischen Eduard Gans und Savigny bestanden, sowie die einzelnen Vertreter des Junghegelianismus und deren Lehren (Bruno Bauer, Köppen, Cieszkowski usw.). Dieses Material ist teilweise noch völlig unbekannt und unerforscht. Weniger gut, ja, teilweise problematisch ist die Interpretation der Jugendwerke von Marx und Engels. Der Verfasser ist alles andere als ein tief philosophischer Kopf. Er beschränkt sich im Wesentlichen da rauf, den Inhalt der Jugendschriften von Marx und Engels referierend wiederzugeben, wobei er die philosophischen Probleme teilweise außerordentlich verflacht.233 Dazu kommt, dass seine ganze Terminologie sehr unpräzise und verschwommen ist. Es ist hier aber zu bedenken, dass Cornu sich nicht etwa in Gegensatz zu irgendwelchen Lehren des entwickelten Marxismus stellt, so dass sein Buch nicht irgendwelchen feindlichen Strömungen in der Arbeiterbewegung Vorschub leistet, wie es zum Beispiel bei der Marx-Biographie von Mehring in Bezug auf die Frage der Diktatur des Proletariats oder in Bezug auf die Einschätzung Lassalles der Fall ist. Der einzige Vorwurf, den man hier erheben könnte, ist der, dass durch die allzu breite Behandlung des ganzen Junghegelianismus die Bedeutung der marxistischen Revolu- 233 (AH) Dieser Einwand war später auch der Hauptvorwurf an Cornu in der Rezension des Freundes von Harich, Manfred Hertwig: Rezension, zu: Cornu: Karl Marx, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Heft 1, 1956, S. 100–106. 1606 Teil XII tion in der Geschichte der Philosophie abgeschwächt werde. Ich würde diesen Vorwurf aber für ungerechtfertigt halten, da es ja auch eine legitime Aufgabe ist, einen breiten Überblick über die geistigen Strömungen der dreißiger und vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts in Deutschland zu geben, ohne dass deswegen die Leistung von Marx und Engels selbst irgendwie verkleinert zu werden brauchte. Der genannte Vorwurf wäre meiner Meinung nach nur dann berechtigt, wenn der Verfasser das qualitativ Neue des Marxismus, das ja erst in den von 1844 an erschienenen Werken von Marx und Engels völlig klar zum Ausdruck kommt, so darstellen würde, als ob es bereits von den Vorgängern geschaffen worden wären. Das aber ist nicht der Fall, da das Buch ja nur bis an die Schwelle des eigentlichen Marxismus heranführt. Ich gebe ferner zu bedenken, dass die außerordentliche Flachheit der philosophischen Darstellung und die unpräzise Terminologie Cornus bis zu einem gewissen Grade dadurch wettgemacht werden, dass Cornu, vor allem in Form von Fußnoten, sehr viele Zitate aus den Jugendschriften von Marx und Engels bringt. Sein Werk kann also als ein vereinfachter, populärer biographischer Leitfaden zum Studium der Jugendschriften von Marx und Engels derart dienen, dass der Leser in die Tiefe der Probleme eindringt, wenn er die angeführten Zitate durchdenkt und dadurch zur Lektüre der Jugendschriften von Marx und Engels selbst angeregt wird. Der Leser bringt dann bei dieser Lektüre bereits neue bildungsmäßige Vo raus set zungen mit, die ihn befähigen, die Jugendschriften von Marx und Engels auf Grund der Kenntnis der geistigen Kämpfe der damaligen Zeit tiefer und richtiger zu verstehen. Das Buch von Prof. Cornu liegt jetzt in einer umgearbeiteten Fassung vor, die der Verfasser schuf, nachdem die ursprüngliche Fassung von Mitarbeitern des Gesellschaftswissenschaftlichen Instituts beim ZK der SED (unter anderem von Genossen Wolfgang Schubardt) heftig kritisiert worden war. Die jetzt vorliegende Fassung wurde von Genossen Kurt Hager, Leiter der Abteilung Wissenschaft und Hochschulen, gelesen. Genosse Hager erklärte, dass das Buch als Materialsammlung über die Jugendentwicklung von Marx und Engels sehr wertvoll sei. Für eine Veröffentlichung im Dietz-Verlag sei es nicht geeignet. Es sei aber gegen eine Veröffentlichung in einem anderen Verlag (vornehmlich im Aufbau-Verlag) seitens der Partei nichts einzuwenden. Ich empfehle der Leitung des Aufbau-Verlages: 1) Die oben entwickelten Gesichtspunkte bei dem für Marx-Publikationen zuständigen Genossen vom ZK der SED (Büro Fred Oelßner) geltend zu machen, das heißt die Annahme des Buches und dessen 1607Im Aufbau-Verlag Veröffentlichung trotz der Schwächen, die es aufweist, zu erbitten; 2) das Manuskript grundsätzlich zur Veröffentlichung anzunehmen und mit dem Autor einen Vertrag über eine Auflage von vorerst 5000 Exem plaren zu schließen; 3) das ganze Manuskript noch einmal von einem qualifizierten Genossen lesen zu lassen, der verschiedene missverständliche Stellen korrigieren und das Ganze vor allem sprachlich überarbeiten müsste; sowie 4) diese Korrekturen von dem Betreffenden in einer Liste zusammenstellen und durch den Verfasser, falls er mit ihnen einverstanden ist, autorisieren zu lassen. Für diese Aufgabe schlage ich vor: Genosse Krüger vom Staatssekretariat für Hochschulwesen, der am 1. Juni aus seiner bisherigen Stellung ausscheidet und in den nächsten zwei Monaten dafür Zeit haben würde. Zur Herder-Biographie von Rudolf Haym, Hausmitteilung234 (29. Juli 1953) Ich unterbreitete hiermit folgenden Vorschlag: 1) Von der Herausgabe der Briefe Heinrich Heines im Produktionsjahr 1953 ist abzusehen, und zwar aus folgenden Gründen: a) Eine sorgfältige Prüfung des Briefwechsels von Heine hat ergeben, dass er bei weitem nicht so interessant ist, als dass seine Herausgabe als Ergänzung zu der sechsbändigen Ausgabe der gesammelten Werke Heines nicht noch einen Aufschub von ein bis zwei Jahren duldete. b) Wenn wir den Briefwechsel Heines herausgeben wollen, so können wir meines Erachtens nur eine Gesamtausgabe des Briefwechsels veranstalten, da der Versuch, auszuwählen, außerordentliche Schwierigkeiten bereitet! Eine dieser Schwierigkeiten besteht da rin, dass sich viele »Perlen« in ausführlichen Briefen finden, die daneben eine Fülle völlig belangloser und uninteressanter Dinge enthalten. Eine zweite Schwierigkeit bereitet die Tatsache, dass Heine in den letzten Jahrzehnten seines Lebens vorwiegend eine rein geschäftliche Korrespondenz mit seinem Verleger geführt hat, die kaum noch interessante und wichtige Äußerungen zu Literatur, Politik usw. enthält; die Auswahl des Bedeutsamen würde also dazu führen, dass der frühere Briefwechsel einen unverhältnismäßig breiten Raum einnimmt und von Briefen des späteren Heine sehr wenig 234 (AH) 5 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 29. Juli 1953. Hausmitteilung, zu Händen von Wendt und Janka. 1608 Teil XII gebracht wird. Wenn wir uns aber wirklich dazu entschließen sollten, eine Gesamtausgabe des Briefwechsels zu veranstalten, so würde dafür der festgesetzte Umfang von zwei Bänden mit ca. 600 Seiten bei weitem nicht ausreichend. Wir müssten dann mindestens drei Bände herausbringen, und eine solche Papiermenge scheint mir das Projekt wenigstens vorerst nicht wert zu sein. c) Als Druckvorlage käme nur die Ausgabe des Heine-Briefwechsels von Friedrich Hirth in Frage, da alle anderen Ausgaben als veraltet gelten. Nun ist die Hirth-Ausgabe aber urheberrechtlich geschützt, und zwar als philologische Leistung von Hirth; das ist ausdrücklich auf der Rückseite des Titelblattes vermerkt. Da Hirth uns ausgesprochen feindselig gegenübersteht, kann mit einer Lizenz nicht gerechnet werden. Andererseits können wir nicht einfach nachdrucken angesichts der Tatsache, dass unsere gesamtdeutsche Politik im Rahmen des neuen Kurses zu gesteigerter Korrektheit in urheberrechtlichen Fragen zwingt. d) Es wäre nötig, die Ausgabe des Briefwechsels von Heine mit einem umfangreichen Apparat von Erläuterungen, Personen und Ereignisse betreffend, Fremdworterklärungen usw. zu versehen. Dies würde für mindestens vier Monate die volle Arbeitskraft von Kollegen Hofmann und mir in Anspruch nehmen und außerdem die Heranziehung verschiedener Experten zusätzlich erforderlich machen. Ein solcher Aufwand an Arbeitskraft stünde zu dem Ergebnis in keinem Verhältnis. 2) Ich empfehle, statt des Heine-Briefwechsels noch im Produktionsjahr 1953 die zweibändige Herder-Biographie von Rudolf Haym in die Herstellung zu geben, und zwar so rechtzeitig, dass mindestens der erste Band noch im Dezember 1953, zum 150. Todestag Herders, herauskommen kann.235 Es handelt sich bei diesem Werk um eine der bedeutendsten und gründlichsten Leistungen, die die deutsche liberale Philosophie- und Literaturgeschichtsschreibung im 19. Jahrhundert vollbracht hat, und um das biographische Standardwerk über Herder, 235 (AH) Das Projekt wurde (nach einigen Schwierigkeiten ideologischer Art, gegen die die Gutachter Georg Lukács, Paul Rilla und Hans Mayer ins Feld geführt werden mussten) verwirklicht: Haym, Rudolf: Herder. Nach seinem Leben und seinen Werken, 2 Bde., hrsg. v. Wolfgang Harich, Berlin, 1954. Das philosophische und literatur-, wissenschaftsgeschichtliche Erbe Hayms war Harich sehr wichtig. Nach seiner Haftentlassung setzte er sich in den siebziger Jahren erneut für den Druck von dessen Büchern in der DDR ein. Seine entsprechenden Editionspläne finden sich in den Bänden 6.2 und 9. 1609Im Aufbau-Verlag das bis heute unübertroffen ist. Das Werk enthält eine bis ins Detail gehende Beschreibung des Lebens von Herder, seiner sämtlichen persönlichen Beziehungen zu seinen Zeitgenossen, der zeitgeschichtlichen Einflüsse, unter denen er stand, sowie eine zusammenfassende Wiedergabe seiner sämtlichen Werke in chronologischer Reihenfolge. Im Gegensatz zu der bürgerlichen Herder-Literatur des 20. Jahrhunderts, die unter dem Einfluss der imperialistischen Ideologie steht, finden sich in dem Werk Hayms keinerlei obskurantistische Verfälschungen des Vermächtnisses von Herder und keinerlei Unterschlagung von Tatsachen, die seine fortschrittliche Haltung bekunden. Allerdings legt das abschätzige Werturteil, das Haym an einigen Stellen über gewisse politische Äußerungen Herders, zum Beispiel über dessen zeitweilige Bejahung der Jakobiner, fällt, davon Zeugnis ab, dass Haym bis zu einem gewissen Grade unter dem Einfluss des National-Liberalismus stand. Alle diese Stellen sind aber erstens sehr selten und zweitens verwischen sie niemals das, was Herder wirklich getan und gedacht hat. Aus diesem Grunde sind sie harmlos. Wenn Haym zum Beispiel an einer Stelle, schweifwedelnd vor den Hohenzollern, Ausfälle Herders gegen die Monarchie mit der Bemerkung kommentiert, die Monarchie hätte auch heute noch ihr Gutes, und Herders abschätzige Äußerungen über sie seien reichlich übermütig, so vermag ich in dieser offensichtlichen Borniertheit nichts zu sehen, was unsere Leser ideologisch schädlich beeinflussen könnte. Eine weitere Schwäche des Buches von Haym liegt da rin, dass er bestimmte philosophische Leistungen von Herder, in denen – noch verworren – geniale dialektische Erkenntnisse stecken, als Mystizismus abtut, weil er nur die Verworrenheit sieht (dieselbe philosophische Verständnislosigkeit hat Haym übrigens in seinem gegen Hegel gerichteten Buch der Phänomenologie des Geistes gegenüber an den Tag gelegt). Auch in diesem Falle vermag ich hierin nicht Schädliches zu sehen, weil völlig deutlich wird, was Herder selbst gesagt hat und wie Haym da rü ber urteilt. Die Wiedergabe von Herder-Gedanken ist so korrekt und so präzise, dass der Leser, der den Marxismus kennt, sofort die genialen Ansätze zur Dialektik bei Herder wahrnimmt und das verständnislose Urteil Hayms bei Seite schiebt. Selbstverständlich wird es notwendig sein, der Herder-Biographie von Rudolf Haym eine kurze Einleitung voran zu schicken.236 Diese Einleitung würde ich selbst in der 236 (AH) Diese »kurze Einleitung« füllte ein eigenes Buch. Siehe: Harich: Rudolf Haym und sein Herderbuch. Beiträge zur kritischen Aneignung des literaturwissenschaftlichen Erbes, 1610 Teil XII Zeit meines bevorstehenden Urlaubs schreiben. Sie kann bis Anfang September ohne große Schwierigkeiten fertig sein. Ich würde in einem ersten Abschnitt eine kurze zusammenfassende Charakteristik der wichtigsten Leistungen Herders auf philosophischem und literarischem Gebiet geben. In einem zweiten Abschnitt würde ich dann, ausgehend von einer knappen Analyse des problematischen Charakters und der unbestreitbaren Errungenschaften der deutschen liberalen Literaturgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts, auf Rudolf Haym und seine Entwicklung vom Vormärz-Radikalen zum gemäßigten National-Liberalismus bismarckscher Observanz zu sprechen kommen. In einem dritten Abschnitt würde ich schließlich begründen, warum wir das Werk Hayms über Herder herausbringen und sehr scharf die Hauptfehler dieses Werkes kritisieren. Bei dieser Gelegenheit möchte ich nun aber vor allem da rauf aufmerksam machen, dass die Herder-Biographie von Rudolf Haym seit Jahrzehnten eine Rarität darstellt. Das liegt da ran, dass die reaktionären, obskurantistischen Literaturhistoriker der imperialistischen Epoche, die die deutsche Intelligenz im Zeitalter des Imperialismus beeinflussten, das gesamte Erbe der liberalen Literatur-Historiker des 19. Jahrhunderts mit Füßen getreten haben, unter dem Vorwand, es sei weltanschaulich überholt, wegen seines humanistischen Charakters verderblich und wegen seiner wissenschaftlichen Akribie verstaubt und pedantisch. Wenn wir Marxisten bei unseren Bemühungen um eine neue, fortschrittliche Literaturgeschichtsschreibung überhaupt an bereits vorliegende Leistungen auf diesem Gebiet anknüpfen wollen, so müssen wir vor allem das Erbe der liberalen Literaturhistoriker des 19. Jahrhunderts, Gervinus, Hettner und Rudolf Haym, mit Vorbehalten pflegen und kritisch aneignen. Es gibt faktisch nichts Zuverlässigeres über die deutsche Aufklärung und die klassische deutsche Literatur, wenn wir von dem verhältnismäßig Wenigen absehen, was marxistische Literatur-Historiker uns bisher erschlossen haben. Bei der bürgerlich-fortschrittlich eingestellten Intelligenz in ganz Deutschland würde die Ausgrabung der zu Rarität gewordenen Werke von Gervinus, Hettner und Rudolf Haym als eine Kulturtat ersten Ranges empfunden werden. Rudolf Haym ist unter diesen drei Literatur-Historikern derjenige, der das bei weitem meiste Material zu Tage gefördert hat und außerdem am besten über die Wechselbeziehungen von Literatur Berlin, 1955. Teilweise zuerst in der genannten Haym-Edition: Harich: Einleitung, in: Haym: Herder, Bd. 1, S. IX-CVII. (Neuabdr. in: Band 4, S. 311–446. Dort auch eine Einleitung des Herausgebers: Rudolf Haym und die bürgerlichen Wissenschaften des 19. Jahrhunderts, S. 291–310.) 1611Im Aufbau-Verlag und Philosophie in der deutschen Aufklärung und Klassik orientiert war. Aus diesem Grunde sind gerade seine Werke über die Romantische Schule, über Herder und über Wilhelm von Humboldt, also über Themen, die eine literar-historische und eine philosophische Seite haben, für das Verständnis unserer nationalen Kulturtraditionen völlig unentbehrlich. Die Pflege des Vermächtnisses von Rudolf Haym im Aufbau-Verlag, der gleichzeitig die Werke von Georg Lukács herausbringt, würde sehr klar das Bestreben der deutschen Marxisten zum Ausdruck bringen, ein Bündnis mit den fortschrittlichen Traditionen auf dem Gebiet der Literaturgeschichtsschreibung gegen den modernen literar-historischen Obskurantismus herzustellen, wie er in der DDR zum Beispiel durch den Leipziger Literaturhistoriker Korff237 (Geist der Goethezeit) repräsentiert wird. Grundsätzlich möchte ich vorschlagen, dass wir in den nächsten Jahren unter diesem Gesichtspunkt dann auch die Romantische Schule und das Buch über Wilhelm von Humboldt von Haym bei uns herausbringen. 3) Die beiliegende zweibändige Druckvorlage kann so, wie sie ist, in die Herstellung gegeben werden. Es handelt sich um die beste Auflage des Werkes von Haym. Wichtig wäre nur, die zum Teil altertümliche Rechtschreibung Hayms zu modernisieren. 237 (AH) Gemeint ist: Hermann August Korff, geb. am 3. April 1882 in Bremen, gest. am 11. Juli 1963 in Leipzig. Der Geist der Goethezeit ist sein bekanntestes Werk. Siehe: Teil 1: Sturm und Drang, Leipzig 1923, Teil 2, 1: Weltanschauung, Leipzig 1927, Teil 2, 2: Klassik, Leipzig 1930, Teil 3: Frühromantik, Leipzig 1940, Teil 4: Hochromantik, Leipzig 1953, Registerband für alle vier Bände, Leipzig 1957. Harich gehörte zu den Kritikern Korffs, rang sich in der Mitte der fünfziger Jahre aber zu einem durchaus positiven Urteil über dessen wissenschaftliches Werk durch. An Gertrud Lukács schrieb er am 18. September 1955: »Im Urlaub habe ich übrigens den neu erschienenen IV. Band von Korffs Geist der Goethezeit gelesen; zum Teil nicht unbedeutend, muss ich sagen, besonders im Hinblick auf das Hoffmann-Kapitel. Auch die Deutung des West-östlichen Diwan ist nicht übel. Das Obskure, Irratio Propagierende, das den ersten Band charakterisiert, hatte sich bei dem alt gewordenen Korff merklich verloren. Ziemlich elendes Gewäsch ist aber wieder das letzte Kapitel, über die ästhetische Theorie der späten Goethezeit, wo Schelling, Hegel und Schopenhauer auf einen Nenner gebracht werden. Aber bemerkenswert sind die scharf antiobskuren Stellungnahmen zur Entwicklung von Görres, Clemens Brentano, Zacharias Werner etc.« Abgedr. in: Band 9, S. 339. 1612 Teil XII Gutachten zu: Rudolf Haym: Herder – Sein Leben und sein Werk238 (03. August 1953) Die Herausgabe des zweibändigen Werkes Herder – Sein Leben und sein Werk von Rudolf Haym noch im Jahre 1953 ist aus den folgenden Gründen zu empfehlen: 1) Dem Herder-Jubiläum (150. Todestag) kommt, besonders unter dem Gesichtspunkt des neuen Kurses, große Bedeutung zu. Es ist im Sinne der Kulturpolitik unserer Republik dieses Jubiläum in einer Form zu begehen, die eine breite gesamtdeutsche Wirkung gewährleistet. Das genannte Werk sollte als besonderer Beitrag des Aufbau-Verlages aus diesem Anlass neu herausgebracht werden. 2) Es handelt sich um eines der besten und gründlichsten Werke, die die deutsche Literaturgeschichtsforschung im 19. Jahrhundert hervorgebracht hat. Gleichzeitig ist es das große Standardwerk über Herder und als solches sowohl für die Herder-Forschung, als auch für die Popularisierung von Herders Leben und Werk unentbehrlich. 3) Rudolf Haym war ein deutscher liberaler Gelehrter, der sich vom Vormärzradikalismus zum Nationalliberalismus entwickelte. Den ausgesprochen reaktionären Strömungen in der Literatur und Philosophie seiner Zeit stand er ablehnend gegenüber, so dass seine Bücher (besonders die Werke über die Romantische Schule, über Wilhelm von Humboldt und über Herder) sich sehr vorteilhaft von den reaktionären Verfälschungen des Klassischen Erbes unterscheiden, die in der bürgerlichen Literaturgeschichtsschreibung im 20. Jahrhundert beherrschend sind. Zusammen mit den Leistungen der Literarhistoriker Gervinus und Hettner, seinen Zeitgenossen, gehören die Bücher von Haym durchaus zu dem fortschrittlichen Erbe in der Literaturwissenschaft, das wir pflegen und an das wir kritisch anknüpfen müssen. Selbstverständlich weist die Darstellung des Lebens und der Werke Herders durch Rudolf Haym eine Reihe Fehler auf, die in der Linie der liberalen Anschauungen des Verfassers liegen. Aus diesem Grunde ist es unerlässlich, dem Buch eine kritische Einleitung voranzustellen, die sich, vom Standpunkt des Marxismus ausgehend, mit diesen Fehlern auseinandersetzt. (Ich habe die Absicht, diese Einleitung selbst zu schreiben; sie wird ca. 20 Schreibmaschinenseiten umfassen und bis Mitte September vorliegen.) 238 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 03. August 1953. Adressiert an das »Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1613Im Aufbau-Verlag 4) Das genannte Werk stellt heute in Bibliotheken und Antiquariaten eine ausgesprochene Rarität dar. Es ist seit langen Jahrzehnten nicht mehr schien. Auch ist es deswegen »aus der Mode gekommen«, weil die reaktionären Literarhistoriker des 20. Jahrhunderts das Erbe Rudolf Hayms gerade wegen seiner fortschrittlichen Seiten ver leum de ten. Internes Gutachten zu F. C. Weiskopf: Verteidigung der deutschen Sprache239 (1953) Ich habe das Manuskript gelesen und halte es im Großen und Ganzen für einen au- ßerordentlich wertvollen Beitrag zur Pflege und Reinigung der Literatursprache. Etwas oberflächlich ist das Karl Krauss gewidmete Kapitel (Hohe Schule und Sprache), und nicht ganz mein Geschmack sind die Vorschläge, die zum Schluss zur Wiederbelebung ungebräuchlich gewordener Wörter gemacht werden. Aber das sind keine wesentlichen Einwände. Vorschläge für den Perspektiv-Plan des Aufbau-Verlages240 (15. Januar 1954) I. Klassiker der deutschen Literatur 1) Gellert, Fabeln und Erzählungen 2) Klopstock, Auswahl (2 Bd.) 3) Wieland, Auswahl (enthaltend mindestens: Abderiten, Musarion, Oberon, Agathon) 4) Herder, Gesammelte Werke 5) Ausgewählte Dramen des Sturm und Drang (2 bzw. 3 Bd.) 6) Joh. Chr. Günther, Gedichte (Gesamtausgabe in 1 Bd.) 7) Goethe, Gesammelte Werke (15 Bd.) 8) Hölderlin, Gesammelte Werke (4 Bd.) 9) E. T. A. Hoffmann, Gesammelte Werke 10) Kleist, Gesammelte Werke (3 Bd.) 11) Clemens Brentano, Auswahl (2 bzw. 3 Bd.) 239 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, nicht datiert oder adressiert, vermutete Entstehung um 1953. 240 (AH) 6 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 15. Januar 1954, adressiert »An den Aufbau-Verlag, Lektorat, z. Hd. Herrn Max Schroeder«. 1614 Teil XII 12) Eichendorff, Gesammelte Werke 13) Hauff, Gesammelte Werke 14) Börne, Gesammelte Werke 15) Platen, Auswahl (1 bzw. 2 Bd.) 16) Hebbel, Dramen (Auswahl in ca. 4 Bd.) 17) Stifter, Nachsommer 18) Stifter, Witiko 19) Grillparzer, Auswahl (in 2 bzw. mehr Bänden) 20) Theodor Storm, Gesammelte Werke 21) Gottfried Keller, Gesamtausgabe 22) Theodor Fontane, Gesamtausgabe 23) Uhland (1 Bd.) 24 Rückert (1 Bd.) 25) Chamisso (1 Bd.) 26) Tieck, Auswahl (2 Bd.) 27) Achim von Arnim, Auswahl (2 Bd.) 28) Mörike (1 Bd.) 29) Otto Ludwig (1 Bd.) 30) Raimund (1 Bd.) 31) Nestroy, mehrbändige Auswahl 32) Droste-Hülshoff, Gesammelte Werke 33) Gutzkow (2 Bd.) 34) Immermann, Gesammelte Werke 35) Grabbe, Gesammelte Werke (4 Bd.) 36) Goethe-Schiller, Briefwechsel 37) Jean Paul, Auswahl (5 Bd.) 38) Raabe, Gesammelte Werke 39) Wilhelm Busch, 2 Alben Auswahl 40) Anthologie deutscher Lyrik vom Mittelalter bis zur Gegenwart II. Klassiker des Auslandes 1) Aischylos, Dramen 2) Sophokles, Dramen 3) Euripides, Dramen 4) Aristophanes, Dramen 5) Homer, Ilias, Odyssee 6) Vergil, Aeneis 1615Im Aufbau-Verlag 7) Properz, Elegien 8) Horaz, Satiren, Epoden, Oden, Episteln, ars poetica 9) Ovid, ars amandi, amores, Metamorphosen 10) Juvenal, Satiren 11) Terenz, Komödien 12) Plautus, Komödien 13) Sueton, Kaiserbiographien 14) Boccaccio, Dekameron 15) Shakes peare, Gesammelte Werke 16) Swift, Gesammelte Werke 17) Dickens, Ausgewählte Werke (8–10 Bd.) 18) Thackeray, Gesammelte Werke 19) Stendhal, Gesammelte Werke 20) Balzac, Gesammelte Werke 21) Flaubert, Gesammelte Werke 22) Zola, Gesammelte Werke 23) L. Tolstoi, Gesamtausgabe 24) Strindberg, Auswahl (ca. 8–10 Bd.) 25) Ibsen, Gesammelte Werke (6 Bd.) 26) J. P. Jacobsen, Auswahl (2 Bd.) 27) Gustaf af Geijerstam, Auswahl, naturalistische Frühwerke III. Billige Klassiker-Volksausgaben 1) Dramen der griechischen Antik (2 Bd.) 2) Shakes peare, Dramen (2 bzw. 3 Bd.) 3) Goethe, Gedichte, Dramen, Romane (3 Bd.) 4) Schiller, Gedichte, Dramen (3 Bd.) 5) Lessing, Gedichte, Dramen, Auswahl kritischer Prosa (3 Bd.) 6) E. T. A. Hoffmann, Meisternovellen (1 Bd.) 7) Heine, Gedichte, Prosaauswahl (3 Bd.) 8) Kleist, Dramen, Michael Kohlhaas (1 Bd.) 9) Herwegh, Freiligrath, Weerth, Gedichte (1 Bd.) 10) Storm, Novellen (2 Bd.) 11) Fontane, Romane (3 Bd.) 12) Keller, Novellen, Grüner Heinrich (3 Bd.) 13) Gerhart Hauptmann, Dramen (1 Bd.) 14) Puschkin, Auswahl (1 Bd.) 1616 Teil XII 15) Ostrowski, Dramen (1 Bd.) 16) Molière, Dramen (2 Bd.) IV. Neuere deutsche Literatur 1) Wedekind, Auswahl 2) Schnitzler, Auswahl 3) Arno Holz, Auswahl 4) Liliencron, Auswahl 5) Hofmannsthal, Auswahl 6) Rilke, Auswahl 7) Hesse, Gesammelte Werke 8) Werfel, Barbara, Abituriententag, Vierzig Tage des Musa Dagh, Verdi-Roman 9) Wassermann, Caspar Hauser 10) Stefan Zweig, Novellen (Amok usw.) 11) Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz 12) Ina Seidel, Das Labyrinth (Georg-Forster-Roman) 13) Hermann Stehr, Frühe Erzählungen (wie Der Schindelmacher, Leonore Griebel, Drei Nächte) 14) Franz Kafka, Das Schloss (mit einem Nachwort gegen den westlichen Kafka-Missbrauch) 15) Franz Kafka, Novellen und kleinere Erzählungen V. Neuere ausländische Literatur 1) Hemingway, Fiesta, A Farewell to Arms 2) Bernard Shaw, Gesammelte Werke 3) W. St. Reymont, Die Bauern 4) Galsworthy 5) Sinclair Lewis 6) Hamsun, Hunger, Victoria, Das letzte Kapitel, Wanderer-Trilogie, Landstreicher, August Weltumsegler, Nach Jahr und Tag VI. Geschichte der Literatur, der Philosophie usw. 1) Rudolf Haym, Herder 2) Rudolf Haym, Die romantische Schule 3) Rudolf Haym, Wilhelm von Humboldt 4) Rudolf Haym, Hegel 5) C. Justi, Winckelmann 6) H. Hettner, Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts 7) Gervinus, Geschichte der Nationalpoesie der Deutschen 1617Im Aufbau-Verlag 8) Georg Brandes, Hauptströmungen usw. 9) Rosenkranz, Diderot 10) Rosenkranz, Hegels Leben 11) Rosenkranz, Goethe und seine Werke 12) D. F. Strauss, Voltaire 13) D. F. Strauss, Ulrich von Hutten 14) D. F. Strauss, Reimarus 15) Lotze, Geschichte der Ästhetik in Deutschland 16) Georg Brandes, Goethe 17) Georg Brandes, Voltaire VII. Philosophie A. Neuere Denker 1) Ernst Bloch, Gesamtausgabe, in Einzelbänden, sukzessive 2) Georg Lukács, Gesamtausgabe B. Kleine Serie 1) Loewy, Literatur und Realität 2) Gropp, Marxistische dialektische Methode und ihr Gegensatz zur idealistischen Dialektik Hegels 3) Fogarasi, Sammlung kleiner Aufsätze 4) Gehlen, Zur Systematik der Anthropologie (mit einem Vorwort von Harich) C. Klassisches Erbe aus Philosophie und Geschichte 1) Tschernyschewski, Beziehungen der Kunst zur Wirklichkeit (Düwel, Lukács) 2) Kant, Frühwerke (Klaus) 3) Holbach, System der Natur (Harich, Plechanow) 4) Dietzgen, Ausgewählte philosophische Schriften (Mende) 5) La Mettrie, Philosophische Schriften (Antkowiak) 6) Hegel, Ästhetik (Lukács) 7) Lukrez, Über die Natur der Dinge (Diels, Luschnat) 8) Diderot, Philosophische Schriften (Lücke) 9) Diderot, Ästhetische Schriften (Lücke) 10) Vico, Nuova scienza (Einleitung, Joachim Krüger) 11) Voltaire, Ausgewählte philosophische Schriften (Girnus) 12) Platon, Ausgewählte Dialoge (Harich) 13) Aristoteles, Metaphysik (Bloch) 14) Fragmente der Vorsokratiker (Luschnat) 15) Morus, Utopia (Kautsky) 1618 Teil XII 16) Feuerbach, Pierre Bayle 17) Feuerbach, Leibniz 18) Saint-Simon 19) Fourier D. Beiträge zur Philosophischen Bibliothek (Allgemeine Philosophie) 1) Kant, Träume eines Geistersehers 2) Helvétius, Über den Geist, Über den Menschen 3) Spinoza, Theologisch-politischer Traktat 4) Rousseau, Über die Künste und Wissenschaften, Über den Ursprung der Ungleichheit, Der Gesellschaftsvertrag 5) Herder, Über den Ursprung der Sprache, Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit, Erkennen und Empfinden der menschlichen Seele, Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft, Kalligone 6) Condillac, Abhandlung über die Empfindungen 7) Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht 8) Kant, Streit der Fakultäten 9) Lessing, Jacobi, Herder, Mendelssohn, Goethe, Kant, Beiträge zum Spinozastreit, 1781–1787 10) Hegel, Theologische Jugendschriften 11) Wilhelm von Humboldt, Ausgewählte philosophische Schriften 12) Einzelausgaben der Dialoge Platons 13) Bruno, Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen 14) Locke, Über den menschlichen Verstand 15) Cieszkowski, Prolegomena zur Historiographie E. Beiträge zur Philosophischen Bibliothek (Ästhetik) 1) Aristoteles, Poetik 2) Boileau, L’Art poétique 3) Batteux, Cours de belles-lettres 4) Hume, Ästhetik aus den Elements of Critique 5) Burke, Ursprung unserer Ideen über das Erhabene und Schöne 6) Diderot, Ästhetische Schriften 7) Kant, Gefühl des Erhabenen und Schönen 8) Baumgarten, Ästhetik 9) Sulzer, Theorie der schönen Künste 10) Kant, Kritik der Urteilskraft (1. Teil) 11) Herder, Kalligone 1619Im Aufbau-Verlag 12) Schelling, Philosophie der Kunst 13) Schiller, Die wichtigsten ästhetischen Schriften 14) Hegel, Einleitung zur Ästhetik 15) Jean Paul, Vorschule der Ästhetik 16) Solger, Erwin 17) Solger, Vorlesungen über Ästhetik 18) Heine, Französische Maler 19) Vischer, Ästhetik 20) Rosenkranz, Ästhetik des Hässlichen 21) Arnold Ruge, Neue Vorschule der Ästhetik 22) Lotze, Geschichte der Ästhetik in Deutschland 23) Tschernyschewski, Beziehungen der Kunst zur Wirklichkeit 24) Dobroljubow, Beiträge zur Ästhetik 25) Belinski, Beiträge zur Ästhetik 26) Groos, Der ästhetische Genuss VIII. Geschichte 1) Mathiez, Lefèbvre, Geschichte der Französischen Revolution Gutachten zu: Kant: Träume eines Geistersehers241 (16. März 1954) Sehr geehrte Herren! Der Aufbau-Verlag will mit der Schrift Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik von Immanuel Kant seine seit längerer Zeit geplante Schriftenreihe Philosophische Bücherei eröffnen. Es handelt sich bei dieser Schrift um das letzte und am stärksten antitheologische Werk, das Kant vor seinem Übergang zu der so genannten »kritischen« Periode, das heißt zu seinem transzendentalen Idealismus, verfasste. Kant zieht in dieser Schrift eine Parallele zwischen den Hirngespinsten des »Geistersehers« Swedenborg und den theologischen Tendenzen der deutschen Schulmetaphysik des 18. Jahrhunderts, um gegen beide vom Standpunkt der bürgerlichen Aufklärung zu polemisieren. 241 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 16. März 1954. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1620 Teil XII Wie allen späteren Publikationen dieser neuen Reihe, wird auch den Träumen eines Geisterseher von Kant eine kurze Einschätzung des Werkes, unter besonderer Berücksichtigung seiner zeitgeschichtlichen Bedeutung, vorangestellt und am Ende des Bandes eine kurze Darstellung der wichtigsten Lebensdaten und Werke des Verfassers gegeben. Beides stammt in diesem Falle von dem neuen Mitarbeiter des Aufbau-Verlages, Dr. Dr. Friedrich Bassenge. Hochachtungsvoll Gutachten zu: Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik242 (28. April 1954) In seiner Reihe Klassisches Erbe aus Philosophie und Geschichte will der Aufbau-Verlag die berühmte Ästhetik von Hegel (genauer Titel: Vorlesungen über die Ästhetik) mit einem einleitenden Essay von Georg Lukács herausbringen. Die Hegelsche Ästhetik bedeutet auf dem Gebiet der Kunstphilosophie den Gipfelpunkt des bürgerlichen Denkens. Die Klassiker des Marxismus haben sie hoch geschätzt und deshalb ihr eingehendes Studium empfohlen. »Man werde«, schreibt Engels einmal in einem Brief, »über ihren reichen Inhalt staunen«. Die materialistische Umstülpung der Hegelschen Ästhetik ist heute im einzelnen noch nicht geleistet. Die Einleitung von Georg Lukács macht die Wichtigkeit dieser Aufgabe und die bei Marx und Engels, Lenin und Stalin vorhandenen entscheidenden Ansätze zu ihrer Lösung klar. Das Neuerscheinen des Werkes soll die Bewältigung dieser Aufgabe fördern.243 Zu bemerken ist, dass eine Einzelausgabe der Hegelschen Ästhetik, die deren vollständigen Inhalt bringt, noch niemals existiert hat. Das Werk ist bisher vollständig nur als Teil der großen Gesamtausgabe oder aber in Auswahlbänden außerordentlich stark gekürzt erschienen. Der einleitende Essay von Georg Lukács wurde zuerst vor einigen Jahren als Einleitung zu der ungarischen Ausgabe der Hegelschen Ästhetik in der Volksrepublik Ungarn veröffentlicht und später in Deutschland in der Zeitschrift Sinn und Form abgedruckt. 242 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 28. April 1954. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 243 (AH) Siehe die entsprechenden Briefe von Harich an Lukács (in: Band 9). Dort auch ausführliche Verweise zur Ästhetik Hegels. 1621Im Aufbau-Verlag Gutachten zu: Heinrich von Kleist: Gesammelte Werke244 (30. April 1954) Der Aufbau-Verlag beabsichtigt, im Rahmen seiner Klassiker-Ausgaben die Gesammelten Werke von Heinrich von Kleist neu herauszugeben. Die Ausgabe wird vier Bände umfassen: 1. Band: Einleitung des Herausgebers, Gedichte, Dramen; 2. Band: Dramen; 3. Band: Prosawerke; 4. Band: Briefe. Die textkritische Bearbeitung und die Kommentierung besorgte Peter Goldammer. Als Herausgeber zeichnet Prof. Dr. Heinrich Deiters, der auch die Einleitung verfasst. Die einzelnen Bände sollen zwischen Mai und September 1954 sukzessive einzeln in Satz gegeben werden. In der Anlage überreichen wir den 4. Band, der den Briefwechsel enthält. Gutachten zu: Holbach: System der Natur245 (19. Juli 1954) Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um das Hauptwerk des französischen Materialismus des 18. Jahrhunderts. Das Buch ist seit den vierziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts, wo es auch nur in einer verstümmelten Übersetzung herauskam, nicht mehr in deutscher Sprache erschienen. Es soll jetzt in unserer Serie Klassisches Erbe aus Philosophie und Geschichte Aufnahme finden – als ein Beitrag zur Pflege der Traditionen materialistischer Philosophie. Dem Werk werden in der Ausgabe des Aufbau-Verlages vorangestellt eine Darstellung von Holbachs Leben und Zeit, verfasst von Dr. Edith Zenker, und als Einführung in den gedanklichen Gehalt des System der Natur der bekannte Holbach-Essay von G. W. Plechanow, aus dessen Beiträgen zur Geschichte des Materialismus. 244 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 30. April 1954. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 245 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 19. Juli 1954. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1622 Teil XII Zu Heinrich und Marie Simons: Die alte Stoa und ihr Naturbegriff, Hausmitteilung246 (24. August 1954) Bei dem Buch Die alte Stoa und ihr Naturbegriff von Heinrich und Marie Simon handelt es sich um die umgearbeitete und erweiterte, zu einem geschlossenen Ganzen zusammengefügte Fassung der Dissertationen, mit denen die beiden Autoren im vorigen Jahr die Würde des Doktors der Philosophie erworben haben. Beide sind Dozenten der Berliner Humboldt-Universität. Dr. Heinrich Simon als Spezialist für mittelalterliche, Dr. Marie Simon für hellenistisch-römische Philosophie. Das Buch stellt den ersten Versuch deutscher Marxisten dar, ein wichtiges Kapitel der antiken Philosophie auf der Grundlage des dialektischen und historischen Materialismus zu behandeln. Es ist eine, schon aus diesem Grunde zu beachtende interessante und von reicher Materialkenntnis getragene Arbeit, die zentrale theoretische Probleme der Stoiker in einem neuen und aufschlussreichen Sinne beleuchtet. Das Buch wurde vom Koll. Bassenge und mir gelesen und als geeignet befunden, in unserem Verlag zu erscheinen. Dr. Bassenge hat in seinem Gutachten einige Einwände zu zentralen Fragen geltend gemacht, die inzwischen mit den Verfassern diskutiert und von ihnen zum größten Teil bei einer nochmaligen Überarbeitung bestimmter Teile des Manuskripts berücksichtigt wurden. In seiner gegenwärtig vorliegenden Fassung kann das Manuskript als druckreif betrachtet werden. Gutachten zu: Herder: Eine Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft247 (08. September 1954) Als Band 4 unserer kleinen Philosophischen Bücherei wollen wir die Schrift Eine Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft von Johann Gottfried Herder veröffentlicht. Das Werk stammt aus dem Jahre 1799. Es handelt sich um eine ausführliche Streitschrift Herders gegen das kritizistische Hauptwerk Kants und enthält wertvolle materialistische Argumente. Diese Schrift Herders, die seit Jahrzehnten nicht mehr erschienen und heute weithin unbekannt ist, hat unter anderem Anlass dazu gegeben, dass die philo- 246 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 24. August 1954. Hausmitteilung, an die Verlagsleitung. 247 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 08. September 1954. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1623Im Aufbau-Verlag sophische Leistung Herders von der neukantianisch beeinflussten bürgerlichen Philosophie-Geschichtsschreibung im allgemeinen außerordentlich geringschätzig behandelt wurde. Obwohl die Schrift auch eine Reihe von Verworrenheiten enthält und der Größe Kants nicht gerecht wird, enthält sie doch so viele richtige Gesichtspunkte, dass ihre Neuherausgabe als ein Beitrag zur Pflege verschütteter materialistischer Traditionen in der deutschen Philosophie gewertet werden muss. Der Neuausgabe ist eine kurze Einleitung von Friedrich Bassenge vorangestellt, in der zum ersten Mal versucht wird, der Arbeit Herders vom Standpunkt der heutigen, wissenschaftlich-materialistischen Philosophie gerecht zu werden. Wie allen Bänden der kleinen Philosophischen Bücherei des Aufbau-Verlages werden auch diesem Band die Lebensdaten des Verfassers hinzugefügt. Gutachten zu: Johannes R. Becher: Im Blühen der Welt (Poetische Konfession, II)248 (30. November 1954) Bei dem neuen Werk Johannes R. Bechers, das der Aufbau-Verlag unter dem angegebenen Titel herauszubringen beabsichtigt, handelt es sich um die Fortsetzung der früher erschienenen Bände Verteidigung der Poesie und Poetische Konfession; wie in diesen, setzt sich der Dichter auch in dem neuen Buch in ständiger Weiterführung und Vertiefung seiner demokratischen Auffassung der Dichtung mit dem Problem der Literatur auseinander, wobei auch hier im Mittelpunkt wieder die Überlegung steht, dass in einer Zeit, in der das Prinzip des Menschlichseins bedroht ist, »das Lebensrecht der Poesie nur im Zusammenhang mit den Rechten verteidigt werden kann, die uns erlauben, Menschen zu sein«. Durch die umfassende Begründung dieses Bekenntnisses, die in der lockeren, scheinbar ungeordneten Form von Tagebuchnotizen gegeben wird, gehört Im Blühen der Welt zu den wichtigsten Selbstzeugnissen bedeutender fortschrittlicher Repräsentanten unserer Zeit. 248 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 30. November 1954. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1624 Teil XII Gutachten zu: Heinrich von Kleist: Gesammelte Werke, Band III249 (03. Dezember 1954) Der Aufbau-Verlag gibt jetzt von der in Vorbereitung befindlichen Ausgabe der Gesammelten Werke Heinrich von Kleist den 3. Band in die Herstellung. Der Band enthält die erzählenden Werke Kleists und seine kleinen Schriften, da run ter die Anek do ten, die politischen, philosophischen und literaturkritischen Schriften. Der Band ist wieder von unserer Mitarbeiter Peter Goldammer mit erläuternden Fußnoten und mit Schlussanmerkungen, die über Motivgeschichte und Entstehung der einzelnen Werke Aufschluss geben, versehen. Projektvorschlag: Ausgabe der Werke E. T. A. Hoffmanns250 (14. Januar 1955) Ich erlaube mir, der Verlagsleitung hiermit den folgenden Vorschlag zu unterbreiten: 1) Im Jahre 1956/1957 eine Ausgabe der erzählenden Werke von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann herauszugeben; 2) mit der Auswahl, der Bearbeitung und Zusammenstellung der Texte, der Abfassung der Einleitung und der Schlussanmerkungen für die einzelnen Bände mich zu beauftragen und mit mir demnächst hierüber einen entsprechenden Herausgebervertrag abzuschließen. Ich habe vor einigen Wochen damit angefangen, systematisch noch einmal die Werke E. T. A. Hoffmanns, die mir übrigens aus früherer Lektüre zum großen Teil ziemlich gut bekannt sind, sowie die bisher erschienenen literaturwissenschaftlichen Arbeiten über Hoffmann zu lesen. Ich bin dabei mehr und mehr zu der Überzeugung gelangt, dass die Vorbereitung einer neuen Hoffmann-Ausgabe durch unseren Verlag in absehbarer Zeit ein dringendes Erfordernis ist. Es wäre mir lieb, wenn der Herausgebervertrag noch im Juli dieses Jahres abgeschlossen werden könnte. Zum 1. Juli könnte ich einen Gesamtplan für die Ausgabe, die Auswahl und die Disposition der einzelnen Bände betreffend, vorlegen und im Anschluss da ran, sobald dieser Plan bestätigt ist, die Arbeit in Angriff nehmen. (Vor dem 1. Juli käme 249 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 03. Dezember 1954. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 250 (AH) 3 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 14. Januar 1955. Adressiert an »Aufbauverlag, Verlagsleitung, zu Händen Herrn Walter Janka«. 1625Im Aufbau-Verlag ich in Folge der Arbeiten an der Lessing-Ausgabe und anderer Verpflichtungen nicht dazu.) Der Plan würde fünf, höchstens sechs Bände mit einem Umfang von ca. 400 bis 600 Seiten im Format unserer üblichen Klassikerausgaben (Heine, Lessing, Schiller, Kleist) vorsehen. Ich würde den Plan so gestalten, dass die musikkritischen und literaturtheoretischen Schriften Hoffmanns (da run ter auch die Gespräche der Serapionsbrüder) sowie die Briefe und Tagebücher zunächst entfallen würden. Im Bedarfsfalle könnten sie dann in späteren Jahren in zwei bis drei Ergänzungsband hinzugefügt werden. Zum Terminplan: Ein Band könnte bereits im September 1955 ein zweiter im November 1955 in die Herstellung gegeben werden. Die restlichen drei bzw. vier Bände könnten in den ersten beiden Quartalen 1956 folgend. Die fertige Einleitung könnte ich bis zum 1. Juli 1956 liefern. Sie würde vier bis fünf Bogen umfassen und dem ersten Band vorangestellt werden. Zu jedem Bande würde ich Schlussanmerkungen liefern, die jeweils zusammen mit dem fertig bearbeiteten Manuskript des betreffenden Bandes in Satz gegeben werden könnten. Die Bände könnten einzeln auf Subskription ausgeliefert werden, der mit der Einleitung versehene Band 1 als letzter (wie bei Schiller). Unter dieser Vo raus set zung könnten vier Bände im Laufe des Jahres 1956, der fünfte bzw. der fünfte und sechste 1957 ausgeliefert werden. Hinsichtlich der Honorierung möchte ich die folgenden Vorschläge unterbreiten: 1) Für die Auswahl, Zusammenstellung und Textbearbeitung zahlt der Verlag mir 150,– DM pro Druckbogen, jeweils zahlbar dann, wenn dem betreffenden Bande das Imprematur erteilt wird, und zwar für den betreffenden Band. 2) Für die Einleitung erhalte ich 1000,– DM pro Druckbogen. Über die Veröffentlichung einer erweiterten Fassung der Einleitung in Buchform müsste, falls sie in Frage kommt, gesondert Vertrag gemacht werden. 3) Für die Schlussanmerkungen, die jeweils einen, höchstens zwei Bogen pro Band umfasst werden, erhalte ich 400,– DM pro Bogen, zahlbar, wenn der betreffende Band imprimiert wird. Die gesamte Redaktionsarbeit an der Ausgabe würde ich in diesem Falle selbst übernehmen, also nicht die Mitarbeit eines Kollegen vom Lektorat beanspruchen. Da in der Einleitung auch musiktheoretische Dinge zur Sprache kommen müssen, Hoffmann war bekanntlich auch Komponist und war als Musikkritiker ein Bahnbrecher Beethovens, wird es erforderlich sein, zur Beratung und Begutachtung der entsprechenden 1626 Teil XII Ausführungen noch ein oder zwei Fachleute auf diesem Gebiet gegen angemessene Vergütung heranzuziehen. Ich bitte, zu gegebener Zeit auf diese Vorschläge zurückzukommen und mir eine diesbezügliche Unterredung zu gewähren. Gutachten zu: Alexander Abusch: Friedrich Schiller – Größe und Tragik eines deutschen Genius251 (17. Februar 1955) Unser Verlag will aus Anlass des 150. Todestages von Friedrich Schiller ein neues Buch des Stellvertreters des Ministers für Kultur, Alexander Abusch, mit dem Titel Friedrich Schiller – Größe und Tragik eines deutschen Genius herausbringen. Es handelt sich um eine Schiller-Biographie, der in den siebzehn verschiedenen Kapiteln Interpretationen der Werke eingefügt sind. Die Darstellung erfolgt auf marxistischer Grundlage, zum ersten Mal seit der in vielem fehlerhaften Schiller-Biographie von Franz Mehring, ist aber in der Form nicht streng wissenschaftlich gehalten, sondern wendet sich an breiteste Leserkreise, denen Leben und Werk des Dichters nahe gebracht werden sollen. Da das Buch unbedingt pünktlich zu den Schiller-Gedenktagen im Mai bereits ausgeliefert sein soll, war es erforderlich, das Manuskript nach Durchführung der Redaktionsarbeiten kapitelweise laufend in Satz zu geben, ohne es vorher dem Amt für Literatur und Verlagswesen zu eventueller Prüfung unterbreitet zu haben. Aus dem gleichen Grunde kann dieses Gutachten erst jetzt nachgereicht werden. Wir stellen anheim, während der Herstellarbeit ein Fahnenexemplar von uns anzufordern, bitten aber, uns jetzt schon Satz- und Druckgenehmigung erteilen zu wollen. 251 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 17. Februar 1955. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1627Im Aufbau-Verlag Gutachten zu: Emil Utitz: Egon Erwin Kisch, der klassische Journalist252 (26. Februar 1955) Der Aufbau-Verlag beabsichtigt, zum 70. Geburtstag des großen Reporters Egon Erwin Kisch das Werk von Emil Utitz Egon Erwin Kisch, der klassische Journalist herauszugeben. Emil Utitz, Professor der Ästhetik in Prag, kennt Leben und Werk Kischs aus jahrzehntelangem freundschaftlichen Umgang sehr genau. Seine Monographie gibt eine eingehende Einführung in die Prager Atmosphäre, in der der junge Kisch aufwuchs und seine ersten Erfolge hatte. Neben der Wiedergabe einzelner neuer biographischer Details hat dieses Buch aber in der Hauptsache eine Würdigung der menschlichen Größe und politischen Haltung Kischs im Sinne. Außerdem versucht Emil Utitz – eigentlich als erster – eine ausführliche Interpretation der Reportagen und sonstigen Werke seines Freundes. Nicht zuletzt bemüht sich Utitz auch um eine ästhetische Beurteilung der Reportage als Kunstform. Wir halten dieses Buch für einen wesentlichen Beitrag zur Ergänzung des Kisch-Bildes. Gutachten zu: Jean Jacques Rousseau: Über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen253 (15. März 1955) Im Rahmen seiner kleinen Philosophischen Bücherei will der Aufbau-Verlag die Schrift von Jean Jacques Rousseau Über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen herausgeben. Dieses Buch, das bedeutendste und einflussreichste Werk des demokratischen Flügels der französischen Aufklärung, das unmittelbar der ideologischen Vorbereitung der Französischen Revolution diente, ist seit dem 18. Jahrhundert, als Moses Mendelssohn eine völlig unzulängliche Übersetzung vorlegte, nicht mehr in deutscher Sprache erschienen. Das vorliegende Manuskript kann also die erste einwandfreie deutsche Übersetzung der epochemachenden Schrift genannt werden. Als Herausgeber zeichnet Peter Goldammer, der dem Buch eine ausgezeichnete 16 Seiten lange historische und kritische Würdigung vom Standpunkt des Mar- 252 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 26. Februar 1955. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 253 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 15. März 1955. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1628 Teil XII xismus-Leninismus voranstellt und auch die Lebensdaten, die wieder am Schluss des Bandes gebracht werden, verfasst hat. Gutachten zu: Helvétius: Philosophische Werke, I. und II. Band254 (24. März 1955) Der Aufbau-Verlag wird jetzt den ersten Band der zweibändigen Ausgabe der Philosophischen Werke von Claude Adrien Helvétius die Herstellung geben. Der Band wird ein kurzes biographisches Vorwort der Herausgeberin und Übersetzerin, Dr. Edith Zenker, als Einführung den Essay über Helvétius von G. W. Plechanow und das erste der beiden großen philosophischen Werke von Helvétius, Vom Geist, enthalten. Es handelt sich hier um eine der bedeutendsten und scharfsinnigsten Leistungen des französischen Materialismus und Atheismus des 18. Jahrhunderts, um ein Buch, das insbesondere im Kampf gegen religiöse Vorurteile auch heute noch von großem Wert ist. Vom Geist von Helvétius ist seit der noch von Gottsched herausgegebenen deutschen Übersetzung aus dem Jahre 1760, also seit fast 200 Jahren, nicht mehr in deutscher Sprache erschienen, was die Dringlichkeit seiner Neuherausgabe im Sinne der Pflege und Wiederbelebung vergessener Traditionen der materialistischen Philosophie in unserer Republik noch unterstreicht. Das vorliegende Manuskript stellt eine durch sorgfältigen Vergleich mit dem französischen Original hergestellte vollständige Neubearbeitung der ersten deutschen Übersetzung aus dem Jahre 1760 dar. Die Vorbemerkung der Herausgeberin befindet sich zur Zeit noch in Arbeit, kann also erst in ein paar Wochen nachgeliefert werden. Diese Vorbemerkung wird lediglich die biographischen Tatsachen darstellen, die in dem Essay von Plechanow keine Berücksichtigung finden. Der Sinn der Aufnahme des Plechanowschen Essays ist es, dem Band gleich eine marxistische Kritik an Helvétius hinzuzufügen. Der in Vorbereitung befindliche zweite Band der Philosophischen Werke von Helvétius wird dessen Werk Vom Menschen enthalten. 254 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 24. März 1955. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1629Im Aufbau-Verlag Projektvorschlag zur Anthropologie255 (19. April 1955) Lieber Genosse Janka! Ich würde gerne mit dem Aufbau-Verlag über den folgenden Titel einen Vertrag abschließen: Wolfgang Harich: Zur Grundlegung der Anthropologie. Es handelt sich um eine philosophische Arbeit, die ursprünglich für die im Deutschen Verlag der Wissenschaften erscheinende Festschrift für Ernst Bloch gedacht war, für diesen Zweck aber viel zu lang geraten ist – über 200 Schreibmaschinenseiten – und aus sachlichen Gründen nicht sich kürzen lässt, dort also nicht abgedruckt werden kann. Sie umfasst die Kapitel: Vorwort; I. Terminologisches, Äquivokationen; II. Das Problem der Gegenstandsbestimmung; III. Das Problem der Klassifikation der Wissenschaften und die Anthropologie; IV. Zur Geschichte der Anthropologie; V. Exkurs über das Verhältnis von Philosophie und positiver Wissenschaft; VI. Der Biologismus als exemplarischer Gegner; VII. Marxismus und Anthropologie; VIII. Anthropologische Abstraktion und historische Konkretheit; IX. Mensch und Arbeit; Literaturverzeichnis; Register. – Fertig sind die Kapitel I–VIII, die zusammen eine in sich geschlossene Arbeit ergeben, die aber zweckmäßigerweise noch durch das erst im Rohzustand befindliche IX. Kapitel und ein Vorwort ergänzt wird. Ich würde mich verpflichten, das Ganze in endgültiger Fassung am 1. Juli dieses Jahres druckfertig zu liefern. Das Buch könnte in derselben Aufmachung wie Rudolf Haym und sein Herderbuch hergestellt werden und würde auch etwa denselben Umfang haben, vorausgesetzt, dass dieselbe Schrift gewählt wird. Als Auflage würde ich 5000 Exem plare empfehlen. Als Gutachter schlage ich im Hause Dr. Bassenge und Genossen Caspar, außerhalb des Hauses Genossen Matthäus Klein vom Gesellschaftswissenschaftlichen Institut beim ZK der SED vor. Mit sozialistischen Gruß! 255 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 19. April 1955. Adressiert an »Aufbauverlag, Verlagsleitung, zu Händen Herrn Walter Janka«. Im Archiv des Aufbau-Verlages befindet sich ein weiterer Durchschlag dieses Briefes, dort mit dem handschriftlichen Vermerk »einverstanden«, offensichtlich von Janka. 1630 Teil XII Gutachten zu: Tschernyschewski: Das anthropologische Prinzip256 (13. Juni 1955) Der Aufbau-Verlag beabsichtigt, als 8. Band seiner kleinen Philosophischen Bücherei zwei der wichtigsten philosophischen Arbeiten des russischen revolutionären Demokraten N. G. Tschernyschewski herauszugeben. Es handelt sich um die folgenden Werke: 1) Das anthropologische Prinzip in der Philosophie, die umfassendste Darlegung der materialistischen Anschauungen Tschernyschewskis, die uns überliefert ist; 2) Zur Kritik der philosophischen Vorurteile gegen den ländlichen Gemeinbesitz, diejenige Schrift, in der Tschernyschewski unabhängig von Marx und Engels einen Versuch unternimmt, die Hegelsche Dialektik materialistisch umzudenken und mit dem Gedankengut des Utopischen Sozialismus zu verbinden, das er zugleich auf das Problem der russischen Dorfgemeinde anwendet. Die erstgenannte Arbeit war bisher für den deutschen Leser nur in der inzwischen vergriffenen Ausgabe der Ausgewählten Philosophischen Schriften Tschernyschewskis erhältlich; sie verdient unbedingt, gesondert herausgegeben zu werden. Die zweite Arbeit ist bisher in deutscher Sprache überhaupt noch nicht erschienen. Wir werden beide Arbeiten unter dem Sammeltitel Das anthropologische Prinzip veröffentlichen. Die Übersetzung ins Deutsche besorgte Alfred Kurella, die kurze marxistische Einführung und die Lebensdaten am Schluss des Bandes stammen von unserer Mitarbeiter Wolf Düwel, der zugleich als Herausgeber zeichnet. Um baldige Druckgenehmigung wird gebeten. Brief an Emil Utitz257 (22. Juli 1955) Wir danken Ihnen herzlich für Ihre letzten beiden Briefe und die Übersendung Ihres Lebensabrisses. Bei dieser Gelegenheit möchten wir Sie noch von dem Fortgang der Arbeit an Ihrem Buch unterrichten: Bis auf die letzten drei Fahnen ist Ihr Buch in Umbruch gegangen. Die letzten drei Fahnen wurden zurückgehalten, weil Herrn Jahn bei dem Vergleichen der einzelnen Daten, die sich auf das Erscheinungsjahr der Bücher Kischs beziehen, verschiedentlich Differenzen zu den im Kisch-Almanach und im 256 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 13. Juni 1955. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 257 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 22. Juli 1955. Adressiert an »Prof. Dr. Emil Utitz«, Privatadresse Prag. 1631Im Aufbau-Verlag Anhang zur Ausgabe des Marktplatz der Sensationen (Deutsche Volksbibliothek im Aufbau-Verlag) angegebenen Erscheinungsdaten aufgefallen sind. Sind die von Ihnen angeführten Daten eventuell die Daten der Entstehung der Bücher? Wir können diese Frage für uns nicht lösen und bitte Sie, uns hierbei behilflich zu sein. Wir schicken Ihnen die betreffenden Fahnen zu, in denen Herr Jahn die fraglichen Daten angemerkt hat. Bitte seien Sie so freundlich und geben Sie uns möglichst bald Bescheid. Das Register, das bis jetzt noch nicht gedruckt worden ist, wird nach Eingang des Umbruchs dem Band beigefügt werden. Mit den besten Grüßen Gutachten zu: Theodor Storm: Gesammelte Werke, Band II258 (28. Juli 1955) Laut Plan 1956 gibt der Aufbau-Verlag eine neue Ausgabe der Gesammelten Werke von Theodor Storm, herausgegeben, eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Peter Goldammer, in vier Bänden heraus. Den Band II, der die Novellen von 1864 bis 1877 umfasst, wollen wir schon jetzt in Satz geben. Da der betreffende Band eine Einleitung nicht enthält, erübrigt sich eine Begutachtung. Um Druckgenehmigung wird gebeten. Gutachten zu: Georg Weerth: Gesammelte Werke259 (09. September 1955) Der Aufbau-Verlag wird im nächsten Jahr die erste vollständige Ausgabe der Gesammelten Werke des Dichters Georg Weerth, Freundes und Mitkämpfers von Marx und Engels, in fünf Bänden herausgeben. Als Herausgeber zeichnet Dr. Bruno Kaiser vom Marx-Engels-Lenin-Stalin-Institut, der zum Teil bisher völlig unbekannte Werke Weerths in dieser Ausgabe der deutschen Öffentlichkeit zugänglich macht. Wir geben jetzt zuerst den 3. Band der Ausgabe in Satz. Er enthält das umfangreichste Werk des Dichters, das hier zum ersten Male erscheint: Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten, eine von Weerth selbst ausgewählte und neu redigierte 258 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 28. Juli 1955. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 259 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 09. September 1955. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1632 Teil XII Zusammenstellung seiner Aufsätze über England aus den Jahren 1843 bis 1847. Der Band enthält außer dem Text eine kurze Einleitung, wie sie der Herausgeber zu allen einzelnen Teilen der Ausgabe verfassen wird, und Anmerkungen. Von diesen kurzen Einleitungen abgesehen, wird die gesamte Ausgabe im ersten Band einen umfangreichen einführenden Essay über Weerths Leben und Werk bringen, der uns aber noch nicht vorliegt. Wir bitten, für den dritten Band der Ausgabe, den wir hiermit vorlegen, die Druckgenehmigung erteilen zu wollen. Brief an Alfred Kurella260 (04. November 1955) Sehr verehrter Herr Kurella! Wir hatten Ihnen im September die Korrekturfahnen des bei uns in Vorbereitung befindlichen Werkes Das anthropologische Prinzip von N. G. Tschernyschewski (Philosophische Bücherei, Band 8) mit der Bitte um baldige Durchsicht zugehen lassen. Leider haben wir die mit Ihren Korrekturen versehenen Fahnen bis heute nicht zurückerhalten. Ein Brief unseres Mitarbeiters Dr. Düwel, der Sie um Angabe eines Termins der Rücksendung der Fahnen bat, ist unbeantwortet geblieben. Ich möchte Sie nun höflichst darum ersuchen, uns nicht weiter warten und so mit unserem Produktionsplan in Konflikt geraten zu lassen. Sollten Sie momentan keine Zeit erübrigen können, so würden wir uns genötigt sehen, auf Ihre Korrekturen zu verzichten. Mit den besten Grüßen 260 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 04. November 1955. Adressiert an Alfred Kurella, Privatadresse Berlin. Kurella antwortete am 08. November (1 Blatt, maschinenschriftlich) auf Harichs Brief und machte Arbeitsüberlastung für die Verzögerung geltend. Er empfahl den Druck ohne seine Anmerkungen – er habe das Manuskript überflogen und nichts Wesentliches bemerkt. Handschriftlich aber der Zusatz, doch den Übersetzer, also ihn, wie üblich namentlich zu benennen. (Brief Kurella, Archiv des Aufbau-Verlages.) 1633Im Aufbau-Verlag Gutachten zu: Johann Gottlieb Fichte: Über den Gelehrten261 (15. November 1955) Der Aufbau-Verlag beabsichtigt, als 9. Band seiner Philosophischen Bücherei die Vorlesungen Johann Gottlieb Fichtes über den Gelehrten, herausgegeben und eingeleitet von Peter Goldammer, zu veröffentlichen. Der Band enthält die folgenden Stücke: 1) Einleitung, von Peter Goldammer; 2) Fichte: Einige Vorlesungen über die Bestimmung des Gelehrten (1794); 3) Fichte: Über das Wesen des Gelehrten und seine Erscheinungen im Gebiete der Freiheit (1805); 4) Fichte: Fünf Vorlesungen über die Bestimmung des Gelehrten (1811); 5) Fichtes Lebensdaten. Breitere Leserkreise unserer Republik an das fortschrittliche, humanistische Vermächtnis Johann Gottlieb Fichtes heranzuführen, ist seit langem ein dringendes Erfordernis. Wenn bisher so wenig dazu getan wurde und getan werden konnte, so lag das vor allen Dingen an den großen Schwierigkeiten, die jedes Mal das Problem der Einleitung mit sich brachte. Schon vor fünf Jahren hatte der Aufbau-Verlag einen vergeblichen Versuch gemacht, dieses Problem zu bewältigen, das deswegen so kompliziert ist, weil die unnachsichtige Kritik an dem ex tremen subjektiven Idealismus Fichtes mit einer angemessenen positiven Würdigung seiner ausgesproch demokratisch-plebejischen, jakobinerhaften Tendenzen organisch verbunden werden muss. Wir glauben nun, dass in dem beiliegenden Manuskript diese Aufgabe in einer vorbildlichen Weise gelöst worden ist. Ausgewählt wurden mit Bedacht die Vorlesungen Fichtes über den Gelehrten, in denen die progressiven gesellschaftlichen Auffassungen des Denkers besonders deutlich zum Ausdruck kommen und die überdies als wörtliche Niederschriften populärphilosophischer Reden sehr leicht verständlich und also in hohem Maße geeignet sind, eine erste Einführung in seine Philosophie zu geben. Da diese Vorlesungen nun immer wieder dasselbe Thema betreffen, aber in ganz verschiedenen Entwicklungsphasen Fichtes gehalten wurden, kann an ihnen mit besonderer Anschaulichkeit und Überzeugungskraft der geistige Werdegang Fichtes von 1794 bis 1811 klargemacht und mit dem 261 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 15. November 1955. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1634 Teil XII Umbau, den sein System in dieser Zeit erfahren hat, einleuchtend in Beziehung gesetzt werden. So ergibt sich die Gelegenheit, in der Einleitung, ausgehend von einer verhältnismäßig einfachen und speziellen Problemstellung, die gesamte Problematik der Fichteschen Philosophie vom marxistischen Standpunkt aus aufzurollen und dabei wirklich überzeugend zu ihren revolutionären und reaktionären Seiten Stellung zu nehmen. Gerade dies ist dem Herausgeber, wie wir glauben, gut gelungen, und wenn er in seiner Einleitung eine Fülle sorgfältig ausgewählter Zitate aus Fichtes anderen Schriften anführt, so ist das in diesem Zusammenhang nur zu begrüßen, da auf diese Weise die Verbindung der Vorlesungen über den Gelehrten zum Ganzen des Fichteschen Systems und seiner Entwicklung hergestellt wird. Um Druckgenehmigung wird gebeten. Gutachten zu: Edmund Burke: A Philosophical Enquiry into the Origin of Our Ideas of the Sublime and Beautiful262 (02. Dezember 1955) Als 10. Band seiner Philosophischen Bücherei will der Aufbau-Verlag das Werk A Philosophical Enquiry into the Origin of Our Ideas of the Sublime and Beautiful von Edmund Burke (1729–1797) herausgeben. Bei dem Verfasser handelt es sich um einen englischen Politiker und Publizisten des 18. Jahrhunderts, der durch seine gegen die Französische Revolution gerichtete Schrift von 1790, die auch die gesellschaftlichen Anschauungen der deutschen Romantik maßgebend beeinflusste, berüchtigt ist. Burke hat jedoch in seiner Jugend, im Jahre 1756, die genannte sehr bedeutsame Arbeit über Grundprobleme der Ästhetik verfasst, die in Bezug auf ihre Zeit als positiv einzuschätzen ist und in einem progressiven Sinne befruchtend und anregend auf die ästhetischen Theorien der klassischen deutschen Philosophie und Literatur eingewirkt hat, derart, dass ohne ihre Kenntnis eine wirklich fundierte Auseinandersetzung mit den Leistungen, die Kant, Schiller, Goethe und Hegel auf dem Gebiet der Ästhetik vollbracht haben, kaum möglich ist. Die Burkesche Schrift liegt nun seit dem Jahre 1773 nur in einer in der ganzen Zwischenzeit niemals wieder nachgedruckten, völlig unzulänglichen deutschen Übersetzung von dem Popularphilosophen Garve vor. Es besteht aus diesem Grunde seit langem ein dringendes wissenschaftliches Bedürfnis, das Werk aufs Neue in einer adäquaten deutschen Über- 262 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 02. Dezember 1955. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1635Im Aufbau-Verlag setzung herauszubringen. Uns dieser Aufgabe zu unterziehen, haben wir uns bereits bei der Begründung unserer Philosophischen Bücherei vorgenommen, als wir an die planmäßige Aufnahme der wichtigsten Dokumente der Geschichte der Ästhetik in diese Reihe dachten. Wir können heute die neue deutsche Übersetzung, die für die Philosophen und Literaturhistoriker unserer Republik und ganz Deutschland ein Gewinn sein dürfte, vorlegen. Als Herausgeber und Übersetzer der Burkeschen Schrift, die in unserer Ausgabe den Titel Vom Erhabenen und Schönen tragen wird, zeichnet sich unser Mitarbeiter Dr. Dr. Friedrich Bassenge verantwortlich, der auch hier wieder eine sehr gediegene wissenschaftliche Arbeit geleistet hat. Bassenge hat die Schrift auch mit einer inhaltlich ausgezeichneten ausführlichen Einleitung versehen. In dieser setzt er sich zunächst einmal mit der Problematik der Persönlichkeit Burkes und seiner Stellung in den politischen und ideologischen Kämpfen seiner Zeit auseinander, wobei er eine Reihe von Irrtümern und Fehlinterpretationen der bürgerlichen Philosophiegeschichte aufdeckt (Windelband, Hettner). Er gibt sodann eine ebenso umfassende wie klug differenzierende kritische Darstellung der Hauptgedanken des Burkeschen Werkes, wobei er die positiven Seiten und die Grenzen der mechanisch-materialistischen philosophischen Konzeption dieses Denkers aufzeigt. Erhebliche Aufmerksamkeit widmete Bassenge ferner der sehr interessanten Frage der Wirkung der ästhetischen Theorie Burkes in Deutschland, wobei er auf Moses Mendelssohn, Lessing, Herder, Kant, Goethe, Schiller und Hegel eingeht. Schließlich behandelt er in einem letzten Abschnitt seiner Einleitung das Problem der Übersetzung Burkes. Wir glauben, dass diesen letzteren Darlegungen insofern ein besonderer Wert zugesprochen werden muss, als sie, von dem unmittelbaren Anlass abgesehen, für jeden aufschlussreich sind, der ausländische philosophische und wissenschaftliche Werke in deutschen Übersetzungen liest oder gar selbst mit der Abfassung derartiger Übersetzungen beschäftigt ist. Zur Übersetzung selbst wird von Seiten eines hierfür zuständigen anderen Gutachters erklärt, das Ergebnis der Überprüfung sei durchaus positiv. »Die Neuübersetzung war unbedingt notwendig, da die Garvesche Übersetzung von 1773 den Inhalt oft nur sinngemäß wiedergibt, terminologisch uneinheitlich ist und außerdem in Folge der altertümlichen Diktion nicht immer leicht zu lesen ist. Dr. Bassenge hat nicht radikal modernisiert, sondern den Stil des Originals so sehr respektiert, wie es ohne Beeinträchtigung der Lesbarkeit möglich war. Ich kann seine Übersetzung nur als äußerst 1636 Teil XII sorgfältig und in jeder Einzelheit gründlich überlegt bezeichnen. Einige Fälle, bei denen er im Zweifel war, haben wir besprochen und geklärt.« Bemerkt sei noch, dass beabsichtigt ist, diesem Bande der Philosophischen Bücherei, sobald die Bogen vorliegen, ein terminologisch orientiertes Sachregister sowie ein Namensregister, das einen schnellen Überblick über die ästhetische Welt Burkes ermöglichen soll, beizufügen. Um Erteilung der Druckgenehmigung wird gebeten. Gutachten zu: Jürgen Kuczynski: Über einige Probleme des historischen Materialismus263 (01. Februar 1956) Der Aufbau-Verlag beabsichtigt, in derselben Aufmachung wie die bei uns erschienenen Bücher von Victor Stern, jetzt eine Reihe sachlich eng zusammengehöriger Aufsätze von Professor Dr. Jürgen Kuczynski unter dem Titel Über einige Probleme des historischen Materialismus, dargestellt vornehmlich an Beispielen aus der deutschen Geschichte herauszugeben. Der größte Teil dieser Aufsätze ist in den vergangenen Jahren bereits je gesondert veröffentlicht worden, und zwar in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, in der Wissenschaftlichen Zeitschrift der Berliner Humboldt-Universität, in den Wissenschaftlichen Annalen der Deutschen Akademie der Wissenschaften und im Rahmen der Arbeiten des Instituts für Wirtschaftsgeschichte der Humboldt-Universität Berlin. Eine ins Einzelne gehende Begutachtung dieser Aufsätze erübrigt sich daher. Neu sind lediglich die beiden ersten Arbeiten: Über die Verschiedenheit des Wirkungsbereichs von Gesetzen und Ökonomische Gesetze – Abstraktes Modell und konkrete Wirklichkeit. Bei diesen Arbeiten handelt es sich um Versuche, die marxistische Lehre vom objektiven Charakter der wissenschaftlichen Gesetze zu konkretisieren und damit einen Beitrag zur Ausarbeitung und Weiterentwicklung des historischen Materialismus und der marxistischen politischen Ökonomie zu leisten. Der Verfasser hat diese Arbeiten ausführlich mit Prof. Kurt Hager, Sekretär des Zentralkomitees der SED, und mit Alfred Kosing, Mitarbeiter des Gesellschaftswissenschaftlichen Instituts beim Zentralkomitee der SED, durchgesprochen. Beide sind der Auffassung, dass eine Veröffentlichung dieser Arbeiten, die die Diskussion der einschlägigen Fragen bei uns wesentlich 263 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 01. Februar 1956. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1637Im Aufbau-Verlag zu fördern vermögen, dringend geboten ist, obwohl sie selbst mit grundsätzlichen Thesen des Verfassers nicht oder nur teilweise übereinstimmen können. Von Seiten des Lektorats bleibt zu dem vorliegenden Manuskript nur zu bemerken, dass es sich im Ganzen um einen bedeutenden Beitrag zur Diskussion weithin noch offener Probleme des historischen Materialismus und der marxistischen Darstellung der deutschen Geschichte handelt; diese Probleme aufgegriffen und in schöpferischer Weise neu durchdacht zu haben, ist ein besonderes Verdienst in einer Situation, in der viele Theoretiker bei uns der Erörterung der Prinzipien des historischen Materialismus sowie der vielseitigen Fragen, die sich bei ihrer konkreten Anwendung ergeben, ausweichen. Selbstverständlich kann keine Rede davon sein, dass der Verfasser in jedem Punkt bereits die endgültige und abschließende Lösung zu geben wüsste. Auch der Unterzeichnende hat gegen seine Ausführungen manche Vorbehalte, die hier im Detail zu begründen zu weit führen würde. Es wäre aber grundsätzlich falsch, die Veröffentlichung, mit der die Diskussion angeregt werden soll, von einer im Vorhinein zu erfolgenden Klärung abhängig machen zu wollen. Für die Publikation ist die kleine Buch-Serie des Aufbau-Verlages, in der Victor Stern seine Kritik der Relativitätstheorie Einsteins zur Diskussion gestellt hat (Erkenntnistheoretische Probleme der modernen Physik, 1952, Raum, Zeit, Bewegung im Lichte der modernen Naturwissenschaft, 1955), am besten geeignet. Hausmitteilung zu Lukrez: Über die Natur der Dinge264 (21. März 1956) In der Anlage überreiche ich das druckreife Manuskript von Band 12 der Philosophischen Bücherei, Über die Natur der Dinge von Lukrez, deutsch von Hermann Diels, herausgegeben und eingeleitet von Georg Klaus. Bei dieser Gelegenheit möchte ich über die Regelung der Lizenzfrage mit der Weidmannschen Verlagsbuchhandlung folgendes berichten: 1) Die Weidmannsche Verlagsbuchhandlung hatte am 8. September 1954 eine Lizenzgebühr von 2000,– DM vorgeschlagen; unser Verlag hatte sich damit einverstanden erklärt. 2) Die Weidmannsche Verlagsbuchhandlung hat von sich aus nichts gegen die Aufnahme der Einleitung von 264 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 21. März 1956. Adressiert an die »Verlagsleitung, Durchschlag an das Büro des Lektorats«. 1638 Teil XII Georg Klaus in unserer Ausgabe einzuwenden. Ihr Vertreter, Herr Körner, hat jedoch unserem Vertreter, Herrn Dr. Bassenge, in einer letzten Besprechung am 9. März 1956 mitgeteilt, dass ein Einspruchsrecht der Erben von Hermann Diels bestehe und dass einer dieser Herren, der selbst Altphilologe in München ist, widersprochen habe, wenn wir da rauf bestünden, die Einleitung von Professor Klaus zu bringen. Diese sei ihm »zu politisch« und in Folge dessen nicht wissenschaftlich. Ich möchte dringend dafür plädieren, dass wir uns über diesen Einwand hinwegsetzen. Wir können weder länger auf die Dielssche Lukrez-Übersetzung in unserer Republik verzichten, noch uns von einem westdeutschen Professor vorschreiben lassen, welche Tendenz unsere Einleitungen haben sollen. Wir haben dies um so weniger nötig, wenn der Westdeutsche Verlag, der die Lizenz zu erteilen hat und zu erteilen gewillt ist, sich das Urteil des Betreffenden offensichtlich nicht zu eigen macht, sondern nur da rauf bedacht zu sein scheint, dem Einspruchsrecht der Dielsschen Erben formal Genüge zu leisten. Von Seiten des Verlages werden uns sicher keine Schwierigkeiten gemacht werden, wenn wir den Einspruch des einen Dielsschen Erben gegen die Einleitung nicht berücksichtigen und das Buch so herausgeben, wie es unseren Intentionen entspricht. Davon abgesehen hat dem betreffenden Münchener Professor die Klaussche Einleitungen nur in der ersten Fassung, d. h. in Form des Aufbau-Artikels in Heft 10/1955 vorgelegen, der allerdings ein paar Vulgarismen enthält, die inzwischen, in der verbesserten Fassung, ausgemerzt worden sind. Ich würde also vorschlagen, dass wir jetzt das Manuskript ohne Weiteres in Satz geben und gleichzeitig einen Durchschlag der neuen Fassung an die Weidmannsche Verlagsbuchhandlung mit der Bitte um Weiterleitung an die Dielsschen Erben schicken, aber uns dabei vornehmen, einer neuerlichen Ablehnung von Seiten des Münchener Professors auf keinen Fall nachzugeben. Sehr entschieden bin ich dagegen, dass das ganze Projekt jetzt noch länger in der Schwebe gelassen und etwa der Beginn der Herstellungsarbeit an dem Buch im Hinblick auf die Einwände des Münchener Professors vertagt wird. 1639Im Aufbau-Verlag Entwurf eines Briefes an Johannes R. Becher über Goethe265 (1956) Hochverehrter Herr Minister! Seit langer Zeit tragen wir uns mit dem Gedanken, in unserem Verlag eine neue, umfassende Goethe-Ausgabe zu veranstalten, die den dringenden Ansprüchen breiter Leserkreise Genüge zu leisten und von dem Kulturwillen unserer Republik vor der gesamten deutschen und internationalen Öffentlichkeit würdig Zeugnis abzulegen vermag. Wir sind unter diesen Gesichtspunkten davon ausgegangen, dass es diesmal nicht angeht, sich auf eine Auswahl zu beschränken, die von beliebigen im Antiquariatsbuchhandel vorhandenen Goethe-Ausgaben übertroffen wird, und haben uns deshalb an den besten Editionen, die zur Zeit im deutschen Sprachraum vorliegen, orientiert (unter anderem wurden die nach dem Kriege entstandenen Artemis-Ausgabe, Zürich, sowie die neue Hamburger Ausgabe, herausgegeben von Erich Trunz, geprüft). Gleichzeitig haben wir uns von der Einsicht leiten lassen, dass durch die neue marxistische Literaturforschung in der Sow jet uni on, in den Volksdemokratien und in unserer Republik, eine Forschung, die gerade den sehr aufschlussreichen verborgenen und verschütteten Seiten des Goetheschen Schaffens nachspürt, die Urfassungen der Werke Goethes eine wachsende Bedeutung erlangen, so dass die verschiedenen Fassungen von Götz, Werther, Iphigenie, Faust usw. in unserer neuen Ausgabe nicht fehlen dürfen. Unsere Vorarbeiten sind nun zur Stunde so weit gediehen, dass wir jetzt einen Plan von 24 Bänden (je Band 500 bis 800 Druckseiten) vorlegen können, den wir in den Jahren 1956 bis 1959 derart realisieren wollen, dass bis Herbst 1959 der letzte Band erschienen sein soll. Da ran anschließend wollen wir dann in den da rauffolgenden Jahren noch elf Ergänzungsbände (vier Bände reichliche Briefauswahl, vier Bände Gespräche, zwei Bände Amtliche Schriften und einen Registerband) herausbringen. Wenn uns die Realisation dieses Planes gelänge, so würden wir damit eine Goethe-Ausgabe geschaffen haben, die, wenn man von einer historisch-kritischen Gesamtausgabe wie der Sophien-Ausgabe absieht, in der ganzen Welt bis jetzt ihresgleichen nicht hat. In Anbetracht des uns zur Verfügung stehenden Papierkontingents können wir dieses Vorhaben aber leider nicht im Rahmen unserer regulären Verlagsproduktion realisieren. Wir glauben aber, dass es sich um ein kulturpolitisch so bedeutsames Projekt handelt, 265 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, nicht datiert oder adressiert. Das nächste Dokument präsentiert dann den Plan Harichs. 1640 Teil XII dass es verantwortet werden könnte, unserem Verlag hierfür einen Regierungsauftrag zu erteilen und uns dementsprechend die erforderliche zusätzliche Papiermenge zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grunde wenden wir uns an Sie, hochverehrter Herr Minister, in der Gewissheit, dass Sie sich diesem großen nationalen Anliegen, das allen unseren Mitarbeitern so sehr am Herzen liegt, nicht verschließen und unsere Vorschläge nach Kräften fördern werden. Plan der Goethe-Ausgabe, I266 (1955) I. Umfang und Gliederung der Ausgabe: Band 01: Gedichte – ca. 780 Seiten Band 02: Gedichte – ca. 730 Seiten Band 03: Westöstlicher Divan, Versepen – ca. 700 Seiten Band 04: Theatergedichte, Singspiele, Operntexte – ca. 550 Seiten Band 05: Götz, Egmont, Iphigenie, Tasso – ca. 750 Seiten Band 06: Kleine Dramen und dramatische Fragmente – ca. 600 Seiten Band 07: Kleine Dramen und dramatische Fragmente – ca. 550 Seiten Band 08: Faust – ca. 800 Seiten Band 09: Werther, Wilhelm Meisters theatralische Sendung – ca. 640 Seiten Band 10: Wilhelm Meisters Lehrjahre – ca. 650 Seiten Band 11: Wilhelm Meisters Wanderjahre – ca. 500 Seiten Band 12: Wahlverwandtschaften, Erzählungen – ca. 510 Seiten Band 13: Dichtung und Wahrheit – ca. 910 Seiten Band 14: Italienische Reise – ca. 620 Seiten Band 15: Andere Reiseberichte – ca. 610 Seiten Band 16: Annalen, Biographisches, Einzelheiten, Testamente – ca. 650 Seiten Band 17: Schriften zur Kunst – ca. 650 Seiten Band 18: Schriften zur Kunst – ca. 650 Seiten Band 19: Schriften zur Literatur – ca. 605 Seiten Band 20: Schriften zur Literatur – ca. 615 Seiten Band 21: Schriften zur Naturwissenschaft – ca. 800 Seiten Band 22: Schriften zur Naturwissenschaft – ca. 800 Seiten 266 (AH) 3 Blatt, maschinenschriftlich, nicht datiert oder adressiert. Höchstwahrscheinlich einer der früheren Pläne zur Goethe-Ausgabe. 1641Im Aufbau-Verlag Band 23: Übersetzungen – ca. 550 Seiten Band 24: Übersetzungen – ca. 600 Seiten II. Als spätere Ergänzungsbände sind vorgesehen: 1) Reichliche Briefauswahl in vier Bänden 2) Sämtliche Gespräche in vier Bänden 3) Amtliche Schriften in zwei Bänden 4) Register zur Ausgabe einschließlich der Ergänzungsbände in einem Band 5) Die Arbeit an den Ergänzungsbänden soll erst in Angriff genommen werden, wenn die 24 Bände der Ausgabe selbst vorliegen. III. Es ist beabsichtigt, die Ausgabe von einem Kollektiv des Aufbau-Verlages unter Leitung von Wolfgang Harich herauszugeben. Dem Kollektiv sollen angehören: Bassenge, Goldammer, Harich, Hofmann, Kraft, Seidel, Voigt, Zenker. Die Bearbeitung der Bände soll abteilungsweise von den folgenden Mitarbeitern wie folgt übernommen werden: • Voigt – Autobiografisches (vier Bände) • Zenker – Gedichte (vier Bände), Romane und Erzählungen (4 Bände) • Goldammer – Dramen (vier Bände) • Bassenge – Naturwissenschaftliche Schriften (zwei Bände) • Harich – Schriften über Kunst und Literatur (vier Bände) • Seidel – Übersetzungen (2 Bände) Kollege Seidel soll nach genau festgelegten Richtlinien, die zur Zeit gemeinsam von den Kollegen Goldammer, Harich, Zenker und Seidel ausgearbeitet werden, die Einheitlichkeit der gesamten Textgestaltung usw. überwachen. Die Kollegen Kraft und Hofmann sollen den verantwortlichen Bearbeitern der einzelnen Abteilungen je nach Bedarf zur Verfügung stehen. (Eine Aufgliederung der Arbeit an den Ergänzungsbänden wird erst erfolgen, wenn die 24-bändige Ausgabe der Gesammelten Werke vorliegt.) IV. Zur Anlaufzeit und zum Erscheinen der Ausgabe ist zu bemerken, dass die Arbeit ab 1. Januar 1956 in Angriff genommen werden kann und dass es sich wird einrichten lassen, dass von diesem Zeitpunkt an etwa gleichzeitig die Bearbeitung der verschiedenen Abteilung der Ausgabe (Gedichte, Dramen, Romane usw.) erfolgt. Die Ausgabe 1642 Teil XII wird dann voraussichtlich in den Jahren 1957–1959 vollständig erscheinen können. Es wird vorgeschlagen, die Ausgabe auf Subskription zu verkaufen, mit der Auslieferung des ersten Bandes aber, gleichviel, wie viele Bände bereits fertig vorliegen mögen, nicht vor Sommer 1957 zu beginnen, so dass dann gewährleistet ist, das zwei Jahre lang alle zwei Monate pünktlich ein Band erscheint. V. Zu Einzelfragen des Textes, der Aufgliederung usw. möchte ich mich im Rahmen dieses kurzen Exposees nicht äußern. Auf Verlangen stehen die hierüber vorhandenen Unterlagen der Verlagsleitung jederzeit zur Verfügung. Ich möchte hier nur da rauf hinweisen, dass die Ausgabe, wenn einmal die Ergänzungsbände erschienen sein werden, die augenblicklich besten Editionen in Westdeutschland und im kapitalistischen Ausland an Wert und Bedeutung einholen und übertreffen wird. Plan der Goethe-Ausgabe, II267 (23. Mai 1956) Auf Grund des kürzlich in der Lektoratsleitung gefassten Beschlusses über die Vorbereitung unserer neuen Goethe-Ausgabe möchte ich hiermit die folgenden Vorschläge unterbreiten: 1) Beabsichtigt ist zunächst, eine Ausgabe der sämtlichen poetischen Werke zu veranstalten. Diese soll den Titel Johann Wolfgang Goethe, Poetische Werke, Berliner Ausgabe tragen. Sie kann später durch die naturwissenschaftlichen Werke Goethes, durch seine Übersetzungen, seine Schriften über Kunst und Literatur, seine Briefe und seine amtlichen Schriften in gleicher Ausstattung und mit dem gleichen Untertitel Berliner Ausgabe ergänzt werden. 2) In die Berliner Ausgabe der poetischen Werke Goethes sollen diese vollständig aufgenommen und dabei sollen die besten verfügbaren Texte zu Grunde gelegt werden. Auf Vorworte, Kommentierung, Apparat und eigene philologische Bearbeitung wird verzichtet. 3) In der Besprechung der Lektoratsleitung waren zwölf Bände mit je 1000 Seiten vorgesehen worden. Die genaue Prüfung der Probleme der Einteilung hat aber ergeben, 267 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 23. Mai 1956. Hausmitteilung der Abteilung Lektorat, Klassisches Erbe an die Verlagsleitung. 1643Im Aufbau-Verlag dass dies nicht durchführbar ist. Eine sachlich vertretbare Einteilung lässt sich nachweisbar nur erreichen, wenn man die Ausgabe auf 16 Bände berechnet, wobei dann der stärkste Band (Dichtung und Wahrheit) ca. 950, der schmalste (Annalen, Biographisches, Testamente) ca. 550 Seiten umfasst. 4) Als Textgrundlage soll generell die zehnbändige Dünndruckausgabe der poetischen Werke Goethes, die bei der J. G. Cottaschen Buchhandlung Nachf., Stuttgart, erschienen ist und seit 1955 abgeschlossen vorliegt, dienen. Die Vorzüge dieser Ausgabe sind die folgenden: a) Ihre Texte sind weitgehend nach Orthographie und Interpunktion modernisiert, bewahren aber die für Goethe charakteristischen Wortbilder. b) Der beträchtliche Umfang dieser Ausgabe gestattet es uns, etwa 95 % der von uns für die Berliner Ausgabe geplanten Texte ihren Bänden zu entnehmen und sie dafür als Satzmanuskript zu verwenden. c) Die Gliederung der Cottaschen Ausgabe ist nicht in allen ihren Teilen zweckmäßig, so dass wir die Möglichkeit haben, unserer Ausgabe durch eine andere Gliederung ohne bedeutenden Zeit- und Kostenaufwand ein eigenes Gepräge zu geben. d) Unter diesem Gesichtspunkt ist auch günstig, dass die Cottasche Ausgabe mit Übersetzungen ziemlich willkürlich verfährt. Wir werden alle in der Cottaschen Ausgabe enthaltenen Übersetzungen fremdsprachiger Gedichte, Dramen usw. zunächst fortlassen, um später unsere Ausgabe durch zwei Bände Übersetzungen zu ergänzen. 5) Die Manuskripte sollen, unter Aufsicht von mir und unter Hinzuziehung von Herrn Goldammer und Herrn Dr. Friedrich Bassenge als Beratern, durch Herrn Seidel zum Satz vorbereitet werden. Dabei wird so verfahren werden, dass Herr Seidel die Texte der Cottaschen Ausgabe durchliest und an Stellen, die ihm fraglich vorkommen, die folgenden Ausgaben zum Vergleich heranzieht: • Cottasche Jubiläums-Ausgabe (im Hause); • Sophien-Ausgabe (im Hause); • Mainzer Welt-Ausgabe (muss aus der Bibliothek entliehen werden); • Festausgabe des BI (muss aus der Bibliothek entliehen werden); • Artemis-Ausgabe (muss von Seiten der Verlagsleitung zur Verfügung gestellt werden); • Hamburger Ausgabe (wird von mir aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt). 1644 Teil XII Aus allen diesen Ausgaben sollen dabei auch solche Goethe-Texte in unsere Edition aufgenommen werden, die in der Cottaschen Ausgabe fehlen. Von diesen Texten sind Fotokopien anzufertigen, die als Satzmanuskripte Verwendung finden. 6) Es wird die folgende Gliederung der 16 Bände vorgeschlagen: Band 01: Gedichte, erster Teil Band 02: Gedichte, zweiter Teil Band 03: Divan, Epen, Maximen und Reflexionen Band 04: Theatergedichte, Singspiele, Operntexte Band 05: Kleine Dramen und dramatische Fragmente, I Band 06: Kleine Dramen und dramatische Fragmente, II Band 07: Die großen Dramen: Götz, Egmont, Iphigenie, Tasso Band 08: Faust Band 09: Werther, Ur-Meister Band 10: Wilhelm Meisters Lehrjahre Band 11: Wilhelm Meisters Wanderjahre Band 12: Wahlverwandtschaften, Erzählungen Band 13: Dichtung und Wahrheit Band 14: Italienische Reise Band 15: Reiseberichte Band 16: Annalen, Biographisches, Testamente Gutachten zu: Bernard Mandeville: Die Bienenfabel268 (13. Juni 1956) Als 14. Band seiner Philosophischen Bücherei will der Aufbau-Verlag Die Bienenfabel von Bernard Mandeville herausgeben. Es handelt sich um die berühmte gesellschaftspolitische Satire der englischen Aufklärung des beginnenden 18. Jahrhunderts, in der zum ersten Mal der Gedanke ausgesprochen wird, dass die schmutzigsten egoistischen Interessen das Getriebe der bürgerlichen Zivilisation in Gang halten, ein Gedanke, der für die klassische politische Ökonomie in England und die Gesellschaftstheorie vor allem der späteren französischen Aufklärung (Helvétius) von entscheidender Bedeutung gewesen ist. (Auch Marx, im 1. Band des Kapital, weist in diesem Sinne auf die große ökonomische und philosophische Bedeutung der Bienenfabel hin.) 268 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 13. Juni 1956. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1645Im Aufbau-Verlag Von der Bienenfabel lag bisher nur die deutsche Übertragung von Otto Bobertag aus dem Jahre 1914 vor, die seit Jahrzehnten vergriffen ist. Unserer Ausgabe liegt diese Übersetzung, die sprachlich von hoher Qualität ist, zu Grunde. Sie wurde jedoch mit der inzwischen erschienenen englischen kritischen Ausgabe von Kaye, Oxford, 1924, genau verglichen, terminologisch verbessert und um einige von Bobertag fortgelassene Absätze und Teile, die neu übersetzt werden mussten, ergänzt, das jetzt vorliegende Manuskript stellt die erste vollständige deutsche Übersetzung des ersten Bandes der Bienenfabel dar. Der zweite Band, der bisher überhaupt noch nicht im Deutschen vorliegt, ist weit weniger interessant; es handelt sich darum, dass Mandeville sein Werk mehrfach zu seinen Lebzeiten in mehreren Auflagen herausbrachte und es jeweils durch Zusätze, Erläuterungen, Rechtfertigungen usw. derart ergänzte, dass das Ganze schließlich auf zwei Bände anschwoll. Sollte der erste Band der Bienenfabel, wie wir ihn in Band 14 der Philosophischen Bücherei herausbringen werden, beim Publikum in den nächsten Jahren großes Interesse finden, so werden wir eines Tages zur Ergänzung auch noch den zweiten Band in deutscher Übersetzung dazu liefern. Der neuen Ausgabe der Bienenfabel wurde eine Einleitung von Emil Utitz (Prag) voran ge stellt, die Mandevilles Gedanken im Sinne der diesbezüglichen Äußerungen von Marx im Kapital beleuchtet, seine Stellung in der Geschichte der philosophischen und sozialen Anschauungen des 18. Jahrhunderts verdeutlicht und den Einflüssen, die er auf spätere Denker des Bürgertums ausgeübt hat, nachgeht. Ferner bringen wir vor dem eigentlichen Text unter dem Titel Zu unserer Ausgabe noch Erläuterungen zur Übersetzung und ihrer Bearbeitung und Ergänzung. Außerdem enthält der Band im Anschluss das von Mandeville selbst stammende Register und, wie üblich in der Philosophischen Bücherei, die Lebensdaten. Gutachten zu: István Mészáros: Satire und Wirklichkeit269 (22. Juni 1956) In der Anlage überreichen wir das Manuskript der deutschen Übersetzung des 1955 in Ungarn erschienenen Werkes von István Mészáros Satire und Wirklichkeit. Der Verfasser, ein jüngerer ungarischer Marxist, behandelt hier die fundamentalen Fragen der Satire und versucht, die ästhetischen Kategorien des dialektischen Materialismus 269 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 22. Juni 1956. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. Zu Mészáros siehe die entsprechenden Verweise im Briefwechsel von Harich und Lukács (Band 9), dort alle weiteren Hinweise usw. 1646 Teil XII auf dem Gebiet der Satire herauszuarbeiten. Das Buch, das in der Volksrepublik Ungarn allgemein sehr positiv eingeschätzt wurde, kann beanspruchen, als bahnbrechend für dieses Gebiet der marxistischen Ästhetik zu gelten. Wir bitten, Näheres dem Artikel Ein Vademecum für Satiriker von Bruno Heilig, in der NDL, Nr. 5, 1956, sowie dem beiliegenden Gutachten unseres Mitarbeiters Fritz Hofmann zu entnehmen. Um Druckgenehmigung wird gebeten. Gutachten zu: Johann Peter Hebel: Gesammelte Werke in zwei Bänden270 (25. Juli 1956) In der Anlage überreichen wir das Manuskript unserer zweibändigen Ausgabe der Gesammelten Werke von Johann Peter Hebel. Als Herausgeber zeichnet der bekannte westdeutsche Hebel-Forscher Dr. Eberhard Meckel, Freiburg, der seinerzeit auch die Hebel-Edition des Insel-Verlages besorgt hat. Unserer Ausgabe stellt eine wesentlich verbesserte und erweiterte Neubearbeitung dieser Edition dar. Der Herausgeber hat für uns eine vollständig neue Einleitung geschrieben und die Ausgabe mit einem neuen Apparat von Worterklärungen versehen. In der Einleitung wird Hebel von einem bürgerlich-humanistischen Standpunkt aus in einer Weise interpretiert, die zu politischen Beanstandungen keinen Anlass gibt. Die Möglichkeit, eine marxistische Deutung Hebels voranzustellen, ist in der gegenwärtigen Situation noch nicht gegeben. Um Druckgenehmigung wird gebeten. Gutachten zu: Jürgen Kuczynski: René Kuczynski. Ein fortschrittlicher Wissenschaftler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts271 (14. September 1956) Es handelt sich um ein Buch, das Professor Dr. Jürgen Kuczynski über seinen in den Nachkriegsjahren in London verstorbenen Vater, den bedeutenden Wirtschaftsstatistiker René Kuczynski, geschrieben hat. R. Kuczynski, dessen international anerkannte wissenschaftliche Leistung eine solche Würdigung voll rechtfertigt, gehört zu den wenigen bürgerlichen Gelehrten, die von einer antimilitaristischen und demokratischen 270 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 25. Juli 1956. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 271 (AH) 1 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 14. September 1956. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. 1647Im Aufbau-Verlag Stellungnahme im Ersten Weltkrieg in den Jahren der Weimarer Republik den Weg zur Arbeiterklasse fanden und Verbündete der Kommunistischen Partei wurden. Das Buch ist vor allem als Zeitdokument interessant, und zwar insofern, als es eingehend die historische Bedeutung von demokratischen Aktionen verdeutlicht, an denen René Kuczynski während seines Lebens führend beteiligt war und die zum Teil auf seine Initiative zurückgehen (wie zum Beispiel der Kampf um die Fürstenenteignung u. a.). Gutachten zu: Paul Rilla: Lessing und sein Zeitalter272 (26. September 1956) In den Vorbemerkungen zum ersten Band unserer Lessing-Ausgabe schrieb der im November 1954 verstorbenen Herausgeber, Paul Rilla, dass der zehnte Band der Ausgabe ein Buch des Herausgebers über Lessing und sein Zeitalter und ein Gesamtregister enthalten werde. Beim Tode Paul Rillas war ein umfangreiches handschriftliches Manuskript dieses Buches vorhanden, das im Verlaufe von anderthalb Jahren von seiner Frau entziffert worden ist und jetzt in Gestalt eines umfangreichen Schreibmaschinenmanuskripts vorliegt. Die Bedeutung des Werkes liegt da rin, dass es sich um die erste umfassende marxistische Lessing-Interpretation handelt, die nicht – wie die Lessing-Legende von Franz Mehring – die historisch-gesellschaftlichen Grundlagen, das heißt die brandenburgisch-preußische Geschichte im 18. Jahrhundert in den Vordergrund stellt, sondern herauszuarbeiten sucht, was an Lessings Erbe von bleibendem Wert ist. Gerade dort also, wo Mehrings Lessing-Legende schwach und oberflächlich ist, setzen die Analysen Rillas ein, so dass 272 (AH) 2 Blatt, maschinenschriftlich, datiert auf den 26. September 1956. Adressiert »An das Amt für Literatur und Verlagswesen«. Am 5. November 1954 war Paul Rilla verstorben. Mit ihm verlor Wolfgang Harich einen Freund und Mentor, seinen Diskussionspartner und Anreger seines Denkens. Beide verband ihre Liebe zum Theater und sie lernten sich im Nachkriegsdeutschland zuerst durch diese Eigenschaft kennen – als Theaterkritiker und Journalisten. Zudem bemühten sie sich beispielsweise darum, Bertolt Brecht einen angemessenen Platz im Kulturleben der SBZ/DDR zu verschaffen. (Siehe die entsprechenden Verweise dieses Bandes.) Schon bald entdeckten sie weitere intellektuelle Gemeinsamkeiten: Das Ringen um die deutsche Einheit und die Versuche der Ausgestaltung des kulturellen Erbes des Sozialismus, um nur zwei der wichtigsten Themen zu nennen. Bei der Beerdigung hielt Harich eine der Trauerreden (Abdr. in: Band 4, S. 57– 63). Anne Harich hat in den Erinnerungen an ihren Mann (Wenn ich das gewusst hätte, Berlin, 2007) der Freundschaft von Harich und Rilla eindrucksvolle Ausführungen gewidmet. 1648 Teil XII wir jetzt mit den beiden, sich wechselseitig aufs Glücklichste ergänzenden Büchern erst ein angemessenes marxistisches Lessing-Bild besitzen. Obwohl die Arbeit Rillas nicht zu Ende geführt werden konnte, macht sie doch einen geschlossenen Eindruck. Der Verfasser hätte, wie er selber zu Lebzeiten erklärte, den Anfangsteil des Buches, die Ausführungen über Lessings Jugendjahre, noch umgearbeitet und erweitert; er hätte ferner dem Schlussteil noch eine Analyse von Nathan der Weise eingefügt, die jetzt fehlt und aus älteren Rezensionen Rillas über den Nathan auch nicht ersetzt werden konnte. Dass das Werk an diesen Punkten Lücken aufweist, kann jedoch den Entschluss, die im ganzen außerordentlich bedeutende und auch formal meisterhaft komponierte Arbeit in den zehnten Band der Lessing-Ausgabe aufzunehmen, nicht in Frage stellen. Die nötigen Erläuterungen werden von Seiten des Verlages in einem Vorwort gegeben werden. Um Druckgenehmigung wird gebeten.

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References

Zusammenfassung

Der Band komplettiert die „Frühen Schriften“ Harichs und bietet zahlreiche Texte, Manuskripte, Briefe, Gutachten usw. zu den Themenbereichen: Wortmeldungen in der SBZ – Drei Schriftstellerkongresse – Im Aufbau-Verlag – Die „Deutsche Zeitschrift für Philosophie“ – Kultur und Philosophie – Politik, Gesellschaft, Universität – Das „Vademecum“ und sein Umfeld. Außerdem werden Harichs Schriften über und an Ernst Jünger, Ernst Bloch, Victor Stern, Georg Klaus und Georg Mende präsentiert. Zudem seine Artikel und Feuilletons aus dem „Kurier“.