Verlobung und Heirat in:

Wolf H. Birkenbihl

Friedrich der Große, page 43 - 50

Monarch, Feldherr und Philosoph

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4111-6, ISBN online: 978-3-8288-6957-8, https://doi.org/10.5771/9783828869578-43

Tectum, Baden-Baden
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Verlobung und Heirat Zuvor aber sollte die Verlobung des Prinzen stattfinden. Am 4. Februar 1732 wurde Friedrich um Mitternacht durch einen Eilboten geweckt, der ihm ein Schreiben des Königs überbrachte: „…Ihr wißt, Mein lieber Sohn, daß, wenn Meine Kinder gehorsam sind, Ich sie sehr lieb habe, so, wie Ihr zu Berlin gewesen, Ich Euch alles von Herzen vergeben habe und von der Berliner Zeit, daß Ich Euch nicht gesehen, auf nichts gedacht, als auf Euer Wohlsein und Euch zu etabliren, sowohl bei der Armee, als auch mit einer ordentlichen Schwiegertochter, und Euch suchen bei Meinen Leben noch zu verheirathen. Ihr könnt wohl persuadiret sein, daß Ich habe die Prinzessinnen des Landes durch andere, so viel als möglich ist, examinieren lassen, was sie für Conduite [Benehmen] und Education [Erziehung]; da sich denn die Prinzessin, die älteste von Bevern, gefunden, die da wohl aufgezogen ist, […]; so müssen die Frauen sein. Ihr sollt Mir cito Euer Sentiment [Empfinden] schreiben. Ich habe das Haus von Katsch gekauft, das bekommt der Feldmarschall als Gouverneur, und das Gouvernements-Haus werde lassen zu recht bauen und meubliren, und Euch so viel geben, daß Ihr allein wirthschaften könnt, und will Euch bei der Armee im April commandiren. Die Prinzessin ist nicht häßlich, auch nicht schön. Ihr sollt keinem Menschen was davon sagen, wohl aber der Mama schreiben, daß Ich Euch geschrieben habe, und wenn Ihr einen Sohn haben werdet, da will Ich Euch lassen reisen; die Hochzeit aber vor zukommendem Winter nicht sein kann. Indessen werde sehen, Gelegenheit zu machen, daß Ihr Euch etliche Mal sehet in allem Honneur [Anständigkeit], doch damit Ihr sie noch lernet kennen. Sie ist ein gottesfürchtiges Mensch, und dieses ist Alles, und comportable [zufriedenstellend] sowohl mit Euch als mit den Schwiegereltern. Gott gebe seinen Segen dazu, und segne Euch und Eure Nachfolger, und erhalte Dich als einen guten Christen…46 46 Preuß (Hrsg.): OEuvres, Bd. 27, Teil 3, S. 59 43 General Friedrich Heinrich von Seckendorff, seit 1726 kaiserlicher Gesandter am Berliner Hof, hatte seit geraumer Zeit nach einer Prinzessin Ausschau gehalten, die dem Kaiserhaus genehm war und schlug Friedrich Wilhelm, auf Rat des Prinzen Eugen, eine Nichte der Kaiserin vor – Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern. Nachdem der König diesem Plan zugestimmt hatte, die ganze Angelegenheit bereits publik gemacht worden war und Friedrich bis auf weiteres in Küstrin festsaß, konnte er dem Vater nur noch unterwürfig und widerspruchslos sein Einverständnis geben: „Ich habe die Gnade gehabt, meines allergnädigsten Vaters Brief zu empfangen, und ist mir lieb, daß mein allergnädigster Vater von der Prinzessin zufrieden ist. Sie mag sein, wie sie will, so werde jederzeit meines allergnädigsten Vaters Befehle nachleben; und mir nichts Lieberes geschehen kann, als wenn ich Gelegenheit habe, meinem allergnädigsten Vater meinen blinden Gehorsam zu bezeigen, und erwarte in alleruntertänigster Submission meines allergnädigsten Vater weitere Ordre.“47 Der Kronprinz hatte es mittlerweile gelernt, einer väterlichen „Ordre“ Folge zu leisten. Voll Bitterkeit bemerkte er noch Jahre später über diese vom Vater aufgezwungene Konvenienzehe in seinen „Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg“ lakonisch: „… aus Gefälligkeit für den Wiener Hof vermählte der König seinen ältesten Sohn mit einer Nichte des Kaisers.“48 Eine Woche nach Abfassung des Briefes an den König, in dem er seine Zustimmung zur Heirat so devot kundtat, wurde dem Kronprinzen gestattet, die Festung Küstrin am 26. Februar 1732 zu verlassen. In dem regen Briefwechsel mit seinem Hofmarschall Grumbkow hingegen hatte Friedrich seit längerem ganz andere Töne angeschlagen: „…und wenn ich mich verheirate, werde ich gewiß ein sehr schlechter Ehemann sein, denn ich fühle in mir weder genug Beständigkeit noch genug Liebe zum weiblichen Geschlecht, um glauben zu können, ich würde sie in der Ehe in mich aufnehmen, und der bloße Gedanken an meine Frau ist mir eine so verhaßte Sache, daß ich nicht ohne Abneigung daran denken kann. Trotzdem würde ich immer alles aus Gehorsam tun, aber niemals in guter Ehe leben.“49 47 Wie Anm. 46, S. 64 48 Preuß (Hrsg.): OEuvres. Bd. 1, S. 187 49 Mendelssohn-Bartholdy (Hrsg.): Der König, S. 43 f. Verlobung und Heirat 44 Auch seiner inzwischen am Bayreuther Hof lebenden Schwester Wilhelmine berichtete er im März 1732 unmissverständlich: „Die Prinzessin hat ein ganz hübsches Gesicht, aber tiefliegende Augen und einen häßlichen Mund. Sie hat einen bäurischen Gang und einen Blick von unten herauf […], ein unangenehmes Lachen, einen Gang wie eine Ente, schlechte Zähne, ist sehr schlecht angezogen, ängstlich in der Unterhaltung und fast stets stumm. Davon abgesehen, hat sie einen schönen Teint, einen schönen Busen, eine schöne Figur in Deiner Größe, hübsche Hände, blondes Haar, ein gutes Herz. Sie ist nicht launenhaft, sondern höflich, aber stets zuviel oder zuwenig, recht bescheiden, sehr schlecht erzogen und ohne die geringste Lebensart. Nach diesem Bild, liebste Schwester, kannst Du Dir sagen, daß sie mir gar nicht gefällt und ich über diese Heirat sehr wütend bin. Man kann voraussehen, daß es eine sehr schlechte Ehe geben wird. Das tut mir oft weh, aber was man nicht ändern kann, muß man hinnehmen.“50 Das feierliche Verlöbnis fand am 10. März 1732 im Beisein von etwa 300 Gästen in Berlin statt. Friedrich, dessen gedrückte Stimmung und Niedergeschlagenheit während der gesamten Zeremonie allgemein aufgefallen waren, konnte beim Wechseln der Ringe einige Tränen nicht mehr zurück halten, so dass die Gratulanten anschließend den König und seinen Sohn zu diesen „Freudentränen“ beglückwünschten. Bis zur Hochzeit sollte jedoch noch mehr als ein Jahr vergehen. Um das eigentliche Ziel dieser Heirat, den Kronprinzen möglichst eng an das Kaiserhaus zu binden, auch erfüllen zu können, hatte Seckendorff einen Plan entwickelt, der einem Scheitern dieses Vorhabens vorbauen und zugleich die Gunst des Prinzen für die Belange Habsburgs sichern sollte: „…einem wahren und sehr eifrigen Diener Eurer Königlichen Hoheit“, so schrieb Seckendorff an Friedrich, „liegt das glücklicherweis wiederhergestellte gute Einvernehmen in der Königlichen Familie so sehr am Herzen, daß er nicht umhinkam, Eure Königliche Hoheit darauf aufmerksam zu machen, wie alle unsre Sorge darauf gerichtet sein muß, dasselbe zu erhalten, und wie die Furcht besteht, daß während Ihres Aufenthaltes in Küstrin notwendigerweise einige Schul- 50 K. Heckmann-Janz, S. Kretschmer, Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen (Hrsg.): „…solange wir zu zweit sind.“ Friedrich der Große und Wilhelmine Markgräfin von Bayreuth in Briefen, München 2003, S. 36 Verlobung und Heirat 45 den gemacht worden sind, die jetzt durchaus bezahlt werden müssen, ohne daß die Sache zur Kenntnis des Königs kommen darf, der, wenn er davon Wind bekommt, möglicherweise glauben könnte, das Geld sei übel angewandt worden. Zuerst werden Eurer Königlichen Hoheit fünfhundert Dukaten übergeben werden, um damit die Schulden zu bezahlen. Da jedoch die einmalige Bezahlung der gesamten Schulden Verwunderung erregen könnte, so wird es klug sein, monatliche Abzahlungen zu leisten und selbst die vertrauten Freunde glauben zu lassen, daß jene Zahlungen aus den Ersparnissen der Königlichen Monatsgelder sowie den Einnahmen aus dem Regimente erfolgen.“51 Friedrich ging auf dieses Angebot nur zu gerne ein und sollte Seckendorff so manches Mal Mitteilung machen, dass er „auf dem Trockenen“ sei. Gleichzeitig ließ er keine Gelegenheit aus, dem Kaiser seine „Anhänglichkeit und hohe Verehrung“ zu bezeugen. Am 4. April 1732 hatte der Kronprinz Berlin verlassen und war nach Nauen abgereist, um dort das Kommando seines Regiments zu übernehmen. Anfang September jenen Jahres – Friedrich hatte sich seit dem Sommer bereits in Ruppin eingerichtet, wo das zweite Bataillon seines Regiments in Garnison lag – entrüstete er sich gegenüber Grumbkow in puncto der Vorhaltungen des Vaters, er schreibe seiner Verlobten zu selten; „Teuerster General, heute frühe habe ich einen Brief des Königs bekommen, der mich beinahe ganz niedergeschmettert hat. Es handelt sich wieder um einen angenehmen Gegenstand, nämlich um meine Dulzinea. Ich soll durchaus verliebt werden, wenn es auch durch Prügel erreicht wird. Nun habe ich aber doch unglücklicherweise nicht das Temperament eines Esels, und so fürchte ich denn lebhaft, daß der gewünschte Zweck nicht erreicht werden wird. Der König schreibt etwa folgendermaßen: Ich habe gehört, daß Sie nicht eifrig genug an Ihre Prinzessin schreiben. Ich will, daß Sie mir den Grund dieses Schweigens mitteilen und daß Sie häufiger schreiben usw. Ich erwiderte, sie habe mir seit vierzehn Tagen nicht geschrieben, während mein letzter Brief vor acht Tagen abgegangen sei, und daß ich selbst außerstande sei, einen Grund dafür anzugeben. Der wahre Grund ist, daß ich keinen Stoff habe und oft genug nicht weiß, womit ich eine Seite füllen soll. Mein Gott, wenn der König doch nur einen 51 Mendessohn-Bartholdy (Hrsg.): Der König, S. 53 Verlobung und Heirat 46 Augenblick daran denken wollte, daß mir diese Heirat nolens volens entgegengebracht wurde und daß der Preis, den ich dafür empfangen sollte, die Freiheit war. Aber ich glaube, das dicke Höckerweib, die edle Frau Herzogin, spielt mir einen Streich und bildet sich ein, mich dadurch beizeiten zum Gehorsam bringen zu können; aus dem Grunde meines Herzens wünsche ich, daß der Teufel sie und ihre stolze Haube hole. Ich hoffe, der König wird sich, bin ich einmal erst verheiratet, nicht in meine Angelegenheiten mischen; denn dann, fürchte ich, würde die Sache übel ablaufen, und die Frau Prinzessin dürfte dabei schlecht wegkommen: die Heirat macht mich mündig, und sobald ich mündig bin, bin ich Herr im Hause. Meine Frau hat nichts darin zu sagen: nur kein Weiberregiment in irgend etwas auf Erden! Ich glaube, daß ein Mann, der sich von Weibern regieren läßt, der größte Kujon [Dummkopf] ist, den man sich denken kann und überhaupt nicht verdient, ein Mann genannt zu werden.“52 Friedrich dürfte es mit Sicherheit beunruhigt haben, dass der König anscheinend über all sein Tun bestens informiert war. Dennoch bestand der Hauptvorzug des Garnisonsdienstes in Ruppin für ihn darin, jeglicher persönlichen Kontrolle des Vaters entronnen zu sein. Er konnte nun nicht mehr daran gehindert werden, sich nach dem Exerzieren ausschließlich seinen Interessen – den Büchern und der Musik – zu widmen: „Meine stumme Unterhaltung,“ so schrieb er, „ist mir nützlicher als alle die, welche ich mit den Lebenden haben kann. Ferner erfreue ich mich an der Musik, und bald nehme ich meine Zuflucht zu der süßen Leier, mit der Apollo mich zu begeistern geruht; aber, verschwiegen in meiner Begeisterung, behalte ich alles bei mir und opfere die Erzeugnisse Apollos dem Vulkan, der sie vernichtet. Das ist mein Leben…“53 Es gab aber auch gesellige Abende, an denen er mit Offizieren dinierte und allerlei Delikatessen, wie Austern oder Kapaune, aus Hamburg kommen ließ: „Dann habe ich eine Gesellschaft von drei oder vier Personen bei mir, und wir soupieren allein, weil mein Etat nicht ausreicht, um zehn Personen mit so teurem Futter zu sättigen.“54 52 Ebd., S. 54 f. 53 Ebd., S. 56 54 Hofmann: «Flegels haben Wir genung im lande», S. 80 Verlobung und Heirat 47 Zudem wird von Ausflügen des Kronprinzen und seiner Begleiter aufs Land berichtet, wobei man allem Anschein nach mitunter vor üblen Scherzen nicht zurückschreckte. Dies zeigt eine Episode nur zu deutlich, bei der Friedrich und einige Offiziere dem ihrer Ansicht nach allzu engstirnigen Feldgeistlichen ihres Regiments übel mitspielten: „Erst wurden ihm die Fenster in dem Schlafzimmer eingeschmissen, hernach Schwärmer [Feuerwerkskörper] in die Kammer geworfen, und der Feldprediger mit seiner schwangeren Frau durch die letzten erst aus dem Bette, und in den Hof, und zuletzt in die Mistpfütze gejaget. Wenn der König im Alter über diese That im lustigen Ton erzählte, welches oft geschah, so sah er gern, daß die Gäste, und selbst die zur Aufwartung umherstehenden Pagen und Bediensteten, laut darüber lachten.“55 Im Winter fanden des öfteren Schlittenfahrten statt und am Dreikönigstag 1733 zog Friedrich die Bohne*, woraufhin er zwei Maskenbälle veranstaltete, bei denen er als Scaramouche, also als komische Figur im Sinne der „Commedia dell’arte“ oder auch als Dame gekleidet, „sogar als Witwe“56, erschien. Dieses zuweilen durchaus als harmonisch zu bezeichnende Leben in Ruppin wurde schließlich durch jenes Ereignis, das Friedrich das ärgerlichste seines Lebens nannte, unterbrochen: die Hochzeit. Am 12. Juni 1733 fand auf Schloss Salzdahlum bei Wolfenbüttel die Vermählung, die beinahe nur noch eine einfache Formalität war, zwischen dem Kronprinzen und der Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern statt. Friedrich hatte sich vorgenommen, seinen Gehorsam durchzuhalten und die ihm auferlegte Pflicht zu erfüllen: „Ich werde so gut Komödie spielen, daß nichts fehlen soll.“57 Seckendorff berichtete jedoch Folgendes nach Wien: „Es schwebten allerlei Gerüchte, daß der König mit vieler Überredung und Drohung den Kronprinzen ins Brautbett habe bringen müssen, darin er 55 A.F. Büsching: Character Friedrichs des zweyten, Königs von Preussen, Halle 1788, S. 20 * Brauch aus Frankreich, bei dem in einem sog. „Dreikönigskuchen“ eine Bohne miteingebacken wird. Derjenige, der diese Bohne findet, ist für einen Tag „Bohnenkönig“. 56 Gaxotte, Friedrich der Große, S. 126 57 Ebd., S. 128 Verlobung und Heirat 48 nicht länger als eine Stunde geblieben und hernach sich öffentlich im Garten zu Salzthal gezeigt hätte.“58 Noch in der Hochzeitsnacht teilte Friedrich seiner Schwester Wilhelmine in einem Brief lakonisch mit: “Salzdahlum 12 Uhr nachts, 12. Juni 1733. Meine teuerste Schwester, jetzt in diesem Augenblick ist die ganze Zeremonie beendet. Und Gott sei gelobt, daß alles vorbei ist.“59 Der Kronprinz hatte sich in sein Schicksal gefügt und entzog sich nun der Nähe seiner Gemahlin. Er sehnte sich bereits nach der „geistig belebten Einsamkeit“ seiner Garnison zurück, wo er wenige Wochen später wieder Dienst tun sollte. Friedrichs Mutter, Königin Sophie Dorothea, deren Verwandte seit 1714 in Personalunion Kurfürsten von Hannover und Könige von Großbritannien waren, hätte nur zu gerne, wie bereits erwähnt, ihre beiden Ältesten, Wilhelmine und Friedrich, mit den Kindern des britischen Herrscherpaares, Prinzessin Amalie und Prinz Georg, vermählt gesehen. Der König setzte letzten Endes seinen Willen durch. Ihm schien eine gefestigte Verbindung zum Kaiserhaus vielversprechender für die Zukunft seines Landes zu sein. Von ebenso großer Bedeutung wie das Schicksal seines Königreiches war für den Vater aber auch der Fortbestand der Hohenzollern- Dynastie, weshalb er den Sohn immer wieder, teils drastisch, zum „Kindermachen“ ermahnte, dem Friedrich sich zu entziehen wusste. Als aber Grumbkow, der erste Minister Friedrich Wilhelms, diesen Wunsch Seiner Majestät ebenfalls beim Kronprinzen zur Sprache brachte, erhielt er die sarkastische Antwort: „Ich bin Ihnen sehr verpflichtet für die Wünsche, die Sie mir für meine Fortpflanzung aussprechen, und wenn ich dieselbe Bestimmung habe wie die Hirsche – die gegenwärtig in der Brunstzeit sind –, so könnte jetzt in neun Monaten geschehen, was Sie mir wünschen. Ich weiß nicht, ob es ein Glück oder ein Unglück für unsere Neffen und Großneffen sein würde; die Königreiche finden immer Nachfolger, und es ist ganz ohne Beispiel, daß ein Thron leer geblieben ist.“60 Fernab von König und Gemahlin verbrachte der Kronprinz den Herbst und Winter des Jahres 1733 in Ruppin. Hier komponierte er 58 Hofmann: «Flegels haben Wir genung im lande», S. 81 59 Mendelssohn-Bartholdy (Hrsg.): Der König, S. 59 60 Ebd., S. 72 Verlobung und Heirat 49 unter Anleitung des gefeierten Sängers und Komponisten Johann Gottlieb Graun Flötensoli und schwärmte zugleich von baldigem Schlachtenruhm. Verlobung und Heirat 50

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Zusammenfassung

Friedrich II., der Große, König von Preußen, gilt zweifellos als eine der umstrittensten, aber auch populärsten Gestalten der neuzeitlichen Geschichte. Die kontroverse Beurteilung dieses Herrschers findet ihre Begründung in seiner eigenen, so widersprüchlichen Persönlichkeit. Dieser intelligente, ungeheuer begabte und religiös tolerante Mensch war nicht nur seinen Zeitgenossen mitunter rätselhaft, sondern lässt bis heute manche Frage offen. Die einen sehen ihn als aufgeklärten und tatkräftigen Monarchen, als einen Schriftsteller von Bedeutung und weltgewandten Philosophen, die anderen betrachten ihn als Tyrannen, Zyniker und Machiavellisten. In der Darstellung soll ein unvoreingenommener Blick auf die Persönlichkeit und das Wirken Friedrichs des Großen geworfen werden. Im Vordergrund stehen die persönlichen Aussagen des Königs in seinen politischen, historischen und philosophischen Werken sowie seinen Briefen. Darüber hinaus geben Berichte von Zeitgenossen Einblick in das Geschehen.