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Zohreh Abedi

"Alle Wesen bestehen aus Licht", page 1 - 11

Engel in der persischen Philosophie und bei Suhrawardi

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4104-8, ISBN online: 978-3-8288-6952-3, https://doi.org/10.5771/9783828869523-1

Series: Religionen aktuell, vol. 23

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Religionen aktuell Religionen aktuell Herausgegeben von Bertram Schmitz Band 23 „Alle Wesen bestehen aus Licht“ Engel in der persischen Philosophie und bei Suhrawardi von Zohreh Abedi Tectum Verlag Zohreh Abedi „Alle Wesen bestehen aus Licht“. Engel in der persischen Philosophie und bei Suhrawardi Religionen aktuell; Band 23 © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2018 Zugl. Diss. Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover 2017 E-Book: 978-3-8288-6952-3 ISSN: 1867-7487 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4104-8 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlagabbildung: © Mahmoud Farshchian Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Danksagung An dieser Stelle möchte ich nachstehenden Personen danken, ohne de ren Mithilfe die Anfertigung dieser Dissertation niemals zustande ge kommen wäre: Herrn Prof. Dr. Dr. Antes möchte ich für die hilfreiche Unterstützung, viele nützliche Anmerkungen und für die Betreuung der Arbeit herzlich danken. Ich habe erst in seinen Seminaren die Religionen richtig ken nengelernt, die sowohl für meine Magisterarbeit als auch für diese Ar beit sehr wichtig waren. Mein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. Nickl, meinem Doktorvater, für die freundliche Überlassung des interessanten Themas. Ich danke ihm auch für die geduldige und freundliche Betreuung. Er ist sowohl menschlich als auch fachlich ein Vorbild für mich. Jederzeit unterstützte er mich umfassend während des gesamten Arbeitsprozesses. Die zahl reichen Gespräche und wegweisenden Ideen haben wesentlich zum Er stellen der Arbeit beigetragen. Herrn Prof. Dr. Dr. Schmitz danke ich ebenfalls für anregende Gesprä che und kritische Anmerkungen. Außerdem danke ich ihm für die Auf nahme dieser Arbeit in seiner Schriftenreihe Religionen aktuell sowie für Hinweise zur Transkription aus dem Arabischen. Ganz besonderer Dank gilt meinen Eltern, die in mir das Interesse an der Welt und an der Philosophie weckten. Zum Schluss ein herzliches Danke meinem Mann, Dr.-Ing. Mohsen Farahani, und meinen Söhnen Ali und Erfan, die mir während des ganzen Studiums immer unterstützend und liebevoll zur Seite standen. 5 Kurzfassung Schlagworte: Engellehre, islamische Philosophie, Suhrawardi. Der Begriff ,Engel', der sich sowohl in der Philosophie und Theologie als auch in Kunst, Musik und Mystik zu allen Zeiten in verschiedenen Kulturkreisen in ganz unterschiedlichen religiös-philosophischen Rich tungen verbreitet hat, ist vielfältig. Allerdings sind die wichtigen aus differenzierten Engellehren der persischen Philosophen im 9. bis 12. Jahrhundert weniger bekannt. Dies gilt auch und insbesondere für Suhrawardi, dessen Engellehre im Mittelpunkt dieses Werks steht. Das Anliegen der vorliegenden Arbeit ist es, einen Einblick in die Ent wicklung der Engellehre in der islamischen Philosophie im Mittelalter zu geben. Es wird erst die Rolle der Engel im Zoroastrismus, im Alten und Neuen Testament und im Koran präsentiert. Danach widmen sich die Kapitel 2 -6 den Hauptstationen der islamischen Engellehre von: Abü Nasr Färäbi (ca. 870-950), Ibn Sinä (Avicenna 980-1037), Abü Hamid Gazäli (1058-1111) und Sihäb ad-Din Yahya Suhrawardi (1153 1191). Suhrawardi ist Begründer einer neuen Philosophierichtung. Seine Phi losophie nannte er hikmat al-israq (die Philosophie der Erleuchtung oder die Illuminationsphilosophie). Damit hat er die Lehre von Aristoteles, Platon, Zarathustra, Hermes, Plotin und die mystisch-islamischen Leh ren synthetisiert und theisiert. Engel haben als immaterielle Wesen den höchsten Anteil an Licht und spielen in Suhrawardis Denksystem eine zentrale Rolle. Die Engel - als immaterielle Lichter - unterscheiden sich nicht in ihrer Wesenheit, sondern in ihrer Vollkommenheit und Unvoll kommenheit. Es folgt als letztes Kapitel ein Vergleich dieser islamischen Engellehre mit der des Thomas von Aquin als doctor angelicus. Ihm zufolge ist, wie bei den islamischen Philosophen, das letzte Ziel der Erkenntnis, Gott und Engel zu erkennen. Bei Thomas ist dies durch den Verstand mach bar. 6 A bstract Key Words: Angelology, Islamic Philosophy, Suhrawardi. The term ,angel', which has spread in philosophy and theology as well as in art, music, and mysticism throughout different cultures around the world, is varied. However, the important differentiated angelology from Persian philosophers in the 9th to 12th century is less known. This applies specially for Suhrawardi, whose angelology stands at the center of this work. The aim of this thesis is to give an insight into the development of the angelology in Islamic philosophy in the Middle Ages. Firstly, the role of the angels in Zoroastrianism, the Old and New Testament and the Koran is presented. Chapters 2 to 6 are devoted to the main stations of Islamic angelology: Abü Nasr Färäbl (ca. 870-950), Ibn SInä (Avicenna 980 1037), Abü Hamid Gazäl! (1058-1111) and Sihäb ad-Din Yahya Suhrawardi (1153-1191). Suhrawardi is the founder of a new philosophical direction. He called his philosophy hikmat al-israq (the philosophy of enlightenment or the philosophy of illumination). Hereby he synthesized and analyzed Aristotle, Plato, Zarathustra, Hermes, Plotinus and the mystical-Islamic doctrines. Angels, as intangible beings, have the highest share of light and play a central role in Suhrawardls's mind system. The angels, as imma terial lights, do not differ in their essence, but in their perfection and imperfection. The last chapter present a comparison of this Islamic angelology with that of Thomas Aquinas as a doctor angelicus. According to him, as to the Islamic philosophers, the ultimate goal of the realization is to recognize God and angels. With Thomas this is feasible through the intellect. 7 Inhaltsverzeichnis Vorwort........................................................................................12 Einleitung....................................................................................16 1 Die wichtigsten alten Engellehrer............................... 22 1.1 Engel in der Religion des Zarathustra........................................... 22 1.1.1 Kosmologie.........................................................................24 1.1.2 Zarathustras Offenbarung.............................................25 1.1.3 Jenseitsvorstellung bei Zarathustra............................25 1.2 Der Engel in den Buchreligionen....................................................27 1.2.1 Der Engel in den Heiligen Schriften...........................28 1.2.1.1 Engel in der hebräischen Bibel.....................................29 1.2.1.2 Engel im Neuen Testament........................................... 31 1.2.1.3 Engel im Koran................................................................. 35 2 Abu Nasr Färäbl............................................................... 39 2.1 Kontext und Einflüsse.........................................................................39 2.2 Philosophie und Offenbarung......................................................... 40 2.2.1 Emanationstheorie...........................................................44 2.2.2 Engel und Offenbarung..................................................48 3 Ibn Slnä...............................................................................50 3.1 Ibn Sinäs Metapysik - Engel bei Ibn S in ä.................................... 50 3.2 Kosmologie und Philosophie im M ittelalter............................... 55 3.3 Hauptquelle von Überlegungen zu Engelwesen im Mittelalter.............................................................................................. 58 3.4 Kosmologie und Seinsstufen bei Ibn Sinä.....................................60 3.5 Seinsordnung der Geister und Seelen bei Ibn Sinä (Emanationslehre)...............................................................................64 3.6 Ibn Sinäs Neuerung.............................................................................69 3.6.1 Rationale Imagination und Hilfe des Engels 69 8 3.6.1.1 Fähigkeiten und Sprache bei Engeln und Menschen...........................................................................73 3.6.1.2 Inneres Hindernis des Menschen zum Z ie l............ 76 3.6.1.3 Äußeres Hindernis des Menschen zum Ziel........... 79 3.7 Heiliger Intellekt und heilige Seele................................................. 79 3.8 Kritik an Ibn Sinäs Intellektlehre..................................................... 82 4 Engel bei Gazäll................................................................. 85 4.1 Gazäli und sein Weg von der Philosophie zur M ystik 85 4.2 Biographie...............................................................................................85 4.3 Gazäli und das Kausalitätsproblem................................................89 4.4 Gazälis Beziehung zur M ystik..........................................................93 4.5 Glaube an höhere W esen................................................................... 96 4.6 Der Begriff ,Licht' bei G azäli............................................................97 4.7 Gazälis Engelslehre........................................................................... 100 4.7.1 Himmlische Lichter und die Rangordnung der Engel.........................................................................104 4.7.2 Engel als Ziel des Menschen.......................................105 4.8 Gazäli und andere Denker in seinem Konzept der Philosophiegeschichte..................................................................... 107 4.9 Fazit........................................................................................................ 109 5 Sihäbad-DlnYahyäSuhrawardl.................................. 112 5.1 Der Begründer der Erleuchtungsphilosophie........................... 112 5.2 Philosophie der Erleuchtung (hikmat al- isräq).......................... 113 5.3 Quellen der Erleuchtungsphilosophie........................................ 116 5.3.1 Altpersische Lehre......................................................... 119 5.3.2 Griechisches Denken.....................................................120 5.3.3 Islamische Erkenntnisse.............................................. 121 5.3.4 M ystik ...............................................................................122 5.4 Isräq .........................................................................................................127 5.5 Die Bedeutung von Licht und Dunkelheit bei Suhrawardi ..128 5.6 Hierarchie der Lichter.......................................................................128 9 5.6.1 Immaterielle, intellektuelle Lichter (ihre Eigenschaften und der Grund ihrer Unterschiede)130 5.6.2 Licht der Lichter............................................................ 132 5.7 5.8 5.9 5.10 5.11 5.12 5.13 5.6.2.1 Einheit und Einzigartigkeit des „Lichtes der Lichter" ............................................................................................ 132 5.6.2.2 Freigiebigkeit des Lichts der Lichter....................... 134 Licht und Feuer (nür wa nar)..........................................................134 Emanationslehre und Stufen des Lichtes bei Suhrawardi ...135 Wesen und Hierarchie der Engel (immaterielle Lichter) 138 5.9.1 Waagerechte und senkrechte Reihe der Engel ....139 5.9.2 Suhrawardis These: Aus dem Einen kann doch Vielheit hervorgehen...................................................142 5.9.3 Engel in der mittleren Stufe (regierende und befehlshabende Engel).................................................143 Der Zustand der menschlichen Seelen nach der Trennung vom Körper...................................................................................................145 5.10.1 Das Wesen von Ginnen und D äm onen..................145 5.10.2 Erreichung der Engelswelt für die Seligen............ 146 Engelsgebet für den Menschen.....................................................148 Empfang des Menschen durch die Engel im Himmelreich .149 Engel in Suhrawardis anderen Werken (Erzählungen) 150 5.13.1 Äwaz-i par-i Gibra'U (Der Klang der Schwinge Gabriels)...........................................................................151 5.13.1.1 Engel und Heimkehr in Äwaz-i par-i Gibra'il.........156 5.13.2 Al-gurbat al-garbiyah (Vom westlichen Exil)..........157 5.13.2.1 Der Fall in die Finsternis.............................................158 5.13.2.2 Der Versuch des Hinaufsteigens nach dem Fall..159 5.13.2.3 Hinaufsteigen auf den Berg Sinai und das Gespräch mit dem V ater............................................ 160 5.13.2.4 Rückkehr zur westlichen Gefangenschaft............. 161 5.13.3 ‘Aql-i sorh (der rote Intellekt)...................................... 162 5.13.4 Lugat-i muran (Die Sprache der Am eisen)............. 165 5.13.5 Al-waridat wat-taqdisat (Gebete und Heiligungen)165 10 5.14 Nirgendwo (nä kogä abäd)................................................................ 167 5.15 Nirgendwo in den Werken Suhrawardls......................................169 5.15.1 Nirgendwo in der Philosophie der Erleuchtung ...169 5.15.2 Habitus des Todes............................................................. 170 5.15.3 Nirgendwo in „Der Klang der Schwinge Gabriels"171 5.15.4 Nirgendwo in „Der Rote Intellekt"............................ 172 5.15.5 Nirgendwo in „Die Wahrheit der L ie b e":............... 172 5.16 Fazit........................................................................................................ 174 6 Thomas von Aquin und SuhrawardI............................ 175 6.1 Die Engellehre bei Thomas von Aquin und bei den islamischen Philosophen................................................................175 6.2 Die vollkommene neutestamentliche Offenbarung nach Thomas von Aquin...........................................................................177 6.2.1 Die Offenbarung durch Engel bei Thomas von Aquin................................................................................ 179 6.2.2 Die vollkommene Offenbarung nach den islamischen Philosophen............................................ 184 6.3 Methoden der Engelsforschung bei Thomas von Aquin und SuhrawardI................................................................................ 185 6.4 Erkenntnistheorien und Intellectus agens bei Thomas von Aquin....................................................................................................187 6.4.1 Intellectus agens und Intellectus possibilis als Vermögen der Seele.....................................................188 6.5 Die Intellektlehre bei Ibn Slnä ...................................................... 189 6.5.1 Der Intellectus agens (al- aql al-fa äl) bei Ibn Slnä als Weg zum Engelbeweis.........................................189 6.5.2 Heiliger Intellekt und Engel bei Ibn S ln ä ............... 190 6.5.3 Die Intellektlehre und die Engel bei SuhrawardI 191 6.6 Menschenbilder bei Thomas und SuhrawardI..........................192 7 Fazit...................................................................................194 Literaturverzeichnis................................................................ 200 11

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Zusammenfassung

Seit einigen Jahren ist das Thema Engel auch im so genannten modernen Europa wieder aktuell, unabhängig davon, welcher Religionsgemeinschaft man sich zugehörig fühlt, oder sogar, ob man sich überhaupt als religiös im engeren Sinn des Wortes versteht. Besonders die Vorstellung von Schutzengeln, von helfenden Wesen, gehört mit dazu und begleitet für viele Menschen den Alltag, wird in guten Wünschen mit bedacht und gelegentlich auf Postkarten bildlich zum Ausdruck gebracht. Zohreh Abedi zeichnet den religionsgeschichtlichen Weg der Bedeutung von Engeln nach, indem sie bei Zarathustra beginnt und vertiefend bei den biblischen Vorstellungen verweilt, – die jedoch wesentlich weniger ausführlich sind, als man vielleicht auf den ersten Blick meinen könnte. Im Koran schließlich wird ausführlicher von Engeln berichtet, überhaupt von in der Religionswissenschaft so genannten „Zwischenwesen“, die besonders als Dschinn in diesem Offenbarungswerk genannt werden. Den Schwerpunkt legt sie dabei auf die Ausführungen des persischen Philosophen Suhrawardi. Die Darstellung der Lehre Suhrawardis wird gerahmt durch Ausführungen über die Engellehre der ihm vorangehenden islamischen Philosophen Ibn Sina (Avicenna) und Gazali (Al-Ghazali) und dem ihm folgenden christlichen Theologen und Philosophen Thomas von Aquin. Durch die Betonung von Suhrawardi wird damit explizit ein tieferer Einblick auf die vielleicht sonst weniger beachtete persische Philosophie gegeben. Somit leistet das vorliegende Werk zugleich einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis des interreligiösen und religionsübergreifenden geistigen Austauschs im Hochmittelalter.