Michael Stahl, Der Einfluss Hans von Sodens auf den Neubeginn der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck in der Ära Bischof Adolf Wüstemanns (1945–1963) in:

Jochen-Christoph Kaiser

Hans von Soden, page 93 - 114

Leben und Werk

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-4076-8, ISBN online: 978-3-8288-6950-9, https://doi.org/10.5771/9783828869509-93

Tectum, Baden-Baden
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Der Einfluss Hans von Sodens auf den Neubeginn der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck in der Ära Bischof Adolf Wüstemanns (1945–1963) von Michael Stahl Einführung Hans Freiherr von Soden starb am 02. Oktober 1945 in Marburg;1 sein Einfluss auf den Neubeginn der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck [ELKW] in der Ära Bischof Adolf Wüstemanns kann daher nur ein mittelbarer sein. Dennoch war er beachtlich. Er gestaltete sich über das „Kirchengesetz betreffend die Leitung und Verwaltung der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck“, im Folgenden als Leitungsgesetz [LG] bezeichnet,2 sowie über Bischof Wüstemann selbst, der sich als Schüler von Sodens als dessen Nachlassverwalter im Hinblick auf dessen kirchenjuristisches Werk verstand. Zur Beschreibung des Einflusses von Sodens soll wie folgt vorgegangen werden: In einem ersten Schritt sollen Entstehung, Inhalt sowie die Interpretation des Leitungsgesetzes durch von Soden selbst vorgestellt werden. Daran schließt sich eine Beschreibung des Verhältnisses von Wüstemanns zu von Soden an, soweit aus den Quellen rekonstruierbar, und eine Skizze der sich daraus ergebenden Konsequenzen fürWüstemanns Amtsführung. Schließlich ist auf die ProblematisierungdesVermächtnisses vonSodens inder Landeskirche seit Ende der 1950er Jahre hinzuweisen, die in einen neuen, verfassungsgebenden Prozess mündete, an deren Ende die Grundordnung von 1967 stand. 1 Vgl. Wesseling 1995a. 2 Das „Leitungsgesetz“ in seiner von der Notsynode 1945 verabschiedeten Form findet sich im Kirchlichen Amtsblatt der ELKW 1945, 13–16. 93 Michael Stahl 1. Das Leitungsgesetz als von Sodens Vermächtnis für die ELKW Das Leitungsgesetz wurde von der Notsynode der ELKW, die vom 25.–28. September 1945 in Treysa tagte, als neue Leitungs- und Verwaltungsordnung der Landeskirche verabschiedet. Es sollte dem LeitungsnotstandAbhilfe schaffen, der sich darin zeigte, dass nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft neben dem Landeskirchenamt mit dem Landeskirchenausschuss ein Organ die Führung der ELKW in Händen hatte, das durch die NS- Regierung eingesetzt worden war. Demgegenüber sollte die Notsynode eine rechtmäßige, allein kirchlich legitimierte Leitung und Verwaltung einsetzen und begründen, ohne an die Verhältnisse der Weimarer Republik anzuknüpfen. Einer solchen Anknüpfung stand eine negative Einschätzung der einstigen Leitungsstruktur im Weg, die im Zuge der gemeinsamen sogenannten ‚Kirchenkampferfahrungen‘ von so gut wie allen Protagonisten der Neuordnung geteilt wurde. Insofern beruhten die Entstehung, der Inhalt und die Interpretation des Leitungsgesetzes auf einem breiten Konsens, der von Hans von Soden wesentlich geprägt und von ihm zu Papier gebracht worden war. Bereits 1937 hatte von Soden eine erste Fassung des späteren Leitungsgesetzes erarbeitet: die „Verordnung des Landeskirchenausschusses betreffend die Leitung und Verwaltung der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck“.3 Die Initiative dazu ging vom Landeskirchenausschuss aus, um die ELKW zu rüsten für die Zeit nach seiner Amtszeit, die laut gesetzlicher Befristung eigentlich zum 30.09.1937 hatte enden sollen.4 Ein Führererlass vom 15.02.1937, der die Ablösung der Landeskirchenausschüsse durch gewählte kirchenleitende Organe in Aussicht gestellt hatte, kam nicht zum Tragen, führte jedoch, da er eine erneute Polarisierung der rivalisierenden Kirchenparteien auslöste, zum Zusammenbruch der Landeskirchenausschüsse mit Ausnahme des Ausschusses in Kurhessen-Waldeck.5 Dieser blieb provisorisch im Amt, da er von der „Bekennenden Kirche in Kurhessen-Waldeck“ 3 Vgl. Slenczka 1977, 233–237. 4 Vgl. Meier 1976/84, Bd. 2, 82. 5 Vgl. a.a.O., 148–155. 94 Der Einfluss Hans von Sodens auf den Neubeginn der ELKW gestützt und von den „Deutschen Christen“ nicht gefährdet wurde und gerade in dieser Gemengelage dem NS-Staat Ruhe an der kirchlichen Front in Kurhessen-Waldeck garantierte. Die in seinem Auftrag erarbeiteten Neuordnungspläne verschwanden in der Schublade.6 1945 wurde auf sie zurückgegriffen. Dies geschah insofern zwingend, als die Neuordnung der Landeskirche mit dem Landeskirchenausschuss und der „Bekennenden Kirche von Kurhessen- Waldeck“ von denselben Kräften verantwortet wurde, die schon 1937 an einer neuen Verfassungsstruktur gearbeitet hatten. Ihr Kurs wurde von der Superintendentenkonferenz der Landeskirche ebenso unterstützt wie von den zur Neuordnung hinzugezogenen Vertretern des Pfarrervereins, der Theologischen Fakultät Marburg und des Landeskirchenamtes. Diese Kräfte bildeten mit dem Bruderrat der „Bekennenden Kirche“ den sog. Beirat des Landeskirchenausschusses, ohne dessen Zustimmung der Ausschuss seit Juni 1945 auf eigenen Beschluss hin nicht mehr agierte. Der zentrale Entscheid beiderGremien, des Landeskirchenausschusses und seines Beirates, war der am 27. Juni 1945 in Hephata gefasste Beschluss, eine Notsynode aus berufenen Synodalen einzuberufen, die die Weichen für den Neubeginn der Landeskirche stellen sollte.7 Von Soden gehörte dem „Beirat“ aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit nicht an, korrespondierte aber persönlich und postalisch von zuhause aus insbesonderemit den Vertretern des Bruderrates sowie mit jenem Arbeitsausschuss, der während der Superintendentenkonferenz am 10. und 11. Juli 1945 beauftragt wurde, die einstige „Verordnung des Landeskirchenausschusses betreffend die Leitung und Verwaltung“ zu einem Kirchengesetz zur Vorlage für die Notsynode zu überarbeiten. Dem Ausschuss gehörten mit Wilhelm Lütkemann der Präsident des Landeskirchenamtes, mit Hermann Wepler der Vorsitzende des Pfarrervereins Kurhessen-Waldeck, mit Gottfried Schmidmann der Vorsitzende 6 Vgl. Hein 2009c, 72. 7 Vgl. Protokoll zur Sitzung des Landeskirchenausschusses und seines Beirates v. 27.06.1945, in: Landeskirch-liches Archiv Kassel, Landeskirchenausschuss Präses Happich, Nr. 1. 95 Michael Stahl der Superintendentenkonferenz, mit Karl Lotz der Bruderratsvorsitzende und mit Heinrich Frick der amtierende Dekan der Theologischen Fakultät Marburg an.8 Dieser Arbeitsausschuss nahm an der Verordnung von 1937 keine substanziellen Veränderungen vor, so dass der von ihm erarbeitete Gesetzentwurf den Geist der Auseinandersetzungen der Kirche mit dem Nationalsozialismus atmete. In deren Verlauf hatte sich von Soden durch die Aufstellung einer starken geistlichen Leitung ein wehrhaftes Gegenüber zur staatlichen Obrigkeit erhofft. Demzufolge bildete die Einführung des Bischofsamtes, das an der Spitze der Leitung undVerwaltung der Landeskirche stehen sollte, das Herzstück des Entwurfs. Einzig die Landessynode sollte dem Bischof nominell übergeordnet sein und zu seinem Amt in Spannung stehen. Am Nachmittag des ersten Sitzungstages der Notsynode wurde ihr der Entwurf zum Leitungsgesetz vorgelegt. Seine Einbringung geschah durch den Marburger Superintendenten Gottfried Schmidmann, da von Soden an der Synode aufgrund seiner schweren Erkrankung nicht teilnehmen konnte. Allerdingswar seineAutorität im Sitzungssaal gegenwärtig, als Schmidmann zur Erläuterung des Gesetzes eine Denkschrift von Sodens verlas. Sie stellt die authentische Auslegung des Leitungsgesetzes dar.9 8 Vgl. Frick an Happich v. 11.08.1945, in: Landeskirchliches Archiv Kassel, Landeskirchenausschuss Präses Happich, Nr. 3. Leider ist der beigefügte Entwurf des „Leitungsgesetzes“ vomAnschreiben getrenntworden, so dass nicht zu rekonstruieren ist, welche Fassung den Ausschuss letztlich verließ. Handschriftliche Notizen Friedrich Happichs an einer Entwurffassung in seinen Akten sprechen dafür, dass der Entwurf nochmals von ihm überarbeitet wurde. Seine Korrekturen zielten auf die Vorordnung des Bischofs vor denVizepräsidenten in der Leitungdes Landeskirchenamtes,wie sie das verabschiedete Gesetz in § 5Abs. 3 vorsah. Vgl. Entwurf eines Kirchengesetzes betreffend die Leitung undVerwaltung der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck, einschließlich handschriftlicher Korrekturen Happichs, in: Landeskirchliches Archiv Kassel, Sammlung Kirchenkampf, Nr. 29. Andererseits unterschied sich die dem Protokoll der Notsynode beigeheftete Beschlussvorlage von dem Entwurf in Happichs Akten einschließlich seinerNotizen.Vgl. Protokoll derNotsynode 1945 (1. Exemplar),Anlage 1, in: Landeskirchliches Archiv Kassel. Es muss daher ein mehrschichtiger Redaktionsprozess angenommen werden. Dieser wird durch Lütkemanns Einführungsvortrag zum„Leitungsgesetz“ bestätigt. Vgl. Protokoll derNotsynode (1. Exemplar), 23, in: Landeskirchliches Archiv Kassel. 9 Vgl. Soden (Hans von) 1957/58. 96 Der Einfluss Hans von Sodens auf den Neubeginn der ELKW Zunächst bestätigte von Soden mit der Denkschrift dem Landeskirchenausschuss die Befugnis, als Treuhänder die Landeskirche zu einer neuen Leitung und Verwaltung führen zu dürfen. Leitung und Verwaltung sollten nach dem vorliegenden Entwurf gestaltet werden. Dabei stellte sich die Frage, warum man anstelle einer Überarbeitung nicht die Ordnung der Kirchenverfassung von 1923/24 [KV 1923/24] wiederherstellen wollte, um auf ihrer Grundlage die in ihr gegründeten Leitungsorgane neu zu besetzen.10 Von Soden erteilte solchen Überlegungen eine Absage: Die Verfassung sei bereits 1934 änderungsbedürftig gewesen, was die Jahre des Kirchenkampfes bestätigt hätten. Dabei hatte von Soden den zwischenzeitlichen Einbruch der „Deutschen Christen“ in die Leitung der Landeskirche vor Augen, die 1934 über den Landeskirchentag gelang – zu einemZeitpunkt, als ein geistliches Leitungsamt an der Spitze der ELKW nicht existent war.11 Von Soden beharrte darauf, dass der Notstand, der die Kirche bestimme, „eine seiner tieferen Wurzeln gerade in den unzulänglich gewordenen Bestimmungen“ derKirchenverfassungvon 1923/24 habe.12 ZumBelegdieser These stellte von Soden die Unterschiede zwischen dem Leitungsgesetz und der Kirchenverfassung von 1923/24 heraus, wobei er von der Verfassung kaum Gutes zu berichten wusste. Er warf ihr vor, dem Landeskirchenamt ein Übergewicht in der Kirchenleitung eingeräumt zu haben, während der Landesoberpfarrer, einst das höchste geistliche Amt der Landeskirche, in dessen Person „die Einheit der Landeskirche ihren sichtbaren Ausdruck“ finden sollte (vgl. § 96 Abs. 1 KV 1923/ 24), durch seine kollegiale Einbindung in die Kirchenregierunggeschwächtworden sei. Indemder einstigenKirchenregierung, deren Entscheidungen nach demMehrheitsprinzip zu fällen waren, neben den drei Landespfarrern auch der Vorstand des Landeskirchentages, zwei weitere weltliche Mitglieder desselben sowie der Präsident und ein weiteres nicht-ordiniertes Mitglied des Landeskirchenamtes angehört hatten (vgl. § 99–101 KV 10 Die „Verfassung der evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel“ findet sich in: Kirchliches Amtsblatt. Gesetz- und Verordnungsblatt der evangelischen Landeskirche in Hessen-Cassel 1924, 59–74. 11 Vgl. Kaiser 2012, 263–269. 12 Vgl. Soden (Hans von) 1957/58, 184. 97 Michael Stahl 1923/24), blieb in der Verfassung die Frage offen, „wer in der Landeskirche eigentlich die verantwortliche Führung [innehabe]“. In der Folge räumte die Verfassung dem Landeskirchenamt eine derartige Fülle an Befugnissen ein, „dass ein sachkundiger, fleißiger und energischer Präsident des Landeskirchenamtes tatsächlich die Führung der Kirche“ dominiere, womit „von geistlicher Leitung der Kirche nach diesen Bestimmungen der Verfassung . . . nicht die Rede sein“ könne. Dieser Missstand müsse durch das Leitungsgesetz korrigiert werden, da sich die Landeskirchenämter als nicht fähig erwiesen hätten, die Selbst- und Eigenständigkeit der Kirche gegenüber dem Staat zu sichern.13 Von Soden brachte damit eine Verwaltungsskepsis zum Ausdruck, die in der Notsynode auf breite Zustimmung stieß. Sie war für die kirchlichen Verfassungsdiskussionen der Nachkriegszeit nicht unüblich und fand sich u.a. in der späteren Kirchenordnung der EKHN nochmals verstärkt wieder.14 Dagegen war bemerkenswert, dass es von Soden im Aufbau der „neuen, rein kirchlich bestellten und bestimmten Leitung“15 im Wesentlichen um eine von ordinierten Amtsträgern bestellte Leitung ging. Die geistliche Leitung der Kirche konnte seiner Einschätzung nach nur in den Händen von Geistlichen liegen, weshalb das ordinierte Amt in seiner episkopalen Zuspitzung seiner Konzeption nach gestärkt werden musste. So wies sein Entwurf „dem Landesbischof alle Zuständigkeiten der Leitung zu und beschränkt ihn weder durch Bürokratie noch durch Kollegialismus. Er macht ihn wirklich zur sichtbaren Darstellung der Einheit, Eigenart und Lebendigkeit der Kirche. Alle anderen an der Leitung der Kirche beteiligten Männer – Geistliche, Juristen, Laien – sind seine Mitarbeiter.“ Gebunden sei der Bischof nur durch die Landessynode und deren Vertreter im Rat, „aber auch durch sie nicht in seiner ständigen Amtsführung und seinempositivenWirken – er ist nicht an vorgängige Genehmigungen gebunden –, sondern nur in ernsten Konfliktfällen, in denen Gewissen gegen Gewissen stehen könnte.“16 Seien diese Konflikte nicht zu lösen, müsse der Landesbischof zurücktreten, womit 13 Vgl. a.a.O. 184–186, Zitate 185, 186. 14 Vgl. Wähler 1963, 267–270. 15 Vgl. Soden (Hans von) 1957/58, 183. 16 Vgl. a.a.O., 186 f. 98 Der Einfluss Hans von Sodens auf den Neubeginn der ELKW einer „etwa jemals drohenden Bischofstyrannei“ ausreichend gewehrt sei.17 Die Synode bleibe das höchste kirchenleitende Organ (vgl. § 18 Abs. 1 LG 1945), allerdings nur als letztes Korrekturorgan gegenüber einer unrechten Bischofsherrschaft. ImÜbrigen solle sie die „Leitung und Verwaltung der Landeskirche den dazu bestellten Organen überlassen [ . . . ] Ihre Sache sind die allgemeinen und grundsätzlichen Fragen und dieAusprägung eines kirchlichenGesamtbewusstseins und Gesamtwillens.“18 Von Sodens Konzeption blieb nicht ohne Widerspruch. So legte Pfarrer Wilhelm Wibbeling als Vertreter der Hanauer Union mit seinem „Notgesetz“ einen Gegenentwurf vor, der eine Erneuerung der kirchlichen Organe auf Basis der Kirchenverfassung von 1923/24 anstrebte und die Einführung eines Bischofsamtes, noch dazu eines derart starken mit dem Argument zu verhindern suchte, dass es dem konfessionellen Charakter der Landeskirche nicht entspräche.19 Doch Wibbeling konnte sich ebenso wenig gegen von Soden durchsetzen wie der Präsident des Landeskirchenamtes Wilhelm Lütkemann, der die Stellung seines eigenen Amtes zu stärken gedachte und dazu argumentierte, dem Entwurf sei anzuspüren, dass er aus einer Zeit stamme, in der eine Neuordnung der Kirche nicht anders als nach dem Führerprinzip zu denken war.20 Jener Einwand blieb unbeachtet, sollte aber in den 1960er Jahren noch einmal von Bedeutung sein. Zunächst verabschiedete die Notsynode das Leitungsgesetz gegen die Stimmen Wibbelings und des Hanauer Pfarrers Karl Scheig.21 Und auch die 1. Ordentliche Synode der Landeskirche, die vom 2.–5. Dezember 1947 tagte und das Leitungsgesetz aus einer Übergangs- in eine Verfassungsordnung überführte, nahm keine wesentlichen Veränderungen an der Leitungs- und Verwaltungsstruktur des Leitungsgesetzes vor. Zwar wurde die Position 17 Vgl. a.a.O., 187 (Sperrdruck im Zitat). 18 Vgl. a.a.O., 189. 19 Vgl. Protokoll derNotsynode (1. Exemplar), 27–29, in: LandeskirchlichesArchivKassel; dazuNotgesetzWibbeling, in: LandeskirchlichesArchivKassel, Landeskirchenausschuss Präses Happich, Nr. 3, abgedruckt bei Hein 2009a, 206 f. 20 Vgl. Protokoll der Notsynode (1. Exemplar), 19–23, in: Landeskirchliches Archiv Kassel. 21 Vgl. a.a.O., 69–75. 99 Michael Stahl der Synode nominell gestärkt und der Rat der Landeskirche, nach von Soden lediglich ein Beratungsorgan des Bischofs, im Sinne einer Kirchenregierung durch mehr Vertreter der Synode erweitert, doch blieb die starke Position des Bischofs und sein polares Gegenüber zur Synode erhalten.22 Allerdings traf sich dabei auch 1947 von Sodens Konzeption, die zu Beginn der Synode als tiefe Verpflichtung aus der Zeit des Kirchenkampfes ins Gedächtnis gerufen wurde,23 mit den kirchenleitenden Vorstellungen der Mehrheit der Synodalen, denen es eben nicht darum ging, die Leitungsstruktur der Landeskirche möglichst demokratisch zu gestalten, sondern die im Wesentlichen eine jederzeit handlungsfähige Kirchenleitung wollten – und diese mit Blick auf die unmittelbaren Nachkriegsjahre durch das Leitungsgesetz auch bekamen. Insbesondere im Gegenüber zu staatlichen Stellen hatte die Konzentration der Kompetenzen im Bischofsamt Vorteile, indem sich die Behörden und Ministerien auf das Wort Wüstemanns als Position der Landeskirche verlassen konnten.24 Der entstehenden Partnerschaft zwischen Landeskirche und Landesregierung war dies zuträglich. Andererseits machte die Synode mit ihrer Entscheidung für das Leitungskonzept von Sodens die Landeskirche von der Person des Bischofs in hohem Maße abhängig. Der Amtsführung Wüstemanns kommt daher in der Betrachtung der landeskirchlichenNachkriegsgeschichte grundsätzlich und so auch imHinblick auf ihre Prägung durch von Soden eine hohe Bedeutung zu – noch einmal vor allemdeshalb, weil sichWüstemann als Garant des von Soden’schen Erbes verstand. 22 Vgl. Protokoll der 1. Ordentlichen Landessynode der ELKW v. 02.–05.12.1947, v.a. 92–97, in: Landeskirchliches Archiv Kassel; dazu Hein 1994, 13. 23 Vgl. Protokoll der 1. Ordentlichen Landessynode der ELKW v. 02.– 05.12.1947, 54–66, in: Landeskirchliches Archiv Kassel. 24 Vgl. Stahl 2013, Kap. 7: „Kirche, Staat, Finanzen“. 100 Der Einfluss Hans von Sodens auf den Neubeginn der ELKW 2. Bischof Wüstemann und das kirchenjuristische Erbe von Sodens Adolf Wüstemann wurde am 30.12.1901 in Kassel als Sohn des Postsekretärs Karl Wüstemann und dessen Ehefrau Luise geb. Fackinger, als eines von neun Kindern geboren.25 Er wuchs in Kassel-Wehlheiden auf, gehörte durch sein Elternhaus jedoch der lutherischen Gemeinde der Friedenskirche in Kassel-West an.26 1921 machte er das Abitur am Realgymnasium I in der Kölnischen Straße in Kassel-West. Anschließend absolvierte er eine Lehre bei der Dresdner Bank in Kassel, wo er bis 1926 angestellt war. 1926 begann er, vermittelt durch Hermann Schafft, einem der führendenMänner der Kasseler Jugendbewegung, und unterstützt durch die „Studienstiftung des Deutschen Volkes“, das Studium der Ev. Theologie in Bethel (WS 1926/27–WS 1927/28), Berlin (WS 1929/30) und Marburg (SS 1928–SS 1929; SS 1930–WS 1931/32).27 Aus den Marburger Studienjahren resultierte seine Beziehung zu von Soden. Von Soden war einer von Wüstemanns Professoren und vermutlich seinVertrauensdozent imRahmen seiner Förderungdurch die „Studienstiftung des Deutschen Volkes“.28 Mit seinem Schlusswort auf der Notsynode bezeichnete Wüstemann von Soden als „meinen hochverehrten Lehrer und väterlichen Freund“.29 Jene Schülerschaft Wüstemanns, die über das übliche Verhältnis von Studenten und Professoren und auch über das Studium selbst hinausging,wird unter anderen bestätigt durch einenBrief vonKatharina Staritz kurz nachvonSodensTod, indem sie Wüstemann zu dessen Schülerkreis zählte und sich darin mit Wüstemann verbunden wusste.30 Zudem sind Zeugnisse eines direkten Briefverkehrs zwischenWüstemann und von Soden –wenn 25 Vgl epd/Landesdienst Hessen Nr. 96 v. 27.12.1962. 26 Vgl. Nachruf Heldmann, in: Gemeindebrief Kassel-Wehlheiden v. Februar 1966, in: Kirchengemeindearchiv Kassel-Wehlheiden. 27 Vgl. epd/Landesdienst Hessen Nr. 96 v. 27.12.1962; dazu Personalnachweis Wüstemann, in: Landeskirchliches Archiv Kassel, LKA PA, Nr. 2546. 28 Vgl. Kunze 2001, 171. 29 Vgl. Protokoll der Notsynode (1. Exemplar), 149 f., in: Landeskirchliches Archiv Kassel. 30 Vgl. Staritz an Wüstemann v. 19.11.1945, in: Landeskirchliches Archiv Kassel, Sammlung Kirchenkampf, Nr. 178. 101 Michael Stahl auch nur sehr wenige – erhalten. Aus ihnen sticht ein von Wüstemann zitierter Brief von Sodens an ihn hervor, in dem von Soden Wüstemann zu seiner Bischofswahl gratuliert und ihn in seinen Aufgaben insofern ermutigt, als beide die Fragen und Aufgaben des Amtes bereits im Vorfeld der Synode miteinander besprochen hätten. ZudemwirdWüstemann eingeladen, von Soden an seinem Krankenbett zu besuchen.31 Der Brief macht deutlich, dass von Soden die Kandidatur Wüstemanns gewünscht, wahrscheinlich sogar mitvorbereitet hatte. Immerhin war Wüstemann der offizielle Kandidat der „BekennendenKirche in Kurhessen-Waldeck“ gewesen. Der Brief beschreibt darüber hinaus aber auch so etwas wie eine direkte Bevollmächtigung Wüstemanns durch von Soden, eine Art private Bischofsordination, eine Einsetzung Wüstemanns als Verwalter des durch von Soden konzipierten Bischofsamtes. Dass Wüstemann sich so verstand, zeigen verstärkt Aussagen am Ende seiner Dienstzeit, als sein Amt und die damit verbundene Leitungsstruktur vermehrter Kritik ausgesetzt und daher verstärkt zu verteidigen waren. Auch jenen Brief von Sodens machte Wüstemann in diesem Zusammenhang 1962 öffentlich. Für Wüstemann stellte die 1945 gefundene Leitungsordnung der ELKW, die Argumentation aus von Sodens Denkschrift aufnehmend, eine notwendige Errungenschaft des Kirchenkampfes dar.32 Hinzu trat ein systematisch-theologischer Argumentationskreis. Wüstemann hielt die Gegenüberstellung von Amt und Gemeinde bzw. von Bischof und Synode, die ein Strukturprinzip des Leitungsgesetzes von Sodens bildete, für ein dem reformatorischen Bekenntnis entsprechendes, unumstößliches Axiom einer evangelischen Kirchenordnung, indem er das in Confessio Augustana [CA] V angeführte „Predigtamt“ mit dem ordinierten Amt identifizierte und dasselbe als von Gott im Gegenüber zur hörenden Gemeinde gestiftet verstand. Die ebenfalls in der Landeskirche und insbesondere im Rat der Landeskirche vertretene Gegenposition verstand 31 Vgl. Rundbrief des Bischofs an die Synodalen, Dekane und Pfarrer der ELKW v. 22.10.1962, in: Landeskirchliches Archiv Kassel, Liturgische Kammer, Nr. 76. 32 Vgl. Verhandlungen der außerordentlichen Tagung der 3. Landessynode der ELKW von Montag, dem 30. Mai bis Donnerstag, den 2. Juni 1960 zu Treysa-Hephata, Kassel 1960, 111 f. 102 Der Einfluss Hans von Sodens auf den Neubeginn der ELKW das „Predigtamt“ aus CA V dagegen als der Gemeinde eingestiftete Verkündigungsfunktion, die von ihr auf von ihr ausgewählte Funktionsträger übertragenwurde. Der aus den unterschiedlichen Positionen resultierende theologische Disput wurde offenkundig, als die Liturgische Kammer 1960 dem Rat der Landeskirche eine Vorlage für eine neue Ordinationsagende unterbreitete und damit die Verfassungsdebatte um eine theologische Grundsatzdiskussion über das Verhältnis von Amt und Gemeinde unterfütterte.33 Sie führte in der von der Synode verabschiedeten Ordinationsagende zu Kompromissformulierungen, die für die Vertreter beider Positionen wenig befriedigend waren.34 Vor allem aber zeigte auch diese Diskussion den Synodalen sehr deutlich, dass Wüstemann nicht bereit war, die Leitungsstruktur der ELKW grundsätzlich zu reformieren, obgleich der Unmut über die Missstände dieser Struktur seit Ende der 1950er Jahre unüberhörbar war. So mussten vor und mit einer Verfassungsreform zwei Vorgänge einhergehen: Zum Einen die Ablösung Wüstemanns als Bischof der Landeskirche und zum Zweiten eine Emanzipation gegenüber dem kirchenjuristischenVermächtnis von Sodens bzw. ganz konkret gegenüber dem Vermächtnischarakter, den das Leitungsgesetz angenommen hatte. 3. Die Problematisierung des Erbes von Sodens seit Ende der 1950er Jahre Das Leitungsgesetz hatte eine „polare Spannung“ zwischen Bischof und Synode etabliert,35 dem Bischof eine Überfülle an kirchenleitenden und kirchenverwaltenden Kompetenzen zugewiesen, die Synode aber zum „oberste[n] Träger der landeskirchlichen 33 Vgl. Alfred Niebergall, Praktischer Theologe an der Marburger Fakultät, an Landeskirchenamt Kassel v. 13.08.1960, in: Landeskirchliches Archiv Kassel, SB Wüstemann, Nr. 257; dazu Protokoll der 50. Sitzung des Rates der Landeskirche v. 30.11.–01.12.1960, in: Landeskirchliches Archiv Kassel, SB Wüstemann, Nr. 330. 34 Vgl. Verhandlungen der 2. außerordentlichen Tagung der 3. Landessynode der ELKW vom 26. bis 28. Februar 1962 zu Treysa-Hephata, Kassel 1962, 15–41, 72–110. 35 Vgl. Hein 1994, 13. 103 Michael Stahl Gewalt“ erklärt (vgl. §1 Abs. 1 LG). Jene Funktion allerdings konnte die Synode, die sich nach den Intentionen von Sodens mit den „allgemeinen und grundsätzlichen Fragen“ und der „Ausprägung eines kirchlichen Gesamtbewusstseins und Gesamtwillens“36 beschäftigen und begnügen und ansonsten als letztes Kontrollorgan der bischöflichen Kirchenleitung agieren sollte, nicht erfüllen. Dazu standen ihr eben jene Aufgabenbeschreibung und ihr regelmäßiger Tagungsturnus von zwei Jahren im Weg. Zur Durchsetzung ihrer Kompetenzen und Interessen kam demweithin aus der Synode gespeisten, aber nur zum Teil von der Synode gewählten Rat eine zentrale Bedeutung zu. Zwar sollte dieser nach von Sodens Konzeption lediglich als Beratungsorgan des Bischofs agieren, doch stellte er in der Praxis seines Wirkens eine mit gesetzgeberischen Kompetenzen und dem Etatrecht der Landeskirche versehene Kirchenregierung dar. Seine Stellung zwischen Synode und Bischof war dabei spätestens mit der von der Synode 1947 beschlossenen Veränderung seiner Zusammensetzung uneindeutig geworden. Denn trotz des Bemühens, durch die veränderte, stärker durch die Synode geprägte Zusammensetzung den Einfluss der Synode in der Kirchenleitung auszubauen, blieb der Rat der Landeskirche für zahlreiche der nicht in ihm vertretenen Synodalen ein dem episkopalen Element der Kirchenleitung zugeordnetes Organ – dies umso mehr, als der Rat seine Gesetzgebungskompetenz nutzte und die Synode gelegentlich vor vollendete Tatsachen stellte, d.h. sie über Kirchengesetze abstimmen ließ, die der Rat bereits vorläufig in Geltung gesetzt hatte. Allerdings wurde, wie bereits erwähnt, die Schwäche der Synode in den Anfangsjahren der Neuordnung zum Teil hingenommen, zum Teil befürwortet. Dies änderte sich mit dem Zusammentreten der dritten gewählten Landessynode 1959 unter Leitung ihres neuen Vorsitzenden, des Amtsgerichtsrats Hans Hartmann Freiherr von Schlotheim.37 36 Vgl. Soden (Hans von) 1957/58, 189. 37 Hans-Hartmann Freiherr von Schlotheim wurde am 04.08.1910 in Bromberg/Westpreußen geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft begann er eine Beamtenlaufbahn in Breslau. Eine Beschäftigung im Justizdienst blieb ihm nach eigener Auskunft infolge eines Ehrgerichtsverfahrens vor dem NS-Rechtsverwahrerbund in Breslau 1935 verwehrt. Ihm sei der Besuch eines Kurses zur Vorbereitung auf das Staatsexamen, der von einem Juden geleitetet worden war, zur Last gelegt worden. 1939–1944 leistete er 104 Der Einfluss Hans von Sodens auf den Neubeginn der ELKW Zwar blieb das Leitungsgesetz während der gesamten Geltungsdauer nie unangefochten, doch war die Kritik daran bis Ende der 1950er Jahre nicht über die Einwände Einzelner hinausgekommen. Der Funke, an dem sich die Diskussion 1959 in nicht gekannter Heftigkeit entzündete, war das Etatrecht bzw. die Finanzhoheit der Synode. Das Leitungsgesetz hatte der Synode kein Etatrecht eingeräumt. Dieses lag beim Rat. Ihm kamen die Rechte zu, den Haushaltsvoranschlag der Landeskirche zu genehmigen, die Jahresrechnung zur Entlastung vorzulegen und die Finanzen der Landeskirche durch Sachverständige prüfen zu lassen. Diese Kompetenzzuweisung war bei der Verabschiedung des Leitungsgesetzes nicht problematisiert worden, da der landeskirchliche Etat in jenen Jahren verhältnismäßig klein war, weithin zweckgebundene Mittel aufwies und sich neben den Staatsleistungen aus einer von den Gemeinden an die Landeskirche überwiesenen Umlage speiste. Das Besteuerungsrecht und damit die Hoheit über die Einnahmesituation lagen bei den Gemeinden. Dieser Umstand kehrte sichmit der Umstellung vomOrtskirchen- auf das Landeskirchensteuersystem 1949 um. Von nun an kam der Landeskirche die Hoheit über die wachsenden Mittel der Gesamtkirche und ihrer Gemeinden zu, ohne dass das Leitungsgesetz an die veränderten Bedingungen Wehrdienst. 1945 floh von Schlotheim über Sachsen nach Hofgeismar, der Heimat der Familie seiner Ehefrau. 1946 trat er in den hessischen Justizdienst ein. Von 1947 bis zu seiner Pensionierung 1975 war er am Amtsgericht in Hofgeismar als Amts- und Oberamtsrichter tätig. Von Schlotheim engagierte sich mit Nachdruck für die Arbeit der Evangelischen Akademie der ELKW. 1949 nahm er erstmals an einer Juristentagung der Akademie teil, bald darauf agierte er als Mitglied in deren Konvent bzw. Kuratorium der Akademie. Ab 1958 führte er als nebenamtlicher Studienleiter der Akademie insgesamt 125 Tagungen selbständig durch. Von Schlotheim starb am 13.02.1991 in Hofgeismar. Zur Biographie vgl. „Kirchenrat Hans-Hartmann Frhr. v. Schlotheim zum 70. Geburtstag“, in: Anstösse 27, 1980, 115 f.; „Zum Tod von Hans-Hartmann Freiherr von Schlotheim“, in: Anstösse 38, 1991, H. 3.3; Meldebogen auf Grund des Gesetzes zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 05.03.1946 v. 26.04.1946 (gez. von Schlotheim); Großhessisches Staatsministerium. Der Minister für Wiederaufbau undpolitische Befreiung.Der öffentlicheKläger bei der SpruchkammerHofgeismar (Az.: Ho/ 33/ 46; gez.: Der Vorsitzende der Spruchkammer) an von Schlotheim v. 06.07.1946, beides in: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, 520/ Ho Nr. 33/ 46. 105 Michael Stahl angepasst wordenwäre. Zwar existierte zur Unterstützung des Bischofs bereits seit der Notsynode ein synodaler Finanzausschuss, doch waren dessen Rolle im Leitungsgefüge der ELKW und seine Kompetenzen zu keinem Zeitpunkt eindeutig bestimmt worden. Seine Einsetzungwar ad-hoc geschehen. Seine Bestätigung undErneuerung durch folgende Landessynoden wurde sporadisch vollzogen und stand in der zweiten Legislatur der Synode seit 1953 nicht mehr auf der Tagesordnung. Doch auf der Landessynode 1960 warf der Kasseler Pfarrer Walter Nagel nun die Frage nach dem Etatrecht der Landeskirche mit Nachdruck auf. Er forderte die Einsetzung eines synodalen Finanzausschusses und verwies dazu – da das Leitungsgesetz ständige synodale Ausschüsse nicht kannte – auf die „Kompetenz- Kompetenz“ der Synode: Die Synode könne als oberstes landeskirchlichesOrgan auch dann ständigeAusschüsse einsetzen,wenn das Leitungsgesetz von dieser Möglichkeit schweige.38 Das waren neue Töne, die Wüstemann als Verstoß gegen die von von Soden geprägten Verfassungsprinzipien scharf zurückwies, dabei aber auf den Widerstand von Schlotheims stieß, der als Vorsitzender der Synode den Ausführungen Nagels zustimmte und damit offen Position gegen den Bischof und seine auf von Soden gestützte Argumentation bezog.39 Auf diese Weise öffnete die Finanzdiskussion das Tor zu einer Neuinterpretation des Leitungsgesetzes abseits der Denkschrift von Sodens. Denn die Debatte um die Einsetzung eines synodalen Finanzausschusses weitete sich rasch aus zu einer Grundsatzdebatte um die landeskirchliche Verfassung, die in schneller Folge weite Kreise zog. So veranstaltete die „Bekennende Kirche von Kurhessen-Waldeck“ imHerbst 1960 einen Konvent zum Thema „Kirchenordnung“ und setzte gar eine „Kommission für Verfassungsfragen“ ein, die das Leitungsgesetz kritisch überprüfen sollte.40 38 Vgl. Verhandlungender außerordentlichen Tagungder 3. Landessynode der ELKW (30.05.–02.06.1960), a.a.O., 86–88. 39 Vgl. a.a.O., 88–97. 40 Vgl. Eugen Sauer, „Um das Leitungsgesetz. Bericht vom Herbstkonvent der BKKW für den epd-Informationsdienst (Landeskirchlicher Monatsspiegel)“, in: Landeskirchliches Archiv Kassel, SB Wüstemann, Nr. 14. 106 Der Einfluss Hans von Sodens auf den Neubeginn der ELKW Im Juni 1961 zog der Pfarrerverein als Schwergewicht der landeskircheninternen Meinungsbildung nach und veranstaltete seinerseits eine Tagung zu den Themen „Gemeinde und Amt“ und „Kirchenordnung in der Gegenwart“.41 Wüstemann, der die bestehende Ordnung und damit in gewisser Weise die Kirchenordnung der Vergangenheit stets als unumstößlich verteidigte, verlor seinen Rückhalt innerhalb der kirchenleitenden Organe. Im Herbst 1962 wurde er vom Rat der Landeskirche zum Rücktritt gedrängt. Gleichzeitig leitete der Rat in Abwesenheit des Bischofs die Reform des Leitungsgesetzes ein, indem er einen Rechtsausschuss zu dessen Überprüfung und Abgleichung mit der in Teilen nach wie vor gültigen Kirchenverfassung von 1923/24 bestellte.42 Noch im Dezember 1962 nahm der Rechtsausschuss seine Arbeit auf. Bereits im März 1963 legte der Ausschuss der Synode eine erste Konzeption zur Neuordnung der Leitung und Verwaltung der Landeskirche vor, welche die Kompetenzen des Bischofs einschränken sollte – allerdings vornehmlich zu Gunsten des Rates.43 Die Synode bewies im folgenden verfassungsgebenden Prozess jedoch Zähigkeit und erstritt sich die von ihr gewünschten Rechte, allen voran das alleinige Gesetzgebungs- sowie das Etatrecht.44 Allerdings setzte jene Neubestimmung der Synode eine Emanzipation von von Sodens Leitungskonzept insofern voraus, als von Soden die Stärke des Bischofs im Gegenüber zur Synode einst mit Erfahrungen aus der Zeit des Kirchenkampfes begründet hatte. An einer derart starken Begründung konnte man auch Mitte der 41 Vgl. „Einladung zur Hauptversammlung des Pfarrervereins in Melsungen 1961“, in: PBlKW 1961, 77; „Hauptversammlung des Pfarrervereins 1961 (Bericht)“, in: PBlKW 1961, 110–112; Ulrich Scheuner, „Kirchenordnung in der Gegenwart“ (gekürzte Form seines Vortrages inMelsungen), in: PBlKW 1961, 141–146. 42 Vgl. Protokoll der 62. Tagung des Rates der Landeskirche v. 09.–10.10.1962, in: Landeskirchliches Archiv Kassel, SB Vellmer, Nr. 103. 43 Vgl. Konzeption für die künftige verfassungsrechtliche Stellung der Leitungsorgane der Landeskirche, in: Verhandlungen der 3. außerordentlichen Tagung der 3. Landessynode der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck vomMontag, den 4. März bis Freitag, den 8. März und vom Montag, den 27. Mai bis Dienstag, den 28. Mai 1963 zu Hofgeismar, Kassel 1963, 146–151. 44 Vgl. Grundordnung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck v. 22.05.1967 [GO], in: KA ELKW 1967, 19–35. 107 Michael Stahl 1960er Jahre nicht einfach vorübergehen. Von Sodens Leitungskonzept musste also auch von dieser Warte her kritisch beleuchtet werden. Dies geschah, indem der auf der Notsynode geäußerte Einwand Lütkemanns,man könne demLeitungsgesetz eine Beeinflussungdurchdas Führerprinzip abspüren,wieder aufgenommen wurde.45 So meinte der Landessynodale Pfarrer Joachim Stahl46 im Zuge der 1. Lesung des Entwurfs zur Grundordnung der EKKW während der Landessynode 1965/66, es müsse mit dem „Mythos“ aufgeräumt werden, das Modell von Sodens zur Leitung und Verwaltung entspreche den Erfahrungen des Kirchenkampfes. Laut diesen hätte es einen konsequenten Aufbau der Kirche von den Gemeinden aus gebenmüssen, während Kurhessen-Waldeck – bei aller Achtung vor dem einstigen Bruderratsvorsitzenden – einen Sonderweg gegangen sei, der mit dem starken Bischofsamt das Führerprinzip in die Kirchenverfassung eingespeist habe.47 Armin Füllkrug, seinerzeit amtierender Vizepräsident der Landeskirche, hatte jene Interpretation des kirchenrechtlichen Werkes von Sodens durch eine Veröffentlichung in einer Festschrift für Wilhelm Maurer öffentlich und damit zitierfähig gemacht.48 In jenem Vorwurf findet sich die Frage nach den Wurzeln der Bischofskonzeption von Sodens wieder. Sie lässt sich nach dem bisherigen Stand der Forschung zur Biographie von Sodens nicht abschließend beantworten. Offensichtlich ist, dass von Soden in den Synodalverhandlungen zur Verfassung der Altpreußischen Union 1922/23 ein Konzept vertrat, welches das Leitende Geistliche Amt vom Tagesgeschäft der Leitung und Verwaltung einer Landeskirche trennte. Geistliche Leitung sollte dabei im Wesentlichen auf demWort und Charisma des Amtsträgers beruhen.49 Die 45 Vgl. Soden (Hans von) 1957/58; dazuProtokoll derNotsynode (1. Exemplar), 19–23, in: Landeskirchliches Archiv Kassel. 46 1928–2002; seinerzeit Pfarrer in Obergeis. 47 Vgl. Verhandlungen der 1. ordentlichen Tagung der 4. Landessynode der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck vomMontag, den 29. November bis Freitag, den 3. Dezember 1965 und vom Dienstag, den 22. März bis Donnerstag, den 24. März 1966 zu Hofgeismar, Kassel 1966, 46–49. 48 Vgl. Füllkrug 1965. 49 Vgl. Bericht über die Verhandlungen der Außerordentlichen Kirchenversammlung zur Feststellung der Verfassung für die evangelische Landeskirche der älteren Provinzen Preußens vom24. bis 30. September 1921 und vom 108 Der Einfluss Hans von Sodens auf den Neubeginn der ELKW Erfahrung aus der Zeit des Nationalsozialismus lehrten ihn aber, dassCharisma allein zur Sicherung einerKirche gegendieÜberformung durch außerkirchliche Einflüsse nicht ausreichte. Zunächst ist im Gespräch mit den Kritikern von Sodens jedoch festzuhalten, dass dieser im selben Jahr, in dem er die einstige „Verordnung des Landeskirchenausschusses betreffend die Leitung und Verwaltung“ entwarf, in einem Kommentar zur Barmer Theologischen Erklärung der Übernahme des Führerprinzips in die Kirche eine klare Absage erteilte. Das staatliche Führeramt, so von Soden, könne in der Kirche keinen Platz finden, da es auf Herrschaft hin konzipiert sei, während kirchliche Ämter als Dienst zu verstehen seien.50 Andererseits wird man nicht übersehen dürfen, dass jener Dienstcharakter in zeitgenössischenWerken auch in Bezug auf das Führerprinzip formuliert wurde. Ich zitiere beispielhaft aus Ernst Rudolf HubersVerfassungsrecht des Großdeutschen Reiches von 1939: „Der Führer vereinigt in sich alle hoheitliche Gewalt des Reiches; alle öffentlicheGewalt im Staatwie in der Bewegung leitet sich von der Führergewalt ab. [ . . . ] Denn nicht der Staat als eine unpersönliche Einheit ist der Träger der politischen Gewalt, sondern diese ist dem Führer als demVollstrecker des völkischen Gemeinwesens gegeben. Die Führergewalt ist umfassend und total; sie vereinigt in sich alle Mittel der politischen Gestaltung; [ . . . ] Die Führergewalt ist nicht durch Sicherungen und Kontrollen, durch autonome Schutzbereiche und wohlerworbene Einzelrechte gehemmt, sondern sie ist frei und unabhängig, ausschließlich und unbeschränkt. Aber“, so Ernst Rudolf Huber weiter, „sie ist nicht selbstherrlich, und sie bedeutet keine Willkür, sondern trägt ihre Bindung in sich selbst. Sie geht vomVolke aus, d.h. sie ist demFührer vomVolke anvertraut, sie ist umdesVolkeswillen da, sie hat ihre Rechtfertigung aus dem Volk. Sie ist frei von allen äußeren Bindungen, weil sie im Inneren ihres Wesens aufs stärkste gebunden ist an das Schicksal, 29. August bis 29. September 1922, Erster Teil: Sitzungsverhandlungen, hg. vomRedaktionsausschussderVerfassungsgebendenKirchenversammlung, Berlin 1923, 122–126, 1016–1026. 50 Vgl. Hans von Soden, „Artikel I der Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche vom Juli 1933 und die Barmer Theologische Erklärung“, in: Soden (Hans von) 1951/56, Bd. 2, 272–293, hier 285–287. 109 Michael Stahl an das Wohl, an die Aufgabe, an die Ehre des Volkes.“51 Die Ähnlichkeiten einer solchen Definition mit von Sodens Äußerungen zur Bischofsgewalt in seiner Denkschrift von 1945 sind nicht zu leugnen. Doch mit Blick auf von Sodens Kommentar zur Barmer Theologischen Erklärung und seiner Rolle als Vorsitzendem der „Bekennenden Kirche in Kurhessen-Waldeck“ scheidet eine Ableitung seiner Bischofskonzeption vom nationalsozialistischen Führerprinzip aus – meines Erachtens bereits 1937, als man die Übernahme des Führerprinzips in die Kirchenverfassung als taktisches Zugeständnis gegenüber dem Staat hätte werten können. Ihre Prägung könnte die Bischofskonzeption von Sodens vielmehr, wie der bedeutende Verfassungsrechtler Rudolf Smend 1956 in einemBrief an Wüstemann vermutete, durch „einen gewissen Einschlag jugendbewegter Führerideologie“ erhalten haben.52 Dies unterstreichend, zitiere ich eine Passage aus dem im Umfeld der Marburger Theologischen Fakultät entstandenen Berneuchener Buch, die dezidiert für die Einführung des Bischofsamtes in der evangelischen Kirche eintritt: „Es entspricht dem Wesen der evangelischen Kirche, dass sie unter der Führerschaft eines Mannes steht. In solcher bischöflichen Leitung ist die lebendige Führung durch das Zeugnis des Gewissens für die wechselnde Stunde gewahrt. Aber das gilt doch nur, solange der Führer selbst wirklich von dem Herrn geführt ist. Aber ebenso weist die Führerschaft eines Kreises solidarischer Führer mit besonderer Eindringlichkeit auf die Führung durch den unsichtbaren Herrn der Kirche; aber auch das gilt nur, solange der Kreis führender Menschen in der Stunde der Beratung die Einheit im Geist erringt. Darum müssen sich der lutherische Bischofsgedanke und die reformierte Synodalverfassung verbinden. [ . . . ] Was man heute Kirchenverfassung nennt, der Aufbau eines demokratisch kontrollierten Verwaltungsapparates, hat mit der Führung und Gestalt der Kirche kaum etwas zu tun. Es ist ein Unfug, die nötigen Einrichtungen zur Leitung und Verwaltung mit einer Autorität und Würde zu umkleiden, die nur der geistlichen Führung der Kirche gebührt. Mit der bloßen Umbenennung von Generalsuperintendent in Bischof ist es wirklich nicht getan. 51 Vgl. Huber 1939, 230. 52 Vgl. Smend an Wüstemann v. 15.09.1956, in: Landeskirchliches Archiv Kassel, SB Wüstemann, Nr. 118. 110 Der Einfluss Hans von Sodens auf den Neubeginn der ELKW Erst die ehrliche Unterscheidung der Aufgabe der Verwaltung von der der geistlichen Führung und die entschlossene Unterordnung, wir sagen nicht der Juristen unter die Theologen, aber der Verwaltung unter die Führung (wenn auch in einer Person), schafft Raum dafür, dass die Kirche auch in ihrer Gestalt und Regierung transparent werde und ein Hinweis auf die Vollendung der Gemeinde.“53 Auch zwischen diesen Gedanken, entwickelt im Umfeld der Marburger Fakultät, und von Sodens Denkschrift von 1945 bestehen erstaunliche Parallelen, ohne dass eine Abhängigkeit nachgewiesen werden könnte. So ist im Kern der auf die Ziele der Bekennenden Kirche gründeten Einschätzung Martin Heins zu folgen, der 1991 in Bezug auf die dem Leitungsgesetz vorangehende „Verordnung“ von 1937 feststellte: „Charakteristisch für diesen Entwurf war das Bestreben, die Leitung der Landeskirche [ . . . ] bischöflich zu strukturieren – nun aber nicht, um die geistliche Leitung der Kirche dem staatlichen Führerprinzip anzupassen, sondern umgerade ein starkes Gegengewicht gegenüber dem Staat zu gewinnen und die Eigenständigkeit der Kirche herauszustellen.“54 Über die Quellen der von Soden’schen Leitungskonzeption lässt sich diskutieren. Dabei wäre auch der Einfluss seiner altkirchlichen Studien auf seine Bischofskonzeption zu prüfen. Doch solche Diskussion bzw. solcher Streit, der notwendig die Abwägung verschiedener Argumentationen und deren differenzierte Wahrnehmung und Bewertung einschließt, wurde Anfang der 1960er Jahre in der Synode der Landeskirche nicht geführt. Zur Distanzierung von der Leitungskonzeption von Sodens war der Modus der Polemik völlig ausreichend. 53 Vgl. Das Berneuchener Buch. Vom Anspruch des Evangeliums auf die Kirchen der Reformation, hg. von der Berneuchener Konferenz,Hamburg 1926, 131 f. 54 Vgl. Hein 2009c, 72. Die Erstveröffentlichung des Aufsatzes erfolgte 1991 in der Zeitschrift für Rechtsgeschichte 108/ Kanonistische Abteilung 77, 406– 427. 111 Michael Stahl Festzuhalten sind daher in diesemDistanzierungsprozess drei einfache Sachverhalte: • Das Leitungskonzept von Sodenswar stark auf das Amt und die Person des Bischofs konzentriert. • Die Synode der ELKW wollte sich in den 1960er Jahren von diesem Leitungskonzept verabschieden, um ihre eigene Rolle zu stärken. • Diesem Bemühen was es dienlich, in Bezug auf das Leitungsgesetz von einer Übernahme des Führerprinzips zu sprechen und sich auf diese Weise von dem Leitungskonzept von Sodens zu distanzieren. Fazit Hans von Soden legte der ELKW 1945 ein Leitungskonzept vor, das auf Erfahrungen der Landeskirche aus der Zeit des Nationalsozialismus verweisen konnte, darum breite Zustimmung fand und in denAnfangsjahren der landeskirchlichenNeuordnung aufgrund seines praktischen Nutzens zu überzeugen wusste – auch deshalb, weil Bischof Adolf Wüstemann als Schüler von Sodens sein Amt gemäß dessen Vorgaben gestaltete. Andererseits führte der Vermächtnischarakter, den das Leitungsgesetz nach dem Tod von Sodens annahm und den Wüstemann pflegte, dazu, dass die Landeskirche eine frühzeitige, geordnete Reform des Leitungsgesetzes verpasste. Eine solche hätte zumindest nach der Kirchensteuerreform 1949 in Bezug auf das landeskirchliche Etatrecht angestanden, erfolgte aber im Sinne einer Einpassung der ELKW in das sie umgebende gefestigte demokratische Umfeld auch in den Folgejahren nicht. Es kam zu einem Reformstau bezüglich der Verfassung, der sich auch in anderen Feldern des kirchlichen Lebens, die hier nicht näher berührt wurden, so in der Öffentlichkeitsarbeit undder Liturgie, äußerte.Mit der dritten gewähltenLandessynode wurde der Reformstau offen kritisiert. Der Ärger darüber entlud sich im Bruch mit Wüstemann und in der Emanzipation von dem Leitungskonzept von Sodens. Dennoch schüttete die Landessynode mit der Reform der Kirchenverfassung das Kind nicht mit dem Bade aus. So wurde mit 112 Der Einfluss Hans von Sodens auf den Neubeginn der ELKW der Grundordnung der EKKWvon 1967 gegenüber dem Leitungsgesetz die „polare Spannung“ zwischen Bischof und Synode in ein komplementäres „Miteinander und Gegenüber“ aller fünf, einst durch das Leitungsgesetz eingeführten Leitungsorgane überführt.55 Das heißt: An der grundsätzlichen Struktur der Leitung und Verwaltung, bestehend aus Synode, Bischof, Rat, Pröpsten und dem Landeskirchenamt wurde nicht gerüttelt, sondern ihre Zuordnung wurde neu justiert, wobei insbesondere die Rechte und Kompetenzen der Synode aufgewertet wurden und das Landeskirchenamt als eigenverantwortliches Kollegialorgan eine seiner Bedeutung entsprechendeAnerkennung erfuhr.DieNeujustierung brachte das Leitungskonzept von Sodens mit den auf seiner Grundlage seit 1945 gesammelten Erfahrungen ins Gleichgewicht. 55 Vgl. Hein 1994; dazu Knöppel 2000. 113

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References

Zusammenfassung

Neben seinem Freund Rudolf Bultmann war Hans von Soden der führende Kopf der Theologischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg. Neben seiner akademischen Tätigkeit nahm er großen Einfluss auf das kirchenpolitische Geschehen seiner Zeit in Nordhessen und darüber hinaus. Insofern prägte er den sog. Kirchenkampf in seiner Landeskirche entscheidend mit. Seine verfassungsrechtlichen Vorarbeiten prägten über seinen frühen Tod hinaus die Strukturen des Neubeginns seiner Landeskirche. – Der vorliegende Band enthält die Beiträge einer Fachtagung, die 2012 in der Ev. Akademie Hofgeismar stattfand.