6 Fazit in:

Jennifer Kölsch

Beteiligung an beruflicher Aufstiegsfortbildung, page 91 - 94

Gegenüberstellung der Inhalte der DIHK-Rahmenlehrpläne und deren Anwendung in der betrieblichen Praxis

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-4098-0, ISBN online: 978-3-8288-6944-8, https://doi.org/10.5771/9783828869448-91

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Pädagogik, vol. 45

Tectum, Baden-Baden
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91 6 Fazit Eines der Hauptproblemfelder in der Gastronomie ist die Personalgewinnung. Einigen Mitarbeitern fehlt es an Motivation, eine Weiterbildung durchzuführen. Außerdem werden Weiterbildungsmaßnahmen von den Unternehmen oft nicht honoriert. Die Arbeit hat erörtert, ob die Ursache möglicherweise darin liegt, dass die Inhalte der DIHK-Rahmenlehrpläne in der betrieblichen Praxis keine oder nur geringe Anwendung finden. Folgende Forschungsfrage sollte beantwortet werden: Finden die Inhalte der DIHK- Rahmenlehrpläne für die Aufstiegsfortbildungen Geprüfter Küchenmeister IHK und Geprüfter Restaurantmeister IHK in der betrieblichen Praxis Anwendung? Um die Inhalte der DIHK-Rahmenlehrpläne mit deren Anwendung in der Praxis zu vergleichen, wurden Experteninterviews durchgeführt und anschließend analysiert. Die in der Arbeit betrachteten Aufstiegsfortbildungen stellen einen weiteren Kompetenzerwerb, die Steigerung der Qualifizierung und der Niveau-Stufe auf Stufe 6 des DQR bei den Teilnehmern dar. Hierbei soll eine Erweiterung der Fach-, Sozial- und Selbstkompetenz erreicht werden, die den Absolventen ihren beruflichen Alltag in vieler Hinsicht erleichtern soll. Aufgrund der Gestaltung der DIHK-Rahmenlehrpläne in die wirtschafts- und handlungsspezifischen Qualifikationen erfolgt eine Erweiterung der Kompetenzen in erster Linie innerhalb der Fachkompetenz und nicht, wie in den Niveau-Stufen des DQR festgehalten, in allen drei Kompetenzen. Aufgrund der identischen wirtschaftlichen Qualifikationen unterschiedlicher Fach- und Meisterabschlüsse der IHK ist eine Handlungsorientierung innerhalb der einzelnen Abschlüsse nicht möglich, da jeder Abschluss eine andere berufliche Orientierung hat und daher auch andere Inhalte vermittelt werden sollten. Die Befragung der Experten hat ergeben, dass innerhalb der betrieblichen Praxis eine geringe Anwendung der Inhalte der DIHK- Rahmenlehrpläne stattfindet und einige Inhalte aufgrund einer abstrakten und nicht modernen Ausrichtung überhaupt nicht angewendet werden können. Deutlich wurde, dass daher eine Differenz zwischen den Inhalten der DIHK-Rahmenlehrplänen und der betrieblichen Praxis besteht. 92 Die wirtschaftsbezogenen Qualifikationen sind für die beiden Aufstiegsfortbildungen identisch und stellen aus Sicht der DIHK ein allgemeines Modul dar. Hier fehlten den befragten Experten stets der gastronomische Bezug und die Relevanz für die Gastronomie. Innerhalb der vier Module sollte den Befragten zufolge stärker auf die Existenzgründung und die Betriebsführung eingegangen und weniger Inhalte vermittelt werden, die in der Praxis nicht (mehr) benötigt werden. Hier ist besonders der Bereich Volkswirtschaftliche Grundlagen aufgefallen. Er sollte entweder gestrichen oder stark gekürzt werden. Eine Modernisierung der Inhalte ist laut Experten wünschenswert, so könnte zum Beispiel eine branchenspezifische Software für Buchhaltung und Kalkulation geschult und nicht mehr händisch die Berechnungen der Buchhaltung und der Kalkulation durchgeführt werden. Bezüglich der handlungsspezifischen Qualifikationen des Abschlusses Geprüfter Küchenmeister IHK ist durch die Befragung der Experten ersichtlich geworden, dass die Module – trotz Anwendung in der Praxis – verkürzt werden sollten. Die Experten berichteten, dass sie diese Inhalte bereits vor der Aufstiegsfortbildung angewendet und innerhalb der Module nicht viel Neues gelernt haben was eine Überalterung der DIHK-Rahmenlehrpläne bedeuten kann. Im Modul Mitarbeiter führen und fördern sollten die redundanten Inhalte aus dem Modul Unternehmensführung der wirtschaftsbezogenen Qualifikationen gestrichen werden. Das Modul Speisentechnologie und ernährungswissenschaftliche Kenntnisse anwenden könnte eventuell weiter vertieft werden, obgleich die befragten Experten dieses Modul als am hilfreichsten empfanden und dort die erlangten Kenntnisse am ehesten in der Praxis anwenden konnten. Ebenso verhält es sich in der Aufstiegsfortbildung mit dem Abschluss Geprüfter Restaurantmeister IHK. Auch hier sollten, den befragten Experten zufolge, einige Inhalte zeitgemäßer und moderner vermittelt und an die aktuelle Situation in der Gastronomie angepasst werden. Vor allem das Modul Gäste bewirten sollte modernisiert und komprimiert werden. Auch in dem Modul Gäste betreuen und beraten könnten Inhalte gekürzt werden, jedoch sollte das Modul eine Steigerung der Inhalte in den Bereichen Marketing und Verkauf in Zukunft beinhalten, da dies eher in der Praxis angewendet werden könnte. 93 Laut der Experten könnte die Beteiligung an den Aufstiegsfortbildungen gesteigert werden, wenn die Voraussetzungen für die Er- öffnung eines Gastronomiebetriebes geändert und die hochrangigen Positionen ebenfalls an den Meistertitel gekoppelt werden würden. Zudem sollte die Aufstiegsfortbildung praxisorientierter erfolgen, damit die Relevanz für eine Weiterbildung erhöht werden kann und die Personalgewinnung innerhalb der Gastronomie nicht mehr ein Hauptproblemfeld darstellt, sondern gut qualifizierte Mitarbeiter in Zukunft besser gefunden werden können. Dazu müssten die Inhalte der DIHK-Rahmenlehrpläne kunden- und praxisorientierter gestaltet werden, damit innerhalb der Branche die Mitarbeiter sowie die Unternehmen den Mehrwert der beiden beleuchteten Aufstiegsfortbildungen sehen und in der betrieblichen Praxis anwenden können. Aufgrund der geringen Anzahl an Experten ist der Verfasserin bewusst, dass die hier durchgeführte Studie und die Erkenntnisse daraus nicht repräsentativ sind und daher lediglich eine erste Einschätzung des Themas zulassen. Damit die Inhalte der DIHK- Rahmenlehrpläne innerhalb der beiden Aufstiegsfortbildungen letztendlich geändert werden, sollten weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Eventuell wäre eine quantitative Studie mit Mitarbeitern aus der Gastronomie und eine weitere Befragung von Experten aus anderen Region denkbar, damit weitere Erkenntnisse gewonnen werden könnten, um eine repräsentativere Studie zu ermöglichen. Um diese Erkenntnisse auf andere Aufstiegsfortbildungen zu übertragen, bedarf es intensiverer Studien. Innerhalb der wirtschaftsbezogenen Qualifikationen ist eine Differenzierung auf die jeweilige Aufstiegsfortbildung erstrebenswert, damit eine Praxisorientierung für die einzelnen Aufstiegsfortbildungen bereits in den wirtschaftsbezogenen Qualifikationen gewährleistet werden kann. Die jeweiligen handlungsspezifischen Qualifikationen sind separat zu betrachten, weshalb eine Aussage für andere Aufstiegsfortbildungen hier nicht möglich ist. Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass die Struktur und der Aufbau der DIHK-Rahmenlehrpläne insgesamt gut durchdacht sind. Sie sollten jedoch weiter ausgebaut werden, damit in Zukunft eine Praxisorientierung innerhalb der jeweiligen Aufstiegsfortbildungen erfolgen und die Anwendung der Inhalte der DIHK- Rahmenlehrpläne gesteigert werden könnten. 94 Literaturverzeichnis Arnold, R. (2010): Kompetenz. In: Arnold, R., Nolda, S., Nuissl, E. 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Zusammenfassung

Innerhalb der Gastronomie ist die Beteiligung an beruflicher Aufstiegsfortbildung sehr gering, obwohl durch die Industrie- und Handelskammern eine hohe Anzahl an Aufstiegsfortbildungen angeboten werden. Auch wenn viele unterschiedliche Fortbildungen die gleichen – wirtschaftsbezogenen – Qualifikationen aufweisen, ist dies noch kein wirtschaftlicher Modulbaustein, sondern eher der Versuch, die Aufstiegsfortbildungen anzugleichen.

Jennifer Kölsch geht der Frage nach, inwiefern die Inhalte der DIHK-Rahmenlehrpläne für die Aufstiegsfortbildungen Geprüfter Küchenmeister IHK und Geprüfter Restaurantmeister IHK in der betrieblichen Praxis Anwendung finden.