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Dale Marrs

Die Trompete in der Kunstmusik der Tschechoslowakischen Ära, page 1 - 12

Von den Experimenten mit der Vierteltontrompete zur tschechischen Auslegung der Neuen Musik für Trompete

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4085-0, ISBN online: 978-3-8288-6929-5, https://doi.org/10.5771/9783828869295-1

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Musikwissenschaft, vol. 12

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Musikwissenschaft Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Musikwissenschaft Band 12 Dale Marrs Die Trompete in der Kunstmusik der Tschechoslowakischen Ära Von den Experimenten mit der Vierteltontrompete zur tschechischen Auslegung der Neuen Musik für Trompete Tectum Verlag Die vorliegende Arbeit wurde vom Fachbereich 2 (Lehrämter, Wissenschaft und Komposition) an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main als Dissertation zur Erlangung des Grades einer Doktorin oder eines Doktors der Philosophie angenommen. Dale Marrs Die Trompete in der Kunstmusik der Tschechoslowakischen Ära Von den Experimenten mit der Vierteltontrompete zur tschechischen Auslegung der Neuen Musik für Trompete Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Reihe: Musikwissenschaft; Bd. 12 © Tectum Verlag – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2018 ePDF: 978-3-8288-6929-5 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4085-0 im Tectum Verlag erschienen.) ISSN: 1861-7549 Umschlaggestaltung: Tectum Verlag, unter Verwendung eines Notenbeispiels aus „Capriccio für Solotrompete“ (© Marek Kopelent) sowie einer Fotografie der Heckel- Vierteltontrompete in C-Stimmung (© Nationalmuseum, Tschechisches Musikmuseum, Prag) und einer Fotografie der Amati-Vierteltontrompete in C- Stimmung (© Martin Seiler) Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Für Karen V Inhalt Vorwort – Danksagung 1 1 Einleitung 5 2 Die Vierteltontrompete 11 2 1 Von der Naturtrompete zur Vierteltontrompete 11 2.1.1 Das Šediva-„Viertelton“-Kornett . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 2 2 Die Trompete und die Mikrotonkomponisten des frühen 20 Jahrhunderts 17 2.2.1 Biografie von Alois Hába (1893–1973) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 2.2.2 Volkstümliche Hintergründe der Vierteltonmusik von Alois Hába . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 2 3 Alois Hába und die Vierteltoninstrumente 31 2.3.1 Alois Hába und das Vierteltonklavier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 2.3.2 Alois Hába und die Vierteltonklarinette . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 2.3.3 Alois Hába und die Vierteltontrompete . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 2.3.4 Die Heckel-Vierteltontrompete . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 2.3.5 Weitere Vierteltontrompeten tschechischer Herkunft . . . . . . . 59 2 4 Alois Hábas Kompositionen für die Vierteltontrompete 71 2.4.1 Die Mutter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 2.4.2 Suite für Vierteltontrompete und Posaune . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 2 5 Die Kompositionen für die Vierteltontrompete der Schüler von Alois Hába 105 2.5.1 Karel Reiner (1910–1979) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 2.5.2 Josef Bubák (1902–1982) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 2.5.3 Jeronimas Kačinskas (1907–2005) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 2 6 Die Vierteltontrompete in Brünn 118 2 7 Fazit zur Vierteltontrompete 126 3 Ausgewählte Kompositionen für die herkömmliche Halbtontrompete 131 3 1 Sláva Vorlová (1894–1973) 135 3.1.1 Konzert für Trompete und Orchester . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135 3.1.2 Blechbläserquintett 6 für 5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 3 2 Zdeněk Křížek (*1927) 142 VI Inhalt 3 3 Jan Kapr (1914–1988) 144 3.3.1 Konstante . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147 3.3.2 VI. Symphonie für Kammerorchester . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148 3.3.3 Ehrung für die Trompete für zwei Trompeten und Kammerorchester . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 3.3.4 Woodcuts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 3.3.5 Signals for trumpet and piano . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171 3.3.6 Doppelspiele – für Blasinstrumente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 3 4 Karel Husa (1921–2016) 187 3.4.1 Konzert für Trompete und Blasorchester . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188 3.4.2 Konzert für Trompete und Orchester . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191 3.4.3 Intradas and Interludes für 7 Trompeten und Schlagzeug . . . . . . 194 3 5 Ivana Loudová (*1941) 196 3 6 Jan Klusák (*1943) 201 3 7 Klement Slavický (1910–1999) 206 3 8 Miloslav Ištvan (1928–1990) 216 3 9 Marek Kopelent (*1932) 219 3 10 Zbyněk Vostřák (1920–1985) 230 3.10.1 Die schöne Gärtnerin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 235 3.10.2 The Gentle Ties Which Bind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 242 3 11 Miloslav Kabeláč (1908–1979) 250 3.11.1 Schicksalsdramen des Menschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 252 4 Schlussbemerkungen: Die Trompete – Zeitzeuge oder Zukunftsinstrument? 275 5 Literaturverzeichnis 281 5 1 Notenmaterialien 281 5 2 Literatur 283 6 Abbildungsverzeichnis 289 7 Verzeichnis der Notenbeispiele 291 8 Originaldokumente 295 1 Vorwort – Danksagung Die vorliegende Arbeit entstand aus zwei persönlichen Beweggründen: einem „geerbten“ Interesse an tschechischer Musik und dem Wunsch, Werke für Trompete aus einer Zeit, in der tschechische Komponisten politisch benachteiligt wurden, bekannt zu machen. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich als Enkel einer tschechischen Familie in einem „böhmischen“ Dorf mit einem italienischen Namen mitten in Amerika. Zwar gibt mein Name keinen Hinweis auf die Herkunft meiner Verwandtschaft mütterlicherseits, die aus Böhmen stammte, jedoch hat ihr Einfluss mich in vielerlei Hinsicht geprägt. Durch sie wurde bereits in jungen Jahren ein nachhaltiges Interesse an der tschechischen Volksmusik und der Trompete in mir geweckt. Die ersten praktischen Erfahrungen mit der Musik sammelte ich mit dem Akkordeonspiel zusammen mit meinem Großvater und zu Schulzeiten als Trompeter in Blasmusikensembles. Nach Studien in Deutschland und Amerika mit Masterabschluss an der Northwestern University in Evanston, USA, kehrte ich nach Deutschland zurück, wo ich die Position des Solotrompeters bei den Stuttgarter Philharmonikern übernahm. Dort traf ich auf tschechische Kollegen, die infolge des Scheiterns des Prager Frühlings 1968 in die Bundesrepublik Deutschland emigriert waren. Unter ihnen war der Geiger Dušan Pandula, Gründer des Hába-Quartetts und ein wichtiger Vertreter des Pioniers der mikrotonalen Musik, Alois Hába. Von Dušan Pandula, der im Exil ein aktiver Verfechter der zeitgenössischen tschechischen Musik war, erfuhr ich von den ersten Vierteltontrompeten. Darüber hinaus bekam ich von Dušan Pandula die Adressen von führenden tschechischen Komponisten, deren Kompositionen in ihrer Heimat aus politischen Gründen nicht gespielt werden durften. Werke für die Trompete, die durch den Kontakt mit diesen Komponisten entstanden sind, werden in der vorliegenden Arbeit vorgestellt und besprochen. Mit der vorliegenden Arbeit schließt sich für mich ein persönlicher Kreis in meiner Biografie – nicht zuletzt, weil ich hier die Möglichkeit hatte, mein musikwissenschaftliches Interesse, das während meiner Zeit als Solotrompeter der Stuttgarter Philharmoniker ruhen musste, aktiv und mit großer Freude wieder aufzugreifen und systematisch weiterzuentwickeln. Ich möchte mich daher herzlichst bei Herrn Prof. Dr. Peter Ackermann bedanken, der mir diese Chance ermöglicht hat und mich bei meinem Vorhaben, eine Arbeit über die tschechische Trompetenmusik zu verfassen, tatkräftig gefördert und unterstützt hat. Gedankt sei Frau Prof. Dr. Daniela Philippi, die im Rahmen des Promotionsverfahrens das Zweitgutachten verfasste und deren Kommentare sehr hilfreich für das Verfassen dieser Arbeit waren. Die Teilnahme an dem Doktorandenkolloquium, das von Herrn Prof. Dr. Ackermann geleitet wurde, spielte eine große Rolle für meine Rückkehr zur Musikwissenschaft. An dieser Stelle möchte ich auch meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen 2 Vorwort – Danksagung dafür danken, dass sie mich so freundlich aufgenommen haben und mich auf mir zuvor unbekannte Themen aufmerksam gemacht haben. Die Auseinandersetzung mit der tschechischen Sprache war nicht nur dem Gegenstand dieser Arbeit geschuldet, sondern darüber hinaus auch eine Herzensangelegenheit für mich. Mein besonderer Dank gilt meiner Tschechischlehrerin, Frau Jitka Hübner. Ihre Beherrschung der (nicht einfachen!) tschechischen Grammatik und ihr Verständnis der Texte als Muttersprachlerin (sowie ihre Geduld mit mir) waren unverzichtbare Stützen für mein Verständnis der Originalquellen sowie für die Übersetzung der tschechischen Texte. Dem Tschechischen Musikinformationszentrum sei gedankt für die Bereitstellung von wichtigen Materialien – Noten, Manuskripten, Partituren, Tonaufnahmen von tschechischen Werken und Kopien von Artikeln aus nicht mehr existierenden tschechischen Musikzeitschriften. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Zentrums möchte ich für die schnelle und liebenswerte Behandlung meiner Bitten danken. Unter den Tschechen, die dankenswerterweise meine Arbeit maßgeblich beeinflusst haben, sei an erster Stelle Dušan Pandula genannt, der mein Interesse an den tschechischen Komponisten weckte und beförderte. Wichtige Informationen zu den Aufführenden, Komponisten und Begebenheiten der in dieser Arbeit behandelten Werke erhielt ich von Verwandten, von den Beteiligten selbst sowie von denjenigen, die die Ereignisse entweder miterlebt haben oder vor Ort wissenschaftlich untersuchen. Unter ihnen waren Herr Bohdan Bubák und Herr Georg Donderer, die mir Informationen über ihre Väter, Josef Bubák bzw. Georg Donderer, zur Verfügung stellten. Für die Vermittlung der Fotografien der Lidl-Vierteltontrompete, die beim Brünner-Vierteltonprojekt verwendet wurde, bin ich Frau Professorin Dr. Jindřiška Bártová und Herrn Jan Dalecký sehr dankbar. Darüber hinaus sei Herrn Přemysl Hnilička, dem Neffen Jaromír Hniličkas, für das Fotografieren der Vierteltontrompete seines Onkels herzlich gedankt. Wichtig für meine Arbeit war auch ein persönliches Interview mit dem ehemaligen Prager Solotrompeter Herrn Ivo Preis, der das erste tschechische Trompetenkonzert uraufführte und mir wertvolle Hintergrundinformationen dazu gab. In diesem Zusammenhang gilt mein Dank auch der litauischen Musikwissenschaftlerin Frau Dr. Danute Petrauskaité für Informationen über den Hába- Schüler und Bubák-Freund, Herrn Jeronias Kačinskas. Gedankt sei in besonderer Weise Frau Dr. Vlasta Reittererová für Informationen zu der Erstaufführung der Suite für Vierteltontrompete und Posaune von Alois Hába und vor allem für die Zusendung von Kopien der Briefe von der Firma F. A. Heckel an Alois Hába bezüglich des Baus der ersten Vierteltontrompeten aus dem Hába-Nachlass. Für die Möglichkeit, die Heckel-Vierteltontrompete und das vierventilige Šediva- Kornett im Tschechischen Musikmuseum in Prag (Národní muzeum České muzeum hudby) anzublasen und auszumessen sowie für die offiziellen Fotografien der Instrumente bin ich Herrn Peter Balog zu großem Dank verpflichtet. Ich möchte Herrn Dr. Myles Skinner herzlich danken für die digitale Einspielung der Hába-Suite für Vierteltontrompete und Posaune. Herrn Dr. Robert Škarda sei gedankt für die Zusendung seiner Seminararbeit über die ersten tschechischen Kompositionen für Blechbläserquintett. Die Übersetzung dieser Arbeit aus dem Tschechischen in eine „Weltsprache“ 3 Vorwort – Danksagung wäre ein Gewinn für die musikwissenschaftliche Forschung zur Blechbläserkammermusik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Für Informationen über das Musikleben in Prag nach dem Scheitern des Prager Frühlings 1968 sei Frau Jitka Koželuhová gedankt. Danken möchte ich meinen Freunden und Kollegen dafür, dass sie seit Jahren dulden, dass ich unsere Gespräche immer wieder auf die Vierteltontrompete und meine neuesten Erkenntnisse über das Musikleben während der Tschechoslowakischen Ära lenke. Darüber hinaus habe ich ihnen für besondere Leistungen zu danken: Eckhard Schmidt, Todd Burke und Martin Seiler für die Einspielung und Erstellung von Klangbeispielen; Rudi Scheck für das Einscannen der Notenbeispiele und die Gestaltung der Texte im ersten Teil der Arbeit; Eckhard Schmidt und Eberhard Kübler für Hinweise auf die schwierige, weil untypische Verwendung der Trompete in den Opern von Leoš Janáček anhand von Notenbeispielen. Schließlich möchte ich meiner Familie von Herzen danken für ihre ermutigende Unterstützung und Hilfe in allen Aspekten meiner Arbeit. An erster Stelle sei meine Ehefrau Karen Marrs genannt, die als ausgebildete Musikerin jederzeit eine wichtige Gesprächspartnerin für mich war und zugleich auf den einen oder anderen gemeinsamen Spaziergang verzichtete, um mir große Zeiträume für meine Arbeit an dieser Dissertation zu ermöglichen. Meiner Tochter Dr. Kira Marrs danke ich für beruhigende Worte und praktische Ratschläge aus eigenen Erfahrungen, die sie mir in einem Rollentausch des Vater/Tochter-Verhältnisses mitteilte. Für das Korrekturlesen des Manuskripts danke ich ihr und meinem Schwiegersohn Oliver Dlugosch. Darüber hinaus sei ihm auch gedankt für die endgültige Gestaltung der Arbeit. Stuttgart, im Juli 2016 Dale Marrs

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Zusammenfassung

Während der Tschechoslowakischen Ära war die Trompete sowohl ein Instrument der erhofften Zukunftsmusik als auch ein Zeitzeuge der bestehenden Kulturpolitik. Die ersten Vierteltontrompeten, die im Auftrag des tschechischen Mikroton-Komponisten Alois Hába gebaut wurden, spielten eine Nebenrolle in den Kompositionen Hábas und seiner Schüler. Dagegen ist das einmalige Brünner-Experiment mit der Vierteltontrompete, das von dem Jazztrompeter Jaromír Hnilička und dem Third Stream Komponisten Pavel Blatný durchgeführt wurde, von nachhaltiger Bedeutung.

Tschechische Komponisten, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit den Techniken der Neuen Musik arbeiteten, wurden von der herrschenden Kulturpolitik beim Komponieren sowie bei der Verbreitung ihrer Werke behindert. Auffallend ist die Tatsache, dass viele dieser Komponisten deshalb Werke für die Trompete komponierten, weil sie damit die Hoffnung verbanden, dass diese im Ausland aufgeführt werden würden. Kompositionen, die unter diesen Umständen entstanden sind, belegen eine besondere – tschechische – Verwendung der Techniken der Neuen Musik, die nicht auf virtuosen Spieltechniken basieren, sondern auf eine ausdrucksvolle Spielweise und neue Klangmöglichkeiten der Trompete setzen.