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2 Inhalt und Aufgaben derGesundheitssports in:

Wolfgang Bringmann

Gesundheitssport, page 5 - 8

Gesund durch Sport - Grundlagen und Methodik

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4081-2, ISBN online: 978-3-8288-6915-8, https://doi.org/10.5771/9783828869158-5

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Humanmedizin, vol. 4

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
5 2 Inhalt und Aufgaben der Gesundheitssports Die Nutzung von sportlichen Mitteln als prophylaktische und therapeutisch-rehabilitative Maßnahme für die Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit ist seit dem Altertum bekannt. Bereits in den altindischen (Ayurveda, etwa 1800 v. u. Z.) und altchinesischen Schriften (Kong-Fu etwa 1100 v. u. Z.) liegen solche Belege vor. Über viele Jahrhunderte wurden besonders Gymnastik, Wandern und Reiten sowie Rudern und Schwimmen von den verschiedensten europäischen Schulen empfohlen. Mit dem Beginn des 20.  Jahrhunderts konnten zahlreiche grundlegende wissenschaftlich-theoretische und praktische Untersuchungen belegen, dass ein alters- und leistungsadäquater Gesundheitssport einen positiven Einfluss auf die Prävention und Behandlung von gesundheitlichen Störungen hat (STRAUZENBERG 1982; BRINGMANN et al. 1976, 1985, 1987; ROST et al. 1991; HOLLMANN et al. 2000, TIEMANN 2010 u. a.). Bereits BLAISE PASCAL wies darauf hin, dass „zu unserer Natur Bewegung gehört, die vollkommene Ruhe ist der Tod“. Auch die WHO bezeichnet den Bewegungsmangel als viertwichtigsten Risikofaktor für die Sterblichkeit und empfiehlt eine Mindestaktivitätszeit für Kinder von mindestens 60 Minuten pro Tag und für Erwachsene 30 Minuten mit einer moderaten Intensität und 20 Minuten mit einer hohen Intensität. Dies sollte mindestens fünfmal in der Woche erfolgen. US-amerikanische Epidemiologen konnten u. a. nachweisen, dass weniger als drei Stunden Sitzen am Tag die Lebenserwartung um zwei Jahre erhöhen kann. Darüber hinaus kann eine regelmäßige aktive Lebensweise die Lebenserwartung noch deutlich steigern. Unsere Vorfahren in der Steinzeit gingen jagen oder sammeln und legten durchschnittlich 30 Kilometer am Tag zurück, wodurch ihre Gesundheit viel stabiler war als heute. Der Unterschied zur heutigen Le- 6 Inhalt und aufgaben der gesundheItssports bensweise war der, dass damals die „Bewegung garantiert war und heute ist Essen garantiert“. Ein individuell gestalteter Gesundheitssport ist dabei von mehreren Qualitätsmerkmalen abhängig, die eine wesentliche Bedeutung für die inhaltliche und methodische Gestaltung haben. So gehören u. a. zu den exogenen Faktoren die soziale Umwelt, der Lebensrhythmus, die Ernährungsgewohnheiten und die klimatischen Bedingungen. Zu den wesentlichsten endogenen Faktoren zählen u. a. der aktuelle Gesundheits- und Leistungszustand, das Lebensalter, die berufliche Belastung und die persönlichen körperlich-sportlichen Voraussetzungen sowie die individuelle Konstitution (Abb. 1). Die sportmethodischen Mittel werden u. a. durch den Umfang, die Intensität und die Häufigkeit der sportlichen Betätigung sowie durch die Sportart, die Durchführungsmodifikation und durch die individuelle Motivation definiert, die eine wichtige Bedeutung für die Effektivität des Gesundheitssports haben (Abb. 1). Abb. 1: Qualitätsmerkmale des Gesundheitssports Gesundheitssport Quantität Qualität Umfang Intensität Häufigkeit Sportart Modifikation exogene endogene Faktoren Faktoren Klima Lebensalter Ernährung Geschlecht Lebensstil Konstitution soziales Umfeld Gesundheit Trainingsalter Leistungsfähigkeit 7 Inhalt und aufgaben der gesundheItssports Der Gesundheitssport hat dabei für alle Lebensbereiche und Altersgruppen die spezielle Zielstellung eine aktive und gesundheitsfördernde Gestaltung des täglichen Lebens zu unterstützen. Dabei sollten folgende Schwerpunkte verfolgt werden: • Die Erhaltung einer altersgerechten physischen Leistungsfähigkeit zur Verzögerung der komplexen Alternsvorgänge. • Die freudvolle und abwechslungsreiche Lebensgestaltung zur Anhebung der Lebensqualität. • Die Förderung der Kontakterhaltung mit dem gesellschaftlichen Umfeld (soziale Integration und evtl. Reintegration). • Die positive Beeinflussung auf die individuell geprägten Risikofaktoren (Stress, Genussmittel, Ernährung, Inaktivität u. a.). • Die altersgerechte Erhaltung der Organfunktionen zur Förderung einer stabilen Gesundheit bis in das hohe Alter mit gleichzeitiger Senkung der Krankheitshäufigkeit (Altersmorbidität). • Die Verringerung der Differenz zwischen dem chronologischen und biologischen Alter. • Die Minderung des weitverbreiterten Mobilitätsverlustes im Altersgang. • Die physiologisch-stabilisierende Beeinflussung gestörter Organfunktionen (Hypertonie, Adipositas, Diabetes mellitus u. a.). • Die Verzögerung der degenerativen Prozesse am Stütz- und Bewegungsapparat. • Die Minimierung der notwendigen medikamentösen Behandlung (Pharmakotherapie), um eine gegenseitige Beeinflussung (Interaktion) bei einer teils notwendigen Multipharmazie zu vermeiden. Wenn der Gesundheitssport seine Aufgabe als Stabilisator für Gesundheit und Leistungsfähigkeit wahrnehmen soll, muss bei dem Bürger, der ihn durchführen soll, auch eine gesundheitsfördernde Einstellung und zielorientierte Motivation vorhanden sein. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, dann ist eine regelmäßige und effektive Durchführung in Frage gestellt und der Ausspruch von SO- KRATES vor circa 2000 Jahren hätte seine Berechtigung, nämlich: „Wenn jemand Gesundheit sucht, frage ihn erst, ob er auch bereit ist, zukünftig alle Ursachen seiner Krankheit zu meiden – erst dann darfst du ihn heilen“.

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Zusammenfassung

Die vorliegende Publikation beschreibt die Anwendung von sportlichen Mitteln und Methoden im Rahmen einer präventiven Vorsorge und einer therapeutischen Behandlung bei speziellen Erkrankungen. Die Grundlagen der inhaltlichen Darstellungen basieren auf jahrzehntelangen Erfahrungen des Autors durch eigene Studien und durch seine praktische Tätigkeit. Dabei werden die Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen des Gesundheitssports im Rahmen dieser Zielstellung vorgestellt und in inhaltlichen Darstellungen so präsentiert, dass sie für ein breites Publikum verständlich und anwendungsfähig sind. Die vorliegende Publikation richtet sich deshalb vorrangig an interessierte Bürger, Physiotherapeuten, Gesundheitstrainer und Ärzte in der medizinischen Grund- und spezialisierten Betreuung, die im Rahmen eines mehrdimensionalen Präventions- und Therapiekonzepts sportliche Mittel und Methoden in die Vorsorge und Behandlung miteinbeziehen möchten. Wesentliche Behandlungsvorschläge sind durch eingefügte Studienergebnisse untermauert, die einen wirkungsvollen Nachweis einer sportlichen Betätigung bestätigen. Zur Erweiterung der Grundkenntnisse ist der Publikation ein umfassendes Literaturverzeichnis beigefügt.