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7 Sporttreiben unter besonderen Bedingungen in:

Wolfgang Bringmann

Gesundheitssport, page 277 - 304

Gesund durch Sport - Grundlagen und Methodik

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4081-2, ISBN online: 978-3-8288-6915-8, https://doi.org/10.5771/9783828869158-277

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Humanmedizin, vol. 4

Tectum, Baden-Baden
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277 7 Sporttreiben unter besonderen Bedingungen 7.1 Sport im höheren Lebensalter (Alterssport) Im Vergleich zum 19. Jahrhundert hat sich die Lebenserwartung mehr als verdoppelt. Allein in den vergangenen 35 Jahren ist sie um 10 Jahre angestiegen (Abb. 89, S. 275). Eine Heidelberger epidemiologische Studie konnte 2016 nachweisen, dass weltweit der Anteil an Menschen mit einem hohen Lebensalter (80 Jahre und mehr) von 2000 bis 2011 um circa 126 Prozent angestiegen ist (JOPP et al. 2016). Dabei ist “Alter nicht die Summe an Jahren”, sondern zahlreiche innere und äußere Faktoren können das Lebensalter und damit die körperliche Leistungsfähigkeit und Gesundheitsstabilität positiv wie negativ beeinflussen. Nach der Definition der WHO zufolge gelten Menschen als alt, die das 65. Lebensjahr überschritten haben. In der Medizin bezeichnet man „geriatrische Patienten“ ab einem Alter von 70 Jahren. Deshalb unterscheidet man ein kalendarisches Alter, das das echte Lebensalter in Jahren angibt und ein biologisches Alter, das beinhaltet, wie schnell der Körper gegenüber einem Gleichaltrigen gealtert ist. Das biologische Alter kann dabei zu dem kalendarischen Alter bis zu 15 Jahren differieren. Darüber hinaus unterscheidet man auch noch nach den verschiedenen Einflüssen ein primäres und sekundäres Altern. Das primäre Altern wird auch als physiologisches Altern bezeichnet, weil es durch normale zelluläre Alternsprozesse in Abwesenheit von Krankheiten erfolgt. Das sekundäre Altern wird dagegen durch äußere Einflüsse (Bewegungsmangel, Stress, Fehlernährung, Umweltgifte, Suchtmittelkonsum u. a.) und durch chronische Erkrankungen beeinflusst. Dabei spielen auch unterschiedliche individuelle Kompensationsmechanismen 278 sporttreIben unter besonderen bedIngungen (Widerstandsfähigkeit, Störanfälligkeit u. a.) eine wichtige Rolle (FOSS 2014). Altern ist ein komplexes Geschehen, wo alle Organsysteme des Körpers einbezogen werden und an dem zahlreiche Gene beteiligt sind. Alle Organismen mit differenzierten Zellen sind dem Alternsprozess unterworfen (Tab. 17). Dabei kann der individuelle Lebensstil spezielle Gene, die für die Alterung verantwortlich sind, aktivieren oder inaktivieren, d. h. bei einer aktiven und gesunden Lebensweise sind weniger Gene aktiviert und die Alternsprozesse verlaufen langsamer ab, was einen unmittelbaren Einfluss auf die die Lebenserwartung hat. Tab. 17: Organische Alterung Organische Alterungsprozesse (sog. Geriatrisches Syndrom) HKL- Leistungsfähigkeit durch: Herz: Herzmuskelkraft - Muskelfasern durch Bindegewebe ersetzt (Myokardfibrose) - Koronardurchblutung (Koronarsklerose) - Herzklappenfunktion (bes. Verengung der Aortenklappe, ab 60. Lbj.) - Bluthochdruck ( = Druckbelastung) Kreislauf: Arteriosklerose - Gefäßstarre = Gefäßelastizität = Gefäßbrüchigkeit Blutergüsse = Gefäßverengung = Gefäßsklerose + Bildung von Stickstoffmonoxid (NO) Zellstoffwechsel ( = Regeneration u.a.) = Bildung und Abbau der freien Radikale = Entzündung im Gefäßendothel Arteriosklerose Funktion der Verdauungsorgane durch: Darm: Darmdurchblutung mit Rückbildung der Darmschleimhaut = Resorption (Nahrung, Medikamente, Mineralien u.a.) ● Leber: Leberstoffwechsel durch Durchblutung (ca. 40%) = Eiweißsynthese ( Immunglobuline = Immunabwehr) = Ausscheidung (Medikamente, Stoffwechselmetabolite u.a.) Nierenfunktion durch: Ausscheidungsrate (ab 40.Lbj. 1% /Jahr, 70.Lbj. ca. 30-50%) = Kumulationsgefahr (Medikamente, Gifte u.a.) Drüsentätigkeit durch: Testosteron ab 35.- 60. Lbj. (ca. 20%), Östrogene ab 40. Lbj. u.a. Mit der Erhöhung der Lebenserwartung ist aber meist auch eine individuelle Erkrankungshäufigkeit (Multimorbidität) verbunden. Deshalb müssen alle prophylaktischen Möglichkeiten, wie u. a. die gesunde Lebensweise, die Ernährung und eine regelmäßige körperliche Aktivität genutzt werden, um die Gesundheit und damit die körperliche Leistungsfähigkeit lange stabil zu erhalten, weil sie einen direkten Einfluss 279 sport Im höheren lebensalter (alterssport) auf die Erkrankungshäufigkeit haben (BRÜSCHKE 1969, ISRAEL et al. 1982). Gleichzeitig muss aber auch das Krankheitsmanagement bei älteren Menschen weiterentwickelt werden, denn z. Z. sterben sieben von zehn ältere Menschen an einer so genannten Zivilisationserkrankung, wie u. a. der Diabetes mellitus, der Schlaganfall oder die Alzheimer-Demenz. Umfangreiche Untersuchungen konnten bestätigen, dass eine aktive sportliche Lebensweise einen wichtigen Einfluss auf die Alternsprozesse hat (BRÜSCHKE 1969, STRAUZENBERG 1979, BRINGMANN 1982, HOLLMANN 1983, SKINNER 1989 u. a.). Abb. 90: Sportlicher Einfluss auf das biologische Alter Biologisches Alter vermindert erhöht Arteriosklerose ● körperliche Inaktivität ● körperliche Aktivität - Sympathikus - Leistung HKL-System - Organdurchblutung - Energiestoffwechsel ● belastender Lebensstil ● gesunder Lebenstil - Fehlernährung Alterunsprozesse - Gelenkbelastung Trinkmenge = Stoffwechselbelstg. Arthrosen u.a. - Genussmittelabusus - Organbelastung Übergewicht minus 9 Jahre Koronarsklerose Raucher minus 5 Jahre Stoffwechselerkrankungen ● Gen-Schäden ● peripherer Kreislauf - durch: ● fehlerhafte Zellreparaturen - Zellstoffwechsel (ca. 10 000 / Tag) - NO-Bildung ● Umweltschäden - Autophagie der Zelle (UV-Exposition, Stäube u.a.) Selbstreinigungsprozess - Reparaturkapazität der Zelle Eiweißprodukte u.a. Demenz, Parkinson ● freie Sauerstoffspezies ● Bildung Radikale - Genussmittel / Stress Bildung - Zellregeneration - beschädigen Zellstrukturen - Zellfunktion - eigene antioxidative Netzwerk - Zellteilung Aus der Abbildung 90 wird ersichtlich, dass der Lebensstil auf verschiedene Funktionssysteme des Organismus eine positive wie negative Wirkungen haben kann, die auch das biologische Alter beeinflussen. Bei den Alternsprozessen spielen aber auch die freien Radikale (reaktive Sauerstoffspezies), die im zellulären Stoffwechsel anfallen, eine 280 sporttreIben unter besonderen bedIngungen wichtige Rolle, da sie durch bestimmte biochemische Reaktionen die Alterns prozesse beschleunigen können. Freie Radikale entstehen bei den zellulären Stoffwechselprozessen aus molekularem Sauerstoff. Es sind aggressive kurzlebige Molekülfragmente, die bei einer Reihe von zellbiologischen Prozessen eine wichtige Rolle spielen und unter bestimmten Bedingungen auch die Erbsub stanz (DNA) schädigen können. Dafür hat der Organismus allerdings ein eigenes antioxidatives Netzwerk zur Verfügung, das die freien Radikale inaktivieren kann. Dazu gehören u. a. spezielle Vitamine (Vit. C, E u. a.) und spezielle Elektrolyte (Selen u. a.), die auch als so genannte “Radikalfänger” bezeichnet werden. Wird dieses Netzwerk jedoch durch unterschiedliche Stressoren (Krankheit u. a.) überfordert, werden die freien Radikale aktiviert und beschleunigen die Alternsprozesse. Darüber hinaus können auch exogene Stressoren, wie u. a. eine organbelastende Lebensweise, (vermehrter Stress, Fehlernährung, Genussmittel, hohe ultraviolette Strahlenbelastung u. a.), die Bildung von freien Radikalen fördern, so dass auch dadurch die Alternsprozesse forciert ablaufen können. Dabei haben die Alternsprozesse auf die verschiedenen Organ- und Funktionssysteme einen differenzierten Einfluss, so dass sich spezielle Altersbesonderheiten bei diesem Prozess herausbilden (Tab. 18). Aber auch Gendefekte (Genomdefekte), die durch fehlerhafte Reparaturen in der Zelle entstehen, können die Alternsprozesse verstärken. Das ist leicht möglich, da u. a. in den Zellen täglich bis zu 10 000 Reparaturen erfolgen. Die Alternsprozesse beeinflussen die verschiedenen Organsysteme individuell sehr unterschiedlich, so dass durch die altersbedingten organspezifischen und psychophysischen Veränderungen auch die Voraussetzungen für einen Alterssport sehr differieren können (Tab. 19). Ziel eines präventiven Alterssports ist es, die aktive Lebensgestaltung zu fördern, um den Rückgang der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit durch die Alternsprozesse zu mildern, die Altersmorbidität zu senken und die gesellschaftliche Integration der älteren Menschen und deren Lebensqualität zu verbessern. Dabei müssen jedoch die altersabhängigen Anpassungsmöglichkeiten ausreichend Beachtung finden (Tab. 20). 281 sport Im höheren lebensalter (alterssport) Tab. 18: Spezielle Alterserscheinungen Altersbesonderheiten Individuelle Aspekte: Bewegungsmangel: - degenerative Erkrankungen (SBS 70. Lbj. ca. 60%) - körperliche Leistungsfähigkeit - körperlicher u. geistiger Antrieb □ ab 25. Lbj. um ca. 1% / Jahr - Dt. Herzstiftung: 33,0% , 34,3% inaktiv Lebensgestaltung: - persönliche Hygiene, Haushaltsführung - Vereinsamung (Partnerverlust, Freundeskreis u.a.) Interne Aspekte: ab 30. Lbj. Wende in der körperlichen Entwicklung (Wachstumsstillstand) - Alterungsprozesse (genetisch differenziert) - Reaktion auf freie Radikale (im Stoffwechsel gebildet) Niveau der Reparaturmechanismen in der Zelle - Zellteilung (maximal 50x, Krebszellen unbeschränkt !!) zellulärer Selbstreinigungsprozess (sog. Autophagie) = Überlebenssicherung der Zelle - unzureichender / verzögerter Abtransport von Zellschutt - Gefahr: Demenz, M. Parkinson (Amyloideinlagerung) Zahl der individuellen Erkrankungen (Multimorbidität) Externe Aspekte / Umwelteinflüsse (bis 80%) Stressoren (Lebensweise, berufliche Belastung, Umweltschäden, UV-Exposition u.a.) Fehlernährung - Über-/ Mangelernährung, vegane Kost u.a. Tab. 19: Psychophysische Altersvoraussetzungen Psychophysische Altersvoraussetzungen (sog. Geriatrisches Syndrom) Psycho-physische, intellektuelle Leistungsfähigkeit: Konzentration- / Reaktionsfähigkeit kognitive Leistungen (Gedächtnisverluste, Lernfähigkeit u.a.) schnelle Emüdbarkeit (psychophsisch, physisch) wichtig für verlangsamte Erholungsfähigkeit Alterssport !!! Leistungsbreite der Sinnesorgane: Sehen, Hören, Gleichgewicht Hautrezeptoren (Tastsinn, Drucksensibilität u.a.) Multimorbidität: Tumorerkrankungen ( Bildung Immunglobuline = Immunabwehr ab 60. Lbj.) Arteriosklerose (periphere Verschlusskrankheit, Koronare Herzkrankheit, Zustand n. Herzinfarkt u.a.) Neigung zu Stoffwechselstörungen (Diabetes Typ II, Gicht, Adipositas u.a.) Gelenkarthrose (Knie, Hüfte, Sprunggelenk, Wirbelsäule u.a.) Neuro-psychiatrische Störungen (Demenz, M. Parkinson u.a.) Inkontinenz u.a. Polypharmazie ( Medikamente) ● Gefahr von Wechselwirkungen ( Interaktion) Lebensalter: ●Differenz zwischen kalendarischen und biologischen Alter meist biologische Alter fortgeschritten 282 sporttreIben unter besonderen bedIngungen Bewegungsinduzierte Anpassung: Ein adäquater Alterssport kann an fast allen Organsystemen einen positiven Einfluss bewirken. So wird die Leistungsfähigkeit der Herzkreislauf- und Lungenkapazität erweitert, indem u.a das Herzschlagvolumen die Atemvolumina und damit die Sauerstoffaufnahme und der Sauerstofftransport erweitert werden. Außerdem wird der Herzmuskel besser durchblutet, so dass die Herzmuskelleistung erhöht wird. Gleichzeitig werden die degenerative Prozesse (Koronarsklerose u. a.) gebremst. Das Herz arbeitet infolge einer vegetativ verminderten Herzschlagfrequenz in einem Schongang (BRINGMANN 1985, ISRAEL et al. 1988). Die Kreislauffunktionen werden zusätzlich stabilisiert, weil die periphere arterielle Durchblutung und der venöse Rückstrom erweitert werden, so dass arterielle (PAVK u. a.) oder venöse (Varizen u. a.) Durchblutungsstörungen verringert bzw. sogar verhindert werden können (Abb. 91). Tab. 20: Ziel des präventiven Alterssports Präventiver Alterssport Zielstellung Anpassungsbreite aktive Lebensgestaltung bis 60. Lbj. allseitige der körperliche Leistungsfähig- geringere der psychischen / keit möglich physischen Leistungsfähigkeit 60.-70. Lbj. noch Erhaltung Verzögerung der Alerungs- der Leistungsfähigkeit prozesse möglich Senkung der Altersmorbidität 70. Lbj. fast keine morphologische Anpassung gesellschaftlichen Integration möglich Verbesserung des Hebung der Lebensqualität funktionellen Wirkungsgrades Am Stütz- und Bewegungssystem kommt es zu einer Muskelkräftigung und zu einer Stabilisierung der Gelenke und Wirbelsäule. Außerdem bleibt eine ausreichende Gelenkbeweglichkeit länger erhalten und durch die gleichzeitige muskuläre Gelenkstabilisierung wird die Ent- 283 sport Im höheren lebensalter (alterssport) wicklung von degenerativen Gelenkstörungen (Arthrosen u. a.) verzögert. Die sportliche Bewegung an der frischen Luft fördert infolge des kontinuierlichen Klimareizes die körperliche Abhärtung, so dass sich auch eine höhere Abwehrfähigkeit gegenüber Infekten entwickelt (Abb. 91). Abb. 91: Bewegungsinduzierte Anpassung durch den Alterssport Erweiterung Alterssport Reduzierung ● Herz-/ Lungenkapazität ● Herzmuskelbelastung - Herzschlagvolmen - Schongang (Herzarbeit) - Sauerstoffaufnahme - Koronarsklerose - koronare Durchblutung - Herzmuskelfibrose ● Kreislauffunktion ● Gefäßumbau - arterielle Durchblutung - Durchlutungsstörung - venöser Rückstrom - venöse Insuffizienzen ● Muskelleistung Anpassung ● Muskelabbau - Muskelzellstoffwechsel - Muskelermüdung - Muskelkoordination - statische Haltearbeit - Muskelkraft - Fehlhaltung der WS ● Gelenkbeweglichkeit ● degenerative Prozesse - Gelenkausschläge - Arthrosen - Band-/ Muskelstabilisierung - Gelenkknorpelabbau ● vegetative Nervensystem ● sympathische Antrieb - vegetative Steuerung - Herzschlagfrequenz - Organfunktionen - Ruhe-/ Belastungsblutdruck ● körperliche Abhärtung ● Infektanfälligkeit - klimatische Reize Darüber hinaus bewirkt die physische Aktivität auch eine bewegungsinduzierte Stimulierung des Stoffwechsels im Knochenmark, wodurch mehr Immunzellen (weiße Blutkörperchen u. a.) abgegeben werden und damit die Immunabwehr zusätzlich erhöht wird. Unter Berücksichtigung der geschildeten Alternsprozesse müssen bei der Planung und Gestaltung eines physiologisch und individuell ausgerichteten Alterssports auch allgemeine (Tab. 18) und psychophysische Altersbesonderheiten (Tab. 19) Berücksichtigung finden, um den sportlichen Umfang und die methodische Gestaltung an die aktuelle und individuelle sportliche Belastbarkeit anzupassen (BRÜSCHKE 1969, STRAUZENBERG 1979, HOLLMANN 1981, ISRAEL 1982, BRING- MANN 1985 u. a.). 284 sporttreIben unter besonderen bedIngungen Allgemeine Verhaltensmaßnahmen: • Vor dem Beginn eines Gesundheitssports sollte generell der Hausarzt über die Belastungsmöglichkeiten konsultiert werden, um damit keine gesundheitliche Verschlechterung zu provozieren. • Der Sport sollte nur bei einem stabilen Gesundheitsgefühl durchgeführt werden. Bei Infekten ist generell eine Sportpause einzulegen. • Bei der Intensitätsfestlegung sind beeinflussende Medikamente zu berücksichtigen, da u. a. die Betarezeptorenblocker die Ruheherzschlagfrequenz bis zu 12 Schlägen pro Minute reduzieren können, so dass es unter einer sportlichen Belastung zu einer Überforderung kommen könnte (siehe Abb. 24, Seite 49). Psychopharmaka können die Reaktionsfähigkeit deutlich senken und damit eine Sportverletzung fördern. • Bei einer Lufttemperatur über 28°C und bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent sollte kein Sport betrieben werden, weil diese Bedingungen das Herz-Kreislaufsystem zu stark belasten. • Bei einer sportlichen Betätigung im Wasser sollte die Wassertemperatur nicht unter 22°C liegen, da ansonsten die Gefahr für eine Gefäßverengung besteht, die bei einer evtl. bestehenden PAVK oder einer Koronaren Herzkrankheit verstärkt Beschwerden (Angina pectoris, Wadenschmerz) verursachen könnte. Außerdem ist auch die Gelenkbeweglichkeit erheblich eingeschränkt, was die Bewegungseffektivität mindert. • Bei einer geplanten sportlichen Betätigung (Wandern, Wintersport) in einer Höhe von über 2500 Meter über den Meeresspiegel sollte eine Anpassungszeit (Akklimatisation) von zwei bis drei Tagen eingeplant werden, weil in dieser Höhe der Sauerstoffpartialdruck deutlich erniedrigt ist und die damit verbundene verminderte Sauerstoffversorgung die Leistungsfähigkeit des Körpers einschränkt. • Jede gesundheitliche Störung sollte sofort beim Hausarzt abgeklärt werden. Solange ist eine Sportpause ratsam. Belastungsspezifische Hinweise: • Bei der Planung und Gestaltung des präventiven Alterssports sind die speziellen Altersbesonderheiten (Tab. 18, 19) konsequent zu berücksichtigen. • Generell sollte das Grundprinzip “lang und langsam” Beachtung finden, um keine Überforderung zur provozieren (ISRAEL 1975). 285 sport Im höheren lebensalter (alterssport) • Die Wahl einer altersgerechten Sportart (Tab. 21, 22) und die methodische Gestaltung muss auf der Grundlage der individuellen und aktuellen körperlichen Leistungsfähigkeit erfolgen. Dabei sollten auch die unterschiedlichen Faktoren, die den Gesundheitssport beeinflussen können, berücksichtigt werden, da sie auch für den Alterssport gelten (Abb. 1, Seite 6). • Vor jeder sportlichen Betätigung ist eine 15 bis 20 minütige Erwärmung zu absolvieren (Kapitel 5,3, Abb. 14), um den Körper ausreichend auf die bevorstehende Belastung vorzubereiten, denn im höheren Alter ist die aktuelle Anpassungsfähigkeit des Kreislaufs und des Bewegungssystems verzögert. So benötigt das Binde- und Muskelgewebe eine längere Zeit für eine ausreichende Elastizität. Berücksichtigt man diese Vorbereitung nicht, besteht u. a. die Gefahr für eine Durchblutungsstörung im Herzmuskel (Ischämie u. a.) oder für eine Verletzung am Bewegungssystem (Zerrung u. a.). • Bei der Ausführung der sportlichen Übungen (besonders Kraftsport) ist darauf zu achten, dass keine Pressatmung provoziert wird, denn sie kann u. a. infolge einer Druckerhöhung im Brustkorb das Herzschlagvolumen verkleinern und dadurch eine Kreislaufstörung hervorrufen. Außerdem können die koronare Herzdurchblutung bis zu 45 Prozent reduziert und der Blutdruck infolge einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin, Noradrenalin) ansteigen, was zu einer erhöhten Herz-Kreislaufbelastung führt. • Bei der Auswahl einer Sportart muss unbedingt beachtet werden, dass sie altersgerecht (Tab.  21, 22) durchführbar ist, und dass die zu schulende Fähigkeit realisiert werden kann (Abb.  19, Seite 39). Dabei sollte jegliche Gefährdung für die Gesundheit (Verletzung, Überforderung u. a.) vermieden werden. Bei der Auswahl der zu schulenden Fähigkeiten im Rahmen des präventiven Alterssports muss die Verteilung der zu schulenden Fähigkeiten altersgerecht sein, was aus den Tabellen 21 und 22 ebenfalls zu entnehmen ist. Altersgerechte anteilige Planung: – Schulung der Ausdauer 50 bis 60 Prozent (Tab. 21) • Sportliches Wandern (kraftvolles sportliches Gehen), 5 bis 6 Km / Std. • Jogging, Laufen, 6 bis 8 Km / Std. 286 sporttreIben unter besonderen bedIngungen • Schwimmen (besonders bei degenerativen Erkrankungen am Bewegungssystem), Wassertemperatur über 22°C • Radfahren (nicht bei Gleichgewichtsstörungen) Tab. 21: Alterssportarten (Ausdauer-/ Spielsportarten) Alterssportarten Sportart / Übung besonders bedingt ungeeignet geeignet geeignet Ausdauer- Wandern sportarten Laufen Schwimmen Radfahren Skilanglauf Rudern Kanu Eislanglauf Spiel- Faustball sportarten Korbball Prellball Basketball Volleyball Fußball Handball Federball Tennis Tischtennis Golf – Schulung der Kraft 10 bis 20 Prozent • alle Übungen mit dynamischen Charakter ohne Gefahr einer Pressatmung • Belastungszeit 5 bis 6 Sekunden • bei der Ausführung kein Hohlkreuz und Rundrücken bilden • geeignete Elemente: Gymnastik, Partnerübungen • Kleingewichte (Handeln, Gummizugbänder u. a.) – Schulung der Koordination / Flexibilität / Gewandtheit 30 bis 40 Prozent (Tab. 22) • Spiele - Faustball, Prellball u. a.) - keine Zweikampfsportarten, evtl. Regelwerk ändern • Gymnastik (stossfrei, keine Aerobic wegen der hohen Intensität) • Turnen (nur als lebensbegleitenden Sport !!) • Tanzen (hohe Motivationskraft, teilweise hohe statische Belastung) 287 sport Im höheren lebensalter (alterssport) Tab. 22: Alterssportarten (Leichtathletik / Gymnastik) Alterssportarten Technische Sportarten besonders bedingt ungeeeignet geeignet geeeignet Turnen Reiten Kegeln Eiskunstlauf Weitsprung Hochsprung Gewichtheben Kugelstoßen Gymnastik / Übungen Tanzen isotonische Übungen isometrische Übungen • Keine Schulung der Schnelligkeit im höheren Lebensalter, da das Reaktions- und das Konzentrationsvermögen deutlich eingeschränkt sind. Dadurch können das Verletzungsrisiko und die Gefahr für eine Pressatmung erhöht werden • Bei der Gestaltung eines rehabilitativen Alterssports sind die organspezifischen Defizite, die durch Krankheit oder Alternsprozesse verursacht wurden, zu berücksichtigen, um die Zielstellung des rehabilitativen Alterssport zu erreichen (Kapitel 6.0), (Abb. 92). • Die Belastungsintensität und der -umfang sind stets an die aktuelle, individuelle und altersentsprechende Belastbarkeit anzupassen: • Grundprinzip: - „lang und langsam“ (= längere Belastungszeit + geringe Intensität) • Belastungsintensität: - HFBel. = 180 minus Lebensalter (Jahre) ± 10 (Tab. 6) • Belastungsumfang: - Minimum • Ausdauersport 1-mal 60 Minuten / Woche • Heimgymnastik täglich 10 Minuten - Optimum • Ausdauersport 2 bis 3mal 30 bis 60 Minuten / Woche • Heimgymnastik täglich 20-30 Minuten 288 sporttreIben unter besonderen bedIngungen Abb. 92: Ziel des rehabilitativen Alterssports Rehabilitativer Alterssport unterstützt fördert / stabilisiert Gesamtbehandlung Restleistung aktiviert / fördert mindert Heilungsprozesse Rezidivneigung Ziel stabilisiert verbessert Therapieergebnis Lebensqualität fördert schnelle senkt Wiedereingliederung Behandlungs-/ - Sport / Alltag - Betreuungskosten • Bei der Planung des Alterssports muss man aber auch berücksichtigen, dass nicht immer eine sportliche Betätigung das Mittel der Wahl ist, um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu fördern bzw. zu stabilisieren. Deshalb gibt es auch, bezogen auf die verschiedensten gesundheitlichen Störungen Gegenanzeigen (Kontraindikationen), die bei Planung des Alterssports Beachtung finden müssen, was die Tabelle 23 zusammenfasst. • Ein regelmäßiger Saunabesuch ist möglich, aber nur für ältere Menschen, die daran angepasst sind. Sie ist eine große Belastung für das Herz-Kreislaufsystem, denn die körperliche Belastung beträgt circa 75 Watt. Das ist für ältere Menschen, die noch gesundheitlich stabil sind problemlos. Nach dem 70. Lebensjahr sollte man damit jedoch nicht mehr beginnen, da das gesundheitliche Risiko zu hoch ist. • Die Sauna kann dabei folgende Wirkungen haben: – Anregung der Hautdurchblutung und Verbesserung der Hautphysiologie – Stabilisierung des Herz-Kreislaufs und die Blutdrucknormalisierung – Stimulierung des Immunsystems und Erhöhung der allgemeinen Abhärtung 289 sport Im höheren lebensalter (alterssport) – Verbesserung des Schlafs durch eine vegetative Umstimmung – Aufhellung der psychophysischen Stimmungslage – Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit und Schmerzlinderung. – Verlangsamung der Alternsprozesse (Anti-Aging-Maßnahme) durch Absenkung der Körperkerntemperatur, wodurch weniger freie Radikale gebildet werden und damit weniger DNA- Schäden entstehen. Man nimmt an, dass dadurch die Lebenserwartung um zwei bis drei Jahre verlängert werden kann. Tab. 23: Gegenanzeigen für den Alterssport Kontraindikationen im Alterssport manifeste Belastungsinsuffizienz des Herz-Kreislauf-Systems (generalisierte Ödeme, schwere Atemnot u.a.) Ruhe- und Belastungs-Brustschmerz (Angina pectoris) schwere leistungsbeeinflussende Herzrhythmusstörungen (Bradykardie unter 40 Schläge / min, Vorhofflimmern, AV-block 3. Grades, Salven von Extrasystolen u.a.) Bluthochdruck in Ruhe über 160 / 100 mmHg stark leistungsbegrenzende Lungenstörungen (schweres Lungenemphysem, Lungenfibrose, schwere asthmoide Bronchitis u.a.) schlecht eingestellter Zuckerstoffwechsel (Blutzucker größer 180 mg% als Nüchternwert u.a.) stark leistungsbeeinflussende Muskel-/ Gelenkstörungen (schwere Arthose, Rheumatoidarthritis, Gichtarthritis mit einem verkleinerten Bewegungsradius unter 50%, starker Muskelschwund u.a.) funktionsbeeinflussende neurologische Störungen (instabile Epilepsie, Lähmungen, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson u.a.) stark desorientierende Persönlichkeitsveränderungen (Delir, Demenz, schwere Zerebralsklerose u.a.) • Die Zielstellung für den Alterssport sollte sein: – Weitgehende Erhaltung der physischen Leistungsfähigkeit. – Verzögerung der Alternsprozesse. – Eingrenzung der chronischen Erkrankungen (Multimorbidität). – Unterstützung bei der Behandlung chronischer Erkrankungen. – Förderung der gesellschaftliche Integration und Förderung der Kontaktpflege. – Verbesserung der Lebensqualität. 290 sporttreIben unter besonderen bedIngungen 7.2 Sport bei Wetterfühligkeit Hierbei handelt es sich um Körperreaktionen auf Temperatur- und Luftdruckschwankungen. Sie treten besonders in der Altersgruppe ab dem 60. Lebensjahr auf, wo fast 70 Prozent der Menschen darüber klagen. Sie gelten nicht als eine echte Krankheit, sondern sind lediglich eine Störung im vegetativen Nervensystem. Gut vertragen wird von unserem Körper eine stabile Hochdrucklage. Eine hektische Lebensweise, Stress oder eine starke Anspannung sowie eine ungesunde Ernährung können diese Beschwerden allerdings verstärken. Man unterscheidet zwei verschiedene Formen: • Wetterfühligkeit tritt u. a. bei warmen Fallwinden (Föhn) auf und zeigt sich bevorzugt mit Kopfschmerzen. • Wetterempfindlichkeit ist die Verstärkung der Beschwerden bei einer bereits bestehenden Erkrankung, wie u. a. Gelenkschmerzen bei Rheuma oder Atembeschwerden bei Asthma bronchiale. Auslöser für diese organismischen Störungen ist eine natürliche elektromagnetische Strahlung (Sferics). Bei einem herannahenden Wetterwechsel befinden sich ein bis zwei Tage vorher feine Schwingungen als Vorboten in der Luft, die von den Baro-Rezeptoren, die in der Halsschlagader ihren Sitz haben, wahrgenommen werden. Zieht z. B. ein Tiefdruckgebiet heran, verschieben sich große Luftmassen in der Atmosphäre mit einem hohen Gewicht (circa 20 Tonnen), worauf der Körper reagiert. Typische Beschwerden sind dabei u. a. Blutdruckschwankungen (hoch oder niedrig), Asthmaanfälle, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Migräneanfälle, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen. Eine kalte Luft kann dagegen einen Bluthochdruck, eine Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße (Angina pectoris), Kopfschmerzen oder muskuläre Krämpfe auslösen. Zur Vorsorge und Verhalten bei Beschwerden sind folgende Maßnahmen angezeigt: • Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Fisch. 291 sport nach umstellung auf dIe wInterzeIt • Meidung von Alkohol und Nikotin. • Entspannungsübungen (Yoga, Meditation u. a.), einen ausreichenden Schlaf und ein regelmäßiger Lebensrhythmus. • Eine sportliche Aktivität ist bei jedem Wetter möglich, so auch an den Tagen der Wetterfühligkeit. Dazu eignen sich besonders: – Ein täglicher Spaziergang von circa 30 Minuten – Ausdauersportarten (Joggen, Walken, Schwimmen u. a.) Die Bewegung härtet nicht nur den Körper ab, sondern stabilisiert auch den Kreislauf und fördert das Wohlgefühl. • Ein regelmäßiger Saunabesuch oder Wechselduschen können dies noch zusätzlich unterstützen. 7.3 Sport nach Umstellung auf die Winterzeit Seit Einführung der Umstellung von der Sommerzeit auf die Winterzeit und umgekehrt im Jahre 1980 ist dies vielfältig umstritten, weil sie für viele Menschen und Tiere eine Belastung darstellt und weil sie darüber hinaus einen großen ökonomischen Aufwand erfordert. Bei einer Umfrage gaben 24 Prozent der Befragten gesundheitliche Probleme nach der Zeitumstellung an. Circa 79 Prozent klagten über Ein- und Durchschlafstörungen, circa ein Drittel über eine Abnahme der Konzentrationsfähigkeit oder Zunahme einer gereizten Grundstimmung und 13 Prozent sind sogar depressiv verstimmt. Infolge einer mangelnden, körperlichen Fitness besteht bei der Körperlichen Aktivität die Gefahr für einen uneffektiven Sport und für eine Sportverletzung. Deshalb sollten folgende Grundsätze zu dieser Zeit Beachtung finden: • Bei Beginn des Gesundheitssports sollte keine körperliche Ermüdung vorliegen. • Die Sportzeiten sind dem körperlichen Empfinden anzupassen. • Anfänglich sollte der Umfang und die Intensität für zwei bis drei Wochen um circa 20 Prozent reduziert werden. 292 sporttreIben unter besonderen bedIngungen 7.4 Sport in der Winterszeit Geschwächte und ältere Menschen haben in der kalten Jahreszeit teilweise erhebliche Probleme, was weitgehend durch die kalte Umgebung ausgelöst wird. Am Stütz- und Bewegungssystem sind u. a. die Muskeln, das Bindegewebe und die Gelenke weniger elastisch, wodurch die Bewegungsausführung gestört sein kann. Dadurch besteht die Gefahr für eine schlechtere Dehnungsfähigkeit, was das Risiko für eine Sportverletzung (Muskelfaserriss, Gelenkzerrung u. a.) erhöht. Auch bei Erkrankungen am Herzkreislaufsystem können Beschwerden auftreten. So kann es bei einer Koronaren Herzkrankheit (KHK) infolge der Kälteeinwirkung zu einer Gefäßverengung im Herzmuskel kommen, die einen Herzgefäßkrampf (Angina pectoris-Anfall) auslösen kann (siehe Kapitel 6.1.3.1). Auch bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) ist durch die Kälteeinwirkung ein Gefäßkrampf in den Beingefäßen möglich (siehe Kapitel 6.1.5.1). Bei einer chronischen Lungenerkrankung (chronische Bronchitis, Asthma bronchiale, COPD u. a.) kann ebenfalls durch die kalte Atemluft eine Bronchuskrampf ausgelöst werden, der zu einer Atemnot führt (siehe Kapitel 6.2.1). Die oft beklagten Müdigkeitserscheinungen, die auch die Konzentration und Aufmerksamkeit stören können, erhöhen die Unfallgefahr. Erklärt wird dies durch die Störung des biologischen Tagesrhythmus, wodurch am Tage vermindert Serotonin- und erhöht Melatonin produziert wird. Deshalb sollten bei kalten Tagen folgende Maßnahmen Berücksichtigung finden: • Erst bei Temperaturen unter minus 10 Grad sollte man Sportarten im Freien meiden. • Generell ist bei kalten Tagen der Gesundheitssport nur mit einer ausreichenden wärmenden und atmungsaktiven Sportkleidung durchzuführen, die nach dem Zwiebelprinzip gestaltet sein sollte. • Die Abwehrfähigkeit des Immunsystems muss gestärkt werden, um Infekte vorzubeugen. Dies ist möglich durch eine tägliche Bewegung an der frischen Luft (circa 30 Minuten) und die Aufnahme 293 sport beI fIeberhaften erKranKungen von Vitamin C und Zink. Das Vitamin C ist ausreichend in Obst und Gemüse und Zink in Vollkorngetreide, Milchprodukten und Muskelfleisch enthalten. • Bei einer chronischen Lungenstörung sollte solange wie möglich eine Nasenatmung durchgeführt werden (mit Mundtuch). • Bei Störungen am Stütz- und Bewegungssystem (Arthrose, Rheuma u. a.) ist zusetzlich eine ausreichende Erwärmung vor dem Sportbeginn durchzuführen (Kapitel 5,3, Abb. 14). • Bei einer bestehenden Koronaren Störung (KHK, Zustand nach Herzinfarkt) sollte prophylaktisch vor dem Sportbeginn mit einem Nitroglycerin-Spray einem Anfall vorgebeugt werden. • Bei einem Krampf in den Herzkranzgefäßen ist sofort eine Sportpause einzulegen und der vorhandene Nitranginspray ist unverzüglich anzuwenden. • Bei einer peripheren arteriellen Durchblutungsstörung (PAVK) kann ein warmes Fußbad vor dem Sportbeginn nützlich sein. Außerdem sind eine warme Beinkleidung und Schuhe erforderlich. Eine Durchnässung der Kleidung ist zu vermeiden. • Beim Jogging sollte man so lange wie möglich bewusst durch die Nase atmen, weil es die Atemwege vor Unterkühlung schützt. • Nach dem Sport darf man sich keinesfalls verschwitzt in der kalten Umgebung aufhalten, um eine Unterkühlung zu vermeiden. • Nach der sportlichen Betätigung kann ein Saunagang mit moderaten Abkühlungsmaßnahmen sehr förderlich sein. • Die zeitlich begrenzte psychophysische Beeinträchtigung sollte bei der Sportplanung dahingehend Berücksichtigung finden, indem man komplizierte Bewegungsabläufe vermeidet. 7.5 Sport bei fieberhaften Erkrankungen Fieberhafte Infekte können durch Bakterien oder Viren ausgelöst werden und sind meistens eine Ganzkörpererkrankung, die die verschiedensten Organe hoch belasten können. Deshalb sollte man in dieser Zeit keine zusätzliche körperliche Belastung durchführen, um eine Verschlimmerung des Erkrankungsprozesses oder einer organischen Überlastung vorzubeugen. Nach dem Abklingen eines fieberhaften Infekts sollte der Sport mindestens noch 14 Tage unterbrochen werden, um eine völlige kör- 294 sporttreIben unter besonderen bedIngungen perliche Erholung zu gewährleisten. Danach kann man mit einer vorsichtigen Belastung wieder beginnen. Das volle Belastungsmaß sollte erst wieder nach 4 Wochen aufgenommen werden. 7.6 Sport nach der Schwangerschaft Nach einer Schwangerschaft kann es infolge einer mehrmonatigen Fehloder Überbelastung zu muskulären Störungen kommen, die sich besonders durch Becken- und Rückenschmerzen äußern (KNUTTGEN 1989). Die Ursache ist meistens eine Muskelschwäche der Ab- und Anspreizer der Oberschenkelmuskulatur bzw. der Rückenstrecker. Zur Milderung der Beschwerden können folgende Maßnahmen Anwendung finden: • Physiotherapeutische Mobilisationsbehandlung (Massage, Gymnastik u. a.). • Fahrradergometertraining zur Mobilisierung und Kräftigung der Stamm- und Beinmuskeln. • Gymnastische Übungen zur Stabilisierung der Bauch-, Gesäß- und Rückenmuskeln (lange Rückenstrecker). • Ein Gesundheitssport sollte für 10 bis 15 Wochen, wöchentlich 30 bis 60 Minuten durchgeführt werden. 7.7 Sport bei hohen Temperaturen Klimatische Bedingungen (Außentemperatur, Sonnenstrahlung, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit u. a.) können erheblich die sportliche Leistungsfähigkeit beeinflussen. Bei hohen Außentemperaturen (> 25°C) besteht die Gefahr, dass die Körpertemperatur zu hoch ansteigt (normal 36,5° bis 37,4°C). Bei einer langen Ausdauerbelastung kann sie sogar auf 39° bis 40°C ansteigen. Lebensbedrohlich wird es erst, wenn sich die Körpertemperatur auf 42°C erhöht, weil es dann zu einer Zerstörung von Organzellen kommen kann. 295 sport beI hohen temperaturen Das Regulationszentrum für die Temperatur liegt im Zwischenhirn. Es wird über Messfühler, die in der Haut liegen über Veränderungen der Außentemperatur informiert. Bei hohen Außentemperaturen werden die Mechanismen der Wärmeregulation während einer sportlichen Betätigung noch stärker in Anspruch genommen, denn durch den erhöhten Energiestoffwechsel entsteht zusätzliche Wärmeenergie, die nur zu circa 30 Prozent für die körperliche Aktivität genutzt werden kann. Circa 70 Prozent wird als Wärme abgegeben. Besteht nun eine hohe Außen- und Körperkerntemperatur, so ist das Temperaturgefälle sehr klein und die Wärmeregulation des Körpers wird dadurch hoch belastet. Die Wärmeabgabe des Körpers erfolgt einerseits durch eine direkte Wärmeabstrahlung (circa 10 bis 15 %), die aber bei einer hohen Außentemperatur wegen des geringen Temperaturgefälles begrenzt ist. Andererseits kann der Körper auch durch einen verstärkten Wärmetransport mittels einer erhöhten Hautdurchblutung (circa 10 bis 15 %) und einen verstärkten Schwitz- und Verdunstungsprozess (circa 70 bis 80 %) die Wärme abgeben. Die sog. Verdunstungskälte, die durch die Schweißverdunstung auf der Haut entsteht, stellt den wichtigsten Faktor bei der Wärmeregulation dar, denn durch ein Liter Schweiß können dem Körper circa 560 Kcal Wärme entzogen werden. Bei hohen Außentemperaturen kann ein Sportler während der sportlichen Aktivität bis zu drei Liter Flüssigkeit verlieren, was den Wasser- und Elektrolythaushalt des Körpers hoch belastet. Meist tritt ein Kalium- und Magnesiummangel auf, der zu Muskelkrämpfen oder Muskelverspannungen führen kann. Da der Körper aus circa 60 Prozent Wasser besteht und sehr empfindlich auf Flüssigkeitsverluste (kritische Grenze 8 bis 10 % vom Körpergewicht) reagiert, ist ein ausreichender Flüssigkeitsersatz (während und nach dem Sport) erforderlich. Außerdem wird die Lungenfunktion erheblich belastet, da der Körper nicht nur über die Haut, sondern auch über die Lunge Wärme abgibt, was eine höhere Atemfrequenz bewirkt. Bei einer bestehenden Lungenerkrankung (COPD, Asthma bronchiale, Pollenallergie u. a.) können sich dadurch die Beschwerden deutlich verschlechtert. 296 sporttreIben unter besonderen bedIngungen Grundsätzlich sollte man das Durstgefühl nicht übersehen, da es ein sicheres Warnzeichen für einen Flüssigkeitsdefizit ist. Dieses Warnzeichen meldet sich, wenn der Körper circa 0,5 Prozent seines Körpergewichts an Wasser verloren hat. Beim älteren Menschen ist dies noch wichtiger, da mit zunehmendem Alter das Durstempfinden abnimmt. Werden dagegen die Mechanismen der Wärmeabgabe überfordert, besteht die Gefahr für eine Hitzeschädigung in Form von Hitzekrampf, Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag (PANDOLF 1989). Zur Vorbeugung von Komplikationen sollten deshalb folgende Maßnahmen Beachtung finden: • Während der sportlichen Betätigung ist ausreichend Flüssigkeit (Tee u. a.) aufzunehmen. • Es sind abkühlende Pausen im Schatten einzuschalten. • Vor der sportlichen Betätigung sollte ausreichend getrunken werden. • Bei einer Überhitzung muss der Kopf und Rumpf gekühlt werden (feuchte Tücher, Schwämme u. a.). Geeignete Maßnahmen sind auch das Schwimmen, das kalte Wassertreten nach Kneipp oder das kalte Duschen. • Bei einer bestehenden Venenstörung sollten Stützstrümpfe beim Sport getragen werden, damit trotz einer vermehrten Muskelpumpe das Blut nicht durch die hitzebedingte Venenerweiterung in den Beinen versackt, was zu einem Blutdruckabfall führen könnte. • Auf eine ausreichende Elektrolyt- und Flüssigkeitsaufnahme nach dem Sport ist zu achten. Dabei ist besonders Kalium und Magnesium zu substituieren. • Ein sofortiger Abbruch der sportlichen Belastung ist bei Anzeichen einer Überhitzung (Gänsehaut, Brechreiz, Kopfschmerz u. a.) erforderlich. • Bei einer starken Sonnenstrahlung sollte 30 Minuten vor Beginn des Sports auf die unbedeckten Hautregionen ein Sonnenschutzmittel mit UVA- und UVB-Filter (Lichtschutzfaktor 30 u. a.) aufgetragen werden. Außerdem sollte eine Kopfbedeckung getragen werden. 297 sport und wasserhaushalt 7.8 Sport und Wasserhaushalt Wasser ist mengenmäßig der wichtigste Bestandteil unseres Körpers, wobei es alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. Etwa zwei Drittel des Gesamtkörperwassers befindet sich in den Zellen (Intrazellularflüssigkeit) und hat eine große Bedeutung für den Zellstoffwechsel. Das restliche Drittel ist außerhalb der Zellen (Extrazellularflüssigkeit) eingelagert. Ohne Wasser kann ein Mensch nur zwei bis vier Tage überleben. Der Umfang des Wassergehalts im Körper hat auch einen spezifischen Altersbezug. Während beim Neugeborenen der Körper bis zu 75 Prozent aus Wasser besteht, reduziert sich der Wasseranteil beim Erwachsenen ungefähr auf 60 Prozent des Körpergewichts. Nach dem 50. Lebensjahr sinkt er auf circa 50 Prozent ab (Frauen 46 %, Männer 52 %). Das Wasser ist jedoch nicht nur Bestandteil der Zellen, sondern es dient auch noch als Lösungs- und Transportmittel. So werden Energieträger und Elektrolyte zu den Zellen transportiert und Stoffwechselendprodukte und Gifte wieder zur Ausscheidung abtransportiert. Darüber hinaus hat das Wasser aber auch eine Bedeutung für biochemische Reaktionen und für die Regelung der Körpertemperatur. Unter normalen physiologischen Bedingungen verliert der Körper konstant Wasser über den Darm, die Nieren, die Lungen und über die Haut. Bereits bei einer normalen Temperatur verliert ein Mensch in Mitteleuropa täglich circa 2,5 Liter Wasser. Ein zusätzlicher Wasserverlust kann entstehen durch eine hohe Wärmeeinwirkung (hohe Temperatur, starker Wind, starke Sonneneinstrahlung u. a.) oder durch eine extreme Körperbelastung beim Sport oder Arbeit infolge eines starken Schweißverlustes. Um den Wasserhaushalt im Gleichgewicht zu halten, muss die verloren gegangene Menge täglich ersetzt werden. Ideale Durstlöscher sind u. a. Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetee sowie verdünnte Obstund Gemüseschorlen. Aber auch ein alkoholfreies Weizenbier kann nützlich sein, weil es isotonisch ist und damit Wasser- und Elektrolytverluste schnell nach dem Sport ausgleichen kann. Zusätzlich enthält Bier Kohlenhydrate, die wichtig für die Wiederauffüllung der Glykogenspeicher sind. Man könnte auch ein alkoholhaltiges Weizenbier trinken, aber bei mehr als einen halben Liter wird die Regenerationsphase des Körpers verlängert. 298 sporttreIben unter besonderen bedIngungen Ungeeignet sind dagegen durch die anregende Wirkung Kaffee sowie schwarzer und grüner Tee. Ein Erwachsener sollte deshalb täglich circa 1,5 Liter Flüssigkeit über Getränke aufnehmen. Den Rest erhält er durch den Wassergehalt der Nahrungsmittel und durch das Wasser, das bei der Verbrennung der Nährstoffe (Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett) in der Zelle entsteht. Diesen Aspekt muss man generell bei der Durchführung eines Gesundheitssports beachten, um nicht den Körper in seinen Stoffwechselvorgängen zu überfordern. Umso wichtiger ist dies, wenn die klimatischen Faktoren (Hitze u. a.) noch ungünstig sind. Bei einer sportlichen Aktivität werden notwendigerweise mehr Energieträger verbrannt, um ein höheres Energieangebot für die muskuläre Mehrarbeit zu sichern. Da nur ein Teil als echte Energie (Adenosintriphosphat = ATP) verwendet werden kann und die andere Energie als Wärme entsteht, muss diese, um die Körperkerntemperatur zu halten, abgegeben werden. Dies erfolgt mittels der Wärmeabstrahlung über die Haut und durch die Schweißbildung. Der Schweiß wird dabei verdunstet und durch die Verdunstungskälte kann der Körper seine Kerntemperatur annähernd konstant halten. Dieser Wasserverlust und der Elektrolytverlust müssen natürlich während oder nach der sportlichen Aktivität schnell ausgeglichen werden. Der Durst ist dabei ein sicheres Warnzeichen. Der Körper meldet sich, wenn der Körper mehr als 0,5 Prozent seines Gewichtes durch Wasser verloren hat. Das sind circa 300 Milliliter (circa ein Glas Wasser) bei einem Körpergewicht von 60 Kilogramm (vergleiche auch Kapitel 7,7). Bei einem starken Schwitzen kann der Wasserverlust pro Tag unter Umständen auf mehrere Liter ansteigen, was sich durch vielfältige Erscheinungsformen, wie u. a. Durst, Leistungsabfall, Müdigkeit, Übelkeit, Konzentrationsstörung, Kopfschmerzen, trockene Haut zeigen kann. Gleichzeitig sind eine verminderte Speichelbildung und Harnproduktion sowie ein trockener Mund- und Rachenraum zu beobachten. Das tritt bereits bei einem Flüssigkeitsverlust von drei Prozent auf. Bei einem weiteren Abfall auf fünf Prozent können eine verminderte Gewebespannung, Herzrhythmusstörungen sowie Fieber auftreten. 299 ozon und sport Bei einem Wasserverlust ab 10 Prozent des Köpergewichts sind Muskelkrämpfe, eine geistige Verwirrung oder ein Kreislaufkollaps möglich. Zeichen für einen Flüssigkeitsmangel ist außerdem eine trockene Haut mit einer stehenden Hautfalte. Bei einem Wasserverlust von mehr als 20 Prozent des Körpergewichts ist dieser Zustand mit dem Leben nicht mehr vereinbar. Beim Sporttreiben haben der Leistungsabfall und die Konzentrationsabnahme eine große Bedeutung, weil sie nicht nur die sportliche Leistung schmälern, sondern auch einen Sportunfall begünstigen können. 7.9 Ozon und Sport In den letzten Jahren hat der Ozongehalt in der unteren Atmosphäre zugenommen. Es entsteht in diesem atmosphärischen Raum unter Einwirkung der ultravioletten Strahlung aus Vorläufersubstanzen (Kohlenwasserstoffe, Stickoxide u. a.). Deshalb ist die Luftkonzentration im Sommer am höchsten und das Tagesmaximum liegt in den Nachmittagsstunden. Ozon ist eine 3-atomige Form des Sauerstoffs. Es ist in niedriger Konzentration ein normaler Bestandteil der Luft. In circa 10 bis 40 Kilometer Höhe befindet sich eine Ozonschicht, die das Leben auf der Erde gegenüber der ultravioletten Strahlung der Sonne schützt. Ozon beeinflusst die Lungenfunktion durch Husten, Kratzen im Hals und ein brennendes Gefühl in den oberen Atemwegen. Dadurch wird die tiefe Einatmung erschwert (Schmerzen, Husten u. a.). Diese Reaktionen treten allerdings individuell sehr unterschiedlich auf. Unter den Bedingungen einer Ruheatmung bestehen nahezu keine Beschwerden. Doch bei einer längeren körperlichen Belastung und einer vertieften Atmung kann es zu diesen Beschwerden kommen. Außerdem können höhere Ozonkonzentrationen auch zu Schleimhautreizungen (Augen, Atemwege u. a.) führen. Für die sportliche Aktivität sind folgende Empfehlungen zu beachten: • Die sportliche Betätigung ist bei der Gefahr einer erhöhten Konzentration in die Morgen- oder Abendstunden zu verlegen. 300 sporttreIben unter besonderen bedIngungen • Während sportlichen Aktivität sind große freie Flächen zu meiden und übermannshohe Bepflanzungen (Alleen, Park, Wald u. a.) zu bevorzugen oder in Sporthallen auszuweichen (circa 50 % niedriger Ozonanteil). • Bei ungünstigen Wetterbedingungen (Sonne in der Höhe, Windstille u. a.) eine Sportpause einlegen. • Bei bekannten Reaktionen auf Ozon sollte der Sport an diesen Tagen unterlassen werden. Eine sportärztliche Beratung ist empfehlenswert. 7.10 Sport mit künstlichem Gelenkersatz (Endoprothese) Über die sportliche Belastbarkeit eines künstlichen Gelenkersatzes (Hüfte, Knie) gibt es noch keine einheitliche Auffassung. Doch die Gesellschaft für Endoprothetik rät zu einem regelmäßigen Sport, um die körperliche Fitness zu erhalten. Forschungen und Entwicklungen haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass besonders die Mechanik, die Verankerungstechnik im Knochen und die Verschleißfestigkeit ständig verbessert werden konnten, so dass sich die Belastbarkeit merklich erhöht hat, wobei trotzdem noch eine spezielle sportliche Belastungsgestaltung angezeigt ist. Je nach der Endoprothesenart wird immer wieder einmal eine frühzeitige Lockerung im Knochen durch die sportliche Aktivität erwähnt. Dies konnte jedoch durch langjährige Beobachtung, insbesondere bei der Verwendung neuer Endoprothesen, nicht bestätigt werden. Vielmehr kann ein Übergewicht viel häufig dieses Problem auslösen, so dass eine Revisionsoperation erforderlich wird. Neuere Untersuchungen fanden, dass bei Ausdauersportlern ohne unphysiologische Belastungsspitzen die Lockerungsrate nur bei circa 4 Prozent liegt, gegenüber circa 15 Prozent bei Untrainierten. Erklärbar ist dieses Phänomen durch die belastungsinduzierte Anregung des Knochenstoffwechsels, der einerseits durch die Knochenneubildung die Endoprothese festigt und anderseits einer Entwicklung der Osteoporose entgegenwirkt. 301 sport mIt KünstlIchem gelenKersatz (endoprothese) Außerdem werden durch die gleichzeitige gelenkumgebende Muskelschulung und -kräftigung das Gelenk und damit der Prothesensitz stabilisiert. Bei der Beurteilung der sportlichen Belastbarkeit nach einer Implantation eines künstlichen Gelenkes sind sowohl technische Aspekte aber auch gesundheitliche Voraussetzungen zu prüfen. Generell kann ein künstlicher Gelenkersatz bei einer technisch guten Implantation und einer erfolgreichen sowie komplikationslosen Einheilung die volle Funktion des Gelenkes im Alltag und bei einer sportlichen Aktivität übernehmen. Bei der Wahl der Sportart müssen die sportlichen Vorerfahrungen des Betreffenden, die Bewegungsdynamik und die Modifikationsmöglichkeiten der Sportart sowie die individuellen gesundheitlichen und sportlichen Voraussetzungen Beachtung finden: Für den Gesundheitssport ergeben sich daraus folgende Aspekte, die prinzipiell berücksichtigt werden sollten: • Eine sportliche Belastung erscheint ungeeignet bei einem starken Bewegungsschmerz im Gelenk, bei einer Endoprotheseninstabilität, bei einem Übergewicht und Muskelschwäche sowie bei einem Wiederholungsimplantat. • Die Dauer der sportlichen Belastungspause oder Teilbelastung nach einer Implantation hängt von der Sportart und vom Heilungsund Rehabilitationsverlauf ab. Stoßfreie Sportarten (Schwimmen, Gymnastik u. a.) können sofort nach der Operation für die Rehabilitation genutzt werden. • In den ersten sechs Wochen nach einer zementfreien Implantation sollte man zurückhaltend sein, da der Knochen einige Zeit braucht, um eine feste Verbindung herzustellen. • Die Anwendung eines gelenkentlastenden Muskeltrainings sofort nach der Abheilung der Operationswunde ist nützlich, um eine muskuläre Rückbildung zu verhindern und den Prothesensitz zu verbessern (Gymnastik, Sportgeräte u. a.). • Nach circa 4 Monaten (mit 15 Minuten beginnen) kann auf einem weichen aber nicht zu stark elastischen, ebenen Boden mit dem 302 sporttreIben unter besonderen bedIngungen Lauf begonnen werden. Dabei sollte der Umfang langsam und kontinuierlich erweitert werden. Es sollten generell jene Sportarten bevorzugt werden, die man bereits kennt, denn vertraute Bewegungsabläufe belasten das Gelenk geringer. Gleichzeitig kann dadurch auch eine Sportverletzung vermieden werden. • Mit einer sportartspezifischen Belastung sollte jedoch bei einem schmerzfreien und guten Endoprothesensitz frühestens nach 6 Monaten begonnen werden. • Die Aufnahme eines wettkampforientierten Sports ist nach einem Jahr möglich, wenn ein stabiler Prothesensitz und eine absolut schmerzfreie Bewegung vorliegen. • Die ausgewählte Sportart sollte keine stoßbelastenden Elemente enthalten (Sprünge u. a.), die das Kunstgelenk plötzlich durch Stö- ße stark belasten. – Geeignete Sportarten sind u. a. Wandern, Nordic Walking, Schwimmen, Skilanglauf, Golf, Radfahren Rudern und Gymnastik. – Bedingt geeignet sind Tennis, Tischtennis, Kegeln, Bergwandern, alpiner Skilauf und ein leichtes Jogging. – Ungeeignet sind Sportarten, die zu einer plötzlichen Drehbewegung oder extremen Abspreizung führen bzw. die eine plötzliche oder dauerhafte Belastungsspitze erfordern. Dazu zählen u. a. Marathon, Mannschaft-Ballsportarten, Kampfsportarten, Wasserski und Felsklettern. – Bei einem künstlichen Hüftgelenk (Hüft-TEP) ist ein Laufbandtraining sehr angezeigt, weil es besonders die stabilisierenden Hüftgelenksmuskeln stärkt und damit ein schnelleres Gehen ohne Unterarmgehstützen ermöglicht. • Eine kontinuierliche fachärztliche Kontrolle des Prothesensitzes und eine sofortige Sportpause sowie eine Arztvorstellung bei Beschwerden sind dringend erforderlich. • Zum Stabilitätserhalt ist ein tägliches Muskeltraining der gelenkumgebenden Muskeln notwendig. 303 sport beI menstruatIon und KlImaKterIum 7.11 Sport bei Menstruation und Klimakterium Der menstruelle Zyklus beträgt normalerweise 28 Tage. Wobei er zwischen 21 und 35 Tage variieren kann. Er beginnt mit dem Eisprung und kann bei einigen Frauen körperliche und psychische Beschwerden verursachen. Besonders einige Tage vor dem Eintritt der Menstruationsblutung können ziehende Schmerzen im Unterleib, eine Spannung in den Brüsten, ein allgemeines Unwohlsein und eine psychische Verstimmung auftreten. Man bezeichnet dies auch als prämenstruelles Syndrom. Die psychische und physische Leistungsfähigkeit während der Menstruation ist sehr individuell verschieden. Einige sind sogar während dieser Zeit arbeitsunfähig. Deshalb ist es oft nicht möglich, den gewohnten Sport durchzuführen. Andererseits verspüren manche Frauen während der Menstruation überhaupt keine Beschwerden. Viele Frauen empfinden den Sport vor und während der Menstruation als Erleichterung. Häufig wird sogar hervorgehoben, dass besonders die schmerzhaften Tage dadurch gut überbrückt werden können. Teilweise können sogar die schmerzhaften Phasen während der Menstruation durch den Sport vollkommen verschwinden. Den Zyklusverlauf kann man in zwei unterschiedliche Phasen einteilen, wobei die erste Phase meist mit einem besseren Wohlbefinden abläuft. Die sportliche Leistungsfähigkeit wird durch den Menstruationszyklus unterschiedlich beeinflusst. Häufig wird ein Leistungsoptimum in der ersten Phase beobachtet und eine verminderte Leistungsfähigkeit in der zweiten Phase (prämenstruelle Phase). Allerdings sind diese Unterschiede geringer bei den trainierten Frauen zu beobachten. Die Einnahme von hormonellen Kontrazeptiva mindert ebenfalls die Leistungsdifferenzen. Da die individuellen Reaktionen sehr differenziert sind, kann man daraus keine Verallgemeinerungen ableiten, zumal bei Frauen, die Schnellkraftziplinen betreiben, gerade ein Leistungsmaximum während der Menstruation zu beobachten ist. Ob eine sportliche Belastung während der Menstruation durchgeführt werden kann, hängt einzig und allein vom gesundheitlichen Befinden ab, denn auch ein intensives Training beeinflusst kaum den Ablauf der Menstruation und es sind auch keine Schäden bekannt. 304 sporttreIben unter besonderen bedIngungen Sollten Schmerzen im Unterbauch bestehen, kann man ein muskelentspannendes Medikament oder Magnesium bzw. Kalzium einnehmen, die auf die Muskulatur entspannend und krampflösend wirken, so dass die Beschwerden deutlich gemindert werden können. Eine ähnliche Wirkung hat auch eine Wärmebehandlung am Unterbauch. Danach ist in jedem Falle eine sportliche Belastung möglich (SCHÖNLE- BER 2013). In den Wechseljahren (Menopause) kommt es zu einer Minderung des Hormonhaushaltes. So wird z. B. verringert das Schlafhormon (Melatonin) gebildet, was den erholsamen Schlaf mindert. Darüber hinaus nimmt auch der Sexualhormonspiegel (Östrogen, Progesteron) ab, was die klimakterischen Beschwerden auslöst. Dabei können die Schlafstörungen diese Situation noch verstärken. Die Hormontherapie zur Behandlung der klimakterischen Beschwerden wird wegen der evtl. Gefahr eines Mammakarzinoms noch kontrovers diskutiert. Deshalb werden hormonfreie, alternative Behandlungsmaßnahmen Phytoöstrogene, Homöopathie, Akupunktur und die Bewegungstherapie dafür als Ersatz angeboten. Mehrere Studien konnten belegen, dass eine regelmäßige physische Aktivität die Hitzewallungen mindern kann. Ein moderater Ausdauerdauersport (3mal wöchentlich) und tägliche Entspannungsübungen können die Beschwerden positiv beeinflussen. Gleichzeitig wird dadurch auch eine Mammakarzinomprophylaxe unterstützt.

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Zusammenfassung

Die vorliegende Publikation beschreibt die Anwendung von sportlichen Mitteln und Methoden im Rahmen einer präventiven Vorsorge und einer therapeutischen Behandlung bei speziellen Erkrankungen. Die Grundlagen der inhaltlichen Darstellungen basieren auf jahrzehntelangen Erfahrungen des Autors durch eigene Studien und durch seine praktische Tätigkeit. Dabei werden die Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen des Gesundheitssports im Rahmen dieser Zielstellung vorgestellt und in inhaltlichen Darstellungen so präsentiert, dass sie für ein breites Publikum verständlich und anwendungsfähig sind. Die vorliegende Publikation richtet sich deshalb vorrangig an interessierte Bürger, Physiotherapeuten, Gesundheitstrainer und Ärzte in der medizinischen Grund- und spezialisierten Betreuung, die im Rahmen eines mehrdimensionalen Präventions- und Therapiekonzepts sportliche Mittel und Methoden in die Vorsorge und Behandlung miteinbeziehen möchten. Wesentliche Behandlungsvorschläge sind durch eingefügte Studienergebnisse untermauert, die einen wirkungsvollen Nachweis einer sportlichen Betätigung bestätigen. Zur Erweiterung der Grundkenntnisse ist der Publikation ein umfassendes Literaturverzeichnis beigefügt.