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5 Forschungsprojekt in:

Christian Roth

Tiergestützte Förderung der exekutiven Funktionen hyperkinetischer Kinder, page 62 - 83

Ergebnisse einer sonderpädagogischen Einzelfallstudie

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-4057-7, ISBN online: 978-3-8288-6899-1, https://doi.org/10.5771/9783828868991-62

Tectum, Baden-Baden
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62 5 Forschungsprojekt In diesem Kapitel werden der Forschungsansatz sowie die Forschungsziele des Forschungsprojektes beschrieben. Des Weiteren wird eine detaillierte Beschreibung des Forschungsdesigns abgegeben. Es umfasst Aussagen über eine begründete Auswahl der Forschungsmethodik, des Replikationsverfahrens und des Versuchsplans. Des Weiteren werden neben der Aufstellung der Hypothesen, die Erhebungsmethode, die zum Einsatz kommenden Messinstrumente sowie die Methoden zur Datenauswertung vorgestellt und beschrieben. Das Kapitel endet mit Ausführungen über den Rekrutierungsprozess potentieller Probanden von der Zielgruppenbestimmung bis zum Erstgespräch. 5.1 Forschungsansatz Der Forschungsansatz für die vorliegende Studie ergibt sich aus einem von Prothmann (2012) theoretisch entwickeltem Modell eines Parcoursspiels sowie aus Verhaltensbeobachtungen im Rahmen eines Agilitytrainings aus der ergotherapeutischen Praxis von Petermann (1997). In beiden Fällen, geht es um ein Training bei dem hyperkinetische Kinder einen Begleithund durch einen Parcours führen. Des Weiteren wird die Motivation zur Umsetzung des Forschungsvorhabens durch eine Aussage von Breitenbach (2014) bekräftigt, der die Auffassung vertritt, dass für aufmerksamkeitsgestörte Kinder die Lernsituationen erleichtert werden können, wenn Bewegungsmöglichkeiten geschaffen werden. Das auf diese Weise angehobene Aktivierungsniveau ermöglicht es den Kindern aufmerksam zu arbeiten und zu lernen. Kliphard (1993) geht bei seinen Überlegungen zur ADHS-Problematik von der Unteraktivierungsthese aus (vgl. Wohnhas-Baggerd, 2008). So kann davon ausgegangen werden, dass mit einem Parcourstraining der Unteraktivierung der betroffenen Kinder entgegen gewirkt werden kann. Prothmann (2012) beschreibt ein theoretisches Konzept eines Parcourstrainings mit möglichen Wirkfaktoren. Es beinhaltet kein Förderprogramm oder spezifische Übungen. Allgemein wird in diesem Konzept die Kommandoarbeit mit dem Hund und speziell ein Parcoursspiel für die Veränderung von Verhaltensmustern und die Verbesserung der Konzentration von hyperkinetischen Kindern als besonders geeignet angesehen. Mit einem Parcoursspiel können jene Bereiche trainiert werden, die ihnen große Probleme bereiten, dazu gehören u.a.: Exekutivfunktionen, Konzentration, Selbstkontrolle, Kommunikation, Einfühlungsvermögen, Perspektivwechsel, soziale Fertigkeiten, räumliche Wahrnehmung und Raumempfinden. In folgendem Phasenmodell geht Prothmann auf die umzusetzenden Handlungen ein und nennt für jede Phase entsprechende Lernziele: 63 Tab. 7: Training spezifischer Fähigkeiten beim Parcoursspiel (vgl. Prothmann, 2012) Beim Parcoursspiel soll das Kind lernen, den Hund ohne Leine - nur anhand von Worten und körpersprachlichen Zeichen - durch einen selbst entwickelten Parcours zu bewegen. Dafür ist ein stabiles Vertrauensverhältnis sowie eine funktionierende Kommunikation zwischen Kind und Hund notwendig. Die Kinder sollten vom Pädagogen bzw. Therapeuten eine klare Struktur vorgegeben bekommen, die sie bei der Planung und Durchführung des Parcoursspiels unterstützt. Da sich das Kind oft nicht vorstellen kann, was die Aufgabe für den Hund bedeutet, sollte es nach Planung und Errichtung den Parcours erst einmal alleine durchlaufen. So kann es die Perspektive des Hundes einnehmen (vgl. Prothmann, 2012). Außerdem kann es genauer planen, zu welchen Zeitpunkten entsprechende Kommandos und Belohnungen notwendig sind. Hyperkinetische Kinder können eine 30minütige freie Spielphase oft nicht ausreichend sinnvoll füllen (vgl. Prothmann, 2012), demnach sollte ein Konzentrations- und Verhaltenstraining mit Hunden für hyperkinetische Kinder nicht als freie, sondern als gelenkte Interaktion organisiert werden. Schwarzkopf & Olbrich (2003) berichten aus der ergotherapeutischen Praxis über den Einsatz eines Begleithundes u.a. bei Kindern mit Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblemen und überaktiven Kindern. So richtet sich bei einem Agilitytraining die ganze Aufmerksamkeit des Kindes auf den Hund, da es ihm im richtigen Moment adäquate Kommandos erteilen und Belohnungen geben muss, um den Parcourslauf erfolgreich durchführen zu können. Neben der konzentrierten Aufmerksamkeit konnte beobachtet werden, dass die Kinder beim Training mit dem Hund ihren Impulsen nicht nachgeben, so wie sie es für gewöhnlich taten, wenn sie den Agilityparcours ohne Hund absolvierten. Wie eingangs erwähnt, stellen das in diesem Abschnitt beschriebene Modell sowie die beschriebenen Beobachtungen aus der ergotherapeutischen Praxis den Forschungsansatz des geplanten Forschungsprojekts dar. In beiden Fällen wird 64 davon ausgegangen, dass sich allein durch das Führen des Hundes durch einen Parcours das Verhalten von hyperkinetischen bzw. überaktiven Kindern modifizieren lässt. Als mögliche Ursachen können die in Kapitel 2.5.2 beschriebenen Wirkungen eines Tieres auf das psychische Wohlbefinden angesehen werden. Auch wenn dies für den Zeitraum einer ergotherapeutischen Sitzung gelten mag, stellt sich die Frage, inwieweit sich nach solchen Trainingssitzungen das Verhalten der Betroffenen im Alltag ändert. Die Wirksamkeit eines pädagogischen, ergotherapeutischen oder psycho-therapeutischen Programms wird in der Regel daran gemessen, ob und in welchem Ausmaß sich Transfereffekte in den relevanten Lebensbereichen einstellen (z.B. dem schulischen und häuslichen Bereich). Außerdem stellt sich eine weitere Frage, die sich auf den Aufbau und die Zielsetzung des Parcoursspiels bezieht: Sollte oder müsste ein Tiergestütztes Interventionsprogramm, welches gezielt auf die Abmilderung von ADHS-Symptomatiken ausgerichtet ist, nicht auch zielgerichtete Übungen beinhalten? Um für ein solches Interventionsprogramm Wirksamkeitsnachweise erbringen zu können, müssten in der Folge entsprechende Messinstrumente eingesetzt werden, die im Fall des ergotherapeutischen Trainings offensichtlich nicht zum Einsatz kamen. 5.2 Forschungsziele Im Gegensatz zu den im vorangegangen Abschnitt vorgestellten Parcoursspielen soll der Begleithund im „Tiergestützten Pädagogisches Parcourstraining“ (TPP) als Mittel zur Förderung der exekutiven Funktionen fungieren. Das Trainingsprogramm, welches in einer separaten Monographie im Jahr 2018 erscheinen wird, soll eine Möglichkeit darstellen, mit Hilfe des Begleithundes und spezieller Übungen defizitäre exekutive Funktionen von Kindern im Allgemeinen und von hyperkinetischen Kindern im Speziellen zu verbessern. So kann z.B. die Aufmerksamkeit nicht nur explizit, sondern auch implizit gefördert werden. Im Rahmen der Forschungsarbeit soll versucht werden, mit ausgewählten Instrumenten die Wirksamkeit des Förderprogramms „TPP“ mit pädagogischen Begleithunden zur Förderung der exekutiven Funktionen von hyperkinetischen Kindern in drei Einzelfällen nachzuweisen. Des Weiteren wird mit der Studie das Ziel verfolgt, neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Tiergestützten Förderung von hyperkinetischen Kindern zu sammeln, und ein Tiergestütztes Förderprogramm mit zielgerichteten Übungen zur Verbesserung der exekutiven Funktionen zu entwickeln und in der Praxis zu erproben. Mit der Durchführung des Trainingsprogramms soll im Detail überprüft werden, ob sich Verbesserungen im Hinblick auf das Arbeitsgedächtnis, die Impulskontrollfähigkeit und das Aufmerksamkeitsverhalten der Probanden feststellen lassen. 65 5.3 Forschungsdesign 5.3.1 Untersuchungsart Um neue Erkenntnisse auf dem Forschungsgebiet der Tiergestützten Pädagogik zu gewinnen und einen Einblick in das Zusammenwirken der Vielzahl von Faktoren zu erhalten, die bei einem Tiergestützten Förderprogramm von Bedeutung sind, ist eine hypothesenprüfende Einzelfallstudie geplant. Diese Untersuchungsart bezieht sich bei einem überwiegenden Teil der durchgeführten Untersuchungen auf Personen und seltener auf andere Forschungsobjekte, wie z.B. eine Schulklasse oder eine Familie (vgl. Bortz & Döring, 2006). Einzelfall-untersuchungen werden am häufigsten in der pädagogischen, sonderpädagogischen und klinischen Forschung angewandt (vgl. Petermann, 1996). Der Forschungsgegenstand kontrollierter Einzelfallstudien in der sonderpädagogischen Praxis ist meist der Aufbau oder die Änderung des Verhaltens von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf (vgl. Julius et al., 2000). Sie kommt häufig dann zum Einsatz, wenn es um Verhaltens-modifikationen sowie Verhaltenstherapien geht (vgl. Kern, 1997). So besteht in einer Einzelfalluntersuchung z.B. die Möglichkeit, Verhaltensmodifikationen über die zu überprüfenden Hypothesen hinaus festzustellen. Außerdem liefern einzelfallorientierte Interventionsstudien oftmals brauchbare Trainings-, Förder- oder Therapiemaßnahmen für die praktische Arbeit (vgl. Kern, 1997; Petermann, 1989). „Einzelfallstudien zeichnen sich gegenüber Stichprobenuntersuchungen durch eine bessere Überschaubarkeit des Untersuchungsumfeldes und damit durch eine bessere Kontrollierbarkeit potenzieller Störvariablen aus; sie eignen sich besonders zur Erkundung psychologischer, medizinischer, pädagogischer oder ähnlicher Hypothesen.“ (Bortz & Döring, 2006, S. 580) Eines der gewichtigsten Argumente, welches gegen diese Forschungsart spricht, ist die fehlende bzw. unzureichend gegebene Möglichkeit der Generalisierung bzw. der Klientengeneralitiät gewonnener Erkenntnisse (vgl. Kern, 1997). Eine kontrollierte Einzelfallstudie ist allerdings für das geplante Forschungsvorhaben gegenüber einer Gruppenstudie vorzuziehen, da u.a. das Verhalten des Probanden in einem Einzelsetting genauer beobachtet und analysiert werden kann. Außerdem handelt es sich bei dem Interventionsprogramm um eine neue Zusammenstellung von Übungen in einem Trainingsmanual, das mit einzelnen Versuchsteilnehmern auf die praktische Umsetzbarkeit und Wirksamkeit überprüft werden soll. Bei der Auswahl der Forschungsstrategie ist zudem zu berücksichtigen, dass die Tiergestützte Pädagogik bzw. Therapie auf eine vergleichsweise junge Forschungsgeschichte zurückblickt (vgl. Greiffenhagen & Buck-Werner, 2011), und somit nur 66 eine geringe Anzahl empirisch erhobener Vergleichsdaten vorliegt. Für das Tiergestützte Parcourstraining, welches dem sonderpädagogischen Bereich zugeordnet werden kann, liegen bisher noch keine vergleichbaren Studienergebnisse vor. Mit den aus der Studie gewonnen Erkenntnissen soll die Möglichkeit geschaffen werden, für eine rein quantitativ ausgerichtete Studie spezifische Hypothesen zu formulieren und mit einer angemessenen Stichprobengröße zu arbeiten (vgl. Lamnek, 2010). Petermann (1989) weist ebenfalls darauf hin, dass eine Einzelfallanalyse die Vorstufe zu einer Gruppenanalyse darstellt. Lohaus (1983) merkt in diesem Zusammenhang an, dass mit Einzelfallanalysen die Aufmerksamkeit auf vernachlässigte Phänomene in der Forschung gelenkt werden soll, und dass sich durch ihren Einsatz Hypothesengerüste für die weitere Forschung gewinnen lassen. 5.3.2 Replikationsverfahren Das Tiergestützte Trainingsprogramm soll nach der ersten Intervention zweimal repliziert werden. Als Replikationsverfahren in Einzelfallstudien schlägt Sidmann (1960) entweder eine direkte oder eine systematische Replikation vor, die sich in ihren experimentellen Vorgehensweisen und ihren grundsätzlichen Zielausrichtungen (Verifikation und Falsifikation) unter-scheiden. So versucht man mit einer systematischen Replikation Ausnahmen zu finden bei denen, sich die Interventionswirkung nicht einstellt. Dazu werden die Vorgaben und/oder Variablen des Erstexperiments in den Wiederholungsexperimenten variiert. Dies kann entweder das Setting, den Versuchsleiter, die Symptomatik der Probanden oder die im Interventionsmanual enthaltenden Übungen betreffen (vgl. Julius et al., 2000). Barlow & Hersen (1984) empfehlen diesbezüglich stets nur eine Variable zu einem Zeitpunkt zu verändern, um einen möglichen Einfluss auf das Ergebnis des Experiments zu identifizieren. Mit der direkten Replikation wird das Ziel verfolgt, nach einer ersten erfolgreichen Intervention deren Wirksamkeit bei weiteren Probanden zu überprüfen. Dabei werden im Gegensatz zur systematischen Replikation alle Vorgaben und Variablen konstant gehalten. Für die Durchführung einer systematischen Replikation wird empfohlen, vorab die direkte Replikation durchzuführen. Für die geplante Einzelfallstudie werden somit das Interventions-Setting und die experimentelle Vorgehensweise konstant gehalten und idealerweise vergleichbare Probanden, die demselben ADHS-Subtyp zugeordnet werden können, rekrutiert (vgl. Julius et al., 2000). 67 5.3.3 Versuchsplan In Hinblick auf die Fragestellung der Studie und die Aussagekraft der Ergebnisse kommen vier in der Literatur erwähnte Versuchspläne in die engere Auswahl: ein A-B-A-B-Plan, ein alternierender Plan, ein A-B-Plan sowie ein A-B-E-Plan. Das Trainingsprogramm mit einer zwischengelagerten Baseline-Phase, wie es bei einem A-B-A-B-Plan praktiziert wird, kann als in der Praxis schwer umsetzbar ausgeschlossen werden. Erziehungsberechtigte von Studienteilnehmern ziehen in der Regel eine zusammenhängende Interventionsphase vor. Mit dem alternierenden Versuchsplan besteht die Möglichkeit, Veränderungen der abhängigen Variablen mit Blick auf den Einsatz des Begleithundes genauer zu untersuchen, indem in der Interventionsphase die Trainingsstunden im Wechsel (mit Hund und ohne Hund) stattfinden. Auch dieser Plan ist in der Praxis schwer umsetzbar, da es den Eltern potentieller Studienteilnehmern besonders um die Zusammenarbeit des Kindes mit dem Hund geht. Die Entscheidung fällt somit für einen basalen Versuchsplan (A-B-E-Plan), da dieser einen kontinuierlichen Trainingsverlauf ohne Veränderungen der Trainingssitzungen oder wechselnde Phasen während der Intervention beinhaltet und eindeutigere Aussagen über die Wirksamkeit einer Intervention zulässt als ein einfacher A-B-Plan (vgl. Kern, 1997). 5.3.4 Hypothesen und potentielle Störquellen Die Arbeit beinhaltet drei unspezifische Hypothesen (H), die sich einzelnen Teilbereichen der exekutiven Funktionen zuordnen lassen, zu denen das Arbeitsgedächtnis (H1), die Aufmerksamkeit (H2) sowie die Impulskontrolle (H3) gehören. Der für die Nullhypothese (H0) erforderliche Zusatz ist kursiv geschrieben. (H1): Nach einer Tiergestützten Intervention kommt es zu keiner / einer signifikanten Steigerung des Arbeitsgedächtnisses bzw. der Merkfähigkeit (visuelles und auditives Merken). (H2): Nach einer Tiergestützten Intervention kommt es zu keinen signifikanten Veränderungen der Aufmerksamkeitsleistung (auditive und visuelle Aufmerksamkeit). (H3): Nach einer Tiergestützten Intervention ist keine / eine signifikante Verbesserung der Impulskontrolle feststellbar. Die unabhängige Variable (Interventionsprogramm) wird im Hinblick auf ihre Wirkung auf die abhängigen Variablen (Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit und Impulskontrolle) untersucht. Alle drei Nullhypothesen werden in Hinblick auf 68 den häuslichen Bereich (H0.1), schulischen Bereich (H0.2) sowie den Bereich der Trainings- bzw. Testsituation (H0.3) überprüft. Zu drei Messzeitpunkten werden dazu Daten mit den zum Einsatz kommenden Mess- bzw. Erfassungsinstrumenten generiert und Veränderungen der abhängigen Variablen kontrolliert (vgl. Julius et al., 2000). Versuchsleitereffekte oder andere Störquellen, wie z.B. verschiedene Tage und Tageszeiten, an denen das Trainingsprogramm stattfindet, werden möglichst konstant gehalten. Das Training wird auf Video aufgezeichnet, um das Verhalten während der Trainingssituation analysieren zu können. Es soll versucht werden, mögliche Störvariablen, die im schulischen oder häuslichen Umfeld des Kindes auftreten können, mit den Interviewbögen im Vorfeld zu erfassen und weitgehend zu kontrollieren. Die zum Einsatz kommenden Tagebücher können neben den registrierten Häufigkeiten des auftretenden Verhaltens Informationen über Störquellen aus dem schulischen und häuslichen Bereich liefern. Weitere detaillierte Angaben zur Datenaufzeichnung und -auswertung werden in Kapitel 5.3.7 vorgenommen. 5.3.5 Erhebungsmethode „Einzelfallstudien sind sowohl in der quantitativen wie qualitativen Forschung zu finden.“ (Mey & Wenglorz, 2005, S. 497) Sie haben zum Ziel, ein ganzheitliches und damit realistisches Bild der sozialen Welt zu zeichnen. Um dabei zu gewährleisten, dass alle bedeutsamen Aspekte, Dimensionen, Facetten etc. eines Untersuchungsobjektes im Blick auf das Untersuchungsziel erfasst werden, sollten verschiedene Erhebungsmethoden (Methodentriangulation) zum Einsatz kommen (vgl. Lamnek, 2010). Kelle (2008) versteht unter der Triangulation methodenintegrative Designs, die sich wiederum in sequentielle und parallele Designs differenzieren lassen. Ein paralleles Design mit qualitativen sowie quantitativen Erhebungsmethoden scheint das geeignete und bietet bei der Untersuchung derselben Person zum selben Zeitpunkt mit unterschiedlichen Verfahren den Vorteil, neue Erkenntnisse zu gewinnen und ein geschlossenes Bild der Untersuchungseinheit zu erhalten (vgl. Lamnek, 2010). Um einen mehrperspektivischen Zugang im Sinne der Triangulation (vgl. Mey & Wenglorz, 2005) zum Forschungsfeld der tiergestützten Interventionen zu ermöglichen, kommen dementsprechend in der vorliegenden Studie qualitative und quantitative Erfassungsinstrumente zum Einsatz. 69 5.3.6 Erhebungsinstrumente Bei den ausgewählten Erhebungs- bzw. Erfassungsinstrumenten handelt es sich um eine Auswahl von psychometrischen Tests, standardisierten Fragebögen, halbstrukturierten Interviews (mit Audioaufzeichnungen) und Verhaltensbeobachtungen (mit Videoaufzeichnungen). Döpfner et al. (2008) bezeichnen, neben klinischen Interviews objektive Testungen, Eltern- und Lehrerfragebögen sowie Verhaltensbeobachtungen als Goldstandard zur Diagnostik von ADHS. So ist davon auszugehen, dass sich solche Erfassungsinstrumente auch für den verlaufsdiagnostischen Prozess im Rahmen einer Studie eignen. Um die Entwicklung des jeweiligen Kindes besser beurteilen zu können, findet über den gesamten Förderzeitraum eine unmittelbare Beobachtung mittels täglicher Verhaltensaufzeichnungen und einer wöchentlichen Videoaufzeichnung der Trainingssitzung statt. So können weitere qualitative und quantitative Daten gesammelt werden, um Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Intervention in Hinblick auf die formulierten Hypothesen zu ziehen. Folgende Abbildung zeigt die Erhebungs- bzw. Erfassungsinstrumente, die zu den verschiedenen Testzeitpunkten sowie phasenübergreifend zum Einsatz kommen: Abb. 9: Überblick über Erfassungsinstrumente im Untersuchungszeitraum Nach dem ersten Testzeitpunkt (Prätest) beginnt eine 3-wöchige Baseline-Phase, die durch eine 12-wöchige Interventionsphase abgelöst wird. Die Interventionsphase endet mit einem ersten Retest, auf den eine 3-wöchige Follow-up-Phase folgt, deren Ende mit einem zweiten Retest bzw. Follow-up-Test markiert wird. Im Verlauf werden die erhobenen quantitativen Daten mit einem Signifikanztest, der abhängige Messungen zulässt, überprüft. Dafür bietet sich der X²-Test an, der zur Kontrolle therapeutischer oder anderer Maßnahmen zum Einsatz kommt, und die Möglichkeit bietet, Testwerte bei wiederholter Testanwendung mit Refe- 70 renz-profilen zu vergleichen (vgl. Bortz & Döring, 2006). Einige der Messinstrumente verfügen über Profile von Referenzpopulationen, die den Individualprofilen gegenübergestellt werden. Bei der Zusammenstellung und Zuordnung der Messinstrumente wurde mit Blick auf die Wiederholungsmessungen das jeweilige Retest-Intervall berücksichtigt. Eine genaue Beschreibung der methodischen Vorgehensweise zur Auswertung der erhobenen Daten findet sich in Kapitel 5.3.7. In den folgenden Abschnitten werden die Testinstrumente (T) nach der Reihenfolge der zu überprüfenden Hypothesen (H) benannt und beschrieben. 5.3.6.1 Hypothesenübergreifende Instrumente Hypothesenübergreifend (T1-T3) werden mögliche Änderungen des Verhaltens in der Feld-situation auf Video aufgezeichnet. Das Videomaterial wird daraufhin einer Sequenzanalyse unterzogen, um Verhaltensauffälligkeiten während der Trainingssitzungen zu registrieren. Dabei werden insbesondere das impulsive Verhalten sowie das Aufmerksamkeitsverhalten registriert. Zur Erfassung der Merkfähigkeit wird eine Lernverlaufskurve über den Interventionszeitraum aufgezeichnet, an der die richtig gelösten Aufgaben je Trainingseinheit zu erkennen sind. Zu Beginn und zum Ende jeder Einzelfallbeobachtung werden mit dem teilnehmenden Kind, den Eltern und dem Lehrer halbstrukturierte Interviews geführt, um eine breit angelegte Datenbasis zu schaffen, und im Vorfeld festzustellende Störvariablen ausfindig zu machen. Des Weiteren werden zur Kontrolle der häuslichen und schulischen Verhaltensweisen in Bezug auf die Hypothesen, sowie zur Erfassung der Störvariablen innerhalb der beiden Lebensbereiche, über die gesamte Studienphase Verhaltenstagebücher geführt. Das häusliche Verhaltenstagebuch wird von den Eltern und das schulische vom Klassenlehrer des jeweiligen Kindes geführt. Die registrierten Häufigkeiten des Auftretens von Unaufmerksamkeit und Impulsivität werden in Diagrammen festgehalten und visuell sowie statistisch ausgewertet. Das Kerninstrument der Studie ist das Verhaltensinventar zur Beurteilung exekutiver Funktionen (BRIEF, Drechsler & Steinhausen, 2013). Das Verhaltensinventar geht auf eine Studie über exekutive Funktionen bei Kindern mit ADHS zurück. Es besteht aus zwei Indices, einem Verhaltensregulations-Index, der sich aus den Skalen Hemmen, Umstellen und Emotionale Kontrolle zusammensetzt sowie einem kognitiven Regulations-Index, der die Skalen Initiative, Arbeitsgedächtnis, Planen/Strukturieren, Ordnen/Organisieren und Überprüfen umfasst. Das Instrument beinhaltet drei Fragebögen, zur Selbstbeurteilung durch das Kind (BRIEF-SB) und zur Fremdbeurteilung durch die Eltern (BRIEF-Eltern) und die Lehrer (BRIEF-Lehrer). Der BRIEF-SB ist für Kinder ab dem 11. Lebensjahr konzipiert und ist somit für die Messung der exekutiven Funktionen aufgrund des 71 Alters der Probanden nicht einsetzbar (vgl. Kap. 5.4.2). Die Fremdbeurteilungsbögen BRIEF-Lehrer und BRIEF-Eltern mit einem Retest-Intervall von drei Wochen werden für zwei bzw. drei Messzeitpunkte genutzt. Zur hypothesenübergreifenden Erfassung der Probleme im häuslichen und schulischen Umfeld kommen des Weiteren drei Fragebögen aus dem Kinder-Diagnostik-System (KIDS, Döpfner, Lehmkuhl & Steinhausen, 2006) zum Einsatz: (1) Zur Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten in 17 alltäglichen Familiensituationen wird mit den Eltern der Probanden das halbstrukturierte Interview über Problemsituationen in der Familie (EI-PF, Döpfner, 2002) geführt. So können verschiedene besonders problematische Situationen im familiären Alltag ausfindig gemacht, und nach Häufigkeit des auftretenden Problemverhaltens und der Problemintensität der jeweiligen Situation bewertet werden. Die Problemintensität wird auf einer zehnstufigen Skala gemessen, um einen Prä-Retest-Vergleich zu Veränderungen der Problemstärke vornehmen zu können. (2) Der Fragebogen über Verhaltensprobleme bei den Hausaufgaben (ADHS- FVH, Döpfner, 2002), dient dazu detaillierte Informationen über die Hausaufgabensituation zu eruieren. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die schwerpunktmäßige Beurteilung der Hausaufgaben-situation nach Vermeidungs- oder Durchführungsproblemen. Dabei lassen sich die Vermeidungsprobleme in Vermeidungs- und Verhinderungsstrategien unterteilen. Der Bogen wird qualitativ ausgewertet, um Veränderungen der Probleme während der Hausaufgaben-erledigung nach der Intervention feststellen zu können. (3) Mit dem Fragebogen zur Verhaltensbeurteilung im Unterricht (FVU, Döpfner, 2002) kann das im Unterricht gezeigte Arbeitsverhalten erfasst werden. Der Fragebogen beinhaltet 10 Fragen, die hinsichtlich verschiedener Verhaltensmerkmale im Unterricht auf einer vierstufigen Antwort-Skala eingeschätzt werden. Der Fragebogen eignet sich auch zur täglichen oder wöchentlichen Erhebung verlaufsdiagnostischer Daten. Gegen den täglichen oder wöchentlichen Einsatz des Bogens spricht allerdings, dass die Lehrer aufgrund des Arbeitsaufwandes mit der Führung des schulischen Tagebuchs voraussichtlich keinen zusätzlichen Arbeitsaufwand übernehmen werden. Das Messinstrument kommt daher nur bei der Präsowie der 1. Retestung zum Einsatz. Zur normativen Auswertung können zwei Skalenwerte ermittelt werden: „Aufmerksamkeitsprobleme“ (Frage 1-6) und „mangelnde Regelbeachtung“ (Frage 7-10) während des Schulunterrichts. 5.3.6.2 Instrumente zur Erfassung der Merkfähigkeit Die Battery for Assessment in Children – Merk- und Lernfähigkeitstest (BASIC- MLT, Lepach & Petermann, 2008) ist speziell für 6- bis 16-jährige Kinder und 72 Jugendliche konzipiert, und ist ein Verfahren zur Erfassung globaler sowie modalitäts- und funktionsspezifischer Störungen der Merk- und Lernfähigkeit. Der BA- SIC-MLT beinhaltet eine Kernbatterie, bestehend aus acht Hauptuntertests: Muster Lernen (ML), Wörter Lernen (WL), Räumliches Positionieren (RP), Zahlenfolgen (ZF), Muster Lernen Delay (MLD), Farbfolgen (FF), Wörter Lernen Delay (WLD) und Geräuschfolgen (GF). Des Weiteren können optional sechs Zusatztests durchgeführt werden: Details Merken (DM), Muster Lernen Wiedererkennung (MLW), Wörter Lernen Wiedererkennung (WLW), Alltagssituationen Merken (AS), Geschichten Merken (GM) und Handlungsfolgen (HF). Überprüft werden die unmittelbare Merkspanne, die Fähigkeit zum Lernzuwachs inklusive Interferenzanfälligkeit, der verzögerte Abruf sowie Wiedererkennungsleistungen. Um eine Wiederholungs-/Verlaufsdiagnostik zu ermöglichen, werden für die Lerntests (ML, MLD, MLW, WL, WLD, WLW) Alternativversionen zur Verfügung gestellt. Als Ergebnis können sowohl ein Gesamtwert (Merk-Quotient) als auch fünf Subskalenwerte ermittelt werden: Aufmerksamkeit und Konzentration (AK), Visuelles Merken (VM), Auditives Merken (AM), Visuelles Lernen (VL) und Auditives Lernen (AL). Die auditiven Untertests werden von einer CD präsentiert, was ein hohes Maß an Standardisierung ermöglicht. Das übersichtliche und kindgerecht gestaltete Material ermöglicht eine praxisnahe und komfortable Durchführung. Bei der Datenerhebung werden folgende Subskalenwerte ermittelt: Visuelles Merken (VM) und Auditives Merken (AM). Aus dem Basic-MLT kommen vier skalenrelevante Untertests - U4: Räumliches Positionieren (RP); U7: Farbfolgen (FF); U5: Zahlenfolgen (ZF); U9: Geräuschfolgen (GF) zum Einsatz, um die T-Werte der beiden Kernskalen visuelle (U4 & U7) und auditive Merkfähigkeit (U5 & U9) zu ermitteln. Für die zum Einsatz kommenden Untertests wird eine Bearbeitungszeit von 20 Minuten veranschlagt. Zur Messung der auditiven Merkfähigkeit wird zusätzlich der Verbale Lernund Merkfähigkeitstest (VLMT, Helmstaedter et al., 2001) eingesetzt. Der VLMT erfasst unterschiedliche Parameter des deklarativen Verbalgedächtnisses: die Supraspanne, die Lernleistung, die langfristige Enkodierungs- bzw. Abrufleistung und die Wiedererkennungs-leistung. Mit Maßen zur verbalen Gedächtnisspanne, können so Aspekte des verbalen Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnisses erfasst werden. Das Testmaterial besteht aus zwei Wortlisten, die sich aus je 15 semantisch unabhängigen Wörtern zusammensetzen, und einer Wiedererkennensliste. Es existieren zwei Paralleltestformen, so dass ein Wiedererkennungs-effekt bei zwei Folgetestungen ausgeschlossen werden kann. Das Testinstrument lässt auch Messungen individueller Veränderungen in Verlaufsuntersuchungen zu. Die effektive Testdauer beträgt ca. 20 Minuten, inklusive halbstündiger Zeitverzögerung ca. 50 Minuten. 73 5.3.6.3 Instrument zur Erfassung der Aufmerksamkeit Zur Feststellung der auditiven und visuellen Aufmerksamkeit wird das Aufmerksamkeits-testgerät (ADT3000) verwendet. Bei dem Testgerät handelt es sich um ein mobiles Gerät. So kann auf den Einsatz eines Bildschirms und Computers während der Untersuchungen verzichtet werden. Das Testgerät enthält einen Satz von auditiven und visuellen Testvarianten, die den gängigen standardisierten Erfassungsmethoden entsprechen. In allen Testarten antwortet das Kind per Tastendruck auf die zuvor definierten "Zielreize". Enthalten sind (1) Vigilanz-Test verbal (Silben) oder nonverbal (Klaviertöne); (2) Test zur kreuzmodalen geteilten Aufmerksamkeit durch Hinzuschalten einer visuellen Aufgabe und (3) Test zur Störschall-Abhängigkeit der Aufmerksamkeit durch unvorbereitetes Einspielen von Alltags-geräuschen. Das Testgerät bietet Testdurchläufe für verschiedene Altersstufen sowie auf unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen an. Die Tests dauern zwischen 3 und 8 Minuten und weisen eine Spanne von 72 bis 200 Reizen auf. Auf dem Display des Testgerätes werden mehrere Auswertungsparameter angezeigt, z.B. richtige Antworten in Prozent, Fehlerarten, Median und Standardabweichung der Antwortzeit in Sekunden. Anhand der mitgelieferten Software für den PC können zusätzliche Parameter angezeigt werden (z.B. Testergebnisse im zeitlichen Ablauf). Die beiden Aufmerksamkeitstests, die durchgeführt werden, nehmen ca. 10 Minuten in Anspruch. Angaben zur Auswertung, der mit diesem Gerät erhobenen Rohdaten, erfolgen in Kapitel 7.2.1.5. 5.3.6.4 Instrument zur Erfassung der Impulsivität Zur Erfassung der Impulsivität wird das Testinstrument „Turm von London“ (TL-D, Tucha & Lange, 2004) eingesetzt. Das Verfahren beruht auf dem Prinzip einer Transformationsaufgabe für Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 15 Jahren zur Erfassung des konvergenten problemlösenden Denkens. Die Korrelationen der Gesamtleistung im TL-D mit den erhobenen kognitiven Basisleistungen zeigen, dass die Testleistung in einem engen Zusammenhang zu den exekutiven Leistungen, insbesondere der kognitiven Flexibilität, steht und auch Aussagen über die Impulsivität einer Person ermöglicht. Der TL-D besteht aus drei verschiedenfarbigen Kugeln, die auf drei nebeneinander platzierten vertikalen Stäben von unterschiedlicher Länge angeordnet sind. Auf den Stäben ist Platz für eine, zwei oder drei Kugeln. Ziel der Aufgabe ist es, in einer minimalen Anzahl von Zügen, die Kugeln von einem Ausgangszustand in einen vorgegebenen Zielzustand zu überführen. Dabei darf bei jedem Zug jeweils nur eine Kugel versetzt werden. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe lässt sich anhand der erforderlichen Anzahl von Zügen variieren. Diese Aufgabe erfasst komplexe Planungsprozesse, bei denen eine Vielzahl möglicher Handlungsoptionen erkannt und in der Vorstellung auf ihre Brauchbarkeit hinsichtlich des erwünschten Zielzustandes geprüft werden müssen. Die vorliegende Version des TL-D umfasst 20 Aufgaben 74 unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades, die aus jeweils fünf 3-Zug-, 4-Zug-, 5- Zug- und 6-Zug-Problemen bestehen. Die Testdauer beträgt ca. 25 Minuten. 5.3.7 Aufzeichnungs- und Datenauswertungsmethoden 5.3.7.1 Interviews, Fragebögen und psychometrische Tests Alle im Untersuchungszeitraum geführten halbstrukturierten Interviews sowie einige der verwendeten Fragebögen aus dem Kinder-Diagnostik-System (KIDS, Döpfner, Lehmkuhl & Steinhausen, 2006) werden qualitativ ausgewertet. Als Orientierungshilfe zur Entwicklung der halbstrukturierten Fragebögen dienen neben den Fremdbeurteilungsbögen der Selbstbeurteilungsbogen des Verhaltensinventars BRIEF zur Messung der exekutiven Funktionen des Kindes (vgl. Drechsler & Steinhausen, 2013). Bei der qualitativen Auswertung wird auf die formulierten Hypothesen sowie auf die Problemschwerpunkte im schulischen sowie häuslichen Bereich des jeweiligen Probanden eingegangen. Die erhobenen Daten erlauben zum einen Aussagen über weitere, unabhängig von den zu überprüfenden Hypothesen gewonnen Erkenntnissen und zum anderen über die soziale Validität sowie die soziale Akzeptanz des Interventionsprogramms. Soziale Validität liegt vor, wenn die Ziele, Methoden und Ergebnisse eines Experiments vom Probanden selbst und seinem sozialen Umfeld für bedeutsam gehalten werden (vgl. Julius et al., 2000). Kern (1997) nennt im Zusammenhang mit der sozialen Validität den Begriff der sozialen Akzeptanz, die dann gegeben ist, wenn die Art der Intervention von den Probanden und ihren Bezugspersonen akzeptiert wird. Er betont, dass beide Begriffe als eng zusammengehörig zu betrachten sind. Die mit den strukturierten Fragebögen und psychometrischen Tests erhobenen Daten werden zur Prä-Retest-Kontrolle visuell inspiziert und statistisch ausgewertet. Die Retest-Ergebnisse werden zusammen mit den Ergebnissen aus den vorangegangen Testzeitpunkten grafisch dargestellt, um mögliche Veränderungen erkennen zu können. Außerdem werden Signifikanz-testungen zur Kontrolle durchgeführt, um Aussagen über die Bedeutsamkeit bzw. Zufälligkeit möglicher Merkmalsveränderungen treffen zu können. Die Signifikanzüberprüfung mit dem Chi-Quadrat-Test erfolgt für alle Testinstrumente, bei denen die Retest-Reliabilitäten und die Standardabweichungen aus dem jeweiligen Manual zu entnehmen sind. Döring & Bortz (2006) schlagen zum Vergleich von Testwerten bei wiederholter Testanwendung folgende Formel vor: 75 Aufgrund unterschiedlicher Standardabweichungen bei den zum Einsatz kommenden Untertests des Basic-MLT´s (vgl. Lepach & Petermann, 2008) wird folgende umgestellte Formel benötigt: Alle Messwerte werden mit dem Chi-Quadrat-Test ermittelt und anhand der sich im Anhang A befindenden Tabelle für X2-Verteilungen auf signifikante Veränderungen überprüft. Bei der Überprüfung wird für jedes Testinstrument das entsprechende Signifikanzniveau (vgl. Anh. B) berücksichtigt. Einige Testinstrumente enthalten Informationen zur Auswahl des geeigneten Signifikanzniveaus, wie z.B. der Verbale Lern- und Merkfähigkeitstest (VLMT, Helmstaedter et al., 2001), bei dem das 5%-Niveau berücksichtigt wird. Für das Test-instrument zur Messung der exekutiven Funktionen (BRIEF, Drechsler & Steinhausen, 2013) erfolgt die Prüfung auf dem 0,1%-Niveau, da bei der Auswertung Vertrauensintervalle zu berücksichtigen sind. Des Weiteren werden die mit Hilfe des Testinstruments BRIEF ermittelten exekutiven Gesamtwerte (EGW) auf normative Validität überprüft. 5.3.7.2 Videoaufzeichnungen der Trainingssitzungen Zur systematischen Beobachtung im Verlauf der Trainingssitzungen sowie bei den Aufzeichnungen des häuslichen und schulischen Verhaltens, stehen verschiedene Beschreibungssysteme zur Erhebung der Verhaltensdaten zur Auswahl. Faßnacht (1995) unterscheidet vier Erscheinungsformen bzw. Techniken: (1) Ereignis-Beschreibung (event sampling) (2) Tagebuchaufzeichnungen (3) Die Methode der kritischen Vorfälle (4) Verlaufsprotokolle 76 Bei der Verhaltensbeobachtung während der Trainingssitzungen kommt die Technik des „event sampling“ zum Einsatz. „Das ,event sampling` bezieht sich auf ein Ereignis (z.B. …Angstreaktionen,… Zornesausbrüche… oder aggressive Akte bei Kindern) und verlangt die möglichst genaue Beschreibung des Vorganges sowie seines Anlasses und seines Ausganges. “ (Faßnacht, 1995, S. 178) Solche Ereignisstichproben sind geeignet um bestimmte Verhaltensweisen in einem Untersuchungskontext zu dokumentieren (vgl. Bortz, 2006). Der Beginn der Beobachtungszeit kann durch Kenntnis des Auslösezeitpunktes bestimmt werden, durch den das Ereignis normalerweise beobachtbar wird. Das Ende des Beobachtungs-Intervalls wird dabei vom Ende des zu beobachtenden Ereignisses markiert. Besonders angebracht ist die Nutzung dieser Beobachtungstechnik bei eher komplexen Handlungsabfolgen wie z.B. Angstverhalten, Problemlöseverhalten, Trotz- und Wutanfällen etc. (vgl. Limbourg, 2005). Auf dem Trainingsplatz kommt eine Videokamera zum Einsatz, die den gesamten Trainingsverlauf festhält. Bei der Nachbereitung der Videoaufzeichnungen wird das Material analysiert. Mit Hilfe des Verhaltens-Zeitraffers werden einzelne Videosequenzen heraus-genommen, die jeweils einer Beobachtungseinheit zugeordnet und zu neuen Videos zusammen geschnitten werden können. Die komprimierten Videos zeigen nun Verhaltensentwicklungen im Trainingsverlauf mit einer außerordentlich hohen Prägnanz (vgl. Flick et al., 1995). Bei der Videoanalyse wird das auftretende Problemverhalten, welches auf eine mangelnde Impulskontrolle oder Aufmerksamkeit hinweist, aufgezeichnet und visuell inspiziert. Bei der Auswertung mit Hilfe der Ereignis-Beschreibung, werden sechs zuvor festgelegte Beobachtungseinheiten gebildet, die sich auf die Impulsivität und die Unaufmerksamkeit beziehen: 1. Impulsivität ― Das Kind reagiert auf Aufgabenstellungen mit explosionsartigen emotionalen Gefühlsausbrüchen. ― Das Kind beginnt voreilig mit der Aufgabenbearbeitung ohne lange nachzudenken. ― Das Kind nimmt einen plötzlichen Tätigkeitswechsel vor und verliert das Ziel aus den Augen. 77 2. Aufmerksamkeit ― Das Kind wirkt während der verbalen Aufgabenbeschreibung abwesend und merkt sich die Aufgabenstellung nicht. ― Das Kind wirkt während der visuellen Aufgabenerfassung abwesend und merkt sich die Aufgabenstellung nicht. ― Das Kind lenkt während der verbalen Aufgabenbeschreibung/-bearbeitung die Aufmerksamkeit auf etwas anderes. Die festgehalten Häufigkeiten des Problemverhaltens werden grafisch dargestellt und in zwei Interventionshälften geteilt. Die Mittelwerte der Interventionshälften werden daraufhin verglichen. Dabei wird die prozentuale Ab- bzw. Zunahme des Problemverhaltens von der ersten zur zweiten Interventionshälfte gemessen. Weitere statistische Verfahren sind nicht anwendbar, da vor dem Training keine Daten aufgezeichnet werden können, um eine Baseline-Phase für die Trainingssituation darstellen zu können. Veränderungen der Merkfähigkeit, die in Verbindung mit der Arbeitsgedächtnisleistung stehen, werden über den gesamten Interventionszeitraum anhand der erfolgreich gelösten Aufgaben je Sitzung gemessen und in einer Lernverlaufskurve dargestellt. In jeder Trainingssitzung können insgesamt 12 Punkte gesammelt werden. Die dritte Übung jeder Trainingseinheit wird dabei nicht bewertet, da die Förderung der Merkfähigkeit nicht im Vordergrund steht. Für die erzielten Punkte über den gesamten Trainingsverlauf wird schließlich eine Richtigkeitsquote ermittelt. 5.3.7.3 Häusliche und schulische Tagebuchaufzeichnungen Die Verhaltenstagebücher dienen zur Erfassung von Transfereffekten und Störvariablen. Die Häufigkeiten der auftretenden Verhaltensweisen werden anhand festgelegter Items im häuslichen sowie schulischen Bereich beobachtet und aufgezeichnet. Die Ratenverläufe, der gemessenen Häufigkeiten des auftretenden Problemverhaltens, über den gesamten Untersuchungszeitraum werden visuell inspiziert und statistisch ausgewertet. Die visuelle Inspektion umfasst Interpretationen über die Ratenverläufe der einzelnen Phasen. Dabei wird im Detail auf die Variabilität, das Niveau und den Trend der Ratenverläufe der einzelnen Phasen sowie eine mögliche Latenz zwischen der Baseline- und der Interventionsphase eingegangen (vgl. Kern, 1997; Julius et al., 2000; Jain & Spieß, 2012). Nach der visuellen Inspektion der Tagebuchaufzeichnungen folgen aufeinander aufbauende statistische Verfahren, um die Signifikanz sowie die Reliabilität für jede abhängige Variable zu ermitteln. Folgend werden die zur Anwendung kommenden statistischen Auswertungsverfahren beschrieben: Die Methode der Split-Middle-Technik (White 1972, 1974) eignet sich um zu überprüfen, ob sich Trends über Phasen hinweg verändern und beinhaltet sechs Schritte (vgl. Julius et al., 2000): 78 (1) Die Interventionsphase wird in zwei Hälften unterteilt. (2) Der Median der jeweiligen Hälfte wird berechnet und es erfolgt eine erneute Teilung der jeweiligen Hälfte. (3) Die Medianpunkte werden auf den Viertelsenkrechten eingetragen und durch eine Gerade verbunden. (4) Die Gerade wird solange verschoben, bis sich gleich viele Datenpunkte oberund unterhalb der Trendlinie befinden. (5) Die entstandene Trendlinie wird in die A-Phase hinein verlängert und einem Binominaltest zur Signifikanzüberprüfung unterzogen. Um festzustellen, ob sich der Baseline-Trend von dem der Interventionsphase signifikant unterscheidet, wird folgende Formel benötigt: Wenn sich der ermittelt Wert unter dem 5%-Niveau befindet, kann die Veränderung des Verhaltens als statistisch signifikant angesehen werden (vgl. Julius et al., 2000). (6) Es besteht des Weiteren die Möglichkeit mit Hilfe einer Trendsteigerungsrate die Trendlinie genauer zu analysieren. So kann die Veränderung des Trends für die A-Phase sowie B-Phase bestimmt werden. Bei einem steigenden Trend, ergibt sich bei der Berechnung ein positiver und bei einem fallenden Trend ein negativer Wert. Dazu wird ausgehend von der jeweiligen Trendlinie eine waagerechte Linie gezogen, die sich über eine beliebige Anzahl von Datenpunkten erstreckt. Dann wird das Ende der waagerechten Linie mit Hilfe einer senkrechten Linie mit der Trendlinie verbunden. Schließlich wird die Länge der senkrechten durch die Länge der waagerechten Linie geteilt (vgl. Kern, 1997). Um die Trendsteigung der Interventionsphase zu berechnen, werden die in das Steigungsdreieck eingetragenen Daten benötigt und wie folgt berechnet: 79 Mit der Berechnung des Prozentsatzes nicht überlappender Daten (PND) kann außerdem die Reliabilität der Interventionseffekte bestimmt werden. „Der PND wird errechnet, indem man die Anzahl der Datenpunkte einer Interventionsphase, die nicht mit einer dazugehörigen Nicht-Interventionsphase überlappen, durch die Gesamtzahl der Datenpunkte der Interventionsphase teilt und anschließend mit 100 multipliziert.“ (Julius et al., 2000, S. 137) Daraus lässt sich folgende Formel ableiten: Unter Berücksichtigung der im Anhang C aufgeführten Tabelle kann der ermittelte PND-Wert in Hinblick auf die Reliabilität des Interventionseffektes interpretiert werden. „Geringe PND-Werte verweisen auf geringe Effektstärken (Wirkungen) einer Intervention bzw. auf starke Einflüsse von Störvariablen. Der PND entspricht dem Begriff der Effektstärke in der Gruppenforschung.“ (Kern, 1997, S. 163) PND-Werte von über 85% gelten als pädagogisch Signifikant (vgl. Kern, 1997). Eine weitere Möglichkeit die Interventionsdaten auf ihre pädagogische Signifikanz hin zu überprüfen, ist der Vergleich zwischen der Standardabweichung der Grundratendaten und dem Mittelwert der Interventionsdaten. Pädagogische Signifikanz liegt dann vor, wenn die Veränderung durch eine Intervention so groß ist, dass ein Artefakt des Messfehlers unwahrscheinlich ist (vgl. Kern, 1997). Mit folgenden kumulativ zu verwendenden Formeln kann die pädagogische Signifikanz überprüft: 80 Wenn der Mittelwert der A-Phase unter Abzug der doppelten Standardabweichung über dem Mittelwert der B-Phase liegt, ist pädagogische Signifikanz gegeben. Um die Nachhaltigkeit des Interventionseffektes festzustellen, wird der Datenverlauf der Follow-up-Phase dahingehend überprüft werden, ob es zu einer Veränderung des Mittelwertes im Vergleich zur Interventionsphase kommt (vgl. Kern, 1997). 5.4 Probandenauswahl Eine gezielte Auswahl von Probanden kann erst stattfinden, wenn nach bestimmten Entscheidungskriterien eine Zielgruppe festgemacht werden kann. Nach der Festlegung auf eine Zielgruppe sind verschiedene Einschlusskriterien bei der weiteren Auswahl der Probanden zu berücksichtigen. Nur so kann die Vergleichbarkeit der Studienergebnisse gewährleistet, sowie die externe Validität gesichert werden (vgl. Kern, 1997). Außerdem sind Rekrutierungswege ausfindig zu machen, auf denen ein zielgerichtetes Rekrutierungsmittel eine hohe Resonanz erzeugt. 81 5.4.1 Entscheidungskriterien zur Bestimmung der Zielgruppe Die Forschungsergebnisse über den Einfluss von Tieren auf hyperkinetische Kinder (vgl. Kap. 4.9) weisen darauf hin, dass sie in einem besonderen Maße von tiergestützten Interventionen profitieren. Auch verhaltensmodifizierende Fördermaßnahmen, die den exekutiven Funktionsbereich betreffen, sind für hyperkinetische Kinder zu empfehlen (vgl. Kap. 4.8.2). So bieten sich u.a. aufgrund dieser beiden Feststellungen insbesondere hyperkinetische Kinder als Zielgruppe für das tiergestützte Interventionsprogramm an. Um die Vergleichbarkeit der Studienergebnisse zu gewährleisten, sollten die Probanden dem gleichen ADHS-Subtyp zuzuordnen sein. Im Hinblick auf die zu fördernden Fähigkeiten im Rahmen des Trainingsprogramms kann entweder der vorwiegend hyperaktiv-impulsive oder der Mischtypus nach dem DSM-5 in Betracht gezogen werden. Da die Symptome des Mischtypus die größten Schnittmengen mit den zu untersuchenden abhängigen Variablen aufweisen, werden Kinder, die diesem Typus zugeordnet werden können, als potentielle Probanden priorisiert. Außerdem scheint der Mischtypus der Typus zu sein, der auf ein Training der exekutiven Funktionen am besten anspricht. So geht Sonuga-Barke (2002) davon aus, dass dieser ADHS-Typus besonders gut auf kognitiv-behaviorale Therapien anspricht. Außerdem weist dieser Subtyp viele Verhaltensweisen einer beeinträchtigten Impulskontrolle auf (vgl. Drechsler & Steinhausen, 2013). 5.4.2 Einschlusskriterien Levinson (1969) ging davon aus, dass jüngere Kinder stärker auf die Präsenz von Tieren reagieren als ältere, da sich Kinder in frühen Entwicklungsphasen von einem Tier stärker angesprochen fühlen. In einer Metaanalyse stellten Nimmer & Lundahl (2007) tatsächlich fest, dass sich bei Kindern bis zum 11. Lebensjahr nach der Teilnahme an Tiergestützten Maßnahmen eine mittlere bis hohe Effektgröße in Bezug auf das Wohlbefinden, Verhalten und die Gesundheit ergab. Vom 12.- 17. Lebensjahr sind die Effektgrößen hingegen niedriger. Daraus lässt sich schlie- ßen, dass Tiergestützte Interventionen bei Kindern vor der Vollendung des 11. Lebensjahres besonders effektiv sind. Aufgrund dessen ist im Rekrutierungsprozess zu berücksichtigen, dass die Probanden nicht älter als 11 Jahre alt sind. Konkret sollten sie zwischen 8 und 9 Jahre alt sein und die 3. oder 4. Schulklasse einer Regel- oder Förderschule besuchen. Da zum einen einige Aufgaben des Interventionsprogramms auf die 3. Klassenstufe ausgerichtet sind, und des Weiteren davon auszugehen ist, dass jüngere Kinder allgemein größere Schwierigkeiten haben, die Aufmerksamkeit über eine längere Zeitspanne aufrecht zu erhalten (vgl. Kap. 3.3.2.2). Im Rekrutierungsprozess wird zudem versucht, Teilnehmer mit unterschiedlich hohen Intelligenzquotienten auszuwählen, da sich nach Kazdin (1982) so die externe Validität einer Intervention erhöhen lässt (Kern, 1997). 82 5.4.3 Rekrutierungswege und -mittel Bei der Erstellung eines Flyers, als Mittel zur Rekrutierung der Probanden, werden die Ziele und der Ablauf des „TPP“ so prägnant wie möglich beschrieben, damit sich potentielle Studienteilnehmer einen Überblick verschaffen und feststellen können, ob das angebotene Training eine adäquate Intervention für das betroffene Kind darstellt. Bei der Akquisition werden drei Rekrutierungswege beschritten, um geeignete Probanden zu finden: (1) Direkte Kontaktaufnahme mit der zuständigen Stelle für Öffentlichkeitsarbeit der Kinder- und Jugendpädagogischen Einrichtung der Stadt Köln (KidS). (2) Direkte Kontaktaufnahme mit zwei ADHS-Selbsthilfegruppen in der Region Köln-Bonn, dem „ADHS Kompetenznetzwerk Köln“ und der „ADHS Selbsthilfe Bonn“, beide gehören dem ADHS Deutschland e.V. an. (3) Veröffentlichung von Kleinanzeigen in ADHS-Foren, über „Facebook“ und „Ebay Kleinanzeigen“. 5.4.4 Erstgespräch Nach Rücksprache mit interessierten Erziehungsberechtigten potentieller Probanden wird ein Termin für ein Erstgespräch vereinbart. Im Vorfeld werden die Einschlusskriterien für die Teilnahme an der Studie überprüft und ggf. diagnostische Unterlagen in Empfang genommen. Das Gespräch dient hauptsächlich zur Sammlung von weiteren Informationen, die für die endgültige Entscheidungsfindung bei Auswahl der Probanden benötigt werden. So können im Rahmen dieses Treffens erste Verhaltensbeobachtungen vorgenommen, Informationen mit den Eltern bzw. Erziehern ausgetauscht und der Erstkontakt zwischen Kind und Hund hergestellt werden. Die Kontaktaufnahme mit dem Hund ist für die Kinder wichtig, um erste Erfahrungen mit dem Hund sammeln und einen positiven Bezug zu ihm aufbauen zu können. Den Eltern bzw. Erziehern wird im Erstgespräch das Trainingsprogramm sowie der Studienablauf vorgestellt, und sie werden über besondere Verhaltensauffälligkeiten und Problemschwerpunkte im Tagesablauf des Kindes befragt. Des Weiteren werden Beobachtungen in Bezug auf die ADHS-Symptomatiken und auf das Verhalten zwischen Kind und Hund vorgenommen. Nach Abschluss der Erstgespräche wird auf Grundlage aller gesammelten Daten und unter Berücksichtigung der Einschlusskriterien ein Kind ausgewählt. 83 5.5 Vorgehensweise bei Darstellung der Einzelfälle Im praktischen Teil der Arbeit wird für jeden Probanden nach Darstellung der Anamnese die Baseline-, Interventions- sowie Follow-up-Phase durchschritten. Für jede Phase werden die Tagebuchaufzeichnungen sowie die mit den Testinstrumenten gewonnen Ergebnisse dargestellt und in Bezug auf den Einzelfall interpretiert. Im Einzelnen werden zur Erstellung der Anamnese alle auf die Hypothesen bezogenen Daten ausgewertet, die vor Beginn der Baseline-Phase vorliegen. Dazu gehören: Erste Aussagen der Eltern und der Lehrer über das Verhalten des Kindes im häuslichen und schulischen Bereich, psychologische Gutachten mit Ausführungen zur Diagnose und weitere Unterlagen, die dazu beitragen, einen ersten Eindruck über die Verhaltensproblematiken des Probanden gewinnen zu können. Jede weitere Phase beinhaltet eine Interpretation der Ergebnisse, die mit den entsprechenden Testinstrumenten gewonnen werden konnten. Für jede Einzelfalldarstellung werden schließlich die Ergebnisse zusammengefasst dargestellt und die Hypothesen, die soziale Validität sowie die normative Validität überprüft. Ein Vergleich der Ergebnisse aller Probanden mit einer Auswertung für den häuslichen, schulischen sowie pädagogischen Bereich wird im folgendem Kapitel vorgenommen.

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Zusammenfassung

Tiergestützte Fördermaßnahmen für Kinder und Jugendliche können auch in der sonderpädagogischen Arbeit als zielführende und wirkungsvolle Interventionsmöglichkeit angesehen werden. Erzielbare Wirkungen ergeben sich auf der sozialen, psychologischen und physiologischen Ebene. Zur Erreichung eines hohen Wirkpotentials ist eine gezielte Vorbereitung und professionelle Vorgehensweise unabdingbar. Zur erfolgreichen Gestaltung Tiergestützter Interventionen gehört sowohl ein auf die Zielgruppe abgestimmtes Tiergestütztes Trainingsprogramm als auch die fortwährende Gestaltung der Mensch-Tier-Beziehung im pädagogischen Beziehungsdreieck während des Interventionsprozesses. Im vorliegenden Buch werden die Grundlagen der Tiergestützten Arbeit mit Blick auf die sonderpädagogische Arbeit mit hyperkinetischen Kindern zusammenfassend dargestellt. Im Fokus steht die Förderung der bei hyperkinetischen Kindern defizitär ausgeprägten exekutiven Funktionen. Im Rahmen eines hundegestützten Parcourstrainings mit gezielten Übungen zur Förderung der exekutiven Funktionen werden mögliche Wirkungen einzelfallanalytisch erfasst und ausgewertet.