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6. Schlussbemerkung in:

Marcus Rauch

Notwendige juristische Kompetenzen des Arztes, page 299 - 300

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-4063-8, ISBN online: 978-3-8288-6889-2, https://doi.org/10.5771/9783828868892-299

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Rechtswissenschaften, vol. 103

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Schlussbemerkung Im Rahmen dieser Arbeit konnte nachgewiesen werden, dass juristische Kompetenzen des Arztes notwendig sind und sich mit den juristischen Kompetenzen, eine rechtlich wirksame Einwilligung des Patienten in die medizinische Behandlungsmaßnahme einholen zu können, berufsrechtliche Konfliktsituationen als solche erkennen und entsprechend lösen zu können sowie direkte und indirekte Eingriffe in die ärztliche Therapiefreiheit vermeiden zu können, das Haftungsrisiko des Arztes erheblich reduzieren lässt. Die abgeleiteten rechtlichen Kenntnisse und Fähigkeiten versetzen den Arzt vor allem aber in die Lage, seine Patienten auch unter erschwerten Bedingungen vor Gefährdung zu schützen. Was gesteigerte Bedeutung auch noch einmal dadurch erlangt, dass Deutschland mittlerweile faktisch als Einwanderungsland anzusehen ist,1759 der Arzt heutzutage vermehrt Menschen mit kulturbedingt andersartigen medizinischen Vorstellungen, Wünschen und Interessen zu behandeln hat und manche dieser Vorstellungen, Wünsche und Interessen mit der bestehenden Rechtsordnung nicht zu vereinbaren sind (Stichwort: weibliche Genitalverstümmelung)1760. 6. 1759 Allein für das Jahr 2015 wurde die Einwanderungsbewegung durch das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge auf ca. 2.000.000 Zuzüge geschätzt. BAMF, Einwanderungsland Deutschland, S. 7, abrufbar unter: URL 16. 1760 Die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES geht in einer aktuellen Hochrechnung diesbezüglich von mind. 13.000 gefährdeten Mädchen in Deutschland aus. Gegenüber den Vorjahren ist dies ein deutlicher Anstieg, zurückzuführen auf die verstärkte Migration aus Ländern wie dem Irak, Eritrea und Somalia, in denen die weibliche Genitalverstümmelung, „die teilweise oder vollständige Entfernung beziehungsweise Beschädigung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane“, u. a. aus Gründen der Tradition, Ästhetik etc. praktiziert wird. TERRE DES FEMMES, Weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland: Zahl Betroffener und Gefährdeter steigt weiter, abrufbar unter: URL 67 und Wikipedia, Weibliche Genitalverstümmelung, abrufbar unter: URL 110. 299 Dass ein Arzt in seinem Berufsleben mit einer der obig abgeleiteten Konfliktsituationen konfrontiert wird, ist insofern mehr als wahrscheinlich. Die geringe Bedeutung von rechtlichen Fragestellungen innerhalb der ärztlichen Ausbildung ist folglich unverständlich, zum Teil wohl aber auch auf die unübersichtliche Struktur des Arztrechts selbst und die damit verbundene Komplexität dieses Rechtsgebietes zurückzuführen. Unabhängig von der Fragestellung, ob die Zusammenfassung der berufs-, zivil- und strafrechtlichen Regelungen des Arztberufes in einem in sich abgeschlossenen System überhaupt grundgesetzlich zulässig und strukturell zufriedenstellend möglich ist, vor dem Hintergrund der Bewahrung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient, eine solche die bestehende Rechtssicherheit immer zur Disposition stellende Herauslösung überhaupt wünschenswert ist, soll dieses Werk den Ärzten daher Anstoß sein, sich mit den haftungsrechtlichen Aspekten ihres Berufes zu befassen, ihnen ermöglichen, sich zielgerichtet das notwendige rechtliche Wissen anzueignen und damit Selbstvertrauen zum berufsgerechten Verhalten zu entwickeln. Insofern wäre es auch begrüßenswert, wenn die Ergebnisse dieser Arbeit aufgegriffen, dabei ggf. erweitert und verfeinert werden, sie vor allem aber Eingang in die rechtliche Ausund Weiterbildung des Arztes finden, um dadurch einen Beitrag zu ihrer, den alltäglichen beruflichen Anforderungen entsprechend möglichst sachgerechten Gestaltung bzw. Ausrichtung leisten zu können. 6. Schlussbemerkung 300

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Zusammenfassung

Das vorliegende Werk befasst sich mit der Frage nach der Notwendigkeit von juristischen Kompetenzen des Arztes. Es beinhaltet dazu eine tiefgreifende, jedoch verständliche Analyse der Prinzipien des deutschen Arzthaftungsrechts. Behandelt wird neben der berufsrechtlichen, zivilrechtlichen und strafrechtlichen Haftung des Arztes vor allem auch dessen Rechtsbeziehung zu seinen Patienten und zu seinem Arbeitgeber. Schwerpunktmäßig betrachtet werden folglich der Begriff des Behandlungsfehlers, des Aufklärungsfehlers sowie des Organisationsfehlers, der Behandlungsvertrag, die Einbindung des Arztes in die Krankenhausorganisation, aber auch das Wirtschaftlichkeitsgebot. Die Arbeit ist aufgrund der eindeutigen Ergebnisse insofern nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht interessant, sondern eignet sich zudem als Nachschlagewerk für Studenten, Mediziner und Juristen, das einen umfassenden und tiefgründigen Einblick in das geltende Arztrecht gewährt. Anhand einer Vielzahl von Beispielen aus der Rechtsprechung wird die Systematik der Haftung des Arztes eingängig erläutert und auf die besonderen arztrechtlichen Problemstellungen, wie bspw. die Behandlungsverweigerung durch den Patienten, dessen vom geltenden medizinischen Standard abweichenden Behandlungswunsch oder die ärztliche Unabhängigkeit gefährdende Dienstanweisungen des Arbeitgebers, explizit eingegangen.