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Glossar in:

Dirk Vogel

Zwischen Rechenschaftspflicht und Verantwortlichkeit, page 185 - 188

Street Level Bureaucrats unter der Bedingung des § 48 SGB II

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-4028-7, ISBN online: 978-3-8288-6860-1, https://doi.org/10.5771/9783828868601-185

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 79

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Glossar - A rbeitsidentitäten sind jede Art von Identität am Arbeits platz, die durch die Interaktion des Individuums mit dem Ar beitskontext entsteht (Kirpal 2004 :300). - Codieren i s t ,,[...] die Zuordnung von Kategorien zu relevanten Textpassagen bzw. die Klassifikation von Textmerkmalen [...]" (Kuckartz 2010 :57 ) - Creaming ist das Phänomen, dass SLB die Klienten vorziehen, mit denen sie am wahrscheinlichsten vor dem Hintergrund der bürokratischen Kriterien Erfolg haben werden (Lipsky 2 0 10 :107 ) - Coping M echanism en sind gegeben, wenn SLB Vereinfachun gen entwickeln, um die Klienten und deren Bedürfnisse in Schubladen einzusortieren, um so die Durchlaufgeschwindig keit der Interaktion zu erhöhen (Lipsky 2 0 1 0 :1 2 -1 8 ). - D ruckregulierung ist die Wahrnehmung von SLB, wonach sie aus unterschiedlichen Gründen in unterschiedlichen Situatio nen mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten nie voll umfänglich für die Arbeitsmarktintegration ihrer Klienten ver antwortlich gemacht werden können. - Erm essen bedeutet, dass Verwaltungsmitarbeiter auf Basis von Gesetzen eigenständig unter mehreren Optionen frei aus wählen können und entscheiden müssen (Händler 1992 :276 ; Simon 1 9 9 7 :7 2 -7 7 ; Scott 1997 :36-37). - Jobcenter sind laut § 6 d SGB II gemeinsame Einrichtungen und kommunale Träger, die in Deutschland für die Grundsi cherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II zuständig sind. - Legitim ität ist die ,,[...] Orientierung der Handelnden an einer normativen Ordnung [...]" (Breuer 1998 :20). Diese normative Ordnung hat, in Anlehnung an W eber, drei Formen: die ratio nale, die traditionale und die charismatische Herrschaft (W e ber 2006 :218 ). 186 Glossar - New Public M anagem ent ist ein Reformmodell zum klassi schen Bürokratiemodell Webers, das gekennzeichnet wird von einer organisatorischen Fragmentierung; einem erhöhten W ettbewerb innerhalb des öffentlichen Sektors und mit der Privatwirtschaft; einer stärkeren Nutzung privatwirtschaftli cher Managementpraktiken; einer verstärkten Einforderung von Ausgabendisziplin; eigenverantwortliche, sichtbare Mana ger; messbare Leistungsvorgaben und Output-Orientierung (Hood 1 9 9 5 :9 5 -9 7 ). - (soziale) Normen sind " [...] mehr oder weniger verbindliche, allgemein geltende Vorschrift für menschliches Handeln. Sie legen fest, was in spezifischen und sich wiederholenden Situa tion geboten oder verboten ist und können als Spezifikationen allgemeiner soziokultureller W ertvorstellungen aufgefasst werden, die für die soziale Normen die Legitimationsgrundlage bilden. Soziale Normen werden im Sozialisationsprozess internalisiert und durch Sanktionen abgesichert. Sie sind der Be zugspunkt für konformes und abweichendes Verhalten" (Peuckert 2001 :255 ). - Organisation ist ein soziales Gebilde, das auf spezifische Ziele ausgerichtet ist" (Zimmermann 2001 :261 ). - Perform ance oder Leistung ist ,,[...] ein ergebnis- und/oder wirkungsbezogener Leistungsimpuls in einer Organisation bzw. auch im Hinblick auf ein Organisationsmitglied [...]" (Reichard 2004 :341 ). - Perform ance- oder Leistungsm anagem ent ist der Prozess der Planung und Umsetzung quantitativer und qualitativer Messungen von W erten, einschließlich Output und Outcome (McDavid & Hawthorn 2 0 06 :445 ). - Policy ist die Absicht einer Regierung, ein öffentliches Problem mittels bestim m ter ihr zur Verfügung stehender Instrument, etwa eines Gesetzes, einer Regulierungsmaßnahme oder einer Subvention, zu regeln (Birkland 2011:9). - Politik-Im plem entation sind Aktivitäten von privaten oder öffentlichen Akteuren, die dazu dienen, Ziele vorgelagerter po litischer Entscheidungen zu erreichen (van Meter & van Horn 1975 :447). Glossar 187 - Profession ist eine Berufsgruppe, die abstraktes W issen auf bestim mte Fälle anwendet (Abbott 1988 :8 ). W eitere Merkmale einer Professionalisierung sind die Kontrolle des Arbeitssys tems durch Praktiker; die berufliche Institution als Hauptliefe rant ethischer Grundlagen; die Entwicklung einer starken be ruflichen Identität und Arbeitskultur; Ermessensentscheidung in komplexen Fällen sowie das Vertrauen und die Selbstsi cherheit der Beziehung zwischen Praktiker/Klient (Evetts 2 0 11 :407 -411). - Rechenschaftspflicht bedeutet, dass M itarbeiter in der öffent lichen Verwaltung zur Erfüllung ihrer Aufgaben Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen. Im Gegenzug müssen sie berichten, was sie damit gemacht haben, aktuell machen und zukünftig machen wollen. - Regel ist eine generelle Aussage, die vorschreibt, wie bestim m te Verhaltensweisen ausgeführt werden sollen (Wilson 1989 :339). - Soziale Interaktion ist eine ,,[...] durch Kommunikation ver mittelte wechselseitige Beziehungen zwischen Personen und Gruppen und die daraus resultierende wechselseitige Beein flussung der Einstellungen, Erwartungen und Handlungen" (Peuckert 2001 :155 ). - Unter Steuerung lassen sich ,,[...] betriebliche Methoden, In strumente und Mechanismen fassen, die mehr oder weniger intentional-strategisch darauf abzielen, das Leistungsverhalten der Beschäftigten mit denjenigen Zielen in Übereinstimmung zu bringen, die die Organisation als relevant für den jeweiligen Arbeitsplatz oder die konkrete Arbeitskraft definiert" (Birken 2012 :164 ). - S treet Level B u reau crats sind Menschen im öffentlichen Dienst oder Sektor, die im Rahmen ihrer Arbeit direkt mit Bür gern interagieren und dabei über ein erhebliches Ermessen bei der Durchführung ihrer Tätigkeit verfügen, typischerweise sind das Lehrer, Polizisten, Sozialarbeiter, Richter, Anwälte und Angestellte im Gesundheitswesen (Lipsky 2010 :3). - S treet Level O rganisations sind, in Anlehnung an Lipsky (2010 :3 ), die Agencies, die eine signifikante Anzahl an Street Level Bureaucrats beschäftigen. 188 Glossar - T ranskription ist das das Verschriftlichen verbaler und ggf. auch von nonverbaler Kommunikation" (Kuckartz 2010 :38). - Typ ist eine ,,[...] Kombination spezifischer Merkmale [...] Grundelement einer Typologie"(Kuckartz 2010: 98). - Eine Typologie ,,[...] ist immer das Ergebnis eines Gruppie rungsprozesses, bei dem ein Objektbereich anhand eines oder m ehrerer Merkmale in Gruppen bzw. Typen eingeteilt wird [...]”. (Kelle & Kluge: 2008 :85 ) - V erantw ortlichkeit bedeutet, dass jemand anderen unter steht, um bestim mte Aufgaben mit einer angemessenen Auto rität und Ressourcen zu erfüllen (Gregory 2007 :559). - Verw altungskontrolle ist „die zeitlich gleichlaufende oder nachträgliche Überprüfung, ob die gesetzten Normen und W ei sungen erfüllt wurden“ (Mayntz 1985 :76).

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References

Zusammenfassung

Leistungsvergleiche und Zielvereinbarungen aus dem New Public Management sind seit der Einführung der Paragrafen §§ 48a und 48b fester Bestandteil der Arbeit der Jobcenter in Deutschland. Der Druck, die Ziele zu erreichen, lastet auf den Fallmanagern und Arbeitsvermittlern, den sogenannten „Street Level Bureaucrats“. Die qualitative Studie beantwortet die Frage, wie diese damit umgehen – und diskutiert, was die Ergebnisse für das Bestre­ben des Staats bedeuten, das Problem der Langzeitarbeitslo­sigkeit zu lösen.

„Eine empirische Arbeit, die auf Basis einer klar herausgearbei­teten und theoretisch eingebetteten Fragestellung vielfältige empirische Ergebnisse mit praktischer Relevanz erzielt.“

apl. Prof. Dr. Scott Stock Gissendanner

„Verwaltungswissenschaftliche Forschung ist in Deutschland weniger ausgeprägt als etwa im angelsächsischen Raum. Mit der konsequenten Anwendung von Lipsky‘s Street-Level Per­spektive transportiert die Studie wichtige Impulse in den deutsch­sprachigen Raum.“

Prof. Dr. Frank Unger

„Die Studie behandelt ein gesellschaftlich wichtiges Thema aus praxisorientierter, verwaltungswissenschaftlicher Per­spektive. Die Identifizierung von sieben Strategien zur Druckregu­lierung und die Herausarbeitung von vier Arbeitsidentitäten sind dabei besonders bereichernd.“

Prof. Dr. Timo Weishaupt