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8 Event – ein Konzert als Herausforderung in:

Helmut Kienast

Das Event als kommunikationswissenschaftlicher Prozess, page 93 - 98

Basiswissen für eine erfolgreiche Eventrealisation

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3966-3, ISBN online: 978-3-8288-6848-9, https://doi.org/10.5771/9783828868489-93

Tectum, Baden-Baden
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Event – ein Konzert als Herausforderung Ein Konzert zu organisieren, gehört zu den großen Träumen vieler Eventinitiatoren. Ob ein Indoor-Konzert in einer Konzerthalle, ein Open-Air-Konzert mit Tausenden von Teilnehmern oder ein über mehrere Tage andauerndes Konzertfestival, stets handelt es sich um eine spannende und interessante Herausforderung. Wohl aber umfasst kaum eine andere Eventform derart viele unterschiedliche Eventfaktoren, die in Interaktion miteinander stehen und einander bedingen. Es soll auf diese spezifische Eventform näher eingegangen werden, da sie in Organisation, Planung und Realisierung eigene, individuelle Parameter beinhaltet. Als Konzert bezeichnet man eine musikalische Darbietung von Künstlern (Instrumenten oder Gesang) vor einem Publikum. Längst ist ein Konzert heute nicht mehr nur eine rein auditive Präsentation, es ist ein soziales Ereignis, das durch die Kombination einer musikalischen Darbietung mit technischen und emotionalen Faktoren Teilnehmer positiv bewegt und zu einem einmaligen Erlebnis macht. Konzerte sind keine reinen Musikdarbietungen mehr, sondern vielmehr eine Inszenierung, die modernste technische Komponenten (auditive, visuelle, lichttechnische etc.) und soziale Parameter vereint, um eine einmalige Atmosphäre zu erzeugen und das Konzert zu einem Ereignis werden zu lassen. Es existiert wohl kein anderes Event, dass derart komplex Themen aus ganz unterschiedlichen Bereichen – dem technischen, sozialen, künstlerischen, wirtschaftlichen, eventdramaturgischen, sicherheitsspezifischen oder kulinarischen – miteinander verbindet. Konzertinitiator Als Konzertinitiator treten sowohl Einzelpersonen als auch professionelle Agenturen auf. 8 8.1 93 EPU Einpersonenunternehmen Auf Konzertrealisierung spezialisierte Einzelpersonen werden als registrierte Unternehmer immer mehr. Konzertagenturen Full-Service-Agenturen Realisieren nicht nur Konzerte, sondern Events aller Art. Konzertparameter Zahlreiche Dienstleistungen sind in den Ablauf eines Konzerts inkludiert. Folgende Parameter sind für ein Konzertevent wesentlich, die sich von anderen Events unterscheiden. Es soll in Basisparameter, konzeptionelle Parameter, technische Parameter und wirtschaftliche Parameter unterteilt werden. Konzertinitiator / Konzertevent ↓ ↓ ↓ ↓ Basisparameter Konzeptionelle Parameter Technische Parameter Wirtschaftliche Parameter Musikalische Stil- und Performance-Entwicklung Regionale und globale Situation des Konzerteventmarktes Demografische Entwicklungen von Zielgruppen Zielsetzung Zielgruppe Location Künstler Eventdesign Bühnendesign Risikoanalyse Künstlerbetreuung Versicherung Auditive Parameter (Public- Technik (PA), Stagetechnik) Visuelle Parameter Lichttechnik Bühnentechnik Kalkulation Vorfinanzierung Sponsoring Gagenvereinbarungen Verwertungsrechte Mitarbeiterorganisation Ticketing Werbung/PR Merchandising ↓ ↓ ↓ ↓ Teilnehmer / Rezipienten Basisparameter Bei der Planung eines Konzerts sind allgemeine Kenntnisse über musikalische Stil- und Performance-Entwicklung, die regionale und globale Situation des Konzerteventmarkts, demografische Entwicklungen von 8.2 8.2.1 8 Event – ein Konzert als Herausforderung 94 Zielgruppen und die mediale Berichterstattung über Konzertevents von großer Bedeutung. Konzeptionelle Parameter Auf der Grundlage der Basisparameter kann eine Definition und Selektion der Zielsetzungen und der Zielgruppe inklusive ihrer Größenordnung (Welche Teilnehmerzahl will ich erreichen?) sowie die Auswahl einer Location, der Künstler, der Akteure und des Eventdesigns erfolgen. Eine Konzertlocation muss spezifische räumliche Ansprüche erfüllen. Wie bereits unter Punkt 4.3 erörtert, wird diese in zwei Teile untergliedert: den direkten Eventbereich und den indirekten Eventbereich. Direkter Eventbereich eines Konzertevents Unter dem direkten Eventbereich eines Konzerts definiert man den Bereich, in dem das Konzert per se stattfindet. Eine Konzerthalle oder ein Open-Air-Bereich muss die Parameter der Zielsetzung und der Größenordnung erfüllen. Fassungsvermögen, eventdramaturgische Möglichkeiten, Zuschauerstromsteuerung und technische Voraussetzungen müssen analysiert, verglichen und ausgewertet werden. Darüber hinaus sind Zusatzräumlichkeiten wie Backstagebereiche, in denen sich Künstler und Akteure aufhalten, umziehen, vorbereiten oder auch zurückziehen können, und Zusatzareale, wie Toilettenanlagen, Garderoben, Foyers etc., dahingehend zu prüfen, ob sie den definierten Zielsetzungen entsprechen. Indirekter Eventbereich eines Konzertevents Als indirekten Eventbereich klassifiziert man die peripheren Bereiche der Konzertlocation. Parkplätze, Anlieferungsareale, Ein- bzw. Ausgangsbereiche, externe Energiequellen etc. müssen ebenfalls mit Blick auf die definierten Zielsetzungen geprüft und analysiert werden. 8.2.2 8.2 Konzertparameter 95 Technische Parameter Es ist im Vorfeld zwischen dem Eventinitiator oder dem technischen Projektleiter und dem Künstler zu klären, welche technischen Parameter für eine zielorientierte und erfolgreiche Eventrealisierung gebraucht werden. Benötigte Elemente aus den Bereichen auditive Technik, visuelle Technik, Lichttechnik und Bühnentechnik oder andere individuelle technische Parameter müssen definiert und selektiert werden. Im Bereich der Audiotechnik unterschiedet man zwischen Publicund Stagetechnik. Public-Technik (PA) Definiert die Leistung und Art der zu verwendenden Audioparameter hinsichtlich der Größe und Teilnehmeranzahl des Konzerts für die „Public Address“-Technik. Stagetechnik Definiert die Leistung und Art der zu verwendenden Audioparameter hinsichtlich der Größe und Teilnehmeranzahl des Konzertes für die Bühnentechnik. Weitere zu definierende technische Faktoren sind: Lichttechnik Hier gilt es zu klären, welche Art der Stage- und Raumbeleuchtung, welche Leistung und Quantität der Scheinwerfer benötigt wird; es geht aber auch um die Erstellung dramaturgischer Drehbücher der Lichtshow etc. Visuelle Technik Welche Leinwände, Flatscreens, Projektoren, LED-Walls etc. werden benötigt? Müssen Videos oder Audiojingles erstellt werden, so ist dies in der Grundkonzeption zu berücksichtigen. 8.2.3 8 Event – ein Konzert als Herausforderung 96 Künstlerakquise Künstler und Akteure werden nach definierten Kriterien ausgewählt. Die Selektion erfolgt nach Art und Qualität der Kunst, nach dem Bekanntheitsgrad oder dem finanziellen und organisatorischen Aufwand. Die Symbiose von Eventthema und künstlerischer Darbietung oder das Vorweisen von Qualitätskriterien des künstlerischen Produkts (Webpage, Videos, Audioprodukte, Auftritte etc.) sind weitere Selektionskriterien. Risikoanalyse Der Faktor Risiko ist bei Konzertevents von großer Bedeutung. Bereits im Prozess des Projektmanagements werden Risikovariablen und Alternativszenarien erörtert und definiert. Eine strategische Risikoanalyse gewährleistet eine schnelle, professionelle und kompetente Problemlösung. Risikofaktoren existieren auf den unterschiedlichsten Ebenen und können in einem negativen Szenario zu Problemen führen. Beispiele sind eine aus unterschiedlichsten Gründen resultierende Künstlerabsage oder Verzögerungen in der Realisierung, zeitliche Verspätungen, ein ungünstiges Wetter oder technische Probleme, eine niedrige Teilnehmerrate oder das Nichterreichen der Zielsetzung bis hin zur Konzertabsage. Es müssen Alternativszenarien erörtert und erstellt, Ersatztermine, Ersatzkünstler und Ersatzakteure in Betracht gezogen werden. Technical Rider Das „technische Anforderungsprofil“, das der Künstler oder Akteur mit dem Eventinitiator oder technischen Projektleiter vereinbart, nennt man Technical Rider. Darin wird das gewünschte technische Material definiert und als Aufstellung und Übersicht seitens des Künstlers an den Eventinitiator übermittelt. Technische Themen, die in einem Technical Rider definiert werden, sind die Qualität der Audioprodukte, Stage Hands (Wie viele un- 8.3 8.4 8.5 8.5 Technical Rider 97 terstützende Mitarbeiter benötigt der Künstler für die Performance?), Instrumentensharing (bei mehreren Künstlern ist zu definieren, ob es ein gemeinsames Benutzen von Instrumenten gibt), Monitoring (In- Ear-Monitoring, klassisches Monitoring), Mikrofonie (Funkmikrofonie, Art der Mikrofone, Funkstrecke, Frequenzen), Soundcheck, Linecheck, Einteilung der Künstler zum Sound- bzw. Linecheck, Backstage (Vereinbarung mit dem Künstler, welche Backstageräumlichkeiten dieser benötigt) und ob der Künstler Playback (ohne real zu singen) bzw. Halbplayback (Gesang ist real, aber die Musik kommt von einem Tonträger) spielt oder seine Performance live (gesamte Darbietung ist real) tätigt. 8 Event – ein Konzert als Herausforderung 98

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Zusammenfassung

Dieses Buch ist perfekte Praxishilfe, Nachschlagewerk und Begleiter für alle, die Events in ihrer gesamten Komplexität erlernen, verstehen und erfolgreich realisieren möchten. Praxisnah und mit viel Fachwissen stellt Helmut Kienast die komplexe Thematik des Events als kommunikationswissenschaftlichen Prozess vor. Neben eventspezifischem Basiswissen erfolgt die schrittweise Einführung in Themen wie Eventzielsetzungen, Eventtypologie und Zielgruppenanalyse, Locationselektion und Locationdesign, Dramaturgie und Inszenierung, psychologische und soziale Wirkungsforschung, kognitive Erlebnisverarbeitung und ökonomische Eventfaktoren.

Eine klare Kaufempfehlung für Veranstalter von Events, Eventagenturen sowie für Studierende und Lehrende der Fächer Kommunikationswissenschaften, Eventmanagement, Eventengineering und Eventtechnik.