Content

4 Event – Teil eines architektonischen Prozesses in:

Helmut Kienast

Das Event als kommunikationswissenschaftlicher Prozess, page 37 - 50

Basiswissen für eine erfolgreiche Eventrealisation

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3966-3, ISBN online: 978-3-8288-6848-9, https://doi.org/10.5771/9783828868489-37

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Event – Teil eines architektonischen Prozesses Nach der ersten Phase der Grundkonzeption, nach der Definition des Eventthemas und der Eventzielsetzungen und nach der damit verbundenen Selektion der Zielgruppe beginnt die Entwicklungsperiode der Realisierung. Die Eventidee, das Eventthema muss in eine räumliche Umgebung integriert werden, die Eventlocation. Dieser Bereich ist für den Charakter, für die Atmosphäre und die Wirkung auf die Rezipienten von großer Bedeutung. Ein moderner Raum mit viel Glas im Dach eines Hochhauses im Zentrum einer Großstadt wirkt anders als eine alte Burg inmitten einer ländlichen Landschaft. Daher ist die Selektion und Konzeption einer Location ein wesentlicher Schritt in der Umsetzung eines Events. Sie muss mit großer Sorgfalt und unter Berücksichtigung aller für das Event notwendigen Faktoren vorgenommen werden. Die primäre Fragestellung ist die Thematik im Hinblick auf die Identität. Welche Location repräsentiert die Identität der Eventidee, des Eventcharakters, die Botschaft des Events? In welcher Location kann die Botschaft am besten vermittelt werden? Locationselektion Die richtige Locationauswahl kann für den Erfolg oder Misserfolg eines Events ausschlaggebend sein. Darüber hinaus kann eine Location selbst zu der Identität eines Events werden. Die Selektion einer Location vollzieht bereits in der Planungsphase eine zeitgleiche Interaktion mit der Konzeption der Zielsetzung, der Auswahl der Zielgruppe und der Planung des Events im Allgemeinen. Bei der Selektion eines Eventbereichs werden zuerst Informationen aller Art gesammelt und analysiert. Jene Locations, die sich hinsichtlich der analysierten Informationen am besten eignen, werden selektiert, vor Ort besichtigt und begutachtet. Es muss eine Location im- 4 4.1 37 mer persönlich besichtigt und anhand der eventspezifischen Parameter geprüft werden. Bereits die primäre Locationselektion ist ein wesentlicher Bestandteil der Grundkonzeption eines Events. Aufgrund der baulichen und infrastrukturellen Beschaffenheit ergeben sich weitere Planungsschritte. Jede Entscheidung einer Selektion bedingt weitere Entscheidungen, jeder Planungsschritt ist die Grundlage für weitere Planungsschritte, die sich auf diesem aufbauen. Eine intelligente Locationauswahl ist von größter Wichtigkeit. Primäres Locationdesign Ein Veranstaltungsort kann bereits von sich aus eine typische und mit einer spezifischen Thematik identifizierende Wirkung haben. Ein Eventbereich kann per se eine unvergessliche Atmosphäre haben und somit einem bestimmten Event eine hohe Wiedererkennung gewährleisten. Alte Burgen als Eventlocation zum Beispiel verleihen bereits von sich aus der Veranstaltung eine bestimmte Atmosphäre, einen bestimmten Charakter. Auch Open-Air-Veranstaltungen in einem Steinbruch sind etwas Besonderes. Als Beispiel seien hier die Opernfestspiele in St. Margarethen im Burgenland oder die Musicalaufführungen der Felsenbühne Staatz in Niederösterreich angeführt. Die Interaktion von modernen veranstaltungsspezifischen Elementen (Bühnenbauten, kulinarische Einrichtungen etc.) mit den Felsen des Steinbruchs als Hintergrund verleiht dem Event einen einzigartigen Charakter. Die primäre Konzeption richtet sich aber auch nach technischen Grundvoraussetzungen. Nicht individuell gestaltbare Elemente können kaum verändert werden (Raumgrößen, Stromanschlüsse, Notausgänge etc.). Sekundäres Locationdesign Um eine erfolgreiche Locationgestaltung zu realisieren, sind die erforderlichen Räumlichkeiten hinsichtlich Funktion und Anzahl zu defi- 4.2 4.3 4 Event – Teil eines architektonischen Prozesses 38 nieren. Der Veranstaltungsort wird global in zwei Bereiche unterteilt: in den direkten und den indirekten Veranstaltungsort. Direkter Veranstaltungsort: Dies ist jener Bereich, in dem die Veranstaltung selbst stattfindet. Dies umfasst auch die zur optimalen Ausführung benötigten Zusatzareale wie Küchen, Backstagebereiche, Toilettenanlagen etc. Indirekter Veranstaltungsort: Dabei handelt es sich um jenen Bereich, der außerhalb des direkten Veranstaltungsortes liegt und für den Zuzug und Abzug des Zuschauerstroms wesentlich ist (Parkplätze, Anlieferungsareale, Ein- bzw. Ausgangsbereiche etc.) Eine Herausforderung stellt die Locationoptimierung hinsichtlich einer flüssigen Zuschauerbewegung, guter Orientierung, leicht erreichbarer Räumlichkeiten etc. dar. Visuelle Bezugspunkte – Orientierungshilfen Orientierungshilfen dienen als Ausgangpunkt unserer Navigation. Sie erleichtern Besuchern, sich in der räumlichen Struktur eines Veranstaltungsbereichs leichter zurechtzufinden. Kombiniert mit weiteren Bezugspunkten entsteht eine „Landkarte“ des Veranstaltungsortes in unserem Kopf. Informationspläne (z. B. Plakate, Folder), technische Geräte (z. B. Touchscreens), Animationen auf Bildschirmen etc. erleichtern den Besuchern die Orientierung. Detaillierte Informationen – wie komme ich von A nach B, mit welchen Anstrengungen muss ich dabei rechnen (physisch und zeitlich), wo befinde ich mich, während ich den Plan lese, wo ist die Stiege A von mir aus gesehen etc. – sind hierfür wesentliche Bausteine. Ein wesentlicher Parameter für eine erfolgreiche Wirkung von Orientierungshilfen ist deren Installation. Diese sind gut sichtbar, entweder hoch und visuell von allen Richtungen wahrnehmbar oder an Knotenpunkten der Hauptverkehrswege anzubringen. 4.3.1 4.3 Sekundäres Locationdesign 39 Visuelle Bezugspunkte - Symbole Visuelle Bezugspunkte dienen nicht nur zur Orientierungshilfe, sondern stehen auch als Symbol für eine bestimmte Thematik. Symbole können je nach Typ und Art einer Veranstaltung bzw. einer Veranstaltungsthematik gewählt werden. Thematische Bezugspunkte können Bühnen, Chill-out-Areale, Verkaufsbereiche, Vortragsbereiche, kulinarische Bereiche, Erste-Hilfe-Bereiche, Toilettenanlagen, Notausgänge etc. sein. Diese thematischen Bezugspunkte kennzeichnet man mit Symbolen. Ein überdimensionales Sektglas könnte zum Beispiel eine Sektbar repräsentieren. Orientierungshilfen und Symbole sollten groß, gut sichtbar angebracht, schon von Weitem erkennbar und thematisch auffallend bzw. typisch sein. Sie führen so zur Identifikation von thematischen Bezugspunkten und lösen entsprechende Assoziationen aus. Rezipienten gewinnen damit eine bessere Übersicht über den Veranstaltungsort; es entsteht eine Landkarte der Location im Kopf, was zu einem Gefühl der Geborgenheit, der Vertrautheit und der Sicherheit führt. Betrachtet man die individuelle Identifikation mit Städten aus aller Welt, so sind es vor allem Symbole, die „typisch“ für eine Stadt sind und eine Wiedererkennung ermöglichen. Jede Stadt hat ein individuelles Symbol, das als Identifikation für diese steht. Beispiele sind der Stephansdom oder das Riesenrad (Wien), die Festung Hohensalzburg (Salzburg), die Tower Bridge (London), der Eifelturm (Paris), das Brandenburger Tor (Berlin), der Hradschin bzw. die Prager Burg (Prag), das Kolosseum oder das Forum Romanum (Rom), die Akropolis (Athen), die Freiheitsstatue (New York) oder die Golden Gate Bridge (San Francisco). Allein der Name oder auch nur ein Bild des Symbols dienen als Identifikation für eine ganze Stadt. Räumliche Anordnung von Zuschauerbereichen Zwischen visuellen Bezugspunkten sollten sogenannte „Achsen“ angelegt werden. Dies sind Wege, an denen sich der Zuschauerstrom flüssig und ohne Staus bewegen kann. Achsen führen zu einer Orientierungsmaximierung, sie fördern die Vertrautheit mit einer Location und er- 4.3.2 4.3.3 4 Event – Teil eines architektonischen Prozesses 40 höhen die Geschwindigkeit des Zuschauerstroms. Dabei können sie auch kreisförmig konzipiert werden. Treffen zwei Achsen aufeinander, so entstehen Knoten. Diese sind ideal für Bezugspunkte aller Art und verteilen den Besucherstrom. Visuelle Bezugspunkte, Achsen und Knoten können mit Namen, Farben oder anderen erkennbaren Symbolen bezeichnet werden. Durch das Erkennen und Zuordnen von Symbolen und Farben identifiziert man sich schneller mit der Struktur einer Veranstaltungsstätte. Dies führt zu einer besseren Orientierung, erhöht die Attraktivität eines Events und fördert die wirtschaftliche Leistung. Beispiel Wien Prinzip des Kreises: Zentrum (Symbol Stephansdom) ist umgeben von der „Ringstra- ße“ (kreisförmige Hauptachse, an der sehr viele historische Gebäude, wie Hofburg, Rathaus, Burgtheater, Universität, Museen etc., liegen). Von diesen führen Nebenachsen zur nächsten kreisförmigen Hauptachse, dem „Gürtel“. An den Knoten der Achsen befinden sich große und sowohl für die Orientierung als auch für die Verkehrslogistik wichtige Plätze (Karlsplatz, Schwarzenbergplatz, Südtiroler Platz etc.) 4.3 Sekundäres Locationdesign 41 Psychologische Trennlinien Visuelle Trennlinien sind deutlich sichtbare Markierungen. Sie dienen zur Gestaltung und Erstellung von räumlichen Strukturen. Dabei haben sie einen bewusst steuerbaren psychologischen Effekt, wobei auch kleine Elemente einen psychologischen Raumteiler ergeben können. Als Beispiel sei ein am Boden verlegtes Kabel angeführt. Bei falscher Anwendung führen solche Trennlinien zu Irritation, Orientierungslosigkeit und Unwohlsein. Es werden zwei Arten von psychologischen Trennlinien unterschieden. Unbewusst positionierte Trennlinien sind unstrukturierte oder unlogisch angelegte Wege bzw. unstrukturierte oder unlogisch positionierte typische Veranstaltungsattribute wie zum Beispiel Stehtische, Bänke, Sessel, verlegte sichtbare Kabel, Pflanzen etc. Bewusst positionierte Trennlinien sind strukturierte oder logisch angelegte Wege bzw. strukturierte oder logisch positionierte typische Veranstaltungsattribute. Tertiäres Locationdesign Beschreibt das primäre Locationdesign die intelligente Selektion eines Veranstaltungsortes und ist das sekundäre Locationdesign durch eine wohlüberlegte und gut strukturierte Raumaufteilung mit Implementierung von visuellen Bezugspunkten zugunsten eines schnellen und gut orientierten Zuschauerstroms erfolgreich, so beschäftigt sich das tertiäre Design mit planbaren und mobilen Gestaltungsparametern. Dekoration und Ausstattung Bei der Dekoration und Ausstattung sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Es muss jedoch eine Identifikation und Harmonie mit der konzipierten Eventthematik vorhanden sein. Die Atmosphäre und der Charakter einer Veranstaltung müssen reflektiert werden. Es können bestimmte selektierte Tische, Sessel, Teppiche, Leuchter, Pflanzen etc. zur Identifikation unterschiedlicher Eventhemen beitragen. 4.3.4 4.4 4.4.1 4 Event – Teil eines architektonischen Prozesses 42 Farbsymbolik und Farbpsychologie Lichtelemente bilden eine Basis für die sekundären Eventdesignattribute. Mit Licht lässt sich sehr intensiv eine bestimmte Stimmung erzeugen. Die psychologische Auswahl an Farben ist hierfür sehr wichtig. Farben lösen Assoziationen und Gefühle aus. Farben schaffen Atmosphäre und Stimmungen. Einerseits gibt es individuelle Empfindungen, andererseits aber auch aus Erfahrungswerten gewonnene Informationen, die eine Kategorisierung von Farben zulassen. Farben können Stimmungen und Empfindungen manipulieren. Dunkle Farben mit schwachen Kontrasten werden kürzer betrachtet und wahrgenommen als helle Farben mit starken Kontrasten. Viele Menschen nehmen Objekte in hellen Farben früher wahr als in dunklen. Dadurch entsteht eine individuelle Wertigkeit von wahrgenommenen Objekten unterschiedlicher Farben. Die konzeptionelle Auswahl von Farben muss die thematische Zielsetzung reflektieren und repräsentieren. Bei falsch gewählten Lichtfarben kann es zu Missverständnissen, Irritationen und Fehlinterpretationen des Themas kommen. Für ein erfolgreiches Eventdesign muss die Funktion und Wirkung von Farben bereits in die Grundkonzeption integriert sein. Beispiel: Die thematische Zielsetzung ist eine alpine Schneelandschaft. Diese wird mit rotem Licht ausgeleuchtet. Dadurch kommt es zu einem thematischen Widerspruch (Rot: Farbe des Feuers, der Wärme). Einige psychologische Farbaspekte und Farbsymboliken: Farbe Farbwirkung / Farbsymbolik Farbpsychologie Blau Sympathie, Harmonie, Zuverlässigkeit, Sehnsucht, Kälte, Kühle, Fantasie Farbe der Ferne und der Sehnsucht Verschafft Raum und Perspektive Wasser und Luft Violett Extravaganz, Magie, Luxus, Charme, Wollust, Sexualität, Leidenschaft, Verführung Kühle Farbe Auffallend Selten Rot Glück, Freude, Liebe, Impulsivität, Zorn, Energie Polarisiert: Farbe der Liebe, aber auch Farbe des Blutes Starke Symbolkraft 4.4.2 4.4 Tertiäres Locationdesign 43 Orange Das Süße, das Aromatische, Frischheit, Extrovertiertheit, Mode, Lautheit, Geselligkeit, Genuss, Aktivität, Wärme Als Namensgebung für eine Frucht (Orange) in fast allen Sprachen identisch Kombination aus Licht und Wärme Gelb Optimismus, Lebensfreude, Empfindung, Naivität, Reichtum, Neid, Eifersucht, Geiz, Egoismus, Gift Farbe der Ferne Widerspruch: positive Kraft des Lichtes, aber auch Symbol für Gefahr Internationale „Warnfarbe“ Grün Natur, Natürlichkeit, Frühling, Hoffnung, Zuversicht, Frische, Gesundheit, Jugend Farbe der Natur Farbe der Vegetation und der Fruchtbarkeit (eine Oase in der Wüste ist grün) Farbsymbol für Gesundheit (grüne Energie, grüne frische Kräuter etc.) Weiß Licht, Glaube, Idealismus, Positivismus, Anfang, Sauberkeit, Unschuld, Bescheidenheit, Wahrheit, Neutralität, Klugheit, Wissenschaft Physikalisch: die Summe aller Farben Symbol für das Gute (eine weiße Taube, ein weißes Pferd, eine weiße Weste haben etc.). Kalt, gefährlich (Schnee und Eis ist weiß) Schwarz Dunkelheit, Tod, Leere, Einsamkeit, Gefühllosigkeit, Konservativität, Modernität, Sachlichkeit, Geradlinigkeit, Funktionalität Negative Farbe: Alles Schwarze ist verdorben, schlecht oder tot Farbe der Trauer, des Verbotenen (Schwarzarbeit, schwarzfahren etc.) Positive Farbe: einfach, modisch, modern Auditive Elemente – Geräusche Geräusche können den visuellen Eindruck und die individuelle Empfindung von thematischen Vorgaben verstärken. Beispiele: Wird mit visuellen Bildern und Licht der Sonnenuntergang an einem See thematisiert, so ergänzen Geräusche der Tierwelt (das Zirpen der Grillen, das Quaken eines Frosches etc.) diese Kulisse. Eine Bar soll den Eindruck erwecken, dass sie sich an einer Stra- ßenecke in Tokio befindet. Autolärm, Fahrradklingeln und linguistische Elemente der japanischen Sprache unterstützen diese Thematik. 4.4.3 4 Event – Teil eines architektonischen Prozesses 44 Auditive Elemente – Musik Musik ist ein wesentliches Element für die Empfindsamkeit von Teilnehmern. Ähnlich wie Licht kann man Musik auch manipulativ einsetzen. Langsame und leise Hintergrundmusik wirkt beruhigend und besänftigend; schnelle, laute Musik kann aktivierend und stimulierend wirken. Der Musikstil prägt die thematische Zielsetzung. So kann bereits anhand eines Musikstils ein Eventthema definiert sein. Als Beispiel sei das Eventthema „Die 70er-Jahre“ angeführt. Die Lautstärke der Musik muss der thematischen Zielsetzung angepasst sein. Audiologos können der Identifikation spezifischer Eventparameter dienen. Ein Audiologo kann als Markentypisierung für ein Produkt stehen, eine immer wiederkehrende Fanfare vor informellen Durchsagen kann die Aufmerksamkeit der Teilnehmer erhöhen und Wiederkennungswerte schaffen. Visuelle technische Elemente Videowalls, LED-Bildschirme, Flatscreens, Leinwände, Projektionen, Animationen, 3D-Grafiken, Bewegtbilder etc. sind für Informationsmedien und Unterhaltungsmedien, aber auch als atmosphärische Designparameter von großer Bedeutung. Ihre Anwendung muss in der Grundkonzeption berücksichtigt werden. Kostüme und Bodystyle Kostüme und der Stil von Gastronomiepersonal, Hostessen, Ticketingpersonal und Mitarbeitern aller Art kann die thematische Zielsetzung unterstützen. Ein typisches 70er-Jahre-Outfit der Mitarbeiter eines Events, das die 70er-Jahre als Thematik hat, steigert die Identifikation. 4.4.4 4.4.5 4.4.6 4.4 Tertiäres Locationdesign 45 Geruch Der Geruch als Eventmaterial, als Eventdesignfaktor erfreut sich immer größerer Beliebtheit und ist für bestimmte thematische Vorgaben auch relevant. Gerüche kann man für jede Art von Empfindung konzipieren und lassen sich sehr leicht für eventtypische Themen einsetzen. Der Geruch von Maroni, Kastanien, Zimt und Nadelbäumen erweckt Erinnerungen an einen Weihnachtsmarkt oder Wintertag. Bühnenbereich Ein Hauptaugenmerk des Eventdesigns sollte man auf jenen Bereich legen, an oder auf dem die eigentliche „Performance“ des Events stattfindet. Der zentrale Teil und somit das „Herz“ eines direkten Veranstaltungsortes ist die Bühne. Sie ist der visuelle Bezugspunkt und damit das Zentrum einer Veranstaltung. Es gilt daher, sie in Szene zu setzen, zu präsentieren. Bei mehreren Bühnen ist es notwendig, ein entsprechendes dramaturgisches und technisches Anordnungskonzept zu erstellen. Primäre Bühnenform Hier geht es um die Basisform der Bühne, um jenen Bereich, der von den Künstlern primär für schauspielerische, musikalische oder ähnliche künstlerische Darbietungen genutzt wird. Sekundäre Bühnenform Als sekundäre Bühnenform werden ergänzende Parameter wie Bühnenboden, Bühnenanbauten oder Bühnenzubauten bezeichnet. Beispiele sind Laufsteg, Treppe, erhöhte Elemente, Drehelemente etc. 4.4.7 4.5 4.5.1 4.5.2 4 Event – Teil eines architektonischen Prozesses 46 Szenenbereiche Dies sind jene Bereiche innerhalb eines Veranstaltungsraums, die für schauspielerische, musikalische oder ähnliche künstlerische Darbietungen genutzt werden, ohne eine speziell aufgebaute oder integrierte Bühne zu benutzen. Anforderungen an die Bühne und Bühnenaufbau Es gibt mehrere Parameter, die man bei einer erfolgreichen Konzeption und Realisierung einer Bühne innerhalb eines Veranstaltungsortes beachten muss: optische Faktoren wie Design und Form einer Bühne, technische Faktoren wie Audiotechnik oder visuelle Technik, das Bühnenbild (es setzt die Künstler in Szene und verleiht der Bühne eine gewisse Atmosphäre), die Bühnenabdeckung (sie schützt die Bühne vor Regen und Wind), Rigging und statische Ebenen (Aufhängung und statischer Aufbau von Bühnen und Bühnenelementen) und zuletzt auch das Bühnenmaterial und dessen optische bzw. akustische Auswirkungen. Für die visuelle Wahrnehmung, für die Erweckung von Neugierde und Spannung ist es wesentlich, die Bühne in einer anderen räumlichen Wahrnehmung als den Zuschauerraum zu präsentieren. Eine Bühne kann erhöht, tiefer abgesenkt und in den Boden der Veranstaltungsstätte integriert sein oder auch eine gänzlich andere räumliche Form als der Veranstaltungsraum haben. Bühnen sind in mehrere Ebenen und Bereiche gegliedert. Jeder Bereich hat eine bestimmte Funktion für einen erfolgreichen dramaturgischen Ablauf. Bühnenboden Der Bühnenboden ist der Bereich unter der Bühne mit diversen technischen Einrichtungen. Diese technischen Faktoren gewährleisten einen leichten und schnellen Aufbau und Umbau der Bühnenelemente, schaffen Auftrittsmöglichkeiten und erleichtern die Inszenierung von Auftritten und Abtritten. Dabei kann es sich um maschinell oder elek- 4.5.3 4.5.4 4.5.4.1 4.5 Bühnenbereich 47 trisch bewegbare Podien, Treppen, Drehscheiben, Drehbühnen oder Öffnungen handeln. Beleuchtungsbrücken Bei fest installierten Bühnen gibt es meist auch fest installierte Beleuchtungsbrücken. Diese können eine beliebige Anzahl haben, begehbar oder nicht begehbar, verschiebbar oder nichtverschiebbar sein. Bei nicht festen Bühnen werden Beleuchtungsbrücken durch extra aufgebaute Riggingkonstruktionen realisiert. An diesen Konstruktionen werden Beleuchtungskörper, Projektoren oder Kameras angebracht. Dekorationszüge Dies sind fest installierte Zugeinrichtungen, mit denen man Dekorationsteile auf die Bühne abseilen kann. Dies geschieht mit Hand- oder Maschinenzügen. Nicht fest installierte Bühnen verwenden motorbetriebene Kettenzüge. Diese können bei einer Riggingkonstruktion als ganze Einheiten verhängt werden. Zuschauerbereich Der Zuschauerbereich ist ein definiertes, abgegrenztes und gestaltetes Areal, das den Teilnehmern zur Verfügung steht. Dies beinhaltet alle Parameter wie Zuschauerraum, kulinarische Bereiche, Bars, Toiletten, Garderoben etc. Bei der Konzeption des Zuschauerbereichs müssen zwei Punkte berücksichtigt werden. Einerseits ist dies der visuelle Parameter: Es muss von jedem Bereich des Zuschauerraums eine freie Sicht auf die Bühne gewährleistet sein. Bühnen und Zuschauerareale müssen derart konzipiert sein, dass unabhängig von Größe oder Art der Location es jederzeit zu einer Interaktion zwischen Rezipient und Künstler kommen kann. Nur so ist eine Aktivierung der Teilnehmer gegeben. Andererseits ist der auditive Parameter zu beachten: Es muss von jedem Bereich des Zuschauerraums ein qualitativ gleiches Hörempfinden gewährleistet sein. 4.5.4.2 4.5.4.3 4.6 4 Event – Teil eines architektonischen Prozesses 48 Virtuelle Location Die Entwicklungen in der Kommunikationstechnologie, die Kombination von dreidimensionalen Designparametern als Eventfaktor und die immer schneller und hinsichtlich der Datenmenge immer leistungsstärker werdenden Internetverbindungen lassen die „Welt“ der virtuellen Events wachsen und wachsen. Online-Welten sind als wesentliche Ergänzung und Bereicherung der Eventlandschaft nicht mehr wegzudenken. Eine durch die eigene Vorstellungskraft, durch Fantasie und kognitives Erschaffen gestaltete Traumwelt in unserem Kopf ermöglicht die maximale Aktivierung der Sinneswahrnehmung von Rezipienten. Ziel ist die Realisierung und technische Umsetzung solcher virtuellen Welten, eine reale Erlebniswelt, die einer Vorstellung oder Fantasie nachgebaut wurde. Besucher werden durch die aktive Teilnahme zu einem Teil der erschaffenen Traumwelten (maximales Erlebnis). Eine erfolgreiche Eventkonzeption ist ohne virtuelle Welten heute nicht mehr denkbar. Die Grenzen solcher virtuellen Welten sind relativ. Es können komplexe Welten inklusive Sprachen, Landkarten, Bewohnern, sozialer Strukturen etc. erschaffen werden. Ähnlich wie bei der Konzeption von Computerspielen ermöglichen immer bessere, qualitativ hochwertigere digitale Animationstechniken und Animationssoftwares eine Symbiose von virtuellen und realen Welten. Als Beispiele seien Themenwelten wie Alice im Wunderland, Herr der Ringe, Star Trek, diverse Märchenwelten, Comicwelten etc. erwähnt. 4.7 4.7 Virtuelle Location 49

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Dieses Buch ist perfekte Praxishilfe, Nachschlagewerk und Begleiter für alle, die Events in ihrer gesamten Komplexität erlernen, verstehen und erfolgreich realisieren möchten. Praxisnah und mit viel Fachwissen stellt Helmut Kienast die komplexe Thematik des Events als kommunikationswissenschaftlichen Prozess vor. Neben eventspezifischem Basiswissen erfolgt die schrittweise Einführung in Themen wie Eventzielsetzungen, Eventtypologie und Zielgruppenanalyse, Locationselektion und Locationdesign, Dramaturgie und Inszenierung, psychologische und soziale Wirkungsforschung, kognitive Erlebnisverarbeitung und ökonomische Eventfaktoren.

Eine klare Kaufempfehlung für Veranstalter von Events, Eventagenturen sowie für Studierende und Lehrende der Fächer Kommunikationswissenschaften, Eventmanagement, Eventengineering und Eventtechnik.