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11 Event – ein Ausblick in:

Helmut Kienast

Das Event als kommunikationswissenschaftlicher Prozess, page 107 - 112

Basiswissen für eine erfolgreiche Eventrealisation

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3966-3, ISBN online: 978-3-8288-6848-9, https://doi.org/10.5771/9783828868489-107

Tectum, Baden-Baden
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Event – ein Ausblick Der Terminus „Event“ hat sich in den letzten zwanzig Jahren emanzipiert. War er hinsichtlich Definition, wissenschaftlicher Typologie und Kategorisierung lange Zeit ein unerforschtes Gebiet, so haben sich wissenschaftliche Ansätze und Diskurse entwickelt, die eine Veranstaltungswissenschaft als seriöses Element der universitären Lehre etabliert haben. Die Verfassung von zahlreichen wissenschaftlichen Dialogen, Artikeln, Büchern, Vorträgen sowie Bachelor- und Masterarbeiten haben einen regen literarischen Meinungsaustausch in der universitären Landschaft impliziert. Durch die steigende Zahl an akademisch gebildeten, aber auch spezialisierten Eventfachleuten macht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser komplexen Thematik auf wirtschaftlicher, technischer, sozialer und künstlerischer Ebene quantitativ wie qualitativ erhebliche Fortschritte. Viele Teilbereiche bedürfen noch einer international einheitlichen Definition und Kategorisierung. Allein die Tatsache der Begriffsvielfalt stellt eine große Herausforderung für eine Harmonisierung dar. Das Eventbusiness ist einer der dynamischsten und am schnellsten wachsenden Märkte. Es gibt keine Dienstleistungsebene mehr, die sich dem wirtschaftlichen Instrument einer Eventrealisierung verschließt. Der ständige Wunsch nach Entertainment als Erlebnis und Werbung als Ereignis lässt die Eventbranche wachsen und wachsen. Sowohl Komplexität als auch Dynamik sind in den mannigfaltigen Subkategorien begründet, derer sich das Eventbusiness bedient. Viele dieser Ebenen durchlaufen selbst einen starken dynamischen Entwicklungsprozess. Innovationen und kreative Entwicklungen ermöglichen immer wieder neue Konzeptionen, Anwendungen und Eventrealisierungen. Bereiche wie Medien und Technik verändern sich in sehr schnellem Tempo. Neue Möglichkeiten führen zu neuen Ansprüchen und Erwartungshaltungen. War es vor ein paar Jahren noch unvorstellbar, aktuell und ortsunabhängig alle Informationen zu oder über ein 11 107 Event zu erhalten, so stellt das Internet diese rund um die Uhr zur Verfügung. Neue mediale Formen wie Apps, Blogs oder geografische „Maps“ verändern durch die Aktualität, Komplexität und Intensität von Informationen das Verbraucherverhalten von Rezipienten. Medien und Events In den vergangenen Jahren erfuhr die zwischenmenschliche Kommunikation als Transport vom Kommunikator zum Rezipienten einen Wandel im Hinblick auf Technik, soziales Verhalten und psychologische Wirkungen, die sich in den nächsten Jahren noch weiter intensivieren werden. Die Kommunikationstechnik unterliegt einem enormen dynamischen Entwicklungsprozess. Neue kommunikative Parameter wie das mobile, jederzeit und überall verwendbare Internet ver- ändern soziale und kulturelle Ansprüche. Als Beispiel seien „Apps“ genannt, die es noch gar nicht so lange gibt, die aber längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden sind. Mittlerweile sind sie als digitale Orientierungshilfen bzw. als digitale Informationsquellen für eine erfolgreiche Eventrealisierung nicht mehr wegzudenken. Mobile Verwendungsmöglichkeiten des Internet eröffnen neue Dimensionen in der Entertainment- und Eventwelt. Digitale Welten, virtuelle Events als Parallelwelt zu realen Events oder die Kombination einer virtuellen und einer realen Welt als Eventrealisierung unterliegen ebenfalls einem dynamischen Entwicklungsprozess. So wird das Internet als „Eventlocation“ immer wichtiger sein. Auf sozialer Ebene werden wir mit neuen Fakten konfrontiert. Blogs sind Opinionleader, Events werden auf Facebook oder Twitter angekündigt, Fotos auf Instagram und Videos auf Youtube veröffentlicht. Die Quantität des Sponsorings richtet sich nach der Anzahl an Online-Einträgen potenzieller Besucher. Das Internet selbst wird mehr und mehr als Medium für die Übertragung von Veranstaltungen genutzt werden. Die Contentübertragung nimmt hinsichtlich Quantität und Qualität immer mehr zu. 11.1 11 Event – ein Ausblick 108 Technik und Events Die Entwicklung der technischen Komponenten stellt eine der größten Herausforderungen an Eventmanager dar. Technische Parameter als Basis einer erfolgreichen Eventgestaltung erleben regelmäßig in immer kleineren Zeitabständen Erneuerungen und Modernisierungen, bedürfen demnach einer ständigen Wissensreflexion. Internationale Messen und Ausstellungen über Eventtechnik und Eventdesign sind ein wesentlicher Faktor der individuellen Wissenserweiterung. Lichttechnik, visuelle Technik, Audiotechnik, Riggingtechnik, Medientechnik oder digitale Technik bilden immer mehr einen einheitlichen Parameter in der Anwendung, sowohl in der Konzeption als auch in der technischen Umsetzung und in der Steuerung. Diese schnelle Entwicklung bedeutet einen großen zeitlichen Aufwand, um sich persönlich weiterzuentwickeln, bringt aber auch interessante Möglichkeiten mit sich, Eventthemen und Eventideen neu zu definieren und neu zu gestalten. Es gibt wohl kaum ein technisches Gebiet, in dem nicht jährlich neue Produkte auf den Markt kommen, die neue Möglichkeiten und neue Themengebiete eröffnen. Dies ist etwa in der Audiotechnik der Fall, die hinsichtlich des Abstrahlverhaltens und des linearen Frequenzgangs qualitativ immer besser entwickelte Lautsprecher zur Verfügung stellt, die auch an Größe und Gewicht ständig kleiner und im Design und mit Blick auf die visuelle Stage- und Locationimplementierung immer flexibler anpassbar sind. In der Lichtthematik ist es derzeit vor allem die Revolution der LED-Technik, die Themen wie Energiebedarf, Green Events oder Energiemobilität einerseits, andererseits aber auch das Thema Lichtdesign in seiner gesamten Komplexität reformiert. Nicht nur die technische Entwicklung per se, auch die Kommerzialisierung einer Technik, die sich wegen der gesunkenen Kosten quasi „jedermann“ leisten kann, machen eine regelmäßige Auseinandersetzung mit dieser Thematik erforderlich. Waren große LED-Wände noch vor zwei bis drei Jahren für die meisten Zwecke unerschwinglich und konnten wegen der großen Lampenabstände auch nur als visueller Hintergrund verwendet werden, sind sie heute als wesentlicher Parameter für Bühnendesign, Film- und Fotowiedergabe, Architekturbeleuchtung und als Lichteffekte nicht mehr wegzudenken. Die Projektionstechnik wurde durch LED und Flatscreens, deren Entwicklung 11.2 11.2 Technik und Events 109 mit immer kleineren und hochauflösenden Projektoren korreliert, genauso neu strukturiert wie die unendlich erscheinenden Möglichkeiten der dreidimensionalen Systeme. Holografie, Polarisationssysteme mit der Darstellung von stereoskopischen 3D-Bildern, Mapping (die Kartografie von Gebäuden oder ganzen Straßenzügen) als Grundlage für Lichtkonzeptionen und Lichtshows sind nur einige Themen, deren technische Forschungs- und Entwicklungsergebnisse jedes Jahr aufhorchen lassen. Die digitale Technik als Basis für die Konzeption und Steuerung unterschiedlicher technischer Parameter eröffnet neue Dimensionen, was die interaktive und kollektive Ausführung angeht. Bisher waren individuelle Systeme (Licht, Ton, Projektion etc.) autonom und wurden entsprechend getrennt gesteuert. Tonmeister, Lichttechniker oder visuelle Techniker waren zwar aufeinander abgestimmt und kommunikativ vernetzt, jedoch gab es keine übergeordnete technische Steuerung und Kontrolle. Digitale Steuerungs- und Nachrichtentechniken haben inzwischen die Eventdramaturgie und die Umsetzung technischer Ideen revolutioniert. Alle technischen Subsysteme sind miteinander verbunden und Teil des Gesamtsystems. Bereits in der Konzeption von technischen Abläufen werden alle Systeme integriert und aufeinander abgestimmt. Durch die digitale Vernetzung kann eine komplette Bühnenshow inklusive aller technischen Parameter von einem „Knopf “ aus gestartet werden. Audiotechnik, Lichttechnik, Pyrotechnik, visuelle Technik – alles wird von einem Standort aus gesteuert. Das gesamttechnische System eines Events ist als Ganzes zu betrachten, jeder individuelle technische Parameter als Teil einer Dramaturgie, als Teil eines Systems. Controlling und Events Ergebnisorientierte Events werden in der Zukunft immer wichtiger. Ihre Evaluierung und das Controlling als Parameter sind auf wirtschaftlicher Ebene eine Notwendigkeit. Bereits in der Fragestellung des Eventziels und der daraus folgenden Konzeption muss der wirtschaftliche Aufwand in Relation zum Ergebnis diskutiert werden. Immer wichtiger wird die zielorientierte Konzeption der Wirkung eines 11.3 11 Event – ein Ausblick 110 Events auf allen Ebenen (Rezipient, Image, Gewinn, Erlebniswertigkeit etc.). Evaluierungen und die Messung einzelner Wirkungsparameter sind nicht nur für den Auftraggeber oder Eventinitiator wesentlich, sondern auch für die Akquise von Partnerfirmen, Sponsoren, Akteuren etc. Messgeräte und Evaluierungsmöglichkeiten werden einfacher und unkomplizierter werden. Ähnlich wie bei der klassischen Werbung werden Events nach Reichweite, Aussagekraft und Wirkung im Verhältnis zum finanziellen Aufwand gewertet werden. Das Thema „Green Events“ und die Diskussion über eine ökologische Nachhaltigkeit lassen Events auch auf der umweltpolitischen Ebene neue Kategorien erschließen. Der Gesundheitszustand von Ökosystemen lässt sich als umfassender, multiskalarer, dynamischer und hierarchischer Messwert der Vitalität, Organisation und Widerstandsfähigkeit eines ökologischen Systems verstehen. Der Begriff der nachhaltigen Veranstaltungen – oder Green Events – wird seit wenigen Jahren immer prominenter. Tatsächlich rückt mehr und mehr ins Bewusstsein, dass die Art der Organisation und die Teilnahme an Veranstaltungen erhebliche Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft haben. Berufsbild Eventengineer - vom Eventmanager zum Experten In den letzten Jahren hat sich eine bedeutsame Entwicklung abgezeichnet. Der ständige Wunsch nach Entertainment als Erlebnis und nach Werbung als Ereignis lässt die Eventbranche wachsen und wachsen. Fach- und Führungskräfte werden dadurch immer wichtiger, und das Feld der möglichen Tätigkeitsbereiche ist mittlerweile so breit, dass es fast keine Dienstleistungsebene mehr ohne Eventrealisierung gibt. Eventagenturen, Radio, Film, Fernsehen, soziale Medien, Theater, Mehrzweckhallen, Kongresszentren, Messen, Museen, öffentlicher Dienst, öffentliche Verwaltungseinrichtungen, Dienstleistungsunternehmen für die Eventbranche, Hotels, Banken, Freizeitparks, Unternehmen aller Art, Privatpersonen – die Liste aller möglichen Eventinitiatoren bzw. deren Auftraggeber wird immer länger. Der Beruf des klassischen Eventmanagers, wie wir ihn heute kennen, wird es in der Zukunft nicht mehr geben. Es scheint, dass eine 11.4 11.4 Berufsbild Eventengineer - vom Eventmanager zum Experten 111 sinnvolle Entwicklung eines kompetenten wissenschaftlichen Diskurses zu dieser Thematik nur in der Spezialisierung und Individualisierung von Eventfachleuten bestehen kann – bis hin zur Profession eines Eventwissenschaftlers. Eine „allwissende Person“, die als alleiniger Urheber eines Events jeden einzelnen Arbeitsschritt von der Konzeption bis zur Realisierung alleine durchführt, dürfte nicht länger qualifiziert oder fachkundig genug sein, um der umfangreichen und komplexen Thematik und der schnellen Entwicklung diverser Parameter (audiotechnische, videotechnische oder lichttechnische Geräte, Kommunikationsfaktoren wie Internet oder Netzwerktechnik) gerecht werden zu können. Eventexperten der Zukunft sind daher spezialisierte Akademiker im Bereich Event und Kunst, Event und Kommunikation, Event und Technik, Event und Wirtschaft, Event und Soziologie, Event und Kultur, Event und Ökologie, Event und Psychologie, Event und Architektur oder Event und Design. In diversen Bereichen werden unterschiedliche Spezialisten zum Zwecke der Realisierung von Events zum Einsatz kommen. Betrachtet man dieses Problem auf einer höheren Ebene, so blockiert die heutige Situation der „allwissenden Eventmanager“ auch die Entwicklung in diversen Event-Subkategorien. Diese Entwicklung ist für einen professionellen und sachkundigen Diskurs aber wesentlich. Mit Blick auf die Individualisierung und den Bedarf an sachkundigen Experten in der Eventbranche bedarf es einer Ausbildung auf universitärem Niveau. Ein Eventexperte der Zukunft kennt und versteht auf akademischem Niveau die Grundregeln, hat Basiswissen auf allen Ebenen des Eventbusiness und ist sich über die jeweiligen Definitionen im Klaren. Zugleich ist er aber auf eine wesentliche Thematik spezialisiert, die ihn als Experten auftreten lässt. Nur so wird der Sachverhalt „Event“ mit all den Problematiken auch als ein wissenschaftlicher Faktor wahrgenommen werden. 11 Event – ein Ausblick 112

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Zusammenfassung

Dieses Buch ist perfekte Praxishilfe, Nachschlagewerk und Begleiter für alle, die Events in ihrer gesamten Komplexität erlernen, verstehen und erfolgreich realisieren möchten. Praxisnah und mit viel Fachwissen stellt Helmut Kienast die komplexe Thematik des Events als kommunikationswissenschaftlichen Prozess vor. Neben eventspezifischem Basiswissen erfolgt die schrittweise Einführung in Themen wie Eventzielsetzungen, Eventtypologie und Zielgruppenanalyse, Locationselektion und Locationdesign, Dramaturgie und Inszenierung, psychologische und soziale Wirkungsforschung, kognitive Erlebnisverarbeitung und ökonomische Eventfaktoren.

Eine klare Kaufempfehlung für Veranstalter von Events, Eventagenturen sowie für Studierende und Lehrende der Fächer Kommunikationswissenschaften, Eventmanagement, Eventengineering und Eventtechnik.