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Peiqi Han

Soziale Ausgrenzung in den Dokufiktionen des chinesischen Regisseurs Jia Zhangke, page I - X

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-3949-6, ISBN online: 978-3-8288-6846-5, https://doi.org/10.5771/9783828868465-I

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Peiqi Han Soziale Ausgrenzung in den Dokufiktionen des chinesischen Regisseurs Jia Zhangke Peiqi Han Soziale Ausgrenzung in den Dokufiktionen des chinesischen Regisseurs Jia Zhangke Tectum Verlag Peiqi Han Soziale Ausgrenzung in den Dokufiktionen des chinesischen Regisseurs Jia Zhangke © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2018 Zugl. Diss. Univ. Universität Leipzig 2016 E-Book: 978-3-8288-6846-5 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-3949-6 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlagabbildung: shutterstock.com © chuyuss; fotolia.com © soolima Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. V Vorwort Es handelt sich bei dieser Studie um eine leicht geänderte Version einer Dissertation, die bis Anfang 2015 angefertigt und im Januar 2016 bei der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig vorgelegt wurde. Die im zweiten Kapitel dieser Studie verwendete Literatur über die soziale Ausgrenzung in der chinesischen Gesellschaft stammt hauptsächlich aus den 2000er Jahren (insgesamt aus dem Zeitraum 1993 bis 2012). Die Anforderungen an die Filmanalyse sind dabei trotzdem erfüllt, da die ausgewählten Filme im Zeitraum von 1997 bis 2008 produziert wurden und somit die entsprechenden soziologischen Studien in Bezug auf die in den Filmen dargestellte soziale Realität passend sind. Allerdings erscheint die Formulierung der zentralen Fragestellung dieser Studie, wie Jias Dokufiktionen die soziale Ausgrenzung in der gegenwärtigen chinesischen Gesellschaft reflektieren, die beim Schreiben dieser Dissertation noch angemessen war, nun im Zusammenhang mit der Aktualität der Forschungsliteratur problematisch. Eine nachträgliche Änderung der Formulierung wurde vor der Veröffentlichung trotzdem nicht vorgenommen. Die Gründe dafür werden im Folgenden erklärt. Das Problem mit der Aktualität der Forschungsliteratur betrifft grundsätzlich nur die erste Teilfrage, die durch die Filmanalyse bearbeitet wird, nämlich inwieweit die Dokufiktionen von Jia Zhangke die soziale Ausgrenzung in der chinesischen Gegenwart reflektieren (siehe Kapitel 6). Die zweite und dritte Teilfrage sind von diesem Problem nicht betroffen. In Bezug auf die erste Teilfrage liegt der Beitrag dieser Dissertation in erster Linie in ihrer Methodendiskussion. Dabei zeigt diese Studie, wie die soziologischen Kategorien für die Filmanalyse verwertbar gemacht werden können. Genau dies ist aber zeitlos. Außerdem hat das Problem keine Auswirkungen auf die Forschungsergebnisse, da, wie erwähnt, der Zeitraum der verwendeten soziologischen Literatur und der filmischen Storys identisch ist (1990er und 2000er Jahre). Aus den oben genannten zwei Gründen geht die Autorin davon aus, dass das Problem mit der Aktualität der Forschungsliteratur für dieses Buch kei- VI VORWORT ne entscheidende Rolle spielt. Die originale Forschungsfrage sollte daher beibehalten werden. Ich möchte allen Menschen danken, die mich in den letzten Jahren bei der Fertigstellung dieser Dissertation mit allen Mitteln und Kräften unterstützt haben. Zuerst gebührt meiner Familie – Hongfeng Wei, Xiuguo Han, Sheng Li und Noah – Dank, die mir durch diese Jahre immer mit Rat und Tat zur Seite stand und auch in den schwierigen Momenten immer wieder Verständnis und liebevolle Unterstützung entgegengebracht habt. Mein tiefer Dank und Respekt gilt meinem betreuenden Doktorvater, Prof. Dr. Rüdiger Steinmetz. Er hat diese Promotion ermöglicht und mit viel Geduld betreut. Große Unterstützung ist mir auch durch Prof. Dr. Doris Weidemann zuteilgeworden. Ihr verdanke ich nicht nur anregende Gespräche voller konstruktiver Hinweise und kritischer Anregungen, sondern auch einen freundlichen Beistand, den ich weit über das Wissenschaftliche hinaus schätze. Den Kollegen der Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation der Westsächsischen Hochschule Zwickau, vor allem Prof. Dr. Doris Fetscher und Prof. Dr. Thomas Johnen, danke ich herzlich für vielen Hinweise, Unterstützung und Hilfe aller Art. Des Weiteren danke ich sehr herzlich der Konrad-Adenauer-Stiftung, ohne deren großzügige Förderung diese Studie nicht möglich gewesen wäre. VII Inhaltsverzeichnis Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Filme als wirklichkeitsnahes Spiegelbild sozialer Realität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Forschungsstand und Zielsetzung dieser Studie . . . . . . . . 4 Jia Zhangkes Filme und Dokufiktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Fragestellung und Gliederung dieser Studie . . . . . . . . . . . . 17 1 Der Filmemacher Jia Zhangke und das Dispositiv seiner Filme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 1.1 Das Dispositiv in dieser Studie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 1.2 Der künstlerische Werdegang Jia Zhangkes. . . . . . . 24 1.3 Historische Verortung: Die Sechste Generation . . . 27 1.3.1 Die Generationen der chinesischen Filmemacher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 1.3.2 Konfrontation mit der Filmpolitik . . . . . . . . . . . 36 1.3.3 Konfrontation mit dem Markt . . . . . . . . . . . . . . . 38 1.4 International: Die Wurzeln des Realismus-Konzepts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 1.5 Jia Zhangkes persönliche Handschrift . . . . . . . . . . . . 44 1.6 Jia Zhangkes Filmwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 1.7 Zwischenfazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Theoretische Untersuchung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 2 Die soziale Ausgrenzung im soziologischen Diskurs . . . . . 63 2.1 Vorbemerkungen: Soziologie als Diskurs über soziale Realität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 2.2 Der Begriff und das Phänomen der „sozialen Ausgrenzung“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 VIII INHALTSVERZEICHNIS 2.3 Die soziale Ausgrenzung in der gegenwärtigen chinesischen Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 2.4 Die Dimensionen sozialer Ungleichheit in der heutigen chinesischen Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . 79 2.5 Zwischenfazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 3 Soziale Ausgrenzung aus phänomenologischer Perspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101 3.1 Soziale Ausgrenzung als subjektive Erfahrung . . . . 101 3.2 Metaphern für die Sinnkonstitution sozialer Ausgrenzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 3.2.1 Metaphorische Darstellungen über soziale Ausgrenzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 3.2.2 Die Funktionen der Metaphern . . . . . . . . . . . . . 110 3.2.3 ,Innen und Außen‘ als Sinnbildungskonzept für gesellschaftliche Verhältnisse . . . . . . . . . . . . 115 3.3 Filmische Konstruktion sozialer Ausgrenzung von Figuren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 3.4 Zwischenfazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 4 Dokufiktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 4.1 Filmgattungen: Dokumentarfilm und Spielfilm . . . 127 4.2 Kategorisierung der Mischformen und Definition der Dokufiktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 4.3 Dokufiktion als Diskurs über die soziale Realität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145 4.3.1 Wirklichkeitskonstruktion des Films . . . . . . . . . 145 4.3.2 Exkurs: Dokumentarfilm als Discourse of Sobriety . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154 4.3.3 Die Spezifik der Dokufiktion . . . . . . . . . . . . . . . . 156 4.4 Zwischenfazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161 5 Zusammenfassung des theoretischen Teils . . . . . . . . . . . . . . 163 IX INHALTSVERZEICHNIS Empirische Untersuchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167 6 Methodisches Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167 6.1 Fragestellungen und Hypothesen . . . . . . . . . . . . . . . . 167 6.2 Darstellung des methodischen Vorgehens . . . . . . . . 170 6.2.1 Inhaltsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173 6.2.2 Hermeneutisches Interpretationsverfahren . . 175 6.3 Operationalisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177 6.3.1 Zur ersten Teilfrage und Hypothese . . . . . . . . . 178 6.3.2 Zur zweiten Teilfrage und Hypothese . . . . . . . 188 6.3.3 Zur dritten Teilfrage und Hypothese . . . . . . . . 190 6.4 Gegenstand der Untersuchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196 7 Filmanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199 7.1 Pickpocket (Xiăo Wŭ, CHN 1997) . . . . . . . . . . . . . . . . . 199 7.1.1 Story . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199 7.1.2 Dimensionen des ,Außen‘ . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201 7.1.3 Die filmische Konstruktion der sozialen Ausgrenzung der Figuren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207 7.1.4 Inkongruenz zwischen der narrativen und der ästhetischen Ebene . . . . . . . . . . . . . . . . 215 7.1.5 Zwischenfazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 221 7.2 The World (shìjiè, CHN 2004) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 224 7.2.1 Story . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 224 7.2.2 Dimensionen des ,Außen‘ . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226 7.2.3 Die filmische Konstruktion der sozialen Ausgrenzung der Figuren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 230 7.2.4 Inkongruenz zwischen der narrativen und der ästhetischen Ebene . . . . . . . . . . . . . . . . 239 7.2.5 Zwischenfazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245 X INHALTSVERZEICHNIS 7.3 Still Life (sānxiá hăorén, CHN 2006) . . . . . . . . . . . . . . 246 7.3.1 Story . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246 7.3.2 Die Dimensionen des ,Außen‘ . . . . . . . . . . . . . . . 249 7.3.3 Die filmische Konstruktion von sozialer Ausgrenzung der Figuren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255 7.3.4 Inkongruenz zwischen der narrativen und der ästhetischen Ebene . . . . . . . . . . . . . . . . 262 7.3.5 Zwischenfazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268 7.4 24 City (èrshísì chéng jì, CHN 2008) . . . . . . . . . . . . . . . 270 7.4.1 Hintergrundinformationen . . . . . . . . . . . . . . . . . 270 7.4.2 Dimensionen des ,Außen‘ . . . . . . . . . . . . . . . . . . 271 7.4.3 Die filmische Konstruktion sozialer Ausgrenzung der Figuren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277 7.4.4 Inkongruenz zwischen der narrativen und der ästhetischen Ebene . . . . . . . . . . . . . . . . 284 7.4.5 Zwischenfazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293 8 Resümee der empirischen Untersuchung . . . . . . . . . . . . . . . 297 9 Schlussfolgerung und Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 323 Anhang Anhang 1: Filmprotokolle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 339 A. Filmprotokoll Pickpocket . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 339 B. Filmprotokoll The World . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 356 C. Filmprotokoll Still Life . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 370 D. Filmprotokoll 24 City . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 386 Anhang 2: Filmographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 401

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Zusammenfassung

Jia Zhangke ist einer der bekanntesten und produktivsten chinesischen Filmemacher der Sechsten Generation. Eindrucksvoll verarbeitet er in seinen Filmen die großen Veränderungen der chinesischen Gesellschaft seit der Einführung wirtschaftlicher Reformen und die so entstandenen sozialen Probleme.

Wissenschaftlich fundiert geht die Autorin der Frage nach, wie Jias Dokufiktionen die soziale Ausgrenzung in den 1990er und 2000er Jahren in China reflektieren. Mit ihrer theoretischen Untersuchung und der Analyse von Jias Dokufiktionen „Pickpocket“, „The World“, „Still Life“ und „24 City“ liefert die Autorin nicht nur Informationen über die wissenschaftlich sonst nur schwer zugänglichen Realitäten der sozialen Ausgrenzung in der Volksrepublik China, sondern schlägt auch eine interdisziplinäre Brücke zwischen der sozialen Ausgrenzung als gesellschaftlichem Phänomen und ihrer filmischen Darstellung.