Content

3 Theorie der Jahresabschlussanalyse in:

Mathias Ollmann

Einflussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen, page 27 - 42

Eine empirische Analyse von Performancepfaden auf Basis der modernen Bilanzanalyse

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3996-0, ISBN online: 978-3-8288-6843-4, https://doi.org/10.5771/9783828868434-27

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
27 3 Theorie der Jahresabschlussanalyse Im Folgenden werden die Grundlagen der Jahresabschlussanalyse beschrieben. Der Fokus liegt hier auf der Grundidee und Zielsetzung der Jahresabschlussanalyse (vgl. Abschnitt  3.1), dem Entwicklungsstand (vgl. Abschnitt 3.3) sowie den Grenzen und Einschränkungen (vgl. Abschnitt 3.4). Zur Vollständigkeit werden auch die in der Literatur bereits sehr ausführlich dokumentierten Analysebereiche, die Grundlagen der Kennzahlenermittlung sowie der Prozess einer Jahresabschlussanalyse dargestellt (vgl. Abschnitt 3.2). Das konkrete methodische Vorgehen wird im Rahmen der empirischen Analyse beschrieben (vgl. Abschnitt 5). 3.1 Grundlagen der Jahresabschlussanalyse 3.1.1 Grundidee Die Jahresabschlussanalyse (auch Bilanzanalyse) bezieht sich auf die Analyse der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung sowie grundsätzlich auch auf die Informationen aus der Kapitalflussrechnung, dem Anhang und dem Lagebericht eines Unternehmens.95 Neben diesen auf gesetzlicher Basis veröffentlichten (internen) Informationen können zusätzlich auch freiwillig publizierte (interne) oder externe Informationen (oftmals qualitativ, wie bspw. branchenspezifische 95 Vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S.  1  f. und 4 – 8; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1021; § 242 Abs. 3 HGB i. V. m. § 264 Abs. 1 HGB. Die sich anschlie- ßende Analyse umfasst mehrheitlich Kapitalgesellschaften (vgl. Abschnitt  5.3.3). Aufgrund dieser Tatsache wird bei den Gesetzesverweisen insbesondere auf die für Kapitalgesellschaften geltenden Normen verwiesen. Dies stellt zwar u. U. eine vereinfachende Annahme dar, ist jedoch aus Darstellungsgründen sinnvoll. 28 Mathias Ollmann: Einflussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen Fachpublikationen) miteinbezogen werden.96 In diesem Zusammenhang kann zwischen einer Jahresabschlussanalyse  i. e. S. und einer Jahresabschlussanalyse  i. w. S. unterschieden werden, wobei Letztere eben solche zusätzlichen Informationen miteinschließt.97 Die Jahresabschlussanalyse lässt sich also dahin gehend differenzieren, ob bzw. inwieweit die Analyse über die Verarbeitung quantitativer Informationen hinausgeht und zusätzlich qualitative Informationen untersucht werden. Abzugrenzen ist die Jahresabschlussanalyse von der Betriebsanalyse. Bei einer Betriebsanalyse werden nicht veröffentlichte (interne) und somit verhältnismäßig detailliertere Informationen berücksichtigt.98 Auf diese Weise kann die Betriebsanalyse die typischen Einschränkungen einer Jahresabschlussanalyse (insbesondere im Zusammenhang mit bilanzpolitischen Maßnahmen) überwinden (vgl. Abschnitt 3.4). Auch der Begriff der Unternehmensanalyse ist in diesem Kontext zu finden. Diese beinhaltet eine zusätzliche (qualitative) strategische Analyse. Je nach Art der hierfür zur Verfügung stehenden Informationen („öffentlich zugänglich?“) fällt diese eher in die Kategorie einer Jahresabschlussanalyse i. w. S. oder einer Betriebsanalyse.99 3.1.2 Zielsetzung Die Jahresabschlussanalyse hat eine Informations- und Beurteilungsfunktion und richtet sich dabei an die wesentlichen Anspruchsgruppen eines Unternehmens (Gläubiger, Anteilseigner und Arbeitnehmer) sowie an Kontrollinstanzen und konkurrierende Unternehmen.100 Das oberste Ziel ist die Gewinnung von „entscheidungsrelevante[n] Informationen über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage und die künftige wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens“ 101. 96 Für einen systematischen und umfassenden Überblick verschiedener Informationsquellen vgl. Küting und Weber (2015), S. 4. 97 Vgl. Brösel (2014), S. 3; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1023. 98 Zur Betriebsanalyse vgl. Küting und Weber (2015), S. 3 f. 99 Zur Unternehmensanalyse vgl. Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1021 – 1024. 100 Vgl. Küting und Weber (2015), S. 8 – 10. 101 Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S. 1 [im Original teilweise fett gedruckt]. 3 Theorie der Jahresabschlussanalyse 29 Diese allgemein formulierte Zielsetzung der Jahresabschlussanalyse kann auf Basis der fi nanziellen Ziele eines Unternehmens erläutert werden, d. h. einerseits „Geld [zu] verdienen“ und andererseits die „Verdienstquelle [zu] sichern“102. Als konkretes Ziel ergibt sich die Liquidität und damit einhergehend die Sicherstellung der Zahlungsbereitschaft . Voraussetzung hierfür ist die Erzielung eines Erfolgs, wobei dieser von den (zukünft igen) Erfolgspotenzialen abhängt. Diese werden wiederum von der vorhandenen Liquidität beeinfl usst. Es bestehen also Wechselwirkungen untereinander.103 Diese Zielhierarchie fi ndet sich auch im Verlaufsmodell einer Unternehmenskrise wieder, die von aufeinanderfolgenden Strategie-, Erfolgs- und Liquiditätskrisen ausgeht (vgl. Abschnitt 2.1.1). Abbildung 8: Jahresabschlussanalyse – Zielsystem 102 Jeweils Baetge, Kirsch und Th iele (2005), S. 6 [im Original fett gedruckt]. 103 Zu den konkreten Zielsetzungen und deren wechselseitigen Beziehungen untereinander vgl. Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1021 f. 30 Mathias Ollmann: Einfl ussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen 3.2 Ablauf und Ausgestaltung 3.2.1 Prozess Eine Jahresabschlussanalyse folgt grundsätzlich einem strukturierten Prozess, der sich aus mehreren, aufeinanderfolgenden Teilschritten zusammensetzt. Die nachfolgende Tabelle gibt hierzu einen allgemeinen Überblick:104 Tabelle 1: Prozess der Jahresabschlussanalyse Während der eigentliche Prozessablauf aufgrund seiner verständlichen Struktur keine detaillierte Erläuterung erfordert, sind zumindest folgende Anmerkungen zu beachten: – Die Zielformulierung muss eindeutig sein. Bei mehreren Teilzielen ist eine Gewichtung vorzunehmen. Zudem ist es notwendig, Maßstäbe zur Beurteilung der Zielerreichung zu defi nieren.105 – Alle weiteren Schritte müssen sich stets an der formulierten Zielsetzung orientieren.106 – Wenn mehrere Teilziele verfolgt werden, hat zwingend eine Gesamturteilsbildung zu erfolgen, die den Wechselwirkungen zwischen einzelnen Teilzielen und Analysebereichen Rechnung trägt. Diese Gesamturteilsbildung wird optimalerweise auch mit weiterführenden 104 Die Prozessdarstellung orientiert sich an den sieben Schritten der Bilanzanalyse bei Baetge / Kirsch / Thiele sowie an den sechs Schritten der „zielorientierten Bilanzanalyse“ bei Brösel. Vgl. Baetge, Kirsch und Th iele (2004), S. 24 – 54; Brösel (2014), S. 21 – 30. 105 Zur Zielformulierung vgl. Brösel (2014), S. 22 – 25. 106 Zum Grundsatz der Zielorientierung vgl. Baetge, Kirsch und Th iele (2004), S. 26; Brösel (2014), S. 21; Küting und Weber (2015), S. 1. 3 Theorie der Jahresabschlussanalyse 31 Erkenntnissen, die bspw. mithilfe qualitativer Instrumente der Bilanzanalyse gewonnen werden, „angereichert“.107 3.2.2 Analysebereiche Aus der beschriebenen Zielsetzung (vgl. Abschnitt  3.1.2) ergeben sich für den Prozess der Jahresabschlussanalyse sowohl strategische als auch erfolgs- und fi nanzwirtschaft liche Analysebereiche. Diese können – basierend auf den Standardwerken zur Jahresabschlussanalyse – folgenderma- ßen systematisiert werden: Abbildung 9: Jahresabschlussanalyse – Systematisierung der Analysebereiche108 107 Zur Gesamturteilsbildung im Allgemeinen vgl. Baetge, Kirsch und Th iele (2004), S. 48 – 50. 108 In Anlehnung an Baetge, Kirsch und Th iele (2004), S. 3; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1022; Küting und Weber (2015), S. 118 und 225. Bspw. wird hierzu bei Baetge / Kirsch / Thiele auf oberster Ebene zwischen der Analyse der Erfolgs-, Finanz- und Vermögenslage diff erenziert. Die hier dargestellte Systematisierung greift die Analyse der Finanz- und Vermögenslage als fi nanzwirtschaft liche Analyse mit ihren entsprechenden Unteranalysen auf. Zum Zwecke dieser Arbeit liegt der Fokus auf diesem Bereich der fi nanzwirtschaft lichen Analyse. 32 Mathias Ollmann: Einflussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen Die einzelnen Analysebereiche lassen sich wie folgt charakterisieren: – Die strategische Analyse liefert Erkenntnisse hinsichtlich des Erfolgspotenzials eines Unternehmens. Die Methoden nutzen hierbei insbesondere qualitative (externe) Informationen, die nicht Bestandteil des Jahresabschlusses sind. Sie sollen zur Beurteilung der unternehmensspezifischen Stärken und Schwächen sowie der Chancen und Risiken der Unternehmensumwelt dienen.109 – Grundlage bzw. Gegenstand der erfolgswirtschaftlichen Analyse ist die zurückliegende bzw. aktuelle Erfolgslage eines Unternehmens.110 Auf dieser Basis soll die zukünftige Ertragskraft beurteilt werden.111 Zu diesem Zweck wird zunächst analysiert, inwiefern der im Jahresabschluss ausgewiesene Jahresüberschuss/-fehlbetrag von dem tatsächlich erzielten Ergebnis abweicht (bspw. aufgrund von stillen Reserven oder Lasten).112 Darauf aufbauend werden im Rahmen einer Ergebnisquellenanalyse die nachhaltigen Erfolgsbestandteile identifiziert.113 Daneben umfasst dieser Analysebereich weitere Instrumente, wie die Analyse der Aufwands- und Ertragsstrukturen, die Rentabilitätsanalyse, die Break-Even-Analyse, die Wertschöpfungsanalyse oder die Segmentanalyse.114 – Die finanzwirtschaftliche Analyse beschäftigt sich mit der Liquidität eines Unternehmens. Dazu wird die Struktur des Vermögens und des Kapitals untersucht (Vertikalanalyse) und die Liquiditätssituation auf Basis bestimmter Bilanzrelationen beurteilt (Horizontalanalyse). Alter- 109 Zur strategischen Analyse vgl. Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1023, 1108 und 1197 – 1225. 110 Dies grenzt die erfolgswirtschaftliche Analyse von der strategischen Analyse ab. Vgl. Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1108. 111 Vgl. Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1108. 112 Vgl. Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S.  1109 – 1111; Küting und Weber (2015), S. 226. 113 Vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S. 336 f.; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1125 f.; Küting und Weber (2015), S. 268. 114 Für einen allg. Überblick zur erfolgswirtschaftlichen Analyse vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S. 335 – 494; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S.  1107 – 1195; Küting und Weber (2015), S. 221 – 362. 3 Theorie der Jahresabschlussanalyse 33 nativ kann eine dynamische Betrachtung auf Basis von Stromgrößen vorgenommen werden.115 Vertikalanalyse Die Analyse der Vermögensstruktur soll Informationen über die Mittelverwendung, d. h. die Zusammensetzung des Vermögens, hervorbringen. Mithilfe dieser Erkenntnisse kann dann die Vermögensbindung und das sich daraus ergebende Liquiditätspotenzial beurteilt werden.116 Dabei werden Unternehmen, die vergleichsweise „näher am Geld“ sind, grundsätzlich positiver bewertet. Begründet wird dies u. a. mit einer besseren Anpassungsfähigkeit in Zeiten struktureller Veränderungen (insbesondere auf den Absatzmärkten), einer geringeren Fixkostenbelastung oder einem niedrigeren langfristigen (zinstragenden) Kapitalbedarf.117 Die Kapitalstrukturanalyse hat die Zusammensetzung des Kapitals und damit die Beurteilung des Finanzierungsrisikos zum Untersuchungsgegenstand, d. h. welches Kapital wie lange zur Verfügung steht und welche Risiken bspw. im Zusammenhang mit einer Anschlussfinanzierung verbunden sind.118 Horizontalanalyse Die Analyse der horizontalen Bilanzstruktur zielt auf Erkenntnisse zur zukünftigen Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens ab und orientiert sich dabei am Grundsatz der Fristenkongruenz. Hiernach müssen die Dauer der Kapitalüberlassung und Kapitalbindung insofern aufeinander abgestimmt sein, als mit steigender Bindungsdauer der Vermögensgegenstände auch Kapital mit entsprechender Fristigkeit vorhanden sein sollte.119 115 Zum Gegenstand und zur Zielsetzung der finanzwirtschaftlichen Analyse sowie für einen allg. Überblick vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S. 191 – 223 und 225 – 334; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1067 – 1105; Küting und Weber (2015), S. 111 – 220. 116 Zum Gegenstand und zur Zielsetzung der Vermögensstrukturanalyse vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S. 191; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1068; Küting und Weber (2015), S. 122. 117 Zum Einfluss der Geldnähe bzw. des Liquiditätspotenzials vgl. Küting und Weber (2015), S. 122. 118 Zum Gegenstand und zur Zielsetzung der Kapitalstrukturanalyse vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S. 228; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1074; Küting und Weber (2015), S. 138 f.. 119 Zum Gegenstand und zur Zielsetzung der horizontalen Bilanzstrukturanalyse (insbesondere auch zur Fristenkongruenz) vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), 34 Mathias Ollmann: Einflussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen Mittels Liquiditätsregeln kann die zukünftige Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens beurteilt werden. Hierbei wird analysiert, inwiefern die liquiden Mittel bzw. liquiditätsnahe Vermögensgegenstände die kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen übersteigen. Dabei wird grundsätzlich ein möglichst großes Verhältnis als positiv angesehen.120 In diesem Zusammenhang muss jedoch einschränkend erwähnt werden, dass eine die Zahlungsverpflichtungen deutlich übersteigende Liquidität im Hinblick auf die Rentabilität ökonomisch nicht sinnvoll ist.121 Stromgrößenorientierte Analyse Die Vermögens- und Kapitalstrukturanalyse sowie die Analyse der horizontalen Bilanzstruktur beziehen sich auf den jeweiligen Bilanzstichtag als Analysezeitpunkt und können somit keine Informationen zu den (unterjährigen) Zahlungsströmen liefern. An diesem Punkt setzt die zahlungsstromorientierte Analyse der Finanzlage an und betrachtet hierbei u. a. den Cashflow als Indikator für die Finanzkraft bzw. Innenfinanzierungskraft eines Unternehmens sowie die Kapitalflussrechnung, die Einblicke in die Herkunft und Verwendung der Zahlungsmittel geben kann.122 3.2.3 Kennzahlenermittlung Mithilfe von Kennzahlen können komplexe Sachverhalte einfach dargestellt werden, um in kurzer Zeit ein möglichst umfassendes Bild eines Unternehmens „zeichnen“ zu können. Grundsätzlich lässt sich zwischen absoluten und relativen Kennzahlen differenzieren. Absolute Kennzahlen umfassen entweder Einzelzahlen oder rechnerische Größen, wie bspw. Summen oder Differenzen. Relative Kennzahlen bzw. Verhältniszahlen ergeben sich als Quotient zweier absoluter Zahlen.123 Eine spezielle Form einer S. 254 f.; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1082 – 1085; Küting und Weber (2015), S. 154 f.. 120 Zu den Liquiditätsregeln vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S. 262 – 269. 121 Zum Zusammenhang von Liquidität und Rentabilität vgl. Perridon, Steiner und Rathgeber (2012), S. 13. 122 Zum Gegenstand und zur Zielsetzung der zahlungsstromorientierten Analyse der Finanzlage vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S. 271 – 333; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1089 – 1105; Küting und Weber (2015), S. 171 – 219. 123 Zur Aufgabe von Kennzahlen und zur Differenzierung zwischen absoluten und relativen Kennzahlen vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S. 147 – 152; Coenenberg, 3 Theorie der Jahresabschlussanalyse 35 Verhältniszahl ist die Finanzkennzahl, die sich als Quotient aus Positionen des Jahresabschlusses bzw. der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung ergibt.124 Aufgrund der eingeschränkten Aussagekraft bei einer isolierten Betrachtung absoluter Zahlen bietet sich hier insbesondere ein Zeitvergleich und somit die Berechnung von Wachstumsraten an. Dabei kommen sowohl jährliche Wachstumsraten als auch die Berechnung einer durchschnittlichen, jährlichen Wachstumsrate, die über einen bestimmten Zeitraum ermittelt wird, infrage. Gemeint ist hier die weitverbreitete Compound Annual Growth Rate  (CAGR). Aufgrund ihrer speziellen Berechnungsweise bietet diese den Vorteil, dass etwaige Ausreißer in der Zeitreihe keinen Einfluss auf das Berechnungsergebnis haben. Andererseits kommt dadurch der Wahl des Anfangs- und Endzeitpunkts eine wichtige Bedeutung zu.125 Die Verhältniszahlen können weiter in Gliederungs-, Beziehungsund Indexzahlen untergliedert werden. Bei Gliederungszahlen werden Teilmit Gesamtmengen in ein Verhältnis gesetzt. Beispielhaft kann hier die Fremdkapitalquote genannt werden, die den Bestand des Fremdkapitals auf die Höhe des gesamten Kapitals bezieht. Beziehungszahlen setzen hingegen unterschiedliche (Gesamt-)Mengen in eine Beziehung. Als Beispiel kann hierzu der Verschuldungsgrad herangezogen werden, der die Höhe des Fremdkapitals auf die Höhe des Eigenkapitals bezieht. Indexzahlen können zur übersichtlichen Darstellung zeitlicher Entwicklungen genutzt werden. Hierbei wird ein Basisjahr gewählt und die Zeitreihe an Merkmalsausprägungen auf einen Basiswert (i. d. R. 100 bzw. 100 %) transformiert.126 Im Hinblick auf die grundsätzliche Interpretierbarkeit sollten bei der Bildung von Verhältniszahlen die Kennzahlenbestandteile in einem „sinnvollen inneren Zusammenhang“127 stehen. Haller und Schultze (2016), S. 1027 – 1029; Küting und Weber (2015), S. 51 – 54. 124 Vgl. Beaver (1966), S. 71 f. 125 Zur CAGR vgl. Hies (2009), S. 168 f. 126 Zur Erläuterung der unterschiedlichen Arten von Verhältniszahlen vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S.  148  f.; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1028 f.; Küting und Weber (2015), S. 5254. 127 Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1028. 36 Mathias Ollmann: Einflussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen In diesem Zusammenhang stellen Baetge / Kirsch / Thiele das Äquivalenzprinzip detailliert dar. Hierunter wird die zeitliche, sachliche und wertmäßige Äquivalenz von Zähler und Nenner einer Verhältniszahl verstanden. Dabei nimmt die zeitliche Äquivalenz auf die gleichzeitige Verwendung von Strom- und Bestandsgrößen Bezug. Für einen solchen Fall wird eine Mittelung der Bestandsgröße über den Zeitraum empfohlen, auf den sich die entsprechende Stromgröße bezieht. Auch in sachlicher Hinsicht sollten sich die Kennzahlenbestandteile entsprechen. Eine Verletzung dieser Vorgabe wäre bspw. dann gegeben, wenn bei der Ermittlung einer Kapitalrendite im Zähler das auf die Eigenkapitalgeber entfallende Jahresergebnis und im Nenner das von allen Kapitalgebern zur Verfügung gestellte Gesamtkapital ins Verhältnis gesetzt würden. Die wertmäßige Äquivalenz zielt bspw. auf das Problem der Vermischung von Kennzahlenbestandteilen ab, deren Wertansätze einerseits auf Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten und andererseits auf Marktpreisen basieren. In der praktischen Anwendung werden die drei Äquivalenzprinzipien oftmals nicht erfüllt.128 Neben der Beachtung des Äquivalenzprinzips ist aus praktischer Sicht eine grundsätzliche Vorsicht bei der Interpretation von Kennzahlen geboten, um Überinterpretationen zu vermeiden. Dies ist erforderlich, da es oftmals keine eindeutigen Arbeitshypothesen gibt. Zudem müssen in jedem Fall branchenspezifische Besonderheiten beachtet werden und bei Zeitvergleichen sollte zusätzlich die Entwicklung der jeweiligen Kennzahlenbestandteile in die Beurteilung einfließen.129 Welche konkreten Kennzahlen überhaupt ermittelt und analysiert werden sollen, muss sich an der Zielsetzung der Analyse bzw. der entsprechenden Forschungsfrage orientieren. Dabei sind grundsätzlich zwei Herangehensweisen denkbar. Bei der Überprüfung spezifischer Ursache- Wirkungs-Zusammenhänge können die Kennzahlen direkt aus der entsprechenden Theorie abgeleitet und überprüft werden. Eine weitere Verdichtung von Kennzahlen ist dann nicht erforderlich. Soll hingegen eine 128 Zur Darstellung des Äquivalenzprinzips vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S. 151 f. 129 Zur vergleichenden Analyse vgl. Küting und Weber (2015), S. 68 – 71. 3 Theorie der Jahresabschlussanalyse 37 Fragestellung explorativ untersucht werden, ist ein möglichst umfassender Kennzahlenkatalog notwendig. Dieser kann dann auf Basis bestimmter Algorithmen verdichtet werden (vgl. Abschnitt 5.5).130 3.3 Entwicklungsstand Trotz einer langen Tradition der Jahresabschlussanalyse fehlt es dieser bis heute an einer geschlossenen betriebswirtschaftlichen Theorie, die zur Begründung der oftmals auf Basis statistischer Methoden ermittelten Zusammenhänge herangezogen werden kann.131 Insgesamt wird der aktuelle Entwicklungsstand von quantitativen Analysemethoden dominiert. Ein Grund hierfür ist sicherlich auch die verstärkte Entwicklung im Bereich der Bonitätsbeurteilung, die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht und den verschärften Eigenkapitalvorschriften für Banken getrieben ist.132 Die quantitativen Methoden unterliegen einem kontinuierlichen Wandel. Die Ursachen hierfür liegen zum einen in der Internationalisierung der Rechnungslegung und einem durch die zunehmende unterjährige Berichterstattung gestiegenen Aktualitätsbedürfnis der involvierten Anspruchsgruppen. Zum anderen sollen fehlerhafte Schlussfolgerungen reduziert werden, die oftmals das Resultat einer isolierten quantitativen Betrachtung sind. Für diesen Zweck muss sich die Jahresabschlussanalyse durch Einbeziehung qualitativer Informationen hin zu einer umfassenden Unternehmensanalyse weiterentwickeln.133 Konkret sollen neben der Analyse qualitativer Anhanginformationen auch weitere spezielle Analysefelder, wie bspw. das Unternehmenswachstum, der technische Fortschritt, Branchenmerkmale sowie die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bzw. konjunkturelle Lage, einbezogen werden. Die Betrachtung der Rahmenbedingungen erlangt ihre Bedeutung auch durch den Vergangenheitsbezug der verarbeiteten Informationen. Hier gilt: Je 130 Zur Differenzierung unterschiedlicher Forschungsdesigns vgl. Mayring (2007), S. 4. 131 Vgl. Küting, Lam und Mojadadr (2010), S. 2289. 132 Zur Dominanz quantitativer Methoden vgl. Brösel (2014), S. 14 f. 133 Zu den Entwicklungstendenzen in der Bilanzanalyse vgl. Küting, Lam und Mojadadr (2010), S. 2289 – 2297. 38 Mathias Ollmann: Einflussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen dynamischer die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Unternehmens, desto weniger aussagekräftig sind rein vergangenheitsorientierte Analysen.134 In diesem Kontext kommt dem Lagebericht eine wichtige Funktion als Informationsquelle zu, da dieser neben vergangenheitsorientierten Teilberichten zur Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage auch zukunftsorientierte Elemente („Bericht über die voraussichtliche Entwicklung mit ihren wesentlichen Chancen und Risiken“135) beinhaltet.136 Jedoch ist bei der Verwendung von qualitativen Informationen deren Qualität zu beachten. Dies wird von zahlreichen Studien, die sich bspw. mit dem Umfang und der Qualität von Lage-, Prognose- und Risikoberichten auseinandersetzen, angedeutet.137 134 Zu den beispielhaften Analysefeldern und zur Aussagekraft der Analysen vgl. Küting, Lam und Mojadadr (2010), S. 2289 – 2297. 135 Dieser kann bspw. die folgenden Teilberichte umfassen: Prognosebericht (Gesamtwirtschaft, Branche, Unternehmen, Gesamtaussage), Risikomanagement, Risiken, Chancen, wesentliche Merkmale des rechnungslegungsbezogenen internen Kontroll- und Risikomanagementsystems. Vgl. Siemens AG (2016), S. 25 – 40. 136 Der Inhalt des Lageberichts ist grds. in § 289 HGB geregelt. Zur Differenzierung in vergangenheits- und zukunftsorientierte Teilberichte vgl. Fink und Keck (2005), S. 141. 137 Für einen allg. Überblick vgl. Mühlbauer (2014), S. 237 – 268; Velte, Stiglbauer und Sepetauz (2011), S. 123 – 177. 3 Theorie der Jahresabschlussanalyse 39 3.4 Grenzen Die Grenzen einer Jahresabschlussanalyse liegen im Wesentlichen in der verwendeten Informationsquelle, d. h. dem Jahresabschluss, begründet.138 Konkret sind hierbei die folgenden Grenzen zu beachten:139 Tabelle 2: Grenzen der Jahresabschlussanalyse – Der Vergangenheitsbezug des Jahresabschlusses ist insofern problematisch, als die übergeordnete Zielsetzung der Jahresabschlussanalyse zukunft sorientierte Informationen erfordert (vgl. Abschnitt 3.1.2). – Das Rechnungslegungssystem, auf dessen Basis der verwendete Jahresabschluss erstellt wird, bringt in mehrfacher Hinsicht Limitationen für die Analyse mit sich: • Zum einen ist es möglich, dass ein Konfl ikt zwischen den Zielen des jeweiligen Standardsetters und den Zielen der Jahresabschlussanalyse besteht. Beispielhaft kann das HGB (bzw. die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung) genannt werden. Hier ist es u. a. das Vorsichtsprinzip140, das die Einschätzung der zukünft igen Lage eines Unternehmens limitiert.141 • Zum anderen kann ein Vergleich von Unternehmen, deren Jahresabschlüsse nach unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards 138 Brösel unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen drei Dimensionen, in denen die Grenzen einer Bilanzanalyse begründet sein können: Informationsquelle, Analysevorgehen, Person und Umfeld des Analysten. Vgl. Brösel (2014), S. 31. 139 Für einen umfassenden Überblick über die Grenzen der Jahresabschlussanalyse vgl. Baetge, Kirsch und Th iele (2004), S. 54 – 76; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1029 – 1031; Küting und Weber (2015), S. 73 – 80. 140 Vgl. § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB. 141 Zum möglichen Zielkonfl ikt vgl. Baetge, Kirsch und Th iele (2004), S.  59 – 64; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1030. 40 Mathias Ollmann: Einflussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen erstellt wurden, mit Einschränkungen verbunden sein.142 Die Gründe hierfür liegen in den teilweise abweichenden Ansatz- und Bewertungsvorschriften, die sich wiederum aus den unterschiedlichen Zielsetzungen der Rechnungslegungssysteme ergeben.143 – Die unvollständige Informationsbasis ist zunächst schon dadurch gegeben, dass lediglich öffentlich verfügbare Informationen genutzt werden und kein Rückgriff auf unternehmensinterne Informationen erfolgt bzw. erfolgen kann (vgl. Abschnitt 3.1.1). Darüber hinaus wird die Informationsbasis weiter eingeschränkt, wenn kennzahlenbasierte Methoden verwendet werden, da Kennzahlen ausschließlich quantitative Informationen verarbeiten und durch diese eine starke Informationsverdichtung stattfindet.144 – Unternehmensverflechtungen wirken dann limitierend auf die Analyse und deren Ergebnisse, wenn es durch bestimmte konzerninterne Verrechnungen und Verschiebungen zu Verzerrungen auf Ebene einzelner Unternehmen kommt.145 – Besonders hervorzuheben ist die Bilanzpolitik als weiteres Problemfeld. Bilanzpolitik meint die bewusste und an den Unternehmenszielen ausgerichtete Einwirkung (bspw. Einflussnahme auf die Ausschüttungs- und Steuerbemessung) auf die veröffentlichten Daten eines Jahresabschlusses.146 Der Jahresabschlussadressat kann nicht immer alle bilanzpolitischen Maßnahmen erkennen und im Rahmen seines Verarbeitungsprozesses, d. h. bspw. bei der Jahresabschlussanalyse, 142 Zu Einschränkungen hinsichtlich der Vergleichbarkeit vgl. Baetge, Kirsch und Thiele (2004), S. 63 f.; Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1030 f.; Küting und Weber (2015), S. 79 f. 143 Während sich die Rechnungslegung nach HGB insbesondere dem Gläubigerschutz widmet, stehen bei den IFRS die Investoren und deren Informationsbedürfnisse im Fokus. Vgl. Schmitz (2016), S. 178 und 184; Wehrheim und Fross (2010), S. 71. 144 Vgl. Küting und Weber (2015), S. 76 f. 145 Vgl. Küting und Weber (2015), S. 79. 146 Vgl. Küting, Lam und Mojadadr (2010), S. 2289 – 2297; Küting und Weber (2015), S.  33. Bei Küting / Weber wird das bilanzpolitische Instrumentarium einerseits in Sachverhaltsgestaltungen (bspw. Factoring, Sale and Lease back-Verfahren) und andererseits in Sachverhaltsabbildungen differenziert. Letztere umfassen materielle Maßnahmen, die auf offenen / verdeckten Wahlrechten und Ermessensspielräumen basieren, sowie formelle Maßnahmen, die sich lediglich auf den Ausweis, die Gliederung oder die Erläuterung bestimmter Sachverhalte beziehen. Für einen umfassenden Überblick unterschiedlicher Formen und Instrumente der Bilanzpolitik vgl. Küting und Weber (2015), S. 39 – 45. 3 Theorie der Jahresabschlussanalyse 41 korrigieren.147 Unter Umständen kommt es im Rahmen einer Analyse so zu Beeinträchtigungen. Dies kann dann der Fall sein, wenn keine Pflicht zur Angabe bestimmter Sachverhaltsgestaltungen besteht,148 bspw. bei speziellen Leasinggeschäften oder Factoring.149 Mit solchen Maßnahmen können Unternehmen Liquidität generieren, ohne auf klassische Finanzierungsprodukte zurückgreifen zu müssen. Die Bedeutung solcher Maßnahmen hat in den letzten Jahren zugenommen.150 Konkret gemeint ist in diesem Zusammenhang zum einen das Sale and Lease back-Verfahren. Die Liquiditätsfreisetzung erfolgt hier durch den Verkauf von Vermögensgegenständen des Anlagevermögens. Damit die Unternehmen ihre verkauften Vermögensgegenstände weiter nutzen können, wird gleichzeitig mit dem Verkauf ein entsprechender Leasingvertrag abgeschlossen.151 Beim Factoring werden Teile des Forderungsbestands an spezielle Factoringgesellschaften veräu- ßert und so die entsprechende Liquidität freigesetzt.152 Sind solche Vorgänge für den Analysten nun nicht zu erkennen, kann es u.U. zu erheblichen Fehlinterpretationen bei einzelnen Kennzahlen kommen. 3.5 Zusammenfassung und Fazit Die Jahresabschlussanalyse wird von quantitativen Verfahren dominiert. Dieses traditionelle Vorgehen ist in den entsprechenden Standardwerken bestens dokumentiert. Sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus praktischer Sicht muss sich die Jahresabschlussanalyse nun zu einer umfassenden Unternehmensanalyse weiterentwickeln, die vor allem qualitative Informationen aus dem Anhang und dem Lagebericht sowie weiteren freiwil- 147 Vgl. Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1032. 148 Grundsätzlich besteht gem. §§ 285 Nr. 3, 314 Abs. 1 Nr. 2 HGB eine Pflicht zur Angabe außerbilanzieller Geschäfte. Aus Sicht der Jahresabschlussanalyse wird es problematisch, wenn die gem. § 288 HGB bestehenden größenabhängigen Erleichterungen genutzt werden können. 149 Vgl. Coenenberg, Haller und Schultze (2016), S. 1033 f.; Küting und Weber (2015), S. 40. 150 Vgl. Deutscher Factoring Verband e. V. (2015), S. 5; Städtler (2015), S. 67. 151 Zum Sale and Lease back-Verfahren vgl. Grundmann (2013), S. 8. 152 Zum Factoring vgl. Merl (2008), S. 75. 42 Mathias Ollmann: Einflussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen lig publizierten Unternehmensinformationen miteinbezieht. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass nach aktuellem Kenntnisstand sowohl Umfang als auch Qualität dieser Informationen in vielen Fällen (noch) nicht ausreichend sind. Für den Zweck dieser Arbeit, d. h. der kennzahlenbasierten Analyse der Krisenresistenz, sind die dargestellten Grundlagen zur Jahresabschlussanalyse von elementarer Bedeutung. Insbesondere die Ausführungen zum Prozess, zu den Analysebereichen sowie zur Kennzahlenermittlung fließen direkt in die Umsetzung der empirischen Analyse ein (vgl. Abschnitt  5). Auch die dargestellten Grenzen werden in der abschließenden Diskussion berücksichtigt (vgl. Abschnitt 6). Die Forderung nach einer ganzheitlichen Analyse unter Einbeziehung qualitativer Informationen kann hingegen nicht erfüllt werden (vgl. Abschnitt 6.5). Damit die auf Basis einer (statistischen) Jahresabschlussanalyse gewonnenen Erkenntnisse auch ökonomisch interpretiert und diskutiert werden können, erfolgt im Folgenden ein Einblick in das betriebliche Finanzmanagement.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Trotz zuletzt rückläufiger Zahlen an Unternehmensinsolvenzen bleibt die Relevanz der Krisen- und Insolvenzforschung aufgrund eines Anstiegs von vergleichsweise größeren Insolvenzfällen mit entsprechend hohen finanziellen Schäden ungebrochen. Ein Problem bestehender Forschungsansätze liegt jedoch darin, dass diese regelmäßig auf den Grenzfall der Insolvenz abstellen und auf diese Weise nur weit fortgeschrittene Krisenstadien im Fokus der Analysen stehen. Um die Wahrscheinlichkeit für eine Krisenüberwindung zu erhöhen, müssen solche aber möglichst frühzeitig erkannt werden. Mathias Ollmann greift diese Problematik auf und leistet einen Beitrag zur frühzeitigen Vermeidung von Unternehmenskrisen. Er zeigt auf, wodurch sich Unternehmen auszeichnen, die in Zeiten externer Krisenursachen bzw. -auslöser vergleichsweise besser gerüstet sind, bei denen eine externe Krise (wie eine globale Finanzkrise) also nicht sofort eine interne Unternehmenskrise auslöst. Neben der eigentlichen Unterscheidung solcher krisenresistenter und nicht-krisenresistenter Unternehmen werden zudem auch Empfehlungen zur aktiven Förderung der Krisenresistenz vorgestellt.