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7 Zusammenfassung und Fazit in:

Mathias Ollmann

Einflussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen, page 151 - 154

Eine empirische Analyse von Performancepfaden auf Basis der modernen Bilanzanalyse

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3996-0, ISBN online: 978-3-8288-6843-4, https://doi.org/10.5771/9783828868434-151

Tectum, Baden-Baden
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151 7 Zusammenfassung und Fazit Eine Unternehmenskrise, die in der Insolvenz endet, ist für die verschiedenen Anspruchsgruppen eines Unternehmens mit erheblichen Folgen verbunden. Trotz einer zuletzt zwar rückläufigen Gesamtzahl an Insolvenzen zeigt sich ein Anstieg großer Insolvenzfälle mit entsprechend gro- ßen finanziellen Schäden. Die Insolvenz- bzw. Krisenforschung hat also auch weiterhin eine besondere Relevanz. Der Forschungsbedarf entsteht dadurch, dass bisherige kennzahlenbasierte Analysen überwiegend fortgeschrittene Krisenstadien untersuchen. Für eine erfolgreiche Krisen- überwindung muss eine Krise aber möglichst frühzeitig erkannt werden. Die vorliegende Forschungsarbeit greift dieses Problem auf. Dabei bezieht sich die übergeordnete Zielsetzung dieser Arbeit aber nicht nur auf die frühzeitige Erkennung, sondern vielmehr auf die frühzeitige Vermeidung von Unternehmenskrisen. Zu diesem Zweck soll herausgefunden werden, wodurch sich Unternehmen auszeichnen, die in Zeiten externer Krisenursachen (bspw. einer globalen Finanzkrise) vergleichsweise besser aufgestellt sind, d. h. bei denen eine externe Krise nicht gleich eine interne Unternehmenskrise auslöst. Es geht also in erster Linie um Unterscheidungsmerkmale krisenresistenter und nicht-krisenresistenter Unternehmen. Ein krisenresistentes Unternehmen ist dadurch gekennzeichnet, dass es sich im Vergleich zur allgemeinen konjunkturellen Entwicklung positiv (bzw. zumindest nicht negativ) entwickelt. Die Arbeit folgt einer strukturierten Vorgehensweise und ist eng an der zuvor beschriebenen Zielsetzung ausgerichtet. Der Theorieteil umfasst ein theoretisches Rahmenkonzept sowie darauf aufbauend Ausführungen zur Theorie der Jahresabschlussanalyse und zum betrieblichen Finanzmanagement. Die eigentliche empirische Analyse beruht auf einer kennzahlenbasierten Jahresabschlussanalyse und orientiert sich an bewährten Abläufen und Methoden aus dem Bereich der Ratingmodellentwicklung. 152 Mathias Ollmann: Einflussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen In der abschließenden Diskussion werden die Ergebnisse ökonomisch interpretiert. Zudem werden Implikationen für die Praxis und die Wissenschaft erarbeitet. Das Rahmenkonzept ist erforderlich, um die Forschungsfrage in ihren theoretisch-konzeptionellen Interpretationsrahmen „einzubetten“. Die Forschungsfrage kann dem Bereich der Krisenprävention zugeordnet werden. Dieser umschließt zum einen das umfassende Konzept der organisationalen Resilienz bzw. Krisenresistenz sowie zum anderen die dargestellten Systeme der Krisenfrüherkennung. Im Hinblick auf die eigentliche empirische Untersuchung der Forschungsfrage spielen die überwiegend qualitativen Einflussfaktoren auf die organisationale Resilienz eine vergleichsweise untergeordnete Rolle, da hier quantitative Jahresabschluss informationen analysiert werden. Vor diesem Hintergrund sind also eher die Ausführungen zu den Systemen der Früherkennung von Relevanz. Nichtsdestotrotz sind die Erkenntnisse der Resilienzforschung für ein umfassendes Verständnis der Krisenresistenz hilfreich und notwendig. In Anknüpfung an die Systeme der Früherkennung und im Hinblick auf die empirische Analyse wird dann die Theorie der Jahresabschlussanalyse aufgegriffen. Die Jahresabschlussanalyse wird traditionell von quantitativen Verfahren dominiert. Aus wissenschaftlicher wie auch aus praktischer Sicht muss sich die Jahresabschlussanalyse aber zu einer umfassenden Unternehmensanalyse weiterentwickeln, die vor allem auch qualitative Informationen aus dem Anhang und dem Lagebericht sowie weiteren freiwillig publizierten Unternehmensinformationen miteinbezieht. Nach aktuellem Kenntnisstand sind hier aber sowohl Umfang als auch Qualität dieser Informationen in vielen Fällen (noch) nicht ausreichend. Zum Zwecke dieser Arbeit, d. h. einer kennzahlenbasierten Analyse der Krisenresistenz, sind die dargestellten Grundlagen zur Jahresabschlussanalyse von elementarer Bedeutung. Insbesondere die Ausführungen zum Prozess, zu den Analysebereichen sowie zur Kennzahlenermittlung fließen direkt in die Umsetzung der empirischen Analyse ein. Auch die dargestellten Grenzen und Einschränkungen einer Jahresabschlussanalyse werden in der abschließenden Diskussion berücksichtigt. Die Forderung nach einer ganzheitlichen Analyse unter Einbeziehung qualitativer Informationen kann hingegen nicht erfüllt werden. 7 Zusammenfassung und Fazit 153 Im Hinblick auf eine qualifizierte Ergebnisdiskussion sind Kenntnisse aus dem Bereich des betrieblichen Finanzmanagements bzw. insbesondere zum Unternehmenswachstum und zum WCM erforderlich. – Ein wachsendes Unternehmen ist mit Herausforderungen verbunden, die insbesondere die Unternehmensführung betreffen. Auch die Art des Wachstums (organisch vs. M&A) sowie die Finanzierungssituation bergen Probleme in sich. Es muss beachtet werden, dass eine Maximierung des Wachstums nicht zwangsläufig auch mit einer Maximierung der Performance einhergeht, da die Herausforderungen ab einem bestimmten Punkt nicht mehr effizient und effektiv gelöst werden können. – Ein optimales WCM zeichnet sich dadurch aus, dass die Kapitalbindung auf einen angemessenen Bestand angepasst wird. Eine strikte Minimierung des NWC ist hingegen nicht immer optimal. Der angemessene bzw. optimale Bestand ist unternehmensspezifisch und wird u. a. von der Branche, dem Geschäftsmodell sowie dem Kapitalmarktzugang beeinflusst. Das WCM muss neben operativen Maßnahmen insbesondere auch strategische Aspekte beachten und so zu einem integralen Bestandteil der Gesamtstrategie werden. Ausgangspunkt der empirischen Analyse ist die Ableitung einer sachgerechten Analysebasis. Auf Grundlage verschiedener, begründeter Abgrenzungskriterien wird hierzu eine Stichprobe erhoben, die durch die Nichtbeachtung insolventer Unternehmen einen Einblick in eine der Insolvenz vorgelagerte Phase ermöglicht. Die Kennzahlenermittlung orientiert sich an der Zielsetzung der Analyse und greift dabei die Erkenntnisse aus der Theorie der Jahresabschlussanalyse und dem betrieblichen Finanzmanagement auf. Erfolgskritisch für die eigentliche Analyse ist die Typisierung krisenresistenter und nicht-krisenresistenter Unternehmen, die durch eine innovative Betrachtung von Performancepfaden erfolgt. Die eigentliche empirische Analyse verknüpft dann die Kennzahlen und Performancepfade. Die strukturierte Vorgehensweise orientiert sich an bewährten Abläufen und Methoden aus dem Bereich der Ratingmodellentwicklung. Die Gütemaße weisen insgesamt gute Werte auf. Im Ergebnis zeigt sich, dass krisenresistente Unternehmen kleiner und älter sind. Entsprechend kann auch ihre Wachstumshistorie als 154 Mathias Ollmann: Einflussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen verhältnismäßig moderat beurteilt werden. Die Zusammensetzung und Entwicklung der identifizierten Unterscheidungsmerkmale deutet insgesamt auf eine vergleichsweise höhere Flexibilität und Unabhängigkeit krisenresistenter Unternehmen hin. Um die Krisenresistenz aktiv zu beeinflussen, müssen Erkenntnisse zur Investitionspolitik sowie zum WCM beachtet werden. Hierbei sollte eine nachhaltige Wachstumsstrategie verfolgt werden, die möglichst auf sprunghafte Investitionen verzichtet. Für die konkrete Umsetzung ist eine entsprechende Vorlauf- bzw. Übergangszeit erforderlich. Zu diesem Zweck kann die Einführung eines strukturierten und integrierten Planungsprozesses helfen. Beim WCM gilt es den Fokus vermehrt auf strategische Maßnahmen zu richten und es als Teil der Gesamtstrategie zu verstehen. Gemeint ist, dass eine aggressive Reduzierung des NWC nicht zielführend ist und die WCM-Instrumente auf die Bedürfnisse der vor- und nachgelagerten Akteure der Lieferkette abgestimmt werden sollten. Aus wissenschaftlicher Sicht liefert diese Arbeit in vielfacher Hinsicht einen Mehrwert. Zunächst bieten die Ausführungen zum betrieblichen Finanzmanagement einen systematischen, theoretisch fundierten Interpretationsrahmen. Die Operationalisierung der Krisenresistenz mithilfe von Performancepfaden ist neuartig und steht als Ergebnis für sich. Die gewonnenen Erkenntnisse beschreiben zwar keine vollkommen unbekannten Zusammenhänge, jedoch liefert die innovative Herangehensweise statistisch abgesicherte Einblicke in eine der Insolvenz vorgelagerte Unternehmensphase. Bei der weiteren Erforschung der Krisenresistenz müssen neben den hier betrachteten quantitativen Faktoren auch qualitative Faktoren berücksichtigt werden. Im Hinblick auf die Verbesserung des Praxisnutzens sollten zudem auch weitere Anstrengungen in die Ableitung von Vergleichsmaßstäben bzw. kritischen Grenzwerten fließen, um die Managementhinweise weiter zu konkretisieren. Zudem bieten die bisher nicht analysierten Performancepfade weitere Analysemöglichkeiten.

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Zusammenfassung

Trotz zuletzt rückläufiger Zahlen an Unternehmensinsolvenzen bleibt die Relevanz der Krisen- und Insolvenzforschung aufgrund eines Anstiegs von vergleichsweise größeren Insolvenzfällen mit entsprechend hohen finanziellen Schäden ungebrochen. Ein Problem bestehender Forschungsansätze liegt jedoch darin, dass diese regelmäßig auf den Grenzfall der Insolvenz abstellen und auf diese Weise nur weit fortgeschrittene Krisenstadien im Fokus der Analysen stehen. Um die Wahrscheinlichkeit für eine Krisenüberwindung zu erhöhen, müssen solche aber möglichst frühzeitig erkannt werden. Mathias Ollmann greift diese Problematik auf und leistet einen Beitrag zur frühzeitigen Vermeidung von Unternehmenskrisen. Er zeigt auf, wodurch sich Unternehmen auszeichnen, die in Zeiten externer Krisenursachen bzw. -auslöser vergleichsweise besser gerüstet sind, bei denen eine externe Krise (wie eine globale Finanzkrise) also nicht sofort eine interne Unternehmenskrise auslöst. Neben der eigentlichen Unterscheidung solcher krisenresistenter und nicht-krisenresistenter Unternehmen werden zudem auch Empfehlungen zur aktiven Förderung der Krisenresistenz vorgestellt.