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1 Einleitung in:

Mathias Ollmann

Einflussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen, page 1 - 6

Eine empirische Analyse von Performancepfaden auf Basis der modernen Bilanzanalyse

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3996-0, ISBN online: 978-3-8288-6843-4, https://doi.org/10.5771/9783828868434-1

Tectum, Baden-Baden
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1 1 Einleitung „Crises are handled best, if you anticipate them.“ Walt Whitman Rostow1 1.1 Situation, Problemstellung und Zielsetzung Eine Unternehmenskrise, die nicht überwunden werden kann und in der Insolvenz endet, ist für die verschiedenen Anspruchsgruppen des betroffenen Unternehmens mit erheblichen Folgen verbunden. So kann eine Unternehmensinsolvenz im schlimmsten Fall Auslöser für weitere Insolvenzen sein. Gemeint sind hier bspw. mögliche Privatinsolvenzen auf Gesellschafterebene oder bei Arbeitnehmer/-innen. Auch können weitere Unternehmensinsolvenzen bei eng verbundenen Kunden und Lieferanten folgen. Die Zahl der Insolvenzen ist zwar grundsätzlich rückläufig, allerdings kann hier ein Anstieg vergleichsweise großer Insolvenzfälle vermeldet werden, der mit entsprechend größeren finanziellen Schäden einhergeht. Konkret liegt die Anzahl an Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2016 bei knapp über 20.000. Betroffen sind hiervon über 220.000 Arbeitnehmer(innen) und somit immerhin gut ein halbes Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland.2 Diese kurze Situationsbeschreibung zeigt, dass die Relevanz der Insolvenz- bzw. Krisenforschung unbestritten bleibt. Ein Problem bestehender Forschungsansätze liegt jedoch darin, dass in aller Regel auf den Grenzfall der Insolvenz abgestellt wird und somit weit fortgeschrittene Krisenstadien 1 US-Amerikanischer Ökonom und Wirtschaftshistoriker (* 1916, † 2003) 2 Zur aktuellen Insolvenzlage vgl. Creditreform (2016), S. 1 f. Zur Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland vgl. Deutsches Statistisches Bundesamt (2016). 2 Mathias Ollmann: Einfl ussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen untersucht werden. Um die Wahrscheinlichkeit für eine Krisenüberwindung zu erhöhen, müssen solche aber möglichst frühzeitig erkannt werden. In diesem Sinne ist auch das Zitat zu Beginn dieser Arbeit zu verstehen. Die vorliegende Arbeit greift diesen Gedanken auf und geht einen Schritt weiter. Übergeordnete Zielsetzung ist es, Unternehmenskrisen frühzeitig zu vermeiden und nicht nur beizeiten zu erkennen. Zu diesem Zweck soll herausgefunden werden, wodurch sich Unternehmen auszeichnen, die in Zeiten externer Krisenursachen (bspw. einer globalen Finanzkrise) vergleichsweise besser gerüstet sind, d. h. bei denen eine externe Krise nicht sofort eine interne Unternehmenskrise auslöst. In erster Linie geht es also um die Unterscheidung krisenresistenter und nicht-krisenresistenter Unternehmen. Ob und inwieweit sich aus einer solchen Unterscheidung auch konkrete Handlungsempfehlungen zur aktiven Förderung der Krisenresistenz ableiten lassen, ist vorab schwer einschätzen und muss im Rahmen einer abschließenden Diskussion näher erörtert werden. 1.2 Konkretisierung der Forschungsfrage Im Fokus dieser Arbeit steht die Beurteilung der Krisenresistenz, d. h. in erster Linie die Identifi zierung von Unterschieden zwischen krisenresistenten und nicht-krisenresistenten Unternehmen. Die folgende Abbildung dient als Ausgangspunkt für die weiteren Überlegungen: Abbildung 1: Konjunktur und Krisenresistenz3 3 Als Konjunkturindikator wird hier die Entwicklung des Auft ragseingangs dargestellt. Vgl. Sachverständigenrat (2016). 1 Einleitung 3 Ein krisenresistentes Unternehmen ist dadurch gekennzeichnet, dass es sich im Vergleich zur allgemeinen konjunkturellen Entwicklung positiv (bzw. zumindest nicht negativ) entwickelt. Für Analysezwecke müssen entsprechende Analysezeiträume, d. h. ein Zeitraum vor der Krise, in der Krise und nach der Krise festgelegt werden. Als Orientierung hierfür dient die Weltwirtschaftskrise, die im Jahr 2007 durch die Subprime Krise am US-Immobilienmarkt ausgelöst wurde.4 Die negativen Auswirkungen auf die Realwirtschaft zeigen sich insbesondere in den beiden Folgejahren. Als Beleg hierfür kann bspw. auch die in Abbildung 1: Konjunktur und Krisenresistenz dargestellte Entwicklung des Auftragseingangs angeführt werden. Vor diesem Hintergrund erscheint es sachgerecht, den eigentlichen Zeitraum der externen Krise auf die Jahre 2008 und 2009 festzulegen.5 1.3 Gang der Untersuchung Die vorliegende Arbeit folgt einer strukturierten Vorgehensweise und ist eng an der zuvor beschriebenen Zielsetzung ausgerichtet. Die Abschnitte 2, 3 und 4 bilden den Theorieteil. Als empirische Analyse wird eine kennzahlenbasierte Jahresabschlussanalyse durchgeführt. Ablauf und Ergebnisse der empirischen Untersuchung werden in Abschnitt 5 dargestellt. Die Verknüpfung von Theorie und Empirie erfolgt in Abschnitt 6. 4 Vgl. Rudolph (2010), S. 2. 5 Die Jahre 2006 und 2007 werden entsprechend als Zeitraum vor der Krise bezeichnet. Der Zeitraum nach der Krise umfasst die Jahre 2010 und 2011. 4 Mathias Ollmann: Einfl ussfaktoren auf die Krisenresistenz von Unternehmen 1.3.1 Theorie Das theoretische Fundament wird in drei Schritten erarbeitet, die sich wie folgt darstellen: Abbildung 2: Gang der Untersuchung – Th eorie Im ersten Schritt wird das theoretische Rahmenkonzept abgeleitet (vgl. Abschnitt 2). Hierbei ist es das Ziel, die Arbeit in einen größeren theoretischen Kontext einzuordnen und diesen zu erörtern. Die Forschungsfrage kann dem Bereich der Krisenprävention zugeordnet werden. Dabei werden zum einen das Konzept der organisationalen Resilienz sowie zum anderen die Systeme der Früherkennung dargestellt. Auch wenn die „weichen“ Einfl ussfaktoren auf die Resilienz im Rahmen einer kennzahlen basierten Jahresabschlussanalyse nicht weiter untersucht werden können, so sind die Erläuterungen für ein umfassendes Verständnis hilfreich und notwendig. In Vorbereitung auf die eigentliche Durchführung der Jahresabschlussanalyse werden in Abschnitt 3 die entsprechenden (methodischen) Grundlagen geschaff en. Um die empirisch gewonnenen Erkenntnisse auch qualifi ziert interpretieren zu können, wird in Abschnitt 4 auf Basis des betrieblichen Finanzmanagements ein Interpretationsrahmen erarbeitet. 1.3.2 Empirie Zu Beginn der empirischen Analyse wird eine Stichprobe abgeleitet und die dazugehörigen Jahresabschlüsse bzw. alle wesentlichen Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz erhoben (vgl. Abschnitt  5.2). 1 Einleitung 5 Darauf aufbauend erfolgt die Ermittlung der unabhängigen Variablen, d. h. der potenziellen Kriterien zur Beurteilung der Krisenresistenz (vgl. Abschnitt 5.3). Diese werden zwar grundsätzlich für den gesamten Untersuchungszeitraum bestimmt, die eigentliche multivariate Analyse fokussiert sich aber auf den Zeitraum vor der Krise. Entscheidender Bestandteil dieser Arbeit ist die Operationalisierung der Krisenresistenz auf Basis von Performancepfaden (vgl. Abschnitt 5.4). Erst durch diese neuartige Herangehensweise wird ein Einblick in eine der Insolvenz vorgelagerte Phase ermöglicht. Die eigentliche uni- und multivariate Analyse orientiert sich an bewährten Abläufen und Methoden aus dem Bereich der Ratingmodellentwicklung. 1.3.3 Diskussion Die Qualität der Ergebnisse muss sich an deren Interpretierbarkeit messen lassen. Zu diesem Zweck werden im Rahmen der Diskussion die theoretischen Ausführungen mit den Resultaten der empirischen Analyse verknüpft (vgl. Abschnitt  6). Das Hauptaugenmerk liegt hier auf den Implikationen für Praxis und Wissenschaft. In erster Linie soll eine Unterscheidung krisenresistenter und nicht-krisenresistenter Unternehmen ermöglicht werden.

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Zusammenfassung

Trotz zuletzt rückläufiger Zahlen an Unternehmensinsolvenzen bleibt die Relevanz der Krisen- und Insolvenzforschung aufgrund eines Anstiegs von vergleichsweise größeren Insolvenzfällen mit entsprechend hohen finanziellen Schäden ungebrochen. Ein Problem bestehender Forschungsansätze liegt jedoch darin, dass diese regelmäßig auf den Grenzfall der Insolvenz abstellen und auf diese Weise nur weit fortgeschrittene Krisenstadien im Fokus der Analysen stehen. Um die Wahrscheinlichkeit für eine Krisenüberwindung zu erhöhen, müssen solche aber möglichst frühzeitig erkannt werden. Mathias Ollmann greift diese Problematik auf und leistet einen Beitrag zur frühzeitigen Vermeidung von Unternehmenskrisen. Er zeigt auf, wodurch sich Unternehmen auszeichnen, die in Zeiten externer Krisenursachen bzw. -auslöser vergleichsweise besser gerüstet sind, bei denen eine externe Krise (wie eine globale Finanzkrise) also nicht sofort eine interne Unternehmenskrise auslöst. Neben der eigentlichen Unterscheidung solcher krisenresistenter und nicht-krisenresistenter Unternehmen werden zudem auch Empfehlungen zur aktiven Förderung der Krisenresistenz vorgestellt.