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Tobias Erhardt, Bernhardt Elsner, Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) in:

Johannes Schaller, Björn Eichmann (Ed.)

Gesundheit braucht kluge Köpfe, page 9 - 12

10 Jahre SRH Hochschule für Gesundheit

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3988-5, ISBN online: 978-3-8288-6840-3, https://doi.org/10.5771/9783828868403-9

Tectum, Baden-Baden
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Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) Erhardt, Tobias & Elsner, Bernhardt Von der Gymnastikausbildung über die „Krankengymnastik“, die fach‐ schulische Qualifikation, bis hin zur Akademisierung: Die Physiothe‐ rapie entwickelt sich weiter. Sie wird zur Profession, orientiert sich an gesellschaftlichen Wertuniversalien, ergänzt Wissenschaft mit Berufsund Erfahrungswissen und kontrolliert das eigene Handeln (Erhardt, Braun, Fischer, 2015). Durch neue Krankheitsbilder im neurologischen, pädiatrischen, chirurgischen, internistischen und orthopädischen Bereich hat sich die Physiotherapie zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Therapiean‐ gebots entwickelt. Krankenkassen fordern den Wirkungsnachweis physiotherapeutischer Anwendungen. Dazu benötigt die Physiothera‐ pie ausgebildete Fachkräfte, die in der Lage sind, durch wissenschaftli‐ ches Arbeiten diese Nachweise zu erbringen. Unter modernen Ge‐ sichtspunkten der Krankenversorgung, insbesondere chronisch kran‐ ker Menschen und Menschen mit Behinderungen, sind interdisziplinä‐ re Behandlungskonzepte „state of the art". Dabei ist es notwendig, dass sich die beteiligten Fachleute kritisch mit den zur Verfügung stehenden Verfahren auseinandersetzen und im Dialog untereinander und mit den Patienten selbst individuelle Konzepte erarbeiten. Die demographische Entwicklung, ein verstärktes präventives Bewusstsein und die Bewegungsarmut in der Dienstleis‐ tungsgesellschaft verstärken den zukünftigen Bedarf an Physiothera‐ peuten mit einer fachwissenschaftlichen, interdisziplinären und per‐ sönlichen Handlungskompetenz. Neben den klassischen physiotherapeutischen Anwendungen tre‐ ten neue und interdisziplinäre Methoden als berufliche Herausforde‐ rung in den Vordergrund. Dabei werden Tätigkeitsfelder in der Prä‐ Kapitel 2: 9 vention, Therapie und Rehabilitation tangiert von Aufgaben in den Be‐ reichen Gesundheitsmanagement, Qualitätssicherung, Management und Forschung. Ganzheitliche Behandlungen erfordern interdiszipli‐ näres Wissen, Kompetenzen und Können. Der physiotherapeutische Studiengang an der SRH Hochschule für Gesundheit wird in drei ver‐ schiedenen Modi angeboten: (1) ausbildungsintegrierend, (2) ausbil‐ dungsbegleitend und (3) berufsbegleitend. Der ausbildungsintegrierende Bachelorstudiengang Physiotherapie wird als siebensemestriges Vollzeitstudium an den Studienorten Karls‐ ruhe, Stuttgart und Leverkusen durchgeführt. Die Studierenden sind im ersten Studienabschnitt, Semester 1 bis 6, auch Berufsfachschüler der SRH Fachschulen für Physiotherapie. Sie schließen diesen Ab‐ schnitt gemäß der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Physio‐ therapeuten (PhysTh-APrV) mit dem Staatsexamen ab und erhalten die Berufsanerkennung als Physiotherapeut. Danach folgt das ab‐ schließende 7. Semester. Das Studium wird jeweils mit der Bachelorar‐ beit und dem Kolloquium abgeschlossen. Der Studiengang vermittelt die notwendigen Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen für Leitungspositionen in Einrichtungen (z.B. Praxen, Rehabilitationseinrichtungen, medizinischen Zentren, Klini‐ ken, Schulen) des Gesundheitswesens. Die curricularen Inhalte richten sich an den aktuellsten Erkenntnissen nationaler und internationaler Therapie und Forschung aus. Die innovative Verbindung von Praxis und anwendungsorientierter Forschung ermöglicht eine ideale Kombi‐ nation evidenzbasierter Physiotherapie. Kritisches Hinterfragen von Therapien, Diagnostik und Screening (z.B. das Erkennen von Red Flags, Yellow Flags) aber auch die Integration des Patienten (Shared Decision Making, partizipative Entscheidungsfindung) sind zentrale Ziele des seit 2012 existierenden und in Deutschland in dieser Form einzigartigen Studienganges. Besonders hervorzuheben sind die zahl‐ reichen Kooperationspartner an den jeweiligen Standorten. Kliniken, medizinische Zentren, Rehabilitationseinrichtungen aber auch Praxen ermöglichen einen idealen Theorie-Praxis Transfer. Darüber hinaus gibt es im Bereich anwendungsorientierter Forschung mit diesen Part‐ nern, aber auch mit anderen Hochschulen, Universitäten und Partnern aus Industrie und Wirtschaft ein wachsendes Netzwerk. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 10 Die Nachfrage nach Physiotherapeuten auf dem deutschen Ar‐ beitsmarkt ist sehr groß. Ein zunehmender Fachkräftemangel führt zeitnah zu einem Versorgungsproblem im Gesundheitswesen. 100% der bisherigen Abgänger erhalten auch deshalb sofort nach Beendi‐ gung ihres Studiums eine Anstellung. Physiotherapeuten mit akademi‐ schem Abschluss werden in aktuellen Stellenanzeigen für Leitungsbzw. Lehrfunktionen gesucht. Im ausbildungsbegleitenden Studienmodell werden Fachkompe‐ tenzen in den Bereichen Neurowissenschaften und Neurorehabilitati‐ on geschult. Die Immatrikulation ist nach dem erfolgreichen Absolvie‐ ren des ersten Ausbildungsjahres der Physiotherapieausbildung mög‐ lich. Das Studium verläuft im Jahr zwei und drei der Ausbildung paral‐ lel zu dieser. Anschließend folgt ein dreisemestriger Vollzeitstudienab‐ schnitt, der mit dem Bachelor of Science (B. Sc.) abschließt. Das berufsbegleitende Studienmodell ermöglicht das Studium der Physiotherapie nach erfolgreich absolvierter Physiotherapieausbildung innerhalb von 6 Semestern und schließt ebenfalls mit einem Bachelor of Science (B. Sc.) ab. Im berufsbegleitenden Modell besteht die Mög‐ lichkeit, sich außerhochschulisch praktisch erworbene Kompetenzen in Form von Zertifikatsweiterbildungen der Krankengymnastik am Gerät (KGG) sowie manueller Therapie (MT) auf das Studium anrech‐ nen zu lassen. Die Entwicklung der Wahlschwerpunkte „Manuelle Therapie“ sowie „Neurorehabilitation“ erfolgte mit unseren Kooperati‐ onspartnern aus der Praxis (das Medi ABC, Physio-Akademie, IAOM sowie NOZ Leipzig bzw. des DGNKN e.V.). Dieser Studiengang ist eine Antwort auf die vom Wissenschaftsrat empfohlene Teilakademisierung in der Physiotherapie von ca. 10-20 % (derzeit ca. 3 %). Die enge Verzahnung von Wissenschaft, Praxis und Weiterbildung machen diesen Studiengang ebenfalls einzigartig. Unse‐ rer Absolventinnen und Absolventen gewinnen nahezu regelmäßig Wissenschaftspreise für die herausragende Qualität ihrer Abschlussar‐ beiten. Die Qualifikationsziele des Studiengangs sind reflektierende Prak‐ tiker, die zu einer evidenzbasierten Gesundheitsversorgung beitragen können. Aktuell laufende Forschungsprojekte sind (1) eine fragebo‐ genbasierte Online-Umfrage zum Kenntnisstand von praktisch tätigen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten zur evidenzbasierten Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 11 Praxis, (2) die Effektivität von physiotherapeutischen Interventionen zur Wiederherstellung der Funktion nach Schlaganfall sowie beim idiopathischen Parkinson-Syndrom (IPS), sowie (3) die Effektivität physiotherapeutischer Interventionen zur Wiederherstellung der Funktion bei chronisch kritisch kranken Menschen mit einem auf der Intensivstation erworbenem Schwächesyndrom. Kapitel 2: Die Studiengänge der Physiotherapie (Bachelor of Science) 12

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Zusammenfassung

Gesundheit braucht kluge Köpfe – seit zehn Jahren leistet die SRH Hochschule für Gesundheit dazu ihren Beitrag. Gesundheit ist ein zentraler Wirtschaftszweig in allen Industrienationen. In Zeiten des demografischen Wandels wächst er dynamisch. Zusätzlich verändern sich Verständnis und Menge unseres Wissens über Gesundheit. Die wichtigste Ressource zur Bewältigung dieser gesellschaftlichen Herausforderungen ist Bildung. Orientiert an den Interessen der Studierenden eröffnet die SRH Hochschule für Gesundheit jungen Menschen neue Chancen, an diesem Wandel teilzuhaben. Sie begegnen dabei modernen Ausbildungswegen, einer umfassenden Verzahnung von Theorie und Praxis und anspruchsvollen Forschungsprojekten. Die staatlich anerkannte, private SRH Hochschule für Gesundheit ist Teil des bundesweiten Netzwerkes der SRH-Gruppe. In ihren Gesundheits- und Bildungseinrichtungen engagieren sich über 13.000 Beschäftigte und ebenso viele Studierende. Dieser Band gibt einen Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt der Hochschule. Gleichzeitig berichtet er vom Aufbruch in eine Gesundheitswelt im Wandel. Vorgestellt werden die aktuell 15 Bachelor- und Masterstudiengänge in fünf verschiedenen Studienmodellen an sieben Standorten. Es werden Einblicke gegeben in Bachelor- und Masterthesen der vergangenen Jahre, sowie in aktuelle Forschungsprojekte. Viele kluge Köpfe hat die SRH Hochschule für Gesundheit für das Berufsleben qualifiziert. Im Wissen darum, dass innovative Bildung unersetzbar ist, werden viele weitere folgen.