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Jan Mehrholz, Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) in:

Johannes Schaller, Björn Eichmann (Ed.)

Gesundheit braucht kluge Köpfe, page 61 - 65

10 Jahre SRH Hochschule für Gesundheit

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3988-5, ISBN online: 978-3-8288-6840-3, https://doi.org/10.5771/9783828868403-61

Tectum, Baden-Baden
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Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) Mehrholz, Jan Neurologische Erkrankungsfolgen, die zu einer bleibenden Behinde‐ rung führen, nehmen seit Jahren zu (Feigin et al. 2019; Mehrholz 2015; Pohl, Mehrholz & Mehrholz 2012). Beispiele dafür sind u.a. die Criti‐ cal-Illness-Polyneuropathie und Myopathie (Pohl et al. 2016; Pohl et al. 2014). Insgesamt nehmen zwar altersstandardisierte Inzidenzraten z.B. des Schlaganfalls in manchen industrialisierten Ländern ab, aber es wird u.a. wegen der älteren Bevölkerung ein Anstieg der Gesamtzahl von Menschen z.B. mit Schlaganfall und eine gestiegene Krankheitslast verzeichnet (Feigin et al. 2019; Mehrholz 2015; Pohl, Mehrholz & Mehrholz 2012). Dadurch wächst der Gesamtbedarf an neurologischer Rehabilitation (Mehrholz 2015; Pohl, Mehrholz & Mehrholz 2012). Nach der Gesetzgebung gilt es, diese Behinderungen zu vermeiden und dafür allen Menschen Rehabilitation vor der Rente und Pflegebe‐ dürftigkeit zukommen zu lassen (SGB V, § 40 und insbesondere SGB IX). Diese Entwicklung verlangt nach wissenschaftlich hochquali‐ fizierten Fachkräften, die eine umfassende Versorgung dieser Patienten gewährleisten. Allerdings fehlen im Bereich der neurologischen Reha‐ bilitation Ärzte, sodass es neuer und innovativer Personalkonzepte be‐ darf. Dabei wird es in Zukunft notwendig sein, auf wissenschaftlicher Basis die Effektivität von Rehabilitationsmaßnahmen im Bereich von neurologischen Erkrankungen zu ermitteln, um vorhandene Ressour‐ cen optimal auszunutzen. Auch führende Fachverbände wie die Deut‐ sche Gesellschaft für Neurotraumatologie und Klinische Neurorehabi‐ litation e. V. betonen schon lange den steigenden Personalbedarf zur Begleitung wissenschaftlicher Studien. Diese Lücke in der Versorgung zu schließen, sind Aufgabe und Ziel des Masterstudiengangs Neurorehabilitation. Der erste Masterstu‐ Kapitel 5: 61 diengang der SRH Hochschule für Gesundheit Gera und besteht be‐ reits seit dem Sommersemester 2012. Neben dem wissenschaftlichen Charakter und der unmittelbaren Einbindung der Studenten in die neurologische Rehabilitation qualifiziert der Master auch zur Promoti‐ on. So konnte eine Studentin des Masters Neurorehabilitation bereits erfolgreich ihre Promotion (Dr. rer. medic.) an der medizinischen Fa‐ kultät Dresden auf der Basis eines im Masterstudium Neurorehabilita‐ tion begonnenen Projektes im Jahr 2016 abschließen. Außerdem wurde eine Abschlussarbeit im Master neuroreha 2015 mit dem IFK Wissenschaftspreis als 1. Preisträgerin ausgezeichnet. QUELLEN Feigin, V.L., Forouzanfar, M.H., Krishnamurthi, R., Mensah, G.A., Connor, M., Bennett, D.A., et al. Global and regional burden of stroke during 1990-2010: findings from the Global Burden of Disease Study 2010. Lancet. 2014;383(9913):245-54. Mehrholz J. Herausforderung Demografie. neuroreha. 2015;07(02):57-63. Pohl, M., Mehrholz, K., Mehrholz, J. (2012). Rehabilitation bei Chronisch-Kri‐ tisch-Kranken. Intensiv- und Notfallbehandlung. 2012;37(3):127-33. Pohl, M., Bucka, C., Jöbges, M., von Helden, A., Schaupp, M., Hartwig, M., et al. (2016). Patientenklientel und Rehabilitationsverlauf in der neurologisch-neuro‐ chirurgischen Frührehabilitation – ein Vergleich der Jahre 2002 und 2014 Ak‐ tuelle Neurologie. 2016: akzeptiert. Pohl, M., Bucka, C., Jöbges, M., von Helden, A., Schaupp, M., Hartwig, M., et al. (2014). Rehabilitationsverlauf von Patienten in der neurologisch-neurochirur‐ gischen Frührehabilitation: Ergebnisse einer multizentrischen Erfassung im Jahr 2014 in Deutschland. [Course of rehabilitation in early neurological/ neurosurgical rehabilitation. Results of a 2014 multi-center evaluation in Ger‐ many] Nervenarzt. 2016;87(6):634-44. Die Präsentation wissenschaftlicher Studien und Projekte wird als selbstverständlicher Bestandteil des Studiengangs auf regelmäßigen Kongressen angesehen. So wurde beispielsweise auf der letzten ge‐ meinsamen Jahrestagung 2017 der Deutschen Gesellschaft für Neu‐ rorehabilitation e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Neurotrauma‐ tologie und klinische Neurorehabilitation e.V. die SRH Hochschule für Gesundheit mit allen Studenten (zum Teil vortragenden Studenten) des Studiengangs Neurorehabilitation und 3 Mitarbeitern vertreten. In Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 62 einer elektronischen Postersitzung wurde thematisch die Schlaganfall‐ rehabilitation beleuchtet. Hier ist besonders der Beitrag von Frau Högg hervorzuheben, derzeit Studentin im Masterstudium Neurorehabilita‐ tion. Sie erläuterte ihre Ergebnisse einer systematischen Übersichtsar‐ beit zu den Effekten von Krafttraining auf die obere Extremität in der Rehabilitation nach Schlaganfall. Sie berichtete, dass es kaum gut me‐ thodisch durchgeführte Studien gibt die spezifisch die Kraft der oberen Extremität nach Schlaganfall verbessern. Eine weitere Studentin des Masterstudiengangs Neurorehabilitation Frau Zeder stellte das Schwei‐ zer Multiple Sklerose Register als Chance für die schweizerische Phy‐ siotherapieforschung vor. Ihre Kollegin aus dem gleichen Studiengang, Frau Ringli, stellte eine 6-monatige randomisierter Kontrollstudie zum Thema „körperliches Training mit simultanen kognitiven Training bei älteren Erwachsenen“ vor. In einem Workshop waren eine Studentin und ein Mitarbeiter des Studiengangs eingeladen, um zu dem Thema „Motorisches Lernen“ sich zu äußern. Es wurden entsprechende Be‐ handlungsmöglichkeiten auf der Basis aktueller wissenschaftlichen Studien vorgestellt. Es wurde exemplarisch das motorische Lernen zur Verbesserung der Balance, des Stehens, des Gehens und der Arm- Handfunktion erläutert und anschließend einzeln an spezifischen Be‐ handlungsbeispielen vorgeführt. Regelmäßig werden solche Kongress-Zusammenfassungen als Kongressberichte in einschlägigen Fachzeitschriften durch den Studi‐ engangsleiter im Studiengang Neurorehabilitation M. Sc. publiziert. Beispiele für anwendungsorientierte praxisnahe Forschung im Stu‐ diengang Neurorehabilitation M. Sc. sind die gemeinsam mit Studie‐ renden und Absolventen des Studiengangs durchgeführten Projekte GYMNAST und FITonICU (Mitarbeit von Studenten, Dozenten und Professoren im Studiengang Neurorehabilitation M. Sc.) Quellen GYMNAST & FITonICU Mehrholz, J., Mückel, S., Oehmichen, F. & Pohl, M. (2015). First results about reco‐ very of walking function in patients with intensive-care-unit-acquired muscle weakness from the General Weakness Syndrome Therapy (GymNAST) cohort study. BMJ Open 5:e008828. Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 63 Mehrholz, J., Thomas, S., Burridge, J.H., Schmidt, A., Scheffler, B., Schellin, R., Ruckriem, S., Meissner, D., Mehrholz, K., Sauter, W., Bodechtel, U. & Elsner, B. (2016). Fitness and mobility training in patients with Intensive Care Unit-ac‐ quired muscle weakness (FITonICU): study protocol for a randomised control‐ led trial. Trials 17: (1):559. Thomas, S., Sauter, W., Starrost, U., Pohl, M. & Mehrholz, J. (2017). Time to decan‐ nulation and associated risk factors in the post-acute rehabilitation of critically ill patients with intensive care unit-acquired weakness: a cohort study. Eur J Phys Rehabil Med akzeptiert und im Druck. Thomas, S., Burridge, J.H., Pohl, M., Oehmichen, F. & Mehrholz, J. (2016). Reco‐ very of sitto-stand function in patients with intensive-care-unit-acquired mus‐ cle weakness: Results from the General Weakness Syndrome Therapy cohort study. J Rehabil Med 48:(9):793-798. Thomas, S., Burridge, J., Sauter, W., Starrost, U., Pohl. M. & Mehrholz, J. (2017). Regaining swallowing function in the rehabilitation of critically ill patients with intensivecare-units acquired muscle weakness. Disability and Rehabilitation am 23.2.2017 akzeptiert und im Druck. Thomas, S. & Mehrholz J. (2017). Fitness- und Mobilitätstraining bei Patienten mit einem auf einer Intensivstation erworbenem Schwächesyndrom (FITonICU): Protokoll für eine randomisierte kontrollierte Studie. Zf Physiotherapeuten (5):im Druck. So wird zum Beispiel in der GYMNAST Studie die klinische Erholung von Patienten mit auf der Intensivstation erworbenem Schwächesyn‐ drom erforscht. Die GYMNAST Studie ist eine groß angelegte Kohor‐ tenstudie die sowohl die Therapieinhalte der Physiotherapie genaues‐ tens dokumentiert als auch die Ergebnisse von mehr als 150 Patienten detailliert im Jahresverlauf beschreibt. In den ersten Ergebnissen, die bereits mehrfach international und national publiziert worden, zeigte sich eine sehr gute Erholung der Gehfähigkeit, Aufstehfähigkeit, der Erholung der Schluckfähigkeit und der Entwöhnung vom Tracheosto‐ ma. Die FITonICU Studie ist eine randomisierte Studie zum Fitness und Mobilitätstraining von beatmeten Patienten auf Intensivstation mit erworbenem Schwächesyndrom. Dabei wird ein eigens entwickel‐ ter neuer und detaillierter Pfad für eine gezielte Mobilisation von schwerst betroffenen und chronisch kritisch kranken Patienten auf Ef‐ fektivität untersucht. Ein weiteres Beispiel für die Integration wissenschaftlicher Studien und Projekte ist ein von der SRH Hochschule für Gesundheit über An‐ Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 64 schubfinanzierung gefördertes Projekt: eine hochmoderne Netzwerk- Metaanalyse auf der Basis einer systematischen Übersichtsarbeit zu sämtlichen randomisierten Studien zur transkraniellen Gleichstromsti‐ mulation. Quellen Elsner, B, Kwakkel, G., Kugler, J. & Mehrholz, J. (2017). Network meta-analysis of randomised trials on the effects of transcranial Direct Current Stimulation (tDCS) for improving capacity in activities of daily living (ADL) and paretic arm function aster stroke. Neurorehabil Neural Repair eingereicht. Elsner, B., Pohl, M., Kugler, J. & Mehrholz, J. (2016). Transcranial direct current stimulation for improving idiopathic Parkinson‘s syndrome. An abridged versi‐ on of a Cochrane review. Eur J Phys Rehabil Med 52:(6):902-906. Elsner, B., Pohl, M., Kugler, J. & Mehrholz, J. (2016). Transcranial direct current stimulation (tDCS) for improving activities of daily living, and physical and co‐ gnitive functioning, in people after stroke. Cochrane Database Syst Reviews (3):CD009645. Elsner, B., Kugler, J., Pohl, M. & Mehrholz, J. (2016). Transcranial Direct Current Stimulation for improving spasticity after stroke. A systematic review with me‐ ta-analysis. Journal of Rehabilitation Medicine 48:(7):565–570. Ebenfalls erwähnenswert ist, dass der Studiengangsleiter im Studien‐ gang Neurorehabilitation als Herausgeber seit nunmehr fast 10 Jahren eine eigene Zeitschrift mit dem Namen „Neurorehabilitation“ (Thieme Verlag) herausgibt. Damit wird Studierenden und Absolventen des Studiengangs Neurorehabilitation die Möglichkeit gegeben Abschluss‐ arbeiten in ihrem Studiengang in einem entsprechenden Fachjournal zu publizieren. Diese Möglichkeit wurde bereits mehrfach genutzt und dient neben dem fachlich-wissenschaftlichen Interesse auch der Öf‐ fentlichkeitsarbeit dieses Studiengangs. Kapitel 5: Der Studiengang Neurorehabilitation (Master of Science) 65

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Zusammenfassung

Gesundheit braucht kluge Köpfe – seit zehn Jahren leistet die SRH Hochschule für Gesundheit dazu ihren Beitrag. Gesundheit ist ein zentraler Wirtschaftszweig in allen Industrienationen. In Zeiten des demografischen Wandels wächst er dynamisch. Zusätzlich verändern sich Verständnis und Menge unseres Wissens über Gesundheit. Die wichtigste Ressource zur Bewältigung dieser gesellschaftlichen Herausforderungen ist Bildung. Orientiert an den Interessen der Studierenden eröffnet die SRH Hochschule für Gesundheit jungen Menschen neue Chancen, an diesem Wandel teilzuhaben. Sie begegnen dabei modernen Ausbildungswegen, einer umfassenden Verzahnung von Theorie und Praxis und anspruchsvollen Forschungsprojekten. Die staatlich anerkannte, private SRH Hochschule für Gesundheit ist Teil des bundesweiten Netzwerkes der SRH-Gruppe. In ihren Gesundheits- und Bildungseinrichtungen engagieren sich über 13.000 Beschäftigte und ebenso viele Studierende. Dieser Band gibt einen Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt der Hochschule. Gleichzeitig berichtet er vom Aufbruch in eine Gesundheitswelt im Wandel. Vorgestellt werden die aktuell 15 Bachelor- und Masterstudiengänge in fünf verschiedenen Studienmodellen an sieben Standorten. Es werden Einblicke gegeben in Bachelor- und Masterthesen der vergangenen Jahre, sowie in aktuelle Forschungsprojekte. Viele kluge Köpfe hat die SRH Hochschule für Gesundheit für das Berufsleben qualifiziert. Im Wissen darum, dass innovative Bildung unersetzbar ist, werden viele weitere folgen.