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Claudia Wahn, Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) in:

Johannes Schaller, Björn Eichmann (Ed.)

Gesundheit braucht kluge Köpfe, page 43 - 49

10 Jahre SRH Hochschule für Gesundheit

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3988-5, ISBN online: 978-3-8288-6840-3, https://doi.org/10.5771/9783828868403-43

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) Wahn, Claudia Die Forschungsexpertise des Hochschulteams im ausbildungsinte‐ grierten Bachelorstudiengang Logopädie umfasst ein breites Spektrum an Aktivitäten und reicht von der Entwicklung und Erprobung neuer präventiver, diagnostischer und therapeutischer Verfahren über mo‐ derne Methoden der Bildgebung des Gehirns bis hin zu Blickbewe‐ gungsmessungen. Dabei stehen neben neurologischen Störungsbildern wie der Aphasie, der Primär Progressiven Aphasie (PPA), den demen‐ tiellen Sprach- und Sprechbeeinträchtigungen und verschiedenen For‐ men der Apraxie auch Schluck-, Stimm- und die breite Palette der Spracherwerbsstörungen sowie Schriftsprachstörungen (v.a. LRS, Ale‐ xie, Agraphie) im Mittelpunkt des Interesses. Eng verzahnt mit der Lehre stehen auch in der Forschung grundlagenorientierte Ansätze ne‐ ben einer starken Anwendungsbezogenheit. Dabei bilden unsere aktiv miteinander vernetzten Experten aus den Fach- und Interdisziplinen der Logopädie, der Patho-, Psycho- und Neurolinguistik, der theoreti‐ schen Linguistik, der Akademischen Sprachtherapie, der Gebärden‐ sprachforschung, der Medizin und des Gesundheitsmanagements die zentralen Ausgangspunkte für die Forschung. Mit Hilfe dieses interdis‐ ziplinär ausgerichteten forschungsstarken Teams werden ProbandIn‐ nen und PatientInnen vom Säugling bis ins hohe Alter fokussiert. Die Forschung dient dabei stets dem Wohle des Individuums sowie dessen Agieren in der Gesellschaft, v.a. im Gesundheits- und Bildungsbereich. Im Einzelnen verfolgen unsere ProfessorInnen folgende Forschungsin‐ teressen: Kapitel 4: 43 Prof. Dr. rer. medic. Irene Ablinger-Borowski (Dipl. Log.) Forschungsschwerpunkte von Irene Ablinger-Borowski liegen im Be‐ reich der erworbenen kognitiven Sprachstörungen, insbesondere der Aphasien und Dyslexien. In den letzten Jahren wurde die Methode der Blickbewegungsmessung in der Untersuchung und Therapie der Wort‐ verarbeitung bei Patienten mit peripheren und zentralen Lesestörun‐ gen erfolgreich eingesetzt und erweitert. Als besonders effektiv erwies sich die Entwicklung eines blickbasierten Wortlesetrainings, das durch sakkadenabhängige Displaymanipulationen die visuelle Verfügbarkeit der Buchstabeninformation kontrolliert und dadurch die Interaktion lexikalischer bzw. segmentaler Wortverarbeitungsmechanismen stimu‐ liert. Aktuelle Projekte befassen sich mit der Entwicklung eines mo‐ dellgeleiteten Diagnostikums für erworbene Dyslexien, der Therapie bei reiner Alexie, der Untersuchung von Veränderungsprozessen im Zusammenspiel kognitiver Leistungen und Lesefertigkeiten über die Lebensspanne hinweg sowie dem Einsatz von Apps in der Aphasiethe‐ rapie. Prof. Dr. phil. Juliane Klann (M.A.) Juliane Klanns Forschung befasst sich mit den neurokognitiven Grundlagen intakter und beeinträchtigter Sprachverarbeitung in Laut-, Schrift- und Gebärdensprache sowie mit der Entwicklung und Nor‐ mierung sprachlicher Therapie- bzw. Förderkonzepte und diagnosti‐ scher Verfahren. Das besondere Augenmerk gilt bei allen Forschungs‐ aktivitäten der Frage nach der Rolle von Sprache als Teil eines multi‐ modalen, auf sensorischen und senso-motorischen Erfahrungen beru‐ henden sozialen Interaktionsnetzwerks. Methodisch nähert sie sich dieser Frage mittels funktioneller Bildgebung, linguistischer Analysen, mit Hilfe von Läsions-und Therapiestudien sowie über Studien zum motorischen und sprachlichen Lernen. Die Forschungsdaten umfassen neben Untersuchungen der intakten Laut-, Schrift- und Gebärden‐ sprachverarbeitung auch die gestörte Sprachverarbeitung bei Aphasie und in der Sprachentwicklung. In ihren Forschungsprojekten werden hörende und gehörlose Probanden sowie sich sprachlich normgerecht und normabweichend entwickelnde Kinder und Jugendliche unter‐ Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 44 sucht. Die Störungsbilder dieser stets interdisziplinär ausgerichteten Studienprojekte umfassen die Aphasie, die Gliedmaßenapraxie, die kindliche Dyslexie, die kindlichen Spektren der Autismus-Spektrum- Störung sowie (Spezifische) Sprachentwicklungs- und Hörstörungen. Juliane Klanns Forschung ist eingebettet in zahlreiche nationale, euro‐ päische und außereuropäische Kooperationen und findet auf deut‐ schen und internationalen Fachkonferenzen großen Anklang. Prof. Dr. rer. medic. Katharina Dressel (Dipl. Log.) Die Forschungsschwerpunkte von Katharina Dressel liegen im Bereich erworbener kognitiv bedingter Sprachstörungen. Klassifikation und Therapie bei primär progressiven Aphasien sowie weitere dementiell bedingte Störung der Sprache und Kommunikation und ihre evidenz‐ basierte Therapie stehen dabei im Vordergrund. Aktuelle Projekte be‐ fassen sich mit der Symptomatik bei primär progressiven Aphasien so‐ wie mit der Entwicklung eines Fragebogens zur Erfassung kommuni‐ kativer Bedürfnisse bei Menschen mit Demenz. Diagnostik, Therapie und modelltheoretische Lokalisation von erworbenen sprechmotori‐ schen Störungen (Sprechapraxie) sowie erworbene Störungen der Zah‐ lenverarbeitung sind ein weiterer Forschungsschwerpunkt. Aktivitäten im Bereich Lehrforschung betreffen die Bereiche des interprofessionel‐ len Lernens, den Einsatz moderner digitaler Medien in der Lehre so‐ wie die Entwicklung von Ausbildungszielen für eine akademische Lo‐ gopädie auf nationaler Ebene sowie die Ermittlung von länderüber‐ greifenden Referenzpunkten für die Logopädieausbildung auf europäi‐ scher Ebene. Prof. Dr. rer. medic. Muna van Ermingen-Marbach (Dipl. Log.) Der Forschungsschwerpunkt von Muna van Ermingen-Marbach liegt im Bereich der Ursachenforschung, Diagnostik und Therapie sowie der neuroanatomischen Struktur bei Entwicklungsdyslexie. Dabei ste‐ hen vor allem Aspekte der spezifischen neuronalen Signatur kognitiver Subtypen von Entwicklungsdyslexie im Vordergrund. Dabei soll ge‐ klärt werden, ob und inwieweit sich zum einen dyslektische Kinder in ihren Aktivierungsarealen bei lesebezogenen Aufgaben von normal le‐ Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 45 senden Kindern unterscheiden und zum anderem, ob hirnfunktionale Unterschiede innerhalb der dyslektischen Gruppe unterscheidbar sind. Die Auswirkungen einer auf das kognitive Defizit ausgerichteten spezi‐ fischen Intervention auf die Hirnfunktion sowie auf die Performanz sind hierbei von großem Interesse. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Abbildung kognitiver Einflüsse auf die Leseleistung über die gesamte Lebensspanne und deren Auswirkungen bzw. zugrundeliegenden Ver‐ änderungsprozesse. Prof. Dr. phil. habil. Claudia Wahn (Dipl., M. A.) Die Forschungsschwerpunkte von Claudia Wahn sind breit angelegt und betreffen sowohl den Kindersprachbereich, insbesondere die pri‐ mären und sekundären Spracherwerbsstörungen auf der semantischlexikalischen Ebene sowie das Risiko dafür als auch den neurologi‐ schen Bereich, insbesondere die neurologisch bedingten Schriftsprach‐ störungen. Im Zentrum der aktuellen Projekte stehen dabei grundsätz‐ lich Therapie und Förderung, auf die die Forschungsaktivitäten gerich‐ tet sind. Einen Einblick in laufende Projekte und ihren aktuellen Stand findet sich in der folgenden Aufstellung: Projektskizze (1): Therapiestudien zu einer produktions- und rezeptionsorientierten Sprachtherapie und deren Effekte auf semantisch-lexikalische Störun‐ gen zweisprachiger Vorschul- und Grundschulkinder sowie Überfüh‐ rung von Einzeltherapie- in Gruppentherapieformate. Aktuell Publikation der Ergebnisse (Buchprojekt, Int. Verlag der Wissenschaften Peter Lang sowie bereits publizierte Artikel in diversen Fachzeitschriften); Kooperationspartner: Stadt Köln, Amt für Kinder, Jugend und Familie (Abteilung Tageseinrichtung für Kinder), Kölner KiTas sowie Schulen mit dem Förderschwerpunkt Sprache der Stadt Köln. Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 46 Projektskizze (2): Entwicklung des Sprachverständnisses von unterstützt kommunizie‐ renden Kindern mit schwerster ICP und Anarthrie unter besonderer Berücksichtigung des semantisch-lexikalischen und morphologischsyntaktischen Erwerbs aktuell Phase der Datenerhebung für einzelne Subgruppen; interdisziplinäres Forschungsprojekt in Kooperation mit der Universität Leipzig Projektskizze (3): Entwicklung von Therapiematerialien für die Störungsbilder der Ale‐ xie und Agraphie auf der Basis konnektionistischer Modelle der Sprachverarbeitung – Konnektionistisch-orientierte Sprachtherapie in der Behandlung von Schriftsprachstörungen aktuell Datenerhebung im Rahmen eines Promotionsprojektes (Frau Dipl.-Patholing. J. König) und von Abschlussarbeiten; Koopera‐ tionspartner: SRH Kliniken, Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, Nümbrecht, Logopädisch-interdisziplinäres Zentrum für intensive Therapie, Lind‐ lar Prof. Dr. phil. Karl-Heinz Stier (M. Sc.) Der Forschungsschwerpunkt von Karl-Heinz Stier ist dem Bereich Stimme gewidmet, insbesondere der Stimmtherapie und Akzentme‐ thode. Herr Stier ist der Nachfolger der Gründer der Akzentmethode S. Smith, K. Thyme-Frøkjær und B. Frøkjær-Jensen. Er forscht an dieser Methode im Hinblick auf die Stimmprävention bei Berufssprechern und bei neurologischen Störungen. Zu dieser Methode gibt er Fortbil‐ dungen für LogopädInnen und vermittelt diese Methode auch an Uni‐ versitäten und Hochschulen. Darüber hinaus lassen sich folgende Tätigkeiten benennen: – Kooperationen des SRH Campus Stuttgart mit dem Diakonischen Krankenhaus Stuttgart zum Thema „Stimmstörungen nach Stru‐ ma-Operationen“ – Mitarbeit an der neuen S2-Leitlinie Stimmstörungen. Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 47 – Leitung des dbl-Arbeitskreises Stimme – Gremiumsmitglied in der Bundesfreiberuflerkommission des dbl – Logopädischer Berater bei HABA. Entwicklung von Ratgebern für Eltern und Erzieher; Konzeption des Sprachspiels Papperlapapp. – aktuell Publikation der Ergebnisse (Buchprojekt, Int. Verlag der Wissenschaften Peter Lang) zum Thema Stimmprävention bei Leh‐ rerInnen nach der Akzentmethode. Prof. Dr. med. Raimund Böckler Die zunehmende Zahl von Säuglingen und Kleinkindern mit schweren Schluckstörungen erfordert die Etablierung kindgerechter endoskopi‐ scher Untersuchungsverfahren. Aus diesem Grund wurde ein neuer, endoskopischer Untersuchungsalgorithmus entwickelt, der eine stan‐ dardisierte pädiatrische Befunderhebung ermöglichen soll. Die Validi‐ tät dieser Methodik wird im Rahmen einer Multicenter-Studie geprüft. Projektskizze: Validierung eines diagnostischen Algorithmus zur flexiblen endosko‐ pischen Evaluation des Schluckens (FEES) bei Säuglingen und Klein‐ kindern mit neurogener Dysphagie Auswahl von Bachelorarbeiten seit Einführung des Studiengangs im WS 2011/ 12 Die seit Einführung des Bachelorstudiengangs entstandenen Ab‐ schlussarbeiten weisen eine große Breite an Themen auf, die das Fach vollumfänglich abbilden. Folgende exemplarisch ausgewählte Ab‐ stracts vermitteln einen Eindruck der Bachelorarbeiten, die seither entstanden sind. Die vorgestellten Arbeiten wurden mit „sehr gut“ be‐ wertet. Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 48 Literatur Alves, J., Magalhães, R., Gonçalves, O.F., Sampaio, A., Agavni Petrosyan, A., Machado, A. (2013). Non-pharmacological cognitive intervention for aging and dementia. World J Clin Cases 1, 8, 233-241. Charness, N., Parks, D. and Sabel, B. (2001). Communication, Technology and Aging: Opportunities and Challenges for the future. New York: Springer. Hesse, G., Eichhorn, S., Laubert, A. (2014). Hörfähigkeit und Schwerhörigkeit alter Menschen. HNO (1), 3-9. Hummel, T. (2014). Riechvermögen im Alter. HNO (1), 1-3. Martin, M., Clare, L., Altgassen, A.M., Cameron, M.H. & Zehnder, F. (2011). Co‐ gnition-based interventions for healthy older people and people with mild co‐ gnitive impairment. Cochrane Review. Niehoff, J. U. (2007). Gesundheitssicherung – Gesundheitsversorgung – Gesund‐ heitsmanagement, Berlin. Owens, R.E., Farinella, K.A. & Metz, D.E. (2014). Introduction to communication disorders: A lifespan evidence-based perspective. München: Pearson. Rosenbrock, R. & Gerlinger, T. (2006). Gesundheitspolitik – Eine systematische Einführung, Bern. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen „Kooperation und Verantwortung. Voraussetzungen einer zielorientierten Ge‐ sundheitsversorgung“. Gutachten 2007. Kurzfassung. Simon, M. (2011). Das Gesundheitssystem in Deutschland (3.Aufl.), Bern. Kapitel 4: Der Studiengang Logopädie (Bachelor of Science) 49

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Zusammenfassung

Gesundheit braucht kluge Köpfe – seit zehn Jahren leistet die SRH Hochschule für Gesundheit dazu ihren Beitrag. Gesundheit ist ein zentraler Wirtschaftszweig in allen Industrienationen. In Zeiten des demografischen Wandels wächst er dynamisch. Zusätzlich verändern sich Verständnis und Menge unseres Wissens über Gesundheit. Die wichtigste Ressource zur Bewältigung dieser gesellschaftlichen Herausforderungen ist Bildung. Orientiert an den Interessen der Studierenden eröffnet die SRH Hochschule für Gesundheit jungen Menschen neue Chancen, an diesem Wandel teilzuhaben. Sie begegnen dabei modernen Ausbildungswegen, einer umfassenden Verzahnung von Theorie und Praxis und anspruchsvollen Forschungsprojekten. Die staatlich anerkannte, private SRH Hochschule für Gesundheit ist Teil des bundesweiten Netzwerkes der SRH-Gruppe. In ihren Gesundheits- und Bildungseinrichtungen engagieren sich über 13.000 Beschäftigte und ebenso viele Studierende. Dieser Band gibt einen Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt der Hochschule. Gleichzeitig berichtet er vom Aufbruch in eine Gesundheitswelt im Wandel. Vorgestellt werden die aktuell 15 Bachelor- und Masterstudiengänge in fünf verschiedenen Studienmodellen an sieben Standorten. Es werden Einblicke gegeben in Bachelor- und Masterthesen der vergangenen Jahre, sowie in aktuelle Forschungsprojekte. Viele kluge Köpfe hat die SRH Hochschule für Gesundheit für das Berufsleben qualifiziert. Im Wissen darum, dass innovative Bildung unersetzbar ist, werden viele weitere folgen.