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Thomas Weil, Kapitel 11: Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) in:

Johannes Schaller, Björn Eichmann (Ed.)

Gesundheit braucht kluge Köpfe, page 137 - 142

10 Jahre SRH Hochschule für Gesundheit

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3988-5, ISBN online: 978-3-8288-6840-3, https://doi.org/10.5771/9783828868403-137

Tectum, Baden-Baden
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Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) Weil, Thomas Deutschland wird in Zukunft einige große Probleme zu bewältigen ha‐ ben. Bis 2040 sind etwa 8,2 Millionen Rentner (Demografiebericht 2009; Statistisches Bundesamt, 12. koordinierte Bevölkerungsvoraus‐ berechnung) zu versorgen und zu pflegen. Gleichzeitig wird die Ge‐ samtbevölkerung auf 75 Millionen zurückgehen. Ebenso wächst in diesem Zeitraum die Bevölkerungsgruppe, die über weite Strecken des Lebens aus unterschiedlichen persönlichen Gründen und aufgrund der Entwicklungen des Arbeitsmarktes anhaltend kein ausreichendes Einkommen erwirtschaften kann. Die Bevölkerungsgruppe, die dauer‐ haft arm sein wird, wächst unaufhörlich. Soziale Dienste werden sich zunehmend mit den Konsequenzen für das Aufwachsen der Kinder dieser Bevölkerungsgruppe, aber auch um die Lebensbewältigung der Erwachsenen befassen müssen. Sowohl die, aufgrund fehlender Ar‐ beitsmöglichkeiten oder Fähigkeiten, von der Armut Betroffenen selbst, als auch ihre Kinder brauchen Hilfen und Perspektiven. Dies sind Aufgaben, die gute und funktionierende Bewältigungsmöglichkei‐ ten erfordern. Hier nur den Kostenfaktor ins Auge zu fassen, wäre un‐ angemessen und kurzsichtig. Logisch ist jedoch, dass eine Sozialwirt‐ schaft mit großen und überregionalen Betrieben neue Führungskräfte braucht, die im Management dieser Unternehmen sowohl von sozia‐ lem als auch von wirtschaftlichem Wissen geleitet werden. Eine funk‐ tionierende Sozialwirtschaft erfordert unter anderem ein gekonntes Sozialmanagement. Unser Gesundheits- und Sozialwesen steht somit zunehmend vor der Herausforderung, sich betriebswirtschaftlich stärker organisieren zu müssen, um dem hohen Kostendruck und den Anforderungen nach mehr Qualität, Kunden- und Patientenorientierung gerecht zu werden. Kapitel 11: 137 Während der Trend zu immer größeren Einrichtungen geht, stellt man gleichzeitig fest, dass Beschäftigte im Gesundheitswesen erhöhten Stress erleben und zunehmend über hohe Be- und Überlastung klagen. Auch auf andere gemeinnützige Organisationen kommen neue Aufga‐ ben zu. Der Grund: Der Staat zieht sich zunehmend aus gesellschaftli‐ chen und sozialen Verpflichtungen zurück. Gemeinnützige Einrich‐ tungen springen ein, müssen Gelder beschaffen und effektiv wie Wirt‐ schaftsunternehmen arbeiten, um noch besser zu helfen. Dafür werden dringend professionell ausgebildete Fachleute gesucht, die genau für diese Anforderungen spezialisiert sind. Zur Bewältigung dieser Ent‐ wicklungen im sogenannten Sozialen Wandel moderner Gesellschaften werden also breit qualifizierte und sehr gut ausgebildete Manager im Gesundheit- und Sozialwesen benötigt. Im Gegensatz zum Management in anderen Wirtschaftsbereichen berücksichtigt das Gesundheits- und Sozialmanagement zahlreiche Besonderheiten von Organisationen des Sozialbereichs: Mit zunehmender Verbreitung privatgewerblicher Anbieter wird Sozi‐ almanagement auch als Management der Unternehmen der Sozialwirt‐ schaft bezeichnet. Vor diesem Hintergrund lässt sich Sozialmanage‐ ment auch als sogenannte Spezielle Betriebswirtschaftslehre für Sozial‐ betriebe bzw. -unternehmen begreifen. Der von der SRH Hochschule für Gesundheit Gera entwickelte weiterbildende Masterstudiengang „Gesundheits- und Sozialmanage‐ ment“ ist ein auf fünf Semester Regelstudienzeit angelegtes berufsbe‐ gleitendes Teilzeitstudium. Das Studium vermittelt nicht nur essentiel‐ les betriebswirtschaftliches Wissen für das Management in Einrichtun‐ gen des Gesundheits- und Sozialwesens, sondern vor allem werden auch die Vermittlung von Schlüssel- und Führungsqualifikationen in den Fokus des Studiums gestellt. An den einzelnen Blockwochenenden befassen sich die Studierenden unter Anleitung hoch qualifizierter Kapitel 11: Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) 138 Professoren und Dozenten intensiv und auf wissenschaftlichem Niveau mit praxisrelevanten Fragestellungen. Die Eigenverantwortlichkeit der Studierenden in unserem Masterstudiengang steht dabei absolut im Mittelpunkt, denn nur wer eigenverantwortlich lernt und handelt, kann über sein bisheriges Potential hinauswachsen, Fachwissen und persönliche Kompetenzen erwerben und somit Verantwortung für im‐ mer komplexere Management-Aufgaben übernehmen. Mit dem Weiterbildungsmaster „Gesundheits- und Sozialmanage‐ ment“ an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera wurde ein innova‐ tives Studienprofil entwickelt, welches sich Dank der komprimierten Präsenzphasen (zwölf mal vier Tage jeweils von Freitag bis Montag, keine Semesterferien) optimal mit einer verantwortungsvollen Berufs‐ tätigkeit einerseits, aber auch den privaten Anforderungen anderer‐ seits vereinbaren lässt. Während des gesamten Studiums steht die Integration des berufli‐ chen Praxisalltags im Mittelpunkt. Das Studium umfasst drei verschie‐ dene Kompetenzfelder: Im ersten Kompetenzfeld Management von Organisationen wird prio‐ ritär betriebswirtschaftliches, rechtliches und politisches Fachwissen vertieft und um wissenschaftliche Methoden zur Datengewinnung und -bearbeitung erweitert. Im Fokus des zweiten Kompetenzfeldes Führung und Selbstma‐ nagement stehen vor allem die intensive Auseinandersetzung mit per‐ sonalen und sozialen Kompetenzen im Vordergrund. Eine nicht zu‐ Kapitel 11: Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) 139 letzt auch selbsterfahrende Reflektion eigener Führungsstile ist dabei unerlässlich für eine zeitgemäße und verantwortungsvolle Mitarbeiter‐ führung im Gesundheits- und Sozialwesen. Hier werden Methoden des Rollenspiels und des Psychodramas eingesetzt. Das dritte Kompetenzfeld der Organisationsentwicklung ergänzt durch strategische Management-Kompetenzen wie unter anderem Qualitätsmanagement und Health- and Social-Marketing das Profil der Absolventen im Masterstudiengang „Gesundheits- und Sozialma‐ nagement“. Die Studierenden werden somit befähigt, unternehmensspezifische Probleme zu erkennen und professionelle Angebote im Gesundheitsund Sozialbereich zu entwickeln und anzuwenden. Sie trainieren per‐ sonale und soziale Kompetenzen, um Mitarbeiter verantwortungsvoll zu führen und gleichsam ihr Unternehmen strategisch am Markt er‐ folgreich zu positionieren. Darüber hinaus verfügen unsere Absolven‐ ten über ein detailliertes Verständnis auf dem neuesten Stand der Wis‐ senschaft, welches sie in die Lage versetzt unter Berücksichtigung ge‐ sellschaftlicher und ethischer Erkenntnisse, jeweils passgenaue fun‐ dierte Entscheidungen zu treffen und auch in der Folge selbständig neues Wissen und Können generieren zu können. Somit sind unsere Master-Studierende nicht nur qualifiziert, um eigenständig forschungs- oder anwendungsorientierte Projekte durch‐ zuführen, sondern auch Veränderungsprozesse in den Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens und somit den gesellschaftlichen Sozialen Wandel maßgeblich mitzugestalten. Dies lernen unsere Stu‐ dierenden, indem sie im ersten und zweiten Fachsemester eine eigen‐ ständige Forschungsarbeit entwickeln, umsetzen, auswerten und an der Hochschule präsentieren. Im Anschluss folgt für alle Master-Stu‐ dierenden im dritten und vierten Fachsemester das sehr umfassende berufsbegleitende Praxisprojekt, welches nicht zuletzt auch auf die er‐ folgreiche Erarbeitung einer praxisrelevanten und gleichsam wissen‐ schaftlich fundierten Masterthese vorbereitet. Absolventen des berufsbegleitenden Masterstudiengangs Gesund‐ heits- und Sozialmanagement stehen vielerlei Karrieremöglichkeiten offen. Der Studiengang befähigt zur Wahrnehmung von verantwor‐ tungsvollen Aufgaben im Management in Profit- und Non-Profit-Un‐ ternehmen, beispielsweise in den Bereichen Controlling, Qualitätsma‐ Kapitel 11: Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) 140 nagement, Personalwesen oder Projektmanagement. Aufgrund der be‐ triebswirtschaftlichen Ausrichtung sind die Absolventen sowohl für Führungspositionen als auch für Assistenz- und Stabfunktionen und als Projektmanager qualifiziert. Mögliche Einsatzgebiete können am‐ bulante, teilstationäre und stationäre Einrichtungen, wie Krankenhäu‐ ser, medizinische Versorgungszentren, Rehabilitationseinrichtungen, sozialpsychiatrische Institutionen ebenso sein, wie das Management von Sozialeinrichtungen, beispielsweise Kindertageseinrichtungen, Al‐ ten- und Pflegeheime, betreutes Wohnen und das breite Feld der So‐ zialen Arbeit. Außerdem bieten die Träger für Soziale Arbeit regional oder auf Landes- bzw. Bundesebene interessante Karrieremöglichkei‐ ten. Aber auch in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft, Unterneh‐ mens- und Sozialberatungen, Versicherungen, Gesundheits- und Sozi‐ alämtern, Ärztekammern, Krankenkassen oder Verbänden des Ge‐ sundheits- und Sozialsektors sind unsere Absolventen gerne gesehene Bewerber für Führungspositionen, genauso wie in diversen Unterneh‐ men der Bereiche Pharmazie oder Medizintechnik. Auch die Promotion und damit eine akademische Laufbahn sind mit dem Masterabschluss Gesundheits- und Sozialmanagement selbst‐ redend möglich. Voraussetzung hierfür ist, dass die Absolventen auch über einen ersten akademischen Abschluss (Bachelor, Diplom, Magis‐ ter) verfügen. Quellen Demografiebericht des Statistisches Bundesamt (2009). Bevölkerung Deutschlands bis 2060. 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Kaplan, R. & Norton, D. (2001). The Strategy Focused Organization. Harvard Business School Press, Boston. Kotler, P.; Berger, R. & Rickhoff, N.(2010). The Quintessence of Strategic Manage‐ ment. Springer, Berlin. Müller-Prothmann,T. & Dörr, N. (2011). Innovationsmanagement. Strategien, Me‐ thoden und Werkzeuge für systematische Innovationsprozesse, 2. Auflage. Hanser Pocket Power. Simon, H. & von der Gathen, A. (2002). Das große Handbuch der Strategieinstru‐ mente: Alle Werkzeuge für eine erfolgreiche Unternehmensführung. Campus, Frankfurt am Main. Kapitel 11: Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) 141 Stern, T. & Jaberg, H. (2010). Erfolgreiches Innovationsmanagement. 4. Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden. Welge, M.K. & Al-Laham, A. (2008). Strategisches Management. 5. Auflage. Gab‐ ler, Wiesbaden. Wissenschaftsrat. Zugriff am 5.10.2017 https://www.wissenschaftsrat.de/download /archiv/2411-12.pdf Kapitel 11: Der Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement (Master of Arts) 142

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Zusammenfassung

Gesundheit braucht kluge Köpfe – seit zehn Jahren leistet die SRH Hochschule für Gesundheit dazu ihren Beitrag. Gesundheit ist ein zentraler Wirtschaftszweig in allen Industrienationen. In Zeiten des demografischen Wandels wächst er dynamisch. Zusätzlich verändern sich Verständnis und Menge unseres Wissens über Gesundheit. Die wichtigste Ressource zur Bewältigung dieser gesellschaftlichen Herausforderungen ist Bildung. Orientiert an den Interessen der Studierenden eröffnet die SRH Hochschule für Gesundheit jungen Menschen neue Chancen, an diesem Wandel teilzuhaben. Sie begegnen dabei modernen Ausbildungswegen, einer umfassenden Verzahnung von Theorie und Praxis und anspruchsvollen Forschungsprojekten. Die staatlich anerkannte, private SRH Hochschule für Gesundheit ist Teil des bundesweiten Netzwerkes der SRH-Gruppe. In ihren Gesundheits- und Bildungseinrichtungen engagieren sich über 13.000 Beschäftigte und ebenso viele Studierende. Dieser Band gibt einen Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt der Hochschule. Gleichzeitig berichtet er vom Aufbruch in eine Gesundheitswelt im Wandel. Vorgestellt werden die aktuell 15 Bachelor- und Masterstudiengänge in fünf verschiedenen Studienmodellen an sieben Standorten. Es werden Einblicke gegeben in Bachelor- und Masterthesen der vergangenen Jahre, sowie in aktuelle Forschungsprojekte. Viele kluge Köpfe hat die SRH Hochschule für Gesundheit für das Berufsleben qualifiziert. Im Wissen darum, dass innovative Bildung unersetzbar ist, werden viele weitere folgen.