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Anne Henning, Kapitel 10: Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) in:

Johannes Schaller, Björn Eichmann (Ed.)

Gesundheit braucht kluge Köpfe, page 125 - 129

10 Jahre SRH Hochschule für Gesundheit

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3988-5, ISBN online: 978-3-8288-6840-3, https://doi.org/10.5771/9783828868403-125

Tectum, Baden-Baden
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Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) Henning, Anne Die Geschichte des Studiengangs ist so alt wie die SRH Hochschule für Gesundheit Gera. Wie in der Entwicklung von Kindern, die im Fokus dieses Studiengangs steht, hat der Studiengang schon einige Entwick‐ lungssprünge gemäß den aktuellen Herausforderungen gemeistert. Frühförderung ist ein Hilfsangebot für Kinder von der Geburt bis zur Einschulung, dessen Ziel die Entwicklungsförderung von Kindern mit Behinderungen und Entwicklungsauffälligkeiten sowie die Beglei‐ tung und Beratung der Eltern ist. Historisch gesehen ist Frühförderung eine heilpädagogische Maßnahme. Ein Bedarf an Austausch, Zusam‐ menarbeit und Abstimmung der pädagogischen Fachkräfte mit ande‐ ren Berufsgruppen war jedoch stets gegeben, wenn ein Kind zusätzlich psychologische oder medizinisch-therapeutische Hilfen benötigte (Thurmair & Naggl, 2010). Mit der Verabschiedung des Rehabilitationsgesetzes (SGB IX) von 2001 sowie der Frühförderungsverordnung (FrühV) von 2003 wurde die Zusammenarbeit zwischen pädagogisch-psychologischen und me‐ dizinisch-therapeutischen Berufsgruppen verpflichtend und sozialpäd‐ iatrische Zentren und interdisziplinäre Frühförderstellen wurden als zentrale Einrichtungen der Frühförderung vorgesehen. Mit diesem Ausbau der ehemals schwerpunktmäßig heilpädagogischen Frühförde‐ rung zu einem komplexen, interdisziplinären Frühfördersystem gingen neue Anforderungen an die Fachkräfte einher, um der Komplexität ihrer Aufgaben gerecht zu werden. Konkret erfordert die Tätigkeit in den Berufsfeldern der Frühförderung nun ein hohes Maß sowohl an Kapitel 10: 125 fachlicher als auch fachübergreifender Qualifikationen (Weiß, Neu‐ häuser & Sohns, 2004). An dieser Stelle setzte der im Jahre 2006 gegründete und seit 2007 durch die AHPGS akkreditierte Bachelorstudiengang Interdisziplinäre Frühförderung (IFF, B. A.) an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera an. Zu dem Zeitpunkt gab es trotz des Bedarfs kein vergleichba‐ res Studienangebot in der Studienlandschaft Deutschlands. Ziel des Studiengangs war eine hochwertige Kompetenzvermittlung für Tätig‐ keiten im interdisziplinären Feld der Frühförderung. Der Studiengang richtete sich sowohl an Fachkräfte aus Frühfördereinrichtungen (me‐ dizinisch-therapeutische Praxen, Frühförderstellen, Sozialpädiatrische Zentren), Kindertagestätten und anderen Vorschuleinrichtungen als auch an SchulabsolventInnen mit abgeschlossener (Fach-)Hochschul‐ reife. Er sollte dazu beitragen, die spezifische Ausbildung künftiger oder bereits im Feld der frühkindlichen Erziehung tätiger Fachkräfte durch den fachübergreifenden Fokus der familienorientierten Förde‐ rung auf eine breitere Basis zu erweitern und an moderne fachliche Anforderungen anzupassen. In einem 6-semestrigen Vollzeitstudium oder in einem 9-semestrigen Teilzeitstudium wurden neben berufsspe‐ zifischen Handlungskompetenzen erweiterte Fachkompetenzen insbe‐ sondere im Bereich der Interdisziplinären Frühförderung vermittelt, die in Verbindung mit Management- und wissenschaftlichen Kompe‐ tenzen eine umfassende Reflexions- und Handlungskompetenz ermög‐ lichten. Im Jahr 2013 wurde der Studiengang erfolgreich reakkreditiert. Mit dem Angebot inhaltlich vergleichbarer Studiengänge ab dem Jahr 2012 in Berlin und Hamburg verlor die SRH Hochschule für Gesund‐ heit jedoch dieses Alleinstellungsmerkmal. Um dieser Herausforde‐ rung zu begegnen, wurde der Studiengang weiterentwickelt, indem er umstrukturiert und um weitere wertvolle Inhalte ergänzt wurde. Seit dem Wintersemester 2015/2016 wird der Studiengang nun unter dem Namen „Bildung und Förderung in der Kindheit“ (BFK) angeboten und ist somit auch leichter als Studiengang der Kindheits‐ pädagogik sowohl für Interessenten als auch für potentielle Arbeitge‐ ber erkennbar. Diese Weiterentwicklung betont noch stärker als bislang die Kom‐ petenzen zu den Bereichen Bildung, Familie und Beratung sowie Lei‐ Kapitel 10: Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) 126 tung und Management, die über das Feld der Frühförderung hinaus im Studium umfangreich erworben werden. Zum einen wurden die Studieninhalte neu strukturiert und einem der folgenden vier inhaltli‐ chen Kompetenzbereiche zugeordnet: a) Grundlagenkompetenz der Entwicklung, Bildung und Förderung in der Kindheit, b) Schwerpunkt 1: Kompetenzen der Familie und Beratung, c) Schwerpunkt 2: Kompe‐ tenzen der Interdisziplinären Frühförderung, d) Schwerpunkt 3: Ge‐ sundheitsmanagement und Leitungskompetenz. Zum anderen wurden durch die Beseitigung von Redundanzen Kapazitäten für weiterfüh‐ rende Studieninhalte geschaffen, die nun für Inhalte der Pädagogik der Kindheit, der Familie sowie der Sozialwirtschaft und -politik genutzt werden. Die Vermittlung von Kompetenzen für Tätigkeiten im interdiszi‐ plinären Feld der Frühförderung ist weiterhin ein zentrales Merkmal dieses Studiengangs. Der Tätigkeitsbereich in Kindertagesstätten wur‐ de jedoch noch mehr in den Fokus genommen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Bestrebungen um Inklusion sowie der Zunahme an Ent‐ wicklungsauffälligkeiten unklarer Genese gewinnt dieser Bereich zu‐ nehmend an Bedeutung für Frühförderfachkräfte, insbesondere für die Beratung der Einrichtungen und der Eltern sowie für die gezielte Ent‐ wicklungsförderung der Kinder. Bereits seit Aufnahme des Studien‐ gangs Interdisziplinäre Frühförderung im Jahr 2007 äußerten auch die Studierenden regelmäßig den Wunsch, neben den Frühförderstellen auch in Regelkindertagesstätten zu arbeiten. Dieses Betätigungsfeld ist dem Bereich Bildung zugeordnet. Somit entscheiden die einzelnen Bundesländer auf Basis ihrer gesetzlichen Regelungen über die Aner‐ kennung unseres Abschlusses. Da der Studiengang sowohl in seiner ursprünglichen Version (IFF) als auch der geänderten Version (BFK) den Anforderungen des Qualifikationsrahmens für BA-Studiengänge der „Kindheitspädagogik / Bildung und Erziehung in der Kindheit“ (2009) der Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e.V. entspricht, haben wir beim Land Thüringen beantragt, dass unsere AbsolventInnen die Berufsbezeichnung „Staatlich aner‐ kannter Kindheitspädagoge“ / „Staatlich anerkannte Kindheitspädago‐ gin“ mit dem Abschluss führen dürfen. Unserem Antrag wurde im März 2016 stattgegeben. Kapitel 10: Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) 127 Nach Abschluss des Studiums können die AbsolventInnen als in‐ terdisziplinäre Frühförderfachkraft in Bereichen wie Frühförderzen‐ tren, Frühe Hilfen, Beratungszentren, Sozialpädiatrische Zentren, Kli‐ niken, Einrichtungen für behinderte und verhaltensauffällige Kinder, integrativ arbeitende Einrichtungen der Bildung und Förderung von Kindern, Familienzentren und -bildungsstätten, Schulvorbereitung und -übergang tätig werden. Durch die staatliche Anerkennung als KindheitspädagogIn können sie zudem als Fachkraft für alle Bildungs‐ bereiche in der Kindheit eingesetzt werden, u.a. Kindertagesstätten (inkl. Krippenbereich), integrative Bildungseinrichtungen, entspre‐ chende Ämter (Jugend- und Sozialamt, Landratsamt). Weiterhin ver‐ fügen sie über umfangreiche Kompetenzen in den Bereichen Gesund‐ heitsmanagement und Leitung, so dass ihnen Leitungspositionen in Einrichtungen der Bildung und Förderung von Kindern offen stehen. Unsere Studierenden sind in der Mehrzahl weiblich. Viele wählen diesen Studiengang als Erststudium, doch befinden sich auch meist in jeder Kohorte einige Studierende mit abgeschlossener Berufsausbil‐ dung, die mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung das Studium berei‐ chern. Auch sind viele Studierende durch Praktika oder ein Freiwilli‐ ges Soziales Jahr schon mit der Arbeit mit Kindern, dem System Früh‐ förderung oder der Arbeit mit Menschen mit Behinderung vertraut. Für das Pflichtpraktikum im 5. Semester wählen die meisten Stu‐ dierenden entweder eine Frühförderstelle oder eine Kindertagesstätte als Praktikumsstelle. Diese beiden Einrichtungen sind auch meist die‐ jenigen, bei denen sie sich nach Studienabschluss bewerben. Eine gro‐ ße Freude für die Studiengangsleitung sowie für die Hochschule war und ist weiterhin, dass regelmäßig einige der Studierenden schon wäh‐ rend ihres Praktikums eine Anstellung in Aussicht gestellt bekommen und oft auch schon eine Stelle vor Studienabschluss antreten können. Literatur Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e.V. (i.G.). (2009). Qualifikationsrahmen für BA-Studiengänge der „Kindheitspädagogik“ / „Bildung und Erziehung in der Kindheit“. http://www.ku.de/fileadmin/18/Praxi s/BAG-BEK-BA-QR-final030110.pdf. Zugriff am 30.04.2014. Thurmair, M. & Naggl, M. (2010). Praxis der Frühförderung (4. Aufl.). München: Reinhardt UTB. Kapitel 10: Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) 128 Weiß, H., Neuhäuser, G. & Sohns, A. (2004). Soziale Arbeit in der Frühförderung und Sozialpädiatrie. München: Reinhardt UTB. Kapitel 10: Der Studiengang Bildung und Förderung in der Kindheit (Bachelor of Arts) 129

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Zusammenfassung

Gesundheit braucht kluge Köpfe – seit zehn Jahren leistet die SRH Hochschule für Gesundheit dazu ihren Beitrag. Gesundheit ist ein zentraler Wirtschaftszweig in allen Industrienationen. In Zeiten des demografischen Wandels wächst er dynamisch. Zusätzlich verändern sich Verständnis und Menge unseres Wissens über Gesundheit. Die wichtigste Ressource zur Bewältigung dieser gesellschaftlichen Herausforderungen ist Bildung. Orientiert an den Interessen der Studierenden eröffnet die SRH Hochschule für Gesundheit jungen Menschen neue Chancen, an diesem Wandel teilzuhaben. Sie begegnen dabei modernen Ausbildungswegen, einer umfassenden Verzahnung von Theorie und Praxis und anspruchsvollen Forschungsprojekten. Die staatlich anerkannte, private SRH Hochschule für Gesundheit ist Teil des bundesweiten Netzwerkes der SRH-Gruppe. In ihren Gesundheits- und Bildungseinrichtungen engagieren sich über 13.000 Beschäftigte und ebenso viele Studierende. Dieser Band gibt einen Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt der Hochschule. Gleichzeitig berichtet er vom Aufbruch in eine Gesundheitswelt im Wandel. Vorgestellt werden die aktuell 15 Bachelor- und Masterstudiengänge in fünf verschiedenen Studienmodellen an sieben Standorten. Es werden Einblicke gegeben in Bachelor- und Masterthesen der vergangenen Jahre, sowie in aktuelle Forschungsprojekte. Viele kluge Köpfe hat die SRH Hochschule für Gesundheit für das Berufsleben qualifiziert. Im Wissen darum, dass innovative Bildung unersetzbar ist, werden viele weitere folgen.