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Dennis Wernstedt

Wer bewältigt was für wen?, page 1 - 10

Eine gouvernementale Analyse zur Bewältigung von chronischer Erkankung beim Übergang ins Erwachsenenleben

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3938-0, ISBN online: 978-3-8288-6837-3, https://doi.org/10.5771/9783828868373-1

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 80

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Sozialwissenschaften Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Sozialwissenschaften Band 80 Dennis Wernstedt Wer bewältigt was für wen? Eine gouvernementale Analyse zur Bewältigung von chronischer Erkrankung beim Übergang ins Erwachsenenleben Tectum Verlag Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Als Dissertation im Jahr 2015 an der Universität Bremen unter dem Original titel „Chronisch krank beim Übergang ins Erwachsenenleben – Krankheitsbewältigung junger Menschen mit Morbus Crohn“ angenommen. Dennis Wernstedt Wer bewältigt was für wen? Eine gouvernementale Analyse zur Bewältigung von chronischer Erkrankung beim Übergang ins Erwachsenenleben Reihe: Sozialwissenschaften; Bd. 80 © Tectum Verlag – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2017 ISBN: 978-3-8288-6837-3 ISSN: 1861-8049 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-3938-0 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlaggestaltung: Tectum Verlag, unter Verwendung des Bildes # 85033667 von Vjom, www.fotolia.de Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de 1 Danksagung Diese Studie ist unter dem Einfluss zahlreicher Menschen und Institutionen gewachsen, die mir bei der Realisierung fördernd und unterstützend zur Seite standen und denen mein herzlicher Dank gilt. Überhaupt möglich wurde diese Arbeit durch die Studienförderung der Hans-Böckler-Stiftung, die mein Promotionsvorhaben ideell sowie finanziell im Rahmen des Promotionskollegs „NutzerInnenorientierte Gesundheitssicherung“ am Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen gefördert hat. Ich danke ganz herzlich Prof. Dr. Ingrid Darmann-Finck als Betreuerin des Kollegs und meinen MitstreiterInnen Dr. Miriam Richter, Dr. Rosa Mazzola, Dr. Gerlinde Klimasch, Nicki Gobrecht, Tim Ellermann und Birte Luther. In diesem Promotionskolleg erhielt ich unzählige und unschätzbare Anregungen und gewinnbringende Kritiken innerhalb eines sehr solidarischen, interdisziplinär orientierten und unterstützenden Forschungsklimas. Für die wertschätzende Betreuung, die Inspirationen, kritischen Anmerkungen, die Ermutigung und Unterstützung danke ich ganz besonders meinem Doktorvater Prof. Dr. Henning Schmidt-Semisch. Den Teilnehmenden der beiden Forschungswerkstätten, zum einen des IPP sowie der Abteilung 6 „Gesundheit und Gesellschaft“ am IPP unter der Leitung von Prof. Dr. Henning Schmidt-Semisch, in der auch ich tätig war, verdanke ich durch die vielen produktiven Diskussionen die Schärfung meiner Fragestellung und die Erkenntnis, dass es manchmal richtig ist, einen eingeschlagenen Weg zu verlassen. Einen herzlichen Dank ebenso an meine Zweitgutachterin Prof. Dr. Veronika Müller für die inhaltliche Unterstützung im Promotionsprozess und an Prof. Dr. Verena Klusmann als Mitglied der Prüfungskommission Dr. Mona Urban danke ich für die Begleitung in der Abschlussphase mit den vielen lebhaften Debatten zu zentralen Thesen und Ergebnissen dieser Arbeit. Liebe Interviewpartnerinnen und Interviewpartner, euch danke ich für euer Vertrauen, das ihr mir geschenkt und die Einsichten, die ihr mir gegeben habt. Für die Hilfe bei der Fertigstellung dieser Publikation möchte ich mich sehr herzlich bei Maria Grohme-Eschweiler für das sorgfältige Lektorat bedanken. Des Weiteren danke ich Werner Fiedler und Iris Henkel von der Hans-Böckler-Stiftung für ihren Support und die Ermöglichung meines Auslandspraktikums bei der Crohn‘s & Colitis Foundation of America sowie Kathleen Newbould, die mich bei meinem Aufenthalt in Seattle und beim Camp Oasis so toll unterstützt hat. 2 Und nicht zuletzt möchte ich mich bei meiner Familie und meinen Freunden und Freundinnen von ganzem Herzen bedanken, für das Ermuntern, das Aushalten, manchmal auch das einfach nur Ablenken, auf jeden Fall aber immer dafür, dass man weiß, wofür man das alles macht. Bremen, im September 2017 Dennis Wernstedt 3 Inhalt 1. Einleitung: Wer bewältigt was für wen? ........................................................ 7 1.1. „Wer bewältigt was für wen?“ – Die Begründung der Fragestellung und Darstellung des Forschungsstandes ........................................................ 10 1.2. Theoretische Grundlagen ............................................................................. 14 1.3. Methodologie, Aufbau und Vorgehen .......................................................... 15 2. Moderne Herrschaft und Foucaults Konzept der Gouvernementalität ........ 19 2.1. Foucaults Ausgangspunkt und Fragestellung ................................................ 19 2.2. Der historische Übergang zu moderner Herrschaft: Die Geburt der Gouvernementalität ............................................................. 20 2.3. Gouvernementalität als Analysemodell moderner Herrschaft ....................... 23 2.4. Regierung und regiertes Subjekt ................................................................... 24 2.5. Macht und Diskurs ...................................................................................... 26 2.6. „Herrschaftstechniken“ und „Technologien des Selbst“ ................................ 28 2.6.1. Die Biomacht ................................................................................... 30 2.6.2. Die Disziplinarmacht ....................................................................... 33 2.6.3. Das „Unternehmerisches Selbst“ ...................................................... 36 2.6.4. Kultur als Führungstechnik und die Kultur des Selbst ...................... 40 2.6.5. Das Empowerment .......................................................................... 44 2.6.6. Versubjektivierung und Eigensinn .................................................... 46 2.7. Resümee ....................................................................................................... 50 3. Gesundheit und Krankheit ......................................................................... 51 3.1. Die Konstruktion von Gesundheit und Krankheit ....................................... 52 3.2. Gesundheit und Krankheit im Spannungsfeld von Machtinteressen ............. 55 3.3. Gesundheit als gesellschaftliche Funktion ..................................................... 57 3.4. Gesundheit als individuelles Risiko ............................................................... 60 3.5. Auf dem Weg zu einer positiven Bestimmung von Gesundheit? ................... 62 3.6. Der Paradigmenwechsel der Salutogenese ..................................................... 65 3.7. Subjektive Theorien von Gesundheitsverständnis und -vorstellungen ........... 67 4 3.8. Was ist also Gesundheit? – Eine kritische Standortbestimmung ................... 70 3.9. Resümee ....................................................................................................... 74 4. Lebensphase Jugend – Das Leben in und mit der Statuspassage ................. 75 4.1. Konzepte von Sozialisation und Betrachtung von Jugend ............................. 76 4.2. Der Körper und seine Bedeutungen für die Identitätskonstruktion .............. 83 4.3. Die Rolle von Familie und Peer-Groups ....................................................... 88 4.4. Perspektive auf das Erwachsenen- und Erwerbsleben .................................... 91 4.5. Gelingende oder misslingende Bewältigung? ................................................ 92 5. Morbus Crohn – Die Betrachtung einer besonderen Bewältigungsaufgabe .................................................................................. 99 5.1. Epidemiologie, Ätiologie und Risikofaktoren ............................................... 99 5.2. Klinische Symptomatik und Verlaufsformen .............................................. 102 5.3. Die Diagnostik ........................................................................................... 105 5.4. Der Therapeutische Ansätze ....................................................................... 107 5.4.1. Die Konservative Therapie ............................................................. 107 5.4.2. Die Chirurgische Therapie ............................................................. 109 5.5. Psychische Aspekte des Morbus Crohn ....................................................... 110 5.6. Resümee ..................................................................................................... 113 6. Bewältigungsforschung ............................................................................. 117 6.1. Eine erste Annäherung an den Begriff Bewältigung .................................... 118 6.2. Piaget und das basale Konzept der Bewältigung .......................................... 119 6.2.1. Die Adaption als Assimilation und Akkommodation ..................... 120 6.2.2. Die Äquilibration ........................................................................... 123 6.2.3. Ein kurzer Exkurs in die Welt des Sozialen bei Piaget und eine erste Richtungsweisung .................................................... 125 6.3. Corbin und Strauss ..................................................................................... 128 6.3.1. Bewältigung als Arbeit .................................................................... 130 6.3.2. Vom „gestörten Körper“ und dem Beschreiten der „diagnostischen Phase“ ............................................................. 132 6.3.3. Das Konzept der Verlaufskurve ...................................................... 134 6.3.4. Die Biografische Körperkonzeptionen ............................................ 138 5 6.3.5. Bewältigungsaufgabe des kranken Menschen – „Das Leben wieder zu einem Ganzen zusammensetzen“ .................................... 141 6.3.6. Abschließende Betrachtung des Konzepts und eine kritische Nachfrage .......................................................... 144 6.4. Antonovsky und die Salutogenese ............................................................... 146 6.4.1. Generalisierte Widerstandsressourcen ............................................. 149 6.4.2. Das Kohärenzgefühl ....................................................................... 150 6.4.3. Die Verstehbarkeit ......................................................................... 152 6.4.4. Die Handhabbarkeit ...................................................................... 154 6.4.5. Die Bedeutsamkeit ......................................................................... 155 6.4.6. Das Verhältnis der drei Komponenten zueinander ......................... 157 6.4.7. Abschließende Diskussion .............................................................. 161 6.5. Das Psychotherapeutische Interventionsmodell bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nach Sachse ................... 165 6.5.1. Über das psychologische Modell und das therapeutische Konzept .......................................................................................... 166 6.5.2. Die „Funktionsvariablen“ der Handlungsregulation: Alienation, Unzufriedenheit, Lage-Orientierung, Außenorientierung und Selbstkonzept ................................................................................. 167 6.5.3. Merkmalsausprägungen der Funktionsvariablen bei Menschen mit CED ................................................................. 171 6.5.4. Diskussion der Merkmalsausprägungen .......................................... 173 6.5.5. Das Therapeutische Konzept .......................................................... 176 6.5.5.1. Die Kontaktaufnahme ............................................................ 177 6.5.5.2. Die Bearbeitung der Bearbeitung ........................................... 180 6.5.5.3. Die inhaltliche Arbeit ............................................................. 180 6.5.6. Abschließende Betrachtung des therapeutischen Ansatzes .............. 182 7. Ergebnisse: Wer bewältigt was für wen? Oder: Eine kritische Betrachtung von Bewältigungstheorien .................................................... 185 7.1. Bewältigungshandeln – Ein komplexes Phänomen ..................................... 185 7.2. Wer bewältigt denn nun was für wen? ........................................................ 189 7.2.1. Die Frage nach dem „Wer“ ............................................................ 189 7.2.2. „Was“ gilt es zu bewältigen? ........................................................... 190 6 7.2.3. Für „wen“ bewältigt das Subjekt? ................................................... 192 7.3. Die Gouvernementalität und „Wer bewältigt was für wen?“ ....................... 192 7.4. Ausblick - oder: Was folgt aus der Antwort auf die Frage „Wer bewältigt was für wen?“ ..................................................................... 196 Literaturverzeichnis .......................................................................................... 197

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Zusammenfassung

Schnell ist man geneigt zu sagen, das Bewältigen einer chronischen Erkrankung sei „na, für einen selbst!“ – und weiß doch, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Tatsächlich wird eine nicht zu vernachlässigende Menge an Anforderungen und Erwartungen erst durch unser Umfeld, die Familie, die Schule, den Arbeitsmarkt oder ganz allgemein durch die Gesellschaft an uns herangetragen. Wo aber kommt der erkrankte Mensch in den an ihn gestellten Anforderungen vor, was sind die Kriterien für ein „erfolgreiches Bewältigen“ einer chronischen Erkrankung und wer legt diese fest?

Anhand dieser Fragen und unter besonderer Berücksichtigung der Erwartungen an chronisch Erkrankte im Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter wagt Dennis Wernstedt einen kritischen Blick auf die gesellschaftliche Einflussnahme auf das individuelle Bewältigungshandeln. Mithilfe eines gouvernementalitätstheoretischen Ansatzes macht der Autor deutlich, wie gesellschaftliche Normvorstellungen ihre Internalisierung darüber erfahren, dass das bewältigende Subjekt sich selbst bereitwillig zum Aktivisten ihrer Umsetzung macht.