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18 Das realisierenswerte Glück: echt, sinnhaft, moralisch, legitim und würdig in:

Hendrik Wahler

Das gute Leben, page 241 - 242

Ethik als integratives System einer transdisziplinären Humanwissenschaft

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-3934-2, ISBN online: 978-3-8288-6829-8, https://doi.org/10.5771/9783828868298-241

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Philosophie, vol. 30

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
241 18 Das realisierenswerte Glück: echt, sinnhaft, moralisch, legitim und würdig Die normativ-ethische Analyse des letzten Ziels menschlichen Strebens (Kap. 12) resultierte in der Formulierung eines philosophisch-qualifizierten Glücksbegriffs. Dieses Glück wurde seinen verschiedenen Facetten nach ausbuchstabiert als echtes (Kap. 13), sinnhaftes (Kap. 14), moralisches (Kap. 15), legitimes (Kap. 16) und würdiges (Kap. 17) Glück. Damit hat die normative Ethik ihre Aufgabe eingelöst, das Glück in epistemischer sowie in moralisch-legitimer Hinsicht zu rechtfertigten und zu normieren. Daraus entspringt ein übergreifendes, philosophisch begründetes Glück, das als universales Strebensziel des guten Lebens gelten und als wertvolles Glück bezeichnet werden kann. Damit darf nicht nur von einem (in diffuser Form) natürlicherweise gewünschten, sondern darüber hinaus auch von einem des Wünschens werten Glück gesprochen werden. In diesem Glück kann sich der Mensch nicht nur als sinnlich genießendes, sondern auch als existenziell-freies, bedeutungs-interessiertes, moralfähiges und glückswürdiges Lebewesen wiederfinden. Ein derart ethisch normiertes Glück nimmt also den ganzen Menschen (im Sinne von Kap. 8) in Anspruch und reduziert sich nicht auf eine bloß triebhaft-sinnliche oder eine bloß asketisch-geistige Komponente. Der pragmatischen Ethik kann damit nun ein philosophisch qualifiziertes Glück zur Verwirklichung übergeben werden, von dem sich zu Recht sagen lässt, dass es ein realisierenswertes Glück darstellt, für das sich die pragmatische Anstrengung in jedem Fall lohnt.

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Zusammenfassung

Während „das gute Leben“ in der antiken Ethik noch im Zentrum des Philosophierens steht, erfolgt mit der Moralphilosophie Kants eine Abkehr der philosophischen Ethik vom Glück des Individuums – zugunsten einer reinen über-individuellen Moralität. Diese Vorherrschaft des Normativen prägt bis heute die deutschsprachige Ethikdiskussion. Im Angesicht der vielfältigen Bedingungen und Anforderungen, denen sich ein ethisches Subjekt ausgesetzt sieht, grenzt eine rein normative Ethik aber wesentliche Dimensionen des ethischen Handelns aus sachfernen Gründen aus und kann in diesem Sinne als reduktionistisch gelten. Hendrik Wahler legt demgegenüber nun eine unverkürzte „Ethik des guten Lebens“ vor – konzipiert als integratives System einer transdisziplinären Humanwissenschaft. Diese Ethik erfasst das gute Leben in allen wesentlichen Dimensionen und behandelt entsprechend die existenziellen, normativen und pragmatischen Grundfragen der individuellen Lebensführung.