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10 Das letzte Ziel des menschlichen Strebens in:

Hendrik Wahler

Das gute Leben, page 185 - 186

Ethik als integratives System einer transdisziplinären Humanwissenschaft

1. Edition 2018, ISBN print: 978-3-8288-3934-2, ISBN online: 978-3-8288-6829-8, https://doi.org/10.5771/9783828868298-185

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Philosophie, vol. 30

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
185 10 Das letzte Ziel des menschlichen Strebens Die phänomenologisch-anthropologische Explikation der menschlichen Existenz, wie sie im Rahmen der existenziellen Ethik nun durchgeführt worden ist (Teil II), ging vom zentralen ethischen Modus des Wollens aus, der auch im Zentrum der EgL steht (Kap. 7). In diesem Wollen zeigte sich ein universales menschliches Streben als ein Grundcharakteristikum der ethischen Situation. Das Objekt dieses Wollens, also das Ziel des universalen menschlichen Strebens, ist bisher bewusst offengeblieben. Und in der Tat ist die Rede von einem universalen (allen Menschen gemeinsamen) letzten Strebensziel in Anbetracht der Pluralität und Individualität menschlicher Lebensformen durchaus waghalsig. Es gilt nun im Rahmen der normativen Ethik zu untersuchen, ob sich ein solches letztes Ziel ausweisen lässt (Kap. 12.1). Anschließend gilt es, dieses Ziel daraufhin zu überprüfen, ob es in seiner Natürlichkeit bereits einen philosophischen Wert besitzt, oder ob das Ziel des Wollens modifiziert werden muss, um sich auch als wesenhaft wertvolles Ziel des guten Lebens zu qualifizieren (Kap. 13-17). Soweit es der normativen Ethik gelingen wird, ein im vollen Sinne erstrebenswertes Ziel herauszuarbeiten, darf dieses – qua realisierenswertes Ziel (Kap. 18) – der pragmatischen Ethik zur Verwirklichung übergeben werden (Teil IV).

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Zusammenfassung

Während „das gute Leben“ in der antiken Ethik noch im Zentrum des Philosophierens steht, erfolgt mit der Moralphilosophie Kants eine Abkehr der philosophischen Ethik vom Glück des Individuums – zugunsten einer reinen über-individuellen Moralität. Diese Vorherrschaft des Normativen prägt bis heute die deutschsprachige Ethikdiskussion. Im Angesicht der vielfältigen Bedingungen und Anforderungen, denen sich ein ethisches Subjekt ausgesetzt sieht, grenzt eine rein normative Ethik aber wesentliche Dimensionen des ethischen Handelns aus sachfernen Gründen aus und kann in diesem Sinne als reduktionistisch gelten. Hendrik Wahler legt demgegenüber nun eine unverkürzte „Ethik des guten Lebens“ vor – konzipiert als integratives System einer transdisziplinären Humanwissenschaft. Diese Ethik erfasst das gute Leben in allen wesentlichen Dimensionen und behandelt entsprechend die existenziellen, normativen und pragmatischen Grundfragen der individuellen Lebensführung.