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6 Hypothesen in:

Yvonne Lüdecke

You never vote alone, page 129 - 138

Das Sozialkapital, die Wahlnorm und die Wahlbeteiligung

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-4022-5, ISBN online: 978-3-8288-6816-8, https://doi.org/10.5771/9783828868168-129

Tectum, Baden-Baden
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129 6 Hypothesen Im Folgenden werden die zu überprüfenden Hypothesen formuliert. Diese werden aus der theoretischen Grundlage des Sozialkapitals nach Putnam und dem bisherigen Forschungsstand abgeleitet. Dabei sind die Hypothesen thematisch in Unterkapitel eingeteilt. Zunächst werden die Hypothesen zum Overreporting und der Overrepresentation vorgestellt, gefolgt von den Hypothesen zum Kausalmodell für Deutschland. Abschließend werden die Hypothesen zum Kausalmodell auf europäischer Ebene erläutert. 6.1 Hypothesen zum Overreporting und der Overrepresentation Mit den vorliegenden Daten ist es nicht möglich zwischen dem Overreporting und der Overrepresentation zu unterscheiden, deshalb soll die Overrepresentation mit Hilfe zweier Proxys kontrolliert werden. Die ersten vier Hypothesen beziehen sich auf das Overreporting, während sich die letzten zwei Hypothesen auf die Overrepresentation beziehen. Die Höhe der amtlichen Wahlbeteiligung beeinflusst die Overreporting-Werte der einzelnen Länder. Zum einen ist das Overreporting rein rechnerisch durch den Prozentsatz der Nichtbeteiligung an der Wahl, das sog. Overreportingpotenzial, begrenzt. Zum anderen sollte eine höhere Wahlbeteiligung zu einem geringeren Overreporting führen, da Menschen mit unsteter Wahlvergangenheit, die zu den potentiellen Overreportern gehören, mit höherer Wahrscheinlichkeit tatsächlich gewählt haben. 130 Yvonne Lüdecke | You never vote alone – Das Sozialkapital, die Wahlnorm und die Wahlbeteiligung H1.1: Je höher die amtliche Wahlbeteiligung ausfällt, desto geringer sollte das Overreporting auftreten. Befragte in Ländern mit einer gesetzlichen Wahlpflicht sollten weniger zu Overreporting neigen als Befragte in Ländern ohne Wahlpflicht. Die Wahlbeteiligungsrate in Ländern mit einer gesetzlichen Wahlpflicht ist üblicherweise sehr hoch, sodass das Overreportingpotential sehr klein ist und für die Befragten kaum eine Notwendigkeit besteht die Wahlteilnahme vorzutäuschen. H1.2: Das Overreporting sollte in Ländern mit einer gesetzlichen Wahlpflicht geringer ausfallen, als das Overreporting in Ländern ohne Wahlpflicht. In Ländern, in denen die Wahlnorm stark wahrgenommen wird, werden die Befragten aufgrund des sozialen Drucks eher behaupten, sie hätten gewählt, obwohl sie Nichtwähler sind. Hierbei handelt es sich um bewusstes Overreporting. H1.3: Je höher die aggregierte Wahlnorm, desto höher ist das Overreporting. Die Befragten können sich möglicherweise nicht mehr genau erinnern, ob sie gewählt haben oder nicht. Je länger die letzte Wahl zurückliegt, desto schwieriger fällt es den Befragten sich zu erinnern. Besonders die Wähler mit einer unsteten Wahlvergangenheit könnten davon betroffen sein, aber auch politisch weniger Interessierte.73 Das Overreporting erfolgt in diesem Fall eher unbewusst. H1.4: Je größer der zeitliche Abstand zwischen der Befragung und der letzten nationalen Wahl, desto höher ist das Overreporting. In Befragungen mit einer niedrigen Responserate ist die Stichprobe durch die Selbstselektion der Befragten verzerrt. Politisch Interessierte und Wähler sind überrepräsentiert, sodass die Differenz zwischen der amtlichen und der berichteten Wahlbeteiligungsrate durch die 73 In dieser Arbeit können die genauen Gründe des Vergessens aufgrund der vorliegenden Daten nicht erforscht werden. Es kann lediglich der Effekt des zeitlichen Abstands modelliert werden. 131 6 Hypothesen Overrepresentation größer sein sollte, als in Befragungen mit einer hohen Responserate. H1.5: Je niedriger die Responserate der Befragung ist, desto höher fällt das Overreporting inklusive der -representation aus. Befinden sich viele Befragten mit einem Hochschulabschluss in der Stichprobe, ist mit einer erhöhten selbstberichteten Wahlbeteiligungsrate zu rechnen. Dies liegt erstens daran, dass in dieser Bevölkerungsgruppe überproportional viele wahre Wähler enthalten sind und zweitens neigen sie eher dazu ihre Wahlbeteiligung vorzutäuschen. Der prozentuale Anteil der Befragten mit tertiärer Bildung dient als Kontrollvariable für die Verzerrung der Responserate. H1.6: Je höher der prozentuale Anteil der Befragten mit tertiärer Bildung, desto höher fällt das Overreporting inklusive der -representation aus. Die Überprüfung dieser Hypothesen wird in Kapitel 8.1 berichtet. 6.2 Hypothesen zum deutschen Kausalmodell Wie in Kapitel 2.1 beschrieben, wird in der vorliegenden Arbeit von Putnams Verständnis des Sozialkapitals im demokratischen Sinne ausgegangen. Das Sozialkapital wird im metaphorischen Sinn als Integration innerhalb der Gesellschaft verstanden und wird durch drei Komponenten repräsentiert. H2.1: Das Sozialkapital besteht aus drei Komponenten: Den Netzwerken des zivilgesellschaftlichen Engagements, dem Vertrauen und der Wohltätigkeitsnorm. Putnams Beschreibung der Zusammenhänge der einzelnen Komponenten legt einen reziproken Zusammenhang nahe (Putnam 1993a: 170). Die Auswahl der jeweiligen Variablen zur Abbildung des Vertrauens, der Netzwerke und der Wohltätigkeitsnorm sollten ebenfalls in einem engen Zusammenhang stehen. H2.2: Das Zusammenspiel dieser drei Komponenten bildet ein latentes Konstrukt: Das Sozialkapital. 132 Yvonne Lüdecke | You never vote alone – Das Sozialkapital, die Wahlnorm und die Wahlbeteiligung Das Sozialkapital sollte sich positiv auf die Wahlnorm auswirken. Personen, die in der Gesellschaft integriert sind und hohe Werte für die Sozialkapitalindikatoren aufweisen, sollten am Gemeinwohl der Gesellschaft interessiert sein (Putnam 1993a: 88). Dementsprechend sollten sie die Wahlnorm stärker wahrnehmen als Personen, die weniger integriert sind und geringere Werte für die Sozialkapitalindikatoren aufweisen. Je höher das Sozialkapital bzw. je stärker die Einbindung in die Gesellschaft, desto eher wird die Wahlbeteiligung als staatsbürgerliche Pflicht74 wahrgenommen. Für die einzelnen Komponenten gilt: H2.3.1: Je stärker die Menschen in Vereine integriert sind, desto stärker nehmen sie eine moralische Pflicht zu wählen wahr. H2.3.2: Je stärker die Befragten ihren Mitmenschen vertrauen, desto stärker nehmen sie eine moralische Pflicht zu wählen wahr. H2.3.3: Je stärker die Menschen die moralische Verpflichtung, Menschen zu helfen, denen es schlecht geht, wahrgenommen wird, desto stärker nehmen sie eine moralische Pflicht zu wählen wahr. Zusätzlich zu den Vermutungen über die Richtung der Effekte, gibt es Vermutungen über ihre Effektstärke. Das strukturelle Sozialkapital wirkt direkt auf die Wahlnorm und sollte daher den stärksten Effekt haben. Das kulturelle Sozialkapital wirkt hingegen weniger direkt75, weshalb die Koeffizienten etwas weniger stark sein sollten. Bei dem Vertrauen wird vermutet, dass der »belief in the benignity of one’s fellow citizen is directly related to one’s propensity to join with others in political activity« (Almond / Verba 1963: 285). Bei der Wohltätigkeitsnorm wird vermutet, dass Personen, die diese akzeptieren auch die Wahlnorm für wichtig halten. Campbell et al. (1960) fassen den Zusammenhang zwischen der Wahlnorm und der Wahlbeteiligung sehr treffend zusammen. Es werden zwei Wirkungsweisen der Wahlnorm dargestellt: 74 Zustimmung, ob die Wahlteilnahme ein Merkmal eines guten Bürgers ist. 75 Die Komponenten wirken hier in erster Linie als Bestandteil des »unsichtbaren« latenten Konnstrukts und erst an zweiter Stelle als Komponenten an sich. 133 6 Hypothesen »Wide currency in American society is given the idea that the individual has a civic responsibility to vote. When this norm becomes a part of the value system of the individual, as it has for most of our citizens, it may be regarded as a force acting directly on the turnout decision« (Campbell et al. 1960: 105). Zum einen wird die Wahlnorm innerhalb der Gesellschaft anerkannt und darüber hinaus kann sie im individuellen Wertesystem der Bürger internalisiert werden. Bei ersterem würde man von der wahrgenommenen Wahlnorm sprechen und bei letzterem von der internalisierten. Auf Grund des vorliegenden Indikators ist lediglich die Überprüfung der wahrgenommenen Wahlnorm möglich. H2.4: Je stärker die moralische Pflicht zu wählen wahrgenommen wird, desto eher beteiligen sich die Befragten an der Wahl. Die Überprüfung der Hypothesen 2.1 bis 2.4 findet sich in Kapitel 8.4.1 und 8.4.2. Den Abschluss der empirischen Analysen bildet ein Modell mit Kontrollvariablen, denn Sozialkapital-Faktoren sind »für die Erklärung politischer Partizipation wichtig, sie bedürfen aber der Ergänzung durch die traditionellen Ansätze der Partizipationsforschung« (Kunz / Gabriel 2000: 71). Zu diesem Zweck werden im letzten Modell einige Einflussfaktoren aus der Partizipationsforschung eingefügt. Es handelt sich hierbei um die Bildungsjahre und das Einkommen, die sich sowohl auf die Wahrnehmung der Wahlnorm als auch auf die Wahlbeteiligung auswirken sollten. Die Religionszugehörigkeit, die Mobilität, das Alter und das Geschlecht sollten sich hauptsächlich auf die Wahrnehmung der Wahlnorm auswirken. 134 Yvonne Lüdecke | You never vote alone – Das Sozialkapital, die Wahlnorm und die Wahlbeteiligung 6.3 Hypothesen zum europäischen Kausalmodell Die Annahmen bezüglich des Sozialkapitals, der Wahlnorm und der Wahlbeteiligung gelten nicht nur für Deutschland. Die Hypothesen werden deshalb auch für Europa überprüft.76 H3.1: Die drei Komponenten des Sozialkapitals finden sich auch in Europa wieder. Die Struktur des Sozialkapitals sollte für alle Länder gelten, denn die einzelnen Komponenten sollten unabhängig von kulturellen und nationalen Grenzen das latente Konstrukt des Sozialkapitals abbilden. H3.2: Die Komponenten stehen europaweit in einem positiven, reziproken Verhältnis zueinander. In Kapitel 5.5 wurden die Effekte einiger Sozialkapitalindikatoren auf die Wahlnorm für Europa berichtet, daher sollten sich dieselben Effekte im Gesamtmodell zeigen. H3.3.1: Je stärker die Europäer in Vereine integriert sind, desto stärker nehmen sie die moralische Pflicht zu wählen wahr. H3.3.2: Je stärker die Europäer ihren Mitmenschen vertrauen, desto stärker nehmen sie die moralische Pflicht zu wählen wahr. H3.3.3: Je stärker die Europäer die moralische Verpflichtung wahrnehmen, Menschen zu helfen, denen es schlecht geht, desto stärker nehmen sie die moralische Pflicht zu wählen wahr. Der Effekt der Wahlnorm auf die Wahlbeteiligung wurde bereits in vielen Ländern überprüft (siehe Kapitel 5.6), sodass vermutet werden kann ihn auch im Gesamtmodell anzutreffen. H3.4: Je stärker die europäischen Befragten die moralische Pflicht zu wählen wahrnehmen, desto eher beteiligen sie sich an der Wahl. Die Struktur des Sozialkapitals sollte in allen europäischen Ländern identisch sein, dennoch sollte sich die Stärke des Sozialkapitals bzw. 76 Siehe Kapitel 5.1. Es gab in so vielen europäischen Ländern Untersuchungen, die das Sozialkapital nach Putnam modelliert haben, daher sollte das Modell europaweit gelten und auch die Messung im ESS impliziert die Annahme, dass das Sozialkapital europaweit auf gleiche Art und Weise gemessen werden kann. 135 6 Hypothesen das Klima der jeweiligen Gesellschaft von anderen unterscheiden. Diese Unterschiede beruhen auf kulturellen, historischen und ökonomischen Differenzen. H3.5: Die Stärke des Sozialkapitals unterscheidet sich zwischen den europäischen Ländern. Die Wahlnorm ist ein Teil der politischen Kultur und wird deshalb in jedem Land unterschiedlich stark wahrgenommen. H3.6: Die Wahlnorm wird europaweit unterschiedlich stark wahrgenommen. Die Hypothesen für Europa werden in Kapitel 8.5 überprüft. 136 Yvonne Lüdecke | You never vote alone – Das Sozialkapital, die Wahlnorm und die Wahlbeteiligung Ta be lle 7 : Zu sa m m en fa ss un g de r H yp ot he se n Th em en ge bi et H yp oth es e Er w ar te te W ir ku ng / Z usa m m en ha ng Ka pi te l O ve rr ep or ti ng H 1. 1 Je h öh er d ie a m tli ch e W ah lb et ei lig un g au sf äl lt, d es to g er in ge r d as O ve rr ep or tin g. N eg at iv er Z usa m m en ha ng 8. 1 H 1. 2 D as O ve rr ep or tin g so llt e in L än de rn m it ei ne r g es et zl ic he n W ah lp fli ch t g er in ge r au sf al le n, a ls d as O ve rr ep or tin g in L än de rn o hn e W ah lp fli ch t. 8. 1 H 1. 3 Je h öh er d ie a gg re gi er te W ah ln or m , d es to h öh er is t d as O ve rr ep or tin g. Po si tiv er Z usa m m en ha ng 8. 1 H 1. 4 Je g rö ße r d er z ei tli ch e A bs ta nd z w is ch en d er B ef ra gu ng u nd d er le tz te n na tio na le n W ah l, de st o hö he r i st d as O ve rr ep or tin g. Po si tiv er Z usa m m en ha ng 8. 1 H 1. 5 Je n ie dr ig er d ie R es po ns er at e de r B ef ra gu ng is t, de st o hö he r f äl lt da s O ve rr ep or tin g in kl us iv e de r re pr es en ta tio n au s. N eg at iv er Z usa m m en ha ng 8. 1 H 1. 6 Je h öh er d er p ro ze nt ua le A nt ei l d er B ef ra gt en m it te rt iä re m B ild un gs ab sc hl us s, d es to hö he r f äl lt da s O ve rr ep or tin g in kl us iv e de r re pr es en ta tio n au s. Po si tiv er Z usa m m en ha ng 8. 1 Ka us al m od el l fü r D eu ts ch la nd H 2. 1 D as S oz ia lk ap ita l b es te ht a us d re i K om po ne nt en : D en N et zw er ke n de s zi vi lg es el lsc ha ft lic he n En ga ge m en ts , d em V er tr au en u nd d er W oh ltä tig ke its no rm . 8. 4. 1 H 2. 2 D as Z us am m en sp ie l d ie se r d re i K om po ne nt en b ild et e in la te nt es K on st ru kt : D as So zi al ka pi ta l. Po si tiv er , re zi pr ok er Z usa m m en ha ng 8. 4. 1 H 2. 3. 1 Je s tä rk er d ie B ef ra gt en in V er ei ne in te gr ie rt s in d, d es to s tä rk er n eh m en s ie e in e m or al is ch e Pfl ic ht z u w äh le n w ah r. Po si tiv er Z usa m m en ha ng 8. 4. 2 137 6 Hypothesen H 2. 3. 2 Je s tä rk er d ie B ef ra gt en ih re n M itm en sc he n ve rt ra ue n, d es to s tä rk er n eh m en s ie e in e m or al is ch e Pfl ic ht z u w äh le n w ah r. Po si tiv er Z usa m m en ha ng 8. 4. 2 H 2. 3. 3 Je s tä rk er d ie m or al is ch e Ve rp fli ch tu ng , M en sc he n zu h el fe n, d en en e s sc hl ec ht g eh t, w ah rg en om m en w ird , d es to s tä rk er n eh m en s ie e in e m or al is ch e Pfl ic ht z u w äh le n w ah r. Po si tiv er Z usa m m en ha ng 8. 4. 2 H 2. 4 Je s tä rk er d ie m or al is ch e Pfl ic ht z u w äh le n w ah rg en om m en w ird , d es to e he r b et ei lige n si ch d ie B ef ra gt en a n de r W ah l. Po si tiv er Z usa m m en ha ng 8. 4. 2 Ka us al m od el l fü r E ur op a H 3. 1 D ie d re i K om po ne nt en d es S oz ia lk ap ita ls fi nd en s ic h au ch in E ur op a w ie de r. 8. 5. 1 H 3. 2 D ie K om po ne nt en s te he n eu ro pa w ei t i n ei ne m p os iti ve n, re zi pr ok en V er hä ltn is zu ei na nd er . Po si tiv er , re zi pr ok er Z usa m m en ha ng 8. 5. 1 H 3. 3. 1 Je s tä rk er d ie E ur op äe r i n Ve re in e in te gr ie rt s in d, d es to s tä rk er n eh m en s ie d ie m or alis ch e Pfl ic ht z u w äh le n w ah r. Po si tiv er Z usa m m en ha ng 8. 5. 1 H 3. 3. 2 Je s tä rk er d ie E ur op äe r i hr en M itm en sc he n ve rt ra ue n, d es to s tä rk er n eh m en s ie d ie m or al is ch e Pfl ic ht z u w äh le n w ah r. Po si tiv er Z usa m m en ha ng 8. 5. 1 H 3. 3. 3 Je s tä rk er d ie E ur op äe r d ie m or al is ch e Ve rp fli ch tu ng w ah rn eh m en , M en sc he n zu he lfe n, d en en e s sc hl ec ht g eh t, de st o st är ke r n eh m en s ie d ie m or al is ch e Pfl ic ht z u w äh le n w ah r. Po si tiv er Z usa m m en ha ng 8. 5. 1 H 3. 4 Je s tä rk er d ie m or al is ch e Pfl ic ht z u w äh le n w ah rg en om m en w ird , d es to e he r b et ei lige n si ch d ie e ur op äi sc he n Be fr ag te n an d er W ah l. Po si tiv er Z usa m m en ha ng 8. 5. 2 H 3. 5 D ie S tä rk e de s So zi al ka pi ta ls u nt er sc he id et s ic h zw is ch en d en e ur op äi sc he n Lä nd er n. IC C≠ 0 8. 5. 4 H 3. 6 D ie W ah ln or m w ird e ur op aw ei t u nt er sc hi ed lic h st ar k w ah rg en om m en . IC C≠ 0 8. 5. 4

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Zusammenfassung

Bei Wahlen seine Stimme abzugeben gilt in Deutschland und vielen anderen Ländern als Pflicht eines jeden Bürgers, als eine ungeschriebene Norm. Der Ursprung dieser sogenannten „Wahlnorm“ und wie sich diese gegebenenfalls noch verstärken ließe, sind jedoch noch weitgehend unerforscht. Yvonne Lüdecke schließt diese Forschungslücke, indem sie das Konzept des Sozialkapitals von Robert D. Putnam auf die Wahlnorm anwendet. Unter dem Begriff des Sozialkapitals werden Mitgliedschaften in Vereinen, das Vertrauen in andere Menschen und die Selbstverpflichtung Hilfe zu leisten, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, zusammengefasst. Ist das Sozialkapital in der Lage, die Wahlnorm zusätzlich zu verstärken und die Bürger zur Stimmabgabe zu bewegen? Lässt sich die Wahlnorm tatsächlich nur durch zwischenmenschliche Kontakte und gemeinschaftliches Miteinander aufrechterhalten? Die Autorin beleuchtet diese Fragen und nähert sich so auch dem Charakter der Wahlnorm.