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Einführung in:

Henryk Grossmann

Schriften aus dem Nachlass, page 7 - 19

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3892-5, ISBN online: 978-3-8288-6811-3, https://doi.org/10.5771/9783828868113-7

Tectum, Baden-Baden
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7 Einführung Das wissenschaftliche Werk von Henryk Grossmann (1881–1950) ist heute weitgehend der Vergessenheit anheimgefallen. Anfangs in Österreich und Polen mit Arbeiten zur Wirtschafts- und Statistikgeschichte hervortretend, erwarb er sich eine Reputation durch seine seit 1925 am Frankfurter Institut für Sozialforschung entstandenen Beiträge zur marxistischen Wirtschaftstheorie. Sein ökonomisches Thema probandum, dargelegt in dem am Vorabend der Weltwirtschaftskrise von 1929 erschienenen ökonomischen Hauptwerk „Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems (Zugleich eine Krisentheorie)“ sowie in weiteren bis 1933 publizierten Arbeiten, blieb einer doppelten Frontstellung verhaftet. Einerseits erfolgte diese im Kontext der auch nach 1914 bis weit in die Zwischenkriegszeit, nun unter veränderten Vorzeichen aufscheinenden Richtungsauseinandersetzungen des Marxismus zunächst der Zweiten Internationale, sodann in Teilen der Dritten Internationale sowie in den sich abspaltenden Bewegungen des Linkssozialismus und Linkskommunismus, ob das Marxsche „Kapital“ die Endlichkeit des kapitalistischen Systems immanent belege. Andererseits galt sie der bereits unmittelbar nach Marx‘ Tod insbesondere von Seiten der akademischen Nationalökonomie aufgeworfenen Problemkonstellation, ob sich die Validität der Arbeitswerttheorie im I. Band des „Kapitals“ mit dem Übergang zur Preisebene im posthum durch Friedrich Engels herausgegebenen III. Band weiterhin aufrechterhalten lasse. Beide Fragen suchte Grossmann zeitgenössisch positiv zu beantworten. Nach 1933 behielt er diese Disposition bei, wobei sich der Fokus seines Interesses verschob, sowohl in einer Hinwendung zur Beschäftigung mit Themen der Wissenschaftsgeschichte als auch in seiner fortgesetzten ökonomischen Marx-Interpretation. Der Zivilisationsbruch von 1933–1945 hatte zudem zur Folge, dass die Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit seinem Werk weitgehend auf das Deutschland in der Endphase der Weimarer Republik beschränkt blieb. Von diesem Befund ausgenommen blieben jeweils ausgewählte Übersetzungen seiner Arbeiten ins Japanische (Tokio 1932/33), Tschechische (Prag 1937) und Serbokroatische (Belgrad 1938). Diese waren in ihrer Entstehung durch politische und persönliche Verbindungen geprägt: erstgenannte über Kontakte ins antikoloniale Milieu der Komintern vermittelt durch den seinerzeit ebenfalls am Frankfurter Institut für Sozialforschung lehrenden, zu dieser Zeit zugleich für die KPD tätigen Sinologen Karl August Wittfogel, letztgenannte über fortbestehende personale Verbindungslinien aus seiner Frankfurter Hoch- 8 schullehrertätigkeit sowie neu aufgenommene Beziehungen in der Emigration.1 Doch blieben damals solch partielle Übertragungen nach Ostasien sowie nach Ost- und Südosteuropa unter den Bedingungen der Vorkriegszeit ohne nennenswerten oder belegbaren Widerhall. In der Emigration selbst konnte Grossmann, abgesehen von mehreren Rezensionen in der Zeitschrift für Sozialforschung (1934–1941) sowie einem kürzeren Lexikonbeitrag in der Encyclopaedia of the Social Sciences (1934), lediglich vier Schriften bis 1948 publizieren, davon nur zwei in englischer Sprache und von den beiden deutschsprachigen eine ausschließlich in Form eines in 40 Exemplaren hektographierten Typoskripts. Auch im Dietz-Verlag in der DDR, wohin Grossmann nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges und der heraufziehenden McCarthy-Ära in den USA ging, um in der ihm noch verbleibenden Lebenszeit als Hochschullehrer in Leipzig zu wirken, erschienen zwei zur Veröffentlichung vorgelegte Manuskripte – eine überarbeitete Version von ökonomischen Artikeln aus den Jahren 1929 und 1932 sowie eine deutsche Fassung seines 1948 auf Englisch erschienen Beitrags über Playfair – nicht.2 Abgesehen von den in wenigen Bibliotheken zugänglichen Arbeiten aus der Zeit vor 1933 blieben somit die realsozialistischen Länder im sowjetischen Einflussbereich frei von der Darbietung einer Textgrundlage seiner Schriften. Von diesem Befund nur scheinbar ausgenommen war jeweils auch die Situation in der Tschechoslowakei und in Jugoslawien nach 1945: Die in Prag 1946 publizierte Fassung des Aufsatzes „The Evolutionist Revolt against Classical Economics“, Übersetzer war erneut Ji í Stolz, erfolgte noch vor der mit dem Februarumsturz 1948 einsetzenden Machtübernahme der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KS ), zudem erschien die in Belgrad 1956 vorgelegte serbokroatische Ausgabe des Hauptwerks „Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems“, Übersetzerin war wiederum Mara Fran, seinerzeit bereits mehrere Jahre nachdem Tito in Jugoslawien 1948 mit Stalin gebrochen hatte. Grossmanns theoretischer Ansatz erwies sich demzufolge vom Dogmatismus des Marxismus-Leninismus unbelastet, als es zu einer Wiederaneignung seiner Schriften im Gefolge der seit Ende der 1960er Jahre hervortretenden Neuen Linken, zunächst in Deutschland und Westeuropa, sodann auch in Ländern der ökonomischen Semiperipherie wie Indien und Mexiko kam. Trotz aller theoretischen Heterogenitäten und spezifischen Unvereinbarkeiten im Detail bestand die verbindende Klammer dieser neuen politischen Bewegungen in einer Abgrenzung von den Hauptströmungen der klassischen linken Parteien, sowohl von jenen der etablierten Sozialdemokratie als auch von jenen des realsozialistischen Kommunismus. Führt man sich im Nachhinein die Rezeption des Grossmannschen wissenschaftlichen Werks nach Editionen in der zeitlichen Gesamtheit vor 9 Augen – sie wird im Anschluss an diese Einführung in Tabelle 13 wiedergegeben –, so besaß dieser in den 1970er Jahren ohne Zweifel eine einschlägige Konjunktur. Zu dieser trugen seinerzeit auch Personen bei, die wie Joschka Fischer (Jg. 1948), 1971 Übersetzer der Schrift „The Evolutionist Revolt against Classical Economics” aus dem Jahr 1943, später führender Politiker der Grünen und deutscher Außenminister, sowie Rocco Buttiglione (Jg. 1948), 1977 Verfasser einer Einleitung zur italienischen Übersetzung des Grossmannschen Hauptwerks, später persönlicher Berater von Papst Johannes Paul II., Politiker der Christdemokraten und unter anderem italienischer Europaminister, einen herausgehobenen politischen Bekanntheitsgrad erst nachmalig entfalten sollten.4 Ein kurzer Blick auf den internationalen Verbreitungsgrad des Hauptwerks verdeutlicht exemplarisch das Ausmaß dieser Konjunktur: Abgesehen von den bereits erwähnten Sonderbedingungen in der Entstehung der japanischen und der jugoslawischen Version bildete die deutsche Neuausgabe von 1967 (Neuauflage 1970) die Vorlage für Übersetzungen ins Italienische (Rom 1977) und Spanische (Mexiko 1979). Eine erste auszugsweise Übersetzung ins Englische erschien zudem Ende der 1970er Jahre an entlegenem Ort durch die der stalinistischen Orthodoxie in der indischen Linken entgegentretende Gruppe Platform Tendency (Bombay 1979).5 Ihr Mentor war Jairus Banaji, der 1992 auch als Übersetzer für die in London bei Pluto Press publizierte, nun breiter rezipierte englische Ausgabe in Buchform (ebenfalls gekürzt) zeichnete. Zuletzt, ebenso auf Basis der englischen Edition sowie infolge der Asienkrise von 1997/98 und der sich anschließenden Studentenproteste gegen die Suharto-Diktatur erschien eine indonesische Übersetzung in Jakarta 2002. Neben der vermeintlichen realsozialistischen Unbelastetheit dürfte dar- über hinaus ein weiteres Bedingungsgefüge maßgebend für die Wiederaneignung der Grossmannschen Schriften gewesen sein, das umgekehrt zugleich die Prämissen für den Sachverhalt enthielt, dass diese nicht nachhaltig blieb und sein Werk jenseits der Wahrnehmung in studentischen Lesezirkeln und in Darstellungen der Dogmengeschichte keinen Eingang in die ökonomische Fachdiskussion fand. Neuheraufziehende ökonomische Krisenerfahrungen, wie sie sich beispielsweise in Deutschland und Westeuropa mit dem Auslaufen der Nachkriegsprosperität in der ersten Hälfte der 1970er Jahre zeigten, ließen zwar nach theoretischen Selbstvergewisserungen suchen, trafen aber mit dem Abflauen der Krise im weiteren Zeitverlauf aufgrund des dominierenden Zusammenbruchspostulats auf keinen hinreichenden Erklärungsgrund. Grossmann differenzierte politisch wie theoretisch allein zwischen Beschleunigung und Verlangsamung der ökonomischen Zusammenbruchstendenz. Diese schien durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 evident, war selbst aber von ihm nicht 10 empirisch belegt, sondern aus einer Akkumulationsprognose abgeleitet. An einer Überprüfung und Fortentwicklung seines Ansatzes zu einer Konjunkturtheorie längerfristiger Wachstumsphasen zeigte er kein Interesse. Noch 1941 erklärte er diesbezüglich in einer eingehenderen Besprechung von Joseph Schumpeters 1939 erschienener umfangreicher Schrift „Business Cycles“ lapidar, das „zentrale Problem“ der Überakkumulation und der Endlichkeit des ökonomischen Systems sei von diesem nicht erfasst worden, sodass es unnötig sei, auf die von Schumpeter zur Illustration seiner Theorie präsentierten statistischen und historischen Daten einzugehen. Innovationen à la Schumpeter, der in seiner Schrift ein Dreizyklenschema unter Rückgriff auf kurz-, mittel- und langfristige Kitchin-, Juglar- und Kondratieffwellen entwarf, waren für Grossmann kein Thema, dem empirisch nachzugehen war oder das gar Anlass zur nachträglichen Korrektur bot.6 Zugleich war Grossmann unveränderlich davon überzeugt, eine innere Kohärenz in der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie nachweisen zu können und die Rekonstruktion eines authentischen oder wahren Marx‘ zu belegen. Spätestens seit der philologischen Wende in der Marx-Engels-Edition und mit der inzwischen abgeschlossenen II. Abteilung („‚Das Kapital‘ und Vorarbeiten“) in der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA2) jedoch lässt sich eine solche Funktionalisierung des Marxschen Werks nicht länger aufrechterhalten.7 Vielmehr zeigt die Textphilologie, dass dieses Unterfangen in den ökonomischen Arbeiten von Marx selbst keinen Rückhalt findet, da im Falle des „Kapitals“ weder von einem abgeschlossenen Werk noch von einem in sich geschlossenen dreibändigen Werk zu sprechen ist. Stattdessen dokumentiert sich in ihm qualitativ und quantitativ ein unabgeschlossener Forschungsprozess, kann von einer finalen Theoriebildung in keiner Hinsicht die Rede sein und ist selbst das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate, auf das sich Grossmann in seiner Zusammenbruchsprognose wesentlich stützte, analytisch strenggenommen nicht zur Veröffentlichung geeignet gewesen.8 Insofern sind die Grossmannschen Gewissheiten in der Marx-Exegese, die immer auch mit einer Politisierung des Werks verbunden waren, aufgrund der Textgrundlage heute nicht mehr zeitgemäß und bedürfen der Historisierung. Im Zentrum der vorliegenden Auswahl an nachgelassenen Schriften stehen politökonomische Arbeiten von Henryk Grossmann. Sie fokussieren zum überwiegenden Teil auf den Status der Marxschen Werttheorie und insonderheit auf das Problem der Wert-Preis-Transformation bei Marx. Weitere Abhandlungen gelten konzeptionellen Überlegungen zu den ökonomischen Bedingungen des deutschen Faschismus und zu wissenschaftshistorischen Themen. Letztere bildeten seit den 1930er Jahren einen weiteren Schwerpunkt in Grossmanns spätem wissenschaftlichen Wirken. 11 Die abgedruckten Schriften entstammen dem Bestand des im Warschauer Archiv der Polnischen Akademie der Wissenschaften (APAN) geführten Teilnachlasses von Grossmann.9 Gegenüber der Reichhaltigkeit und dem Umfang des dort archivierten Materials allerdings geben sie lediglich einen begrenzten Ausschnitt aus dessen tatsächlicher wissenschaftlicher Hinterlassenschaft wieder. Daher sei an dieser Stelle auf folgende Positivkriterien hingewiesen, die für eine Aufnahme in die Publikation maßgebend waren. Auswahlkriterium Nr. 1 war ein rein formales: Die aufzunehmenden Arbeiten mussten in Form eines maschinenschriftlichen Manuskripts (im Folgenden: Typoskript) vorliegen. Auswahlkriterium Nr. 2 war ein inhaltliches: Die dem ersten Kriterium entsprechenden Schriften mussten eine relative Abgeschlossenheit in der thematischen Darlegung erkennen lassen. Von diesen Vorgaben wurde in zwei Fällen abgewichen. Es sind dies das hier nicht aufgenommene Typoskript „Universal Science versus Science of an Élite. Descartes’ New Ideal of Science“ (128, IV S.), dessen Publikation unter abgewandeltem Titel durch Gideon Freudenthal (Universität Tel Aviv) und Peter McLaughlin (Universität Heidelberg) inzwischen andernorts erfolgte,10 sowie das lediglich auszugsweise wiedergegebene Typoskript „Marx und die Klassische Ökonomie oder Die Lehre vom Wertfetisch“ (VII, 192 S.), das in einer vollständigen Version bislang lediglich in einer antiquarisch zu erwerbenden Fassung vorlag bzw. zeitweilig vorgelegen hat.11 Im Einzelnen wurden folgende Arbeiten in die Publikation aufgenommen: 1. Zum Abschluss des Streites um die Wert- und Preisrechnung im Marxschen System (Eine Berichtigung des grundlegenden Fehlers bei von Bortkiewicz, Rosa Luxemburg und Otto Bauer): Das Typoskript, verfasst 1930,12 war ursprünglich als erster Teil eines zweiteiligen Aufsatzes konzipiert, dessen Publikation in Grünbergs „Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung“ erfolgen sollte. Gegenüber der dort tatsächlich veröffentlichten Schrift „Die Wert-Preis-Transformation bei Marx und das Krisenproblem“ (1932) jedoch weist es keine nennenswerten Übereinstimmungen auf. Vielmehr steht es durch die Ausrichtung an den vorangegangenen Beiträgen zur Transformationsdebatte in einer größeren Nähe zur behandelten Materie. Bezeichnend für diesen und auch den nachfolgenden Text zur gleichen Problematik ist es, dass Grossmann als einer von wenigen (deutschsprachigen) Marxisten anzusehen ist, die frühzeitig und noch vor Paul M. Sweezy (1942) die durch Ladislaus von Bortkiewicz‘ Artikelserie zur Marxschen Wert- und Preisrechnung sowie dessen Korrektur (1906/07)13 entstandenen Herausforderungen für die marxistische ökonomische Theorie erkannten.14 Ist Grossmanns Position hier, neben der im Vordergrund stehenden Rezeption von älteren Beiträgen zu dieser Debatte, noch weitgehend darauf bezogen, Einwände gegen Bortkiewicz’ 12 Kritik und Korrekturversuch zu finden, so deuten sich, gleichsam die eingeschlagenen Bahnen der vorangegangenen Problemperzeption verlassend, im nachfolgenden Typoskript erste Überlegungen zu einer eigenständigen analytischen Erfassung des Transformationsproblems an. 2. Das Problem der Durchschnittsprofitrate in der modernen volkswirtschaftlichen Theorie : Das Typoskript entstand 1932 im Rahmen von Grossmanns Lehrtätigkeit an der Universität Frankfurt am Main.15 Seine Autorschaft ist in diesem Fall nicht belegt. Wahrscheinlich, darauf lassen wenige handschriftliche Eintragungen im Typoskript schließen, handelt es sich um eine Vorlesungsnachschrift des Grossmann-Schülers Walter Braeuer.16 Nach Abschluss des Studiums der Volkswirtschaftslehre mit dem Grad eines Diplomvolkswirts in Berlin und Mannheim hatte er sich an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt zum Promotionsstudium eingeschrieben und dort Lehrveranstaltungen Grossmanns von 1930 bis Anfang 1933 besucht.17 Inhaltlich ist ansatzweise der Versuch zu erkennen, die Preisrechnung im Unterschied zu den Bedingungen der Wertrechnung als Nicht-Äquivalententausch zu erfassen und damit die Problemkonstellation der ricardianisch geprägten Rezeption der Marxschen Werttheorie zu verlassen. Ein Unterfangen, das partiell auch in der bereits erwähnten Publikation aus dem Jahr 1932 auffindbar ist und im Jahr 1937 in dem Typoskript „Marx und die Klassische Ökonomie oder Die Lehre vom Wertfetisch“ mit weiter konkretisierenden Einlassungen zur Dualität von Gebrauchswert- und Tauschwertebene fortgesetzt wurde. 3. Die Anfänge des Kapitalismus und die neue Massenmoral: Das Typoskript entstand 193418 im Rahmen von Grossmanns Auseinandersetzung mit Franz Borkenaus in der Schriftenreihe des Instituts publizierten Arbeit „Der Übergang vom feudalen zum bürgerlichen Weltbild“ (1934).19 Diese Konfrontation war ursprünglich umfassender angelegt,20 doch erschien zu Lebzeiten lediglich sein Aufsatz „Die gesellschaftlichen Grundlagen der mechanistischen Philosophie und die Manufaktur” (1935). Inhaltlich suchte Grossmann mit dem Text die von Borkenau akzeptierte These Max Webers von der besonderen Rolle der protestantischen Ethik für die Herausbildung des Kapitalismus zurückzuweisen. Auffällig an seinem Anliegen ist zum einen, dass er hier als Vertreter der in Webers Schrift „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“21 tatsächlich nicht aufzufindenden Kausalhypothese hervortritt,22 nach der der Kapitalismus aus der Wirtschaftsethik der protestantischen Religionen hervorgegangen sei. Diskussionsbedürftig zum anderen ist auch Grossmanns Charakterisierung von Religion als einem „Instrument der Ablenkung der Massen“. Bei Marx zumindest findet sich eine solch einlinige Zuschreibung nicht.23 13 Gehaltvoller, darin über seine Darlegungen zu Weber und Borkenau sicherlich hinausgehend, sind seine Darbietungen zur Bedeutung des Gewaltverhältnisses für den sich herausbildenden Kapitalismus und dessen religiösen Überbau. In Entsprechung zu Marx’ Analyse der ursprünglichen Akkumulation in England im I. Band des „Kapitals“ kann er ähnliche Bedingungen für eine Blutgesetzgebung auch am Beispiel Frankreichs, insbesondere unmittelbar zu Beginn des 17. Jahrhunderts, näher belegen. 4. Marx und die Klassische Ökonomie oder Die Lehre vom Wertfetisch [Auszug]:24 Das Typoskript, fertiggestellt 1937 in London und im Juli des Jahres institutsintern begutachtet,25 weist zwar im Titel Ähnlichkeiten mit der im Jahr 1942 in mimeographierter Form publizierten Schrift „Marx, die klassische Nationalökonomie und das Problem der Dynamik“ auf. Doch sind die inhaltlichen Unterschiede zu beträchtlich, um jenes lediglich als eine Vor- oder Zwischenversion zu betrachten. Substanziell suchte Grossmann mit der Arbeit die reine oder abstrakte Wertbetrachtung in der vorausgegangenen Marx-Exegese als „Wertfetisch“ zu destruieren und somit eine strikt anti-ricardianische Lesart der Marxschen ökonomischen Theorie zu begründen. In Ergänzung zur wertmäßigen Betrachtung des Akkumulationsprozesses in seinem Hauptwerk von 1929 galt sein Interesse nun der stofflichen Dimension und der technologischen Struktur des Arbeitsprozesses. Grossmanns Bemerkungen zu Gebrauchswert und Gebrauchsgestalt bei Marx und insbesondere seine Illustrationen zur einfachen Reproduktion fokussieren auf einen bis heute kaum beachteten Aspekt der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie: der Bedeutung von Mengen und Technologien in der Erfassung des Arbeits- und Verwertungsprozesses. Inwieweit dieser Ansatz tragfähig ist, fundamentale Defizite der Arbeitswerttheorie von Marx zu beheben, soll an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Hingewiesen sei lediglich auf zwei zu klärende Aspekte. Zum einen muss sich das Preissystem auch unter Gleichgewichtsbedingungen – selbst wenn sich solche Grosssmann zufolge nicht dauerhaft, sondern immer nur zufällig ergeben – und uniformer Profitrate ebenso widerspruchsfrei ableiten lassen wie das System der Werte. Zum anderen wirft die deduzierte Antinomie zwischen Wert und Gebrauchswert zugleich die nicht-triviale Frage auf, weshalb die Analyse überhaupt auf der Ebene von Arbeitswerten geführt werden muss und ihren Ausgangspunkt nicht sogleich auf Basis von Mengen und Technologien nimmt. 5. Imperialismus. Entwurf: Das Typoskript ist undatiert. Anzunehmen ist, dass es 1940 verfasst wurde, als das emigrierte Institut für Sozialforschung in den USA sich Klarheit über die ideellen und ökonomischen Bedingungen des deutschen Faschismus zu verschaffen suchte und mehrere einander ähnelnde Forschungsprojekte zu Germany entworfen hatte, um Drittmittel einzuwerben.26 Inhaltlich werden in dem Text die Umrisse für ein 14 Forschungsvorhaben zu den ökonomischen Grundlagen des deutschen Imperialismus in seiner nationalsozialistischen Form skizziert. Ansatzweise deutlich tritt der Versuch hervor, mittels einer Analyse unterschiedlicher Rentabilitätsbedingungen in differierenden Industriezweigen und Anlagesphären verschiedene Kapital- und Interessenfraktionen innerhalb der Trägergruppen des deutschen Faschismus sichtbar zu machen. Warum das Forschungsvorhaben nicht umgesetzt wurde, ist nicht bekannt. Doch teilte es darin das Schicksal der Germany-Projekte des Instituts, die mangels finanzieller Förderungen gleichermaßen nicht zustande kamen. Als einzige größere Monographie über den deutschen Faschismus, die am Institut entstand, verblieb mithin allein Franz L. Neumanns „Behemoth“ (1942). Diese, im Manuskript bereits mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 fertiggestellt und 1944 in zweiter, wesentlich erweiterter Auflage erneut erschienen,27 als ihr Autor bereits für den US-Auslandsnachrichtendienst Office of Strategic Studies (OSS) tätig war, bildete nach den Worten Joseph Maiers, damals wissenschaftlicher Assistent des Instituts in New York, eine „Individualarbeit von Neumann“ zu der sich das institut „mit interessierter Distanz verhielt“.28 6. Der Einfluss des Maschinismus auf die Struktur der Cartesianischen Algebra : Das Typoskript, verfasst 1943,29 entstand im Rahmen der von Grossmann seit Anfang der 1940er Jahre wiederaufgenommenen Untersuchungen zu den gesellschaftlichen Bedingungen der mechanistischen Philosophie von Descartes. Seine zentrale These lautete nun, dass die Struktur der algebraischen Methode dem Aufbau der Maschinen nachkonstruiert sei, sie somit in ihrer Anwendbarkeit als Wissenschaft dem alleinigen Zugriff des Virtuosen- und Spezialistentums entzogen und der Masse der durchschnittlich intelligenten Menschen zugänglich gemacht wurde.30 Kennzeichnend für dieses Typoskript ist ferner, dass Grossmanns Überlegungen zu einem Zeitpunkt erfolgten, als Max Horkheimer und Theodor W. Adorno sich auf dem Weg zur parallel entstehenden „Dialektik der Aufklärung“ (1944)31 immer prononcierter von dem Programm einer aus wissenschaftlicher Rationalität zu gewinnenden Vernunft, das mit Descartes seinen Ausgangspunkt nahm, absetzten. Insofern umschließt die Schrift auch einen Subtext, dessen Bedeutung für die Interpretation der dargelegten Argumentation nicht gänzlich außer Acht gelassen werden kann. 7. Unanwendbarkeit der Funktionentheorie auf wichtige Gebiete der wirtschaftlichen Erscheinungen : Eine eindeutige Datierung des Typoskripts ist bislang nicht möglich. Dem Text selbst sind keine Hinweise auf den Entstehungszeitpunkt zu entnehmen. Möglicherweise entstand er Mitte der 1940er Jahre im Rahmen der Arbeit an einem nicht überlieferten größeren Buch über „die Marxsche Theorie u[nd] ihre Originalität“. In einem Brief an Walter Braeuer aus dem Jahr 1948 konkretisierte Grossmann dieses mit 15 dem Titel „Marx Ricardiensis?“ und einem Umfang von etwa 300 Seiten.32 Zuvor hatte er 1946 dem Verwaltungs- und Geschäftsträger des Instituts für Sozialforschung in einem Tätigkeitsbericht mitgeteilt, dass er die Arbeit an seinem „Buch über Marx“ fortgesetzt und auf Basis bereits geschriebener Teile ausgeweitet habe,33 so dass dieses Datum hier hilfsweise als Datierungsgrundlage herangezogen wird. Inhaltlich wird in dem Elaborat die bereits 1937 behauptete Dualität von Verwertungs- und Arbeitsprozess, von Tauschwert- und Gebrauchswertebene, erneut aufgegriffen, um eine Erklärung dessen zu geben, dass sich Marx bei der Erfassung des Reproduktionsprozesses nicht der Differential- und Integralrechnung bediente, sondern arithmetische Beispiele nutzte. Laut Grossmann ist zwar die wertseitige Betrachtung der ökonomischen Erscheinungen mithilfe der mathematischen Funktionentheorie möglich, etwa um die Gesetze der Profitrate zu untersuchen, nicht aber die Erfassung des dualistischen Produktionsprozesses in seiner Gesamtheit. Inwieweit seine Überlegungen mit aktuellen Befunden zu Marx‘ Verhältnis zur Mathematik und deren Anwendung in der Ökonomie kontrastieren, muss hier dem Urteil künftiger Forschung anheimgestellt bleiben, ebenso wie jene im Kontext der politischen Instrumentalisierung der Marxschen mathematischen Arbeiten im Stalinismus der 1930er Jahre zeitgeschichtlich einzuordnen sind. An dieser Stelle sei kursorisch lediglich auf Folgendes hingewiesen: Einerseits betrieb Marx, wie die jüngere Marxforschung belegt, ab dem Jahr 1878 intensivere mathematische Studien als jemals zuvor, somit mehr als ein Jahrzehnt nach Erstpublikation des I. Bandes des „Kapitals“ und möglicherweise um der mit William Stanley Jevons rasch voranschreitenden Mathematisierung der Ökonomie zu begegnen. Andererseits waren die mathematischen Manuskripte von Marx, Mitte der 1920er Jahre von Emil Julius Gumbel in Moskau transkribiert und in Teilen zur Veröffentlichung vorbereitet, Gegenstand der konstruierten Anklagepunkte gegen David Borisovi Rjazanov. Der von 1921 bis 1931 amtierende Direktor des Moskauer Marx-Engels-Institut und Herausgeber der ersten Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA), mit dem das Institut unter Carl Grünberg von 1924 bis 1928 Kooperationsbeziehungen zur Herausgabe dieser Edition unterhielt, hatte die Manuskripte aufgrund ungünstiger Beurteilungen von mehreren Mathematikern und Physikern in Hinsicht auf deren mathematische Qualität zunächst nicht zur Veröffentlichung freigegeben und in den Panzerschrank gelegt, wo sie 1931 bei den ideologischen Säuberungsprozessen gefunden und zu jenen Marx-Texten gezählt wurden, die der unmittelbar nach seiner Verurteilung 1938 erschossene Rjazanov angeblich der kommunistischen Weltbewegung vorenthalten hatte.34 16 Die von Grossmann in den wiedergegebenen Arbeiten erwähnte und zitierte Literatur ist heute zu einem erheblichen Teil nur noch schwer auffindbar. Aus diesem Grund wird sie in der vorliegenden Publikation als Anhang zu den Schriften aus dem Nachlass separat erfasst. Unter Varia aufgeführt finden sich zudem eine Erstübersetzung aus dem Polnischen zu einer frühen Schrift Grossmanns aus dem Jahr 1923 sowie ein bislang unveröffentlichter Brief von Max Horkheimer aus dem Jahr 1942. Erstere gilt dem Verhältnis in der Herausbildung von Nationalökonomie sowie sozialistischer Theorie und Bewegung vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklung Polens im 19. Jahrhundert. Sie zeugt bezogen auf die Ursprünge und Genese in der Entwicklung ökonomischer Wissenschaft und sozialistischer Theorie von einer objektivistisch verkürzten Erfassung der Ideen- und Wissenschaftsgeschichte, wie sie später, insbesondere nach 1945, in den deterministischen Geschichtsvorstellungen des orthodoxen Marxismus-Leninismus vielfach hervortrat. Letzterer legt Zeugnis ab von der seit 1941/42 zu konstatierenden Zerrüttetheit im Verhältnis zum engeren Horkheimer-Kreis, insbesondere zu Friedrich Pollock. Nachdem ganz offenkundig noch zum Jahreswechsel 1939/40 zwischen Pollock und Grossmann ein gewisses Vertrauensverhältnis bestand, mittelbar nachweisbar in den auffindbaren Dokumenten zur Verwaltung der Institutsfinanzen,35 änderte sich dies in der Folgezeit rasch. Dazu beigetragen hatten Grossmanns mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 einsetzende Reorientierung an der Politik der Komintern, Pollocks Ausarbeitung einer Theorie des prinzipiell krisenfreien Staatskapitalismus, präsentiert in einer Sondernummer der „Zeitschrift für Sozialforschung“ Ende September 1941, sowie die lang anhaltenden, erst Anfang des Jahres 1942 beendeten Konflikte um die Veröffentlichung von Grossmanns Aufsatz „Marx, die klassische Nationalökonomie und das Problem der Dynamik“.36 Der Publikation angefügt sind ferner mehrere archivalische und bio-bibliographische Verzeichnisse sowie ein Dokumentenanhang mit Reproduktionen ausgewählter Materialien. Sie bilden zum überwiegenden Teil ein Ergebnis der im Rahmen der vorliegenden Arbeit durchgeführten Recherchen, reichen in Teilen zeitlich jedoch weiter zurück. Die Edition ist bestrebt, textkritischen Maßstäben gerecht zu werden. Folgende Richtlinien kamen zur Anwendung: Die Wiedergabe der Textkorpora erfolgte in Anlehnung an das jeweilige Original. Eine Ausnahme bildete die Vorlesungsnachschrift „Das Problem der Durchschnittsprofitrate in der modernen volkswirtschaftlichen Theorie“. Hier waren zur besseren Lesbarkeit typographische Eingriffe in die Textdarbietung erforderlich. Ferner wurden Hervorhebungen von Grossmann einheitlich kursiv ge- 17 setzt sowie doppelte Unterstreichungen durch Kursivsetzung mit einfacher Unterstreichung kenntlich gemacht. Alle Zitate wurden zudem anhand der benannten Originalquellen überprüft und bei Abweichungen entweder durch Ergänzungen bzw. Auslassungszeichen in eckigen Klammern „[…]“ im Text kenntlich gemacht oder aber im Falle von komplexeren Textabweichungen in zusätzlichen Endnoten verzeichnet. In Form von Endnoten wurden darüber hinaus fehlende Quellenangaben nachgewiesen sowie seltene und heute nur schwer zu belegende Marx-Zitate ausgewiesen, dies soweit möglich nach der historisch-kritischen Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA2). Beibehalten wurden von Grossmann vorgenommene Vereinheitlichungen oder Modernisierungen der Orthographie in Zitaten aus Texten von Marx, aber auch von Descartes, letztere zum überwiegenden Teil nachgewiesen nach der wissenschaftlich maßgebenden Ausgabe „Œuvres de Descartes“ von Charles Adam und Paul Tannery. Stillschweigende Korrekturen, für eine lesefreundliche Darbietung der edierten Texte mithin unvermeidlich, erfolgten nur dort, wo offensichtliche Flüchtigkeits- oder Zeichensetzungsfehler vorlagen und solche nicht als variierbar oder mehrdeutig gelesen werden können. Im Anmerkungsapparat schließlich kennzeichnet der Gebrauch eines Schrägstrichs „/“ in der Wiedergabe von Zitaten einen Absatz im Original. Die Arbeit am Manuskript zu den nachfolgend wiedergegebenen Schriften, Materialien und Dokumenten wurde im Winter 2006/07 abgeschlossen. Danach blieb es, obgleich nahezu druckfertig, aufgrund anderer Tätigkeiten liegen und versank für annähernd zehn Jahre in den digitalen Speichern artifizieller Alterung unterworfener Softwareprogramme, aus denen es mit Mühen erneut befreit werden musste. Für die vorliegende Publikation wurden lediglich die Bibliographie im Register um inzwischen neu hinzugekommene Editionen einiger Schriften von Grossmann aktualisiert sowie die Rubrik Varia um die deutsche Übersetzung eines polnischen Aufsatzes aus dem Jahr 1923 ergänzt. Zudem wurde der Anmerkungsapparat nach den Regeln der reformierten deutschen Rechtschreibung überarbeitet. Alle anderen Beiträge spiegeln im Wesentlichen den genannten Redaktions- und Bearbeitungsstand wider. Seinerzeit nicht berücksichtigt werden konnte die 2007 annähernd zeitgleich erschienene Grossmann-Biographie von Rick Kuhn. Sie bietet insbesondere für den Zeitraum bis 1925 zahlreiche neue Erkenntnisse, weist zugleich aber nicht unerhebliche Defizite auf. Ein gravierender Mangel, darauf wurde bereits andernorts hingewiesen,37 besteht in der fehlenden wissenschaftlichen Distanz ihres Autors zum Gegenstand der Betrachtung. Gleich eingangs im Vorwort irritiert dieser mit der lediglich oberflächlich ins Metaphorische enthobenen Bemerkung, seine Arbeit an der Biographie Grossmanns habe ebenso einer Suche nach den eigenen historischen und 18 politischen Wurzeln als Person und Sozialist gegolten.38 Die darin aufscheinende Identifikation mit dem Forschungsgegenstand ist in der Summe allerdings mit einer weitgehend einlinigen Darstellung verbunden und in Teilen mit einer bewusst selektiven Lesart von Quellen und Forschungsliteratur erkauft.39 Insofern steht eine wissenschaftlichen Maßstäben gerecht werdende historisch-kritische Rekonstruktion des Lebens und Wirkens von Henryk Grossmann in seiner Gesamtheit weiterhin aus und bleiben die in den Beiträgen des Registers benannten Quellen und Verweise von Aktualität. Der Herausgeber dankt allen Personen und Institutionen, die ihn auf vielfältige Art und Weise mit Auskünften und Informationen bei der Publikation der vorliegenden Schrift unterstützt haben. Ein besonderer Dank für die Gewährung von Abdruck- und Nutzungsrechten gilt – teils stellvertretend für die von ihnen vertretenen Institutionen und Rechteinhaber – Anita Chodkowska (Archiwum Polskiej Akademii Nauk, Warschau), Dan Hirschberg (University of California, Irvine), Leslie A. Morris (Houghton Library, Cambridge, Mass.), Sandy Muhl (Universitätsarchiv Leipzig) sowie Gunzelin Schmid Noerr (Frankfurt a. M.). Ebenso gedankt sei Kirsten von Lehm (Universitätsbibliothek Frankfurt a. M.) für Transliterationen aus dem Jiddischen und Wolf Hannes Kalden (Deutsch-Japanische Gesellschaft, Wetter, Hess.) für solche aus dem Japanischen. Namentlich erwähnt für nachhaltige Unterstützung seien ferner: Jairus Banaji (School of Oriental and African Studies, University of London), Furio Cerutti (Dipartimento di Filosofia, Università degli Studi di Firenze), Inge Chmelicek (Universitätsbibliothek Mannheim), Wolf-Erich Eckstein (Israelitische Kultusgemeinde Wien), Leo Greenbaum (YIVO Institute for Jewish Research, New York), Rolf Harder (Archiv der Akademie der Künste, Berlin), David M. Hardy (U. S. Department of Justice, Washington, D. C.), Peter de Jonge (International Instituut voor Sociale Geschiedenis, Amsterdam), Kornelia Knospe (Archiv der Akademie der Künste, Berlin), Katrin Kokot (Deutsche Nationalbliothek, Frankfurt a. M.), Franka Köpp (Archiv der Akademie der Künste, Berlin), Bo ena Lazowska (Centralna Bibliotheka Statystyczna, Warschau), Gabriele Lohse (Staats- und Universitätsbibliothek Dresden), Jolanta Louchin (Archiwum Akt Nowych, Warschau), Heidrun Louda (Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich- Ebert-Stiftung, Bonn), Michael Maaser (Universitätsarchiv Frankfurt a. M.), Wolfgang Maderthaner (Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung, Wien), Dorota Minasz (Archiwum Glówny Urz d Statystyczny, Warschau), Fruma Mohrer (YIVO Institute for Jewish Research, New York), Manfred Mugrauer (Alfred Klahr Gesellschaft, Wien), Stephen Roeper (Archivzentrum der Universitätsbibliothek Frankfurt a. M.), Gary Roth (Rutgers-State University of New Jersey, Newark), Jochen Stollberg 19 (Archivzentrum der Universitätsbibliothek Frankfurt a. M.), Carl-Erich Vollgraf (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin), Ryszard Wojtkowski (Archiwum Pa stwowe m. st. Warszawy) und Tomasz Wro ski (Archiwum Pa stwowe w Krakowie). Ungeachtet dessen liegen die nachfolgend dargebotenen Texte, Materialien und Dokumente in ihrer Wiedergabe, Bearbeitung und Kommentierung in der alleinigen Verantwortlichkeit des Herausgebers. Nicht auszuschließende Fehler sind diesem zuzuschreiben. Berlin, im Dezember 2016 Jürgen Scheele

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References

Zusammenfassung

Am Vorabend der Weltwirtschaftskrise von 1929 publizierte Henryk Grossmann (1881–1950) mit seinem Hauptwerk, „Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems“, eines der bedeutendsten Werke der marxistischen Krisentheorie. Zugleich war er von 1925 bis 1948 Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung – zunächst in Frankfurt, sodann in der Emigration in Paris, London und New York. Im Zentrum der vorliegenden Auswahl seiner nachgelassenen Schriften stehen politökonomische Arbeiten aus dem Warschauer Archiv der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Sie fokussieren zum überwiegenden Teil auf den Status der Marxschen Werttheorie und insonderheit auf das Problem der Wert-Preis-Transformation bei Marx. Weitere Abhandlungen gelten konzeptionellen Überlegungen zu den ökonomischen Bedingungen des deutschen Faschismus und zu wissenschaftshistorischen Themen. Der Publikation angefügt sind ferner mehrere archivalische und bio-bibliographische Verzeichnisse sowie ein Dokumentenanhang mit Reproduktionen ausgewählter Materialien. In der Gesamtheit ergibt sich ein neuer, bislang in dieser Intensität nicht bekannter Blick auf das Leben und Werk von Henryk Grossmann.