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Biographische Zeittafel in:

Henryk Grossmann

Schriften aus dem Nachlass, page 311 - 328

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-3892-5, ISBN online: 978-3-8288-6811-3, https://doi.org/10.5771/9783828868113-311

Tectum, Baden-Baden
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311 Biographische Zeittafel 1881 14. April: Chaskel (später: Henryk) Grossmann wird in Krakau (Galizien) in Österreich-Ungarn als Sohn von Herz und Sara Grossmann geboren. 1 vor 1900 Anschluss an die sozialistische Bewegung während der Gymnasialzeit. 1900 12. Juni: Abitur am Gymnasium des Hl. Jacek (Gimnazjum w. Jacka) in Krakau. Aufnahme des Studiums der Rechts- und Staatswissenschaften an der Jagiellonen-Universität Krakau zum Wintersemester 1900/01. 1901–1904 Mitglied des sozialistischen Studentenvereins „Ruch“ [Die Bewegung], dort 1902 stellvertretender Vorsitzender, 1903 Vorstandssekretär. 1903/04 Mitarbeit an der in Lemberg erscheinenden Monatsschrift der gleichnamigen sozialistischen Jugendorganisation „Promie “ [Der Strahl], seit 16. Dezember 1903 als Redakteur der neu eingerichteten Krakauer Redaktionsfiliale des „Promie “. Mitgliedschaft in der PPSD.2 Zeitweilige politische Zusammenarbeit mit Karl Sobelsohn (Karl Radek) und Feliks Dzier y ski, der seit Januar 1903 mit dem Aufbau einer Krakauer Sektion der SDKPiL3 befasst ist. 1904 Beendigung des regulären Studiums an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Jagiellonen-Universität zum Ende des Wintersemesters 1903/04. Tätigkeit als Sekretär der Vereinigung jüdischer Arbeiter „Post p“ [Fortschritt] in Krakau. 8. Februar: Eintritt in die Krakauer Filiale der „Kasa Pomocy Wi niom i Zes a com Politycznym“ [Hilfskasse für politische Gefangene und Exilanten], in der sich die Sympathisanten der SDKPiL sammeln. Im Juni zusammen mit Feliks Dzier y ski (Pseud.: Józef Doma ski) u. a. Mitglied des Schiedsgerichtes des Studentenvereins „Ruch“ gegen Radek wegen angeblichen Bücherdiebstahls; Radek wird freigesprochen. 312 30. Oktober – 1. November: Delegierter des IX. Kongresses der PPSD in Krakau. Grossmann befindet sich dort in Fragen der Parteiausrichtung und der Organisation jüdischer Arbeiter in einer Minderheitsposition. Auf dem im Herbst stattfindenden 3. Kongress der Jugendorganisation „Promie “ ist Grossmann einer der Anführer der Splittergruppe, die sich der ideellen Unterordnung der Organisation unter die PPSD widersetzt, teilweise Positionen der SDKPiL vertritt und Ende des Jahres die Abspaltung „Zwi zek M odzie y Socjalistycznej“ [Verband der sozialistischen Jugend] begründet. 1905 Im Januar erscheint die Broschüre „Proletaryat wobec kwestyi ydowskiej“ [Das Proletariat angesichts der jüdischen Frage], in der Grossmann seinen Standpunkt zur Frage der jüdischen Nationalität darlegt. Im Februar Mitbegründer und kurzzeitig Redakteur und Herausgeber der PPSD-kritischen Zeitschrift „Zjednoczenie. Organ M odzie y Socyalistycznej“ [Vereinigung. Organ der sozialistischen Jugend]. Infolgedessen Parteiausschluss, kurz darauf nach Aufgabe der Herausgebertätigkeit Rücknahme des Parteiausschlusses. 30. März: Als Hauptreferent einer vertraulichen Versammlung des Krakauer „Post p“ begründet Grossmann die Notwendigkeit zur Bildung einer eigenständigen jüdischen sozialdemokratischen Partei. 1. Mai: Austritt aus der PPSD und Gründung der PSD.4 9.–10. Mai: Grossmann wird auf dem Gründungskongress der PSD in Lemberg zum Exekutivsekretär gewählt. Seit Oktober ist er Mitherausgeber des in jiddischer Sprache erscheinenden Parteiorgans „Der Sotsyal-demokrat“. 1906/07 Grossmann ist, unterbrochen von einem ersten Aufenthalt an der Universität Wien 1906 zu ökonomischen und statistischen Arbeiten, als Mitglied des Exekutivkomitees in führender Position der PSD tätig, u. a. als Repräsentant der Partei auf dem 7. Kongress des Bund5 (1906). 1907 veröffentlicht er den kurzen historischen Abriss „Der bundizm in Galitsyen“ (Jidd.). 313 1908 Übersiedlung nach Wien: Dort im August Beginn der in Österreich für Rechtsanwälte vorgeschriebenen 7jährigen Advokaturskandidaten-Praxis. 25. November: Promotion zum Dr. iur. an der Jagiellonen-Universität in Krakau. 1. Dezember: Heirat mit Janina Reicher (geb. 1883) in Wien.6 1908–1914 Parallel zur Advokaturskandidatur, die Grossmann, ohne eine Kanzlei zu eröffnen, 1914/15 beendet, widmet er sich statistischen und wirtschaftsgeschichtlichen Studien unter der Anleitung Carl Grünbergs an der Universität Wien. 1909/10 Längerer Studienaufenthalt in Paris. 1910 16. August: Geburt des Sohnes Jean Henri in Paris. Preis der Universität Lemberg für die Arbeit „Polityka przemys owa i handlowa rz du Terezya sko-Józefi skiego w Galicyi 1772–1790“ [Die Industrie- und Handelspolitik der Theresianisch-Josephinischen Regierung in Galizien 1772–1790] (veröffentlicht 1911/12). 1914 1. Mai: Geburt des Sohnes Stanislaus Eugen in Wien. Grossmann veröffentlicht die umfangreiche, ursprünglich als Habilitationsschrift gedachte Studie „Österreichs Handelspolitik mit Bezug auf Galizien in der Reformperiode 1772–1790“. 1915 Anfang 1915 Einberufung zum Militärdienst. 1916 Im Verband des 5. Feldkanonenregiments der österreichischen Armee Teilnehmer am Sommerfeldzug in Wolhynien gegen die Brussilow-Offensive. 1917 1. Februar: Ernennung zum Leutnant in der Reserve. Berufung in das Komitee für Kriegswirtschaft beim k. u. k. Kriegsministerium in Wien (gemeinsam mit Ludwig von Mises, Othmar Spann und anderen österreichischen Nationalökonomen). Später als Delegierter des Kriegsministeriums in das österreichische Okkupationsgebiet im Generalgouvernement Polen nach Lublin entsandt. 1918/19 Nach Ende des Ersten Weltkriegs zunächst Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit in Wien. Durch das neugeschaffene Deutsch-Österreichische Staatsbürgerrecht 314 vom 5. Dezember 1918 als polnischer Staatsangehöriger identifiziert und dort von weiteren Karrieremöglichkeiten abgeschnitten. 1919 16. Juni: Vortrag an der Universität Krakau über „Teorja kryzysów gospodarczych (The Theory of Economic Crises)”, einer Vorwegnahme der späteren Argumentation in seinem ökonomischen Hauptwerk von 1929. Übersiedlung nach Warschau. 16. Dezember: Anstellung als Referent am Glówny Urz d Statystyczny (GUS) [Hauptamt für Statistik]. 1920 1. Februar: Berufung zum Ministerialrat im GUS. Grossmann ist mit Vorbereitungsarbeiten zur ersten polnischen Volkszählung befasst. 1920–1925 Mitglied der illegalen KPRP.7 1921 1. August: Ausscheiden aus dem GUS aufgrund (politisch-) konzeptioneller Differenzen hinsichtlich der Durchführung des bevorstehenden Zensus. Im Herbst Beginn einer Lehrtätigkeit an der (nicht staatlichen) Wolna Wszechnica Polska (WWP) [Freie Hochschule Polens]. 1922 Ernennung zum ordentlichen Professor für Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftspolitik und Statistik an der Staatsund Sozialwissenschaftlichen Fakultät der WWP. 1922–1924 Zusätzlich zur Lehrtätigkeit an der WWP Tätigkeit als Dozent an der stark kommunistisch geprägten „Uniwersytet Ludowy“ [Volksuniversität] in Warschau, dort Mitglied des Vorstands. 1923 Grossmann veröffentlicht eine polnische Übersetzung von Marx’ „Briefen an Kugelmann“ und der „Kritik des Gothaer Programms“ im Verlag „Ksi ka“ [Das Buch] sowie den Artikel „Ekonomiczny system Karola Marksa“ [Das ökonomische System von Karl Marx] in der Zeitschrift „Kultura Robotnicza“ [Arbeiterkultur], beides sind der KPRP nahestehende Einrichtungen. 1924 Veröffentlichung der Schrift „Simonde de Sismondi et ses théories économiques (Une nouvelle interprétation de sa pensée)”. Wahl in den Zentralrat des Warschauer Vereins der Volkswirte und Statistiker. 315 Im August Verhaftung wegen illegaler Betätigung für die KPRP.8 1925 Entlassung aus der Untersuchungshaft. Carl Grünberg beruft Grossmann im Herbst als Assistenten an das Frankfurter Institut für Sozialforschung. 4. November: Wohnsitznahme in Frankfurt a. M. 1927 27. März: Habilitation an der Universität Frankfurt und Erteilung der Venia legendi für das Fach Volkswirtschaftslehre aufgrund der Arbeit „Österreichs Handelspolitik mit Bezug auf Galizien in der Reformperiode 1772–1790“ (1914) und eines Probevortrags „Sismondi und die klassische Nationalökonomie“. 28. Mai: Öffentliche Antrittsvorlesung an der Universität Frankfurt über „Oresmius und Kopernikus als Geldtheoretiker (Ein Beitrag zur Preisrevolution des 14. und 15. Jahrhunderts)“. 1929 In der ersten Jahreshälfte erscheint das ökonomische Hauptwerk „Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems (Zugleich eine Krisentheorie)“ als Band 1 der Schriftenreihe des Instituts. 1930 26. März: Ernennung zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor an der Universität Frankfurt. 29. Oktober: Eintritt in die Vereinigung der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Hochschullehrer. 1. November: Ernennung ehrenhalber zum aktiven Mitglied des Internationalen Agrar-Instituts in Moskau.9 1930–1932 Mitarbeit an der 4. Aufl. von Elsters „Wörterbuch der Volkswirtschaft“ (3 Bde., 1931–1933). 1932 Eine japanische Übersetzung des ökonomischen Hauptwerks erscheint in Tokio.10 August/September: Reise in die Sowjetunion mit der Arbeitsgemeinschaft zum Studium der sowjetrussischen Planwirtschaft (Arplan).11 1933 25. Februar: Zwei Tage vor dem Brand des Berliner Reichstags Flucht nach Frankreich. Beginn der Emigrationszeit in Paris. Grossmann ist an der Pariser Außenstelle 316 des Instituts, untergebracht an der École Normale Supérieur, tätig. Nach den Erfahrungen des Agierens und schließlichen Zusammenbruchs der KPD in Deutschland temporäre Abwendung von der Politik der Komintern und partielle Hinwendung zu Positionen des Linkssozialismus und des Linkskommunismus. 18. Dezember: Entziehung der Lehrbefugnis an der Universität Frankfurt aufgrund § 3 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933. 1933–1942 Mitglied der „Société Internationale de Recherches Sociales“, des Aufsichts- und Verwaltungsrats des Instituts für Sozialforschung in der Emigration mit Sitz in Genf. 1935 Veröffentlichung des Aufsatzes „Die gesellschaftlichen Grundlagen der mechanistischen Philosophie und die Manufaktur“ in der „Zeitschrift für Sozialforschung“. Im Mai beginnt Grossmann mit Vorbereitungen für seine Emigration nach London. 1936–1937 Im Januar 1936 Übersiedlung nach England und Beginn der Emigrationszeit in London. Die dortige Zweigstelle des Instituts am London Institute of Sociology wird Ende 1936 aufgelöst. Max Horkheimer lädt Grossmann für den Herbst 1937 zu einem Besuch in die USA ein. 1937 14. Oktober: Einreise in die USA mit einem Touristenvisum. In New York Teilnahme an internen Theoriediskussionen des Instituts für Sozialforschung (Institute of Social Research). 1938 April/Mai: Reise nach Havanna (Cuba) zur Erlangung eines „US Immigrant Visa“. Im Anschluss Wiedereinreise in die USA und Beginn der Emigration in New York. 3. Juni: Antrag auf US-Staatsbürgerschaft. 1941 Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion (22. Juni) erneute Hinwendung zur Politik der Komintern. Die bereits vorher vorhandenen theoretischen und politischen Differenzen zwischen Grossmann und dem engeren Horkheimerkreis verschärfen sich in der Folgezeit deutlich. 1942 Anfang des Jahres erscheint die Schrift „Marx, die klassische Nationalökonomie und das Problem der Dynamik“ 317 in Form eines vom Institut für Sozialforschung herausgegebenen hektographierten Typoskripts. 1943 20. Januar: Horkheimer formuliert in einem 20-seitigen Brief die theoretischen Differenzen zu Grossmann und erfasst ihn als einen Vertreter des herkömmlichen positivistischen Wissenschaftsverständnisses unter anderen. seit 1944 Das Institut für Sozialforschung versucht, Grossmann den Status eines „Permanent Member“ in Abrede zu stellen, und betrachtet ihn als einen Privatgelehrten ausgestattet mit einem „Fellowship“ des Instituts. In der Folgezeit berichtet Grossmann jährlich über den Stand seiner Arbeiten. Sein wissenschaftliches Interesse gilt vorrangig neueren Aspekten der Philosophie von Descartes. Privat wie politisch bewegt er sich weiterhin in antifaschistischen deutschen Exilgruppen in New York (teils zusammen mit Gerhart Eisler und Albert Schreiner). 1948 Unter den Bedingungen der heraufziehenden McCarthy- Ära fühlt sich Grossmann in den USA zunehmend politisch unwohl. Anfang des Jahres erreicht ihn die Nachricht von einer bevorstehenden Professur an der Universität Leipzig. Maßgeblich vorangetrieben werden die Berufungsbemühungen in Leipzig von Friedrich Behrens. Von August bis November führt Grossmann Abfindungsverhandlungen mit dem Institut für Sozialforschung in New York. 1949 3. Februar: Ausreise aus den USA. 15. Februar: Ankunft in Danzig. Weiterreise nach Warschau, anschließend nach Leipzig. 1. März: Ernennung zum Professor mit Lehrstuhl für Politische Ökonomie an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. 14. Mai: Eingliederung der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in die Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät und Überführung des Grossmannschen Lehrstuhls in diese. Dort zugleich Ernennung zum Kodirektor des Planökonomischen Instituts. Eintritt in folgende Organe der Partei und Massenorganisationen: 28. März: Ausweis für Opfer des Faschismus (Kämpfer); 1. Mai: Gesellschaft zum Studium der Kultur 318 der Sowjetunion; 9. Juni: SED; Juni: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN); 10. August: Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. 1950 Beurlaubung wegen Krankheit zum Sommersemester 1950 und Erneuerung der Beurlaubung zum Wintersemester 1950/51. 24. November: Henryk Grossmann verstirbt im Stadtkrankenhaus St. Jakob in Leipzig. 319 * * * Im Nachfolgenden werden nähere Erläuterungen und Quellenhinweise vorwiegend dann gegeben, wenn sich aus ihnen neue Erkenntnisse zur Biographie Grossmanns ableiten lassen oder weiterer Forschungsbedarf besteht. Ansonsten sind detaillierte Angaben mitsamt Nachweisen insbesondere in folgenden Publikationen zu finden: Hass, Ludwik: Henryk Grossman. In: Muzeum Historii Polskiego Ruchu Rewolucyjnego. S¬ownik Biograficzny Dzia¬aczy Polskiego Ruchu Robotniczego. [Museum für die Geschichte der polnischen revolutionären Bewegung. Biographisches Wörterbuch der Aktivisten der polnischen Arbeiterbewegung.] Tom 2. Warszawa 1987. S. 384–386; Kuhn, Rick: Henryk Grossman, a marxist activist and theorist: On the 50th anniversary of his death. In: Research in Political Economy. Vol. 18: Value, Capitalist Dynamics, and Money. New York 2000. S. 111–170; Scheele, Jürgen: Zwischen Zusammenbruchsprognose und Positivismusverdikt. Studien zur politischen und intellektuellen Biographie Henryk Grossmanns (1881–1950). Frankfurt a. M., Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Wien 1999. 1 Die Orthographie des Familiennamens variiert zwischen dem polnischen, aber auch englischen Grossman und der deutschsprachigen Form Grossmann. Beide Varianten benutzte Grossmann selbst, wobei er in seinen jiddischen, polnischen und englischen Publikationen durchgängig die Schreibweise Grossman gebrauchte. Im jüdischen Geburtenregister der Stadt Krakau findet sich die Schreibung des Nachnamens handschriftlich in einer Lateinschrift – mit Lang-s und daran anschließendem Rund-s sowie Doppel-n bzw. Kenntlichmachung des Doppel-n durch Überstrich – wiedergegeben. Henryk Grossmanns Geburt ist dort [1881, Nr. 254] unter dem Namen Chaskel ausgewiesen, geboren am 14. April in Krakau [im Orig.: Kraków/Nr. 80. dzielnica VI, dem heutigen Stadtteil Bronowice], als Sohn des Herz Grossmann, Schankwirt aus Tarnau [im Orig.: szynkarz z Tarnowa], und der Mutter Sara, Tochter des verstorbenen Chaskel Kurz und dessen Ehefrau Jetty aus Tarnau (poln. Tarnów). Die Geburt ist als unehelich [im Orig.: nie lubny] ausgewiesen. In der Spalte Uwaga/Anmerkung festgehalten sind die Eintragungen: Herz Grossman Ojciec/Rafael Silberstein Swiadek, worunter – ein weiteres Mal – der Vater (poln. ojciec) sowie ein Zeuge (poln. wiadek) desselben aufgeführt sind. Ferner findet sich quergeschrieben zum übrigen Registereintrag ein nachgetragener Vermerk, mit dem unter der Datumsangabe 30. August 1915 die Änderung des Vornamens von Chaskel zu Henryk angezeigt wird, genehmigt per zuvor ergangenem Dekret durch das K. K. Ministerium in Wien vom 27. Juli 1915, dort in der polnischen Schreibung des Familiennamens [mit Einfach-n]. Der Ausweis einer unehelichen jüdischen Geburt war, wie ebenfalls ein mathematisch-statistisch angeleiteter Blick auf die amtlichen Heiratsmatrikeln nahelegt, im zeitgenössischen Krakau nichts Ungewöhnliches. [Mitteilung von Dan Hirschberg, University of California, Irvine, 6. Juni 2006.] Oftmals erfolgte eine Trauung zunächst nach den religiösen Riten in einer Synagoge und wurde erst Jahre später auch amtlich legitimiert. Hierfür maßgebend waren ursprünglich gesonderte steuerrechtliche Bestimmungen, denen die galizischen Juden unterworfen waren. Einer älteren Publikation zufolge waren diese in Krakau besonders restriktiv. Nach dem Statut vom 1. August 1844 mussten für eine jüdische 320 Eheschließung unter anderem ein gesichertes Einkommen nachgewiesen und ein Vermögen in Höhe von 500 fl. poln. in Notariatsdokumenten oder Depositenscheinen hinterlegt werden. [Friedmann, Filip: Die galizischen Juden im Kampfe um ihre Gleichberechtigung (1848–1868). (Veröffentlichungen der Dr. A. S. Bettelheim Memorial Foundation, Bd. III.) Frankfurt a. M. 1929. S. 110/111.] Allerdings wurde nach 1867 den Juden infolge des Österreichich- Ungarischen Ausgleichs die rechtliche Gleichstellung gewährt, nicht aber der Status einer Nationalität („Volksstamm“) zuerkannt, sodass sie fortan als Religionsgemeinschaft galten, zugleich das Jiddische nicht als Amtssprache anerkannt war. [Wróbel, Piotr: The Jews of Galicia under Austrian–Polish Rule, 1869–1918. In: Austrian History Yearbook. Vol. 25. January 1994. S. 97–138. Dort: S. 104 u. 116.] Infolge entfielen zwar die genannten Bestimmungen, doch bestand eine historisch-kulturell geprägte Abneigung gegen das Institut der Zivilehe über die Zeit hinfort. Darauf verweisen Ergebnisse der US-Familiengeschichtsforschung zur jüdischen Genealogie in Osteuropa. Demnach bestanden neben dem Widerstreben aus den schon benannten älteren steuerrechtlichen Restriktionen auch eine Aversion gegen bürokratische Registratur resultierend aus dem Umstand, dass die Erfassung der jüdischen Bevölkerung Galiziens unter der Habsburgermonarchie mit dem Erlass von Joseph II. zur verbindlichen Annahme von Familiennamen vom 5. Juli 1787 historisch erst jüngeren Datums war. Letzteres ging für die jüdische Bevölkerung nicht nur mit einer zusätzlich auferlegten Gebühr zur Registrierung eines deutschen Familiennamens einher, sondern soll in Fällen, in denen Fristen nicht eingehalten wurden oder die Gebühr nicht bezahlt werden konnte, mit unangenehmen, abwertenden oder gar vulgären Namenszuweisungen verbunden gewesen sein. Zudem existierten fortbestehende administrative Zwänge, die es situativ erforderlich machen konnten, einen eherechtlichen Nachweis zu führen. Beispielsweise bestanden behördliche Annahmen zur Erbschaftsvermutung und zur Beurkundung der Abstammung, nach denen nicht durch eine Zivilehe nachgewiesene Abkömmlinge vom väterlichen Erbe ausgeschlossen werden konnten oder solchen in amtlichen Reisedokumenten der Name der Mutter als Familienname verpflichtend zugewiesen wurde. Mit der Zunahme der jüdischen Emigration aus Galizien seit Anfang der 1880er Jahre ist denn auch, darauf verweist dieser Zweig der geschichtswissenschaftlichen Forschung, ein nachweislicher Zuwachs in den Eintragungen der entsprechenden Heiratsregister zu verzeichnen. [Wynne, Suzan F.: The Galitzianers. The Jews of Galicia, 1772–1918. Kensington 2006. S. 34–36 u. 55– 60.] Laut jüdischem Heiratsregister der Stadt Krakau [1887, Nr. 102] erfolgte die zivile Eheschließung zwischen Herz Grossmann [sic!], gebürtig aus Tarnów, wohnhaft in Krakau, von Beruf Schankwirt, Sohn des verstorbenen Ehepaars Jakob und Gitti Grossman [sic!], 50 Jahre alt, Familienstand ledig, und Sara Kurz, gebürtig aus Tarnów, wohnhaft in Krakau, Tochter des verstorbenen Ehepaars Chaskel Kurz und Jetty Seiden, 33 Jahre alt, Familienstand ledig, am 9. August 1887 [im Orig. polnisch]. Aus der Verbindung gingen ausweislich des jüdischen Geburtenregisters fünf weitere Kinder hervor: Taube (geb. 8. Mai 1875), Jakob (geb. 1. Juli 1877, gest. 1880), Rebeka (geb. 27. Mai 1879), Marya 321 (geb. 17. April 1883, gest. 1887) und Bernard (geb. 24. November 1884). [Die entsprechenden Angaben wurden über die interne Suchmaschine der Website „Jewish Krakow Documents“ von Dan Hirschberg, Irvine, ermittelt. URL: www.ics.uci.edu/~dan/genealogy/Krakow. Abruf: 3. Mai 2006. Für die Wiedergabe der Einträge im Geburtenregister zu Taube, Rebeka und Chaskel Grossmann sowie im Heiratsregister zur Zivilehe von Herz und Sara Grossmann wurden Reproduktionen der Originale herangezogen, die dankenswerterweise von Dan Hirschberg zur Verfügung gestellt wurden.] Im Unterschied zu obigen Angaben gab Herz Grossmann bei Eintragung der Geburt der Tochter Taube [1875, Nr. 25] als Beruf Schuhwichsfabrikant [im Orig. deutsch] an. Vier Jahre später, bei Geburt der Tochter Rebeka [1879, Nr. 365], lautete der entsprechende Eintrag wie danach bei der Geburt des Sohnes Chaskel (Henryk): Schankwirt aus Tarnau [im Orig. polnisch]. Beides waren in der Regel Betätigungen mit niedrigem, oft kaum genügendem Einkommen: Die Fabrikation von Schuhwichse bildete, wie einer älteren Darstellung zum Fabrikund Gewerbewesen der Habsburgermonarchie zu entnehmen ist, ein einfaches Betätigungsfeld und nährte viele Familien ganz oder zum Teil. Neben Handwerkern wie Schuh- oder Fellmachern wurde Wichse insbesondere von unzähligen Arbeitern, die sie im Kleinen für den Einzelverkauf fertigten, vertrieben. Lediglich in großen Städten wie Wien konnten sich Fabrikanten etablieren, die das Gewerbe ausschließlich betrieben. [Keess, Stephan von: Beschreibung der Fabricate, welche in den Fabriken, Manufacturen und Werkstätten des österreichischen Kaiserstaates erzeugt werden. 2. Band: Mit einem vollständigen Grundrisse der Technologie. Wien 1823. S. 400.] In Galizien kam es, ohne dass Informationen zur Ertragslage der Unternehmungen vorliegen oder mitgeteilt werden, einem zeitgenössischen Bericht über die wirtschaftliche Entwicklung in der Region zufolge noch im ersten Dezennium des neu begonnen 19. Jahrhunderts zur Gründung einer ganzen Reihe von kleineren Erzeugungsstätten für Schuhwichse. [Battaglia, Roger Freiherr von: Die Industrialisierung Galiziens. In: Galizien, seine kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung. (Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Siegmund Bergmann.) Wien 1912. S. 161–163. Dort: S. 162.] Ein ähnliches Bild ergibt sich unter Zugrundelegung des Berufs des Schankwirts: Schankwirte zählten neben Handwerkern, Kleinhändlern, Viehhändlern, Marktbudenbesitzern, Hausierern, Bauern, Arbeitern aller Art, Bettlern und Menschen ohne Arbeit („Luftmenschen“) zur Unterschicht (den „Prosten“), wobei in dieser ein nach unterschiedlichen Berufsgruppen abgestuftes Rangsystem herrschte und die Angesehensten unter ihnen oft der Mittelschicht (den „Balebatim“) assoziiert wurden. [Somogyi, Tamar: Die Schejnen und die Prosten. Untersuchungen zum Schönheitsideal der Ostjuden in Bezug auf Körper und Kleidung unter besonderer Berücksichtigung des Chassidismus. Berlin 1982. S. 68–70.] Zugleich war der Anteil der in Alkoholproduktion und -verkauf tätigen Juden, handelte es sich nun um Betreiber von Brennereien, Zulieferer von Vorprodukten wie Getreide und Fässer oder um Pächter und Eigner von Schenken, beträchtlich. Grund dafür war das Recht der Propination – das dem polnischen Landadel (Szlachta) gewährte und in Galizien bis 1889 geltende Privileg auf ein Produktions- und Verkaufsmonopol für Alkohol, verbunden mit daraus resultierenden enormen Monopolgewinnen für den Adel. Da das Privileg zur 322 Produktion und zum Ausschank alkoholischer Getränke überwiegend an jüdische Betreiber verpachtet wurde, bedingte die Propination sowohl den massiven Alkoholismus als auch den weit verbreiteten Antisemitismus in der Zeit vor und nach der dritten Teilung Polens mit. [Wynne: The Galitzianers. S. 30 u. 32–34.] Aus amtlichen Eintragungen zur Berufstätigkeit auf die tatsächliche soziale Position zu schließen, erweist sich gleichwohl als zwiespältig. Schankwirte konnten, wie für die vergleichbare Situation der im Westen Ostgalizien umfassenden Ukraine nachgewiesen wurde [Subtelny, Orest: Ukraine. A History. Third Edition. Toronto, Buffalo, London 2000. S. 277], insbesondere wenn sie Eigner einer Schenke oder auch eines Gasthauses waren, durchaus zur (keineswegs reichen) Mittelschicht zählen. Zudem war das Ausüben mehrerer Berufe in unterschiedlichen sozialen Positionen in ostjüdischen Biographien nicht gänzlich ungewöhnlich, differenzierte sich auch die Mittelschicht in reich und arm und konnte die Zuschreibung wohlhabend oder reich im realen Leben vor Ort und in einer insgesamt ärmlichen Umgebung immer eine relative Zuordnung beinhalten. [K a ska, Maria: Aus dem Schtetl in die Welt 1772–1938. Ostjüdische Autobiographien in deutscher Sprache. Wien, Köln, Weimar 1994. S. 116–120.] Die Matrikel der Jagiellonen-Universität Krakau schließlich führt Henryk Grossmann ebenfalls unter dem Namen Chaskel Grossmann. Als er sich im Oktober 1900 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät einschrieb, gab er folgende Daten zur Person an: „Chaskel Grossmann, 19 Jahre alt, geboren in Krakau, Absolvent des Gymnasiums des Heiligen Jacek in Krakau, mosaischen Glaubens, polnischer Staatsangehörigkeit, Pflegevater: Markus Binem Kurz – Kaufmann, wohnhaft in Krakau.“ [Mitteilung von Jerzy Michalewicz, Leiter des Archivs der Jagiellonen-Universität, 3. September 1996. Im Orig. polnisch.] Offenbar war zu diesem Zeitpunkt sein leiblicher Vater bereits verstorben. Für die spätere Auskunft von Friedrich Pollock, Grossmann sei der Sohn eines „vermögende[n] Bergwerksbesitzer[s]“ gewesen, bestehen bislang keine weiteren Belege. [Pollock an K. H. Hennings, 13. Juli 1967. MHA: VI 9. 220.] Abitur und Universitätsstudium lassen es allerdings als wahrscheinlich erscheinen, dass er in auskömmlichen Familienverhältnissen aufwuchs, wobei nicht bekannt ist, inwiefern sich diese nach dem Tod des Vaters und unter der Pflegevaterschaft von Markus Binem Kurz änderten. Grossmann selbst machte 1949 in einem Personalfragebogen der Landesregierung Sachsen folgende Angaben zu Namen und Berufsstand der Eltern: Vater: Henryk Grossman, Klein-Industrieller; Mutter: Salome Grossman, Hausfrau. [UAL, PA 40, Bl. 100.] 2 Polska Partia Socjalno-Demokratyczna Galicji i l ska Cieszy skiego [Polnische Sozialdemokratische Partei Galiziens und Teschener Schlesiens]. Das genaue Datum des Beginns von Grossmanns Mitgliedschaft in der PPSD – wahrscheinlich vor 1904 [Hass: Henryk Grossman. S. 385] – ist nicht bekannt. 3 Socjal-Demokracja Królestwa Polskiego i Litwy [Sozialdemokratie des Königreiches Polen und Litauens]. 4 ydowska Partia Socjaldemokratyczna w Galicji [Jüdische Sozialdemokratische Partei in Galizien]. 5 Algemeyner Yidisher Arbeter Bund in Lite, Polyn un Rusland. 323 6 Über Grossmanns Ehefrau Janina Reicher liegen wenige biographische Informationen aus den Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde Wien anlässlich der Heirat mit Dr. Chaskel Grossmann – dort mit dem Zusatz versehen: 1914 [sic!] Änderung des Vornamens in Heinrich bewilligt und eingetragen – vor: „Janina Reicher, geb. in Aleksandrow am 8. November 1883, russ. Staatsangehörige, ledig, wohnt in Krakau, Tochter des Eduard Reicher und der Mathilde geb. Poznanska.“ Die Trauung fand am 1. Dezember 1908 im Bethaus I, Seitenstettengasse 4, statt, Beistände waren Edward und Stanislaus Reicher. [Mitteilung von Wolf-Erich Eckstein, Israelitische Kultusgemeinde Wien, 6. Juni 2006.] Ein polnischer Lexikoneintrag ergänzt: Janina Grossman, Malerin, gest. 1943 in Warschau, Tochter des Edward Rejcher [so die polnische Schreibweise des Familiennamens], und listet ferner eine Anzahl ihrer Werke und Ausstellungen auf. [S ownik artystów polskich i obcych w Polsce dzia aj cych. Malarze, rze biarze, graficy. [Wörterbuch polnischer Künstler und ausländischer Künstler in Polen. Maler, Bildhauer, Grafiker.] Polska Akademia Nauk. Instytut Sztuki. Pod red. Jolanty Maurin-Bia ostockiej [et al.]. Tom II: D–G. Wroc aw, Warszawa, Kraków, Gda sk 1975. S. 485.] Nach Grossmanns Übersiedlung nach Frankfurt a. M. im Herbst 1925 blieb sie zusammen mit den beiden gemeinsamen Söhnen Jean Henri (geb. 16. August 1910) und Stanislaus Eugen (geb. 1. Mai 1914) in Warschau. [Angaben zu den Kindern nach: Personalakte Grossmann an der Universität Frankfurt. UAF, Abt. 14, Nr. 537, Bl. 2.] Später, im bereits erwähnten Personalfragebogen der Landesregierung Sachsen, machte Grossmann unter der Rubrik Familienstand die Eintragung: geschieden. [UAL, PA 40, Bl. 100.] Ebenso lautete seine Angabe bei Beantragung der – soweit bekannt: nicht erhaltenen – US-Staatsbürgerschaft am 3. Juni 1938. Dort mit dem Heiratsdatum: Wien, 2. Dezember 1908, und den Namensangaben zu den Söhnen: Jan Henryk sowie Stanislaw. [Federal Bureau of Investigation. Report made at: New York City. Date when made: 11/15/41.] Über das Schicksal seiner in Polen verbliebenen Familie gab Grossmann in einer Notiz aus einem ebenfalls aus dem Jahr 1949 stammenden Lebenslauf lediglich wie folgt Auskunft: „Meine Familie wurde von den Hitleriten ermordet.“ [UAL, PA 40, Bl. 21, ebenso Bl. 66.] Nahezu gleichlautend spärlich war zuvor auch seine Auskunft in einem Brief an Walter Braeuer vom 25. Juni 1948, während er in einem Schreiben an Alice und Joseph Maier vom 30. Mai 1949 konkreter wurde und mitteilte, „daß meine Frau und Sohn in Auschwitz, mein Bruder und seine Frau in einem anderen modernen Hochofen vergast wurden“. [Scheele: Zwischen Zusammenbruchsprognose und Positivismusverdikt. S. 227 u. 254]. Ein Aufsatz im Jahrbuch des Nationalmuseums in Warschau hingegen legt nahe, dass Janina Grossman 1943 während der Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto von den deutschen Besatzern ermordet wurde. Demnach hatte sie bereits im Frühjahr 1940 damit begonnen, erste Bilder aus der Liquidation der Kunstsammlung ihres Vaters Edward Reicher im Warschauer Kunstsalon „Skarbiec“ zu verkaufen, und fand daselbst nach Errichtung des Warschauer Ghettos Unterschlupf. Sie starb, so heißt es weiter unter dem Datumseintrag 1943, zusammen mit ihrem als Widerstandskämpfer im Warschauer Untergrund aktiven Sohn. Um welchen der beiden Söhne es sich dabei handelte, geht aus den Angaben ebenso wenig hervor, wie Hinweise darauf bestehen, welches Schicksal dem weiteren Sohn von Janina und Henryk 324 Grossmann widerfuhr. [Czernic- ali ska, Wanda: Salon Sztuki „Skarbiec” w Warszawie. [Der Kunstsalon „Schatzkammer“ in Warschau.] In: Rocznik Muzeum Narodowego w Warszawie. Tom X. Warszawa 1966. S. 471–513. Dort: S. 476 u. 493.] 7 Komunistyczna Partia Robotnicza Polski [Kommunistische Arbeiterpartei Polens]. Grossmanns Mitgliedschaft in der KPRP im Zeitraum 1920–1925 geht aus einem Eintrag im Personalfragebogen der Landesregierung Sachsen hervor [UAL, PA 40, Bl. 101]. Dieser wurde – erkennbar am gegenüber den sonstigen Eintragungen im Formular abweichenden maschinenschriftlichen Schriftbild – nachträglich oder gesondert eingefügt. Bestätigt wird seine KPRP-Mitgliedschaft durch die inzwischen erfolgte Veröffentlichung der Mitgliederliste der Partei in der polnischen Zwischenkriegszeit. [Simoncini, Gabriele: Ethnic and Social Diversity in the Membership of the Communist Party of Poland: 1918–1938. In: Nationalities Papers. Vol. XXII, Supplement No. 1, Summer, 1994. S. 55–91. Dort: S. 74.] 8 Nach den Erinnerungen Roman Jab onowski, seinerzeit Mitglied des Zentralkomitees der KPRP, wurde Grossmann 1924 von der Polizei verhaftet, nachdem entdeckt wurde, dass sich in einer auf seinen Namen angemieteten Wohnung in der Warschauer Ulica Krolewska [Königsstraße] das Sekretariat des Zentralkomitees der Partei befand. [Jab onowski, Roman: Wspomnienia 1905–1928. [Lebenserinnerungen 1905–1928.] Warszawa 1962. S. 243; ebenso Hass: Henryk Grossman. S. 386.] Grossmann berichtete später von mehreren Verhaftungen oder, hierin uneindeutig, von einer sich sukzessive verlängernden Inhaftierung während seiner Warschauer Zeit. In dem bereits erwähnten Lebenslauf aus dem Jahr 1949 heißt es: „Zur gleichen Zeit organisierte ich die Arbeiter-Universität in Warschau, deren Präsident ich durch mehrere Jahre gewesen bin. Da die Arbeiter-Universität eine mächtige Institution geworden, eigenes Lichtspieltheater besass und für Wochenende etwa 20 Städte und Städtchen der Umgebung mit Prelegenten versorgte – dabei ich als radikaler Marxist und Anhänger der III. Internationale galt, wurde meine Bildungstätigkeit immer schärfer verfolgt, Hausdurchsuchungen in meiner Institution durchgeführt, dabei wurden mir auch durch Polizeiagenten gefälschte Schriften unterschoben, und ich selbst in Untersuchungshaft für zwei, vier sogar acht Monate genommen. Schliesslich, nach dem Pilsudski-Putsch war ich gezwungen das Land zu verlassen.“ [UAL, PA 40, Bl. 64.] Letztere Angabe jedoch ist nachweislich falsch, da der Staatsstreich von Józef Pi sudski im Mai 1926 erfolgte, als Grossmann bereits in Frankfurt (Main) ansässig geworden war. 9 Das Internationale Agrar-Institut wurde am 8. März 1926 in Moskau eröffnet und gab ab 1928 die Zeitschrift „Agrar-Probleme“ heraus. Zum Institut für Sozialforschung bestanden Kontakte via Paul W. Massing (1902–1979). Er promovierte 1928 in Frankfurt (Main) mit einer agrarwirtschaftlichen Arbeit, die er im Jahr 1927 noch unter Grünberg begonnen hatte, war seit 1928 zunächst Berliner Korrespondent für das Internationale Agrar-Institut und ab 1929 dessen wissenschaftlicher Mitarbeiter in Moskau. 1931 kehrte er nach Berlin zurück und war dort für die KPD tätig. 1934 ging Massing nach KZ-Internierung ins Exil, heiratete 1936 Hede Gumperz (vormals: Eisler), befand sich mit ihr 1937/38 in Moskau und anschließend in den USA. 1942 wurde er Forschungsmitarbeiter am Institut für Sozialforschung in New York und hatte diese Stellung offenbar 325 bis 1948 inne. [Drescher, L.: Rez. von: Agrar-Probleme. Hrsg. vom Internationalen Agrar-Institut in Moskau. Bd. I, Berlin (Paul Parey) 1928, Bd. II, München (Duncker u. Humblot) 1929, Bd. III, Heft 1/2, ebenda, 1930. In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik. Jena. Dritte Folge. Bd. 81. 1932. S. 297–302. Dort: S. 297; Massing, Hede: Die grosse Täuschung. Geschichte einer Sowjetagentin. Freiburg i. Br. 1967. S. 235 u. 267; Jay, Martin: Dialektische Phantasie. Die Geschichte der Frankfurter Schule und des Instituts für Sozialforschung 1923–1950. Frankfurt a. M. 1987. S. 205; Wiggershaus, Rolf: Die Frankfurter Schule. Geschichte, theoretische Entwicklung, politische Bedeutung. 2. Aufl. Frankfurt a. M. 1989. S. 43; Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften. Band 18: Briefwechsel 1949–1973. Hrsg. von Gunzelin Schmid Noerr. Frankfurt a. M. 1996. S. 976.] Grossmann machte keine näheren Angaben über die Umstände seiner Berufung, sondern gab im erwähnten Lebenslauf aus dem Jahr 1949 lediglich an: „Im nächsten Jahre [i. e. 1930] wurde ich ehrenhalber zum aktiven Mitglied des ‚Internationalen Agrarinstitutes in Moskau (Direktor Professor Dubrowsky)‘ ernannt.“ [UAL, PA 40, Bl. 65.] 10 Die Übersetzung ins Japanische erfolgte durch Hiromi Arisawa (1896–1988) und Katsumi Moritani (1904–1964). Arisawa, Ökonom und nach dem Zweiten Weltkrieg führender Berater für Wirtschaftsplanung im ersten Kabinett von Premierminister Shigeru Yoshida, hielt sich von April 1926 bis Mai 1928 zu einem von der japanischen Regierung finanzierten Studienaufenthalt in Berlin auf. Er gehörte dort zu einem Kreis junger linksgerichteter japanischer Wissenschaftler und Studenten, die sich in der „Berliner Vereinigung für Sozialwissenschaftliche Studien“ [Berurin Shakaikagaku Kenkyûkai] zusammenfanden, um sich regelmäßig zu Diskussionen über sozialistische und marxistische Literatur zu treffen. Dem Lesekreis gehörten ursprünglich, darin ebenfalls eine Oppositionshaltung zu den zeitgenössischen Verhältnissen in Japan erkennen lassend, auch liberale und konservative Intellektuelle an. Im Juli 1928 ging aus ihr die „Berliner Antiimperialistische Gruppe“ [Berurin Hantai] hervor, die enge Kontakte zur von der Komintern initiierten „Liga gegen Imperialismus und für nationale Unabhängigkeit“ unterhielt und teilweise als japanische Abteilung der KPD fungierte. Beide Gruppierungen unterlagen in Berlin der Beobachtung durch den japanischen Auslandsnachrichtendienst. Arisawa soll während seines Deutschlandaufenthalts zudem der KPD nahegestanden haben, obgleich er in Japan zur R n -ha [Arbeiter- und Bauern-Fraktion] zählte, die 1927 mit der kommunistischen Partei Japans brach. [The Japan Biographical Encylcopedia & Who's Who. Tokyo: 2nd edition, 1961. S. 65; Hartmann, Rudolf: Japanische Studenten an der Berliner Universität. 1920–1945. (Mori-Ôgai-Gedenkstätte der Humboldt-Universität zu Berlin.) Berlin 2003. S. 187; Maeda, Ryozo: Berlin-Simulacrum im interkulturellen Flanieren. Zur Metropole im japanischen Großstadtdiskurs der 20er Jahre. In: Kimura, Naoji, Horst Thomé (Hrsg.): „Wenn Freunde aus der Ferne kommen“. Eine westöstliche Freundschaftsgabe für Zhang Yushu zum 70. Geburtstag. Bern 2005. S. 269–282. Dort: S. 275/276; Kat , Tetsur : Personal contacts in Japanese–German cultural relations during the 1920s and early 1930s. In: Spang, Christian W., Rolf-Harald Wippich: Japanese– German Relations, 1895–1945. War, Diplomacy and Public Opinion. London, New York 2006. S. 119–138. Dort: S. 131/132 u. 135.] 326 Mitglied der „Berliner Vereinigung für Sozialwissenschaftliche Studien“ war ferner, obgleich sich während seines Deutschlandaufenthalts nur gelegentlich in Berlin befindend, Yoshitar Hirano (1897–1980). Er übersetzte Grossmanns Aufsatz „Fünfzig Jahre Kampf um den Marxismus“, der 1933 in der Monatszeitschrift Chu K ron erschien, in der Mitglieder der Berliner Gruppe aus Europa berichteten und ihre politischen Erfahrungen teils theoretisch reflektierten. Hirano hielt sich von Dezember 1927 bis November 1929 zu einem ebenfalls von der japanischen Regierung finanzierten Studienaufenthalt in Frankfurt (Main) auf. 1929 nahm er dort am II. Kongress der „Liga gegen Imperialismus und für nationale Unabhängigkeit“ teil. Nach seiner Rückkehr aus Deutschland wurde er zum Professor für Zivilrecht an der Universität Tokio ernannt, musste aber bereits 1930 von dieser Position zurücktreten, nachdem er im Rahmen einer polizeilichen Maßnahme zur Aushebung kommunistischer Kreise an der Universität auffällig geworden war. Hirano zählte in Japan zur mit der Komintern verbundenen K za-ha [Vorlesung-Fraktion]. In seinem Falle ist ein persönlicher Kontakt zu Grossmann belegt. [The Japan Biographical Encylcopedia. S. 287; Dictionnaire Biographique du Mouvement Ouvrier International. II. Japon. Tome I. Paris 1978. S. 173; Hartmann: Japanische Studenten an der Berliner Universität. S. 187; Kat : Personal contacts in Japanese–German cultural relations during the 1920s and early 1930s. S. 131/132 u. 135; Grossmann an Leo Löwenthal, 20. Mai 1933. LLA: A 325. 67/68.] Moritani schließlich, ein Ökonom und Sinologe, trat zeitgenössisch als Übersetzer von Arbeiten zweier weiterer Mitglieder des Frankfurter Instituts für Sozialforschung hervor. Im selben Jahr, als die Übertragung von Grossmanns ökonomischen Hauptwerk ins Japanische erschien, wurde von ihm eine japanische Ausgabe von Friedrich Pollocks als Band 2 in der Schriftenreihe des Frankfurter Instituts für Sozialforschung veröffentlichten Habilitationsschrift „Die planwirtschaftlichen Versuche in der Sowjetunion 1917–1927“ vorgelegt: Sovieto renp keikaku keizai shiron. (Furankufuruto Daigaku Shakai Kagaku Kenky jo S sho, 2.) [Historische Abhandlung über die Planwirtschaft in der Sowjetunion. (Schriftenreihe des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts der Universität Frankfurt, 2.)] T ky : D jinsha Shoten, 1932. Im Jahr 1939 publizierte er zudem – hier als Übersetzer zusammen mit Yoshitar Hirano auftretend – eine Auswahl von Schriften Karl August Wittfogels: T y teki shakai no riron. [Theorie der orientalischen Gesellschaft.] T ky : Nihon Hy ronsha, Sh wa 14 [1939]. 11 Die „Arbeitsgemeinschaft zum Studium der sowjetrussischen Planwirtschaft“ (Arplan) wurde nach den Angaben ihres Initiators Friedrich Lenz (1885–1968) im Oktober 1931 gegründet. Dem Vorstand gehörten an: Friedrich Lenz, Professor für Nationalökonomie an der Universität Gießen, Stephan Bauer, Professor für Nationalökonomie an der Universität Basel, Adolf Grabowsky, Dozent für Ideengeschichte der Politik und Außenpolitik an der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin, Otto Hoetzsch, Professor für Osteuropäische Geschichte an der Universität Berlin, Nikolaus Kelen, Privatdozent für Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Berlin, Alfred Meusel, Professor für Volkswirtschaftslehre und Soziologie an der Technischen Hochschule Aachen, sowie Henryk Grossmann. Das geschäftsführende Sekretariat der Arbeitsgemeinschaft bestand aus Arvid Harnack als Leiter sowie – diesen unterstützend – Paul Massing, damals Vertreter der „Moskauer Zeitschrift für Agrarpolitik“ [gemeint ist 327 die Zeitschrift: „Agrar-Probleme. Herausgegeben vom Internationalen Agrar- Institut Moskau“], und Klaus Mehnert, seinerzeit Generalsekretär der „Gesellschaft zum Studium Osteuropas“. Zu den von Lenz herausgehobenen Unterstützern der Arbeitsgemeinschaft zählten des weiteren Karl August Wittfogel, Ernst Niekisch und Prof. Alex Bolgar von der Handelsdelegation der UdSSR in Berlin sowie die Berliner „Gesellschaft der Freunde des Neuen Russland“ und das Moskauer „Marx-Engels-Institut“. Am 3./4. Januar 1932 veranstaltete die Arplan eine Tagung in Berlin, zu der 50 Teilnehmer eingeladen waren. Zudem entsandte sie im Sommer 1932 den Gießener Privatdozenten Georg Mayer – später wie Grossmann als Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Leipzig lehrend, dort seit 31. Oktober 1948 als Prorektor und seit Mitte Januar 1950 als Rektor amtierend [Handel, Georg: Georg Mayer – Zum Leben und Wirken. Ein biographischer Abriß. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl- Marx-Universität Leipzig. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe. Leipzig. 26. Jahrg. 1977. Heft 6. S. 507–583. Dort: S. 537, 542 u. 551] – zum Studium an die Lenin-Akademie in Moskau. [Lenz, Friedrich: Gründungsbericht über die „Arbeitsgemeinschaft zum Studium der sowjetrussischen Planwirtschaft“ (1931). In: ders.: Wirtschaftsplanung und Planwirtschaft. Berlin 1948. S. 76–79. Dort: S. 77/78; ders.: In memoriam Arvid Harnack († 1942). In: ebd. S. 88–94. Dort: S. 90–92.] Die eigentümliche Mischung aus kommunistischen und nationalistischen Intellektuellen, die sich als Mitglieder der Arplan oder als Teilnehmer an ihren Tagungen zusammenfanden – zusätzlich zu jener im Januar 1932 fand eine weitere im August 1932 statt und zählten auf Seiten der nationalrevolutionären Rechten neben dem bereits genannten Niekisch auch Ernst Jünger, Ernst Graf Reventlow sowie Carl Schmitt zum Kreis der Mitwirkenden –, galt der Herbeiführung einer deutsch-sowjetischen Annäherung oder gar eines Bündnisses als Gegenpol zur Versailler Ordnung, im Sinne einer nationalbolschewistischen Ostorientierung Deutschlands auf der einen und der Einbeziehung dieses Teils der nationalistischen Rechten in den Einflussbereich der KPD auf der anderen Seite. Die Arbeitsgemeinschaft wurde von der sowjetischen Botschaft in Berlin unterstützt. Aus russischen Quellen insbesondere zur Roten Kapelle – Harnack war später Führungsmitglied dieser antifaschistischen Widerstandsgruppe – geht hervor, dass eine in der Arplan existierende kommunistische Parteigruppe mit der Aufgabe bestand, Einfluss zu nehmen und die entsprechenden Diskussionen zu lenken. Ihr gehörte neben Massing und Wittfogel unter anderem auch Georg Lukács an. [Kretzschmar, Ursula: Der Aufbau des Sozialismus in der UdSSR im Urteil fortschrittlicher deutscher Intellektueller (1917–1932). In: Beiträge zum nationalen Geschichtsbild der deutschen Arbeiterklasse. Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. X. Jahrg., Sonderheft. Berlin 1962. S. 238–256. Dort: S. 253; Chawkin, Boris, Hans Coppi, Juri Zorja: Russische Quellen zur Roten Kapelle. In: Coppi, Hans, Jürgen Danyel, Johannes Tuchel (Hrsg.): Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. (Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Reihe A, Bd. 1.) Berlin 1994. S. 104–144. Dort: S. 115–120; Mick, Christoph: Sowjetische Propaganda, Fünfjahrplan und deutsche Rußlandpolitik 1928–1932. Stuttgart 1995. S. 236–239; Schlögel, Karl: Berlin – Ostbahnhof Europas. Russen und Deutsche in ihrem Jahrhundert. Berlin 1998. S. 126–128.] 328 Grossmanns Teilnahme an der Studienreise geht aus einem maschinenschriftlich vervielfältigten Bericht der Arplan hervor. Demnach umfasste die vorwiegend aus Nationalökonomen und Ingenieuren bestehende Reisegruppe (einschließlich eines Fotografen) insgesamt 24 Teilnehmer, darunter – namentlich zu den bekannteren zählend – Adolf Grabowsky, Arvid Harnack, Emil Lederer, Friedrich Lenz und Ernst Niekisch. Die Reiseroute verlief ausgehend von Berlin via Stettin mit dem Schiff nach Leningrad, von dort nach Moskau, Dnjeprostroi, Charkow, Odessa und Kiew sowie über Warschau zurück nach Berlin. Auf dem Programm standen Besuche von diversen Industriekombinaten und Landwirtschaftskolchosen, unterschiedlichen Gliederungen der staatlichen Plankommission, Einrichtungen des Presse-, Bildungs- und Kulturwesens, Gesprächsterminen mit Vertretern von Gewerkschaften und Volkskommissariaten, Zusammenkünften unter anderem mit dem Leiter des Instituts für Weltwirtschaft und Weltpolitik Eugen Varga und dem Vertreter des Internationalen Agrar-Instituts Sergej M. Dubrowski in Moskau sowie eine Besichtigung der neuerrichteten Dnjeprostroi-Talsperre. Grossmann fungierte dem Bericht zufolge als Diskussionsleiter bei Treffen mit Vertretern der Plankommission Obplan in Leningrad sowie der Planungsbehörde Gosplan für die Ukraine in Charkow. [Protokolle der Studienreise nach der Sowjet-Union vom 20. August bis 12. September 1932. Verf.: Arbeitsgemeinschaft zum Studium der sowjetrussischen Planwirtschaft (Arplan). Berlin: [Selbstverlag], 1932.]

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References

Zusammenfassung

Am Vorabend der Weltwirtschaftskrise von 1929 publizierte Henryk Grossmann (1881–1950) mit seinem Hauptwerk, „Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems“, eines der bedeutendsten Werke der marxistischen Krisentheorie. Zugleich war er von 1925 bis 1948 Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung – zunächst in Frankfurt, sodann in der Emigration in Paris, London und New York. Im Zentrum der vorliegenden Auswahl seiner nachgelassenen Schriften stehen politökonomische Arbeiten aus dem Warschauer Archiv der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Sie fokussieren zum überwiegenden Teil auf den Status der Marxschen Werttheorie und insonderheit auf das Problem der Wert-Preis-Transformation bei Marx. Weitere Abhandlungen gelten konzeptionellen Überlegungen zu den ökonomischen Bedingungen des deutschen Faschismus und zu wissenschaftshistorischen Themen. Der Publikation angefügt sind ferner mehrere archivalische und bio-bibliographische Verzeichnisse sowie ein Dokumentenanhang mit Reproduktionen ausgewählter Materialien. In der Gesamtheit ergibt sich ein neuer, bislang in dieser Intensität nicht bekannter Blick auf das Leben und Werk von Henryk Grossmann.