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Einleitung in:

Alexander Ell

Wissenstransfer im Community Based Tourism, page 7 - 9

Eine Feldstudie in der Region Yogyakarta, Indonesien

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-3977-9, ISBN online: 978-3-8288-6805-2, https://doi.org/10.5771/9783828868052-7

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
7 Einleitung Tourismus als ein stetig wachsender internationaler Industriesektor ist nicht nur für Ökonomie und Ökologie von großer Bedeutung, sondern auch für die Menschen und ihre Lebenswelt. Einerseits bietet Tourismus eine bedeutende Einnahmequelle und die Möglichkeit zum Kulturkontakt und Austausch, andererseits hat sich gezeigt, dass besonders der Massentourismus viele negative Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung hat. Von alternativen Tourismusformen bei denen ökologische, ökonomische und soziokulturelle Nachhaltigkeit und Partizipation der lokalen Bevölkerung auf verschiedenen Ebenen unterschiedlich stark betont werden, verspricht man sich eine Minimierung negativer Effekte. Darüber hinaus sehen Wissenschaftler1, Regierungen, Entwicklungshilfeorgane und auch lokale Bevölkerungen den Empfang von Besuchern als Mittel zur Bekämpfung von Marginalisierung und Armut an. Ein Konzept, das seit den 1990er Jahren verstärkt als Instrument der Regionalentwicklung eingesetzt wird und eine möglichst umfassende Partizipation der lokalen Bevölkerung der Tourismusdestination gewährleisten soll ist der Community Based Tourism (CBT, Gemeindebasierenden Tourismus). Allerdings zeigte sich, dass auch dieser Ansatz in der Praxis oftmals nicht wie erhofft funktioniert. Der Mangel an Wissen und Verständnis für Tourismus der lokalen Akteure wird als grundlegendes Hindernis der Entwicklung nachhaltiger CBT-Projekte gesehen. Mit Schulungsmaßnahmen versucht man bei den Zielgemeinden ein Bewusstsein für Tourismus und seine Implikationen zu schaffen und Wissen aus den vielen Fachereichen wie Management, Finanzwesen, Kundenservice etc. zu vermitteln. Damit rücken der Transfer von Wissen und die ihn bedingenden Faktoren in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Transfer von Wissen in zwei Community Based Tourisms-Projekten auf Java, Indonesien. Dazu führte ich im Sommer 2008 eine zehnwöchige Feldstudie zusammen mit meiner indonesischen Forschungspartnerin Rian Indriani durch. In den ländlichen Gebieten der Region Yogyakarta (Daerah Istimewa Yogyakarta, D.I.Y.) in Zentraljava entstehen seit einigen Jahren vermehrt CBT-Projekte, desa wisata (Tourimusdörfer) genannt. Diese beruhen hauptsächlich auf der Vermarktung von Traditionen und Kultur im weitesten Sinne. Ein in 1 Personen- und gruppenbezogene Bezeichnungen sind stets geschlechtsneutral zu verstehen und beziehen sich auf Männer und Frauen gleichermaßen. Die Verwendung der männlichen Form geschah allein aufgrund der vereinfachten Lesbarkeit. 8 Deutschland geführtes Expertengespräch (IWeb)2 ließ vermuten, dass auch diese Projekte mit den typischen Problemen zu kämpfen haben. Da ich von der Idee des CBT so begeistert, wie von seinen offensichtlichen Fehlschlägen in der Implementierung ernüchtert war, lag es nahe der Frage nach dem angeblichen Mangel an Wissen nachzugehen und mittels einer ethnologischen Feldforschung die emische Sichtweise dieses Phänomens zu untersuchen. In dieser Arbeit werden für die theoretische, aber auch praktische Beschäftigung mit dem Thema wissenstransferrelevante Erkenntnisse gewonnen, die Anreiz zu weiterer wissenschaftler Beschäftigung geben. Es lassen sich aber auch Handlungsanweisungen für die Praxis der Wissensvermittlung zur Ermächtigung der Durchführung von CBT-Projekten ableiten. Folgende Leitfragen ziehen sich durch die gesamte Arbeit: 1. Welche Akteure in den Projekten sind Träger welchen Wissens? 2. Wie wird Wissen vermittelt und vor allem: welche Faktoren bedingen diesen Prozess? Zunächst wird die Beschäftigung der Ethnologie mit Tourismus dargestellt und die vorliegende Arbeit innerhalb dieser verortet. Im Anschluss werden die verschiedenen Strömungen der Tourismuskritik und alternative Ansätze thematisiert. Anschließend befasst sich die Arbeit mit dem aus der Kritik an Tourismus und Methoden der Entwicklungszusammenarbeit entstandenen alternativen Konzept des CBT, den dahinter stehenden Ideen, den Ansprüchen und damit verbundenen Hoffungen. Die empirischen Erkenntnisse verweisen auf die Wichtigkeit von Bildungsmaßnahmen in der lokalen Bevölkerung für die Entwicklung von CBT-Projekten und geben erste Hinweise auf Faktoren, die den Wissenstransfer bedingen. Der nächste Teil beschäftigt sich mit den wissenstheoretischen Grundlagen. Dabei sind Aussagen zur Kommunikation von Informationen in Bezugnahme auf die Diffusionstheorie nach Rogers hilfreich, um Erkenntnisse über die Faktoren des Wissenstransfers zu erhalten. Es folgt eine Einführung in die Forschungsre- 2 Die in der Arbeit verwendeten Kürzel für die jeweiligen Interviews setzen sich zum einen aus einem Großbuchstaben zusammen, der die Zugehörigkeit zur befragten Personengruppe anzeigt (S für Sambi, K für Ketingan, D für Dinas usw., wobei Experten und weitere Gesprächspartner, die in keine der Kategorien fallen ein I für Interview erhalten) und zum anderen aus der anschließenden Zahl, die sich auf die Nummer des Gesprächs mit der jeweiligen Person bezieht. Die nachfolgenden drei Buch-staben stehen zudem für die Anfangsbuchstaben des Namens. Dieser enstpricht bei den Forschungs-teilnehmern auf den Dörfern bis auf wenige Ausnahmen nicht dem wirklichen. Eine Auflistung aller Interviews findet sich bei den Quellenangaben. 9 gion, die aus einer allgemeinen Beschreibung und der Darlegung des Forschungsstandes des Tourismus in Indonesien und Yogyakarta und der dort wachsenend Anzahl von Tourismusdörfern, gegeben wird. Zwei solcher auf der Grundlage des CBT- Gedanken entstandene Dörfer stehen im Mittelpunkt meiner Forschung. Mit diesen beiden Dörfern wird danach das Forschungs-feld beschrieben. Anschließend folgt eine Reflexion meiner Feldforschung. Hier werden die Arbeit im Feld und die in der Auswertung der Materialien angewandten Methoden offen gelegt. Es schließt sich ein Kapitel über die für den Wissenstransfer relevanten Akteure und Strukturen an. Die Art der Verwendung der finanziellen Einnahmen aus dem Projekt, sowie die relevanten Organisationen und Institutionen werden erklärt und die für den Wissenstransfer relevanten staatlichen, universitären und privaten Akteure genannt. In den folgenden zwei Kapiteln erfolgt die Analyse der empirischen Daten in Bezugnahmen auf die Anfangs genannten theoretischen Aspekte. Zuerst wird nach dem Wissen der Bewohner bez. der Touristischen Potentiale ihrer Dörfer gefragt. Dabei werden Motivationen für eine Partizipation an den Projekten sichtbar die sich aus den erwarteten Gewinnen aber auch Befürchtungen ableiten. Die Verteilung von Wissen und dessen Quellen werden aufgezeigt. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den verschiedenen Orten und Situationen des Wissenstransfers von projektrelevantem Wissen zur Dorfbevölkerung. Dabei werden die Inhalte von Schulungen für am CBT interessierte Dörfer sowie die Meinungen der Teilnehmer und auch Durchführenden dazu untersucht. Die Beobachtung einer solchen Schulung, kombiniert mit den Stimmen der Teilnehmer und Trainer lässt Rückschlüsse auf den Wissenstransfer bedingende Faktoren zu. Neben Schulungen bieten die anschließend behandelten Vergleichsstudien und das Kommunikationsforum der Tourismusdörfer verschiedenen Akteuren die Möglichkeit des Informationsaustausches und Wissensgewinns. Der Wissenstransfer innerhalb der beiden Dörfer steht im Fokus der folgenden Analyse. Das folgende Kapitel widmet sich drei Personen die von herausragender Bedeutung für die Entwicklung der Tourismusdörfer waren. Die Sicht der Dorfbewohner wie auch ihre eigene auf ihr Handeln und ihren Einfluss, lässt weitere Schlüsse auf Wissenstransfer bedingende Faktoren zu. In der abschließenden Zusammenfassung der Forschungsergebnisse werden einige der den Wissenstransfer bedingende Faktoren, die in den verschiedenen untersuchten Teilbereichen der Forschung aufgezeigt werden konnten, hervorgehoben. Abschließend werden einige Empfehlungen für Bildungsmaßnahmen im CBT-Bereich gegeben.

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Zusammenfassung

Von alternativen Konzepten, wie dem des Community Based Tourism, erhofft man sich, die oftmals negativen Auswirkungen von Tourismus auf die lokalen Bevölkerungen und ihre Lebenswelten zu verbessern. Allerdings zeigt sich, dass auch dieser Ansatz in der Praxis oftmals nicht wie erhofft funktioniert. Der Mangel an Wissen und Verständnis für Tourismus der lokalen Akteure wird als grundlegendes Hindernis der Entwicklung nachhaltiger alternativer Projekte gesehen. Beruhend auf einer 10-wöchigen durchgeführten Feldstudie behandelt diese Arbeit den Transfer von Wissen in zwei Community Based Tourism-Projekten auf Java, Indonesien. Dort entstehen in den ländlichen Gebieten der Region Yogyakarta seit einigen Jahren vermehrt desa wisata (Tourismusdörfer). Diese beruhen hauptsächlich auf der Vermarktung von Traditionen und Kultur im weitesten Sinne. In dieser Arbeit werden für die theoretische, aber auch praktische Beschäftigung mit dem Thema relevante Erkenntnisse gewonnen. Es lassen sich auch Handlungsanweisungen für die Praxis der Wissensvermittlung zur Ermächtigung der Durchführung von CBT-Projekten ableiten. Folgende Leitfragen ziehen sich durch die Arbeit: Welche Akteure in den Projekten sind Träger welchen Wissens? Wie wird Wissen vermittelt, und vor allem: welche Faktoren bedingen diesen Prozess?