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7. Projektrelevantes Wissen der lokalen Bevölkerung in:

Alexander Ell

Wissenstransfer im Community Based Tourism, page 69 - 81

Eine Feldstudie in der Region Yogyakarta, Indonesien

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-3977-9, ISBN online: 978-3-8288-6805-2, https://doi.org/10.5771/9783828868052-69

Tectum, Baden-Baden
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69 7. Projektrelevantes Wissen der lokalen Bevölkerung 7.1. Wissen über touristische Potenziale Wie bereits erwähnt, speisen sich die Attraktionen der Tourismusdörfer neben den naturräumlichen Gegebenheiten vor allem aus den jeweiligen kulturellen Ausdrucksformen (Dwi 2004:26). Die Besucher sollen das Leben der Bevölkerung innerhalb der gültigen Traditionen und Ordnung kennen lernen. Neben materieller Kultur, wie den bereits erwähnten Joglos oder Werkzeugen und Gerätschaften für Kunst, Arbeit oder Kleidung,84 bildet vor allem das Alltagsleben der Dorfbewohner das touristische Potential. Das Besondere ist, dass diese Attraktionen innerhalb des kulturellen und sozialen Rahmens erlebt werden können (Dwi 2004:26f). Einer unserer Gesprächspartner, der ehemalige Leiter des Komitees, fasst die zusammen: „They are interested in the life style here at Sambi“ (Ssuy1). Das lokale Wissen der Bevölkerung bildet also die Grundlage des Dorftourismus (Dwi 2004:29, Raharjana 2005). Dies schließt sowohl Alltagswissen, als auch Spezialwissen mit ein. Gerade für Sambi, das als desa wisata budaya (Kultur) und pertanian (Landwirtschaft) vermarktet wird, ist dies wesentlich.85 84 In beiden Dörfern wurden im Alltag, aber vor allem zu besonderen Anlässen, Batikhemden und Sarongs getragen. Sarongs sind aus einer Stoffbahn zusammen genähte Röcke, die auf Java traditionell von Männern getragen werden. Sie kommen in verschiedenen Teilen Südostasien und des südpazifischen Raums in vielen Variationen vor. 85 Die Bezeichnung der Dörfer variiert hin und wieder. So wird meistens unterschieden zwischen alam (Natur), pertanian (Landwirtschaft), budaya (Kultur) und kerajinan ((Kunst- )Handwerk). Da diese Attraktionen sich meistens überschneiden, erfolgt die Einordnung in diese Kategorien nicht immer gleich. Manchmal werden sie auch kombiniert oder durch weitere Schlagworte erweitert wie Agro (Schwerpunt auf Agrikulturen) oder Fauna, wobei letzteres nur Ketingan für sich verzeichnen kann (Kompas 20.9.2008, und die Profile auf der Homepage der Dinas). 70 In Sambi können die Besucher je nach Interesse das Ernten von Reis, Salak86 und anderen Früchten beobachten, oder selbst ausprobieren, sowie Fischzucht- und Viehhaltung kennen lernen. Das lokale Flair, die Sprache, die Umgangsformen, das Essen, typische Architektur etc. geben den Rahmen vor, innerhalb dessen Aktivitäten stattfinden. Ein Gesprächspartner zählte stolz auf: A: „The desa wisata is (...) based on things which exist in the village. What assets are in the village, which can be organized, in order to attract people from outside the village? It aims to the genuine style of living here. For example, in farming: it starts from planting rice seeds, mattocking, and plowing. Fishery is also other interesting tourism attractions for people who come here. By coming here, they can learn how to plow, harvest rice, plant vegetables. They also can enjoy art performances here. There are also art performances here, such as wayan kulit (…).” B: „It is at the residence, right?” A: „Yes. There is ketoprak87 and others. We can perform art as a tool to attract them. For example, their group is interested to dance, we will prepare the dancing trainers. We provide it. We prepare those things. Then there is also other things, like homestays. We expect them to live here, in one of our families. They will follow daily activities with their host. For example: the host is a farmer. They will follow a tour to the rice field, they can eat together, a simple menu. If the host eats tempe,88 they will follow and taste food menu here” (SSyo1). Im weiteren Gespräch erwähnte er noch das Nyadran (SSyo1). Nyadran bezeichnet eine Zeremonie vor dem Fastenmonat Ramadan, bei der die Anwohner Gott ihren Dank aussprechen und auf dem Friedhof den Beistand der Ahnen erbeten. Wie überall in muslimischen Gemeinschaften wird auch das Fastenbrechen (Idul Firtri) gefeiert. Darüber hinaus werden noch andere jahreszyklische Riten und Zeremonien begangen, die oftmals in Verbindung mit der Landwirtschaft stehen und den ländlichen Charakter unterstreichen. Neben diesen alljährlichen religiösen Bräuchen wurden uns verschiedene Rituale, den menschlichen Lebenszyklus betreffend, genannt (SHar1, SDuk, SSyo1+2, SMok). So führte der Leiter des Komitees die anlässlich von Geburten und Beerdigungen begangenen selamatan89 an, um zu 86 Salak ist die Frucht der Salakpalme (Salacca zalacca). Wegen ihrer glänzenden, schuppigen Schale wird die Frucht im Deutschen als Schlangen(haut)frucht und im Englischen 'Snakefruit' genannt. 87 Ketoprak (auch kethoprak) ist ein in Java verbreitetes Schauspiel, das sich inhaltlich traditionell aus Legenden und Mythen Javas schöpft. Begleitet wird es vom Gamelan. 88 Tempe ist ein auf Java beliebtes Sojaprodukt. 89 Sammelbegriff, der diverse Feierlichkeiten zum Ausdruck von Dank und Glückwünschen umfasst. 71 demonstrieren, wie traditionell und damit interessant sie für Besucher sind (SHAr1, Werbung Sambis im Anhang). Eine Attraktion, die mittlerweile aufgrund der Erkrankung des aufführenden dalang (Puppenspielers) an Bedeutung verloren hat, da sich dieser wegen gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hat, ist das im Interview genannte Wayang kulit. Die nötige Ausrüstung hatte einer der ersten privaten Reiseanbieter zur Verfügung gestellt. Auswärtigen Dalangs kaufte Sumantri sowohl das Schattentheater, als auch das Gamelan ab und fing an, selbst Aufführungen zu geben; einerseits aufgrund seines Interesses an der Kunst, andererseits als neue Einnahmequelle. Vor seiner Erkrankung spielte er sowohl für das Dorf, als auch für Touristen gegen Bezahlung und würde das bei Anfrage auch weiterhin tun, wenn auch nicht so oft (SSum1+2). Ebenso sind die auf der Homepage der Dinas aufgeführten weiteren Künste, wie etwa Ketoprak zwar immer noch im Angebot, werden aber kaum noch gebucht und sind inoffiziell schon von der Angebotsliste gestrichen worden (SHar1). Diese wurden von einem Bruder des eben erwähnten Gesprächspartners organisiert und mit aufgeführt. Als studierter Tänzer bemühte er sich in der Anfangszeit des Desa Wisata sehr um das künstlerische Angebot (siehe Angebot Sambis im Anhang), das in seinem Haus, dem einzigen Joglo Sambis, stattfand. Nach eigenen Angaben war er jedoch durch seine Hauptarbeit außerhalb der Kunst und seine allwöchentlichen Auftritte in einem noblen Hotel in Yogyakarta bereits ausgelastet (SAle). Auch im weniger traditionell geprägten Ketingan, dessen Hauptattraktion zunächst die beiden Reiherarten waren, versucht man, Besucher mit kulturellen und landwirtschaftlichen Aktivitäten anzulocken. In einem kleinen Werbefaltblatt wirbt der Ort bildreich mit „bird watching“, „argricultural activitites“, „local art performances“, „local food production“ und „tree adoption“ (Q 2). Da der Anblick der Reiher nur wenige Vogelinteressierte für einen langen Zeitraum im Ort zu halten vermag, wurde das Angebot auf Aktivitäten jenseits der gefiederten Attraktion erweitert. Wie in Sambi sieht man die Tourismusarbeit auch als Chance zum Kulturerhalt und zum Austausch mit Menschen aus anderen Regionen (KJum, SSyum2, SSum1+2, SSuyo, u.a.). Von unseren Gesprächspartnern wurden verschiedene „potensi budaya“ oder „aset-aset budaya“ (kulturelle Potentiale, kulturelle Vermögen), genannt, die denen Sambis teilweise gleichen (Raharjana 2005:120-127). Wie in Sambi verwies man auf die Reisfelder in der Umgebung, die noch weiterhin auf traditionelle Art mittels Ochsen gepflügt und geeggt werden, um den Reis später mit kleinen Sicheln (ani-ani) zu ernten (KHar1+2). 72 “During plowing, the guests join in. After plowing, we harrow the plowed soil. The guests get on the harrow one after the other. They enjoy it. They play with mud. They even roll around in the mud“ (KHAr1). Die Ernte und Weiterverarbeitung der Frucht des Melinjo-Baumes zu Chips ist ebenso Teil des Tourismusprogramms wie das Sammeln der Zutaten und die Herstellung von jamu gendhong, einer Kräutermedizin, die meist von Frauen verkauft wird (KHar1). Nicht alltägliche Aktivitäten, denen man beiwohnen kann, sind merti desa (KJum) und gejog lesung, die erst im Zuge der Erweiterung des touristischen Angebots wieder interessant wurden (Khar1).90 Merti desa (bzw. merti dusun oder merti bumi) ist eine Reinigungs- und Segenszeremonie in Form einer Prozession durch das Dorf, bei der fast das gesamte Dorf involviert ist. Dem allmächtigen Schöpfer sowie auch der Erde werden Dank für die Ernte ausgesprochen und weiterer Segen wird erbeten (KJum, KHar1). Merti Bumi wurde im Zuge der Entwicklung des Desa Wisata wieder regelmäßig durchgeführt. Unsere Interviewpartner freuten sich darüber, dass dank des Tourismus diese Tradition nicht verloren ging und die jungen Menschen diese weiterführen können (KJum, KHar1). Auch das bereits seit Längerem vernachlässigte gejog lesung, das gemeinschaftliche Stampfen der Frauen von Reis in einem großen Mörser aus einem massiven Stück Holz, wurde revitalisiert. Die Frauen stehen verteilt um den ca. zwei Meter langen, länglichen Mörser, und singen zum Rhythmus der Schläge ihrer Stößel folklorische Lieder (KHAr1). Neben weiteren Beispielen wurde auch eine Tradition namens angler genannt. „We also have a tradition called ‘angler’. Angler is an offering after planting rice in order to please the spirit of this plant so it's not attacked by pets or rats. So that at the time of he harvest it will be a good harvest. It's a kind of petition but expressed through a ritual” (Khar1). Gleichzeitig mit Merti Bumi wurde in Ketingan auch Gamelan eingeführt. Raharjana schrieb 2005, dass man noch nicht reif für Auftritte sei, aber sehr motiviert übe, um auch Besucher auf Anfrage damit zu unterhalten. Unsere Gesprächspartner berichteten davon, dass bei den vergangenen zwei Merti Bumi auch Gamelan gespielt worden sei und zählten es zu den Potentialen des Dorfes (Rharjana 2005:125). In den Angeboten des Desa Wisata Ketingan fand es zur Zeit der Forschung keine Erwähnung. Ebenso unerwähnt blieben die bei Raharjana aufgeführten „Bräuche und Traditionen den Lebenszyklus einer Person betreffend“ (Raharjana 2005:78). 90 Allerdings sagte unser Gesprächspartner auch, dass beim letzten Mal keine Touristen anwesend waren, da er so beschäftigt gewesen sei mit der Organisation, dass er vergessen hatte, den Termin den Reiseanbietern, die angefragt hatten, zuzusagen (Khar1). 73 Alle Forschungsteilnehmer aus Ketingan waren sich bewusst über das touristische Potenzial, das die Reiher darstellten: „Such an Egret habitat doesn't exist in every village (...) and that's positive because since it's a desa wisata, people come and visit to look at them, so there's a bit more income especially for the people who have a homestay“ (KLoh). Neben dem Wissen über Unterscheidungsmerkmale der Vogelarten wussten unsere Gesprächspartner auch über den Zyklus und das Verhalten der Vögel bescheid. Besonders der Vorsitzende des Komitees, Pak Haryono, konnte uns viel über die Vögel erzählen. So klärte er uns z.B. über Veränderungen in Verhalten und Aussehen der beiden Reiherarten während der Reproduktion auf. Er wusste sowohl, wie die Eier, als auch die Jungtiere aussehen. Auch konnte er über die bevorzugten Baumarten und Nisthöhen der Vögel berichten (KHar1, KHar2). Raharjana gegenüber sprach er auch von den Problemen der Dorfbewohner mit den Tieren. Die bei den Tieren beliebten Melinjo-Bäume werfen Früchte ab, die von der Bevölkerung vermarktet werden. Das pure Gewicht der vielen Vögel, das Abfallen von Blüten und Ästen, die auch zum Nestbau verwendet werden, und der Kot der Vögel stellen eine starke Belastung für die Bäume dar, der eine Regenerationsphase von nur wenigen Wochen gegenüber steht. Dies sei anfangs ein Grund für die Abneigung der Bevölkerung den Vögeln gegenüber gewesen von allen Befragten in Ketingan bestätigt wurde. Seit einer Rekordernte im Jahr 2002 habe man aber keine Bedenken mehr (KHar1, KSri, Raharjana 2005:87f). Uns gegenüber berichtete allerdings ein Gesprächspartner, dass es keineswegs so sei, dass, wie von allen unseren anderen Forschungsteilnehmern in Ketingan behauptet, nach anfänglicher Abneigung sich nun alle mit der Anwesenheit der Tiere abgefunden hätten und diese durchweg begrüßen würden. Vorbehhalte gebe es insbesondere bei den ärmeren Dorfbewohnern, die u.a. aus Mangel an Homestays oder deren Ausstattung wenig Gewinn aus dem Tourismus zögen (KLoh). Die Ernährung der Vögel, die zu großen Teilen aus Fisch, Fröschen in allen Entwicklungsstadien, Würmern und auch kleinen Schlangen besteht, ist der Grund für ein weiteres Problem mit den Vögeln: dem sehr starken Gestank ihrer überall anzutreffenden Ausscheidungen (KHar1, KKhar2, KLoh, KJum, KIbu, Ksri, Raharjana 2005: 103). 7.2. Die Verteilung und Aneignung von Wissen Trotz des oben beschriebenen Wissens wurde von den Experten noch immer ein fehlendes Grundverständnis für Tourismus von der Mehrheit der Dorfbewohner als allgemeines Problem von Desa Wisata-Projekten genannt (IAnt, IWeb, IDes1, INur, Dwi 2004:91ff, Buchmann 2006:93). Von den 74 Mitgliedern der Komitees, wie auch allen anderen befragten Gruppen, wird diese Einschätzung bestätigt (z.B. SSup, SMok, GDifl, SIth1, KJum, IWeb, IAnt). Viele Bewohner können sich nicht vorstellen, dass ihre alltägliche Arbeit und ihr normales Dorfleben für andere Menschen interessant sein können. Andere finden zwar die Idee, durch den Besuch von Gästen Geld zu verdienen, prinzipiell gut, haben jedoch falsche Vorstellungen von Tourismus. Die Tatsache, dass die Entwicklung eines derartigen Projektes mehrere Jahre dauert und zur Teilhabe Investitionen nötig sind, die sich zum Teil erst langfristig auszahlen, ist ihnen fremd (IAnt, IWeb, IDes1, INur). Wie sich auch während unserer Forschung herausstellte, sehen sich die Bewohner nicht als Dienstleister, sondern eher als Gastgeber, die Besuche empfangen, wie sie dies aus ihrem privaten Leben kennen. Eine unserer Gesprächspartnerinnen, die im FKDW tätig ist und in ihrem Ort das Desa Wisata leitet, führte den Vergleich an: „Ein Desa Wisata aufzubauen ist nicht wie Tempeh verkaufen“ (ISuj1). Die Entwicklung eines Desa Wisata braucht Zeit. Man dürfe nicht immer nur an Verkaufen denken, sondern müsse auf Qualität achten. Dies sei eben nicht wie der Verkauf von Tempeh, das man morgens zubereiten, dann verkaufen und damit schnelles Geld verdienen kann. Man müsse vielmehr langsam vorgehen (ISuj1). Das von den Experten bemängelte unzureichende Wissen des Großteils der Dorfbevölkerung um die Ansprüche der Touristen erklärt die Schatzmeisterin in Sambi wie folgt: „Some are ready and some are not ready yet. What I mean by readiness is to be ready in all aspects. In all aspects means to know how welcome guests and satisfy them” (SSun). Bemängelt wird, dass die Häuser derjenigen Personen, die Gäste bei sich im Sinne eines Homestays aufnehmen wollen, die dafür erforderlichen Voraussetzungen nicht erfüllen. Meistens sind es die hygienischen Bedingungen, fehlende oder unzureichende Toiletten, Bäder, an denen man arbeiten muss (KHay1, KJum, KIbu, SSun, SMok, IDes1, ISuj1+2). Das Dorfoberhaupt Sambis spricht einen weiteren Punkt an: „A tourism village should be clean, but here sometimes we can’t even clean up our own place” (SDuk). Er bezieht sich dabei auf den Müll, der in den Straßen und Gärten Sambis herumliegt. Dem versucht man zwar durch gotong royong anlässlich besonderer Ereignisse zu begegnen, aber ein Bewusstsein dafür, dass dieser Müll unschön und umweltversmutzend ist, was die Gäste stören könnte, ist bei vielen Bewohnern nicht vorhanden (SDuk, SIth1, SHary1). Es ist nicht nur „die Bevölkerung”, die mangelndes Wissen über Tourismus zu haben scheint, wie man aus manchen Aussagen der Komiteemitglieder interpretieren könnte. Vielmehr trifft das auch für die Mitglieder des Komitees zu, denen das Zusammenstellen eines Angebots, Werbung, 75 Finanzbuchhaltung etc. Zufallen. Das ehemalige Dorfoberhaupt, und gleichzeitig auch ehemaliger Vorsitzender des Komitees in Sambi, beschrieb die aktuelle Situation mit einem Vergleich: „The new people on the board are not that capable yet. You can see how it is going now. It is like a food stall in which people come to buy food but no one in the stall is able to serve, to sell“ (SSum). Die Schatzmeisterin des Desa Wisata sagte uns, dass ein Problem in der mangelhaften Ausbildung der Funktionäre liege (SSun). Wie in der Reflexion bereits erwähnt, wurde vorhandenes Wissen unserer Forschungsteilnehmer weniger explizit thematisiert als mangelndes Wissen. Es äußerte sich vielmehr implizit während der Gespräche und in der Reflexion über Wissensdefizite von Anderen, aber auch über die eigenen Wissenslücken. „I often took trainings since a long time. From there my knowledge extended. I figured that village communities have the potential to be improved; they have something valuable to sell to tourists. Poor thing, though, they often don’t know they have the potential to develop“ (SIth1). So wurde auch deutlich, dass die einzelnen Individuen unterschiedliches Wissen und verschiedene Fähigkeiten besaßen, oder man es ihnen zumindest zuschrieb. Beispielsweise wohnte ich bei meinem Aufenthalt in Ketingan im Homestay einer Familie, deren Töchter beide auch als Guides für das Desa Wisata arbeiteten. Dafür haben sie, von ihren Englischkenntnissen abgesehen, keine besonderen Qualifikationen. Ihre Aufgabe besteht nach eigener Definition darin, Gästen die Attraktionen des Dorfes, vor allem die Vögel zu zeigen. Was sie hierbei einsetzen, ist ihr lokales Wissen. Sie hatten keine Schulungen besucht oder anderweitig spezifische Kenntnisse als „Guides“ erworben. In Gesprächen mit den beiden Töchtern und der Mutter der Familie zeigte sich, dass sie wenig Wissen über die Organisation und die Geschichte von Desa Wisata besaßen. Bei Fragen diesbezüglich verwiesen sie immer auf den Ketua des Komitees. Das Desa Wisata-Projekt gefiel ihnen aber, weil es gut für das Dorf sei und Leute von außerhalb zu Besuch kommen. Der Leiter des Komitees in Ketingan hingegen wusste über die Struktur und Abläufe des Desa Wisata, Preise, nötige Vorbereitungen etc. Bescheid, kannte aber auch zuständige Behörden und deren Aufgaben, Reiseagenturen und die Entwicklungen auf dem Markt. Er hatte also ein wesentlich größeres allgemeines und spezifisches Tourismuswissen. Die Schatzmeisterin Sambis war vom Ketua des Desa Wisata für diese Stelle aufgrund ihres sozialen Engagements und ihrer guten Bildung auserkoren worden (SSyo1, SSun, SHar1). Auch wenn sie nach eigenen Angaben kein Vorwissen über Tourismus oder die Verwaltung von Finanzen hatte, trat sie 76 die Stelle an, weil man sie aufgrund ihrer Bildung und sozialen Engagements für geeignet hielt (SHar2, SSun). Sie selbst betonte mehrfach die Wichtigkeit des Ausbildungshintergrunds der Komitees für die Entwicklung des Desa Wisata und hoffte auf eine neues Komitee von jungen Personen, die mindestens einen High-School Abschluss haben sollten. Der jetzige schleppende Erfolg liege unter anderem an der Bildung der einzelnen Individuen. ”We're not so successful but I hope that we can become far better in the future. But the capacity of each individual... we don't have a tourism education background... the management, and also the marketing skills, we don't have those, even all of the committee members. Except Mas Haryono, Mas Haryono has a tourism background, but the others don't” (SSun). Hier wird deutlich, dass bestimmten Leuten bestimmtes individuelles Wissen sowie Fähigkeiten zugeschrieben werden, die im Dorftourismus nützlich sind. Besagter Haryono hat zwar diese Ausbildung genossen, hält eine touristische Ausbildung jedoch nicht für nötig. Darauf angesprochen sagt er: “H: Ya is true. But… I think, talking about the Tourism is... They can start it, not only me. They can start it! ...is talking about how to handle the guest the village is easier as the hotel. The hotel is difficult. But here in the village is very easy, really very easy. Just: ‘ok, welcome to Sambi, blablabla...’ A: [lachen] H: With Javanese language: 'This is our food, this our room. Ok, enjoy your food enjoy your room!' Also the same with farmers for example, and so on. Is very easy simple. A: You don't think you need a special education? H: No need for special education. Is easy because our guest is only from the school, I mean the elementary school. See? Is easy. We're selling not in the 5 Star hotel, but here the homestay. We're selling our food, we're selling our things there are. Is easy. We're not selling the hummer, we're not selling spaghetti, we're not selling special steak. Don't need to know how to make steak, how to eat steak, don't how to serve the steak. […] We selling this one here [Geste auf die Umgebung bezogen]. Is easy to, to explain... to explain our guest, you know? Is very easy” (SHar2). Auch Gäste ins Dorf zu bringen sei einfach. Man müsse z.B. nur mit der UGM und Schulen reden und ihnen eine Broschüre vorbei bringen. Auch den Gästen könne man diese mitgeben, die diese weitergeben könnten (SHar1+2). Auch der ehemalige Ketua betont, dass es keines besonderen Wissens bedürfe, um am Tourismus zu partizipieren. Wie auch andere Bewohner Sambis und Ketingans ist er der Meinung, dass es nur Kreativität braucht, um am Tourismus zu partizipieren und z.B. seine Produkte oder Souvenirs an die Touristen zu verkaufen (SSum1, SMok, SSuy2, SHary2). Ein anderer Gesprächspartner aus Sambi, der Gäste beim Trekking geführt 77 hatte, sagte, dass er als natürlicher Bestandteil dieses Ortes eben tue, was er könne. Dabei lerne man, was wichtig sei. Auf dieses Art der Wissenaneignung bezog sich auch Ithok Dwi, der seiner zu Anfangszeiten ins Projekt involvierten Schwester, wenn dies nötig war, als Guide, oder auch in Belangen der Organisation ausgeholfen hatte. Zwar hatte er dann auch Schulungen besucht, die er als sinnvoll empfand, sei aber eben so „reingerutscht” und habe so durch Hilfsarbeiten Stück für Stück gelernt (SIth2). Weiteres Wissen hatte er beim Studium des Faches Sosiatri, speziell beim Schreiben seiner Abschlussarbeit über das Desa Wisata in Sambi, gesammelt (Dwi 2004). Sein theoretisches, akademisches und praktisches Wissen, das er sich auf unterschiedliche Weise angeignet hatte, konnte er jedoch trotz der Nähe zum Projekt aus Gründen, die an anderer Stelle thematisiert werden, nicht einbringen und engagierte sich später nicht weiter (SIth1+2). Denselben Studiengang hatte auch der Leiter des Komitees in Ketingan angefangen, später aber abgebrochen. Nach eigenen Angaben habe ihm der absolvierte Teil des Studiums bei seiner Arbeit für das Desa Wisata geholfen, weil es einen leichteren Zugang zur Gesellschaft ermögliche. Wichtiger sei aber die Berufserfahrung, die sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt. „See, while I was working at BKKBN91, I received a variety of trainings, including the techniques to persuade people so they do as I do. Principally I gained the skills to motivate and persuade when I was at BKKBN, through trainings. There were a lot of them. So the techniques of approach to individuals as well as groups were taught, and were very useful for working as a team. And moreover while at BKKBN I operated a lot on the field an worked with people, you know?” (KHar2). Auch der Sekretär Ketingans erwähnt seine im Beruf gesammelten Erfahrungen als besonders nützlich. Er sei viel gereist und habe daher ein Gefühl für den Umgang mit Menschen aus anderen Regionen bekommen. ”For example, there was a group of visitors from Jakarta, and also another one from Surabaya. We've never had that many visitors before. Using my experience, I coordinated the fellow villagers well, so that we could received them and serve them really well until they leave. By combining our experiences, we were able to serve them well, and the groups said that they were satisfied” (KJum). 7.3. Motivationen zur Partizipation am CBT-Projekt In obigen Abschnitt wurden bereits die Vorstellungen von Profit und den damit verbundenen Motivationen verschiedener Gesprächspartner erwähnt. 91 National Family Planning Coordination Board (Badan Koordinasi Keluarga Berencana Nasional) 78 Neben dem finanziellen Gewinn („big money“) (SHAr1) wurden die Erhaltung bzw. Revitalisierung von Traditionen und Kultur erwähnt (s.o.). Die zwei sehr engagierten Gesprächspartner in Ketingan (KHar, KJum) sahen die finanziellen Einnahmen nicht als Hauptgewinn an: „It's not only about money. Neither because we solely conserve animals, but we maintain the culture. All aspects of culture are great. Cultures vary from one place to another. We can learn from that. We revive what was once gone, like merti desa. [...] Since two years we have wayang. Nowadays people tend to be more money-oriented so the old tradition is almost extinct. Without unity and feeling of togetherness, such tradition will disappear over time“ (KJum). Auch in Sambi wurde ersichtlich, dass die Gesprächspartner stolz auf ihre Kultur sind und darauf, dass für die großartige Hochzeit bedeutende Personen extra aus dem Ausland in ihr Dorf kamen (SSum1, SMok, SSoy, SDuk). Ein Bewohner aus Ketingan meinte, dass sowohl durch die Bildungsangebote im Zuge des Tourismusprojekts, als auch durch den Besuch von Fremden im Ort gerade auch Dorfbewohner mit weniger Bildung etwas lernen könnten, ohne konkreter zu werden (KJum). Bei ihm und anderen Personen aus Ketingan zeigte sich, dass auch das „Besuch bekommen“ an sich schon einen Wert hat und damit einen Gewinn darstellt (KZwi, KSri, KSun, KSyo1+2). In beiden Dörfern hoffte man auf eine große Beteiligung der jungen Leute. Zum einen, weil man sich - besonders in Sambi eine Einnahmequelle erhoffte, welche die Abwanderung der jungen Generation in die Stadt verringert (SSyo1+2, SSum1). Zum anderen, weil so Traditionen auch an die junge Leute vermittelt würden (KJum, KHary2, KSyo, SSum1+2).92 Dies zeigt, dass die Motivation zum Engagement nicht nur der unmittelbare persönliche Gewinn ist, sondern auch der Nutzen der Gemeinschaft. Entsprechend empfinden einige Bewohner eine Nicht-Beteiligung am Projekt als regelrecht unverantwortlich (SMok, SHar2, KHar). Die Schatzmeisterin des Desa Wisata in Sambi stimmte dem ihr angetragenen Posten allein aus der Motivation zu, der Bevölkerung zu zeigen, dass man es besser mache können als ihre Vorgänger, indem mehr Geld in der Gemeinschaftskasse übrig bleibe als bisher. „I just wanted to know, after so many years and a lot of guest coming here, why the people couldn't enjoy the benefits of it. I wanted to prove that I can manage the finances and give them something“ (SSun). 92 Diese Hoffnung konnte bisher nicht erfüllt werden. Buchmans Feststellung, dass die Einnahmen Sambis zu gering seien, wurde bestätigt (Buchmann 2006:107). Spätestens wenn junge Leute eine feste Arbeitsstelle finden, partizipieren sie kaum noch am lokalen Tourismusprojekt. 79 Ein anderer Gesprächspartner äußerte sich ähnlich: „It can be said that this was a social work. Whether I liked it or not, I had to like it, because this was for public interest“ (SMok). Neben den positiven Potenzialen, welche motivierend wirken, wurden auch negative Aspekte angeführt. In Ketingan wurden jugendliche Mädchen und Jungen, die im Dorf übernachteten, dabei erwischt, wie sie sich nachts heimlich außerhalb der Häuser trafen. Um dieses unakzeptable Verhalten zu unterbinden, führte man Patrouillen ein (KHar2). In Sambi gab es bis vor wenigen Jahren am Dorfrand einige Hütten aus Naturmaterialien. Sie waren sehr beliebt bei Touristen und wurden auch von Kleingruppen aus der Stadt gemietet. Nachdem dort nachts lange und vermutlich mit Alkohol gefeiert wurde, verweigerten die Grundstücksbesitzer dem Investor den Neuaufbau der Hütten, als diese verrottet waren (SSyo2, SHary2, SMok). Im obigen Zitat der Schatzmeisterin (SSun) wird bereits deutlich, dass nicht alle Bewohner einen Gewinn aus Desa Wisata ziehen. Viele Befragten begründeten dies mit der Unwissenheit der Betroffenen. Unsere Untersuchungen zeigten jedoch auch andere Erklärungsansätze. Wir stellten fest, dass es sich nur die reicheren Dorfbewohner leisten können, ein Homestay einzurichten. Von manchen Bewohnern wurde beklagt, dass das Desa Wisata den Homestay-Betreibern zu noch mehr Einkommen verhilft, während sie selbst leer ausgehen (KLoh, IAan, SHary1, SSum1, SIth2). Entsprechend hatten sie auch kein Interesse zu partizipieren. Auch Buchmann stellte fest, dass es hauptsächlich die dominanten Familien waren, die Unterbringungsmöglichkeiten schufen und so Einkommen generieren konnten (Buchmann 2006:107). Eine weitere Interpretation für die mangelnde Motivation an einer Teilhabe am CBT-Projekt und den Aktivitäten der Organisation Gaia kommt von der Chefin Gaias. Sie beurteilt die Denkweise der Bewohner als sehr traditionell. „As long as they feel their everyday business can fullfill their basic needs. They do not need to think about another ideas. As long as they still can be farmer and have cattle, they still can take money from their business. They will not think about any other business” (GDif1). Ihr Kollege aus Borneo, der Trainings für die Bewohner Sambis angeboten hatte, die jedoch nicht angenommen wurden, erklärte dies durch die javanische Kultur der Bewohner und erwähnte dabei das Prinzip des nrimo,93 das speziell im Umkreis von Yogyakarta stark ausgeprägt sei: „Mit dem zufrieden sein was man hat und nicht nach mehr fragen“ (GDid). 93 Auch nrima oder nerimo. 80 7.4. Zwischenfazit Es zeigte sich, dass sich unsere lokalen Gesprächspartner der touristischen Potentiale ihrer Dörfer durchaus bewusst sind. Wie bei den im ersten Teil der Arbeit angeführten CBT-Projekten mangelt es aber an einem grundlegenden Bewusstsein für Tourismus, wie auch an Spezialwissen (Cole 2006, Elixhauser 2006, Neudorfer 2005). Wissen ist unterschiedlich auf die Bewohner verteilt. Sie beziehen es aus verschiedenen Quellen und eigenen es sich auf unterschiedliche Arten an. Bestimmtes Wissen und auch eine gewisse Vorbildung als Voraussetzung für die Aneignung von neuem Wissen werden je nach Forschungsteilnehmer sowie dessen Position und Funktion als wichtig erachtet. Der Wissensvorrat einzelner Individuen kann auch mit anderen „kombiniert“ werden, um Aufgaben zu bewältigen, zu denen ein Individuum alleine nicht das (Spezial-) Wissen besitzt. „Learning by doing“ ist die gewohnte Methode der Aneignung. Je bedeutender die Position einer Person innerhalb der Struktur des Desa Wisata, desto mehr Wissen über die Strukturen und Abläufe, den Markt und seine Anforderungen sowie potentielle Attraktionen ist vorhanden. In beiden Dörfern scheinen nur die Spitzen des Komitees kompetent und konstant aktiv zu sein. Nach der Anfangsphase, in der dem jeweiligen Dorfoberhaupt die Organisation des Tourismus zufiel, waren an der Spitze der Organisationsstruktur tendenziell Personen beteiligt, die über eine gehobene Ausbildung und/oder Erfahrungen verfügten, die sie zu qualifizieren schien(en). Tendenziell waren diese leitenden Personen auch sozial engagiert. Dies bedeutet allerdings nicht, dass im Umkehrschluss alle Personen, auf die die Attribute der Führungspersonen zutreffen, ihr Wissen auch in das Projekt einbringen können. Verschiedene Motivationen für die Beteiligung am Projekt lassen sich erkennen. Innovationen müssen aus Sicht der Akteure als nützlich und wichtig erachtet werden, um angenommen zu werden (Hartwig 2004:176, Dudley 1993, Neubert/Macamo 2004:104). Von unseren Forschungsteilnehmern werden verschiedene Formen von Gewinn angesprochen, die auch in der CBT-Theorie aufgeführt sind. Neben dem finanziellen Profit wird hier auch die Bindung der Jugend an den Ort genannt. Die Kommodifizierung von Kultur führt zu Stolz auf die eigene Kultur, bewahrt oder revitalisiert kulturelle Elemente, stärkt die Gemeinschaft und führt zu einem Lerneffekt. Wie in der CBT-Theorie ist mit dem Projekt auch die Hoffung auf weitere Bildung verbunden (Neudorfer 2005). Allerdings wurde auch schon ein Faktor ersichtlich, der eine Partizipation am Projekt verhindert. Der Zeitaufwand in den ehrenamtlichen Positionen wird von vielen als ein gro- ßes Hinderniss genannt sich zu beteiligen. 81 Die moralische Komponente lokalen Wissens zeigt sich sehr deutlich an der Einschätzung, dass man das Desa Wisata unterstützen müsse, ob es einem gefalle oder nicht. Wer dies nicht tut, gilt als unverantwortlich, weil es als moralische Pflicht gilt, sich für das Wohle aller einzusetzen und als logische Folge das Projekt zu unterstützen. Ebenso mindern moralische Bedenken gegenüber dem Verhalten der Touristen die Euphorie über die möglichen positiven Effekte des Projekts. Viele weniger gut situierte Bewohner Sambis sehen für sich keinen Nutzen in dem CBT-Projekt. Dies deckt sich mit der These Dudleys, wonach besonders die Reichen profitieren und es der eigentliche Zeilgruppe von Projekte an Ressourcen fehlt um zu partizipieren. In Sambi führte dies zu Neid und Konkurrenzdenken, welche das welche das rukun gestört haben. Die dennoch vorhandene Toleranz der Tourismusgegner kann mit der Absicht erklärt werden, den örtlichen Frieden nicht noch mehr zu schaden (vgl. Buchmann 2006:108). Die fehlende Unterstützung der Bevölkerung für das Komitee ist also möglicherweise ein passiver Widerstand gegen den Tourismus. Die dort herrschenden gesellschaftlichen Verhaltensnorm der Vermeidung öffentlicher, direkt ausgetragender Konfklikte legt eine solche Vermutung nahe (Magnis-Suseno 1981, Markham 1995). Die Aussage der Chefin Gaias deckt sich mit der These, wonach neues Wissen in Zeiten von Not und Umbruch eher angenommen, bzw. überhaupt in Betracht gezogen wird (Macamo/Neubert 2004:186ff). Sie verweist zugleich auf die Lebenseinstellung der angesprochenen Bauern. Auch ihr Kollege nimmt Bezug die lokale kulturelle Prägung der Bewohner. Er benennt das Prinzip des nrimo: "Nrima bedeutet, sein Schicksal anzunehmen, ohne inneren oder äußeren Protest zu bekunden“ (Geertz 1969:239). Es ist „gleichbedeutend mit innerer Freiheit gegenüber weltlichen Dingen und innerer Ruhe. [...] Nrima bietet durch das würdevolle Akzeptieren des unvermeidlichen seelischen Frieden“ (Markham 1995:59). Dieser im lokalen Alltagswissen enthaltenen Maxime zu Folge hat Tourismus kaum Relevanz, denn es ist nicht wichtig, mehr Geld einzunehmen oder einen höheren Status durch Partizipation im Projekt zu erlangen. Diese Erklärungsversuche verweisen auf den starken lokalen Bezug von Wissen und Wissensvermittlung und der sie bedingenden Faktoren.

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Zusammenfassung

Von alternativen Konzepten, wie dem des Community Based Tourism, erhofft man sich, die oftmals negativen Auswirkungen von Tourismus auf die lokalen Bevölkerungen und ihre Lebenswelten zu verbessern. Allerdings zeigt sich, dass auch dieser Ansatz in der Praxis oftmals nicht wie erhofft funktioniert. Der Mangel an Wissen und Verständnis für Tourismus der lokalen Akteure wird als grundlegendes Hindernis der Entwicklung nachhaltiger alternativer Projekte gesehen. Beruhend auf einer 10-wöchigen durchgeführten Feldstudie behandelt diese Arbeit den Transfer von Wissen in zwei Community Based Tourism-Projekten auf Java, Indonesien. Dort entstehen in den ländlichen Gebieten der Region Yogyakarta seit einigen Jahren vermehrt desa wisata (Tourismusdörfer). Diese beruhen hauptsächlich auf der Vermarktung von Traditionen und Kultur im weitesten Sinne. In dieser Arbeit werden für die theoretische, aber auch praktische Beschäftigung mit dem Thema relevante Erkenntnisse gewonnen. Es lassen sich auch Handlungsanweisungen für die Praxis der Wissensvermittlung zur Ermächtigung der Durchführung von CBT-Projekten ableiten. Folgende Leitfragen ziehen sich durch die Arbeit: Welche Akteure in den Projekten sind Träger welchen Wissens? Wie wird Wissen vermittelt, und vor allem: welche Faktoren bedingen diesen Prozess?