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Reproduktion zwischen institutioneller Fortpflanzung und der Geburt neuer Leitbilder – ein Geleitwort von Dr. Katja K. Hericks und Dr. Almut Peukert in:

Nora Lege

Wie Kinder Männer und Frauen Machen, page 1 - 10

Über die alltägliche Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit im Kinderkriegen

1. Edition 2017, ISBN print: 978-3-8288-4000-3, ISBN online: 978-3-8288-6803-8, https://doi.org/10.5771/9783828868038-1

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 83

Tectum, Baden-Baden
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Reproduktion zwischen institutioneller Fortpflanzung und der Geburt neuer Leitbilder – ein Geleitwort von Dr. Katja K. Hericks und Dr. Almut Peukert Geschlechterdifferenzierende Familie als historisches Deutungsmuster Es gibt Männer und Frauen und das wechselseitige Begehren derselben, weil die Menschheit sich so fortpflanzt. Dieses Narrativ wird alltags‐ weltlich als vollkommen hinreichender Grund für die Zweiteilung von Geschlecht sowie die Exklusivität und Naturhaftigkeit der Ge‐ schlechtskategorien wahrgenommen. Auf ihm basieren seit der Sattel‐ zeit (um 1800) die Ungleichheit der Geschlechter und ein spezifisches hegemoniales Verständnis von Familie (Schiebinger 1995; Honegger 1993, 2011). Demnach besteht Familie aus einem erwachsenen Mann, einer erwachsenen Frau und ihren gemeinsamen leiblichen Kindern. Geschlechterungleichheit und die heterosexuelle Familie wurden dabei systematisch aufeinander bezogen und so reflexiv abgesichert. Die fa‐ miliale Hierarchie mit einem männlichen Oberhaupt und die ebenfalls hierarchisierte geschlechterdifferenzierende Teilung familialer Pflich‐ ten tabuisieren die Gleichheit der Geschlechter und festigen die Un‐ gleichheit (Rubin 1975; Hausen 1976; Frevert 1995). Dass das Narrativ nun über die zwei Jahrhunderte hinweg so hartnäckig ist, lässt sich his‐ torisch nachvollziehen: Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war das Deutungsmuster Familie nicht nur ein soziales Idealbild des individu‐ ellen Lebensvollzugs. Vielmehr wurden auch Staaten nach diesem Bild konstruiert – wovon der Begriff des Landesvaters noch zeugt – und mit ihnen nationales sowie internationales Recht (Whitworth 1994; Frank et al. 2010). Beispielsweise wurde bis 2000 die Staatsangehörig‐ keit über dieses Leitbild geregelt, indem Frauen keine eigene Staatsan‐ gehörigkeit hatten, sondern bis zur Ehe die des Vaters, danach die des 1 Ehemanns erhielten (vgl. Gosewinkel 2011), und nach wie vor finden wir das Modell der Vaterfamilie im Steuerrecht (Ehegattensplitting) und in den Steuerformularen. Dies ist die eine Seite. Auf der anderen Seite verliert die Konstitution des Sozialen über das Leitbild Familie seit den 1940er-Jahren sukzessive an Bedeutung zugunsten einer Orientierung am Individuum. Exemplarisch dafür ste‐ hen die globalen Veränderungen des Sexualstrafrechts seit der Nach‐ kriegszeit, in welcher das Leitbild der sexuellen Selbstbestimmung die biopolitische Ausrichtung auf die Reproduktion der Bevölkerung zu‐ nehmend verdrängt (Frank und McEneaney 1999; Frank et al. 2010). Parallel dazu wurden durch Frauenbewegungen die reproduktiven Rechte von Frauen gegenüber den reproduktiven Interessen von Staa‐ ten gestärkt. Seit den 1960er-Jahren bildet sich dieser Paradigmen‐ wechsel in einer Liberalisierung von Abtreibungsgesetzen in vielen Weltregionen ab (Ramirez und McEneaney 1997; Boyle et al. 2015). Die rechtliche und kulturelle Individualisierung führte also dazu, dass die normative Macht des Deutungsmusters der heterosexuellen (über die Institution Ehe zusätzlich abgesicherten) Familien bröckelt. Alter‐ native Lebensgestaltungen, wie das Single-Dasein, kinderlose Paarbe‐ ziehungen oder die sogenannten Regenbogen- und Patchworkfamilien, gewinnen zunehmend an Legitimität. Gleichzeitig entwickeln sich die medizinischen und technischen Möglichkeiten zur Entkopplung von Koitus und Kinderzeugung in beide Richtungen weiter: als folgenlose Sexualität und als asexuelle Prokreation. Medien projizieren mit Bil‐ dern schwangerer Männer die mutmaßliche Zukunft einer ge‐ schlechtslosen Fortpflanzung, die von den letzten Ressourcen ge‐ schlechtlicher Ungleichheit befreie (z.B. taz 19. Oktober 2016). Das Narrativ verliert dadurch an Glaubwürdigkeit, und die Unterscheidung der zwei und nur zwei notwendigen Geschlechter wird zunehmend in‐ frage gestellt. Gegen diese Entwicklung agieren verschiedene Träger parlamenta‐ rischer wie außerparlamentarischer Politik, darunter die AfD, die „De‐ mo für alle“ in Stuttgart oder Repräsentanten der großen Kirchen. Sie binden diskursiv die medizinischen und technischen Möglichkeiten von Schwangerschaftsverhütung und -abbruch, Reproduktionsmedizin, Leihmutterschaft und Adoptions‐ rechte immer wieder an das Ideal des heterosexuellen, verheirateten Reproduktion zwischen institutioneller Fortpflanzung und der Geburt neuer Leitbilder 2 Paares mit leiblichen Kindern zurück. Gerade im zunehmenden „Anti- Genderismus“ (Hark und Villa 2015) werden eine traditionale Ord‐ nung des Kinderkriegens und die binär-exklusive Geschlechtsdifferen‐ zierung gemeinsam naturalisiert und gegen liberale, auf Selbstbestim‐ mung bezogene politische Haltungen sowie konstruktionstheoretische wissenschaftliche Ansätze verteidigt. Die Zweigeschlechtlichkeit des Kinderkriegens in der Soziologie In der konstruktionstheoretisch orientierten Soziologie des Ge‐ schlechts wird die Kategorie Geschlecht nicht (mehr) als (biologische) Eigenschaft von Individuen, sondern als ein in Interaktionen herzu‐ stellendes und hergestelltes „ongoing accomplishment“ (West und Zimmerman 1989) verstanden. Institutionen stellen diesem Vollzug handlungsentlastende Ressourcen zur Verfügung und sichern ihn ge‐ sellschaftlich ab (im Überblick: Gildemeister und Hericks 2012). Trotz dieses Verständnisses von Geschlecht bzw. Zweigeschlechtlichkeit als soziale Tatsache, steht die Betrachtung des Kinderkriegens bzw. der Fortpflanzung als genuin soziales Phänomen noch aus. Es scheint, als ob das Alltagswissen über das Kinderkriegen als primär biologischen Vorgang eine soziologische Deutung bisher weitgehend verhindert. Forschungsthemen rund um Demografie und gesellschaftliche ‚Fertilität‘ sind in der Familiensoziologie fest etabliert. Für den deutschsprachigen Raum werden diese Themen u.a. in der „Zeitschrift für Familienforschung“ und in „Comparative Population Studies ‒ Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft“ verhandelt. Auch der Zeit‐ raum nach der Geburt eines Kindes und hier insbesondere die Arbeits‐ teilung von (Eltern-)Paaren sowie deren Arrangements zwischen Er‐ werbs- und Familienarbeit werden vielfältig bearbeitet (u.a. Koppetsch und Burkart 1999; Behnke 2012; Trappe 2013; Koppetsch und Speck 2015; Peukert 2015). Im Zuge ‚neuer‘ reproduktionsmedizinischer und -technischer Möglichkeiten, wie Ultraschalluntersuchungen, Gentests, In-vitro-Fertilisation, Eizellspende oder Kryokonservierung von Ga‐ meten, entsteht ab den 1970er-Jahren in der Frauen- und Geschlech‐ terforschung eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Professiona‐ lisierung, Medikalisierung und Technisierung von Schwangerschaft Die Zweigeschlechtlichkeit des Kinderkriegens in der Soziologie 3 und Geburt (z.B. Duden 1991; Ullrich 2012; Heimerl 2013). Implizit wird dabei häufig jedoch der ‚technischen‘ Seite eine vorsoziale, ‚natür‐ liche‘ gegenübergestellt. Erst seit einigen Jahren wird der naturalisierte Komplex Kinder‐ kriegen, Schwangerschaft, Geburt und Elternwerdung intensiver aus‐ geleuchtet und neuerdings auch sozialtheoretisch relevant gemacht (u.a. Duden et al. 2002; Villa et al. 2011; Schadler 2013; Hirschauer et al. 2014; Heimerl und Hofmann 2016). Einige wenige Studien liefern erste Hinweise auf mögliche Verstrickungen von Geschlecht und Pro‐ kreation: Landweer (1994) geht noch davon aus, dass Zweigeschlecht‐ lichkeit als natürliche, überhistorische und kulturübergreifende Vor‐ aussetzung und Konstante des Kinderkriegens zu konzeptualisieren sei. Dagegen argumentiert Drinck (2005a, 2005b), dass gegenwärtige all‐ tagsweltliche Konzepte des Kinderkriegens und der Zweigeschlecht‐ lichkeit komplex miteinander verwoben sind und wechselseitig aufein‐ ander verweisen. Das alltägliche Einfangen der widersprüchlichen Gleichzeitigkeit Wie Zweigeschlechtigkeit und Prokreation miteinander verwoben werden, entwickelt Nora Lege im vorliegenden Buch systematisch an einem empirisch herausgearbeiteten theoretischen Modell zum Kin‐ derkriegen als Zeugungs-, Austragungs- und Gebärkomplex. Vor dem Hintergrund einer hitzig geführten politischen Diskussion legt die Au‐ torin eine kühle und sachliche Analyse darüber vor, welche alltägli‐ chen Vorstellungen des Kinderkriegens 20- bis 35-jährige Großstäd‐ ter_innen aufweisen und wie sie die Kategorie Geschlecht hierin ver‐ orten. Die 15 Interviewten sind kinderlos, befinden sich aber in einer biografischen Phase der ‚Anrufungen zur Elternschaft‘ (vgl. Correll 2010). Nora Lege untersucht anhand dieser Interviews, wie die wider‐ sprüchliche Gleichzeitigkeit von Essenzialisierung einerseits und Frei‐ setzung individueller Spielräume andererseits in der Idee des Kinder‐ kriegens gelöst wird. Sie zeigt, wie Konzepte von Normalität, Indivi‐ dualität und Naturhaftigkeit in die Deutungen des Kinderkriegens ein‐ gelassen sind und dabei das hegemoniale Narrativ der geschlechtsdif‐ Reproduktion zwischen institutioneller Fortpflanzung und der Geburt neuer Leitbilder 4 ferenzierenden heterosexuell konstituierten Familie mit ‚leiblichen‘ Kindern herstellen. Die Ergebnisse der Analyse bestätigen zum einen konstruktions‐ theoretische Vermutungen zu den großen Linien der alltäglichen Her‐ stellung der Naturhaftigkeit von Geschlecht in der heutigen Zeit. Der Erwartung an das Individuum, Geschlecht im „ongoing accomplish‐ ment“ herzustellen (West und Zimmerman 1989), um seine soziale Zurechnungsfähigkeit zu beweisen (i.S.v. „accountability“ nach Garfin‐ kel 1967), gesellt sich eine weitere hinzu: Das Individuum soll die Agentschaft für sich selbst übernehmen (Meyer und Jepperson 2000), d.h., es wird erwartet, dass es individuelle Entscheidung fälle und seine eigenen Interessen zu vertreten verstehe. Aufgrund der eingangs skiz‐ zierten Gleichzeitigkeit des Deutungsmusters der heterosexuellen Fa‐ milie und des Leitbilds des selbstbestimmten Individuums sind Brüche zwischen dem Anspruch individualisierter Entscheidung einerseits und naturalisierter sowie sozialer Konventionalisierung andererseits zu erwarten. An diesem Punkt nun weisen die Ergebnisse der Autorin faszinie‐ rende Wendungen auf: Was auf gesellschaftlicher Ebene als unversöhn‐ liche Kontroversen zwischen antagonistischen Parteien erscheint, wird hier innerhalb eines (jeden) Interviews abgerufen. Dabei werden die widersprüchlichen Deutungsmuster weder gegeneinander abgewogen und in die eine oder andere Richtung aufgelöst, noch bleiben sie ein‐ fach unvermittelt nebeneinander stehen. Vielmehr fügen sie sich zu einem vermeintlich konsistenten Komplex zusammen: Keine der drei Argumentationslogiken Natur, Normalität und Individualität kann konsistent die normative Erwartung des ‚eigenen Kindes‘ als Produkt heterosexuellen Begehrens begründen. Sie sind jeweils darauf angewie‐ sen, dass die anderen ihre Lücken und Inkonsistenzen überbrücken. Diese Verbindung von Natur, Gesellschaft und Individuum im Sense Making des Kinderkriegens ist der wichtigste Modus der alltäglichen Konstruktion der Institution Prokreation. Zusätzlich rahmen eine Ta‐ buisierung von (gewollter) Kinderlosigkeit einerseits und die Kon‐ struktion eines universellen Skripts andererseits diese Institution und bilden dabei einen weiteren Schutzwall. Dadurch wird die Vorstellung, Kinder seien die natürliche Folge von ‚Geschlechtsverkehr‘, gerade re‐ sistent gegen die Faktizität des prokreationslosen Koitus und der extra- Das alltägliche Einfangen der widersprüchlichen Gleichzeitigkeit 5 koitalen Prokreation. Nur so kann diese Vorstellung das zweihundert Jahre alte Narrativ aufrechterhalten: Es gibt Männer und Frauen und das wechselseitige Begehren derselben, weil die Menschheit sich so fortpflanzt. Befruchtung einer viralen Debatte Nora Lege arbeitet hiermit empirisch heraus, wie Fortpflanzung in in‐ stitutioneller Reflexivität immer wieder zu der tragenden Säule für He‐ teronormativität und Zweigeschlechtlichkeit gemacht wird. Mit dem Konzept der institutionellen Reflexivität hat Goffman (1977) darauf aufmerksam gemacht, dass sich soziale Wissensbestände, institutionel‐ le Arrangements und alltägliche Praktiken im wechselseitigen Bezug aufeinander sozial verstetigen und selbstverständlich werden. Goffman selbst hat dies am Beispiel der Paarbildung verdeutlicht: Das Wissen um die Differenz der Geschlechter wird im Arrangement des heterose‐ xuellen Paares manifest und durch ein Verhalten als ‚Mann und Frau‘ reproduziert. Die Diskussion um die geschlechterdifferenzierende Ar‐ beitsteilung fügt dem einen weiteren Zyklus hinzu: Die geschlechtliche Aufgabenteilung in der Familie verlangt die Präsenz beider Geschlech‐ ter im Paar (Heterosexualität) und bestätigt ihre Komplementarität und damit ihre Differenz (Rubin 1975; Gildemeister und Robert 1999; Wetterer 2002). Versorgung i.S.v. Familieneinkommen und Fürsorge der Familie i.S.v. Care sind heutzutage aber weder rechtlich noch im Selbstverständnis junger Menschen geschlechtsexklusiv. Zumindest (wenn auch oft nur) im Anspruch hat sich das Deutungsmuster der in‐ dividuellen Agentschaft dahin gehend durchgesetzt, dass das Bread‐ winner- vom Adult-Worker-Modell abgelöst wurde (Koppetsch und Burkhart 1999; Lewis und Giullari 2005; Schwiter 2015). Vor diesem Hintergrund wird die „Teilung der Arbeit im Geschlechtsakt“ (MEW, S. 31) zur „Produktion des Lebens“ (ebd., S. 29) zum letzten Refugium bzw. zur Trutzburg der geschlechterdifferenzierenden Arbeitsteilung. Folglich steht zu vermuten, dass sich in ihr interaktive Aushandlungen der Differenz in absehbarer Zeit kristallisieren werden. Nora Lege legt daher mit ihrer Analyse einen wichtigen Grundstein für Fragen, wie Reproduktion zwischen institutioneller Fortpflanzung und der Geburt neuer Leitbilder 6 Zweigeschlechtlichkeit zukünftig reflexiv abgesichert oder verunsichert wird. Mehr noch wird durch ihre mikrosoziologische Analyse eine For‐ schungslücke sichtbar, die bisher übersehen wurde, weil Reproduktion zumeist makrosozial erforscht wird. Dabei wird oft implizit angenom‐ men, dass makrosoziale Phänomene eng mit mikrosozialen ver‐ schränkt seien, erstere bspw. ein Spiegel oder Ergebnis von letzteren seien. Mikro- und makrosoziale Ordnungen sind jedoch nur lose ge‐ koppelt (Goffman 1983) und können widersprüchliche Gleichzeitig‐ keiten produzieren. Für Geschlechtergleichheit einerseits und -un‐ gleichheit bzw. -differenz andererseits wird dies seit bald zwanzig Jah‐ ren intensiv diskutiert (Heintz und Nadai 1998; Heintz 2008; Kahlert/ Weinbach 2012; Gildemeister/Hericks 2012): Auf der Ebene von Ge‐ setzgebungen und globalen Leitbildern wird eine De-Institutionalisie‐ rung beobachtet, sodass Geschlechterdifferenz interaktiv nun mit er‐ heblich mehr Aufwand hergestellt werden muss und wird (Heintz und Nadai 1998). Auch für die Reproduktion, so haben wir oben argumen‐ tiert, lässt sich ein erheblicher Wandel auf (globaler) gesellschaftlicher Ebene beobachten, der einen Legitimationsverlust der naturalisierten Deutungsmuster von Fortpflanzung, Heteronormativität und Zweige‐ schlechterordnung evoziert. Nora Lege zeigt, dass dieser Legitimitäts‐ verlust mikrosozial eingefangen und mit erheblichem Argumentati‐ onsaufwand geheilt wird. Hierin liegt die weit über eine Interviewstu‐ die hinausgehende Bedeutung des vorliegenden Buches. Behnke, Cornelia (2012): Partnerschaftliche Arrangements und väterliche Praxis in Ost- und Westdeutschland. Paare erzählen. Opladen: Barbara Budrich. Boyle, Elizabeth H.; Kim, Minzee; Longhofer, Wesley (2015): Abortion Liberaliza‐ tion in World Society, 1960? 2009. In: American Journal of Sociology 121 (3), S. 882–913. Correll, Lena (2010): Anrufungen zur Mutterschaft. Eine wissenssoziologische Un‐ tersuchung von Kinderlosigkeit. Münster: Westfälisches Dampfboot. 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Zusammenfassung

Kinder machen Männer und Frauen? Machen nicht viel eher Männer und Frauen Kinder? Im Alltag scheint es ganz klar: Manche Menschen sind Männer und andere Frauen, sie begehren sich und bekommen Kinder. Das Kinderkriegen scheint einer Gesetzmäßigkeit zu folgen, aus der sich Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität natürlich und notwendig ergeben. Auch wenn klar ist, dass aufgrund neuer Reproduktionstechnologien nicht alle Menschen auf diese Weise Kinder bekommen, und aufgrund von Verhütungsmitteln Kinder auch keine notwendige Folge heterosexuellen Begehrens sind, liegt in der alltäglichen Idee des Kinderkriegens nach wie vor die Letztbegründung einer natürlichen Geschlechterordnung. Diese Studie nähert sich mit einer qualitativen Interviewanalyse Prokreation als sozialtheoretischem Forschungsgegenstand an und deckt die darin inhärente Konstruktion einer naturalisierten Zweigeschlechtlichkeit auf.